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In der Zeitung erschienen

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Staffelde erlebt einen Generationswechsel

Mittwoch, den 25. Juni 2014
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Sebastian Busse (34) ist der Jüngste aller Kremmener Ortsvorsteher. Er wünscht sich Bürgernähe.

MAZ Oranienburg, 25.6.2014

STAFFELDE
Es fehlte nur eine Handvoll Stimmen, sonst hätte Sebastian Busse den Sprung ins Kremmener Stadtparlament geschafft. „Ja, ein bisschen enttäuscht war ich schon“, sagt er. Trotzdem wird der Parteilose in den kommenden Jahren einiges zu tun haben. Der 34-Jährige ist der neue Ortsvorsteher von Staffelde – der Jüngste aller Kremmener Ortsteile.
„Die Wähler wollten einen Generationswechsel“, so Busse. Seit 2003 lebt er im Dorf, er stammt ursprünglich aus Kremmen, der Liebe wegen zog er nach Staffelde. Dort lebt er mit seiner Frau Annekatrin (33), der Tochter Charlotte (6) und Sohn Moritz (2).

Er hat einiges vor mit seinem Dorf. Zwei- bis dreimal im Jahr möchte er eine Kinoveranstaltung organisieren. „Vielleicht ja in Zusammenarbeit mit der Bibliothek.“ Denkbar seien auch auch lustige Nachmittage mit den Staffelder Senioren. „Ich möchte, dass die Leute zusammenkommen und sich unterhalten“, sagt der Ortsvorsteher. Ein Anliegen ist ihm auch das Spielplatzgelände, auf dem einige Geräte vom Tüv gesperrt worden sind. „Wir haben viele Handwerker im Dorf, das kriegen wir hin.“
Ebenfalls ein wichtiges Thema ist der alte Baggersee abseits des Ortes. „Da gab es mal eine schöne Badestelle, aber das ist lange her.“ Inzwischen ist der See voller Schilf und veschlammt. Busses Traum: Ein neues Ausflugsziel für die Bewohner von Staffelde, Flatow und Groß-Ziethen. „Aber da brauchen wir einen langen Atem“, sagt er auch.
Jeden ersten Dienstag im Monat will er zwischen 18 und 19 Uhr seine Sprechstunde abhalten. Bürgernähe ist ihm sehr wichtig. Deshalb möchte er am 8. Juli auch beim Zirkusfest der Kita vorbeischauen. „Ich will mich den Kindern vorstellen.“ Ebenso den Senioren, bei denen er ebenfalls mal eine Stippvisite einlegen will.

Seinen eigentlichen Beruf wird Sebastian Busse aber nicht vernachlässigen. Er arbeitet als Werkstoffprüfer und ist bei einer Berliner Firma angestellt. „Ich überprüfe Schweißnähte.“Ansonsten engagiert er sich in der Region. Beim FC Kremmen ist er Trainer der kleinen G-Jugendfußballer. Die sechs und sieben Jahre alten Kinder steigen im August in den regulären Spielbetrieb ein. „Das macht mir eine Riesenfreude“, sagt Busse.

Seit Kurzem ist er hin und wieder mit seinem Rennrad unterwegs. „Da kann ich wunderbar den Kopf abschalten“, erzählt der 34-Jährige. Eine seiner Lieblingsstrecken: über Kremmen, Sommerfeld, Hohenbruch und Sommerswalde. Einmal im Jahr reist er zum Angeln nach Norwegen. „Dort ist es sehr schön, das beste Wetter dafür ist jetzt, im Juni.“
Aber auch und gerade daheim, in Staffelde, führt sich Sebastian Busse wohl. „Die Gegend um den Alten Dorfkrug ist der allerschönste Ort im Dorf“, sagt er und ergänzt: „Wenn das Schloss auch noch fertig wird, ist’s noch schöner.“

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Nachschlag: Hausmannskost mit persönlicher Note

Montag, den 16. Juni 2014
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In „Schulle’s Imbiss“ in Sachsenhausen gibt es immer wieder ein neues Tagesgericht. Sonderwünsche werden auch erfüllt.

