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In der Zeitung erschienen

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Sie mag das Leben auf dem Dorf

Samstag, den 19. August 2017
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Lisa Andreß (22) ist diesjährige Erntekönigin in Bärenklau – schon als Kind saß die künftige Lehrerin auf einem Wagen beim Umzug

MAZ Oberhavel, 19.8.2017

Bärenklau.
Irgendwann ist jede mal dran. Das ist keineswegs negativ gemeint. Denn Erntekönigin zu sein, das ist in Bärenklau eine wirkliche Ehre. In diesem Jahr heißt die Hoheit Lisa Andreß. Die 22-Jährige lebt im Dorf, seit sie vier Jahre alt war. „Ich bin damals mit meinen Eltern hier rausgezogen, ich bin in Berlin geboren worden“, erzählt sie.

Sie wird am Freitagabend, 8. September das Erntefest auf dem Remontehof eröffnen. „Ich bin mit diesem Fest groß geworden“, erzählt sie. Als sie in die Bärenklauer Kita ging, da nahm sie das erste Mal am Ernteumzug teil. Damals hatte „das lustige Bärenvölkchen“ nämlich noch einen eigenen Wagen. „Das war total cool“, erinnert sich Lisa Andreß. Inzwischen ist sie lange nicht mehr beim Umzug mitgefahren, was für sie natürlich noch ein Grund mehr ist, sich auf das Fest in drei Wochen zu freuen.

Sie ging auf die Vehlefanzer Nashorn-Grundschule. ihr Abi machte sie am Runge-Gymnasium in Oranienburg. „Ich will Lehrerin werden“, sagt sie. Sie studiert in Berlin Chemie und Geschichte auf Lehramt. „Chemie war in der Schule mein Lieblingsfach. Ich hatte da eine tolle Lehrerin.“ Schon lange hatte sie als Schülerin mit dem Gedanken gespielt, Lehrerin zu werden. Als Zweitfach im Studium hat sie sich dann für Geschichte entschieden. „Das ist der perfekte Ausgleich zur Chemie, und es ist eine Kombination, die nicht so häufig vorkommt.“ Insbesondere Chemielehrer werden händeringend gesucht, weiß sie. Am liebsten würde sie später in der Oberhavel-Region in der Oberstufe unterrichten.

Nun aber hat sie erst einmal andere Aufgaben zu erledigen. Sie repräsentiert Bärenklau. Als sie ihren Freunden erzählte, was ihr im September bevorsteht, war erst mal die große Frage: Bist du überhaupt der Typ dafür? „Vom Prinzip her ist das mein Ding“, sagt Lisa Andreß. Weniger wegen des Kleidchens und der Krone. Aber sie war selbst schon mal Erntehelferin in Südtirol, auf dem Hof von Bekannten. Sie sei sehr naturverbunden, sagt sie auch. Auf ihrem Hof in Bärenklau sind eigenes Obst und Gemüse angebaut, auch Kräuter. „Wir haben da in diesem Jahr erstaunlich viel geerntet“, sagt die 22-Jährige. „Für uns war der viele Regen zum Glück nicht so schlimm.“

Bärenklau sei unbestritten ihr Zuhause. „Es ist hier unglaublich ruhig.“ Nicht, wenn man direkt an der Autobahn wohnt, die den Ort durchkreuzt, aber schon am Remontehof sei es sehr still. „Das familiäre Zusammenleben mag ich hier sehr.“ Der Freundeskreis habe sich über viele Jahre nicht groß geändert. „Es herrscht ein großer Zusammenhalt im Dorf. Vielleicht auch, weil man ja hier viel weniger machen kann. Ich bin ziemlich oft mit dem Rad unterwegs gewesen.“ Sie haben als Kinder Höhlen gebaut und mussten sich keine Sorgen machen. „Hier ist eben nie was passiert. Man kann mit dem Rad überall hin fahren.“ Mit 15 bekam sie ein Mofa und konnte dann schon mal weiter weg fahren. Sie habe es aber bislang nie bereut, Bärenklau nicht verlassen zu haben.
Nebenher spielt sie Handball beim SV Eichstädt und fährt Schlauchbootslalom beim Wassersportclub Möwe in Oranienburg.

