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In der Zeitung erschienen

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Mehrheit stimmt für Umbau des Schulhofes

Samstag, den 23. Mai 2015
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Harte Debatte in Kremmen über die Zukunft des Bildungsstandortes

MAZ Oranienburg, 23.5.2015

KREMMEN
Der von Bürgermeister Klaus-Jürgen Sasse (SPD) verhängte Haushaltsstopp für den geplanten Umbau des Hofes der Goetheschule sorgte am Donnerstagabend in der Stadtverordnetenversammlung – vorsichtig ausgedrückt – für Gesprächsstoff.
Mit großer Mehrheit haben sich die Stadtverordneten nach einer insgesamt mehr als zweistündigen Debatte rund um die Zukunft der Schule dafür ausgesprochen, den Hofumbau wieder auf die Agenda zu setzen. Klaus-Jürgen Sasse stimmte gegen den Antrag der Fraktion Die Linke/Bürger für Bürger/Koop. Frank Bommert (CDU), Peter Winkler, Margitta Ganschow, Detlef Reckin (alle SPD) und Gerhard Mittelstädt (Bürgergemeinschaft Groß-Ziethen) enthielten sich in der namentlichen Abstimmung.

Dass er einen Haushaltsstopp in Sachen Schulhof verhängt hatte, begründete Bürgermeister Sasse mit der unklaren Situation. Wie berichtet, überlegt die Hennigsdorfer Stadtverwaltung, die Oberschulen von kommunaler Verwaltung an den Landkreis abzugeben. Wegen der zu zahlenden Kreisumlage müssten sich alle Oberhavel-Kommunen, die Oberschulen betreiben, anschließen – so auch Kremmen. Wie Kreissozialdezernent Ludger Weskamp (SPD) sagte, sei das frühestens zum 1. Januar 2017 möglich.
Dann jedoch wäre unklar, wie die Stadt Kremmen mit der Grundschule umgeht – sie befindet sich im selben Haus wie die Oberschule. Eine Unterscheidung in Sachen Buchhaltung, Finanzen und Raumgestaltung sei da schwierig, so Sasse. Stattdessen könne die jetzige Goethe-Grundschule aufgelöst werden. Dann gäbe es eine Oberschule mit Grundschulteil. Möglich sei auch, dass sich die Gundschule in Beetz anschließe und eine Filiale der Kremmener Schule bilde. „Es könnte ein besserer Lehreraustausch zwischen Grund- und Oberschule stattfinden“, so der Bürgermeister. Das Vorbild wäre die Löwenberger Libertasschule.

Elke Schwabe, die Leiterin der Oberschule, sagte: „Das ist ein Schnellschuss. Mit uns hat vorher niemand geredet.“ Sie erinnerte daran, dass Anfang der 90er der umgekehrte Weg gegangen sei, damals sind die Einrichtungen getrennt worden.
Die Stadtverordneten stimmten mit großer Mehrheit dafür, dass sich die Verwaltung dieses Themas annehmen und alle notwendigen und bildungspolitischen Stellungnahmen zu diesem Schritt einholen soll. Das Thema wird in Kremmen somit in den kommenden Monaten weiter für Diskussionen sorgen. Bürgermeister Sasse stellte jedoch klar, dass er nicht dafür plädiere, die Oberschule an den Landkreis abzugeben. „Das ist ein längerer Weg“, sagte Reiner Tietz (Linke). Er sei nicht in einem halben Jahr und einer Stadtverordnetenversammlung zu machen. Eckhard Koop (parteilos) appellierte an den Landkreis, die finanziell klamme Stadt Hennigsdorf in Sachen Oberschule zu unterstützen: „Helfen Sie Hennigsdorf, dann helfen Sie uns.“

Die meisten Zuhörer im überfüllten Zuschauerraum des Rathaussaals wollten aber auch wissen, was denn nun aus dem Schulhof wird. Lehrerin Sabine Napiralla erinnerte an den Protestbrief, den die Goethe-Grundschüler verfasst haben. Laut Bürgermeister Sasse müssten die Umbaupläne sowieso neu besprochen werden, auch müsse das Parkplatzproblem an der Stadtparkhalle geklärt werden. Nachdem sich die Fraktion Linke/BfB/Koop mit ihrer Beschlussvorlage durchgesetzt hatte, wird der Hofumbau demnächst in den Ausschüssen weiterdiskutiert.

