RT im Kino

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Die Hochzeit

Sonntag, den 26. Januar 2020

(1) -> 1.10.2018

Neues von den drei Freunden Thomas (Til Schweiger), Nils (Samuel Finzi) und Andreas (Milan Peschel).
Thomas hat endlich seine große Liebe gefunden. Er und Linda (Stefanie Stappenbeck) wollen heiraten. Dafür ist noch viel zu organisieren. Ihre Tochter Lilli (Lilli Schweiger) ist allerdings immer noch skeptisch.
Bei den anderen Freunden läuft es dafür umso schlechter. Nach der Trennung von Tanja (Jeanette Hain) schwört Andreas, für immer Singel zu sein. Und das auch, weil es beim Speed-Dating auch nicht so ganz optimal verläuft. ins Single-Leben stürzt. Nils hingegen findet raus, dass seine Frau Jette (Katharina Schüttler) ihn nach 25 Jahren einmalig betrogen hat – mit Torben (Thomas Heinze), einem Freund der Clique. Als es deshalb zum offenen Streit kommt, bricht Torben tot zusammen.
Die Trauerfeier bringt auch den Zeitplan für die Hochzeit in höchste Gefahr.

“Die Hochzeit” ist die Fortsetzung von “Klassentreffen 1.0”, ursprünglich sollte dieser Film auch unter diesem Titel laufen. Gepasst hätte das nicht. Allerdings ist der Titel “Die Hochzeit” auch eher lahm, weil es darum eigentlich am wenigsten geht.
Stattdessen geht es um Männer um die 50 und um ihre Beziehungen. Was wünschen sie sich, wonach sehnen sie sich, wovon haben sie die Schnauze voll? Und was macht Freundschaft aus?
Nebenher gibt es noch einen Erzählstrang um Lilli, die Stress mit ihrer besten Freundin hat, weil sich ihr Freund Lenny (Timur Bartels) von ihr getrennt und sich in Lilli verliebt hat.
Das ist flott erzählt, niemals langweilig, an vielen Stellen lustig, manchmal ein bisschen zu überdreht. Daraus lassen sich sicherlich noch weitere Filme produzieren.
Was leider auch in diesem Film auffällt, ist die Hintergrundmusik. An vielen Stellen wirkt die Musik vollkommen willkürlich, zudem stört sie an einigen Stellen sogar die Handlung, weil der Gesang in den Songs von den Dialogen ablenkt. Viel zu selten verlässt sich Regisseur Til Schweiger auf die Dialoge im Film, wo er dann auch auf ablenkende Musik verzichtet. Wie so oft gilt: Weniger ist oft mehr.
Sehr auffallend und aufdringlich ist die Schleichwerbung: Die Autos werden extrem prominent platziert. Eine Versicherung wirbt auf einem Plakat am Straßenrand und bleibt auffällig lange ganz allein im Bild. Und dann noch die diversen Produkte, die Schweiger offenbar selbst rausbringt. Bier, das ja, so heißt es im Film, sehr gut schmecke, ein Restaurant und so weiter. Da wird es dann schon ein bisschen peinlich.

-> Trailer auf Youtube

Die Hochzeit
D 2019, Regie: Til Schweiger
Warner, 119 Minuten, ab 12
7/10

Hits: 58

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1917

Dienstag, den 21. Januar 2020

Es beginnt ruhig, fast schon idyllisch. William Schofield (George MacKay) und Tom Blake (Dean-Charles Chapman) liegen im Gras und dösen an diesem sonnigen Tag.
Aber es ist bald vorbei mit dem Päuschen. Die beiden sind Soldaten. Sie sind im Ersten Weltkrieg, kurz vor der Frontlinie. Es ist das Jahr 1917.
Tom Blake bekommt einen Auftrag. Er soll zu Colonel Mackenzie (Benedict Cumberbatch), um ihm einen schriftlichen Befehl zu übergeben. Er soll den Angriff auf die deutschen Truppen absagen, weil er ansonsten mit seinen Soldaten in eine Falle zu tappen droht.
Und da Blakes Bruder in Mackenzies Einheit ist, ist er sehr motiviert, seinen Auftrag zu schaffen. Gemeinsam mit William Schofield macht er sich auf den Weg. Er ist beschwerlich. Die Hölle. Über Tote. Überall Matsch. Und überall die Gefahr, erschossen zu werden.

