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In der Zeitung erschienen

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Oberhavel in Tusche gemalt

Mittwoch, den 16. November 2016
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Anja Theres Focking (29) aus Schwante hat einen Kunstkalender herausgebracht

MAZ Oberhavel, 16.11.2016

Schwante.
Am Anfang ist das weiße Blatt. Und ein Motiv. Zum Beispiel die alte Bockwindmühle in Vehlefanz. Anja Theres Focking setzt sich auf die Wiese davor und beginnt zu malen. Sie nimmt sich ihre Tauchfeder, tunkt sie in die Flasche mit der Tuschefarbe und fängt an.
Die 29-Jährige aus Schwante hat in den vergangenen Monaten viele solcher Motive gemalt, sie war in der ganzen Region unterwegs. Heraus kam ein Kalender für 2017: Oberhavel in schwarzer Tusche gemalt. Zu sehen sind auch das Klubhaus in Kremmen, das Oranienburger Schloss, die neuen Bauten am Veltener Bahnhof, der Holzbackofen in Schwante und vieles mehr.

Dieser Kalender ist für Anja Theres Focking wie ein Stück Heimkehr. „Ich bin in Schwante aufgewachsen“, sagt sie, „war aber lange Zeit weg gewesen.“ In Pforzheim war sie in der Goldschmiedlehre. Bei einem „Tag der offenen Tür“ schaute sie sich in der Hochschule für Gestaltung um. „Dieser kreative Ort zog mich an.“ Sie studierte Design für Schmuck und Objekte der Alltagskultur. „Und das Zeichnen war während des Studiums immer eine spannende Sache.“
Oft bekommt sie zu hören, das sei doch brotlose Kunst. „Aber ich wünsche mir, dass ich damit leben kann“, sagt sie. Mit dem Kalender will sie sich ein Stück weit an das Kultur- und Kunstbusiness wagen. 250 Stück vom Kalender sind gedruckt, viele hat sie schon verkaufen können.

Aber wie ist das eigentlich mit der Tusche? Was passiert denn, wenn sie sich „vermalt“? „Ja, das ist ein Wagnis, aber das reizt mich auch so sehr“, sagt die Schwantenerin. Beim Zeichnen ist es, wie mit einem Stift zu schreiben. Wenn ein grober Fehler passiert, könne er entweder noch zeichnerisch behoben werden, oder sie muss radieren. „Aber einige der Bilder im Kalender sind tatsächlich sogenannte erste Versuche“, sagt Anja Theres Focking. „Das hängt ja auch immer davon ab, wie man drauf ist. Man muss sich wohlfühlen, wenn man loszeichnet.“

Wenn sie so da sitzt – wie an der Vehlefanzer Mühle – dann vergisst sie oft die Zeit. „Wenn ich im Flow bin, dann darf mich keiner stören. An der Mühle, da hatte mich zwischendrin jemand angerufen, aber zum Glück war ich da mit dem Bild schon fast fertig.“ Sie schmunzelt, überlegt und sagt: „Man unterbricht sonst den Moment. Man zeichnet etwas, was man gerade sieht und was man ständig abgleicht mit dem, was man schon auf dem Papier hat. Das ist ein wirklich spannender Moment.“
Für den Kalender hat sie sich erstmals auch mit Dingen beschäftigt, die sie noch nie gemalt hat. Natur, Büsche oder auch die ganz speziellen Kleinigkeiten am Oranienburger Schlossgebäude. „Geometrisch genau muss es nicht sein. Aber ich habe gemerkt, dass ich mich darauf mal einlassen muss.“

„Alles hat seine Zeit“ – so hat Anja Theres Focking ihren Kalender genannt. Ihre Bilder hat sie passend betitelt: „Riechen und schmecken“ im Oktober oder „Bewahren und loslassen“ im Dezember. Was als nächstes von ihr kommt, lässt sie noch völlig offen. Jetzt ist sie erst mal glücklich über das, was sie geschafft hat.

