RT im Kino

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Mit siebzehn

Dienstag, den 21. März 2017

Sie können sich nicht ausstehen – allerdings hat Thomas (Kacey Mottet Klein) damit angefangen. Im Unterricht stellt er Damien (Corentin Fila) ein Bein – einfach so. Sie steigern sich in ihren Hass dermaßen rein, dass sie beginnen, sich ständig zu prügeln.
Thomas wohnt hoch oben in den Bergen. Als seine Mutter krank wird, kommt eine Ärztin. Die Mutter muss ins Krankenhaus, und damit Thomas ihr näher sein kann, bietet ihm die Ärztin an, bei ihrer Familie zu wohnen.
Die Ärztin ist Damiens Mutter (Sandrine Kiberlain), und noch ahnt sie nicht, was die beiden für eine Fehde zu laufen haben. Nun aber müssen sie sich irgendwie zusammenraufen – und rausfinden, wieso sie eigentlich solche Feinde sind.

“Mit siebzehn” feierte bereits im Februar 2016 bei der Berlinale seine Premiere, jetzt hat er es endlich auch in die deutschen Kinos geschafft.
André Téchiné erzählt von zwei Jungs, die rausfinden müssen, was sie umtreibt. Damien ist erschrocken darüber, warum Thomas so brutal und unfair ihm gegenüber ist. Aber er findet ihn auch anziehend, irgendwas fasziniert ihn. Thomas wiederum ist der harte Brocken, der Unnahbare.
Die beiden jungen Männer spielen das toll, und überhaupt kommt er Film angenehm schnörkellos daher. Er konzentriert sich voll und ganz auf seine Geschichte, die den Zuschauer auch lange im Unklaren lässt. Selbst die Frage nach dem Happy End lässt sich lange nicht erahnen…

Mit siebzehn
Frankreich 2015, Regie: André Téchiné
Kool, 114 Minuten, ab 12
8/10

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Moonlight

Montag, den 13. März 2017

Endlich mal wieder ein Musicalfilm, und was Ryan Gos…
Ähm, ach nein, das ist ja der andere Film, der für eine Minute Gewinner des Oscars war.
In Wirklichkeit hat ja “Moonlight” den Oscar für den besten Film des Jahres gewonnen.

“Moonlight” erzählt die Geschichte von Chiron (Alex R. Hibbert, Ashton Sanders, Trevante Rhodes). Er wächst in armen Verhältnissen auf, seine Mutter (Naomie Harris) ist drogensüchtig. In der Schule wird er immer wieder gehänselt, weil er schüchtern und schwach rüberkommt – als Schwuchtel wird dort beschimpft. Und der Junge spürt, dass da tatsächlich was ist. Nur: Was ist denn eine Schwuchtel, will er wissen.
Auch als Jugendlicher steht er im Fokus der stärkeren Schüler. Aber alles wird anders, als er sich am Strand mit Kevin (Jaden Piner, Jharrel Jerome), einem der wenigen Freunde, trifft. Die beiden kommen sich näher. Aber schon am nächsten Tag wendet sich erneut das Blatt. Eine Wendung, die das Leben von Chiron endgültig beeinflussen wird.

Es ist berührend, zu sehen, was Chiron durchmacht und welche Entwicklung er nimmt. Aus einem schüchternen Jungen wird ein harter Kerl, der Gefühle nicht zuzulassen scheint – was, wie auch zu sehen ist, alles seine Gründe hat.
Insbesondere das dritte und letzte Kapitel des Films, als Chiron erwachsen ist, sind mitunter fesselnd. Wenn er sich in einer Gaststätte mit Kevin unterhält, liegt da eine unheimliche Spannung in der Luft. Dass die mit einem sehr offenen Ende ein wenig kaputtgemacht wird, schmerzt da schon ein wenig.
Schmerzen verursacht leider auch ein wenig die Synchronisation. Einige stimmen scheinen irgendwie gar nicht zu den Personen zu passen. Merkwürdig hoch, andere sehr brummig – irgendwie passen Bild und Ton manchmal nicht zusammen.
Oscar. Zurecht? “Moonlight” ist ein starker Film, und er hat Tiefgang und eine Botschaft. Insofern: durchaus zurecht.

