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Der alltägliche Medienwahnsinn

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Acapulco H.E.A.T

Mittwoch, den 20. Februar 2019
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DI 19.02.2019 | 16.00 Uhr | tm3

Ja, du liest richtig: tm3.
tm3 gibt es wieder, es aber ist nicht das tm3, das als Frauensender startete und später als Spielesender in 9live aufging.
Hinter dem “neuen” tm3 verbirgt sich das ehemalige Family.TV, der kleine Rumpelsender, der vor einigen Jahren durch wunderliche Live-Sendungen aufgefallen ist. Und durch Einschaltquoten-Angaben, die völlig utopisch und wenig bis nicht glaubhaft waren. Und durch ein Programm, für das Family.TV wohl hier und da gar keine Ausstrahlungsrechte hatte. So lief dort angeblich mal “Grand Budapest Hotel”, und lange hat der Senderbetreiber behauptet, die Rechte daran gehabt zu haben. War wohl doch nicht so. Immer wieder ist zu lesen, dass Leute in Sendungen eingeladen werden, und die dann erzählen, wie furchtbar das alles gewesen sei – von der Kohle mal abgesehen.
Warum im Januar Family.TV dann in tm3 umbenannt wurde, ist nicht so ganz klar. Immerhin hatte das “alte” tm3 ja nicht das beste Image, und selbst zu Frauensender-Zeiten war das Interesse gering.
Die Marke tm3 war aber wohl zu haben.

So richtig viel Programm hat tm3 allerdings nicht zu bieten. Die Serie “Acapulco H.E.A.T.” läuft auf diversen Sendeplätzen. Dazu noch zwei, drei Serien, die jeweils im Spätprogramm laufen, außerdem Teleshopping, ein sonnenklar.TV-Sendefenster, ein paar Reisedokus – das war’s im Großen und Ganzen.
Damit werden sogar zwei Sender bestückt, denn tm3 plus gibt es auch noch.

Unklar ist, wie lange noch. Denn das Verwaltungsgericht Stuttgart hat in dieser Woche beschlossen, dass tm3 seinen Sendebetrieb einstellen muss. Die Landesanstalt für Kommunikation in Baden-Württemberg hatte das zuvor auch schon so entschieden. Der Betreiber legt Widerspruch ein, und tm3 sendet weiter vor sich hin.
Die Frage ist nur: für wen eigentlich?

Hits: 5

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Berlinale 2019: Die Bärenverleihung

Sonntag, den 17. Februar 2019
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SA 16.02.2019 | 19.00 Uhr | 3sat

Für ein paar Minuten standen die Berlinale-Filme vollkommen im Hintergrund. Denn die Bärenverleihung bei der Berlinale 2019 – live übertragen von 3sat – begannen am Sonnabendabend mit einer ganz besonderen Ehrung: Der bisherige Festivaldirektor Dieter Kosslick verabschiedet sich. Es war seine letzte Berlinale.
Zum Abschied flogen ihm noch mal die Herzen zu, lang anhaltender Applaus und viele warme Worte im Berlinale-Palast. Immerhin 18 Jahre lang – fast eine ganze Generation lang – prägte er die Berliner Filmfestspiele.

Er machte aus der Berlinale ein echtes Fanevent. Die Fans können dabei sein, wenn die Stars über den Roten Teppich laufen. Auf dem Potsdamer Platz können die Tickets gekauft werden. Das Festival kommt aber auch in den Kiez. Denn auch kleine Kinos in den Stadtbezirken bekommen nun auch etwas vom Berlinale-Kuchen ab. Denn das war offenbar Kosslicks Maxime: Die Berlinale soll für die Menschen da sein, die den Film feiern möchten. Am Sonntag nach der Preisverleihung gibt es deshalb noch einen Publikumstag, an dem alle Filme noch mal in den vielen Kinos laufen, die an der Berlinale beteiligt waren.

Kein Wunder, dass am Sonnabend bei der Schlussfeier viel Rührung herrschte, als sich der fröhliche Dieter Kosslick von den Leuten verabschiedete.

Hits: 75

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Die Conners

Samstag, den 16. Februar 2019
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MI 13.02.2019 | 22.05 Uhr | Disney Channel

So schnell kann es gehen. Ein rassistischer Tweet auf Twitter reichte, und Roseanne flog aus ihrer eigenen Serie. Schwupp und Aus.

