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In der Zeitung erschienen

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Noch keine Zukunftspläne

Samstag, den 4. März 2017
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Am 17. März nimmt Klaus-Jürgen Sasse in Kremmen Abschied als Bürgermeister – zunächst will er sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen

MAZ Oberhavel, 4.3.2017

Kremmen.
Ja, er hätte auf sein erstes Bauchgefühl hören sollen. Das sagt Klaus-Jürgen Sasse nun über die Bürgermeisterwahl 2016 in Kremmen. Er war angetreten und hat die Wahl verloren. Das ist bekannt. Am 17. März wird er sich im Rathaus von seinen Mitarbeitern verabschieden, am 21. März ist sein Nachfolger Sebastian Busse (CDU) im Amt. „Ich war müde im Wahlkampf“, gibt Sasse nun zu. „Aber ich hatte inzwischen viel Zeit, die letzten Monate aufzuarbeiten.“
Bis Dezember habe er gebraucht, um sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass seine Amtszeit zu Ende gehen wird. Einerseits sei es gut, die Fäden an die nächste Generation weiterzugeben und die Verantwortung los zu sein. „Andererseits hätte ich den Zeitpunkt meines Abgangs gern selbst bestimmt. Zu sagen, es fällt mir jetzt leicht, zu gehen, wäre falsch.“

Kritiker werfen ihm vor, dass er sich in der Öffentlichkeit nicht mehr blicken lässt. Tatsächlich war Sasse bei der jüngsten Stadtverordnetenversammlung nicht mehr dabei. Er verteidigt das. „Mit dem Wahlergebnis habe ich mein Mandat verloren. Ich bin zwar noch Bürgermeister, aber wenn es um die Zukunft von Kremmen geht, habe ich aus meinem Verständnis heraus das Mandat verloren, mitmischen zu dürfen.“
Zum Jahresempfang am 16. März wird er aber nun doch gehen. „Mir wäre es lieber gewesen, wenn er nach dem Amtswechsel stattgefunden hätte, dann hätte sich mein Nachfolger schon mal präsentieren dürfen“, sagt Klaus-Jürgen Sasse. „Einen Grund zum Feiern gibt es ja für mich nicht.“ Eine kleine Abschiedsrede wolle er nun dennoch halten, und eine Überraschung habe er auch noch. Aber: „Ich stehe nicht gern in der Öffentlichkeit, ich arbeite lieber im Hintergrund.“ Er sei kein guter Redner.

Und wie geht es dann für ihn weiter? „Konkrete Pläne habe ich noch nicht“, sagt er. Es seien schon einige an ihn mit Jobideen herangetreten, „zwei oder drei Angebote“ habe er abgelehnt. „Ich will erst mal meine Gesundheit in den Griff kriegen, Sport treiben, mich um Haus und Grundstück kümmern.“ Komplett abschalten – darum gehe es ihm zunächst. Keine Politik, keine Verwaltung. Auch seine Mitgliedschaften in diversen Fördervereinen hat er gekündigt. Aus der Welt sei er aber nicht. Wer ihn um Rat frage, bekomme ihn, er wolle sich aber keinem aufdrängen.

Deshalb wolle er sich auch zurückhalten, wenn es darum geht, wie er die Zukunft Kremmens sieht. „Jetzt gibt es neue Leute, die künftige Entscheidungen vorbereiten“, sagt er. Dennoch sei er gespannt, wie es mit dem Klubhaus am Marktplatz weitergeht. „Die Nutzung der oberen Etage ist ja weiter fraglich.“ Dass das Café von Bäcker Plentz im Mai ins Untergeschoss zieht, darauf sei er aber stolz.
Auch sozial gerechtere Kitasätze seien ein Thema, „bei dem ich gespannt bin, wie das weiter geht“, ebenso die Windkraftentwicklung in Kremmen sowie die Situation rund um die Häuser für Geflüchtete an der Berliner Straße. „Es ist schade, dass viele der Häuser leer stehen. Es hätte den Wohnungsmarkt entspannt, wenn zwei bis drei Häuser schon vorzeitig für die Kremmener zur Verfügung gestanden hätten“, sagt er.
Begrüßen würde er auch einen Mietzuschuss für Kinderreiche – eher als ein Begrüßungsgeld für Kremmener Babys.

