RT im Kino

RT im Kino

Narziss und Goldmund

Sonntag, den 15. März 2020

Mit “Narziss und Goldmund” ist die nächste große deutsche Literaturverfilmung im Kino zu sehen. Diesmal eine Geschichte nach dem Roman von Hermann Hesse.

Er wird vom Vater ins Kloster abgeschoben: Goldmund (Jeremy Miliker) ist unglücklich, und er fühlt sich allein. Der Klosterschüler Narziss (Oskar von Schönfels) soll sich um ihn kümmern, und bald entwickelt sich zwischen den beiden eine enge Freundschaft. Das geht sieben Jahre so. Narziss (Sabin Tambrea) hat will sich den klösterlichen, asketischen Regeln unterwerfen – er will Abt werden. Goldmund (Jannis Niewöhner) eher nicht so, und irgendwann muss Narziss seinen Freund ziehen lassen.
15 Jahre später taucht Goldmund wieder im Kloster auf. Schwerverletzt. Er darf bleiben, und er erzählt, welche Abenteuer er in der Zwischenzeit erlebt hat. Er hat Frauen kennen- und liebengelernt, aber auch Schicksalsschläge erleiden müssen.
Die Freundschaft der beiden wird aber noch einmal auf die Probe gestellt.

“Narziss und Goldmund” ist Hermann Hesses erfolgreichster Roman. Und in der Tat ist diese Mittelalter-Geschichte aus mehreren Gründen packend. Denn sie erlebt vom Lieben und Geliebtwerden. Von einer Zeit der Krankenheiten. Davon, dass es auch damals schon missgünstige Menschen voller Hass gab, dass auch damals schon Christen nicht zwingend immer nur gute Menschen waren.
Narziss hadert mich sich. Er muss seine Liebe ziehen lassen, und tief drin ist er traurig, dass er nie so geliebt wird, wie er liebt. Goldmund dagegen zieht raus, er verliebt sich mit ganzem Herzen. Die Lieben zerbrechen, und er verliebt sich erneut.
Natürlich lebt dieser Film von Stefan Ruzowitzky, der auch das Drehbuch schrieb, von den fantastischen Hauptdarstellern. Dass insbesondere Goldmund immer um die Haare ziemlich perfekt gestylt (und gefärbt?) ist, wirkt zwar nicht so sehr mittelalterlich, wie überhaupt der Film an vielen Stellen ein bisschen zu sauber und modern wirkt, aber das lässt sich durchaus ausblenden.
Dieser Film ist spannend, er geht ans Herz, und die klösterliche Atmosphäre auch auch etwas Mystisches.

-> Trailer auf Youtube

Narziss und Goldmund
D 2019, Regie: Stefan Ruzowitzky
Sony, 118 Minuten, ab 12
8/10

Hits: 101

RT im Kino

Die Känguru-Chroniken

Dienstag, den 10. März 2020

Das haben wir ja alle schon mal erlebt: Es klingelt an der Tür, wir öffnen, und ein Känguru (Stimme: Marc-Uwe Kling) fragt, ob es mal Mehl haben kann. Und Eier. Und Milch. Und so weiter.
Das Problem, das Marc-Uwe (Dimitrj Schaad): Er wird das Känguru nicht los. Es kommt immer wieder. Und zieht plötzlich ein. Ein Widerspruch steht nicht zur Debatte.
Das Vieh ist sehr vorlaut, und die beiden liefern sich immer wieder Wortgefechte. Aber sie haben ein gemeinsames Ziel: Sie wollen es mit dem rechtspopulistischen Immobilienhai Dwigs (Henry Hübchen) aufnehmen. Der will nämlich ihr Viertel in Kreuzberg mit einem Hochhauskomplex verschandeln. Das antikapitalistische Känguru kann das nicht hinnehmen. Und Marc-Uwe fürchtet um seine Wohnung…

“Die Känguru-Chroniken” funktionieren als Buch, als Hörbücher, als Live-Shows – und nun auch als Film. Marc-Uwe Kling hat das Känguru geschaffen, im Hörbuch spricht er sich selbst und das Känguru. Im Film gibt es den Marc-Uwe ebenfalls, wird aber von Dimitrj Schaad dargestellt, Kling spricht aber das Känguru. Das wiederum ist erfreulich gut animiert, und so bilden Schaad und das Vieh ein ziemlich gutes Duo.
Der Film beginnt schon sehr unkonventionell, nämlich wenn Marc-Uwe und das Känguru den Anfang kommentieren und sich über das Geschehen lustig machen. Auch sonst hat der Film einen sehr schönen Humor. Es macht Spaß, das Treiben zu verfolgen.
Bemerkenswert und gut ist die eindeutige Positionierung gegen Rechtspopulismus und gegen rechte Hetze. Das Känguru ist da eindeutig, und wenn es darum geht, Dwigs zur Strecke zu bringen – Henry Hübchen spielt herrlich -, sind die Methoden durchaus aberwitzig.
Ein bisschen muss man sich auf den schrägen Humor einlassen – aber “Die Känguru-Chroniken” machen es einem – der die Serie bislang nicht kannte – durchaus einfach.

