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In der Zeitung erschienen

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Man darf sich nicht runterziehen lassen

Samstag, den 21. November 2015
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Sänger Patrick Lindner über seinen Auftritt in Velten und Unterhaltung in Zeiten schlechter Nachrichten

MAZ Oberhavel, 21.11.2015

VELTEN
Mit „Sternstunden zur Weihnachtszeit“ kommt der Volksmusikstar Patrick Lindner am Sonntag, 20. Dezember, nach Velten. Seit einem Vierteljahrhundert steht der 55-jährige gebürtige Münchner auf den Bühnen dieses Landes. Vor dem Konzert in Ofenstadthalle erwischte ihn die MAZ schon mal vorab am Telefon.

Was erwartet die Zuschauer in Velten?
Patrick Lindner: Wir haben ein wunderschönes Weihnachtsprogramm. Im ersten Teil ist es noch nicht ganz so weihnachtlich. Jeder von uns hat so seine Hits dabei, auch aus den aktuellen Alben werden wir etwas spielen. Der zweite Teil wird dann aber absolut weihnachtlich, da wollen wir dann das Publikum auf das Fest einstimmen. Wir sind ja auch wirklich ganz kurz vor Weihnachten in Velten.

Wer ist denn alles mit dabei?
Lindner: Angela Wiedl ist dabei, die Schäfer und außerdem Judith und Mel.

Wenn man in eine Stadt wie nach Velten kommt, hat man vorher noch Zeit, sich dort umzusehen
Lindner: Kommt drauf an. Wir sind ja nicht das erste Mal in Velten. Es ergibt sich manchmal, dass wir noch Zeit haben, uns umzuschauen. Zum Beispiel auf den Weihnachtsmarkt zu gehen. Es kommt aber auch öfter vor, dass wir durch Termine eingespannt sind und gar nicht dazu kommen.

Kennen Sie die Region?
Lindner: Ich war schon öfter dort, es ist immer wunderschön. Es ist auch immer wieder nett, wenn Publikum kommt, das schon mal da war. Da freue ich mich.

Wer kommt denn so in Ihre Shows?
Lindner: Das ist ziemlich gemischt. Zu den Weihnachtsprogramm kommen eher viele ältere Menschen, da sind keine Teenies oder so. Aber durchaus Leute ab 40 aufwärts.

Würden Sie sich denn mehr Teenies wünschen?
Lindner: Der Schlager spricht ja im Moment tatsächlich auch viele junge Menschen an, durch Interpreten wie Andrea Berg oder Helene Fischer. Aber mit unserer Programmform sprechen wir auch nicht so sehr das ganz junge Publikum an.

Wie nah kann Ihnen denn das Veltener Publikum kommen?
Lindner: Es gibt öfter mal ein Meet and Greet, wo man sich vorher trifft. In der Pause geben wir aber auch immer Autogramme, da wird dann auch mal ein persönlicher Satz gewechselt. Es ist mir ganz wichtig, dass man Kontakt zum Publikum hat.

Könnte man denn spontan das Programm ändern, wenn irgendwas Unvorhergesehenes passiert?
Lindner: Vom Programm her sind die Lieder reininstalliert, manchmal kann man aber natürlich auch spontan auf etwas eingehen. Davon leben wir ja auch auf der Bühne. Ich bin sehr froh, wenn sich so was ergibt, das macht es ja auch lebendiger. Ansonsten gibt es aber einen roten Faden im Programm.

Singen Sie live?
Lindner: Die Musik kommt vom Band, wir singen aber alle live. Das hat sich in den letzten Jahren so eingespielt. Wir setzen aber auch auf ein schönes Bühnenbild. Es ist wichtig, dass die Optik stimmt.

Nach so einer Show während der Tour, sitzt man da noch zusammen oder will man auch mal alleine sein.
Lindner: Ja, doch. Wir sind eigentlich immer ganz gesellig. Allerdings reisen wir ja immer mit eigenen Pkws, um ein bisschen unabhängig zu sein. Jeder hat zwischenzeitlich auch mal andere Termine. Aber wir sind oft zusammen, das ist eine schöne Zeit für uns. Wie eine Zirkusfamilie.

Im Fernsehen ist der volkstümliche Schlager kaum noch präsent.
Lindner: Leider Gottes ist das so. Wenn wir unterwegs sind, fragen uns die Leute scharenweise ,Bitte, bitte, warum gibt es diese Sendung auch nicht mehr?’ Es hat ein Generationswechsel stattgefunden in den oberen Etagen der Sender, wo man sich nicht unbedingt mit unserer Musik identifizieren kann. Aber Gott sei Dank gibt es noch einen Sender wie den MDR, der doch daran festhält.