Der Erste Weltkrieg ist im Film viel weniger beleuchtet als der Zweite Weltkrieg. In “1917” geht es aber nicht um das große Ganze. Es ist diese eine Geschichte von diesen zwei Männern, die sich auf diesen harten Weg begeben.
Das Besondere: Wir verfolgen die beiden in Echtzeit. Es gibt keine sichtbare Schnitte. Wir verfolgen die beiden mit der Kamera, es dauert so lange, wie es dauert.
Das ist extrem spannend, hin und wieder auch zermürbend.
Innerhalb von Minuten kommen wir von der Idylle in die Hölle. Los geht es in der sonnigen Wiese, aber es dauert nicht lange, bis wir plötzlich im Schützengraben sind. Wir sehen die vielen Soldaten im Wartestand. Wir verlassen den Graben, stehen dann im freien Feld. Laufen durch schlammige Krater. Wir sehen Leichen, Leichenteile. Und immer der Blick zum Horizont: Ist da wer?
Auch wenn der Film später ein bisschen schummelt was die Echtzeit angeht – die Nacht vergeht erstaunlich schnell -, funktioniert das sehr gut. Weil man sich stark auf das konzentrieren kann, was man sieht. Kein Schnitt erlöst uns von bösen Momenten.
Die immer wieder dräuende Musik im Hintergrund hebt die Spannung weiter. Die beiden Hauptdarsteller spielen toll, George McKay scheint in den fast zwei Stunden um Jahre zu altern.
Dass man den Krieg, die Gefahren, das Elend hautnah mitbekommt, wäre vielleicht übertrieben zu sagen. Aber man bekommt durchaus einen tiefgreifenden und nachhaltigen Eindruck davon.

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1917
USA 2019, Regie: Sam Mendes
Universal, 110 Minuten, ab 12
8/10

Hits: 58

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Judy

Montag, den 13. Januar 2020

1969 in London. Es gab Zeiten, da war Judy Garland in den USA ein gefeierter Star. Sie spielte in Filmen mit, sie sang, sie bekam Preise. Doch mehr und mehr ging es bergab, Schlaf- und Aufputschmittel sowie Alkohol haben ihren Tribut gefordert. In den USA bekam sie keine Aufträge mehr.
Also London. In Großbritannien ist Judy Garland (Renée Zellweger) immer noch gefragt, dort wartet man auf sie. Sie willigt ein, dort ein paar Wochen lang eine große Show zu spielen – und tatsächlich sind alle Vorstellungen schnell ausverkauft.
Doch sie hadert. Daheim muss sie ihre beiden Kinder beim Ex zurücklassen, und eigentlich widerstrebt ihr die ganze Show. Sie nimmt weiter Pillen, und sie trinkt. So kommt es auch in London immer wieder zu Zwischenfällen.

Judy Garland gilt bis heute als Ikone. Der Film “Judy” von Rupert Goold zeigt ihre letzten Monate. Wir sehen eine Frau, die zutiefst verunsichert ist. Einerseits, weil sie selbst offenbar nicht genau weiß, was sie in ihrem Leben tun will. Andererseits: Wenn sie auf der Bühne steht, dann ist die Show ihr Leben. Wenn sie singt, wenn sie lacht, wenn sie performt, dann ist sie in ihrem Element – wenn es ihr gut geht.
Aber es geht ihr nicht gut. Sie hadert, und eigentlich ist sie ja nur in London, weil sie dringend Geld braucht.
Renée Zellweger spielt diese zerbrechliche Frau auf mitunter ergreifende Weise. Sie bekommt die Mischung aus seelischem Schmerz und immer wieder aufblitzenden Humor gut hin.
Wenn sie dann als Judy Garland auf der Bühne steht und fast schon verzweifelt “Somewhere over the Rainbow” singt – sie war tatsächlich die ursprüngliche Interpretin des Liedes -, dann ist das sehr rührend.
Judy Garland starb mit gerade mal 47. Sie hätte der Welt vermutlich noch viel geben können.

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Judy
USA 2019, Regie: Rupert Goold
EOne Germany, 118 Minuten, ab 0
8/10

Hits: 95

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Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

Montag, den 6. Januar 2020

Berlin, 1933. Gerade sind die Nazis an die Macht gekommen, und für die Juden in Deutschland wird das Leben zunehmend schwierig.
Die neunjährige Anna Kemper (Riva Krymalowski) kriegt das zunächst alles nur am Rande mit. In der Schule hat sie gute Leistungen, und sie hat viele Freundinnen. Mit ihrem Bruder Max (Marinus Hohmann) versteht sie sich mal besser, mal schlechter.
Als sich Hitlers Macht verfestigt, ist für Vater Arthur (Oliver Masucci) klar: Die Familie muss weg aus Berlin. Er ist Journalist. Seine Kommentare und Kritiken sind von den Nazis nicht erwünscht. Mit seiner Frau Dorothea (Carla Juri) und den Kindern flüchtet er zunächst in die Schweiz.
Es muss schnell gehen, Anna muss sich entscheiden, welches Spielzeug sie mitnimmt. Das rosa Kaninchen, das sie so liebt, muss zu Hause bleiben. Und auch die geliebte Haushaltshilfe Heimpi (Ursula Werner) muss die Familie zurücklassen.
Aber können die Kempers dauerhaft in der Schweiz bleiben? Können sie irgendwann nach Berlin zurückkehren? Oder werden sie ewig Flüchtlinge bleiben?

