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In der Zeitung erschienen

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Vom Pflug bis zum Kaffeefilter

Dienstag, den 14. Juni 2016
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Im neuen Oberkrämer-Museum in Bärenklau geht es um das Leben auf dem Land

MAZ Oberhavel, 14.6.2016

Bärenklau.
Stolz zeigt Rotraud Bräsicke den Kaffeefilter aus Porzellan. Den hat sie irgendwann in den 80ern von einer Erbtante übernommen, sagt sie. Jetzt steht das gute Stück im neuen Oberkrämer-Museum – in der kleinen Abteilung zum Thema „Küche früher“. In einem anderen Regal liegt eine kleine, sehr alte Brille, ebenfalls aus dem Fundus von Rotraud Bräsicke. „Die habe ich 1995 geschenkt bekommen“, erzählt sie. „Von einer Frau, die war schon über 85, sie hatte es schon von ihrer Mutter.“ Oder der von innen beleuchtete Stopfpilz – auch von ihr.

All das und noch viel mehr befindet sich im den Räumen im alten Feuerwehrdepot auf dem Remontehof in Bärenklau. Die Heimatvereine Vehlefanz und Bärenklau haben sich zusammengetan und die neue Schau auf die Beine gestellt. „Es sollte eine Ausstellung sein, mit der sich jeder identifizieren kann“, sagt Ulrike Rack. Sie gehört zu den Hauptorganisatoren der Ausstellung. „Es galt einen roten Faden zu finden.“ Es gehe um das Leben auf dem Land. „Jeder kann hier das Leben der Einwohner im Wandel der Zeit erkunden.“
So können sich Besucher in einem Mini-Klassenzimmer umsehen. Immerhin gab es früher in Bärenklau auch eine Schule. Auf der anderen Seite des Raumes dreht sich alles um die Landwirtschaft. Zu sehen ist dort zum Beispiel ein 250 Jahre alter Pflug. „Erst haben ihn Menschen gezogen, dann Kühe, später Ochsen“, erzählt Helmut Schönberg vom Vehlefanzer Heimatverein. Eine alte Egge, ein Kerbholz und vieles mehr gibt es in der Landwirtschaftsecke zu sehen.
Im Erdgeschoss können sich die Besucher außerdem in der Feuerwehrhistorie umsehen – da hat beispielsweise die Marwitzer Wehr kräftig geholfen.

Ursprünglich war ein etwas anderes Konzept geplant. „Eigentlich sollte jedes Jahr ein anderer Ortsteil im Mittelpunkt stehen“, sagt die Diplom-Museologin Ulrike Rack. Nach Bärenklau sei aber keine weitere Ausstellung in dieser Hinsicht zustande gekommen. „Deshalb reifte der Gedanke, wie wir als Oberkrämer zusammenwachsen können.“ Das Ergebnis ist nun zu sehen. „Wir haben aus jedem Ortsteil etwas, wenn auch in unterschiedlicher Gewichtung.“
Ulrike Rack hofft, dass sich insbesondere die Kinder der Vehlefanzer Nashorn-Grundschule für das Oberkrämer-Museum begeistern können. Die Schau soll vor allem immer dann geöffnet sein, wenn Feste stattfinden. So kamen zur Landpartie am Wochenende diverse Leute auch ins Depot. Wer sich die Ausstellung ansehen möchte, kann sich beim Heimatverein Bärenklau melden.

Kontakt: Ulrich Rack vom Heimatverein ist unter 03304/25 19 15 erreichbar.

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Wald zwischen Beetz und Grieben wird Experimentierplatz

Samstag, den 11. Juni 2016
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Fläche ist Naturerbe und soll renaturiert werden – inklusive eines Hochmoores