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Razi lässt sich auf Youtube beim Spielen zusehen

Dienstag, den 19. Mai 2015
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Kay Schmidt (28) aus Oranienburg betreibt mit Freunden die Seite „Dickermannfilme“

MAZ Oranienburg, 19.5.2015

ORANIENBURG
Momentan testet Kay Schmidt das Spiel „Outlast Whistleblower“. Darin geht es um einen Mann, der in einer Nervenheilanstalt ein Experiment durchführt. Der Geist der Menschen wird angegriffen und die Insassen drehen langsam alle durch. Klingt nach Mord und Totschlag. Und ist es irgendwie auch.
Wenn Kay Schmidt auf dem Computer spielt, können wir alle dabei sein – bei Youtube im Internet. Der 28-jährige Oranienburger nennt sich Razi und betreibt mit drei Freunden den Youtube-Kanal „Dickermannfilme“. Dort testen sie alle möglichen Computerspiele und kommentieren sie auch. Mehr als 1000 Videos sind seit Februar 2014 entstanden. Die Zahl mit Abonnenten ist mit 90 allerdings noch überschaubar, auch die Klickzahlen der einzelnen Videos. „Es dauert immer ein bisschen, bis das wirklich anläuft“, sagt Kay.

Horror- und Rollenspiele mag Kay am liebsten. „Wobei ich ein wirkliches Lieblingsspiel nicht habe, dazu ist die Vielfalt viel zu groß“, sagt er. Er empfiehlt allerdings immer wieder gern „Deadpool“, eine Figur aus dem Marvel-Universum. „Das ist ein Mutant, der die Idee hat, ein Spiel zu entwickeln. Man spielt quasi die Entstehung eines Spiels nach.“
Wenn er sich mit Horrorspielen beschäftigt, dann macht er es sich ganz dunkel im Raum, eine Kammer unter dem Dach eines Hauses in der Oranienburger Neustadt. Nur die Kamera bekommt Licht, damit er selbst in den Videos zu sehen ist. Denn der Youtube-Zuschauer sieht nicht nur, was Kay im Spiel so treibt, sondern man kann ihm dabei auch ins Gesicht sehen. „Das ist bei Horrorspielen manchmal natürlich besonders lustig.“

„Let’s play …“ lautet das Motto der Spielevideos – ganz nach dem Vorbild großer Youtuber, die schon mal hunderttausende Abonnenten haben. Gronkh, einer der bekanntesten in der Sparte, hat sogar 3,6 Millionen Verfolger. „Wir haben aber noch andere Ideen“, sagt Kay. In „Let’s talk about“ gibt es kleine Diskussionsrunden, da geht es dann zum Beispiel um Vorurteile oder Animés. Die Buchstaben LTWS stehen vor fast jedem Titel. Heißt: Let’s tu was Sinnvolles. Unter dem Motto „Let’s geh mal raus“ gibt es auch Filme von Konzertbesuchen oder von den Oranjegames in Oranienburg. Auch Kochvideos sind auf der Seite zu finden.

Kays Mitstreiter sind in ganz Deutschland verteilt. Wulfi (20) wohnt in Thüringen, Cora (28) in Wesendorf in Niedersachsen. Der Webmaster nennt sich Major Metal (27), von ihm weiß Kay nicht, wie er wirklich heißt. Er schmunzelt: „Ist auch nicht so wichtig.“

Der Oranienburger machte seinen 10. Klasse-Abschluss an der Gesamtschule Sachsenhausen, danach folgte eine Lehrer als Spezialtiefbauer, er war unter anderen für die
Bahn im Einsatz. „Wir haben Bohrlöcher mit Beton aufgefüllt“, erzählt er. Momentan ist er arbeitslos und sucht die Jobseiten im Internet durch. Er sitzt aber nicht nur am Rechner. „Ich höre auch viel Musik, am liebsten Metal, Gothic und Mittelalterliches.“ Er beschäftigt sich außerdem mit Modellbau.
Sein Ziel auf Youtube: „Die Menschen unterhalten.“ Und sein Traum: „Irgendwann mal so erfolgreich sein wie Gronkh.“ Denn dann könne man mit solchen Videos sogar Geld verdienen.

