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In der Zeitung erschienen

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Bushaltestelle lässt nun niemanden mehr kalt

Donnerstag, den 30. Oktober 2014
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Die Handarbeitsgruppe des Seniorenklubs hat am Remontehof ein warmes Plätzchen geschaffen

MAZ Oranienburg, 30.10.2014

BÄRENKLAU
Bunt, warm, freundlich und ein echter Hingucker. Das Buswartehäuschen am Bärenklauer Remontehof ist seit gestern Nachmittag eine Warmhaltestelle. Die Frauen von der Handarbeitsgruppe des örtlichen Seniorenklubs haben mal wieder eine neue Idee umgesetzt.
Nachdem im Frühjahr die Steinpoller in der Dorfmitte mit bunten Strickmützen versehen worden sind, haben sich die Frauen nun der bisher unansehnlichen Bushaltestelle angenommen. „Die Scheiben waren eingeschlagen, es sieht einfach nicht schön aus“, sagte gestern Gruppenmitglied Irmgard Menzel. Zweimal im Monat treffen sich die acht bis neun Frauen in der alten Remonteschule, um zu stricken und zu klönen.

Die Idee für die Umgestaltung des Buswartehäuschens hat Rotraud Braesicke aus Eckernförde mitgebracht. „Dort waren die Bushaltestellen auch bunt gestaltet“, erzählte sie. „Und weil ja jetzt die kalte Jahreszeit kommt, haben wir uns die Warmhaltestelle ausgedacht.“

Die Bank ist mit Sitzkissen ausgestattet worden. Dahinter ist ein Laken mit einem sommerlich anmutenden Bild gespannt. An einer Leine darüber hängen bunte Schals, Mützen, Babysachen, Handstulpen und eine Strickweste. Nicht zwingend die schönsten Strickmodelle, aber darum geht es den Frauen auch gar nicht. „Wir bekommen oft Wollreste geschenkt“, erzählte Irmgard Menzel. „Meistens machen wir da etwas Schönes, Brauchbares draus, diesmal ging es uns vor allem um den Spaß.“ Wer in Zukunft in Bärenklau auf den Bus wartet, könnte sich rein theoretisch an der Strickkollektion bedienen, ausdrücklich verboten ist das jedenfalls nicht. „Wer das schön findet“, sagte Irmgard Menzel und lächelte. Rotraud Braesicke ergänzte: „Deshalb haben wir die Sachen ja auch nur angeklammert, nicht angenagelt. Wenn wir die Sachen danach nicht auf der Straße rumliegen sehen, haben wir nichts dagegen, wenn sich jemand ein Stück nimmt. Wir sind dann nicht böse.“ Nachschub sei vorhanden. Unschön sei es, wenn plötzlich alles weg sei.

Bärenklaus Ortsvorsteherin Gundula Klatt warf gestern schon mal einen Blick auf das bunte Treiben: „Sieht gut aus, wieder mal eine echte Überraschung!“

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Vereinsleben: “Louise” ist eine Herzensangelegenheit

Montag, den 20. Oktober 2014
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Förderverein des Louise-Henriette-Gymnasiums hat 65 Mitglieder. In diesem Jahr ist er 20 Jahre alt geworden und hofft auf neue Mitstreiter.

MAZ Oranienburg, 20.10.2014

ORANIENBURG
Das Louise-Henriette-Gymnasium in Oranienburg war im September 1994 noch nicht mal offiziell eröffnet und hatte auch noch nicht den heutigen Namen – da gründete sich bereits ein Förderverein. Damals war Monika Schumacher, die zu dieser Zeit ein Kind auf der Schule hatte, die treibende Kraft.

Heute, genau 20 Jahre später, hat der Verein 65 Mitglieder und ist im Schulhaus recht oft präsent. „Wir sind an vielen Stellen der Ansprechpartner für Lehrer und Schüler“, sagt der heutige Vereinsvorsitzende Daniel Langhoff. Der 35-jährige Finanzwirt aus Wensickendorf steht seit etwa fünf Jahren an der Spitze des Vereins. „Man könnte auch sagen: Wir sind der Klebstoff an der Schule“, sagt er und lächelt. So kommt aus dessen Kasse das Geld für so manches Lehrmittel oder spezielle Veranstaltungen. Entsprechende Anträge können Schüler und Lehrer jederzeit stellen. „Bei uns sind die Aufgaben auf viele Schultern verteilt“, so Langhoff. „Wir entlasten die Eltern, die ansonsten noch viel öfter irgendwelche Aktionen organisieren müssten.“ Über den Förderverein werden auch finanzielle Transaktionen geleitet.