MAZ Oberhavel, 11.6.2016

Beetz.
Der Wald zwischen Beetz, Rüthnick, Grieben und Linde wird renaturiert. Es handelt sich dabei um eine 3850 Hektar große Naturerbefläche, die bislang größte in Brandenburg. Dort soll in den nächsten Jahren herausgefunden werden, unter welchen Bedingungen sich aus einem Wirtschaftswald möglichst schnell ein naturnaher Laubmischwald entwickelt.
Schon jetzt ist der Wald ein Naturidyll. Bis zur Wende sind Teile davon von der NVA genutzt worden. Er diente als Übungsgelände für die Soldaten – für die Grenztruppen und eine Raketeneinheit. „Dort befanden sich ein Übungsplatz, eine Infanterieschießbahn und eine Kaserne“, sagt Katja Behrendt, die Pressesprecherin bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Man sehe noch vereinzelte Splitterbestände in den Bäumen, es handele sich aber nicht um Geschosse, die noch gefährlich seien. „Was eventuell aus dem Zweiten Weltkrieg im Boden liegt, weiß man nicht.“
Ziel sei es, die Flächen im Wald wieder zu entsiegeln. Die einsturzgefährdeten Baracken, die teilweise noch im Wald in der Nähe von Beetz stehen, sollen weg. „Wir prüfen, welche Firmen vor Ort das übernehmen können“, so Katja Behrendt.

Momentan haben die Kiefern im Wald einen Anteil von 90 Prozent. Langfristig soll ein Mischwald daraus entstehen. Deshalb startet dort bald ein Waldrenaturierungsexperiment. Verschiedene Maßnahmen sollen dafür erprobt werden. In einer ersten Variante wird untersucht, ob sich der Wald nach einer Holzernte ohne weitere Einflussnahme zu einem Laubmischwald entwickelt.
In Variante zwei werden kleinflächige Sturmschäden nachgeahmt, indem Kiefern umgeworfen werden, um den Anteil an liegendem Totholz zu erhöhen. Stehendes Totholz soll auch entstehen, indem einige Kiefernstämme entrindet werden. In einer dritten Variante werden in die entstandenen Lücken zusätzlich Eichen, Buchen und Linden gepflanzt. Andere Zonen dienen als Kontrollflächen, die ganz ohne Maßnahmen sich selbst überlassen werden.
Es handelt sich vermutlich um das deutschlandweit größte Experiment dieser Art. „Für uns ist das unheimlich spannend“, sagt Katja Behrendt.

Darüber hinaus könnte sich das Möllersche Luch wieder zu einem richtigen Hochmoor entwickeln. Dafür startet ein Wiedervernässungsversuch, daran ist die Berliner Humboldt-Universität beteiligt. „Der Wasserpegelstand wird immer wieder gemessen“, so die DBU-Pressesprecherin. Hochmoore seien hierzulande selten, die momentane Trockenheit aber eher ein Problem.

Insbesondere für die Regionen Kremmen und Löwenberger Land könnte dieser Wald also noch sehr interessant werden. „Es gibt Regionen, die einen Naturerbe-Wald in ihr Tourismuskonzept aufgenommen haben“, sagt Katja Behrendt. So etwas sei auch dort denkbar. Es werde darüber nachgedacht, an zwei Punkten Infotafeln aufzustellen: an der L 19 an einer Waldeinfahrt nahe Ludwigsaue sowie an der B 167 an einem Abzweig zwischen Grieben und Linde.

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Sommerfeld bekommt eine neue Dorfchronik

Freitag, den 3. Juni 2016
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Rudi Kretschmann und seine Vereinskollegen arbeiten daran seit mehr als zwei Jahren – die letzte Auflage ist von 1992

MAZ Oberhavel, 3.6.2016

Sommerfeld.
Im kommenden Jahr feiert Sommerfeld das 775. Jubiläum. Das ist zwar nicht der direkte Anlass, dass der Verein „Sommerfelder Miteinander“ an der Neuerstellung der Dorfchronik arbeitet, aber immerhin eine gute Gelegenheit.
Die bisher letzte Dorfchronik ist aus dem Jahr 1992, damals feierte Sommerfeld das 750. Jubiläum. „Dann war Schluss“, sagt Rudi Kretschmann, der Vereinsvorsitzende. „Ich habe angeregt, ob wir uns nun nicht endlich mal um eine aktuelle Dorfchronik kümmern wollen.“ In einer der Sitzungen des Ortsbeirates ist das Thema daraufhin besprochen und für gut befunden worden.

