aRTikel

In der Zeitung erschienen

aRTikel

Seit 50 Jahren am Herd

Samstag, den 26. März 2016
Tags: , , , , , ,

Es war und ist sein Traumberuf – der Kremmener Norbert Stolley hat 1966 seine Kochlehre begonnen

MAZ Oberhavel, 26.3.2016

Kremmen.
Die Kochhose wollte einfach nicht über die Jeans passen – und die Kochjacke nicht übers Hemd. Also Jeans aus, Hemd aus, und die Kochsachen angezogen.
Norbert Stolley war gerade mal 14 und ziemlich schüchtern. Es war sein erster Tag seiner Ausbildung im Kölner „Weinhaus Hugo Wolff“. Er wollte seinen Traumberuf lernen: Koch! Das war am 1. April 1966 – vor genau 50 Jahren. So lange steht Norbert Stolley nun schon professionell am Herd. Seit einigen Jahren im „Coldehörn“ im Kremmener Scheunenviertel.

Privat kocht er sogar noch länger. „Ich wusste schon mit sieben Jahren, dass ich Koch werden will“, sagt der 64-Jährige. Schon als Kind kochte er Pudding und Milchreis, briet er Spiegeleier und Bratkartoffeln. Zwischen dachte er zwar daran, Konditor, Dekorateur oder Tankwart („Meine Mutter meinte: Bist du wahnsinnig?“) zu werden, er blieb dann aber dabei: Koch.
Das Weinhaus war eine gute Adresse, „alles wurde dort per Hand hergestellt, es gab keine Konserven oder Tiefgefrorenes“, erinnert sich Norbert Stolley. Lehrlinge sind schlecht bezahlt worden. Dafür gab es aber sogar auch mal Schläge, wenn der Lehrling Fehler gemacht hatte: „Das war damals so. Mein Vater war sogar einmal bei meinem Chef, der aber bestand auf Zucht und Ordnung.“ Damals schon zweifelhaft und heute sowieso undenkbar

Er arbeitete nach der Lehre in einem Kölner Hotel sowie in Wertheim am Main. „Mit den Bayern kam ich damals aber nicht klar, anders als heute.“ Mit knapp 18 ging er nach Hamburg, heuerte als Matrose an, kochte auf dem Schiff, zehn Jahre war er auf See. „Das war das, was ich wollte.“ In Wilhelmshaven fing er danach als Koch im „Coldehörn“ an, übernahm das Geschäft wenig später. „So richtig zufrieden war ich dann aber doch nicht.“ Nach weiteren Stationen als Küchendirektor wurde er Küchenchef im bekannten Mövenpick-Café Kröpcke in Hannover. Nach dem Mauerfall wechselte er ins Europacenter in Berlin. „Das war damals ein Chaosbetrieb, die Mauer war offen, die Leute kamen. 350 Mitarbeiter im 23-Stunden-Betrieb.“
Dann ging es weiter in die dortige Schulungsabteilung. In diesem Business machte er sich später selbstständig. Er beriet unter anderem das Cliff-Hotel in Sellin auf Rügen sowie Hotels in Berlin – und hatte dann eine Eingebung: Obstsalat!

In einer kleinen Küche auf dem Berliner Großmarkt produzierten er und seine bis zu 70 Mitarbeiter 1,5 Tonnen Obstsalat täglich – die Lieferungen gingen in Hotels nach ganz Deutschland, Österreich, Schweiz und in die Benelux-Länder. Bis zum 11. September 2001. Danach blieben in den Hotels die Manager aus – es musste gespart werden. Die Obstsalatproduktion rentierte sich nicht mehr.
Mit seiner Frau Charlotte konzentrierte er sich nun wieder auf die Gastronomie. In Eichstädt eröffnete er das „Coldehörn Steak und Fisch“, unter Bikern war das Lokal sehr angesagt, sogar Peter Maffay und Wolfgang Fiereck kamen dafür in das Dorf.
Dennoch zog es die beiden eigentlich gen Norden – sie wollten sich was Neues aufbauen, landeten aber letztlich im Kremmener Scheunenviertel. Auch dieses Geschäft benannten sie nach dem Lokal, das Stolley einst in Wilhelmshaven gehörte: „Coldehörn“ – mit dem Zusatz „Wein und Käse“. „Der Name bedeutet: kalte Ecke. Viele Gäste fragen danach, und so kommt man mit ihnen ins Gespräch.“

