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Hohenbrucher Tierpension kämpft um ihren Ruf

Mittwoch, den 5. März 2014
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Angebliche Missstände in der Hundehaltung: Ralf Hewelcke wehrt sich gegen Fernsehbericht

MAZ Oranienburg, 5.3.2014

HOHENBRUCH
Ralf Hewelcke, der Chef der Hohenbrucher Tierpension, wehrt sich gegen Vorwürfe, er würde die bei ihm lebenden Hunde quälen. Ehemalige Mitarbeiterinnen hatten im RBB-Magazin „Klartext“ von körperlicher Gewalt gegenüber Tieren berichtet, von zu engen Zwingern, zu wenig Auslauf und schlechter Pflege.
„Hier sitzt kein Hund beengt in der Anlage“, sagte Hewelcke gestern. Er hatte die Presse zu einem Ortstermin geladen. Mitarbeiterin Susanne Göpfert war am Mittag gerade dabei, die Schlittenhunde zu füttern. Im Gehege herrschte lautes Gebell, aber kein aggressives. Die Tiere begrüßten Hewelcke ohne Scheu oder Ängste – wie alle Hunde auf dem Gelände.

Bis zu 230 Hunde und 80 Katzen darf Hewelcke mit seinem vierköpfigen Team auf dem Hof betreuen, mehr als 150 Hunde seien es aber noch nie gewesen, derzeit sind es viel weniger. Es entstand nicht der Eindruck, dass sich in den vergangenen Tagen auf dem Hof großartig etwas geändert hat. Die Tiere haben sowohl Zugang zu ihren Hundehäusern als auch auf ein Freigelände. Keine Spur von besonderer Enge.
Hewelckes eigene 22 Schlittenhunde leben in einem Zwinger, der, wie er sagt, etwas rustikaler ist als die Pension. Aber auch diese Tiere haben viel Platz, können sich bewegen. „Das ist das Einzige, was ich einräumen muss“, sagte er, „dass ich mit den Schlittenhunden, die mir gehören, zu wenig rausgehe.“

Die Vorwürfe aus dem Fernsehbericht beziehen sich auf die Zeit bis Januar 2012. Zu diesem Zeitpunkt ist die letzte der vier Angestellten entlassen worden, die im RBB nun zu Wort kamen. Bereits im Januar 2013 waren Vertreter der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Hohenbruch, offenbar um Vorwürfen nachzugehen, ob es Mängel in Sachen Ausbildung und Tierhaltung gebe. Ob und welche Probleme gefunden worden sind, hat Hewelcke nicht erfahren. Klar ist, dass ihm die IHK im vergangenen Sommer verboten hat, Mitarbeiter auszubilden. Die Kammer zweifelt die Qualität der Ausbildung an. „Es gab eine Vielzahl von Verstößen“, sagte gestern Wolfgang Spieß, bei der IHK für den Bildungsbereich zuständig. Welche Probleme das sind, wollte er nicht sagen, weil es sich um ein schwebendes Verfahren handele.

Im Januar 2013 waren RBB-Journalisten für das Magazin „Tier zuliebe“ zwei Tage in Hohenbruch, dabei scheint ihnen nichts Negatives aufgefallen zu sein. Vertreter des Veterinäramtes aus Gransee waren ebenfalls immer wieder vor Ort. Das bestätigte gestern Irina Schmidt, die Pressesprecherin des Landkreises Oberhavel. Jeder Hinweis, der in tierschutzrechtlichen Angelegenheiten eingehe, würde sehr ernst genommen, so Schmidt. Bei der jüngsten Kontrolle am 13. Februar 2014 habe es keine größere Beanstandung gegeben. Nach den RBB-Vorwürfen soll es ein Anhörungsverfahren gegenüber Hewelcke geben, auch die anderen Zeugen werden befragt.
Erst vor vier Wochen besichtigten Mitarbeiter des Landesamtes für Arbeitsschutz den Hof. Es fanden sich laut Protokoll, das die MAZ einsehen konnte, keine Mängel. Auch Kremmens Bürgermeister Klaus-Jürgen Sasse sind „keine Vorwürfe bekannt“, wie er gestern auf Nachfrage sagte. Er sei schon oft auf dem Hof gewesen – auch als Kunde der Hundepension.
Den im RBB ebenfalls geäußerten Vorwurf eines Hundehalters, der sein Tier nach drei Wochen abgemagert aus Hohenbruch abholte, weist Hewelcke zurück. Das Tier sei schon vorher krank gewesen. So war von einer Vergrößerung der Prostata beim Hund die Rede. Im Schriftstück, das im RBB zu sehen gewesen war, ist ein Abmagerungszeitraum von drei Monaten – und nicht von drei Wochen – angegeben.

