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Catherine Bruton: Drei Tage Wut

Donnerstag, den 18. Januar 2018

Die Lage ist angespannt in der Londoner Coronation Road. Es gab Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Jugendgangs. Nun wollen die Jugendlichen Rache.
Maggie ist die Tochter einer einflussreichen Politikerin. Ihr Hobby ist es, Filme zu drehen. Sie hat immer ihre Kamera dabei. Sie lernt Tokes kennen, der aus sehr viel ärmeren Verhältnissen kommt als sie. Sie freunden sich an, und sie will ihn in ihrem Film haben. Und sie stoßen auf Little Pea. Der gehört zu einer berüchtigten Londoner Straßengang, will sich aber anscheinend mit den beiden anfreunden – und ist ganz heiß darauf, in Maggies Film mitzuspielen. Aber Little Pea kann man nicht vertrauen. Immer wieder bringt er Maggie und Tokes in unangenehme Situationen.
Als dann in der Coronation Road wieder Unruhen ausbrechen, wird es für alle gefährlich.

“Drei Tage Wut” begibt sich in einen Londoner Schmelztiegel. Man spricht gern auch von einem sozialen Brennpunkt. Catherine Bruton erzählt oftmals fesselnd davon, wie Gewalt ausbricht. Und wie vollkommen sinnlos diese Gewalt ist. Es geht um junge Menschen, die sich einerseits verführen lassen, denen aber andererseits gar keine andere Wahl gelassen wird, gewaltsam zu werden – weil ihnen selbst Gewalt angedroht wird.
Gleichzeitig erleben wir Maggie, die behütet aufwächst, dann aber in eine andere Welt geschubst wird und sich entscheiden muss, zu wem sie halten will und welche Werte ihr wichtig sind.
Zwar ist der Titel “Drei Tage Wut” (Original “I predict a Riot”) eher irreführend und sensationslüsternd. Dennoch ist die Geschichte lesenswert.

Catherine Bruton: Drei Tage Wut
dtv, 272 Seiten
7/10

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Holger Kreymeier: Schalten Sie mal wieder ab! Ein Fernsehkritiker zwischen Webvideo und Wahnsinn

Dienstag, den 16. Januar 2018
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2007 ging es los. Es sah zwar dilettantisch aus, der Moderator saß an einem merkwürdigen Tisch, die Ausleuchtung war grauenvoll – aber inhaltlich war das spannend: Im Internet startete Fernsehkritik-TV. Holger Kreymeier beschäftigte sich mit dem Irrsinn des Fernsehens.
Aus der kleinen Magazin-Rumpelkammer wurde dann was ganz Großes – immer mehr Zuschauer, moderneres Sendungsoutfit, irgendwann dann ein richtiges Studio. Später kam Massengeschmack-TV, unter diesem Dach bündelt Kreymeier seitdem alle seine Magazin-Aktivitäten mit dem fernsehkritischen Magazin an der Spitze.

Zum zehnten Geburtstag des Magazins, 2017, erschien ein Buch, in dem der Fernsehkritiker über das Magazin, dessen Werdegang, über Höhen und Tiefen berichtet.
Allerdings gehen die ersten 15 Seiten für Unterstützernamen und Alternativtitel für das Buch drauf – so was gehört eher ans Ende, da es irgendwie blöd ist, erst mal weiter und weiter zu blättern, ohne dass etwas Spannendes passiert.
Dann aber ist es fast durchweg interessant, zu erfahren, was Kreymeier eigentlich vor Fernsehkritik-TV getrieben hat. Wie er für eine Produktionsgesellschaft bei Axel Springer arbeitete und dort begann, am Journalismus und am Fernsehen zu zweifeln. Wie er beim NDR als freier Mitarbeiter gefeuert wurde, weil er kritisch über die Gebühren und die damalige GEZ berichtet hatte.
Sehr offen erzählt er später, was gut lief und welche Fehler er gemacht hat – ganz nebenbei gibt es ein Stück Mediengeschichte, inklusive des Call-in-Wahnsinns und des ausschweifenden RTL-Mülls.
Erstaunlich freimütig gibt er auch zu, dass sein Magazin längst seinen Zenit überschritten hat, es aber immer noch das Zugpferd seines “Senders” Massengeschmack-TV ist.
Vermutlich ist das alles nur für Leser spannend, die Fernsehkritik-TV auch kennen – aber dafür ist es ja auch gemacht, auch wenn 19,95 Euro für ein Taschenbuch arg teuer sind.
Handwerklich fällt auf, dass die Seitennummerierung gleich bei “1″ beginnt, was eher weniger üblich ist, was vermutlich beim Layouten des Buches nicht beachtet worden ist. Auch fallen gerade am Ende viele Rechtschreibfehler auf, vermutlich ging da bei der Korrektur allen (oder nur Kreymeier selbst) ein bisschen die Luft aus. Ärgerlich: Der letzte Satz lautet deshalb “Wir sehen und im Internet.” Hat aber das Zeug zum “Letzter Satz im Buch” des Jahres.

