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Der alltägliche Medienwahnsinn

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Wahl 2017 – Die Schlussrunde

Samstag, den 23. September 2017
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DO 21.09.2017 | 22.00 Uhr | ZDF

Mehrfach hat sich der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz vor eine Kamera gestellt, um darauf hinzuweisen, dass er gern ein zweites TV-Duell mit Angela Merkel gehabt hätte. Zuletzt am Montagabend in der “Wahlarena” im Ersten. Nicht, dass es was gebracht hätte – aber in Wirklichkeit ist Schulz dann doch ein ziemlicher Heuchler.

Am Donnerstagabend gab es die “Schlussrunde” bei ARD und ZDF. Es ist die Sendung, die es bereits seit Jahrzehnten immer kurz vor der Bundestagswahl gibt – früher besser bekannt als die Elefantenrunde. Ältere Semester erinnern sich an harte Wortgefechte zwischen Helmut Kohl und Willy Brandt in den 80ern. Damals trafen dort nämlich auch die beiden Kanzlerkandidaten aufeinander, ein TV-Duell gab es noch nicht.

Und heute? Heute labert Martin Schulz davon, dass er gerne noch mal vor Kamera mit Angela Merkel sprechen will. Angela sagt Nein. Und auch zur Schlussrunde will sie nicht. Und was macht Martin Schulz? Hat plötzlich auch keinen Bock mehr. Beide schickten am Donnerstag Vertreter in die Sendung. Im Gegensatz zu Linke, Grüne, FDP und AfD.
Und das macht Schulz zum Heuchler. Denn wenn er wirklich noch mal ein Merkel-Duell gewollt hätte, wäre er auch zur Schlussrunde gekommen – genau dort hätte er sich auch berechtigt über das Merkel-Fernbleiben beschweren können.

Ursprünglich heiß die Sendung “Die Schlussrunde der Spitzenkandidaten”. Das mit den Spitzenkandidaten hatte man wegen CDU und SPD gleich mal weggelassen. Beim nächsten Mal sollten ARD und ZDF darauf pochen – oder einfach die Stühle der beiden Parteien leer stehen lassen. Arroganz muss bestraft werden.

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Sexy-Mini-Super-Porno! Die Partei im Sexwahlkampf

Freitag, den 22. September 2017
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MI 20.09.2017 | 22.35 Uhr | Tele 5

35 Minuten Wahlwerbung? Da sind die Medienhüter aber gleich sehr aufmerksam geworden. Als bekannt wurde, dass Tele 5 die, ähm, Doku “Sexy-Mini-Super-Porno” ausstrahlte, da herrschte gleich mal Nervosität. Denn im Film geht es um den Wahlkampf der Partei “Die Partei”. Allerdings stellte sich schnell heraus, dass nicht die Partei selbst den Film hergestellt hat. Sagt man jedenfalls. Und man kann offenbar auch nichts anderes nachweisen.
Also lief der Film am Mittwochabend tatsächlich auf Tele 5 – und war natürlich reine Werbung für die Satiriker. Andererseits gibt es natürlich auch Dokus, die beispielsweise die AfD begleiten – mit dem Unterschied, dass die nicht so lustig sind.

Die Doku zeigte aber eines: Wir brauchen Die Partei! In den vergangenen Tagen herrschte unter einigen Spaßbremsen die Einigkeit, dass man doch bitte diese Leute nicht wählen könne, weil das ja nichts bringe.
Das ist natürlich Unfug, denn wenn viele Leute die Partei wählen würden, käme sie über 5 Prozent, und das würde natürlich auf jeden Fall was bringen. Jeder kann wählen, wen er will – und eine Nicht-Empfehlung auszusprechen, wirkt jedenfalls mit der Begründung albern. Zumal gerade Martin Sonneborn mit extrem vielen provokanten, aber auch sehr klugen Anmerkungen glänzt. Er hält der Politik den Spiegel vor, und das kann gerade in unseren unruhigen Zeiten nicht schaden. Und ganz ehrlich: Die Partei hat in letzter Zueit vermutlich mehr im Kampf gegen Rechts getan als so mache anderen im lahmen Politikbetrieb.
Insofern: weiter so! Und danke, Tele 5!

