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In der Zeitung erschienen

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Neun Monate Dauerflut

Donnerstag, den 3. Mai 2018
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Hochwasser auf dem Grundstück von Günter und Gudrun Rohr unweit des Hörstegrabens in Schwante – jetzt können sie erstmals durchatmen

MAZ Oranienburg, 3.5.2018

Schwante.
Monatelang fühlte sich Familie Rohr, als würde sie auf einer Insel leben. Erst vor ein paar Tagen konnte Günter Rohr die Schläuche zum Trocknen aufhängen, davor waren sie im Dauereinsatz. Ihr Grundstück befindet sich am Rand von Schwante, unweit des Hörstegrabens. Nach Starkregenfällen war es immer mal wieder vorgekommen, dass der Graben überlief und sich das Wasser im Garten der Familie ausbreitete. Doch nach dem Jahrhundertregen am 29. Juni war alles anders.
„Da stand hier alles einen Meter unter Wasser“, erinnert sich Günter Rohr. Bis ins Haus drang es glücklicherweise nicht ein – eine Stufe fehlt aber nur noch. Die Feuerwehr musste kommen, beim Abpumpen helfen, aber beim nächsten Regen war die Situation dieselbe. „Seitdem stand das Wasser permanent. Der Graben läuft dieses Jahr nicht ab, irgendwo muss da ein Stau sein.“
Normalerweise habe der Hörstegraben immer nur kurze Hochwasser-Phasen, aber diesmal dauert sie schon zehn Monate an. Bei Familie Rohr ist das Wasser zwar nun abgelaufen, feucht ist die Wiese aber immer noch.
Damit nicht genug: Büsche und Sträucher sterben ab, die Wurzeln faulen weg. Die Hecke ist schon eingegangen. „Wir haben im Garten alles neu gemacht, irgendwann muss man ja mal damit anfangen.“ Inzwischen ist die Feuchtigkeit auch im Haus angekommen, eine Wand im Wohnzimmer ist nass, im Flur sind die ersten Schimmelflecken zu sehen. „Ob ich das jemals trocken bekomme, weiß ich nicht“, sagte Günter Rohr.

Schon seit 1944 wohnt der 74-Jährige auf diesem Grundstück, 1964 hat er sich gemeinsamen mit seiner Frau Gudrun das Haus gebaut, in dem sie bis heute wohnen. So etwas aber haben sie noch nie erlebt. Für die Wasserschäden will Günter Rohr nicht seine Versicherung beanspruchen – aus Angst, dass er gekündigt wird.
Als im vergangenen Herbst zusätzlich beim Sturm auch noch das Garagendach abgedeckt wurde, sprang die Versicherung aber ein. Wie hoch die Stromrechnung vom permanenten Pumpen diesmal ausfallen wird, weiß er nicht.

Hilfe von der Gemeinde Oberkrämer möchte er nicht – aber indirekt schon: „Mit dem Graben muss etwas geschehen“ , sagt er. An einigen Stellen ist der Hörstegraben schon halb zugewachsen, ein vernünftiger Abschluss ist nicht gesichert – das Wasser staut sich.

Dass es so nicht weitergehen kann, weiß man auch in der Gemeindeverwaltung. In der jüngsten Gemeindevertretersitzung hatte Bürgermeister Peter Leys über das Grabenproblem gesprochen. Wie er erklärte, wird unter anderem überlegt, das Wasser, das aus Bärenklau über Vehlefanz nach Schwante kommt, umzuleiten – also an Vehlefanz und Schwante vorbei. Ob das aber auch für Günter und Gudrun Rohr Vorteile bringt, ist unklar. „Dann kommt das ja direkt bei mir an“, befürchtet er.