Am meisten freut sie sich auf den Ernteumzug. Ihre kurze Rede muss sie noch schreiben, in der Hinsicht ist sie ziemlich nervös. Aber auch das Dackelrennen am Sonntag ist für sie ein echter Höhepunkt. „So etwas gibt es ja nicht so oft“, sagt die Erntekönigin. „Ich mag dieses Spektakel.“ Auch viele Freunde von ihr haben schon angekündigt, zum Fest zu kommen – schließlich wollen sie Lisa Andreß auch mal als Königin erleben.

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Ungewisse Zukunft fürs Altstadtstübchen

Freitag, den 11. August 2017
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Brigitte Krause und Elfi Schwanke suchen für die Gäststätte schon längere Zeit einen neuen Mieter

MAZ Oberhavel, 11.8.2017

Kremmen.
Die Schwestern Brigitte Krause und Elfi Schwanke haben sich in Kremmen einen Namen gemacht. Sehr viele kennen das Altstadtstübchen unweit des Marktplatzes. Und sehr viele sind besorgt: Wie lange wird es die Gaststätte noch geben?

Erst seit 2003 gibt es das Altstadtstadtstübchen. Davor befanden sich an der Stelle Wohnungen und ein Textilgeschäft. Aber in diesen 14 Jahren ist das Wirtshaus zu einem echten Treffpunkt geworden. Das liegt daran, dass die Schwestern schon seit vielen Jahren ein echtes Team sind. 37 sind es, um genau zu sein.

Elfi Schwanke arbeitete in den 80ern schon in der Kremmener Seegaststätte als Köchin, später auch in anderen Wirtshäusern. Bis heute sind ihr Frikassee, ihr Würzfleisch oder ihre Schnitzel sehr beliebt. Ursprünglich war das alles gar nicht so geplant. Eigentlich sollte es an dieser Stelle nur ein kleines Café geben, aber dann entwickelte sich alles doch zu einer richtigen Gaststätte hin. Aber inzwischen ist Elfi Schwanke 66 und Brigitte Krause, die am Tresen steht, ist 65. Sie wollen gern in ihren Ruhestand gehen.

Eigentlich hatten sie ihren Plan im vergangenen Jahr schon mal wahr gemacht. Sie hatten an einen jungen Mann vermietet, der das Altstadtstübchen weiterführen wollte. Aber das hat nicht funktioniert, das war relativ schnell klar. Die Gäste seien auch nicht zufrieden gewesen. Schon im Februar übernahmen die Schwestern den Betrieb wieder. „Da brauchte ich keine Bedenkzeit“, sagt Brigitte Krause.

Aber auch das soll keine Dauerlösung sein, sie suchen weiterhin nach einem Mieter. „Aber wir wollen jemanden finden, wo wir sagen, dass wir ein gutes Gefühl dabei haben.“ Der- oder diejenige, die übernimmt, müsse von seinem Beruf überzeugt sein. Er oder sie muss gut kochen können, im Idealfall meldet sich ein Ehepaar. Es gab auch schon Bewerber, die haben die Schwestern aber bislang nicht überzeugen können.
Deutsche Hausmannskost gibt es im Altstadtstübchen immer donnerstags bis sonntags. Das solle im Idealfall auch so bleiben, sei aber kein Muss, wie die Wirtin dann doch einschränkt. Früher war sechs Tage pro Woche geöffnet, aber das schaffen die beiden nicht mehr. Auch die Auslieferung von Büfetts wollen die beiden erst mal sein lassen.

Das Altstadtstübchen habe ein treues Stammpublikum, erzählt Brigitte Krause. Immer wieder kämen Kremmener, um Geburtstagsfeiern im Lokal vorzubestellen – verbunden mit der Bitte, doch so lange noch weiterzumachen. Aber: „Wir haben uns eine Grenze gesetzt. Bis Ende Oktober machen wir noch. Irgendwann muss Schluss sein. Und wenn sich dahin kein Mieter für die Gaststätte findet? „Dann wird das hier irgendwann als Wohnung zurückgebaut. Ich will ja nicht hinterm Tresen umfallen“, sagt Brigitte Krause und lächelt. Es könne auch ein anderes Gewerbe sein, dass dort angesiedelt werden könnte. Dennoch dachten die Schwestern, dass es leichter sei, einen Mieter zu finden.