In Kremmen steht er wieder jeden Tag am Herd, auch an den beiden Tagen, in denen das Restaurant nicht geöffnet ist. Die kleine Karte im Lokal ändert sich von Tag zu Tag. „Frisches Fleisch, frischer Fisch, der Gast honoriert das.“ Er selbst isst „unwahrscheinlich gerne Brot, dazu Schinken oder Käse.“ Oder Steak, „ein schönes Stück Fleisch, aber nicht zu häufig. Auch mal gern Fisch.“
Am Mittag geht es los. „Jeden Tag wird der Kühlschrank aufgeräumt.“ Die Vorräte werden überprüft und in neue Schalen gelegt. Stolley portioniert das Fleisch und den Fisch.

Für den kommenden Freitag, dem großen Jubiläumstag, hat er sich ein paar Gäste eingeladen. Das Menü hat er am 23. März 1969 schon mal zubereitet – es war Bestandteil seiner damaligen Prüfung. Es gibt Matjesfilet, Kraftbrühe mit Pfannkuchenstreifen, Poularde Pompadour und Reis Trauttmansdorff, also Milchreis mit Früchten.

In diesem Jahr wird Norbert Stolley 65, im Dezember bekommt er die erste Rente – wie es weiter geht, weiß er noch nicht. „Wir arbeiten ganz stark an unserer Gesundheit“, sagt er. Davon ist momentan viel abhängig. Auf jeden Fall möchte er weiterhin „für die Kollegen was machen“, sie in Sachen Kochen und Kücheneinrichtungen beraten.

aRTikel

Willy Brandt machte ihn zum Sozialdemokraten

Montag, den 21. März 2016
Tags: , , ,

Der Kreistagsvorsitzende Karsten Peter Schröder feiert heute in Bärenklau seinen 60. Geburtstag – die Wende 1990 änderte damals auch sein Leben

MAZ Oberhavel, 21.3.2016

Bärenklau.
Er bleibt gelassen, sagt er. Immerhin feiert Karsten Peter Schröder heute seinen 60. Geburtstag. Nach kurzem Überlegen: „Manchmal glaubt man’s gar nicht, mit jedem Jahr wird man älter, vergeht die Zeit schneller.“ Er sieht das als Signal, die Zeit zu nutzen, die man noch hat.
Wer aber auf die lange Liste dessen schaut, was der Bärenklauer für Aufgaben und Ehrenämter hat, merkt: Er nutzt sie schon jetzt und schon lange. Karsten Peter Schröder ist Unterbezirks-Geschäftsführer der SPD Oberhavel. Er sitzt im Kreistag und ist dessen Vorsitzender. Er ist Gemeindevertreter in Oberkrämer und sitzt im Ortsbeirat von Bärenklau. Außerdem unter anderem Mitglied im Förderverein der Feuerwehr, Ehrenmitglied bei Grüß-Weiß Bärenklau, im Vorstand des Kulturvereins Arge-Baer. Und so weiter.