All das müssten nun aber andere entscheiden. „Ich kann schon loslassen“, sagt Sasse. Nächste Woche gibt es noch ein paar Termine. Die Schubladen in seinem Büro sind schon ausgeräumt. Vielleicht nimmt er auch den Schokoweihnachtsmann – vermutlich schon von 2015 – von seinem Schreibtisch nach Hause mit.

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Staffelde nimmt Einfluss auf die Musik

Dienstag, den 28. Februar 2017
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Das Künstlerehepaar Tristan und Claude Ferland Milewski lebt seit Jahren im Dorf und hat viele gute Erfahrungen gemacht

MAZ Oranienburg, 28.2.2017

Staffelde.
Auf Mohrrüben stehen die Lamas auf dem Hof der Ferland-Milewskis total. Wenn sie das Gemüse sehen, kommen sie zügig angerannt. Seit dem Sommer 2014 leben Tristan und Claude Ferland Milewski in Staffelde, und die Lamas gehörten bald dazu. „Lamas sollten nicht alleine sein, man braucht eine Gruppe“, sagt Claude. „Das hat sich so ergeben.“
Wenn das Paar in Berlin erzählt, wo es wohnt, dann hagelt es Vorurteile. Ein schwules Ehepaar auf dem Dorf? Und dann auch noch Künstler? Kann das gut gehen? Die Antwort ist simpel: Es kann. Gut sogar. „Wir lieben Staffelde, und wir wurden ganz herzlich aufgenommen“, erzählt Tristan Ferland Milewski. „Hier herrscht eine ganz tolle Energie.“ Zuvor lebten sie lange in Berlin, in der Großstadt. „Wir hatten das Gefühl, wir müssen das verändern.“ Zwei Jahre waren sie auf der Suche, in Staffelde wurden sie endlich fündig.
Dort leben sie in einem außergewöhnlichen Haus. Es wirkt wie eine alte Scheune. Ein riesiger Flur, acht Meter hoch. Oben, an den Seiten befinden sich Nebenräume. Wer die Eheleute besucht, wird auch von den beiden großen Hunden empfangen.

Claude stammt aus Quebec, Kanada. Als Musiker lebte er schon in New York, Paris und London, ehe er sich in Berlin verliebte. Gerade arbeitet er am vierten Album seiner Band „My Name is Claude“. Mit ihr tourt er durch Frankreich, Deutschland oder auch nach Moskau. Barockpop nennt er das, was die Band spielt, wobei das neue Album elektronischer werden soll.

Tristan und Claude lernten sich vor sieben Jahren in Berlin kennen, seit fünf Jahren sind sie verheiratet. Tristan stammt aus Berlin, lebte danach in vielen Regionen Deutschlands. Seit 1993 arbeitet er als Regisseur und Entwickler von Dokumentarfilmen und Musikvideos. 1999 begann er bei MTV Deutschland und porträtierte viele bekannte Musiker. Später war er verantwortlich für die Dokuformate bei Viva.
2012 arbeitete er erstmals an der Dokureihe „Make Love – Liebe machen kann man lernen“, die zunächst beim MDR, später im ZDF zu sehen war. Die Reihe war für den Grimme-Online-Award 2014 und für den Deutschen Fernsehpreis 2017 nominiert.

