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In der Zeitung erschienen

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Bewohner wehren sich gegen Straßenstrich

Donnerstag, den 10. Juli 2014
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Zwei bis vier Prostituierte stehen regelmäßig an der Landesstraße bei Ludwigsaue. Verwaltung prüft Gegenmaßnahmen.

MAZ Oranienburg, 10.7.2014

LUDWIGSAUE
Die Bewohner des Kremmener Ortsteils Ludwigsaue wehren sich gegen einen Straßenstrich unweit des kleinen Ortes. Auf der Landesstraße 191 zwischen Rüthnick und Beetz bieten direkt an der Einfahrt nach Ludwigsaue zwei bis vier Damen regelmäßig ihre Dienste an.

„Sie stehen meist am Tage dort“, sagte ein Ludwigsauer, der nicht namentlich genannt werden will, in einem Gespräch mit der MAZ. Nach seinen Angaben verschwinden die Frauen mit ihren Freiern im Auto im Wald. Seit Mai sind die Prostituierten dort zu beobachten. Es könnte sich um Bulgarinnen handeln, die ein Gewerbe ausüben, das als „erotische Massagen“ angemeldet sei.
„Wir wollen sie da weghaben“, sagt der Ludwigsauer Einwohner. „Wir dachten, das regelt sich von allein, weil so viel Betrieb ist auf der Strecke ja nicht.“ Dem war aber nicht so. „Wir haben Angst vor Drogenhandel und Beschaffungskriminalität.“ Es seien bereits öfter benutzte Kondome im Wald auf dem Gebiet von Beetz und Ludwigsaue gefunden wurden. „Das ist eine Pietätlosigkeit, die wir nicht hinnehmen wollen.“

„Bürger der Stadt Kremmen, Sommerfeld, Beetz, Ludwigsaue und Neu-Ludwigsaue“ haben ein Schreiben an die Medien, an das Innenministerium in Potsdam, den Landkreis Oberhavel und die Kremmener Stadtverwaltung verschickt. Darin: 75 Unterschriften von Bürgern aus den genannten Orten. Ihre Forderung: ein Sperrbezirk für die Straßen und Gebiete von Beetz – und damit auch für Ludwigsaue – einzurichten, „um die dortige Prostitution zu untersagen“.

Aus Sicht von Bert Lehmann, dem designierten Ordnungsamtschef von Kremmen, stehen die Chancen dafür nicht gut. „Wir haben dazu nicht die Möglichkeit“, sagte er gestern. Dass in Ludwigsaue immer wieder zwei bis vier Prostituierte an der L191 stehen, ist in der Verwaltung jedoch bereits bekannt. „Wir haben das intern schon diskutiert“, so Lehmann. Bislang aber noch ohne Ergebnis. „Wir können nicht das ganze Stadtgebiet zum Sperrbezirk erklären, dann ziehen sie einfach woandershin“,sagte Bert Lehmann.

Irina Schmidt, die Pressesprecherin des Landkreises, bestätigte gestern, dass das Schreiben auch in Oranienburg angekommen sei. Zum Problem an sich konnte sie allerdings noch keine Aussage machen, man werde den Fall prüfen.

Der Ludwigsauer Einwohner hofft, dass sich was tut: „Dem Ruf unseres Dorfes schadet das immens“, sagte er.

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Jede halbe Stunde schlägt die Glocke – das beruhigt

Freitag, den 4. Juli 2014
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Immanuel Albroscheit ist der neue Pfarrer in Bötzow. Am Sonntag ist sein Einführungsgottesdienst.

MAZ Oranienburg, 4.7.2014

BÖTZOW
Die Turmuhr der Bötzower Kirche zeigt kurz nach acht Uhr. Sie steht. In Wirklichkeit ist schon Mittag. „Ich muss die Uhr jeden Tag aufziehen“, erzählt Immanuel Albroscheit und lächelt. Normalerweise läuft sie dann bis zu 27 Stunden, diesmal aber muss irgendwas schiefgelaufen sein. Immerhin läuten um 12 Uhr trotzdem die Glocken – allerdings ohne die vorherigen Glockenschläge. „Das Läuten geschieht elektronisch und hat mit der Uhr nichts zu tun.“

