RT im Kino

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Undine

Donnerstag, den 30. Juli 2020

Es gibt da diese Sage: Der Mann, der Undine verrät, den wird sie töten. Und danach kehrt sie in das Wasser zurück, als dem sie einst gerufen worden ist.

Aber Undine (Paula Beer) ist klar, dass sie eine moderne Frau und nicht diese Sagenfigur.
Die Historikerin erklärt im Museum die Berliner Architektur. Es scheint, als führe sie ein normales Leben. Einen Freund hat sie auch. Aber als Johannes (Jacob Matschenz) ihr erklärt, er habe eine andere und sich von ihr trennt, da erinnert sich Undine an die Sage. An ihre Sage.
Sie aber will niemanden umbringen. Aber auch nicht im Unglück baden. Denn sie lernt Christoph (Franz Rogowski) kennen. Er ist Industrietaucher, und als er ihr seine Welt zeigt, da weiß er nicht: Undine kennt das Wasser.
Es ist Liebe. Bis Christoph mitbekommt, dass da ja noch Johannes ist. Bis Johannes plötzlich feststellt, er liebt Undine doch noch.
Nun ist sich die junge Frau plötzlich nicht mehr sicher. Trifft die Sage doch noch ein?

Christian Petzolds Film über “Undine” ist sehr faszinierend. Allerdings muss man auch sagen, dass sich die Sage um Undine aus dem Film nicht so zwingend erschließt. Man muss sich diese Geschichte erst mal anlesen, um die Hintergründe für das Geschehen im Film verstehen zu können. Aber andererseits funktioniert der Film auch ohne dieses Wissen. Es ist dann ein Stück Mystery, das mysteriös bleibt.
Der Film nimmt sich viel Zeit für die Charaktere. Wir belauschen den langen Berlin-Vortrag von Undine, der gleichzeitig fast von Städtekunde ist. Wir erleben die Liebe zwischen Undine und Christoph, die von Paula Beer und Franz Rogowski wundervoll dargestellt ist. Und Jacob Matschenz, der den seltsam ignoranten Johannes spielt.
“Undine” ist ein etwas anderer Liebesfilm, fast schon ein märchenhaftes Drama.

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Undine
D 2019, Regie: Christian Petzold
Piffl, 89 Minuten, ab 12
8/10

Hits: 148

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Berlin Alexanderplatz

Mittwoch, den 29. Juli 2020

Francis (Welket Bungué) ist 30, er kommt aus Guinea-Bissau. Er kam mit einem Boot aus Westafrika nach Europa. Seine Geliebte überlebt diese Fahrt nicht. Nun liegt er da, am Strand, und sagt: Er will ein besserer Mensch werden. Anständig sein.
Er kommt nach Berlin, in ein Asylbewerberheim. Er arbeitet illegal auf einer Baustelle am Alexanderplatz, nach einem Zwischenfall wird er gefeuert. Auch ins Asylbewerberheim kann er nicht mehr.
Drogendealer Reinhold (Albrecht Schuch) nimmt ihn bei sich zu Hause auf. Reinhold, leicht gestört und neurotisch, und Francis werden auf eine merkwürdige Art Freunde. Er nennt Francis fortan Franz. Francis, also Franz gerät in den Drogen-Dunstkreis. In einem Club lernt er eine Frau kennen und verliebt sich. Eigentlich will Franz Abstand von Reinhold, der aber nimmt ihn mit zu einem Einbruch, der misslingt. Auf der Flucht schmeißt er Franz aus dem Auto.
In der Klinik beschließt Franz: Er will ein besserer Mensch werden. Anständig sein.
Er lernt Mieze (Jella Haase) kennen, zieht zu ihr. Aber erneut versucht Reinhold auf perfide Weise, in Franz’ Leben zu dringen.

