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In der Zeitung erschienen

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Die nächste Tour führt auf den Berg

Montag, den 20. April 2015
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Sechs Monate lang war Torsten Weigel (26) unterhalb des südlichen Wendekreises unterwegs. Im Kopf plant er schon weiter.

MAZ Oranienburg, 20.4.2015

ORANIENBURG
Heimweh? Torsten Weigel schüttelt den Kopf. „Gab’s eigentlich nicht“, sagt der 26-jährige Oranienburger. Fünfeinhalb Monate war er unterhalb des südlichen Wendekreises unterwegs: Namibia. Südafrika. Lesotho. Australien. Chile. Argentinien.
Gut ein Jahr lang plante er intensiv seine Tour, im Internet konnte ihn jeder dabei begleiten. Er schrieb, fotografierte, filmte und stellte alles ins Netz. „Ich war sehr neugierig, ob und wie das funktioniert“, erzählt er. „Ich habe gutes Feedback bekommen, und es war eine schöne Gewissheit zu wissen: Die Leute sind dabei.“

In 88 Blogeinträgen kann die Reise auf WeigelonTour.com nachverfolgt werden, auch hier, auf der „Willi“-Seite gab es in den vergangenen Monaten immer wieder mal Updates. „Meine Leitlinien waren körperliche Extreme und der Kontakt mit den Menschen vor Ort.“ Beides habe sehr gut funktioniert. Ein Extrem: die Hitze. In Westaustralien herrschten schon mal 47 Grad. „Eine scharfe Luft, kaum beschreibbar. Über 40 Grad tut jeder Grad mehr richtig weh.“
Er hat viel erlebt: die endlose Weite der namibischen Wüsten, eine Kletteraktion auf der Spitzkoppe. In Südafrika musste er mit dem Geländewagen rückwärts den Sanipass rauffahren. „Vorwärts kamen wir nicht hoch.“ Das Video davon brachte die meisten Klicks im Internet.

In Westaustralien, auf den langen, sehr langen Autofahrten, war dann Zeit, nachzudenken. „Viel fahren, viel schwitzen, viel denken über Gott und die Welt.“ Schneller als Tempo 80 konnte er nicht fahren, sein Auto verbrauchte viel Benzin und Tankstellen gab es nur wenige. „Zwischendurch kommt sieben Stunden lang einfach mal nichts.“
Weihnachten verbrachte er in Sydney. „Es war anders, aber auch schön.“ Das Fest feierte er am Strand mit einer Gruppe Kanadier, die er dort kennengelernt hatte. „Erstaunlicherweise hatte ich auch da kaum Heimweh.“
In Tasmanien hat er sich regelrecht verliebt. „Das ist ein Fleck, der mich sehr fasziniert hat“, sagt er. Herzliche Menschen, eine atemberaubende Natur. Er nahm an einer Seekajak-Expedition in den unerschlossenen Südwestenteil. Auch Patagonien hat es ihm angetan. Die Landschaft in Chile habe ihn gefangen genommen.

Die Abschlussradtour führte ihn 1500 Kilometer lang vom Pazifik zum Atlantik. „Das ist nicht sehr viel, aber die Straßenverhältnisse sind oft schlecht.“Wenn plötzlich die Nationalstraße zum Schotterweg wird, kann das für Radler ganz schön anstrengend sein. Auch viele Städte hat er gesehen. Viel Zeit hatte er für sie aber nicht. „Das ist wirklich schade, aber die Städte waren meine Volltankpunkte.“ Zeit zum Schreiben, Fotos sortieren und zum Organisieren. „Das ist der Preis dafür, dass es kein Urlaub war, sondern ein Projekt.“ So schrieb er auch mehrere Artikel für „National Geographic“ über seine Tour.
Toll seien die vielen Begegnungen mit den Menschen gewesen: „Auf der Radtour sind wir oft angesprochen worden.“ Die Leute auf dem Land seien meist herzlicher gewesen als die in den Städten. „Wenn wir über einen Pass fuhren, dann hupten die Autos schon mal, und ich wurde angefeuert.“

