RT im Kino

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Astrid

Mittwoch, den 12. Dezember 2018
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Als 2002 Astrid Lindgren starb, da herrschte nicht nur in ihrem Heimatland Schweden Trauer. Ihre Bücher und ihre daraus entstanden Filme, die kennt man noch heute in vielen Ländern – gerade auch in Deutschland.
Was aber trieb diese Frau an, sich so viele wunderbare Geschichten für Kinder auszudenken?`
Die schwedische Filmbiografie “Astrid” beleuchtet aber nicht ihr schreiberisches Schaffen, sondern beschäftigt sich damit, was die junge Astrid durchgemacht hat.

Astrid Ericsson (Alba August) wächst in Småland auf. Ihre Eltern waren nicht reich, alle mussten mit anpacken. Astrid träumte aber vor allem von einem selbstbestimmten Leben. Sie bekommt das Angebot, ein Volontariat bei der „Vimmerby Tidning“ zu absolvieren. Sie lernt zu schreiben und zu recherchieren – und sie verliebt sich in ihren Chef. Sie wird schwanger, was natürlich nicht sein darf. Mit 18 kommt Lars auf die Welt, sie nennt ihn Lasse. Für die Geburt reist sie nach Dänemark, alles muss geheim bleiben. Lasse kommt in eine Pflegefamilie. Astrids Ziel ist es aber immer, ihn irgendwann zu sich zu holen, wenn das geht. Das aber ist einfacher gesagt als getan. Astrid will, dass ihr Leiden ein Ende hat – sie will Lasse zu sich holen.

Eingerahmt ist dieser Film von dem Moment, in dem Astrid Lindgren in hohem Alter Glückwunschbriefe von Kindern liest. Das ist sehr rührend, weil anhand der Briefe, die zwischendurch immer wieder eingestreut werden, deutlich wird, warum ihre späteren Figuren wie Pippi Langstrumpf oder Michel so waren wie sie waren.
Überhaupt ist “Astrid” ein Film, der die Zuschauer sehr fesselt. Man leidet mit der jungen Frau mit, weil sie nicht kann, wie sie will. Weil sie Entscheidungen treffen muss, die zunächst einmal wehtun. Zu sehen ist aber vor allem eine sehr mutige Frau, die vor allem immer dafür stehen will, was sie ausmacht.
Alba August spielt Astrid Ericsson, die spätere Astrid Lindgren richtig gut. Eine Frau mit verschmitztem Lächeln, aber auch mit großer Durchsetzungskraft. Die Liebe, die Herzlichkeit, aber auch den Schmerz – das alles bringt sie sehr gut rüber.
Übrigens steckt auch ein Stück Deutschland im Film: Für “Astrid” haben sich die Kostümbildner auch in Potsdam-Babelsberg bedient, und einige Szenen entstanden am Schloss in Marquardt bei Potsdam.
Im Abspann singen Kinder übrigens das sehr schöne Lied “Springa”, später noch gesungen von Ane Brun. Leider ist der Song nicht auf dem Soundtrack enthalten. Ein Versäumnis!

Astrid
Schweden 2017, Regie: Pernille Fischer Christensen
DCM, 123 Minuten, ab 6
8/10

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100 Dinge

Dienstag, den 11. Dezember 2018

Es ist eine Wette, die sie auf einer Party schließen, und eigentlich haben sie gehofft, dass sich in der Firma am Tag danach keiner mehr dran erinnern kann. Aber es erinnern sich alle.
Paul (Florian David Fitz) und Toni (Matthias Schweighöfer) wetten, dass ohne alles leben können. Sie schließen alles in eine Lagerhalle, so dass ihnen am Ende nichts mehr bleibt. 100 Tage können sie sich jeden einen Gegenstand wieder zurückholen.
Blöd nur, dass sie mitten im Winter damit anfangen, so müssen sie nackt durch den Schnee rennen, um zur Lagerhalle zu gelangen.
Für Paul und Toni ist das eine echte Bewährungsprobe. Denn die beiden sind nicht nur Freunde seit Kindes Tagen, sondern sie arbeiten auch in ihrer Firma gemeinsam. Ob ob das nach diesen 100 Tagen aber immer noch so ist?