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Meine Feuerwehr: Der Rückhalt im Dorf steht in Halle 2

Freitag, den 27. April 2018
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Zu Besuch bei der Feuerwehr Beetz-Sommerfeld – Neues Fahrzeug aus Spenden finanziert

MAZ Oberhavel, 27.4.2018

Sommerfeld.
Es ist ein ruhiger Abend an der Sommerfelder Feuerwache. Ruhig im Sinne von: kein Einsatz. Viele sind an diesem Abend zum Fototermin mit der MAZ gekommen. Sie wollen sich zeigen, präsent sein. 45 aktive Mitglieder hat der Löschzug 2 der Feuerwehr der Stadt Kremmen. 2001 fusionierten die Wehren in Beetz und Sommerfeld. „Beetz war damals kurz vor der Schließung“, sagt Ortswehrführer Johannes Homuth. „Man hat sich dann damals aber verständigt, sich mit Sommerfeld zusammenzuschließen.“ Das funktioniert gut.
Die Feuerwehr Beetz-Sommerfeld ist zu einer Einheit geworden. 27 Mitglieder sind in Sommerfeld, 18 in Beetz. „Ganz klar, wir sind eine Wache“, sagt Johannes Homuth. „Auch wenn es manchmal natürlich noch besser laufen könnte. Aber es war schon schlimmer, das ist wohl eine Generationssache.“ Dazu trage wohl auch das Jugendlager bei, das diesen Zusammenhalt noch stärker befördere.

Die Wehr ist mit drei Fahrzeugen ausgestattet. Dazu gehören ein Löschgruppenfahrzeug von 1992, eines von 2012 und ein Rüstwagen von 2011. Letzterer ist im vergangenen Jahr durch Spenden vor allem aus dem Dorf, aus Kremmen und der Region angeschafft worden. Die riesige Spendenbereitschaft, die mehrere zehntausend Euro einbrachte, sorgte für positive Aufregung. „Der Rückhalt im Dorf steht in Halle 2“, sagt der stellvertretende Ortswehrführer Holger Henschel. „Beschweren dürfen wir uns wirklich nicht“, ergänzt Johannes Homuth. Für den 92er gibt es wohl voraussichtlich 2021 Ersatz. „Er ist jetzt 27 Jahre alt, und es knatscht an allen Ecken und Enden.“ Gerade bei Waldbränden könnte ein Tanklöschfahrzeug her.

In diesem Jahr ist bislang recht wenig passiert. „Wir sind erst bei elf Einsätzen“, sagt Johannes Homuth. „Das ist ja eigentlich auch ganz gut, wenn nichts passiert.“ Es gab aber auch schon ein Jahr, da lag die Zahl am Ende bei 97. 2017 war das Jahr des Starkregens und des Orkans. „Das hat uns sehr gefordert.“ Straßen mussten von Bäumen befreit werden. Nach dem Regen waren die Sommerfelder und Beetzer auch in Leegebruch im Einsatz. „Aber es ist schlimm, wenn man da eigentlich nichts machen kann.“ Wenn die Wassermassen einfach nicht kleiner werden.
Eigentlich ist die Wehr zuständig für den Bereich zwischen Neu-Ludwigsaue, bis kurz vor Kremmen und bis zur Teerofener Kreuzung. Aber auch nach Wall wird die Wehr hin und wieder gerufen. “Schwere Unfälle haben wir relativ selten, da sind die Staffelder an der Autobahn schlimmer dran.“

Holger Henschel ist seit 1999 dabei. Der 36-Jährige aus Sommerfeld ist durch seinen Vater dazugestoßen. „Mein erster Einsatz war ein Gasalarm in der Bahnhofstraße“, erinnert er sich. Stefanie Döring, die heutige Ortsjugendwartin, hat in der Jugendfeuerwehr angefangen, im Mai 2005. „Ich bin mit meinem Bruder hergekommen, und es hat Spaß gemacht“, erzählt sie. Sie ist eine der wenigen Frauen in der Wehr. „Ich weiß nicht, warum das für Frauen nichts ist“, sagt sie. Günter Pahs, der schon gut 45 Jahre dabei ist, sagt: „Da wurde über Jahre nicht dran gearbeitet, das wurde ein bisschen vernachlässigt. In der Jugendwehr hatten wir aber immer auch Mädchen.“

„Die Truppe ist schon ganz in Ordnung“, sagt Johannes Homuth und schmunzelt. „Wir sind uns nicht immer einig, diskutieren auch schon mal, aber wir verstehen uns alle sehr gut.“ Die Kameradschaft sei der wichtigste Faktor in der Feuerwehr. Da setzen sie sich nach dem Dienst auch mal hin und grillen zusammen. Auch mit ihren Räumen sind sie recht zufrieden. „Ein paar Lagermöglichkeiten wären aber gut.“ Und natürlich träumen sie auch ein wenig von einer gemeinsamen Wache. Die in Sommerfeld ist neben der Kirche, die in Beetz neben dem dortigen Gebetshaus.