Zwei Wochen ist er nun schon wieder zu Hause. Bald will er Vorträge über seine Tour halten, vielleicht wird es auch ein Buch dazu geben – und ganz sicher bald eine neue Tour. „Es könnte ein Bergprojekt irgendwo im östlichen Raum werden“, sagt Torsten Weigel. Er kann sich vorstellen, einen 7000er-Berg zu besteigen, vielleicht im Tian-Shan-Gebirge. Noch ist das aber Zukunftsmusik. Nun wird er erst mal versuchen, als Reise- und Wissenschaftsjournalist Fuß zu fassen.

Internet: Mehr Infos gibt es auf www.weigelontour.com.

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Zahlen und Fakten
Auf seiner Internetseite „Weigel on Tour“ veröffentlichte Torsten Weigel bis jetzt 88 Blogtexte, 472 Fotos, 495 kurze Updates und Infografiken. Hinzu kamen diverse Videos. Insgesamt machte er mehr als 10 000 FotosDie Seite wird es auch weiter geben, für ihn ist diese Tour der Einstieg in den Beruf als freier Reisejournalist.
Er absolvierte 20 Flüge, war etwa 10 000 Kilometer mit Mietwagen unterwegs sowie etwa 2000 Kilometer mit dem Rad.
Die Reise begann am 20. Oktober 2014 in Namibia. Weiter ging es mit Südafrika und Lesotho, Westaustralien und Tasmanien. Dann folgte Chile und schließlich ging es mit dem Rad vom Pazifik zum Atlantik, nach Argentinien. Am Karfreitag kehrte Torsten zurück.

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Die schärfsten Schlitten vor der Linse

Montag, den 23. März 2015
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Jenny Crämer (25) aus Velten setzt Autos für ihre Bilder in Szene

MAZ Oranienburg, 23.3.2015

VELTEN
Eine besondere Lackierung. Auffällige Felgen. Spezielle Teile. Jenny Crämer hat den speziellen Blick für Autos – um sie für ihre Fotos in Szene zu setzen.
Seit Oktober 2013 betreibt die 25-Jährige aus Velten ihre Facebookseite „J.C. Photographixxx“, bis heute hat sie schon fast 10 000 Fans im sozialen Netzwerk. „Und das aus reinem Herzblut, es ist mein Hobby“, sagt sie. Jenny verdient damit kein Geld, und will es auch nicht. Vorerst.

Aber inzwischen kommen nicht nur Freunde zu ihr. Auch Fans der Seite und manchmal auch Unternehmen kontaktieren sie, damit sie Autos fotografieren kann. „Die meisten Leute stecken viel Herzblut in ihr Auto“, sagt sie. „Das versuche ich, für die Fotos umzusetzen.“ Die passende Location ist dabei immer besonders wichtig. Der Hafen ist Velten bietet eine gute Kulisse, aber auch in Neuruppin war sie schon unterwegs, bei Oldtimerschauen in Paaren im Glien oder in Marwitz – eigentlich überall in der Region.
Der richtige Winkel, die perfekte Sonneneinstrahlung, ein schöner Hintergrund. Und natürlich auch Details. Darauf kommt es ihr besonders an.

Ab April hat sie regelmäßig Shootings. „Meistens am Wochenende“, erzählt Jenny. Eigentlich ist sie gelernte Bäckerin, momentan stehen aber ihre beiden Kinder ganz oben auf der Tagesordnung. Zu ihrem Hobby kam sie gewissermaßen schleichend. „Ich bin seit 2008 regelmäßig auf Tuningtreffen dabei“, erzählt sie. Dort hat sie oft Bilder gemacht – zunächst für sich. Sie postete sie später auch auf Facebook. „Irgendwann haben sich dann Leute bei mir gemeldet, sie wollten von mir ihre Autos fotografiert haben.“
Audi und VW sind ihre Lieblingsmarken, sie fotografiert aber natürlich alle Marken. „Das gibt es keine No-gos“, sagt sie und lächelt. „Das ist ja eh immer eine Sache des Geschmacks.“
Ihr Traum ist es, Fotos in renommierten Autozeitschriften gedruckt zu sehen. Im Berliner Turbozentrum hängt allerdings schon jetzt ein Foto von ihr. „Da ist man dann schon stolz.“ Ob sie aus ihrem Hobby doch auch mal einen richtigen Beruf macht – da hadert sie mit sich. „Ja, das Potenzial wäre da“, gibt sie zu. Aber noch traue sie sich nicht. Noch!