Hewelcke spricht von Rufschädigung und wundert sich, warum solche Vorwürfe zwei Jahre gebraucht haben, bis sie öffentlich wurden. Wäre die Lage so dramatisch gewesen, hätten Tierschützer sofort handeln müssen.

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„Eine helle Aufregung war das“

Montag, den 3. März 2014
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Heiderose und Detlef Reckin über ihre Zeit als Prinzenpaar beim Kremmener Karneval

MAZ Oranienburg, 3.3.2014

KREMMEN
Der Karneval-Club Kremmen hat in diesem Jahr ein besonderes Prinzenpaar: Heidi II. und Detlef, der 50. Dahinter verbergen sich Heiderose (57) und Detlef Reckin (59). Sie ist die Tochter des Vereinsgründers, er ist der Stadtverordnetenvorsteher von Kremmen.

Sie beide als Prinzenpaar. Wie kam’s?
Heiderose Reckin: Der Verein feiert in diesem Jahr die 50. Saison, und mein Vater Heinz Herrmann hat ihn damals gegründet.
Detlef Reckin: Und vor einem Jahr habe ich zum Vereinschef Reiko Meißner gesagt: „Denkt euch mal zum Fünfzigsten etwas Besonderes aus!“ Und ich gebe zu – ich hatte da schon eine Idee.

Mussten Sie Ihre Frau dazu überreden?
Detlef: ( grinst )
Heidi II.: Ich war am Anfang dagegen, ich wollte das erst nicht, aber dann fand ich es doch ganz reizvoll.

Das Kleid sieht toll aus, haben Sie sich das extra gekauft?
Heidi II.: Ja, ich habe mir die Kleider der vergangenen Jahre angesehen und mir etwas Entsprechendes ausgesucht. Die Farbe Rot habe ich gewählt, weil sie zu den Vereinsfarben passt – Rot-Weiß! Das Kleid ist übrigens beinahe nicht pünktlich zum Karnevalsstart angekommen. Wir mussten es von der Post suchen lassen. Wir haben es am 14. November aus dem Postlager in Berlin abholen müssen, am 15. haben wir es ändern lassen, am 16. ging es los.
Detlef: Eine helle Aufregung war das!

Wer wusste vorher davon, dass Sie beide das Prinzenpaar sind?
Heidi II.: Nur der Vorstand war eingeweiht!
Detlef: Ich fand es erstaunlich, dass es vorher nicht rausgekommen ist. Ich war zwei Tage vor dem Saisonauftakt beim Friseur und bin gefragt worden. Nach dem Motto „Na, Sie wissen doch bestimmt …!“ Ich habe geschwiegen. Unseren ersten Auftritt hatten wir dann am 16. November beim Umzug durch die Stadt.
Heidi II.: Da haben die Kremmener ganz schön gestaunt. Obwohl das erst mal gar keiner mit meinem Vater und dem Jubiläum in Verbindung gebracht hat.

