RT im Kino

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Einsam Zweisam

Samstag, den 30. Mai 2020

Klingt ein bisschen wie der Film zur Coronakrise.
Rémy (Francois Civil) und Mélanie (Ana Girardot) kennen sich nicht. Aber sie verbindet dennoch einiges. Beide sind um um die 30, sie leben beide im selben Pariser Stadtbezirk. Und sie sind beide Singles. Und nicht ganz so gut drauf. Wegen der Gesamtsituation.
Mélanie hat immer mal wieder Dates – die sie absagt. Rémy hätte gern Dates, bekommt aber nicht so richtig welche zustande. Ihn macht das fertig, es schlägt auf seine Psyche, er muss sich sogar behandeln lassen. EWas aber zunächst nichts nutzt.

Zwei Hauptperson und eine Frage: Werden sich die beiden mal treffen? Zumindest ist das die Frage, wenn man das Filmplakat sieht, auf dem die beiden ja drauf sind. Schaut man sich den Film davon losgelöst an, dann gibt es ein Problem: Es ist egal. Dieser ganze Film ist so ziemlich egal.
Depressiv schleppt sich “Einsam Zweisam” dahin, und “Zweisam” kann in diesem Film nicht wirklich gelten, denn selbst der Zuschauer ist in seiner Gelangweiltheit ziemlich einsam.
In diesem Sinne könnte man sagen, dass es tatsächlich – ungewollt, denn er entstand ja schon 2019 – der Kommentar zur Coronakrise ist, wo wir alle besser alleine bleiben. Nur will man ihnen dabei nicht wirklich zusehen.

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Einsam Zweisam
Frankreich 2019, Regie: Cédric Klapisch
Studiocanal, 110 Minuten, ab 6
2/10

Hits: 142

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Romys Salon

Montag, den 25. Mai 2020

Sie soll zu ihrer Oma. Davon ist Romy (Vita Heijmen) nicht so wirklich begeistert, und Oma auch nicht. Stine (Beppie Melissen) ist 69, und sie betreibt einen kleinen Friseursalon. Aber Romys Mutter Margot (Noortje Herlaar) besteht darauf – sie muss arbeiten, und nach der Scheidung ist sowieso alles viel schwerer.
Romy kommt nun also jeden Nachmittag in den Salon. Ihre Oma Stine ist eine starke Frau. Eigentlich. Dass sie manchmal etwas tüdelig ist, kann nur normal sein. Romy kann dann eingreifen, und ihre Oma lobt sie dann für ihre Klugheit.
Aber Stine baut ab, von Tag zu Tag mehr. Sie wird vergesslich. Vergisst, Dinge zu erledigen. Vergisst, wo sie Sachen abgelegt hat. Verschwindet plötzlich.
Romy hilft, wo sie kann, und sie verheimlicht, wie schlecht es ihrer Oma geht. Die aber merkt selbst, dass gerade was zu Ende geht. Sie überreicht ihrer Enkelin den Schlüssel ihres Salons. Und sie redet immer von ihrer Kindheit in Dänemark. Da fasst Romy einen Entschluss…

Der niederländische Film “Romys Salon” von Mischa Kamp basiert auf einem Kinderbuch. Und so ist es mehr oder weniger auch aus der Sicht von Romy beschrieben – sie ist die Hauptperson in diesem Film. Einerseits ist sie traurig, wie sie gewissermaßen abgeschoben wird. Aber bei ihrer Oma merkt sie, je kränker sie wird, dass sie dort eine Aufgabe hat, und dass sie sie bewältigen muss und vor allem bewältigen will.
Vita Heijmen stellt dieses mutige, starke Mädchen eindrücklich gut gar. Aber auch Beppie Melissen ist stark, wenn sie plötzlich eine Blockade im Hirn hat, dann sind das auch für den Zuschauer beunruhigende Momente.
Der Film kann gerade auch Kindern Ängste im Umgang mit so einer Krankheit nehmen. Sicherlich zeigt er nicht die ganz bösen Momente einer Demenz, aber er macht Kindern doch einiges begreifbar.

