RT im Kino

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Alien: Covenant

Montag, den 22. Mai 2017

Es ist inzwischen 38 Jahre. 1979 kam der erste “Alien”-Schocker von Ridley Scott ins Kino. Die ekligen Wesen, die aus Menschenkörpern schlüpften, sorgten schon damals für Angst und Schrecken. Inzwischen gab es diverse Fortsetzungen, Prequels, Sequels. 2017 geht es weiter – und das mit einer sehr viel ausgereifteren Tricktechnik als damals.
Die Geschichte spielt lange vor dem eigentlich Teil 1.

Es ist der 5. Dezember 2104. Das Kolonieschiff “Covenant” wird von einem Weltraumsturm getroffen. Die Crew erwacht aus einem mehrjährigen Schlaf. Eigentlich soll die zum Planeten Origae-6 führen, mehr als sieben Jahre soll die Reise noch dauern. 2000 dauerschlafende Menschen sind an Bord, um dort eine neue Kolonie zu bilden.
Doch dann entdecken sie einen viel näher liegenden Planeten – aufmerksam werden sie durch einen Funkspruch und dem Song „Take me Home, Country Roads“. Sie wagen es und ändern die Route.
Sie landen auf dem fremden Planeten, und es scheint, als sei er perfekt. Aber er ist es nicht – er ist die Hölle, die sie bald feststellen müssen.

In der eigentlichen “Alien”-Reihe ist “Covenant” der 5. Teil – aber gesamten Alien-Universum mit Prometheus und Predator ist es schon Film Nummer 8.
Einerseits ist es erstaunlich, wie schnell sich der Kapitän der “Covenant” auf das riskante Abenteuer mit dem fremden Planeten einlässt, andererseits ist die Verlockung groß, doch nicht mehr so lange unterwegs zu sein.
Die Story ist größtenteils sehr spannend. Der Ausflug auf dem fremden Planeten ist faszinierend. Die Idee, dass das Böse nur durch kleine Partikelchen durch die Ohren oder andere Körperöffnungen in den Menschen gelangen, ist genial. Die Momente, in denen die Alien sich aus den Menschen befreien, sind durchaus ein Stück weit angsteinflößend. Die moderne Tricktechnik lassen das sehr… real ist vielleicht das falsche Wort – aber doch: real aussehen.
Ein paar Wendepunkte gibt es zum Glück auch, was ein paar maue Minuten vergessen lässt – und natürlich einen Cliffhanger für Film Nummer 6. Kein Film des Jahres, aber toller Horror und spannende Unterhaltung.

Alien: Covenant
USA 2017, Regie: Ridley Scott
Fox, 122 Minuten, ab 16
7/10

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Sieben Minuten nach Mitternacht

Dienstag, den 9. Mai 2017

0.07 Uhr, und Conor (Lewis MacDougall) ist wach. Aber ist er wirklich wach oder träumt er nur. Vor ihm taucht plötzlich ein großes Monster auf. Ein Monster, das aussieht wie ein sich bewegender Baum. Es kündigt ihm an, ihm drei Geschichten erzählen zu wollen. Eine Vierte aber, die soll ihm dann Conor erzählen, wenn es denn so weit ist.
Traum oder Wirklichkeit?
Conor hat zunächst nicht viel Zeit darüber nachzudenken, er hat genug Probleme. Seine Mutter (Felicity Jones) ist schwer krank, und zu seiner Oma (Sigouney Weaver) will Conor nicht. Sein Vater (Toby Kebbell) wohnt, nach der Trennung von seiner Frau, in den USA – aber Conor will seine Mutter nicht allein lassen.
In der Schule läuft es auch mäßig. Conor wird dort von einer Gruppe Mitschülern regelmäßig verprügelt.
Nachts aber, da kommt das Monster. Conor ist verärgert über die, aus seiner Sicht, unsinnigen Geschichten, die er erzählt bekommt. Und dennoch: Langsam kommt er seiner eigenen Wahrheit entgegen.