Internet: Die Fotos auf Facebook: „JC-Photographixxx“

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Exelents erstes Soloalbum: Ein Rap-Nerd und Essfanatiker

Montag, den 9. März 2015
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„Sandwich“: Markus Klar aus Hennigsdorf bietet seine Songs kostenlos zum Download an

MAZ Oranienburg, 9.3.2015

HENNIGSDORF
Er ist Essfanatiker, sagt er. Deshalb kommt das Essen in den Songs von Exelent auch so oft vor. „Sandwich“ heißt das erste Soloalbum, das Ende Februar erschienen ist und kostenlos runtergeladen werden kann.

Hinter Exelent verbirgt sich Markus Klar. Der 26-Jährige aus Hennigsdorf macht seit elf Jahren Hip-Hop-Musik und gehört zum harten Kern der stadtweit bekannten Band „Gruppenzwang“. „So ein Soloalbum gehört zur eigenen Entwicklung dazu“, sagt er. Das sei vergleichbar mit einer Diplomarbeit im Studium. „Man sieht, wo man musikalisch steht.“ Mit Freunden und Bekannten konnte er recht preiswert produzieren, es steckt – neben all der Mühe und dem Fleiß – trotzdem eine Menge Geld darin. Das Album trägt den Namen „Sandwich“, was gleich mehrere Bedeutungen hat.

Womit wir wieder beim Essen wären. Exelent liebt es, Assoziationen und Wortschöpfungen rund um das Essen zu erfinden. Das Sandwich steht aber auch für eine Sexposition. Markus lächelt: „Im Hip Hop ist der Sex sehr stark in den Songs vertreten. Hip Hop sei männerlastig, aber nicht frauenfeindlich, sagt er. Ein anderer Track auf dem Album heißt „Bratwurstsong“. Dass es darin zwar um den Hunger geht, aber nicht zwingend ums Essen, dürfte an der Stelle kaum überraschen. Exelent redet gern über das, was er in der Hose hat. „Über Sex zu reden ist neutraler, als über Gefühle zu sprechen“, sagt er. „Das ist viel tiefgründiger und vielschichtiger.“
Nicht umsonst ist „B“ der intimste Song auf dem Album. Darin geht es um den in Hennigsdorf bei einem Verkehrsunfall verstorbenen Gruppenzwang-Bandkameraden. Einen persönlicheren Song habe er bislang noch nicht veröffentlicht, sagt Markus alias Exelent.

Er bezeichnet sich als Freak, als schizophren. „Ich liebe es, mich mit der Musik komplett auszuleben“, erzählt er. „Den ganzen Tag muss ich diese Seite komplett unterdrücken.“ Er arbeitet in Hamburg in einem Vertrieb für Großgeräte. „Dort weiß man gar nicht, was ich hier so treibe“, sagt er und lächelt. Mit seiner Freundin ist er vor einiger Zeit nach Hamburg gezogen. Hennigsdorf aber bleibe sein Lebensmittelpunkt. „Ich werde auch irgendwann wieder hierher ziehen.“ Oft kommt er hierher zu Besuch. Zu seinen Freunden, seiner Band und zu seinen Eltern. „Es ist auch gar nicht schlimm, mal Abstand zu halten“, sagt er. Ansonsten würde er wegen der Musik sicherlich seine Arbeit vernachlässigen, glaubt er.
Das erste Soloalbum ist erst Tage vor der Veröffentlichung fertig geworden. Wer es hört, lernt auch Exelents Vielschichtigkeit kennen. „So bin ich“, sagt er. „Mal hyperaktiv, mal nachdenklich.“

