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Der alltägliche Medienwahnsinn

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Tagesschau: André Schünke

Freitag, den 26. November 2021
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DO 25.11.2021 | 20.00 Uhr | Das Erste

Woran man merkt, dass die Tagesschau um 20 Uhr immer noch die wichtigste Sendung im deutschen Fernsehen ist? Passiert etwas Außergewöhnliches, dann geht ein Ruck durchs Land. So auch am Donnerstagabend.

Denn nach dem Gong tauchte plötzlich ein Gesicht auf, das um 20 Uhr bislang noch nie am Nachrichtentisch stand. André Schünke führte erstmals durch die Hauptausgabe der Tagesschau. Unbekannt ist er aber nicht, denn bei tagesschau24 ist er regelmäßig auf Sendung – zum Beispiel am Mittwochnachmittag bei der Berichterstattung rund um die Pressekonferenz mit der “Ampel”-Vorstellung.

Dass Schünke aber die 20-Uhr-Tagesschau war jedoch nicht geplant. Wie der NDR mitteilte, habe eine Planungspanne dazu geführt, dass der Sprecherplatz drohte, leer zu bleiben. Schünke, der für tagesschau24 auch am Donnerstag im Dienst war, sprang kurzerhand ein.
Und er machte es gut. Souverän führte er durch die Sendung, die viele Millionen Menschen gesehen haben – und nicht nur ein paar Zehntausend auf auf tagesschau24.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek

Hits: 68

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Squid Game

Sonntag, den 21. November 2021
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FR 19.11.2021 | Netflix

Netflix hat mal wieder seinen Serien-Hype. Das Problem ist nur: Bei Netflix weiß man nie genau, was das bedeutet. Wenn es heißt, die “Squid Game” sei innerhalb der ersten vier Wochen von 142 Millionen Netflix-Accounts aufgerufen worden, bedeutet das nur wenig. Wie lange und wie viele Folgen wurden gesehen – man weiß es nicht. Und wie das in Deutschland aussieht, weiß man schon gar nicht.
Dennoch ist aber klar: Gerade unter Jugendlichen hat die südkoreanische Serie offenbar eine große Bekanntheit – mit Folgen.

Gi-hun ist hochverschuldet. Glücksspiele haben ihm das Genick gebrochen. Da kommt ihm eine Einladung gerade recht, bei einem Spiel viel Geld gewinnen zu können.
Es wird ein großes Geheimnis darum gemacht, worum es denn gehen könnte. Vor Ort muss er aber feststellen: Er ist nicht allein. Mit ihm kämpfen 455 andere Männer und Frauen um das Geld.
Klar wird auch: Es wird mehrere Spiele geben, immer werden weitere Mitspieler disqualifiziert.
Spiel 1: “Rotes Licht, grünes Licht”. Die Mitspieler müssen in fünf Minuten einen Fläche überqueren. Sie dürfen sich aber nur bewegen, wenn eine Roboterpuppe sich wegdreht und „Rotes Licht, grünes Licht“ singt. Dreht sie sich wieder um, und jemand bewegt, kommt es zur Disqualifikation.
Das Grauenvolle erfahren die Spieler erst im Spiel: Disqualifikation heißt, man wird erschossen. Sofort.
Heißt: Man gewinnt ganz am Ende das Geld – oder man stirbt.

Dieses Spiel 1, diese erste Folge von “Squid Game” ist auch schon die fesselnste der neun Folgen. Sie ist fesselnd, aber auch abstoßend. Denn die brutale, gewissenlose Gewalt lässt einem den Atem stocken. Die restlichen Folgen ziehen sich teilweise ein wenig dahin, erst später nimmt die Spannungskurve wieder zu.
Das Besondere an dieser Serie ist die Unerbittlichkeit. Die Ausnutzung von Menschen in Not. Aber auch, dass man beobachten kann, wie die Mitspielenden mit der Lage umgehen. Bünde schmieden. Sich helfen – aber auch Abgrenzung und Verstoßung. Gunst und Missgunst. Alle menschlichen Abgründe.
Das sorgt für Furore. Auffallend sind die völlig in Pink gekleideten, gesichtslosen Aufseher. Die sind mitunter sogar bei Jugendlichen und Kindern (!) zum Karnevalshit geworden. Dabei ist die Serie zu recht ab 16, aber scheinbar kennen auch Jüngere die Serie sehr gut und feiern sie. Dass scheinbar ahnungslose Eltern das zulassen, dass sie in lustiger Runde gewissen- und Skrupellose Mörder spielen, ist bemerkenswert.
So bemerkenswert, dass die Serie auch über Netflix und Mediendienste hinaus eine Berichterstattung bekommt. Was die Serie natürlich noch bekannter macht und noch mehr Zuschauer zuspült.
Und der Rubel muss rollen: Obwohl es in Südkorea bei solchen Serien nicht üblich ist, dass eine Staffel 2 folgt, bricht “Squid Game” mit dieser Tradition.

-> Die Serie auf Netflix

Hits: 87

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Echt jetzt?! – mit Ilka Bessin

Freitag, den 19. November 2021
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DI 16.11.2021 | 15.00 Uhr | RTL

“Wie bitte?!” ist zurück – heißt aber nun “Echt jetzt?!”.
Auch bei RTL geht man mit der Zeit.

