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Der alltägliche Medienwahnsinn

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aspekte: Zoff an der Volksbühne

Mittwoch, den 18. April 2018
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FR 13.04.2018 | 23.30 Uhr | ZDF

Was sich rund um die Berliner Volksbühne in den vergangenen Monaten abgespielt hat, ist bemerkenswert. Am Freitagabend berichtete das ZDF-Kulturmagazin “aspekte” nun darüber, dass Intendant Chris Dercon zurückgetreten ist. Und im Grunde zurücktreten musste.

Schon als klar war, dass es Chris Dercon sein sollte, der auf Frank Castorf folgen sollte, herrschte Aufruhr. Dercon hatte zuvor das Haus der Kunst in München geleitet, und es wurde befürchtet, dass sich das Gesicht der Volksbühne wandeln würde.
Es gab Demonstrationen, die Volksbühne wurde besetzt – der Protest war groß. Man wollte nicht, dass die Volksbühne zum Eventschuppen mit Tanztheater und anderem Gedöns verkommt.

Als am alten Flughafen Tempelhof dann später tatsächlich eine wunderliche Tanzperformance zu sehen war, sind viele Kritiker bestätigt worden. Nun heißt es auch noch, dass die Volksbühne finanziell am Ende sein soll. Zu teuer. Zu wenig Zuschauer. Denn der Rückhalt bei den Menschen schien quasi nicht vorhanden gewesen zu sein. Angeblich lagen die Auslastungszahlen bei unter 50 Prozent, und die Prognosen sahen düster aus.
Es war also ein Ausfall mit Ansage. Ein Schrecken mit einem Ende nach quälender Zeit.

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Die Faisal Kawusi Show

Dienstag, den 17. April 2018
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FR 13.04.2018 | 22.35 Uhr | Sat.1

Faisal Kawusi ist fett. Aber so richtig.
Und, nein, das ist keine Beleidigung, es ist nicht mal unverschämt, das einfach mal so rauszuhauen.
Es ist nämlich das erste, was Faisal Kawusi am Freitagabend auf Sat.1 in seiner neuen Show “Die Faisal Kawusi Show” über sich zu erzählen hatte. Dass er ja so fett ist. Und wie das denn so ist. Und überhaupt.

Warum muss das eigentlich so sein? Möchte er damit irgendwelchen Beleidigungen entgegengehen, in dem er sich erst mal selbst beleidigt? Dabei ist eigentlich nichts unlustiger, wenn jemand nichts Besseres zu erzählen hat, als über die eigenen Unzulänglichkeiten zu sprechen.
Und damit wir auch noch genauer wissen, wovon er spricht, handelt dann auch noch der erste Einspieler davon, wie er oben ohne bei den Chippendales tanzt. Denn schließlich ist er ja fett, und darüber will er reden, und es sollen auch alle sehen.

Klar, kann er machen. Aber es macht noch lange keine gute Comedyshow aus. Wenn es die Idee ist, sich nur daran abzuarbeiten, schaltet man ganz schnell weg.
Deshalb wurde das ganze auch erträglicher und schmunzeliger, als Kawusi dann wirklich mal eine Idee hatte. Als afghanischer Reporter verkleidet, wollte er von Passanten in Spandau wissen, ob es dort schön genug für Flüchtlinge sei. Und mit Vanessa Mai tanzte er. In den Momenten der Show ging es darum, lustige Dinge zu tun – hätte er mal gleich von Anfang an so machen sollen.

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ZAPPER VOR ORT: aspekte

Montag, den 16. April 2018
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FR 13.04.2018 | Berlin, ZDF-Hauptstadtstudio

Das wöchentliche ZDF-Kulturmagazin wird jeden Freitag um 20 Uhr im Zollernhof in Berlin-Mitte aufgezeichnet. Direkt dort, Unter den Linden, ist das Hauptstadtstudio des ZDF.
Jacken, Taschen und auch Handys müssen abgegeben werden. Irgendwie schade, denn so kann man nicht mal ein Foto machen, bevor die Aufzeichnung beginnt oder direkt danach.
Das Publikum wird in zwei Blöcken auf lauter Würfeln platziert. Moderator Jo Schück gibt zwischendurch zu, dass das nicht sehr gemütlich ist, aber die Sendung dauere ja nur 45 Minuten.