In Bärenklau ist er tief verwurzelt. Geboren am 21. März 1956 – allerdings in Hennigsdorf. „Mein Makel“, sagt er scherzhaft und lächelt. Eigentlich sollte er ein Mädchen werden. Seine Eltern hatten aus ihren ersten Ehen je einen Sohn mitgebracht. „Bis ich in die Schule kam, wurde ich auf Mädchen getrimmt.“ Er lernte in Bärenklau, Velten und Hennigsdorf. Die schlechte Mathe-Note sorgte jedoch dafür, dass es nicht zum Abitur reichte. Das Abschlusszeugnis der 10. Klasse bekam er erst drei Wochen nach Ferienbeginn. „Weil ich zur Zeugnisausgabe kein FDJ-Hemd an hatte.“
Er begann eine Lehre als Elektriker bei der LEW in Hennigsdorf, später im sächsischen Heidenau als Elektromaschinenbauer. Nach einer Zwischenstation im Stahlwerk war er 1975/76 bei der Armee. „An der Grenze.“ Glücklicherweise an einer ruhigen Ecke, wie er sagt, am Übergang zu Niedersachsen. „Hinterher habe ich mitgekriegt, wie blöd das hätte laufen können. Man wurde in der Ausbildung darauf getrimmt, Grenzverletzter unschädlich zu machen.“ Rückblickend ein schlimmer Gedanke.
Danach arbeitete er erneut im Stahlwerk, später bei einer Metallaufbearbeitungsfirma in Velten – bis zur Wende. Die änderte alles, auch im Leben von Karsten Peter Schröder. „Anfang 1990 hieß es, die wollen in Bärenklau eine CDU-Truppe aufmachen.“ Das aber sei nicht das Richtige für ihn gewesen. Willy Brandt – das ist eines seiner politischen Vorbilder. „Er war der Grund, mich mit der SPD zu identifizieren.“ Beim ersten Runden Tisch in Bärenklau war die SPD nicht dabei. „Wir haben dann organisiert, dass 14 Tage später auch die SPD informiert“, so Schröder. Das war damals im Dorfkrug – und Schröder ist zum Vorsitzenden der Ortsgruppe gewählt worden. „Da ging es los.“ Die Wahlen kamen, und Schröder stieg endgültig in die Politik ein. „Wir wollten gemeinsam was für Bärenklau erreichen.“ 1992 wurde er Bürgermeister.
Als der damalige Landrat Karl-Heinz Schröter im Dezember 1990 den Sprung in den Bundestag schaffte, wurde Schröder einer seiner Mitarbeiter. „Da kam mir meine Stahlwerk-Zeit zugute. Ich hatte zu den Arbeitern einen guten Draht und konnte mit denen reden.“ Die Zeiten nach der Wende aber waren hart: „Da saßen 40 Leute auf dem Flur, alle waren verunsichert, weil man ihnen ihre Grundstücke wegnehmen wollte.“ Stichwort Vermögensrecht und Altbesitzer.
Bis 2002 arbeitete Schröder für Bundes- und Landtagsabgeordnete – und pflegte dann seinen Vater. „Er war ein schwerer Pflegefall. Das mitzuerleben, ist schlimm, es ging dann auch nicht mehr zu Hause.“
2004 nahm er die Arbeit wieder auf, vier Jahre danach ist er Vorsitzender des Oberhavel-Kreistages geworden. „Das ist das, was ich am liebsten mache.“ Mehr, sagt er, gehe zwar – wolle er aber nicht. Sein Credo: Egal, wer kommt, es ist immer eine Herausforderung. Angst vor neuen Aufgaben habe er nie gehabt – auch wenn die Zeiten rauer werden. „Es gibt manchmal Fragen, wo es schwerfällt, Antworten zu geben. Nicht, weil es keine gibt, sondern, weil diese nicht gehört werden wollen.“ Menschen nach dem Mund reden, das will er nicht.

Schröder hat eine Tochter, seit 2014 ist er zum zweiten Mal verheiratet. „Es war ein Glücksfall, eine Frau zu finden, die das alles mitmacht.“ Hobbys abseits der Ehrenämter hat er kaum. „Gerne mal Niveauloses im Fernsehen.“ Verreisen will er gar nicht. Immerhin, sagt er, habe er zur Rente zu Hause noch einige Sachen vor.
Seinen Geburtstag heute feiert er im Bärenklauer Dorfkrug. Der könnte voll werden. „Ich freue mich über jeden der kommt.“

aRTikel

Die Zukunft der Werkstatt ist gesichert

Mittwoch, den 16. März 2016
Tags: ,

René Hoffmann, der beim „Auto-Service Wolfslake“ lernt, ist der Azubi des Monats der Potsdamer Handwerkskammer

MAZ Oberhavel, 16.3.2016

Wolfslake.
Das war eine echte Überraschung für René Hoffmann. Der 21-Jährige hat erst am Dienstagmorgen erfahren, dass sich an diesem Tag in Wolfslake alles um ihn drehen wird. Die Potsdamer Handwerkskammer zeichnete ihn als „Azubi des Monats“ aus.