Gerade sorgte er auf der Berlinale mit seiner Doku „Dream Boat“ für Furore. „Die Vorführungen waren emotional, das Publikum hat gelacht und geweint“, erzählt er. Die Doku handelt von einer schwulen Kreuzfahrt entlang der Mittelmeerküste. „So ein Kreuzfahrtschiff ist ja ein Mikrokosmos. Knapp 3000 Männer aus unterschiedlichen Nationen waren dabei“, sagt Tristan Ferland Milewski. Schon vor zwei Jahren begannen dafür die Recherchen. Einige der Mitreisenden kommen in diesem Film zu Wort, der Zuschauer kann sie begleiten.
„So eine Reise ist der Ort, wo viele das ausleben können, was ihnen sonst nicht möglich ist“, erzählt Tristan. „Klar, es ist eine kleine treibende schwule Insel, ein kleines Dorf mit allen Vor- und Nachteilen.“ Körperkultur spiele eine Rolle, Männlichkeit, Jugendideale. „Es gibt da Leute, die Spaß haben wollen, also Sex. Aber auch die, die Liebe suchen.“
Tristans Partner Claude hat die Musik für den Film komponiert – das erste größere Projekt, das die beiden gemeinsam bewältigt haben. Im Sommer soll der Film in die Kinos kommen, später läuft er bei arte. Der Sender ist gemeinsam mit dem ZDF Co-Produzent.

Neue Projekte warten schon – aber Staffelde hat sich in den vergangenen drei Jahren zu einem Ankerpunkt für die beiden entwickelt. „Wir gehören nicht zu den Leuten, die nur in dem Ort wohnen, aber nichts mit ihm zu tun haben wollen“, sagt Tristan. „Viele kommen her und leben dann in einer Kapsel.“
Das Kremmener Scheunenviertel mögen sie sehr. „Aber wir wünschen uns mehr Restaurants.“ Gern gehen sie auch in Oranienburg essen oder im Sommerswalder Forsthaus. „Der Kulturclash ist hier kleiner als in Berlin“, sagt Tristan. Berlin sei zwar cool, dass er aber Berlin lieben würde, könne Claude nicht behaupten.

Berlin ist laut, Staffelde ist ruhiger. Das merkt Claude sogar beim Komponieren für sein neues Album. „Das letzte war recht leise, ganz im Gegensatz zur Großstadt“, erzählt er. Ganz anders bei dem, an dem er gerade schreibt. Im leisen Dorf entsteht ein lauteres Album. So hat eben auch Staffelde Einfluss auf die Kunst.

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Musik zum Zuhören und Mittanzen

Donnerstag, den 23. Februar 2017
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Die Band “Maxi” aus Schwante heißt wie ihre Sängerin und covert Songs im ganz eigenen Stil – Gern würden sie öfter auf Festen in der Region auftreten

MAZ Oberhavel, 23.2.2017

Schwante.
Wenn Maxi am Lagerfeuer ihre Lieder anstimmt, dann wird es gemütlich. „I see Fire“ oder „Kling Klang“ oder auch Lucilectrics „Mädchen“. Die Bandbreite ist groß. Maxi heißt die Band, die alle zwei Wochen donnerstags bei Maxi im Wohnzimmer in Schwante zur Probe zusammenkommt.

Sängerin Maxi Ulrich (28) stammt aus Hennigsdorf, lebt nun in Schwante. Schlagzeuger Robert Hörster (29) kommt aus Nieder Neuendorf und lebt nun in Berlin-Alt-Reinickendorf. Gitarrist Oliver Dolgener (27) ist Spandauer. Und wie das immer so ist bei Bands – jeder kannte jeden irgendwie durch die Musik. Maxi und Robert spielten gemeinsam in der Musikschule Hennigsdorf. Robert und Oliver kennen sich auch schon zehn Jahre und machten schon zusammen Musik.

Im Sommer 2014 trafen sie sich erstmals in dieser neuen Konstellation. Anlass war ein Konzert im Hennigsdorfer Stadtklubhaus, zu dem diverse ehemalige Musikschüler zusammenkamen. „Wir haben dann lange überlegt, was wir überhaupt machen wollen“, erzählt Maxi. Angefangen hat alles draußen im Garten auf der Picknickdecke: mit Cajon, Gitarre und Gesang. „So ganz unter Freunden eben”, sagt Robert.
Sie spielten in Wohnungen, bei Grillpartys, später auch auf Hochzeiten. Erst seit dem vergangenen Jahre heißt die Band wie die Sängerin: Maxi. „Wir wollten weder einen deutschen noch einen englischen Namen, und da blieb Maxi übrig“, sagt die Sängerin und Robert ergänzt: „Maxi und ihre Jungs – das stand auch noch zur Auswahl.“ Den ersten richtigen Auftritt mit neuem Namen hatten sie bei einer Firmenfeier von Maxis Vater. „Das hat Spaß gemacht“, sagt Robert.

