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Der alltägliche Medienwahnsinn

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Boomarama 3000

Freitag, den 24. März 2017
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DO 23.03.2017 | 0.20 Uhr (Fr.) | Tele 5

Ein bisschen bitter ist das ja schon: Am sehr späten Donnerstagabend ging es bei Tele 5 um das Scheitern. Und das in einer Sendung, die gerade selbst gescheitert ist: “Boomarama 3000″. Nachdem die erste Folge der neuen Staffel nur 110.000 Zuschauer hatte, ist sie vom Freitagabend auf die Nacht zum Freitag verbannt worden.
Das ist selbst für Tele 5 tatsächlich nicht so doll. Dass aber die Show nach nur einer Folge den Sendeplatz verliert, ist trotzdem seltsam. Wird doch bei Rele 5 gern damit kokettiert, dass man nicht so auf die Quoten schaue. Was dann ja wohl nicht stimmt.

Für Aurel Mertz ist das schade, denn seine wöchentliche Late-Night-Show ist durchaus sehenswert. Seit zwei Jahren macht er nun schon Fernsehen, und man merkt, dass er in dieser Zeit sehr an sich gearbeitet hat. Wenn die Gags mal gut sind, dann bringt er sie auf den Punkt, er ist locker und lustig.
In einem Einspieler sah man ihn gegen die Ringer-Weltmeisterin scheitern – das war kurzweilig.
Zu Gast war Late-Night-Talker Pierre M. Krause, der seit zig Jahren im SWR auf Sendung ist. Mertz und Krause haben gemeinsam, dass sie beide kaum Zuschauer haben. Und auch im Fall von Krause ist es schade, dass er selbst nach mehr als 500 Shows (!) dermaßen unbeachtet ist. Lustigerweise machten sie aber genau darüber auch Gags.

“Boomarama 3000″ ist keine ganz große Kunst, aber gutes, kurzweiliges Fernsehen in der Nische. Hoffentlich gibt Tele 5 Aurel Mertz weiter Zeit, sich zu entwickeln. Oder mal ein größerer Sender…

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Circus Halligalli: #FartAgainstTrump

Donnerstag, den 23. März 2017
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DI 21.03.2017 | 22.15 Uhr | ProSieben

Die Zeit der Ironie ist vorbei. Und es ist ausgerechnet “Circus Halligalli” mit Joko und Klaas, das am Dienstagabend auf ProSieben ein beeindruckendes Statement zur Lage der Nation – oder eher: der Welt abgeliefert hat.

Das war so nicht zu erwarten gewesen. In der Vorwoche ist die Aktion #FartAgainstTrump angekündigt worden. Als Protest gegen den neuen US-Präsidenten Donald Trump sollten alle am Dienstag, 21. März, um 23.05 Uhr – also während der laufenden “Circus Halligalli”-Sendung – einmal gen Washington furzen.
Blöde Aktion? Ja!

Aber wie sich zeigte, ging es den Machern darum gar nicht. Denn als der Furz losgehen sollte, brach plötzlich das Bild ab – und Joko und Klaas bekamen die Leviten gelesen. Und eigentlich das gesamte deutsche Fernsehen, und wirklich eigentlich: wir alle.
Friedrich von Liechtenstein saß auf dem Sofa, und Joko und Klaas standen vor ihm die dumme Jungen.

Die Furz-Aktion sei Satire gewesen, so Klaas. Es würde sich ja nichts ändern, alles sei gleich sinnlos, und das sei die Satire.
Wenn die Welt vor dem Abgrund stehe, so Liechtenstein, sei die Zeit der Ironie vorbei. Und wenn den Fernsehclowns nicht anderes einfiele als Nonsens, dann sei Fernsehen und Satire “zurecht im Arsch”. Die Typen, die jetzt an der Macht seien oder auf dem Wahlzettel stünden, seien lange nicht so harmlos wie die lauen Pointen. Die Fernsehleute sollten nun ironiefrei für etwas einstehen und sich dafür auch beschimpfen lassen – oder sich wenigstens bessere Gags einfallen lassen.
“Wir machen nur Unterhaltung”, sagt Joko, es könne wohl kaum ihre Aufgabe sein, Weltpolitik zu kommentieren.
“Bullshit”, findet das Friedrich von Liechtenstein. Es die falsche Zeit, aus Angst vor einem Shitstorm auf Facebook die Schnauze zu halten und zu ignorieren, was für eine Scheiße gerade auf der Welt passiere, das gelte auch für Fernsehfressen wie Joko und Klaas.
Die beiden könnten weiter laue Witze machen und weiter die Nazis im Unklaren lassen, was sie von ihnen halten würden – aber dann seien sie eben Scheiße, so Liechtenstein weiter.

