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Der alltägliche Medienwahnsinn

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Tagesschau

Dienstag, den 22. Oktober 2019
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FR 18.10.2019 | 20.00 Uhr | hr-iNFO

Linda Zervakis ist leider keine gute Nachrichtensprecherin. Im Fernsehen fällt das gar nicht so auf. Im Radio aber, da ist das ganz anders.
Dass es die “Tagesschau” um 20 Uhr auch im Radio gibt, ist nichts Neues. Auf der Autobahn dachte ich am Freitag dran, und in Hessen läuft die “Tagesschau” auf hr-iNFO.

Es ist interessant, eine Fernsehsendung im Radio zu hören. Denn man hat viel mehr Bilder im Kopf. Weil man die Sprecherin – am Freitag war das Linda Zervakis – vor Augen hat, und die Beiträge auch noch mehr von Geräuschen der Fernsehbilder leben als Radiobeiträge.
Aber noch etwas fällt auf: Man merkt recht deutlich, wenn eine Sendung im Radio gar nicht fürs Radio produziert wird. Denn die Sprecher im Radio reden direkt ins Mikro, im Gegensatz zum Fernsehen. Die Stimme einer Fernsehsprecherin klingt viel weiter weg als die Stimme eines richtigen Radiosprechers.

Und im Radio merkt man dann auch, wie schlecht Linda Zervakis ihre Meldungen vorliest. Sie betont extrem schlecht, leiert ihre Texte runter, sie arbeitet kaum mit ihrer Stimme. Es ist schwierig, ihr im Radio zu folgen.
Im Fernsehen fällt das nicht so auf, weil da auch die Optik zählt: Im Hintergrund sind ein Bild und ein kleiner Text – das Radio bietet ausschließlich die Stimme.

Als nach der “Tagesschau” auf hr-iNFO wieder eine richtige Radiosendung begann, merkte man so richtig den Unterschied. Plötzlich war der Sprecher wieder dicht am Mikro, er betonte ganz anders. Vielleicht sollte sich Linda Zervakis ihre Sendung auch mal nur anhören, das könnte lehrreich sein.

Hits: 62

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Inside Borussia Dortmund

Donnerstag, den 17. Oktober 2019
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MI 16.10.2019 | Amazon Prime

Mehr als fünf Stunden Heldenverehrung: In vier Folgen blickt Aljoscha Pause für seine Doku “Inside Borussia Dortmund” hinter die Kulissen des Fußball-Bundesligisten.
Seit August ist die Dokureihe bei Amazon Prime verfügbar.
Die Doku zeigt vor allem eins: Wie ein Soundtrack einen Film ruinieren kann. Denn das fällt bei “Inside Borussia Dortmund” eklatant auf: der aufdringliche, nicht enden wollende Musikteppich, der die ganze Zeit umherwabert und leider nichts beizutragen hat – außer zu nerven.
Vermutlich soll die Musik ausdrücken: Das sind Helden, seht her! So klingt sie. Opulent und schwer.

Vielleicht ist diese Doku gar nicht so gemeint. Denn eigentlich geht es darum, den Fußballverein, seine Spieler und Entscheider eine halbe Saison lang zu begleiten. Es geht um den Anschlag auf den Bus, um Siege und Niederlagen. Da wird auch mal Kritik laut, aber dennoch wirkt der Film wie eine einzige Lobhudelei – was vielleicht auch daran liegt, dass ihm ein wirklicher Spannungsbogen fehlt. Eine WM mit einem Showdown ist eben doch spannender als eine normale Bundesliga-Saison.
Am interessantesten ist noch der vierte und letzte Teil der Doku, als es um vergeigte Spiele geht und endlich auch mal Eigenkritik laut wird.

So ist “Inside Borussia Dortmund” vermutlich nur für eingefleischte Dortmund-Fans wirklich spannend und interessant. Für alle anderen ist die Doku ein guter, aber nicht übermäßig fesselnder Einblick in den Bundesliga-Zirkus. Nur leider kann man eben nicht die Musik ausblenden.