Brauchen Sie eine bessere Lobby?
Lindner: Eigentlich ist der Schlager ja wieder total angesagt. Ein großer Teil des Publikums ist trotzdem traurig, dass es solche Sendungen kaum noch gibt.

Kann es sein, dass es volkstümlichen Schlager in 30, 40 Jahren gar nicht mehr gibt?
Lindner: Nee, das glaube ich nicht. Das glaube ich auf gar keinen Fall. Es sind Lieder, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. Es gibt da Schwankungen. In den 80ern ist der volkstümliche Schlager großgeworden, und der wird auch immer irgendwie da sein.

In Zeiten des Terrors – macht es da noch Spaß?
Lindner: Es wird ja bei unserer Musik immer von der heilen Welt gesprochen. Wir wissen, unser Publikum möchte für ein paar Stunden abschalten. Also keinen Terror, Krieg oder Tod. Sie wollen sich musikalische in einer andere Welt träumen.

Die aktuelle Nachrichtenlage – hat die Einfluss auf die Shows?
Lindner: Dazu sind wir hochprofessionell, man darf sich da auch nicht runterziehen lassen. Während unseres Programms werden wir nicht politisch, wir sind ja in der Unterhaltung tätig. Es ist das, was uns am meisten Spaß macht, deshalb fällt uns das nicht schwer.

Was machen Sie Weihnachten?
Lindner: Da bin ich zu Hause, wie fast alle anderen Menschen auch. Nach vier Wochen auf Tour ist man froh, wieder zu Hause zu tun und wirklich keine Termine zu haben. Diese Zeit genieße ich unglaublich.

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Hennigsdorf ist sein Venedig

Dienstag, den 10. November 2015
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Der Musiker Maximilian Hecker hat der Stadt eine besondere Hommage gewidmet – immer zu Silvester kommt er wieder

MAZ Oberhavel, 10.11.2015

HENNIGSDORF
Ganz schön düster in Hennigsdorf! Im Videoclip zu dem Song, der so heißt wie die Stadt an der Havel, sieht man in Schwarz-weiß den Bahndamm und einen dort entlang führenden Weg – beleuchtet vom Licht der Laternen. Und einen jungen Mann, der dort herumirrt. Es ist Silvester, und ab und zu hört man im Hintergrund die Raketen donnern.
Es ist die wohl ungewöhnlichste Hommage an Hennigsdorf, die es bisher gibt. Der Musiker Maximilian Hecker hat ihn der Stadt gewidmet – er verbrachte nämlich schon dreimal die Silvesternacht dort. Allein. In einem Businesshotel an der Veltener Straße, direkt neben einer Tankstelle.

„Silvester so zu verbringen, wo ja fast jeder unter Leuten ist, ist sehr ungewöhnlich, ich weiß“, erzählt der Musiker. „Aber das ist eine bewusste Einsamkeit.“ Da fühle er sich wohl, abseits von Berlin-Mitte, wo er eigentlich wohnt. Silvester gebe es oft einen Feierzwang, aber „ich will reflektieren: Wie war das letzte Jahr, was bringt das kommende.“ Das wolle er nicht mit vielen Leuten machen, schon gar nicht mit Betrunkenen. Als er das erste Silvester in Hennigsdorf verbrachte, lag er um 22 Uhr im Bett. „Im Grunde ist’s da relativ ruhig, aber natürlich wird dann um Mitternacht relativ laut gefeiert.“ Im vergangenen Jahr ist er in der besagten Nacht durch die Stadt gelaufen und hat gefilmt – wie man im Videoclip auch sehen kann.
Im Lied „Hennigsdorf“ geht es dann auch darum, wie er das normale Leben in dieser Nacht verlässt, es geht um die Schönheit des Momentes, auch um die Verzweiflung, die in so einer Nacht stecken kann – und um die Entscheidung, wie es im Leben weitergehen könnte.

