RT im Kino

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Last Christmas

Donnerstag, den 5. Dezember 2019

Advent in London. Aber so richtig kann sich Kate (Emilia Clarke) nicht drauf freuen. Sie scheint vollkommen neben sich zu stehen. Sie kann sich auf nichts konzentrieren, sie ist verhuscht und vergesslich, ständig reißt sie was ein oder macht es kaputt. Sie ist genervt, und auch die anderen sind wegen ihr genervt. Selbst die Arbeit im Weihnachtsshop macht ihr keinen Spaß, obwohl das eigentlich genau ihr Ding ist. Sie ist rundum unzufrieden.
Dann aber lernt sie Tom (Henry Golding) kennen. Sie kommen ins Gespräch, und er scheint zu merken, was Kate eigentlich fehlt. Zwar geht es ihr auf die Nerven, dass Tom so viel Gutes tut und sie nicht, aber das soll sich bald ändern…

Klar, dass die Geschichte damit nicht endet. “Last Christmas” ist der große Weihnachtsfilm 2019 in den Kinos. Mit einer Mischung aus Humor, Herz und Kitsch erzählt der Film von Paul Feig von einer jungen Frau die voller innerer und äußerer Unruhe ist. Sie ist auf der Suche, ohne zu wissen, wonach sie eigentlich sucht.
Gleichzeitig geht es um die üblichen Weihnachtsthemen. Abgedrehte Festbräuche, Weihnachtsmuffel, natürlich die Familie, gesellschaftliches Engagement.
Das ist alles ganz in Ordnung, mehr aber leider nicht. Zu herkömmlich wirkt das alles über lange Zeit. Natürlich wirbt der Film mit dem Song “Last Christmas”, aber auch daraus hätte man noch mehr machen können, wie überhaupt daraus noch mehr hätte eine George-Michael-Hommage gemacht werden können.
Aber immerhin gibt es gegen Ende doch noch eine interessante Wendung…

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Last Christmas
USA 2019, Regie: Paul Feig
Universal, 103 Minuten, ab 0
6/10

Hits: 38

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The Report

Mittwoch, den 4. Dezember 2019

Ermittlungen nach dem 11. September 2001.
Die Verhörmethoden der CIA gelten mitunter als extrem. Extremer als nötig, brutal sogar. Man spricht von Folter. Es geht den Ermittlern darum, weitere Anschläge zu verhindern. Aber dabei verlieren sie die Gesetze offenbar aus den Augen.
Daniel Jones (Adam Driver) und Senatorin Dianne Feinstein (Annette Benning) wollen etwas dagegen unternehmen. Sie wollen Beweise dafür sammeln, dass es diese Folter-Verhöre gegeben hat. Doch die CIA und auch das Weiße Haus erschweren entsprechende Untersuchungen.

“The Report” von Scott Z. Burns erzählt von diesen Ermittlungen. In nervenzehrenden Anhörungen geht es um die Suche nach der Wahrheit. Daniel kämpft gegen Windmühlen, muss immer wieder Rückschläge erleiden.
Der Film kommt dabei mit geringen Mitteln aus. Ein Mann fahndet und spricht mit vielen Menschen, berät sich mit anderen.
Der Film ist allerdings nur für die Leute wirklich interessant, die sich für solche Art der Ermittlungen interessieren. Er wirkt ein bisschen wie eine Therapiestunde für Amis.
Worum es da geht, ist schlimm. Aber als Zuschauer lässt einen das dennoch irgendwie kalt.

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The Report
USA 2019, Regie: Scott Z. Burns
DCM, 120 Minuten, ab 12
4/10

Hits: 46

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Le Mans 66 – Gegen jede Chance

Montag, den 25. November 2019

Ferrari gegen Ford – das große Duell. Henry Ford II (Tracy Letts) will, dass Ford in den 60ern in den USA einen besseren Stand bekommt. Autos sollen her, die auf dem Markt einschlagen sollen wie eine Bombe.
Mit dem jungen Visionär Lee Iacocca (Jon Bernthal) und dem Ex-Rennfahrer Carroll Shelby (Matt Damon) sollen neue Autos kreiert werden. Zum Beispiel der Ford GT40. Er soll Ferrari in Le Mans schlagen. Sie holen den britischen Rennfahrer Ken Miles (Christian Bale) dazu, um das Auto zu optimieren. Doch der Weg ist härter als gedacht.

Im Original heißt der Film “Ford vs. Ferrari”, das trifft es auch besser auf den Punkt, würde hierzulande aber wahrscheinlich als Doku durchgehen und ignoriert werden.
Einerseits geht es um die Rivalität zwischen den großen Automobilfirmen, aber auch um die Autofreaks, die am Wagen basteln, forschen und dann die Rennen fahren, wo die Autos probiert werden.
In der Tat sind dann auch die Rennszenen die spannenderen Augenblicke von “Le Mans 66 – Gegen jede Chance”. Denn das große Problem des Films ist, dass die Geschichte einfach nicht packend ist. Da es selbst bei den Rennen nicht um persönliche Rivalitäten geht, sondern immer um die Autobauer, fiebert man auch nicht wirklich mit.
Da nutzt es auch nicht, dass Matt Damon und Christian Bale gut spielen. Mit mehr als zweieinhalb Stunden ist der Film zudem entschieden zu lang.