Ob er mit der Musik mal Karriere macht, weiß er nicht. Ist ihm auch nicht wichtig. Konkrete Vorbilder hat er auch nicht. Höchstens Einflüsse von Busta Rhymes, Kollega, dem Wu-Tang-Clan oder Eminem. Sein Umfeld ist ihm wichtig: „Ich möchte mit all den Leuten, die ich mag, Musik machen, dir mir gefällt“, sagt er. Darauf komme es an. Weniger auf das Geld und den Ruhm. „Um Plattenverkäufe geht es mir nicht. Ich bin ein Rap-Nerd.“ Er lebt für die Kultur und hofft auf Respekt. „Viele hören auf, wenn sie älter werden“, so Markus Klar. „Die Zeit wird weniger, die Motivation geringer.“ Er wolle das nicht so machen, die Musik habe immer Vorrang.
Auf jeden Fall will er in Hennigsdorf eine Record-Release-Party veranstalten, und ein Auftritt in Velten steht auch auf dem Plan.

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Der Mythos vom bösen Wolf

Donnerstag, den 5. März 2015
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Expertin Sabine Pott über Isegrims Ankunft in der Region und Verhaltensregeln für Menschen

MAZ Oranienburg, 5.3.2015

HOHENBRUCH
Nachdem in der vergangenen Woche der Wolf in Groß-Ziethen in die Fotofalle tappte, herrscht Gewissheit: Das Tier ist in der Region unterwegs. Sabine Pott (28) aus Hohenbruch arbeitet in der dortigen Tierpension mit kleinem Tierpark und ist beim Naturschutzbund (Nabu) als Wolfsbotschafterin aktiv.

MAZ: Warum hat der Wolf so einen miesen Ruf?
Sabine Pott: Dazu haben neben dem Mythos vom „bösen Wolf“ wohl auch die Märchen der Brüder Grimm beigetragen. Außerdem galt der Wolf als Nahrungskonkurrent, damals waren die Menschen mehr auf ihre Nutztiere angewiesen. Es kam durch Mangel an Schutzmaßnahmen zu Zwischenfällen zwischen Nutztieren und Wölfen.

Sind Sie überrascht über den Wolf, der bei Groß-Ziethen geblitzt worden ist?
Pott: Eigentlich gar nicht. Es gibt in Brandenburg mehrere Rudel und Paare. Es war also nur eine Frage der Zeit. Das Foto von Groß-Ziethen ist aber purer Zufall. Wobei ich nach dem Vorfall in Verlorenort nicht weiß, ob es sich dort wirklich um einen Wolf handelte, der das Kalb riss. Das Wolfsmanagement wurde nicht informiert, es wurde nichts untersucht.

Haben wir einen Wolf oder sind es mehrere?
Pott: Zurzeit wird es wohl einer sein. Wölfe leben in Kleinfamilien, die Jungtiere wandern im Alter von 22 Monaten ab und suchen sich ein eigenes Territorium. Möglicherweise ist es bei uns ein Jungwolf. Es ist Paarungszeit, und er könnte auf der Suche sein. Aber das ist alles Spekulation.

Wie groß ist sein Territorium?
Pott: Er legt am Tag 70 bis 80 Kilometer zurück.

Wie sollten wir uns verhalten?
Pott: Es ist unwahrscheinlich, dass man einem Wolf begegnet. Er riecht den Menschen, dann sucht er das Weite. Und ansonsten sollte man in die Hände klatschen und wild gestikulieren. Von ihm geht nicht mehr Gefahr aus, als von anderen heimischen Wildtieren.

Steht er unter Naturschutz?
Pott: Er steht unter dem höchstmöglichen Schutz, den Wildtiere genießen können. Er gehört zum nicht jagdbaren Wild, es ist strafbar, ihn zu erschießen. Was anderes ist es bei atypischem Verhalten, wenn er zum Beispiel die Scheu vor Menschen verloren hat und möglicherweise dadurch eine Gefahr von ihm ausgeht. Hier gibt es sehr genaue Regeln.