“Sieben Minuten nach Mitternacht” – das ist in dem Film von Juan Antonio Bayona die Uhrzeit, die Conors Leben prägt. Ein Junge, der immer mehr verzweifelt. Zunächst noch leise, aber das wird sich ändern.
Der Trailer wirkte ein wenig wie eine Science-Fiction-Weltuntergangsgeschichte. Doch diese Vorschau täuschte ganz gewaltig, denn in Wirklichkeit dreht sich dieser Film um bittere Lebenserfahrungen und -weisheiten.
Denn das Monster bringt dem Jungen bei, dass es keine einfachen Wahrheiten gibt, dass Geschichten immer zwei Seiten haben, dass es nicht immer einfach ist, einen Schuldigen zu finden, dass kein Mensch nur gut ist, dass jeder seine dunklen Seiten hat und man abwägen muss, was gerade wichtig und bedenkenswert ist.
“Sieben Minuten nach Mitternacht” ist ein tieftrauriger Film – und das, ohne kitschig zu sein. Wenn erst mal klar ist, worum es geht, dann wissen wir: Das ist das Leben, das pure Leben, das Schicksal, das uns alle mal erreichen wird. Es geht um Liebe, um tiefen Schmerz, vor allem um das Loslassen.
Und das mit tollen Darstellern, poetischen Bildern und sparsamen, aber wirkungsvollen Effekten.
Nicht nur Conor muss sich in dieser sehr klugen und tiefgründigen Geschichte mit einer Wahrheit befassen – auch der Zuschauer wird sich damit beschäftigen. Und auch das sorgt für ein grenzenloses, überwältigendes Mitgefühl.

Sieben Minuten nach Mitternacht
GB 2016, Regie: Juan Antonio Bayona
Studiocanal, 109 Minuten, ab 12
10/10

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Einsamkeit und Sex und Mitleid

Montag, den 8. Mai 2017
Tags:

Einsamkeit.
Sex.
Mitleid.
Das sind die drei Zutaten des Filmes von Lars Montag. Er bringt Menschen zusammen, die scheinbar (und offenbar) nicht zusammengehören. Einsame Menschen. Menschen auf der Suche nach Sex. Bemitleidenswerte Menschen.
Und alle hängen sie irgendwie miteinander zusammen.

Da ist der Lehrer Ecki Nölten (Bernhard Schütz), der seinen Job verloren hat und sich nun an der Welt rächen will, der nicht weiß, wohin mit seinem Frust. Da ist der Bienenzüchter Robert Pfennig (Rainer Bock), dessen Ehe mau verläuft und der Ecki kennenlernt – und seine andere Seite wieder ausleben will. Roberts Tochter lernt unterdessen den großmäuligen Mahmud (Hussein Eliraqui) kennen, der sie für 100 Euro mal lecken will – aber eigentlich nach Liebe sucht. Mahmud wiederum gerät in einen Streit von Thomas (Jan Henrik Stahlberg und Carla (Friederike Kempter), der sich bald gegen Mahmud selbst richtet – und der gezielt handelt.
Außerdem eine Frau vor der Scheidung, die sich Callboys kommen lässt, eine Künstlerin, die Sex sucht und Kunstobjekte.
Und so weiter.

“Einsamkeit und Sex und Mitleid” handelt von lauter Menschen, die irgendwie am Ende sind. Die traurig, deprimiert, verstört sind. Und dennoch: Es ist kein Drama, das durchweg schrecklich ist, bei dem man heulen will und muss.
Lars Montag schafft ein Gesellschaftspanorama. Wir sehen Leute, die ständig am Handy hängen. Leute, die sich beeinflussen lassen – von der Religion oder anderen Menschen. Andere, für die Sex ein Geschäft – oder Mittel zum Zweck ist.
In diesem Film gibt es keine Helden. Stattdessen handelt es sich fast ausschließlich um Opfer. Opfer der Gesellschaft, der neuen digitalen Welt, Opfer einer neuen seltsamen Individualität, die immer weniger Empathie zulässt. Und stattdessen immer egoistischer wird.
Das Ensemble ist durchweg toll, es ist zusammengesetzt aus extrem verschiedenen Menschen. Das macht das alles zwei Stunden unglaublich interessant und packend. Irgendwie böse, tragikomisch und manchmal fast unglaublich.

Einsamkeit und Sex und Mitleid
D 2016, Regie: Lars Montag
X-Verleih, 119 Minuten, ab 16
9/10

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Expedition Happiness

Sonntag, den 7. Mai 2017

Ein Mann, eine Frau und ein Hund. Ein umgebauter US-Schulbus. Eine Reise.
Vielmehr Zutaten braucht die Doku von Felix Starck und Selima Taibi nicht.
Der Zuschauer wohnt 101 Minuten lang der “Expedition Happiness” bei.

Felix Starck und seine Freundin Selima Taibi geben ihre Wohnung auf, ohne zu wissen, wie es weitergeht. Wie wissen nur, sie müssen mal raus.
Die Idee: Sie kaufen in den USA einen alten Schulbus und bauen ihn zum Wohnmobil umzubauen.
Dann machen sich die beiden mit Berner Sennenhund Rudi auf den Weg. Zunächst fahren sie durch Kanada nach Alaska. Von da aus geht es gen Süden, durch den amerikanischen Kontinent bis Argentinien.

