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Der alltägliche Medienwahnsinn

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Markus Lanz: Joachim Gauck

Montag, den 24. Juni 2019
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DO 20.06.2019 | 23.20 Uhr | ZDF

Früher war die CDU mal rechts. Und die CSU erst recht.
Heute will keiner mehr rechts sein. Selbst die, die rechts sind.

Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck sorgt für Diskussionen, weil er mehr Toleranz für Rechts fordert. Das wirkt im Kontext mit dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke etwas merkwürdig. Auf den ersten Blick. Am Donnerstagabend sprach er dazu im ZDF in “Markus Lanz” mit Markus Lanz.
Gauck sprach dort etwas an, was in der momentanen gesellschaftlichen Diskussion offenbar wirklich abhanden gekommen ist: der Unterschied zwischen Rechts und Rechtsextrem.
Gauck sagt, wir müssen auch rechte Meinungen zulassen, sie uns anhören, darüber diskutieren. Das aber heißt nicht, dass man in der Toleranz nie intolerant sein darf. Rechtsextreme seien da auszuklammern. Da höre jede Toleranz auf.

Dieses 74 Minuten lange Gespräch war sehr fesselnd. Denn Joachim Gauck sprach einen wundern Punkt an, über den wir in Deutschland diskutieren sollten.
Es gibt rechte Meinungen und linke Meinungen. Aber selbst die CDU ist in den vergangenen Jahren mehr und mehr Richtung Mitte und Links gerückt. Rechte, konservative Ansichten hängen seitdem im luftleeren Raum, und da kam offenbar die AfD ins Spiel. Sieht man sich Wahlplakate der CDU aus den 90ern an, dann könnte man meinen, man lese heutige AfD-Parolen, und damals schien das vollkommen normal. Heute wird hysterisch darauf reagiert.
Und schon das Nachdenken darüber, wie mit Rechten (nicht: Rechtsextremen!) umgegangen wird, sorgt also schon für Diskussionen und zur Frage, wie sich denn Gauck erdreisten könne, so was auch nur zu denken. Dabei regt er eine diskussionswürdige Debatte an. Nun muss sie nur noch zugelassen und nicht gleich niedergedrückt werden.

Gut, dass Markus Lanz diesem Gespräch, diesem spannenden Gedankenaustausch den größtmöglichen Raum gab.

-> Die Sendung in der ZDF-Mediathek (bis 20. September 2019)

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Schlager sucht Liebe

Montag, den 17. Juni 2019
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SO 16.06.2019 | 19.05 Uhr | RTL

RTL präsentiert sich im Sonntag-Vorabendprogramm extrem kreativ. Da werden ausnahmsweise mal keine Schwiegertöchter gesucht. Und Bauern suchen auch keine Frauen. In diesem Fall heißt es “Schlager sucht Liebe”. Single-Schlagerstars wollen sich verlieben, und da sehen sie leider keine andere Möglichkeit, als zu versuchen, das über den RTL-Umweg zu tun. Und so schauen sie, welche Singles ihnen RTL vorsetzt.
Moderiert wird dieses spannende, nie da gewesene Sozialexperiment überraschenderweise weder von Inka Bause oder von Vera Int-Veen, sondern von Beatrice Egli.
Die steht zu Beginn der Kuppensause in einem schreiend roten Kleid und faselt von den armen Schlagerstars, die so alleine sind.

Tim Toupet ist schon ein Jahr Single, und das mache ihn nervös, sagt ein enger Freund. Auf einem Tablet zeigt ihm Beatrice Egli, was der RTL-Schlagerheiratsmarkt so hergibt, und schon bald steht eine Rothaarige bei ihm vor der Tür. Das Bett im Kinderzimmer hat Tim schon vorbereitet.

Das könnte trashig sein, ein bisschen abwegig. Es ist jedoch einfach nur bedrückend langweilig. Zu erfahren, ob der Schlagermann eine Frau findet, hat in meinem Leben so gar keine Priorität, als dass ich zwingend weiterhin RTL einschalten müsste. Eine der Bewerberinnen ist übrigens auch Schlagerstar – oder sie will einer werden. Ich drücke jedenfalls die Daumen: Wenn es bei ihr nicht mit der Hochzeit klappt, dann ja über RTL mit der Karriere. Zu irgendwas muss dieses öde Format – das genauso nach Schema F funktioniert die die Bauernfrau- und Schwiegertochtersuche – ja gut sein.

Und während Tim mit seinen beiden Hochzeitanwärterinnen in der Küche Kuchen isst… Hach, draußen ist so ein schönes Wetter…

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How to sell Drugs online (fast)

Sonntag, den 16. Juni 2019
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FR 14.06.2019 | Netflix

Moritz (Maximilian Mundt) ist am Boden zerstört. Seine große Liebe Lisa (Lena Klenke) kommt von ihrem Austauschjahr zurück – und eröffnet ihm, dass sie sich trennen wolle. Sie habe sich verändert, sagt sie. Und das hat sie auch, so irgendwie. Sie steht auf Dan (Damian Hardung), der Drogen vertickt. Das kann Moritz einerseits nicht nachvollziehen – aber diese Drogengeschichte packt ihn dennoch, oder er schlittert irgendwie da rein. Mit seinem besten Freund Lenny (Danilo Kamperidis) gründet er einen Onlinehandel für Drogen – und das Ding geht durch die Decke.

