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In der Zeitung erschienen

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Sechs Monate Abenteuer unter dem südlichen Wendekreis

Montag, den 6. Oktober 2014
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Torsten Weigel (25) aus Oranienburg startet in zwei Wochen die Tour seines Lebens

MAZ Oranienburg, 6.10.2014

ORANIENBURG
Los geht’s in Windhoek. Weihnachten in Sydney. Frühjahr in Südamerika. Torsten Weigel erfüllt sich einen Lebenstraum. Der 25-Jährige aus Oranienburg tourt für ein halbes Jahr durch drei Kontinente unterhalb des südlichen Wendekreises.
Am 20. Oktober beginnt das Abenteuer mit dem Flug von Frankfurt/Main nach Namibia. Allerdings wird es keine reine Spaßreise. „Ich habe mich entschieden, das als Projekt zu machen“, sagt Torsten. Wir alle haben die Möglichkeit, ihn im Internet dabei zu begleiten. Auf seiner Seite www.weigelontour.com wird er regelmäßig schreiben und Fotos hochladen. Jeden Monat berichtet er außerdem für die Internetseite des Magazins „National Geographic“.

Die Vorbereitungen dafür laufen seit mehr als einem Jahr. Reiseroute festlegen. Sponsoren und Partner suchen. Recherchen über die einzelnen Länder, die er bereist. Und natürlich: Flüge buchen.
Die meiste Zeit, etwa 70 Prozent der Tour, wird Torsten Weigel alleine unterwegs sein. „Für riskante Punkte werde ich aber Begleiter haben, zum Beispiel bei der Wanderung durch Südafrika.“ Auch das Bergwandern birgt Gefahren, die er besser nicht alleine bewältigen will. Für die 1700-Kilometer-Abschlussetappe mit dem Rad quer durch Südamerika, vom Pazifik zum Atlantik, kommt ein Freund dazu, um ihn dabei zu begleiten.
Torsten wird wandern, Rad fahren, mit einem Jeep unterwegs sein, in Australien mit dem Kajak paddeln und natürlich mit dem Flugzeug reisen. Sein Gepäck wiegt etwa 23 Kilo. Er ist schon oft auf Reisen gewesen, deshalb ist das Packen für ihn kein Problem.
In den verschiedenen Ländern will der 25-Jährige auf die Ortsansässigen zugehen, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Er weiß, dass viele der Regionen von rauen Klimaten geprägt sind. Er will rausfinden, wie diese äußeren Bedingungen, zusammen mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, das Leben der Menschen beeinflussen? „Ihre Ziele, Ängste, Hoffnungen und täglichen Herausforderungen – ich bin mir sicher, dass ich spannende Geschichten zu hören bekomme“, sagt der Oranienburger. Schon im Vorfeld hat er sich intensiv mit den Ländern beschäftigt. „Aber ich weiß, dass trotzdem Pannen passieren werden, aber um so besser ich vorbereitet bin, desto besser komme ich damit auch klar.“

Neu sind diese Überlegungen für ihn aber nicht. Er war schon in Neuseeland auf Tour und hat einen 6000er-Berg in Südamerika bezwungen. Fit ist er sowieso. Torsten Weigel ist Triathlet, seit einem Jahr spielt er Handball, acht Jahre lang war er beim Judo aktiv.Gerade hat er seine Bachelorarbeit über die Bedingungen des Harz-Triathlons fertiggestellt. Wenn er wieder von seiner Tour zurückkommt, möchte er als Journalist arbeiten. Für die MAZ in Oranienburg schreibt er seit Jahren als freier Mitarbeiter.
Jetzt aber erst mal das große Abenteuer. Angst? „Eher ein gesunder Respekt“, sagt er. „Eine Portion Demut, ich werde unterwegs versuchen, auf dem Teppich zu bleiben.“ Aber Zeit, durchzuatmen, zu genießen und auszuruhen, die wird unterwegs sicherlich auch sein.

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Regional, bodenständig, modern

Dienstag, den 30. September 2014
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Carsten Obermayr ist Küchenchef im Groß-Ziethener Schloss. Er gehört zu den fünf besten Meisterköchen in Brandenburg.