Schon im Januar 2014 begann für die Mitglieder des kleinen Vereins die Arbeit. Vier Leute sind damit beschäftigt. Die alte Chronik mit den entsprechenden Seiten und alten Fotos wurde auf einen USB-Stick geladen. „Da waren alle großen Ereignisse der vergangenen Zeit drauf“, sagt Rudi Kretschmann. Alles, was zwischen 1242 und 1992 in Dorf und drumherum passiert ist, wird aus der alten Chronik von vor 24 Jahren verwendet. „Aus der Stadtchronik von Kremmen können wir die Geschichte übernehmen, und von den Sana-Kliniken haben wir Fotos und Textauszüge zum 100. Jubiläum bekommen.“ Diese Feier wird im neuen Heft ein Kapitel erhalten. „Außerdem haben wir viele Zuarbeiten von Einwohnern des Dorfes.“ Auch Ausschnitte aus den Zeitungen haben bei der Geschichtsaufarbeitung geholfen.

„Sommerfeld – Eine Zeitreise“, so wird das Heft heißen, das im A4-Format erscheinen wird. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Chronik, denn aufgelistet ist Jahr für Jahr, was im Dorf geschehen war. Immer wieder sind weitere Fotos eingefügt und einzelne Seiten verändert worden. Jetzt, im Juni, sollen die Arbeiten mit dem Erstellen des Quellenverzeichnisses abgeschlossen werden. „Unser Ziel ist es, dass im September alles druckfertig ist.“ Die Auflage des Heftes soll zunächst bei 1000 Stück liegen, gedruckt wird es in Velten. „Der Abschlussentwurf geht an die Stadt, die Klinik und an die Bibliothek, damit alle noch einmal rüberlesen können“, so Rudi Kretschmann. Die Finanzierung des ganzen Vorhabens ist noch nicht abschließend geklärt.
Die Arbeit an der Chronik war und ist langwierig, macht aber auch Spaß. „Ich habe noch einiges über Sommerfeld gelernt, auch wenn ich ja alter Sommerfelder bin.“

Auch am Titelblatt ist lange gearbeitet worden. „Es sollte Altes und Neues nebeneinander stehen“, so Rudi Kretschmann. So gibt es ein Feuerwehr-Foto aus dem Jahre 1928, daneben eines von 2013. Oder eines vom „Café Bellabimba“ und eines vom selben Gebäude, in dem heute die Kita beheimatet ist.

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Die Hohenbrucher Orgel produziert schiefe Töne

Donnerstag, den 12. Mai 2016
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Das Instrument soll im Juli repariert werden, doch dafür werden noch Spenden benötigt

MAZ Oberhavel, 12.5.2016

Hohenbruch.
Wenn Stefan Freitag in der Hohenbrucher Kirche auf der Orgel spielt, dann schleicht sich in die Musik immer mal wieder ein falscher Ton ein. Und das nicht, weil sich der Organist verspielt, sondern weil die Orgel dringend saniert werden muss. „Um so höher die Töne werden, desto kleiner werden die Pfeifen und machen sich die Schäden schlimmer bemerkbar“, erzählt er.

Im kommenden Jahr wird die Hohenbrucher Orgel 200 Jahre alt. Erbaut wurde sie 1817 vom Instrumentenmacher und Bäckermeister Tobias Thurley aus Treuenbrietzen. Damals stand sie noch im alten Kirchengebäude. Die jetzige Kirche wurde 1870 bis 1872 erbaut, dorthin wanderte dann auch die Orgel an ihren heutigen Platz. In den Jahren 1928 und 1970 ist sie überholt worden. Alle zwei Wochen, wenn in der evangelisch-reformierten Gemeinde ein Gottesdienst stattfindet, wird sie gespielt. Die Kirchenbesucher hören also, dass Bauarbeiten am Instrument dringend notwendig sind.

