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Klaus Schneider-Bierschulz: Leute & Lieder

Sonntag, den 17. Februar 2019
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Klaus Schneider alias Bierschulz aus Nieder Neuendorf hat ein besonderes Hobby. Er schreibt Prominente an und bittet sie, ihre drei Lieblingslieder zu nennen.
In den vergangenen Jahrzehnten ist daraus eine beträchtliche Sammlung geworden, denn sehr viele dieser Prominenten haben ihm tatsächlich geantwortet. Für das Buch “Leute & Lieder” sind nun einige dieser Antwort zusammengefasst worden.
Klaus Schneider hat diese Antworten ergänzt mit Anekdoten und Geschichten zu den meisten der angegebenen Liedern.

Herausgekommen ist ein an vielen Stellen durchaus interessantes Buch. Interessant auch deshalb, weil viele der Prominenten tatsächlich alte Volkslieder als Lieblingslieder nennen. Zeitgenössische Lieder oder gar Popsongs kommen nur sehr selten vor.
Gregor Gysi nennt die “Ode an die Freude”, Sigmund Jähn “Wer hat dich, du schöner Wald”, Gesine Schwan “Abend wird es wieder”, Frank-Walter Steinmeier “Ein feste Burg ist unser Gott”.
Die Auswahl der Promis ist allerdings relativ streng, und man merkt, dass der Autor offenbar bekannte Leute angesprochen hat, die insbesondere aus der Politik und Kultur kommen. Da wäre vielleicht eine noch breitenwirksamere Auswahl gut gewesen. Auch ist die Promiliste sehr ostlastig – zum Beispiel mit Wilhelm Pieck, Erich Honecker und anderen DDR-Funktionären. Zumal gerade lange Verstorbene gar nicht mit Antworten auf Anfragen im Buch vorkommen, sondern mit allgemeinen Erklärungen zu ihren vermuteten Lieblingsliedern. Das wäre verzichtbar gewesen.

Klaus Schneider-Bierschulz: Leute & Lieder
Nora, 200 Seiten
5/10

Hits: 61

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Édouard Louis: Das Ende von Eddy

Mittwoch, den 6. Februar 2019

Die Provinz. Sie kann die Hölle sein, wenn man anders ist. Wenn man nicht so ist wie die große Masse, die dann genüsslich auf einem rumhacken kann. Immer und immer wieder.
Eddy lebt in Frankreich, in einem kleinen Ort. Seine Familie hat nur wenig Geld. Sie kommen irgendwie über die Runden. Schon das ist schwierig. Aber Eddy ist schon früh klar, dass er mit Mädchen nur wenig anfangen kann – er kann es auch nicht wirklich verleugnen.
Das merken die anderen in der Schule, und sie hänseln ihn. Aber auch alle Versuche, sich irgendwie anzupassen, scheitern. Sein Ziel: raus. Weg aus der Provinz in die Stadt.

Der französische Autor Édouard Louis schrieb mit “Das Ende von Eddy” einen Debütroman, der in Frankreich nicht nur heiß diskutiert worden ist, sondern auch zum Bestseller geworden ist.
Louis erzählt von einer harten Kindheit. Eddy erlebt Hass und Gewalt. Er versucht, klarzukommen. Aber es tut weiß. Nicht nur körperlich. Überall wird von Mobbing in der Schule erzählt – Eddy erlebt sie.
Das ist insbesondere in der zweiten Hälfte des Romans packend. In ersten Teil ist die Geschichte noch seltsam nüchtern. Es dauert ein wenig, bis man als Leser mit der Story warm wird. Als es aber ums Aufbegehren geht, da fiebert man mit und wünscht Eddy alles Gute dieser Welt.

Édouard Louis: Das Ende von Eddy
Fischer Taschenbuch, 206 Seiten
7/10

Hits: 143

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Carrie Mac: 100 schlimme Dinge, die mir bestimmt passieren

Dienstag, den 5. Februar 2019

Wenn sich Maeve in schwierigen Situationen befindet, dann ahnt sie Schlimmes. Sie leidet an Ängsten und Panikattacken, und immer denkt sie, dass das Schlimmste passiert, was passieren kann. Im Kopf hat sie dann schon die Nachrufe für sich und die anderen.
Aber es läuft auch gar nicht. Da ihre Mutter eine längere Reise vor hat, muss sie weg vom Land in die Stadt – zu ihrem Vater mit seiner neuen Frau. Widerwillig freist sie dort hin, und tatsächlich muss sie bald feststellen, dass auch dort das Familienleben schwierig ist. Einst musste ihr Vater weg, weil er sein Alkoholproblem nicht im Griff hatte. Nun scheint es, als ob alles wieder von vorn losgeht.
Aber da gibt es auch Salix. Mit ihr hat Maeve Momente des Glücks. Aber sind ihr die auf Dauer vergönnt?

