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Der alltägliche Medienwahnsinn

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Tatort: In der Familie

Dienstag, den 1. Dezember 2020
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SO 29.11.2020 | 20.15 Uhr | Das Erste

Jubiläum! Und dann auch noch zwei Kommissarteams in einer Folge!
So eine Aufregung um den “Tatort” am Sonntagabend.
Nun hätte ja nur noch gut sein müssen.

50 Jahre “Tatort”! Am 29. November 1970 lief die Krimireihe zum ersten Mal in der ARD. Genau 50 Jahre später gibt es die Reihe immer noch, und am Sonntag gab es mit “In der Familie” den 1146. Fall.

Beim Dortmund-Münchner Crossover-Krimi ging um eine Pizzeria, die ein Drogenumschlagplatz sein soll. Dort soll sich auch jemand aufhalten, in den München einen Dealer erstochen hat – der Grund, warum Batic und Leitmayr aus München die Dortmunder Kollegen Dalay und Faber unterstützen kommen.

Woche für Woche schauen um die 8 Millionen Menschen und mehr zu – am Sonntag waren es um 10 Millionen, wenn die Münsteraner ermitteln, versammeln sich schon mal mehr als 13 Millionen Leute vor den Fernsehern.
Das bedeutet auch, dass sich die ARD auf diesem Sendeplatz mal was trauen können. Da gibt es die herkömmlichen Krimis, die Thriller, die Krimikomödien, mal was zum Gruseln, mal was Improvisiertes – das Spektrum ist breit, und manchmal geht das auch in die Hose. Was letztlich nicht schlimm ist, nächste Woche wird es wieder besser.

Dass die ARD den 50. Geburtstag der Krimireihe nicht größer feiert, ist schade. Nicht mal ein Ranking mit den beliebtesten Kommissaren, keine Jubiläumsshow, kein Special.
Stattdessen der dann doch leider ziemlich langatmige Krimi am Sonntag. Das hätte mehr drin sein können.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 28. Mai 2021)

Hits: 29

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Junior Eurovision Song Contest 2020

Montag, den 30. November 2020
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SO 29.11.2020 | 17.00 Uhr | KiKA

Letzter. Damit kennt sich Deutschland sehr gut aus. Und nun ist es auch beim Junior Eurovision Song Contest passiert.
Dabei ist es sehr lobenswert, dass Deutschland erstmals an der Kinderversion des ESC teilgenommen hat. Seit 2003 gibt es den Wettbewerb, und bis dieses Jahr war Deutschland bislang nie dabei. Weil man sich ein Debakel ersparen wollte? Der KiKA übertrug am Sonntagnachmittag live.

Vermutlich wegen der Coronakrise waren nur zwölf Länder dabei, 2018 waren es noch 20. Die Show kam, weil Polen 2019 das zweite Mal hintereinander gewonnen hat, live aus Warschau. Die Auftritte jedoch waren meist in den jeweiligen Heimatländern aufgezeichnet und wurden zugespielt – wegen der Pandemie war es nicht möglich, die komplette Show in Warschau durchzuziehen. Damit hat aber immerhin der Junior Eurovision Song Contest das geschafft, was im Mai offenbar bei der Hauptshow nicht möglich war.

Gewonnen hat Frankreich, und das absolut verdient. Valentina sang mit “J’imagine” eine echte kindergerechte Party. Ein Gute-Laune-Song in quietschbunt-fröhlicher Kulisse. Valentina sang auch gut und wirkte dabei nicht wie ein Mädchen, das Erwachsene nachäffen will.

Vergleicht man den französischen Beitrag mit dem aus Deutschland, dann weiß man auch, warum Frankreich gewonnen hat und Deutschland Letzter wurde.
Susan sang “Stronger with you”, ein Song der zwar ganz okay war, aber leider nicht gut umgesetzt worden ist. Die Bühnenshow wirkte extrem von gestern. Als ob die Verantwortlichen nicht gewusst haben, was beim Junior Eurovision Song Contest auf sie zukommt. Oder man hat sich auf alte 90er-Jahre-VHS-Kassetten verlassen und damalige Shows als Vorbilder gehabt. Ein lahmes Bühnenbild, eine langweilige Show, und leider hatte Susan auch nicht ihren besten Tag, denn den Gesang hat sie bestimmt besser drauf als bei diesem Auftritt.
Im Vergleich zu den meisten anderen Auftritten konnte sie da schlicht nicht mithalten.
Erstaunlicherweise setzte der deutsche Auftritt beim JESC da an, wo Deutschland seit 2019 eigentlich nicht mehr hinwollte, es braucht da offenbar dringend frischen Wind.