Wer Interesse an dem Kalender hat, kann eine E-Mail schreiben an ­anjatheres.focking@gmail.com.

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Für Hillary die Daumen gedrückt

Donnerstag, den 10. November 2016
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Paula Scholze aus Oranienburg hat 2009 die damalige Außenministerin Clinton in Berlin getroffen

MAZ Oberhavel, 10.11.2016

Oranienburg.
Paula Scholze findet klare Worte. „Das ist erschreckend.“ So kommentiert die 25-Jährige aus Oranienburg das Ergebnis der US-Wahlen. „Ich war für Hillary Clinton. Der Trump hat einfach eine Macke, seine Sprüche finde ich überhaupt nicht angemessen.“

Sie hätte sich schon deshalb über einen Wahlsieg von Clinton gefreut, weil sie sie vor sieben Jahren selbst getroffen hat. Damals ging Paula Scholze in die 12. Klasse der Torhorst-Gesamtschule. 2009 wurde in Berlin das 20. Mauerfall-Jubiläum gefeiert. Ihre Klassen hatte die Gelegenheit, ein Mauersegment zu bemalen. Es war Teil einer Domino-Performance, alle Teile standen auf dem ehemaligen Mauerstreifen und fielen am Abend um.
Weil die US-Botschaft bei der Aktion der Partner der Torhorstschule war, traf die Klasse auch die damalige Außenministerin Clinton. „Viel gesagt hat sie nicht, sie hat sich alles angehört, was wir ihr erzählt hatten. Aber sie war wohl ganz begeistert von unserem Mauerteil, oder zumindest hat sie so getan“, erinnert sich Paula Scholze.

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Das Laub vor dem Grundstück lässt ihr keine Ruhe

Mittwoch, den 9. November 2016
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Hildegard Dunst (90) kümmert sich jeden Tag um den Gehweg und die Grünfläche in der Alten Dorfstraße in Groß-Ziethen – Sie macht das gern, sogar auch für einige Nachbarn

MAZ Oberhavel, 9.11.2016

Groß-Ziethen.
Jeden Morgen gegen 7 Uhr steht Hildegard Dunst auf. Dann frühstückt sie erst mal in ­Ruhe, bevor sie sich ihrem Tagwerk zuwendet. Jeden Tag – wenn es das Wetter zulässt – sieht man die 90-Jährige nämlich auf der Alten Dorfstraße in Groß-Ziethen. Sie fegt den Weg vor ihrem Haus sauber und harkt das Laub von der Wiese ordentlich auf einen Berg am Straßenrand. „Die Haufen werden abgeholt“, sagt sie. „Zum Glück, wo soll man denn auch damit hin?“

Hildegard Dunst macht das nicht nur für sich. Auch auf der anderen Straßenseite, bei den Nachbarn, macht sie sich an die Arbeit. „Die älteren Leute schaffen das teilweise ja nicht mehr“, sagt sie und schmunzelt ein bisschen. Auch wenn man sie dann auf ihr eigenes Alter anspricht. „So lange, wie ich kann, mache ich das. Und ich mache das gerne, ich kann ja nicht nur den ganzen Tag in meinem Wohnzimmer rumsitzen“, erzählt sie und schiebt noch mal hinterher: „Nein, das kann ich wirklich nicht.“

Gerade die älteren Groß-Ziethener kennen Hildegard Dunst. Lange Jahre brachte sie im Dorf die Post in die Haushalte. Davor war sie Landarbeiterin. „Wir mussten früher die ­Kartoffeln selber ernten. Dreschen, einfahren, ­alles alleine. Das können sich die Leute heute ja gar nicht mehr ­so richtig vorstellen“, sagt Hildegard Dunst nachdenklich. „Ich habe es schon früh gemacht, weil meine Mutter es damals nicht mehr konnte.“ Später begann sie dann, bei der Post zu arbeiten und war als ­deren Angestellte oft in der Region rund um Kremmen unterwegs.