Pfarrer Immanuel Albroscheit ist der neue Pfarrer von Bötzow. Der 57-Jährige ist auch für die Gemeinden in Wansdorf und Pausin im Havelland zuständig. Es ist das erste Mal, dass er auf diese Art und Weise Landleben schnuppert. Eine Lebensumstellung, die er aber sichtlich genießt. „Als ich im Advent 2013 das erste Mal hier war, habe ich mich sofort verliebt“, erzählt er. Damals ist die Kirche gerade weihnachtlich geschmückt worden. „Zauberhaft!“ Die Bötzower Kirche sei ein echtes Schmuckstück. „Sie erstrahlt innen und außen“, so Albroscheit. Es gibt diesen Moment, da steht er auf der Brücke von Schönwalde kommend, blickt zum Dorf rüber und sieht die Kirche schon von weitem. „Ich mag das sehr.“ Auch den Glockenschlag – rund um die Uhr alle 30Minuten. „Für mich ist das auch nachts keine Belästigung, sondern irgendwie beruhigend.“
Was er sich allerdings wünscht ist, dass die Bötzower ihren Kirchenschatz mehr würdigen und nach außen hin darstellen. „Da gibt es zum Beispiel eine Holzplastik, sie ist vermutlich vom Künstler Wilhelm Groß. Warum findet man nirgends einen Hinweis darauf?“, fragt sich der Pfarrer.

Er selbst hat auch schon eine bewegte Geschichte hinter sich. Albroscheit war Ende der 1980er-Jahre wissenschaftlicher Assistent an der kirchlichen Hochschule in West-Berlin, danach drei Jahre persönlicher Referent von Bischof Martin Kruse. Von 1993 bis 2011 lebte er als Pfarrer in Berlin-Frohnau, danach leistete er Vertretungsdienste in Prenzlauer Berg und Köpenick. „Ich wollte dann wieder eine dauerhafte Stelle haben“, erzählt er. Nachdem Pfarrer Andreas Fincke Bötzow verließ, ist die Stelle ausgeschrieben worden. Daraufhin bewarb sich Immanuel Albroscheit.

Schon seit März lebt er in Bötzow, am Sonntag aber wird es offiziell: Dann beginnt um 14 Uhr sein Einführungsgottesdienst. Eingelebt hat er sich jedoch bereits. „Das Tor ist in der Regel nie zu“, sagt er. „Die Bötzower können jederzeit zu mir kommen.“ Und das machen sie auch. Sie geben ihr Wassergeld für den Friedhof ab oder kommen, weil zu Hause der Ehemann verstorben ist. „Relativ häufig habe ich auch Pilger zu Gast, sie sind auf dem Weg von Berlin nach Bad Wilsnack, und Bötzow ist eine Zwischenstation.“

Eine von Albroscheits Aufgaben ist es, die Gemeinden Bötzow, Wansdorf und Pausin unter einen Hut zu bekommen. „Ich gebe zu, dass die Bötzower im Vorteil sind“, sagt er. „Ich wohne hier, die Leute haben es nicht weit.“ Bei den Pausinern und Wansdorfern sei die Hürde etwas größer.
Allerdings gebe es auch in Pausin eine sehr schöne Kirche. „Ein wirklich einladender Ort“, sagt der Pfarrer. In Wansdorf schreitet der Anbau für die dortige Kirche voran. „Den könnten wir dann vielleicht für kleinere Veranstaltungen nutzen.“

Auch in Bötzow könnte sich Immanuel Albroscheit vorstellen, neue Veranstaltungen zu etablieren. „Aber erst einmal möchte ich gucken und hören“, sagt er. „Wichtig ist mir, die Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen.“

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Goldkehlen gratulieren zum Geburtstag

Dienstag, den 1. Juli 2014
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MAZ Oranienburg,, 1.7.2014

KREMMEN
Stößt Bürgermeister Klaus-Jürgen Sasse bald zu den Kremmener Goldkehlchen? Das war am Sonntagabend ein heißes Gerücht bei der Geburtstagsfeier von Birgit Neumann-Hannebauer. Die Leiterin des städtischen Bauamtes und stellvertretende Bürgermeisterin ist 60 Jahre geworden und feierte das mit Freunden, Kollegen, Stadtverordneten und vielen anderen Weggefährten in der Museumsscheune.
Die Kremmener Goldkehlchen, eine Gruppe älterer Herren um den ehemaligen Wobachef Horst Troppens, sang Neumann-Hannebauer zwei Ständchen, und als Bürgermeister Sasse danach zu seiner kleinen Rede ansetzen wollte, stand die Frage im Raum, ob er nicht auch etwas singen könne. Das Angebot, den Kremmener Goldkehlchen beizutreten, lehnte er jedoch ab, schließlich sei er bei den donnerstäglichen Proben oft verhindert, so Sasse mit einem Augenzwinkern.

