RT im Kino

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Rocketman

Dienstag, den 11. Juni 2019
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Er kann nicht mehr. Zu viele Drogen. Zu viel Alkohol. Zu viel Stress. Zu viele Enttäuschungen. Aber auf der anderen Seite: Mega-Erfolg.
Aber jetzt geht es nicht mehr. Elton John (Taron Egerton) begibt sich in eine Klinik, wo er in einem gesprächskreis von seinem bisherigen Leben berichtet.
Sein Vater (Steven Mackintosh) hat sich nie wirklich für ihn interessiert, seine Mutter (Bryce Dallas Howard) hat es immerhin laufen lassen, als der damals noch kleine Reginald (Matthew Illesley) mit Klavierstunden beginnt.
Nach und nach ist klar, dass er Talent hat, dass er ein Star werden könnte. Er lernt Bernie Taupin (Jamie Bell) kennen, der fortan die Texte für seine Songs schreibt – und sie werden Freunde fürs Leben.
Bald wird Elton John – so nennt er sich dann – weltberühmt. Die Liebe zu seinem Manager John Reid (Richard Madden) erweist sich als einseitig, denn ihm geht es nur um Geld. Elton kommt zunehmend nicht mehr mit seinem Leben klar…

“Rocketman” erzählt die frühen Jahre von Elton John. Wie er als Kind zur Musik kam, sein Auf- und sein Abstieg, sein zwischenzeitlicher menschlicher Tiefpunkt.
Es scheint, als ob der Film von Dexter Feltcher alle größeren Punkte in Elton Johns früher Biografie streift. Wir sehen, wie zerrissen der junge Musiker war. Einerseits hatte er großen Erfolg, privat war er jedoch nie so richtig glücklich. Von seinen Eltern wird er nie wirklich unterstützt, und auch in der Liebe hat er Pech. Zwar geht er offen mit seiner Homosexualität um, aber nicht öffentlich. Mit Bernie Taupin hat er immerhin einen platonischen Partner, einen wahren Bruder.
Wie in einem Musical sind immer wieder Elton-John-Hits in die Handlung eingewoben, was gut funktioniert.
Oftmals ist “Rocketman” recht düster, die Biografie geht offen mit den Tiefschlägen um. Und, ganz klar: Der Film trägt dazu bei, die Hits dieses Mannes neu zu entdecken. Da gibt es großartige Momente, die zeigen, was er drauf hat. Taron Egerton macht seine Sache in der Hinsicht richtig gut.

Rocketman
GB 2019, Regie: Dexter Fletcher
Paramount, 121 Minuten, ab 12
8/10

Hits: 131

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Fahrenheit 11/9

Montag, den 10. Juni 2019
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Michael Moore legt mal wieder den Finger in die amerikanische Wunde. In die sehr tiefe Wunde. Und es gibt Momente, in denen man eigentlich gar nicht fassen kann, was da eigentlich passiert ist.

In seiner Doku “Fahrenheit 11/9” zeigt er, wie es dazu kommen konnte, dass am 9. November 2016 (11/9) Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt worden ist. Aus Spaß wurde Ernst. Ursprünglich war das eher ein Entertainment-Profilierungsding, dass Trump Präsident werden wollte. Aber irgendwie hat sich das verselbstständigt. Und umso mehr sich alle lustig gemacht haben, desto erfolgreicher wurde er.
Und die Demokraten? Waren nicht besser. Hilary Clinton wurde Präsidentschaftskandidatin, weil einflussreiche Leute das durchdrücken wollten. Man könnte auch von Wahlbetrug sprechen.
Und noch am Wahltag waren sich alle sicher, dass Trump das nicht schaffen werde. Sie alle, wir alle, sollten uns umgucken. Also, eigentlich hat sie es ja auch geschafft, aber das merkwürdige Wahlsystem machte es möglich, dass Trump ohne Mehrheit trotzdem eine Mehrheit bekam.

