RT im Kino

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Green Book

Mittwoch, den 20. Februar 2019

Tony Lip (Viggo Mortensen) braucht Geld. Sein Türsteher-Job ist erst mal hinfällig, denn der Club, für den er arbeitete, muss mehrere Monate lang saniert werden.
Er bewirbt sich um eine Stelle bei einem gewissen Doktor Shirley. Worum es da genau geht, weiß er noch nicht. Als er ihn erstmals trifft, ist er jedoch skeptisch. Doktor Shirley (Mahershala Ali) ist kein Arzt, und er ist Schwarz. Wir schreiben das Jahr 1962, und da sprach man noch davon, dass er ein Neger sei. Selbst Don Shirley selbst sagt das von sich. Er braucht jemanden, der ihn zwei Monate lang durch die US-Südstaaten fährt. Shirley ist ein begabter Pianist und wird Konzerte geben.
Schließlich bekommt Tony den Job. Tony, der Italoamerikaner, eine Großfresse, der bisher mit Schwarzen nie wirklich zu tun hatte. Aber sie machen sich auf den Weg – und beide müssen sie irgendwie miteinander klar kommen. Und beide müssen sie voneinander lernen.

“Green Book” ist der Reiseführer für Schwarze, den Tony in die Hand bekommt, und so heißt auch der wunderbare Film von Peter Farrelly, der auf wahre Geschehnisse beruht.
Der Film zeigt, wie die Amis Anfang der 60er-Jahre tickten. Wie Schwarze immer noch diskriminiert worden sind. Selbst Shirley, der großartige Pianist, muss sich dem Rassismus stellen, er erlebt ihn hautnah. Und auch Tony muss feststellen, wie es sich anfühlt, wenn ihm und seinem neuen Boss Rassismus und Missgunst entgegenschlägt.
Die beiden Hauptdarsteller ergänzen sich auf tolle Weise. Da ist der verschlossene Musiker, der durch Tony irgendwie gezwungen wird, sich zu öffnen – in vielerlei Hinsicht. Aber auch Viggo Mortensen als Tony spielt hervorragend den kauzigen Typen, der in eine ganz andere Welt schnuppert.
Ein Film, der spannend ist, wütend macht und andererseits oft für ein Lächeln sorgt.

Green Book
USA 2018, Regie: Peter Farrelly
Universal, 131 Minuten, ab 6
8/10

Hits: 54

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Sweethearts

Montag, den 18. Februar 2019

Mel (Hannah Herzsprung) braucht Geld. Dringend! Sie geht in den Juwellierladen. Doch die hübsche Diamantenkette will sie nicht kaufen. Stattdessen zückt sie eine Waffe. Raub. Tatsächlich kann sie flüchten, allerdings kommt sie nicht weit. Wenig später wird sie von der Polizei umstellt.
Es ist purer Zufall, dass Mel in diesem Moment auf Franziska (Karoline Herfurth) trifft. Die ist nervlich am Ende, und nun ist sie auch noch Mels Geisel. Die bereut das bald, denn die Panikattacken ihrer Geisel gehen ihr bald auf die Nerven. Als sie dann auch noch den Polizisten Harry (Frederick Lau) als zweite Geisel nimmt, droht alles aus dem Ruder zu geraten. SEK-Frau Ingrid von Kaiten (Anneke Kim Sarnau) ist ihr auf den Fersen.

“Sweethearts” ist nach “SMS für dich” für zweite Regie-Arbeit von Karoline Herfurth. Nach der romantischen Komödie kommt jetzt das Frauen-Road-Movie. Das Romantische ist ihr jedoch besser gelungen.
An einigen Stellen kann sich der Film nicht entscheiden, ob er lustig oder spannend sein soll – beziehungsweise sollte das vermutlich so sein. Aber immer wenn Franziska fast hyperventiliert kommt einem das ziemlich aufgesetzt vor. Auch Hannah Herzsprung betreibt an vielen Stellen leider ein Overacting, das manchmal schwer zu ertragen ist. Wenn es plakativ lustig sein soll, wird es schwierig. Auch Anneke Kim Sarnau spielt immer alles eine Spur zu viel. Übertrieben-alberne Strenge wechselt sich mit einer seltsamen Lustigkeit ab.
Der Film ist nicht langweilig, über weite Strecken durchaus unterhaltsam, aber richtig zünden tut der Film an keiner Stelle.