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Eine Zukunft für TXL

Donnerstag, den 21. September 2017
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MI 20.09.2017 | 22.20 Uhr | rbb

Am Sonntag sind nicht nur Bundestags- oder Bürgermeisterwahlen. Die Berliner entscheiden auch über die Frage, ob sie gern möchten, dass der Flughafen Tegel auch nach der Eröffnung des BER in Schönefeld (wann immer das auch ist) erhalten bleibt.
Der rbb zeigte am Mittwochabend eine Zusammenfassung der Diskussion in der Berliner Ufa-Fabrik. Titel: “Eine Zukunft für TXL”.

Die “Tegelretter”-Partei FDP (unter diesem Namen präsentiert sie sich auf Berliner Wahlplakaten) steht bei der Initiative für die Tegel-Offenhaltung ganz vorn. FDP-Frontmann Sebastian Czaja hatte es dennoch nicht einfach – Buhrufe am Anfang und immer wieder wieder laute Zwischenrufe aus dem Publikum sorgten immer wieder für Unterbrechungen.
Ihm entgegen gehalten werden der Lärmschutz für die Bewohner in den Tegel-Einflugschneisen und natürlich die Gesetzeslage, die die Schließung nach der BER-Eröffnung vorsieht.

Abgesehen davon, dass es bedauerlich ist, dass Brandenburg zwar für den BER mitzahlt, aber in Sachen Tegel offenbar nichts zu sagen hat – die Brandenburger dürfen am Volksentscheid nicht teilnehmen. Dennoch ist die Diskussion darum sehr spannend, denn bislang hatte das Volk ja in Sachen Flughäfen in Berlin wenig zu sagen. Es wird ein spannender Sonntag!

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Ihre Wahl 2017 – 6 Frauen für Berlin und Brandenburg

Mittwoch, den 20. September 2017
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DI 19.09.2017 | 20.15 Uhr | rbb

“Bloß nicht langweilen” ist das neue Motto des rbb. So ganz will das nicht gelingen, aber am Dienstagabend hat man einen neuen Versuch gestartet. Zur regionalen Diskussion zur Bundestagswahl wurden nämlich nur Spitzenkandidatinnen eingeladen – eine reine Frauenrunde.
Eigentlich eine schöne Idee, denn das kennt man ja: Normalerweise sind es die Herren, die sich in solchen Talksendungen gegenseitig ins Wort fallen, sich bepöbeln und beleidigen. Das machen Frauen natürlich viel besser. Könnte man meinen.

“6 Frauen für Berlin und Brandenburg” hieß die Runde am Dienstagabend im rbb. Wichtigste Erkenntnis: Wenn es um das Ins-Wort-fallen, ums Pöbeln und sich beleidigen geht, stehen die Frauen den Männern in nichts nach.
Redet Beatrix von Storch (AfD), beleidigt sie ganz nebenbei Petra Pau (Linke). Redet Annalena Baerbock (Bündnis 90/Grüne), überschlägt sich ihre Stimme fast, wenn es jemand wagt, ihr ins Wort zu fallen. Dagmar Ziegler (SPD) droht zwischendurch damit, mal auf den Tisch zu hauen, um auch mal was sagen zu dürfen. Da wird verbal getreten, und wenn alle durcheinander quasseln, ist das Chaos eh perfekt.
Aber ein wenig Zickenkrieg ist ja auch mal ganz lustig – und passt zum rbb-Motto in Sachen Anti-Langeweile…

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Detlef Soost: Ich bin zu geil für diese Welt

Dienstag, den 19. September 2017
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MO 18.09.2017 | 15.00 Uhr | RTL II

