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Der alltägliche Medienwahnsinn

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Die Sendung … mit Brezel Göring für Françoise Cactus

Donnerstag, den 25. Februar 2021
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DI 23.02.2021 | 21.05 Uhr | radioeins

Er war tapfer. Aber es war wohl dennoch die traurigste Radiosendung des Jahres.
Eigentlich geht immer am vierten Dienstag im Monat die Musikerin Françoise Cactus auf radioeins auf Sendung. In “Die Sendung” legt sie seit 2016 die Musik auf, die ihr gefällt und erzählt etwas dazu.
Doch am 17. Februar ist sie verstorben. Brustkrebs.
Am Dienstagabend wäre auf radioeins ihre nächste Sendung gelaufen, und sie hatte dafür schon einiges vorbereitet. Die Sendung lief dennoch, moderiert von ihrem Partner Brezel Göring.

Er sprach ganz leise, scheinbar war er sehr dicht dran am Mikrofon. Zu Ehren seiner Frau setzte sich Brezel Göring selbst ans Mikro. Er hatte seine Frau zuvor immer zu den Sendungen begleitet. Jetzt stand er da und erzählte über sie. Über ihre Karriere, über wichtige Stationen. Darüber, dass sie nun nicht mehr da ist.
Er spielte die Musik, die sie noch ausgesucht hatte. Und auch ihre Musik. Françoise Cactus kennt man hierzulande beispielsweise von der Band “Stereo total”.

Vermutlich hat es viel Konzentration gefordert. Aber Brezel Göring hatte sich am offenen Mikro im Griff. Es waren rührende, traurige zwei Stunden. Aber auch schöne Stunden mit guter Musik.
Ein würdiger Abschied von Françoise Cactus.

-> Die Sendung auf radioeins.de (bis 22. März 2021)

Hits: 54

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Liebe und Anarchie

Montag, den 22. Februar 2021
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SA 20.02.2021 | Netflix

Sie arbeiten beide im selben Büro eines Buchverlages. Sofie Rydman (Ida Engvoll) arbeitet dort als Beraterin für den digitalen Bereich. Max Järvi (Björn Mosten) ist für die IT zuständig.
Es ist schon spät am Abend, als Max noch mal ins Büro kommt und Sophie erwischt. Sie masturbiert gerade zu einem Porno auf ihrem Smartphone. Man könnte sagen, er hat sie in der Hand. Denn er schmiert ihr seine Beobachtung gleich am nächsten Tag aufs Brot. Allerdings merken sie, dass es da eine gewisse Sympathie gibt. Sie beginnen, sich gegenseitig fiese Aufgaben zu stellen, die mehr oder weniger unbemerkt oder unbeeindruckt von den anderen absolvieren müssen. Sei es einen Tag nur rückwärts zu laufen oder irgendjemanden richtig anzuschnauzen.
Es entwickelt sich eine Bindung, und bald wird daraus Erotik. Und Sex.

Würde man behaupten, die schwedische Serie “Liebe und Anarchie”, dessen acht Folgen auf Netflix zu sehen sind, wäre eine relativ herkömmliche Serie über Liebe und Affären, der irrt. Das liegt schon an der Konstellation, die überhaupt erst Max’ Mutter in Folge sieben anmerkt, bis dahin aber nicht zur Debatte steht: Sofie ist Mitte dreißig, Max ist Anfang zwanzig.
Letztlich ist das auch nicht die Frage, um die es geht, denn beide haben ganz andere Probleme: Sie hat Mann und Kinder. Er fühlt sich von seiner Familie ungeliebt. Aber beide zieht es zueinander.
Und es macht aber großen Spaß, zuzusehen, wie sich beide annähern, wie sie ihre gemeinen Bosheiten austauschen – und wie dann mehr draus wird. Nebenbei geht es aber auch um die Nöte des Buchverlages und seine Position in der Zukunft.
Wie der Titel es sagt: Man bekommt Liebe und Anarchie. Ein weiteres, sehenswertes Serienhighlight aus Schweden.