-> Trailer auf Youtube

Die Känguru-Chroniken
D 2019, Regie: Dani Levy
X-Verleih, 92 Minuten, ab 0
8/10

Hits: 130

RT im Kino

Lassie – Eine abenteuerliche Reise

Donnerstag, den 5. März 2020

1943 kam der erste Lassie-Film ins Kino. Es folgten diverse Serien fürs Fernsehen und weitere Filme im Kino und im Fernsehen. Und immer hatte die Colliehündin Lassie neue Herrchen und Frauchen, die sie retten, beschützen und ablecken konnte.
2020 zieht Deutschland nach und bringt mal wieder ein Lassie-Abenteuer auf die große Leinwand.

Lassies Herrchen ist der 12-jährige Flo (Nico Marischka). Sie leben in einem Dorf in Bayern. Doch als Vater Andreas (Sebastian Bezzel) seinen Job verliert, ist klar, dass sie umziehen müssen. Das Problem: In der neuen Wohnung sind keine Hunde erlaubt, und schnell gibt es Zoff mit der Vermieterin.
Lassie muss weg. Sie kommt bei Graf von Sprengel (Matthias Habich) unter, der mit Enkelin Priscilla (Bella Beding) gleich mal zu seinem Haus an der Nordsee reist – und Lassie muss mit. Vom fiesen Hausmeister (Christoph Letkowski) mies behandelt, flüchtet der Hund.
Durch ganz Deutschland muss der Hund, damit er irgendwann wieder bei Flo auftaucht. Der hat Angst um Lassie und begibt sich ebenfalls auf die Suche.

“Lassie – Eine abenteuerliche Reise” ist eine von vielen für sich stehende Geschichte über einen Jungen und seinen Hund. Das funktioniert gewohnt gut, driftet glücklicherweise nicht in den Kitsch ab, und Lassie wird auch nicht allzu sehr vermenschlicht.
Für einen Kinderfilm üblich werden einige der Figuren ziemlich überzeichnet. So ist der Schurke, hier von Christoph Letkowski gespielt, übertrieben böse und auch übertrieben blöd. Eine etwas undankbare, zu alberne Rolle. Sie soll aber vielleicht eine Komödienhaftes in diesen Film bringen, der auch durchaus ernste Töne anschlägt: Wenn es darum geht, in welche Nöte Familien geraten können.
Kindern wird das nicht auffallen, aber die Reise des Hundes ist natürlich völlig unlogisch. Dass Lassie auf dem Weg zur Nordsee nach Bayern in Brandenburg landet, ist eher unglaubwürdig. Dass Flos Vater mit dem Auto dort hindüst, und die Klinik zu Hause gewissermaßen um die Ecke ist, ist nicht glaubwürdiger. Aber Kindern wird das egal sein.
Viel seltsamer ist die Szene, in der Lassie einen Wasserfall hinabstürzt, Flo und seine Freundin aus dem Fluss gerettet wird sich sich dann niemand drum kümmert, wo der Hund abgeblieben ist. Stattdessen reisen Flo und seine Familie nach Bayern zurück und warten auf Lassies Heimkehr. Das ist dann leider wirklich unglaubwürdig und ärgerlich blöd.

-> Trailer auf Youtube

Lassie – Eine abenteuerliche Reise
D 2019, Regie: Hanno Ollerdissen
Warner, 106 Minuten, ab 0
6/10

Hits: 149

RT im Kino

Enkel für Anfänger

Mittwoch, den 4. März 2020

Die Rentner Karin (Maren Kroymann) und ihr Mann Harald (Günther Maria Halmer) führen ein ruhiges Leben in ihrem Haus. Das Problem: Karin findet ihr Leben zu ruhig. Die beiden sind kinderlos. Harald dagegen ist zufrieden, er will keinen Stress, er will finanzielle Sicherheit.
Gerhard (Heiner Lauterbach) ist allein. Sein Mann ist gestorben, und nun ist auch noch der Hund tot. Er droht, in eine Depression abzurutschen.
Philippa (Barbara Sukowa) führt ein Hippie-Leben. Zu ihrer Tochter hat sie keinen Kontakt, dafür aber spielt sie immer wieder die Leihoma.
Philippa ist Karins Schwägerin, und Karin und Gerhard kennen sich schon lange. Ihre Wege kreuzen sich, als Philippa mal wieder bei der Agentur für Pflege-Enkelkinder ist und Karin von der Idee angesteckt hat. Und irgendwie gerät da auch Gerhard rein.
So kommt es, dass sie alle drei Leih-Oma oder Opa sind. Besonders Gerhard ist überhaupt nicht begeistert.
Aber die Geschichte wird noch verschiedene Wendungen nehmen.

