RTZapper

Der alltägliche Medienwahnsinn

RTZapper

Promi Big Brother – Der Einzug 2018

Dienstag, den 21. August 2018
Tags:

FR 17.08.2018 | 20.15 Uhr | Sat.1

Was ist denn bloß mit dem Image des guten deutschen Wassers geschehen? Es muss in den vergangenen 20 Jahren den dreckigen Bach runtergegangen zu sein.
In den 90ern war es Harald Schmidt, der in fast jeder seiner Sendungen das kostbare Nass anpries: “Ich sage ja zu deutschem Wasser”, sagte er nach einem tiefen Schluck aus dem Glas.

2018 ist alles anders. Das wird einem Fürst frisches, gutes, deutsches Wasser angeboten. Und was tut er? Er verschmäht es. Er trinkt es nicht. Er will es nicht. Nur zum Zähne putzen oder zum Arsch abwischen könnte er sich vorstellen, Wasser zu benutzen. Aber doch nicht zum trinken!
Der Fürst war alles andere als amüsiert. Fürst Heinz von Sayn-Wittgenstein war ein Bewohner des diesjährigen “Promi Big Brother”-Hauses. Alles war gut, bis er verlangt hat, etwas anderes als Wasser zu bekommen. Als Fürst habe er doch einen Anspruch darauf.

Big Brother blieb hart, und der Fürst auch. Der Fürst zog aus – weil er Wasser trinken sollte. Man bringe dem Fürst bitte ein Glas, äh, einen Kasten Sekt. Aber schnell!

PS: Glückwunsch, Sat.1! Für die 2018er-Staffel hat der Sender neben Jochen Schrupp noch Marlene Lufen als Moderatorin engagiert. Gute Wahl! Ihre lockere, lustige Art macht Spaß, und Jochen und Marlene ergänzen sich wunderbar!

RTZapper

Schubert in Love

Montag, den 20. August 2018
Tags: ,

DO 16.08.2018 | 0.35 Uhr (Fr.) | Das Erste

Comedians. Auf der Bühne sind sie meistens ganz lustig. Oder wenn sie einen Gastauftritt in einer Show haben. Aber tragen Comedians auch einen ganzen Film?

Im Ersten lief am sehr späten Donnerstagabend die Komödie “Schubert in Love” – mit Olaf Schiubert, dem Mann mit dem schulterfreien Pullover.
Im Film geht es überraschenderweise um Olaf Schubert. Er ist der letzte Spross in der Schubert-Dynastie. Er engagiert sich. Für ein Musical, gegen Rassismus – eines aber fehlt in seinem Leben: ein Kind. Der strenge Vater (Mario Adorf) macht langsam Druck. Tatsächlich findet Olaf eine Frau, aber so ganz ist ihm noch nicht klar, dass es bei Frauen nicht nur um die Nachwuchsproduktion geht.

“Olaf in Love” ist leider nur schwer erträglich. Funktioniert Olaf Schubert auf der Bühne ganz gut (wenn man ihn denn mag), wirkt sein Schauspiel im Film erstaunlich steif. Die Gags sind schal und mitunter doof. Die Dialoge sind hölzern, das Timing stimmt nicht.
Warum gelingt es eigentlich so oft nicht, für Comedians gute Filme zu stricken? “Schubert in Love” ist leider kein guter Film.

RTZapper

Der Schlagerbulli – Heimat in Tour

Sonntag, den 19. August 2018
Tags:

DO 16.08.2018 | 20.15 Uhr | Sat.1 Gold

Sat.1 Gold hat am Donnerstagabend ein interessantes Experiment gestartet. Getestet werden soll die Aufmerksamkeit der Zuschauer: Merken sie, dass sie zwei Sendungen gleichzeitig schauen?
Denn die Sendung, die unter dem Titel “Der Schlagerbulli – Heimat on Tour” erstmals gelaufen ist, sind in Wirklichkeit zwei Sendungen. Nämlich: “Der Schlagerbulli” und “Heimat on Tour”. Denn Sat.1 Gold scheint zwei Konzepte miteinander vermischt zu haben, die eigentlich gar nichts miteinander zu tun haben.

Evelyn Weigert und Maximilian Arland sind unterwegs mit dem Schlagerbulli – aber nicht lange. Denn nach einer Anfangsplauderei während der Fahrt, ist Arland unterwegs in Deutschland. Ohne Bulli. Er trifft einen Schäfer in Niedersachsen und ist bei einem Trabi-Treffen in Sachsen-Anhalt. Nette Personality-Reportagen-
Währenddessen trifft Evelyn Weigert im Bulli den Schlagerstar Ross Antony. Sie redeten und sangen – und hat hatte immerhin wirklich mit dem Titel der Sendung zu tun.
Arland hatte mit dem Bulli die ganze restliche Sendung nichts mehr zu tun. Die beiden Moderatoren begegneten sich nicht mehr.

