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In der Zeitung erschienen

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Die Bärenklauer haben einen guten Blick auf die Störche

Samstag, den 18. Juni 2016
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Ein Podest sorgt auf dem Remontehof für die beste Sicht – Beobachtungen werden notiert

MAZ Oberhavel, 18.6.2016

Bärenklau.
Immer wieder ist auf dem Bärenklauer Remontehof das Klappern der Störche zu hören. Seit einigen Wochen können sich Interessierte das Geschehen auch auf einem kleinen Podest ansehen. Dort hingestellt hat es der Heimatverein Bärenklau.
„Das Podest kommt aus Marwitz“, sagt Ortsvorsteherin Gundula Klatt. „Einmal im Jahr haben wir es zum Erntefest hergeholt.“ Dort oben standen dann unter anderem die Erntekönigin, um den Umzug zu begutachten. Nun aber brauchten die Marwitzer es nicht mehr, es steht nun dauerhaft auf dem Remontehof – als „Storchenblick“. Wer möchte, kann auf eigene Gefahr die kleine Leiter hochklettern und hat so einen besseren Blick auf das Bärenklauer Storchennest.
Der Heimatverein hat den Ausblick mit einem kleinen Fernrohr, einem Block und einem Stift ausgestattet. Die Besucher haben so die Gelegenheit, ihre Beobachtungen niederzuschreiben. Und das machen sie auch, wie an den Notizen in dem Büchlein zu sehen ist.

„Der Storch kam mit Geklapper“, erzählt Gundula Klatt. Am 2. April ist er im Dorf eingetroffen, Storch Nummer zwei kurz danach. „Dann stellen wir immer sofort unser Willkommensschild auf“, erzählt die Ortsvorsteherin. So weiß jeder, der nach Bärenklau kommt, dass der Storch angekommen ist.
Auf einer Tafel auf dem Remontehof steht seit 2001 auch die Statistik. Seit damals gab es 16 Jungstörche im Dorf. Allein 2010 sind vier Störche geboren worden. „Dieses Jahr sind wir unsicher, ob es Junge gibt“, so Gundula Klatt. „Wir können ja nicht ins Nest gucken.“ Aber die Leute seien sensibel und fragen immer wieder nach.
In der Regel bleiben die Störche, auch das geht aus der Statistik hervor, bis Ende August. Dann fliegen sie gen Süden.
Auch eine Bank gibt es auf dem Remontehof, von der aus die Tiere beobachtet werden können. Sie wurde einst von einer Dame an den Heimatverein gespendet. „Wir sehen dort oft Leute, die da sitzen und gucken“, so Gundula Klatt.

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An der Dorfaue könnten neue Wohnungen entstehen

Freitag, den 17. Juni 2016
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Bötzow bekommt wieder einen Bolzplatz – und auch das daneben stehende Haus wird saniert

MAZ Oberhavel, 17.6.2016

Momentan ist das Gelände noch eine Wiese. Aber im Laufe dieses Jahres könnte sich an der Ecke Schönwalder Straße/Dorfaue in Bötzow etwas tun.

Für die Jugendlichen im Dorf wird dort der neue Bolzplatz entstehen. Bötzow hatte schon mal einen, und zwar in der Nähe des Fußballplatzes. Die Gemeinde musste ihn im vergangenen Jahr abreißen – nicht weil sich Anwohner beschwert hatten, sondern weil er einst illegal errichtet worden ist – es fehlte ein gültiger Bauantrag. Zehn Jahre gab es den Platz, dann hatte der Landkreis eine Beseitigungsverfügung geschickt, der sich die Gemeinde Oberkrämer beugte.
Doch nun war guter Rat teuer. Denn die Bötzower fanden zunächst keinen geeigneten neuen Ort für einen Bolzplatz. Überall wären die Emissionswerte zu hoch gewesen, sagte Bürgermeister Peter Leys (BfO). Eine Fläche gab es am Ende aber doch: in der Dorfaue 1, direkt an der Landesstraße 20.