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Romys Salon
Niederlande 2019, Regie: Mischa Kamp
Farbfilm, 90 Minuten, ab 0
7/10

Hits: 144

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The Peanut Butter Falcon

Samstag, den 23. Mai 2020

Sie wollen weg. Beide.
Zak (Zack Gottsagen) ist 22. Wegen seines Down-Syndroms ist er in ein Altenheim gesteckt worden. Dort wird er betreut. Allerdings hat er darauf keine Lust – er will nicht nur mit alten Leuten zu tun haben. Er will fraus ins Leben. Sein Traum: Profi-Wrestler werden. Tatsächlich kann er eines Nachts flüchten – und er hat dabei nur eine Unterhose an.
Auch Tyler (Shia LaBoeuf) ist auf der Flucht. Nachdem er bei einer Gruppe von Fischern rausgeflogen ist, fackelt er ihre Arbeitsmittel ab – sie wollen nun Rache nehmen.
Bei ihren beiden Fluchten treffen sie aufeinander. Es ist ein Zweckbündnis. Aber mehr und mehr wird eine Freundschaft draus. Aber kann das mit der Flucht der beiden gut gehen?

Tyler Nilson und Michael Schwartz erzählen in “The Peanut Butter Falcon” von der ungewöhnlichen Reise zweier Männer, die eine Freundschaft schließen. Sie nehmen sich, wie sie sind. Als Zak von fremden Jugendlichen geärgert wird, merkt Tyler, dass er da eingreifen muss – es ist der Beginn der Freundschaft. Es geht um das Füreinander-da-sein, aber auch darum, den anderen so zu akzeptieren, wie er ist.
Den beiden bei ihrem Trip zuzusehen, macht Spaß. Zack Gottsagen spielt mit einer wunderbaren Leichtigkeit.

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The Peanut Butter Falcon
USA 2019, Regie: Tyler Nilson, Michael Schwartz
Tobis, 97 Minuten, ab 12
7/10

Hits: 210

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Bombshell – Das Ende des Schweigens

Samstag, den 2. Mai 2020

Männer und die Macht. Und der Sex. Viele Frauen können ein trauriges Lied davon singen. Aber inzwischen wehren sie sich gegen solche Machos, die ihre Macht ausnutzen.
Die Handlung des Films “Bombshell – Das Ende des Schweigens” beruht auf wahre Begebenheiten. Das alles hat sich hinter den Kulissen des US-Nachrichtensenders Fox News tatsächlich so zugetragen.

Die Moderatorin Gretchen Carlson (Nicole Kidman) tritt eine Welle der Empörung los. Sie wirft Roger Ailes (John Lithgow), den Gründer von Fox News, vor, ihn sexuell genötigt zu haben.
Das kann alles gar nicht sein, und sie wolle sich nur wichtig machen – so ist der Tenor der Berichterstattung, und selbst unter den Kolleginnen bekommt sie keinen Rückhalt.
Dabei haben Kollegin Megyn Kelly (Charlize Theron) und neue Nachrichten-Produzentin Kayla Pospisil (Margot Robbie) Ähnliches erlebt. Aus Angst schweigen sie. Vorerst. Denn immer mehr Frauen machen öffentlich, was Roger Ailes mit ihnen gemacht hat und wie rücksichtslos Kerle wie er sein können.

Letztlich erzählt “Bombshell – Das Ende des Schweigens” ja keine neue Geschichten. Sie ist aber immer wieder erschütternd, weil man ja eigentlich kaum glauben will, wie Männer in Machtpositionen mit Frauen umgehen, was sie denken, sich leisten zu können. Und wie empört sie sind, wenn alles ans Licht kommt.
Deshalb ist dieser Film durchaus interessant, er hat seine spannenden Momente, er sorgt für Kopfschütteln. Es ist auch ein wichtiger Film, durchaus eine Art Zeitdokument.
Aber alles in allem dann doch zu wenig packend.

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-> Der Film auf Youtube (Gebühren)

Bombshell – Das Ende des Schweigens
USA 2019, Regie: Jay Roach
Wild Bunch, 109 Minuten, ab 12
6/10

Hits: 143

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Narziss und Goldmund

Sonntag, den 15. März 2020

Mit “Narziss und Goldmund” ist die nächste große deutsche Literaturverfilmung im Kino zu sehen. Diesmal eine Geschichte nach dem Roman von Hermann Hesse.