Grundsätzlich aber ist es schön, dass es diese Show gibt. Dennoch muss es für alle schwierig gewesen sein, dann beim KiKA gute Laube zu verbreiten, obwohl die Enttäuschung bei Susan riesig gewesen sein muss. Aber leider gehört auch so eine Erfahrung zum Leben dazu.

-> Die Sendung in der KiKA-Mediathek

Hits: 66

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Noelle

Sonntag, den 29. November 2020
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SA 29.11.2020 | 22.00 Uhr | Disney Channel

Noelle (Anna Kendrick) ist die Schwester des aktuellen hauptamtlichen Weihnachtsmannes – nur leider schwächelt ihr Bruder.
Am Sonnabendabend zeigte der Disney Channel den Film “Noelle” von 2019. Das heißt, eigentlich zeigte der Disney Channel nur die ersten fünf Minuten des Films. Dann war Schluss, und den Rest sollen die Zuschauer des kostenfreien Senders doch bitte beim zahlungspflichtigen, hauseigenen Streamingdienst Disney+ sehen.

Das scheint eine neue Strategie zu sein, den Free-TV-Sender für Reklame für das eigene Zusatzangebot zu nutzen. In den ersten fünf Minuten des Filmes ist zwar nichts Nennenswertes passiert, und ob daraufhin tausende Leute Disney+ abonnieren würde ich mal bezweifeln, aber es scheint ja eine Masche zu sein, die für Disney funktioniert.
Aber müsste sowas nicht als Werbung gekennzeichnet sein?

Hits: 72

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Aladdin

Sonntag, den 29. November 2020
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SA 28.11.2020 | 20.15 Uhr | Disney Channel

Wer an den Disney-Streifen “Aladdin” von 1992 denkt, dem ist sicherlich vor allem Dschinni im Gedächtnis geblieben. Denn oft sind es in den Zeichentrickfilmen die lustigen Nebenfiguren, die die ganz große Bühne bekommen haben.

Aladdin soll für den Großwesir eine Wunderlampe stehlen, damit der die Macht an sich reißen kann. Doch für Aladdin kommt alles anders. Er lernt eine Prinzessin kennen, einen sehr intelligenten fliegenden Teppich und den Flaschengeist Dschinni.

Im Original wird der blaue Dschninni von Robin Williams gesprochen, und die deutsche Synchronisation übernahm seine damaligen “Stammstimme” Peer Augustinski. Und das absolut genial.
Nicht nur weil Dschinni die besten Slapstickeinlagen mit Verwandlungen und Grimassen bekommen hat, sondern auch weil Augustinski sie im Deutschen so wunderbar umgesetzt hat. Immerhin war Peer Augustinski ein oft unterschätzter Entertainer. Das sorgte auch dafür, dass damals auch viele Erwachsene Spaß an “Aladdin” hatten, denn die vielen Anspielungen von Dschinni haben Kinder oft gar nicht verstanden.

Am Sonnabendabend lief der Klassiker noch mal auf dem Disney Channel, und der Film machte nicht den Eindruck, als sei er schon fast 30 Jahre alt.

Hits: 65

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Über Weihnachten

Samstag, den 28. November 2020
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FR 27.11.2020 | Netflix

Weihnachten ist die schönste Zeit des Jahres, heißt es immer. Vor allem aber ist Weihnachten das Fest der Traditionen. Das werden wir in diesem Jahr besonders merken, wenn so manche Weihnachtstradition aus Gründen nicht möglich sein wird.
Um Traditionen, um das Familienleben, um Sentimentalitäten geht es in einer neuen Miniserie, die am Freitag bei Netflix veröffentlicht worden ist: Luke Mockridge fährt “Über Weihnachten” nach Hause.

Basti ist Musiker, aber leider sehr erfolglos. Zu Hause zugeben kann er das aber nicht. Dass es finanziell ans Eingemachte geht, verschweigt er.
Es ist Weihnachten, und ein bisschen fürchtet er sich davor, nach Hause zu fahren. Andererseits: Es ist ja eigentlich immer ganz schön. Nur dass er diesmal ohne seine Freundin Fine dort wird, sie haben sich getrennt. Dass ihn sein Bruder Niklas sprechen will, ignoriert er.
So bekommt er auch erst Hause mit, dass sein Bruder mit seiner Ex zusammen ist. Und dass zu Hause zwischen den Eltern irgendwie dicke Luft herrscht. Das Weihnachtsfest ist nicht so wie immer, und Basti ist schwer genervt – von allem und von allen.