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Le Mans 66 – Gegen jede Chance
USA 2019, Regie: James Mangold
Fox, 153 Minuten, ab 12
4/10

Hits: 90

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Midway – Für die Freiheit

Sonntag, den 24. November 2019

7. Dezember 1941. Die Luftwaffe der Kaiserlich Japanischen Marine greift überraschend den US-Flottenstützpunkt Pearl Harbour bei Honululu an. Es ist der Moment, in dem sich der Konflikt zwischen den USA und Japan zuspitzt. Der Krieg im Pazifik wird härter.
Die USA will Vergeltung. Pilot Dick Best (Ed Skrein) und seine Männer vom Armeestützpunkt planen Angriffe auf die japanischen Flugzeugträger.
Ein halbes Jahr später kommt die Vermutung auf, dass die Japaner die Midway-Inseln einnehmen wollen. Edwin Layton (Patrick Wilson) ist sich sehr sicher, das herausgefunden zu haben. Die Japaner wollen dadurch besser die US-Westküste angreifen. Die US-Navy rüstet sich zur Gegenwehr. Es wird ein harter Kampf.
Die Flieger der US-Luftwaffe machen sich auf, um die Flugzeugträger der Japaner zu zerstören. Doch natürlich sind die nicht ganz unvorbereitet.

“Midway – Für die Freiheit” zeigt ein weiteres Puzzle aus dem Zweiten Weltkrieg, der ja nicht nur in Europa wütete. Vom 4. bis 7. Juni 1942 dauerte die Schlacht um das Midway-Atoll, das dadurch erst berühmt wurde. Roland Emmerich machte aus dieser Story einen Kinofilm.
Der kann sich durchaus sehen lassen, auch wenn die meisten Effekte aus dem Computer kommen. Das tut der Spannung aber keinen Abbruch. Im Gegenteil: Phasenweise hat man das Gefühl, mittendrin zu sein. Als Zuschauer fiebert man mit, auch mit den Soldaten, um die es geht.
Klar ist aber auch, dass es sich, abgesehen von den modernen Effekten, dann doch um einen altmodisch patriotischen Film handelt. Die Amis sind die Guten, die anderen die Bösen, die “Japsen”. Diese Art des Films muss man schon mögen, um “Midway” konsumieren zu können. In diesem Fall funktioniert das ziemlich gut, Emmerich hat spannendes Unterhaltungskino geboten, dass auch ein Stück Geschichtsstunde bietet – zumindest den Ansatz, danach darüber mal was zu lesen.

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Midway – Für die Freiheit
USA 2019, Regie: Roland Emmerich
Universumfilm, 139 Minuten, ab 16
8/10

Hits: 84

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Lara

Dienstag, den 12. November 2019

60 Jahre! Eigentlich ein großer Tag für Lara Jenkins (Corinna Harfouch). Aber glücklich ist sie nicht. Sie ist alleine, fast isoliert. Sie wird aus ihrer Morgen-Lethargie geholt, als sie zu einer Hausdurchsuchung gerufen wird.
Eigentlich hat sie etwas anderes vor: Ihr Sohn Viktor (Tom Schilling) hat heute ein großes Klavierkonzert, in dem er erstmals eine eigene Komposition vorstellt.
Lara kauft an der Konzertkasse kurzerhand noch alle 22 Tickets, die noch zu haben sind. Sie will alle Leute einladen, die ihr begegnen. Aber selbst das ist schwerer, als sie denkt. Ihr Sohn hat sie dagegen nicht eingeladen.
Sie selbst hätte eine große Musikkarriere machen können, aber sie war dafür zu schlecht. Sagte ihr damaliger Lehrer. Und sagt sie auch.
Dieser Tag bringt für Lara viele bedrückende Erkenntnisse, und als der Konzertabend beginnt, nimmt dieser Tag auch noch eine ganz andere Wendung.

“Lara” ist der neue Film von Jan-Ole Gerster, der 2012 mit “Oh Boy” bekannt wurde. In seinem neuen Werk stellt er seine Zuschauer durchaus auf die Probe. Denn zeitweise fällt es schwer, Lara zu folgen. Man weiß nämlich nicht, worauf es hinauslaufen soll. Über der Frau schwebt die Düsternis, die Stimmung ist bedrückt, und irgendwie lauert man, weil man irgendwie Böses ahnt. Auch, weil man schwer einschätzen kann, was eigentlich mit Lara los ist, was sie den Menschen angetan hat und ob die Menschen sie zurecht zurückweisen.
Eine Schlüsselszene ist der Moment, wo Lara und Viktor zusammensitzen und er seine Mutter fragt, wie sie sein Stück findet, das er gleich aufführen wird.
Corinna Harfouch trägt diesen Film auf eine hervorragende Weise. Ihre Unsicherheit, ihre Angst, ihr Stolz, ihre Enttäuschungen – all das zeigt die Schauspielerin, und man beobachtet sie gern dabei, auch wenn da immer dieses kleine Unbehagen bei ist. Allein das Gespräch zwischen Mutter und Sohn ist extrem sehenswert, weil beide nicht nur verbal agieren: Blicke, Gestik, Mimik.
Und irgendwann bricht es aus ihr heraus…