Der Dailytalk ist zurück!
Wir erinnern uns (zumindest die Älteren): In der ersten 90er-Hälfte stellte sich plötzlich Hans Meister jeden Tag vor sein Publikum. In “Hans Meiser” sind Probleme und auch mal politische Themen besprochen worden.
Weil das so gut lief, kam irgendwann “Ilona Christen” dazu. Und “Bärbel Schäfer”. Drei Talkshows hintereinander. Im Ersten gab es “Fliege”, ProSieben hatte “Arabella” und “Andreas Türck”, bei Sat.1 gab’s “Ricky”, “Kerner”, “Pilawa”, “Franklin” und “Vera am Mittag” – und das sind sicherlich längst noch nicht alle Laberbuden, die die Fernsehwelt damals zu bieten hatte.
Irgendwann verschwanden mehr und mehr Sendungen, die verbliebenen verkamen immer mehr zu Trash- und Krawallformaten. Die Talk verschwanden dann ganz – von kurzzeitigen Versuchen wie “Inka” im ZDF mal abgesehen.

Bis zum Montag. Da begrüßte Detlef Soost seine Zuschauer zu “Detlef Soost”. Wenn es gut läuft, dann wird er nun jeden Nachmittag bei RTL II die Probleme dieser Welt besprechen. Also, eventuell bald.
Am Montag hieß das Thema erst mal “Ich bin zu geil für diese Welt”. Zu Gast waren Damen und Herren, die sich schrecklich geil fanden. Damit sind sie im RTL-II-Nachmittagsprogramm natürlich total richtig.

Zum Beispiel Salvatore (24). Seine erhellenden Aussagen: Ich stehe auf Frauen. Ich bin frauenfixiert. Ich liebe Frauen.
So weit, so lahm. Er bezeichnet sich als das perfekte Gesamtpaket, und er findet alle gut aussehenden Frauen geil – auch wenn im Publikum leider keine sitzt, die er geil findet. Seine letzte Partnerin hat er verlassen, als sie nach einem halben Jahr zu langweilig geworden war.
Oh Gott. Wie haben wir den Dailytalk vermisst. Aber wirklich. Endlich bekommen die Prolls dieser Welt wieder eine Bühne.
Aber immerhin: Salvatores Schwester kam auch noch ins Studio und las ihrem Bruder gleich mal die Leviten. Das war dann fast schon irgendwie lustig. Aber nur fast.

Detlef Soost macht sich als Moderator allerdings erstaunlich gut. Er plaudert mit seinen Gästen, geht zwischendurch ins Publikum, um Meinungen abzufragen, die meist erfreulich unprollig sind und hat sichtlich Spaß.
Ob das alles den Zuschauern von 2017 noch interessiert, ob der Dialytalk wieder auferstanden ist, wird sich an den Quoten der nächsten Tage zeigen.

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Klartext, Herr Schulz!

Donnerstag, den 14. September 2017
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DI 12.09.2017 | 20.15 Uhr | ZDF

Ob Angela Merkel milde gelächelt hat? Oder hat sie sich ausgeschüttet vor Lachen? Oder hat sie schlicht “Nö” gesagt?
In der Sendung “Klartext, Herr Schulz!” am Dienstagabend im ZDF hat Kanzlerkandidat Martin Schulz (SPD) erneut ein zweites TV-Duell gefordert. Er habe Merkel einen Brief geschrieben.
Da ging sicherlich ein Ruck durch’s Kanzleramt, als Angela beim Frühstück den Schulz-Brief aufgerissen hat.
Aber mal ernsthaft: Glaubt Martin Schulz wirklich, dass Angela ihm zurückschreibt? “Gern. Wann? Deine Angie.” Warum sollte sie das tun? Sie liegt in den Umfragen vorn, und sie hat das Betteln um ein zweites Duell nicht nötig. Schulz weiß das natürlich, aber vielleicht denkt er ja, dass man ihn bemitleiden würde, wenn Angela Merkel ihn mal wieder zurückweist. Ein billiges Ablenkmanöver.