Dass diese Reisedoku funktioniert, liegt an der durchaus spannenden und sehenswerten Route, die die kleine Familie nimmt. Und das, was sie erleben. Sie sehen hohe Berge und Gletscher und später fahren sie durch die Wüste. Es geht durch große Städte, an der Küste entlang und über Schlaglochpisten.
In Mexico lernen sie viele Leute kennen, verlieben sich in die Kultur und die Städte.
Der Film hätte aber auch sehr schief gehen können – wie sich insbesondere in der ersten Hälfte zeigt. Zeitweise krankt der Film ein wenig daran, dass Felix und Selima immer nur davon reden, was sie erleben. Oft ist die Kamera, die sie ja immer nur selbst bedienen, nicht dabei. Auch nervt ein wenig das Rosarote an der Tour. Alle haben sich lieb, alles ist schön, alles ist dufte, und es wirkt manchmal wie ein überlanges Reisevideo für die Familie, in der man immer wieder Grüße ausrichtet und sagt, alles sei toll. Der Soundtrack hätte gern ein bisschen abwechslungsreicher sein können, die Songs sind gut, aber in der Ansammlung dann doch ein wenig zu wohlfühlmäßig.
Für eine Kino-Doku ist das zu wenig, zumal es an sich keinen echten Spannungsbogen gibt. Die Reise hat keinen speziellen Grund, es gibt kein Ziel, keine Aufgabe. Sie reisen einfach nur.
Dazu kommt, dass Nordamerika dünn besiedelt ist, sie lernen keine Menschen kennen, alles wirkt filmtechnisch ein bisschen blutleer. Was übrigens nicht heißt, dass es langweilig ist. Langweilig ist der Film an keiner Stelle!
Die zweite Hälfte ist in jeglicher Hinsicht spannender: Felix und Selima müssen Hindernisse überwinden, die erleben Rückschläge (oft aber auch nur in Erzählform), der Hund wird sehr krank. Die Gegenden, die sie erkunden, sind spannender.
Am Ende ist die Doku also dennoch sehr sehenswert. Die Familie wächst eine durchaus ein bisschen ans Herz, man war auf auf einer interessanten Reise dabei und bekommt selbst auch Reiselust.

Expedition Happiness
D 2017, Regie: Felix Starck
Central, 101 Minuten, ab 0
7/10

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Get out

Samstag, den 6. Mai 2017

Schon seit vier Monaten sind Chris (Daniel Kaluuya) und Rose (Allison Williams) ein Paar. Nun will sie ihn endlich ihren Eltern vorstellen. Dass Chris schwarz ist, hat sie ihnen allerdings nicht verraten – und soll angeblich auch kein Problem sein.
Als die beiden in dem Landhaus irgendwo auf dem Land ankommen, scheint alles gut zu sein. Die Eltern sind herzlich. Aber dennoch: Irgendwas stimmt da nicht. Die Gartenmann – schwarz – und die Hausbedienstete – auch schwarz – sind sehr seltsam. Und auch mit der Mutter hat Chris in der Nacht eine merkwürdige Begegnung.

Was dort vorgeht, bleibt erst mal im Unklaren. Fakt aber ist: “Get out” ist ein merkwürdiger, ein außergewöhnlicher Thriller, die Geschichte ist packend und – wenn man sich vorher nicht weiter damit beschäftigt – über weite Strecken unvorhersehbar.
Lang ist sogar unklar, ob es sich bei dem Film von Jordan Peele um eine Satire oder um einen Thriller handelt. Man könnte sagen, er hat beide Elemente, aber aus der Satire wird später durchaus ernst.
Ohne zu viel vorwegzunehmen: Ist der Film zu Ende, überlegt man, ob man eventuell alles mitbekommen hat. Ob man beim zweiten Gucken eventuell Dinge bemerkt, die einem vorher nicht aufgefallen sind.
Der Beginn ist extrem geheimnisvoll und völlig offen, zwischendurch zieht es sich ganz leicht, aber dann wird es sehr, sehr spannend.
Ein Film, der mit den Zuschauern spielt, und das ohne wirklich nennenswerte Effekte. Ein Thriller, der ganz auf die Story setzt. Toll!

Get out
USA 2016, Regie: Jordan Peele
Universal, 104 Minuten, ab 16
8/10

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The Founder

Dienstag, den 2. Mai 2017
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Mhm, dieser Hamburger von McDonald’s. Sieht der aber lecker aus. Da möchte man doch gern reinbeißen. Und immer wieder kaufen. So unfassbar lecker.
Man könnte meinen, dass “The Founder” reine PR für McDonald’s ist. So wirkt er jedenfalls am Anfang. Aber das soll sich ändern.