Die Zeiten sind vorbei. Sie genießt nun die Rente in Groß-Ziethen. „Ich kann nicht klagen“, sagt sie. Und allein ist sie ja auch nicht. „Meine Tochter kommt oft vorbei und putzt meine Fenster und macht die Gardinen.“ Auch ihr Sohn ist oft da – so ziemlich jeden Tag nach der Arbeit schaut er bei ihr vorbei. Oder der Schwiegersohn nimmt sie mit in den Urlaub, er hat ein Busunternehmen, da kann die Groß-Ziethenerin auch mal mitfahren. „In den Urlaub, zur Ostsee“, sagt sie. Da kommt es auch schon mal vor, dass im Dorf ein großer Reisebus vorfährt. Hildegard Dunst muss schon wieder schmunzeln. „Ich bin zufrieden.“ Im Haus macht die 90-Jährige ansonsten noch viel allein. Und eben draußen vor dem Grundstück.

„Heute war ich nur eine gute Stunde draußen und habe geharkt, sonst wäre ich schon fertig gewesen“, erzählt sie. Wenn sie sieht, dass draußen noch Dreck oder Laub liegt, dann hat sie keine Ruhe. Nur im Winter, wenn der Schnee liegt, ist sie vorsichtig. Manchmal legt sie sich mit dem Gemeindearbeiter an, der auf der Dorfstraße sauber macht, sagt sie. „Das ist nicht mein Tempo, was er da macht. Ich glaube, der hat Angst vor mir.“ Und wieder das schelmische Schmunzeln.

„Das alles hält sie gesund“, sagt Groß-Ziethens Ortsvorsteherin Astrid Braun. „Sie ist ein Urgestein hier im Dorf.“ Öfter mal legt sie bei Hildegard Dunst einen Zwischenstopp ein. Dann wird erst mal geplaudert.

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Der Wahlkampf geht in die Verlängerung

Dienstag, den 8. November 2016
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Sebastian Busse und Eckard Koop ringen weiter um die Gunst der Kremmener – Klaus-Jürgen Sasse hat sich mit dem Ergebnis abgefunden

MAZ Oberhavel, 8.11.2016

Kremmen.
Am 20. März 2017 ist der letzte Arbeitstag von Klaus-Jürgen Sasse (SPD). Dann endet seine 24-jährige Zeit als Amtsdirektor und Bürgermeister von Kremmen. Ob danach Sebastian Busse (CDU) oder Eckhard Koop (parteilos) auf dem Chefsessel platznehmen werden, entscheidet sich aber erst am Tag der Stichwahl am 27. November.

Der Wahlkampf geht also weiter. „Ein bisschen sind die Leute ja auch gesättigt“, sagt Eckhard Koop, der bei der Wahl am Sonntag auf dem zweiten Platz landete. „Aber persönliche Gespräche helfen da oft.“ Das ist wohl das, was er in den nächsten gut zweieinhalb Wochen tun möchte: reden. Das muss er wohl vor allem auch in Hohenbruch, denn dort hat Koop mit nur 3,6 Prozent das mit Abstand schlechteste Ergebnis erreicht.

Hohenbruch ist aus Sicht von Sebastian Busse ebenfalls die persönliche Schwachstelle. „Da muss ich noch was tun“, sagt er. Allerdings konnte sich im Ortsteil auch Arthur Förster mit mehr als 60 Prozent durchsetzen, und Förster ist nun bei der Stichwahl nicht mehr dabei.

Aus Sicht von Eckhard Koop werde es am 27. November die größte Aufgabe sein, die Leute in Kremmen überhaupt ein zweites Mal an die Wahlurne zu holen, das Interesse hochzuhalten. Insbesondere die müssen animiert werden, die vorher für Sasse oder Förster gestimmt hatten.

