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Bücher, Bücher, Bücher

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André Kubiczek: Skizze eines Sommers

Montag, den 27. März 2017
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Der Sommer im Jahre 1985 in Potsdam. René ist 16 und hat gerade die 10. Klasse abgeschlossen. Es ist der letzte Sommer, bevor es auf das Internat geht.
Er ist allein zu Haus. Seine Mutter ist tot, sein Vater ist in der Schweiz. Friedenskonferenz – oder so. René weiß es nicht ganz genau. Er weiß nur, dass er 1000 Mark zu hause hat und damit über den Sommer kommen soll.
Immerhin sind seine Freunde da. Mit Dirk, Michael und Mario zieht er um die Häuser rund um den Keplerplatz und in durch die Discos. Natürlich geht es auch darum, das richtige Mädchen zu finden. Und das ist auch eine: Bianca. Und dann noch Rebecca. Und schließlich noch Fritzis große Schwester, dessen Namen er nicht kennt.

André Kubiczek hat die “Skizze eines Sommers” niedergeschrieben – über eine Jugend in der DDR. Es geht nicht um “die” Jugend, sondern um Renés Sommer, wie er ihn erlebt hat.
Und diesen mitzuverfolgen, macht Spaß. Es ist kein Buch, das übermäßig spannend ist, aber es ist schön, in diese Geschichte einzutauchen. Zu lesen, was René erlebt, wie er über die Mädchen und über die Freundschaft denkt. Ganz nebenbei bekommt man dadurch auch noch ein Stück DDR-Alltag mit.
Potsdam-Kenner werden zudem natürlich mit Erinnerungen und Lokal-Kolorit versorgt, wobei diese Stadtkenntnisse nicht zwingend notwendig sind, um diesem Roman etwas abgewinnen zu können.

André Kubiczek: Skizze eines Sommers
Rowohlt Berlin, 379 Seiten
8/10

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Jacky Fleming: Das Problem mit den Frauen

Samstag, den 25. März 2017

Frauen können gar keine Genies sein. Ihre Arme sind nämlich zu kurz und die Köpfe zu klein. Und weil sie Kleider um umfänglich sind, können sie auch nicht vernünftig lernen, und da muss man sich ja nicht wundern, dass das nix wird mit den cleveren Frauen. Denn wenn sie was lernen und plötzlich klug sind, dann werden sie leider auch voll hässlich.
Weiß man ja alles. Und vor allem: Mann weiß das.
Aber wie auch immer: Weil das alles so ist, wundern sich Männer natürlich überhaupt nicht darüber, dass sie so übermächtig sind.

Jacky Fleming erzählt in ihrem Buch über “Das Problem mit den Frauen” – und zwar, wie es sich im späten 19. Jahrhundert darstelle. Mit viel trockenem Humor nimmt sie die damalige Zeit aufs Korn. Vor allem mit vielen anschaulichen Zeichnungen.
Im Grunde hat die Autorin eine Bildergeschichte rausgebracht. Die Zeichnungen bringen auf den Punkt, was sie nebenher erzählt.
Das alles ist durchaus erhellend, vor allem entlarvend. Denn sie zeigt sehr stark auf, welchen Stand Frauen damals hatten – und wie irrsinnig das alles ist.
Die 128 Seiten lesen sich fix, man schmunzelt, schüttelt den Kopf. Eine schöne Mischung aus prägnanten Zeichnungen und trockenhumorigem Text.

Jacky Fleming: Das Problem mit den Frauen
KiWi, 128 Seiten
8/10

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Torsten Weigel: Abenteuer Südhalbkugel – Sechs Monate, sechs Länder, drei Kontinente

Freitag, den 24. März 2017
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Im Herbst 2014 macht sich der freie Journalist Torsten Weigel aus Oranienburg auf den Weg. Ein halbes Jahr lang will er unterhalb des südlichen Wendekreises unterwegs sein. Ein Projekt, das er anderthalb Jahre vorbereitet hat. Startpunkt der Tour ist der Flughafen Berlin-Tegel.
Raus aus der deutschen Kälte – zurück in den Sommer. Sechs Länder auf drei Kontinenten stehen auf dem Programm. Los geht es in Namibia und langen Autotouren durch die Steppen. Er klettert Berge hoch oder fährt sie rückwärts mit dem Auto hoch – in Südafrika.
Weiter geht es nach Australien und dessen unendlichen Weiten. Weihnachten in Sydney, und weiter ging es nach Tasmanien, wo er mit dem Kajak unterwegs war. Mit dem Fahrrad ging es zum Schluss durch die Anden – vom Pazifik zum Atlantik.