“Enkel für Anfänger” erzählt die Geschichte von älteren Leuten, die sich auf Neues einlassen. Die sich Kindern öffnen wollen – oder öffnen müssen. Damit tun sie unterschiedlich schwer, haben mit Hürden zu kämpfen, mit denen die drei nicht rechneten.
Regisseur Wolfgang Groos zeigt aber auch, dass nicht nur die ältere Generation mit ihren Problemen zu kämpfen hat. Denn die Kinder, die die drei kennenlernen, haben auch Eltern, und alle haben sie ihre Sorgen und Nöte, mit denen sie sich nun ebenfalls befassen müssen.
Das passiert auf eine wunderbar leichte Art und Weise, mit einer schönen Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit. Da geht es um Ökos, um Allergien, und Verhaltensauffällige oder Gemobbte. Und alles muss irgendwie in den Griff bekommen werden.
Dass das so gut funktioniert, liegt auch an den sympathischen Darstellern – allen voran Maren Kroymann. Aber auch Heiner Lauterbach spielt überzeugend. Auch die Kinder, unter ihnen Bruno Grüner und Julius Weckauf, tragen ihren Teil bei.
Ein kurzweiliger, lebensbejahender Film.

-> Trailer auf Youtube

Enkel für Anfänger
D 2019, Regie: Wolfgang Groos
Studiocanal, 104 Minuten, ab 6
8/10

Hits: 243

RT im Kino

Ruf der Wildnis

Mittwoch, den 26. Februar 2020

Der Schottische-Schäferhund-Bernhardiner-Mischling Buck führt ein sehr gutes Leben bei reichen Leuten. Allerdings muss er mal wieder auf der Terrasse schlafen, weil er ungezogen war.
Das nutzt ein Fremder aus und entführt den Hund.
Das passiert in den 1890er-Jahren immer wieder. Diese Hunde werden gestohlen und als Schlittenhunde eingesetzt. So ergeht es auch Buck. Er wird auf dem Schwarzmarkt verkauft.
Er hat verschiedene Besitzer, und irgendwann trifft er auf Perrault (Omar Sy). Für ihn muss Buck, gemeinsam mit einer Hundegruppe den Postschlitten in die Einöde Alaskas ziehen.
Aus Buck, dem verwöhnten Haushund, wird nach und nach ein Tier, das sich auf seine Instinkte besinnt und das sich immer besser in der Wildnis zurecht findet.

Die Geschichte “Ruf der Wildnis” ist bekannt. Jack London veröffentlichte sie 1903, und sie ist mehrfach verfilmt worden. Nun erneut von Chris Sanders.
Natürlich funktioniert die Story auch 2020. Da ist ein Hund, der vieles durchmachen muss, der aber im Laufe der Zeit erstarkt und Selbstbewusstsein bekommt.
Nur leider ist ausgerechnet der Hund der größte Schwachpunkt des Films. Der Hund ist animiert, und das leider nicht besonders gut. Seine Bewegungen sind öfter mal recht ungelenk und wirken nicht echt. Auch dass der Hund extrem vermenschlicht wird – durch Blicke und Charakter -, ist stellenweise wirklich störend. Hinzu kommt, dass einige Szenen unglaubwürdig sind, weil sich ein Hund in Stromschnellen sicherlich nicht in einem Boot halten könnte.
Da nutzen auch die menschlichen Hauptdarsteller wenig, neben Omar Sy ist auch Harrison Ford dabei.
Der Hund macht das Filmerlebnis leider ziemlich kaputt, weil man mit so einem Animationsdings nicht so wirklich mitfiebern kann. Sehr, sehr schade.