MAZ Oranienburg, 16.6.2014

SACHSENHAUSEN
Süß-saure Eier. Buletten mit Mischgemüse. Linseneintopf mit Knacker. Putensteak mit Röstzwiebeln und Stampfkartoffeln. Das waren vergangene Woche die Tagesgerichte in „Schulle’s Imbiss“ in Sachsenhausen. Es ist liebevoll zubereitete Hausmannskost, die Andreas Schulz täglich frisch zubereitet. Seine Gäste können Vorschläge machen, was als Nächstes auf den Tisch kommt. Für heute kündigt Schulz Frische Wurst mit Sauerkraut an.
Wichtig sind ihm die Details und die persönliche Note. Auf jedem Teller gibt es Tomatenscheiben, Weißkraut und Gurken als Garnitur. Vergangene Woche reichte er zu jedem Tagesessen Vanilleeis mit Karamellsoße.

Wer die täglichen Sondermenüs nicht möchte, kann auch auf die reguläre Speisekarte zurückgreifen. Dort steht beispielsweise das Jägerschnitzel mit Bratkartoffeln. Die Jagdwurst wird in der Pfanne gebraten, dazu gibt es zwei Spiegeleier. Ebenso beliebt ist das Hamburger Schnitzel oder die Riesencurrywurst. Mit letzterer kennt „Schulle“ sich aus. Auf Stadtfesten oder bei Konzerten ist er mit seinem Imbiss unterwegs.
Sonderwünsche können immer geäußert werden, und wer möchte, kann Andreas Schulz in der offenen Küche sogar beim Kochen und Braten zusehen. Das Bistro ist ein Treffpunkt in Sachsenhausen geworden. Im hinteren Bereich trifft sich oft eine Gruppe am Stammtisch. Vorn, neben dem Tresen, hängen die Visitenkarten der Unternehmer, die in „Schulle’s Imbiss“ Stammgäste sind. Die meisten Besucher kennt Schulz schon, da gibt’s den Kaffee, ohne dass etwas gesagt werden muss.

Bereits um 7 Uhr am Morgen öffnet der Laden. Dann gibt es erst mal Frühstück mit belegten Brötchen und Kaffee. Wer möchte, kann aber auch am Morgen schon warme Gerichte bekommen.

Kontakt: „Schulle’s Imbiss“, Chausseestraße 43, Sachsenhausen. Geöffnet montags bis freitags von 7 bis 14 Uhr. Bestellungen und Reservierungen unter Tel. 01522/2 91 38 58.

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Berliner Gäste strömten in die Region

Montag, den 2. Juni 2014
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„48 Stunden Kremmen“: Busse waren zwischen Sommerfeld, Flatow, Schwante, Vehlefanz und Velten unterwegs

MAZ Oranienburg, 2.6.2014

KREMMEN/OBERKRÄMER
Eva-Maria Otto wirft noch mal einen Blick in ihren Flyer. „Mir gefällt das alles sehr gut hier“, sagt sie. Sie ist aus dem Berliner Bezirk Friedrichshain zur Schmiede nach Schwante gekommen und hat sich mit dem Schmied Dieter Blumberg unterhalten. Als nächstes möchte sie zur Mühle nach Vehlefanz. Auch in der Kirche in Flatow war sie bereits. „Die fand ich sehr schön“, sagt sie und lächelt. Und überhaupt, sie werde noch mal wiederkommen, um sich das Schloss in Groß-Ziethen anzusehen.

Die von der Stadt Kremmen und dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) initiierte Aktion „48 Stunden Kremmen“ führte Eva-Maria Otto in die Region. Mit dem Regionalexpress kam sie nach Kremmen. Am dortigen Bahnhof starteten zwei Buslinien. Eine führte nach Sommerfeld, die andere über Flatow, Staffelde, Groß-Ziethen, Schwante und Vehlefanz zum Veltener Ofenmuseum. Besonders am Sonnabendvormittag strömten die Menschen aus den Zügen in die Busse. „Wir dachten, das verteilt sich mehr“, sagte Charlott-Luise Stolzenberg, in Kremmen verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit. Sie zählte allein am ersten Vormittag schon mehr als 700 Gäste, bis zum Sonnabendnachmittag seien es etwa 1200 gewesen. Am Sonntag lag die Zahl etwas niedriger. „Für uns ist das ein großer Erfolg“, so Stolzenberg.