Im Internet: www.youtube.com/dickermannfilme

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Schlechten Menschen geht es immer gut

Mittwoch, den 13. Mai 2015
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Die Comedyshow mit Ausbilder Schmidt in Kremmen war schon lange ausverkauft

MAZ Oranienburg, 13.5.2015

KREMMEN
Ausbilder Schmidt geht gleich in die Vollen. „Hast du gedient?“, fragt er Karsten, der direkt vor ihm in der ersten Reihe sitzt. „Nein“, antwortet der. „Dann bist du das ideale Opfer.“ Da gibt es gleich den ersten Lacher für den Comedian.

Ausbilder Schmidt war am Montagabend mit seinem Programm „Schlechten Menschen geht es immer gut“ zu Gast im Kremmener Theater „Tiefste Provinz“. Die Show war seit Wochen ausverkauft.
Seit 1999 tourt Holger Müller (46) als Ausbilder Schmidt durch die Lande. In seiner leicht verwaschenen Soldatenuniform mit rotem Barrett heizt er seinen Zuschauern ein (Er: „Tag, ihr Pappnasen!“ Publikum: „Tag, du Sack!“).
Mit den Kremmener Gästen war er am Montag ausgesprochen zufrieden. „Im Emsland hatte ich ein furchtbar hässliches Publikum“, erzählte er. Ins Scheunenviertel sei er mit seinem Panzer gekommen. Der Vorteil sei, dass er bei Stau auf der Autobahn damit einfach drüber fahren könne.

Bei der Bundeswehr ist der Ton ja gern mal rauer, dementsprechend auch die Gags: „Mathe ist wie Holland, da muss man durch.“ Oder: „Was haben Frankreich und Aspirin gemeinsam? Beides ist leicht einzunehmen.“ Wobei Ausbilder Schmidt auch merkt, dass sich die Zeiten ändern. Immerhin ist Ursula von der Leyen, seine aktuelle Chefin, eine Mutter von sieben Kindern. „Jetzt sind wir ein politisch korrektes Land.“ Und ziemlich verweichlicht, findet der Ausbilder. Männer sind verweichlicht, schon die Kitakinder sind verweichlicht, und überhaupt: Die ganze Welt verweichlicht. Die Mission des Ausbilders: „Ellenbogen raus! Überrasche deine Mitmenschen mit einer Boshaftigkeit. Auch ein schlechter Mensch hat eine Verantwortung in der Gesellschaft.“

Die gut zweistündige Show kam beim Publikum in der „Tiefsten Provinz“ sehr gut an. Das Gelächter in dem kleinen Theater war an vielen Stellen groß, der Applaus heftig. Der Ausbilder hatte seine Gäste aber auch gut im Griff. Als es zum Ende der Pause zu großen Teilen immer noch draußen vor der Tür stand, kam er persönlich raus und rief per Megafon das Ende der Unterbrechung aus. Am Eingang des Theaters empfing der die Gäste zum zweiten Teil („Mit den Schuhen darfst du hier eigentlich nicht rein!“).
Die Zuschauer durften ihm auf Zetteln sogar Fragen stellen: „Lieber Ausbilder, kannst du bei deiner Heimreise mit dem Panzer noch zwei Schuss auf Neuruppin abgeben?“, stand auf einem. „Neuruppin? Klingt wie ein Düngemittel!“, so des Ausbilders Kommentar. Bis Redaktionsschluss sind aus Neuruppin allerdings noch keine Schäden gemeldet worden

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Mit Fotoapparat und Klemmbrett die Innenstadt abgeklappert

Dienstag, den 28. April 2015
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Für Google Maps hat Maximilian Schmidt (22) Geschäfte in der Oranienburger City ins Bild gesetzt

