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Bücher, Bücher, Bücher

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Richard Brandes: Tod in der Schorfheide

Samstag, den 2. Juli 2022
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Das Dorf Kappe am Rand der Schorfheide steht unter Schock. Am Dorfrand, im Wald, ist das alte Forsthaus abgebrannt. Und schnell ist auch klar: Ein Mann hat sich im Haus befunden, und er ist bei lebendigem Leib verbrannt.
Die Kripo Neuruppin beginnt die Ermittlungen. Hauptkommissarin Carla Stach sieht sich in Kappe um – wer war der Mann? Sehr wird klar, dass es sich um Nico Römer handelt. Er ist nicht nur Bewohner des Hauses in Kappe, er hat auch einen Computerladen in Zehdenick.
Kurz danach in Schönermark: Ein Mädchen wird als vermisst gemeldet. Mehr und mehr wird klar, dass beide Fälle irgendwie zusammengehören, denn das Mädchen soll Nico Römer gekannt haben.
Und so beginnt einerseits die Suche nach dem Mädchen und andererseits die Suche nach dem Mörder von Nico Römer.

“Tod in der Schorfheide” ist der wenig innovative (aber nun mal sehr effektive, auf die Regionalität aufmerksam machende) Titel des Romans von Richard Brandes. Er siedelt seinen Fall in der Region zwischen Neuruppin, Oranienburg und Lychen an. Die Ermittlungen führen nach Zehdenick, ebenso zur Werner-von-Siemens-Schule nach Gransee, an die Oberhavel-Klinik, Liebenwalde spielt ebenso eine Rolle wie Oranienburg, der Wald nördlich von Zehdenick und der Kripo-Standort Neuruppin. Mehr Lokalkolorit geht nicht.
Dabei gelingt es dem Autor, einen durchaus spannenden Fall zu erzählen. Er beginnt mit einem schweren Brand, es gibt eine Entführung, dazu falsche Verdächtigungen. Dramatisch wird es, als klar wird, dass auch eine Serie von Vergewaltigungen eine Rolle spielt.
Dazu eine Kommissarin, die in Linum mit einer Frau und ihren Kindern zusammenlebt, wo es später ebenfalls noch Konflikte gibt.
Zwar hat die Handlung zwischendrin einen ganz leichten Durchhänger, aber die Mischung aus Menschenkunde und Krimi macht Lust auf weitere Romane mit Carla Stach und ihrem Neuruppiner Team.

Richard Brandes: Tod in der Schorfheide
Emons, 384 Seiten
8/10

Hits: 61

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Axel Witte: Rauch auf Rügen

Freitag, den 1. Juli 2022
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(1) -> 14.10.2019

An der Binzer Strandpromenade. Roland Schiller ist gerade mal einen Tag aus dem Knast raus. In Binz ist er mit Michaela Harms unterwegs, der Frau seines Knastbruders. Er hat mit ihr noch eine Art Geschäft zu erledigen. Doch es kommt zu einem Zwischenfall. Michaela Harms wird ihre Handtasche gestohlen. Nicht nur die war teuer, sondern es ist auch eine Waffe darin.
Danbi Park ist gerade von Prora aus zur Binzer Seebrücke unterwegs. Gemeinsam mit den Gebrüdern Lenz wollen sie Touristen beklauen – mit dieser Masche sind sie schon seit Tagen im Norden unterwegs. An der Strandpromenade nutzt Danbi die Chance und krallt sich eine Handtasche. Doch auf der Flucht verstaucht sie sich einen Fuß, und der Rettungsschwimmer Moritz kommt ihr zur Hilfe.
Am Ende des Tages wird Moritz erschossen.
Fabian Radegast – in Stralsund selbst bestohlen worden – nimmt sich des Falles an. Zumal Roland Schiller ebenfalls unter Beobachtung steht, er hat Radegasts Kollegin Annekatrin Struve bedroht…