Sweethearts
D 2018, Regie: Karoline Herfurth
Warner, 103 Minuten, ab 12
6/10

Hits: 89

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Club der roten Bänder – Wie alles begann

Sonntag, den 17. Februar 2019

Sechs Jugendliche, sechs Schicksale. Sie kamen in einem Krankenhaus zusammen, sie rauften sich zusammen, sie bildeten eine Gang, um mit ihrem Schmerz besser klarzukommen.
Im November 2015 startete bei VOX der “Club der roten Bänder”. Drei Staffeln und 30 Folgen lang lachten, weinten, fieberten und litten wir mit, was die Gang erlebt.
Die Geschichte ist auserzählt – eigentlich. Im Kino erfahren wir nun, wie es eigentlich dazu kam, dass die sechs jungen Leute in die Klinik mussten – und was sie davor machten: “Club der roten Bänder – Wie alles begann”.

Leo (Tim Oliver Schultz), Jonas (Damian Hardung), Emma (Luise Befort), Alex (Timur Bartels), Toni (Ivo Kortlang) und Hugo (Nick Julius Schuck) kennen sich noch nicht.
Leo kämpft in der Klinik schon länger gegen den Krebs, lebt zunächst mit Benni (Jürgen Vogel) auf einem Zimmer, wo beide die ersten Schicksalsschläge erleben. Jonas ist ein Fußballer, der mehr und mehr Probleme mit seinem Bein bekommt, sich das aber nicht eingestehen will. Emma isst zu wenig und fühlt sich zu dick. Alex muss mit ansehen, wie seine Familie zerbricht – und bekommt massive Herzprobleme. Toni zieht zu Hause aus und zu seinem Opa. Hugo liegt im Koma – nach einem unglücklichen Sturz vom Sprungturm.

Leo spielt in der Vorgeschichte eindeutig die Hauptrolle und ist auch der interessanteste Part im Film. Denn genau genommen ist er der einzige, der tatsächlich in dem Umfang eine noch unbekannte Vorgeschichte hat. Bei Nick bestand offenbar das Problem, dass der Schauspieler seit 2015 massiv gewachsen ist, so bleibt er eher im Hintergrund, und auch die anderen Geschichten waren eigentlich schon bekannt.
So ist dieser Kinofilm einerseits nur eine Erweiterung der Pilotfolge von 2015. Aber die Story um Leo ist durchaus spannend und emotional. Auch in der Serie war seine Geschichte die interessanteste, das ist offenbar auch für den Film erkannt worden.
Wer die Serie nicht kennt, kann durch diesen Film ziemlich gut einsteigen, obwohl für “Neulinge” vermutlich alles ziemlich gestreckt wirkt. Aber es besteht garantiert danach noch mal Lust, die Serie (noch mal) anzusehen.
Für Fans ist dieser Film ein sehr schöner “Abschluss”, der noch mal fesselt.

Club der roten Bänder – Wie alles begann
D 2018, Regie: Felix Binder
Universum, 113 Minuten, ab 6
8/10

Hits: 85

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Creed II – Rocky’s Legacy

Dienstag, den 5. Februar 2019

(1) -> 17.1.2016

Adonis Johnson (Michael B. Jordan) ist immer noch Box-Weltmeister im Schwergewicht – aber nun steht er vor seinem schwersten Kampf.
30 Jahre zuvor hatte der sowjetische Boxer Ivan Drago (Dolph Lundgren) Adonis’ Vater Apollo Creed im Ring getötet. Nun soll dessen Sohn, Viktor Drago (Florian Munteanu), gegen Adonis boxen.
Adonis’ Trainer Rocky (Sylvester Stallone) weigert sich jedoch, ihn für diesen Kampf fit zu machen. Er hält ihn für Wahnsinn. Und tatsächlich: Drago macht Creed im Ring brutal fertig. Nur eine Disqualifizierung sorgt dafür, dass Creed weiter Weltmeister ist.
Aber Adonis ist am Ende – kaputt, niedergeschlagen, im wahrsten Sinne des Wortes. Rocky reist ihm nach. Die Frage ist: Kann Adonis es noch mal mit Drago aufnehmen? Ist das sinnvoll? Immerhin ist er gerade Vater geworden…