Ansonsten machte Martin Schulz den Eindruck, als habe er sich für die ZDF-Sendung ausführlich beraten lassen:
Martin! Geh hin zu den Leuten! Sei nah dran! Zeig ihnen, dass du ihnen wichtig bist! Setz dich neben sie! Zeig Verständnis!
So muss sich das angehört haben. Denn Martin Schulz machte die kompletten 95 Minuten genau das: Er hörte sich die Probleme der Menschen an, immer ging er zu ihnen hin, setzte sich neben sie, guckte mal gütig, mal streng, mal unternehmungslustig. Er organisierte sich freie Plätze im Publikum, schickte auch mal Leute weg und kam den (überflüssigen) Moderatoren zuvor, wenn die mal wieder das Heft in die Hand nehmen wollten.
Die Zuschauer erlebten die Martin-Schulz-Show. Allerdings wirkte das alles auf die Dauer dann doch viel zu bemüht.

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This Time next Year – Heute in einem Jahr

Mittwoch, den 13. September 2017
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MO 11.09.2017 | 21.15 Uhr | RTL

Ein Jahr ist eine lange Zeit, da kann viel passieren. RTL hat daraus eine Show gemacht. Schon 2016 begannen die Aufzeichnungen für “This Time next Year”. Der Clou: Menschen erzählen im Studio von ihren Leiden oder Zielen. Und dann haben sie genau ein Jahr Zeit, zu ihrem Ziel zu gelangen, ihr Leben zu ändern, für ihre Sache zu kämpfen. Ein Jahr also vergeht, dann wird wieder aufgezeichnet.

Mutter und Sohn wollen abnehmen, sehr viele Kilo. Moderator Jan Hahn plaudert ein bisschen mit ihnen, dann gehen sie durch eine Tür nach draußen. Schnitt. Jan Hahn läuft zur anderen Tür, und da kommen Mutter und Sohn wieder rein. Nicht schlank, aber sie haben tatsächlich wahnsinnig viel abgenommen.
Für uns vergingen wenige Sekunden, für die Teilnehmer der Show zwölf Monate.

Eigentlich eine schöne Idee. Aber so richtig zünden will sie nicht. Das liegt zum einen daran, dass Jan Hahn und seine Gäste sich gerade im ersten Teil der Gespräche erstaunlich wenig zu sagen haben. Hahn wirkt seltsam hölzern. Zum anderen geht es fast nur um Schicksale, und diese Geschichten kennt man aus vielen anderen Sendungen. Klar, es ist großartig, was die Menschen da leisten. Aber für eine 80-minütige TV-Show bei RTL braucht es schon ein abwechslungsreicheres Konzept.

Ausgerechnet Birgit Schrowange war es, die dem ganzen noch mal einen neuen Drive gab. Ihr Ziel: In einem Jahr wolle sie ihre Sendung “Extra” mit grauen Haaren moderieren. Denn, wie sie nun erzählte, seit 20 Jahren ist sie eigentlich grau, muss sich immer die Haare färben. Damit sollte nun Schluss sein. Ein Jahr lang trug sie schon grau, ließ die Haare wachsen – und setzte sich öffentlich eine Perücke auf.
Wenn man nicht vorher schon das mediale Gewitter mitbekommen hätte, wäre das ein wirklicher Überraschungsknaller gewesen. Emotional waren die Minuten aber dennoch. Und natürlich mutig, denn die RTL-Frau steht nun zum Alter, zu ihrem Grau.
Im Anschluss an die Show wurde in einem “Extra”-Spezial gezeigt, wie es dazu kam und wie RTL-Kollegen reagierten. Während er der ebenfalls graue Peter Kloeppel (Männer dürfen grau sein, Frauen nicht) es cool fand, wunderte sich die aufgedunsene und nicht sehr echt im Gesicht wirkende Katja Burkard etwas, nun ja, verwundert. Sie würde sich das (noch) nicht trauen, sagte sie. Das glaube ich ihr gern, wenn man sie so ansieht.

Nächsten Montag gibt es in “This Time next Year” neue Menschen mit neuen Zielen. Es wird spannend, ob sich dieses Konzept nicht zu schnell überlebt. Aber da liegt es an der Redaktion der Show, neue interessante Leute zu finden.
Na ja, und vielleicht einen Jan Hahn, der spannendere Gespräche führt.