Inzwischen kommt er nicht nur Silvester nach Hennigsdorf. „Es ist inzwischen mein Fluchtort.“ Nach Albumaufnahmen oder Tourneen fährt er hin und schläft sich dort aus. „Als Belohnung. Dann schaue ich mir alte Folgen von ,Aktenzeichen XY ungelöst’ an und esse Toffifee.“ Leicht pubertär nennt er das und muss selbst ein wenig darüber lachen. „Meine Eltern sind immer sehr beunruhigt, wenn ich dort bin“, ergänzt er noch. Dabei hat er nur gute Gefühle: „Hennigsdorf ist mein Venedig“, sagt Maximilian Hecker. „Ich empfinde da das gleiche Glück wie jemand, der nach Venedig reist.“
Auch in diesem Jahr wird er wohl Silvester wieder in Hennigsdorf verbringen. „Irgendwie hat es ja auch was Augenzwinkerndes.“

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Das Video bei Youtube.

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Frank Zander holt sich Spende aus Kremmen ab

Dienstag, den 10. November 2015
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MAZ Oberhavel, 10.11.2015

KREMMEN
Am 21. Dezember veranstaltet der Entertainer Frank Zander wieder seine Essensgala für arme Leute und Obdachlose. Im Estrel-Hotel gibt es für sie Gänsekeulen, etwas zu trinken und diverse Geschenke. Am Montagnachmittag kam Zander nach Kremmen auf den Spargelhof. Dort bekam er eine Spende in Höhe von 1500 Euro überreicht. Das Geld stammt aus den Einnahmen des Erdbeertortenverkaufes am 31. Mai. „Wir haben noch etwas aufgestockt“, sagte Malte Voigts, der Chef des Spargelhofes. „Wir finden die Sache gut, die Frank Zander da auf die Beine stellt.“
Zum 21. Mal veranstaltet Zander seine Hilfsaktion. „Das ist toll, wenn man in die Gesichter sieht, und da öffnet sich was“, erzählte er am Montag in Kremmen. Viele Firmen unterstützen ihn bei seiner Gala.

Gänsekeulen gibt es Mittwoch aber auch auf dem Spargelhof. Die Saison dauert bis zum 20. Dezember. In dieser Zeit gibt es immer am Wochenende entsprechende Angebote im Restaurant, dazu gehört auch ein Brunch-Büfett.

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Peter Leys bleibt Bürgermeister in Oberkrämer

Montag, den 9. November 2015
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Absolute Mehrheit gleich im ersten Wahlgang – nur 38,3 Prozent beteiligten sich an der Abstimmung

MAZ Oberhavel, 9.11.2015

OBERKRÄMER
Für ein paar Minuten stand Marwitz im Brennpunkt des Interesses bei der Bürgermeisterwahl in Oberkrämer. Der Ortsteil übermittelte als Letztes das Ergebnis zur Verwaltung nach Eichstädt. Um 18.40 Uhr, also nicht mal eine Stunde nach Schließung der Wahllokale, stand aber fest: Peter Leys (BfO) bleibt Bürgermeister von Oberkrämer, und das mit einem überraschend klaren Abstand.

Leys gewann mit 2257 Stimmen (64,7 Prozent) , das ist schon die absolute Mehrheit im ersten Wahlgang. Damit ist keine Stichwahl nötig. Carsten Schneider (SPD) bekam 647 Stimmen (18,6 Prozent) , Jörg Ditt (Grüne) 582 Stimmen (16,7 Prozent). Die Wahlbeteiligung lag bei nur 38,3 Prozent.

Im Eichstädter Verwaltungsgebäude brandete Applaus auf, als das Ergebnis feststand. „Ich hatte die Hoffnung, dass wir es ohne Stichwahl schaffen“, sagte Peter Leys. „Aber ich hätte nicht gedacht, dass es so deutlich ist. Ich möchte mich bei allen bedanken, die mich unterstützt haben.“ Der Wahlsieger sieht seinen Vorteil im Amtsbonus und darin, dass man ihn in der Gemeinde seit vielen Jahren kenne, auch schon als Bauamtsleiter.
Besonders stark war Leys in Eichstädt, wo er 82,1 Prozent der Stimmen erreichte, am schwächsten mit 47,6 Prozent in Neu-Vehlefanz.
„Mehr als zufrieden“ war auch Bernd Ostwald (CDU), seine Partei unterstützte Peter Leys. Das sei die richtige Entscheidung gewesen. „Wir haben dem Wähler wahrscheinlich eine Stichwahl erspart“, sagt er am Sonntagabend in Eichstädt.

