RT im Kino

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Toubab

Sonntag, den 26. September 2021

Babtou (Farba Dieng) kommt aus dem Knast. Die Freude ist riesig, als sein Kumpel Dennis (Julius Nitschkoff) ihn abholt. Aber noch am selben Tag kommt es schon wieder zu einem Zwischenfall – also: zu einer Schlägerei – mit der Polizei. Für Babtou mit dramatischen Folgen: Er soll in den Senegal abgeschoben werden. Und das, obwohl er in Deutschland geboren wurde und nie im Senegal gelebt hat.
Die mögliche Lösung: eine Scheinehe. Also beginnt Babtou alle möglichen Frauen anzusprechen, mit denen er schon zu tun hatte. Alle sagen Nein. Nichts zu machen.
Die letzte Rettung ist ausgerechnet Dennis, denn schließlich dürfen ja jetzt auch Männer heiraten. Blöd nur, dass Dennis’ Freundin Manu (Nina Gummich) davon nichts weiß. Dafür rückt die Ausländerbehörde Babtou und Dennis ordentlich auf die Pelle.

“Toubab” ist das Abschlussprojekt von Florian Dietrich an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin und gleichzeitig sein Spielfilmdebüt.
Einmal mehr führt der Film vor Augen, welche Missstände es im deutschen Asylrecht offenbar gibt. Dass jemand vor über 25 Jahren in Deutschland geboren wurde, immer hier gelebt hat, aber dennoch plötzlich abgeschoben werden kann, erscheint unglaublich. Zumal die Dame und der Herr von der Behörde leicht rassistische Züge haben.
Es geht aber auch um Vorurteile und nicht zuletzt um Freundschaft. Denn Babtou und Dennis sind zwar nicht schwul, aber ihr Abenteuer führt ihnen den Wert einer innigen Freundschaft vor Augen.
So gibt es sowohl ernsthafte, als auch heitere Momente in diesem Film.

-> Trailer auf Youtube

Toubab
D 2019, Regie: Florian Dietrich
Camino, 97 Minuten, ab 12
7/10

Hits: 49

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Je suis Karl

Mittwoch, den 22. September 2021
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Das Grauen kommt unvermittelt. Er hat ein Paket für eine Nachbarin entgegengenommen. Er hat es in seine Wohnung gebracht. Er hat seine Frau begrüßt und die beiden kleinen Söhne. Er hat den Wein im Auto vergessen. Er ist noch mal raus. Er steht auf der anderen Straßenseite.
Und dann knallt es. Gewaltig. Eine Explosion. Staub.
Er sieht auf das Haus, in dem er wohnt. Es ist nur noch Schutt und Asche.
Alex (Milan Peschel) verliert seine Frau und seine beiden kleinen Söhne. Seine Tochter Maxi (Luna Wedler) war gerade unterwegs. Schock. Alex und Maxi sind traumatisiert.
Und Berlin trauert. Und es herrscht Wut. Ein islamistischer Anschlag, heißt es.
War das so?
Als Maxi am Unglücksort von einer Reporterin bedrängt wird, hilft ihr ein junger Mann, aus der Situation rauszukommen. Karl (Jannis Niewöhner) ist ihr sympathisch. Sie kommen ins Gespräch, und Karl will sie von ihrem Trauma befreien. Aber Karl hat noch ganz andere Dinge vor. Europa befreien. Europa verändern. Europa erneuern.

Dieser Film lässt einen verstört zurück. Denn er stellt Thesen auf, über die zu diskutieren ist. Es geht um die Frage, wie bestimmte Gruppen versuchen, die Macht zu ergreifen. Auf welche Weise sie die Gesellschaft spalten und in Aufruhr versetzen wollen. Mit welchen perfiden Methoden auf cool gemacht wird, aber man eigentlich ein Bauernfänger ist.
“Je suis Karl” heißt der hochexplosive Film von Christian Schwochow, der ein düsteres Bild des rechtsextremen Untergrunds zeigt. Es geht um die Frage, wie sich der rechte Rand mehr und mehr in die Mitte der Gesellschaft schiebt. Vorbild für den Film sind die Machenschaften der Identitären Bewegung, die genau dieses Ziel verfolgt: die Mitte erreichen. Mit Videos, in denen Frauen über ihre Ängste reden – selbst wenn es gar nicht ihre eigenen sind, sondern nur gespielt sind. Angst machen, Hass schüren, spalten.
Der Satz “Je suis Karl”, der sich an “je suis Charlie” anlehnt, hat in diesem Film eine hochdramatische Bedeutung, und Alex spricht das Ungeheuerliche irgendwann aus: Machtergreifung.
Wer sagt, dass die Handlung des Films weit hergeholt ist, unterschätzt die neurechten Bewegungen, die weltweit aktiv sind. Wer diesen Film sieht, wird unweigerlich an die versuchte Stürmung des Berliner Reichstags denken und die Stürmung des Capitols in Washington. An Gewaltausbrüche, wie sie in den USA oder Frankreich passiert sind – oder beim G20-Gipfel in Hamburg.
Der Film soll dazu führen, ins Gespräch zu kommen. Zu diskutieren, wie weit wir eigentlich sind. Wie geschützt oder ungeschützt wir sind. Ob Deutschland, die Deutschen noch besonnen genug sind, sich nicht spalten zu lassen.
Ohne Frage ist “Je suis Karl” ein wichtiger Film, vielleicht der wichtigste des Jahres.
PS: Milan Peschel, gerade auch klamaukig in “Beckenrand Sheriff” zu sehen und auch aus Til-Schweiger-Klamauks bekannt – spielt hier den traumatisierten Familienavter auf ganz starke Weise. Ausnahmsweise mal in einer sehr ernsten Rolle.