-> Trailer und Serie bei Netflix

Hits: 76

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Landung auf dem Mars – Die Ankunft des Rover Perseverance

Sonntag, den 21. Februar 2021
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DO 18.01.2021 | 20.15 Uhr | ARD-alpha

Wir bekommen neue Bilder vom Mars. Dafür sorgt der Mars-Rover Perseverance, der am Donnerstagabend deutscher Zeit auf dem fernen Planeten gelandet ist. Dass es möglich ist, so ein Gerät in die Ferne zu schicken, ist immer wieder eine Sensation.

Am Donnerstagabend übertrug u.a. ARD-alpha live die Ankunft des Rovers auf dem Mars. Oder besser: Man konnte nur übertragen, wie sich Leute freuen, dass der Rover auf dem Mars gelandet ist.
In der Live-Übertragung sahen wir den Kontrollraum der NASA, die den Rover dort hoch geschickt hat. Alle schauten ganz konzentriert, und plötzlich rissen alle die Arme hoch und jubelten.

Für den Zuschauer war das nicht ganz so aufregend, immerhin gibt es ja heute kaum noch Ereignisse, die zwar passieren, die man aber nicht wirklich verfolgen kann. Insofern ist das ein durchaus interessantes Event, dem man nur indirekt beiwohnen kann. Hinzu kommt, dass auch die NASA-Leute erst sieben Minuten nach der Landung wirklich wussten, ob die geklappt hat. So verzögert sind die Signale.
Immerhin lieferte die NASA vorher Animationen, die zeigen, was da oben wohl gerade passiert, und ein erstes Foto konnte auch kurz danach geliefert werden.

Vielleicht erleben wir das noch: den Moment, wo Menschen auf den Mars reisen. Und den Tag, an dem die ersten Menschen den Mars betreten. Dann wird das sicher nicht nur auf Spartensendern stattfinden.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 25. Februar 2021)

Hits: 79

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Die Rote Kugel

Samstag, den 20. Februar 2021
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MI 17.02.2021 | 20.15 Uhr | VOX

Die rote Kugel von VOX hat nun eine eigene Spielshow bekommen – zwei Stunden zur Primetime. Denn bei VOX hat man mal wieder das Quiz revolutioniert. Das ist so aufregend, dass man die nächste Werbepause herbeisehnt.

“Die Rote Kugel” lief am Mittwochabend zum ersten Mal, und es werden Quiz und Kegeln und Golf miteinander verbunden. Denn wer in dieser von Hundeprofi Martin Rütter moderierten Show – es kommt kein Hund darin vor – muss er Zweierteam Bilderrätsel lösen. Eigentlich sind es normale Quizfragen, weil das aber zu schwer ist, untermauert man die Fragen mit Bildchen. Dann kann darüber eine ewige gute Minute darüber gerätselt werden, was allein schon sehr ermüdend ist. Es wird geredet und geredet und geredet, und als Zuschauer denkt man: Mach hinne!
Ist die Frage richtig beantwortet worden, dann gibt es eine Rote Kugel. Wird sie falsch beantworten, muss die Rote Kugel gestoßen werden – und im Idealfall fällt sie in ein Loch. Dann fliegen die Kandidaten nicht aus dem Rennen.

Joa, kann man mal machen. Aber nachdem die ersten beiden Kandidatinnen ihr Spiel beendet haben, war eigentlich die Luft raus. Aber dann ging es schon weiter, und die nicht wirklich aufregende Raterei ging weiter.
Für eine Primetimeshow ist das zu wenig. “Die Rote Kugel” ist was zum Runterkommen – allerdings geht es weiter runter als gedacht. Im Laufe der Zeit verliert man die Lust, andererseits ist das eine gute Gelegenheit für ein kleines Nickerchen, bis man von der lauten Reklame geweckt wird.

