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Der alltägliche Medienwahnsinn

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Anne Will: CDU mit neuer Chefin – reicht das für einen Neustart?

Donnerstag, den 13. Dezember 2018
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SO 09.12.2018 | 21.45 Uhr | Das Erste

Rechtzeitig bevor Anne Will in die Weihnachtspause verschwindet, sorgte die CDU noch mal für einen Showdown. Annegret Kramp-Karrenbauer die die neue CDU-Chefin, sie löst Angela Merkel ab, die nun “nur” noch Bundeskanzlerin ist. Und die Annegret will nun ihre Nachfolgerin werden.

Am Sonntagabend war AKK dann im Ersten bei Anne Will in “Anne Will” zu Gast. Die Frage, um die es gehen sollte, war, ob es denn für einen Neustart reiche, wenn die Christdemokraten eine neue Chefin haben.
Dazu holte sich die Redaktion Gäste ins Studio, die es wissen mussten. Zum Beispiel Martin Schulz. Der ist ja nun schon seit fast zwei Jahren SPD-Vorsitzender und erfolgreicher Minister in der Großen Koa… ähm, Moment mal. Martin Schulz, der gescheiterte SPD-Chef, der als Heiland gestartet ist und dann die Wahl in den Sand gesetzt hat und fast rausgeschmissen werden musste, weil er zunächst gar nicht dran dachte, Konsequenzen zu ziehen.
Und dann war da noch FDP-Mann Wolfgang Kubicki, der natürlich auch viele gute Ratschläge hatte, wie man den erfolgreich regi… äh, Halt. Da war ja was mit der FDP, die dann doch nicht mitregieren wollte.

Annegret Kramp-Karrenbauer holte sich am Sonntagabend bei Anne Will also viele liebgemeinte Ratschläge von Männern ab, die in der jüngeren Vergangenheit nicht wirklich Erfolge vorweisen können.
Vielleicht hätte sich AKK lieber einen ruhigen Sonntagabend zu Hause im Saarland machen sollen.

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Arlo & Spot

Montag, den 10. Dezember 2018
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SA 08.12.2018 | 20.15 Uhr | VOX

Gibt es im Kino einen neuen Disney-Pixar-Film, dann kann man sich relativ sicher sein, dass es hochwertig animierte Filme sind, die Spaß machen. Meistens jedenfalls. Manchmal ist man dagegen überrascht, wenn man am Ende mitbekommt, dass man gerade einen Pixar-Film gesehen hat.

Am Sonnabend zeigte VOX zur besten Sendezeit “Arlo & Spot”. In dem Film geht es um einen jungen Dinosaurier, der mit einem kleinen Menschenkind durch die Wildnis irrt.
Ganz süß irgendwie, aber auch sehr kindlich. Eigentlich ist “Arlo & Spot” nicht zwingend ein Film für die Primetime.
Für einen Pixar-Film ist er zudem erstaunlich schlecht animiert.

Ich gebe es zu: Ich dachte beim Schauen, dass es sich um eine europäische Produktion handelt. Die hänmgen ja meist bei der Tricktechnik noch ein wenig hinterher. In “Arlo & Spot” wirkten die Landschaften steril. Hintergründe wirkten nur zusammengebaut, auch die Bewegungen der Dinos sahen sehr simpel aus, das Menschenkind war seltsam hässlich animiert.

Das alles wirkte gar nicht wie ein Pixar-Werk, und tatsächlich gab es, wie man lesen kann, interne Probleme. Die Macher waren unzufrieden, die Ausrichtung des Filmes wurde später geändert, der Regisseur wurde ausgetauscht. Kein gutes Omen, und das sieht man dem Film auch an.
Dass die deutsche Fassung auch noch schlecht synchronisiert ist – nun ja, es passt ins Gesamtbild.

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7 Tage … unter Männern

Sonntag, den 9. Dezember 2018
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MI 05.12.2018 | 23.50 Uhr | NDR

Was macht ein Mann zum Mann? Was macht ihn männlich?
Ein Reporter des NDR wollte das wissen. Am Mittwochabend lief seine Doku “7 Tage … unter Männern” im Spätprogramm des NDR.

In Zeiten der #metoo-Debatte muss man sich offenbar auch wieder fragen, was denn eigentlich noch männlich ist. Für einige Männer ist das eine so wichtige und nicht lösbare Frage, dass sie zu einem Männertraining gehen müssen. Dort ging es dann um Brüderlichkeit. Man sei ein Mann, wenn man… also… So ganz verstanden habe ich jedenfalls nicht, warum es besonders männlich ist, wenn man mit einem anderen Mann unter die Dusche geht und sich gegenseitig einseift. Ist ja eigentlich eher eine schwul-erotische Fantasie. Beim Männertraining natürlich nicht, da ist das… nun ja, normal vielleicht nicht, aber da wird das so gemacht. Auch eine feste Umarmung gehöre dazu, und am Ende gab es bei Minusgraden einen Männerkampf nur in Unterhosen. Sanft sein und hart sein.
Na, wenn da mal keine verstecke Kamera im Hintergrund lief, und es sich in Wirklichkeit was ganz anderes handelte.