René Hoffmann arbeitet im Familienbetrieb, im „Auto-Service Wolfslake“, direkt neben der Speedwaybahn. Und nicht nur das: Denn schon jetzt steht fest, dass er die Firma übernehmen wird. Dass er Kfz-Mechatroniker wird, stand aber nicht von vornherein fest. „Ich dachte vorher in verschiedene Richtungen“, sagt der 21-Jährige. Aber dann hat er ein zweiwöchiges Schulpraktikum in der Werkstatt absolviert. „Das fand ich faszinierend.“
2013 machte er sein Abi am Hennigsdorfer Puschkin-Gymnasium, danach begann er seine Lehre. Er besucht die Berufsschule am Eduard-Maurer-OSZ in Hennigsdorf , die Lehrgänge in Götz bei Potsdam und macht eine Ausbildung zum technischen Fachwirt in Fürstenwalde. Ende nächsten Jahres will er fertig sein – und den Meisterbrief in die Werkstatt hängen.

Am 1. April 1991 ist der „Auto-Service Wolfslake“ eröffnet worden, bald steht also das 25. Jubiläum ins Haus. Fred Hoffmann, Renés Vater und Ausbilder, freut sich, dass die Zukunft seiner Firma gesichert ist. „Durch ihn verjüngen sich ja auch unsere Kunden“, sagt er. „Und es ist ein schönes Gefühl, wenn man die Gewissheit hat, dass man nicht ganz umsonst hier gearbeitet hat.“ Ganz aufhören will Fred Hoffmann dann aber nicht. „Ohne Autos wird es in meinem Leben nicht gehen“, sagt er.

Doch am Dienstag stand René im Mittelpunkt des Geschehens. Ralph Bührig, der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer in Potsdam, übergab am Vormittag die Auszeichnung „Azubis des Monats“. Sie wird seit Juli 2014 vergeben. Vorgeschlagen werden die Kandidaten von den jeweiligen Betrieben – so war das auch in Wolfslake. Fred Hoffmann lobt die handwerklichen Fähigkeiten, die sein Lehrling hat – und vor allem die neuen Techniken, die er mitbringt. Bemerkenswert seien seine Bereitschaft, sich zu perfektionieren und sich den neuen Entwicklungen anpassen zu wollen.
„In einem kleinen Betrieb zu arbeiten, ist toll“, sagt René Hoffmann. Bei großen Firmen arbeite man oft auf Zeit und Masse. Für ihn sei es oft beeindruckend, wenn er sich beispielsweise das Ergebnis bei einer Unfallinstandsetzung ansehe. „Ich mache am liebsten Arbeiten, die besonders sind.“

Dass der Vater gleichzeitig der Ausbilder ist, sei kein Problem, sagen beide. „Viele haben uns vorher davor gewarnt“, sagt Fred Hoffmann. „Aber das geht gut.“ Sohn René stimmt ihm zu: „Eventuelle Meinungsverschiedenheiten sind schnell geklärt, ansonsten haben wir ein normales Meister-Azubi-Verhältnis – außer dass wir natürlich per du sind“, ergänzt er.
Das Wichtigste und Beruhigendste an der Lehre ist: „Die Perspektive ist da, der Kundenstamm ist da, und ich glaube auch, dass die Leute wollen, dass ich hier dann weitermache“, sagt René Hoffmann.

aRTikel

Wenn die Recherche zum Krimi wird

Dienstag, den 15. März 2016
Tags: , ,

Martin Girard (27) aus Oranienburg hat eine Architekturausstellung eröffnet und zeigt darin die Geschichte eines längst abgerissenen Hauses

MAZ Oberhavel, 15.3.2016

Oranienburg.
Wird ein Haus abgerissen, dann verschwindet auch seine Geschichte. Das Leben, das sich in dem Gebäude abgespielt hat, die Erinnerungen.