Schon in den 30ern haben die Brüder McDonald (Nick Offerman, John Carroll Lynch) einen Imbissladen eröffnet. Der Erfolg war zunächst überschaubar. Als sie dann aber auf Hamburger, Cheeseburger, Pommes, Shakes und Getränke umstellten und ihr Küchensystem angepasst haben, kamen auch die Kunden in Scharen. Sie sind erfolgreiche Geschäftsleute.
Ganz anders Ray Kroc (Michael Keaton). Er will Milchshake-Mixer verticken, aber keiner will sie haben. Außer die McDonald-Brüder. Sie wollen gleich acht von den Dingern. Kroc wird hellhörig und fährt hin. Als er den Laden sieht und den Burger kostet, ahnt er: Das ist das ganz große Ding.
Er will aus der Marke McDonald’s ein Franchise machen, und nach anfänglichem Widerstand der Brüder, willigen die in den Vertrag ein. Kroc sorgt dafür, dass überall in den USA McDonald’s-Läden entstehen.
Aber Kroc verdient zu wenig daran. Er beginnt, die Marke zu optimieren, und schließlich will er die Marke ganz.

Nein, “The Founder” ist keine Werbung für McDonald’s. Der Film zeigt stattdessen, was McDonald’s mal war, ganz früher, ganz am Anfang. Da waren es zwei Brüder, die einfach nur gute Burger machen. Und die sahen wirklich lecker aus – kein Vergleich mit den heutigen platten Fleischscheiben, die nach nichts schmecken. Stattdessen kam da jemand und nutzte die Gutmütigkeit der Brüder aus und machte sein eigenes Ding. Rein gewinnorientiert, ohne Rücksicht auf Verluste. Zu sehen ist auch, wie schon gleich am Anfang die Frage ist, wie man an der Essensherstellung so dreht, dass sie billiger wird. Etwas, was man ebenfalls bis heute bei McDonald’s sieht. Wer “The Founder” kennt, wird die Fast-Food-Kette noch mal mit anderen Augen sehen.
Schon allein, wer diese Story nicht kennt, der wird “The Founder” interessant finden. Denn er führt die (unwissenden) Zuschauer zunächst auf eine falsche Fährte – oder eher: zeigt zunächst das Optimum.
Michael Keaton ist in diesem Film eindeutig der Unsympath. Er kann nichts, er hat nichts, bekommt aber Dollarzeichen in den Augen, als er den Laden der Brüder entdeckt – und saugt ihn aus. Auch privat ist Kroc ein Bastard. Keaton spielt diese Rolle gut.
Handwerklich ist der Film wenig besonders – da zählt der Inhalt. Was ja in der heutigen Zeit auch angenehm ist.

The Founder
USA 2016, Regie: John Lee Hancock
24 Bilder, 115 Minuten, ab 0
7/10

RT im Kino

Zu guter Letzt

Montag, den 17. April 2017

Wenn wir mal sterben – wie wird eigentlich unser Nachruf aussehen? Wird uns irgendjemand nachtrauern? Wird gut über uns gesprochen?
Diese Fragen stellt sich auch Harriet Lauler (Shirley MacLaine). Die einst erfolgreiche Geschäftsfrau ist in Rente – und sie langweilt sich sehr. Sie hat nichts zu tun, immer motzt sie nur rum.
Sie engagiert die junge Journalistin Anne (Amanda Seyfried), die für sie ihren Nachruf schreiben soll – natürlich noch vor ihrem Tod. Es gibt dabei nur ein Problem: Alle Leute, die Anne anspricht, wollen von Harriet nichts mehr wissen. Alle hassen sie, alle sind sie genervt. So wird das nichts mit dem Nachruf.
Das sieht dann auch Harriet ein, und sie beschließt, dass es zeit wird, ihrem Lebenslauf einige positive Aspekte hinzuzufügen.

Es scheint, als ob Harriet plötzlich nur gutmütig wird, um ihren Lebenslauf frisieren zu können. Die kratzbürstige Alte ändert sich dann aber irgendwie auch wirklich. Davon erzählt “Zu guter Letzt”. Wie die Seniorin neue Aufgaben sucht und neue Freunde. Ihr und den anderen dabei zuzusehen, ist interessant und stellenweise rührend.
Allerdings braucht der Film eine Weile, bis sich die eigentliche Geschichte entfaltet. Das erste Drittel ist merkwürdig langsam erzählt. Irgendwie passt das zwar, weil es auch Harriets Lethargie darstellt, aber ein bisschen weniger behäbig hätte es schon sein können. Später ändert sich das aber – da wandelt sich der Film fast schon zum Buddymovie.
Shirley MacLaine (mit der tollen Synchronstimme von Judy Winter) spielt die zunächst strenge, gemeine Alte mit Hingabe. Schon wegen ihr lohnt sich der Gang ins Kino.

Zu guter Letzt
USA 2016, Regie: Mark Pellington
Tobis, 108 Minuten, ab 0
7/10