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In der Zeitung erschienen

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Der Mythos vom bösen Wolf

Donnerstag, den 5. März 2015
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Expertin Sabine Pott über Isegrims Ankunft in der Region und Verhaltensregeln für Menschen

MAZ Oranienburg, 5.3.2015

HOHENBRUCH
Nachdem in der vergangenen Woche der Wolf in Groß-Ziethen in die Fotofalle tappte, herrscht Gewissheit: Das Tier ist in der Region unterwegs. Sabine Pott (28) aus Hohenbruch arbeitet in der dortigen Tierpension mit kleinem Tierpark und ist beim Naturschutzbund (Nabu) als Wolfsbotschafterin aktiv.

MAZ: Warum hat der Wolf so einen miesen Ruf?
Sabine Pott: Dazu haben neben dem Mythos vom „bösen Wolf“ wohl auch die Märchen der Brüder Grimm beigetragen. Außerdem galt der Wolf als Nahrungskonkurrent, damals waren die Menschen mehr auf ihre Nutztiere angewiesen. Es kam durch Mangel an Schutzmaßnahmen zu Zwischenfällen zwischen Nutztieren und Wölfen.

Sind Sie überrascht über den Wolf, der bei Groß-Ziethen geblitzt worden ist?
Pott: Eigentlich gar nicht. Es gibt in Brandenburg mehrere Rudel und Paare. Es war also nur eine Frage der Zeit. Das Foto von Groß-Ziethen ist aber purer Zufall. Wobei ich nach dem Vorfall in Verlorenort nicht weiß, ob es sich dort wirklich um einen Wolf handelte, der das Kalb riss. Das Wolfsmanagement wurde nicht informiert, es wurde nichts untersucht.

Haben wir einen Wolf oder sind es mehrere?
Pott: Zurzeit wird es wohl einer sein. Wölfe leben in Kleinfamilien, die Jungtiere wandern im Alter von 22 Monaten ab und suchen sich ein eigenes Territorium. Möglicherweise ist es bei uns ein Jungwolf. Es ist Paarungszeit, und er könnte auf der Suche sein. Aber das ist alles Spekulation.

Wie groß ist sein Territorium?
Pott: Er legt am Tag 70 bis 80 Kilometer zurück.

Wie sollten wir uns verhalten?
Pott: Es ist unwahrscheinlich, dass man einem Wolf begegnet. Er riecht den Menschen, dann sucht er das Weite. Und ansonsten sollte man in die Hände klatschen und wild gestikulieren. Von ihm geht nicht mehr Gefahr aus, als von anderen heimischen Wildtieren.

Steht er unter Naturschutz?
Pott: Er steht unter dem höchstmöglichen Schutz, den Wildtiere genießen können. Er gehört zum nicht jagdbaren Wild, es ist strafbar, ihn zu erschießen. Was anderes ist es bei atypischem Verhalten, wenn er zum Beispiel die Scheu vor Menschen verloren hat und möglicherweise dadurch eine Gefahr von ihm ausgeht. Hier gibt es sehr genaue Regeln.

Wie können Landwirte ihre Tiere schützen?
Pott: Zum Beispiel mit Herdenschutzhunden und wolfssicheren Zäunen. Ein Wildtier macht unterbewusst immer eine Kosten-Nutzen-Rechnung, wie viel Energie es verbraucht, um an Nahrung zu kommen. Landwirte warten oft, bis das erste Tier gerissen worden ist und kümmern sich erst dann um den Schutz. Der Wolf lernt so, wo er leichte Beute hat.

Apropos, was frisst er denn so?
Pott: Hauptsächlich Rehe, Wildschweine und Kaninchen, aber auch Schafe und Ziegen sind gefährdet.
Trotz dieser Widrigkeiten – ist es ein positives Signal, dass der Wolf bei uns ist?
Pott: In meinen Augen definitiv. Er bringt auch Probleme mit sich, aber die sind zu lösen, wenn die Betroffenen bereit dazu sind. Das Land Brandenburg hat einen Wolfsmanagementplan, der besagt in welcher Höhe Präventionsmaßnahmen gefördert werden und inwieweit Schadensfälle kompensiert werden. Die Nutztierhalter können sich bei den entsprechenden Behörden zu informieren.