Ihr Vater hat den KCK damals gegründet, haben Sie viel vom Karneval mitbekommen?
Heidi II.: Na klar, ich war Funke und habe auf der Bühne mitgetanzt, bis ich nach Schwerin zum Studium ging. Mitte der 70er- Jahre war ich schon mal Prinzessin, deshalb heiße ich ja auch Heidi II.
Hat sich seit damals viel verändert?
Heidi II.: Es sind viel weniger Mitglieder im Verein. Damals waren alle dabei. In Spitzenzeiten hatten wir pro Jahr 38 Veranstaltungen, davon allein acht in Kremmen. Von November bis zum Ende jeden Freitag und Sonnabend, außerdem die gesamten tollen Tage vor Aschermittwoch.
Detlef: Fast immer waren sie ausverkauft. Wir hatten Auftritte sogar in Zehdenick, Nauen oder Brandenburg.

Warum ist das heute anders?
Detlef: Damals war das Angebot ja noch nicht so groß.
Heidi II.: Und der Reiz war ein anderer. In der DDR durfte man nicht alles sagen, man musste die Reden vorher prüfen lassen, oft wurden sie zensiert. Aber manchmal sind danach gewisse Stellen doch wieder reingeschrieben worden.

1977 ist Ihr Vater gestorben. Ist von seinem Einfluss noch was übrig geblieben?
Heidi II.: Heute kaum noch. Damals galten teilweise recht straffe Regeln. Die Funken durften zum Beispiel vor ihren Auftritten nicht im Saal rumlaufen. Sie mussten in der oberen Etage des Klubhauses warten, bis sie dran sind. Heute ist alles lockerer, das ist der Wandel der Zeit.

Und es steckt viel Arbeit drin.
Detlef: Hut ab vor den Menschen, die sich ein halbes Jahr lang jedes Wochenende so viel Arbeit machen. Es ist auch in diesem Jahr wieder ein ganz fantastisches Programm.
Heidi II.: Es sind alle mit viel Herzblut dabei. Nach der Wende hieß es öfter, dass es wohl bald vorbei sei mit dem Verein. Aber so ist es nicht, die guten Karnevalsvereine sind alle noch da, auch wenn es für sie schwieriger geworden ist.

Sie haben vorhin das Klubhaus am Markt angesprochen. Dort fanden früher die großen Festsitzungen statt. Jetzt steht es leer.
Detlef: Es wird kaum jemanden geben, der das nicht bedauert.
Heidi II.: Dort fanden die besten Karnevalsveranstaltungen statt. In der Stadtparkhalle ist der Charme nicht aufzubringen, auch die Akustik ist schwieriger.

Wird sich im Klubhaus noch was tun?
Detlef: Die Denkmalschutzauflagen für den Saal sind so enorm, dass jeder private Investor erst mal zurückschreckt. Wir brauchen ein Nutzungskonzept, das funktioniert, und es gibt momentan intensive Überlegungen.

Heute ist Rosenmontag, das Ende der Saison naht. Ist das schade?
Detlef: Jein. Es hat wirklich Spaß gemacht, aber jetzt sind wieder andere Aufgaben wichtig.
Heidi II.: Mir hat das wahnsinnig viel Spaß gemacht. Wenn man da oben steht, dann hat es mich doch immer sehr ergriffen. Aber es ist natürlich auch eine anstrengende Zeit.
Detlef: Ich kann nur alle Mädels und Jungs dazu aufrufen, sich für das Prinzenpaar in Kremmen zu melden. Das ist eine tolle Sache!

Früher war Rosenmontag auch hier in der Region noch mehr los, oder?
Detlef: Das war immer das Größte, die Feier ging bis Dienstagmorgen.
Heidi II.: Danach gingen wir um 3 Uhr zum Bäcker und fuhren dann, ohne geschlafen zu haben, mit dem Zug zur Arbeit.

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Guten Tag: Arbeitstitel

Samstag, den 1. März 2014
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MAZ Oranienburg, 1.3.2014

Die neue Sporthalle in Eichstädt ist noch nicht eröffnet – aber seit Donnerstagabend hat sie immerhin einen Namen. Sie wird, und jetzt halten Sie sich bitte kurz fest, „Oberkrämer-Halle“ heißen. Damit hätten Sie nicht gerechnet, oder? Um das noch mal klarzustellen: Dies ist kein Arbeitstitel, sondern schon der richtige und vermutlich endgültige Name. Über so viel Kreativität und Mut muss man wirklich staunen.