Momentan präsentiert die Band ausschließlich Coversongs, sowohl Ruhiges als auch Schnelleres. „Wir haben drei Parts“, sagt Robert. „Die Teile, wo man gern zuhört, die, wo die Musik im Hintergrund läuft und die zum Mittanzen.“ Meist fangen die Konzerte ruhig an, „später wird es dann tanzbarer“, erzählt Oliver.
Welche Lieder es ins Repertoire schaffen, entscheiden alle gemeinsam. Die Songs werden nach Maxi-Art so unbearbeitet, dass sie ein Stückweit anders klingen wie das Original. „Wir hangeln uns nicht an den Noten entlang, wir spielen einen individuellen Stil“, sagt Maxi. „und jeder Auftritt ist ein Unikat.“

Gern würden die drei Musiker in Zukunft öfter mal auftreten. Stadt- oder Dorffeste sowie andere Feiern. „Wir freuen uns über jede Auftrittsmöglichkeit“, sagt Maxi.

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Bis heute stehen sie jeden Tag in ihrer Bäckerei

Samstag, den 18. Februar 2017
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Hiltraud und Manfred Guse aus Flatow feiern ihre Goldene Hochzeit – kennen gelernt haben sie ich bei einer Tanzveranstaltung in Staffelde

MAZ Oberhavel, 18.2.2017

Flatow.
Das wird ein großes Fest. Ein halbes Jahrhundert lang sind Hiltraud und Manfred Guse heute verheiratet. Mit einem Gottesdienst in der Flatower Kirche wird das gefeiert. Man kennt die beiden im Dorf – bis heute stehen sie immer wieder hinter der Theke der Bäckerei in der Hauptstraße.

In den 60ern gab es in der Region noch viele Tanzgaststätten. Wie zum Beispiel in Staffelde. Bei einer dieser Veranstaltungen lernten sich Hiltraud und Manfred damals kennen. Sie fanden sich gleich sympathisch, „auch wenn es nicht die Liebe auf den ersten Blick war“, wie sie sagt. Er ist Ur-Flatower. Sie stammt eigentlich aus Pommern, aber noch im Babyalter sind ihre Eltern mit ihr geflüchtet, am Ende landeten sie in Börnicke. Dort trafen sich die beiden auch bald schon wieder.
„So genau wissen wir das gar nicht mehr, wie das war“, sagt sie. Allerdings hatte sie strenge Eltern. Sie war damals 19, als sie sich verlobten, und bis zur Hochzeit durfte sie nicht bei ihm übernachten. „Wir haben uns nicht mal geküsst vor den anderen“, erinnert sie sich. Am 18. Februar 1967 heirateten Hiltraud und Manfred Guse. Die kirchliche Trauung fand in Börnicke statt. „Es war ein schönes Fest!“, sagt sie. 40 bis 50 Leute waren dabei.

Zeit für eine Hochzeitsreise hatten Guses aber nicht. Sie zog nach Flatow und gab ihren Job im Büro einer Nauener Baufirma auf, um im Bäckerbetrieb ihres Mannes mitzuarbeiten. „Mein Mann brauchte mich als Verkäuferin.“ Sie brauchte ein paar Jahre, um sich wirklich in Flatow einzuleben. „Ich kannte ja am Anfang hier niemanden.”
Das Paar bekam zwei Söhne. Karsten hat inzwischen die Bäckerei der Eltern übernommen. Matthias hat eine Heizungsbaufirma in Börnicke.
Mitten in der Nacht musste Manfred Guse täglich aufstehen, um frische Brötchen oder Brote zu backen. Im Jahr 1986 bauten sie sich auf dem Hinterhof einen kleinen Laden, der bis heute fortbesteht. Davor befand sich das Geschäft noch direkt im Haus von Guses. „Es macht immer noch Spaß, da zu arbeiten“, sagt sie. „Es kommen öfter mal Pilger vorbei, die von Berlin nach Bad Wilsnack unterwegs sind.“ Sogar Stammkunden aus Berlin hat die Flatower Bäckerei. „Wir arbeiten noch jeden Tag“, sagt Manfred Guse. Sie wollen ihren Sohn weiterhin unterstützen, der im Laufe des Morgens viele Backwaren ausfährt.