Batsch.
Eine schallende Ohrfeige – für so viele Medienmacher. Für so viele Comedynasen, die ja nur Comedy machen wollen und keine Haltung zeigen möchten.
Batsch.
Diese Ohrfeige ist für so viele von uns allen. Aber diese Ohrfeige macht ein Stückweit auch Mut.

Am Ende gehen Joko und Klaas nachdenklich durch ihre Publikumsreihen, und es wird spannend, was in den nächsten Wochen in ihrer Show daraus wird.

Aus einer Gaga-Aktion ist wieder mal ein Stück berührendes, aufrüttelndes Fernsehen geworden, und der Gedanke, dass diese Show zum Sommer enden soll, ist ein trauriger.

Zum Nachschauen auf YouTube.

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Charité

Mittwoch, den 22. März 2017
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DI 21.03.2017 | 20.15 Uhr | Das Erste

Was ist vorher wieder geschwärmt worden. Die Medienkritik hat sich fast einhellig in den ARD-Sechsteiler verliebt, und wir haben erfahren, dass es die beste Serie aus Deutschland seit langem sein soll: “Charité”. Und natürlich ist bereits der Vergleich zu anderen Serien aus dem Ausland gezogen worden.
Am Dienstagabend liefen im Ersten die Folgen 1 und 2. In der Serie geht es um das berühmte Berliner Krankenhaus rund um das Jahr 1888. Eine Zeit, in der die Charité noch ohne Strom auskommen musste und nach neuen Behandlungsmethoden gesucht worden ist. Robert Koch forschte, und alles war total historisch.

Mal abgesehen davon, dass ich mit Historiendramen nicht all zu viel anfangen kann. Aber ich nehme den Schauspielern ihr Schauspiel nicht ab. Wenn ich den Eindruck habe, dass da Schauspieler ihren Text wie im Theater aufsagen, und das auch noch in akkuraten historischen Kostümen – dann sind es eben nur Darsteller und es sind eben nur Kostüme. Ich habe nie das Gefühl, wirklich in die damalige Zeit abtauchen zu können.
Es wirkt einfach nur angestrengt, wenn Darsteller versuchen, wie damals zu sprechen. Es wirkt verkrampft. Hinzu kommt, dass ich den Eindruck habe, dass man in Deutschland noch nicht mit dem hochauflösenden Bild klar kommt. Die HD-Schminke sieht eben aus wie HD-Schminke. Man sieht, dass die Leute Wasweißich im Gesicht tragen.

Und so fand ich “Charité” nicht nur inhaltlich etwas lahm (die Doku danach war ungleich interessanter), sondern handwerklich einfach nicht gut.
Eine Event-Serie? Na ja, eben doch nur Dienstagabend-Primetime im Ersten. Nächste Woche dann wieder “In aller Freundschaft”.

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Extra – Das RTL-Magazin: Ungeschminkt

Dienstag, den 21. März 2017
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MO 20.03.2017 | 22.15 Uhr | RTL

Birgit Schrowange hat sich am Montag etwas Unglaubliches getraut: Sie hat sich ungeschminkt gezeigt.
Nun muss man aber sagen: Unglaublich war das eher für sie selbst, für den Zuschauern war das gar nicht so schrecklich.

Es ging um einen neuen Trend, und eigentlich ist es schon bedenklich, dass es überhaupt ein Trend sein muss. Mehr und mehr Promifrauen stellen Fotos von sich ins Netz, auf denen sie nicht geschminkt sind.
Für “Extra – Das RTL-Magazin” machte Birgit Schrowange mit und latschte einen Tag lang mit Kamera, aber ohne Schminke durch die Stadt. Nicht ohne mehrfach zu betonen, dass ihr das unangenehm sei. Natürlich war das ein Stück weit Koketterie, denn auch ungeschminkt muss sich die Schrowange nun wirklich nicht verstecken.

Der Beitrag aber zeigte, wie sehr wir alles es gewöhnt sind, dass Frauen im Fernsehen immer perfekt geschminkt und hin und wieder auch überschminkt sind. Dass es selbstverständlich ist, dass sich Frauen auftakeln. Und dass nicht mal zwingend, weil sie von Männern (oder so) gezwungen werden. Nein, sie wollen das selbst, sie fühlen sich so wohler, hübscher, sicherer.
Insofern war weniger erstaunlich, dass sich Schrowange und andere Frauen im RTL-Bericht abschminkten, sondern viel mehr, wie unwohl sie sich selbst dabei fühlten.

