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In der Zeitung erschienen

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Ireen Sheer hat abends wieder Kopfweh

Sonntag, den 4. Dezember 2016
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Auch wenn es mit -1 Grad sehr kalt war – als die Schlagersängerin Ireen Sheer am späten Sonnabendnachmittag auf dem Hennigsdorfer Postplatz auftrat, herrschte recht gute Stimmung. Der Weihnachtsmarkt war zu diesem Zeitpunkt extrem voll.

MAZonline, 4.12.2016

Hennigsdorf.
Als die Schlagersängerin Ireen Sheer im Jahre 1978 für Deutschland am Eurovision Song Contest (hierzulande hieß er da noch Eurovision de la Chanson) teilnahm, da sang sie vom „Feuer“. Das hätten die Hennigsdorfer am späten Sonnabendnachmittag eventuell auch gebrauchen können. Zwar standen sie eng an eng auf dem Postplatz – mit -1 Grad war es dann aber doch recht kalt. Der Stimmung auf dem Weihnachtsmarkt tat das aber keinen Abbruch.
Es war richtig voll auf dem Postplatz, als Ireen Sheer (67) auf der Bühne stand. „Showtime“ hieß nicht nur ihr erster Song, das war auch das naheliegende Motto ihrer vorweihnachtlichen Show.

Bevor sie aber einige Weihnachtslieder sang, präsentierte sie noch ihre größten Hits. Dazu gehört ohne Zweifel „Goodbye Mama“ von 1973. „Das habe ich für einen ganz besonderen Menschen gesungen“, sagte Ireen Sheer. Geschrieben hat das Lied übrigens Ralph Siegel, und Ireen Sheer landete damit in den Charts.
Nicht fehlen durfte natürlich die große Mitsinghymne: „Und heut’ Abend hab ich Kopfweh“. Die Sängerin forderte die Hennigsdorfer auf, mitzusingen – oder eher: das Echo zu spielen, das dieser Song mit sich bringt. Und die Besucher sangen mit.

Ireen Sheer schien es auf dem Hennigsdorfer Weihnachtsmarkt zu gefallen. Besonders beeindruckt war sie von den vielen Lichtern in den Bäumen auf dem Postplatz. Sie war das erste Mal in der Stadt, wie sie erzählte. Erst kürzlich sei sie von Tirol nach Berlin gezogen, berichtete sie. Allerdings hatten die Zuhörer ein wenig Mühe, ihr zu folgen – denn der Ton war allgemein während des Konzertes sehr leise. Besonders ihre Ansagen kam hinten kaum noch zu verstehen.

Mit Liedern wie „I’m dreamin’ of a white Christmas“ wurde es dann im zweiten Teil richtig festlich.

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Theorie ist die größte Hürde

Freitag, den 2. Dezember 2016
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Claudia König (21) kann nicht lesen und schreiben – sie arbeitet in der Sommerfelder Weinschmiede und macht dort einen guten Job

MAZ Oranienburg, 2.12.2016

Sommerfeld.
Wenn Claudia König in der Küche die Bestellung entgegennimmt, dann legt sie den ausgedruckten Bon unter die „Quatschmaschine“. Die liest ihr dann vor, was sie als nächstes zubereiten soll. Selbst durchlesen kann sich das Claudia König nicht. Die 21-jährige Oranienburgerin kann erblich bedingt weder lesen noch schreiben. Das ist ihr Handicap, mit dem sie aber ganz offen umgeht. Eigentlich ist die Quatschmaschine ein Vorlesegerät für Blinde.

Sie arbeitet seit März in der Weinschmiede in Sommerfeld. Dort steht sie in der Küche, sie kümmert sich auch um den Service, darum, dass die Tische sauber aussehen und auch um das Fremdenzimmer.
Nur eine richtige Ausbildung – die kann sie nicht machen. Dafür müsste sie lesen und schreiben können. Die theoretische Prüfung könnte sie nur schriftlich ablegen. Ausbildungskurse, die das umgehen gibt es nicht. Dabei weiß sie alles: Claudia König hat ein fotografisches Gedächtnis, sie kann sich sehr viel merken. Das nützt ihr in dem Fall nichts: „Gehbehinderte haben Fahrstühle, Blinde ein Ampelgeräusch, für mich gibt es da nichts, das ist eine Marktlücke“, sagt sie.