“100 Tage” hat eigentlich einen spannenden und lustigen Ansatz: Wie ist es, nichts zu haben? Welche Rolle spielt Besitz? Und wie viel kann eine Freundschaft aushalten?
Leider kratzt der Film von Florian David Fitz nur an der Oberfläche. Also, eigentlich sogar an mehreren Oberflächen. Untergebracht sind hier die Konsumkritik, aber auch Datenkrake Facebook kriegt was ab. Da kommt der böse US-Social-Media-Gigant nach Berlin, um Tonis und Pauls Firma abzukaufen, und am Ende geht es doch nur um Datenkauf. Paul hat nämlich eine Smartphone-App erfunden, die so schlau ist, dass sie mit uns sprechen kann.
Viel zu oft sagen Schweighöfer und Fitz in diesem Zusammenhang Achtungssätze auf, bei denen man den Eindruck hat, dass sie gleich noch mal als Schrifttafel eingeblendet werden, um deutlich zu machen, dass das jetzt ein ganz wichtiger Satz zum Merken war.
Hinzu kommt, dass die Dialoge allgemein oft recht plump und einfach sind. Zudem nimmt man den beiden Hauptdarstellern keine Trauer ab, wenn sie gegenseitig appellieren, wie sehr sie sich brauchen, dann wirkt das eher albern als ernsthaft.
Die Botschaft, die “100 Dinge” vermitteln will, ist gut. Leider nimmt man sie dem Film fast nie wirklich ab. Das ist schade. Da nützt das auch nichts, wenn Schweighöfer und Fitz im Film anfangs minutenlang nackt rumrennen.

100 Dinge
D 2018, Regie: Florian David Fitz
Warner, 111 Minuten, ab 6
5/10

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Being Mario Götze – Eine deutsche Fußballgeschichte

Mittwoch, den 5. Dezember 2018
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2014: Mario Götze schießt im Finale der Fußball-WM das 1:0 gegen Argentinien. Dadurch wird Deutschland Fußball-Weltmeister.
2018: Zur Fußball-WM in Russland darf Mario Götze nicht mit. Er kommt nicht in den Kader. Ein tiefer Schlag.

In der Doku „Being Mario Götze – Eine deutsche Fußballgeschichte“ begleitet Aljoscha Pause den jungen Mann über mehrere Jahre hinweg. Er ist dabei auf der Achterbahnfahrt von Titel zu Titel zu Niederlage.
Der Zuschauer ist bei den Trainings dabei, bekommt aber auch Einblicke in das Privatleben des inzwischen 26-Jährigen. Thematisiert wird auch sein Wechsel von Dortmund nach München, und was das mit seinen Begleitern und mit ihm selbst gemacht hat.
Zu Wort kommen sehr viel Weggefährten, die Mario Götzes Tun kommentieren. Am Ende könnten wir wissen, was es bedeutet, Mario Götze zu sein.

Es ist spannend zu erfahren, wie Mario Götze seinen WM-Erfolg selbst erlebt hat – und auch seine Auf und Abs.
So interessant es ist, Mario Götze zuzuschauen – eines ist diese Doku auf jeden Fall: viel zu lang. Sie dauert weit mehr als zwei Stunden, und das ist definitiv nicht nötig gewesen. Inhaltlich hätte der Film gestrafft werden können.
Und so offen und ehrlich alle Beteiligten reden, so kommt die Doku oft ein bisschen sehr pathetisch daher. Das liegt auch am musikalischen Klangteppich, der oft und lange über den Film wabert.