Moonlight
USA 2016, Regie: Barry Jenkins
DCM, 111 Minuten, ab 12
8/10

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Split

Dienstag, den 7. März 2017

Alles beginnt auf dem Parkplatz eines Supermarktes. Drei junge Mädchen sitzen schon im Auto und warten auf ihren Vater eines der Mädchen. Aber irgendwas tut sich da hinten, und plötzlich sitzt ein fremder Mann im Wagen.
Die Mädchen werden entführt und wachen in einer Art Katakomben auf.
Dabei haben sie es zwar mit einem Kidnapper (James McAvoy) zu tun, dieser eine aber hat eine Persönlichkeitsstörung. Sage und schreibe 23 verschiedene Wesen leben in ihm. Einige von ihnen lernen die Mädchen kennen. Aber wie sollen sie da jemals wieder raus kommen?

“Split” ist das neue Werk von M. Night Shyamalan, der einst mit “The Sixth Sense” einen Hit landete, diesen Thrill danach aber nie wieder hinbekam. So ist es leider auch bei diesem Film.
Dabei ist die Handlung zunächst spannend. Nicht nur, weil sich nach und nach viele der Persönlichkeiten des Entführers zeigen, sondern auch weil es eine Psychologin gibt, die ihm durchaus Paroli bieten kann.
Doch M. Night Shyamalan kann diesen Stoff leider nicht in einen wirklich guten Film verwandeln. Das ist in diesem Fall fast tragisch. Denn Hauptdarsteller James McAvoy spielt toll, ebenso die Mädchen.
Aber dennoch wirkt der Film seltsam zäh. Er entwickelt zwar immer mal wieder Faszinationen, aber leider fast nie wirkliche Spannung. Die Inszenierung ist lau und langgezogen, es gibt gegen Ende eine nicht enden wollende Verfolgungsjagd, die dortige Verwandlung des Kidnappers wirkt zudem ein bisschen albern und deplatziert.
Passt irgendwie nicht.

Split
USA 2016, Regie: M. Night Shyamalan
Universal, 118 Minuten, ab 16
5/10

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Boston

Donnerstag, den 2. März 2017

Zwei Explosionen, und aus einem fröhlichen Fest wird eine Tragödie. Es ist der 15. April 2013, Boston, USA. Im Zielbereich des Boston-Marathons gehen zwei Bomben hoch. Mehrere Menschen sterben, viele sind schwer verletzt. Sofort beginnen die Ermittlungen, die Tatverdächtigen hat das FBI bald auf dem Schirm, aber die beiden jungen Männer sind auf der Flucht. In einem Vorort von Boston kommt es ein paar Tage später zum Showdown.

Das ist die Story von “Boston”, und sie ist natürlich bekannt. Peter Berg zeichnet die wahren Ereignisse rund um diesen Bombenanschlag nach. Obwohl die Fakten bekannt sind, gelingt es ihm damit, die Zuschauer in den Bann zu ziehen – mit einer in Katastrophenfilmen üblichen Rezeptur. In dem uns die handelnden Personen nahe gebracht werden.
Da ist allen voran Police Sergeant Tommy Saunders (Mark Wahlberg). Er kämpft mit seinem Knie, und im Job läuft es auch nicht zufriedenstellend. Beim Marathon wird er als Ordner eingesetzt. Als es aber zur Katastrophe kommt, beginnt er so besonnen wie es geht zu arbeiten.
Peter Berg zeigt auch die Attentäter und anfangs scheinbar Unbeteiligte, die aber später eine Rolle spielen.
Dadurch ist “Boston” spannend und emotional – und das ohne irgendwen besonders zu heroisieren oder die Täter all zu klischeemäßig als böse darzustellen.
Sicherlich ist hier und da einiges leicht überdramatisiert, aber “Boston” zeigt noch einmal eindrucksvoll die Ereignisse in dieser für Boston so schlimmen Woche.

Boston
USA 2016, Regie: Peter Berg
Studiocanal, 129 Minuten, ab 12
8/10

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Bibi & Tina: Tohuwabohu total

Dienstag, den 28. Februar 2017

(3) -> 31.1.2016

Auweia.
Selten hat mich ein Kinder- und Jugendfilm so ratlos gemacht wie dieser. Die “Bibi & Tina”-Reihe geht in die Verlängerung, und diesmal geht es um die große Politik im Kleinen. Um die Flüchtlingskrise, um Zwangsehen, um Multi-Kulti. Das ist gut gemeint – leider aber ganz schlecht gemacht. Enttäuschend schlecht.