“Als Hitler das rosa Kaninchen stahl” ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Judith Kerr. Wir begleiten die Kampers und vor allem Anna. Anna ist es, die die Geschichte aus ihrer Sicht erzählt. Der Schock, Berlin zurückzulassen, etwas Neues aufbauen zu müssen. Nicht nur für die Kinder bedeutet das ein hoher Druck, wobei sie noch am besten damit klarkommen.
Aber die Familie muss sehen, wo sie bleibt. Und Geld muss auch rangeschafft werden, denn die Ersparnisse gehen bald aus.
Der Film erzählt, was es mit Menschen macht, die permanent auf der Flucht sind, weil sie in ihrem Land nicht mehr erwünscht ist. Es geht um die Suche nach einem neuen Zuhause, um Angst und um die Existenz.
Anna erzählt das alles auf ihre kindliche Art, was diesen Film sehr fesselnd und ergreifend macht. Als Zuschauer bangt man mit den Kempers.
Und nebenbei sieht man auch, wie schnell man zu einem Flüchtling werden kann. Wie sich die Lage damals in Deutschland zuspitzte. Und eben auch, dass man (anfangs) nicht bettelarm sein muss, um ein bestimmtes Flüchtlingsbild zu erfüllen.
Diese Familiengeschichte wirkt nach dem Filmende noch nach.

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Als Hitler das rosa Kaninchen stahl
D / Schweiz 2019, Regie: Caroline Link
Warner, 119 Minuten, ab 0
8/10

Hits: 101

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Kino 2019

Dienstag, den 31. Dezember 2019

Die Kino-Hitliste des Jahres 2019 umfasst diesmal 80 Filme.
Bis Platz 48 haben die Filme mindestens eine 7/10-Bewertung, erstmals dreimal gibt es in diesem Jahr die 10/10-Wertung, sowie sechsmal 9/10-Bewertungen. Bis Platz 9 sind es also absolute Top-Filme.

1. Midsommar
2. Systemsprenger
3. Der Fall Collini

4. Gut gegen Nordwind
5. Friedhof der Kuscheltiere
6. Das perfekte Geheimnis
7. Ich war noch niemals in New York
8. Der verlorene Sohn
9. Auerhaus

10. Deutschstunde
11. Prelude
12. 7500
13. Good Boys
14. Spider-Man: Far from Home
15. Angel has fallen
16. Midway – Für die Freiheit
17. Trautmann
18. Beautiful Boy
19. Die Frau des Nobelpreisträgers
20. Lara
21. Shazam!
22. Ben is back
23. Club der roten Bänder – Wie alles begann
24. Green Book
25. Plötzlich Familie
26. Rocketman
27. Ma
28. Long Shot
29. Chaos im Netz
30. Vice – Der zweite Mann
31. Made in China
32. After the Wedding – Jede Familie hat ein Geheimnis
33. Kroos
34. Marriage Story
35. Stan & Ollie
36. Zwischen uns die Mauer
37. Der König der Löwen
38. Traumfabrik
39. Creed II – Rocky’s Legacy
40. Rate your Date
41. Yesterday
42. Late Night – Die Show ihres Lebens
43. After Passion
44. Es – Kapitel zwei
45. Die zwei Päpste
46. Wir
47. Alfons Zitterbacke
48. Ad Astra – Zu den Sternen

49. Dem Horizont so nah
50. Die Goldfische
51. Sweethearts
52. All my Loving – Eine Geschichte von drei Geschwistern
53. Joker
54. Fahrenheit 11/9
55. Pets 2
56. Benjamin Blümchen
57. Gelobt sei Gott
58. Last Christmas
59. Jonathan
60. Kalte Füße
61. Drei Schritte zu dir
62. Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks
63. Und der Zukunft zugewandt
64. mid90s
65. Der Spitzenkandidat
66. Polaroid
67. Berlin, I love you
68. Once upon a Time in … Hollywood
69. Der Leuchtturm
70. Le Mans 66 – Gegen jede Chance
71. Die Eiskönigin 2
72. Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit
73. Monsieur Claude 2 – Immer für eine Überraschung gut
74. The Report