Die Tour ist mit einem Blog begleitet worden. Dort schrieb Torsten Weigel bereits während der Reise. Es gab Texte, Fotos und Videos.
Blogleser von damals werden darin trotzdem viel Neues erfahren. Weigel schreibt Geschichten über Leute, die er getroffen hat. Eine Mischung aus Abenteuer, Storys und Fakten über die Länder.
Er berichtet von der Einsamkeit in der Hitze Westaustraliens und von der Höllenradtour unter dem Motto: „Aktiv sterben“. Die Kapitel des Buches sind aufgeteilt wie der Reiseverlauf war.
Es ist recht persönlich gehalten. Kein bloßer Reisebericht, sondern auch viel Menschenkunde. Immer wieder gibt es Dialog-Passagen, die es leicht machen, sich die Situationen vorzustellen. Weigel schreibt nicht nur über das Erlebte, sondern auch über seine Gefühle dabei, und das macht dieses Buch so spannend. Seine Beweggründe, die Tour anzutreten und was dem voraus ging, werden allerdings ein bisschen spät eingestreut.
Dem Reisebericht fehlt zwar ein wenig eine Rahmenhandlung und manche Kapitel hätten gern noch ausgeschmückt werden können – so zum Beispiel die Radtour -, vieles liest sich aber spannend. Ganz gut rausgearbeitet ist, dass die Reise an vielen Stellen strapaziös war. Dass Weigel und seine zwischenzeitlichen Reisepartner ganz schön zu knabbern hatten. In dem Buch scheint nichts geschönt zu sein. Dieses Auf und Ab macht das Ganze lesenswert.
Und PS: Gibt es ein Wiedersehen mit Tory?

Torsten Weigel: Abenteuer Südhalbkugel – Sechs Monate, sechs Länder, drei Kontinente
Malik, 288 Seiten
8/10

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Isolde Sammer: Die Welt von Max und mir

Montag, den 20. März 2017

Eigentlich fand Jana (18) den Jungen ziemlich arrogant. Max (21) beachtet sie nicht. Aber dann kommt alles ganz anders – beim Schulkonzert, als er ganz am Ende nur für sie spielt.
Es ist die ganz große Liebe. Max zieht bald zu Jana und ihrer Familie.
Doch als es in den Urlaub gehen soll, bekommt Max ganz plötzlich einen geheimnisvollen Anruf – daraufhin verschwindet er spurlos. Jana versucht, ihn aufzuspüren und stößt dabei auf Max’ dunkles Geheimnis. Drogen sind im Spiel – und die Angst, dass Max einen Rückfall erlitten hat.

“Die Welt von Max und mir” sind eigentlich drei Geschichten in einem Buch. Isolde Sammer gelingt es gleich mehrfach, den Leser auf eine falsche Fährte zu führen. Der erste Teil des Romans ist eine reine Liebesgeschichte, in der alles perfekt zu sein scheint. Im zweiten Teil bricht das Gerüst komplett in sich zusammen. Jana reist nach Hamburg, und plötzlich befinden wir uns in einer Story rund um Drogen und Dealer. und dann gibt es noch einen dritten Mal – mit einer überraschenden Wendung.
Während der Drogenpassage denkt man zuweilen, wieso sich die Story auf so seltsame Art gedreht hat. Aber wer an der Stelle nicht aufhört, wird merken, dass das alles seinen Sinn hat.
Aus einer rosaroten Story wird eine bisweilen harte Geschichte, Jana kommt auf den Boden der Tatsachen, und das zu lesen ist dann doch überraschend spannend.

Isolde Sammer: Die Welt von Max und mir
dtv, 302 Seiten
8/10

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Andy Mulligan: Liquidator

Donnerstag, den 9. März 2017

“Liquidator” ist total lecker und total süß und macht total fit. Das sagen jedenfalls die Hersteller dieses süßen Getränks, das seinen Siegeszug rund um die Welt antreten soll.
Immer mehr trinken das Zeug – immerhin macht es süchtig.
Was nicht so bekannt ist: Das Getränk wurde an Kindern in Afrika getestet. Und was erst recht keiner weiß: Der kleine Jamie Song ist an diesem Zeug schwerstens erkrankt, und er droht zu sterben.
Aber es kommt raus. Eine Gruppe Jugendliche absolviert gerade Schulpraktika, unter anderem eben bei der Firma, die “Liquidator” herstellt. Sie haben nur ein Ziel: bekannt zu machen, was die Brause für ein schlimmes Zeug ist.