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Kulturranzen mit Musik im Blut

Mittwoch, den 4. März 2015
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Die Band aus Beetz probt gerade für ein Konzert in Kremmen

MAZ Oranienburg, 4.3.2015

BEETZ
Wer einen Abend im Proberaum der Kulturranzen in Beetz verbringt, erlebt entspannte Stunden. „Wir treffen uns jeden Mittwoch“, erzählt Ulf Gruber. „Wir spielen drei Stunden, aber manchmal quatschen wir auch nur.“ Ein Treffen unter Freunden. Die Gitarre wird an den Strom gestöpselt, das Mikro getestet, und dann kann es losgehen. Die Musik breitet sich im Raum aus, das E-Piano sorgt für einen Klangteppich.

Seit 2013 gibt es die Band. Zu ihr gehören Ulf Gruber (49), Matthias Trümper (50) und Jens Mahla (40), alles Beetzer. „Wir haben uns bei der Adventstürchen-Aktion in Beetz getroffen“, erzählt Ulf Gruber, „und haben dann beschlossen: Wir spielen mal zusammen.“ Es ist ein Hobby, sie machen das gern. Das merkt man sofort.

Sie spielen Michael Bublés „Let me go Home“ und sind dabei für ein paar Minuten ganz ernsthaft dabei. An der Wand des Proberaums hängen mehrere Gitarren, am Rand steht ein Akkordeon, in der Ecke steht noch ein Schlagzeug. Die beiden Fenster sind von außen zugemauert: Lärmschutz. Die Band hat einen größeren Auftritt vor sich: Am 14. März treten die Kulturranzen im Kremmener Theater „Tiefste Provinz“ auf. Deshalb ist bei der Probe auch Trümpers Tochter Lena (17) dabei, die mit der Band auftreten wird.
„Ich glaube, ich würde den Bass weglassen“, sagt Jens Mahla, nachdem sie mit dem Stück fertig sind, und schon ist Ulf Gruber, der den Bass gerade gespielt hat, vorübergehend arbeitslos. Er nimmt’s locker. Gemeinsam arbeiten sie an den Stücken, die sie spielen. Genau analysieren sie, was noch zu verbessern wäre: „Noch nicht optimal“, heißt es dann. „Zu schnell. Es fehlt die Steigerung. Ein wenig Hintergrundgesang dazu?“ Und machen sich wieder an die Arbeit.

Zu Beginn nannten sie sich „Spätlese“. „Das klang recht konservativ“, erinnert sich Matthias Trümper. „Die Band, die sich nicht traut“ ist auch ein Name, der immer mal umherschwirrt, seit die Männer ein Konzert am Osterfeuer absagten. Wem die „Kulturranzen“ eingefallen sind, weiß keiner mehr so genau. Aber Kultur passt, und Ranzen auch. Wobei der Ranzen das Teil sein könnte, was man im Fall der Kultur gern mitschleppt, aber auch der Bauch – den man ebenfalls mehr oder weniger gern mitschleppt. Gemeinsam spielen sie Rock- und Popsongs, ganz entspannt. Darum geht es den Männern auch. „Weinchen trinken und Live-Musik hören“, sagt Jens Mahla.

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Rettungswachen droht das Aus

Dienstag, den 3. März 2015
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Probephase ab Mitte März: Kein Krankenwagen in Sommerfeld, Versorgung dann aus Kremmen

MAZ Oranienburg, 3.3.2015

KREMMEN
Ute Werner aus dem Kremmener Ortsteil Beetz macht sich Sorgen. Ab voraussichtlich Mitte März ist im Nachbardorf Sommerfeld bis mindestens Dezember kein Rettungswagen mehr stationiert.
Hintergrund ist die geplante Umstruktuierung der Rettungsdienst-Standorte im Landkreis. In einer von Mitte März bis zum Jahresende dauernden Testphase soll der Sommerfelder Rettungswagen nach Gransee wechseln. Das bestätigte gestern Ronny Wappler, der Sprecher des Landkreises.

Änderungen gibt es auch in der Staffelder Wache. Einer der beiden dortigen Rettungswagen kommt während der Testphase zur Feuerwehr nach Kremmen – allerdings nur am Tage. Auf dem Kremmener Gelände wird ein Container dafür aufgestellt. Nachts steht dieses Fahrzeug dann wieder in Staffelde.