Albert Kleye von den „Freunden der Kulturschmiede“ in Schwante war am Sonnabend überrascht vom Zuspruch. „Wir wussten ja gar nicht so genau, was da auf uns zukommt.“ Für die Vereinsmitglieder war das Wochenende mit großem Aufwand verbunden, „aber wir machen das ja gern.“ Für die Schmiede sind solche Aktionstage aber wichtig. „Es kommt immer wieder vor, dass Berliner erneut zu uns kommen und uns ansprechen“, so Kleye.

An der Mühle in Vehlefanz ist am Wochenende extra eine Sonderhaltestelle für die Busse eingerichtet worden. „Die Gäste aus Berlin wollen vor allem Historisches über die Mühle wissen“, erzählte Hartmut Müller vom Vehlefanzer Heimatverein.
Auch Sigrun Franke aus Berlin-Spandau sah sich am Sonnabendnachmittag dort um. „Ich bin von Schwante aus den Mühleseeweg entlang gewandert“, erzählte sie. „Das war wunderschön.“ Sie findet es gut, dass die Dorfbewohner bei der Aktion mitgemacht, Kuchen gebacken und Auskünfte erteilt haben. Bislang kannte sie die Region noch nicht, wollte aber unbedingt wiederkommen. „Die Felder, die Wiesen, der Wald und zwischendurch die Alleen – herrlich!“

Ein wenig Kritik ist aber auch laut geworden. Insbesondere am Sonnabendvormittag waren die Busse unpünktlich und überfüllt. Irritationen gab es, weil das Schloss in Groß-Ziethen nur am gestrigen Sonntag an der Aktion teilnahm und die Kirche in Staffelde erst am Nachmittag öffnete.
„Das ist allerdings eine sehr schöne Kirche“, so Ingrid Brose. Sie war aus Berlin-Marienfelde nach Staffelde gekommen. „Sie ist schlicht, aber alles ist so schön und liebevoll restauriert, das gefällt mir.“
Ein paar Kilometer weiter, in Flatow, sieht sich Irene Böhm aus Nieder Neuendorf mit ihrem Enkel Niklas die Kirche an. „Die lebt, die Kirche“, sagt sie. „Hier wird das Alte mit dem Neuen sehr gut verbunden.“ Karlheinz Sandow vom Gemeindekirchenrat führte Irene Böhm herum. „Wir freuen uns, wenn wir den Gästen unser Haus zeigen können“, sagte er.

Viele der Gäste am Sonnabend sagten, dass sie am Sonntag noch mal wiederkommen wollen. Diese Beobachtung hat Charlott-Luise Stolzenberg gemacht: „Wir haben einige schon bekannte Gesichter wiederentdeckt“, sagte sie gestern Nachmittag.

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„Das Tatütata fand ich toll“

Montag, den 26. Mai 2014
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Oliver Fritz (33) aus Kremmen ist seit 1991 Mitglied der freiwilligen Feuerwehr. Schon als Kind fand er das spannend.

MAZ Oranienburg, 26.5.2014

KREMMEN
Seit 22 Jahren ist Oliver Fritz Mitglied der freiwilligen Feuerwehr in Kremmen. Der 33-Jährige ist Ortswehrführer und für seine Kollegen einer der Hauptansprechpartner. Ansonsten arbeitet er als Servicemonteur in Berlin.

Blitz und Donner über Kremmen. Macht Sie das nervös?
Oliver Fritz: Es gibt gewisse Wetterlagen, da herrscht schon mehr Anspannung als sonst.