Wie können Landwirte ihre Tiere schützen?
Pott: Zum Beispiel mit Herdenschutzhunden und wolfssicheren Zäunen. Ein Wildtier macht unterbewusst immer eine Kosten-Nutzen-Rechnung, wie viel Energie es verbraucht, um an Nahrung zu kommen. Landwirte warten oft, bis das erste Tier gerissen worden ist und kümmern sich erst dann um den Schutz. Der Wolf lernt so, wo er leichte Beute hat.

Apropos, was frisst er denn so?
Pott: Hauptsächlich Rehe, Wildschweine und Kaninchen, aber auch Schafe und Ziegen sind gefährdet.
Trotz dieser Widrigkeiten – ist es ein positives Signal, dass der Wolf bei uns ist?
Pott: In meinen Augen definitiv. Er bringt auch Probleme mit sich, aber die sind zu lösen, wenn die Betroffenen bereit dazu sind. Das Land Brandenburg hat einen Wolfsmanagementplan, der besagt in welcher Höhe Präventionsmaßnahmen gefördert werden und inwieweit Schadensfälle kompensiert werden. Die Nutztierhalter können sich bei den entsprechenden Behörden zu informieren.

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Kulturranzen mit Musik im Blut

Mittwoch, den 4. März 2015
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Die Band aus Beetz probt gerade für ein Konzert in Kremmen

MAZ Oranienburg, 4.3.2015

BEETZ
Wer einen Abend im Proberaum der Kulturranzen in Beetz verbringt, erlebt entspannte Stunden. „Wir treffen uns jeden Mittwoch“, erzählt Ulf Gruber. „Wir spielen drei Stunden, aber manchmal quatschen wir auch nur.“ Ein Treffen unter Freunden. Die Gitarre wird an den Strom gestöpselt, das Mikro getestet, und dann kann es losgehen. Die Musik breitet sich im Raum aus, das E-Piano sorgt für einen Klangteppich.

Seit 2013 gibt es die Band. Zu ihr gehören Ulf Gruber (49), Matthias Trümper (50) und Jens Mahla (40), alles Beetzer. „Wir haben uns bei der Adventstürchen-Aktion in Beetz getroffen“, erzählt Ulf Gruber, „und haben dann beschlossen: Wir spielen mal zusammen.“ Es ist ein Hobby, sie machen das gern. Das merkt man sofort.

Sie spielen Michael Bublés „Let me go Home“ und sind dabei für ein paar Minuten ganz ernsthaft dabei. An der Wand des Proberaums hängen mehrere Gitarren, am Rand steht ein Akkordeon, in der Ecke steht noch ein Schlagzeug. Die beiden Fenster sind von außen zugemauert: Lärmschutz. Die Band hat einen größeren Auftritt vor sich: Am 14. März treten die Kulturranzen im Kremmener Theater „Tiefste Provinz“ auf. Deshalb ist bei der Probe auch Trümpers Tochter Lena (17) dabei, die mit der Band auftreten wird.
„Ich glaube, ich würde den Bass weglassen“, sagt Jens Mahla, nachdem sie mit dem Stück fertig sind, und schon ist Ulf Gruber, der den Bass gerade gespielt hat, vorübergehend arbeitslos. Er nimmt’s locker. Gemeinsam arbeiten sie an den Stücken, die sie spielen. Genau analysieren sie, was noch zu verbessern wäre: „Noch nicht optimal“, heißt es dann. „Zu schnell. Es fehlt die Steigerung. Ein wenig Hintergrundgesang dazu?“ Und machen sich wieder an die Arbeit.