Die Tagesbereitschaft war bei der Wehr in Beetz-Sommerfeld bislang noch nicht gefährdet. „Da muss man wirklich den Hut ziehen, das ist nicht überall so“, sagt Johannes Homuth. Allerdings könnten in einigen Jahren Probleme auftauchen, wenn viele der heute Älteren aus dem aktiven Dienst ausscheiden. Nachwuchs und auch Quereinsteiger sind immer gern gesehen.

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Achtung, Aufnahme!

Mittwoch, den 25. April 2018
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Udo Krzyzynski (65) war Musikschulleiter und betreibt nun in Vehlefanz das Studio Oberkrämer

MAZ Oberhavel, 25.4.2018

Vehlefanz.
Mit Musik kennt er sich aus. Viele Jahre lang leitete Udo Krzyzynski die Musikschule in Berlin-Mitte – mit mehr als 4000 Schülern und 250 Beschäftigen. Inzwischen aber macht er in Vehlefanz sein eigenes Ding. Auf dem Gewerbehof an der Perwenitzer Chaussee betreibt der 65-Jährige das Studio Oberkrämer.
„Ganz ursprünglich habe ich dabei nur an mich gedacht“, erzählt er. Eine CD mit Chansons möchte er aufnehmen. In den selbst geschriebenen Stücken geht es „um die Liebe, das Leben und die üblichen Verwicklungen.“ Eines seiner Vorbilder ist der niederländische Liedermacher Herman van Veen. Udo Krzyzynski kann sich vorstellen, mit einem entsprechenden Programm dann auch aufzutreten. „Wobei ich im Programm auch ein paar Nummern von anderen aufnehmen werde.“ Von Hildegard Knef zum Beispiel, „die hat so tolle Texte.“ Im Herbst will ich einen Versuch mit einem Song starten – mit entsprechendem Videoclip auf Youtube.

Aber das Studio Oberkrämer soll auch für andere Menschen da sein. So bietet der 65-Jährige die Herstellung von Konzert-Mitschnitten an, die er dann in seinem Vehlefanzer Studio abmischt. „Dann reise ich mit meinem Equipment an.“ Dazu gehören Mischpult, Mikros, Rechner. „Ich fange das Konzert bestmöglich ein.“ Maximal 16 Mikrofone kommen zum Einsatz, bei einem Chorkonzert sind es normalerweise sechs. „Ein guter Live-Mitschnitt sollte möglichst störungsfrei sein“, sagt Udo Krzyzynski. „Vieles ist aber auch Geschmackssache.“ Einige mögen den Raumklang, andere wollen, dass es wie im Studio klingt. Bei den Aufnahmen sorgt er deshalb meist für beide Varianten. „Ich würde gern in der Region ein Ansprechpartner sein für Leute, die irgend etwas dokumentieren möchten“, sagt er. Oder wenn ortsansässige Vereine ihre Konzerte aufgenommen haben möchten, dann können sie sich an ihn wenden.
Aber auch Aufnahmen für Solosänger hat er schon produziert, denkbar seien auch Hörbuch-Produktionen. Im Herbst will er zudem einen Einführungskurs im Songschreiben anbieten.