Ansonsten verlief der Abend recht feucht und das nicht nur, weil es draußen in Strömen regnete. Es flossen Tränen der Rührung, nicht nur bei der Jubilarin, sondern auch beim Bürgermeister. Birgit Neumann-Hannebauer hatte zuvor in ihrer Rede an ihre 23 Jahre im Kremmener Rathaus erinnert. Am 1. August endet ihre Zeit als Bauamtsleiterin, am 31. August absolviert sie ihren letzten Tag als stellvertretende Bürgermeisterin. Für ihren Vorgesetzten hatte sie nur gute Worte, woraufhin er sagte: „Aber wir haben uns auch oft gezofft.“ Daraufhin Neumann-Hannebauer: „Aber man sagt doch bei einer Feier immer nur das Gute.“ Von Sasse bekam sie eine riesige Kaffeetasse mit darin gepflanzten Blumen geschenkt. „Birgit hat ein Leben lang Kaffee getrunken“, so Sasse. Aber vor allem habe sie den Leuten immer Kaffee und Kuchen ausgegeben und damit „geheilt, was der Bürgermeister vorher kaputt gemacht hat“, so Sasse weiter. Er schätzte in seiner Rede die Zuversicht, die Neumann-Hannebauer immer ausgestrahlt habe. „Du bist die Mutter des Amtes.“ Woraufhin die Jubilarin komplett in Tränen ausbrach.

Der Beetzer Andreas Dalibor, der ihr ebenfalls ein Ständchen sang, sagte danach: „Jetzt kriege ich hier eine verheulte Birgit.“ Er erinnerte daran, dass sie einst Geburtshelferin seines Theaters „Tiefste Provinz“ im Scheunenviertel war. „Ich war noch gar nicht im Rathaus, da gab sie mir schon Tipps, wo und wie ich Zuschüsse bekommen kann“, erzählte Dalibor am Sonntag.
Lob gab es vom Stadtverordneten Frank Bommert aus Sommerfeld. „Sie ist eine furchtbar nette, ausgleichende Frau, sie hat vieles in der Stadt geglättet“, sagte er. Er hoffe, das Neumann-Hannebauers Lebenswerk mit ihrem Ruhestand nicht beendet sei

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Der neue Ortsvorsteher wünscht sich mehr Farbe für Eichstädt

Dienstag, den 1. Juli 2014
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Dirk Ostendorf (BfO) lebt seit 1998 im Dorf. Er engagiert sich beim SV Oberkrämer.

MAZ Oranienburg, 1.7.2014

EICHSTÄDT
Dirk Ostendorf ist ein Durchstarter. Gerade erst ist er in den Ortsbeirat von Eichstädt gewählt worden – und schon ist er auch Chef des Gremiums. Der 48-Jährige ist der neue Ortsvorsteher des Dorfes. „Ich bin angetreten, weil ich denke, dass ich ein bisschen was bewegen kann“, sagt er.
Dass das Mitglied der Bürger für Oberkrämer (BfO) seinen Vorgänger Dietmar Schünemann (SPD) abgelöst hat, obwohl Letzterer die meisten Stimmen hatte, ist im Dorf durchaus ein Gesprächsthema. Dirk Ostendorf aber sagt: „Insgesamt kam die BfO bei der Ortsbeiratswahl auf 41 Prozent.“ Die anderen Parteien hätten weniger Stimmen gehabt.
Der Wirbel darum lege sich hoffentlich bald, so Ostendorf. Schließlich habe er einiges vor in Eichstädt. „Und ich hoffe, dass ich mit meinen Kollegen im Ortsbeirat konstruktiv zusammenarbeiten kann.“