Ein- bis zweimal im Jahr treffen sich die Mitglieder zur Vereinssitzung. Dann beraten sie darüber, welche Klassen oder Gruppen für bestimmte Aktionen Geld bekommen. Auch sammeln sie die Vorschläge für den Louise-Henriette-Förderpreis, der jährlich an einen der Abiturienten vergeben wird. Die Vereinsmitglieder stimmen über den Preisträger ab. Christian Heinrich war im Jahre 1997 der erste Preisträger, der bislang letzte war im Juni 2014 Lukas Degenhardt. Auch Gruppen sind mit dem Preis schon geehrt worden.

Die Arbeit im Verein werde jedoch schwieriger. Die Mitglieder müssen ordentlich dafür trommeln, Zuwachs zu bekommen. „Viele Eltern wollen spenden, aber nicht Mitglied im Verein werden“, sagt Gritt Thiemrodt. Die Lehrerin ist die stellvertretende Vorsitzende des Vereins. Auch nur wenige ehemalige Schüler können sich zu einer Mitgliedschaft entscheiden. Was aber nicht heißt, dass der Verein akute finanzielle Probleme hat. Er ist Veranstalter der Frühlings- und Weihnachtskonzerte mit jeweils mehreren Hundert Besuchern.

Daniel Langhoff gehört zu den wenigen ehemaligen Schülern, die im Verein sind. Er machte 1998 am LHG sein Abitur. Dass er die Gruppe leitet, war sowohl ihm als auch seiner Stellvertreterin Gritt Thiemrodt, die ihn einst auch unterrichtet hat, eine Herzensangelegenheit. „Sie hat mich gefragt“, so Langhoff. „Es ist schön, wenn ein Ehemaliger diese Aufgabe übernimmt“, sagt die Lehrerin.

Kontakt: Mehr Infos gibt es unter www.LHG-Oranienburg.de/foerderverein. Die nächste Sitzung ist am 17. November ab 19 Uhr in der Schule.

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Kämmerin ist jetzt auch Vize-Bürgermeisterin

Donnerstag, den 16. Oktober 2014
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Kremmens Finanzfachfrau: Kathrin Schönrock aus Mühlenbeck

MAZ Oranienburg, 16.10.2014

KREMMEN
Stellvertretende Bürgermeisterin. Bisher ist es nur der Titel, die bloße Bezeichnung, die sich für Kathrin Schönrock geändert hat. Ende August ist sie zur Nachfolgerin von Birgit Neumann-Hannebauer gewählt worden. Die 39-Jährige vertritt Bürgermeister Klaus-Jürgen Sasse wenn er im Urlaub oder anderweitig verhindert ist. Bislang war das noch nicht nötig. “Bis jetzt bemerke ich noch keine Veränderung“, sagt sie und lächelt ein wenig.

Kathrin Schönrock hat aber auch so schon viel zu tun. Seit 2007 arbeitet sie in der Kremmener Verwaltung, seit 2010 ist sie die Kämmerin der Stadt und kümmert sich um dessen Finanzen. „Da kommen jeden Tag neue Herausforderungen“, sagt sie. Die Einführung des doppischen Haushalts hat die Mitarbeiter stark gefordert – und fordert sie immer noch. Zufrieden ist sie trotzdem: „Wir haben immer noch einen ausgeglichenen Haushalt.“ Kassenkredite müssten nur vorübergehend aufgenommen werden, „und wir haben viele soziale Leistungen und Wünsche erfüllt.“

Bald soll der Haushalt für 2015 beraten werden. „Da sieht es noch ganz gut aus.“ Damit das weiter so bleibt, die Zuschüsse alle weitergezahlt werden können, müsse aber bald über Steuererhöhungen nachgedacht werden. „Die Hundesteuer haben wir schon angepasst, die Grund- und Gewerbesteuer aber noch nicht.“ Die Wünsche seien aber jetzt schon größer als das, was finanziell machbar sei.