Mit so einem Haus, das vermutlich bei vielen Menschen längst in Vergessenheit geraten oder schon gar nicht mehr bekannt ist, hat sich der Oranienburger Martin Girard befasst. Der 27-jährige Student der Media-Architecture Master Studies an der Weimarer Bauhaus-Universität hat sich mit einem Bauwerk des Architekten Hans Jaretzki befasst, das von 1932 bis 1983 in Berlin-Wannsee stand.
Dabei geht es um „vergessene Architektur“. Jaretzki gehörte zu den Architekten, die in den 20ern und 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts sehr erfolgreich waren und dann vor den Nazis flüchten mussten. „Damals sind viele von seinen Gebäuden abgerissen worden“, sagt Martin Girard, „und die Pläne noch dazu.“

Für seine Abschlussarbeit beschäftigte er sich mit einem der Häuser, die der Architekt bauen ließ. In einer Zeitschrift stieß er auf ein Foto, das dieses längst verschwundene Haus zeigt. „Ich habe dann weiterrecherchiert“, erzählt Martin. Er forschte im Bauaktenarchiv in Steglitz-Zehlendorf und im Landesarchiv Berlin. Erst nach längerer Suche bekam er weitere Infos. In London traf er die inzwischen 91-jährige Tochter des Architekten.
„Ich wollte wissen, für wen es gebaut worden ist, wer dort wohnte“, erzählt Martin Girard. Ein jüdischer Industrieller war der Bauherr. Der britische Botschafter Sir Eric Phipps soll dort gewohnt haben. Später ein Obersturmführer. Nach dem Krieg lebte dort die damals bekannte Schauspielerin Käthe von Nagy. Ab 1956 dann bis zum Verkauf und Abriss des Hauses eine Rechtsanwaltsfamilie.

„Das Haus besteht nicht nur aus purem Material“, sagt Martin. „Es hat Geschichte, besondere Bewohner, jeder hat ein Stück dagelassen. Das ist wie ein Krimi.“ In seiner Ausstellung in der Galerie „VonLbisG“ in Kreuzberg können sich Besucher das Haus, die Recherchen und die Ergebnisse ansehen. „Die akribische Arbeit ist schon spannend, das Detektivische hat Spaß gemacht.“

Zweieinhalb Jahre besuchte Martin Girard die Bauhaus-Uni in Weimar, davor absolvierte er ein Architekturstudium in Cottbus. Hierzulande ist der Oranienburger vielen Leuten von seinen Auftritten an der Musikschule Hennigsdorf bekannt. Im Musical „Yomo“ spielte er die Hauptrolle.
Momentan ist er freier Mitarbeiter bei einer Produktionsfirma, die dokumentarische Filme herstellt. Die Mischung aus Architektur und Filmdokus – die könnte sich Martin Girard auch für seine Zukunft vorstellen.

aRTikel

Kremmen erlebt bald einen neuen Bauboom

Donnerstag, den 10. März 2016
Tags: ,

Noch in diesem Jahr entstehen am Sittelskanal und an der Hörste Ein- und Mehrfamilienhäuser

MAZ Oberhavel, 10.3.2016

Kremmen.
Noch sind die Gebiete hinter dem Lidl-Markt und den Plattenbauten an der Ruppiner Chaussee in Kremmen leere Brachen. Aber das wird sich im Laufe des Jahres ändern. Die Stadt könnte einen lange nicht mehr erlebten Bauboom erleben. In beiden Gebieten sind Wohngebiete geplant, sagte Eckhard Kuhn von der Wohnungsbaugenossenschaft.