Bis heute ist Manfred Guse Mitglied bei Rot-Weiß Flatow. „Bis ich 22 war, habe ich noch Fußball gespielt“, erzählt er. Damals noch bei Traktor Flatow. „Dann ging es wegen der Arbeit nicht mehr.“ Da er nicht mehr so gut auf den Beinen ist, schaut er Fußball meistens nur noch im Fernsehen. „Dortmund ist meine Mannschaft.“
Hiltraud singt seit 40 Jahren im Flatower Kirchenchor und hat bis vor kurzem einmal in der Woche in einer Nauener Gruppe Sport getrieben. „Ich bin außerdem leidenschaftliche Autofahrerin“, erzählt sie und schmunzelt.

Jetzt ist die Zeit der Erinnerungen. Hiltraud Guse läuft zum Schrank und holt ein Fotoalbum hervor. Darin befinden sich Bilder von der Hochzeit vor 50 Jahren. Ist es immer noch Liebe? Das Lächeln als Antwort reicht aus.

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Club ohne Nachwuchssorgen

Donnerstag, den 9. Februar 2017
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35 Leute kamen gestern zum Fasching – Wenn sich die Senioren im Eichstädter Gemeindehaus treffen, ist der Raum, oft kommen neue Leute hinzu

MAZ Oranienburg, 9.2.2017

Eichstädt.
Viele Seniorengruppen haben Nachwuchssorgen – es kommen kaum neue Mitglieder. Nicht so in Eichstädt, da platzte der Raum im Gemeindehaus gestern Nachmittag aus allen Nähten. 35 Leute kamen zur Faschingsfeier. „Hier ist ganz schön was los“, sagte Inge Meyer, die den Seniorenclub leitet.

Einmal im Monat finden die Kaffeenachmittage statt, die Teilnehmer sind Frauen und Männer im Alter zwischen 60 und 85 Jahren. „Immer im Januar legen wir fest, was wir machen“, sagt Inge Meyer. So ist im nächsten Monat der Bötzower Autor Manfred Ende in der Runde zu Gast. Außerdem finden dreimal im Jahr Ausflüge statt. So geht es zur Lausitzer Seenplatte, zum Beetzer Café am See und von Hennigsdorf aus mit dem Dampfer aufs Wasser.

Inge Meyer organisiert den Seniorenclub seit 1960 – also schon unglaubliche 57 Jahre. Vor der Wende noch unter dem Dach der Volkssolidarität. Ihre Mitstreiter im Vorstand sind Christa Fritsch, Lisa Dittmann, Anneliese Kolewe und Gisela Haase. „Das macht Spaß, weil wir merken, dass die Leute gern hierher kommen“, sagt sie. „Sie wollen mal raus, erzählen, andere Leute treffen.“ Anneliese Radensleben zum Beispiel kommt seit November in den Eichstädter Seniorenclub. „Alleine wollte ich erst nicht“, erzählt sie. „Dann gingen aber meine Nachbarinnen mit, und ich habe dann gesehen, dass ich hier noch mehr Leute kenne.“

Gestern, beim Fasching, war die Stimmung ausgesprochen ausgelassen – auch wenn die Musikanlage streikte und keinen Mucks von sich gab. Aber an sich scheint es sich in Eichstädt rumzusprechen, dass die Leute im Club ihren Spaß haben. „Wenn wir oder die Feuerwehr nichts machen würden, dann gäbe es ja im Ort nichts mehr“, sagt Inge Meyer. Unterstützung bekommen sie aber vom Ortsvorsteher Dirk Ostendorf, außerdem erhalten sie jedes Jahr finanzielle Mittel von der Gemeinde Oberkrämer. Der Seniorenclub in Eichstädt arbeitet unter dem Dach des Oberkrämer-Seniorenbeirates.