Carsten Schneider war über das Ergebnis sehr enttäuscht. Er hat beide Wahlziele nicht erreicht: „Einen souveränen zweiten Platz und die Stichwahl.“ Für eine Analyse sei es noch zu früh. „Aber es gibt wohl keinen so großen Veränderungsbedarf seitens der Bürger“, sagte Schneider. Die Stimmung bei den SPD-Leuten beim Treffen in Bärenklau war gedrückt. Als die Ergebnisse kamen, sei das ein Schock gewesen. „Das ist, als wenn man in der Schule eine unerwartete Fünf bekommt.“ Mit nur 7,5 Prozent schnitt Schneider am schlechtesten in Eichstädt ab, am besten im Gemeindezentrum in Bötzow mit 24,2 Prozent.

„Ich bin enttäuscht“, sagte auch Jörg Ditt. „Das habe ich nicht so gedacht, nicht in der Eindeutigkeit. Aber das ist das Votum des Wählers.“ Ditt hatte sich zumindest eine Stichwahl erhofft. Er habe es wohl nicht geschafft, die unzufriedenen Bewohner von Oberkrämer an die Wahlurne zu holen. Jörg Ditt schnitt in Neu-Vehlefanz am besten ab, dort bekam er 36,9 Prozent der abgegebenen Stimmen. Sein schlechtestes Ergebnis erzielte er in Eichstädt mit 10,4 Prozent.

Von 9289 Wahlberechtigten gingen am Sonntag 3561 Menschen zur Wahl. Wie Wahlleiterin Sabine Großmann sagte, habe es keine Probleme gegeben. „Aber bis um 10 Uhr war es sehr ruhig“, erzählte Anneliese Kolewe, Wahlhelferin in Eichstädt. „Zur Kaffeezeit nach dem Spaziergang kamen die meisten.“ Mit 45,9 Prozent war die Wahlbeteiligung in Eichstädt auch am höchsten.

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Nächstes Mal geht es wieder um richtige Probleme

Mittwoch, den 4. November 2015
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Vorerst letzter Akt im Streit um Detlef Reckin – Kremmener Ortsbeirat hat neue Spitze

MAZ Oberhavel, 4.11.2015

KREMMEN.
Detlef Reckin hat seinen eigenen Putsch nicht miterlebt. Er hat im Urlaub erfahren, dass er nicht mehr Ortsvorsteher von Kremmen ist. Auch Andreas Kretzschmar ist seinen Stellvertreterposten los. Die SPD ist am Montagabend mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit durch die sechs Stimmen aller weiteren Mitglieder des Gremiums aus den Spitzenpositionen gedrängt worden. Alle Wahlen in dieser Sitzung gingen mit 6:2 Stimmen zu Ende, die SPD mit war zwei Mitgliedern im Gremium vertreten.

Zunächst ist Detlef Reckin abgewählt worden. Eckhard Koop (parteilos) hatte bei seiner Wahl keinen Gegenkandidaten. In einer kurzen Rede wies er darauf hin, dass er bei der Kommunalwahl die meisten Stimmen erhalten habe. „Ich nehme die Wahl gerne an.“ Er hofft auf eine gute Zusammenarbeit, warnt aber schon mal die, die eine Blockadehaltung haben. „Ich will die Bevölkerung informieren, wer hier den Hemmschuh auslegt“, sagte er am Montagabend.

Die Abwahl fand statt, weil die CDU-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung Detlef Reckin das Vertrauen als Orts- und Stadtverordnetenvorsteher entzogen hatte. Hintergrund sind nach Ansicht der CDU nicht eingehaltene Absprachen.

Für Irritationen im Rathaussaal sorgte, dass vor der Wahl des stellvertretenden Ortsvorstehers die Sitzung unterbrochen worden ist. Bis auf Andreas Kretzschmar und Margareta Ganschow (SPD) verließen alle Abgeordneten den Saal, um sich zu besprechen. „Wir machen keine Absprachen“, kommentierte Kretzschmar den Vorgang süffisant. Schließlich ist Heidi Sommer (Linke) dafür vorgeschlagen worden. Bei der Kommunalwahl 2014 erhielt sie nach Koop die zweitmeisten Stimmen. Auch bei dieser Wahl stimmten sechs Abgeordnete dafür, zwei dagegen.