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Abschied von Bellevue – Großer Zapfenstreich für Joachim Gauck

Sonntag, den 19. März 2017
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FR 17.03.2017 | 18.55 Uhr | Das Erste

Sehr geehrte Tina Hassel,

ich habe einen für Sie vermutlich überraschenden Hinweis. Er lautet: Sie arbeiten beim Fernsehen.
Nun denken Sie sicherlich: Was will der Typ von mir, ich weiß doch, dass ich beim Fernsehen arbeite. Immerhin sind Sie ja die Chefin im ARD-Hauptstadtstudio. Und als solche durften Sie am Freitagabend auch live die Sondersendung “Abschied von Bellevue” im Ersten moderieren, in der der große Zapfenstreich für Bundespräsident Joachim Gauck übertragen worden ist.

Leider aber gehören auch Sie zu den Fernsehleuten, die nicht wissen, wann man einfach mal schweigen darf und dass es nicht nötig ist, Dinge zu erzählen, die der Zuschauer sowieso sieht. Kommentatoren, die denken, sie arbeiten fürs Radio.
Wenn die Soldaten vom Musikkorps auf den großen Platz marschieren, dann müssen Sie nicht kommentieren, dass da jetzt die Soldaten marschieren. Wenn Joachim Gauck aus dem Schloss kommt, dann müssen Sie nicht ganz aufgeregt erzählen, dass der Gauck kommt. Denn: Das sehen wir ja.

Aber vor allem, liebe Frau Hassel: Wenn das Orchester spielt, dann hat die Kommentatorin Sendepause. Es besteht keine Notwendigkeit, in ein Musikstück reinzuquatschen.
Von einer langjährigen, fernseherfahrenen Journalistin erwarte ich mehr Professionalität und kein überflüssiges Geseiere.

Das machen Sie nächstes Mal besser. Also, eventuell.
Beste Grüße,
Ihr RT Zapper

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Bilderbuch: Bungalow

Samstag, den 18. März 2017
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FR 17.03.2017 | 10.57 Uhr | radioeins

Ladas sind momentan voll im Trend. Früher, in der DDR, gehörte der Lada zu den schon besseren Autos. Jetzt erlebt er ein Comeback, zumindest ist im Liedtext einer österreichischen Band immer wieder vom Lada die Rede.

Also, könnte man jedenfalls meinen. In Wirklichkeit spricht da niemand von einer Ostkarre. Dafür könnten die Österreicher von der Band Bilderbuch hierzulande ein neues Wort bekanntmachen: den Lader.
Der Song “Bungalow” läuft auch hierzulande rauf und runter, am Freitagvormittag mal wieder auf radioeins. Darin heißt es: “Ich brauch’ Power für mein’ Akku. Keine Power in mein’ Akku. Baby, leih’ mir deinen Lader! Komm, bitte leih’ mir deinen Lader! Ich brauch’ Power für mein’ Akku! Keine Power in mein’ Akku! Baby, leih’ mir deinen Lader! Ich brauch mehr Strom!”
Der Lader ist in Österreich das, was man bei uns schlicht Ladegerät nennt.
Der Lada ist ein Lader.

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Die Pierre M. Krause Show: Pierre M. Krause trifft Harald Schmidt und begleitet ihn ein Stück

Donnerstag, den 16. März 2017
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DI 14.03.2017 | 23.30 Uhr | SWR-Fernsehen

Was macht eigentlich Harald Schmidt?
Er lässt sich von Pierre M. Krause vom Bahnhof unter dem Frankfurter Flughafen zum Gate bringen. Und wir Zuschauer durften am Dienstagabend dabei sein. Der Titel der Sondersendung der “Pierre M. Krause Show” im SWR-Fernsehen war so simpel wie treffend: “Pierre M. Krause trifft Harald Schmidt und begleitet ihn ein Stück”.

Ganz einfache, aber irgendwie auch ganz spannende Unterhaltung am späten Abend. Denn die Sendung bestand tatsächlich nur daraus, dass die beiden sich auf dem Weg von A nach B unterhielten.
Sie wunderten sich über den Dreck am Flughafen. Sie fachsimpelten am Geldautomaten darüber, in welcher Stückelung man die Scheine ziehen kann. Sie verirrten sich auf dem Weg für First Class.

Überhaupt die First Class: Kennt man ja sonst nicht. Durch den SWR sind wir nun schlauer: Scheinbar hat dort jeder Gast seine persönliche Abfertigerin, die ihn persönlich begrüßt, alles erledigt, während der Gast in den Sesseln lümmeln kann – völlig ohne den Pöbel, der draußen überall anstehen muss.
Währenddessen plauderte Harald Schmidt über den “Traumschiff”-Dreh, zu dem er flog. Über seine Katzen, über den Drang, sonst nichts mehr tun zu müssen.

Beide machten sie ihre Witze über Reinhold Beckmann und seine Sendung “#Beckmann”. Man könne doch nun “#Krause” in Serie schicken, und so abwegig ist die Idee vielleicht nicht mal. Denn die 25-minütige Sendung plätscherte zwar gemütlich vor sich hin, aber es war kein langweiliges Plätschern.