Christina und Joachim Kaiser, die Betreiber der Weinschmiede, hatten im Frühjahr die Anfrage von der Arbeitsagentur bekommen, ob sie sich vorstellen können, eine junge Frau mit Handicap einzustellen. Sie konnten. „Klar, einen Koch ohne Handicap einzustellen, wäre einfacher“, sagt der Sommerfelder. Stattdessen gingen sie das Wagnis ein.
„Ich bringe ihr alles bei“, erzählt Joachim Kaiser, „und das läuft richtig gut, auch wenn es mal Tränen gegeben hat, weil es sehr anstrengend ist.“ Für beide Seiten. Auch Kaisers müssen dazulernen. Zum Beispiel dass es nicht ausreicht, zu sagen: „Hol die Packung Zucker.“ Sie müssen die Packung beschreiben, wenn Claudia König sie holen soll. „Das mussten wir wirklich lernen.“

Ans Hinschmeißen hat die 21-Jährige nie gedacht. „Ich glaube, ich habe nicht noch mal so eine Chance, hier wurde sie mir gegeben, hier werde ich wie ein Mensch behandelt.“ Das ist nicht immer so. Schon in der Schule ist sie oft gehänselt worden. Weil sie nicht lesen und schreiben kann, konnte sie auf der Sonderschule auch keinen Abschluss machen. Weiterbildungsmaßnahmen scheiterten auch – weil dort ohne Schreiben nichts läuft. Keiner kann das verstehen. Claudia König nicht, die Familie Kaiser nicht – und auch nicht die Vertreter der Arbeitsagentur.
„Aber ich glaube, da tut sich was, das Thema dringt langsam ins Bewusstsein“, sagt Christoph Fischedick von der Neuruppiner Agentur für Arbeit. Einen konkreten Ausweg für die Misere der jungen Frau sieht er momentan aber auch noch nicht. Ihm geht es zunächst darum, zu zeigen, „dass jemand mit einem Handicap trotzdem voll mitarbeiten kann“, sagt er. Immerhin findet in diesen Tagen die „Woche der Menschen mit Behinderung“ statt. Es geht darum, mehr Inklusion im Arbeitsleben zu erreichen.

Die Arbeitsagentur bietet für solche Arbeitsverhältnisse spezielle Finanzförderungen an. Dazu gibt es gezielte Beratungen für Arbeitgeber – auch um Vorbehalte abzubauen. Letztere haben Kaisers nicht. Für alle Beteiligten war es aber ein langer Weg – und sie wissen: Er ist noch nicht zu Ende. Sie werden ihn gemeinsam gehen.

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Busse: Ab 2. Januar voll für die Stadt da

Dienstag, den 29. November 2016
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Wahlsieger gibt seinen bisherigen Job auf – Helmut Glanzer kann ins Parlament nachrücken

MAZ Oranienburg, 29.11.2016

Kremmen.
Tag 1 nach der Bürgermeisterentscheidung. „Mir geht es super“, sagte Sebastian Busse am Montagnachmittag. Am Vortrag haben ihn 56,9 Prozent der Kremmener, die zur Wahl gegangen sind, zum künftigen Rathauschef gemacht.
„Ich war bis kurz nach Mitternacht auf dem Spargelhof“, erzählt der 37-Jährige. „Ich war aber nicht der Letzte, der ging.“ Das bestätigt auch Malte Voigts, der Geschäftsführer des Spargelhofes. „Bis ungefähr halb eins ging die Party.“ Sie sei recht ausgelassen gewesen, später am Abend gab es noch Live-Musik von einem Gitarrenspieler. „Das war der absolute Wahnsinn, wie in einem Konzertsaal“, so Sebastian Busse.