Am Freitag waren sie alle ein bisschen aufgeregter als sonst. Denn der Weltstar Nana Mouskouri war zu Gast. Sie gehört zu den erfolgreichsten Sängerinnen der Welt und hat schon 134 (!) Alben rausgebracht.
Die Sendung hat noch gar nicht begonnen, da kommt Nana schon ins Studio und bekommt Standing Ovations – ist wohl so noch nie vorgekommen. Jo Schück und Katty Salié sprechen mit Nana Mouskouri einen kleinen Vorschautrailer ein, dann kann auch schon die eigentliche Sendung losgehen.
Für wird eigentlich live on Tape aufgezeichnet, doch diesmal kommt es gleich zu Beginn zum Abbruch. Katty Salié spricht ihre Startmoderation in die falsche Kamera.
Das ist nicht tragisch, aber für uns im Publikum natürlich spannend zu beobachten. Wie es überhaupt spannend ist, denn das Studio ist relativ klein, von überall kann man gut sehen. Ein Interview zum Thema Heimat fand auf der kleinen Bühne direkt vor uns statt.

Der eigentliche Auftritt von Nana Mouskouri war magisch. Nach einem Talk sang sie den Amy-Winehouse-Song “Love is a losing Game”. Das ging ans Herz, wie sie da so auf der Bühne und dieses wunderschöne Lied sang.
Dann war die Sendung zu Ende. Eigentlich. Aber für uns im Studio sang sie noch eine Zugabe: “Lili Marlene”. Danach gab es noch mal standing Ovations.
Als sie damit fertig war, gab es eine Nachricht aus dem Regieraum. Angeblich sei die erste Version von “Love is a losing Game” technisch nicht ganz einwandfrei gewesen, man wolle die gern noch mal aufzeichnen. Allerdings glaube ich eher, dass sie sehr perfekt war – aber da da Publikum am Ende nicht aufgestanden ist. Diese Ovationen wollte die Regie gern auch in der Sendung haben.
Also sang Nana noch mal, und sie ist Profi genug, das hinzubekommen. Die Magie war da leider schon ein bisschen verflogen – aber wir als Publikum waren natürlich folgsam und sorgen dann für die gewünschten stehenden Ovationen.

Mal abgesehen davon, dass “aspekte” ein erfreulich lockeres und sehenswertes Kulturmagazin ist – das allerdings freitags nach der “heute nacht” und vor Jan Böhmermann total deplatziert ist -, es macht Spaß, das live in Berlin mitzuerleben.

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Echo 2018

Sonntag, den 15. April 2018
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DO 12.04.2018 | 20.15 Uhr | VOX

Ist ja nur Rap. Da weiß ich gar nicht, warum wir uns da so aufregen. Wenn es da in einem Text sinngemäß heißt, dass sein Körper definierter sei als von Auschwitz-Insassen. Dabei weiß doch jeder, dass man als Rapper alles darf.
Und damit haben Kollegah und Farid Bang total viel Erfolg – und einen Echo, Deutschlands wichtigsten Musikpreis, durften sie am Donnerstagabend dafür auch noch in Empfang nehmen.

Alles nicht so schlimm? Alles übertrieben?
Wenn Kinder und Jugendliche auf dem Schulhof als Juden beschimpft werden, wenn Jugendliche immer noch als Schwuchtel und schwule Sau betitelt werden, dann hat das auch mit den widerlich-prolligen Texten von Kollegah und Farid Bang zu tun.
Das ist vielleicht Kunst, und vielleicht ist das von einer gewissen künstlerischen Freiheit gedeckt. Aber ist es auch was, dem man Preise hinterherschmeißen muss? Muss man antisimetische Texte und Hassreden auch noch mit Lob belohnen?

Campino von den Toten Hosen war am Donnerstag, der während der Live-Übertragung der Echo-Verleihung bei VOX den Arsch in der Hose hatte, etwas dazu zu sagen. Mit zittrigen Händen las er einen Brief vor, in dem er sich von solchen Texten und Interpreten distanzierte.
Später erhielten Kollegah und Farid Bang dann tatsächlich einen Echo (der eben nicht nur nach reinen Verkaufszahl-Aspekten vergeben wird, sondern eine Jury entscheidet mit) und verhöhnten Campino. Die Echo-Macher ließen es dann sogar zu, später die beiden Rapper extra noch mal auftreten zu lassen.