Als Feuerwehrmann ist man aber permanent in Einsatzbereitschaft, oder? Gibt es da so eine ständige Grundnervosität?
Fritz: Wenn es ewig nicht gepiept hat, dann ist klar, dass es nicht mehr lange bis zum nächsten Einsatz dauern kann. Wir müssen etwa 150-mal im Jahr raus. Aber so eine Grundnervosität habe ich eigentlich nicht. Außer vielleicht Silvester.

Wie kamen Sie denn damals zur Feuerwehr?
Fritz: Generell hat mich das schon immer interessiert. Ich war mal zum „Tag der offenen Tür“ dort. Das Drumherum, das Tatütata, die großen Autos, die Sirenen, das fand ich toll. Ich bin dann zur Jugendfeuerwehr gegangen.

Was macht man da so?
Fritz: Schläuche rollen. Das war das Erste, was wir damals gemacht haben. Hat aber Spaß gemacht, auch, mit den anderen zusammen zu sein. Wir wurden dann immer mehr an die eigentlichen Arbeiten der Feuerwehr herangeführt.

Und dann haben Sie sich endgültig entschieden: Ich werde Feuerwehrmann!
Fritz: Ja! Damals hatte ich mehrere Hobbys. Fußball, angeln und die Feuerwehr. Letzteres war am interessantesten. Auch ein großer Teil meines Freundeskreises war dabei.

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Einsatz?
Fritz: Das war ein Kornfeldbrand bei Sommerfeld. Ich war 16 oder 17 Jahre alt. Feldbrände können wegen des Windes ziemlich gefährlich sein, und wir sind ganz schön gerannt. Aber nach einer guten Stunde war alles gelöscht.

Wissen Sie vorher, was Sie erwartet, wenn Sie zum Einsatz fahren?
Fritz: Größtenteils ja. Wir bekommen eine Art Kurzmitteilung auf den Pieper und haben auch ein Alarmfax. Wobei die Sache dann vor Ort meist doch noch ein bisschen anders ist.

Gab es spektakuläre Einsätze, an die Sie sich erinnern?
Fritz: Na ja, was heißt spektakulär? Uns hat mal jemand angerufen und gesagt, dass da eine Schlange sei, die war ihm nicht geheuer. War dann aber doch nur eine harmlose Ringelnatter.

Andere Einsätze sind sicherlich nicht so harmlos.
Fritz: Wir haben einen Autobahnabschnitt, für den wir zuständig sind. Gerade in den 90ern gab es dort viele schwere Unfälle.

Werden Sie mental darauf vorbereitet?
Fritz: Eigentlich nicht. Bei schlimmen Unfällen, frage ich meine Kameraden vorher, ob sie gewisse Dinge sehen können. Ich will nicht, dass auch meine Kollegen zu Schockpatienten werden. In Amalienfelde ist mal ein Auto gegen einen Baum gefahren, der Fahrer war tot. Das war nicht schön anzusehen. Da werden gerade relativ junge Kameraden ins kalte Wasser geworfen. Einen toten Menschen zu sehen, ist eine schwierige Erfahrung. Bei vielen wird da eine Grenze überschritten.

Wie kommt man damit klar?
Fritz: Wichtig ist es, danach darüber zu reden. Als Ortswehrführer muss ich ein Auge auf die anderen haben. Ich bin die Mutti für alles.

Welche Einsätze sind außerdem noch nervenzehrend?
Fritz: Die Brandserie im Herbst 2012 in Flatow war schlimm. Vor allem, weil das fast immer Großbrände waren. Gab es da Alarm, wussten wir, das wird eine lange Nacht.

Und als der Verdacht aufkam, dass es ein Feuerwehrmann sein könnte …
Fritz: … kam Unmut auf. So was will kein Wehrführer erleben, das kann aber niemand verhindern. So was droht aber, eine ganze Feuerwehr runterzuziehen.

Wenn Sie am Tage in Berlin arbeiten, sind Sie aber nicht erreichbar, oder?
Fritz: Das stimmt. Aber in der Regel sind bei Alarmen am Tag neun bis zehn Kameraden einsatzbereit. Wenn ich mal eine Woche an die Ostsee fahre, dann ist das natürlich auch abgesprochen.