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Lara
D 2019, Regie: Jan-Ole Gerster
Studiocanal, 98 Minuten, ab 0
8/10

Hits: 131

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Das perfekte Geheimnis

Donnerstag, den 7. November 2019

Handys auf den Tisch! Einen Abend lang müssen alle Nachrichten vorgelesen, ankommende Bilder gezeigt und Anrufe auf Lautsprecher gestellt werden. Absolute Offenheit.
Ein Pärchenabend. Diesmal treffen sich alle bei Eva (Jessica Schwarz) und Rocco (Wotan Wilke Möhring), und das auch noch am Abend einer Mondfinsternis. Leo (Elyas M’Barek) kommt mit seiner Frau Carlotta (Karoline Herfurth), Simon (Frederick Lau) mit seiner neuen Freundin Bianca (Jella Haase), und nur Pepe (Florian David Fitz) kommt allein, weil seine neue Freundin, die noch keiner zu Gesicht bekommen hat, kränkelt.
Eva macht den Vorschlag, das Handyspiel zu beginnen. Die Männer sind unsicher, denn natürlich sind ja auf ihren Smartphonen eventuell Dinge, die keiner sehen soll. Und tatsächlich drängt Leo Pepe, doch schnell noch die Handys zu tauschen.

“Das perfekte Geheimnis” ist ein Ensemblefilm, der faszinierend gut funktioniert. Das Interessante an der Geschichte ist, dass die drei Jahre alte Komödie “Perfect Strangers” schon in elf Ländern verfilmt worden ist. Bei Netflix kann man sich die französische Variante “Nichts zu verbergen” ansehen.
Regisseur Bora Dagtekin hat sich eine tolle Schauspielschar zusammengesucht. Die Zusammensetzung funktioniert hervorragend, oft wirken die Szenen, als seien wir tatsächlich zufällig dabei. Die Dialoge sind locker und nicht gestelzt, alle spielen hervorragend, wenn sie plaudern, Witze machen, über Witze lachen, verunsichert sind oder einfach nur blöd.
Ohne zu viel zu verraten: Natürlich eskaliert das Ganze, und das ist mal lustig, mal geradezu erschütternd und immer packend. So wird auch das Publikum durch ein Wechselbad der Gefühle geschickt.
“Das perfekte Geheimnis” gehört definitiv zu den Topfilmen dieses Jahres.

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Das perfekte Geheimnis
D 2019, Regie: Bora Dagtekin
Constantinfilm, 111 Minuten, ab 12
9/10

Hits: 142

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Polaroid

Mittwoch, den 30. Oktober 2019

Bird Fitcher (Kathryn Prescott) bekommt eine Polaroid-Kamera geschenkt bekommen. Das passt, denn Fotografieren ist ihr großes Hobby. Sie beginnt auch gleich, mit ihrer Sofortbildkamera zu arbeiten. Sie macht auch ein Foto von einer Freundin. Wenig später kommt die unter mysteriösen Umständen ums Leben.
Es dauert ein bisschen, bis sie rausfindet, dass auf dieser Kamera offenbar ein ganz böser Fluch liegt. Sie findet auf allen Fotos im Hintergrund immer eine Art Geist. Und dieser Geist taucht bald auf, um die Fotografierten zu holen – zu töten.
Weil auch Bird auf einem der Gruppenfotos selbst zu sehen ist – als Schatten im Hintergrund -, beginnt auch für sie der Kampf um Leben und Tod.

Ursprünglich war “Polaroid” ein Kurzfilm. Der Norweger Lars Klevberg hat aus seinem Werk nun einen 88-minütigen Thriller geschaffen. Das aber funktioniert nur bedingt, “Polaroid” wirkt auf irgendeine Art simpel.
Denn das Schema ist bekannt und wird hier konsequent durchgezogen: Etwas passiert, etwas passiert noch mal, irgendwann wird der Grund für das Geschehen rausgefunden, es gibt eine frühere Geschichte dazu, und dann beginnt die Jagd.
Das ist grundsätzlich erst mal interessant, aber daraus hätte man wesentlich mehr machen können. In diesem Film fehlen spannende Wendungen oder irgendwelche Höhepunkte. Zudem ist die Story um einen früheren Besitzer der Kamera ist ganz schlüssig.
Am Ende bleibt dann nur ein wohlwollendes “Na ja, geht so.”

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Polaroid
USA/Norwegen 2018, Regie: Lars Klevberg
Wild Bunch Germany, 88 Minuten, ab 16
5/10

Hits: 201