Das Thema ist durchaus brisant, wenn auch ein wenig zu plakativ. Andy Mulligan hat einen Jugendroman geschrieben, in dem es um die Jagd nach der Wahrheit geht. Das ist zwischenzeitlich durchaus interessant und ein wenig spannend.
Die Jugendlichen entdecken den Skandal, dann geht es darum, die Daten zu sichern und dem Jungen zu helfen.
Dabei hat man allerdings hin und wieder den Eindruck, dass die Geschichte letztlich doch recht einfach gehalten und das Ende dementsprechend wenig überraschend ist.

Andy Mulligan: Liquidator
Rowohlt Rotfuchs, 347 Seiten
5/10

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Frank Stauss: Höllenritt Wahlkampf – Ein Insider-Bericht

Mittwoch, den 8. März 2017
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Die Wahlen zum 16. Deutschen Bundestag waren ein echter Höllenritt. Innerhalb weniger Wochen mussten Wahlkampf-Kampagnen entwickelt werden – und dass, obwohl noch nicht mal offiziell feststand, dass überhaupt gewählt werden muss.
2005: Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) wirft hin, will Neuwahlen – ein Jahr bevor eigentlich die nächste Wahl anstehen sollte. Noch bevor der damalige Bundespräsident Horst Köhler den Bundestag auflöste, lief schon der Wahlkampf an. Agenturen und Politiker arbeiteten fieberhaft. Zu Beginn schien die SPD gegen die CDU und Angela Merkel chancenlos. Aber dann kam alles anders, und fast hätte Schröder es noch mal geschafft.

Davon erzählt Frank Stauss in seinem Buch über den “Höllenritt Wahlkampf”. Er liefert einen spannenden Insiderbericht darüber, was hinter den Kulissen passiert ist. Über schmutzigen Wahlkampf, über klugen, lustigen oder auch misslungene Kampagnen.
Stauss ist Kommunikationsprofi und Wahlkämpfer. Seit 1990 begleitete er viele, viele Wahlen – in Deutschland für die SPD.
Leser seines Buches bekommen interessante Infos darüber, wie Politik und Werbung ticken. Aber auch darüber, wie wir selbst ticken. Wie die Menschen auf politische Entscheidungen reagieren und wie die Werbung darauf antwortet.
Sehr treffend und sehr auf den Punkt erklärt ist das letzte Kapitel dieser erweiterten Neuauflage des Buches: Dort erzählt Frank Stauss, wie Populismus funktioniert und wieso die Menschen nur allzu gern darauf reinfallen.
Sollten sehr viele Leute lesen!

Frank Stauss: Höllenritt Wahlkampf – Ein Insider-Bericht
dtv, 246 Seiten
8/10

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Marcus Sedgwick: Das Glück ist blind (aber nicht unsichtbar)

Mittwoch, den 1. März 2017

Wo ist Dad? Laureth (16) macht sich große Sorgen, weil er nicht auf ihre Anrufe reagiert. Und dann bekommt sie auch noch eine Nachricht, dass sein Tagebuch in New York gefunden worden ist, obwohl er gar nicht in New York sein sollte.
Laureth beschließt, nach New York zu fliegen. Sie schnappt sich die Kreditkarte ihrer Mutter und ihren kleinen Bruder Benjamin samt Kuscheltier und macht sich auf den Weg. Das ist allerdings gar nicht so einfach, denn Laureth ist blind, und ohne Benjamin kommt sie nicht klar.
Aber auch in der großen Stadt, finden sie ihren Vater zunächst nicht. Dafür stoßen sie immer wieder auf neue Ungereimtheiten.

Marcus Sedgwick hat einen Jugendroman über eine Reise ins Ungewisse geschrieben. “Das Glück ist blind (aber nicht unsichtbar)” heißt sein durchaus lesenswerter und kurzweiliger Roman. Lange erfährt der (unvorbereitete) Leser nicht, dass Laureth blind ist. Aber genau das ist ja das Ding, was das Mädchen will – dass man nicht erkennt, dass sie nichts sieht.
Dem Autor gelingt im Gegenzug recht gut, die Welt aus Sicht von Laureth zu beschreiben. Und vor allem immer nebenher zu erzählen, wie sie das Leben ohne Augenlicht erlebt. Und wie ihr Benjamin immer wieder erklären muss, was er sieht.
Die Geschichte selbst ist recht geheimnisvoll, die Auflösung zwar nicht der Knaller – für den schnellen Lesespaß ist der Roman aber ganz gut geeignet.

Marcus Sedgwick: Das Glück ist blind (aber nicht unsichtbar)
dtv Hanser, 249 Seiten
7/10