Ronny Wappler betonte gestern, dass dies kein Aus für die Sommerfelder Wache bedeute, erst wolle man den nun beginnenden Test auswerten. Fällt der jedoch positiv aus, könnte das dazu führen, dass die Rettungswache dann an der Feuerwehr in Kremmen angesiedelt wird – statt wie jetzt in Staffelde und Sommerfeld. Aber das sei zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar.
Die Kreisverwaltung bezieht sich auf ein 2011 in Auftrag gegebenes Gutachten zur Organisation des Rettungsdienstes in Oberhavel. Danach sei, so Wappler, insbesondere die Sommerfelder Rettungswache unterdurchschnittlich ausgelastet, in Gransee dagegen besonders stark. Während es in Gransee 2014 insgesamt 948 Einsätze gab, waren es in Sommerfeld nur 326. Im Gutachten wird eine Verlagerung von Personal und Technik vorgeschlagen, was der Landkreis nun testweise umsetzt.
Laut Ronny Wappler sollen die gesetzlichen Rettungszeiten aber dennoch eingehalten werden – auch nachts, wenn in der Testphase der Kremmener Rettungswagen in Staffelde steht. „Außerdem sind die Wagen ja oft sowieso in der Region unterwegs“, so Wappler.

Ute Werner aus Beetz ist da skeptisch: „In Notfällen ist es wichtig, schnell Hilfe zu bekommen“, sagt sie. „Was ist denn ein Leben wert, wenn es das nicht wert ist? Notfälle kann man nicht wirtschaftlich planen.“ Sie hat gestern im Internet eine Open-Petition gestartet. Titel: „Erhaltung der Rettungswagenstützpunkte Sommerfeld/Staffelde“.

Kommentar

Spiel mit dem Leben
RT zur geplanten Umsetzung der Krankenwagen

Dass auch ein Rettungsdienst einigermaßen wirtschaftlich betrieben werden muss, ist klar. Die bald beginnende Testphase ist aber auch ein Spiel mit dem Leben.

Nur mal angenommen: Es ist Nacht, 2.15 Uhr. Irgendwo in Beetz bekommt eine Person einen Herzinfarkt, jede Minute zählt. Die Sommerfelder Rettungswache: dicht. Die Kremmener Container: zumindest in der Testphase nur am Tage besetzt. Woher kommt in der Nacht aber der Krankenwagen? Aus Staffelde? Aus Germendorf? Aus Gransee? Oder muss der Kranke hoffen, dass zufällig ein Rettungswagen in der Gegend umherschwirrt?

Das klingt alles andere als beruhigend, alle Beteiligten müssen darauf hoffen, dass der Test gut verläuft. Und dass das beschriebene Notfallszenario ein Happy End hat.

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Wolf bei Groß-Ziethen geblitzt

Donnerstag, den 26. Februar 2015
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Versteckter Kamera gelingt in einem Waldstück ein tierischer Schnappschuss. Ob es ein Einzeltier oder Rudel war, ist unklar.

MAZ Oranienburg, 26.2.2015

GROSS-ZIETHEN
Im Wald zwischen Groß-Ziethen und dem Autobahndreieck Havelland ist am Montagmorgen ein Wolf gesichtet worden. Eine Wildkamera hat das Tier um 7.05 Uhr fotografisch festgehalten.
Robert Franck, Wolfsbeauftragter des Kreisjagdverbandes Neuruppin, bestätigte, dass es sich bei dem Tier auf dem Foto um einen Wolf handelt. „Es ist zwar keine Farbaufnahme, aber das Licht ist hell.“ Unklar ist jedoch, ob es sich um einen alleine umherstreunenden Wolf handelt oder um ein Mitglied eines Rudels. „Das lässt sich anhand des Fotos nicht sagen“, so Robert Franck gestern in einem Gespräch mit der MAZ.
Zum jetzigen Zeitpunkt lasse sich auch nicht sagen, ob der Wolf auf der Durchreise ist oder ob er sich länger in dem Gebiet aufhält. „Wir haben in der Rüthnicker Heide einen Wolfsverdacht“, so Franck weiter. „Da gibt es vermehrt Hinweise von Jägern aus der Region.“ Die Rüthnicker Heide liegt nördlich von Kremmen und Beetz.

„Wir haben in der vergangenen Zeit schon auffällig weniger Wild gesichtet“, sagte Jagdpächterin Astrid Braun gestern. Sie hat die Fotos der Wildkamera im Groß-Ziethener Wald gesichtet und darauf den Wolf entdeckt. Am Dienstag hatte sie Kontakt mit Robert Franck aufgenommen und sich den „Fund“ bestätigen lassen.

