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Der alltägliche Medienwahnsinn

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Punkt 12: Evakuiert

Freitag, den 24. Januar 2020
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DI 21.01.2020 | 12.00 Uhr | RTL

Katja Burkard auf der Flucht!
Weil in Köln eine Bombe entschärft werden musste und das RTL-Sendezentrum im Sperrkreis lag, sah “Punkt 12” am Dienstagmittag anders aus als sonst.
Während ntv live vom Rheinufer sendete, war das für Katja Burkard offenbar eine zu große Zumutung. Stattdessen ist sie nach Berlin geschickt worden. Mit dem Flugzeug. Nicht auszudenken, wenn sie irgendwo mit dem Zug liegengeblieben wäre.

Immerhin konnte sie endlich mal wieder aus einer richtigen Kulisse senden. Im Berliner Hauptstadtstudio konnte sie der Grünen Hölle in Köln entfliehen. Normalerweise steht sie in einem virtuellen Studio, in Berlin war alles echt. Damit sah die ganze Sendung allerdings ein bisschen wie Anfang der 90er aus, was auch an den seltsamen Klamotten lag, die Katja Burkard auf ihre Berlin-Flucht mitgenommen hat.
Bei der nächsten Bombenentschärfung sollte sie sich vielleicht doch besser ans Rheinufer stellen. Auch wegen der CO2-Bilanz.

-> Ausschnitte auf Youtube

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ntv Nachrichten: Bombenfund in Köln

Donnerstag, den 23. Januar 2020
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DI 21.01.2020 | 10.00 Uhr | ntv

USA-Iran-Konflikt? Gerade nicht wichtig.
Feuer und Überschwemmungen in Australien? Jetzt nicht.
Klima-Debatte? Kurz mal vergessen.
Weil: ntv wurde evakuiert. In Köln wird eine Bombe entschärft.

Dienstagvormittag auf ntv. Der Moderator Christoph Teuner meldete sich nicht aus dem Studio, sondern direkt vom Rheinufer. Denn da, auf der anderen Rheinseite sahen wir das Thema des Tages: Die Bombe, die zu entschärfen war. Weil das ntv-Studio evakutiert worden ist, wurde live von draußen gesendet.
Und wenn man das Ereignis schon mal vor der Haustür hat, dann berichtet man auch ausführlich darüber.
Christoph Teuner schaltet zu einem Reporter, der ganz nah dran steht, an der Bombe. Na ja, in Wirklichkeit steht auch er auf der anderen Seite des Rheins und sieht die Bombenstelle auch nur aus der Ferne – wenn überhaupt.
Wir sehen im Nebel einen Bagger, der baggert. Und wir erfahren, dass bald die Hohenzollernbrücke gesperrt wird. Alles sehr spannend. Für längere Zeit gibt es kein anderes Thema mehr.

Aber so ist es ja immer: Sind die Journalisten unmittelbar von einem Ereignis betroffen, machen sie das ganz große Ding draus. Da wird eine Bombenentschärfung in Köln zum ganz großen Ding, obwohl nur 15 Anwohner betroffen waren – aber eben auch ntv. Und darauf kommt es doch an.
Vielleicht kann ntv mal live aus Oranienburg berichten, wenn mal wieder 12.000 Menschen raus müssen. Aber ist halt ziemlich weit weg vom Sendezentrum in Köln.

-> Ausschnitte auf Youtube

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RTL spezial: Vorsicht – Falsche Polizisten!

Donnerstag, den 23. Januar 2020
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MO 20.01.2020 | 20.15 Uhr | RTL

Das macht wütend. Wir sehen einen Mann, irgendwo in einer Wohnung in der Türkei. Er ruft in Deutschland an, bei einer älteren Frau. Er will sie abzocken. Er tut so, als wäre er ein Polizist, eine Autorität. Und es gehe um Einbrüche und um eine Liste, auf der sie stehe. Sie müsse ihr Geld schützen, und das natürlich mit Hilfe der Polizei. So zocken diese Typen schon mal 30.000 Euro ab.
Und das tun sie, während sie sich an den Eiern kraulen und sich nach dem Telefonat über die Dämlichkeit der Menschen lustig machen.

Sehen konnten wir das, weil RTL einen Ermittler in den Dunstkreis dieser Betrüger eingeschleust hat. So konnten wir die widerlichen Machenschaften dieser Bande beobachten.

Es kommt ja nicht so oft vor, dass man RTL für sein Programm loben kann. Aber am Montagabend leistete RTL echte Aufklärungsarbeit. In einem “RTL spezial” wurde vor falschen Polizisten gewarnt.
Dazu gehörte die Undercover-Reportage, aber auch viele Gäste berichten davon, wie sie betrogen worden sind.