Es ist atemberaubend, was Michael Moore uns da zeigt. Er berichtet von der Arroganz der Macht und teilt in viele Richtungen aus. Es geht auch um Waffennarren und um Politiker, die für den Profit die Gesundheit von Tausenden Menschen aufs Spiel setzen.
“Fahrenheit 11/9” demontiert die Politik und appelliert an die Menschen, sich mehr zu engagieren. Dass das auch kürzer als 128 Minuten hätte ausfallen können, ist aber auch ein Fakt.

Fahrenheit 11/9
USA 2018, Regie: Michael Moore
Weltkino, 128 Minuten, ab 12
6/10

Hits: 137

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Ma

Mittwoch, den 5. Juni 2019

Jugendliche kommen in den USA noch viel schwieriger an Alkohol ran als anderswo. Umso besser, dass Maggie (Diana Silvers) und ihre Freunde jemanden finden, der im Laden den Alkohol für sie kauft. Sue Ann (Octavia Spencer) bietet sich an – und mehr noch. Sie erlaubt den Jugendlichen, in ihrem Keller zu feiern. Die nehmen das Angebot dankbar an, und Sue Ann scheint auch aufzublühen. Sie lässt sich von allen Ma nennen.
Aber die gute Stimmung soll sich bald ändern. Spätestens, als die Jugendlichen eines Tages andere Dinge vor haben. Mit Ablehnung kann Sue Ann nicht umgehen. Die hat sie in ihrem Leben schon zu oft erlebt. Und die Erinnerungen daran kommen hoch…

“Ma” durchläuft verschiedene Stadien. Der Film von Tate Taylor beginnt als relativ harmloser Teeniefilm, der aber immer wieder mal Momente hat, die undurchsichtig erscheinen. Nach und nach ist klar, dass Sue Ann ein Geheimnis hat, dass sie in ihrem Leben schon viel Leid und Missgunst erfahren hat. Und dann gibt es den Punkt, wo sich das Blatt wendet – und “Ma” extrem spannend wird.
Octavia Spencer spielt hervorragend, aber auch die jungen Darsteller. Denn in diesem Film gibt es nicht den einen Bösewicht. Denn der Zuschauer erfährt auch, wieso jemand zum Bösewicht wird – und das geht nahe. Weshalb es auch gar nicht so einfach ist, Gut und Böse auseinander zu halten. Diese verschiedenen Facetten machen diesen Film sehr sehenswert.

Ma
USA 2019, Regie: Tate Taylor
Universal, 100 Minuten, ab 16
8/10

Hits: 145

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All my Loving – Eine Geschichte von drei Geschwistern

Montag, den 3. Juni 2019

Drei Geschwister. Sie treffen sich zum Essen. Sie haben sich nicht allzu viel zu sagen. Dabei gäbe es so viel zu erzählen.
Drei Geschichten. Die von Stefan (Lars Eidinger). Er ist Pilot, aber beruflich am Ende. Der Stress macht seinen Körper kaputt. Er hört schlecht, bekommt Schwindelanfälle. Aber er erzählt niemandem davon. Seiner Familie nicht, und auch nicht den Frauen, die er unter dem Vorwand abschleppt, er sei Pilot.
Die von Julia (Nele Mueller-Stöfen). Sie ist mit ihrem Mann Christian (Godehard Giese) im Urlaub in Italien. Als sie sieht, dass ein Hund von einem Auto angefahren wird, beschließt sich um ihn zu kümmern. Das passt Christian nicht wirklich. Als sie einen alten Freund treffen, kommt ans Licht, was Julia und Christian wirklich beschäftigt.
Die von Tobias (Hans Löw). Er schmeißt zu Hause den Haushalt, er kümmert sich um die Kinder. Und er ist es, der von seinen Geschwistern verdonnert wird, mal nach den Eltern zu schauen. Als er dort ist, ist Tobias schockiert, welches Leben seine Mutter (Christine Schorn) und sein Vater (Manfred Zapatka) führen.