Morgens um 7 Uhr beginnt der Arbeitstag von Kathrin Schönrock in der Regel. Jeden Tag fährt sie aus Mühlenbeck, wo sie mit ihrer Familie lebt, nach Kremmen. Sie besuchte die Käthe-Kollwitz-Schule, machte am Hohen Neuendorfer Marie-Curie-Gymnasium ihr Abitur. In Berlin absolvierte sie eine Ausbildung bei einer Bank und arbeitete danach mehrere Jahre beim Finanzamt. „Danach bin ich aber leider nicht übernommen worden“, erzählt sie. Sie bewarb sich in der Kremmener Verwaltung.

Inzwischen liegt ihr die Stadt echt am Herzen. „Ich bin ja auch viel mehr als 40 Stunden in der Woche hier“, sagt sie. Ihr Schwiegervater stammt aus Staffelde, deshalb kannte sie die Gegend auch vorher schon. „Kremmen ist nicht meine Heimat, aber schon mehr als nur mein Arbeitsort.“
In ihrer Freizeit spielt der Fußball eine ganz entscheidende Rolle – wenn auch eher auf passive Weise. Ihre beiden Söhne, neun und 13 Jahre alt, spielen im Verein in Berlin. „Das Hobby nimmt mich gewissermaßen komplett ein“, sagt Kathrin Schönrock. „Ich begleite sie zu den Spielen.“ Sie hat, inklusive ihres Mannes, mit dem sie seit 14 Jahren verheiratet ist, drei Fußballer zu Hause, merkt sie an. „Da wird alles verfolgt, was läuft. Ich kenne mich inzwischen ganz gut aus.“ Zeit für andere Hobbys bleibt da kaum.

Im Büro im Kremmener Rathaus muss sie weiter Akten bearbeiten, bald soll der Haushalt 2015 vorgestellt werden. „Ansonsten warte ich ab, wann ich auch repräsentieren muss“, sagt sie. So ganz kann sie sich das noch nicht vorstellen, aber in die Aufgabe wird sie sicherlich noch reinwachsen.

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Kranichrekord im Rhinluch

Freitag, den 10. Oktober 2014
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Abends ist der Himmel schwarz. Die Tiere werden wohl noch eine Weile in der der Region bleiben.

MAZ Oranienburg, 10.10.2014

LINUMHORST
In der Nacht zu gestern war es besonders laut auf den Wiesen hinter Linumhorst. Kein Wunder: Im Rhinluch rasten momentan 117.550 Kraniche. Das jedenfalls ergaben Zählungen des Kremmener Landschaftsfördervereins Oberes Rhinluch. Eine besonders hohe Anzahl an Vögeln – ein einsamer Rekord. Schon als im vergangenen Jahr die 100.000er-Marke knapp erreicht worden war, galt das als Rekord.

„Was uns auffällt, ist, dass am Abend die Flugketten der Kraniche deutlich größer sind als früher“, sagt der in Linumhorst lebende Norbert Weißbach. „Die Formationen sind wesentlich breiter als sonst.“ Im Vergleich zur Vorwoche stieg die Zahl der Kraniche im Rhinluch, einem Gebiet zwischen Flatow, Linumhorst und Linum, um das Vierfache an. Wird noch das angrenzende Havelluch hinzugezählt, befinden sich sogar mehr als 130.000 Kraniche in der Region. Hinzu kommen zehntausende Gänse.

„In diesem Jahr ist alles ganz anders“, sagt Ekkehard Hinke. Der Hennigsdorfer ist seit vielen Jahren der Rastplatzbetreuer. Normalerweise geht die Zahl der Kraniche Mitte Oktober noch mal zurück, dann kommt eine zweite Welle. „Diesmal scheinen beide Wellen zusammen hier angekommen zu sein“, so Ekkehard Hinke. Die Wetterbedingungen für die Kraniche sind nach Ansicht des Rastplatzbetreuers besonders günstig. „Die wollen jetzt erst mal nicht weiterziehen. Wir müssen uns wohl noch eine Weile mit ihnen beschäftigen“, sagt er voraus. Dazu ist es noch zu warm und zu sonnig. „Der Absturz kommt erst, wenn Nordwest-Winde einsetzen. Dann könnte es sein, dass sie weiterziehen.“
Er glaubt, dass der Höhepunkt der Welle am kommenden Wochenende stattfindet. Jeden Dienstagmorgen ist Hinke mit einem Team von etwa 30 Leuten unterwegs, um die Vögel zu zählen. „Dazu umstellen wir das Rhinluch weiträumig“, erzählt er. „Wir zählen morgens, wenn die Kraniche ausfliegen. Abends ist das nicht möglich“, erklärt er weiter. „Man merkt beim abendlichen Einfliegen der Tiere, dass es mehr sind als sonst“, sagt Ekkehard Hinke. „Der Himmel ist schwarz.“