“Die Rote Kugel” ist nicht nur kein Format für die Primetime, eher für den Vorabend oder den Vormittag – sondern mit zwei Stunden viel, viel, viel zu lang. Die Kugel rollt ohne mich weiter.

-> Die Show bei TV Now

Hits: 86

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Grenadier Wordelmann

Freitag, den 19. Februar 2021
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MI 17.02.2021 | 12.25 Uhr | mdr-Fernsehen

Seit Tagen zeigt der mdr einen Film nach dem anderen, eine alte DDR-Serie nach der nächsten und Dokus. Im Mittelpunkt: Herbert Köfer.
Natürlich aus gutem Grund: Denn am 17. Februar feierte der Schauspieler seinen 100. Geburtstag. Und, liebe “TV Spielfilm”: Er wäre nicht 100 geworden, wie ihr geschrieben habt, sondern er IST 100. Ja, er lebt noch!

Am Mittwochmittag zeigt das mdr-Fernsehen den Film “Grenadier Wordelmann”, veröffentlicht 1980 in der DDR, Der Fikm spielt 200 Jahre zuvor, es geht um einen Bauer, der seine Stieftochter heiraten will – was der König erlauben muss. Auf dem Weg zu ihm trifft der Bauer auf den Granadier Wordelmann, der ihm seine Hilfe anbietet.
Der Film wirkt heute ziemlich bieder, und er hat deshalb auch zurecht keinen Primetime-Sendeplatz bekommen.

Bemerkenswert und typisch ist aber, dass im Grunde nur der mdr den 100. Geburtstag Köfers begeht. Er ist bis heute vor allem ein Ost-Star, obwohl er nach der Wende auch in Gesamtdeutschland viele Film- und Serienauftritte hatte. Aber seine 40 Jahre lange Karriere in der DDR macht ihn auch weiterhin offenbar zu einem Star, den man vor allem nur in Ostdeutschland schätzt. Denn während die Leute in der DDR per Fernsehen und Radio auch den Blick in die Bundesrepublik hatten, war das andersrum kaum der Fall. Die DDR und ihre Star spielten in der alten Bundesrepublik kaum eine Rolle. Dieses Unwissen zeigt sich bis heute.

Köfer ist Schauspieler, er spielte in unzähligen Komödien, Schwänken, Serien und auch ernsten Filmen mit. Er stand auf Theaterbühnen, er war auch Humorist. Und sogar Nachrichtensprecher. Er war es, der 1951 die Sendungen des damaligen DFF eröffnete, und er war auch dabei, als die Ära des Senders Silvester 1991 endete.

Ich kenne Köfer nur “alt”. Als ich ihn quasi live in neuen Produktionen erlebte, war er schon Rentner, und auch in älteren Filmen wirkte Köfer wie ein älterer Herr. Aber bis heute steht er auf Theaterbühnen – wenn es gerade keine Pandemie gibt. 2014 durfte ich ihn beim Brunchtalk im Kremmener Theater “Tiefste Provinz” auf der Bühne interviewen.
Köfer ist immer noch gut drauf, er ist wach, er ist immer noch lebensfroh. Drücken wir ihm die Daumen, dass das noch lange so bleibt!

Hits: 95

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Bodyguard

Donnerstag, den 18. Februar 2021
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MO 15.02.2021 | 22.15 Uhr | ZDF

Fliegt gleich der ganze Zug in die Luft? Es sind unfassbar spannende Minuten: David Budd, eigentlich Polizist beim Londoner Metropolitan Police Service, bekommt es auf einer Privatreise mit dem Zug mit einer schwierigen Situation zu tun: Es ist eine mögliche Selbstmordattentäterin im Zug – und tatsächlich kann er sie aufspüren. Die Frau hat es regelrecht in der Hand, ob die Bombe hochgeht oder nicht. David beginnt auf sie einzureden.