Und was machten die anderen Künstler? Saßen rum und taten nichts. Campino nahm seinen Preis trotzdem an. Mark Forster trat danach auf, als sei nichts gewesen. Bloß nichts Politisches sagen – bloß nicht anecken. Die Branche hat kollektiv versagt und auf die Menschenwürde gepfiffen.
Jaha, sagen da jetzt die Fans, aber Kollegah und Farid Bang haben sich doch bei einer Holocaust-Überlebenden entschuldigt. Was aber natürlich sinnfrei ist, wenn man den Song dann locker-flockig weiterträllert. Da ist so eine Entschuldigung nur für den Arsch. Noch haarsträubender wird es, wenn es heißt, zur Entschädigung können Juden kostenlos zu den Konzerten, wenn sie am Einlass Bescheid sagen. Ja, natürlich, sollen die Juden doch mal bitte ihren Judenstern an der Kasse zeigen. Dann werde man sie kurz in den Arm nehmen und ins Konzert lassen. Da bekommt man echten Brechdurchfall.

So wird nach und nach der Raum frei gemacht für Gedankengut des Nationalsozialismus. Und schon jetzt gibt es viel zu viele Leute, die da nichts mehr gegen haben und stattdessen von Meinungsfreiheit und Stasimethoden faseln.

Aber die Veranstalter des “Echo 2018″ haben so oder so das Gespür dafür verloren, wie man gutes Entertainment macht. Völlig lahm und ohne komplett ideenfrei schleppte sich die dreistündige Show dahin. Kein Intro (also wirklich gar keins), kaum Humor, einfach gar nichts.
Am schlimmsten war aber die Idee, die diesjährige Totenehrung durch Poetry-Slamerin Julia Engelmann begleiten zu lassen. Nicht nur, dass sie über einen gewissen Chester Benningfield redete, der in Wirklichkeit Bennington heißt. Sie leierte einen wirren Text zu den Fotos der verstorbenen Künstler derart gelangweilt runter, dass es einen schüttelte. Ja, sie tat es im Poetry-Slam-Style. Der passte dort aber ganz und gar nicht hin, wirkte schrecklich deplatziert.

Wann kommen endlich die Kreativen, die es doch in Deutschland ganz sicher gibt, und möbeln die langweiligen und einfalls- und lustlosen Preisverleihungen mal auf? Und dann holt auch wieder “normales” Publikum in den Saal – und nicht die Branchenheinis, die sich bei solchen Events eh nur langweilen.

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ntv live: Mark Zuckerberg vor dem US-Kongress

Samstag, den 14. April 2018
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DI 10.04.2018 | 20.00 Uhr | ntv

Da sitzt er nun wie ein Schüler in einer mündlichen Prüfung. Schüchtern und mit den Augen klimpernd, und irgendwie war da auch ein bisschen Angst im Gesicht. Mark Zuckerberg, der Erfinder und Chef von Facebook, saß am Dienstag vor dem US-Kongress, um über den aktuellen Datenskandal Auskunft zu geben. Der Nachrichtensender ntv übertrug live.

Vieles ist merkwürdig an diesem Skandal. Eine Firma hat viele Millionen Kundendaten von Facebook bezogen, um Parteienreklame zu versenden. Das ist ärgerlich – aber wussten wir nicht alle, dass die Daten, die wir bei Facebook hinterlassen, irgendwie ausgewertet werden? Werden nicht schon immer Adressen vertickt – woher kommen sonst immer mal wieder die Reklamebriefe zu uns?

Dennoch kann man ja mal nachfragen, und ein Mitglied der Demokratischen Partei hakte ordentlich nach. Ob denn Mark Zuckerberg mal sagen könnte, in welchem Hotel er gestern Nacht war. Wollte er lieber nicht sagen. Mit wem denn der Mark gestern telefoniert habe. Wollte er lieber nicht sagen.
Datenschutz, ne?! Den findet der Mark irgendwie wichtig. Also, zumindest wenn es um ihn selber geht. Wer jedoch auf seine Plattform kommt, der hat gefälligst alles preiszugeben. Jeder soll sehen, wo er war, mit wem und ob es toll war. Und jeder soll auch sehen, wenn er oder sie auf Facebook irgendwo sich an einer Diskussion beteiligt. Alles total transparent.
Nur der Mark hat darauf keinen Bock. Merkwürdige Sache.