Wilfried Nagel kommt ebenfalls regelmäßig zu den Feiern. Für den Fasching verkleidete er sich als Witwe Bolte. „Ich komme seit zwei Jahren, und wir haben hier immer viel Spaß.“ Er fühle sich dort ganz wie zu Hause, sagt er noch.

Kaffee und Kuchen kommen meist aus den eigenen Reihen. Gestern gab es zudem noch ein Abendbrot. Zu den Höhepunkten im Jahreskalender zählt noch der Grillnachmittag im Sommer. Der Raum im Gemeindehaus droht fast schon zu klein für die Zusammenkünfte zu werden, Inge Meyer will deshalb bald Gespräche führen. Schon jetzt weichen die Senioren mit der Weihnachtsfeier auf den Bürgersaal in der Gemeindeverwaltung aus.

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Letztes Geleit für Albrecht Seeburg

Mittwoch, den 8. Februar 2017
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Viele Marwitzer kamen gestern Mittag in der Kirche zur Trauerfeier für ihren langjährigen Bürgermeister, Ortsvorsteher und ein echtes Urgestein

MAZ Oberhavel, 8.2.2017

Marwitz.
Auf dem Sarg lagen weiße Rosen. Die Mitglieder der Feuerwehr standen Spalier, als die Menschen am gestern Mittag in die Marwitzer Kirche strömten. Sie trauerten um einen der ihren.
Albrecht Seeburg war am 27.Januar im Alter von 79 Jahren gestorben. Viele Leute kamen zur Trauerfeier, um Abschied zu nehmen – von einem Marwitzer Urgestein, von ihrem langjährigen Bürgermeister und Ortsvorsteher, von einem, der sich um sein Dorf kümmerte – sein Leben lang. Um kurz vor 13 Uhr läuteten die Glocken, minutenlang.

Mit dem „Ave Maria“ und „Befiehl du deine Wege“ begann die Trauerfeier. Pfarrer Markus Schütte würdigte Albrecht Seeburg als „Marwitzer mit Leib und Seele.“ Er sei heimatverbunden gewesen, unermüdlich, lebensfroh.

Der Pfarrer zählte auf, was Seeburg ausmachte. Zur Welt gekommen ist er am 27. März 1937 in der Breiten Straße 17 in Marwitz. Er gehörte zum Dorf – von Anfang bis Ende. Die Familie hatte eine Landwirtschaft, der Vater musste in den Krieg. An dessen Folgen starb er 1946, die Mutter musste sich allein kümmern, später übernahm Albrecht Seeburg den Hof. Er heiratete, das Paar bekam zwei Kinder.
Das Dorf und die Landwirtschaft – das seien Seeburgs größte Leidenschaften gewesen, so der Pfarrer. Einen Aufstieg in höhere Kreisgremien mit und durch die SED lehnte er ab, er habe sich nie verbiegen lassen – zu DDR-Zeiten nicht und später ebenso wenig. . Nach der Wende wurde er der erste frei gewählte Bürgermeister des Dorfes. „Vieles wäre nicht so gekommen, wenn er nicht gekämpft hätte“, so Pfarrer Schütte weiter. Dabei habe er auch hartnäckig sein können – und dickköpfig, „wo es ihm notwendig erschien.“

Im Anschluss an die Feier bildeten sämtliche Trauergäste ein Spalier von der Kirche, über den Hof zum Auto, in das der Sarg geschoben worden ist. Unter dem Läuten der Kirchenglocken trat Albrecht Seeburg dann seinen letzten Weg an – zum Friedhof. Begleitet von seinen Marwitzern und den vielen Freunden und Bekannten.