In den 90ern lief das heitere Verbrauchermagazin “Wie bitte?!” am späteren Sonnabendabend. Leute konnten sich mit Behördenärger oder an anderen Problemen an RTL wenden. Abgesetzt wurde das irgendwann weil zu wenige junge Leute zugesehen haben.
Weil aber RTL jetzt auch wieder auf das ältere Publikum schaut, versucht man es nun jeden Nachmittag mit einer Verbrauchershow. Was alles andere als zu kritisieren ist, weil es endlich mal eine andere Farbe in den tristen RTL-Reality-Nachmittag bringt.

Ilka Bessin moderiert die Sendung “Echt jetzt?! – mit Ilka Bessin” (der Untertitel musste wohl sein) aus einem Kioskcafé, was eine nette Atmosphäre bringt. Am Dienstag, in der 2. Folge, geht es zum Beispiel um die Lieferung eines riesigen Paketes, das vom Lieferdienst auf der Straße abgestellt wird – und nicht in die Wohnung. Beim Kauf war das nur versteckt zu lesen.
Dazu gibt es Gespräche rund um den Verbraucherschutz, hier und da noch ein lustiges Filmchen.

Eine schöne Mischung im Nachmittagsprogramm. Ob die funktioniert, so was lässt sich heute kaum noch vorhersagen. Denn das Tagesprogramm der Privatsender ist vielen Zuschauern heutzutage ziemlich egal – egal, was da läuft. “Echt jetzt?!” wäre aber ein Erfolg zu wünschen.

-> Die Sendung bei RTL+

Hits: 97

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Adam sucht Eva

Donnerstag, den 18. November 2021
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MO 15.11.2021 | 20.15 Uhr | RTL ZWEI

RTL will jetzt seriös sein, deshalb passt die Nacktkuppel-Show “Adam sucht Eva” auch nicht mehr ins Programm, obwohl die Zuschauerzahlen eigentlich ganz okay waren.
Deshalb griff RTL ZWEI zu. Bei RTL ZWEI kennt man sich nämlich aus mit Trash. Und mit nackten Körpern auch. Deshalb läuft dort “Adam und Eva” nun sogar zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr – was nicht bedeutet, dass man nun (noch) schamhafter daherkommt als zu RTL-Zeiten. Nein, bei RTL ZWEI ist die Genitalschau irritierenderweise noch viel umfangreicher geworden. Devise: Besser Sendezeit, mehr Brüste und Schwänze. Mehr Gespräche über Brüste, aber vor allem über Schwänze, Masturbation und Morgenlatten.

Falko Ochsenknecht – es gibt Leute, die ihn aus “Berlin Tag und Nacht” kennen – präsentierte gleich mal seinen Morgenlatte. Bis zum Bauchnabel würde sie ihm gehen, woraufhin er aus dem Bett aufsteht und den Ständer seinen Mit-Adam zeigt. Natürlich sieht man den Prengel nicht, die Produktion hat eine Palme drübergeklebt.
Am Vortag hatte Falko seinen Schwanz mit dem eines Mitkandidaten verglichen. Und am Abend nörgelte er, dass er sich vor der Produktion nicht mehr erleichtert habe, das sei jetzt ein Problem.
Die Frauen unterhalten sich unterdessen über den rasierten oder nicht rasierten Schritt.

“Adam und Eva” war schon immer voyeuristisch. Und auch diesmal wird nicht wirklich draufgehalten – aber so ungeniert wurden Brüste, Scheiden und Penisse auch in dieser Reihe noch nie gezeigt. Zur besten Sendezeit, wie gesagt. Bei RTL ZWEI heißt es, man sei konform mit dem Jugendschutz. Nun ja.
Und, ähm, also, hüstel, unterhaltsam ist dieses Spiel ja durchaus. Ich bin jedenfalls nächste Woche wieder dabei…

-> Die Sendung bei RTL+

Hits: 108

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Die ultimative Chart-Show: Best of 2021

Montag, den 15. November 2021
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SO 14.11.2021 | 20.15 Uhr | RTL

Endlich ist das Jahr vorbei! 2021 können wir abschreiben. In den letzten anderthalb Monaten passiert nichts mehr. Es wird keinen neuen Charthit mehr geben, im Kino kommt auch nichts mehr, und mit Nachrichten kann man auch nicht mehr rechnen.
Das wird der Grund sein, warum RTL schon am 14. November den ersten der traditionellen Jahresrückblicke ausstrahlte. Am Sonntagabend lief “Die ultimative Chart-Show: Best of 2021”. Oliver Geissen kürte die erfolgreichsten Musik-Singles und Alben, außerdem gab es die Kinocharts und Nachrichten aus allen Monaten. Außer natürlich dem Dezember – den gab es noch gar nicht in diesem Jahr 2021.

Wieso das “Best of 2021” nicht direkt vor Weihnachten oder “zwischen den Jahren” laufen kann, weiß man sicherlich nur bei RTL.
Und 2022: “Die nicht ganz ultimative Chart-Show: Best of Drei-Viertel-2022”. Sendetermin: Anfang Oktober. Ich freu mich drauf.