Da waren andere Kommunen in Oberhavel sehr viel kreativer. Liebenwalde hat keine schlichte „Liebenwalde-Halle“, sondern die Weinberghalle. Die Kremmener haben ihre Stadtparkhalle, in Velten gibt es die Ofenstadthalle. Das klingt gut und hat einen Bezug zum Ort, ohne die Stadt noch mal extra zu erwähnen.

In die engere Wahl für die Eichstädter Sportstätte hat es immerhin die „Krämerwaldhalle“ geschafft. Daraus wurde nichts – weil die Halle ja nicht im Wald stünde, so hieß es. Vielleicht bekommt sie ja wenigstens einen lustigen Spitznamen. Eventuell fällt Ihnen ja etwas ein?

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Gedacht: Bernsteinsee – Trauriges Ende für die Strandpartys

Donnerstag, den 27. Februar 2014
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MAZ Oranienburg, 27.2.2014

Das war es dann wohl mit den großen Partys am Bernsteinsee. Die Veltener Stranddiskos gehören der Vergangenheit an. Das ist inzwischen die traurige Gewissheit. Aber auch, wie sich der Streit darum abspielte, ist nicht weniger als ein Trauerspiel.

Ganze dreimal im Jahr haben die Feiern stattgefunden. Wetterbedingt im Jahr 2013 sogar nur zweimal, aber immer gab es danach Zoff. Zu laut, zu dreckig, aber vor allem viel zu laut fanden einige Veltener die Veranstaltung. Angeblich sind Schallschutzauflagen und Uhrzeiten nicht beachtet worden. Der Organisator der Strandpartys – die Right Now Showproduktions GbR – bestreitet all diese Vorwürfe, und vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen.
Es habe sich für die Stadt Velten finanziell nicht gelohnt, hieß es außerdem. Aber geht es bei diesen Partys tatsächlich nur darum, ob Velten daran verdient? Ist das einziger Sinn der Sache?
Verhandlungen haben offenbar nicht stattgefunden, stattdessen präsentierte Andreas Noack, der Aufsichtsratsvorsitzende der Veltener Stadtwerke, bereits ein neues Konzept: In Zukunft sollen Familienfeste am Bernsteinsee stattfinden.

Right Now startete unterdessen eine Onlinepetition. Leider sind allerdings nicht die Fans selbst draufgekommen. Der Stadtwerkechef sagte daraufhin ein geplantes Treffen zwischen ihm und dem Veranstalter ab. Ein zielführendes und ergebnisoffenes Gespräch sei nach der Petition nicht mehr möglich, so Noack in der Pressemitteilung. Was seltsam war, denn er hatte vorher sowieso klar gemacht, dass die Entscheidung durch dieses Gespräch nicht mehr geändert werde. Und ob ihn eine Onlinepetition umgestimmt hätte, sei mal dahingestellt.

Es macht den Eindruck, dass alle Seiten einfach nur ziemlich beleidigt sind. Verlierer dieses Streits und dieser Entscheidung sind ganz eindeutig die Fans der Strandpartys, und das sind die Jugendlichen aus der Region. Es ist ja nicht so, dass derartige Events hierzulande überall und ständig zu finden sind. Der Bedarf war da, um die 3000 Menschen kamen zu den Veltener Partys. Dass es angeblich nicht möglich sein soll, zwei- bis dreimal im Jahr auch mal ein wenig lauter zu werden, ist sehr schade. Die angedachten Familienfeste sind eine schöne Idee, aber sie ersetzen nicht diese Diskoabende und -nächte. Sie haben vermutlich eine ganz andere Zielgruppe.