Die Kremmener hoffen nun, dass sich die Politiker nun wieder mit den eigentlichen Problemen befassen. „Wir haben ganz andere Sorgen“, beschwerte sich ein anwesender Einwohner zu Beginn der Sitzung. „Wir haben uns zu lange mit uns selbst beschäftigt“, findet auch Andreas Kretzschmar (SPD). „Alles andere ist in den Hintergrund getreten, wir müssen uns nun wieder Gedanken machen, wie es mit der Schule, den Kitas, dem Straßenbau, dem Klubhaus und den Flüchtlingen weitergeht“, sagte er. „Das hat im Moment keiner auf dem Schirm.“

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Kremmens absurdes Theater

Freitag, den 30. Oktober 2015
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Der Streit um den Posten des Stadtverordnetenvorstehers wird zur Posse – Münzwurf beendet Zoff

MAZ Oberhavel, 30.10.2015

KREMMEN.
Da konnte CDU-Fraktionschef Frank Bommert nur noch mit dem Kopf schütteln. Er war der Verlierer eines Abends, der als denkwürdig zu bezeichnen ist – und das, obwohl er seine Forderung durchsetzen konnte, Kremmens Stadtverordnetenvorsteher Detlef Reckin (SPD) abzusetzen. Zunächst. Denn am Ende des Abends war der nämlich trotzdem wieder im Amt.

Man hätte meinen können, als Zuschauer wohne man einem Theaterstück bei. Absurdes Theater. War es vielleicht auch. Der Titel des Stücks am Mittwochabend im Rathaussaal, „Sondersitzung er Stadtverordneten“, mag langweilig klingen, aber es war eine spannende Komödie mit überraschenden Wendungen.
Ausgangspunkt waren Absprachen zwischen CDU und SPD betreffs der Chefpositionen im Ortsbeirat und Stadtparlament. Laut Frank Bommert habe sich die SPD, habe sich Detlef Reckin, nicht an eine solche Absprache gehalten.

„Was passiert hier eigentlich gerade“, fragte die Stadtverordnete Sonja Karas (Grüne) zu Beginn. Die Sitzung fände statt, weil auch ein Schlichtungsgespräch gescheitert, gar nicht erst zustande gekommen sei. „Hier sitzen ganz viele alte Männer rum, die alle offene Rechnungen haben“, sagte sie. Christoph Brunner (BfB) verwahrte sich später gegen die „alten Männer“, Frank Bommert gegen die „offenen Rechnungen“. Karas brachte auch die „Hinterzimmergespräche“ in die Runde. Frank Bommert: „Die waren nicht im Hinterzimmer, sondern auf dem Spargelhof.“ Es sei legitim, das man sich abspreche, so der CDU-Fraktionschef. „Dass man guckt, wo man Mehrheiten bekommt.“ Reckin habe sein Ehrenwort gegeben, den Posten als Stadtverordnetenvorsteher zugunsten von Stefanie Gebauer (CDU) zu räumen, wenn er stattdessen Ortsvorsteher werde. Reckin habe sein Ehrenwort gebrochen, betonte Bommert nochmals. Reckin wollte sich nicht äußern, wies aber in früheren Interviews den Vorwurf immer wieder zurück. SPD-Fraktionschef Peter Winkler sagte, man habe Reckin das Vertrauen ausgesprochen und ihn gebeten, als Stadtverordnetenvorsteher weiterzumachen.

Christoph Brunner meinte, schon seit der Wende würden die Posten in der Stadtpolitik immer wieder „ausgehökert“. In Kremmen kenne jeder jeden. „Wenn es solche Absprachen gibt, sollen sie doch. Aber wenn man sich dann nicht dran hält, dann ist das das Allerletzte“, so Brunner weiter.

Elf Abgeordnete stimmten für die Abwahl Reckins, sechs dagegen – ein Mitglied des Parlaments hat nicht mit abgestimmt. Die CDU nominierte daraufhin Stefanie Gebauer, die SPD erneut Detlef Reckin. „Auch wenn das paradox ist“, so Fraktionschef Winkler. Die Überraschung und der Lacher: Reckin bekam neun Stimmen, Gebauer nur sieben. Zwei Abgeordnete enthielten sich. Aber Reckin brauchte im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit von zehn Stimmen. Im zweiten Wahlgang dann das Patt: neun zu neun. Am Ende entschied der Münzwurf. Detlef Reckin entschied sich für „Kopf“, Stefanie Gebauer für „Zahl“. Malte Voigts (parteilos, CDU-Fraktion) warf die Münze. Kopf gewann. Die Komödie erreichte ihren Höhepunkt.

Der sowieso schon absurde Zoff ist auf ebenso absurde Weise beendet worden. Der Zufall entschied darüber, dass der Abgewählte am Ende wieder auf seinem Stuhl saß. Die Zuschauer im Saal applaudierten – wie es sich am Ende eines Theaterstücks gehört. Teil zwei folgt am Montag. Ab 19.30 Uhr geht es darum, ob Reckin Ortsvorsteher bleibt. Die CDU ist dagegen. Aus bekannten Gründen.