MAZ Oranienburg, 30.9.2014

GROSS-ZIETHEN
Irgendwann müssen die Tester in Groß-Ziethen gewesen sein. Carsten Obermayr hat das aber erst im Nachhinein mitbekommen. Der Küchenchef im Schlossrestaurant war nominiert für den Titel „Brandenburger Meisterköche“. Gewonnen hat er zwar nicht, aber einer der fünf besten Köche in Brandenburg zu sein, „ist auf jeden Fall eine große Ehre“, sagt der 44-Jährige. „Das ist eine tolle Bestätigung für das, was wir hier so machen.“

Seit März 2013 ist Carsten Obermayr in Groß-Ziethen aktiv. „Mein Ziel ist eine Mischung aus regionaler, bodenständiger und moderner Küche“, sagt der Berliner. Zwar möchte er keine rustikalen Wirtshausteller anbieten, aber auch nicht die, auf denen letztlich kaum was drauf ist. Momentan bietet er Reh aus der Schorfheide an, dazu Steinpilze aus der Region. Nicht fehlen darf eine Kürbissuppe mit exotischen Aromen. „Wir haben die regionale Küche bei uns stark integriert, sie dient aber nicht dem Selbstzweck.“
Immer wieder setzt er sich mit seinem Team zusammen, um zu schauen, was den Gästen angeboten werden könnte. „Da spielen natürlich die saisonalen Produkte immer auch eine Rolle.“ Obermayr arbeitet mit sechs Kollegen, darunter zwei Auszubildende. Er selbst ist gelernter Koch und sein Lebenslauf ist lang.

„Ich wollte damals Koch werden, weil ich gerne Gäste bewirte“, erzählt Carsten Obermayr. „Und das ist immer noch so.“ Bevor er nach Groß-Ziethen kam, arbeitete er in einem großen Berliner 570-Betten-Hotel mit 22 Köchen. „Da kocht man nicht mehr selbst, da hängt viel Büroarbeit mit dran.“ Das wollte er nicht mehr, stattdessen wünschte er sich wieder mehr Zeit für das Kochen an sich. Deshalb fühlt er sich im Schloss Ziethen nun sehr wohl. Gerade ist das frische Gemüse angeliefert worden. „Hier sehe ich die Speisen in ihrem Urzustand bis zu dem Zeitpunkt, wo der Gast das Essen auf dem Teller hat. Das ist für mich das Spannende.“

Seine Ausbildung bekam er beim bekannten Sternekoch Alfons Schuhbeck in Waging am See in Oberbayern. Später arbeitete er in Regensburg, war Küchenchef eines Landgasthofes, arbeitete im Restaurant „Tantris“ in München – „Bis heute eines der zehn besten Restaurants in Deutschland.“ –, kochte ein Jahr auf Ibiza, in einem privaten Gourmetklub in Hamburg und leitete ein Hotel in einem kleinen Weinort am Rhein. „Andere Köche waren gradliniger als ich“, sagt Carsten Obermayr. „Andererseits sind die vielen Wechsel aber auch normal. Ich wollte im Laufe der Jahre die verschiedenen Kategorien sehen und erleben, wie dort gearbeitet wird.“

Er selbst mag am liebsten Schmorgerichte – „und Pasta in jeder Art.“ Nudeln kocht er für sich und seine Frau relativ oft. „Pasta hat ja immer gern den Ruf der Banalität“, sagt Carsten Obermayr. „Aber es liegt ja am Koch und nicht an der Nudel, was man daraus macht.“

Sein Tag in der Küche beginnt meist gegen 11 Uhr, Feierabend ist etwa 21 Uhr, je nachdem wie viele Gäste da sind. Für Ausflüge in die Umgebung bleibt da kaum Zeit. „Ab und zu setze ich mich aber aufs Rad.“ Bevor er in Groß-Ziethen zu arbeiten begann, kannte er die Gegend kaum. „Aber ich finde es hier unheimlich beruhigend, sehr entspannt, aber nicht öde“, sagt der Küchenchef, bevor er sich wieder dem gerade gelieferten Gemüse zuwendet.

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Zum Schluss macht Schule plötzlich Spaß

Donnerstag, den 25. September 2014
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Seit 1997 erscheinen am Louise-Henriette-Gymnasium Abitur-Jahrbücher. Die Machart hat sich seitdem stark verändert.