Ein wichtiges Thema für den neuen Ortsvorsteher ist die Errichtung eines Bolzplatzes. „Viele andere Dörfer haben so was auch, der nächste Bolzplatz ist in Bärenklau, am Dorfanger haben wir nur einen kleinen Spielplatz.“ Ostendorf denkt an das Gelände an der neuen Sporthalle im Gewerbegebiet. „Da ist es auch nicht so schlimm, wenn’s mal lauter wird.“ Gerade für Kinder im neuen Wohngebiet sei das Areal gut zu erreichen.
Außerdem wünscht sich Dirk Ostendorf mehr Farbe im Ort. „Wir wollen den Dorfanger verschönern“, sagt er. „Das ist eine große Fläche, aber außer Rasen ist da nicht viel.“
Auf der Liste steht auch die Straße Zum Heidegarten. Das ist momentan eine überholungsbedürftige Betonpiste. „Aber die Anwohner haben Angst, dass sie recht viel dafür zahlen müssen, deshalb müssen wir da eine Lösung finden“, so Ostendorf.

Der 48-Jährige hat Zeit, sich um seinen Ort zu kümmern. Aus gesundheitlichen Gründen ist der Polizeibeamte pensioniert. „Ich wollte das eigentlich nicht, aber ich konnte mich nicht dagegen wehren“, sagt er. 1998 ist er mit seiner Familie – er hat eine Frau und einen heute 17-jährigen Sohn – von der Residenzstraße in Berlin-Reinickendorf nach Eichstädt gezogen. „Damals stand ein großer Artikel in der Zeitung, in dem junge Familien angesprochen worden sind“, erzählt er. „Wir sind dann nach Eichstädt gefahren und haben uns gleich verliebt.“ Allerdings habe es damals auch das Versprechen gegeben, dass Velten einen S-Bahn-Anschluss bekommt – bis heute nicht umgesetzt.

Er engagiert sich in einem Präventionsprogramm der Berliner Verkehrsbetriebe. Dort können Jugendliche ein Anti-Gewalt-Training absolvieren. „Es geht darum, dass junge Leute Konflikte im Bus lösen können“, sagt Dirk Ostendorf. Er ist außerdem zweiter Vorsitzender des SV Oberkrämer. „Fußball bestimmt mein Leben seit ich acht Jahre alt war.“ Seit einigen Jahren trainiert er in Vehlefanz eine Jugendmannschaft. „Wir waren schon recht erfolgreich, Meister und Pokalsieger.“
Ein großes Hobby des neuen Ortsvorstehers ist sein Motorrad. Mit der BMW ist er schon mal auf längeren Touren unterwegs – gemeinsam mit seiner Frau und weiteren Freunden. Sein Lieblingsort in Eichstädt ist der Dorfteich. „Das ist eine sehr idyllische Stelle, egal zu welcher Jahreszeit.“

Ein richtiger Treffpunkt fehle allerdings, auch wenn die Kultur- und Kinderkirche schon einige Ansätze biete. „Vielleicht könnte man die alte Einkaufsquelle wieder beleben“, sagt er. Eventuell könne dort eine Begegnungsstätte eingerichtet werden.
Dirk Ostendorf hofft in dem Zusammenhang überhaupt, dass die Eichstädter wieder ein bisschen näher zusammenrücken. Auch wenn die Nachbarschaft im neuen Wohnviertel sehr eng sei und gut funktioniere – die alteingesessenen Eichstädter und die neuen Bewohner müssten verstärkt aufeinander zugehen.

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Von ganzem Herzen Kremmenerin

Samstag, den 28. Juni 2014
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Birgit Neumann-Hannebauer wird am Sonntag 60. Bald geht sie in den Ruhestand, sehr viel Ruhe wird sie aber nicht haben.

MaerkischeAllgemeine.de, 28.6.2014

KREMMEN
Schon wieder haben sich ein paar Gehwegsteine gelockert. Wenn Birgit Neumann-Hannebauer durch Kremmen spaziert, hat sie immer einen Blick für die kleinen und großen Nachlässigkeiten. Sie merkt sich die Stelle, sie muss ausgebessert werden. Aber der eigentliche Treffpunkt für das Gespräch mit der MAZ ist der Platz an der Nikolaikirche. Es ist ein sonniger Nachmittag, Birgit Neumann-Hannebauer hat sich eine Stunde Zeit genommen. Sie sitzt nun auf einer der Bänke und blickt auf die Kirche.
Das Haus steht für die vielen Veränderungen, die bald in ihrem Leben anstehen. Morgen, am Sonntag, wird sie 60. Sie plant eine Party. Am 1. August ist ihr letzter Arbeitstag als Leiterin des Bauamtes, und am 31. August endet ihre Amtszeit als stellvertretende Bürgermeisterin von Kremmen.