„Wir bekommen immer wieder Hinweise“, sagt Robert Franck. Der Wolfsbeauftragte aus Zechow bei Rheinsberg sieht sich die Aufnahmen an und bewertet sie. „Nicht auf jedem Foto ist dann auch wirklich ein Wolf zu sehen“, sagt er. Manchmal entpuppt sich das Tier auch als Schäferhund.
Ist es aber ein Wolf, dann kommt er ins Protokoll. „Die Meldung ist eine neue Stecknadel auf der Karte.“ Mitarbeiter des Landesjagdverbandes schauen sich dann die Regionen an und beurteilen, ob sich Wolfsverdachte erhärten oder nicht. Im Fall des im Groß-Ziethener Wald gesichteten Tieres soll es demnächst weitere Nachforschungen geben. „Aber es ist ein kleiner Hinweis mehr, dass der Bereich Kremmen und Rüthnicker Heide kein wolfsfreies Gebiet mehr ist.“
Fakt sei, dass sich die Wölfe gerade in der Paarungszeit befinden, „sie drehen viele und große Runden“, so Robert Franck. Darauf müssten sich die Bewohner der Region einstellen. Hunde sollten in den Wäldern angeleint oder in Sichtweite bleiben. „Der Wolf greift aber Menschen nicht an“, versichert der Wolfsbeauftragte.

Astrid Braun aus Groß-Ziethen, die auch im Ortsbeirat sitzt, hat vorsorglich auch den Ortsvorsteher von Staffelde sowie die Betreiberin des Staffelder Naturkindergartens informiert. Nicht um in der Region Panik zu verbreiten, sondern um die Menschen zu sensibilisieren.

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Party-Allstars entscheiden über Roberts Zukunft

Montag, den 23. Februar 2015
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Ein 20-Jähriger aus Klein-Mutz veranstaltet im Sommer seine ersten großen Events

MAZ Gransee, 23.2.2015

KLEIN-MUTZ
Robert Stresemann will’s wissen! Seit zwei Jahren betreibt der 20-Jährige aus dem Zehdenicker Ortsteil Klein-Mutz sein Unternehmen „DeinEvent24.de“. Im Juli veranstaltet er sein erstes richtiges, eigenes Event. Und was für eins!
Am 12. Juli findet im Oranienburger Schlosshof ein Schlagerkonzert unter dem Motto „Party-Allstars“ statt. Zu Gast sind echte Größen aus dem Musikbusiness: Jürgen Drews kommt ebenso wie Michael Wendler, Anna Maria Zimmermann und Michelle.

„Ja, da ist ein gewisser Druck da“, sagt Robert Stresemann und lächelt ein bisschen. „Ich kann aber nur unter Druck arbeiten. Unter Druck kommt bei mir immer das Beste zustande.“ Immerhin sind, so sagt er, schon die Hälfte der Tickets verkauft. Am 15. August soll es dann ein weiteres Konzert in Neubrandenburg geben.

Sein Abi machte er am Zehdenicker Georg-Mendheim-OSZ. „Ich wollte schon immer in die künstlerische Richtung“, sagt er. Er hatte Schauspielunterricht und nahm an diversen Castings teil, beschloss dann aber, diese Schiene nicht weiter zu verfolgen.
Inzwischen studiert er Wirtschaftswissenschaften an der BBW-Hochschule in Berlin-Charlottenburg. Dort entstand gewissermaßen auch die Idee einer eigenen Event-Agentur. „Wir hatten an der Uni Fächer, die in diese Richtung gingen“, erzählt er. „Da haben wir schon Veranstaltungen organisiert – also rein theoretisch.“ Aber schon zu Schulzeiten, als er auch im Landesschulbeirat saß, organisierte er ein Event mit: ein Konzert gegen Rassismus auf dem Oranienburger Schlossplatz.