Aber nicht nur die Kraniche bevölkern die Region – auch die Menschen. „Vor allem am Wochenende sind hier viele Leute unterwegs“, sagt Gudrun Grimm aus Linumhorst. Während im 50-Seelen-Dorf sonst Ruhe herrscht, ist in diesen Tagen viel mehr los. „Am 3. Oktober, dem Feiertag, war das Maximum erreicht“, ergänzt Norbert Weißbach. „Wir haben schon viele Leute von den Feldern geholt“, erzählt Rastplatzbetreuer Ekkehard Hinke. Die Touristen wollen Nahaufnahmen von den Vögeln. „Damit werden sie aber aufgeschreckt.“ 100 Leute seien vernünftig, einer benehme sich daneben, so Hinke weiter. Vier bis fünf Leute sind im Rhinluchgebiet permanent unterwegs, um die Vögel und die Menschen zu beobachten, Schilder aufzustellen und Absperrbänder zu ziehen.

Ekkehard Hinke hofft unterdessen, dass es nicht sehr viel mehr Kraniche werden. „Wo es zu viele Tiere und Touristen gibt, herrscht auch größere Unruhe.“

Regeln für das Rastgebiet
Für Besucher des Rhinluches gelten bei der Kranichschau Regeln, die der Kremmener Landschaftsförderverein Oberes Rhinluch veröffentlichte.
Gäste sollten möglichst an einer organisierten Führung teilnehmen. Vor allem die markierten Wege und Aussichtspunkte sollen genutzt sowie Wegesperrungen und aktuelle Hinweise beachtet werden. Für Hunde gilt absoluter Leinenzwang. Büsche und Hecken können entlang der Wege als Deckung genutzt werden.
Fotografen sollten ihr Blitzlicht ausschalten. Gäste werden außerdem gebeten, abends mit Taschenlampen nicht nach oben zu leuchten.
Mehr Infos gibt es im Internet unter www.oberes-rhinluch.de.

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Frische Farbe für die Bilder in der Kirche

Freitag, den 10. Oktober 2014
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Ute Gimajew restauriert in Kremmen die 320 Jahre alten Werke

MAZ Oranienburg, 10.10.2014

KREMMEN
Sie sind 320 Jahre alt und schon ziemlich verblasst gewesen. Die Rede ist von den Bildern an der Empore und der Kanzel in der Kremmener Nikolaikirche. Die Diplom-Restauratorin Ute Gimajew aus Rheinsberg ist schon seit dem Sommer dabei, die Bilder wieder aufzuhübschen.

„Am Anfang haben wir erst einmal eine Bestandaufnahme gemacht“, erzählte sie gestern. „Der Zustand der Bilder ist recht unterschiedlich.“ Einige der 1680 entstandenen Bilder hatten Streifen darin, dort fehlte die Farbe. An anderen Stellen waren die Ränder beschädigt. „Der Holzwurmbefall hielt sich aber in Grenzen“, so Ute Gimajew weiter.
Zwölf der Bilder sind bereits restauriert, dabei handelt es sich um die Werke an der Empore. Darauf zu sehen ist der Apostelchor. Momentan arbeitet die Restauratorin an den Kanzelbildern. Die abblätternde Farbe muss wieder befestigt werden, dazu kommt neues Bindemittel. Die fehlende Farbe grundiert sie nach, an den Fehlstellen muss sie retuschiert werden. „Man sollte Farbe nehmen, die man bei Bedarf auch wieder entfernen kann“, sagt die Rheinsbergerin.

Drei Tage in der Woche kommt sie nach Kremmen und arbeitet an den Bildern. Dafür wird sie noch eine Weile brauchen. Falls es zu kalt wird, muss sie die Arbeiten einstellen – „wenn die Farbe im Pinsel stockt“, wie sie sagt.
Am bemerkenswerten an den Bildern findet sie „die Porträtähnlichkeit der Herrschaften.“ Die Männer auf den Bildern an der Empore würden weniger wie Apostel, sondern eher wie Ratsherren aussehen. „Die Gesichter sind sehr unterschiedlich, und die Kleidung ist auch nicht typisch wie bei Aposteln“, ergänzt Matthias Dill von der Kremmener Kirchengemeinde.