Im Wohngebiet „Am Sittelskanal“ beginnt in gut zwei Wochen der Straßenbau. Wenn er Ende April abgeschlossen ist, dann können die Baufahrzeuge ins Gebiet fahren. Alle neun dort geplanten Baugrundstücke sind verkauft, die meisten davon an Kremmener. „Die Leute drängeln schon mächtig und rufen bei uns an“, sagt Eckhard Kuhn. „Sie wollen loslegen.“ Die Bauanträge können bald bearbeitet werden, so Kuhn weiter. „Ich bin selbst gespannt, wie das funktioniert, wenn sieben Häuser gleichzeitig gebaut werden.“ Dann komme Bewegung in das Gebiet.
„Ossis Döner“ ist bereits aus dem Container in ein dahinter stehendes Haus gezogen, auch das sind Mieter der Woba. Die Lagerhalle in der Nähe nutzt nun der Stadthof. Das kleine Haus an der künftigen Einfahrt zum Wohngebiet bleibt erst mal stehen und wird an eine Flüchtlingsfamilie vermietet – bis zum Abriss, für den es aber keinen Termin gibt.

Im Gebiet „An der Hörste“ zwischen dem Netto-Markt, den Wohnblöcken und der Bahngleise an der Ruppiner Chaussee entstehen weitere Häuser. Von sieben Baugrundstücken seien drei bereits vergeben, zwei weitere „so gut wie“, sagte Eckhard Kuhn. Für die letzten beiden gäbe es Interessenten. So könnte dort auch ein Pflegeheim entstehen – ähnlich wie am Bahnhof in Schwante.
Darüber hinaus will die Woba an der Stelle zwei weitere Mehrfamilienhäuser errichten und vermieten. Im ersten Haus entstehen vier Wohnungen sowie im Erdgeschoss eine Arztpraxis, für die es bereits eine Interessentin gibt. Im zweiten Haus entstehen sechs weitere Wohnungen – mit drei Zwei-Raum- und drei Drei-Raum-Wohnungen. Wenn danach immer noch Bedarf besteht, könnten hinter den Plattenbauten vier weitere solcher Häuser entstehen. Für dieses Wohngebiet gäbe es laut Eckhard Kuhn bereits jetzt zwölf Miet-Interessenten, obwohl dafür bislang kaum geworben worden sei. Das erste Gebäude dort mit der Praxis könnte zum Jahresende fertig sein, das Wohngebiet dahinter ebenfalls.
Jede dieser Bauten wird wohl etwa 750 000 Euro kosten, die in rund 30 Jahren refinanziert werden würden. „Im Moment sind wir durch niedrige Zinsen begünstigt“, sagt der Woba-Chef. „In den ersten zehn Jahren könnte der Großteil des Kredits schon getilgt sein.“ Man wolle aber dennoch vorsichtig sein und schrittweise vorgehen. Auch in Hinblick auf die neun geplanten Häuser in der Berliner Straße, die zunächst für Flüchtlinge genutzt werden und eventuell in einigen Jahren ebenfalls dem Kremmener Wohnungsmarkt offen stehen. Das wären dann noch mal mehr als 30 weitere Wohnungen.

Viele Jahre ist in Kremmen in der Hinsicht wenig passiert. „Wie überall“, sagt Eckhard Kuhn. Es sei finanziell allerdings auch immer schwierig gewesen. Dass es nun plötzlich voran geht, habe aber nichts mit den Flüchtlingen zu tun, so der Woba-Chef. Am Plan für das Gebiet „Am Sittelskanal“ werde schon zwei Jahre gearbeitet, „An der Hörste“ noch länger.

aRTikel

Abba und Mozart sind echtes Bärenfutter

Mittwoch, den 9. März 2016
Tags: , ,

Der Bärenklauer Chor feiert am Wochenende sein 20-jähriges Bestehen und singt Lieder von Klassik bis Pop

MAZ Oberhavel, 9.3.2016

Bärenklau.
Gesungen wird in Bärenklau nicht erst seit 20 Jahren. Schon 1920 gab es im Dorf den ersten Chor, und zu DDR-Zeiten war der Volkschor Bärenklau sehr erfolgreich und erhielt mehrere Preise. Mit der Wende wurde es ruhig um ihn – erst 1996 ging es wieder so richtig los.