-> Trailer auf Youtube

Ruf der Wildnis
USA 2019, Regie: Chris Anders
Fox, 100 Minuten, ab 6
4/10

Hits: 149

RT im Kino

Nightlife

Sonntag, den 16. Februar 2020

Sie bestellt einen doppelten Eierlikör. Barkeeper Milo (Elyas M’Barek) findet das bemerkenswert. Er arbeitet in einem Berliner Club, und nun sitzt Sunny (Palina Rojinski) vor ihm. Milo findet sie interessant, sie kommen ins Gespräch, aber bald bricht sie auf.
Er würde sie gern wiedersehen. Denn Milo ist mit seinem Leben unzufrieden. Er will raus aus dem Nachtleben, ewr will eine Familie gründen. Als er Sunny zufällig am Currywurst-Stand wiedertrifft, verabreden sie sich.
Doch dieses Date ist in Gefahr. Schuld daran ist Milos bester Freund Renzo (Frederick Lau). Er hat Mist gebaut, und den muss auch Milo mit ausbaden. Damit Renzo aus der Sache wieder rauskommt, müssen die beiden handeln – aber kommt es noch zum großen Date?

“Nightlife” ist der neue Film von Simon Verhoeven (“Willkommen bei den Hartmanns”, “Männerherzen”). Für diesen Film hat er sich erneut einen hochklassigen Cast zusammengesucht. An Elyas M’Barek und Frederick Lau scheint man momentan kaum vorbeizukommen, und auch in diesem Film bilden sie in der Tat wieder ein Dreamteam mit Blödelmomenten, aber durchaus auch ernsteren Phasen. Zwischen Slapstick und Krimi.
Es gibt viel zu Schmunzeln, vereinzelt sind auch sehr schöne Gags dabei. Dennoch krankt “Nightlife” ein wenig am manchmal sehr zähen Drehbuch. Es verlässt sich zu sehr auf seine wenigen Hauptpersonen. Streckenweise hätte dem Film eine zweite Ebene sehr gut getan, es wird manchmal ein wenig langatmig. So haben die Szenen durchaus Tempo, aber die Geschichte an sich zu wenig davon.

-> Trailer auf Youtube

Nightlife
D 2019, Regie: Simon Verhoeven
Warner, 113 Minuten, ab 12
6/10

Hits: 155

RT im Kino

Parasite

Donnerstag, den 13. Februar 2020

Sie leben in armen Verhältnissen. Familie Kim wohnt in einer rumpeligen Wohnungen in einem Kellergeschoss. Ki-taek (Song Kang-ho), seine Frau Chung-sook (Jang Hye-jin), Sohn Ki-woo (Choi Woo-shik) und Tochter Ki-jung (Park So-dam) haben kein regelmäßiges Einkommen, sie müssen irgendwie über die Runden kommen.
Ki-jung fälscht Dokumente, und so kann ihr Bruder als Nachhilfelehrer arbeiten. Er trifft auf das Ehepaar Park, er hilft der Tochter in ihren Englischkenntnissen nach. Als er mitbekommt, dass der Sohn der Familie gerne malt, aber kompliziert ist, empfiehlt Ki-woo seine Schwester, die angeblich Kunst studiert hat.
Familie Kim gelingt es nach und nach alle bei den Parks einzuschleusen. Der Fahrer und die Haushälterin werden rausintrigiert, und Vater und Mutter Kim übernehmen die Jobs. Aber verheimlichen sie aber, dass sie sich alle sehr gut kennen.
Als Familie Park in einen Kurzurlaub aufbricht, genießen die Kims das gute Leben im Haus der reichen Leute. Doch es kommt zu einer Reihe von Zwischenfällen.

“Parasite” aus Südkorea ist der Überraschungshut der Saison. Bei den Oscars 2020 hat er vier Oscars gewonnen, für den besten Film, besten internationalen Film, beste Regie und bestes Drehbuch.
Und man rieb sich verwundert die Augen, wie es ein Werk aus Südkorea schaffen konnte, die großen Blockbuster auszustechen.
Aber in der Tat ist der Film sehr sehenswert. Wir sehen, wie sich Familie Kim bei den Parks einschleicht. Irgendwie ist das natürlich betrügerisch, aber es scheint, als hätten sie dabei eigentlich nur gute Absichten – nämlich vor allem, Geld zu verdienen, das sie dringend nötig haben. Und so ist man auch auf deren Seite, zumal der Gegensatz krass bleibt: Während sie in der reichen Familie ihre Jobs erledigen, säuft ihr Stadtviertel bei einem Starkregen gnadenlos ab.
Die Geschichte nimmt später eine dramatische Wendung. Der Moment, wo aus der harmlosen Tragikomödie ein echter Thriller wird.

-> Trailer bei Youtube

Parasite
Südkorea 2019, Regie: Bong Joon-ho
Koch Films, 132 Minuten, ab 16
8/10

lebt in ärmlichen Verhältnissen ohne stabiles Einkommen in einer schäbigen Wohnung im Untergeschoss eines Hauses.

Hits: 155