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Nach Hochwasser: Bärenklauer bitten Gemeinde um Hilfe

Mittwoch, den 2. August 2017
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Angela Richter wohnt nahe des Elsgrabens – nach den Starkregenfällen war ihr Grundstück und das der Nachbarn teilweise stark überflutet

MAZ-online.de, 2.8.2017

Bärenklau. Kein guter Sommer für Angela Richter aus Bärenklau. Zweimal, am 29. Juni und am 27. Juli, kam so viel Wasser von oben, dass ihr Grundstück am Kurzen Weg und ihr Haus komplett unter Wasser standen. An einigen Stellen sogar extrem tief unter Wasser.
„80 Prozent unseres Grundstückes waren überflutet“, sagt Angela Richter. „Teilweise stand das Wasser hier einen Meter.“ Im Haus ihrer Eltern stand das Wasser am 27. Juli bis zu 40 Zentimeter hoch. „In meinem eigenen Haus kam es zu einem indirekten Schaden durch das Wasser. Die Bodenplatte im Keller bildet eine Beule, welche an der Spitze circa 50 Zentimeter hoch ist und den gesamten Kellerraum, etwa 35 Quadratmeter, füllt.“ Das Betreten sei undenkbar, da die Gefahr bestehe, dass sich Risse bilden und das ganze Wasser einströme. „Auch jetzt, da das Wasser zurückgeht, ist die Beule unverändert“, sagt sie. „Den genauen Schaden muss nun ein Sachverständiger klären.“

Das Problem: Richters wohnen unweit des Elsgrabens, der nahe ihres Grundstückes eine Kurve bildet. Dort staute sich das Wasser. Aus ganz Bärenklau läuft das Wasser in diesen Graben, der es in Richtung Vehlefanz, Schwante und in den Hörstegraben abführen soll. Bis heute steht das Wasser auf den Feldern rund um den Graben, weil es nicht so schnell versickern oder ablaufen kann.

Angela Richter wendet sich nun an Oberkrämers Bürgermeister Peter Leys (BfO). Ein entsprechender Brief ging ihm gestern zu. Sie hofft, dass er etwas an dieser Situation ändern könnte, er sei dafür verantwortlich, dass so etwas nie wieder passiere. Sie fordert unter anderem einen Ausbau des Grabensystems und der Durchlässe, die Einrichtung einer Notfall-Pumpenstation, einen Notfallplan für solche Situationen sowie keine Duldung von Bibern, die die Durchlässe mit Ästen verstopfen. Letzteres ist lange bekannt, darüber hatte die MAZ bereits aus Bärenklau berichtet.

Bürgermeister Peter Leys wies auf MAZ-Nachfrage auf die Sondersituationen hin. Es sei in vier Wochen so viel Regen gefallen wie sonst im ganzen Jahr. So viel Wasser könnten die Gräben in der kurzen Zeit nicht bewältigen. Die Verwaltung sei dennoch dabei, das Problem der Wassermassen in den Gräben zu analysieren. Wirkliche Versprechen könne Leys der Bärenklauerin nicht machen. Er könne ihren Ärger verstehen, aber wenn er sagen würde, er könnte schnell helfen, würde er nicht ehrlich sein, sagte er gestern. Das sei ein grundlegendes Problem, das nicht allein von der Gemeinde gelöst werden könne. Allerdings sollen die Durchlässe überprüft werden, Rohre könnten eventuell durch größere ersetzt werden.
Peter Leys sagte aber auch, dass selbst breitere Gräben das Problem bei solchen lang anhaltenden Starkregenfällen nicht lösen könnten. Das Wasser müsse erst mal dorthin kommen. Demnächst will er Angela Richter noch persönlich eine Antwort zukommen lassen.