MAZ Oranienburg, 25.9.2014

ORANIENBURG
Kinder, wie die Zeit vergeht. Und wie modern sie geworden ist. Aber auch irgendwie inhaltsleerer. Und ein bisschen Wehmut ist immer dabei.
Wer sich durch die Abiturbücher des Oranienburger Louise-Henriette-Gymnasiums (LHG) blättert, wird solche Sätze darin immer wieder finden, egal ob 1997 oder 2014: „Wir treten ab. Wir kommen nie mehr wieder. Machen die Fliege.“ „Zum Schluss macht Schule plötzlich Spaß.“ „Die Bildungselite steht bereit zum Sturm auf die Chefetagen.“ „Wir schauen stolz zurück. Aber nicht zu lange. Schließlich fängt jetzt das wirkliche Leben an.“ „Louise, es war schön in dir.“

Das LHG feiert in diesen Tagen seinen 20. Geburtstag. Im Jahre 1997 verließ der erste Abiturjahrgang die Schule – zum ersten Mal erschien damals ein Abiturbuch und von da an Jahr für Jahr.
Wie sich diese Bücher im Laufe der Zeit verändert haben, ist spannend zu beobachten. Nicht nur die Art der Herstellung hat sich geändert: Haben sich in den ersten Jahren rund um die Abiturzeit immer ein paar Leute gefunden, die das Heft im wahrsten Sinne des Wortes in die Hand nahmen, machen das am LHG inzwischen Arbeitsgemeinschaften, die bereits ein Jahr vor Redaktionsschluss mit der Arbeit beginnen – ganz offiziell im Unterricht.

An das Internet, an aufwändige Computer- und Layoutprogramme war Ende der 90er-Jahre kaum zu denken. So sehen auch die Abibücher – damals eher noch -hefte – aus. Liebevoll auf Word-Seiten gestaltet.
Der Jahrgang 1997 verabschiedete sich mit einer Fibel. „Die Beste, wo’s gibt“, stand darauf. Bilder auf dem Cover? Fehlanzeige. Aber schließlich kam es auf den Inhalt an. Was sich die damaligen Abiturienten ausdachten, gilt auch heute noch: Erinnerungen an die Schulzeit, liebevolle Bösartigkeiten zum Abschied an die Lehrer – und natürlich die persönlich gestalteten Seiten der Abiturienten selbst. 1998 gab es erstmals einen Adressanhang – an E-Mail-Adressen war vor 16 Jahren allerdings noch nicht zu denken. Längst nicht alle hatten damals ein elektronisches Postfach.

Neue Maßstäbe setzte der Jahrgang 2001. Farbe! „Dabei sein ist alles!“, lautete das Motto der damaligen Abgänger und sie schrieben gleich „75 Gründe, mal nicht zur Schule zu gehen“ (Grund Nummer 26: Sex) und „100 Fragen, die uns schon immer bewegten“ (Frage 91: Warum ist Mittwoch nicht Ruhetag?) dazu.
Der Jahrgang von 2003 hatte genug von den relativ einfach gehefteten Abibüchern. Erstmals erschien ein 100-seitiges, aufwändig gedrucktes Buch. Die technischen Möglichkeiten schritten voran.
2005 hatte jeder Abiturient eine eigene Seite zu füllen. Vor allem mit Texten. Das muss an dieser Stelle betont werden. Aber dazu später mehr. Lang und breit ist über Kursfahrten, aufgeführte Theaterstücke geschrieben worden. Dazu Briefe an die Tutoren – und ihre Antworten. Alles sehr ordentlich im vorgegebenen Layout.
Layouts spielten schon 2006 keine Rolle mehr. Jeder Abiturient konnte von da an mit seiner Erinnerungsseite machen, was er oder sie wollte. Sei es handschriftlich oder besonders aufwändig. Mal mit Papagei, mal mit Milka-Schokolade oder rauchend auf einem Plastikstuhl. Und wer im Buch von 2008 keine Seite ablieferte, bekam ein Sprüchlein mit auf den Weg. Wie dieses: „Das ist M. Im Mathe-LK hat er Länder aus dem Tafelwerk radiert. Da blieb keine Zeit mehr für eine eigene Seite.“ Oder: „Das ist V., bin unterwegs/keine Zeit/muss arbeiten/cu/hegdl.“