Stefan Freitag drückt auf die Tasten der Orgel. „Hören Sie? Der Ton macht nicht, was er soll.“ Nur ganz leise ist etwas zu hören. „Und diese Fehler stören natürlich beim Spielen.“ Der Organist aus Brandenburg an der Havel spielt Orgel seit er ein Kind war. Schon mit acht Jahren spielte er bei Gottesdiensten, die sein Vater geleitet hatte. „Den ersten Unterricht hatte ich aber erst, als ich zehn war.“
Da die Hohenbrucher momentan keinen eigenen Organisten haben, kommt der Brandenburger ab und zu in den Kremmener Ortsteil – zumal die Gemeinde mit Brandenburg an der Havel einen gemeinsamen Pfarrsprengel bildet. „Es gibt aber auch mehrere Hohenbrucher, die hier auf der Orgel spielen.“
Stefan Freitag schätzt das Instrument sehr. „Das hier ist eine mechanische Orgel, da muss man noch richtig auf die Tasten draufdrücken, dass was kommt .“ Es gebe Orgeln, da würden einem danach die Finger wehtun. „Hier geht das aber noch.“ Ein spezielles Lieblingslied hat Stefan Freitag nicht. „Es muss zur Aussage des Gottesdienstes passen“, findet er. Das sei die Hauptsache.

Nun aber muss die Orgel auf den Prüfstand. „Die komplette Mechanik muss durchgesehen werden“, sagt Stefan Freitag. Jede Taste – oben 48, unten 27 – habe ihre eigene Mechanik. Das Pfeifenwerk werde komplett ausgebaut, inklusive aller 417 Pfeifen. Sie würden überarbeitet und gereinigt. Eine Firma aus Plau am See (Mecklenburg-Vorpommern) übernimmt dies.
Die Kosten werden momentan auf 4000 bis 5000 Euro geschätzt. „Allerdings sieht man ja viele Fehler erst, wenn alles auseinander gebaut ist“, sagt der Organist. Für die Restaurierung werden in Hohenbruch deshalb Spenden gesammelt. „Etwa 2000 Euro haben wir schon zusammen“, sagt Pfarrer Malte Koopmann. Es wird bei allen Gottesdiensten gesammelt, bei Feiern oder anderen Gelegenheiten.

Voraussichtlich im Juli sollen die Bauarbeiten über die Bühne gehen. „Der Orgelbauer rechnet bloß mit drei bis vier Arbeitstagen“, sagt Stefan Freitag. Das sei quasi zwischen zwei Gottesdiensten zu schaffen. Für den Sonnabend, 3. September, sei dann ein Konzert geplant, um die Reparatur der Orgel zu feiern. Andreas Hetze, der Organist der evangelisch-reformierten Schlosskirchengemeinde in Berlin-Köpenick, ist dann in Hohenbruch zu Gast, um ab 17 Uhr auf der Orgel zu spielen. Wenn das Instrument im kommenden Jahr den 200. Geburtstag feiert, sind auch mehrere Konzerte geplant, sagt Stefan Freitag.
In der Kirche in Hohenbruch könnten Interessierte für die Orgel spenden. Am Eingang sind entsprechende Boxen aufgebaut. Informationen gibt es auch über die Gemeindebüros in Hohenbruch und Brandenburg an der Havel.

Kontakt: Mehr Infos gibt es unter Tel. 033051/2 52 27 oder Tel. 03381/ 20 02 00 (Anrufbeantworter).

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Burger King eröffnet zweite Filiale in Oberhavel

Dienstag, den 10. Mai 2016
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Direkt an der Autobahn in Vehlefanz schafft das Unternehmen bis zu 35 neue Arbeitsplätze

MAZ Oberhavel, 10.5.2016

Vehlefanz.
Geöffnet ist eigentlich schon seit Freitag – ganz offiziell aber startete die neue Burger-King-Filiale im Gewerbepark Vehlefanz am Montagvormittag. Jeden Tag bis 1 Uhr in der Nacht gibt es dort nun Whopper und Co. auf dem Autohof Oberkrämer.
„Wir haben festgestellt, dass Oberkrämer ein hervorragender Standort ist“, sagt PR-Sprecherin Friderike Carolin Weiss. Das Angebot richtet sich an die Autofahrer auf dem nördlichen Berliner Ring und an die Bewohner der umliegenden Orte. Insgesamt gibt es in Brandenburg 16 Restaurants der Kette.