Zu Beginn nannten sie sich „Spätlese“. „Das klang recht konservativ“, erinnert sich Matthias Trümper. „Die Band, die sich nicht traut“ ist auch ein Name, der immer mal umherschwirrt, seit die Männer ein Konzert am Osterfeuer absagten. Wem die „Kulturranzen“ eingefallen sind, weiß keiner mehr so genau. Aber Kultur passt, und Ranzen auch. Wobei der Ranzen das Teil sein könnte, was man im Fall der Kultur gern mitschleppt, aber auch der Bauch – den man ebenfalls mehr oder weniger gern mitschleppt. Gemeinsam spielen sie Rock- und Popsongs, ganz entspannt. Darum geht es den Männern auch. „Weinchen trinken und Live-Musik hören“, sagt Jens Mahla.

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Rettungswachen droht das Aus

Dienstag, den 3. März 2015
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Probephase ab Mitte März: Kein Krankenwagen in Sommerfeld, Versorgung dann aus Kremmen

MAZ Oranienburg, 3.3.2015

KREMMEN
Ute Werner aus dem Kremmener Ortsteil Beetz macht sich Sorgen. Ab voraussichtlich Mitte März ist im Nachbardorf Sommerfeld bis mindestens Dezember kein Rettungswagen mehr stationiert.
Hintergrund ist die geplante Umstruktuierung der Rettungsdienst-Standorte im Landkreis. In einer von Mitte März bis zum Jahresende dauernden Testphase soll der Sommerfelder Rettungswagen nach Gransee wechseln. Das bestätigte gestern Ronny Wappler, der Sprecher des Landkreises.

Änderungen gibt es auch in der Staffelder Wache. Einer der beiden dortigen Rettungswagen kommt während der Testphase zur Feuerwehr nach Kremmen – allerdings nur am Tage. Auf dem Kremmener Gelände wird ein Container dafür aufgestellt. Nachts steht dieses Fahrzeug dann wieder in Staffelde.

Ronny Wappler betonte gestern, dass dies kein Aus für die Sommerfelder Wache bedeute, erst wolle man den nun beginnenden Test auswerten. Fällt der jedoch positiv aus, könnte das dazu führen, dass die Rettungswache dann an der Feuerwehr in Kremmen angesiedelt wird – statt wie jetzt in Staffelde und Sommerfeld. Aber das sei zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar.
Die Kreisverwaltung bezieht sich auf ein 2011 in Auftrag gegebenes Gutachten zur Organisation des Rettungsdienstes in Oberhavel. Danach sei, so Wappler, insbesondere die Sommerfelder Rettungswache unterdurchschnittlich ausgelastet, in Gransee dagegen besonders stark. Während es in Gransee 2014 insgesamt 948 Einsätze gab, waren es in Sommerfeld nur 326. Im Gutachten wird eine Verlagerung von Personal und Technik vorgeschlagen, was der Landkreis nun testweise umsetzt.
Laut Ronny Wappler sollen die gesetzlichen Rettungszeiten aber dennoch eingehalten werden – auch nachts, wenn in der Testphase der Kremmener Rettungswagen in Staffelde steht. „Außerdem sind die Wagen ja oft sowieso in der Region unterwegs“, so Wappler.

Ute Werner aus Beetz ist da skeptisch: „In Notfällen ist es wichtig, schnell Hilfe zu bekommen“, sagt sie. „Was ist denn ein Leben wert, wenn es das nicht wert ist? Notfälle kann man nicht wirtschaftlich planen.“ Sie hat gestern im Internet eine Open-Petition gestartet. Titel: „Erhaltung der Rettungswagenstützpunkte Sommerfeld/Staffelde“.

Kommentar

Spiel mit dem Leben
RT zur geplanten Umsetzung der Krankenwagen

Dass auch ein Rettungsdienst einigermaßen wirtschaftlich betrieben werden muss, ist klar. Die bald beginnende Testphase ist aber auch ein Spiel mit dem Leben.

Nur mal angenommen: Es ist Nacht, 2.15 Uhr. Irgendwo in Beetz bekommt eine Person einen Herzinfarkt, jede Minute zählt. Die Sommerfelder Rettungswache: dicht. Die Kremmener Container: zumindest in der Testphase nur am Tage besetzt. Woher kommt in der Nacht aber der Krankenwagen? Aus Staffelde? Aus Germendorf? Aus Gransee? Oder muss der Kranke hoffen, dass zufällig ein Rettungswagen in der Gegend umherschwirrt?