Ute Gimajews Arbeitsplatz ist ruhig – aber nicht immer. „Die Kirche ist ja offen“, sagt Matthias Dill. Die Kremmener Kirche gehört zu den wenigen in der Region, die tatsächlich jeden Tag zugänglich ist. „Mich stört es nicht, wenn Leute reinkommen“, ergänzt Ute Gimajew. „Ab und zu kommen Touristen und fragen, was ich mache, oder jemand spielt zwischendurch auf der Orgel. Letztlich ist es gar nicht so ruhig.“

Für die Restaurierung der Bilder zahlt die Kirchengemeinde einen höheren vierstelligen Betrag. Das Geld kommt unter anderen von Gemeindemitgliedern. Das Filmorchester Babelsberg hat zudem seine kompletten Einnahmen des Konzertes in Kremmen zur Verfügung gestellt.

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Als die Tagesschau über die Dorfneuigkeiten berichtete

Mittwoch, den 8. Oktober 2014
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Auffällig viele Autos im Ort: Die Bewohner in Schwante haben aber von der SDP-Gründung erst hinterher erfahren – aus dem Westfernsehen.

MAZ Oranienburg, 8.10.2014

SCHWANTE
Alle im Dorf wussten, dass was los ist. Allerdings wussten sie nicht was. „Wir konnten nur erahnen, dass da was vor sich geht“, erinnert sich Dieter Blumberg. Der Schwantener, der heute ehrenamtlich die Schmiede im Dorfkern betreibt, erinnert sich noch recht genau an den 7. Oktober 1989. Es war der Tag, als in Schwante die Sozialdemokratische Partei der DDR gegründet wurde, die SDP. „Wir Leute aus dem Dorf waren da aber nicht involviert“, sagt Dieter Blumberg. Für sie war zunächst der 40.DDR-Republik-Geburtstag vordergründig. Doch die Festumzüge fanden woanders statt. „Große Feiern im Dorf gab es nicht“, so Blumberg. Die wurden eher im zehn Kilometer entfernten Oranienburg abgehalten – und natürlich in Berlin.

An diesem 7. Oktober aber waren ungewöhnlich viele Autos im Dorf unterwegs. Aber nicht nur das: „Dann gab es noch die Autos, die mal hier, mal dort standen und auf irgendwas warteten, das war schon sehr auffällig“, so Blumberg weiter. Auch ungewöhnlich viel Polizei sei in Schwante an diesem Tag unterwegs gewesen.
Es begann das große Getuschel. Der Andrang richtete sich aufs Pfarrhaus, das war auch den Schwantenern klar. „In Leipzig gab es zu der Zeit ja schon Demonstrationen gegen das SED-Regime, und wir dachten damals, dass die Aktionen jetzt auch auf unsere Region überschwappen“, erzählt Dieter Blumberg. Die Dorfbewohner trauten dem damaligen Pfarrer Joachim Kähler zu, dass er mit im Spiel ist. „Er war immer ein Gegner des Regimes und hat das in seinen Predigten auf wunderbare Weise zum Ausdruck gebracht.“

Und in der Tat, Joachim Kähler hatte die Aktion mit vorbereitet. Er kannte die Pfarrerskollegen Markus Meckel und Martin Gutzeit schon länger. Letzterer lebte in Marwitz, und da war der Vorschlag, die SDP-Gründung in Kählers Pfarrhaus in Schwante zu vollziehen, sehr willkommen. „Ich habe ihnen diesen Ort angeboten“, erzählt Joachim Kähler, der inzwischen Pfarrer in Stendal (Sachsen-Anhalt) ist. Natürlich blieb die geheime Aktion aber nicht geheim – jedenfalls nicht gegenüber der Staatssicherheit. Es seien merkwürdige Autos im Ort unterwegs gewesen. „Die Stasi hat uns von der Ortsbibliothek auf der anderen Straßenseite aus beobachtet“, erzählt Kähler. Dass Gründungsmitglied Ibrahim Böhme selbst bei der Stasi war, das wusste zu diesem Zeitpunkt noch niemand.