Being Mario Götze – Eine deutsche Fußballgeschichte
D 2018, Regie: Aljoscha Pause
Mindjazz Picture, 136 Minuten, ab 0
6/10

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Der Grinch

Montag, den 3. Dezember 2018

Weihnachten. Der Grinch (Stimme: Otto Waalkes) hasst Weihnachten. Der grünbehaarte Griesgram lebt in den Bergen über einem Dorf, und er beobachtet argwöhnisch, wie sich die Bewohner des Ortes auf das Fest der Feste vorbereiten. Alle sind gut drauf, alle sind glücklich – der Grinch dagegen ist schwer genervt. Er beschließt: Er wird Weihnachten stehlen. Sein Hund Max – eigentlich sein einziger Freund – soll ihm dabei helfen. Allerdings gibt es in dem kleinen Ort ein Mädchen, welches das verhindern will: Cindy-Lou will nämlich am Heiligabend den Weihnachtsmann treffen, weil sie einen ganz besonderen Wunsch übermitteln will. Die Pläne vom Grinch passen da natürlich gar nicht rein…

2000 ist “Der Grinch” mit Jim Carrey schon einmal real verfilmt worden. Nun folgt die Animationsvariante aus dem Hause der Minions-Macher. Mit viel Witz und Herz erzählen sie die Geschichte eines Männchens, das voller Frust ist, das sich allein fühlt.
Mit der deutschen Stimme von Otto hat der Film noch mal etwas mehr Reiz. Allerdings ist es Otto gelungen, der Figur nicht den totalen Otto-Stempel aufzudrücken, sondern durchaus dessen Individualität zu belassen.
Darüber hinaus sind den Machern aber viele Szenen einfallen, die optisch toll wirken und denen gern mal im Hintergrund mal etwas Lustiges passiert.
So ist “Der Grinch” zwar kein Meisterwerk, aber ein schöner Weihnachtsfilm für die ganze Familie. Auf die 3D-Fassung kann man allerdings auch hier gut verzichten.

Der Grinch
USA 2018, Regie: Scott Mosier, Yarrow Cheney
Universal, 90 Minuten, ab 0
7/10

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Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen

Dienstag, den 27. November 2018

In Paris kommt der Kampf gegen Gellert Grindelwald (Johnny Depp) zu einem Höhepunkt. Der willdie Ordnung zwischen Zauberern und Muggeln für immer zerstören. Magiezoologe Newt Scamander (Eddie Redmayne), der eigentlich ein Lehrbuch über die magische Tierwelt für die Hogwarts-Schüler schreiben wollte, muss sich nun mit Grindelwald befassen. Der stellt auch den jungen Hogwarts-Lehrer Albus Dumbledore (Jude Law) vor eine Herausforderung. Eigentlich müssten auch sie kämpfen – aber ein geheimes Band hindert Dumbledore, den Kampf aufzunehmen.

“Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen” ist der zweite Film der fünfteiligen Reihe, die zeitlich etwa 70 Jahre vor “Harry Potter” spielt. So ist es für Fans dieser Reihe sicherlich auch schön, nun endlich ein Wiedersehen mit Hogwarts zu feiern – natürlich in der Zeit auch sehr viel früher.
Die Story ist dennoch über weite Strecken erstaunlich blutleer, was auch daran liegt, dass zu viele Geschichten, immer wieder Randstorys erzählt werden. Der manchmal seltsam irrlichternde Blick von Eddie Redmayne ist manchmal etwas irritierend. Und wirklich ärgerlich ist die schlechte 3D-Qualität. Gerade am Anfang sehen die Menschen in einigen Szenen im Vordergrund wie reinmontiert aus. Das sieht wahnsinnig unecht aus, auch sollten 3D-Filmer langsam mal wissen, dass beim 3D Hintergründe nicht zwingend unscharf sein sollten. Diesen Film kann auch getrost in 2D anschauen. Ist dann auch billiger.

Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen
GB 2018, Regie: David Yates
Warner, 133 Minuten, ab 12
5/10

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A Star is born

Montag, den 26. November 2018

Als der Musikstar Jackson Maine (Bradley Cooper) weiß es sofort, als er sie sieht: Das wird ein Star! Diese Frau hat eine Wahnsinnsstimme. In einer Bar lernt er Ally (Lady Gaga) kennen. Sie kommen ins Gespräch, sie singen miteinander, und schließlich wird mehr draus. Liebe.
Jackson will, dass Ally zu seinem nächsten Konzert kommt. Sie zögert, aber gegen Jacksons Überredungskraft hat sie keine Chance. Sie kommt zu seinem Auftritt – und darf gleich mit ihm zusammen singen. Die Massen sind begeistert, und es ist der Beginn von Allys großer Karriere.
Für sie geht es bergauf, für Jackson jedoch bergab. Er trinkt zu viel, er nimmt Drogen – schließlich kommt es zum Totalabsturz. Auch das Ende der Beziehung?

“A Star is born” ist nach 1937, 1954 und 1976 die vierte Verfilmung dieser Liebesgeschichte, gleichzeitig ist sie das Regiedebüt von Bradley Cooper, die mit Lady Gaga auch die Hauptrolle spielt. Insbesondere Lady Gaga zeigt in diesem Film, welches Talent sie hat.
Nur leider funktionieren die beiden gemeinsam leider kaum. Es springt keinerlei Funke über. Man nimmt den beiden diese Liebe nicht ab. Während Jackson anfangs geradezu eklig aufdringlich ist, wirkt er auch später nie, als ob das etwas wie Liebe ist. Dass Ally auf diese Anmache letztlich anspringt, ist nicht zwingend unglaubwürdig, irgendwie aber doch. Dass man denkt: “Was, echt mit dem?” – das kann man nicht abschütteln.
Auch später, als die Abhängigkeit von Jackson sichtbar wird, fehlt das sichtbare Liebesband. Abgesehen davon ist die Geschichte aber wenig überraschend und klischeehaft
Einziges wirkliches Highlight ist der erste Auftritt von Ally beim Konzert von Jackson, als die beiden den Song “Shallow” singt.

A Star is born
USA 2018, Regie: Bradley Cooper
Warner, 136 Minuten, ab 12
5/10

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Coldplay: A Head full of Dreams

Dienstag, den 20. November 2018
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Coldplay macht Musik für die Masse. Eingängigen Pop.Es gibt Leute, die an dieser Stelle die Nase rümpfen, weil sie meinen, dass Musik für die Masse keine gute Musik machen können.
Das ist natürlich immer eine Geschmacksfrage, und im Falle von Coldplay kann man sagen, dass die Band den Geschmack extrem vieler Leute trifft. Übrigens schon sehr lange.

Eine Dokumentation zeigt die Anfänge, den Aufstieg und derzeitige Lage von Coldplay. “A Head full of Dreams” dokumentiert, wie sich die Band damals, während des Studiums, zusammengefunden hat. Denn das ist auch das Interessante an der Band, dass sie nicht gecastet worden ist. Dass es sich um Jungs handelte, die gemeinsam Musik machen wollten – und damit bis heute einen wahnsinnigen Erfolg haben.
Im Film von Mat Whitecross erlauben die Musiker um Frontmann und Sänger Chris Martin Einblicke hinter die Kulissen. Zu sehen sind alte Aufnahmen aus den 90ern, Szenen, die bislang so noch nie gezeigt worden sind.
Nicht fehlen darf natürlich die Musik – anhand von Live-Konzert-Ausschnitten.

Für Fans ist diese Doku natürlich ein Muss. Sind es doch schöne Erinnerungen, die hier aufgefrischt werden. Jungs, die den Durchbruch geschafft haben – und das, ohne wirklich abgehoben zu sein.

Coldplay: A Head full of Dreams
GB 2018, Regie: Mat Whitecross
Amazon Prime Video, 104 Minuten, ab 0
7/10