Er wird vom Vater ins Kloster abgeschoben: Goldmund (Jeremy Miliker) ist unglücklich, und er fühlt sich allein. Der Klosterschüler Narziss (Oskar von Schönfels) soll sich um ihn kümmern, und bald entwickelt sich zwischen den beiden eine enge Freundschaft. Das geht sieben Jahre so. Narziss (Sabin Tambrea) hat will sich den klösterlichen, asketischen Regeln unterwerfen – er will Abt werden. Goldmund (Jannis Niewöhner) eher nicht so, und irgendwann muss Narziss seinen Freund ziehen lassen.
15 Jahre später taucht Goldmund wieder im Kloster auf. Schwerverletzt. Er darf bleiben, und er erzählt, welche Abenteuer er in der Zwischenzeit erlebt hat. Er hat Frauen kennen- und liebengelernt, aber auch Schicksalsschläge erleiden müssen.
Die Freundschaft der beiden wird aber noch einmal auf die Probe gestellt.

“Narziss und Goldmund” ist Hermann Hesses erfolgreichster Roman. Und in der Tat ist diese Mittelalter-Geschichte aus mehreren Gründen packend. Denn sie erlebt vom Lieben und Geliebtwerden. Von einer Zeit der Krankenheiten. Davon, dass es auch damals schon missgünstige Menschen voller Hass gab, dass auch damals schon Christen nicht zwingend immer nur gute Menschen waren.
Narziss hadert mich sich. Er muss seine Liebe ziehen lassen, und tief drin ist er traurig, dass er nie so geliebt wird, wie er liebt. Goldmund dagegen zieht raus, er verliebt sich mit ganzem Herzen. Die Lieben zerbrechen, und er verliebt sich erneut.
Natürlich lebt dieser Film von Stefan Ruzowitzky, der auch das Drehbuch schrieb, von den fantastischen Hauptdarstellern. Dass insbesondere Goldmund immer um die Haare ziemlich perfekt gestylt (und gefärbt?) ist, wirkt zwar nicht so sehr mittelalterlich, wie überhaupt der Film an vielen Stellen ein bisschen zu sauber und modern wirkt, aber das lässt sich durchaus ausblenden.
Dieser Film ist spannend, er geht ans Herz, und die klösterliche Atmosphäre auch auch etwas Mystisches.

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Narziss und Goldmund
D 2019, Regie: Stefan Ruzowitzky
Sony, 118 Minuten, ab 12
8/10

Hits: 167

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Die Känguru-Chroniken

Dienstag, den 10. März 2020

Das haben wir ja alle schon mal erlebt: Es klingelt an der Tür, wir öffnen, und ein Känguru (Stimme: Marc-Uwe Kling) fragt, ob es mal Mehl haben kann. Und Eier. Und Milch. Und so weiter.
Das Problem, das Marc-Uwe (Dimitrj Schaad): Er wird das Känguru nicht los. Es kommt immer wieder. Und zieht plötzlich ein. Ein Widerspruch steht nicht zur Debatte.
Das Vieh ist sehr vorlaut, und die beiden liefern sich immer wieder Wortgefechte. Aber sie haben ein gemeinsames Ziel: Sie wollen es mit dem rechtspopulistischen Immobilienhai Dwigs (Henry Hübchen) aufnehmen. Der will nämlich ihr Viertel in Kreuzberg mit einem Hochhauskomplex verschandeln. Das antikapitalistische Känguru kann das nicht hinnehmen. Und Marc-Uwe fürchtet um seine Wohnung…