Der Charakter der Abschlussbücher hat sich stark verändert. Sie sind mehr und mehr ein Kaleidoskop des Schulalltags, der Jugendzeit geworden: Lernen und Feste feiern. Selfies. Gruppenbilder, Partyschnappschüsse, Grimassen. Längere Texte sind Bildern gewichen. Die Bücher sind zu heiteren Fotoalben geworden. Eines ist aber gleich geblieben: Die leise Wehmut, die da mitschwingt. Und: die mitunter sehr kreativen Namen für die Bücher. „Abistrokratie – Der Pöbel bleibt, der Adel geht“ (2012), „RehABIlitation – zurück ins Leben“ (2009) oder zur Jahrtausendewende „Abikalypse 2000 und ihre Folgen“.

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Keiner wird gewinnen

Mittwoch, den 24. September 2014
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Das Comedyduo Emmi und Herr Willnowsky tritt viermal im ausverkauften Theater in Kremmen auf

MAZ Oranienburg, 24.9.2014

KREMMEN
Fast wären Emmi und Herr Willnowsky am Montag nicht pünktlich in Kremmen angekommen. Irgendwo bei Velten stoppte der Zug aus Berlin und fuhr plötzlich wieder zurück. Das Comedyduo musste in Hennigsdorf abgeholt werden.
Viermal präsentieren die beiden im Theater „Tiefste Provinz“ ihr neues Programm „Keiner wird gewinnen“, und viermal ist es ausverkauft. Heute und morgen Abend stehen sie erneut auf der Bühne, um sich gegenseitig mehr oder weniger liebgemeinte Unverschämtheiten um die Ohren zu hauen. „Das Liebesleben von Kuschelmäuschen und mir ist nicht zum Besten bestellt“, sagt sie, woraufhin er sagt: „Sie ist zu dick!“ Willnowsky über seine Frau: „Meine Frau hört nachts Stimmen aus dem Kühlschrank. Vom Käse, von der Wurst und vom Kuchen. Nur der Salat sagt nie etwas.“

Mehr als zwei Stunden werfen sich die beiden die verbalen Bälle zu, wobei Willnowsky die eher derben Späße von sich gibt, während Emmi versucht, die Contenance zu halten – was ihr nicht immer gelingt.
Zwischendurch suchen sie für den Theaterleiter eine „Tagesabschlussgefährtin“ und fragen Tina aus Schwante in dem Zusammenhang, ob sie Single ist und ein Eigenheim besitzt. Das Publikum wird die ganze Zeit über liebevoll ins Programm integriert – und wenn mal ein Zuschauer aufs Klo muss, dann warten Emmi und Herr Willnowsky schon mal auf der Bühne, bis sie weitermachen können und der Klogänger mit Szenenapplaus zurückgegrüßt wird.

„Das Schöne in Kremmen ist, dass hier eine besonders angenehme Atmosphäre herrscht“, sagte Christoph Dompke, alias Emmi, am Montagabend nach der Kremmener Premiere. „Die Brandenburger haben einen guten Humor“, ergänzte Christian Willner, alias Valentin Willnowsky. „Da gibt es kaum Berührungsängste, auch bei derben Pointen, das ist toll.“
Seit 18 Jahren sind die beiden als Emmi und Herr Willnowsky unterwegs. Etwa 20 Minuten vor dem Auftritt geschieht die Verwandlung von Herrn Dompke in Frau Emmi. „Das Make-up ist ja relativ einfach.“
Ihr Programm bietet mit Absicht viel Raum für Improvisation. „Die Reihenfolge der Lieder steht fest, die Gags dazwischen sind variabel“, so Dompke. Kein Abend gleicht also dem anderen.

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Gerichtsbericht: Zehn Monate Haft auf Bewährung für Uwe K.

Mittwoch, den 17. September 2014
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Urteil im Kremmener Erntehelferprozess: Die vier Angeklagten sind für schuldig befunden worden. Opfer bekommen Geld.