Das Angebot – Burger, Pommes, Eis, Getränke – ist das weltweit bekannte, und dennoch ist das Geschäft in Vehlefanz ein deutschlandweiter Vorreiter. Es ist in ganz neuem Design ausgestattet worden. „Es weckt ein wenig Nostalgie und ist eine Kombination aus den Kernelementen der Marke Burger King und seiner gegrillten Produkte“, so Friderike Carolin Weiss. Holz, Metall und Stein prägen das neue Erscheinungsbild. Und dazu: Elemente in Grün (wie der Salat im Burger), in Rot (Tomaten) und Dunkelbraun (Beef). Fotos, die die Burger-King-Geschichte zeigen, bekommen die Gäste außerdem zu sehen.

Bis zu 35 neue Arbeitsplätze werden in Vehlefanz geschaffen. Besetzt sind sie noch lange nicht, wie Gebietsleiter Manfred Schwefel sagt. Es sei bislang durchaus ein Problem, genügend Mitarbeiter zu finden. Jeder, der mindestens 18 Jahre alt sei, könne sich melden. „Die Personalfindung ist eine echte Herausforderung“, so Manfred Schwefel. Das liege auch an der fehlenden Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Er verweist jedoch auf die Aufstiegschancen. Restaurantleiter Marco Beier aus Berlin beispielsweise hat als normaler Mitarbeiter angefangen, leitete später schon mehrere Filialen der Restaurantkette in Berlin.

Das Markenzeichen von Burger King ist das gegrillte Beef für die Burger. Es wird frisch zubereitet, das Fleisch kommt dann jedoch oft auch in Wärmebehälter. Wie lange es dort zwischengelagert werden darf, werde nicht verraten, hieß es am Montag im Laden. Nach negativen Medienberichten über die Zustände im Unternehmen ist man in der dortigen PR-Abteilung vorsichtig geworden. Eine Parole hat man aber ausgerufen: Der Laden solle einer der besten in der Region werden.

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Lebhafte Debatte im Stadtparlament

Freitag, den 6. Mai 2016
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Wohnprojekt in Kremmen: Abgeordnete missbilligen gemachte Fehler bei der Auftragsvergabe, Bürgermeister entschuldigt sich

MAZ Oberhavel, 6.5.2016

Kremmen.
Die Kremmener Stadtverordneten haben am Mittwochabend nichtöffentlich der Vergabe von Bauträgerleistungen für die geplante Wohnanlage für Asylbewerber zugestimmt. Eine Mehrheit der Abgeordneten votierte dafür. Die Anlage soll an der Berliner Straße entstehen – die Bauarbeiten dafür laufen bereits.
Nötig war die Sondersitzung des Stadtparlamentes, weil die Kommunalaufsicht des Landkreises Oberhavel den Vergabebeschluss vom Januar beanstandet hatte. Bürgermeister Klaus-Jürgen Sasse und die SPD sprachen in dem Zusammenhang von heilbaren Fehlern, Ortsvereinschef Wolfgang Engel nannte als Beispiel eine fehlende Unterschrift.

Das Schreiben der Kommunalaufsicht, das der MAZ inzwischen vorliegt, umfasst allerdings neun Seiten. Darin werden im Fall des Vergabefahrens für die Wohnanlage, wie es heißt, „zahlreiche und erhebliche“ Rechtsverstöße aufgelistet.
In einer Erklärung, die Bürgermeister Sasse am Mittwochabend verlesen hatte, bestritt er nicht, „dass hier Fehler gemacht wurden.“ Mindestens die Dokumentation der Vorgänge rund um die Vergaben seien „mangelhaft und keineswegs ausreichend“ gewesen. „Dafür kann ich mich nur bei Ihnen entschuldigen.“ Und weiter: „Nach der jetzigen Erfahrung muss ich feststellen, dass ein flexibles Handeln der öffentlichen Verwaltung nur sehr eingeschränkt möglich ist.“
Er bekräftigte, dass nun nochmals alle freihändigen Vergabevorgänge überprüft würden. Er kündigte für die Verwaltung einige Umorganisationen und Schulungen an, die auch notwendig wurden, nachdem eine Mitarbeiterin im Bauamt schon vor einiger Zeit gekündigt hatte.