Immer wieder hört man gerade von Senioren, die von Betrügern am Telefon reingelegt werden. Man kann nie genug aufklären. Man kann nicht oft genug betonen, dass die Polizei nie zu Hause anruft, um 30.000 Euro in Sicherheit zu bringen. Gut, wenn ein Sender wie RTL zwei Stunden seiner Primetime für ein solches Thema hergibt.

-> Die Sendung bei TV Now

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Polizeiruf 110: Söhne Rostocks

Mittwoch, den 22. Januar 2020
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SO 19.01.2020 | 20.15 Uhr | Das Erste

Hast du neulich auch den neuesten “Polizeiruf 110” gehört?
Ja, echt, gehört! Anschauen kann sich den Krimi ja jeder. Dass es ihn auch zum Anhören gibt, wissen vermutlich nur wenige.

Gute neun Millionen Menschen sahen am Sonntag den Rostocker “Polizeiruf 110”. In “Söhne Rostocks” geht es um einen Unternehmer und seinen persönlichen Bankrott. Ein Freund von ihm stirbt, der Unternehmer flüchtet, und die Ermittler Bukow und König treffen auf eine Mauer des Schweigens.
Die Sonntagskrimis im Ersten sind die quotenstärksten Filme der Woche. Jetzt hat die ARD aber auch erkannt, dass man da noch mehr draus machen kann – nämlich Hörspiele.

Neu ist das nicht. Früher gab es einige Serien, die auch als Hörspiel verwertet worden sind. Bekanntestes Beispiel ist “Alf”.
In der ARD-Audiothek steht der “Polizeiruf 110: Söhne Rostocks” auch als Hörspielfassung zur Verfügung. Interessanterweise ist sie mit 97 Minuten fast zehn Minuten länger als die Fernsehversion. Für das Hörspiel werden die gedrehten Szenen verwendet, zusätzlich gibt es einen Erzähler, der dem Hörer sagt, was er nicht sehen kann.

Im Fall dieses Krimis funktioniert das einigermaßen. Größtes Problem ist, dass der Erzähler einen erstaunlich großen Raum einnimmt. Denn er sagt nicht nur, was man nicht sieht. Sondern er interpretiert, kommentiert, was die Leute in den Szenen machen und teilt die Gedanken der Protagonisten mit.
Das jedoch ist eigentlich überflüssig, denn der Zuschauer kennt ja die Gedanken auch nicht, und auch der Zuschauer ist in der Lage, sich eigene Gedanken zu bestimmten Vorgängen zu machen.
Ansonsten sind in diesem Podcast die Fernsehszenen auch die Hörspielszenen. Aber an einigen Stellen merkt man es der Produktion an, dass sie nicht fürs Radio gemacht sind. Manches ist schlecht zu verstehen.

Dass der Fall selbst eher nicht so spannend war, ist dann vermutlich nicht zwingend dem Podcast zuzuschreiben. Aber an sich ist es eine schöne Idee und auch naheliegend, TV-Krimis auch als Hörspiel anzubieten.

-> Der Krimi in der ARD-Audiothek (bis 18. Januar 2021)

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Sex Education – Staffel 2

Dienstag, den 21. Januar 2020
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(1) -> 16.1.2019

SO 19.01.2020 | Netflix

Der Sex-Unterricht bei Netflix geht in die zweite Runde, und es kommt ja nicht so oft vor, dass zweite Staffeln einer Serie noch viel besser sind als die erste Runde. Bei “Sex Education” ist das der Fall.
Die Serie ist auf der Höhe der Zeit, sie scheint keine Tabus zu kennen – was die Themen angeht und auch die in der Umsetzung. Vermutlich wären die Kinder der 80er neidisch auf die Jugendlichen der jungen 20er-Jahre, dass sie so über Sex reden können – im Fernsehen! “Sex Education” ist vermutlich die Teenieserie unserer Zeit, aber auch Erwachsene können daran ihren Spaß haben. Denn auch sie werden bedient, und interessant zu sehen, wie das heute läuft unter den Jugendlichen, ist allemal spannend.

War Otis mit seinen Sextherapie-Stunden in der Schule noch der Hauptstrang, schafft es die Serie mit den acht neuen Folgen auf sehr erstaunliche Weise, eine Vielzahl von Geschichten zu erzählen. Und erstaunlich ist auch, welchen Tiefgang diese Geschichten mitunter haben.
Otis will endlich das erste Mal haben, aber so ganz sicher ist er sich nicht mit seiner Freundin, zumal seine Ex Maeve noch dazwischenfunkt. Da gibt es das Mädchen, das im Bus sexuell belästigt wird und sich davon scheinbar nicht mehr erholt – und nur noch zu Fuß zur Schule geht, das Ereignis aber selbst versucht, zu verdrängen. Es geht um Beziehungsstress, Analsex, um Sex unter Alkoholeinfluss, aber auch darum, mit der drogensüchtigen Mutter klarzukommen. Um das Verliebtsein eines Behinderten, um Süchte und darum, seine Aggressionen zu unterdrücken, weil man damit nicht weiter kommt.