Im April ist der Erbbaupachtvertrag unterzeichnet worden. Das bedeutet, dass die Gemeinde Oberkrämer 66 Jahre lang Besitzer der Fläche und des danebenstehenden Hauses ist. Kurz danach haben Arbeiter begonnen, das Gelände zu beräumen – aber es ist immer noch viel zu tun, um daraus einen Bolzplatz zu machen. „Das ist schwierig, so von heute auf morgen“, so Peter Leys am Donnerstag.
Zunächst muss das Grundstück, eine riesige Senke, mit Boden aufgefüllt werden. Genaue Pläne müssen her, ein Bauantrag, später dann eine Baugenehmigung. Ortsvorsteher Günter Franke (Linke) hofft zwar, dass der Platz noch in diesem Jahr fertig wird, Peter Leys aber glaubt nicht daran. Er geht vom kommenden Frühjahr aus.

Es wird aber noch mehr passieren auf diesem Grundstück, denn auch das daneben stehende Haus gehört dazu. Im Erdgeschoss befand sich lange Zeit eine Arztpraxis. „Ich denke, es läuft darauf hinaus, dass wir dort vier bis fünf neue Wohnungen einrichten, der Platz dafür wäre da“, sagte Bürgermeister Leys am Donnerstag. „Das Haus hat eine bessere Substanz als wir vermutet haben.“ Da die untere Etage ebenerdig ist, könnten sie auch alters- und behindertengerecht ausbaut werden. Im Haushalt sind für 2017 dafür 300.000 Euro eingeplant, aber die werden wohl nicht ausreichen. Allerdings „können wir dafür wahrscheinlich Fördergelder bekommen“, so Peter Leys.
Mit den jetzigen Mietern der oberen Etage sei man schon im Gespräch – für die Zeit des Umbaus könnten sie in eine Ersatzwohnung ziehen, endgültige Entscheidungen seien da aber noch nicht getroffen worden.

Der Ortsbeirat von Bötzow wird sich in nächster Zeit weiter mit dem Grundstück befassen. „Wir erarbeiten Vorschläge, wie das gestaltet werden soll“, so Ortsvorsteher Günter Franke. Auf dem Bolzplatz werden auf jeden Fall zwei Stahltore stehen, zwei Basketballkörbe, umringt von einem 6,50 Meter hohen Zaun. Für die komplette Vorbereitung des Geländes und des Bolzplatzbaus an sich sind im Haushalt von Oberkrämer momentan etwa 120 000 Euro vorgesehen.

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Ein permanentes Brummen und Heulen

Donnerstag, den 16. Juni 2016
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Ein Leben mit dem Lärm – Familie Hoffmann wohnt in Neu-Vehlefanz nur wenige Meter direkt neben der Autobahn

MAZ Oberhavel, 16.6.2016

Neu-Vehlefanz.
Eine Idylle! Und eine Ruhe! Also, früher jedenfalls. Als Familie Hoffmann 1949 ihr Haus am Ortsrand von Neu-Vehlefanz baute, da war an eine Autobahn noch gar nicht zu denken. Das änderte sich Anfang der 70er-Jahre. „Da wurde die Autobahn nach Hamburg gebaut“, erinnert sich Fred Hoffmann. „Bis dahin war das ein ruhiges Fleckchen Erde.“ Der Vater kam eines Tages mit der Nachricht nach Hause, dass nur knapp 100 Meter entfernt die Autobahn gebaut wird. „Gefragt hat uns damals keiner.“
Immerhin konnte Fred Hoffmanns Vater verhindern, dass direkt vor ihrer Haustür eine Brücke gebaut worden ist. Sie entstand stattdessen weiter westlich, kurz vor Wolfslake. „Seitdem leben wir in einer Sackgasse“, sagt der Neu-Vehlefanzer, der seit dieser Zeit in einer Enklave seines Dorfes lebt. Ansonsten wäre, zusätzlich zur Autobahn, auch der gesamte Verkehr von Vehlefanz nach Perwenitz an ihnen vorbeigerauscht.