Merkwürdig. Wahrscheinlich hat man bei Sat.1 Gold hilflos nach Material gesucht, um eine Sendestunde zu füllen. Hat man also zwei Formate zusammengeschnitten, die gar nicht zusammengehören? So wirkt dieses Konzeptwirrwarr jedenfalls.

RTZapper

Endlich Feierabend!

Samstag, den 18. August 2018
Tags:

DO 16.08.2018 | 18.00 Uhr | Sat.1

Das Frühstücksfernsehen bei Sat.1 läuft so erfolgreich – da dachte man sich: Machen wir das doch auch am Abend. Irgendwer fand, dass das eine tolle und vor allem total frische Idee ist. Zwar hat man bei Sat.1 die Idee, eines abendlichen Frühstücksfernsehens schon einige Mal gehabt und einige Male einen Flop hingelegt – aber einen weiteren Versuch war es doch offenbar wert.
Seit anderthalb Wochen läuft “Endlich Feierabend!” immer um 18 Uhr – und ist momentan ein, nun ja, Flop.
Wobei man leider sagen muss: Wirklich Mühe hat man sich bei Sat.1 mit seinem neuen Feierabendmagazin nun wirklich nicht gegeben.

Am Donnerstag zum Beispiel: Die beiden Moderatoren hatten ein paar Sekunden, um einen “Guten Abend” zu wünschen und den ersten Beitrag anzusagen. Fünf Minuten ging es um eine Familie, die einen Urlaubszwischenfall erlebte.
Das innovative neue Magazin steigt also mit einem ewig langen Schicksals- und Boulevardstück ein, für das man echt kein Live-Magazin braucht.
Wie sich zeigte, ist “Endlich Feierabend!” eine bloße Abfolge von Beiträgen. Dass das nun wirklich nicht der heiße Scheiß0 ist, mit denen man Zuschauer lockt, sollte eigentlich klar sein.

Wozu hat man eigentlich Daniel Boschmann und Annett Möller engagiert? Sie kommen locker und sympathisch rüber, können sich durch das bloße Ansagen von Beiträgen aber kaum entfernen. Mal eine Aktion? Irgendein Einfall?

Zehn Minuten vor Schluss kam Studiogast Maximilian Arland ins Spiel. Mit ihm gibt es ein launiges Gespräch zu seinem Lebenswandel nach seiner Scheidung. Warum ist Arland nicht von Anfang an dabei? Oder zumindest früher? Erst am Ende von “Endlich Feierabend!” wird es irgendwie locker, und da wird aus dem lahmen und einfallslosen Boulevardmagazin das, was diese Sendung vermutlich sein soll.
Aber, Sat.1, da muss man sich über miese Quoten nicht wundern. Ein bisschen mehr Mühe sollte schon drin sein.

RTZapper

Berlin direkt – Sommerinterview: Alexander Gauland

Montag, den 13. August 2018
Tags: , ,

SO 12.08.2018 | 19.10 Uhr | ZDF

Unsere Klimaprobleme? Alexander Gauland (AfD) sagt, dass wir dafür nichts können und dagegen auch nichts machen können.
Die Zukunft der Rente? Alexander Gauland (AfD) sagt, dass die AfD ihr Konzept erst im kommenden Jahr auf einem Parteitag beschließen wird. Und was X und Y aus seiner Partei dazu gesagt haben, das sieht er nicht so, aber das muss ja alles nichts heißen.
Digitalisierung? Alexander Gauland (AfD) sagt, dass er dazu der falsche Ansprechpartner ist, er könne dazu eigentlich nichts sagen.
Wohnungsmarkt? Regulierung von Airbnb? Alexander Gauland (AfD) sagt, dass man mehr Wohnungen bauen müsse, und dass eine Regulierung ja bisher nicht funktioniert habe. Und Airbnb, ähm, keine Ahnung.