-> Trailer auf Youtube

Je suis Karl
D 2020, Regie: Christian Schwochow
Pandorafilm, 126 Minuten, ab 12
9/10

Hits: 79

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Beckenrand Sheriff

Montag, den 13. September 2021

Dem Freibad in Grubberg droht das Aus. Die Bürgermeisterin (Gisela Schneeberger) sagt, es könne nicht mehr finanziert werden. Und außerdem könnten auf diesem Gelände doch viel besser neue Häuser stehen.
Schwimmmeister Karl (Milan Peschel) ist entsetzt – das darf einfach nicht sein! Gute 30 Jahre hat er nun schon in dem Freibad das Sagen, und das soll jetzt alles vorbeigehen? Er will eine Unterschriftenaktion starten. Das Problem ist: Es kommen nicht allzu viele Leute – und die können Karl nicht leiden, weil er sehr bestimmerisch und rechthaberisch ist.
Sali (Dimitri Abold) aus Nigeria lebt in einem Flüchtlingsheim – ihm droht die Abschiebung, obwohl er im Freibad einen Job hat. Er kann allerdings nicht schwimmen, was für seine Schwimmmeister-Prüfung eher schlecht ist. Und eigentlich möchte er sowieso lieber nach Kanada – so ist zumindest der Plan. Bis er die Profischwimmerin Lisa (Sarah Mahita) kennenlernt.
Alle wollen auf ihre Weise retten, was noch zu retten ist.

Karl ist der “Beckenrand Sheriff”, und so heißt auch der Film von Marcus H. Rosenmüller. Der hätte richtig gut werden können, hätten sich die Filmemacher nicht dazu entschlossen, daraus eine Klamotte zu machen, in der alles auf Krampf lustig zu sein hat. Milan Peschel spielt meist absolut übertrieben, sowohl in seinen Gesten, als auch in seinen Texten. Zudem macht er in diesem Film auf Louis de Funes, was auf Dauer anstrengend ist, weil Milan Peschel nun mal nicht Louis de Funes ist.
Wirklich gut wird der Film, wenn ernsthaft eine Story erzählt wird. Wenn es bei der Schließung hart auf hart kommt, wenn auch Sali um seine Zukunft kämpfen muss.
Humor ist was Gutes – aber ein bisschen weniger Klamauk hätte es schon sein können.

-> Trailer bei Youtube

Beckenrand Sheriff
D 2020, Regie: Marcus H. Rosenmüller
Leonine, 114 Minuten, ab 6
6/10

Hits: 127

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Die Unbeugsamen

Samstag, den 11. September 2021
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Es gab Zeiten, da saß eine (ja, eine) Frau im Regierungskabinett, und die Anrede des Vorsitzenden war dennoch “Meine Herren”. Schließlich sei die Frau unter den vielen Herren schließlich auch ein Herr.
Es gab Zeiten, da mussten sich Frauen im Bundestag anhören, dass sie wohl schon lange keinen Herren mehr abbekommen hätten.
Es gab Zeiten, da befummelte ein Politiker eine Politikerin von hinten, um zu testen, ob sie denn einen BH anhatte – weil er mit der Fraktion gewettet hat.
Es gab Zeiten, da schien es unmöglich, dass eine zweite (!) Frau Mitglied der Bundesregierung werden könnte. Und als es die zweite Frau geschafft hat, wurde sie später weggelobt, weil sie als Ministerin leider etwas genervt hat.
Die Zeiten gab es. Bis zu den frühen 90ern.
Und so richtig vorbei ist diese Zeit eigentlich auch noch nicht.