Das klingt alles andere als beruhigend, alle Beteiligten müssen darauf hoffen, dass der Test gut verläuft. Und dass das beschriebene Notfallszenario ein Happy End hat.

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Wolf bei Groß-Ziethen geblitzt

Donnerstag, den 26. Februar 2015
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Versteckter Kamera gelingt in einem Waldstück ein tierischer Schnappschuss. Ob es ein Einzeltier oder Rudel war, ist unklar.

MAZ Oranienburg, 26.2.2015

GROSS-ZIETHEN
Im Wald zwischen Groß-Ziethen und dem Autobahndreieck Havelland ist am Montagmorgen ein Wolf gesichtet worden. Eine Wildkamera hat das Tier um 7.05 Uhr fotografisch festgehalten.
Robert Franck, Wolfsbeauftragter des Kreisjagdverbandes Neuruppin, bestätigte, dass es sich bei dem Tier auf dem Foto um einen Wolf handelt. „Es ist zwar keine Farbaufnahme, aber das Licht ist hell.“ Unklar ist jedoch, ob es sich um einen alleine umherstreunenden Wolf handelt oder um ein Mitglied eines Rudels. „Das lässt sich anhand des Fotos nicht sagen“, so Robert Franck gestern in einem Gespräch mit der MAZ.
Zum jetzigen Zeitpunkt lasse sich auch nicht sagen, ob der Wolf auf der Durchreise ist oder ob er sich länger in dem Gebiet aufhält. „Wir haben in der Rüthnicker Heide einen Wolfsverdacht“, so Franck weiter. „Da gibt es vermehrt Hinweise von Jägern aus der Region.“ Die Rüthnicker Heide liegt nördlich von Kremmen und Beetz.

„Wir haben in der vergangenen Zeit schon auffällig weniger Wild gesichtet“, sagte Jagdpächterin Astrid Braun gestern. Sie hat die Fotos der Wildkamera im Groß-Ziethener Wald gesichtet und darauf den Wolf entdeckt. Am Dienstag hatte sie Kontakt mit Robert Franck aufgenommen und sich den „Fund“ bestätigen lassen.

„Wir bekommen immer wieder Hinweise“, sagt Robert Franck. Der Wolfsbeauftragte aus Zechow bei Rheinsberg sieht sich die Aufnahmen an und bewertet sie. „Nicht auf jedem Foto ist dann auch wirklich ein Wolf zu sehen“, sagt er. Manchmal entpuppt sich das Tier auch als Schäferhund.
Ist es aber ein Wolf, dann kommt er ins Protokoll. „Die Meldung ist eine neue Stecknadel auf der Karte.“ Mitarbeiter des Landesjagdverbandes schauen sich dann die Regionen an und beurteilen, ob sich Wolfsverdachte erhärten oder nicht. Im Fall des im Groß-Ziethener Wald gesichteten Tieres soll es demnächst weitere Nachforschungen geben. „Aber es ist ein kleiner Hinweis mehr, dass der Bereich Kremmen und Rüthnicker Heide kein wolfsfreies Gebiet mehr ist.“
Fakt sei, dass sich die Wölfe gerade in der Paarungszeit befinden, „sie drehen viele und große Runden“, so Robert Franck. Darauf müssten sich die Bewohner der Region einstellen. Hunde sollten in den Wäldern angeleint oder in Sichtweite bleiben. „Der Wolf greift aber Menschen nicht an“, versichert der Wolfsbeauftragte.

Astrid Braun aus Groß-Ziethen, die auch im Ortsbeirat sitzt, hat vorsorglich auch den Ortsvorsteher von Staffelde sowie die Betreiberin des Staffelder Naturkindergartens informiert. Nicht um in der Region Panik zu verbreiten, sondern um die Menschen zu sensibilisieren.