Bibi (Lina Larissa Strahl) und Tina (Lisa-Marie Koroll) genießen ihre Ferien am See, als plötzlich von einem Ausreißer ihr Proviant gestohlen wird. Es gelingt den Mädchen, ihn zu stellen. Der Junge entpuppt sich später als Mädchen, Adea (Lea van Acken) aus Albanien ist auf der Flucht vor der Familie, weil sie zwangsverheiratet werden soll. Bibi und Tina verstecken Adea vor den Männern, die sie nun alle verfolgen.
Und dann entdecken sie in einer Scheune noch zwei Jungs aus Syrien – sie werden Freunde, und irgendwie versuchen nun alle all diese Probleme zu lösen…

“Tohuwabohu total” ist leider vollkommen misslungen. Das liegt gar nicht mal am Ansatz, Kindern und Jugendlichen einiges zum Thema Flüchtlinge mitzugeben – der ist gut und richtig. Aber die Art und Weise verursacht starke Bauchschmerzen.
Man hat das Gefühl, dass dieser “Bibi & Tina”-Film nichts mehr mit den drei bisherigen zu tun hat. Schauspieler und Kulisse sind dieselben (wobei: Maximilian von der Groeben, bislang teil des Casts, hat einen einminütigen völlig sinnfreien Auftritt) – aber die Handlung will und will sich einfach nicht in diese Bonbonwelt einfügen.
Da hext Bibi ganz fix, dass Adea ein perfektes Deutsch kann – ist ja so einfach. Da können die syrischen Jungs ein nahezu akzentfreies Deutsch, weil sie das angeblich so toll gelernt haben. Alle schön und perfekt und ordentlich. Die Albaner im Film werden dagegen als vollkommen bekloppt, abgewrackt und böse dargestellt – über Albaner kann man offenbar Klischees auskübeln. Diese Szenen sind – auch schauspielerisch – wirklich übel.
Am Ende hexen sich Bibi und ihre Freunde nach Albanien – in die Pampa, wie es heißt. Da wird dann von einem “Einmarsch” gesprochen, soll lustig sein, ist aber gruselig. Dort wird dann mit nettem Reden, Hexen und ein paar Jagden alles in Ordnung gebracht. Alles Böse wird lieb, und alle tanzen.
Hinzu kommt ein Bauunternehmer namens “Trumpf”, der wie Trump aussieht, der überteuert das Schloss der Falkensteins sanieren will – samt großer Mauer drumherum, wegen der Sicherheit. Das alles ist dermaßen aufgesetzt und unpassend, und auch filmisch mau umgesetzt, dass man es gar nicht glauben will.
Natürlich muss man für Kinder vereinfachen – man kann es damit aber auch übertreiben und, vielleicht unbeabsichtigt, von Klischeekiste zu Klischeekiste latschen.
Es ist ein schöner Ansatz, auch Kindern diese wichtigen Themen nahezubringen – das aber ans Ende der “Bibi & Tina”-Reihe zu klatschen, ist unpassend, wirkt aufgesetzt und funktioniert schlicht nicht. Detlev Buck hätte sich dafür etwas ganz Neues ausdenken sollen, aber warum soll man es sich schwer machen, wenn es auch einfach geht. Hier hat er es sich zu einfach gemacht.

Bibi & Tina: Tohuwabohu total
D 2016, Regie: Detlev Buck
DCM, 111 Minuten, ab 0
2/10

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Lion – Der lange Weg nach Hause

Montag, den 27. Februar 2017

Saroo (Sunny Pawar) ist fünf. In Indien lebt er in armen Verhältnissen. Aber er ist glücklich. Mit seinem Bruder ist er immer wieder unterwegs – auch als es darum geht, einen neuen Job anzunehmen. Und eigentlich wollte sein Bruder nur kurz etwas erledigen, als er Saroo kurz am Bahnhof der Kleinstadt zurücklässt.
Als der Junge aber nachts auf einer Bank aufwacht, ist sein Bruder immer noch verschwunden. Er beginnt ihn zu suchen, auch im Zug, der gerade am Bahnsteig steht. Dann aber setzt sich der Zug in Bewegung. Zwei Tage lang ist er unterwegs – erst in Kalkutta kann Saroo wieder aussteigen. Und ist ganz allein.
Lange schlägt er sich allein durch, bis er in einem Heim landet. Da aber seine Herkunft nicht ermittelt werden kann und seine Familie unerreichbar ist, landet er schließlich bei Adoptiveltern (u.a. Nicole Kidman) in Australien. 20 Jahre später beginnt Saroo (Dev Patel) dann, zu recherchieren, wo er denn nun wirklich herkommt…