“Über Weihnachten” als Serie zu bezeichnen, ist angesichts von nur drei Folgen ein bisschen übertrieben. Die meisten Leute werden sie sich sicherlich eher als etwas überlangen Film anschauen. Wobei “überlang” hier kein Nachteil ist, denn dieser Dreiteiler macht Spaß.
Zwar nervt Basti zwischendurch ein wenig, weil er sich wirklich kindisch anstellt und an vielen Dingen ja selbst schuld ist, das ändert sich später aber. Viel mehr baut “Über Weihnachten” auf unser aller Sentimentalität. Auf das Wir-Gefühl und auf das Heimat- und Zuhause-Gefühl zu Weihnachten.
Manche Dialoge wirken ein wenig gestelzt, aber alles in allem ist die Geschichte lustig, traurig und rührend. Ein Drama mit vielen heiteren Momenten.
In einer sehr schönen Nebenrolle ist Carmen-Maja Antoni zu sehen, sie spielt die Großmutter mit dem Herz auf der Schnauze, die alles nicht zu interessieren scheint, aber in Wirklichkeit sehr genau hinschaut.
Sehr schöne weihnachtliche Familienunterhaltung!

-> Trailer auf Youtube
-> Die Serie auf Netflix

Hits: 107

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Einer wie Erika

Freitag, den 27. November 2020
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MI 25.11.2020 | 20.45 Uhr | Das Erste

Die Skiläuferin Erika Schinegger aus Österreich wird 1966 Weltmeisterin in der Abfahrt. Und eigentlich war klar, dass sie 1968 an den Olympischen Spielen teilnehmen wird. Sie war ein gefeierter Star, dass sie eine Medaille holt, schien völlig klar.
Der Schock kommt kurz vor Olympia. Bei einem Routinetest wird festgestellt: Erika ist ein Mann. Ihr Körper ist männlich. Für den Skiverband ist das ein Skandal, und es wird von Erika verlangt, dass sie sich operieren lässt, um eine “richtige” Frau zu werden.
Erika kann es nicht fassen, aber sie – er nimmt sein Schicksal in die Hand.

Das Drama “Einer wie Erika” am Mittwochabend im Ersten erzählte eine wahre Geschichte. Erika Schinegger heißt heute Erik. Damals wurde festgestellt, dass bei ihm die männlichen Geschlechtsorgane zwar da waren, aber nach innen wuchsen. Der Skiverband verlangte tatsächlich eine OP zur Frau, aber Erik wollte es anders.
Markus Freistätter spielt Erik(a), und es ist berührend mitanzusehen, wie er nach und nach feststellt, was mit ihm los ist. Zu sehen ist aber auch, wie haarsträubend der Umgang der Funktionäre mit dem Fall war. Leugnen, unterdrücken, erpressen – widerliche alte Männer wollten nicht einsehen, was nicht zu ändern ist und stattdessen das Leben eines Menschen ruinieren.

Erik Schinegger heiratete später übrigens, bekam eine Tochter und betreibt eine Skischule.

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 2. Dezember 2020)

Hits: 110

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The Masked Singer

Donnerstag, den 26. November 2020
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DI 24.11.2020 | 20.15 Uhr | ProSieben

Sarah Lombardi gewinnt Staffel 3 von “The Masked Singer” auf ProSieben. Sie steckte hinter der Skelett-Maske und war die Letzte, die sich am Dienstagabend entblättern durfte.
Das heißt, eigentlich war genaugenommen schon Mittwochmorgen.
Wieso, um Himmels Willen, musste das Finale der Show dermaßen aufgebläht werden, dass es inklusive Werbung gut 260 Minuten – abzüglich Werbung etwa 187 Minuten – lang dauern musste? Erst nach 0.30 Uhr war Schluss, und das mitten in der Woche.

Ansonsten aber hatte die 3. Staffel viele schöne Momente. Sonja Zietlow, die Ruth Moschner in der Jury diesmal ersetzte, und Bülent Ceylan machten sehr viel Spaß. Dass eine Künstlerin wie Vicky Leandros als Katze dabei war, spricht dafür, dass “The Masked Singer” ein hohes Ansehen in der Branche hat und die Leute daran große Freude haben. Auch Jochen Schropp war dabei, Veronica Ferres, Wigald Boning, Nelson Müller und Daniela Katzenberger & Lucas Cordalis.
Dass Boning und Leandros letztlich schnell zu erkennen waren, war nicht schlimm. Denn selbst wenn die Promis an der Stimme zu erkennen waren, machte es dennoch Spaß, zu sehen, was sie in ihren Kostümen so trieben.

Dennoch könnte die Show ein bisschen mehr Tempo bekommen, damit die Sause spätestens um 23 Uhr zu Ende ist. Was ProSieben nicht tun wird – Stichwort: Marktanteile. Staffel 4 endet dann vor dem Frühstücksfernsehen.

-> Die Sendung auf Joyn

Hits: 100