Könne Sie die Jugend für Ihre Arbeit begeistern?
Fritz: Relativ schwierig. Aber es ist gut, dass wir „Tage der offenen Tür“ veranstalten. Die Konkurrenz ist größer geworden. Schule, Fußball, es ist weniger Zeit übrig. Da müssen wir am Ball bleiben. Deshalb bieten wir Jugendlager, Ausflüge oder Technikkurse an.

Bei der Feuerwehr arbeiten Sie mit Ihren Kameraden. Was macht Kameradschaft aus?
Fritz: Wir sind schon ein eingeschworener Haufen. Es muss sich jeder auf jeden verlassen können.

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Witze vorlesen ist eine Kunst

Freitag, den 23. Mai 2014
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Infoabend in der Bötzower Bibliothek: Wie Kinder Spaß an Büchern und der Sprache bekommen

MAZ Oranienburg, 23.5.2014

BÖTZOW
Wenn die Kinder der Bötzower Kita „Antons Quasselklub“ besuchen, dann haben sie Spaß. Sie singen, lachen und sprechen. Und ganz nebenbei lernen sie auch, aber das mit so viel Freude, dass sie das vordergründig gar nicht so genau mitbekommen. In Wirklichkeit ist „Antons Quasselklub“ nämlich eine Art Sprachförderung für Kinder, die entsprechende Defizite haben.

Das Konzept ist am Mittwochabend in der Bötzower Bibliothek vorgestellt worden. Bei einem Infoabend ging es darum, wie Kindern der Spaß am Lesen vermittelt werden kann. Vertreter der Bibliotheken, Kita und Schule hatten dazu Eltern eingeladen. Dabei geht es allerdings nicht nur um das bloße Lesen von Büchern. „Lesen zu können ist elementar“, sagte Margot Deetz, die Leiterin der Bibliotheken in Oberkrämer. Ines Röher, die stellvertretende Leiterin der Bötzower Grundschule, stimmt ihr zu. Schließlich seien die Rechenaufgaben in der Mathematik auch in Texte verpackt. Später im Leben müssen Mietverträge schließlich auch ganz genau durchgelesen werden.

Eltern, Lehrer und Erzieher seien gefordert, das immer wieder mit den Kindern zu üben. Die Leseförderung fängt bereits in der Kita an. Saskia Krahn, die Leiterin der Traumzauberbaum-Kita in Bötzow, machte deutlich, dass dabei die Sprachförderung ein sehr wichtiger Bestandteil sei. „Eltern müssen ein sprachliches Vorbild sein“, sagte sie. „Und wir müssen uns da auch immer wieder zusammennehmen.“
Saskia Krahn nannte ein Beispiel. Zeigt ein zweijähriges Kind fasziniert und ohne zu wissen, wie das Ding heißt, auf ein Müllauto, dann reicht es nicht, dass die Eltern das nickend zur Kenntnis nehmen. „Da muss man schon mal sagen: Ja, das ist ein Müllauto.“ Im Idealfall erzählen die Großen den Kleinen dann noch, dass die Müllmänner den Müll abholen. „So bekommt das Kind verschiedene Informationen, die es bei der nächsten Begegnung mit dem Müllauto vielleicht schon abrufen kann“, so Saskia Krahn. Hilfreich sei es auch, altes Liedgut und alte Reime zu bewahren. „Das können alle mitsingen, auch die Mutter und die Oma.“