MAZ Oranienburg, 28.4.2015

ORANIENBURG
Maximilian Schmidt ist neuerdings ein echter Kenner der Oranienburger Innenstadt. Der 22-jährige Fürstenberger hat nämlich etwa 120 Läden fotografiert. Das aber nicht aus reinem Spaß an der Freude. Sondern, um sie im Internet bekannter zu machen.
Sechs Wochen lang absolvierte er ein Praktikum bei der Werbeagentur „Chicken on Speed“ in der Stralsunder Straße in Oranienburg. Sein Hauptprojekt nannte sich „City 100“. Dabei ging es darum, 100 Geschäfte (am Ende waren es ein paar mehr) ins Bild zu setzen und die Fotos bei Google Maps im Internet hochzuladen. „Das ist für die Leute, die hier noch nie waren, oder wissen möchten, wie das Geschäft aussieht, wonach sie gerade gesucht haben“, erklärt er.

Zwei Tage lang war er in Oranienburg unterwegs: entlang der Stralsunder Straße, Schul- und Mittelstraße, Bernauer und Lehnitzstraße, am Schloss vorbei zur Breiten Straße und zum Bötzower Platz. „Wir haben uns auf die Innenstadt beschränkt“, sagt er. Mit Fotoapparat und Klemmbrett lief er durch die Stadt – und fiel auf. „Meistens bin ich auch in die Läden rein, um Bescheid zu sagen“, sagt Maximilian. „Manche kamen auch gleich raus.“ Wenn er dann erklärt hat, worum es bei dem Projekt geht, haben es die meisten auch verstanden. „Einige kannten Google Maps aber gar nicht“, so der Fürstenberger. Auch musste er ab und zu erklären, dass er die Läden von außen auch ohne zu fragen rein rechtlich fotografieren darf.

Nachdem er zwei Tage lang in Oranienburg unterwegs war, setzte er sich im Büro der Werbeagentur an den Computer, um alles zu bearbeiten. Wer bei Google Fotos hochlädt, kann dazu den passenden Standort eingeben und die Läden so noch besser markieren. Im Idealfall erscheint, wenn sich Nutzer auf der Google-Maps-Seite im Oranienburger Stadtgebiet umschauen oder speziell den Namen eines Geschäfts eingeben, dann auch die Bilder der dort befindlichen Läden. „Das waren ziemlich viele Geschäfte“, sagt Maximilian und lächelt. „Ich habe immer gedacht, dass die Stadt, was die Läden angeht, recht klein ist.“

Maximilian Schmidt geht auf das Hennigsdorfer Eduard-Maurer-Oberstufenzentrum. Sein Bildungsgang: gestaltungstechnischer Assistent. „Es geht zum Beispiel um Gestaltung, Werbung und Videoschnitt“, so der 22-Jährige. Innerhalb dessen musste er sich einen Praktikumsplatz suchen. „So sollen wir auf das Berufsleben vorbereitet werden.“ Seinem Chef René Tausch war es wichtig, ihm auch eine sinnvolle Aufgabe zu geben. „Es ist immer gut, so ein Praktikum mit etwas Handfestem abzuschließen“, sagt er. „Praktikanten sollen schließlich nicht nur Kaffee kochen“, ergänzt er mit einem Augenzwinkern.
Maximilian kann sich vorstellen, als Mediengestalter zu arbeiten. Bald stehen erst mal die Prüfungen für das Fach-Abi an. Vielleicht gründet er mal sein eigenes Label für Textildesign. „Beim Praktikum habe ich auf jeden Fall schon mal ein bisschen Routine mitbekommen“, sagt er. Und wenn er in Zukunft auf Google Maps nachschaut, wird er immer wieder auf seine Fotos stoßen.

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Die nächste Tour führt auf den Berg

Montag, den 20. April 2015
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Sechs Monate lang war Torsten Weigel (26) unterhalb des südlichen Wendekreises unterwegs. Im Kopf plant er schon weiter.