Klaus-Jürgen Sasse war am Montag unterdessen wieder einigermaßen guter Dinge. Enttäuscht ist er aber natürlich trotzdem. „Ich bin ja nicht angetreten, um zu verlieren“, sagte er gestern. Andererseits: „Ich hatte ja einen Plan B in der Schublade.“ Der heißt: Seine Rente zu genießen, Zeit für Arbeiten am Haus. „Ich kannte ja das Risiko und habe vorher verdammt lange überlegt, wieder anzutreten.“ So abgewählt zu werden, sei kein schöner Abgang. Auf der anderen Seite, sagte er, habe er ja eine Verpflichtung gegenüber seiner Partei gehabt.
Bis zum 20. März 2017 bleibt Sasse auf jeden Fall noch im Amt. Allerdings kündigte er an, bis dahin keine politischen Entscheidungen mehr zu fällen. „Das ist ja auch logisch“, so Sasse. „Jetzt stehe der Stadt ein kompletter Richtungswechsel vor.“ Politisch könne er jetzt nichts mehr entscheiden oder bewegen.

Wer auch immer am 27. November gewinnt: „Ich wünsche dem neuen Bürgermeister sehr viel Erfolg“, sagte Klaus-Jürgen Sasse.

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Die Ära Sasse geht zu Ende

Montag, den 7. November 2016
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Bürgermeisterwahl in Kremmen: Große Enttäuschung bei der SPD, die CDU ist in Partystimmung

MAZ Oberhavel, 7.11.2016

Kremmen.
Wenn es Ende November zur Stichwahl um das Amt des Bürgermeisters kommt, dann spielt der jetzige und langjährige Amtsinhaber Klaus-Jürgen Sasse (SPD) dabei keine Rolle mehr. Am 1. April 2017 wird die Stadt einen neuen Verwaltungschef bekommen. Wer das sein wird, ist aber noch offen. Aber die Ära Sasse in Kremmen geht zu Ende.

In drei Wochen, am ersten Adventssonntag, wird es zum Duell zwischen Sebastian Busse (CDU) und dem parteilosen Eckhard Koop kommen. Busse erreichte 39,18 Prozent, Koop 22,32 Prozent, Sasse 20,85 Prozent und Arthur Förster (UWG/LGU) 17,65 Prozent. Die Wahlbeteiligung betrug 59,55 Prozent. Für Busse und Koop geht es in den nächsten Wochen nun darum, die Wähler noch einmal zu mobilisieren.

„Enttäuschend, sehr enttäuschend“, kommentierte SPD-Fraktionschef Peter Winkler das Ergebnis. „Ich war mir eigentlich sicher.“ Sein Mitgenosse Klaus-Jürgen Sasse war erst später auf der Wahlparty der Sozialdemokraten im Kremmener Scheunenviertel erschienen. Zuvor war das Entsetzen groß, als die ersten Ergebnisse aus den Ortsteilen eintrafen, die Busse schon sehr weit vorn verorteten.

Dementsprechend riesig war die Stimmung in Staffelde. Die CDU und Sebastian Busse feierten in der „Tenne“. Immer wenn ein neues Ergebnis eintraf, herrschte Jubel – der größte, als dann das vorläufige Endergebnis feststand. „In Hohenbruch muss ich allerdings noch nachlegen“, gibt Sebastian Busse hinsichtlich der dortigen Zahlen zu.

Beschaulich feierte der zweite Sieger, Eckhard Koop. Dass er es in die Stichwahl schafft, stand erst fest, als am Ende auch die Briefwahl-Ergebnisse reinkamen, davor lag noch Sasse auf Platz zwei. „Da war der Puls dann doch ein kleines bisschen erhöht“, sagte Koop in seinem Haus in Orion. Ab 18.30 Uhr hatte er sich an den Computer gesetzt und die Entwicklung verfolgt.

72 Wahlhelfer sorgten am Sonntag dafür, dass die Bürgermeisterwahlen in den acht Wahllokalen und bei der Briefwahl weitgehend störungsfrei verliefen. Am 27. November werden sie alle wieder gebraucht – dann, wenn in Kremmen Stichwahl ist.