Es ist der fulminante Start der britischen Thrillerserie “Bodyguard”. Sie lief seit 2018 schon bei Netflix als Sechsteiler. Für die Ausstrahlung im ZDF wurden die Folgen zu einem Dreiteiler umgeschnitten. Außerdem ist die deutsche Synchronstimme von David Budd (Richard Madden) für das ZDF neu aufgenommen worden. Bei Netflix wird er von Jacob Weigert gesprochen, im ZDF von seiner “Stammstimme” Stefan Günther.

David Budd wird zum Bodyguard, er wird Personenschützer von Innenministerin Julia Montague. Damit gerät er aber auch in einen Sog von Intrigen, denn Montague hat noch ganz andere politische Pläne. Es kommt zu Anschlägen, und plötzlich steht auch David im Verdacht, ein Komplott zu schmieden, um dem Land zu schaden.

Auch in der letzten Folge, die am Montagabend im ZDF lief, kommt es zu einem Spannungsshowdown, und wieder geht es um einen Bombenauslöser in der Hand, um Verhandlungen und Entscheidungen.
Der Anfang und das Ende – es sind die besten Momente von “Bodyguard”. Die zeigen auch, dass es nicht immer die große Action sein muss, die einen Thriller spannend machen. Die großen Psycho-Momente sind oft sehr viel nervenzehrender. Zwischendurch hat die Serie einige Hänger, leider auch nach dem grandiosen Auftakt, der erst mal für Ernüchterung sorgt. Aber letztlich entschädigen die erste und die letzte Stunde für alles.

-> Die Serie in der ZDF-Mediathek (bis 22. Februar 2021)

Hits: 108

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Rosenmontag in Köln: Der ausgefallenste “Zoch”!

Mittwoch, den 17. Februar 2021
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MO 15.02.2021 | 14.00 Uhr | WDR

Der Zoch in Kölle begann wie immer nach einer kleinen Ansprache. Das ließ sich die Oberbürgermeisterin nicht nehmen. Die Fanfare ertönte, und dann schauten sie alle ganz gespannt. Bald hieß es: “De Zoch kütt!”. Die Feuerwehr war dabei und präsentierte sich. Funkenmariechen tanzten. Natürlich gab es die Umzugswagen, die die aktuellen Themen beleuchten – das Coronavirus durfte da nicht fehlen. Und wie das bei so einem Umzug manchmal ist: Es entsteht ein Loch im Zoch – und deshalb müssen Tanzgruppen ein wenig überbrücken.

Rosenmontag am Rhein 2021. Der große Kölner Umzug. Der WDR überträgt.
Alles wie immer?
In Zeiten des Coronavirus: natürlich nicht! Denn draußen in Köln fiel der Karneval 2021 komplett aus. Keine Umzüge, keine Partys.
Dennoch sorgte der WDR am Rosenmontagnachmittag für Ersatz. Die Jecken vom Festkomitee Kölner Karneval ließen trotzdem einen Umzug stattfinden. Motto: “Nur zesamme sin mer Fastelovend”. Gemeinsam mit dem Hänneschen Puppentheater stellten sie den “ausgefallensten Zoch” zusammen: Es handelte sich um 30 Wagen, die von der Severinstorburg vorbei am historischen Rathaus durch die Kölner Altstadt zogen. Der Umzug als Puppentheater. Natürlich kommentiert wie ein richtiger Umzug.

Natürlich war das kein wirklicher Ersatz. Aber dennoch lustig und sogar rührend. Denn die Macher des Puppentheater achteten auf viele Details und Kleinigkeiten. So begann einer der Fanfaren-Trompeter fürchterlich zu sabbern. Auch die Gegebenheiten eines Umzuges wurden schön ins Bild gesetzt. Dazu noch die Akustik eines jubelnden Publikums am Straßenrand – und fertig war die schöne Illusion.
2022 dann aber hoffentlich so, wie wir es kennen!

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 15. Februar 2022)

Hits: 133