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Der alltägliche Medienwahnsinn

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Werbung: Ford Kuga

Montag, den 22. Januar 2018
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FR 19.01.2018 | 23.51 Uhr | RTL

Ärgerlich! Da will man mal mit dem Auto in den Wald fahren, weil man sich mit Joggen gesund halten will und überhaupt mal ein bisschen Natur genießen möchte, und dann gibt es eine Baustelle – mitten auf der Straße.
Blöde Sache, das.
Aber es gibt ja diese neumodischen, großen Autos! Da ist das ja alles gar kein Problem! Man legt den Gang ein, und dann brettert man über den schmalen Waldweg. Ist ja mit den großen Reifen gar dein Ding. Um in die schöne Natur zu kommen, brettert man mal eben durch selbige.

Wirklich schön, diese Autowelt in der Werbung. Am Freitagabend lief bei RTL der Spot für den Ford Kuga.
In einer Zeit, in der über Umweltverschmutzung geredet wird. In der die dreckigen Diesel-Autos angeprangert werden. Wo es darum geht, die Umwelt zu schützen: Da zeigt die Reklame zwei Männer, die mit ihrem fetten Wagen durch den Wald brummen. Weil sie es mit der Karre einfach können. Sie parken das Teil mitten auf einer Lichtung, und die Leute bei Ford denken, das sei unfassbar cool.
Nein, ist es nicht.
Viel cooler wäre es doch, die Spritschleuder am Straßenrand zu parken und von dort loszujoggen. Aber vermutlich bräuchte man dazu keinen Ford Kuga. Und schon gar nicht diesen Werbespot, der so völlig aus der Zeit gefallen ist.

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rbb spezial: Sturmtief “Friederike” in Berlin und Brandenburg

Sonntag, den 21. Januar 2018
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DO 18.01.2018 | 20.15 Uhr | rbb

Der rbb muss sparen. Produziert die Nachrichtenredaktion einen Beitrag für das Programm, dann ist er einfach viel zu schade dafür, nur einmal ausgestrahlt zu werden.
Am Donnerstag wütete der Orkan Friederike über Deutschland. In Brandenburg war vor allem der Süden betroffen, im Norden gab es heftigen Schneefall. Klar, dass der Sender da zur Primetime ein “rbb spezial” einschob: “Sturmtief ,Friederike’ in Berlin und Brandenburg”.

Die Info, dass genau zeitgleich ein “Brennpunkt” im Ersten zum selben Thema lief, ist vielleicht in Potsdam nicht angekommen. Andererseits vielleicht ja doch. Denn das “rbb spezial” bestand fast ausschließlich aus Wiederholungen aus “Brandenburg aktuell”.

Das Nachrichtenmagazin lief um 19.30 Uhr – mit einem Beitrag zu den Schäden aus Auswirkungen des Sturms. Dazu eine Schalte zum Hauptbahnhof, um zu schauen, wie es um den Zugverkehr bestellt ist. Genau der Hauptbeitrag lief 45 Minuten später im “rbb spezial” noch mal. Nicht mal die Schalte hat man noch mal gemacht – stattdessen wiederholte man einfach die Live-Reportage, die schon eine dreiviertel Stunde vorher lief.

Sparen ist ja gut und schön. Aber wenn es keine Neuigkeiten gibt, keine Idee, wie man denn die Informationen um Friederike noch gestalten kann, wenn man stattdessen noch mal Altes aufwärmt – dann kann man sich eine Sondersendung zur Primetime getrost sparen.

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Trailer: N24 heißt jetzt Welt

Samstag, den 20. Januar 2018
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DO 18.01.2018 | 5.58 Uhr | Welt

Wenn man sagt: Adolf Hitler erobert ab jetzt die Welt! Dann klingt das irgendwie seltsam. Aber es stimmt. Irgendwie. Denn der Teilzeitnachrichtensender N24 heißt jetzt Welt. Und was wäre das Abend- und Nachtprogramm von Welt ohne die viele Dokus über hitler und den Nationalsozialismus?

2000 gestartet hat N24 nun die Bildfläche verlassen – zuimindest fast. Seit Donnerstag ist der Zusammenschluss mit der Zeitung “Die Welt” nun richtig sichtbar. Nur der Ableger N24 Doku wird erst mal weiter so heißen. Was nicht nur inkonsequent, sondern auch vollkommen sinnfrei ist.