Ruhestand. Birgit Neumann-Hannebauer lächelt. Ruhestand? Das ist bei ihr schwer vorstellbar. „Ich möchte erst mal nichts tun. Wirklich mal nichts tun“, sagt sie. Wobei – das stimmt nicht so ganz. Kreiserntefest. Landeserntefest. Ach ja, und Wahlhelferin ist sie im September auch noch. Aber das sind die Wochenenden. Unter der Woche bleibt Zeit für Muße. „Wir haben ein Boot“, erzählt sie. „Wir wollen den Rhin entlang fahren, bis Neuruppin. Darauf freue ich mich schon ganz doll.“

Sie blickt wieder zur Kirche. Ab 1. Oktober hat sie dort ebenfalls eine neue Aufgabe. Sie wird Kirchenführerin. Wenn Touristen nach Kremmen kommen, zeigt sie ihnen das Haus. Und sie möchte Menschen besuchen, im Altersheim zum Beispiel. „Ich liebe das“, sagt Birgit Neumann-Hannebauer.

In Kremmen ist sie eine Institution, weshalb man durchaus vom Ende einer Ära sprechen kann. Sie ist Ur-Kremmenerin. 1908 ist ihr Opa einst von Beetz in die Stadt gezogen, er musste noch Geld an die Stadtväter zahlen, damit er in Kremmen wohnen durfte. Er hat in der Dammstraße gewohnt. Birgit Schöneberg, wie sie als Mädchen hieß, durfte ihn nicht mehr kennenlernen. Aber ihre Oma war ihr Ein und Alles. „Wir sind oft spazieren gegangen. Sie hat mich auf vieles aufmerksam gemacht, was schön war.“ Der Marktplatz, der See, der Friedhof. Noch heute ist Birgit Neumann-Hannebauer gern an diesen Kremmener Orten.
Ihre Eltern hatten ein kleines Geschäft, der Vater war Sattler und Tapezierer. „Wir hatten immer viel mit Menschen zu tun, ich hatte eine sehr schöne Kindheit.“ Ganz leicht war sie jedoch nicht immer, sie musste oft im Laden helfen. Sie war zum Beispiel für die Preisschilder zuständig. „4,05 Mark Einheitspreis für eine Turnhose, das muss man sich mal vorstellen.“ Birgit Neumann-Hannebauer lacht. Fünf DDR-Mark Taschengeld bekam sie im Monat. Frei entscheiden durfte sie darüber aber nicht. „Mein Vater wollte, dass ichs spare.“ Ihre Ausbildung absolvierte sie bei der Sparkasse in Oranienburg. Studieren durfte sie nicht, sie war nicht in der SED und der FDJ. „Ich bin Christin“, sagt sie. Hat sie es bereut? „Das war es mir wert“, antwortet sie.
Sie verließ die Sparkasse und fing beim Volkseigenen Betrieb (VEB) K-Bau in Oranienburg an – Buchhaltung. Aber es war klar: Sie möchte in Kremmen bleiben und da eine Familie gründen. Ab 1976 arbeitete sie im Gründungsteam der Kremmener Milchviehanlage.
Sie lernte ihren ersten Mann kennen, im August 1977 kam ihr Sohn Björn auf die Welt. Und das in einer Miniwohnung: kleine Schlafstube, kleines Wohnzimmer, kleine Küche, und das zu dritt. Aber auf eine Drei-Raum-Wohnung hoffte die Familie vergebens. So ergab es sich, dass sie auf dem Grundstück der Großeltern in der Straße der Einheit bauten. Und auch wenn sie Gartenarbeit hasst: „Das war das beste, was mir passieren konnte.“ 1983 kam Tochter Dörte auf die Welt. Dass ihr Sohn später bei einem Unfall ums Leben kam, ist wohl Birgit Neumann-Hannebauers schwerster Schicksalsschlag gewesen.
Die Wende brachte viel Neues. Als sie 1991 das Entlassungsschreiben von der Milchviehanlage bekam, musste sie auf das Arbeitsamt. „Das fand ich schlimm, so viele Menschen standen dort an.“
Dann aber traf sie Heike Schmidtsdorf, die heutige Kämmerin von Oberkrämer. „Sie erzählte mir, dass in Kremmen eine Kämmerei aufgebaut werden soll, da wollte ich dabei sein.“ Aber es musste fix gehen. Schnell ein Passfoto, und die Bewerbung auf der Schreibmaschine getippt. Sie bekam tatsächlich eine Stelle in der Verwaltung. Ihr erster Job: „Ich musste gucken, ob alle Gullydeckel sitzen und ob die Straßenbeleuchtung funktioniert. Und das im Juli, Sie können sich vorstellen, dass es erst spät dunkel wurde.“ Eine gute Woche verging, bis klar war „dass ich auch was anderes kann“. Im Rathaus war Birgit Neumann-Hannebauer dafür zuständig, Fördermittel für die Stadt zu bekommen. „Das war spannend, und ich habe es gern gemacht.“
Erst neulich hat sie in alten Kalendern geblättert. „Da gab es viele tolle Gespräche mit Investoren.“ Der erste Kauf eines Druckers. „Er war klein, aber wir waren total stolz.“ Der Bebauungsplan für das Lidl-Lager in Orion. Und überhaupt: „Für mich war es eine Herausforderung, die Politik zu verstehen.“ Sie erinnert sich an die vielen Sanierungsarbeiten in der historischen Altstadt, an den Umbau des Schlosses in Groß-Ziethen, an die Beetzer Schule, den Bau der Stadtparkhalle, die Einweihung des Kirchplatzes. Und und und.