Das Brummen und Heulen der Autos und Lkw gehört für die Familie, die in Wolfslake eine Autowerkstatt betreibt, zum Alltag. „Mittlerweile rauscht das konstant.“ Erst seit einigen Jahren sei es schlimmer geworden. „Wenn mal gar kein Auto kommt oder Stau ist, dann werden wir nachts wach.“ Oder der Karfreitag-Stau: „Wenn ganz Berlin ausrückt, sitzen die Leute mit dem Hintern auf der Leitplanke – und es ist ganz ruhig.“ Stille ist etwas Besonderes, wenn man an der Autobahn wohnt. Immerhin gibt es schalldichte Fenster. Und das nicht mehr genutzte Gewächshaus, das aber immer noch als Schallschutz genutzt wird.

Der Lärm ist jedoch nicht das alleinige Problem. Fred Hoffmann erzählt: „Wenn ich sonntags nach dem Tatort auf den Hof gehe und das Sonntagsfahrverbot für die Laster zu Ende ist, werden wir daran erinnert wo wir wohnen.“ Dann, wenn die Lkw in Kolonnen auf der A 10 unterwegs sind, wabern die Dieseldämpfe in den Garten. „Fast wie in einer Werkstatt. Zu Ostzeiten ist mir das nie aufgefallen, da gab es aber ganz andere Gerüche, aber nicht in dieser Masse.“

Wer an der Autobahn lebt, bekommt hin und wieder auch schlimme Unfälle mit, die sich in das Gedächtnis einbrennen: „Einmal ist ein Taxi unter einen Lkw geraten, direkt gegenüber von uns. Das Auto fing Feuer, und wir haben den Fahrer schreien hören. Er ist lebendig verbrannt. Das vergisst du nicht. Denn das Schlimme ist: Letztlich kann man von hier aus nichts machen.“
Noch zu DDR-Zeiten gab es einen Wildschweinunfall. Der Trabifahrer bat bei Hoffmanns um Hilfe. „Aber das Auto war hin, und dem Wildschwein konnte man nicht mehr helfen.“

Wenn die Autobahn ausgebaut wird, rückt die Trasse weitere 27 Meter näher an das Grundstück heran. „Für den direkten Nachbarn ist das sicher ein Problem, für uns nicht so“, sagt Fred Hoffmann. „Obwohl: Eigentlich kann es ja nur lauter werden.“ Die Hoffnung, dass es irgendwann mal ruhiger wird, haben die Neu-Vehlefanzer längst aufgegeben. Anfangs konnten sie einfach direkt von der Autobahn in ihre kleine Straße abbiegen. Heute undenkbar.
Eine Befürchtung gibt es: Wird die Trasse auf sechs Spuren erweitert, könnten auch Sträucher und Bäume weichen – wieder ein Stück Schallschutz weniger. Immerhin gibt es Hoffnung auf eine Lärmschutzwand. Es sind vor allem Besucher, die immer wieder fragen, wie man denn mit der lauten Autobahn klarkäme. „Welche Autobahn?, fragen wir dann“, sagt Fred Hoffmann.

*

Besuch von der Stasi
Mitte der 70er-Jahre bekam Familie Hoffmann Besuch. Weil sie so dicht an der damals neu gebauten Transitautobahn in Richtung Hamburg wohnte, hatte plötzlich auch das Ministerium für Staatssicherheit Interesse angemeldet.
Aus dem Schlafzimmerfenster hatte die Familie damals noch einen sehr guten Blick auf die Autobahn. Den wollte sich die Stasi mit Feldstechern zunutze machen, um den Verkehr beobachten zu können.
Die Familie lehnte ab, aber die Stasi ließ zunächst nicht locker. Der Ortspolizist (Abschnittsbevollmächtigte, ABV) kam auch noch vorbei, um Hoffmanns zur Mitarbeit zu überreden. „Aber ich hole mir doch keine fremden Menschen ins Haus!“, so Fred Hoffmann.
Es gab wohl sogar eine Beschwerde bei der damaligen Bürgermeisterin Reni Hoppe. „Aber auch sie hat das abgeblockt“, so Fred Hoffmann. Danach hat sich die Stasi nicht mehr gemeldet.