Ursprünglich kommt Udo Krzyzynski aus dem Ruhrgebiet, er lebte dann lange in der Nähe von Köln und leitete dort eine Musikschule. In Berlin suchte er 1995 neue Herausforderungen an einer größeren Musikschule. Im selben Jahr zog er nach Schwante. „Die Metropole ist in der Nähe, aber es ist sehr ländlich, das war uns vertraut“, erzählt er. „Die Preise in Berlin waren damals sowieso nicht bezahlbar.” Er mag den Ort. „Seit einiger Zeit lohnt sich der Weg zum Schloss, und es gibt so viele schöne Ecken hier“, erzählt er. Die Infrastruktur in Schwante habe sich gut entwickelt.
Er ist nun im Ruhestand, und es gebe einen großen Unterschied im Vergleich zu seinem Job als Musikschulleiter: „Das Schöne ist, Sie arbeiten was, optimieren, am Ende hat man ein Ergebnis in der Hand. In einer Führungsaufgabe ist man nie fertig.“ Er hofft, dass er in Zukunft öfter musikalische Werke vollenden kann.

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Mein Tipp: Die Pferdeinsel war schon immer ein Ort für Abenteuer

Mittwoch, den 11. April 2018
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Der Oranienburger Stadtpark direkt an der Havel wird von den Stadtleuten gut angenommen – Zeit zum Entspannen für alle Generationen

MAZ Oberhavel, 11.4.2018

Oranienburg.
Als wir Kinder waren, gingen wir am Nachmittag sehr oft auf die Pferdeinsel. Es war ein bisschen der Ort für Abenteuer. Ein Wald mitten in der Stadt, verschlungene Pfade, ideal zum Versteckspielen. Überall gab es etwas zum Entdecken – irgendwie auch ein bisschen unheimlich, aber das machte ja den Reiz aus. Ganz am Ende der Pferdeinsel, in Sichtweite zum kleinen Hafen und dem Speicher, gab es eine kleine Badestelle, an der wir ganz viele Nachmittage verbracht haben. Auch heute gibt es diese Pferdeinsel noch, auch wenn sie sich ziemlich verändert hat.

Ursprünglich hieß dieser Ort, der in Oranienburg zwischen dem Lindenring, der Lehnitzstraße und der Havel liegt, wohl noch Inselwiese. Damals gab es dort noch ein richtiges Freibad, und der Park war eben jene Liegewiese. Wie es heißt, war das Areal irgendwann wirklich mal fast eine Insel. Inzwischen endet der Havelarm am Speicher, an der anderen Seite ist nur noch eine Einbuchtung zu sehen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich scheinbar einiges geändert. Damals haben Pferdebesitzer ihre Tiere dort weiden lassen – woraufhin der Volksmund diesen Ort gleich mal einen neuen Namen gab – die Pferdeinsel.

Wer heute über das Areal schlendert, wird sehen, wie viel sich in den vergangenen Jahren dort getan hat. Es sind neue Wege angelegt worden, teilweise befestigt, teilweise provisorisch. Auch einige der alten Trampelpfade sind noch zu entdecken. Der Park wird von den Oranienburgern angenommen, an sonnigen Nachmittagen ist da viel los. Leute spazieren durch den Park oder sie setzen sich auf eine der vielen Parkbänke. Am schönsten sind natürlich die, auf denen man auf die Havel blicken kann.
Außerdem gibt es am Ufer des Wassers eine Grillstelle, die ebenfalls ganz gut genutzt wird – auch wenn der Qualm mitunter ein wenig heftig ausfällt.
Und noch immer sind Kinder zu beobachten, die die Pferdeinsel einfach zum Spielen und für Abenteuer benutzen. Das zu beobachten ist schön, erinnert es doch an die eigene Kindheit an dieser Stelle.

Während die Pferdeinsel zu DDR-Zeiten vor allem nur über den Lindenring erreichbar war, gelangt man inzwischen auch über einen Weg von der Lehnitzstraße dorthin. Das ist übrigens auch ideal für Radfahrer, denn so lässt sich der Weg von der City in Richtung Neubaugebiet einfach abkürzen – und das durch den herrlich schattigen Park. Nur eines sollten sich die Besucher dieser grünen Lunge in der Kreisstadt mal hinter die Ohren schreiben: Nehmt euren Müll mit! Überall liegen Papierchen und anderer Dreck rum. Das ist nicht so schön. Der eine oder andere Papierkorb mehr wäre da auch hilfreich.