Einen Tag danach, am 8. Oktober 1989, berichtete das Westfernsehen von der SDP-Gründung in Schwante, Kreis Oranienburg. Die Nachricht und die Bilder sind an ein ARD-Team weitergereicht worden. „Ich habe es aus der Tagesschau erfahren“, erzählt Karsten Peter Schröder. „Das hat sich wie ein Strohfeuer verbreitet“, so der Bärenklauer. „Mich hat das damals tief bewegt.“ Und nicht nur das. Im Januar 1990 gründete Schröder den Bärenklauer SDP-Ortsverein mit 23 Mitgliedern. Noch heute ist er in der Oberhavel- und Oberkrämer-SPD sehr aktiv. Was am 7.Oktober 1989 in Schwante begann, war für ihn eine Initialzündung.

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Sechs Monate Abenteuer unter dem südlichen Wendekreis

Montag, den 6. Oktober 2014
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Torsten Weigel (25) aus Oranienburg startet in zwei Wochen die Tour seines Lebens

MAZ Oranienburg, 6.10.2014

ORANIENBURG
Los geht’s in Windhoek. Weihnachten in Sydney. Frühjahr in Südamerika. Torsten Weigel erfüllt sich einen Lebenstraum. Der 25-Jährige aus Oranienburg tourt für ein halbes Jahr durch drei Kontinente unterhalb des südlichen Wendekreises.
Am 20. Oktober beginnt das Abenteuer mit dem Flug von Frankfurt/Main nach Namibia. Allerdings wird es keine reine Spaßreise. „Ich habe mich entschieden, das als Projekt zu machen“, sagt Torsten. Wir alle haben die Möglichkeit, ihn im Internet dabei zu begleiten. Auf seiner Seite www.weigelontour.com wird er regelmäßig schreiben und Fotos hochladen. Jeden Monat berichtet er außerdem für die Internetseite des Magazins „National Geographic“.

Die Vorbereitungen dafür laufen seit mehr als einem Jahr. Reiseroute festlegen. Sponsoren und Partner suchen. Recherchen über die einzelnen Länder, die er bereist. Und natürlich: Flüge buchen.
Die meiste Zeit, etwa 70 Prozent der Tour, wird Torsten Weigel alleine unterwegs sein. „Für riskante Punkte werde ich aber Begleiter haben, zum Beispiel bei der Wanderung durch Südafrika.“ Auch das Bergwandern birgt Gefahren, die er besser nicht alleine bewältigen will. Für die 1700-Kilometer-Abschlussetappe mit dem Rad quer durch Südamerika, vom Pazifik zum Atlantik, kommt ein Freund dazu, um ihn dabei zu begleiten.
Torsten wird wandern, Rad fahren, mit einem Jeep unterwegs sein, in Australien mit dem Kajak paddeln und natürlich mit dem Flugzeug reisen. Sein Gepäck wiegt etwa 23 Kilo. Er ist schon oft auf Reisen gewesen, deshalb ist das Packen für ihn kein Problem.
In den verschiedenen Ländern will der 25-Jährige auf die Ortsansässigen zugehen, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Er weiß, dass viele der Regionen von rauen Klimaten geprägt sind. Er will rausfinden, wie diese äußeren Bedingungen, zusammen mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, das Leben der Menschen beeinflussen? „Ihre Ziele, Ängste, Hoffnungen und täglichen Herausforderungen – ich bin mir sicher, dass ich spannende Geschichten zu hören bekomme“, sagt der Oranienburger. Schon im Vorfeld hat er sich intensiv mit den Ländern beschäftigt. „Aber ich weiß, dass trotzdem Pannen passieren werden, aber um so besser ich vorbereitet bin, desto besser komme ich damit auch klar.“

Neu sind diese Überlegungen für ihn aber nicht. Er war schon in Neuseeland auf Tour und hat einen 6000er-Berg in Südamerika bezwungen. Fit ist er sowieso. Torsten Weigel ist Triathlet, seit einem Jahr spielt er Handball, acht Jahre lang war er beim Judo aktiv.Gerade hat er seine Bachelorarbeit über die Bedingungen des Harz-Triathlons fertiggestellt. Wenn er wieder von seiner Tour zurückkommt, möchte er als Journalist arbeiten. Für die MAZ in Oranienburg schreibt er seit Jahren als freier Mitarbeiter.
Jetzt aber erst mal das große Abenteuer. Angst? „Eher ein gesunder Respekt“, sagt er. „Eine Portion Demut, ich werde unterwegs versuchen, auf dem Teppich zu bleiben.“ Aber Zeit, durchzuatmen, zu genießen und auszuruhen, die wird unterwegs sicherlich auch sein.