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Bücher, Bücher, Bücher

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Katharina Peters: Strandmord

Mittwoch, den 19. Juni 2019
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(6) -> 28.2.2018

Um dem Titel des Buches gerecht zu werden: Am Strand zwischen Glowe und Juliusruh auf Rügen wird eine Leiche gefunden. Die weibliche Person ist nackt und übel zugerichtet.
Für die Kommissarin Romy Beccare ist das eine schwierige Sache, denn sie fühlt sich an einen Fall erinnert, in den sie vor 15 Jahren selbst involviert war – als Lockvogel. Die Sache damals war eng, und nun wird diese Sache wieder in ihr Gedächtnis geholt. Denn: Der Täter ist nicht mehr in Haft, und er lebt nun in Neustrelitz.
Doch im Laufe der Ermittlungen kommt heraus, dass die Tote andere Leute erpresst und merkwürdige sexuelle Neigungen hatte. Da eine echte Spur zu finden, erweist sich als schwierig.

Bedauerlicherweise scheint sich die Autorin Katharina Peters inzwischen mit ihrem Rügen-Schauplatz ein bisschen zu langweilen. Denn wirklicher Lokalkolorit kommt in ihrem 7. Rügen-Krimi kaum noch auf. Der Fundort, der Wohnort der Kommissarin, ein paar Ermittlungen. Aber das meiste scheint sich inzwischen auch an anderen Orten abzuspielen. Das, was so ein Heimatkrimi ausmacht, kommt bei der Autorin leider immer seltener zur Geltung. Es scheint, als ob sie Kriminalfälle zusammenbaut und sie dann einer ihrer diversen Buchreihen irgendwie zuordnet. Das wirkt immer beliebiger.
Der Fall selbst ist relativ spannend, der Leser wird auf die üblichen falschen Fährten gelockt, aber einen richtigen Pfiff und Thrill hat das selten. Erst gegen Ende nimmt das alles noch mal ein wenig Fahrt auf.

Katharina Peters: Strandmord
aufbau taschenbuch, 333 Seiten
6/10

Hits: 102

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Ulrike Herwig: Das Leben ist manchmal woanders

Donnerstag, den 23. Mai 2019

Wohnst du in einem Mehrfamilienhaus? In einem Wohnblock? Und kennst du deine Nachbarn? Sprichst du ab und zu mit denen? Weißt du was über sie?
Immer öfter leben die Menschen anonym nebeneinander.

So ist das auch im Haus, in dem Judith und Achim leben. Die beiden sind fast 30 Jahre verheiratet. Ihr Sohn ist längst ausgezogen, sie haben keinen Kontakt mehr.
Aber kommt kommt Gregor. Der Junge ist 14, und er ist anders. Speziell. Er trägt auffällige Klamotten, ist sehr ordentlich, er studiert immer genauestens den Wetterbericht, und er ist immer sehr direkt.
Seine Mutter hatte einen schweren Unfall, sie liegt im Koma. So kommt er zu seiner Tante Judith, und die sind erst mal mit ihm überfordert.
Aber Gregor geht seinen Weg. Er quatscht die Nachbarn an, klingelt, will wissen, was sie so tun. Und plötzlich lächelt der griesgrämige Alte. Plötzlich interessiert sich die zurückgezogene Dame für die anderen Nachbarn, und überhaupt: Es ändert sich viel im Haus.

“Das Leben ist manchmal woanders”, sagt Gregor an einer Stelle, und so heißt auch der Roman von Ulrike Herwig. Sie erzählt, wie ein Junge ein ganzes Haus aufmischt. Er geht ganz offen auf die Leute zu. Etwas, was viele Menschen heute nicht mehr machen.
Gregor schafft es, dass neue Beziehungen entstehen, ein neuer Zusammenhalt. Das zu lesen, ist einfach wundervoll. Fast erscheint die Geschichte wie ein Märchen, aber eigentlich muss es das ja nicht sein. Vielmehr könnte man sich diesen Roman zum Vorbild nehmen.
Eine wunderbare Geschichte mit sehr viel Herz und Humor, die man sehr gerne liest.

Ulrike Herwig: Das Leben ist manchmal woanders
dtv premium
10/10

Hits: 153

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Verona Pooth / Johanna Völkel: Nimm dir alles, gib viel! Das Verona-Prinzip

Dienstag, den 21. Mai 2019
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Man kann ja über Verona Pooth sagen, was man will: sympathisch ist sie, und dass sie keineswegs das Blödchen ist, für das wir sie in den 90ern gehalten haben, wissen wir ja auch schon lange.
Seit 30 Jahren ist sie in Deutschlands Entertainment-Szene unterwegs – auch schon ein alter Hase. Das Jubiläum nimmt sie zum Anlass, in ihrer Autobiografie zu erzählen, wie sie eigentlich zum Star wurde und was sie alles erlebt hat. Und das ist durchaus spannend.