Aber wie geht man denn nun sprachlich mit dem Sender um? Auf Welt? In Welt? Im Sender Welt? Bei Welt?
Schalt mal auf Welt! Läuft in Welt schon die xy-Doku? Haste gestern die Welt gesehen? Bist du eigentlich Fan von Welt?
Klingt entweder irreführend oder schlicht bescheuert.
Andererseits: Wann schaue ich schon mal auf die Welt… also den Nachrichtendokusender, als dass mich das irgendwie berühren könnte?

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Young Sheldon

Mittwoch, den 17. Januar 2018
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MO 15.01.2018 | 20.45 Uhr | ProSieben

Folge 2 von “Young Sheldon”, und ProSieben weiß nicht, wie viele Leute zugesehen haben. Denn die Quotenmessung ist wegen eines technischen Problems eine Woche ausgesetzt.
Das ist blöd, denn Folge 1 legte in der vergangenen Woche einen Traumserienstart hin – ProSieben nannte ihn den besten Serienstart des Jahrtausends. Natürlich nur für ProSieben.
Ob alle diese Leute auch die 2. Folge gesehen haben, weiß nun noch keiner.

“Young Sheldon” ist ein Ableger von “The Big Bang Theory” und handelt davon, wie der aus der Sitcom bekannte Sheldon als Hochbegabter in die Schule kommt und sich dort durchschlagen muss – als mit großem Abstand Jüngster.
Das ist nett, aber ein funke konnte in den ersten beiden Folgen nicht überspringen. Es fehlt ein gewisser Zauber, den eine erste Folge irgendwie immer mitbringen muss, um ein Interesse zu wecken.
Sheldon ist klug, er ist ein Klugscheißer. Aber leider ist er auch keine besonders spannende Figur. Es fehlt der Serie an der wichtigen Mischung aus Witz und Warmherzigkeit – stattdessen ist sie seltsam spröde.

Für mich gilt: Ausstieg nach Folge 2.

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Schlagerchampions – Das große Fest der Besten

Dienstag, den 16. Januar 2018
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SA 13.01.2018 | 20.15 Uhr | Das Erste

In der ARD setzen sie auf brandneue Innovationen. Wer am Sonnabend die “Schlagerchampions” gesehen hat, hatte die Möglichkeit, die Songtexte mitzulesen – und natürlich mitzusingen! Eine ganz große Sache! Florian Silbereisen hat es extra ein bisschen erklärt, denn mit der neumodischen Technik kommt ja nicht jeder klar. Es ging um den wirklich heißen Technikscheiß: den Videotext. Den werden viele sicherlich noch gar nicht kennen. Die Zuschauer konnten diesen Videotext aktivieren, eine bestimmte Seite eingeben, und dann stand da immer der Text zum Lied, das da gerade auf der Bühne playbackt wurde.
Wäre auch toll gewesen, wenn diese Texte nicht immer alle zu spät eingeblendet worden wären – nämlich wenn die Hälfte der Textzeile schon gesungen worden war. Zum Mitsingen war der Videotext also nicht geeignet. Aber okay, da muss die ARD noch üben – mit dem Videotext kommen sie eben noch nicht so richtig klar.

Mit Mitlesen ist das Publikum im Berliner Velodrom sowieso kaum gekommen – denn dort sind vermutlich tausendfach Gummischlangen ausgegeben worden, mit denen die Leute klatschen sollten. Denn in die Hände zu klatschen ist auch voll unmodern in der ARD – da muss man schon zu anderen Hilfsmitteln greifen.

Immerhin haben die Verantwortlichen dafür gesorgt, dass es keine Überraschungen gibt. Es waren einach fast alle Künstler da, die auch neulich schon im Schlagerbooom über die Bühne fegten. Von der Kelly Family, über Roland Kaiser und Maite Kelly (wie üblich ohne gemeinsamem Family-Auftritt), natürlich KluBBB3 – und so weiter. Im Grunde könnte Das Erste auch einfach die Schlagershows von 2017 zu einem neuen Mix zusammenschneiden – würde kaum auffallen.