MAZ Oranienburg, 17.9.2014

STAFFELDE
Nach drei Verhandlungstagen sind vor dem Amtsgericht Oranienburg gestern die Urteile gegen die vier Männer gesprochen worden, die im Mai 2013 in Staffelde zwei polnische Erntehelfer geschlagen und körperlich misshandelt haben.

Wegen schwerer Körperverletzung und Freiheitsberaubung ist der Haupttäter, der 51-jährige Uwe K. aus Staffelde, zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Er muss zudem eine Geldstrafe in Höhe von 750 Euro an „Ärzte ohne Grenzen“ zahlen. Für seinen Sohn Ralf K. lautete das Urteil acht Monate auf Bewährung und 500 Euro für die Oranienburger Behindertenwerkstatt St.Johannesberg. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Die anderen beiden Männer haben eine mildere Strafe wegen Freiheitsberaubung bekommen. Sie waren an den Misshandlungen nicht direkt beteiligt. GeraldB., der jüngere Sohn von Uwe K., muss 600 Euro an das Veltener Seniorenzentrum St. Elisabeth zahlen und erhielt eine Verwarnung. Benjamin J., ein Freund der Familie, muss Tagessätze in Höhe von insgesamt 1200 Euro zahlen.

Nur Uwe K. hatte mündlich vor Gericht ausgesagt, die Tat zugegeben und um Verzeihung gebeten. Alle vier Angeklagten zusammen haben als Täter-Opfer-Ausgleich zudem je 2000 Euro an die beiden Geschädigten gezahlt und sich in schriftlicher Form entschuldigt. Für das Gericht unter dem Vorsitz von Katrin Arbandt sorgte diese Vereinbarung am gestrigen Nachmittag für mildernde Umstände beim Strafmaß.

Am 13. Mai 2013 liefen gegen 17 Uhr drei Helfer des Kremmener Spargelhofes von einem Feld bei Flatow zu Fuß zu ihrer Unterkunft. Auf einem Waldweg sind sie von mehreren Männern angehalten worden. Zuvor hatte Ralf K. per Handy seinen Vater informiert, schließlich ist am selben Morgen auf einem Grundstück in Staffelde eingebrochen worden. K. vermutete, dass es sich um die Gesuchten handelte. Da die Saisonarbeiter kaum Deutsch verstehen, wussten sie nicht, worum es geht und wollten flüchten. Sie dachten, sie befinden sich widerrechtlich auf einem Privatgrundstück. Einer der Erntehelfer konnte flüchten. Die anderen beiden Männer wurden gejagt, geschlagen, zu Boden gerissen und getreten. Später sind ihnen die Beine gefesselt worden. Sie mussten in ein Auto steigen. Die Opfer hatten, so sagten sie es in ihrer Vernehmung, zeitweise Todesangst. Uwe K. wollte die aus seiner Sicht Verdächtigen zur Gegenüberstellung auf den Hof fahren, wo sie angeblich den Einbruch verübt haben sollen. Dort sind die polnischen Männer mit den Armen an eine Palette gefesselt worden. Erst ein Verantwortlicher vom Spargelhof rief per Telefon die Polizei.

Richterin Arbandt legte auf die Feststellung Wert, dass die Tat der Männer aus Staffelde auch dann falsch gewesen wäre, wenn die Erntehelfer tatsächlich die Einbrecher gewesen wären. Ein Anspruch auf das Jedermann-Festnahmerecht sei zudem abwegig, da man neun Stunden nach der Tat nicht davon sprechen könne, die möglichen Täter seien auf frischer Tat ertappt worden. Auch eine nur vage Vermutung reiche dafür nicht aus. Sie bezeichnete die Tat als „völlig überflüssig und überzogen“.
Zwar habe dieser Fall von Selbstjustiz, da waren sich alle einig, nichts mit einer rechtsradikalen Tat zu tun, aber Piotr Duber, der Anwalt der Opfer, warf den Begriff der Fremdenfeindlichkeit in den Raum – mit Betonung auf „fremd“. Es sei falsch, alles Fremde zunächst negativ zu sehen.

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Der Countdown läuft: Sonntag schrillt der Wahlwecker

Donnerstag, den 11. September 2014
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Acht Jugendliche aus ganz Brandenburg klären über Politik auf. Die Tour führte durch Oberhavel.