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In Vehlefanz bekannt wie ein bunter Hund

Mittwoch, den 15. Juni 2016
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Helmut Schönberg feiert heute seinen 85. Geburtstag – er kümmert sich um die Ortsgeschichte und gehörte zu den Mitbegründern des Heimatvereins

MAZ Oberhavel, 15.6.2016

Vehlefanz.
Wenn er sich heute in seinem Heimatort umsieht, dann freut er sich. Es hat sich viel getan in der vergangenen Zeit. In die alte Schule ist wieder Leben eingekehrt, der Mühlensee ist ein Erholungsgebiet, die Mühle ein Ausflugsziel. Helmut Schönberg kann das beurteilen. Er lebt sein ganzes Leben lang schon in Vehlefanz. Heute sind es genau 85 Jahre.
Die Bewohner des Dorfes kennen ihn als engagiertes Mitglied im Heimatverein und als Forscher der Ortsgeschichte. Das hat er sich zum Hobby gemacht, als er Rentner wurde.

Geboren ist er am 15. Juni 1931 im Veltener Weg. Helmut Schönberg ist ein Ur-Vehlefanzer. Er hat viel erlebt. Seine Kindheit und Jugend war geprägt vom Krieg. „Zum Ende des Krieges hin wurden die Angriffe immer heftiger“, erzählt er. „In der Nachbarschaft sind Bomben abgeworfen worden. Dächer und Scheiben waren kaputt.“ Die Kinder mussten damals Sandsäcke füllen, um Kellerfenster abdichten zu können. Später flüchtete seine Familie vor den Russen, sie kam bis Gottberg bei Neuruppin. Dann erhielten sie die Nachricht, dass sie wieder zurück können. Nach dem Krieg arbeitete er in einer Bäckerei. Als eines Tages vier Männer aus Berlin kamen und getrocknete Pilze mitbrachten, musste Helmut Schönberg eine Probeschrotung vornehmen. Das hat funktioniert, woraufhin die Pilze in ganzen Lkw-Ladungen ankamen – bis plötzlich Qualmwolken im Getriebe entstanden. Der junge Mann wollte die Mühle abschalten, geriet mit dem Finger aber ins Getriebe. Seitdem fehlt ihm ein Ringfinger. „Als 14-Jähriger dachte ich dann: Ich kann nicht mehr heiraten.“
Er wollte Müller werden, aber seine Eltern fanden, das sei kein Beruf für ihn. Bei der LEW in Hennigsdorf lernte er von 1946 bis 1949 Elektromechaniker. „Das war damals ein toller Beruf.“ 1952 begann sein Elektromaschinenbau-Studium in Hohenschöpping.
Schönberg wurde Ingenieur, Assistent des Werkleiters, später Abteilungsleiter. 50 Jahre lang hat er in Hennigsdorf gearbeitet – bis 1996. „Ich war beruflich sehr viel unterwegs.“ In New York zum Beispiel und in Sibirien. „Spektakulär“, sagt er. Die wahnsinnige Größe des Landes hat ihn beeindruckt.

1990 dann ein Schicksalsschlag. „Wenn die Partnerin stirbt, denkt man, die Welt geht unter.“ Krebs. Ein Jahr lang brauchte Helmut Schönberg, um über den herben Verlust hinwegzukommen. Später lernte er Edda kennen, mit ihr ist er inzwischen auch schon wieder 20 Jahre verheiratet. Es ist Liebe, das sieht man ihm an, wenn er von ihr erzählt.
Helmut Schönberg hat zwei Kinder, fünf Enkelkinder, einen Ur-Enkel, und ein weiterer ist unterwegs. Er genießt es, dass er seine Familie im Ort hat, dass alle schnell erreichbar sind und dass sie öfter zusammen feiern. Oft ist er bei seinem Bruder.