Nur Albano und Romina Power – die kommen nicht wieder. Die hatten nämlich ihren allerletzten gemeinsamen Live-Auftritt im deutschen und österreichischen Fernsehen, wie Florian Silbereisen gleich mehrfach verkündete – worauf Albano meinte, das sei ja noch gar nicht der Letzte. Es gebe ja noch die Tour durch Deutschland. Doch dieses Superlativ wollte sich Florian nicht nehmen lassen und betonte dann noch mal, dass das ja dann doch der letzte, wirklich letzte LIVE-Auftritt im deutschen und österreichischen Fernsehen wäre. Albano wolle nämlich auf seine Gesundheit achten und will zum Jahresende aufhören. Romina hat dagegen noch Bock und will weiter machen. Vielleicht mit Florian Silbereisen? Als Duo Silberpower? War natürlich (hoffentlich) nur ein schlechter Gag, und so absolvierten Albano und Romina Power dann wirklich ihren letzten, also wirklich allerletzten Auftritt im deutschen und österreichischen Fernsehen. Inklusive Zugabe (in der ARD heißt das: einfach die letzte CD-Takte noch mal abspielen), aber exklusive winken und abgehen. Die waren dann einfach weg aus dem deutschen und österreichischen Fernsehen.

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Reporter Slam 2018: Der Slam der Slampions – Das Jahresfinale

Montag, den 15. Januar 2018
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SA 13.01.2018 | 20.05 Uhr | Alex

Was ein Poetry Slam ist, haben wir inzwischen einigermaßen begriffen. Nun gibt es aber auch einen Reporter Slam. Der Berliner Lokalsender Alex übertrug am Sonnabendabend das Jahresfinale, den “Slam der Slampions”. Und manchmal muss man sich schon wundern, woraus man einen Wettbewerb machen.

Im Heimathafen in Berlin-Neukölln kamen nacheinander sechs Reporter auf die Bühne. Der Reporter Slam besteht darin, dass sie dem Publikum eine Recherche darlegten. Eine Kandidatin berichtete davon, wie sie Symbolfotos zu bestimmten Themen zusammensammelte. Das war mehr Comedy als Recherche.
Ein anderer erzählte von seiner Reise nach Osteuropa und den Problemen, die sich dort ergaben. Das kann man machen, aber eigentlich gehört so ein Vortrag in die Kategorie: Isser bald fertig? Auf einer Party würde ich ihn nur müde ansehen und denken, ob man nicht mal schnell das Thema wechseln könnte. Nicht so die Zuschauer im Heimathafen, die haben sich ausgeschüttet vor Lachen.
Wieder ein anderer recherchierte bei Tinder. In seinem Vortrag machte er sich dann über Tinder-Nutzer und ihre Fotos lustig. Das war leider extrem billig, aber auch das fand die Allgemeinheit lustig. Dabei sind die Erkenntnisse bekannt oder blödsinnig: Dass Tiere auf Fotos immer gehen, ist ja nun nichts Neues. Deshalb war dieser Vortrag eher befremdlich – weil es so altbacken wirkte.

Die Übertragung vom “Reporter Slam” hatte aber noch ein anderes Problem: Alex hatte leider nur eine ganz miese Leitung erwischt, vielleicht verließ man sich auf das W-Lan. Böser Fehler. Das Bild ruckelte, blieb stehen, irgendwann ging gar nichts mehr: Minutenlang stand das Bild still, irgendwann lief ein Ersatzfilm. In einer Einblendung bat man um Entschuldigung, aber an der Leitung werde sich nichts bessern. Am kommenden Sonnabend gibt’s die Wiederholung in guter Qualität. Immerhin lief es in der zweiten Hälfte besser – was den Reporter Slam aber nicht weniger wunderlicher machte.

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Malvina, Diaa und die Liebe

Sonntag, den 14. Januar 2018
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SA 13.01.2018 | 16.55 Uhr | hr fernsehen

Malvina und Diaa brauchen Polizeischutz. Sie beiden sind nicht gefährlich. Die Gefahr kommt von einer anderen Seite.
Malvina ist Christin und Deutsche. Diaa ist aus Syrien, Moslem, lebt nun in Deutschland. Die beiden sind seit mehr als einem Jahr ein Paar.
Der KiKA, der Kinderkanal von ARD und ZDF, zeigte im November die Doku “Malvina, Diaa und die Liebe”. Er handelte davon, dass sich zwei Menschen aus verschiedenen Konfessionen lieben. Was gut läuft, was problematisch ist. Unkommentiert.
Im KiKA lief die Doku innerhalb eines Schwerpunktes über Kinderrechte.