“Roseanne” gehörte zu den diversen 90er-Comedyserien, die im vergangenen Jahr wiederbelebt worden ist. Der Erfolg war in den USA ganz ordentlich, in Deutschland war sie im Free-TV noch nicht mal angelaufen.
Da setzte sie auf Twitter einen Spruch ab, der sich gegen eine afroamerikanische Politikerin richtete. Die Empörung war groß, Roseanne Barr stand mitten im Shitstorm, und ihr Sender hat sie kurz danach entlassen. In Deutschland verzichtete der Disney Channel relativ spontan ganz auf die Ausstrahlung der Serie.

Aber die Show muss weitergehen, und sie geht weiter. Roseanne ohne Roseanne heißt nun “Die Conners” und ist am Mittwochabend im Disney Channel angelaufen.
Die neue Staffel – im Grunde ist es ja keine neue Serie – beginnt mit Roseanne Tod. Eine Überdosis Tabletten. Das passt sogar, weil das in den USA wohl ein echtes Problem ist. Damit ist aus der Comedy zwar zwischendurch ein Drama geworden. Aber hauptsächlich hat dieser Vorgang eines gezeigt: Niemand ist unersetzlich. Niemand ist so berühmt, dass er oder sie sich alles erlauben kann. Was man auch tut, es kann Folgen haben, und Roseanne hat das zu spüren bekommen.

Hits: 89

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Die Klempnerin

Freitag, den 15. Februar 2019
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DI 12.02.2019 | 21.15 Uhr | RTL

Bei RTL haben sie was ganz Neues. Zumindest tun sie so. Am Dienstagabend lief dort die erste Folge der neuen Serie “Die Klempnerin”. Allerdings geht es darin nicht um eine Frau, die Bäder renoviert. Das wäre ja fast noch innovativ gewesen. Stattdessen ist “Die Klempnerin” die neueste Krimi-Massenware.

Das Konzept ist ärgerlich simpel: Da gibt es die etwas spezielle Ermittlerin – in diesem Fall: Polizeipsychologin – und immer gibt es einen Kriminalfall, der zu lösen ist. Ähnlich funktionieren viele andere Serien in Deutschland, und selbst RTL hat davon einige im Programm.
Bloß keine Experimente. Bloß nicht mal was anderes machen. Die Zuschauer könnten ja zu fasziniert sein.

Ja, sicher, die Polizeipsychologin Mina Bäumer (Yasmina Fjaballah) ist ein bisschen anders. Ziemlich direkt, aber immer irgendwie auch nett.
Aber will man das wirklich noch sehen? Will man Woche für Woche auf das Schema F warten? Auf eine Serie, die langweilig herkömmlich ist? Die ohne einen speziellen Kniff auskommt, ohne einen spannenden oder irgendwie interessanten Stil?
Nein. Folge 1 ist nett. Nicht weniger, aber eben vor allem nicht mehr. Sie bietet keinen Impuls, warum man dran bleiben sollte. Es handelt sich um Massenware mit einem blöden, lahmen Titel.

Hits: 79

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Schlag den Star: Sasha vs. Tim Mälzer

Donnerstag, den 14. Februar 2019
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SA 09.02.2019 | 20.15 Uhr | ProSieben

Ein gutes Konzept allein macht noch keine gute Show. Man braucht Leute, die dieses Konzept mit Leben füllen. Das haben wir sehr eindrucksvoll am Sonnabendabend auf ProSieben erleben dürfen.
Nachdem Steffen Henssler keine Lust mehr auf den Wettbewerb hatte, den einst Stefan Raab ins Leben gerufen hatte, zeigt ProSieben nun stattdessen wieder “Schlag den Star”.
Zwei Stars treten in bis zu 15 Spielen live gegeneinander an. Ende offen. Verlauf sowieso.

Das Konzept funktioniert. Auch deshalb, weil es ja eigentlich nur ein Grundgerüst ist. Die 15 Spiele sind immer andere, keine Show gleicht der anderen.
Aber was ist, wenn die Promis lahm sind? Wenn Sarah Lombardi in Wirklichkeit gegen Eko Fresh keine Chance hat? Oder wenn die Stars an sich langweilig sind? Dann hilft auch das beste Showkonzept nichts. Lahm bleibt lahm.

Am Sonnabend aber traten Sasha und Tim Mälzer gegeneinander an. Und insbesondere der Fernsehkoch Mälzer hat an diesem Abend bewiesen, was für ein phantastischer Entertainer er ist. Er hat ein bisschen mit den Pfunden zu kämpfen, und deshalb hatte er hier und da ordentlich zu pumpen. Aber das war es nicht, was es so spannend machte: Er nahm die Show ernst, er wollte gewinnen – aber das immer mit sehr viel Humor und Ironie. Er wollte den Sieg, blieb dabei aber immer sympathisch. Flüche, kleine Wutausbrüche – alles blieb im Rahmen des Guten.
Sasha war der ruhigere Gegenpool, derjenige, der besonnener sein Ding durchzog – im Gegenspiel zu Mälzer geradezu perfekt.