-> Die Sendung bei RTL+

Hits: 126

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TV total

Freitag, den 12. November 2021
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MI 10.11.2021 | 20.15 Uhr | ProSieben

Na, was ist denn da los? Schauen Sie mal bitte!
Es ist das wohl überraschendste und kurzfristigste Comeback seit langem: Am Mittwochabend lief auf ProSieben “TV total”. So kurzfristig, dass keine Fernsehzeitschrift davon wusste.
Wieder gibt es ein Stück TV-Nostalgie: Die Titelmusik ist dieselbe. Die Band ist dieselbe. Die Stimme im Hintergrund ist dieselbe. Das Nippelboard mit den Ausschnitten ist wieder da. Und der fahrende Tisch ist auch wieder da. Die kreischende Zuschauerin, die die Anmoderation von der Pappe abliest, ist ebenfalls wieder da.
Alles ist wieder da. Bis auf einen.

Sebastian Pufpaff ist der Neue bei “TV total”. Der Kabarettist, der schon diverse eigene Sendungen hatte, ist der neue Frontmann in der Fernsehschnipselshow.
In der Auftaktsendung am Mittwochabend sprach er ausführlich über das zweite Comeback der Woche, “Wetten, dass…?”, über das Bild-TV und den Schlagerbooom. Außerdem war er in Nürnberg, um die “Wetten, dass…?”-Halle zu kommen – was ihm nicht gelang.
Das neue “TV total” ist glücklicherweise nicht das runtergekommene, wie es 2015 endete. Als ein lustloser Moderator die Sendung nur noch runtermoderiere und nur noch selten durchblitzen ließ, dass er Bock drauf hatte. Es ist das “TV total”, wie es auch 1999 an den Start gegangen war. Voll aufs Fernsehen konzentriert, und heute kommt noch das Internet-Geschehen dazu.

Onkel Puffi hat Bock – großen Bock sogar. Seine Gags sind witzig, manchmal ein bisschen zotig, und wenn es der Redaktion gelingt, Woche für Woche neue TV-Perlen aufs Tablett zu legen, dann kann “TV total” wieder zu einem wöchentlichen Höhepunkt werden. Ein gelungenes Comeback.

-> Die Show bei bei prosieben.de

Hits: 107

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Your Life is a Joke

Donnerstag, den 11. November 2021
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DI 09.11.2021 | Netflix

Erst einen ganzen Tag miteinander verbringen. Zusammen Spaß haben. Sich gut miteinander unterhalten. An Orte fahren, die einem wichtig sind.
Es war also alles gut, und dann kommt der Schlag ins Gesicht. Der Moment, wo dich der andere niedermacht, sich über dich lustig macht. Um dir dann zu sagen: “Your Life is a Joke”. Und um dir zu sagen, was du doch für ein toller Mensch bist.

“Your Life is a Joke” heißt auch die (bislang leider nur dreiteilige) Reihe auf Netflix. In jeder Folge trifft sich Comedian Oliver Polak mit einem Promi. Mit Christian Ulmen war er in Potsdam unterwegs – in dem Restaurant, wo Ulmen einst das erste Mal in Potsdam essen war. Sie gingen zusammen baden und redeten. Mit Jennifer Weist war er an der Tankstelle in Berlin, die sich unweit des Studios befindet, wo sie einst eines der Alben für Jennifer Rostock aufgenommen hatte.
Es sind durchaus tiefgehende Gespräche, die Polak mit seinen Gästen führt. In denen beide Seiten durchaus Persönliches von sich preisgeben. Polak erzählt Ulmen von seinem behandelten Hodenkrebs. Ulmen von der Taufe seiner Kinder im Restaurant. In seinem Auto begrüßt Polak seine Gäste übrigens mit dem immer selben Begrüßungslied.

Jede Sendung gipfelt mit einem Stand-up im Berliner Quatsch-Comedy-Club, zu dem auch der Gast kommt. Erst roastet Oliver Polak seinen Gast, zieht so ziemlich alles durch den Kakao, was sie an diesem Tag gemacht haben. Aber dann spricht er dem Gast seine volle Zuneigung zu, sagt ihm, was er oder sie ausmacht.
Das Leben ist ein Witz, aber eben auch sehr wertvoll.

Der Roast, das Niedermachen, ist zwar erst mal ein bisschen gewöhnungsbedürftig, aber schnell entdeckt man den wahren Sinn dahinter. Und deshalb ist “Your Life is a Joke” eine wunderbare, herzensgute Reihe, von der bitte in nächster Zeit noch weitere Folgen produziert werden sollten.
Ähnliches hat Oliver Polak auch schon gemeinsam mit Micky Beisenherz im WDR gemacht. Bei “Das Lachen der anderen” begleiteten sie 2018 behinderte Menschen, um die am Ende ebenfalls mit einem Roast zu erfreuen. Das Projekt ging leider nicht weiter. Umso schöner, dass es bei Netflix nun diese Reihe gibt.

-> Die Reihe bei Netflix

Hits: 150