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Zu nass: Sommerlager zieht um

Samstag, den 29. Juli 2017
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Weg zum Mühlensee-Camp in Vehlefanz ist unpassierbar – Neuen Platz hinter der Mühle gefunden

MAZ Oranienburg, 29.7.2017

Vehlefanz.
Aufgeweichte Wege. Der pure Schlamm. Auf den Zufahrtswegen zum Sommerlager am Vehlefanzer Mühlensee ging so gut wie nichts mehr. Tiefe Furchen, selbst Lkw mit Allradantrieb sind am Ende nicht mehr durchgekommen – nur noch Trecker.

Am Donnerstagabend fiel dann die Entscheidung: Das Camp muss umziehen. „Die Erreichbarkeit, zum Beispiel durch Rettungskräfte war nicht gegeben“, sagte Dirk Eger, der Leiter des Ordnungsamtes in Oberkrämer, gestern Vormittag. „Die Zufahrt war so aufgeweicht, dass da niemand langfahren konnte.“ Oliver Lauktien, einer der Organisatoren des Sommerlagers, sprach gestern von halbmetertiefen Furchen. Ordnungsamt, Feuerwehr, Polizei und Veranstalter haben daraufhin diese Entscheidung getroffen.
Somit ist die Jubiläumsausgabe des Sommerlagers – es findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt – noch mal aus einem ganz anderen Grund eine besondere: Es findet nun auf einer Wiese hinter der Mühle in Vehlefanz statt. Am Donnerstagabend habe es dafür das Okay vom Landwirt Thomas Richter gegeben, sagte Oliver Lauktien. Diese Wiese sei auch über die vorhandenen Wege problemlos erreichbar.

„Das ist ein Riesendrama“, sagte gestern Oliver Lauktien. Noch gestern Vormittag sind auch über Facebook im Internet fleißige Helfer gesucht worden. Denn der Umzug innerhalb weniger Stunden ist eine riesige logistische Herausforderung. Immerhin geht es um etwa 250 Menschen, die eine Woche lang im Camp leben sollen – Kinder und Team-Mitarbeiter. Mehr als 100 Helfer sorgten gestern den ganzen Tag dafür, dass das Camp von A nach B gezogen ist. Allerdings werde auf dem neuen Platz keine neue Küche aufgebaut, dafür sei eine andere Lösung gefunden worden.

Auch sonst gab es Programmänderungen. Am Nachmittag trafen sich die Camp-Teilnehmer zwar wie geplant an der Bötzower Kirche, die Wanderung danach führte dann aber gleich nach Vehlefanz, auf den Platz hinter der Mühle. Die Übernachtung in der Marwitzer Saubucht ist durch die Veranstalter gestern abgesagt worden. „Wir werden am ersten Tag improvisieren müssen“, sagte Oliver Lauktien gestern. Da die Kinder nun schon seit gestern Abend im Camp sind und nicht erst heute im Laufe des Tages dort eintreffen, wird es wohl zunächst auch Leerläufe geben. „Aber das gibt uns die Gelegenheit, alles einzurichten“, sagte Oliver Lauktien. Hauptsache nicht absagen – das sei allen Beteiligten in den vergangenen Tagen wichtig gewesen.

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Der Festival-Countdown läuft

Donnerstag, den 27. Juli 2017
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“Resist to Exist” ab 4. August: Noch steht Wasser auf den Wiesen in Kremmen

MAZ Oberhavel, 27.7.2017

Kremmen.
Dort, wo am 4. August das große Punkfestival „Resist to Exist“ stattfinden soll, steht momentan überall noch das Wasser auf dem Feld. Es gehört dem Landwirt Christoph Brunner aus Kremmen. Gestern Mittag schaute er sich das Gelände am Oranienburger Weg an. Er zeigt in die Ferne: „Da hinten steht noch mehr Wasser.“ Und wieder regnet es an diesem Mittag in Strömen.
„Wenn das Festival dieses Wochenende stattfinden würde, wäre das schwer. Jetzt ist die Wiese schlammig, auch für die Technik wäre das ja nicht gut“, sagt Christoph Brunner. Hört es jetzt irgendwann endlich auf zu regnen, dann dauere es vier bis fünf Tage, bis alles einigermaßen abgetrocknet sei.