All das ist in der spannenden Doku “Die Unbeugsamen” zu sehen. Torsten Körner blickt zurück auf die Bonner Republik, auf einen Bundestag voller Männer, die sich über Frauen beömmeln. Wo Frauen darum kämpfen mussten, überhaupt etwas zu sagen zu haben.
Die waren die Wegbereiterinnen der Gleichberechtigung: In Interviews erzählen Herta Däubler-Gmelin (SPD), Marie-Elisabeth Klee (CDU), Ursula Männle (CSU), Christa Nickels (Die Grünen), Ingrid Matthäus-Maier (FDP/SPD), Renate Schmidt (SPD), Rita Süssmuth (CDU) und andere ehemalige Politikerinnen, wie sie die damalige Zeit erlebt haben. Von Vorurteilen, Diskriminierungen und sexueller Belästigung – verbal und real.

Sieht man das alles im Jahr 2021, dann stockt einem manchmal der Atem. Hass und Häme, teilweise gerade mal 30 oder 40 Jahre her. Was sie Frauen damals alles anhören mussten, ist krass. Wie sich die Herren in ihrer Macht sonnten, ist bedrückend und sorgt heute für Fremdscham.
Was aber auch auffällt: Damals echauffierte sich die Herrenwelt darüber, dass sie künftig “Meine Damen und Herren!” sagen sollten. Oder “Frau Ministerin”. Man musste sich umgewöhnen, und es war ungemütlich. Dieselbe Diskussion führen wir heute über das Gendersternchen, über den Umstand, dass es nonbinäre Menschen gibt. Und wieder ist es ungemütlich, und Leute regen sich auf, dass das Geschriebene komisch aussehe. All das sieht man in der “Frauenvariante” in dieser Doku über “Die Unbeugsamen”.
Ein wichtiges Zeitdokument.

-> Trailer auf Youtube

Die Unbeugsamen
D 2020, Regie: Torsten Körner
Majestic, 100 Minuten, ab 12
8/10

Hits: 162

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Räuberhände

Dienstag, den 7. September 2021

Sie sind die besten Freunde, egal, was kommt: Jannik (Emil von Schönfels) und Samuel (Mekyas Mulugeta). Samuel geht in Janniks Familie ein und aus. Andersrum ist das nicht der Fall. Samuel versteckt seine Mutter, die ein Alkohol- und Drogenproblem ist. Er möchte nicht, dass sie in seinem Leben rumpfuscht.
Während Samuel also so was wie Ordnung in sein Leben bringen will, will Jannik eher aus seinem geordneten Leben ausbrechen – mal was erleben. Und so beschließen sie, nach dem Abi nach Istanbul zu gehen. In der Türkei wollen sie schauen, wie sie klarkommen.
Doch das Vorhaben droht schon vor der Reise zu scheitern, denn Jannik macht etwas, was in Samuel einen Schock auslöst – es scheint unverzeihlich zu sein…

“Räuberhände” ist die Verfilmung des Romans von Finn-Ole Heinrich aus dem Jahr 2007. Gemeinsam mit Gabriele Simon hat er auch das Drehbuch für den Film von İlker Çatak geschrieben.
Erzählt wird die Geschichte zweier Jugendlicher, deren Freundschaft extrem auf die Probe gestellt wird. Dabei haben sie beide einen Traum – wegzugehen aus ihrem Alltagstrott. Das aber aus unterschiedlichen Gründen.
Es ist nicht nur extrem interessant, das Spannungsverhältnis zwischen den beiden Jungs zu beobachten. Da ist einerseits eine Leichtigkeit, scheinbar auch im Umgang mit Freundinnen, andererseits eine große Vertrautheit und Nähe. Eine Frau ist es, die ihre Freundschaft aber auch auf eine harte Probe zu stellen scheint.
Emil von Schönfels und Mekyas Mulugeta erweisen sich als ein phantastisch spielendes Duo, hinzu kommen interessante Drehorte und Atmosphären.
Eigentlich ist “Räuberhände” ein klassischer Jugendfilm, dass er dennoch erst ab 16 freigegeben ist, hat mit einer einzigen Szene zu tun, die in dieser Explizität so nicht unbedingt nötig gewesen wäre.
Dennoch: ein echtes Filmhighlight!