Angesichts dieser Inhaltsleere (im Gegensatz zu den ARD-Sommerinterviews spielten Asyl und Flüchtlinge kaum eine Rolle), ist man bei der AfD vermutlich froh, davon ablenken zu können. Denn während der Aufzeichnung des ZDF-Gesprächs, das am Sonntagabend gezeigt worden ist, kam es zu einem Zwischenfall. In Potsdam standen in Mikrofon- und Kamerareichweite plötzlich drei Leute und riefen Anti-Gauland-Parolen.
Vermutlich wäre es sinnvoller gewesen, diese Momente rauszuschneiden, wobei das natürlich auch schwierig ist in einem laufenden Gespräch. Aber natürlich, die einen werfen den anderen nun vor, manipuliert zu haben. Da wird gefragt, ob die AfD die Störer selbst da hin gestellt haben könnte, ob das ZDF die Hand im Spiel hatte oder irgendwelche anderen Organisationen. Oder ob es womöglich doch ganz normale Leute mit Haltung waren.
So oder so wird dieser Moment aber nun instrumentalisiert. Die einen, um mehr PR und Aufmerksamkeit zu bekommen. Die anderen, um von fehlenden Inhalten abzulenken.

RTZapper

Tod auf Raten

Sonntag, den 12. August 2018
Tags:

DO 09.08.2018 | 22.30 Uhr | ZDF

Sie kann nicht mehr. Sie kann einfach nicht mehr.
Ronald (Oliver Stokowski) hat bei einem Boxunfall sein Kurzzeitgedächtnis verloren. Es dauert gerade mal ein paar Sekunden, da hat er schon wieder vergessen, was man ihm gesagt hat und was er gerade gesehen oder erlebt hat. Er weiß nicht mal, dass es in seinem Kopf nicht mehr richtig rund läuft.
Seine Frau Annett (Veronica Ferres) droht daran zu verzweifeln. Sie kann nicht mehr arbeiten gehen, weil sie ihren Mann nicht mehr alleine lassen kann. Aber auch eine höhere Pflegestufe bekommt sie nicht. Alles scheint aussichtslos zu sein.
Selbst Anwalt Lorenzo (Matthias Brenner) kann nicht helfen – allerdings verlieben sich er und Annett. Aber kann sie ihren Mann sich selbst überlassen?

“Tod auf Raten” ist ein sehr berührender Film. Er dreht sich um die Verantwortung, die man einem anderen Menschen gegenüber hat – und die man nicht einfach abtreten kann. Oder kann man das doch? Das Drama, das am (leider nur) späten Donnerstagabend im ZDF zu sehen war, bietet einige Diskussionsansätze. Denn die Frage ist: Wann muss man die Entscheidung treffen, dass es so nicht weiter geht. Wie weit muss man gehen – bis zur Selbstaufgabe? Oder gibt es da noch was anderes?
Oliver Stokowski spielt den Mann ohne Kurzzeitgedächtnis ganz hervorragend. Ein Mann, der zufrieden in seiner extrem kleinen Welt lebt. Und Veronica Ferres die Frau, die sich dem großen Leid mutig, aber kräftezehrend entgegenstellt.

RTZapper

Kulenkampffs Schuhe

Samstag, den 11. August 2018
Tags:

MI 08.08.2018 | 22.30 Uhr | Das Erste

Ich war noch ein Kind, aber die großen Shows von ARD und ZDF habe ich Mitte der 80er noch mitbekommen. “Einer wird gewinnen” mit Hans-Joachim Kulenkampff war genauso ein Pflichtprogramm wie Hans Rosenthal und sein “Dalli Dalli”. Peter Alexander hatte ich eher durch die alte Filmkomödien auf dem Schirm, seine Shows fand ich eher lahm.
Worüber man damals natürlich nie nachgedacht hat: Die Showmaster hatten alle eine Vergangenheit, und die war alles andere als schön. Sieht man Kulenkampff und Rosenthal, dann denkt man nicht daran, dass Kuli im Krieg in Russland kämpfen musste. Dass sich Rosenthal als Jude im Krieg in Berlin verstecken musste.

Am Mittwochabend lief im Ersten die Doku “Kulenkampffs Schuhe”. Der Film beleuchtete die Showmaster unter eben diesen Aspekten. Denn die Nachkriegszeit in Deutschland war eine Zeit des Aufbruchs, des neuen Wohlstands. Aber die Leute, die in dieser Zeit lebten, die hatten eben auch schlimme Erlebnisse hinter sich gebracht. Und eben auch die Menschen, die nun vor den Fernsehkameras standen und für gute Laune sorgen mussten und wollten.
So gab es immer mal wieder kurze Momente in den Shows, in denen Kuli und Rosenthal durchblitzen ließen, was sie mal mitgemacht haben – und wenn es nur in kleinen Nebensätzen war.
Die Showmaster waren damals auch ein bisschen therapeutisch tätig. Wir Kinder haben das nicht gemerkt, aber vielleicht unsere Eltern und vor allem unsere Großeltern.

PS: In Kulenkampffs Schuhen waren natürlich dessen Füße – die allerdings durch den Krieg verkrüppelt waren.