Es ist das zweite Mal, dass der Kremmener seine Fläche für das Festival zur Verfügung stellt. Die Premiere fand vergangenes Jahr im August statt. Eine erste Anfrage erreichte ihn im April 2016. „Ich habe mich dann aber erst mit denen länger unterhalten, was sie da eigentlich vorhaben“, erzählt Christoph Brunner, der auch Stadtverordneter ist. „Die Veranstalter haben einen recht seriösen Eindruck gemacht, und sie haben so eine Veranstaltung ja auch nicht das erste Mal durchgeführt.“ Er sagte zu.

Als der Termin und der Ort für „Resist to Exist“ dann bekannt wurden, herrschte in Kremmen längst nicht nur Begeisterung. „Ich wurde gefragt: Warum tun Sie uns das an?“, erinnert sich Christoph Brunner. Viele seien besorgt gewesen – das aber, wie sich herausstellte, ganz umsonst. „Keiner hat gedacht, dass das alles so problemlos über die Bühne geht.“ Es sind kilometerlange Bauzäune aufgestellt worden, um das Gelände einzugrenzen, hinterher ist durch die Veranstalter alles aufgeräumt worden. Lärmbeschwerden hat es wohl kaum gegeben. Irritationen gab es, weil viele Einkaufswagen aus den Märkten mitgenommen worden seien – aber auch die wurden am Ende zurückgebracht. Es war plötzlich bunt und voll in der Stadt, die großen Einkaufsmärkte machten gute Umsätze, vor allem mit Getränken.
In diesem Jahr soll es zudem mehr Dixiklos geben, auch soll der Wald besser abgesperrt werden, damit ihn nicht mehr ganz so viele Festivalteilnehmer als Toilette benutzen.

Am kommenden Wochenende beginnt am Oranienburger Weg die heiße Phase. Dann kommen die Veranstalter nach Kremmen und beginnen mit dem Aufbau des Festivals. Christoph Brunner wird hier und da Hilfestellungen leisten, wo es nötig ist. „Ich guck’ dann mal so nach dem Rechten“, sagt er und schmunzelt. Am Donnerstag, 3. August, ist ein Lärmtest geplant, wo die Anwohner den Veranstaltern mitteilen können, falls es zu laut ist. Das Festival selbst beginnt am 4. August – übrigens organisiert von einem Verein, der aus den Einnahmen keinen Profit schlagen will.

Ungefähr eine Woche lang werde das große Aufräumen danach dauern, schätzt Christoph Brunner. 2018 könnte es dann weitergehen. „Die wollen das gern langfristig hier planen“, sagt der Landwirt. „Die waren alle ganz angetan.“

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Lindenkrug: Ende September ist Schluss

Dienstag, den 25. Juli 2017
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Verpächterin Britta Mehlis äußert sich zum Aus für die Gaststätte in Schwante

MAZ Oranienburg, 25.7.2017

Schwante.
Mit einer privaten Feier am 30. September wird die Ära des Lindenkrugs in Schwante enden. Danach wird die Gaststätte am Lindenweg geschlossen. Wie bereits berichtet, ist der Pachtvertrag von Betreiber Ingo Pietz nicht verlängert worden.

Nun hat sich nach vergeblichen Kontaktversuchen im Mai seitens der MAZ die Verpächterin Britta Mehlis gemeldet. „Ja, der Pachtvertrag läuft am 30. September aus“, sagte sie. „Wir verlängern nicht mehr.“ Das Angebot, dass die Feier am letzten Tag noch ausgerichtet werden könne und erst danach geräumt werden müsse, habe Ingo Pietz angenommen, sagte sie außerdem.
Britta Mehlis bedauert das Aus der Gaststätte. Nach ihren Aussagen werde mit den Räumen vorerst nichts passieren, sie suche derzeit keinen neuen Pächter, eine Gaststätte werde es an dieser Stelle nicht mehr geben. Verschiedene Anwohner haben jedoch schon beobachtet, dass Vermesser vor Ort waren. Dabei handele es sich um ein anderes Flurstück, das damit nichts zu tun habe, sagte Britta Mehlis gestern.
Es habe, so die Verpächterin, bis vor zwei Jahren gerichtliche Auseinandersetzungen mit dem Betreiber gegeben, es ging um die Pacht und um Nebenkosten. Schon 2015 habe die Richterin sie gefragt, ob der Pachtvertrag 2017 verlängert werden würde, und Britta Mehlis habe das verneint.