Am Sonnabend feiern „Die Bären“ im Dorfkrug ihren 20. Geburtstag. So heißt der damals gegründete Chor, passend zum Dorfnamen. „Wir haben im Bärenstübl Skat gespielt“, erinnert sich Dagmar Martin, die Vereinsvorsitzende. „Da waren auch Neu-Bärenklauer dabei, die fragten, ob man sich kulturell betätigen kann.“ Man erinnerte sich an den Volkschor, dessen Aktivitäten ruhten, und startete einen Aufruf. Das Echo war riesig. „Rund 100 Leute haben sich gemeldet.“ Die Auftaktveranstaltung fand im Dorfkrug statt. Am Ende blieben 45 Mitstreiter übrig, inzwischen hat der Chor 30 aktive Mitglieder – 20 Frauen und zehn Männer zwischen 55 und 87 Jahren.

Geprobt wird immer am Montagabend in der Alten Remonteschule. „Wir haben bis zu 160 Lieder im Repertoire“, sagt Chorleiter Rolf Stranz aus Schmachtenhagen. Dazu gehören Volkslieder, geistliche Lieder, Kanons, Schlager, Operetten, aber auch Popsongs wie eingedeutschte Hits von Abba. Es sind sogar selbst geschriebene Lieder dabei. „Es gibt eins über Bärenklau und die Oberkrämer-Hymne“, sagt Dagmar Martin.
Vier- bis fünfmal im Jahr tritt der Chor auf – meistens in der Region. Die Bären waren aber auch schon auf der Grünen Woche in Berlin zu Gast.

„Die Gemeinschaft ist schön“, sagt Claus Trechsler. Er ist erst seit zwei Jahren dabei und mit 55 Jahren das jüngste Mitglied. „Ich habe im Internet nach einem Chor gesucht“, erzählt er. Als er das erste Mal bei den Bären war, „habe ich mich gleich wohlgefühlt.“
„Es ist schon so, dass die Gemeinschaft im Mittelpunkt steht“, sagt Leonie Fieting-Burghardt, die zweite Vorsitzende. „Wir machen auch viel außerhalb.“ Einmal im Jahr geht es auf eine Bustour, es wird gefeiert und gegrillt. „Das schweißt zusammen.“

Das Singen im Chor ist natürlich auch Arbeit. „Aber es ist toll, weil man mal auf andere Gedanken kommt, man muss sich auf das Singen konzentrieren“, sagt Leonie Fieting-Burghardt. Es gibt Lieder, da reicht eine Chorprobe, und es sitzt. Mozarts „Ave Verum“ aber – das hat es in sich. Das ist mehrstimmig, da gibt es viel dran zu feilen. „Man braucht Geduld“, sagt Chorleiter Rolf Stranz. „Und er hat viel Geduld“, ergänzt Dagmar Martin.

Die Bärenklauer wünschen sich, dass der Chor noch lange besteht. Dafür braucht er Nachwuchs. „Wir haben immer mal wieder neue Mitglieder“, sagt Dagmar Martin. „Dadurch, dass wir auftreten, machen wir auf uns aufmerksam.“
Das nächste Mal am Sonnabend. Danach beginnen schon die Proben für das Herbstkonzert. In einem Lied, das am Montagabend bei der Probe gesungen worden ist, heißt es: „Lieder sind Begleiter, Lieder machen heiter.“ Und wer in die Gesichter der Chormitglieder schaut, wird erkennen: das stimmt.

aRTikel

Erst die Bundesliga, dann die WM

Dienstag, den 1. März 2016
Tags: ,

Max Ritter (15) und Moritz Hagedorn (16) aus Oranienburg sind seit einem halben Jahr ein Schiedsrichter-Team beim Handball