“Die Känguru-Chroniken” funktionieren als Buch, als Hörbücher, als Live-Shows – und nun auch als Film. Marc-Uwe Kling hat das Känguru geschaffen, im Hörbuch spricht er sich selbst und das Känguru. Im Film gibt es den Marc-Uwe ebenfalls, wird aber von Dimitrj Schaad dargestellt, Kling spricht aber das Känguru. Das wiederum ist erfreulich gut animiert, und so bilden Schaad und das Vieh ein ziemlich gutes Duo.
Der Film beginnt schon sehr unkonventionell, nämlich wenn Marc-Uwe und das Känguru den Anfang kommentieren und sich über das Geschehen lustig machen. Auch sonst hat der Film einen sehr schönen Humor. Es macht Spaß, das Treiben zu verfolgen.
Bemerkenswert und gut ist die eindeutige Positionierung gegen Rechtspopulismus und gegen rechte Hetze. Das Känguru ist da eindeutig, und wenn es darum geht, Dwigs zur Strecke zu bringen – Henry Hübchen spielt herrlich -, sind die Methoden durchaus aberwitzig.
Ein bisschen muss man sich auf den schrägen Humor einlassen – aber “Die Känguru-Chroniken” machen es einem – der die Serie bislang nicht kannte – durchaus einfach.

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Die Känguru-Chroniken
D 2019, Regie: Dani Levy
X-Verleih, 92 Minuten, ab 0
8/10

Hits: 182

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Lassie – Eine abenteuerliche Reise

Donnerstag, den 5. März 2020

1943 kam der erste Lassie-Film ins Kino. Es folgten diverse Serien fürs Fernsehen und weitere Filme im Kino und im Fernsehen. Und immer hatte die Colliehündin Lassie neue Herrchen und Frauchen, die sie retten, beschützen und ablecken konnte.
2020 zieht Deutschland nach und bringt mal wieder ein Lassie-Abenteuer auf die große Leinwand.

Lassies Herrchen ist der 12-jährige Flo (Nico Marischka). Sie leben in einem Dorf in Bayern. Doch als Vater Andreas (Sebastian Bezzel) seinen Job verliert, ist klar, dass sie umziehen müssen. Das Problem: In der neuen Wohnung sind keine Hunde erlaubt, und schnell gibt es Zoff mit der Vermieterin.
Lassie muss weg. Sie kommt bei Graf von Sprengel (Matthias Habich) unter, der mit Enkelin Priscilla (Bella Beding) gleich mal zu seinem Haus an der Nordsee reist – und Lassie muss mit. Vom fiesen Hausmeister (Christoph Letkowski) mies behandelt, flüchtet der Hund.
Durch ganz Deutschland muss der Hund, damit er irgendwann wieder bei Flo auftaucht. Der hat Angst um Lassie und begibt sich ebenfalls auf die Suche.

“Lassie – Eine abenteuerliche Reise” ist eine von vielen für sich stehende Geschichte über einen Jungen und seinen Hund. Das funktioniert gewohnt gut, driftet glücklicherweise nicht in den Kitsch ab, und Lassie wird auch nicht allzu sehr vermenschlicht.
Für einen Kinderfilm üblich werden einige der Figuren ziemlich überzeichnet. So ist der Schurke, hier von Christoph Letkowski gespielt, übertrieben böse und auch übertrieben blöd. Eine etwas undankbare, zu alberne Rolle. Sie soll aber vielleicht eine Komödienhaftes in diesen Film bringen, der auch durchaus ernste Töne anschlägt: Wenn es darum geht, in welche Nöte Familien geraten können.
Kindern wird das nicht auffallen, aber die Reise des Hundes ist natürlich völlig unlogisch. Dass Lassie auf dem Weg zur Nordsee nach Bayern in Brandenburg landet, ist eher unglaubwürdig. Dass Flos Vater mit dem Auto dort hindüst, und die Klinik zu Hause gewissermaßen um die Ecke ist, ist nicht glaubwürdiger. Aber Kindern wird das egal sein.
Viel seltsamer ist die Szene, in der Lassie einen Wasserfall hinabstürzt, Flo und seine Freundin aus dem Fluss gerettet wird sich sich dann niemand drum kümmert, wo der Hund abgeblieben ist. Stattdessen reisen Flo und seine Familie nach Bayern zurück und warten auf Lassies Heimkehr. Das ist dann leider wirklich unglaubwürdig und ärgerlich blöd.

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Lassie – Eine abenteuerliche Reise
D 2019, Regie: Hanno Ollerdissen
Warner, 106 Minuten, ab 0
6/10

Hits: 184