“Rauch auf Rügen” ist der zweite Roman mit Kriminalhauptkommissar Fabian Radegast. Autor Axel Witte hat ihm seinen Freund und Co-Autor Rainer Wittkamp gewidmet, der am ersten Roman noch mitgeschrieben hat.
Der Krimi hebt sich durchaus von anderen Kriminalromanen ab, die ja meist nach Schema F funktionieren. Denn in dieser Geschichte ist der Leser immer nicht auf der Seite der Ermittler, die nach und nach erst rausfinden, was da passiert ist. In diesem Fall ist der Leser beim Mord dabei – es ist nicht ganz klar, wer da die Finger im Spiel hat, aber es kommt sehr schnell Licht ins Dunkel. Die Spannung liegt also nicht im Mitraten, sondern darin, wie der Fall gelöst wird. Mit der Story um Danbi und um Roland Schiller gibt es außerdem Elemente, die nichts mit einem Mord zu tun haben, aber trotzdem krimimäßig sind.
Ein Konzept, das durchaus funktioniert, wenn es auch eher unterhaltend als extrem spannend ist. Noch dazu verbreitet Axel Witte in Binz und Umgebung eine sehr schöne Urlaubsstimmung, weil er die Orte sehr gut kennt und beschreibt.

Axel Witte: Rauch auf Rügen
Hinstorff, 281 Seiten
7/10

Hits: 62

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Ewald Arenz: Der große Sommer

Dienstag, den 21. Juni 2022

Irgendwann in den 70ern. Den Sommer hat sich Frieder anders vorgestellt. Aber er muss in Mathematik und Latein in die Nachprüfungen. Die finden zum Schuljahresanfang statt.
Eigentlich sollte er – wie immer – mit in den großen Familienurlaub. Doch der fällt für ihn nun flach. Stattdessen soll er zu seinem Großvater und Nana – lernen. Und tatsächlich verdonnert ihn sein Großvater dazu, dass er jeden Vormittag ein paar Stunden über seinen Büchern brüten muss. Nachmittags soll er beim Großvater im Institut Botendienste leisten.
Die freie Zeit nutzt Fieder dennoch: Er hängt mit seinem Freund Johann ab, mit seiner großen Schwester Alma – und dann ist da noch Beate. Die hat es Frieder besonders angetan.
Es wird ein großer Sommer. In dem er seine Großeltern neu kennenlernt. In dem er die erste Liebe erlebt. Und ein Drama um Johann. Dieser Sommer wird sein Leben für immer prägen.

Und das ist nicht zu viel versprochen. “Der große Sommer” hat Ewald Arenz seinen Roman genannt. Und den erlebt man als Leser auch mit.
Die aus Sicht von Frieder erzählte Geschichte ist dicht, sie wird in der zweiten Hälfte richtig packend und emotional. Denn in der Tat lernt Frieder in diesen Wochen sehr viele Dinge fürs Leben, es werden Weichen gestellt, er gibt beglückende wie auch traurige und schockierende Momente.
Gerade im letzten Drittel will man das Buch kaum noch aus den Händen legen.

Ewald Arenz: Der große Sommer
Dumont, 318 Seiten
9/10

Hits: 128

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Stefan Mellentin: Straf-Raum-Beziehung

Sonntag, den 19. Juni 2022
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(1) -> 1.6.2022

Die Geschichte um die beiden Profifußballer Daniel Recker und Felix “Tex” Theissendorf geht weiter. Sie spielen in einem Bundesliga-Verein, der regelmäßig um die Meisterschaft kämpft.
Daniel und Felix sind nicht nur beide schwul, sondern auch beide zusammen. Sie sind ein Paar, und zumindest im Verein, bei den Freunden und bei der Familie sind sie geoutet.
Aber was würde denn nun eigentlich passieren, wenn öffentlich bekannt werden würde, dass es schwule Fußballer gebe.