Burhan Qurbani hat die 2020er-Version von Alfred Döblins “Berlin Alexanderplatz” geschaffen und in die heutige Zeit übertragen. Der Kleinkriminelle ist in diesem Fall der Asylbewerber Francis, der in Deutschland Fuß fassen will, aber immer wieder in die Kriminalität abdriftet. Verschuldet und unverschuldet. Zwischen erschreckend niedriger Menschenkenntnis und völliger Fehleinschätzung und Selbstüberschätzung. Man weiß nicht mal, ob man mit ihm Mitleid haben sollte, denn es sind eher die Leute in seinem Umfeld, denen er wehtut. Mieze muss ausbaden, was Francis/Franz nicht hinbekommt.
Drei Stunden nimmt sich der Film für diese Geschichte Zeit. Das ist eine unfassbar lange Zeit, aber die vergehen erstaunlicherweise wie im Flug. Denn die Geschichte ist auf eine seltsame Weise faszinierend und packend. Burhan Qurbani schafft es, Stimmungen und Spannungen zu übertragen.
Eine Wucht ist Albrecht Schuch in der Rolle des ziemlich irren und wirren Reinhold. Leicht gebeugt mit hoher Stimme und durchdringendem Blick ist er die eigentliche Hauptattraktion. Völlig zurecht hat er dafür die Lola 2020 bekommen. Aber auch Welket Vungué spielt toll, wenn auch die Rolle das Problem hat, nie zu einem echten Sympathieträger zu werden – dafür verbaut sich Francis einfach zu viel. Dabei kommt “Berlin Alexanderplatz” aber ohne erhobenen Zeigefinger aus. Das Urteil muss sich der Zuschauer schon selber bilden.

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Berlin Alexanderplatz
D 2019, Regie: Burhan Qurbani
eOne, 183 Minuten, ab 12
8/10

Hits: 136

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Harriet – Der Weg in die Freiheit

Donnerstag, den 23. Juli 2020

Bucktown im US-Bundesstaat Maryland, 1849. Araminta “Minty” Ross (Cynthia Erivo) hat die Nase voll. Sie will nicht mehr hinnehmen, als Sklavin wie der letzte Dreck behandelt zu werden. Zumal es eigentlich ein Testament gibt, wonach ihre Mutter mit 45 Jahren aus dem Sklavendienst entlassen werden soll. Doch der Sklavenbesitzer hält sich nicht daran, ihm geht es nur um sein Wohl und sein Geld.
Minty entschließt sich zur Flucht in die Nordstaaten. Es ist keine leichte Entscheidung, denn die Reise ist gefährlich, und sie muss auch ihre Familie zurücklassen.
Sie schafft die Flucht, in der Freiheit gibt sie sich den neuen Namen Harriet Tubman. Sie wird Mitglied der Anti-Sklaverei-Organisation Underground Railroad von William Still (Leslie Odom Jr.). Ihr Ziel: weitere Sklaven befreien. Schon bald herrscht unter den weißen Sklavenbesitzern die Furcht vor einem gewissen Moses, der in die Südstaaten kommt, um ihre Sklaven zu “entführen”.

Harriet Tubman und ihre Geschichte gab es wirklich. In den USA ist sie eine Volksheldin, die ursprünglich ab 2020 auf den 20-Dollar-Schein sollte. Die Regierung Obama hatte das entschieden, und die Regierung Trump hatte das wieder verworfen.
Es ist eine Geschichte, die nah gehen sollte und fesseln auch. Sie handelt von einer mutigen und starken Frau, die alle Konventionen überwinden wollte.
Nur leider kann der Film “Harriet – Der Weg in die Freiheit” diese Stimmung kaum transportieren. Seltsam dröge wirkt die Inszenierung vor allem in der ersten Stunde. Sehr konventionell und fast altbacken werden die Stationen abgearbeitet. Vor allem kommt nicht wirklich rüber, wie beschwerlich Flucht und Reisen gewesen sein müssen – stattdessen beginnt Harriet im Film eine Reise und taucht gleich am Ziel wieder auf. Auch wenn die Geschichte eher unbekannt ist, grundsätzlich hat der Film an den Stellen an sich nichts Neues zu erzählen, was man so ähnlich schon aus anderen Werken kennen könnte.
Erst später kommt so etwas wie Spannung auf. Aber eigentlich hätte diese Frau ein wahrlich packenderes und emotionaleres Biopic verdient gehabt. Als Fernsehfilm in den 90ern wäre das sicher noch aufregend gewesen.