“Creed II – Rocky’s Legacy” setzt nicht nur die Geschichte von Adonis Creed fort, sondern auch die Rocky-Legende. Denn Creed kümmert sich gewissermaßen um Rocky Erbe, das eng mit seiner eigenen Familie verwoben ist. Das ist von den Drehbuchautoren sehr gut geschrieben worden und sorgt in gewisser Hinsicht dafür, dass man die Fortsetzung von zwei Filmreihen in einem Film zu sehen bekommt.
Die Mischung aus Drama, Spannung und Box-Action macht “Creed II” aus, wobei das persönliche Schicksal der Creed-Familie zeitweise sehr im Mittelpunkt steht. Das Boxtraining tritt da manchmal etwas zu sehr in den Hintergrund.
Auch wirkt der Kampf USA vs. Russland/Sowjetunion einerseits wie aus der Zeit gefallen, weil da 70er- und 80er-Jahre-Stereotype wiederbelebt werden. Andererseits werden zwischen den beiden Ländern ja gerade wieder die “Mauern” errichtet.
Auf jeden Fall punktet “Creed II” einmal mehr mit hervorragenden Box-Sequenzen.
Nicht so gelungen ist leider die Neubesetzung von Stallones Synchronstimme. Das war wegen Krankheit notwendig geworden. Jürgen Prochnow spricht Stallone sehr kratzig, nuschelig und undeutlich. Das ist leider recht nervig.

Creed II – Rocky’s Legacy
USA 2018, Regie: Steven Caple Jr.
Warner, 130 Minuten, ab 12
7/10

Hits: 133

RT im Kino

Plötzlich Familie

Montag, den 4. Februar 2019

Eigentlich haben Ellie (Rose Byrne) und Pete (Mark Wahlberg) ein recht gutes Leben. Sie haben eine Firma, die marode Häuser kauft, aufbereitet und weiter verkauft. Nun aber haben sie ein Haus gekauft, bei dem sie sich vorstellen können, selbst zuzugreifen.
Nur eines fehlt ihnen: ein Kind.
Ellie schaut sich eines Abends im Internet die Seite einer Adoptionsagentur an – und die beiden stehen vor der Frage: Sollen sie auf diese Weise eine Familie gründen?
Sie lassen sich beraten, und am Ende holen sie nicht nur ein Kind zu sich: sondern drei. Nämlich die 15-jährige Lizzy (Isabela Moner) und ihre beiden jüngeren Geschwister.
Allerdings haben sich das Ellie und Pete sehr viel einfacher vorgestellt, als gedacht. Denn so schnell lassen sich die Kinder nicht in ihre neue Familie einfügen…

Sean Anders erzählt in “Plötzlich Familie” von einem Ehepaar, das ihr Leben umkrempelt. Obwohl es nicht der Plan war, holen sie sich gleich drei Kinder ins Haus. Das lebt von durchaus lustigen Momenten, aber dieser Film ist nun wirklich keine reine Komödie. Denn durchaus ernsthaft wird auch gezeigt, wie schwer es ist, Kinder, die vermutlich schon einiges Schlimmes erlebt haben, ein neues Leben zu schenken. Dass die Eingewöhnung für alle Seiten schwieriger ist als gedacht. Dass man vieles mit Humor nehmen, aber auch eine gewisse Besonnenheit mitbringen muss, um das alles zu überstehen.
Es ist recht gut gelungen, alle diese Zwischentöne in diesem Film unterzubringen. “Plötzlich Familie” ist ein sehr warmherziger, aber ziemlich ehrlicher und realistischer Film.