-> Die Doku auf Amazon Prime

Hits: 101

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Dinner Date

Dienstag, den 15. Oktober 2019
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MO 14.10.2019 | 18.35 Uhr | zdf neo

Bei zdf neo könnten sie es sich eigentlich bequem einrichten: Mit den Wiederholungen von “Bares für Rares” am Vorabend holt der Sender immer sehr hohe Quoten. Ab und zu versuchen sie es dennoch mit einer richtigen Eigenproduktion, die das Etikett “neo” wirklich verdient.
Ab Montag startete das erste “Dinner Date”, und diese Datingsendung macht sogar wirklich Spaß.

Man könnte zwar meinen, dass sich das “Dinner Date” sehr mit der fast gleichzeitig laufenden Sendung “First Dates” bei VOX ähnelt, aber das ist letztlich nicht so.
Katharina bekommt fünf Menü-Vorschläge von fünf Männern. Drei darf sie sich aussuchen, um dann die Männer zu besuchen.

Ihr erstes Dates ist ein Kopf größer als sie – und er hat eine Glatze. Etwas, das Katharina eigentlich schon mal ausgeschlossen hatte, aber sie konnte ja nur anhand der Menüs entscheiden. Der zweite war ein Musiker mit einem sehr offenen Hemd. Der dritte glänzte durch den streichelbedürftigen Kater Felix – und durch seinen Humor. Letzterer gewann das Ganze auch, er durfte mit Katharina zu einem zweiten Date

Das “Dinner Date” ist kein tiefschürfendes Format, sondern harmlos-gute Unterhaltung. Wir sehen, wie die Männer sich auf das Date vorbereiten (vermutlich wird das Spiel auch mal andersrum gespielt), ob sie nervös sind oder ob die Witzchen machen. Hinzu kommt eine launige Kommentierung der Szenen.
Am Ende erfahren wir sehr lapidar, dass es ein weiteres Treffen der beiden dann (noch?) nicht gegeben habe. Das ist zwar schade, für die Sendung selbst aber eigentlich zweitrangig.
Das “Dinner Date” muss man nicht sehen, aber man kann es sehr gut.

-> Die Sendung in der ZDF-Mediathek (bis 12. Januar 2020 in D, AUT, CH)

Hits: 132

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Die Liveshow bei dir Zuhause

Sonntag, den 13. Oktober 2019
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SA 12.10.2019 | 20.15 Uhr | ProSieben

Diese Show war ein riesiger Fake! Den ganzen Abend habe ich aus dem Fenster geschaut. Ich habe gewartet, aber es ist keiner gekommen. Dabei war das Versprechen groß: “Die Liveshow bei dir Zuhause” heiß die (nicht ganz so) neue Show am Sonnabend auf ProSieben.
Aber bei mir zu Hause war nichts los. Nur der Fernseher mit der “Liveshow bei dir Zuhause”, die bei anderen Leuten zu Hause stattfand. In Bochum nämlich.
So eine Lüge! Ich bin echt sauer!

2016 gab es auf ProSieben das “Auswärtsspiel”. Eine Live-Show, die nicht in einem Studio stattfand, sondern bei Leuten in der Wohnung und im Garten. Das war mal mehr, mal weniger spannend, aber offenbar nicht so erfolgreich, als dass es zügig fortgesetzt worden ist. Drei Jahre danach kehrt die Show mit neuem Namen und leicht verändertem Konzept zurück.
Diesmal saßen zwei Familien in ihrem jeweiligen Wohnzimmer, um gegeneinander zu spielen. Es ging um Murmeln, um Radfahren in einer Rotationsmaschine um Schuhe auf einer Wäscheleine.

Besonders aufregend war es, als wir zusahen, wie Butter in der Pfanne schmolz. Welcher Stab in der zerlaufenden Butter fiel zuerst um? Oder welcher Wasserkocher erreichte zuerst die 100-Grad-Marke!
Das ist so spannend wie die Panoramabilder aus den Alpen morgens auf 3sat.