Das klingt extrem vollgepackt, und das ist es auch. Hervorragend ist, wie gut es funktioniert. Die Geschichten sind bis in die kleinsten Nebenrollen interessant, es werden so ziemlich alle sexrelevanten Jugendprobleme geschildert. Das wirkt nicht mal aufgesetzt, weil es ja alle diese Sorgen und Nöte gibt.
So ist “Sex Education” mehr und mehr packend, mal rau, oft lustig, manchmal traurig, und oft gerät man selbst ins Grübeln, wie man sich selbst verhalten hätte.
Die zweite Staffel von “Sex Education” ist das erste große Serien-Highlight 2020.

-> Trailer auf Youtube

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Abendshow

Samstag, den 18. Januar 2020
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DO 16.01.2020 | 20.15 Uhr | rbb

Der rbb beweist mit der “Abendshow” einen langen Atem. Als die Show im Oktober neu startete, ging das ordentlich in die Hose. Ingmar Stadelmann hatte mit miesen Witzchen zu kämpfen, mit einem nichtlachenden Publikum, mit allgemein lauer Stimmung.
Aber eigentlich soll man ja ein Urteil nicht über die erste Sendung fällen. Erinnert man sich an große Fernsehshows von damals, sollte man als Erinnerung nicht zwingend die allererste Sendung ansehen, denn die ist selten wirklich so gut wie die folgenden. Alles muss sich noch finden und einrenken. So auch bei der “Abendshow”.

Am Donnerstag lief im rbb die zweite Show in diesem Jahr. Man hält offenbar an der Primetime fest, obwohl es sich eigentlich um eine klassische Late Night handelt.
Aber das Team hat eindeutig an der Show gearbeitet. Zwar belacht das Publikum auch weiterhin nicht jeden Gag, die Gags sind aber durchaus lustig und bissig. Da geht es um die Fashion Week und andere aktuelle Berliner Themen. Ein bisschen mehr Brandenburg könnte thematisch noch rein, was zugegebenermaßen schwierig ist, weil da ja nicht wirklich was los ist. Moderator Ingmar Stadelmann hat die Show auch viel besser im Griff, er bringt die Gags sicher rüber und kann auch besser damit umgehen, wenn mal was nicht klappt.
Nicht alles funktioniert, aber im Großen und Ganzen ist die “Abendshow” unterhaltsam, und vielmehr Satire und Humor als in der Zeit vor Stadelmann. Das Ziel ist definitiv erreicht.

In einem der Einspieler war ein Reporter auf der Fashion Week und konfrontierte die Messebesucher mit Kinderarbeit. Ein Zwölfjähriger saß da, um Klamotten zu nähen. Die Reaktionen war so erschreckend wie witzig. Ein echter Knaller ist der Sandmann für Erwachsene.

Die größte Hürde der “Abendshow” ist es nun vermutlich, die verprellten Zuschauer zurückzuholen. Im Sendegebiet sahen am Donnerstag gerade mal 80.000 Menschen zu. Das ist viel zu wenig, und das ist unverdientermaßen viel zu wenig.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 16. Januar 2021)

Hits: 99

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Tschüss Jan

Freitag, den 17. Januar 2020
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DI 14.01.2020 | 13.55 Uhr | NDR

Mal ganz andere Musik im Hamburger Michel: Deep Purples “Child in Time”. Bob Dylans “Knockin’ on Heaven’s Door”. Und die Melodie vom “Großstadtrevier”.
Gespielt oder begleitet auf der großen Orgel. Alles für Jan Fedder.

Am Dienstagnachmittag nahm Hamburg Abschied von seinem Ehrenpolizisten. Jan Fedder ist kurz vor Silvester im Alter von 64 Jahren gestorben.
Es ist der Dienstag, an dem er seinen 65. gefeiert hätte. Sie kamen alle zusammen – aber um zu trauern.
Der NDR übertrug die Trauerfeier live, und es war eine ergreifende Veranstaltung.

Gespielt wurden seine Lieblingslieder, und es sind Songs, die vermutlich selten bis gar nicht in der Kirche gespielt werden. Seine Frau verabschiedete sich am Sarg von ihrer großen Liebe, und am Ende brach ihre Stimme. Eine Gruppe Polizisten erwiesen ihm die letzte Ehre und trugen dann seinen Sarg aus der Kirche – zu den Orgelklängen des “Großstadtreviers” und zu einem von Jan Fedder selbst gesungenen Song.
Als Fedder dann aus der Kirche getragen wurde, läuteten die Glocken des Michel – und aus dem Hafen erklangen lange und durchdringend die Tuten der Elbfähren.

Hamburg nahm sehr würdig, sehr nordisch, sehr rührend Abschied von ihrem Hamburger Jung.

-> Die Übertragung in der ARD-Mediathek (bis 14. Januar 2021)

Hits: 63