Plötzlich Familie
USA 2018, Regie: Sean Anders
Paramount, 119 Minuten, ab 6
8/10

Hits: 187

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Chaos im Netz

Freitag, den 1. Februar 2019

(1) -> 6.12.2012

Computerspiele, Automatenspiele. Gibt es so was eigentlich noch?
Ja, stimmt: Kaum noch.
Aber was wird denn bloß aus den vielen, vielen Figuren, die sich innerhalb dieser Spiele rumtreiben? Die das machen, was wir ihnen mit den Joysticks vorgeben.
Und was passiert, wenn die alten Spieleautomaten kaputt gehen und es keine Ersatzteile mehr gibt?

Vor dieser Situation stehen Ralph (Stimme: Pierre Peters-Arnolds), besser bekannt als Randale-Ralph, und seine beste Freundin, die Rennfahrerin Vanellope (Anna Fischer).
Das Spiel, in dem sie unterwegs sind, ist kaputt. Aber es gibt die Möglichkeit, ein Ersatzteil zu besorgen – im Internet, bei Ebay. Dort müssen sie hin. Aber bald müssen sie feststellen, dass dieses Internet ziemlich viele Fallen hat.

“Chaos im Netz” ist – auch wenn es im Titel gar nicht gesagt wird – die Fortsetzung von Disneys “Ralph reicht’s” von 2012.
Die Story ist sehr clever: Wurde im ersten Teil erzählt, wie es den aminierten Figuren in den Computerspielen geht, richtet sich der Blick nun ins Internet. Und wie das umgesetzt worden ist, ist durchaus meisterlich.
Da tauchen ständig irgendwelche zwielichtigen Figuren auf, um zwielichtige Dinge anzupreisen – kennen wir als Reklame und Spam und Pop-Up-Fenster. Wir sehen auch, wie Suchmaschinen funktionieren. E-Mails sausen in Waggons durchs Bild, und dann gibt es natürlich die Onlinespiele.
Das ist einerseits noch einigermaßen kindgerecht, aber vor allem für Jugendliche und auch Erwachsene sehr vergnüglich, weil das Internet auf eine herrliche Art dargestellt und auf den Arm genommen wird.
Der witzigste Augenblick ist aber, als Vanellope auf sämtliche Disney-Prinzessinnen trifft, die antürlich alle, auf ihre Weise, ihre Hilfe anbieten.

Chaos im Netz
USA 2018, Regie: Rich Moore, Phil Johnston
Disney, 113 Minuten, ab 6
8/10

Hits: 143

RT im Kino

Ben is back

Dienstag, den 22. Januar 2019

Es ist Weihnachten, und das Fest hat Holly (Julia Roberts) und ihre Familie eine besondere Überraschung parat. Plötzlich steht Ben (Lucas Hedges) vor der Tür.
Und so erfreut Holly ist, es macht ihr auch Angst. Denn Ben sollte nicht zu Hause sein. Er müsste in der Drogenentzugsklinik sein. Seit 78 Tagen ist er clean. Aber sicher vor den Drogen ist er noch längst nicht.
Nach einem Drogentest ist aber klar: Zumindest einen Tag kann Ben bleiben. Doch die Schatten der noch nicht so weiten Vergangenheit holen den Jungen schnell wieder ein. Denn er hat Schulden bei Leuten, die ihn das bald auch spüren lassen. Als ins Haus eingebrochen wird und der Familienhund nicht mehr da ist, weiß Ben: Er muss handeln. Und Holly weiß: Sie kann Ben nicht allein lassen.

“Ben is back” ist ein über die Liebe zwischen Mutter und Sohn, aber eben auch über die Sucht. Die Sucht, die man schwer abstreifen kann. Die Sucht, die einen im Griff hat. Holly war schon mal am Boden zerstört, als sie Ben knapp vor dem Tod gerettet hat. Sie hat Angst, dass das bald wieder passieren könnte. Holly und Ben streifen durch die Gegend, um den Hund zu finden.
Julia Roberts spielt die Mutter, die in großer Angst ist, richtig gut. Die Sorge ist ihr ins Gesicht geschrieben – aber auch die Entschlossenheit, ihren Sohn aus den Drogenfängen zu befreien. Aber auch Lucas Hedges liefert eine sehr gute Leistung ab.

Ben is back
USA 2018, Regie: Peter Hedges
Tobis, 103 Minuten, ab 12
8/10

Hits: 162