Der Autor Stefan Mellenthin beschäftigt sich auch in seinem zweiten Roman – er trägt den Titel “Straf-Raum-Beziehung” mit dem “Was wäre wenn?”.
Und das ist ein durchaus interessantes Gedankenspiel. Denn seitens des Vereins beginnt eine große Anti-Homophobie-Kampagne. Spieler des Vereins reisen zu den Fanclubs und diskutieren mit den Leuten vor Ort darüber.
Aber das Ganze geht weiter: Durch eine Blödheit – und sie tut beim Lesen schon ziemlich weh – droht irgendwann, alles rauszukommen. Der Verein und Daniel und Felix beschließen, an die Öffentlichkeit zu gehen.
Und nein, es herrscht in Mellentins Roman keine “Friede, Freude, Eierkuchen”-Stimmung. Durchaus und leider realistisch beschreibt er, was so ein Outing lostreten kann. Einerseits. Aber andererseits auch, an welchen Stellen auch Solidarität herrschen könnte.
Ein Roman-Doppel, das vielleicht mal verfilmt werden sollte. Und vielleicht holt die Wirklichkeit ja mal diesen Roman ein?

Stefan Mellentin: Straf-Raum-Beziehung
Main-Verlag, 192 Seiten
8/10

Hits: 110

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Stefan Schwarz: Da stimmt was nicht

Dienstag, den 14. Juni 2022

Tom Funke ist die deutsche Synchronstimme von Hollywood-Star Bill Pratt. Pratt ist erfolgreich, also ist es auch Funke. Er kann sogar beim Synchronstudio mehr Geld für sich verhandeln, schließlich fällt in Deutschland ein Film mit Bill Pratt auch mit der deutschen Synchronisation.
Für Tom bedeutet das: Es gibt mehr Geld, und es gibt auch einen lukrativen Werbedeal. Er kann sich ein schickes Haus leisten – mit Havelblick. Herrlich!
Zu Hause läuft es weniger gut. Zwischen ihm und seine Frau Ulrike herrscht alles anderes als Liebe, und dann verknallt er sich auch noch in Birte.
Als Bill Pratt zur Premiere seines neuen Films nach Berlin kommt, kommt es allerdings zu einem Skandal mit Folgen. Wird Pratt all seine Jobs verlieren – und mit ihm Tom Funke?

“Da stimmt was nicht” heißt der Roman von Stefan Schwarz. Allerdings passt diese Feststellung auch zum Roman selbst. Die Story wird ausgewalzt. Das wenige, was passiert, wird mit teilweise nichtssagenden Dialogen aufgepeppt. Das Eigentliche, der Skandal, passiert erst in der zweiten Hälfte des Romans. Und ehrlich gesagt, ist das alles dermaßen blöde und an den Haaren herbei gezogen, dass man nur mit dem Kopf schütteln kann. Das alles ist nur wenig lustig, Tom Funke ist dazu auch nicht gerade ein Sympathieträger – im Gegenteil, er ruht sich auf seinem Erfolg mit einer (!) Synchronfigur aus, ist arrogant und selbstgefällig. Man fiebert nicht wirklich mit ihm mit.
Am Ende ist die Story dann so wirr, dass jede Lesefreude auf der Strecke bleibt.
Ja, da stimmt was nicht – aber echt.

Stefan Schwarz: Da stimmt was nicht
Rowohlt Berlin, 252 Seiten
3/10

Hits: 114

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Norbert / Melanie Martins: Street Art Galerie – Berliner Wandbilder

Sonntag, den 12. Juni 2022
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Es ist ein regelrechter Schatz, den Norbert Martins seit Mitte der 70er-Jahre zusammengesammelt hat. Er fotografiert in Berlin jedes neue Wandbild, das an eine Hauswand angebracht wird. Bis 1989 nur in West-Berlin, nach dem Mauerfall in der ganzen Stadt. In der Zeit sind mehr als 900 solcher Bilder entstanden – und einige auch schon wieder verschwunden.