Stolz? „Stolz nicht, nein“, sagt sie. „Wann immer etwas geschafft war, dann habe ich mich auf die neue Aufgabe gefreut.“

Nun wird sie 60, und bald muss sie ihren Platz im Rathaus räumen. Leicht wird ihr das nicht fallen. Sie muss loslassen, und sie will auch loslassen, schon der Gesundheit wegen.
Und mit dem erneuten Blick auf die Kirche und dem Spaziergang zurück zum Rathaus, wird klar: Birgit Neumann-Hannebauer wird auch weiterhin in Kremmen präsent sein. Daran hat niemand einen Zweifel.

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Staffelde erlebt einen Generationswechsel

Mittwoch, den 25. Juni 2014
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Sebastian Busse (34) ist der Jüngste aller Kremmener Ortsvorsteher. Er wünscht sich Bürgernähe.

MAZ Oranienburg, 25.6.2014

STAFFELDE
Es fehlte nur eine Handvoll Stimmen, sonst hätte Sebastian Busse den Sprung ins Kremmener Stadtparlament geschafft. „Ja, ein bisschen enttäuscht war ich schon“, sagt er. Trotzdem wird der Parteilose in den kommenden Jahren einiges zu tun haben. Der 34-Jährige ist der neue Ortsvorsteher von Staffelde – der Jüngste aller Kremmener Ortsteile.
„Die Wähler wollten einen Generationswechsel“, so Busse. Seit 2003 lebt er im Dorf, er stammt ursprünglich aus Kremmen, der Liebe wegen zog er nach Staffelde. Dort lebt er mit seiner Frau Annekatrin (33), der Tochter Charlotte (6) und Sohn Moritz (2).

Er hat einiges vor mit seinem Dorf. Zwei- bis dreimal im Jahr möchte er eine Kinoveranstaltung organisieren. „Vielleicht ja in Zusammenarbeit mit der Bibliothek.“ Denkbar seien auch auch lustige Nachmittage mit den Staffelder Senioren. „Ich möchte, dass die Leute zusammenkommen und sich unterhalten“, sagt der Ortsvorsteher. Ein Anliegen ist ihm auch das Spielplatzgelände, auf dem einige Geräte vom Tüv gesperrt worden sind. „Wir haben viele Handwerker im Dorf, das kriegen wir hin.“
Ebenfalls ein wichtiges Thema ist der alte Baggersee abseits des Ortes. „Da gab es mal eine schöne Badestelle, aber das ist lange her.“ Inzwischen ist der See voller Schilf und veschlammt. Busses Traum: Ein neues Ausflugsziel für die Bewohner von Staffelde, Flatow und Groß-Ziethen. „Aber da brauchen wir einen langen Atem“, sagt er auch.
Jeden ersten Dienstag im Monat will er zwischen 18 und 19 Uhr seine Sprechstunde abhalten. Bürgernähe ist ihm sehr wichtig. Deshalb möchte er am 8. Juli auch beim Zirkusfest der Kita vorbeischauen. „Ich will mich den Kindern vorstellen.“ Ebenso den Senioren, bei denen er ebenfalls mal eine Stippvisite einlegen will.