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Zwei Jahrzehnte im Dienste der Jugend

Dienstag, den 7. Februar 2017
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Im Juli geht sie in Rente: Marlies Arian koordinierte 21 Jahre lang die Clubs in Oberkrämer

MAZ Oranienburg, 7.2.2017

Oberkrämer.
Einen ihrer Wünsche für junge Leute in Oberkrämer konnte sich Marlies Arian nicht erfüllen: „Einen Bus für die Jugendarbeit“, sagt sie. Vergangene Woche waren stattdessen sechs Privatautos im Einsatz, um alle angemeldeten Jugendlichen zum Ferienausflug nach Berlin zu bringen. „Schade, dass das mit dem Bus nicht geklappt hat.“ Zum 1. Juli beendet die Jugendkoordinatorin ihre Arbeit – die 62-Jährige geht in Rente. Die Ausschreibung für ihre Nachfolge läuft bereits. „Ich denke schon, dass es auch Zeit wird, zu gehen“, sagt sie. Vergangenes Jahr war sie längere Zeit krank. „Und jetzt können auch mal jüngere Leute ran.“

Vor 21 Jahren, 1996, hatte sie sich mit einem Konzept um die Jugendarbeit beworben. Davor war sie Gewerkschaftssekretärin, ABM-Kraft in der Kirchengemeinde und Jugendbetreuerin. In ihrem jetzigen Job war sie zuständig für die Jugendclubs in Oberkrämer, für die konzeptionelle Weiterentwicklung, für neue Projekte, aber auch für die Beratung von Eltern und natürlich der Kinder und Jugendlichen.

„Eigentlich sind die Kinder nicht so viel anders wie vor 20 Jahren. Sie sind gleich nett und gleich anstrengend“, sagt Marlies Arian. „Aber die Bedingungen um sie herum haben sich verändert.“ Die Interessen hätten sich ein wenig verschoben. „Wobei, wenn man alte Sachen oder Spiele rausholt, interessieren sie sich auch dafür.“
Durch WhatsApp seien die Betreuer heute viel näher an den jugendlichen dran wie früher. „Wir sehen, was los ist, welche Stimmung herrscht“, erzählt Marlies Arian. „Wir wurden netterweise in die entsprechenden WhatsApp-Gruppen aufgenommen.“ Wichtig sei ihr immer ein höflicher und respektvoller Umgang unter den Jugendlichen gegangen. Gewisse Rituale seien da unumstößlich.

Die Auslastung der Clubs sei unterschiedlich. „Die Jugendlichen sind ja gut versorgt, auch mit den Vereinen, der Feuerwehr und vor allem der Schule.“ Da sei es manchmal sehr ruhig, manchmal aber auch sehr voll in den Clubräumen. Letztlich herrsche aber an jedem Öffnungstag zum Beispiel in Vehlefanz ein Kommen und Gehen, sagt Marlies Arian. „Und wir Betreuer bilden ja auch aus, im Moment haben wir sechs Praktikanten, da sitzen wir auch in den Prüfungskommissionen.“ Die Jugendarbeit sei mehr als die bloße Betreuung der Besucher in den Clubs.

Zu den Höhepunkten ihrer Zeit in der Gemeinde zählt sie die Gründung von „Jofok 23“, der jungen Offensive für Oberkrämer, in der sich eine Gruppe Leute gefunden hat, die gemeinsam überlegen, was sie erreichen wollen. „Inzwischen ist leider der Faktor Zeit zum Problem geworden“, sagt Marlies Arian. Im Frühjahr ist eine Tour durch alle Ortsteile geplant. „Da kann jeder sein Dorf vorstellen und zeigen, welcher Ort ihm da am liebsten gefällt.“

Ob es eine Abschiedsfeier geben wird, steht noch nicht fest. „Ich bin kein Mensch, der sehr gern im Mittelpunkt steht“, sagt sie. Ideen für die Zeit nach dem 1. Juli hat die 62-Jährige aber schon: Sie möchte beim Sozialverbund VDK mitarbeiten und Menschen beraten. „Außerdem schreibe und zeichne ich gern und lese jeden Tag die Zeitung.“ Ihre verschiedenen Freundeskreise, die Kinder und Enkel wird sie dann auch noch öfter sehen.