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Bürgermeisterwahl in Kremmen: Eine gemeinsame Sprache für die Stadt

Samstag, den 29. Oktober 2016
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(3) -> 26.10.2016

Die Kremmener Bürgermeister-Kandidaten im Check – Teil 4: Klaus-Jürgen Sasse (SPD) will weiter im Amt bleiben

MAZ Oberhavel, 29.10.2016

Kremmen.
Er lässt sich nicht verbiegen, sagt er. „Es gibt noch viele Dinge, die ich gern aufarbeiten würde“, so Klaus-Jürgen Sasse (SPD). Er ist der Amtsinhaber im Kremmener Bürgermeister-Wahlkampf. Seit 1993 leitet er die Geschicke der Stadt, erst als Amtsdirektor, später als Bürgermeister. Fast 24 Jahre lang. Und diese Jahre zählen, sagt er. „Die Entwicklung einer Stadt bleibt ja nicht stehen.“
Lange war unklar, ob er noch mal antritt. Aber seine SPD-Leute haben ihn darum gebeten. „Ursprünglich war ich nicht begeistert.“ Generell fehle es an Nachwuchs in seiner Partei, findet er. Letztlich entschloss er sich, wieder anzutreten, „und jetzt stehe ich 100-prozentig dahinter.“ Leicht hat er es nicht, die Streitigkeiten haben in den vergangenen beiden Jahren – gerade im Stadtparlament – sehr zugenommen.

Die Wohnanlage für Flüchtlinge ist Sasses großes Projekt, aber auch extrem umstritten. „Anfangs war mir nicht bewusst, dass das die Stimmung in Kremmen spaltet.“ Aber er würde das jederzeit wieder tun, ergänzt er gleich. Das Projekt zahle sich für die Kremmener aus, wenn spätestens in drei Jahren die Häuser für den Wohnungsmarkt zur Verfügung stünden – „zu einem Tarif, den man nie wieder erreicht“, so ist er überzeugt.

Klaus-Jürgen Sasse ist 65 Jahre alt, er hat zwei Töchter, ist geschieden und lebt mit neuer Partnerin in Beetz. Er ist gelernter Elektromonteur und Ingenieur für Automatisierungstechnik. Seit 1990 ist er in der Politik, damals wurde er Bürgermeister von Germendorf. Seit 1993 ist er in Kremmen aktiv.

Sein wichtigstes Ziel für die Stadt: „Dass der Haushalt nie ins Minus rutscht.“ Auch wenn sich Kremmen somit nicht so viel leisten kann wie andere Orte: „Man kann nur das umsetzen, was man finanzieren kann.“ Er verweist aber auf das, was schon getan worden ist: Die Sanierung der Altstadt sei weit vorangeschritten. Der Zweckverband stehe auf gesunden Füßen und schreibe schwarze Zahlen. 42 Prozent der städtischen Ausgaben gehen in den sozialen Bereich, also zum Beispiel für die Kitas, Schulen und Vereine. Das solle auch so bleiben.
So sind dann auch seine Wahlziele eher ein laufender Prozess. Er will den Ausbau der Radwege von Sommerfeld nach Hohenbruch sowie nach Ludwigsaue vorantreiben. Innerhalb von vier Jahren könne das machbar sein. Auch das Straßenbauprogramm hat er auf seinem Plan – immer bürgerverträglich, wie er sagt.
Er spricht sich für die Erweiterung der Feuerwache in Kremmen aus. Sie könnte 2018/19 beginnen, wenn die Stadtverordneten zustimmen. Auch für die weitere Förderung des Tourismus will er sich einsetzen. Dazu gehören allerdings keine Windkraftanlagen, wie sie eventuell nahe Sommerfeld und Hohenbruch gebaut werden könnten. Er sei dagegen, „weil sie die Gegend verschandeln“, sagt er.
Die finanzielle Ausstattung der Ortsteile dürfe auch nicht zu kurz kommen. Sie müssten alle gleich behandelt werden.