FLOPS:
75. Wir – Der Sommer, als wir unsere Röcke hoben und die Welt gegen die Wand fuhr
76. A Toy Story – Alles hört auf kein Kommando
77. Men in Black International
78. Mein Bester & ich
79. Glass
80. Pokémon: Meisterdetektiv Pikachu

Hits: 110

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Wir – Der Sommer, als wir unsere Röcke hoben und die Welt gegen die Wand fuhr

Montag, den 30. Dezember 2019

Acht Teenager verbringen in einem besonders heißen Sommer ihre Ferien, irgendwo an der belgisch-niederländischen Grenze. Doch so richtig einen Plan, was sie machen sollen, haben Simon (Tijmen Govaerts),Thomas (Aime Claeys), Jens (Friso van der Werf), Karl (Folkert Verdoorn) und Ruth (Maxime Jacobs), Liesl (Pauline Casteleyn), Femke (Salome van Grunsven) und Ena (Laura Drosopoulos) nicht. Sie langweilen sich.
Sie fahren in der Gegend, liegen am See, haben hemmungslosen Sex. Sie verachten die Elite und treiben üble Streiche an der Autobahn, die zu schweren Unfällen führen. Was sie aber auch nicht weiter stört.

Der niederländische Film “Wir – Der Sommer, als wir unsere Röcke hoben und die Welt gegen die Wand fuhr” hat einen fast humorvollen Titel. Aber eigentlich ist der Film brutal und roh. Aber eher: Die Jugendlichen im Film sind auf seltsame Weise verroht. Sex ist ein Spiel, das keiner ernst nimmt. Katastrophen auszulösen, löst bei ihnen selbst keine Skrupel aus.
Es sind Revoluzzer, so sehen sie sich vermutlich selbst. Aber in Wirklichkeit sind es ziemlich arme Würstchen, und es steht eigentlich immer die Frage im Raum, warum man sich das eigentlich antun muss. Diese Härte, diese Leere, diese Dumpfheit, die nie zu irgendwas führt, die keine Entwicklung hat. Und es gibt darauf auch keine Antwort…

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Wir – Der Sommer, als wir unsere Röcke hoben und die Welt gegen die Wand fuhr
Niederlande 2018, Regie: René Eller
Der Filmverleih, 100 Minuten, ab 18
3/10

Hits: 116

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Jonathan

Sonntag, den 29. Dezember 2019

Zwei Brüder, zwei Leben. Oder doch nur ein Leben? Jon (Ansel Elgort) und Jonathan (auch Ansel Elgort) sind sehr unterschiedlich. Jonathan hat Ziele im Leben, er will eine Karriere. Er hat ein Ziel vor Augen. Jon dagegen ist eher der Nachtmensch. Er macht, was er für richtig hält, er lebt sein Leben, so wie es gerade kommt.
Das Problem: Jon und Jonathan teilen sich einen Körper, eine Hülle. Am Tage ist Jonathan dran, in der Nacht Jon.
Zur “Übergabe” treffen sie sich in einem Videochat und berichten sich gegenseitig, was alles passiert ist. Verboten sind emotionale Bindungen, dementsprechend auch Freundinnen. Sex dagegen ist erlaubt.
Das klappt. Bis Elena (Suki Waterhouse) in ihr Leben tritt. Sie lernt Jon und Jonathan kennen, und plötzlich geht es darum, wer länger “wach” ist.

“Jonathan” handelt von zwei Menschen in einer Hülle. Für den Zuschauer ist es nicht immer einfach, den Überblick zu behalten, wer gerade aktiv ist. Die Bewusstseinswechsel werden mit kurzen Schwarzblenden deutlich gemacht. Da sich aber die Brüder geeinigt haben, ihr Geheimnis für sich zu behalten, geben sie sich in der Öffentlichkeit recht gleich. So scheint es auch, dass es sich in Wirklichkeit um eine Art Schizophrenie handelt. Auch weil zwischendurch immer wieder ein Therapiebesuch gezeigt wird.
Als das Mädchen ins Leben der beiden tritt, verändern sich aber auch die Persönlichkeiten, sie gehen aus ihrer Deckung und zeigen ihre Unterschiede.
Die Idee zu “Jonathan” ist ziemlich ungewöhnlich, die Umsetzung ist aber nur mittelprächtig. Dazu ist gerade die ersten Hälfte auf Dauer ein bisschen eintönig, erst zwar setzt ein wenig Spannung ein.

-> Trailer auf Youtube

Jonathan
USA 2018, Regie: Bill Oliver
Kinostar, 101 Minuten, ab 12
5/10

Hits: 80