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Überflieger: Beruf und Hobbys unter einen Hut bekommen

Samstag, den 7. April 2018
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Florian Büttner (32) aus Oranienburg ist Rezepte-Entwickler und Online-Chef beim Berliner Start-up-Unternehmen Kochhaus

MAZ Oberhavel, 7.4.2018

Oranienburg.
Das klingt lecker: Fusilloni mit Ricotta, frischem Babyspinat und getrockneten Tomaten. Aber was brauche ich dafür? Und wie kommt es auf den Teller? Der 32-jährige Oranienburger Florian Büttner weiß das. Er ist verantwortlich für den Produktbereich und die Rezepte-Entwicklung im Kochhaus. Wer in eine der drei Berliner Filialen geht oder online bestellt, bekommt alle Zutaten für die Gerichte genau so, wie sie benötigt werden. Dazu noch einen Flyer, wie zu Hause daraus eine fertige Mahlzeit wird. 18 Gerichte stehen zur Auswahl.
„Die Rezeptentwicklung ist ein fortlaufender Prozess“, sagt Florian Büttner. Jede Woche werden drei Gerichte ausgetauscht. „Wir versuchen immer, alle Bereiche abzudecken.“ Ein Pastagericht werde durch ein anderes Pastagericht ersetzt, ebenso im veganen Bereich oder bei den Curry-Gerichten.
Das Büroteam besteht aus 30 Leuten, sie sammeln Ideen, kalkulieren die Preise und machen dreimal ein Probekochen – auch für die Flyerfotos und die Rezeptanleitung.

Florian Büttner machte 2005 sein Abitur am Oranienburger Louise-Henriette-Gymnasium. Mehrere Jahre leitete er die Schülerzeitung „Iwahn“. In der Band Radiopilot spielte er Klavier. Mit seinen Musikerkollegen bekam er einen Plattenvertrag, eine Single schaffte es bis in die Charts. Von 2009 bis 2013 studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin. Zwischendurch drehte er gemeinsam mit einem Freund Videoclips für verschiedene Bands. Schon viele Jahre also drehte sich bei ihm alles um Kreativität.

2012 begann er ein Praktikum beim Kochhaus. „Das hat alle meine Hobbys abgedeckt“, sagt der 32-Jährige, der inzwischen in Berlin-Wannsee lebt. „Ich konnte meine Lust am Kochen ausleben, ich kann programmieren, fotografieren und gestalten. Ich hatte von dem Praktikum gelesen und fand, es war genau das Richtige für mich.“ In dieser Zeit baute er den Lieferservice mit auf, nach seinem Praktikum wurde er dann Verantwortlicher für die Rezepte-Entwicklung. Auch das Onlinemarketing fällt in seinen Bereich. „Es geht darum, wir kriegen wir die Rezepte zu den Kunden.“ Früher hat er die Seite mitgestaltet, inzwischen ist er der Chef der Leute, die das machen.

Elf Filialen gibt es deutschlandweit. Die Leute können vor Ort einkaufen oder im Internet. Die Kernzielgruppe sind Berufstätige zwischen 25 und 60 Jahren. „Sie bekommen alle Zutaten bei uns, dadurch können sie sich die Zeit zum Einkaufen sparen.“ Aber auch Rentner kommen ins Kochhaus, denn dort gibt es zum Beispiel auch einzelne Knoblauchzehen – und keine Vorratspackungen.
„Wir sehen einen starken Trend zur Online-Lebensmittel-Bestellung“, sagt Florian Büttner. „Die Zaghaftigkeit der Leute nimmt drastisch ab.“ Das Berliner Start-up-Unternehmen reagiert zum Beispiel mit Kochboxen darauf, in denen auch schon alle Zutaten für bestimmte Gerichte enthalten sind.

In den vergangenen Jahren hat Florian Büttner viel dazu gelernt. „Gerade auch ganz viele Tricks beim Kochen.“ Zu Hause kocht er aber auch gern aufwendiger – Schmorbraten zum Beispiel, oder er backt eigenes Brot. Nebenher betreibt er einen Foodblog mit kunstvollen Bildern von Speisen. Unter dem Stichwort „Paulsbreakfastclub“ sind sie auf Instagram zu finden – unter dem selben Namen aber auch auf eigener Webseite. Für den Garten, fürs Bauen, Malen oder die Musik ist auch noch hin und wieder Zeit.