Gestern hatten er und seine Familie frei. Währenddessen entfernten Freunde des künftigen Bürgermeisters schon die Wahlplakate, die in Kremmen und den Ortsteilen hingen. „Und ich werde mich mit meinem Auto befassen und es von den Schriften befreien“, so Busse weiter. Die Wahlkampf-Aufkleber kommen weg. „Damit ist jetzt Schluss.“
Auch erst gestern hatte der Wahlsieger Zeit, sich mit den vielen Handynachrichten zu befassen. Unzählige SMS- und WhatsApp-Nachrichten hatte er bekommen – darunter von Noch-Bürgermeister Klaus-Jürgen Sasse und vom Zweitplatzierten Eckhard Koop.

Noch bis Ende des Jahres wird Sebastian Busse in seinem bisherigen Job weiterarbeiten. Er ist Werkstoffprüfer, hat ein Büro in Kremmen. „Ab 2. Januar bin ich dann voll für die Stadt da“, sagte Sebastian Busse am Montag. Schon vor der Wahl hatte er angekündigt, hospitieren zu wollen, sich überall einzuarbeiten. Dafür hat er drei Monate lang Zeit, die Amtsübergabe ist rund um den 1. April 2017. Dann werden an anderer Stelle zwei Plätze frei: in der Stadtverordnetenversammlung und der Posten als Staffelder Ortsvorsteher.

Nachrücker in der CDU-Fraktion des Stadtparlamentes ist Helmut Glanzer. Der 68-Jährige aus Staffelde bestätigte das. Ob er aber tatsächlich nachrückt und noch mal Stadtverordneter werden will, das habe er noch nicht entschieden, sagte er. „Ich überlege noch. Ich bin ja eigentlich Rentner und wollte in der Hinsicht nichts mehr machen.“ Er wolle jetzt mal ein paar Tage drüber schlafen – und er hat ja noch ein wenig Zeit. Er wolle seine Entscheidung rechtzeitig bekannt geben.

Auch der Posten des Ortsvorstehers in Staffelde wird vakant, wenn Sebastian Busse Bürgermeister wird. Helmut Glanzer ist sein Stellvertreter, und er war vor Busse schon mal Dorfchef. „Ich denke, da sollte die Jugend ran“, sagte Helmut Glanzer. So gehört auch Heino Hornemann als dritter Mann zum Ortsbeirat. Glanzer schlägt vor, dass er den Job übernehmen solle. „Aber da werden wir uns erst mal ganz in Ruhe hinsetzen und beraten“, ergänzte er. Zunächst überwiege auch bei ihm die Freude über Busses Wahlsieg.

„Ich bin 68, Busse ist 37, und mit 68 denkt man anders als mit 37“, sagt der Staffelder. „Junge Leute haben andere Ideen. Ich denke, damit beginnt in Kremmen eine neue Epoche.“ Man müsse Busse aber auch Zeit geben, sich einzuarbeiten.
Schon nach dem ersten Wahlgang hatte Klaus-Jürgen Sasse (SPD) angekündigt, dass der 20. März 2017 sein letzter Arbeitstag sei.

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Busse darf Kremmen, Busse darf ackern

Montag, den 28. November 2016
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Der 37-Jährige von der CDU gewinnt die Stichwahl gegen den parteilosen Eckhard Koop mit 56,9 Prozent der Stimmen – Die Wahlbeteiligung liegt bei 49,57 Prozent

MAZ Oberhavel, 28.11.2016

Kremmen.
Es war 18.40 Uhr, als gestern Abend das Endergebnis über die große Leinwand flimmerte und feststand: Sebastian Busse (CDU) wird neuer Bürgermeister von Kremmen. Der Jubel bei ihm und seinen Anhängern war riesengroß. In der Gaststätte auf dem Spargelhof erklang zu dieser Zeit erst die deutsche Nationalhymne und dann das von Andreas Dalibor gesungene Kremmen-Lied. Dazu: Viele Umarmungen, Glückwünsche und Küsse. Eine kleine historische Stunde.