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Warmer Tunnel für den Spargel

Freitag, den 21. Februar 2014
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Das Wetter ist günstig: Vorbereitungen für die Ernte rund um Kremmen laufen bereits

MAZ Oranienburg, 21.2.2014

KREMMEN
Das warme Wetter der vergangenen Wochen sorgt dafür, dass der Spargel schneller wächst. Schon jetzt herrscht auf den Feldern rund um Kremmen Hochbetrieb. „Wir sind ungefähr zehn Tage früher dran als normalerweise“, erzählte gestern Malte Voigts, der Geschäftsführer des Spargelhofes in Kremmen.

Auf einem Feld in der Nähe von Flatow sind am Vormittag bereits die Erntehelfer unterwegs gewesen, um sogenannte Minitunnel anzulegen. „Sie wirken wie ein Gewächshaus“, so Malte Voigts. Schon im vergangenen Dezember sind die Spargelhügel mit schwarzen Folien belegt worden, sie sollen die Sonnenwärme in die Erde leiten. Über diese Folien wird nun eine weitere Klarsichtfolie gespannt. Befestigt wird sie einerseits mit Sand, andererseits durch darüber aufgestellte Stahlbügel.
Somit kann sich zwischen der Klarsichtfolie und dem Hügel ein Luftpolster bilden. „Unabhängig von der Außentemperatur können in dem Tunnel Werte von 28 Grad erreicht werden“, erzählt der Spargelhof-Geschäftsführer. Der Vorteil: Der Spargel könne an diesen Stellen zwei Wochen früher als normalerweise geernet werden. Falls es allerdings wieder Frost gibt, sind die Bemühungen hinfällig. „Bei extremer Kälte nützt das nichts“, so Voigts. Die Meteorologen rechnen allerdings nicht mehr damit, dass es noch mal einen Wintereinbruch gibt. Deshalb meint Voigts, dass Ende März die Ernte beginnt. „Für uns ist das momentane Wetter fast ideal“, sagte er gestern. Ein bisschen mehr Sonne wünscht er sich allerdings schon noch. „Hauptsache kein Schnee!“

Ganz anders ist die Situation auf der Belafarm in Beetz. Dort haben die Vorbereitungen noch nicht begonnen. „Wir fangen erst im März so richtig an“, sagte gestern Nachmittag Kristin Gansewig, die Assistentin der Belafarm-Geschäftsführung in einem MAZ-Gespräch. Der Spargel nimmt in dem Unternehmen eine Fläche von 20 Hektar ein. „Bei uns ist er eher ein Nebenprodukt“, so Gansewig weiter. „Wir bauen ihn nicht so intensiv an.“ Ein Credo bei der Belafarm sei es, den Spargel im natürlichen Fluss zu belassen, es werde also nicht besonders nachgeholfen, damit er schneller wächst. Gansewig rechnet damit, dass der BeetzerSpargelverkauf Ende April beginnt.
In einem Punkt ist sich Kristin Gansewig sehr sicher: Der Markt für den Spargel in der Region ist gesättigt. „Neben den Beelitzern und den Kremmenern gibt es eigentlich kaum noch Platz“, sagte sie gestern.

Der Kremmener Spargelhof dagegen vergrößert sich weiter. Die Rhinland Agrar GmbH von Malte Voigts bewirtschaftet in diesem Jahr 200 Hektar mit Spargel. Das sind 30 Hektar mehr als im vergangenen Jahr. Eine Fläche bei Flatow sei neu dazugekommen. „Das ist dann aber auch unsere maximale Ausdehnung“, erklärt Voigts.
Seit Sommer 2008 wird rund um Kremmen der Spargel angebaut. Einige der Flächen werden bald ihre Altersgrenze erreichen. „Dann werden wir dort wieder Getreide anbauen“, kündigt Voigts an. Ein paar Jahre später könnten dort aber wieder Spargelhügel angelegt werden.
Auch personell wird sich der Spargelhof in diesem Jahr vergrößern. Auf 550 bis 600 Mitarbeiter soll der Betrieb im Frühjahr anwachsen. Das sind etwa 100 mehr als im Vorjahr. So soll nach Angaben des Geschäftsführers beispielsweise das Spargelrestaurant auf dem Hof personalintensiver werden. Ab April soll es erstmals parallel ein Restaurant im Zelt und eine Selbstbedienungstheke im Hofladen geben. Auch zehn weitere Verkaufsstände sollen in der Region hinzukommen. „Wir verkaufen inzwischen in einem Radius von 100 Kilometern“, sagte Malte Voigts gestern. Ein ganz besonderer Verkaufsstand entsteht auf demSpargelhof selbst: ein Drive-in. Das ist für Leute, die in Kremmen nicht extra vom Parkplatz zum Hofladen laufen wollen. „Wir bauen eine kleine Blockhütte auf, dort wollen wir dann auch Spargel verkaufen.“