Beim Kochhaus geht es unterdessen weiter mit der Expansion. Eventuell nach Österreich und in die Schweiz. Da wird Florian Büttner auch sicherlich wieder mit dabei sein

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Der Kremmener Auto-Mann feiert Meister-Jubiläum

Freitag, den 16. März 2018
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Ralf Wedemeyer betreibt an der Berliner Chaussee ein Ford-Autohaus – Vor 35 Jahren beendete er seine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker

MAZ Oberhavel, 16.3.2018

Kremmen.
Ralf Wedemeyer hat im März doppelten Grund zum Feiern. Der Chef des Ford-Autohauses an der Berliner Chaussee in Kremmen feierte am 6. März seinen 60. Geburtstag, und am 25. März hat er das 35. Jubläum als Kfz-Mechanikermeister. „Ich werde im Sommer eine Feier machen“, sagt der Sommerfelder. Jetzt, im März, sei nicht die Zeit dafür.

Eigentlich sei er Quereinstiger gewesen, wie er erzählt. Er lernte Baufacharbeiter, wollte Architekt werden. Sein Vater hatte eine Zweiradwerkstatt in Beetz, und überhaupt hat Ralf Wedemeyer schon als Kind immer gern an seinem Rad gebastelt. Er ließ sich nach seiner Zeit bei der NVA umqualifizieren, lernte Schlosser und machte 1983 seinen Meister. „Heute würde ich das gar nicht mehr schaffen“, sagt er. „Von 7 bis 17 Uhr war ich in der Werkstatt, danach haben wir an unserem Haus gebaut, und drei Tage pro Woche war ich in der Abendschule in Oranienburg.“ Sein Ziel war die Selbstständigkeit – was in der DDR aber nicht so einfach war. „Ich wollte unbedingt Autos reparieren.“ Dafür bekam er jedoch keine Genehmigung vom damaligen Rat des Kreises – stattdessen aber für eine Bootsreparaturwerkstatt. „Wir haben das Beste draus gemacht.“ Er reparierte Bootsmotoren. „Aber das größte Geschäft war die Simson.“ Die Leute ließen bei ihm Motorräder reparieren, teilweise gab es eine anderthalbjährige Wartezeit. Dass er sich nicht nur mit Booten beschäftigt hatte, sei glücklicherweise nicht kontrolliert worden.

„Nach der Wende haben wir uns komplett umorientiert“, erzählt Ralf Wedemeyer. Das Bootshaus in Beetz wurde zur Lkw-Halle, Kleintransporter wurden repariert, über die Innung knüpfte er Kontakte mit West-Berliner Firmen. Die Autokonzerne buhlten um die Werkstätten, um Verkaufsfilialen eröffnen zu können. Wedemeyer entschied sich letztlich für Ford – eine gute Entscheidung, wie er heute sagt. „Mit anderen Marken hätte ich hier heute keinen Vertrag mehr“, vermutet er. Die seien oft nur noch in den größeren Städten vertreten. „Ford ist da noch recht volksnah.“
Seit 1994 betreibt Ralf Wedemeyer das Autohaus an der Berliner Chaussee in Kremmen, direkt am Bahnhof. Er hat drei Mechaniker, einen Lehrling sowie seine Frau für das Büro. Er ist sehr zufrieden mit seinem Team, aber er sagt, weitere gute Leute zu finden, sei ein Problem. „Mechatroniker ist heutzutage ein sehr anspruchsvoller Job, das ist mehr, als nur den Computer anzuschließen, man muss die komplexen Zusammenhänge in einem Auto kennen.“

Er hat viele langjährige Stammkunden, die ihn seit Jahrzehnten begleiten. Zu ihnen gehört eine Familie mit Sohn. „Er nennt mich den Auto-Mann“, sagt der Unternehmer und lächelt. „Auch noch als Erwachsener nennt er mich so.“
Langsam möchte Ralf Wedemeyer ein wenig kürzer treten. „Wir wollen aber, dass Ford hier erhalten bleibt.“ Er sieht recht optimistisch in die Zukunft, er könne sich vorstellen, dass mal sein Meister den Betrieb übernehmen werde.