Der 37-jährige Staffelder setzte sich in der Stichwahl um das Bürgermeister-Amt gegen den parteilosen Eckhard Koop mit 56,9 Prozent der Stimmen durch und wird ab April die Geschicke der Stadt leiten und lenken. Koop hatte 43,1 Prozent.
„Busse kann Kremmen. Busse kann ackern.“ Mit diesen Slogans hatte der Kandidat im Vorfeld für sich geworben. Seit Sonntagabend ist es nun amtlich, und es muss heißen: „Busse darf Kremmen, Busse darf ackern.“ Schon in der ersten Wahlrunde am 6. November hatte sich Busse den Gesamtsieg im Rennen mit Arthur Förster (UWG/LGU), Eckhard Koop (parteilos) und Noch-Amtsinhaber Klaus-Jürgen Sasse (SPD) gesichert. Eine Stichwahl war aber nötig, weil Busse nicht mehr als 50 Prozent der Stimmen abgeholt hatte.

Busses Mutter war eine der ersten, die dem künftigen Bürgermeister gratuliert hatte. „Und meine Frau und meine Kinder, die ich auch bei mir haben wollte“, sagte Sebastian Busse später. Danach stand sein Telefon nicht mehr still, unzählige Nachrichten trafen ein.
Dabei wurde es zwischendurch noch ein wenig spannend, denn zunächst traf das Ergebnis aus Hohenbruch ein, wo Eckhard Koop das Rennen gemacht hatte. In Beetz verlor Busse gegen Koop mit nur einer einzigen Stimme Unterschied.

Ausgelassen war auch CDU-Kreischef Frank Bommert. „Der bisherige Bürgermeister Klaus-Jürgen Sasse hatte ja auch seine guten Seiten, aber jetzt kommt jemand Neues, Frisches ran“, sagte er. „Er wird es anders machen, und er wird es gut machen.“
Freude herrschte auch bei den weiteren Gästen. „Er hat so eine tolle Entwicklung genommen, dass ich gesagt habe, jetzt musst du das machen“, sagte Kathrin Busse-Staufenbiel, die Mutter des neuen Bürgermeisters und Leiterin der Flatower Kita.
„Ich freue mich auf eine weitere gute Zusammenarbeit“, sagte Groß-Ziethens Ortsvorsteherin Astrid Braun. „Ich hoffe, Versprechen werden in Zukunft eingehalten.“
Peter Matschke, der stellvertretende Bürgermeister von Oberkrämer, sagte Sebastian Busse seine Unterstützung zu.

Busse wird zum neuen Jahr seinen Job aufgeben und die ersten drei Monate nutzen, um die Leute und Probleme in den städtischen Einrichtungen kennenzulernen, zu hospitieren, sich einzuarbeiten. Schon Anfang Dezember belegt er ein Verwaltungsamtsseminar.

Eckhard Koop feierte mit seiner Familie zu Hause in Orion – während eines Spielfilms auf dem Fernseher trafen per Smartphone die Ergebnisse ein. „Ich bin enttäuscht, das ist ja klar“, sagte er. „Andererseits: Ich bin Zweiter von Vieren geworden, und ich hatte 500 Stimmen mehr als im ersten Wahlgang. Das ist beachtlich.“ Er hofft, dass Busse nun seine gegebenen Versprechen einhält. Er bleibe ein „aufmerksamer Stadtverordneter.“

(mit Sebastian Morgner)

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L17: Sanierung der Nebenanlagen ist abgesagt

Donnerstag, den 24. November 2016
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Die Groß-Ziethener sind sauer: Im Kremmener Haushalt ist 2017 doch kein Geld für weitere Bauarbeiten an der Dorfstraße

MAZ Oberhavel, 24.11.2016

Groß-Ziethen.
Wieder mal stehen die Groß-Ziethener im Dorfkern zusammen und schütteln die Köpfe. Es sind ein gutes Dutzend, die sich gestern Vormittag zusammengefunden haben. Gerade rast ein Auto auf der Schlaglochpiste vorbei, ein entgegenkommendes muss auf den schlammigen Seitenstreifen ausweichen. Die Bewohner ärgern sich, weil sich am miesen Zustand der Alten Dorfstraße, der Landesstraße 17, auch weiterhin nichts ändern wird.