Zum dritten Mal hat Norbert Martins – hier gemeinsam mit seiner Tochter Melanie – ein Buch herausgegeben, das einen Überblick über die verschiedensten Wandbilder der Stadt gibt.
Das nun vorliegende Buch “Street Art Galerie – Berliner Wandbilder” zeigt die Entwicklung der Grafiti- und Street-Art-Malerei ab 2012.

Nach einer ausführlichen Einführung in das Thema und einem Überblick über die Geschichte der Wandmalerei, gibt es in diesem Buch einen bunten Streifzug durch die Stadt. Nach Bezirken geordnet sind diverse Wandbilder zu sehen, darunter steht, wo es sich befindet, wer es gemalt und in Auftrag gegeben hat.
Es sind ein paar beeindruckende Werke dabei: Zum Beispiel die “Gebrochene Fassade” in der Obentrautstraße in Kreuzberg. Wer auf das Haus schaut, könnte meinen, es gehe ein Riss oder eine seltsame Kante durch die Fassade – dabei gehört das zur Malerei.

Norbert / Melanie Martins: Street Art Galerie – Berliner Wandbilder
Norbert Martins, 144 Seiten
8/10

Hits: 137

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Adam Silvera: Am Ende sterben wir sowieso

Donnerstag, den 2. Juni 2022

Mateo bekommt um kurz nach Mitternacht einen Anruf. Auf dem Display steht: Todesbote. Um 0.22 Uhr teilt ihm eine gewisse Andrea mit, dass er heute sterben werde.
Rufus ist gerade dabei den neuen Typen seiner Ex-Freundin zu verprügeln, als er einen Anruf bekommt. Es ist 1.05 Uhr, als ihm ein gewisser Victor mitteilt, dass er heute sterben werde.
In der Zeit nach Mitternacht werden die Todesboten aktiv – sie teilen allen heute sterbenden Menschen mit, dass sie heute ihren letzten Tag erleben werden.
Mateo ist schockiert. Soll sein Leben wirklich nur 18 Jahre gedauert haben? Und wie wird er wohl sterben? Und wann genau? Für die Totgeweihten gibt es verschiedene Plattformen, auf denen sich diese Menschen vernetzen können.
Dort meldet sich auch Rufus an – und so lernen sich die beiden Jungs kennen. Sie werden letzte Freunde, sie beschließen, den letzten Tag gemeinsam zu verbringen.
Egal was passiert: “Am Ende sterben wir sowieso”.

So heißt auch der Roman von Adam Silvera. Und man weiß gar nicht, ob die Idee nun erschreckend oder toll ist: Dass man nach Mitternacht erfährt, dass es der letzte Tag sein werde.
Denn klar ist ja auch, dass man diesen Tag nun ganz anders lebt – viel vorsichtiger ist, sich womöglich zu Hause einschließt. Und in der Tat wird darüber auch in diesem Roman kurz philosophiert.
Es dauert ein bisschen, bis dieser Roman einen gewissen Sog entwickelt. Denn anfangs wirkt das alles noch ein wenig unüberlegt. So richtig einlassen kann man sich auf diese Geschichte erst mal noch nicht. Auch weil Mateo erst mal nicht so richtig aktiv wird – erst Rufus sorgt dafür, dass Mateo aus seiner Lethargie gerissen wird und sich Gedanken macht, was er an diesem letzten Tag alles machen will.
Als Leser denkt man natürlich: Müssen die Jungs wirklich sterben? Gibt es keine Möglichkeit, dass sie da doch noch überleben? Ganz klar: Darauf wird dieses Buch eine Antwort geben, und dementsprechend spannend wird es auch, je weiter der Tag voranschreitet.

Adam Silvera: Am Ende sterben wir sowieso
Arctis, 366 Seiten
7/10

Hits: 108