Im Kern ging es in dieser Doku aber darum, dass auch Kerle einen weichen Kern haben. Der Reporter traf sich auch mit einem Schulfreund, der gerade Vater geworden ist und ganz sanft zu seinem Baby war. Und mit seinem Vater, mit dem er über Männer und Frauen sprach.

So anstrengend es ist, wenn Männer einfach nur blöde Machos sind, so anstrengend ist es auch, wenn Männer unbedingt ganz anders sein wollen.

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Wir müssen reden – Der phoenix-Bürgerabend

Freitag, den 7. Dezember 2018
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MI 05.12.2018 | 21.45 Uhr | phoenix

In der Regel erinnern sich die Fernsehsender immer nur vor großen Wahlen daran, dass man ja mal Diskussionssendungen veranstalten könnte, in denen Otto-Normal-Bürger eventuell mit Politikern ins Gespräch kommen können. Inzwischen gibt es solche Formate hin und wieder auch mittendrin in den Dritten Programmen. Am Mittwochabend hatte der Bürgerabend unter dem Motto “Wir müssen reden” bei phoenix Premiere.

In Leipzig trafen etwa 60 Zuschauer auf eine Handvoll Entscheider. Ein sächsischer CDU-Mann war da. Gesine Schwan, die ja inzwischen so was wir eine Ost-Versteherin ist, und ein Redakteur einer Zeitung.
Und weil ja zwar drei Themenblöcke geplant waren, aber ansonsten alles dem Zufall überlassen wurde, nahm die 75-minütige Sendung einen eher unberechenbaren Ablauf.

phoenix ging damit raus aus der Komfortzone. Stattdessen: Hin zu den Leuten und ihnen zuhören. Die Kamera folgte den beiden Moderatoren, und keiner wusste, was nun kommt.

Da war zum Beispiel der junge Mann, der sagte, dass wir uns um die Bildung kümmern müssten, und dass wir deshalb keine Kapazitäten für (weitere) Asylbewerber oder Migranten hätten. Gesine Schwan sprach dagegen, sie sagte, man müsse auch mit diesen Leuten für die Zukunft investieren.
Die beiden wurden kurzerhand in die Mitte geholt, sie standen sich nun direkt gegenüber und tauschten Argumente aus. Sie kamen nicht zwingend auf einen Nenner, dennoch gaben sie sich am Ende die Hand. Eine wichtige und gute Geste: im Gespräch bleiben, auch wenn man nicht einer Meinung ist.

Interessant ist die Debatte darüber, dass der Osten immer noch hinterhinke, dass die Einheit auch nach 29 Jahren nicht komplett erreicht sei. Man müsse ordentlich Geld in den Osten pumpen, meinte ein Mann.
Dabei ist es ja inzwischen auch der Westen, der leidet. Auch im Westen sind marode Straßen und Betriebe, das wird im Osten gern ausgeblendet, dass in Sachen Wirtschaft und Armut das Ost-West-Gefälle nicht mehr zwingend da ist, sondern sich verlagert hat.

“Wir müssen reden” sollte bei phoenix in Serie gehen. Dem Volk aufs Maul zu schauen, kann jedenfalls niemals schaden!

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zdf@bauhaus: Feine Sahne Fischfilet

Donnerstag, den 6. Dezember 2018
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SA 01.12.2018 | 23.30 Uhr | 3sat

Feine Sahne Fischfilet.
Mich nervt diese Band inzwischen. Die Sache ist nur: Die Band selbst kann gar nichts dafür.

Die Diskussionen um den Auftritt der Band im Dessauer Bauhaus war groß. Weil man beim Bauhaus Schiss hatte, dass die Rechten ihnen die Bude einrennen, wenn Feine Sahne Fischfilet bei ihnen auftritt, sagte man den Gig ab. Die Rechten bezeichnen die Band als linksradikal, weil sie mal vom Verfassungsschutz beobachtet werden ist. Da sich die Beobachtung aber längst erledigt hat, kann ja wenig dran gewesen sein, dass da irgendwas Linksradikales ist.
Aber die rechten Meinungsmacher haben es geschafft, dass die Diskussion um die Band den Mainstream erreicht hat.
So wird inzwischen jeder Pups zu Feine Sahne Fischfilet in den Medien geteilt. Überall Feine Sahne Fischfilet. Muss nicht sein, bringt aber offenbar Klicks im Internet. Auch Hass bringt Klicks.