Später kommen dann die Bücher ins Spiel, anfangs natürlich noch reine Bilderbücher. „Kinder lieben es ganz oft, immer wieder das gleiche Buch anzusehen“, erzählte Bibliothekarin Margot Deetz. „Sie entdecken jedes Mal etwas Neues, das ist sehr faszinierend.“ Es sei auch nicht schlimm, wenn sie Wörter entdecken, die sie noch nicht kennen. „Das Schöne ist: Dann können Kinder und Eltern darüber sprechen“, so Deetz. Auch sollten gegenüber Comics keine Berührungsängste bestehen, wie ihre Kollegin Claudia Adler von der Bötzower Bücherei sagte. Schließlich müssen die Sprechblasen auch gelesen und in Zusammenhang zu den Bildern gesetzt werden. „Das müssen die Kinder ebenfalls erst lernen.“ Selbst Witzbücher laut vorzulesen, sei eine Leistung, so Margot Deetz. „Die Witze so vorzutragen, dass die Zuhörer sie verstehen und darüber lachen, ist eine Leistung.“ Nach und nach kämen dann Bücher mit längeren Texten ins Spiel. „Beim Lesen geht es auch immer um Konzentration, darum, sich länger mit einer Sache zu beschäftigen“, sagte Margot Deetz.

Zu der Veranstaltung am Mittwochabend kamen allerdings nur sieben Gäste, und das obwohl in den Kitas und Schule Reklame dafür gemacht wurde und laut der Veranstalter durchaus Bedarf in Sachen Sprach- und Leseförderung bei den Kindern besteht. Die Eltern müssten sich in der Hinsicht ausführlich mit ihren Kindern beschäftigen, so die Meinung aller.

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Ins Klubhaus zieht Leben ein

Dienstag, den 20. Mai 2014
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Gebäude am Kremmener Marktplatz stand lange leer. Jetzt gibt es mit Bäcker Plentz konkrete Pläne.

MAZ Oranienburg, 20.5.2014

KREMMEN
Freitag, der 13., könnte sich für die Kremmener als Glücksdatum herausstellen. In das Klubhaus am Marktplatz wird nämlich bald neues Leben einziehen. Die Filiale von Bäcker Plentz soll bis Ende 2015 ins Erdgeschoss des alten, momentan leerstehenden Gebäudes ziehen. Für die oberen Räume laufen Gespräche mit einer Eventagentur, die den großen Saal für Veranstaltungen nutzen könnte. Darüber hinaus deutet sich an, dass dort ein altersgerechtes Wohnheim entsteht – samt Anbau auf dem Hinterhof.

Diese Entwicklung hat im vergangenen Dezember begonnen – am besagten Freitag, den 13. Da standen nämlich Bäckermeister Karl-Dietmar Plentz und Kremmens Stadtverordnetenvorsteher Detlef Reckin (SPD) während einer Adventsveranstaltung vor besagtem Haus – und da war die Idee geboren.
„Wir sind seit 20 Jahren mit einer Filiale am Marktplatz“, erzählte Plentz gestern. Dort hätte bald sowieso investiert werden müssen. So ist der Caféraum für die heutigen Bedürfnisse der Bäckerei zu klein. Ein Umbau im jetzigen Geschäft wäre in der Größenordnung jedoch kaum möglich gewesen, so Plentz. Im Erdgeschoss des Klubhauses jedoch sei Platz. Gespräche mit dem Denkmalschutz habe es bereits gegeben, die Pläne werden immer konkreter. „Es gibt einen Entwurf“, so Plentz. Seine Idee ist es, den äußeren Glanz des Klubhauses auch im Inneren widerspiegeln zu lassen. „Die Kremmener sollen sich da treffen und wohlfühlen.“

Das spielt auch für Detlef Reckin eine große Rolle. „Die alten Kremmener würden sich wahnsinnig freuen, wenn wieder Leben ins Klubhaus einzieht.“ Seit etwa 20 Jahren verliefen alle Versuche, einen oder mehrere Betreiber für das Haus zu finden, im Sande. Knackpunkt ist der große Saal im ersten Obergeschoss. „Dort fanden immer die großen Partys statt“, erinnert sich Detlef Reckin. Der Saal gehört zum Klubhaus und darf aus Denkmalschutzgründen nicht verändert werden.