MAZ Oranienburg, 20.4.2015

ORANIENBURG
Heimweh? Torsten Weigel schüttelt den Kopf. „Gab’s eigentlich nicht“, sagt der 26-jährige Oranienburger. Fünfeinhalb Monate war er unterhalb des südlichen Wendekreises unterwegs: Namibia. Südafrika. Lesotho. Australien. Chile. Argentinien.
Gut ein Jahr lang plante er intensiv seine Tour, im Internet konnte ihn jeder dabei begleiten. Er schrieb, fotografierte, filmte und stellte alles ins Netz. „Ich war sehr neugierig, ob und wie das funktioniert“, erzählt er. „Ich habe gutes Feedback bekommen, und es war eine schöne Gewissheit zu wissen: Die Leute sind dabei.“

In 88 Blogeinträgen kann die Reise auf WeigelonTour.com nachverfolgt werden, auch hier, auf der „Willi“-Seite gab es in den vergangenen Monaten immer wieder mal Updates. „Meine Leitlinien waren körperliche Extreme und der Kontakt mit den Menschen vor Ort.“ Beides habe sehr gut funktioniert. Ein Extrem: die Hitze. In Westaustralien herrschten schon mal 47 Grad. „Eine scharfe Luft, kaum beschreibbar. Über 40 Grad tut jeder Grad mehr richtig weh.“
Er hat viel erlebt: die endlose Weite der namibischen Wüsten, eine Kletteraktion auf der Spitzkoppe. In Südafrika musste er mit dem Geländewagen rückwärts den Sanipass rauffahren. „Vorwärts kamen wir nicht hoch.“ Das Video davon brachte die meisten Klicks im Internet.

In Westaustralien, auf den langen, sehr langen Autofahrten, war dann Zeit, nachzudenken. „Viel fahren, viel schwitzen, viel denken über Gott und die Welt.“ Schneller als Tempo 80 konnte er nicht fahren, sein Auto verbrauchte viel Benzin und Tankstellen gab es nur wenige. „Zwischendurch kommt sieben Stunden lang einfach mal nichts.“
Weihnachten verbrachte er in Sydney. „Es war anders, aber auch schön.“ Das Fest feierte er am Strand mit einer Gruppe Kanadier, die er dort kennengelernt hatte. „Erstaunlicherweise hatte ich auch da kaum Heimweh.“
In Tasmanien hat er sich regelrecht verliebt. „Das ist ein Fleck, der mich sehr fasziniert hat“, sagt er. Herzliche Menschen, eine atemberaubende Natur. Er nahm an einer Seekajak-Expedition in den unerschlossenen Südwestenteil. Auch Patagonien hat es ihm angetan. Die Landschaft in Chile habe ihn gefangen genommen.

Die Abschlussradtour führte ihn 1500 Kilometer lang vom Pazifik zum Atlantik. „Das ist nicht sehr viel, aber die Straßenverhältnisse sind oft schlecht.“Wenn plötzlich die Nationalstraße zum Schotterweg wird, kann das für Radler ganz schön anstrengend sein. Auch viele Städte hat er gesehen. Viel Zeit hatte er für sie aber nicht. „Das ist wirklich schade, aber die Städte waren meine Volltankpunkte.“ Zeit zum Schreiben, Fotos sortieren und zum Organisieren. „Das ist der Preis dafür, dass es kein Urlaub war, sondern ein Projekt.“ So schrieb er auch mehrere Artikel für „National Geographic“ über seine Tour.
Toll seien die vielen Begegnungen mit den Menschen gewesen: „Auf der Radtour sind wir oft angesprochen worden.“ Die Leute auf dem Land seien meist herzlicher gewesen als die in den Städten. „Wenn wir über einen Pass fuhren, dann hupten die Autos schon mal, und ich wurde angefeuert.“

Zwei Wochen ist er nun schon wieder zu Hause. Bald will er Vorträge über seine Tour halten, vielleicht wird es auch ein Buch dazu geben – und ganz sicher bald eine neue Tour. „Es könnte ein Bergprojekt irgendwo im östlichen Raum werden“, sagt Torsten Weigel. Er kann sich vorstellen, einen 7000er-Berg zu besteigen, vielleicht im Tian-Shan-Gebirge. Noch ist das aber Zukunftsmusik. Nun wird er erst mal versuchen, als Reise- und Wissenschaftsjournalist Fuß zu fassen.

Internet: Mehr Infos gibt es auf www.weigelontour.com.