Sie erzählen über ihre Kulturen – und über die Augenblicke, wo diese Kulturen aufeinanderstoßen. Er will, dass sie keine kurzen Kleider trägt. Er mag es nicht, wenn sie mit anderen Männern spricht. Sie widerum sagt, sie sei eine Emanze, und sie lasse sich nicht verbieten, auch mit anderen Freunden zusammen zu sein – platonisch eben. Sie wolle sich das nicht nehmen lassen, die Sache mit dem kurzen Kleid, die kann sie dagegen akzeptieren.

Sechs Wochen nach Ausstrahlung im KiKA gibt es einen riesigen Wirbel um den Film – angefeuert durch die AfD und durch die “Bild”. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Dirk Spaniel macht aus der Doku einen Skandal. Für ihn sei sie eine „rührselige Seifenoper“. Der Kinderkanal betreibe „Propaganda“ für Beziehungen mit moslemischen Flüchtlingen. Die “Bild” zieht nach, ist ebenfalls empört – auch weil auf der KiKA-Seite im Internet Diaa erst 17, dann 19 war. Was allerdings ein Fehler der Internetredaktion war – Diaa war immer 19. Das empört noch mehr, weil AfD und “Bild” nun erst recht eine Verschwörung und Propaganda sehen. Was AfD und “Bild” in Zweisamkeit erreichen ist: Hass. Blanker Hass, der im Netz ausgekübelt wird von tausenden wütenden Menschen. Eine unwürdige Diskussion entsteht. Malvina und Diaa brauchen schließlich Polizeischutz.

Im Rahmen einer Diskussionssendung zeigte das hr fernsehen – der hr produzierte den Film für den KiKA – am Sonnabendnachmittag die Doku nochmals.
Wer diesen Film sieht – und das einigermaßen ohne Vorurteile -, wird bemerken, dass er keinesfalls Propaganda betreibt. Denn allein durch das, was Malvina den Aussagen von Diaa entgegnet, merkt man sehr wohl, dass da Welten aufeinanderprallen, die nicht immer schwer vereinbar sind. Es kommen Freunde, andere Menschen zu Wort, die ihre Sorgen äußern.
Kritisiert wird, dass der Film ohne einordnenden Kommentar auskommt. Der ist jedoch nicht nötig. Denn erstens kommen die Kommentare sehr wohl – aber eben von den Freunden und Eltern, die durchaus deutlich äußern, was sie eventuell befürchten und was eventuell gar nicht ginge. Außerdem sollte man doch bitte die zuschauenden Kinder (und Jugendlichen) nicht unterschätzen. Denn die können durchaus mitdenken und einschätzen, wie Aussagen eventuell einzuordnen sind. Ein Off-Kommentar, der hier und da sagen würde, das sei ja total bedenklich, was da gerade gesagt wurde, war schlicht überflüssig.

Die Diskussion um “Malvina, Diaa und die Liebe” ist unwürdig und niveaulos. Wie übrigens auch der Stunk um eine “Lindenstraße”-Folge von 2006, die neulich bei one wiederholt worden ist. Dort erklärte Serienfigur Lisa ihrem Sohn Paul, wie toll doch der Islam sei.
Das tat sie damals tatsächlich, aber auch das war keine ARD-Propaganda, die auch in dem Fall von AfD und Co. herbeigeschrien wird. Der Ausschnitt kursierte im Netz, ist so für sich stehend durchaus irritierend. Aber im Gesamtkontext sieht das schon ganz anders aus. Denn die Serienfigur Lisa war schon immer eine, die sich völlig übertrieben in neue Merkwürdigkeiten stürzte. In diesem Fall wollte sie unbedingt Moslimin werden. Als Kind wurde sie von der Mutter verprügelt und verstoßen, sie lebte im Heim, schien immer allein zu sein. Dann lernte sie Murat kennen und wollte unbedingt seine Religion übernehmen, sie wollte ein Teil seiner Familie werden – inklusive Islam. Paul findet das beängstigend, und selbst Lisas Freund/Mann Murat wollte ihr das ausreden. Es gab also sehr wohl eine Kontroverse um das, was Lisa da tat.
Aber das ist rechten Hetzern egal. Sie sehen einen Ausschnitt und schmeißen die Empörungsmaschine an. Und leider funktioniert die Masche, weil leider die wenigsten sich das ganze Bild machen und sich stattdessen beeinflussen lassen.