Er selbst tritt hin und wieder als DJ oder in der Band „Under the Sun“ auf. „Da waren die Abrechnungen immer schwierig“, erinnert sich Robert. Er gründete „DeinEvent24.de“. Für seine erste große selbst organisierte Veranstaltung wollte er eigentlich die Band Santiano gewinnen. „Aber da bin ich mir mit dem Management nicht über die Gage einig geworden“, sagt Robert Stresemann.
Er überlegte sich daraufhin ein neues Eventkonzept und lernte Leute von einer großen Agentur, die im Ruhrgebiet Konzerte mit bis zu 60 000 Zuschauer organisiert, kennen. Die haben Künstler wie den Wendler oder Jürgen Drews unter Vertrag und boten an, mit dem Klein-Mutzer zusammenzuarbeiten. „Mir war es wichtig, bekannte Namen zu haben.“ Als im Business noch Unerfahrener, wäre es jedoch allein und ohne Partner schwierig gewesen, sie zu bekommen. Immerhin konnte er bereits einen Hauptsponsor für die Konzerte in Oranienburg und Neubrandenburg finden. „Ich hoffe, dass alles klappt, ist ja dann meine Premiere.“ Er ist aber zuversichtlich, dass das Event funktioniert.
Dann könnte es 2016 eine Fortsetzung geben, eventuell dann auch in weiteren Städten. „Vielleicht darüber hinaus mal was für Jugendliche“, sagt er. Privat hört er auch Schlager, aber natürlich längst nicht nur.
Seine Vision: größere Konzerte in größeren Städten – irgendwann auch mal ein Stadionevent. In Klein-Mutz wird er auf Dauer nicht bleiben. „Das ist viel zu weit weg von den Hot-Spots“, sagt er. Ein solches Unternehmen dort aufzubauen sei schwierig. „Ich habe hier nicht die Ressourcen, die man eigentlich braucht.“ Wenn er sein Studium abgeschlossen hat, wird er wahrscheinlich von Klein-Mutz nach Berlin ziehen.

Trotz der Uni ist sein Unternehmen aber schon jetzt ein Fulltimejob. Verträge lesen. Das Marketing. Das Homepage-Design. „Das nimmt viel Zeit in Anspruch.“ Immerhin bleibt auch auch noch ein wenig Muße für andere Hobbys. Er ist Mitglied im Neuruppiner Karnevalsverein und trat dort auch als Prinz auf. Er wirkte am Programm mit und konnte viele Mädels küssen, wie er mit einem Grinsen erzählt.
Der Sommer wird zeigen, wie Robert Stresemanns Werdegang aussieht. „Mit den beiden Konzerten im Juli und August steht und fällt die Zukunft“, sagt er. Momentan wirkt er noch nicht besonders nervös.

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Kutschenscheune ist jetzt ein Ort der Stille

Donnerstag, den 29. Januar 2015
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Edith von Thüngen hat die Remise in Groß-Ziethen umbauen lassen

MAZ Oranienburg, 29.1.2015

GROSS-ZIETHEN
Stille. Aber irgendwie anders, tiefer gehend. Genau diese andere, besondere Stille soll der große Raum auch erzeugen. Er befindet sich im Refugium auf dem Groß-Ziethener Gutshof, direkt neben dem Schloss. Die alte Remise ist 2013 und 2014 umgebaut worden. Vorher befand sich darin eine Kutschenscheune. Die ist jetzt Vergangenheit, nun ist das Haus ein Ort der Einkehr, der Ruhe.

Nachdem Edith von Thüngen die Schlossgeschäfte nebenan an ihren Sohn Rafael abgegeben hatte, war sie zunächst nach Potsdam gezogen. Nun aber lebt sie wieder in Groß-Ziethen. „Das Dorf ist für mich zur Heimat geworden“, sagt sie. Sie fühle sich in der Region sehr verwurzelt. Seit 1993 ist sie in Groß-Ziehen aktiv, das Schloss ist heute eine feste Größe. „Wenn man etwas aufbaut mit den Menschen hier, das verbindet, und wir haben uns sehr schnell sehr wohl gefühlt.“
So engagiert sie sich beispielsweise in Lehnitz auch in den Bemühungen, Flüchtlinge zu integrieren. „Ich hoffe, dass ich da was beitragen kann.“