Klaus-Jürgen Sasse ist jetzt 65. Wenn er gewählt wird, will er höchstwahrscheinlich keine volle Periode, also für acht Jahre, im Amt bleiben. Er sagt, er könne sich vier weitere Jahre vorstellen. „Das wäre optimal.“ Bis dahin müsse in der SPD ein Nachfolger gefunden werden. Klare Worte in Richtung seiner Parteigenossen. Bis dahin wünscht er sich weniger Streit. „Mich ärgert das politische Gegeneinander, wir finden keine gemeinsame Sprache mehr.“ Wobei er aber auch sagt, dass er ja nicht alleine entscheide. „Im Vorfeld diskutieren wir jeweils im Leitungsteam und wägen Entscheidungen ab.“ Das habe sich bewährt.

Zeit für Hobbys bleibt ihm kaum. Er arbeitet weiter an seinem Haus. Wenn er abschalten will, radelt er durchs Luch. Da kommen schon mal 60 Kilometer am Stück zusammen. Am Wahlabend wird er wohl zu Hause in Beetz sein und das Ergebnis abwarten.

*

Zur Person: Klaus-Jürgen Sasse ist geboren am 4. April 1951 in Germendorf. Seit 2010 lebt er in Beetz. Er ist geschieden, hat eine neue Partnerin. Er hat zwei Töchter.

Beruf: Er ist gelernter Elektromonteur und Ingenieur für Automatisierungstechnik.

Politik: 1990 Bürgermeister in Germendorf, seit 1993 Amtsdirektor, später Bürgermeister in Kremmen.

Hauptziele: Ausbau der Radwege, Straßen- und Wohnungsbau, Feuerwache-Erweiterung, Tourismusförderung.

Die Wahl: Am 6. November wählen die Kremmener. Vier Kandidaten stellen sich zur Wahl.

Die Serie: Die MAZ stellte die vier Kandidaten in alphabetischer Reihenfolge vor. Schon erschienen: Sebastian Busse (CDU), Arthur Förster (UWG/LGU), Eckhard Koop (parteilos).

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Bürgermeisterwahl in Kremmen: Der Unabhängige will den Seitenwechsel

Mittwoch, den 26. Oktober 2016
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(2) -> 20.10.2016

Die Kremmener Bürgermeister-Kandidaten im Check – Teil 3: Gewinnt Eckhard Koop (parteilos), gibt er seine Firma auf

MAZ Oberhavel, 26.10.2016

Kremmen.
Er will die Seiten wechseln. Raus aus der politischen Opposition, in der Eckhard Koop immer zu denen gehört, die für oder gegen eine Sache hartnäckig streiten. Nun möchte er selbst auf den Chefsessel der Kremmener Verwaltung. „Meiner Ansicht nach kann man einiges anders und besser machen“, sagt der 53-Jährige.

Eckhard Koop ist seit kurzem verheiratet. Er hat zwei Söhne, ein Mädchen hat seine Frau in die Ehe mitgebracht, ein weiteres Kind ist unterwegs. Er ist zwar in Hennigsdorf geboren worden, lebte danach aber Zeit seines Lebens in Kremmen. Der Malermeister mit eigener Firma hat ein Haus in Orion. „Ich habe die Stadt nie verlassen“, sagt er. Ist das gut oder schlecht? „Man kennt die Gegebenheiten“, antwortet er.

Politisch aktiv ist er seit 1998. „Ich wollte was verändern.“ Von Anfang an trat er als parteilich Unabhängiger an. „Aus Überzeugung“, so Koop. Ob er zur Wahl antritt, stand lange nicht fest. „Aber mich haben viele darauf angesprochen und gesagt: Mach es! Die Leute wollen eine Alternative haben.“ Seit dem vergangenen Jahr ist er Ortsvorsteher von Kremmen.