Schon seit 1992 engagiert er sich auch verstärkt in Vehlefanz. In diesem Jahr ist der Heimatverein gegründet worden, 1998 wurde er dessen Vorsitzender und blieb es zehn Jahre lang. Er hat sich außerdem – und das ist inzwischen sein größtes Steckenpferd – der Ortsgeschichte verschrieben. „Ich habe bis 65 gearbeitet, und mir war schon klar, dass ich mich als Rentner dann viel mit der Geschichte befassen werde. Schönberg zitiert den Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker: „Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Zukunft gestalten.“ Den Satz nahm er sich zu Herzen. Anfangs ging er von Tür zu Tür und fragte die Leute, ob sie Bilder oder alte Sachen zur Verfügung stellen können. „Ich war ja bekannt wie ein bunter Hund.“ Einfach war das trotzdem nicht, manche konnten sich von ihren Sachen nicht trennen. Dennoch entstand ein umfangreiches Archiv.
Helmut Schönberg erarbeitete eine Chronik für Vehlefanz, reiste dafür nach Oranienburg und Brandenburg an der Havel, um Informationen zu bekommen. Er hält Vorträge zur Historie, stellte Tafeln zur Ortsgeschichte im Dorf auf – und macht sich auch sonst viele Gedanken über seinen Heimatort. Zuletzt gehörte er zu den Unterstützern des neuen Oberkrämer-Museums in Bärenklau.

Seinen 85. Geburtstag feiert Helmut Schönberg am Sonnabend im Sommerswalder Forsthaus. Und natürlich ist auch das teil seiner Jugenderinnerungen: „Einen Teil der Bäume dort habe ich mitgepflanzt.“

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Vom Pflug bis zum Kaffeefilter

Dienstag, den 14. Juni 2016
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Im neuen Oberkrämer-Museum in Bärenklau geht es um das Leben auf dem Land

MAZ Oberhavel, 14.6.2016

Bärenklau.
Stolz zeigt Rotraud Bräsicke den Kaffeefilter aus Porzellan. Den hat sie irgendwann in den 80ern von einer Erbtante übernommen, sagt sie. Jetzt steht das gute Stück im neuen Oberkrämer-Museum – in der kleinen Abteilung zum Thema „Küche früher“. In einem anderen Regal liegt eine kleine, sehr alte Brille, ebenfalls aus dem Fundus von Rotraud Bräsicke. „Die habe ich 1995 geschenkt bekommen“, erzählt sie. „Von einer Frau, die war schon über 85, sie hatte es schon von ihrer Mutter.“ Oder der von innen beleuchtete Stopfpilz – auch von ihr.

All das und noch viel mehr befindet sich im den Räumen im alten Feuerwehrdepot auf dem Remontehof in Bärenklau. Die Heimatvereine Vehlefanz und Bärenklau haben sich zusammengetan und die neue Schau auf die Beine gestellt. „Es sollte eine Ausstellung sein, mit der sich jeder identifizieren kann“, sagt Ulrike Rack. Sie gehört zu den Hauptorganisatoren der Ausstellung. „Es galt einen roten Faden zu finden.“ Es gehe um das Leben auf dem Land. „Jeder kann hier das Leben der Einwohner im Wandel der Zeit erkunden.“
So können sich Besucher in einem Mini-Klassenzimmer umsehen. Immerhin gab es früher in Bärenklau auch eine Schule. Auf der anderen Seite des Raumes dreht sich alles um die Landwirtschaft. Zu sehen ist dort zum Beispiel ein 250 Jahre alter Pflug. „Erst haben ihn Menschen gezogen, dann Kühe, später Ochsen“, erzählt Helmut Schönberg vom Vehlefanzer Heimatverein. Eine alte Egge, ein Kerbholz und vieles mehr gibt es in der Landwirtschaftsecke zu sehen.
Im Erdgeschoss können sich die Besucher außerdem in der Feuerwehrhistorie umsehen – da hat beispielsweise die Marwitzer Wehr kräftig geholfen.