Aber ernsthaft: “Die Liveshow bei den anderen Zuhause” ist eine nette Idee. Andererseits aber auf eine Weise unspektakulär, dass man sich fragt, wieso es mich eigentlich interessieren könnte, dass irgendwelche Leute in ihrer Wohnung ein Spiel gewinnen könnten. Die Spiele waren alle so, dass man sie auch im Studio hätte spielen können, es fehlte irgendwie das Besondere, wirklich Aufregende – ohne zu wissen, was denn das sein könnte.
So ist diese Show ein ganz gut nebenbei zu schauendes Fernsehprogramm. Aber eben keines, das wirklich fesselt.

Hits: 151

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RTL Fußball: Deutschland – Argentinien

Samstag, den 12. Oktober 2019
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MI 09.10.2019 | 20.25 Uhr | RTL

“Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche…”
“Halt die Fresse!”

Vor dem Fußball-Freundschaftsspiel von Deutschland und Argentinien sollte es am Mittwochabend eine Schweigeminute geben. In Dortmund sollte an die Ereignisse von Halle gedacht werden – und vor allem an die Opfer des rechtsextremen Amokschützen, der einen Angriff auf das jüdische Leben in Deutschland starten wollte.

RTL übertrug das Spiel und somit auch die Schweigeminute. Es ist nicht einfach, in einem großen Stadion für echte Ruhe zu sorgen.
Ein Typ fand es ganz offenbar schrecklich lustig und geistreich, die Nationalhymne zu singen. Ob er rechtsextrem, abgrundtief dämlich oder beides ist, kann man nur vermuten. Jemand anderes brüllt ihn jedenfalls nieder.
Dass eine Schweigeminute mit Jubel und Gelächter endete – auch Nationalspieler Serge Gnabry musste lachen – ist, nun ja, ungewöhnlich, aber in dieser Situation sicherlich nicht zu ändern gewesen.
Dass es jemanden gab, der Zivilcourage hatte und einfach mal dazwischenzubrüllen, ist gut. Man hätte vielleicht danach kurz mal überlegen sollen, einfach die Schweigeminute zu verlängern, gern auch nach einer weiteren kurzen Ansage. So von wegen: Nationalhymne singen wir später. Wenn es passt.

-> Die Szene auf Youtube

Hits: 106

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Breaking News: Tote bei Schießerei in Halle

Freitag, den 11. Oktober 2019
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MI 09.10.2019 | 13.30 Uhr | ntv

Nein, nein, wir wollen jetzt nicht spekulieren. Aber wir sind ja nun mal auf Sendung, und da haben wir nun mal viel Zeit, weil wir jetzt auch nichts anderes mehr senden. Also sagen Sie doch mal was. Irgendwas. Was Sie so denken. Aber wie gesagt: Wir wollen wirklich nicht spekulieren.

Mittwochmittag. In Halle an der Saale sind Schüsse gefallen, und es hat Tote gegeben. Genaueres weiß man noch nicht.
Überraschenderweise wussten sie zu diesem Zeitpunkt auf dem Nachrichtensender ntv noch nicht mehr. Also mussten sie das Nichts eben mit, nun ja, Nichts füllen. Und mit Spekulationen, die aber auf gar keinen Fall Spekulationen genannt werden durften.
Im Grunde wissen man nicht viel, sagte der Experte im Studio, während auf dem Bildschirm ein Live-Bild aus Halle zu sehen war, auf dem eigentlich nichts zu sehen war. Außer einem roten gekennzeichneten Radweg, auf dem kein Radler fuhr. Ein Straßenbahngleis, auf dem keine Straßenbahn und einem Polizeiauto. Das immerhin war wirklich da.

Rainer Wendt wurde natürlich auch flugs zur “Breaking News”-Show von ntv zugeschaltet. Er ist Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft und darf dazu etwas sagen, weil… also, weil… Keine Ahnung, warum. Weil er zu allem seinen Senf dazu gibt, wenn man ihn nur fragt, weil ja ansonsten auch noch keiner was weiß. Und so plaudert er im Live-Interview auch darüber, was denn sein könnte, um gleich danach zu sagen, dass das ja noch Spekulation sei, aber es schaue eben doch danach aus.