Die rechte Diskussion hat in Dessau Eindruck hinterlassen. Das ZDF ließ dort, im Bauhaus, bereits viele Folgen der Musikreihe “zdf@bauhaus” drehen – nun musste sich das Team eine neue Location suchen, weil die Bauhaus-Leute tatsächlich kalte Füße bekommen haben – und am Ende kam nur noch ein R dazu. Das Konzert fand im Brauhaus in Dessau statt.
Am Sonnabend ist das Konzert auf 3sat gezeigt worden, und erstaunlicherweise ist es sehr ruhig geblieben, obwohl die Ausstrahlung im Grunde ja ein wenig der Showdown nach der Konzertaufzeichnung war.

Das Erstaunlichliche an der Diskussion um Feine Sahne Fischfilet ist letztlich vor allem, wie sehr es den Rechten gelungen ist, den Diskurs zu bestimmen. Wie sieht es eigentlich mit Diskussionen um Rechtsrockbands aus? Werden die eigentlich noch geführt?

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Bruder vor Luder

Mittwoch, den 5. Dezember 2018
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SA 01.12.2018 | 20.15 Uhr | RTL II

Wenn sich Heiko Lochmann auf einer Restaurant-Toilette den Durchfall auf die Hosen kackt, weil er vergisst, sich auf Klo zu setzen, dann…
Also, ehrlich gesagt, weiß ich auch nicht mehr, was dann noch passieren kann, um diese Bilder aus dem Gedächtnis löschen zu können.
Aber die Macher des Filmes “Bruder vor Luder” dachten vermutlich, dass die junge, geile Youtube-Zielgruppe es voll nice findet, wenn man die dünne Scheiße vom Lochi-Zwilling in Großaufnahme sehen darf.

Ist dieses Machwerk schon im Kino kein großer Erfolg gewesen – um es mal vorsichtig auszudrücken – legte am Sonnabend auch RTL II eine Bauchlandung hin. Kaum Zuschauer.
Erstens: Die Älteren haben Silbereisen geschaut.
Zweitens: Die Jüngeren wissen vermutlich gar nicht mehr, dass es RTL II gibt und haben den Livestream auf Snapchat oder Youtube nicht finden können.
Und die anderen beiden haben den Film schon gesehen.
Bleibt also kaum noch jemand übrig.

Eine Handlung… Nun ja, es ist Zeit vergangen. Von einer Handlung kann man kaum sprechen. Jungs und Mädchen labern Müll. Die Lochis wollen ein Konzert geben, und böse Mädchen wollen das irgendwie verhindern. Irgendeine dämliche Intrige.

Dass das Kino irgendwie von den Youtubern, die die Jugend zu sich ziehen, profitieren will, kann man ihnen nicht verübeln. Aber kann man diesen Leuten nicht ein bisschen Schauspielunterricht geben. Und vielleicht eine vernünftige Handlung?
“Bruder vor Luder” bei RTL II war jedenfalls ein prima Argument, Amazon, Netflix und Co. ein Abo zu schenken.

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Das Adventsfest der 100.000 Lichter

Montag, den 3. Dezember 2018
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SA 01.12.2018 | 20.15 Uhr | Das Erste

Die Schlagershows mit Florian Silbereisen im Ersten sind ja durchaus ein Phänomen. Sie sind so modernisiert worden, dass sie nur noch selten altbacken und trutschig wirken.
Aber wenn es um Weihnachten geht, da wird auch in der ARD das Rad wieder zurück gedreht.
Am Sonnabendabend gab es live “Das Adventsfest der 100.000 Lichter”. In einer künstlichen Weihnachtskulisse in der der Sporthalle in Suhl sollte ein bisschen Kuscheligkeit vermittelt werden.

Deshalb kommt der Flori auch nicht in lockeren Klamotten, sondern er gibt den Herrn Silbereisen im stilvollen Smoking, und er hat auch gleich ein Weihnachtslied auf den Lippen. Oli.P kommt auch vorbei und trällert herzerwärmend mit einer Gruppe Kindern noch ein paar Lieder. Wie überhaupt Kinder in dieser Show ganz hoch im Kurs stehen – so lang es die Sendezeit und das Playbackband erlauben. So so herzig das alles wirken soll., die Musik kommt vom Band, und schon wirkt alles eher steif.

Wo bei den Schlagershows sonst Lockerheit herrscht, ist in der Adventsshow alles gediegen, und alles ist bedeutungsschwanger. Die Kelly Family kommt und trällert mehr schlecht als recht “We are the World”. Rolando Villazón singt eine Arie, während das Friedenslicht aus Bethlehem ins Studio getragen wird.
Nur eine spielt nicht mit: Die kleine Tochter von Eloy de Jong hat – Überraschung für Papa – ihren ersten Auftritt. Aber vielleicht auch ihren letzten, denn so wirklich gesungen hat sie nicht, vielleicht war das Kind selbst überrascht, dass man es vor die Kameras gezerrt hat.

Zwischendurch noch die Weihnachtsgeschichte, ein bisschen Palaver in der Weihnachtsbäckerei, und am Ende der mehr als dreistündigen Show wünscht man sich, dass der Restadvent weniger anstrengend wird als diese ach so besinnliche Adventsshow.