Ursprünglich war ein etwas anderes Konzept geplant. „Eigentlich sollte jedes Jahr ein anderer Ortsteil im Mittelpunkt stehen“, sagt die Diplom-Museologin Ulrike Rack. Nach Bärenklau sei aber keine weitere Ausstellung in dieser Hinsicht zustande gekommen. „Deshalb reifte der Gedanke, wie wir als Oberkrämer zusammenwachsen können.“ Das Ergebnis ist nun zu sehen. „Wir haben aus jedem Ortsteil etwas, wenn auch in unterschiedlicher Gewichtung.“
Ulrike Rack hofft, dass sich insbesondere die Kinder der Vehlefanzer Nashorn-Grundschule für das Oberkrämer-Museum begeistern können. Die Schau soll vor allem immer dann geöffnet sein, wenn Feste stattfinden. So kamen zur Landpartie am Wochenende diverse Leute auch ins Depot. Wer sich die Ausstellung ansehen möchte, kann sich beim Heimatverein Bärenklau melden.

Kontakt: Ulrich Rack vom Heimatverein ist unter 03304/25 19 15 erreichbar.

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Wald zwischen Beetz und Grieben wird Experimentierplatz

Samstag, den 11. Juni 2016
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Fläche ist Naturerbe und soll renaturiert werden – inklusive eines Hochmoores

MAZ Oberhavel, 11.6.2016

Beetz.
Der Wald zwischen Beetz, Rüthnick, Grieben und Linde wird renaturiert. Es handelt sich dabei um eine 3850 Hektar große Naturerbefläche, die bislang größte in Brandenburg. Dort soll in den nächsten Jahren herausgefunden werden, unter welchen Bedingungen sich aus einem Wirtschaftswald möglichst schnell ein naturnaher Laubmischwald entwickelt.
Schon jetzt ist der Wald ein Naturidyll. Bis zur Wende sind Teile davon von der NVA genutzt worden. Er diente als Übungsgelände für die Soldaten – für die Grenztruppen und eine Raketeneinheit. „Dort befanden sich ein Übungsplatz, eine Infanterieschießbahn und eine Kaserne“, sagt Katja Behrendt, die Pressesprecherin bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Man sehe noch vereinzelte Splitterbestände in den Bäumen, es handele sich aber nicht um Geschosse, die noch gefährlich seien. „Was eventuell aus dem Zweiten Weltkrieg im Boden liegt, weiß man nicht.“
Ziel sei es, die Flächen im Wald wieder zu entsiegeln. Die einsturzgefährdeten Baracken, die teilweise noch im Wald in der Nähe von Beetz stehen, sollen weg. „Wir prüfen, welche Firmen vor Ort das übernehmen können“, so Katja Behrendt.

Momentan haben die Kiefern im Wald einen Anteil von 90 Prozent. Langfristig soll ein Mischwald daraus entstehen. Deshalb startet dort bald ein Waldrenaturierungsexperiment. Verschiedene Maßnahmen sollen dafür erprobt werden. In einer ersten Variante wird untersucht, ob sich der Wald nach einer Holzernte ohne weitere Einflussnahme zu einem Laubmischwald entwickelt.
In Variante zwei werden kleinflächige Sturmschäden nachgeahmt, indem Kiefern umgeworfen werden, um den Anteil an liegendem Totholz zu erhöhen. Stehendes Totholz soll auch entstehen, indem einige Kiefernstämme entrindet werden. In einer dritten Variante werden in die entstandenen Lücken zusätzlich Eichen, Buchen und Linden gepflanzt. Andere Zonen dienen als Kontrollflächen, die ganz ohne Maßnahmen sich selbst überlassen werden.
Es handelt sich vermutlich um das deutschlandweit größte Experiment dieser Art. „Für uns ist das unheimlich spannend“, sagt Katja Behrendt.

Darüber hinaus könnte sich das Möllersche Luch wieder zu einem richtigen Hochmoor entwickeln. Dafür startet ein Wiedervernässungsversuch, daran ist die Berliner Humboldt-Universität beteiligt. „Der Wasserpegelstand wird immer wieder gemessen“, so die DBU-Pressesprecherin. Hochmoore seien hierzulande selten, die momentane Trockenheit aber eher ein Problem.