Ingo Pietz bestätigte gestern diese Verhandlungen, sagte aber, dass seitens der Verpächterin es noch nach Ostern Signale gegeben habe, doch zu verlängern. Allerdings, so Britta Mehlis, sei schnell klar gewesen, dass es dazu nicht kommen würde, weil sie sich auf die Bedingungen dazu nicht einigen konnten.

Der Wirt Ingo Pietz sucht nun nach einem Ausweichquartier, will aber unbedingt in der Region bleiben. Das Problem sei, dass es Gaststätten in ländlichen Gebieten so oder so schwer hätten – auch der Lindenkrug war nur noch am Wochenende geöffnet. Unter der Woche war es ein reines Cateringunternehmen.

Für zusätzlichen Ärger sorgt nun auch der Brief einer Schwantenerin, der vergangene Woche im Briefkasten der Verpächterin Britta Mehlis landete, ebenso im Mailpostfach der MAZ. Darin wird behauptet, dass sich die Verpächterin einem Gespräch verweigerte, in das auch Vertreter der Gemeinde Oberkrämer involviert sein sollten.
Das Gespräch fand jedoch statt – auf Initiative von Britta Mehlis. Das bestätigte gestern auch der stellvertretende Bürgermeister Peter Matschke. Allerdings nahm er moderierend als Privatperson teil, weil sich die Gemeinde aus solchen privatrechtlichen Angelegenheiten raushalte, betonte Matschke. Deswegen wolle er sich dazu inhaltlich auch nicht äußern.

Weiter heißt es in dem Brief, es seien schon 500 Unterschriften für den Erhalt der Gaststätte gesammelt worden. Ingo Pietz befragt, bestätigte er das, er betonte aber, dass er mit der Aktion nichts zu tun habe. Die Senioren aus Schwante würden die Schließung ebenfalls bedauern, so heißt es in dem Brief weiter. Britta Mehlis dazu: „Das tut uns selber Leid, und dass die Rentner es bedauern, ist auch klar. Aber wir haben ja ein Gemeindehaus, in dem sie sich auch treffen können.“

Ingo Pietz hatte im MAZ-Beitrag im Mai kritisiert, dass ihm der Vertrag ohne Begründung gekündigt worden sei und er auch bis heute keine erhalten habe. Britta Mehlis sagte dazu der MAZ, dass sie das zwar bedauere, sie aber diese Entscheidung, den Vertrag auslaufen zu lassen, getroffen habe. „Es tut uns Leid um den Lindenkrug“, sagte sie, die das Geschäft bis 2001 selbst betrieben hatte. „Es war eine schöne Gaststätte, und wir hatten dort viele tolle Feiern.“

Dass rund um das Aus der Gaststätte so viele Leute mitreden, sei klar, aber Britta Mehlis weist daraufhin, dass es sich immer noch um eine Privatangelegenheit handele.
Das Aus für den Lindenkrug ist somit ein unumstößlicher Fakt.

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Überflieger: Bei Konzerten sorgt er für den guten Ton

Samstag, den 1. Juli 2017
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Philipp Kubiak (29) aus Lehnitz ist Live-Techniker bei der Band Kafvka und den Lochis

MAZ Oberhavel, 1.7.2017

Lehnitz.
Im Leben kommt es ja immer anders, als man denkt. Das ist auch bei Philipp Kubiak so gewesen. Der 29-Jährige aus Lehnitz sorgt bei Konzerten für den guten Ton, er sitzt an den Reglern, überwacht den Sound und begleitet dabei hauptsächlich zwei Bands: die Gruppe Kafvka – ein Herzensprojekt, wie er sagt – und die Lochis. Das können kleine und große Hallen sein, die er beschallt, aber auch Festivals – je nachdem, wo „seine“ Musiker auftreten.