MAZ Oranienburg, 11.9.2014

OBERHAVEL
Der Wecker klingelt! Spätestens am Sonntag, wenn um 8 Uhr in Brandenburg die Wahllokale öffnen. Es ist Landtagswahl und eine Gruppe mit acht Jugendlichen hat es sich zum Ziel gesetzt, dass die Wahlbeteiligung hoch wird. „Hauptsache, sie fällt nicht
unter 50 Prozent, so wie in Sachsen neulich“, sagt Maximilian Genz. Der 20-Jährige aus Schwanebeck (Barnim) gehört zum Wahlwecker-Team, das in den vergangenen
zwei Wochen – und noch bis Sonntag – durch ganz Brandenburg reist, um die Leute zu wecken, insbesondere aber junge Leute. Am vergangenen Wochenende
war es in Oberhavel unterwegs. Im Jugendklub „T-Point“ in Leegebruch verbrachte es zwei Nächte.

Zum Wahlwecker-Team – Motto: „Aufwachen! Wählen gehen!“ – gehören acht junge Leute, darunter auch Josephin Bär (18) aus Glienicke, die unter anderen vom Landesschülerrat, vom Jugendpresseverband und vom Potsdamer Stadtjugendring kommen.
„Wir fahren mit unserem Bus zu öffentlichen Plätzen“, erzählt Thi Ngoc Truc Nguyen (18) aus Werder (Potsdam-Mittelmark). „Wir treffen uns mit Politikern aus der
Region, sprechen Jugendliche an, machen Videos, Fotos und schreiben einen Blog.“ Auf der Internetseite www.wahlwecker-tour.de sowie auf Facebook schreiben sie jeden
Tag über ihre Erlebnisse.

Erstmals dürfen bei der Landtagswahl Jugendliche schon ab 16 wählen gehen. „Das finde ich richtig“, sagt Josephin Bär. „Und eigentlich ist ja die Frage: Warum
erst ab 16?“
Gerade an Oberschulen hätten viele Schüler noch nicht gewusst, dass sie wählen dürfen, berichtet Wahlwecker-Teammitglied Thi Ngoc Truc Nguyen. „An den Gymnasien sieht das schon anders aus“, ergänzt sie.
Gleichzeitig kritisiert die Gruppe aber auch, dass sich Politiker immer weniger für die wahren Belange der Jugendlichen interessieren. Die Spitzenkandidaten würden sich dafür keine Zeit nehmen. „Es gibt Politiker, die sehr offen sind, andere aber gar nicht“,
sagt Josephin Bär. „Da läuft was schief in der Kommunikation.“
Allein das Wort „Jugendklub“ komme in vielen Wahlprogrammen gar nicht vor. „Es geht um Bildung, um Fachkräftemangel“, sagt Josephin. „Alles wichtige Themen, aber die jungen Leute kann man dafür nun mal nicht begeistern, auch wenn sie davon betroffen
sind.“ Im Wahlkampf würden die Jugendlichen meist vergessen.

Auch diesem Missstand will das Team entgegenwirken. In Oberhavel besuchten die
Wahlwecker-Leute das „Fest derFarben“ in Hennigsdorf. „Das hat Spaß gemacht“, sagt Josephin Bär. Danach traf sich ein Teil der Gruppe mit dem Glienicker Ortschronisten
Joachim Kullmann. Dabei ging es vor allem um die DDR-Geschichte des Ortes. Glienicke
ist bekannt für den „Entenschnabel“, die ehemals verwinkelte Grenze zu West-Berlin. „Die Unfreiheit in der DDR verbunden mit der heutigen Wahlfreiheit – ein
wichtiger Zusammenhang, sagt Josephin Bär. In Schwante waren sie am Sonnabend im Jugenddorf beim Kreiserntefest und beim Zwiebelkuchenfest auf dem Dorfanger.
Auch die Kulturmeile in Leegebruch steuerten sie an.

„Wir sind mit der Resonanz sehr zufrieden“, sagt Thi Ngoc Truc Nguyen. In Dallgow-Döberitz (Havelland) sind sie vom einem Team der ZDF-Kindernachrichtensendung
„Logo“ begleitet worden. Auf Facebook haben sie mehr als 600 Fans.
Am Sonntagabend treffen sie sich in Potsdam zur Wahlparty.
Eine Empfehlung für eine bestimmte Partei geben die Wahlwecker übrigens nicht. „Unsere Devise lautet: Geh’ demokratisch wählen!“, sagt Josephin Bär.