Und auch in Groß-Ziethen selbst wollte sie etwas Neues auf die Beine stellen. „Ich habe überlegt, was ich hier machen könnte.“ Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Sie ließ das alte, schon ziemlich verfallene Herrenhaus umbauen. Das hat etwa ein Jahr gedauert, das Konzept der Inneneinrichtung und Raumaufteilung stammt von ihr selbst. Das Refugium ist ein echtes Schmuckstück geworden. In der unteren Etage hat sich Edith von Thüngen ihre Wohnung eingerichtet. Die obere Etage soll ein Ort für neues und vernetztes Denken werden, ein Ort der Ruhe, der Erholung.
„Ich wollte etwas schaffen, was mir wirklich wichtig für die Menschen erscheint“, sagt sie. Immer öfter erlebe sie, dass die Leute vollkommen erschöpft seien von ihrem Berufsleben und dem, was der Alltag bringt. „Ich habe selbst oft mitbekommen, wie die Menschen an die Grenzen gehen. Es sind gerade die Fähigen, die viel leisten, und die Anforderungen im Job sind oft enorm.“ Burnout lautet das Stichwort, aber so weit dürfe es nicht kommen, findet Edith von Thüngen. Dem müsse man vorbeugen.
Angeboten werden Seminare, Lesungen und Vorträge. In den Seminaren geht es darum, neue Kraft zu schöpfen. Durch Schweigen, durch Meditation. „Das ist keine Esoterik“, stellt Edith von Thüngen klar. Sie hat sich zwei Expertinnen an die Seite geholt. Die Zen-Lehrerin Dagmar Fleischmann und die Diplompsychologin Gabriele von Bülow geben die jeweiligen Kurse, die von Freitagnachmittag bis Sonntagmittag dauern. Beide Wege sind religionsunabhängig, es gehe vielmehr um Gruppendynamik, um das Verbinden mit den eigenen Quellen, um geführte Stille. Der Mensch solle mit sich selbst wieder in Kontakt kommen und die Dinge neu ordnen können. „Es kommen ganz verschiedene Menschen“, sagt Edith von Thüngen. Junge Ehepaare, ältere Berufstätige. Sie kommen, um runterzukommen, um zu entschleunigen, die vielen Gedanken zu verscheuchen. Die Stille des Hauses und der Umgebung sei dafür perfekt.

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Das Skizzenbuch ist sein Fotoapparat

Dienstag, den 27. Januar 2015
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Karl-Heinz Schenk aus Kremmen war viele Jahre Kunstlehrer, jetzt gibt er Mal- und Kreativkurse

MAZ Oranienburg, 27.1.2015

KREMMEN
In Kremmen kennt ihn fast jeder, der in den vergangenen Jahrzehnten die Goetheschule besucht hat. Karl-Heinz Schenk hat dort Kunst und Deutsch unterrichtet – ganze Generationen von Schülern hat er erlebt. 2002 hat er seinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen aufgeben müssen – der Kunst aber ist er treu geblieben.
Jeden Mittwoch ab 19 Uhr gibt der 74-Jährige in der Mensa der Schule Malkurse. „Meinen Beruf konnte ich nicht mehr ausüben, aber irgendwas wollte ich machen“, erinnert er sich. „Wir stellen in der Mensa die Tische zusammen, und dann geht’s los“, sagt er. Vorbeikommen können alle, die in Sachen Malkunst bei null anfangen, aber auch die, die schon weiter sind. „Die Motive kann sich jeder selbst aussuchen.“ Gemalt werden Aquarelle oder Bilder in Acryl. Schenk geht während des Kurses von Teilnehmer zu Teilnehmer und gibt Tipps.

Wer sich in seinem Haus umsieht, der wird viele Bilder entdecken, die Karl-Heinz Schenk selbst gemalt hat. Sein Skizzenbuch hat er eigentlich immer dabei, wenn er unterwegs ist. „Ich war mal in der Türkei unterwegs. Die Sonne ging unter, und man konnte nicht sehen, wo hört das Wasser auf, wo fängt der Himmel an.“ Das ist dann ein Motiv, das er unbedingt auf künstlerische Weise festhalten möchte. Nicht aber mit dem Fotoapparat. „Mein Skizzenbuch ist mein Fotoapparat“, sagt Karl-Heinz Schenk und schmunzelt. Sein Buch ist, wenn man es durchblättert, voller Zeichnungen. Nicht aus allen werden dann „richtige“ Bilder. „Wie ich gerade Lust habe, entsteht mehr daraus.“

In Kremmen und Umgebung gibt er nicht nur Malkurse. Er arbeitet auch mit den Grundschülern in Beetz zusammen, gibt dort Kreativkurse, und auch an der Sommerfelder Rehaklinik ist er regelmäßig, um mit den Patienten zu arbeiten. Schenk malt aber nicht nur. Bei ihm zu Hause stehen auch Leuchter, die er gefertigt hat. Figuren aus Pappmaché.

Geboren wurde Karl-Heinz Schenk in Berlin-Charlottenburg, aufgewachsen ist er im Potsdamer Holländerviertel. Ursprünglich hat er den Malerberuf erlernt, später an der Hochschule für bildende angewandte Kunst in Erfurt studiert. Danach kam er als Lehrer nach Kremmen.
Die Kunst lässt ihn auch jetzt im Rentenalter nicht los. „Ich bin immer noch eifrig am Ball“, sagt der Kremmener. „Die Kurse zu geben macht mir Spaß. Wenn ich sehe, was die Teilnehmer machen, und sie haben ein Erfolgserlebnis, dann ist das auch für mich sehr schön.“