Ebenfalls neu ist, dass in diesem Jahr Heidelbeeren in Kremmen angebaut werden sollen. Auch dafür sucht Voigts Mitarbeiter. Momentan laufen die Ausschreibungen für die Jobs in Kremmen. „Ich habe ein paar Bedenken, dass wir alle Stellen besetzen können, aber bisher haben wir das in jedem Jahr geschafft.“
Falls wettermäßig nichts dazwischenkommt, beginnt mit der Spargelernte in Kremmen auch der Publikumsbetrieb auf dem Spargelhof. Zu Ostern, am Sonnabend, 19. April, ist die offizielle Saisoneröffnung geplant. Dann findet auch ein Kunst-, Handwerker- und Trödelmarkt statt.

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Küssen als Protest

Donnerstag, den 13. Februar 2014
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Oberhavel-Promis machen Mundpropaganda gegen Homophobie: Sie sind Freunde, Kollegen oder haben sich erstmals getroffen

MAZ Oranienburg, 13.2.2014

OBERHAVEL
Es ist bloß ein Kuss. Könnte man meinen. In diesem Fall drückt der Kuss Protest und Entschlossenheit aus. Oberhavel setzt ein Zeichen gegen Homophobie. Sportler, Musiker, junge Politiker und engagierte Schüler sind dabei. Sie küssen sich. Sie sind keine Paare. Sie wollen viel mehr ein Zeichen setzen für die Gleichstellung von schwulen Männern und lesbischen Frauen. Angestoßen hatte die Aktion die Zeitschrift „GQ“. Im Dezember ließen sich diverse nicht-schwule Promis küssend ins Bild setzen. Oberhavel zieht jetzt nach.

Das Outing des Ex-Fußballnationalspielers Thomas Hitzlsperger sorgte im Januar für Wirbel – es stand auf allen Titelseiten. Zu den Bundestagswahlen im Herbst 2013 war die sogenannte Homoehe ein Streitthema. Vor den Olympischen Spielen in Sotschi rief Russlands Präsident Wladimir Putin mit seinem Anti-Homosexuellen-Gesetz Empörung hervor.

„Ich bin mein ganzes Leben lang Sportler“, erzählt Simon Herold. Der 26-Jährige ist Torwart beim Oranienburger Handballclub (OHC). „Olympia ist das Größte, was ein Sportler erreichen kann. Schwul oder nicht, das ist doch dann so was von egal.“ So sieht das auch sein „Kusspartner“ Robert Kählke, ebenfalls Spieler beim OHC. „In Deutschland hat sich die Situation ja zum Glück ziemlich entspannt.“

Landesschülersprecherin Josephin Bär sieht das ein wenig anders. „In der Schule ist es fast schon normal, den Spruch zu hören: Du bist ja schwul! Nur weil man rosa Nikes an hat“, sagt die 17-Jährige aus Glienicke, die das Oranienburger Runge-Gymnasium besucht. Sie küsste Lisa Westphal (23), eine Mitstreiterin bei der Jungen Europäischen Bewegung Berlin-Brandenburg. „Es ist doch egal, wen man liebt“, sagte Josephin. „Aber in Russland nehmen die Übergriffe leider wieder zu“, ergänzte Lisa. Beiden ist es wichtig, ein Zeichen gegen Homophobie zu setzen. Josephin: „Wir wollen mehr Liebe in die Welt bringen.“