Eigentlich hatte Noch-Bürgermeister Klaus-Jürgen Sasse (SPD) den Groß-Ziethenern versprochen, dass im kommenden Jahr die Bereiche zwischen dem neuen Gehweg und der Straße hergerichtet wird. Es war davon die Rede, 200 000 Euro dafür in den Haushalt einzustellen. Im Entwurf für den Haushaltsplan 2017 ist davon keine Rede mehr.
Kremmens Kämmerin Kathrin Schönrock sagte gestern, für Straßen-Neubaumaßnahmen stehen statt der ursprünglich geplanten 300 000 Euro nur 100 000 Euro zur Verfügung. „Das Budget gibt es nicht her“, so Kathrin Schönrock weiter. „Wir haben leider kein großes Finanzpolster im Hintergrund.“

„Das ist eine Katastrophe hier“, sagt Lutz Dubrow, der in Groß-Ziethen wohnt. „Das Land soll uns mal ein Beispiel zeigen, wo es denn noch schlechter aussieht als hier in Groß-Ziethen.“ Die Streifen seien wieder kaputtgefahren. Ähnlich äußert sich Katrin Heßler: „Das Chaos ist verschärft worden. An einigen Stellen passen keine zwei Autos mehr aneinander vorbei.“
Immer wenn der Bus durchs Dorf kommt, wird es kritisch, merkt Beate Ammon an. Chaotisch werde vor allem dann, wenn es auf der Autobahn Probleme gibt und plötzlich der Schwerlastverkehr Navi-geleitet durch Groß-Ziethen rollt. Hinzu komme, dass sich das Regenwasser am Ortsausgang nach Staffelde staut – und die Entwässerung nicht funktioniert, weil sie auf der höheren Straßenseite gebaut worden ist, dort das Wasser aber gar nicht hinlaufe.
„Dass unsere Fahrzeuge auf der schlechten Straße kaputt gehen, ist ja noch eine ganz andere Sache“, ergänzt Anwohner Andreas Hübner.
„Wir wurden jetzt das x-te Mal verladen“, sagt Groß-Ziethens Ortsvorsteherin Astrid Braun. „Uns wurde zugesichert, dass die Nebenanlagen hergerichtet werden, darauf haben wir uns verlassen, und darauf berufen wir uns auch.“

Als die beiden Kremmener Bürgermeisterkandidaten am Dienstag bei der MAZ zu Gast waren, ist auch die Dorfstraße ein Thema gewesen. Sebastian Busse (CDU) schlägt vor, zumindest die Areale rund um die Bäckerei herzurichten. Das sei auch mit kleineren Mitteln zu haben. Eckhard Koop (parteilos) sah das ein wenig anders, er befürchtet eine Bevorzugung der Bäckerei und den Groll der anderen Anwohner. Er verwies auf die sehr schwierige Haushaltslage in Kremmen.
Zumindest unter den gut ein Dutzend Groß-Ziethenern, die sich am Mittwoch im Dorfkern trafen, klang es nicht so, dass eine punktuelle Sanierung ein Problem sei. „Der Bäcker ist das einzige Geschäft, was wir hier in Groß-Ziethen überhaupt noch haben“, sagte Lutz Dubrow. Die Flächen in diesem Bereich seien auch die schlimmsten im Ort.

Die Dorfstraße gehört dem Land Brandenburg, das aber hat kein Geld, um sie sanieren. Ein möglicher Termin wird erst gar nicht genannt. Ronny Wappler, der Pressesprecher im Landratsamt, bestätigte, dass das Land mit dem Kreis stattdessen darüber verhandele, dass die Landesstraße zur Kreisstraße herabgestuft werde. Allerdings solle die L 17 im aktuellen, maroden Zustand übergeben werden. Das Statement ist sehr eindeutig: „Die Landkreisverwaltung ist grundsätzlich nicht bereit, diese finanziellen Verpflichtungen zu übernehmen und lehnt Vorstöße in diese Richtung ab“, so der Pressesprecher.
Ortsvorsteherin Astrid Braun hat sich unterdessen an Landrat Ludger Weskamp (SPD) gewandt und ihn um ein Gespräch gebeten.