Carrie Mac erzählt über “100 schlimme Dinge, die mir bestimmt passieren”. Interessanterweise sind es im englischen Original nur “10 Things I can see from here”. Grundsätzlich habe ich als Leser von diesem Titel ein bisschen was anderes erwartet. Entweder eine Aufteilung in 100 kurzen Kapiteln und irgendwas anderes, das auf diese ja sehr konkrete Zahl schließen lässt. Leider handelt es sich aber doch nur um irgendeinen Titel. Das ist ein bisschen schade.
Die Geschichte selbst nimmt in der zweiten Hälfte durchaus Fahrt auf. Nachdem alles ein wenig länger braucht, um in Gang zu kommen, wird Maeves Story richtig spannend, weil sie mit den vielen Katastrophen in ihrem Leben klarkommen muss.

Carrie Mac: 100 schlimme Dinge, die mir bestimmt passieren
Rowohlt Rotfuchs, 346 Seiten
7/10

Hits: 155

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Ilka Bessin/Sabine Jürgens: Abgeschminkt. Das Leben ist schön – von einfach war nie die Rede

Freitag, den 25. Januar 2019

Juni 2016, Mannheim: Cindy aus Marzahn steht auf der Bühne. Sie macht ihre Witze, sie bekommt Applaus und verlässt am Ende die Bühne. Und es ist das letzte Mal, dass die Menschen Cindy aus Marzahn zu Gesicht bekommen haben. Cindy gibt es nicht mehr.
Wohl aber ihre Schöpferin Ilka Bessin. Sie tritt inzwischen wieder auf der Bühne auf – als sie selbst.

Ilka Bessin hat eine bemerkenswerte Biografie veröffentlicht. Schonungslos erzählt sie von sich und ihre Bühnenfigur Cindy. Und wie diese Cindy überhaupt entstanden ist.
In “Abgeschminkt” erfährt der Leser die ganze Geschichte. Und die ist sehr spannend zu lesen.

Ilka Bessin ist in Luckenwalde aufgewachsen. In der Schule wurde sie gehänselt, sie hatte es nicht leicht und machte das mit ihrer frechen Schnauze wieder wett. Später machte sie eine Lehre in der Gastronomie, hatte diverse Jobs, wurde dann aber arbeitslos. Hartz IV und Gänge zum Arbeitsamt.
Sie erzählt in der Autobiografie, wie es dazu kam, dass sie plötzlich als “Cindy aus Marzahn” auf der Bühne des Berliner Quatsch Comedy Clubs stand und ihr kometenhafter Aufstieg begann.

Dabei geht Ilka Bessin auch hart mit sich selbst ins Gericht. Sie erzählt, dass sie nur schwer mit dem Erfolg klar kam. Wie mies sie mitunter mit ihrem Team umgegangen ist, was andere Leute in ihrem Umfeld aushalten mussten. Und wie sich sich im Nachhinein dafür schämt.
Während Ilka Bessin als Cindy Witze machte, ging es ihr zwischenzeitlich körperlich sehr schlecht, und zu Hause wurde der Vater schwer krank.
Die Autorin Sabine Jürgens hat all das im Namen von Ilka Bessin aufgeschrieben. “Abgeschminkt” ist eine der interessantesten Autobiografien der vergangenen Jahre – ganz einfach weil auch Bessins Story so spannend ist. Aber eben auch vielschichtig. Es ist ein Blick hinter persönliche Kulissen, der an vielen Stellen überrascht.

Ilka Bessin/Sabine Jürgens: Abgeschminkt. Das Leben ist schön – von einfach war nie die Rede
Heyne, 288 Seiten
9/10

Hits: 137

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Joachim Meyerhoff: Die Zweisamkeit der Einzelgänger – Alle Toten fliegen hoch, Teil 4

Mittwoch, den 23. Januar 2019

(3) -> 6.8.2016

Wir waren mit ihm im Austauschjahr in Amerika. Wir haben erlebt, wie er zu Haus auf dem Psychiatriegelände groß geworden ist. Und was er auf der Schauspielschule erlebt hat.
Am Ende von Band 3 hieß es, die Trilogie sei zu Ende. Und das sei schade.
Nun gibt es doch Band 4 von “Alle Toten fliegen hoch” – und man muss leider sagen: Hätte es Joachim Meyerhoff mal bei drei Bänden belassen.

In “Die Zweisamkeit der Einzelgänger” lernt Joachim eine Studentin kennen. Er spielt Theater in Bielefeld, und dort läuft ihm Hanna über den Weg. Von der ist er fasziniert. Es ist wohl die erste richtige, große Liebe seines Lebens. Aber das Theater in Bielefeld gefällt ihm nicht, weshalb er nach Dortmund wechselt.
Mit Hanna ist er weiter zusammen, er pendelt. Aber in Dortmund lernt Franka kennen. Auch sie kommen irgendwie zusammen. Und dann ist da noch die Verkäuferin in der Bäckerei, in die er jeden Morgen geht.
Keine leichte Situation für ihn – zumal er auch am Theater in Dortmund nicht so richtig glücklich wird.