Auf Antrag von Reiner Tietz (Linke) beschlossen die Stadtverordneten – auch Sasse selbst stimmte dafür– eine Art Resolution. „Wir, die Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung, sind erschrocken über aufgedeckte Mängel in der Vergabepraxis der Stadtverwaltung“, heißt es da. „Wir missbilligen die Arbeit von Bürgermeister Sasse in dieser Sache, der diesen Zustand zu verantworten hat.“ Die Maßnahmen zur Änderung der Situation würden unterstützt. Außerdem weisen sie darauf hin, dass es schon mehrfach Mängel in der Vergabepolitik gegeben habe. Sie fordern eine neue interne Vergabeverordnung als Dienstanweisung. Alle stimmten dem Papier zu, nur Fritz Falkenberg (Linke-Liste) und Björn Beuchel (NPD) enthielten sich.

Die Diskussion im Parlament war einmal mehr lebhaft. Frank Bommert (CDU) wollte wissen, welche Konsequenzen gezogen werden, auch von Sasse persönlich. „Wir können nur hoffen, dass die Kommunalaufsicht das Ding nicht kippt“, so Bommert. Erneut so schnell abzustimmen, hielt er für falsch.
Uwe Fritz (UWG/LGU) sagte: „Ich bin nicht gegen so ein Projekt, sondern gegen die Art und Weise.“ Er erinnerte an den Entwurf vom Dezember, der aus seiner Sicht sehr lückenhaft gewesen sei.
„Ich sehe erhebliche, selbst beeinflusste Fehler“, sagte Eckhard Koop (parteilos). Er könne nicht nachvollziehen, dass mit einer Entschuldigung alles vergeben und vergessen sei.

Abgelehnt worden ist der Antrag von Stefanie Gebauer (UWG/LGU), die erneute Abstimmung über die Vergabe zu verschieben. Immerhin seien dort Mehrkosten aufgelistet, über die erst am 12. Mai entschieden werden soll. Laut Bürgermeister seien diese nun geplanten Mehrkosten in Höhe von 237 566 Euro aber nicht Teil dieser Vergabe, was Gebauer anzweifelte. Außerdem sagte sie: „Wir legitimieren einen Fehler, das ist kein korrekter Ansatz.“

In der Einwohnerfragestunde wollte die stellvertretende Ortsvorsteherin von Kremmen, Heidi Sommer (Linke), wissen, ob das Projekt angesichts der sinkenden Flüchtlingszahlen überhaupt noch nötig sei. Der Stadtverordnetenvorsteher Detlef Reckin (SPD) bejahte dies. Auch Kreisspressesprecher Ronny Wappler hatte vor einigen Tagen der MAZ bestätigt, dass man am Projekt in Kremmen festhalten wolle, weil gerade solche Wohnprojekte angestrebt würden.

Das beanstandet die Kommunalaufsicht
Die Liste der Beanstandungen der Kommunalaufsicht umfasst elf Punkte. Unter anderem heißt es, dass der Grundsatz der Gleichbehandlung verletzt sei – durch die Vorbefassung des Neuruppiner Bauunternehmers, der auch den Zuschlag erhalten hatte. Er habe ein deutliches „Mehrwissen“ gehabt. Die freihändige Vergabe der Bauleistungen sei nicht dokumentiert. Man habe vorher nicht geprüft, ob die angefragten Unternehmen das Projekt finanziell stemmen können. Es gebe Bedenken an der finanziellen Eignung der Bieter.
Eine seriöse Kostenschätzung wird durch die Kommunalaufsicht angezweifelt. Die geforderten Punkte im Angebot entsprächen nahezu vollständig der Baubeschreibung des Neuruppiner Unternehmens – dies sei ein unzulässiger Wettbewerbsvorteil.
„Schwebend unwirksam“ sei die Vergabe, weil im Februar nachverhandelt und so der Beschluss der Stadtverordneten vom Januar geändert worden sei. Es geht um die dadurch entstandenen Mehrkosten für das Projekt in Höhe von 237 566 Euro, die aber erst in der Parlamentssitzung am 12. Mai beschlossen werden sollen, wie der Einladung im Internet zu entnehmen ist.
Es gibt verschiedene Auffassungen darüber, wie mit der Beanstandung umzugehen ist. Zwei Anwälte sind durch die Verwaltung mit der Überprüfung des Vorganges betraut worden. Eines der Fazits: Eine der Möglichkeiten, wie es weitergehe, sei, einen Baustopp zu verhängen und das Vergabeverfahren zu wiederholen – plus Schadensersatzzahlungen. Oder die Stadtverordneten bestätigen den bisher schwebend unwirksamen Vertrag – wie nun geschehen. Es sei jedoch möglich, dass die Kommunalaufsicht wieder einschreite.