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Ab November ist die Straße frei

Mittwoch, den 10. September 2014
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Baustelle am Autobahndreieck Havelland: Restarbeiten laufen. Wolfslake bekommt Lärmschutzwand.

MAZ Oranienburg, 10.9.2014

OBERHAVEL
Noch ist das Autobahndreieck Havelland eine Großbaustelle. Bis November soll alles fertig und sollen die Fahrbahnen, Rampen und Brücken befahrbar sein. Rechtzeitig vor der Landtagswahl schaute sich Brandenburgs Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD) den Stand der Arbeiten am Knotenpunkt von A24 und Berliner Ring an.

“ir haben es mit einer der wichtigsten Verkehrsachsen zu tun“, so Vogelsänger. Es handele sich um den Beginn des sechsstreifigen Ausbaus der Autobahnen A10 und A24 zwischen dem Dreieck Barnim und Neuruppin. Für den Abschnitt rund um das Dreieck Havelland bis zur Anschlussstelle Kremmen belaufen sich die Kosten auf 52 Millionen Euro. Das Land Brandenburg trägt 15 Prozent für Planungskosten, der Rest kommt vom Bund und der Europäischen Union.

Die Bauzeit blieb mit 27 Monaten im Plan. „Für eine Großbaustelle ist das eine geringe Bauzeit“, sagte Catrin Lange vom Landesbetrieb Straßenwesen. Abgesehen von kurzen Sperrungen lief der Verkehr weiter. „Staus und Unfälle haben sich in Grenzen gehalten“, so Lange weiter.
Vier neue Brücken sind gebaut worden. Damit insbesondere Lastkraftwagen vor Unfällen geschützt sind, befinden sich auf den Brücken besonders stabile Leitplanken. Das Dreieck hat nach dem Umbau eine völlig neue Struktur, die Autofahrer mussten sich in den vergangenen Monaten an neue Wege gewöhnen. Nicht ganz zufrieden ist Catrin Lange vom Landesbetrieb mit der Fahrbahnqualität. In einigen Abschnitten weisen die neuen Trassen Bodenwellen auf. Teilweise ist dort schon nachgebessert worden.

Einiges ist bis November noch in Arbeit: Nahe Wolfslake entsteht gerade ein Lärmschutzwall, um die Anwohner zu schützen. Zwischen dem Anschluss Kremmen und dem Dreieck muss noch die Fahrbahn fertiggestellt werden.
Neu an der Strecke ist ein Relief mit dem Berliner Bären. Steinmetze aus Belzig arbeiten derzeit daran. Das kleine Bauwerk entsteht vor der Brücke bei Staffelde, über die die B273 führt. Hintergrund: Die jeweils letzte Brücke vor dem Berliner Ring ist auf den Autobahnen zur Hauptstadt speziell gekennzeichnet – durch eine „Bärenbrücke“ mit dem dort dargestellten Berliner Wappentier. Die A24 ist die letzte Autobahn, bei der es das noch nicht gab.

Wann es im weiteren Autobahnverlauf in Richtung Dreieck Barnim weitergeht, ist noch unklar. Bis Sommer 2015 wird auf dem Berlin zugehörigen Teilstück zwischen Pankow und Barnim gebaut. Für die Abschnitte im Bereich Oberkrämer, Birkenwerder und Mühlenbeck stehen noch keine Termine fest.Dort laufen laut Catrin Lange Klagen gegen das Planfeststellungsverfahren. „Wir haben noch kein Baurecht.“ Anders liegt der Fall bei der A24 zwischen Kremmen und Neuruppin. Dort mangelt es an entsprechenden finanziellen Mitteln.

Pläne gibt es unterdessen auch für die Tankstelle Wolfslake auf dem westlichen Berliner Ring. Zwischen dem Kreuz Berlin-Spandau und Potsdam-Nord ist eine neue Rastanlage geplant, genaue Zeitpläne gibt es auch dort noch nicht. Werden sie umgesetzt, soll die Wolfslaker Anlage jedoch geschlossen werden.