-> Trailer auf Youtube

Räuberhände
D 2020, Regie: İlker Çatak
Salzgeber, 93 Minuten, ab 16
10/10

Hits: 127

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Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull

Montag, den 6. September 2021

Felix Krull (Jannis Niewöhner) macht niemand so schnell etwas vor. Er ist ein Hochstapler, und er kann alle um seinen Finger entwickeln, sie betrügen und hinters Licht führen.
Der Marquis Louis de Venosta (David Kross) will ausgerechnet von Felix wissen, wie man das denn am besten mit der Liebe so macht. Ausgerechnet Felix – denn was der Marquis nicht weiß, ist, dass dessen Angebete Zaza (Liv Lisa Fries) auch Felix’ Freundin ist.
Aber Felix erzählt dem Marquis die ganze Geschichte: Wie Felix von immer gut in andere Rollen schlüpfen konnte. Wie er im Pariser Luxushotel einen Job als Liftboy bekam und so sein gutbürgerliches Leben hinter sich lassen konnte, in dem er auf nicht ganz gute Weise zu viel Geld kam. Die weiblichen Gäste haben ihm dabei geholfen, und auch den intriganten Kollegen kann er überlisten.
Der Marquis macht ihm einen Vorschlag: Er und Felix könnten die Identitäten tauschen – und Felix könnte auf eine lange Reise gehen, die eigentlich der Marquis machen soll. Eine gute Idee?

Die “Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull” ist eine Neuverfilmung eines Romans von Thomas Mann aus dem Jahre 1954. Regisseur Detlev Buck hat sich an den Stoff herangewagt und ihn in einen modernen Film gepackt – wenn auch die Handlung immer noch im Paris um 1900 spielt. Allerdings hat er den unvollendeten Roman nicht mal komplett ausgeschöpft, sondern sich nur einen Teil rausgepickt und der Story auch einiges hinzugefügt. Das Liebesdreieck gibt es wohl im Ursprungsroman nicht.
Zu sehen, wie sich Felix durchs Leben laviert, macht Spaß. Im Hotel schafft er es, die sexsüchtige reiche Frau gefügig zu machen – dass sie ordentlich Geldgüter hergibt, kommt von ganz allein.
Jannis Niewöhner spielt den schelmischen, aber durchaus auch skrupellosen jungen Typen auf charmante, lockere Art. Und natürlich hat auch Buck wieder einen Gastauftritt.

-> Trailer auf Youtube

Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull
D 2020, Regie: Detlev Buck
Warner, 114 Minuten, ab 12
8/10

Hits: 135

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After Love

Sonntag, den 5. September 2021

(2) -> 10.9.2020

Die Liebe kommt – und diesmal bleibt sie. Die Liebesstory von Tessa Young (Josephine Langford) und Hardin Scott (Hero Fiennes-Tiffin) geht weiter, und inzwischen hat Hardin seiner Freundin schon oft gesagt, wie sehr er sie liebt. Aber dennoch: Es ziehen immer wieder dunkle Wolken auf, auch in Teil 3 dieser Kino-Soap.

Tessa (Josephine Langford) hat ein Jobangebot in Seattle. Das ist das, was sie schon immer wollte. Denn vorher hat sie im Praktikums beim Verlag von Christian Vance (Stephen Moyer) einen guten Eindruck hinterlassen. Seattle – das ist ihr großer Traum.
Aber was wird aus ihrer Liebe? Was wird auch Hardin? Der will nicht mit. Schließlich hätte er dort gar nichts zu tun, sagt er. Er kann sich nicht vorstellen, ihr zu folgen. Er will in seiner Heimat bleiben. Andererseits ist er schrecklich eifersüchtig, jeder Typ, der sich ihr nähert, sieht er als Gefahr für ihre Liebe an.

Wenn man es genau nimmt, ist die Handlung von “After Love”, wie auch in den Filmen der beiden Vorgänger, ein bisschen dünn. Denn im Grunde geht es meistens immer nur darum, dass Tessa ihrem Hardin versichern muss, wie sehr sie ihn liebt und dass sie treu ist, wenn Hardin wegen irgendwas mal wieder austickt. Zwar gibt es diesmal kleinere Nebenhandlungen rund um die Eltern der beiden, aber hauptsächlich geht es weiterhin um die On-Off-Beziehung der beiden.
Das kann man ziemlich nichtig und belanglos finden – wenn man aber ehrlich ist: Liefe diese Geschichte als Serie auf Netflix, wäre sie definitiv ein Hit. Denn “After Love” bedient vieles, was die vor allem junge Zielgruppe sehen will – gutaussehende Hauptdarsteller lieben und streiten sich, immer wieder gibt es Sexszenen, die viel erahnen lassen, aber wenig zu sehen bieten – ist ja immerhin schon ab 12. Lässt man sich auf dieses Liebesspiel ein, dann ist der Film dann aber tatsächlich unterhaltsam und auch so was wie spannend. Und wenn es einfach nur gut gemachte Unterhaltung ist.
Fortsetzung folgt.

-> Trailer auf Youtube

After Love
USA 2021, Regie: Castille Landon
Constantin, 99 Minuten, ab 12
8/10

Hits: 127