Sein Wahlprogramm ist recht umfassend. Die Schulen in Kremmen sollen so bleiben, wie sie sind, notwendige Investitionen müssten geleistet werden. Für die Kitas wünscht er sich eine Diskussion zu den Schließzeiten. „Das kann man anders organisieren.“ Auch über die Elternbeiträge könnte nachgedacht werden. Stichwort: finanzielle Entlastung. Auch ein beitragsfreies Kitajahr hält er für sinnvoll. Aber: alles unter Vorbehalt. Eckhard Koop will nichts versprechen, was dann haushaltstechnisch nicht einlösbar sei, sagt er.
Beim Jugendclub hat er den Eindruck einer Stagnation. „Da muss man auf Ideensuche gehen, dorthin, wo neue Konzepte erarbeitet wurden.“
In Sachen Kultur ist ihm die Eigenständigkeit der Ortsteile wichtig. „Jeder Ort hat seine jährlichen Feiern, das sollten wir weiter unterstützen, nicht aus Geldnot nur noch zentrale Feiern anbieten.“ In dem Zusammenhang sollte aus seiner Sicht die ehrenamtliche Arbeit mehr gewürdigt werden.
Ein großes Augenmerk legt er auf die Infrastruktur. Die Instandhaltung der Straßen sei wichtig: Schlaglöcher müssten ausgebessert, die Randbereiche gepflegt werden. Zum Neu- oder Ausbau von Straßen müssten Anwohner immer ihr Okay geben. Die Radwege von Hohenbruch nach Sommerfeld und weiter nach Ludwigsaue will er vorantreiben und sich auf Fördermittelsuche begeben. „Wir können es allein nicht leisten, so ehrlich muss man sein“, so Eckhard Koop.
Wirtschaftlich ist es sein Ziel, neue Betriebe anzusiedeln, Werbung für Kremmen zu machen, mit möglichen Investoren zu reden. So würde sich aus Koops Sicht auch die finanzielle Lage der Stadt verbessern. Auch beim Bauland sieht er ausreichendes Potenzial.
Die Bürger will er weiter ins Boot holen. Erreichen will er das mit anderen Öffnungszeiten im Rathaus und der schon beschlossenen Umsetzung des Bürgerhaushaltes.

Falls er Bürgermeister wird – Koop sieht sich mindestens in der Stichwahl – wird er seine Firma aufgeben. „Die neue Aufgabe ist so reizvoll, dass ich dafür meine 27-jährige Selbstständigkeit aufgeben würde.“ Das Fußballspielen hat er schon aufgegeben – dafür ist er bei den Spielen seiner Söhne immer dabei. Er fährt gern Rad – am liebsten ins Luch. „Und alle Waldgebiete, ich kenne da alles“, sagt er. Sein Vater war Ornithologe.

Den Wahlabend selbst wird er wohl zu Hause verbringen. „Das Ergebnis schaue ich mir dann irgendwann im Internet an.“ Ob er das wirklich so locker sieht, wird sich am 6. November nach 18 Uhr zeigen.

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Zur Person: Eckhard Koop ist geboren am 12. Oktober 1963 in Hennigsdorf. Seit 1963 lebt er in Kremmen. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Ein Drittes brachte seine Frau mit in die Ehe.

Beruf: Er ist selbstständiger Malermeister, seit 1990 betreibt er eine Firma mit Sitz in Orion.

Politik: Seit 1998 ist er Mitglied der Stadtparlamentes, seit 2004 im Ortsbeirat und Ausschüssen. 2015 wurde er Ortsvorsteher in Kremmen.

Hauptziele: Weitere Investitionen in Schulen, Kitas und Infrastruktur. Schaffung von Wohnraum, kulturelle Eigenständigkeit der Ortsteile.

Die Wahl: Am 6. November wählen die Kremmener. Vier Kandidaten stellen sich zur Wahl.

Die Serie: Die MAZ stellt die vier Kandidaten in alphabetischer Reihenfolge vor. Schon erschienen: Sebastian Busse (CDU), Arthur Förster (UWG/LGU). Es folgt: Klaus-Jürgen Sasse (SPD).