Zwar gebe es mehr Gesetze für die Gleichstellung von Homosexuellen, aber die Gesellschaft habe sich eher zurückbewegt, findet Lukas Lüdtke. Der 24-jährige Hohen Neuendorfer ist Co-Vorsitzender der Linken in Oberhavel. Seinen Kusspartner lernte er erst beim Fototermin kennen. Torsten Kupka (21) aus Grieben ist Mitglied der SPD. „Es gibt ja nicht nur Probleme in Russland. In Südafrika ist allein der Fakt, schwul zu sein, ein Verhaftungsgrund.“ Die heutige Generation in Deutschland nehme Homosexulität meistens als selbstverständlich hin, dennoch komme es selbst in Berlin vor, dass Schwule bepöbelt werden.

Auch die „Kreisstadthelden“ küssen sich, um gegen Homophobie zu kämpfen. „Alle reden immer davon, wie offen Deutschland ist“, sagte Thomas Schenk (28), der Sänger der Oranienburger Band. „Aber dann war die Homoehe bei den Wahlen doch ein großes Thema. Ich dachte, das haben wir vor zehn Jahren abgeschlossen.“ Drummer Fabian Walgenbach (26) aus Birkenwerder bringt die Küsserei auf den Punkt: „Wir sind alle Menschen, jeder soll so sein, wie er eben ist.“

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Das zweite Berlin im Krämer Wald

Donnerstag, den 6. Februar 2014
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Die Nazis bauten zwischen Pausin, Staffelde und Bötzow Anlagen auf, die die Bomber von der Großstadt ablenken sollten

MAZ Oranienburg, 6.2.2014

OBERKRÄMER/KREMMEN
Alles sollte aus der Luft betrachtet so aussehen wie das Original: Straßenzüge, Kreuzungen, Häuser und viel Licht. So, wie es 1940 rund um die Friedrichstraße in Berlin-Mitte eben aussah. In Wirklichkeit befand sich das Areal auf einem Feld zwischen Eichstädt und Vehlefanz. Die Straßenschluchten waren beleuchtete Waldschneisen. Neu-Berlin sagten die Leute damals zu dieser sogenannten Scheinanlage. Rund um die Reichshauptstadt bauten die Nazis im Zweiten Weltkrieg diese Anlagen auf, um die englischen und amerikanischen Bomber von ihren eigentlichen Zielen abzulenken. An anderen Stellen wollten sie angriffswürdige Ziele vertuschen.

Über dieses Kapitel deutscher Geschichte ist bislang nur wenig bekannt. Der Berliner Hobbyforscher Peter Reinhardt befasst sich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema. Am Dienstagabend hielt er einen Vortrag in Grünefeld (Havelland). „Es gibt kaum Infos und Dokumente“, erzählte er.