Kremmens Bürgermeister Klaus-Jürgen Sasse (SPD) bestätigte gestern die Pläne, die es für das Klubhaus gibt. „Im Grunde müssen nur noch Abstimmungssachen geklärt werden“, sagte er und bezieht sich damit vor allem auf die Bäckerei. Was die Eventagentur angeht, da laufen derzeit noch die Verhandlungen, ebenso wie mit dem möglicher Betreiber der altersgerechten Wohnungen. Dabei handelt es sich um ein Unternehmen, das in Kremmen bereits aktiv ist, wie Sasse gestern sagte. Möglich seien 30 bis 40 Wohnungen mit einer Größe von je 50 Quadratmetern. Dafür soll dann auch der Anbau auf dem Hof entstehen.

Das Klubhaus bleibt somit in der Hand der Stadt. Kremmen müsste für den Umbau noch etwa 1,5 Millionen Euro investieren. Die Stadtverordneten müssten zunächst über das Projekt abstimmen. Möglich sei, dass Kremmen dafür einen Kredit aufnimmt. Das wäre machbar, so der Bürgermeister: „Wir sind bislang schuldenfrei.“ Eines aber steht für ihn fest: „In Sachen Klubhaus ist endlich der Durchbruch geschafft.“

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Beim Tatort wird nicht gestrickt

Freitag, den 16. Mai 2014
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Rotraud Braesicke verschönerte Bärenklau mit bunten Hauben für die Poller im Dorfkern

MAZ Oranienburg, 16.5.2014

BÄRENKLAU
Beim „Tatort“ lässt es sich schlecht stricken. „Da muss man am Ball bleiben und aufmerksam schauen“, sagt Rotraud Braesicke. Sehr gut stricken kann sie dagegen bei Musiksendungen. Mit Helene Fischer zum Beispiel, oder wenn die Berliner Philharmoniker spielen.
Die 69-Jährige aus Bärenklau hat etwa vier Wochen gebraucht, um mit ihren Strickereien das Dorf ein bisschen bunter zu gestalten. Sie strickte zwölf Hütchen für Begrenzungssteine, die in der Dorfmitte an der alten Schule stehen. In einer heimlichen Aktion hat sie sie in der Nacht zum 1. Mai übergestülpt (MAZ berichtete). Nicht mal den Damen von der Strickgruppe im Bärenklauer Heimatverein hatte sie davor etwas darüber verraten.

Dass sie es war, die für die bunten Wollhütchen zuständig gewesen ist, ließ sich allerdings nicht lange verheimlichen. Hat doch Rotraud Braesicke einst den Schneiderberuf erlernt. Das war in den Jahren 1962 bis 1964 in Berlin. Danach hat sie einige Jahre in einer Modebotique nahe des Berliner Kurfürstendamms gearbeitet. Und auch als sie den Beruf nicht mehr ausgeübt hat – zu Hause kam das Stricken nie aus der Mode. „Schon meine Mutter und meine Oma waren Schneiderinnen, da war klar, dass ich das auch mache“, erzählt die Bärenklauerin. „Für mich gab es nichts anderes.“ Sie liebt es bis heute, sich etwas Neues auszudenken und zu erarbeiten.
Gerade stickt sie an einem Brautkleid für die künftige Frau ihres Großneffen. „Das dauert dann schon mal 40 Stunden, und das geht dann auch nicht so nebenbei.“ Neun solcher Kleider hat sie in ihrem Leben schon genäht. „Das ist dann auch schon wirklich ein Highlight“, sagt sie und lächelt.

In der Bärenklauer Strickgruppe trifft sie sich mit den anderen Frauen alle zwei Wochen in der alten Remonteschule. Da wird dann nicht nur der aktuelle Dorfklatsch ausgetauscht. „Wir haben zum Beispiel Strümpfe und Mützen gestrickt, die werden dann auf den Festen im Dorf verkauft.“ Auch tauschen sie sich über die verschiedenen Stricktechniken aus.
Ganz besonders freut sich Rotraud Braesicke darüber, dass keines der bunten Strickhütchen gestohlen oder beschädigt worden ist. Im Herbst will sie sie wieder abnehmen und über den Winter einlagern. Und eine neue Idee für den Herbst hat sie auch schon.