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Noch viel mehr als Unterhaltung

Mittwoch, den 23. November 2016
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Der neue Hyperion-Kulturverein in Hohen Neuendorf steht nicht nur für Events: Junge Leute lernen dort auch das Organisieren und Durchführen

MAZ Oberhavel, 23.11.2016

Hohen Neuendorf.
Wenn die Frage „Wer besiegt Paul?“ in der Hohen Neuendorfer Stadthalle gestellt wird, dann ist das nicht nur spannende Unterhaltung. Dahinter steckt viel mehr. Nämlich eine Mischung aus Kultur, Bildung und Teamgeist. Und ein Verein, der erst am 1. Juli dieses Jahres gegründet worden ist. Es ist der Hyperion-Kulturverein.
„Unser Satzungszweck ist die Kultur- und Jugendförderung“, sagt der Vorstandsvorsitzende Finn Haag (21). Das klingt vielleicht ein bisschen dröge – ist aber durchaus spannend für die, die dabei sind. Und es wollen viele dabei sein, wie Anfang Oktober bei der großen Paul-Spielshow zu sehen war.

Bei Hyperion geht es nicht nur um die bloße Durchführung von Events und kleineren Veranstaltungen. „Sondern auch um die Planung und Organisation“, sagt Paul Aurin. Der 26-jährige Lehrer am Hohen Neuendorfer Marie-Curie-Gymnasium ist nicht nur die Hauptperson der Spielshow, sondern auch Finn Haags Stellvertreter im Verein.
Es gehe im Verein darum, Kinder, Jugendliche und auch Erwachsenen anzuleiten. Wie werden Shows wie „Wer besiegt Paul?“ technisch umgesetzt? Welche Organisation, welche Planungsstrukturen stecken dahinter? All das können die jungen Leute im Verein lernen. „Sie können sich neue Kompetenzen aneignen, und das in vielen Lernfeldern“, ergänzt Finn Haag.

Momentan veranstaltet der neue Hyperion-Kulturverein einmal im Jahr „Wer besiegt Paul?“ in der Stadthalle und alle paar Wochen die „WikiLink-Challenge“ am Marie-Curie-Gymnasium. Es gibt aber weitere Ideen, und dazu gehört nicht nur, eine höhere Frequenz für die Paul-Show. „Der Mehraufwand dafür ist am Ende nicht das Problem“, sagt Paul Aurin. Sehr anstrengend sei immer nur die Phase direkt vor der Show. „Aber klar, wir müssen aufpassen, uns da nicht zu übernehmen.“
Möglich seien in Zukunft auch Poetry-Slam-Abende, weitere Wissensturniere oder das große Suchspiel „Hiding in Berlin“, das voraussichtlich am 10. Dezember wieder mal stattfinden soll. Dort bilden sich Teams, um Paul Aurin irgendwo im Berliner Zentrum zu finden. Der wiederum gibt per Smartphone immer mal wieder Hinweise, wo er sich aufhält.

Der neue Hyperion-Kulturverein geht aus dem Kulturkreis Hohen Neuendorf hervor, der ursprünglich auch die Paul-Show mitorganisierte. „Aber es wurde beschlossen, dass der Kulturkreis das Projekt nicht mehr mit seinen Mitteln stemmen kann“, sagt Paul Aurin. Da sei es insbesondere um die Buchhaltung gegangen. „Deshalb haben wir dann gemeinsam entschieden, diesen neuen Verein zu gründen“, ergänzt Finn Haag.

Momentan hat der Verein selbst sieben Mitglieder. Klingt zunächst wenig, aber diese sieben sind schon ein eingespieltes Team, das viel auf die Beine stellen will und wird. „In erster Linie machen wir unsere Veranstaltungen natürlich für die Zuschauer“, sagt Paul Aurin. „Aber eben auch für das Team.“ Die jungen Mitstreiter würden an Problemen, die dabei immer mal wieder zu bewältigen seien, wachsen. „Das sind wertvolle Erfahrungen, die da jeder von uns machen kann.“
So gab es auch bei der Paul-Show im Oktober einige technische Pannen. „Aus denen lernen wir aber“, sagt Finn Haag. Die Fehler sind ausgewertet worden. „Und man muss ja auch immer sehen: Wir machen das alles ehrenamtlich und nebenher.“