*
Zahlen und Fakten
Auf seiner Internetseite „Weigel on Tour“ veröffentlichte Torsten Weigel bis jetzt 88 Blogtexte, 472 Fotos, 495 kurze Updates und Infografiken. Hinzu kamen diverse Videos. Insgesamt machte er mehr als 10 000 FotosDie Seite wird es auch weiter geben, für ihn ist diese Tour der Einstieg in den Beruf als freier Reisejournalist.
Er absolvierte 20 Flüge, war etwa 10 000 Kilometer mit Mietwagen unterwegs sowie etwa 2000 Kilometer mit dem Rad.
Die Reise begann am 20. Oktober 2014 in Namibia. Weiter ging es mit Südafrika und Lesotho, Westaustralien und Tasmanien. Dann folgte Chile und schließlich ging es mit dem Rad vom Pazifik zum Atlantik, nach Argentinien. Am Karfreitag kehrte Torsten zurück.

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Die schärfsten Schlitten vor der Linse

Montag, den 23. März 2015
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Jenny Crämer (25) aus Velten setzt Autos für ihre Bilder in Szene

MAZ Oranienburg, 23.3.2015

VELTEN
Eine besondere Lackierung. Auffällige Felgen. Spezielle Teile. Jenny Crämer hat den speziellen Blick für Autos – um sie für ihre Fotos in Szene zu setzen.
Seit Oktober 2013 betreibt die 25-Jährige aus Velten ihre Facebookseite „J.C. Photographixxx“, bis heute hat sie schon fast 10 000 Fans im sozialen Netzwerk. „Und das aus reinem Herzblut, es ist mein Hobby“, sagt sie. Jenny verdient damit kein Geld, und will es auch nicht. Vorerst.

Aber inzwischen kommen nicht nur Freunde zu ihr. Auch Fans der Seite und manchmal auch Unternehmen kontaktieren sie, damit sie Autos fotografieren kann. „Die meisten Leute stecken viel Herzblut in ihr Auto“, sagt sie. „Das versuche ich, für die Fotos umzusetzen.“ Die passende Location ist dabei immer besonders wichtig. Der Hafen ist Velten bietet eine gute Kulisse, aber auch in Neuruppin war sie schon unterwegs, bei Oldtimerschauen in Paaren im Glien oder in Marwitz – eigentlich überall in der Region.
Der richtige Winkel, die perfekte Sonneneinstrahlung, ein schöner Hintergrund. Und natürlich auch Details. Darauf kommt es ihr besonders an.

Ab April hat sie regelmäßig Shootings. „Meistens am Wochenende“, erzählt Jenny. Eigentlich ist sie gelernte Bäckerin, momentan stehen aber ihre beiden Kinder ganz oben auf der Tagesordnung. Zu ihrem Hobby kam sie gewissermaßen schleichend. „Ich bin seit 2008 regelmäßig auf Tuningtreffen dabei“, erzählt sie. Dort hat sie oft Bilder gemacht – zunächst für sich. Sie postete sie später auch auf Facebook. „Irgendwann haben sich dann Leute bei mir gemeldet, sie wollten von mir ihre Autos fotografiert haben.“
Audi und VW sind ihre Lieblingsmarken, sie fotografiert aber natürlich alle Marken. „Das gibt es keine No-gos“, sagt sie und lächelt. „Das ist ja eh immer eine Sache des Geschmacks.“
Ihr Traum ist es, Fotos in renommierten Autozeitschriften gedruckt zu sehen. Im Berliner Turbozentrum hängt allerdings schon jetzt ein Foto von ihr. „Da ist man dann schon stolz.“ Ob sie aus ihrem Hobby doch auch mal einen richtigen Beruf macht – da hadert sie mit sich. „Ja, das Potenzial wäre da“, gibt sie zu. Aber noch traue sie sich nicht. Noch!

Internet: Die Fotos auf Facebook: „JC-Photographixxx“

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Exelents erstes Soloalbum: Ein Rap-Nerd und Essfanatiker

Montag, den 9. März 2015
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„Sandwich“: Markus Klar aus Hennigsdorf bietet seine Songs kostenlos zum Download an

MAZ Oranienburg, 9.3.2015

HENNIGSDORF
Er ist Essfanatiker, sagt er. Deshalb kommt das Essen in den Songs von Exelent auch so oft vor. „Sandwich“ heißt das erste Soloalbum, das Ende Februar erschienen ist und kostenlos runtergeladen werden kann.