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Harriet – Der Weg in die Freiheit
USA 2019, Regie: Kasi Lemmons
Universal, 135 Minuten, ab 12
4/10

Hits: 150

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Bad Boys for Life

Mittwoch, den 15. Juli 2020

Die Bad Boys sind zurück, aber sie sind in die Jahre gekommen. Mike Lowrey (Will Smith) und Marcus Burnett (Martin Lawrence) arbeiten noch immer für die Polizei. Allerdings wird insbesondere Marcus mehr und mehr klar, dass er in der zweiten Lebenshälfte andere Maßstäbe an sich ansetzt. Die Familie spielt eine größere Rolle. Mike sieht das ganz anders, er ist immer noch ein Einzelgänger.
Aber dann haben sie wieder eine Mission, eher unfreiwillig. Mike wird zum Ziel eines Attentates. Und nicht nur er: Die Nachrichten von getöteten Menschen, die in der Stadt etwas zu sagen hatten, häufen sich. Und Mike ist völlig klar: Das hat etwas mit ihm und seiner Vergangenheit zu tun. Er nimmt die Jagd auf den geheimnisvollen Angreifer (Jacob Scipio) auf. Der hat nämlich den Auftrag von seiner Mutter (Kate del Castillo), einen nach den anderen zu killen. Und auch Mike steht auf der Liste.

“Bad Boys for Life” ist der 3. Teil der Actionreihe mit Will Smith und Martin Lawrence. 17 Jahre nach “Bad Boys II” wollen sie es noch mal wissen, und dieses Comeback ist durchaus gelungen. Denn die beiden spielen ziemlich gekonnt mit ihrem Alter. Insbesondere Marcus ist es, der eigentlich auf das alles nicht mehr richtig Lust hat. So ergeben sich einige witzige Situationen – durch die Handlung, aber auch durch Wortwitze.
Die Story selbst wird im Laufe des Films dann auch noch recht spannend, so dass dieser Zweistünder gutes Unterhaltungskino ist.

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Bad Boys for Life
USA 2019, Regie: Adil El Arbi, Bilall Fallah
Sony, 124 Minuten, ab 16
7/10

Hits: 173

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Guns Akimbo

Montag, den 6. Juli 2020

So richtig zufrieden ist Miles (Daniel Radcliffe) mit seinem Leben nicht. Er programmiert in einer Firma Spiele, aber selbst da gilt er eher als Loser.
Zu Hause sitzt er auch wieder bei einem Computerspiel, als etwas Merkwürdiges passiert. Jemand im Spiel-Chat provoziert ihn, und er provoziert zurück. Am Ende befindet sich Miles in einem regelrechten Kampf: Die Organisation SKIZM zieht ihn in einen Cyberkampf, den er aber im realen Leben ausfechten muss. Menschen müssen sich gegenseitig bekämpfen, und andere Leute verfolgen das live im Internet – via Livestream.
Miles bekommt an jede Hand eine Waffe befestigt, und als erstes soll er die Gladiatorin Nix (Samara Weaving) umbringen. Aber ehe Miles überhaupt begreift, was da mit ihm geschieht, macht er erst mal das, was er am besten kann: wegrennen.

“Guns Akimbo” heißt der neue Film mit Daniel Radcliffe. Akimbo bezeichnet in der Computerspiel-Szene, laut Wikipedia, das gleichzeitige Benutzen gleicher Waffen mit beiden Händen. Was passt, denn Miles hat ja im Film in jeder Hand eine Waffe. Und geballert wird in “Guns Akimbo” viel, denn eigentlich handelt es sich um ein filmisches Ballerspiel. Miles tappst durch diese Welt, in die er reingeraten ist. Das ist mitunter ganz humorig, denn anfangs läuft er in riesigen Plüschschuhen, Unterhosen und im Bademantel durch die Straßen, plus die Waffen.
Andere Szenen sind dagegen furchtbar platt, Gags unfreiwillig komisch. In der zweiten Hälfte kommt zudem noch ein bisschen Langeweile auf.
Eine kleine Parallele gibt es übrigens zur “Truman Show” – denn hier wie da sitzen zig Millionen Menschen an ihren Bildschirmen, um zu verfolgen, was passiert, und die mit dem Hauptdarsteller mitfiebern.
Dass dieser sehr skurrile, stellenweise ziemlich bescheuerte Film doch noch am Flop vorbeischrammt, liegt nicht nur an einigen der Gags, sondern auch an Daniel Radcliffe, der den tapsen Typen, der mehr und mehr zum Kämpfer wird, oft ziemlich lustig darstellt.