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Oberhavel in Tusche gemalt

Mittwoch, den 16. November 2016
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Anja Theres Focking (29) aus Schwante hat einen Kunstkalender herausgebracht

MAZ Oberhavel, 16.11.2016

Schwante.
Am Anfang ist das weiße Blatt. Und ein Motiv. Zum Beispiel die alte Bockwindmühle in Vehlefanz. Anja Theres Focking setzt sich auf die Wiese davor und beginnt zu malen. Sie nimmt sich ihre Tauchfeder, tunkt sie in die Flasche mit der Tuschefarbe und fängt an.
Die 29-Jährige aus Schwante hat in den vergangenen Monaten viele solcher Motive gemalt, sie war in der ganzen Region unterwegs. Heraus kam ein Kalender für 2017: Oberhavel in schwarzer Tusche gemalt. Zu sehen sind auch das Klubhaus in Kremmen, das Oranienburger Schloss, die neuen Bauten am Veltener Bahnhof, der Holzbackofen in Schwante und vieles mehr.

Dieser Kalender ist für Anja Theres Focking wie ein Stück Heimkehr. „Ich bin in Schwante aufgewachsen“, sagt sie, „war aber lange Zeit weg gewesen.“ In Pforzheim war sie in der Goldschmiedlehre. Bei einem „Tag der offenen Tür“ schaute sie sich in der Hochschule für Gestaltung um. „Dieser kreative Ort zog mich an.“ Sie studierte Design für Schmuck und Objekte der Alltagskultur. „Und das Zeichnen war während des Studiums immer eine spannende Sache.“
Oft bekommt sie zu hören, das sei doch brotlose Kunst. „Aber ich wünsche mir, dass ich damit leben kann“, sagt sie. Mit dem Kalender will sie sich ein Stück weit an das Kultur- und Kunstbusiness wagen. 250 Stück vom Kalender sind gedruckt, viele hat sie schon verkaufen können.

Aber wie ist das eigentlich mit der Tusche? Was passiert denn, wenn sie sich „vermalt“? „Ja, das ist ein Wagnis, aber das reizt mich auch so sehr“, sagt die Schwantenerin. Beim Zeichnen ist es, wie mit einem Stift zu schreiben. Wenn ein grober Fehler passiert, könne er entweder noch zeichnerisch behoben werden, oder sie muss radieren. „Aber einige der Bilder im Kalender sind tatsächlich sogenannte erste Versuche“, sagt Anja Theres Focking. „Das hängt ja auch immer davon ab, wie man drauf ist. Man muss sich wohlfühlen, wenn man loszeichnet.“

Wenn sie so da sitzt – wie an der Vehlefanzer Mühle – dann vergisst sie oft die Zeit. „Wenn ich im Flow bin, dann darf mich keiner stören. An der Mühle, da hatte mich zwischendrin jemand angerufen, aber zum Glück war ich da mit dem Bild schon fast fertig.“ Sie schmunzelt, überlegt und sagt: „Man unterbricht sonst den Moment. Man zeichnet etwas, was man gerade sieht und was man ständig abgleicht mit dem, was man schon auf dem Papier hat. Das ist ein wirklich spannender Moment.“
Für den Kalender hat sie sich erstmals auch mit Dingen beschäftigt, die sie noch nie gemalt hat. Natur, Büsche oder auch die ganz speziellen Kleinigkeiten am Oranienburger Schlossgebäude. „Geometrisch genau muss es nicht sein. Aber ich habe gemerkt, dass ich mich darauf mal einlassen muss.“

„Alles hat seine Zeit“ – so hat Anja Theres Focking ihren Kalender genannt. Ihre Bilder hat sie passend betitelt: „Riechen und schmecken“ im Oktober oder „Bewahren und loslassen“ im Dezember. Was als nächstes von ihr kommt, lässt sie noch völlig offen. Jetzt ist sie erst mal glücklich über das, was sie geschafft hat.

Wer Interesse an dem Kalender hat, kann eine E-Mail schreiben an ­anjatheres.focking@gmail.com.