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Sasse lässt Vorgänge um Vergaben prüfen

Freitag, den 22. April 2016
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Weiter Wirbel um Bau einer Wohnanlage in Kremmen

MAZ Oberhavel, 22.4.2016

Kremmen.
Auf dem Grundstück neben dem Aldi-Markt in der Berliner Straße in Kremmen herrschte am Donnerstagnachmittag rege Bautätigkeit. Nachdem die Kommunalaufsicht der Stadtverwaltung mitgeteilt hatte, dass der Vergabebeschluss für dieses Vorhaben beanstandet wird, wird im Rathaus noch abgewartet. „Wir sind dabei, das zu prüfen“, sagte Hauptamtsleiterin Bianca Haak am Donnerstag. Es werde durch einen Anwalt ein Gutachten erstellt, danach werde man entscheiden, wie es mit dem Bau weitergehe. Das Gutachten könnte in der kommenden Woche vorliegen, so Haak weiter.

Was genau die Kommunalaufsicht beanstandet hat, bleibt der Öffentlichkeit unterdessen verborgen. „Beanstandet wurde ein nichtöffentlich gefasster Beschluss, der durch die Kommunalaufsicht des Landkreises Oberhavel gegenüber der Stadt Kremmen im Einzelnen begründet wurde“, sagte Kreis-Pressesprecher Ronny Wappler am Donnerstag. „Dieser Tatsache Rechnung tragend, sind die Gründe der Beanstandung entsprechend vertraulich zu behandeln und können daher nicht weiter ausgeführt werden.“

Ob es sich tatsächlich um die angesprochenen Punkte handelt, die sechs Stadtverordnete in einem Schreiben an die Kommunalaufsicht formuliert hatten, kann nur vermutet werden. Darin ging es unter anderem um das Leistungsverzeichnis bei den Angeboten und den Zeitpunkt der Ausschreibung und der Baugenehmigung. „Wir müssen jetzt erst mal abwarten“, sagte Frank Bommert (CDU) am Donnerstag. Fehler, die gemacht wurden, müssten nun durch den Bürgermeister ausgebessert werden, so Bommert weiter. Eckhard Koop (parteilos) will mit seinen fünf Abgeordnetenkollegen darüber beraten, Akteneinsicht zu fordern, um die genauen Gründe für die Beanstandung der Kommunalaufsicht zu erfahren.

Irritationen gibt es zudem um die Stadtverordnetenversammlung, die eigentlich am Donnerstagabend hätte stattfinden sollen, nun aber verschoben ist – wegen Problemen bei der Vergabe der Erschließungsarbeiten. In dem Zusammenhang fragt sich Ortsvorsteher Koop, was denn da momentan auf der Baustelle an der Berliner Straße passiere.
Die Arbeiten hätten nichts mit dem Ausschreibungsverfahren zu tun sagte Bürgermeister Klaus-Jürgen Sasse. „Alles, was jetzt passiert, ist Bestandteil des Beschlusses vom Februar.“ Auf dem Baugrundstück würden momentan der Unterbau für die Wege angelegt, Zäune gesetzt und jede Woche eine Grundplatte für die neun Häuser. Diese Arbeiten seien nicht Teil der Vergabe, so Sasse weiter.
Er gehe davon aus, dass Fehler in der Aktenführung und der Vergabe heilbar seien. Dies werde in der Verwaltung und mit den unabhängigen Ingenieuren und Architekten geklärt. Sasse stellt aber auch klar: „Ich trage die Verantwortung und versuche die Fehler auszumerzen.“ Es müsse aber auch geklärt werden, ob die Kommunalaufsicht schlicht einiges anders sehe als die Kremmener Verwaltung.
Sasse habe die Vorgänge rund um die Vergaben stoppen lassen. „Alle Vergaben stehen noch mal auf dem Prüfstand.“ Dies sei auch der Grund für die Versammlungsabsage gewesen.