Insbesondere für die Regionen Kremmen und Löwenberger Land könnte dieser Wald also noch sehr interessant werden. „Es gibt Regionen, die einen Naturerbe-Wald in ihr Tourismuskonzept aufgenommen haben“, sagt Katja Behrendt. So etwas sei auch dort denkbar. Es werde darüber nachgedacht, an zwei Punkten Infotafeln aufzustellen: an der L 19 an einer Waldeinfahrt nahe Ludwigsaue sowie an der B 167 an einem Abzweig zwischen Grieben und Linde.

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Sommerfeld bekommt eine neue Dorfchronik

Freitag, den 3. Juni 2016
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Rudi Kretschmann und seine Vereinskollegen arbeiten daran seit mehr als zwei Jahren – die letzte Auflage ist von 1992

MAZ Oberhavel, 3.6.2016

Sommerfeld.
Im kommenden Jahr feiert Sommerfeld das 775. Jubiläum. Das ist zwar nicht der direkte Anlass, dass der Verein „Sommerfelder Miteinander“ an der Neuerstellung der Dorfchronik arbeitet, aber immerhin eine gute Gelegenheit.
Die bisher letzte Dorfchronik ist aus dem Jahr 1992, damals feierte Sommerfeld das 750. Jubiläum. „Dann war Schluss“, sagt Rudi Kretschmann, der Vereinsvorsitzende. „Ich habe angeregt, ob wir uns nun nicht endlich mal um eine aktuelle Dorfchronik kümmern wollen.“ In einer der Sitzungen des Ortsbeirates ist das Thema daraufhin besprochen und für gut befunden worden.

Schon im Januar 2014 begann für die Mitglieder des kleinen Vereins die Arbeit. Vier Leute sind damit beschäftigt. Die alte Chronik mit den entsprechenden Seiten und alten Fotos wurde auf einen USB-Stick geladen. „Da waren alle großen Ereignisse der vergangenen Zeit drauf“, sagt Rudi Kretschmann. Alles, was zwischen 1242 und 1992 in Dorf und drumherum passiert ist, wird aus der alten Chronik von vor 24 Jahren verwendet. „Aus der Stadtchronik von Kremmen können wir die Geschichte übernehmen, und von den Sana-Kliniken haben wir Fotos und Textauszüge zum 100. Jubiläum bekommen.“ Diese Feier wird im neuen Heft ein Kapitel erhalten. „Außerdem haben wir viele Zuarbeiten von Einwohnern des Dorfes.“ Auch Ausschnitte aus den Zeitungen haben bei der Geschichtsaufarbeitung geholfen.

„Sommerfeld – Eine Zeitreise“, so wird das Heft heißen, das im A4-Format erscheinen wird. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Chronik, denn aufgelistet ist Jahr für Jahr, was im Dorf geschehen war. Immer wieder sind weitere Fotos eingefügt und einzelne Seiten verändert worden. Jetzt, im Juni, sollen die Arbeiten mit dem Erstellen des Quellenverzeichnisses abgeschlossen werden. „Unser Ziel ist es, dass im September alles druckfertig ist.“ Die Auflage des Heftes soll zunächst bei 1000 Stück liegen, gedruckt wird es in Velten. „Der Abschlussentwurf geht an die Stadt, die Klinik und an die Bibliothek, damit alle noch einmal rüberlesen können“, so Rudi Kretschmann. Die Finanzierung des ganzen Vorhabens ist noch nicht abschließend geklärt.
Die Arbeit an der Chronik war und ist langwierig, macht aber auch Spaß. „Ich habe noch einiges über Sommerfeld gelernt, auch wenn ich ja alter Sommerfelder bin.“

Auch am Titelblatt ist lange gearbeitet worden. „Es sollte Altes und Neues nebeneinander stehen“, so Rudi Kretschmann. So gibt es ein Feuerwehr-Foto aus dem Jahre 1928, daneben eines von 2013. Oder eines vom „Café Bellabimba“ und eines vom selben Gebäude, in dem heute die Kita beheimatet ist.