Alles fing mit einer Musikkarriere an, und das, obwohl Verona Feldbusch, so hieß sie vor ihrer Ehe von Franjo Pooth, nicht singen konnte. Was sie allerdings und natürlich auch selbst wusste. Deshalb ist es auch sehr unterhaltsam, wie sie beschreibt, wie es zu dieser seltsamen Karriere eigentlich gekommen ist. Und dass die Studio-Aufnahmen eine Qual waren. Dass die Studioleute überrascht waren, dass sie als Model gar nicht trällern kann. Erfolgreich war sie damit trotzdem.
Interessant ist auch mal, aus ihrer Sicht zu lesen, wie das damals eigentlich mit Dieter Bohlen war. Die große Liebe, und wie Dieter sich dann als schwierig erwies. Und von Naddel wollen wir da noch gar nicht reden.
Verona gibt spannende Eindrücke – wobei es stellenweise auch die schwierigsten Momente des Buches sind, weil sie da relativ private Details erzählt, von denen man vielleicht gar nicht alles wissen will. Andersrum hatte aber Dieter auch alles haarklein berichtet, und vielleicht blieb Verona da gar nichts anderes übrig.
Später geht es auch um “Peep!”, um die Liebe zu Franjo, Kindererziehung, und dann auch über die Tiefpunkte in Verona Leben.

Zwar hat Verona Pooth mit Johanna Völkel mit Co-Autorin, aber dennoch liest sich das Buch, als würde Verona das alles erzählen. Und das, und natürlich auch inhaltlich, macht es so lesenswert. “Nimm dir alles, gib viel!”, heißt das Buch über das Verona-Prinzip.
Und sie hat sich alles genommen. Sie nahm die Musikkarriere mit, das “Peep!”-Erotikmagazin und viele Werbeverträge. Wenn man davon ausgeht, dass alles so ist, wie beschrieben, dann ist sie tatsächlich eine gute Geschäftsfrau mit einem guten Sinn für richtige Momente. Sie hat ihre Werbespots oft mitgestaltet, war nicht nur die, die sich da hingestellt hat. Sie wusste, auf welche Weise man bekannt werden und auf sich aufmerksam machen kann.
Aber sie gibt auch – vor allem für die Familie. Die ist alles. Es ist bedrückend zu lesen, was alles um die Krankheit ihrer Mutter geschehen ist. Auch auf die Firmenpleite ihres Mannes geht sie ein.
Wer Verona mag, der wird auch dieses Buch mögen. Denn Verona Pooth hat tatsächlich einiges zu erzählen.

Verona Pooth / Johanna Völkel: Nimm dir alles, gib viel! Das Verona-Prinzip
mvg verlag, 272 Seiten
9/10

Hits: 227

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Nell Zink: Nikotin

Samstag, den 18. Mai 2019

Penny Baker muss einen langsamen Abschied von ihrem Vater verkraften. Sie kümmert sich um ihn in seiner schweren Zeit. Als er stirbt, ist sie völlig neben der Spur.
Sie will zunächst das verfallene Elternhaus in New Jersey renovieren. Allerdings ist das besetzt von einer Gruppe Anarchisten. Die sind sogar ganz nett. Bald kann sie sich sogar dort integrieren.

Das Problem von Nell Zinks Roman: Er wirkt beliebig, die Geschichte ist einerseits seltsam wirr, andererseits so schrecklich egal.
Dabei beginnt “Nikotin” relativ stark, denn die Momente, in denen es um den Vater geht, um den sich Penny kümmert, die gehen unter die Haut. Umso seltsamer ist, dass die Geschichte dann völlig abdriftet, und man weiß gar nicht, was diese Vater-Tochter-Geschichte eigentlich sollte. Sie ist für den Fortgang der Geschichte nicht relevant. Und alles, was danach passiert, will dann auch nicht mehr zünden.
Rundum verschenktes Potenzial und in Sachen Lektorat ziemlich unterirdisch.

Nell Zink: Nikotin
Rowohlt, 398 Seiten
3/10

Hits: 114

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Stefan Kretzschmar / Nils Weber: Hölleluja! Warum Handball der absolute Wahnsinn ist

Freitag, den 3. Mai 2019
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Oranienburg ist eine echte Handball-Hochburg. Der Oranienburger Handballclub (OHC) spielt seit Jahren in der 3. Liga und hat inzwischen auch Aufstiegssambitionen. Warum also Handball der absolute Wahnsinn ist, werden die Oranienburger verstehen.
Stefan Kretzschmar erzählt in seinem Buch „Hölleluja“ was diesen Sport eigentlich ausmacht. Er gewährt den Lesern einen Blick hinter die Kulissen des zweitbeliebtesten Sports der Deutschen. Es geht um die Schönheit des Spiels, aber auch um die Schmerzen. Dass Kretzschmar immer als ein wenig wild und verrückt galt und gilt, macht er natürlich auch in seinem Buch zum Thema.