“All my Loving” zeigt in drei Geschichten und einer Rahmenhandlung, wie sich eine Familie entfremdet hat. Wie scheinbar und offensichtlich niemand miteinander spricht. Richtig spricht. Es herrscht Sprachlosigkeit.
Jede dieser drei Geschichten ist auf ihre Weise berührend.
Allerdings wäre es für den Film vermutlich besser gewesen, man hätte die drei Geschichten miteinander verwoben. Sie werden stattdessen eine nach der anderen erzählt. Das macht es nicht unbedingt weniger interessant, sorgt aber für Längen, ohne dass es langweilig wird. Aber ein bisschen Tempo, ohne anstrengend zu sein, hätte dem Film ganz gut getan.

All my Loving – Eine Geschichte von drei Geschwistern
D 2018, Regie: Edward Berger
Port au Prince, 116 Minuten, ab 12
6/10

Hits: 148

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Glass

Samstag, den 1. Juni 2019

Split -> 7.3.2017

Kevin Wendell Crumb (James McAvoy) ist ein junger Mann mit multipler Persönlichkeitsstörung. Und er ist eine Bestie. Er hat mehrere Frauen entführt und hält sie in einem Kellergewölbe fest.
David Dunn (Bruce Willis) hat von dem Fall gehört, er will rausfinden, wo Kevin die Frauen versteckt hält. Tatsächlich kann er ihn aufspüren – und eine Berührung genügt für eine Vision, und er weiß, wo er die Frauen finden kann.
Es kommt zum Kampf, und am Ende werden beide von der Polizei festgenommen. Sie kommen beide ins Raven Hill Memorial Psychiatric Research Center. Die Psychiaterin Ellie Staple (Sarah Paulson) behandelt dort Menschen, die meinen, Superhelden zu sein. Zu den Patienten gehört auch Elijah Price (Samuel L. Jackson), der mit Medikamenten ruhig gestellt wird.
Ellie Staple geht es vor allem darum, dass sich Superhelden nicht der Welt präsentieren – aber die drei Männer haben da ganz andere Pläne. Wenn auch nicht unbedingt gemeinsame.

Es ist gut, dass man mal nachlesen kann, worum es in “Glass” geht. Denn wenn man den Film sieht, wird man daraus nicht wirklich schlau. M. Night Shyamalan führte Regie und schrieb auch das Drehbuch, aber bis heute ist “The 6th Sense” sein einzig guter Film.
“Glass” ist eine Enttäuschung. Die Handlung ist wirr und mitunter blödsinnig. Die Polizei in den USA ist definitiv nicht so lasch wie im Film dargestellt. Gerade in der ersten Stunde ist mitunter überhaupt nicht klar, worum es geht, und wer da was warum macht. Ob das daran liegt, dass “Glass” die Fortsetzung von “Split” ist, an den man sich schon nicht mehr erinnert, sei dahingestellt.
Die Szenen, in den Kevin seine verschiedenen Persönlichkeiten auslebt, wirken wie ein Castingvideo im Theater. Manchmal unfreiwillig komisch. Manche Kämpfe sind einfach nur albern.
Spannend oder gruselig ist in “Glass” leider nichts. Da nutzen keine Stars, da nutzt keine Optik. “Glass” ist über weite Strecken seltsam egal.