Unterdessen faselt ein Reporter davon, dass man immer noch auf dünnem Eis sei, man habe nur Bruchstücke, die man da versuche, zusammenzufügen. Was natürlich auch nichts mit Spekulationen zu tun habe, die man ja auf gar keinen Fall über den Sender schicken wolle. Immerhin: Man sei vorsichtig, weil man ja in anderen Fällen auch zurückrudern musste.

Zwischendurch zeigt man noch ein Video, das einen Mann zeigt, der von einem Auto aus irgendwohin schießt. Man zeigt es, aber man könne noch nicht ganz genau sagen, ob es den Täter zeige. Aber man zeigt es halt trotzdem, und auch das hat ja mit Spekulation rein gar nichts zu tun.
Der Moderator fragt dann einen Reporter in Halle, ob er irgendwelche “gesichterten Informationen, Gerüchte, was auch immer” habe. Oder anders gesagt: Sagen Sie doch was, um Gottes Willen, damit endlich wieder Sendezeit gefüllt wird. Und vergessen Sie die Gerüchte nicht! Aber bitte: Bitte nicht Spekulieren! Aber jetzt mal wirklich: Gibt es heiße Gerüchte?

Die Reporterin, die einen Augenzeugen fragt, ob der Täter denn ein Deutscher war, gehört natürlich auch zum Repertoire des ntv-Gruselnachmittags. Der Augenzeuge wollen keinesfalls was Falsches sagen, er wusste offenbar genau, dass es heikel sein könnte, was er da der ntv-Frau sagen sollte. Aber sie hakt noch mal nach, schließlich muss ja auch das unbedingt und sofort geklärt werden, damit der Social-Media-Shitstorm in neue Bahnen gelenkt werden kann. Und, ach ja, Spekulationen… ach, ist doch eh längst wurscht.

-> Zusammenschnitt von Übermedien auf Youtube

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jerks.

Donnerstag, den 10. Oktober 2019
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DI 08.10.2019 | 23.30 Uhr | ProSieben

Als 2017 die allererste Folge von “jerks.” lief, war ich eher mittelmäßig begeistert. Aber ich blieb dran, was auch an den tollen Hauptdarstellern Christian Ulmen und Fahri Yardim liegt.
Am Dienstagabend lief die 3. Staffel auf ProSieben, die allerdings schon einige Monate komplett auf der Streaming-Plattform Joyn zu sehen ist. Dass die Quoten durch die Decke gehen, davon ist nicht auszugehen. Die Wiederholungen von Staffel 1 und 2 hatte ProSieben schon abgesetzt, der Start von Staffel 3 erfolgte 40 Minuten später als geplant.

Und doch lohnt sich “jerks.”. Auch wenn die Serie weh tut. In jeder Folge. In “jerks.” geht es um den, nun ja, Alltag von Christian, Yardim und ihren Familien. Und die beiden Männer schaffen es immer wieder, sich in die absolute Scheiße zu reiten. Das kann man so deutlich sagen, denn in fast jeder Folge gibt es den Auweia-Moment. Der ist nicht schreiend komisch, aber die Komik ergibt sich aus dem einerseits Unerwarteten, andererseits aus dem “Das hat er jetzt nicht wirklich getan?!”.
Oder es sind Situation, in den man denkt: Oh. Einfach nur: oh. So will sich Christian von seiner Freundin trennen. Aber geht das, wenn er gerade heimlich in einem Brief von ihrer Brustkrebs-Disgnose erfahren hat? Oder wenn sich Fahri und Christian beim Retter ihrer Kinder mit Alkohol bedanken und später feststellen: Das war keine gute Idee.

“jerks.” stellt alle vor Herausforderungen. Die Menschen in der Serie ebenso wie die Zuschauer, die mit Fremdscham klarkommen müssen – und vielleicht auch mit der Frage: Wie würde ich jetzt reagieren?

Hits: 130