Holger Kreymeier: Schalten Sie mal wieder ab! Ein Fernsehkritiker zwischen Webvideo und Wahnsinn
Alsterfilm GmbH, 247 Seiten
8/10

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Lena Gorelik: Mehr Schwarz als Lila

Dienstag, den 9. Januar 2018

Ganz schön kompliziert, dieses Leben mit 17. da ist alles ganz schön umständlich, und irgendwie manchmal auch ein bisschen langweilig und verwirrend. Die Autorin Lena Gorelik hat das in ein Buch gepresst und es geschafft, dass es auch genau so ist: irgendwie manchmal ein bisschen langweilig und verwirrend.

Es geht um Alex. Ihr Leben scheint eintönig zu sein, aber sie hat gute Freunde: Ratte und Paul. Sie teilen alles miteinander, sprechen über alles, probieren viel aus. Aber dann verliebt sich Alex in den neuen Referendar, Herrn Jäckel, den sie Johnny nennen. Aber er ist eben ihr Referendar, und dann verknallt sich Ratte auch noch in ein Mädchen.
Bei einer Klassenfahrt nach Auschwitz kommt es dann zu einem Eklat. Alex küsst Paul – am unpassendsten Ort, den es dafür gibt, und das Foto davon geht über die sozialen Netzwerke in die Welt.

Schade eigentlich. Die Geschichte von Lena Gorelik könnte ganz interessant sein, denn solche Jugendgeschichten haben es drauf, den Leser zu packen. Diese hier nicht, denn sehr bald entwickelt sich eine nicht enden wollende Laberei über dieses und jenes. es baut sich selten wirklich Spannung auf, und wenn, dann ist so lange nichts passiert, dass man dann eigentlich auch keine Lust mehr darauf hat. Es gibt in diesem Buch nur sehr wenige Momente, die in irgendeiner Art einen Ansatz von Faszination ausüben.

“>Lena Gorelik: Mehr Schwarz als Lila
Rowohlt Berlin, 251 Seiten
4/10

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P.J. Tracy: Cold Kill – Nichts ist je vergessen

Samstag, den 6. Januar 2018

Weihnachtszeit in Minnesota. Mehrere mysteriöse Kriminal- und Mordfälle versetzen die örtliche Polizei in Aufruhr. Zwei Menschen sind ermordet worden. Ein alter Mann wird vermisst. Ein Todkranker wird von einer Intensivstation entführt.
Im Flugzeug haben Lydia Ascher und Chuck Spencer eine seltsame Begegnung. Während sie miteinander ins Gespräch kommen, bemerken sie nahezu unheimliche Parallelen in ihren Leben. Wie sie später feststellen müssen, führen diese Parallelen zu furchtbaren Ereignissen.
Wie sich später rausstellt, gibt es einen Zusammenhang zwischen diese seltsamen Begebenheiten: Sie sind alle Nachfahren von Wissenschaftlern, die vor vielen Jahren an einem US-Geheimprojekt mitgewirkt haben.
Leo Magozzi und Gino Rolseth nehmen die schwierigen Ermittlungen auf. Sie schalten die Spezialisten der Monkreewrench-Crew ein.

“Cold Kill – Nichts ist je vergessen” beginnt sehr spannend und geheimnisvoll. Insbesondere die Szene ziemlich am Anfang des Buches, als sich Lydia und Chuck im Flugzeug treffen, baut eine sehr dichte Atmosphäre auf. Es kommt hart auf hart, und es scheint, als ob es sich um ein durchgehend spannendes Buch handeln könnte.
Das kann es leider nicht ganz einlösen, mit der Zeit gibt es doch einige Längen, es fehlt dann doch ein wenig an Originalität. Man will auch bis zum Ende wissen, was da los ist, aber den Spannungsbogen kann P.J. Tracy nicht halten, wenn sich das alles auch sehr flüssig liest.

P.J. Tracy: Cold Kill – Nichts ist je vergessen
ro ro ro, 333 Seiten
6/10

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Joachim Lottmann: Alles Lüge

Freitag, den 5. Januar 2018

Johannes Lohmer aus Wien macht irgendwas mit Medien, seine Frau Harriet ist Journalistin. Er reist immer mit ihr an die verschiedenen politischen Brennpunkte der Jahre 2015 und 2016.
Sie ist engagiert in der Flüchtlingshilfe, hat für alles Verständnis. Er sieht einiges ganz anders als sie, traut sich aber meist nicht, ihr das auch mitzuteilen.
Sie erleben die Griechenland-Krise in Athen. In gewisser Hinsicht den Anschlag von Marseille. Sie reisen nach Deutschland, wo hart über die Politik diskutiert wird – gerade nach den Geschehnissen in der Neujahrsnacht 2016 in Köln.
Immer mittendrin – Johannes und seine Harriet.