Dieses Buch ist eine Mischung aus Autobiografie und einer Einschätzung des Handball-Sports und seiner Akteure. Kretzschmar berichtet davon, wie er als Jugendlicher auf die Sportschule wollte – und es auch schaffte. Weil seine Eltern bekannt waren. Für ihn war das Fluch und Segen zugleich. Denn natürlich wurde ihm das Vitamin B immer auf die Stulle geschmiert.
Zwischendurch gibt es aber auch immer wieder Kapitel, in denen er ein wenig von sich abschweift. Dann geht es um die Leistungen der Nationalmannschaft. Oder er zählt auf, wer ihn im Handball am meisten beeindruckt hat. Am Ende wird es noch mal persönlich, als er über seine Eltern und seine Kinder erzählt.

Die Passagen, in denen er vor allem über sich und sein Leben mit dem Sport erzählt, sind die fesselndsten im Buch. Hin und wieder wird es ein wenig zu nerdig. Wenn man kein glühender Handballexperte ist, überfliegt man schon mal den einen oder anderen Absatz. Kretzschmar schafft es aber auf jeden Fall, dem Leser seinen Sport nahe zu bringen.

Stefan Kretzschmar / Nils Weber: Hölleluja! Warum Handball der absolute Wahnsinn ist
Edel, 320 Seiten
7/10

Hits: 155

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Jesper Wung-Sung: Opfer – Lasst uns hier raus!

Donnerstag, den 2. Mai 2019

Alles anders in der Schule. Der Rektor bittet alle, im Gebäude zu bleiben. Man müsse Vorkehrungen treffen. Es gebe eine Epidemie. Man müsse sich aber keine Sorgen machen?
Wirklich nicht? Auch nicht, als plötzlich ein Zaun um die Schule aufgebaut wird. Und eine Drohne über dem Gelände fliegt. Und von einem Helikopter Essen abgeworfen wird.
Panik lässt sich nicht verhindern. Denn der Ausnahmezustand will nicht enden, und die ersten Lehrer und Schüler erkranken – und sterben.

Der dänische Autor Jesper Wung-Sung beschreibt in seinem Roman “Opfer – Lasst uns hier raus!” das Grauen. Er macht das allerdings recht ungewöhnlich. Die Geschichte ist sehr kurz gehalten. Die 142 Seiten sind nur zur Hälfte oder kaum beschrieben. Was eigentlich konkret los ist, erfährt der Leser nicht. Woran die Menschen sterben, auch nicht.
Die Story konzentriert sich stattdessen auf die Leute. Auf den kleinen Kosmos und was mit ihm passiert. Wer tut sich hervor, wie halten die Leute zusammen.
Und doch bleiben Fragen. Dass der Autor auf die Rundum-Geschichte verzichtet hat, ist schade. Dadurch ist das zwar alles dramatisch, aber diese Dramatik ist seltsam ungreifbar und oberflächlich.

Jesper Wung-Sung: Opfer – Lasst uns hier raus!
dtv Hanser, 142 Seiten
6/10

Hits: 137

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Susanne Fischer: Wolkenkönigin

Donnerstag, den 25. April 2019

Eigentlich heißt sie Corinna. In der Schule wurde sie oft Corry genannt, und ein paar Jungs machten daraus “Currywurst”. Und das ging ihr dann doch zu weit.
Aber jetzt ist sie auf einer neuen Schule. Sie musste mit ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder Jona mal wieder umziehen.
Sie sagt, sie führen ein Klapp-Leben. Denn die ständigen Umzüge der kleinen Familie sorgen dafür, dass sie sich gar nicht mal richtig einleben können. Ihr Vater lebt nicht mehr mit ihrer Mutter zusammen, er hat jetzt eine neue Familie am Stadtrand. Das macht es nicht unbedingt leichter.
Es passiert einfach, aber in der Schule nennt sie sich Marie. Was sie nicht ahnt: Dieser Name ist bei einigen in der Schule mit einer dunklen Vergangenheit versehen. Und die holt sie auch bald wieder ein, und Marie gerät mit ihnen in schwierige Situationen.

Susanne Fischer gelingt es in “Wolkenkönigin” ganz gut, sich in die Gefühlswelt eines Teeniemädchens einzufühlen. Wenn sie erzählt, wie sich sich fühlt in der neuen Wohnung und in der neuen Schule, dann kann man das gut nachvollziehen.
Sie lernt nach und nach auch neue Leute kennen, und zwei Jungs geraten näher in ihr Blickfeld. Da gibt es dann auch tatsächlich sehr schöne Momente in diesem Jugendroman, wenn Corinna mit Nico oder Marc abhängt. Eine Atmosphäre, die Susanne Fischer gut einfängt.
Am Ende aber vollzieht die Geschichte einen merkwürdigen Wandel, dann wird aus dem Roman eine ziemlich Crimestory, die zudem seltsam oberflächlich ist. Da beginnt man plötzlich, Absätze zu überlesen.

Susanne Fischer: Wolkenkönigin
Rowohlt Rotfuchs, 224 Seiten
5/10

Hits: 128