Seinen eigentlichen Beruf wird Sebastian Busse aber nicht vernachlässigen. Er arbeitet als Werkstoffprüfer und ist bei einer Berliner Firma angestellt. „Ich überprüfe Schweißnähte.“Ansonsten engagiert er sich in der Region. Beim FC Kremmen ist er Trainer der kleinen G-Jugendfußballer. Die sechs und sieben Jahre alten Kinder steigen im August in den regulären Spielbetrieb ein. „Das macht mir eine Riesenfreude“, sagt Busse.

Seit Kurzem ist er hin und wieder mit seinem Rennrad unterwegs. „Da kann ich wunderbar den Kopf abschalten“, erzählt der 34-Jährige. Eine seiner Lieblingsstrecken: über Kremmen, Sommerfeld, Hohenbruch und Sommerswalde. Einmal im Jahr reist er zum Angeln nach Norwegen. „Dort ist es sehr schön, das beste Wetter dafür ist jetzt, im Juni.“
Aber auch und gerade daheim, in Staffelde, führt sich Sebastian Busse wohl. „Die Gegend um den Alten Dorfkrug ist der allerschönste Ort im Dorf“, sagt er und ergänzt: „Wenn das Schloss auch noch fertig wird, ist’s noch schöner.“

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Nachschlag: Hausmannskost mit persönlicher Note

Montag, den 16. Juni 2014
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In „Schulle’s Imbiss“ in Sachsenhausen gibt es immer wieder ein neues Tagesgericht. Sonderwünsche werden auch erfüllt.

MAZ Oranienburg, 16.6.2014

SACHSENHAUSEN
Süß-saure Eier. Buletten mit Mischgemüse. Linseneintopf mit Knacker. Putensteak mit Röstzwiebeln und Stampfkartoffeln. Das waren vergangene Woche die Tagesgerichte in „Schulle’s Imbiss“ in Sachsenhausen. Es ist liebevoll zubereitete Hausmannskost, die Andreas Schulz täglich frisch zubereitet. Seine Gäste können Vorschläge machen, was als Nächstes auf den Tisch kommt. Für heute kündigt Schulz Frische Wurst mit Sauerkraut an.
Wichtig sind ihm die Details und die persönliche Note. Auf jedem Teller gibt es Tomatenscheiben, Weißkraut und Gurken als Garnitur. Vergangene Woche reichte er zu jedem Tagesessen Vanilleeis mit Karamellsoße.

Wer die täglichen Sondermenüs nicht möchte, kann auch auf die reguläre Speisekarte zurückgreifen. Dort steht beispielsweise das Jägerschnitzel mit Bratkartoffeln. Die Jagdwurst wird in der Pfanne gebraten, dazu gibt es zwei Spiegeleier. Ebenso beliebt ist das Hamburger Schnitzel oder die Riesencurrywurst. Mit letzterer kennt „Schulle“ sich aus. Auf Stadtfesten oder bei Konzerten ist er mit seinem Imbiss unterwegs.
Sonderwünsche können immer geäußert werden, und wer möchte, kann Andreas Schulz in der offenen Küche sogar beim Kochen und Braten zusehen. Das Bistro ist ein Treffpunkt in Sachsenhausen geworden. Im hinteren Bereich trifft sich oft eine Gruppe am Stammtisch. Vorn, neben dem Tresen, hängen die Visitenkarten der Unternehmer, die in „Schulle’s Imbiss“ Stammgäste sind. Die meisten Besucher kennt Schulz schon, da gibt’s den Kaffee, ohne dass etwas gesagt werden muss.

Bereits um 7 Uhr am Morgen öffnet der Laden. Dann gibt es erst mal Frühstück mit belegten Brötchen und Kaffee. Wer möchte, kann aber auch am Morgen schon warme Gerichte bekommen.

Kontakt: „Schulle’s Imbiss“, Chausseestraße 43, Sachsenhausen. Geöffnet montags bis freitags von 7 bis 14 Uhr. Bestellungen und Reservierungen unter Tel. 01522/2 91 38 58.