Das Spannende an Netflix-Serien ist ja, dass es bei dem Streaminganbieter an sich gar nicht wichtig ist, woher eine Serie stammt. Man muss schon genau hinsehen, um rauszufinden, dass die Serienware längst nicht nur aus den USA stammt. “How to sell Drugs online (fast)” ist eine deutsche Produktion von der Bild-und-Tonfabrik, die auch das “Neo Magazin Royal” produziert. Nicht nur durch den englischen Titel (Wie kaufe ich online Drogen – schnell), auch in der Machart wirkt der Sechsteiler sehr international.
Zwar nimmt man Maximilian Mundt seine 17 Jahre nicht zwingend ab – der Schauspieler ist weit über 20 -, aber die Serie selbst und kurzweilig, witzig und oftmals auch spannend. Da gibt es kurze Erklärungseinschübe, Chatverläufe werden gezeigt, und auch sonst ist es recht einfallsreich.
In Nebenrollen sind u.a. Bjarne Mädel und Olli Schulz zu sehen. Ob es eine Fortsetzung gibt ist noch offen – aber irgendwie kann man davon ausgehen.

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Bereitschaft Dr. Federau

Mittwoch, den 12. Juni 2019
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MO 10.06.2019 | 10.00 Uhr | rbb

Eine Notärztin, die nach dem Tod ihres Mannes ihr Leben wieder anpackt. Die kein Hausmütterchen ist, in ihrem Job hochgeachtet ist. Die ihren pubertierenden Sohn erzieht. Die ihrem Sohn die Meinung geigt, wenn es in der Schule nicht gut läuft.
Der Fahrer des Krankenwagens, der schwer verunglückt und im Rollstuhl landet. Der deshalb verzweifelt ist, Hilfe braucht und bekommt. Der Gefühle zeigt und nach Auswegen sucht.
Das Paar, bei dem sie keine Kinder bekommen kann. Wo er Verständnis hat, und wo sie beide schauen, ob sie ein Pflegekind annehmen können.
Die Mitarbeiterin in der Rettungsstelle, dessen alte Mutter dement ist, die aber keine Zeit hat, sie zu pflegen und die deshalb verzweifelt ist, weil sie nicht weiß, wie sie das packen soll.

Klingt nach einer Serie mit Geschichten aus dem Leben, und das ist „Bereitschaft Dr. Federau“ auch. Besonders ist: Die Serie mit den nur sieben Folgen lief 1988 erstmals im Fernsehen der DDR. Und über Pfingsten mal wieder im rbb. Sie gehört, mehr als 30 Jahre danach, immer noch zu den beliebtesten DDR-Serien. Und das durchaus zurecht.

Sicherlich ist es so, dass sie manchmal bieder wirkt. Auch die technische Ausstattung ist hier und da ausbaufähig. Auch die Szenen im Rettungsdienst wirken nicht immer so professionell.
Aber dennoch: Auch 2019 kann man „Bereitschaft Dr. Federau“ immer noch gut ansehen. Denn der Parteidrill der SED spielt nur am Rande eine Rolle. Sohn Frank will keine Karriere machen, sondern Tierpfleger werden. Und auch der Rettungsdienst hat so seine Probleme, wenn Geisteranrufer für Ärger sorgen oder die Technik streikt. Oder wenn es darum geht, dass Brote schwer zu bekommen sind.
Wenn es in der Serie eine Ideologie gibt, dann gilt die in der Regel auch heute noch: Nächstenliebe, Achtsamkeit, Freundschaft.
Kein Wunder, dass die Leute immer wieder einschalten, wenn „Bereitschaft Dr. Federau“ im rbb oder im mdr läuft.

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Lassie

Dienstag, den 11. Juni 2019
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SO 09.06.2019 | 19.00 Uhr | KiKA

Lassie ist zurück! Am Pfingstsonntagabend liefen im KiKA die neuen Folgen an, und die wichtigste und bestürzendste Erkenntnis ist: Lassie spricht!

1943 gab es erstmals einen Kinofilm mit Lassie, der Collie-Hündin, die ihren menschlichen Begleitern immer eine treue Freundin war und sie aus schwierigen Situationen befreite. In den späten 80ern lief die alte “Lassie”-Serie auf Sat.1, später gab es noch eine neuere Serie.