“Alles Lüge” von Joachim Lottmann ist eine seltsame Mischung aus Komödie und Dokumentation. Und die erweist sich in mehrerlei Hinsicht als schwierig. Die Geschichte wird immer aus Sicht von Johannes erzählt. Da gibt es dann mitunter sehr alberne und leider auch irgendwie doofe Szenen aus einer Ehe.
Interessant sind die Beobachtungen der verschiedenen gesellschaftlichen Strömungen. Dass es nur noch Links und Rechts zu geben scheint, dass Meinungen unerbittlich aufeinanderprallen und es kein Dazwischen gibt.
Johannes ist im Buch anders – denn er hat diese Zwischentöne, was für den Leser dann manchmal in der Tat irritierend ist. Da stellt er sich auf eine eher linke Seite, um gleich danach scheinbar die Seite zu wechseln. Dabei nimmt der Autor aber eben genau diese Gegensätze aufs Korn.
Schwierig wird es allerdings, wenn durch Johannes im Buch Beobachtungen wiedergegeben werden, die faktisch nicht stimmen – und natürlich durch niemanden gerade gerückt werden. Da ist es dann unklar, ob es sich um falsche Fakten des Autors handelt oder von Johannes. Egal wie – so sollte das nicht funktionieren. Wenn es darum geht, die mediale Aufarbeitung der Kölner Neujahrsnacht zu schildern, hätte auch der Autor präziser sein müssen. Nur einer von mehreren kritischen Momenten im Buch.
Alles in allem ist “Alles Lüge” aber kein Roman, der einen besonders fesselt. Man erfährt wenig Neues, und die handelnden Personen sind nicht wirklich sympathisch.

Joachim Lottmann: Alles Lüge
KiWi, 351 Seiten
5/10

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Bücher 2017

Sonntag, den 31. Dezember 2017

Die Bücherliste 2017 umfasst 69 Bücher.

TOP 10
1. Susann Pásztor: Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster
2. Katharina Peters: Leuchtturmmord
3. Ralf König: Herbst in der Hose
4. Tim Krohn: Herr Brechbühl sucht eine Katze
5. Liza Marklund: Jagd
6. André Kubiczek: Skizze eines Sommers
7. John Green / David Levithan: Will & Will
8. Johannes Groschupf: Lost Boy
9. Isolde Sammer: Die Welt von Max und mir
10. Brian Katcher: Ana & Zak

FLOP 5
69. Shahak Shapira: Holyge Bimbel – Storys vong Gott u s1 Crew
68. Albrecht Selge: Die trunkene Fahrt
67. Oliver Maria Schmitt: Ich bin dann mal Ertogrul – Traumreisen durch die Hölle und zurück
66. Erik Haffner / David Grömer: P.S.: Der Blitz soll Sie beim Scheißen treffen! Musterbriefe für alle Lebenslagen
65. Katja Lange-Müller: Drehtür

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Arthur Anjou: Weihnachten geht mir auf die Nüsse

Samstag, den 30. Dezember 2017

Ende November beginnt er so langsam, der Weihnachtswahnsinn. Den lieben ja irgendwie alle. Na ja, fast alle. Der französische Autor Arthur Anjou sieht sich eher als Weihnachtsopfer. Ihn nervt das ganze Getöse, er mag es nicht, er hofft, dass es schnell vorbei geht.
Deshalb hat er ein Büchlein herausgegeben, das die Leser durch diese Zeit führt.
Jedem Tag ist ein Kapitel gewidmet – vom 30. November bis zum 31. Dezember.

So geht es am 30. November gleich mal um die Frage: Und, was machst du so an Weihnachten? Er berichtet, wie man denn Weihnachtsfans am besten freundlich begegnen kann. Es gibt alternative Glühweinrezepte, Tipps für den reibungslosen Weihnachtsbaumkauf sowie eine Liste mit seltsamen Weihnachtstraditionen in Sachen Verköstigung. Der Familienwahn ist genauso ein Thema wie Tipps für die besten Weihnachtsfilme.

Jeden Tag kann man eines der recht kurzen Kapitel lesen. Das ist nicht tiefschürfend, aber eben teilweise auch sehr unterhaltsam. Harmlos und nett, aber doch nicht herausragend.

Arthur Anjou: Weihnachten geht mir auf die Nüsse
Wunderlich, 159 Seiten
5/10