Rund um den Krämer Wald, in einem Gebiet zwischen Pausin, Staffelde und Bötzow befand sich die größte Anlage in der Region. Sie trug die Bezeichnung „V-500“, die Engländer gaben ihr den Namen „Decoy-City“ oder auch „Berlin-Nauen 1“. Sie sollte an zwölf Stellen eine Gesamtdarstellung von Berlin simulieren. Dazu gehörte die Friedrichstraße nahe Eichstädt, Bahngleise und Güterbahnhöfe bei Eichstädt, Grünefeld und Perwenitz oder ein Flughafen bei Pausin. „Die Leute in diesen Gebieten fragten sich immer wieder, warum dort ab und zu Bomben gefallen sind“, erzählte Peter Reinhardt. Oftmals sei erst nach dem Krieg die Existenz einer solchen Anlage klar gewesen.
Mehrere dieser Bauten standen nahe Pausin. Nördlich des Dorfes installierten die Nazis Metallwannen mit einem Altöl-Benzingemisch. Die Flammen sollten aus der Ferne einen Großbrand simulieren. Ebenfalls bei Pausin ist ein ganzer Flughafen zum Schein simuliert worden. Dazu gehörten große Modellflugzeuge aus Holz, die immer hin und hergeschoben worden seien, um Verkehrsbewegungen darzustellen. Auf einem Acker bei Perwenitz gab es ganze Schienenanlagen, die den Bahnverkehr aber ebenfalls nur simulierten. Ebenso nahe Eichstädt und Grünefeld. Die heutige Autobahn 10, der Berliner Ring, war damals noch nicht fertig, aber der Brückenkopf bei Paaren im Glien stand bereits, die Fundamente dienten ebenfalls als Scheinanlage. Nahe der alten Grünefelder Mühle standen Scheinwerfer, auf einem Feld am Vehlefanzer Weg bei Börnicke sind ähnliche Entdeckungen gemacht worden. Auf den Feldern zwischen Staffelde, Groß-Ziethen und Klein-Ziethen befanden sich, ähnlich wie bei Eichstädt, beleuchtete Schneisen im Wald – auch sie sollten teilweise die Großstadt darstellen. Wer zwischen Paaren im Glien und Perwenitz unterwegs ist, wird nahe der Tankstelle am Berliner Ring auf alte Fundamente solcher Bauten treffen. „Man muss aber ganz genau hinsehen“, sagte Peter Reinhardt. „Es steht beispielsweise eine Holzhütte darauf.“ In einem Waldstück bei Schönwalde-Glien entdeckte er lauter Erdhügel, auf denen in den 1940er-Jahren Scheinwerfer standen, die ebenfalls einen Teil der Stadt Berlin simulieren sollten.

Kräfte der Luftwaffe stellten den Betrieb der Anlagen sicher. Um sie vor Bombenangriffen zu schützen, sind jeweils unweit davon leichte Bunker gebaut worden. In Grünefeld ist einer heute noch zu sehen.
Dass Berlin etwa 30 Kilometer weiter südöstlich vom Krämer Wald liegt, bekamen die Engländer aber schnell mit. Auf Karten vermerkten sie die Scheinanlagen von „Decoy-City“. 30 englische und amerikanische Flieger sind bis zum Ende des Krieges in der Region abgestürzt.

Peter Reinhardt hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Kapitel der Scheinanlagen bekannter zu machen. Er sucht weiter nach Zeitzeugen, Fotos und Dokumenten

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Simulierte Heinkel-Werke bei Nassenheide
Eine Auswahl von Scheinanlagen während des Zweiten Weltkrieges:
Bei Mühlenbeck befand sich in den Rieselfeldern eine Anlage, die mit Scheinwerfern und Rauch einen Großbrand simulieren sollte. In der Nähe von Nassenheide sind Teile der Anlage des Germendorfer Heinkel-Werkes nachgestellt worden.
In einem Gebiet zwischen Pausin, Staffelde und Bötzow befand sich die Scheinanlage „V-500“. Innerhalb dieses Kreises sind diverse Maßnahmen ergriffen worden, um die Bomber von Berlin abzulenken. Zwischen Staffelde und Groß-Ziethen befanden sich beleuchtete Waldschneisen, die Berliner Straßenzüge darstellen sollten.
In der Region Eichstädt/Vehlefanz befanden sich Signalraketen, Schein-Bahn- und Verkehrsanlagen sowie ein Scheinfeuer. Auch ist dort ein Teil von Berlin-Mitte durch Schneisen und Lichter simuliert worden. Eine weitere Anlage bestand, laut einer Karte, zwischen Velten und Schönwalde.
Südlich von Pausin ist ein Testfeld angelegt worden, auf dem alle Scheinanlagen erprobt worden sind. Auch gab es dort eine komplette Flugplatzanlage – ebenfalls nur zum Schein. Noch vor dem Bau des Berliner Rings diente der schon fertige Brückenkopf nahe Paaren im Glien ebenfalls als Scheinanlage.