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Guns Akimbo
Neuseeland 2019, Regie: Jason Lei Howden
Leoline, 95 Minuten, ab 16
4/10

Hits: 189

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Einsam Zweisam

Samstag, den 30. Mai 2020

Klingt ein bisschen wie der Film zur Coronakrise.
Rémy (Francois Civil) und Mélanie (Ana Girardot) kennen sich nicht. Aber sie verbindet dennoch einiges. Beide sind um um die 30, sie leben beide im selben Pariser Stadtbezirk. Und sie sind beide Singles. Und nicht ganz so gut drauf. Wegen der Gesamtsituation.
Mélanie hat immer mal wieder Dates – die sie absagt. Rémy hätte gern Dates, bekommt aber nicht so richtig welche zustande. Ihn macht das fertig, es schlägt auf seine Psyche, er muss sich sogar behandeln lassen. EWas aber zunächst nichts nutzt.

Zwei Hauptperson und eine Frage: Werden sich die beiden mal treffen? Zumindest ist das die Frage, wenn man das Filmplakat sieht, auf dem die beiden ja drauf sind. Schaut man sich den Film davon losgelöst an, dann gibt es ein Problem: Es ist egal. Dieser ganze Film ist so ziemlich egal.
Depressiv schleppt sich “Einsam Zweisam” dahin, und “Zweisam” kann in diesem Film nicht wirklich gelten, denn selbst der Zuschauer ist in seiner Gelangweiltheit ziemlich einsam.
In diesem Sinne könnte man sagen, dass es tatsächlich – ungewollt, denn er entstand ja schon 2019 – der Kommentar zur Coronakrise ist, wo wir alle besser alleine bleiben. Nur will man ihnen dabei nicht wirklich zusehen.

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Einsam Zweisam
Frankreich 2019, Regie: Cédric Klapisch
Studiocanal, 110 Minuten, ab 6
2/10

Hits: 196

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Romys Salon

Montag, den 25. Mai 2020

Sie soll zu ihrer Oma. Davon ist Romy (Vita Heijmen) nicht so wirklich begeistert, und Oma auch nicht. Stine (Beppie Melissen) ist 69, und sie betreibt einen kleinen Friseursalon. Aber Romys Mutter Margot (Noortje Herlaar) besteht darauf – sie muss arbeiten, und nach der Scheidung ist sowieso alles viel schwerer.
Romy kommt nun also jeden Nachmittag in den Salon. Ihre Oma Stine ist eine starke Frau. Eigentlich. Dass sie manchmal etwas tüdelig ist, kann nur normal sein. Romy kann dann eingreifen, und ihre Oma lobt sie dann für ihre Klugheit.
Aber Stine baut ab, von Tag zu Tag mehr. Sie wird vergesslich. Vergisst, Dinge zu erledigen. Vergisst, wo sie Sachen abgelegt hat. Verschwindet plötzlich.
Romy hilft, wo sie kann, und sie verheimlicht, wie schlecht es ihrer Oma geht. Die aber merkt selbst, dass gerade was zu Ende geht. Sie überreicht ihrer Enkelin den Schlüssel ihres Salons. Und sie redet immer von ihrer Kindheit in Dänemark. Da fasst Romy einen Entschluss…

Der niederländische Film “Romys Salon” von Mischa Kamp basiert auf einem Kinderbuch. Und so ist es mehr oder weniger auch aus der Sicht von Romy beschrieben – sie ist die Hauptperson in diesem Film. Einerseits ist sie traurig, wie sie gewissermaßen abgeschoben wird. Aber bei ihrer Oma merkt sie, je kränker sie wird, dass sie dort eine Aufgabe hat, und dass sie sie bewältigen muss und vor allem bewältigen will.
Vita Heijmen stellt dieses mutige, starke Mädchen eindrücklich gut gar. Aber auch Beppie Melissen ist stark, wenn sie plötzlich eine Blockade im Hirn hat, dann sind das auch für den Zuschauer beunruhigende Momente.
Der Film kann gerade auch Kindern Ängste im Umgang mit so einer Krankheit nehmen. Sicherlich zeigt er nicht die ganz bösen Momente einer Demenz, aber er macht Kindern doch einiges begreifbar.

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Romys Salon
Niederlande 2019, Regie: Mischa Kamp
Farbfilm, 90 Minuten, ab 0
7/10

Hits: 304