Garth Davis erzählt die wahre Geschichte eines Menschen, der seine Familie verliert und damit auch seine gesamte Vergangenheit. Saroo Brierley hat in Australien ein gutes Leben – und dafür ist er auch dankbar. Aber er will wissen, wer er ist und wo er herkommt.
Das ist berührend. Sogar sehr berührend. Erstaunlicherweise ist “Lion – Der lange Weg nach Hause” aber gar nicht besonders kitschig. Das braucht er auch nicht, denn es ist die Geschichte selbst, die so aufwühlend ist.
Der kleine Sunny Pawar spielt hinreißend. Ein fröhlicher Junge, der sich dann plötzlich ganz alleine durchschlagen muss. Diese Angst, diese Einsamkeit spielt er hervorragend. Der Film findet aber auch eindringliche Bilder. Der harte Alltag von Kalkutta überträgt sich auf der Leinwand, und es ist atemberaubend. Im Guten und im Schlechten.
Aber auch Dev Patel, der den erwachsenen Saroo spielt, kann überzeugen in seiner Unsicherheit, niemanden zu verletzen mit seiner Suche nach dem Ich.
Das ist das Kino der tollen Geschichten, dafür ist das Kino erfunden worden.

Lion – Der lange Weg nach Hause
USA / GB / Australien 2016, Regie: Garth Davis
Universum, 120 Minuten, ab 12
9/10

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Fifty Shades of Grey: Gefährliche Liebe

Dienstag, den 14. Februar 2017
Tags:

(1) -> 18.2.2015

Das Sado-Maso-Abenteuer geht weiter. Nachdem die “Fifty Shades of Grey”-Romane so erfolgreich waren und Teil 1 im kino ganz gut lief, kommt nun die Fortsetzung.
Das vorweg genommene Fazit: Hm.

Anastasia (Dakota Johnson) lebt nach der Trennung von Christian (Jamie Dornan) weiter ihr Leben. Als sich die beiden aber auf einer Ausstellung wiedertreffen, ist es um beide wieder geschehen. Er bitte sie, zurückzukommen. Er will mit ihr Leben. Und sie will auch, auch wenn sie mehrfach beteuert, dass sie ihm nicht alles bieten könne, was er wolle. Seine sadistische Neigung könne er bei ihr nicht ausleben. Er willigt ein. Aber ihre Liebe ist in Gefahr.

Oder so. Denn eines muss ganz klar festgestellt werden: Der 2. Teil von “Fifty Shades of Grey” ist nicht mehr als eine edel ins Bild gesetzte Soap. Die Handlung ist dermaßen simpel, dass es eigentlich kaum zu glauben ist.
Da finden sich zwei und sagen sich ganz oft, was sie empfinden. Immer wieder. Es folgen brave Sexszenen, ab und zu möchte Anastasia mal ein bisschen härter ran genommen werden – aber selbst das fällt soft aus. Die SM-Szenen sind nicht wirklich welche, selbst die bieten nichts, was Aufreger hervorrufen könnte.
Stellenweise kommen “böse” Figuren ins Spiel, die aber schnell ausgeschaltet werden. Da gibt es Szenen, die an US-Dailysoaps aus den 80ern erinnern, wenn die böse Intriganten enttarnt und mittels Ohrfeige aus der Familie ausgeschlossen werden.
War Teil 1 irgendwie noch spannend und interessant, weil es um die außergewöhnliche Beziehung zwischen Anastasia und Christian geht, hat Teil 2 schlicht nichts Neues zu erzählen. Schon der Untertitel “Gefährliche Liebe” ist eine völlige Übertreibung.
Keine Frage: Alles ist irgendwie edel, die Musik ist top, die Schauspieler sind Augenweiden. Die Geschichte aber bietet null echten Inhalt.
Warum das in Buchform von E.L. James irgendwie erfolgreich ist, bleibt völlig schleierhaft. In Groschenromanen hat man das schon zigmal so oder ähnlich gelesen.

Fifty Shades of Grey: Gefährliche Liebe
USA 2016, Regie: James Foley
Universal, 117 Minuten, ab 16
3/10