So groß die Vorfreude nach drei tollen Romanen ist, so riesig ist die Enttäuschung beim Lesen dieses vierten Bandes. Es will einfach nichts passieren. Während Joachim in den Vorgängerromanen immer auf spannende Leute und Situationen stieß, herrscht hier seltsame Ödnis. In ewig langen Kapiteln beschreibt der Autor, wie er Hanna kennenlernt, was sie gemeinsam machen, worüber sie sich unterhalten. Das ist gerade brüllend langweilig. Ärgerlich langweilig, echt uninteressant. Man beginnt, Seiten zu überfliegen und schnell zu überblättern
Auch der Erzählstil ist nüchtern, und wirkt so seltsam “weit weg” von allem. Das mag auch die Gefühlslage des Mannes im Buch sein – aber als Text funktioniert das kaum.
Erst auf den letzten 50 Seiten – wenn man denn so weit kommt – steigt das Interesse wieder ein bisschen. Wirklich schade, dass Meyerhoff das Niveau seiner Romane nicht halten konnte.

Joachim Meyerhoff: Die Zweisamkeit der Einzelgänger – Alle Toten fliegen hoch, Teil 4
Kiepenheuer & Witsch, 416 Seiten
3/10

Hits: 138

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Robert Menasse: Die Hauptstadt

Freitag, den 11. Januar 2019

Deutscher Buchpreis!
Was sagen eigentlich solche Preise aus? Dass die Juroren das Thema eines Buches gut fanden? Weil sie es irgendwie wichtig fanden? Gut geschrieben? Aufregend? Interessant?
Oder sind solche Preise auch nur reiner Proporz?
Wenn man “Die Hauptstadt” von Robert Menasse liest, dann stellen sich einem diese Fragen.

“Die Hauptstadt” ist in diesem Fall Brüssel, das Zentrum Europas. Der Leser lernt in diesem Roman mehrere Leute kennen, die in Brüssel arbeiten und leben.
Da geht es um eine Beamtin, die sich um das Ansehen der EU-Kommission kümmern soll. Ihr Referent soll um entsprechende Idee kümmern – und bringt das ehemalige KZ Auschwitz ins Spiel. Ein Kommissar muss seine Ermittlungen offenbar einstellen, weil alle Akten verschwunden sind – vermutlich aus Gründen.

In “Die Hauptstadt” geht es um den Machtapparat EU, um absurden Entscheidungen und Streitigkeiten. Darum, wie sich die Mitgliedstaaten bei bestimmten Themen aufführen – und überhaupt wie bestimmte Strukturen in Brüssel funktionieren.
Für dieses Werk gab es den Buchpreis, und der hatte natürlich eine große Werbewirkung. Schon der Klappentext klingt preiswürdig – da ist von einem großen europäischen Roman die Rede, vom weiten Bogen zwischen den Nationen und von kleinlicher Bürokratie.
All das kommt im Buch durchaus vor, und dadurch dass Menasse in seinem Roman immer wieder die Schauplätze wechselt, liest sich das alles einerseits relativ flüssig. Andererseits ist’s dann doch sehr zäh.
Zwar gibt es im Roman immer wieder Momente, wo man staunt, sich ärgert und sich wundert über das, was da in Brüssel fabriziert wird. Aber leider hat der Roman auch lange Phasen, in denen man sich durchquälen muss, weil sie eher nicht so spannend sind. Wenn im Roman etwas weniger sinniert worden wäre, hätte man sich auch einige Seiten sparen können. Hätte dem Buch gut getan.

Robert Menasse: Die Hauptstadt
Suhrkamp, 459 Seiten
5/10

Hits: 180

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Jennifer Künkler: Have a happy Weekend – 1 Jahr, 52 Ziele in ganz Europa

Donnerstag, den 10. Januar 2019

Werde Millionär und bekomme ein Jahr Urlaub. Dann ist dieses Buch genau das richtige für dich: ein Jahr, und jedes Wochenende in einen anderen Ort in Europa. Das bietet “Have a happy Weekend”.
Auf mehr als 300 Seiten findet man viele Tipps, was man in Europa alles unternehmen kann.

Das Konzept dieses Buches: Unterteilt ist es in die Abschnitte der vier Jahreszeiten. Wo kann man hin im Frühling, Sommer, Herbst oder Winter? Aus jedem Ort gibt es viele Bilder, man erfährt, welche wichtigen Sehenswürdigkeiten es gibt, hin und wieder was im Umland zu sehen ist, Hinweise für Shoppingtouren und warum man gerade in der betreffenden Jahreszeit dorthin fahren sollte.

Mit diesem Buch geht es in alle Himmelsrichtungen: Von Amsterdam, über Hamburg, Kopenhagen, Prag, Helsinki, Lissabon, bis Bern, Talinn, Venedig und Wien.

Die Auswahl macht neugierig, alle diese Städte und Orte zu besuchen. Vor allem schafft es dieses Buch, dem Leser Städte näher zu bringen, die er vielleicht vorher gar nicht auf seinem Radar hatte.

Jennifer Künkler: Have a happy Weekend – 1 Jahr, 52 Ziele in ganz Europa
Kunth, 312 Seiten
7/10

Hits: 140