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Ans Aufhören denkt er nicht

Freitag, den 23. Oktober 2015
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Ein Ur-Kremmener – vor 40 Jahren bekam Manfred Schöneberg seinen Meisterbrief als Tapezierer

MAZ Oberhavel, 23.10.2015

KREMMEN
40 Jahre Meister. Manfred Schöneberg hält von solchen Jubiläen nur wenig. Der Kremmener wird es am Sonnabend nicht feiern, sagt er. Seit einem Jahr ist der 66-Jährige Rentner, ans Aufhören denkt er aber noch nicht. „Ich möchte so lange arbeiten, wie meine Frau arbeitet“, sagt er. Silvia Schöneberg führt das Sportgeschäft am Marktplatz. „Vielleicht noch zwei bis drei Jahre“, sagt sie.

Seinen Meister hat Manfred Schöneberg als Tapezierer, so ist es auch in der Liste der Potsdamer Handwerkskammer gekennzeichnet. Wer da aber nur an kahle Wände denkt, die mit einer Tapete verziert wird, der irrt. Weil es Mitte der 70er-Jahre in Kremmen schon zwei Tapezierer gab, musste er umdenken, weil er ansonsten keine Gewerbeerlaubnis bekommen hätte. Für ein Vierteljahr arbeitete er in einer Berliner Sattlerei und bekam 1975 in Kremmen ein Okay für ein entsprechendes Gewerbe: als Autosattler. „Aber eigentlich hat das später keinen mehr interessiert“, erzählt er. Heute heißt der Beruf „Raumausstatter“.

Die Materialbeschaffung in der DDR war, das erzählen alle Handwerkermeister, schwierig. „Man musste aus Sch … Bonbons machen“, so Schöneberg. „Man musste erfinderisch sein.“ Weil er entsprechende Maschinen hatte, konnte er an großen Ledergarnituren arbeiten. Auch das Polstern gehörte dazu. Es ist noch gar nicht so lange her, da kam ein Kunde mit einer Couch von 1988 zu ihm. „Wir mussten nur den Schaumstoff erneuern, das Gestell war noch wie vor 25 Jahren“, erzählt der Kremmener.
Die Wende war schwierig. „Wir haben uns durchgeschlagen.“ Allerdings musste er seine Leute entlassen und machte fortan alleine weiter. Vor zehn Jahren nahm er erstmals einen Montage-Auftrag an und reiste seitdem beruflich durch die Welt. In China zog er für eine Firma Zwischendecken ein, auf einem Kreuzfahrtschiff war er für die Polsterung der Zimmer mitzuständig. „Das hat meinen Horizont erweitert.“

Manfred Schöneberg ist und bleibt ein Kremmener Urgestein. „Hier gemacht, geboren und geheiratet“, sagt er und lacht. Er besuchte die Kremmener Schule, war bei der Armee in Potsdam-Eiche, ging in die Lehre, eröffnete 1975 seine Firma. Mit seiner Frau Silvia ist er seit 41 Jahren zusammen. „Seit der Fußball-WM 1974. Da waren wir bei einem Fest am Kremmener See. Deutschland hat gegen Schweden 4:2 gewonnen. Wir kannten uns schon, aber ab da waren wir richtig zusammen.“ 1975 dann die Hochzeit, sie haben zwei Kinder und vier Enkelkinder.
Letztere sind auch das große Hobby von Manfred Schöneberg. Sie haben den Fußball abgelöst. Viele Jahre war er beim FC Kremmen aktiv, als Spieler und im Vorstand. „Als Stürmer habe ich angefangen.“ Er überlegt kurz. „War eine schöne Zeit. Für meine Frau allerdings bestimmt nicht“, schiebt er nach. Seine Frau Silvia antwortet nicht.
Nach der Wende war er auch lange in der Stadtpolitik aktiv, er war Stadtverordneter und Ortsbeiratsmitglied. „Kultur und Sport waren mein Steckenpferd.“ Doch die Zeiten sind für ihn vorbei, er will sich da nun raushalten.

Kremmen aber, das ist und bleibt „meine Heimat, und das sind meine Freunde.“ Die Feiern bei Schönebergs, die sollen nämlich legendär sein. Auch wenn es zum 40. Meisterjubiläum keine gibt.