MAZ Oberhavel, 1.3.2016

Oranienburg.
Max und Moritz, diese beiden – nein, sie haben keinen neuen Streich ausgeheckt. Auch wenn das Gespann immer mal wieder auf die beiden Figuren aus der Wilhelm-Busch-Geschichte angesprochen wird: Ihnen geht es nicht um Streiche. Ganz im Gegenteil, in gewisser Hinsicht wollen sie Streiche eher verhindern. Oder eher: Regelverstöße. Seit zwei Jahren arbeiten Max Ritter (15) und Moritz Hagedorn (16) als Schiedsrichter beim Oranienburger Handballclub, seit einem halben Jahr als Team.
Wenn sie auf dem Feld stehen, dann verstehen sich ohne Worte. Gesten und Zeichen reichen. „Das funktioniert“, sagt Moritz. Klopft der eine auf die Brusttasche, dann könnte eine „Gelbe Karte“ ins Spiel kommen. Dauert ein Angriff zu lange, nehmen sie Augenkontakt auf, einer klopft auf die Uhr.
„Im Spiel hat ja jeder von uns seine Aufgabe“, sagt Max. Einer ist Tor-, der andere Feldschiedsrichter. Da wechseln sie sich auch schon mal ab. Und wenn sie sich nicht sicher sind, „dann halten wir das Spiel an, reden kurz und treffen eine Absprache.“ Moritz nickt: „Wir sind ja auch bloß Menschen.“
Max und Moritz spielen auch selbst Handball in der B-Jugend des OHC und kennen dementsprechend auch die andere Seite.

Vor zwei Jahren fing es an mit dem Pfeifen: „Es wurde Werbung für einen Schirikurs gemacht“, erzählt Max, der auf das Runge-Gymnasium geht. „Ich wurde gefragt, ob ich Interesse habe.“ Und er hatte, ebenso wie Moritz, Schüler am Louise-Henriette-Gymnasium. Ein Wochenende lang ging es zu einem Lehrgang, dort mussten sie auch eine Prüfung absolvieren. Später mussten sie mehrere Spiele gemeinsam mit einem erfahrenen Schiedsrichterwart und später mit weiteren erfahrenen Schiris pfeifen. „Dann bekommt man einen Schein“, so Moritz.
„Man fängt bei den Kleinen an“, erzählt er weiter. „Man braucht ja Selbstsicherheit, und am Anfang stand ich völlig unter Adrenalin.“ Wichtig war: runter kommen, der Herr auf dem Feld zu sein. Grundgelassenheit sei notwendig, dann sei vieles einfacher.
Das ist auch deshalb nötig, weil sich viele Zuschauer in der Halle ebenfalls als Schiri sehen. „Da gibt es drei Stufen“, sagt Max. „Bis zur D-Jugend sind die Zuschauer ziemlich aktiv und rufen viel rein.“ Von der A- bis zur C-Jugend gestalte sich das ruhiger. Bei den großen Spielen werde das dann wieder härter. „Dort gibt es dann mehr Beschwerden von außerhalb“, so Max weiter. „Aber man muss lernen, das auszublenden.“ Beide kritisieren, dass man in den Schirikursen zwar die Regelkunde lerne, „aber nicht den Umgang mit dem Publikum“, sagt Moritz. Es werde ihnen auch nicht beigebracht, wie man in besonders schwierigen Situationen mit den Trainern reden könne.

Auf Kreisebene dürfen Max Ritter und Moritz Hagedorn alle Spiele pfeifen. „Sehr spektakulär war ein Testspiel der ersten Männermannschaft, das wir pfeifen durften“, sagt Moritz. „Da merkt man dann auch, wie hart sie spielen.“ Max ergänzt: „Es ist toll zu sehen, wie das im Profibereich abläuft.“
Ihr Ziel: „Man strebt schon die erste Bundesliga an – und natürlich die WM“, sagt Max. Was man können muss? „Man braucht Durchsetzungsvermögen, sollte aber nicht autoritär sein“, erzählt Moritz. „Man sollte sympathisch rüber kommen, nicht zu ernst.“ Max nickt: „Und Konzentrationsfähigkeit ist gefordert, um richtige Entscheidungen zu treffen.“

Der Handball spielt im Leben der beiden die größte Rolle. Max möchte später vielleicht Lehrer oder Erzieher werden. „Mit Kindern zu arbeiten, macht mir Spaß.“ Moritz spielt nebenher Gitarre und liest gern. Jetzt aber wollen sie erst mal am Ball bleiben – im wahrsten Sinne des Wortes. „Der Spaß am Handball lässt einen nie los ist“, sagt Moritz. Sein Schirikollege Max nickt nur und lächelt.