Das ist alles lange her, und erst neulich habe ich mich gefragt, warum denn “Lassie” heute keine Rolle mehr spielt. Dabei gibt es die Serie auch 2019 noch – in Form einer Zeichentrickserie.
“Lassie” 2019 allerdings ist lieblos animiert, Wälder sind, um so weiter der Hintergrund ist, nur noch verwachsen gezeichnet, am Ende ist einfach eine grüne Fläche, wie eine Wand. Die Figuren bewegen sich holzschnittartig, Lassie selbst ist kaum noch als Collie erkennbar.

Billig und schlecht bis zum Abwinken. Und dann redet Lassie auch noch. Allerdings nicht mit den Menschen, sondern nur, wenn das Hundchen im Kreise anderer Tiere ist. Der Moment, wo man entgeistert ganz schnell den Sender wechselt.
Aber die Erwachsenen sind eh nicht die Zielgruppe, sondern vermutlich die ganz Kleinen. Warum “Lassie” dann aber nach dem Sandmännchen läuft, ist unklar.

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Karneval der Kulturen 2019

Dienstag, den 11. Juni 2019
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SO 09.06.2019 | 14.00 Uhr | rbb-online

Auch 2019 war es dem rbb nicht möglich, den “Karneval der Kulturen” live im rbb-Fernsehen zu übertragen. Das muss man verstehen, denn immerhin muss ganz dringend ein olle Horst-Krause-Kamelle wiederholt werden. Da ist natürlich für so eine Live-Übertragung kein Platz frei.
Doch auch online war es nicht so einfach, den Livestream zu finden.

Wer am Pfingstsonntagnachmittag in der ARD-Mediathek nach der Live-Übertragung suchte, suchte vergeblich. Nichts. Kein Eintrag. Keine Live-Sendung. Auch im rbb-Bereich der Mediathek gab es keinen Hinweis auf den “Karneval der Kulturen”.
Stattdessen gab es die nur auf radioeins.de und bei rbb-Online. Man konnte sich das Ganze also auf dem Laptop anschauen. Wer es auf den Fernsehbildschirm haben wollte, musste sich sehr umständlich auf den entsprechenden Webseiten einwählen.

Möchte der rbb nicht, dass die Zuschauer dieses Event live verfolgen? Warum wird es in den Weiten des Internets versteckt? Natürlich gab es auch auf den Youtube-Seiten der Sender keine Live-Übertragung.
Wozu macht sich der rbb eigentlich die Mühe dieser Sendung, wenn sie auf keinem herkömmlichen Verbreitungsweg verfügbar ist? Und warum gibt es im rbb-Fernsehen nachts um 1 Uhr nur eine Wiederholung?

Der olle Horst Krause hatte am Sonntag im Verbreitungsgebiet 50.000 Zuschauer. Das hätte der Karneval sicherlich auch geschafft.

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Die Elbe. Ganz in Ruhe. Von Hamburg bis zur Nordsee

Montag, den 10. Juni 2019
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SO 09.06.2019 | 11.30 Uhr | NDR

Etwas mehr als 100 Kilometer. Das Segelschulschiff “Alexander von Humboldt II” braucht etwas mehr als fünf Stunden von Hamburg bis nach Cuxhaven.
So lange dauerte am Pfingstsonntag auch die entsprechende Übertragung im NDR. Stichwort: Slow-TV.

“Die Elbe. Ganz in Ruhe. Von Hamburg bis zur Nordsee” hieß die Sendung, von der allerdings nicht so ganz klar war, ob sie live oder eine Aufzeichnung war. Sie sah jedenfalls live aus.
Moderator Arne-Torben Voigts begrüßte die Zuschauer, als sich das Schiff noch im Hamburger Hafen befand. Wir beobachteten das Ablegen, hörten, was die beiden Schiffsführer sagten. Wir sahen, wie die Landungsbrücken immer weiter abrückten und das Schiff an Fahrt aufnahm.

Es dauert, bis ein Schiff von A nach B gelangt, und diese Langsamkeit sollte auch in dieser Sendung vorherrschen. Lange Einstellungen, wenige Schnitte. 16 Kameras waren auf dem Schiff verteilt, außerdem offenbar eine Drohne.
Es gab Interviews, Berichte darüber, was auf dem Schiff passiert und wer da so arbeitet. Es ging um Entschleunigung, Ruhe und Achtsamkeit – und oft wurde auch minutenlang gar nicht geredet, und wir sahen die Elblandschaft an uns vorüberziehen. Manchmal mit Musik unterlegt oder auch mit Hörfunkbeiträgen, während wir weiter die Schiffsbilder sahen.

In Skandinavien ist Slow-TV wohl eine große Nummer, und dass der NDR so was auch probiert, ist toll. Dass das auch nicht nur im Nachtprogramm zu sehen ist, noch besser. Man konnte sich Zeit nehmen und einfach mal genießen, ganz ohne Hektik.

Fortsetzung sollte folgen! Norddeutschland hat noch viele Flüsse oder andere Dinge, die man in Echtzeit begleiten könnte.

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