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Michael Schulte: You let me walk alone

Freitag, den 13. April 2018
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DI 10.04.2018 | 19.09 Uhr | 104.6 RTL

In vier Wochen steigt in Lissabon der Eurovision Song Contest, und seit einigen Wochen steht auch fest, wer für Deutschland zur großen Show nach Portugal reisen wird. Michael Schulte wird “You let me walk alone” singen.

Und wenn wir mit diesem Song wieder einmal scheitern sollten, dann wird das Geschrei (wie in jedem Jahr) groß sein. Dabei sind es doch wir Deutschen selbst, die mit Unterstützung für den eigenen Song geizen.
Sicherlich, es gibt garantiert immer Lieder, die man besser finden wird, aber der Schulte-Song ist durchaus eingängig und gut hörbar. Aber natürlich muss er sich in Lissabon gegen diverse andere sehr gute Songs durchsetzen. Immer auch ein wenig eine Glücksfrage.

Der Rückhalt hierzulande ist gering. Wie überhaupt es der NDR nicht gerade wichtig nimmt, den Eurovision Song Contest in Deutschland zu zelebrieren. Michael Schulte ist nicht gerade präsent, und von unserem Nachbarland Österreich, das ebenfalls einen tollen Song zu bieten hat, wollen wir erst gar nicht reden. Bislang durften beide Interpreten nur einmal bei Florian Silbereisen gegeneinander antreten. Das war’s dann aber auch.

Läuft der Schulte-Song aber auch im Radio rauf und runter? Radiotauglich ist er in jedem Fall. Wie doch überhaupt mal die Musikredakteure in die Liste der Song-Contest-Lieder 2018 schauen könnten – da ist einiges bei, was man vorab auch mal spielen könnte.
Am Dienstagabend ist aber bei 104.6 RTL in Berlin etwas ganz Nettes passiert. In der “Top 7 um 7″ schaffte es Michael Schulte mit “You let me walk alone” auf Platz 4. Was hoffentlich auch bedeutet, dass es hin und wieder auch im normalen Programm zu hören ist.

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Hebammen im Einsatz

Donnerstag, den 12. April 2018
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DI 10.04.2018 | 11.00 Uhr | RTL

RTL ist ausnahmsweise mal auf der Höhe der Zeit. Also, so ganz grundsätzlich. Dort ist diese Woche eine neue Dokureihe angelaufen. Es geht um Hebammen.
Der Beruf der Hebamme war kürzlich verstärkt in den Medien präsent. Wegen der extrem teuren Versicherung, die Hebammen zu zahlen haben – und die diesen Beruf kaum noch einträglich machen, was natürlich ein Skandal ist.
Darum geht es in der RTL-Dokureihe. Nicht.

“Hebammen im Einsatz” dreht zwar in der Tat um den Beruf der Hebamme. So wird eine Familie besucht, die sich Ratschläge für den richtigen Umgang mit dem Baby sucht. Über das richtige Baby-Bäuerchen. Auch eine werdende Mutter ist ein Thema, und die Hebamme untersucht die Frau und ihren Bauch.

Gut und schön. Aber eigentlich viel zu wenig RTLig. Da muss doch noch ein bisschen Krawall her. So eine Familie am Abgrund.
In der Folge am Dienstagvormittag ging es deshalb um eine junge Frau und ihren Freund. Das Baby wurden ihnen weggenommen. Nun war die Hebamme da, um zu klären, wie es weiter gehen soll. Das Bad war zugemüllt, die Wanne als Abwaschbecken missbraucht, das Geschirr und Wasser daran schon faulig. Die Küche ist nicht zu gebrauchen. Da kann kein Baby leben.
Die Hebamme versucht zu retten, was zu retten ist, aber die Frau war bockig. Schimmel? Ach was, gestern hat sie noch in der Wanne gebadet, das könne ja nicht sein, dass der Dreck schon länger da drin liegt. Und jetzt aufräumen? Da mache sie sich ja dreckig. Das könne sie doch morgen noch. Als die Hebamme widersprach, hatte die Frau ohne Baby erst recht keinen Bock mehr.
Endlich Krawall! So kennen wir RTL! Wäre doch sonst viel zu langweilig im Vormittagsprogramm!