Hinter Exelent verbirgt sich Markus Klar. Der 26-Jährige aus Hennigsdorf macht seit elf Jahren Hip-Hop-Musik und gehört zum harten Kern der stadtweit bekannten Band „Gruppenzwang“. „So ein Soloalbum gehört zur eigenen Entwicklung dazu“, sagt er. Das sei vergleichbar mit einer Diplomarbeit im Studium. „Man sieht, wo man musikalisch steht.“ Mit Freunden und Bekannten konnte er recht preiswert produzieren, es steckt – neben all der Mühe und dem Fleiß – trotzdem eine Menge Geld darin. Das Album trägt den Namen „Sandwich“, was gleich mehrere Bedeutungen hat.

Womit wir wieder beim Essen wären. Exelent liebt es, Assoziationen und Wortschöpfungen rund um das Essen zu erfinden. Das Sandwich steht aber auch für eine Sexposition. Markus lächelt: „Im Hip Hop ist der Sex sehr stark in den Songs vertreten. Hip Hop sei männerlastig, aber nicht frauenfeindlich, sagt er. Ein anderer Track auf dem Album heißt „Bratwurstsong“. Dass es darin zwar um den Hunger geht, aber nicht zwingend ums Essen, dürfte an der Stelle kaum überraschen. Exelent redet gern über das, was er in der Hose hat. „Über Sex zu reden ist neutraler, als über Gefühle zu sprechen“, sagt er. „Das ist viel tiefgründiger und vielschichtiger.“
Nicht umsonst ist „B“ der intimste Song auf dem Album. Darin geht es um den in Hennigsdorf bei einem Verkehrsunfall verstorbenen Gruppenzwang-Bandkameraden. Einen persönlicheren Song habe er bislang noch nicht veröffentlicht, sagt Markus alias Exelent.

Er bezeichnet sich als Freak, als schizophren. „Ich liebe es, mich mit der Musik komplett auszuleben“, erzählt er. „Den ganzen Tag muss ich diese Seite komplett unterdrücken.“ Er arbeitet in Hamburg in einem Vertrieb für Großgeräte. „Dort weiß man gar nicht, was ich hier so treibe“, sagt er und lächelt. Mit seiner Freundin ist er vor einiger Zeit nach Hamburg gezogen. Hennigsdorf aber bleibe sein Lebensmittelpunkt. „Ich werde auch irgendwann wieder hierher ziehen.“ Oft kommt er hierher zu Besuch. Zu seinen Freunden, seiner Band und zu seinen Eltern. „Es ist auch gar nicht schlimm, mal Abstand zu halten“, sagt er. Ansonsten würde er wegen der Musik sicherlich seine Arbeit vernachlässigen, glaubt er.
Das erste Soloalbum ist erst Tage vor der Veröffentlichung fertig geworden. Wer es hört, lernt auch Exelents Vielschichtigkeit kennen. „So bin ich“, sagt er. „Mal hyperaktiv, mal nachdenklich.“

Ob er mit der Musik mal Karriere macht, weiß er nicht. Ist ihm auch nicht wichtig. Konkrete Vorbilder hat er auch nicht. Höchstens Einflüsse von Busta Rhymes, Kollega, dem Wu-Tang-Clan oder Eminem. Sein Umfeld ist ihm wichtig: „Ich möchte mit all den Leuten, die ich mag, Musik machen, dir mir gefällt“, sagt er. Darauf komme es an. Weniger auf das Geld und den Ruhm. „Um Plattenverkäufe geht es mir nicht. Ich bin ein Rap-Nerd.“ Er lebt für die Kultur und hofft auf Respekt. „Viele hören auf, wenn sie älter werden“, so Markus Klar. „Die Zeit wird weniger, die Motivation geringer.“ Er wolle das nicht so machen, die Musik habe immer Vorrang.
Auf jeden Fall will er in Hennigsdorf eine Record-Release-Party veranstalten, und ein Auftritt in Velten steht auch auf dem Plan.