Das Fachabitur machte er am Oranienburger Georg-Mendheim-Oberstufenzentrum, er beschäftigte sich mit Ernährungs- und Lebensmitteltechnologie. Gelernt hat er ursprünglich den Beruf des Kochs. Aber parallel setzte sich in seinem Leben schon die Musik durch. Um das Jahr 2010 herum gründete er mit Freunden die Band Jazzica Nabis, mit ihr schaffte er es beim Schooljam-Wettbewerb bis ins Finale. „Wir wollten Musik machen, die sich verkaufen lässt“, sagt Philipp, der von Freunden entweder Phil oder Dr. Polle genannt wird. „Das war auf jeden Fall ein super Nebenjob, und wir hatten großen Spaß.“
Aber der Durchbruch – der kam nicht, und irgendwann gingen die Interessen der Jungs auseinander. Für Phil aber war die Zeit auch der Auslöser für alles, was dann kommen sollte. „Ich war in der Band der erste, der sich ein Mischpult geholt hat“, erinnert er sich. „Ich fand das immer gut und wollte weiter was mit Musik machen.“

Er meldete sich am Berliner SAE-Institute für audiovisuelle Medien an. Sein Ziel: Live-Techniker werden. „Ich wollte die Technik und das Handwerk lernen“, erzählt der Lehnitzer, der inzwischen in Berlin-Gesundbrunnen lebt. Sein Abschlussprojekt war ein Bandrecording – mit Jazzica Nabis nahm er Songs auf – und kam auf eine Note von 90 Prozent. Die Theorie ließ er sein: „Die ist nicht mein Ding.“

Nebenher begann er, bei einer Firma zu arbeiten, die bei Konzerten half, Kabel zu verlegen, Lkw auszuladen, Material zu schleppen. „Da habe ich mich natürlich auch immer gleich an die Toncrew gehalten.“ So kam er mehr und mehr ins Business. Er mischte für Freunde kleine Konzerte in Berliner Clubs ab und lernte immer mehr Leute kennen. Und die Band Kafvka. Er erlebte sie bei einem Auftritt auf dem Alexanderplatz und fragte die Jungs, ob sie einen Techniker brauchen. Sie brauchten.
Mit Kafvka geht Phil nun immer wieder auf Tour. „Ich bin das fünfte Bandmitglied geworden, sozusagen“, sagt er. Kafvka ist nun auch bei einer großen Bookingfirma, so dass die Musiker immer größere Kreise ziehen. Und egal, wo Kafvka auftritt – Phil macht den Ton. Auch wenn sie beim Taubertal-Open-Air oder anderen Festivals sind.
Nachts im Tourbus schlafen, morgens die Lkw entladen, alles aufbauen. Am Nachmittag Soundcheck, irgendwann am Abend beginnt der Einlass. Dann läuft das Konzert. Danach Abbau, und alles beginnt von vorn.

Inzwischen reist Philipp Kubiak auch mit den Lochis. Bekannt geworden sind sie durch Videos auf Youtube, dort machen sie auch Musik und sind damit nun – gerade bei den Jugendlichen – berühmt.

Phil hat nachgezählt. 202 Veranstaltungen hatte er im vergangenen Jahr, davon allein 50 Festivals. „Da sitzt man auch mal Backstage mit Limp Bizkit an einem Tisch oder spielt mit Mark Forster auf einer Bühne.“ Freunde wissen schon, dass er in diesen Zeiten, das kann auch ein Monat am Stück sein, schlecht erreichbar ist. „Ich poste auf Facebook und Instagram, das reicht dann auch.“ Wenn er doch mal Freizeit hat, fährt er mit seinem Longboard durch Berlin oder turnt auf der Slackline. „Ich will mich sportlich bewegen, aber alles, was ruhig ist.“

Am 10. Juli wird er mit den Lochis zur Expo nach Kasachstan reisen, den nächsten Auftritt mit Kafvka hat er am 22. Juli im Plan zu stehen. Sein Traum: „Eine große Band mit Orchester.“ Die tonliche Kontrolle haben über gute Musik. Er ist sich ziemlich sicher, dass es dieses Projekt für ihn irgendwann geben wird.