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Vor der Kita werden die Temposünder gestoppt

Donnerstag, den 15. März 2018
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Polizei lasert drei Stunden lang auf der Landesstraße 17 in Eichstädt – 16 Verkehrsteilnehmer sind zu schnell – die Ertappten haben meistens Verständnis

MAZ Oranienburg, 15.3.2018

Eichstädt.
Als das Auto aus dem Havelland mit der Polizeikelle rausgewunken wird, schallt von innen lauter deutscher Schlager heraus. Mit Tempo 56 durch die 30er-Zone in Eichstädt – das hat Folgen.

Vertreter der Polizeiwache Oberkrämer und des Ordnungsamtes standen gestern Vormittag an der Landesstraße 17 in Eichstädt. Seit einiger Zeit weisen im Bereich der Kita „Zwergenland“ Schilder auf eine Tempo-30-Begrenzung hin. Nicht alle Autofahrer beachten diese jedoch. „Der zieht voll durch“, ruft Revierpolizist Ralf Neumann, als er durch das Lasergerät schaut. „Ist der verrückt?“ Tempo 56 – drei werden meist abgezogen. Eine Polizistin läuft auf die Straße, hebt die Kelle. Das Auto muss auf den kleinen Parkplatz neben dem Gemeindehaus.
Polizeiobermeisterin Jana Skubatz tritt ans Fenster, stellt sich vor und bittet um die Papiere. Die Frau am Steuer ist sehr aufgeregt. Da habe ein Lkw die Straße versperrt, und dann sei sie fix wieder losgefahren. Aber: „Keine Diskussion, erledigt!“ Die Frau aus dem Havelland sieht ihr Fehlverhalten auch gleich ein. Aber sie ärgert sich: Seit 1976 habe sie noch nie einen Punkt bekommen. Da sie mehr als 21 Kilometer pro Stunde zu schnell war, wird sie in Flensburg nun mit einem Punkt registriert, hinzu kommen 80 Euro.

Eine Frau in einem Kleinwagen wird angehalten – nach Abzug der Toleranzwerte ist sie immer noch Tempo 48 gefahren, aber knapp am Punkt vorbeigeschrammt. „Im Fahrzeug saß auch ein Kind“, sagt danach Jana Skubatz. Sie baut auf mehr Verantwortung der Autofahrer. „Im Bereich der Kita wird oft zu schnell gefahren, das erleben wir immer wieder.“ Die Eltern würden ihre Kleinen absetzen und dann schnell wieder losbrausen.

Udo Neumann schaut wieder durch das Lasergerät. Ein roter Punkt visiert den Scheinwerfer oder das Nummernschild an, wie im Fernglas. Dann wird abgedrückt und gemessen, wie weite der Wagen entfernt ist, wie schnell er näher kommt. Der Tempowert wird dann angezeigt. Wenn Autofahrer das wollen, können sie sich das am Gerät zeigen lassen. „30. Alles gut“, sagt Udo Neumann.

Zwischen 8.45 und 11.45 Uhr werden in Eichstädt 16 Temposünder erwischt. Zuvor, am „Haus der Generationen” in der Vehlefanzer Lindenallee, ein weiterer. Allerdings sei es schwierig, dort zu lasern, wegen der geringen Entfernungen. „Wir wollen dort mal den Blitzer des Landkreises anfordern“, sagt Udo Neumann.
Vor den Kitas in Oberkrämer kontrolliert die Polizei immer wieder die Geschwindigkeiten. Bewohner und Ordnungsamt melden sich bei der Polizei, um verkehrliche Brennpunkte zu melden. Und wenn die Männer und Frauen dann erwischt werden? „Viele sind verständnisvoll“, sagt Jana Skubatz. „Gerade vor Kitas haben wir wenige Beschwerdeführer, die sehen das als wichtig und richtig an.“ Temposünder können die Strafe gleich vor Ort mit der Bankkarte zahlen oder sie bekommen einen Zahlschein mit nach Hause.