Bis nach 1 Uhr dauerte die Show. Wirklich langweilig geworden ist es aber nie, und fast ist es ein bisschen schade, dass Tim Mälzer schon abgewunken hat, dass er der nächste Raab werden möchte.

Hits: 95

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Berlinale-Studio

Mittwoch, den 13. Februar 2019
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FR 08.02.2019 | 22.15 Uhr | rbb

Die Berlinale ist das große Film-Event in Berlin. Stars laufen über den Roten Teppich, es laufen viele Filme, es wird diskutiert und kritisiert.
Als das Berliner Dritte Programm gehört es natürlich zum guten Ton, dass der rbb das tägliche “Berlinale Studio” im Programm hat.

Am Freitagabend begann die Sendung mit einem kulturell besonders wertvollen Beitrag. Es ging nicht um Filme, um gesellschaftliche Trends oder Promis. Nein, es ging um Tüten und Beutel mit Goodies. Der erste Beitrag im Berlinale-Magazin handelte davon, wie toll es Journalisten doch finden, beschenkt zu werden. Sponsoren stellen sich hier und da hin und verteilen Tüten mit ihrem Werbekram. Da greifen die Berlinale-Journalisten natürlich sehr gern zu, denn Geschenke sind doch immer geil.

Diese Selbstverliebtheit ist allerdings auch immer mehr in den Berlinale-Pressekonferenzen zu sehen, wenn Journalisten nicht etwa Fakten, Hintergründe oder Geschichten zum Film wissen wollen, sondern dem Podium erst mal lang und breit mitteilen müssen, warum sie den Film so hervorragend oder scheiße fanden. Was ziemlich peinlich wirkt.
Aber es passt irgendwie doch alles zusammen. Man lebt da in seiner eigenen kleinen Welt, und man freut sich wenn man kostenlos noch was Schönes nach Hause schleppen darf.
Und dazu passt es auch, dass man im “Berlinale Studio” des rbb genau dieses Thema am wichtigsten fand und damit die Sendung begann. Immerhin hat man diese Goodie-Bag am Ende auch noch verlost – und wenigstens noch ein paar Autogrammkarten dazu gelegt…

Hits: 94

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Toni, männlich, Hebamme: Allein unter Frauen

Dienstag, den 12. Februar 2019
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FR 08.02.2019 | 20.15 Uhr | Das Erste

Diese neue Serie sorgte schon im Vorfeld für viel Aufmerksamkeit. Und schon der Titel verrät, warum das so ist: “Toni, männlich, Hebamme”.
Ein Mann in einer Frauendomäne – das ist der Stoff, der die Menschen bewegt. Auf jeden Fall die Menschen in den Medien, die alle ganz begeistert waren und den Auftakt am Freitagabend im Ersten oft gleich mal zum Film des Tages erklärten.

Es geht um Toni Hasler. Er ist in der Klinik die einzige männliche Hebamme. Aber er eckt an im ach so frauendominierten Umfeld. Er wird gefeuert und muss sich nun Gedanken machen. Nebenher hat ihn auch seine Frau verlassen, wegen einer Affäre beim Karneval. Eine Gynäkologin sucht eine neue Hebamme, Toni meldet sich bei ihm. Was sie zunächst nicht weiß: Sie ist Tonis Karnevalsaffäre gewesen – unter einer Maske.

Hui, viel Erregungsstoff, aber am Ende geht alles einigermaßen glatt aus, Toni bekommt seine Praxis bei der Hebamme, und die Serie kann damit wohl beginnen.
Wäre in der Tat recht gut gewesen, wenn dieser Toni nicht so ein Unsympath wäre.
In der ach so frauendominierten Welt fällt er durch flache Unverschämtheiten auf. Das sind die Momente, in denen er einfach nur widerlich ist.
Gut wäre der Film aber auch gewesen, wenn der Hauptdarsteller ein guter wäre. Leo Reisinger spricht seltsam monoton. Man nimmt ihm kaum einen seiner Dialoge ab, weil sie auswendig gesprochen klingen. Betonungen gibt es oft nicht. Hinzu kommen die Stimmfarbe, vielleicht auch ein schlecht abgemischter Ton. Und der Dialekt, der es noch unverständlicher macht.
Deshalb war dieser Serienstart leider eher ein Reinfall. Weil: Was nutzt ein spannender Stoff, wenn die Hauptfigur einfach nichts hermacht, so schrecklich uncool und altbacken ist?

Hits: 127