Glass
USA 2018, Regie: M. Night Shyamalan
Universal, 129 Minuten, ab 16
2/10

Hits: 169

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Pokémon: Meisterdetektiv Pikachu

Donnerstag, den 23. Mai 2019

Versicherungsvertreter Tim (Justice Smith) bekommt schlechte Nachrichten. Sein Vater ist tot. Tim fährt nun nach Ryme City, um den Haushalt seines Vaters aufzulösen.
Ryme City ist eine besondere Stadt. In der Metropole leben Menschen und Pokémon friedlich miteinander. Das bemerkt Tim vor allem, als er in der Wohnung seines Vaters ein Pikachu (Stimme: Dennis Schmidt-Voß) entdeckt. Ungewöhnlich: Beide können sich verstehen, sich miteinander unterhalten. Pikachu nennt sich Meisterdetektiv, und er glaubt, dass Tims Vater, ein Polizist, noch lebt. Sie begeben sich auf die Suche.

Das hätte ein guter Film werden können. Denn an sich ist es ja eine interessante Mischung, wenn ein Mensch und eine Trickfigur zusammenarbeiten. Das hat im Fall von “Ted” schon mal gut funktioniert. Zumal in Deutschland Ted und Pikachu dieselbe Stimme haben.
Streckenweise ist “Pokémon: Meisterdetektiv Pikachu” tatsächlich mal schmunzelig. Aber der Humor hätte gern noch ausgeprägter sein können. Und nicht nur das: Die Geschichte ist zäh, die Dialoge oftmals mäßig und oberflächlich. Momente, die ans Herz gehen sollen, wirken zu sehr gewollt.
Als die Story dann noch weiter ins Science-Fiction-Genre abgleitet und die bösen Monster immer größer werden, wird es vollkommen abstrus und blöd.

Pokémon: Meisterdetektiv Pikachu
USA 2018, Regie Rob Letterman
Warner, 104 Minuten, ab 6
2/10

Hits: 140

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Stan & Ollie

Dienstag, den 14. Mai 2019

Sie waren die Stars im Kino: Stan und Ollie – in Deutschland auch bekannt als Dick & Doof. Oder auch: Laurel & Hardy. Aber sie wurden älter, ihre besten Jahre ließen sie irgendwann hinter sich, und 1953 mussten sie tingeln gehen – in Großbritannien.
Stan Laurel (Steve Coogan) und Oliver Hardy (John C. Reilly) reisen durch das Land. Es sind immer nur kleine Theater, die sie bespielen, und nicht mal die sind auch nur annähernd voll. Erst als ihr Manager anregt, mehr Reklame zu machen, auf PR-Touren zu gehen, füllen sich die Häuser wieder.
Leichter wird es trotzdem nicht. Die beiden zoffen sich. Ein sicherer Filmdeal wird wieder unsicher. Und Hardys Gesundheit ist nicht mehr die Beste.

“Stan & Ollie” sind unvergessen. Und das, obwohl sie ihre Karriere schon Mitte der 50er-Jahre beendeten. Aber auch weit mehr als 60 Jahre danach kennt man sie und ihre Sketche, ihre Filme werden immer noch gezeigt. Ihr Slapstick kommt immer noch an.
Deshalb ist es folgerichtig, dass ihnen nun ein Biopic gewidmet wird. “Stan & Ollie” erzählt von ihren letzten gemeinsamen Auftritten. Das sorgt für diverse rührende Momente.
Für viele überraschend wird sein, dass bei dem Duo eigentlich Stan die treibende Kraft war. Er schrieb die Sketche und Gags, Oliver war eher der Lebemann.
Steve Coogan und John C. Reilly treffen Stan und Ollie sehr gut. Die Gesichtsausdrücke, Mimik und Gesten – das passt. Nicht gelungen ist hingegen die deutsche Synchronisation. Die Stimmen passen leider überhaupt nicht, was man dann stark merkt, wenn man die beiden im Original singen hört. Hinzu kommt, dass ihre deutschen Stimmen damals in den Filmen auch völlig andere Klangfarben hatten. Die Gewöhnung an die Synchronisation fällt leider extrem schwer, und sie macht diesen Film leider ein wenig kaputt.

Stan & Ollie
USA 2018, Regie: Jon S. Baird
SquareOne, 98 Minuten, ab 0
7/10

Hits: 252