RT im Kino

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mid90s

Dienstag, den 23. April 2019

Mitte der 90er, Los Angeles. Stevie (Sunny Suljic) ist 13. Mit seinem Bruder Ian (Lucas Hedges) und seiner Mutter Dabney (Katherine Waterson) lebt in einem runtergekommenen Haus. Die Mutter muss sich ums Geld kümmern, Stevie ist mehr oder weniger auf sich allein gestellt.
Am Motor Avenue Skateshop sieht Stevie die dortigen Skater, und sofort ist er begeistert. Er schließt sich der Gruppe an, auch wenn er scheinbar gar nicht zu ihnen passt. Aber Ruben (Gio Galicia), Ray (Na-kel Smith), Fuckshit (Olan Prenatt) und Fourth Grade (Ryder McLaughlin) nehmen ihn mit zu Partys, hängen mit ihm ab und sorgen für Drogen. Stevie will dazugehören – auch wenn es wehtut.

“mid90s” ist das Regiedebüt von Jonah Hill. Er nimmt den Zuschauer mit in die Skaterszene der 90er in Los Angeles. Er zeigt, wie die Jugendlichen dort miteinander umgingen, was sie wie erlebten.
Der Film hat gute Momente, was auch am jungen Hauptdarsteller liegt, der die Arglosigkeit von Stevie toll darstellt.
Wer allerdings eine allgemeine 90er-Nostalgie erleben will, ist in diesem Film falsch. Im Grunde bezieht sich der Titel “mid90s” zwar tatsächlich auf die Zeit, in der er spielt. Nostalgie kommt aber nicht so wirklich auf, was aber natürlich am Thema liegt, aber auch selten fesselnd ist.
“mid90s” ist ein Coming-of-Age-Film der etwas härteren Gangart.

mid90s
USA 2018, Regie: Jonah Hill
MFA, 83 Minuten, ab 12
5/10

Hits: 32

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Der Fall Collini

Montag, den 22. April 2019

Berlin, 2001: Es ist der erste große Fall für den jungen Anwalt Caspar Leinen (Elyas M‘Barek) – und was für einer. Er nimmt die Pflichtverteidigung für den 70-jährigen Italiener Fabrizio Collini (Franco Nero) an. Er hat scheinbar grundlos den Großindustriellen Hans Meyer (Manfred Zapatka) in einem Hotel umgebracht.
Erst als Caspar den Fall angenommen hat, erfährt er die Hintergründe – und um wen genau es geht. Denn der Tote ist nicht irgendwer, sondern der Opa seiner Jugendliebe Johanna (Alexandra Maria Lara). Hans war so etwas wie sein Ersatzvater, und bis heute fährt er seinen alten Mercedes.
Casper will das dennoch durchziehen, zumal sich der Fall als doch nicht so einfach herausstellt. Nicht nur, weil Collini schweigt. Sondern auch, weil es da noch irgendwas gibt. Es muss doch einen Grund gegeben haben für diese Tat. Und dafür, dass Strafverteidiger Richard Mattinger (Heiner Lauterbach) den Fall schnellstens erledigen will.

“Der Fall Collini” entpuppt sich als die Auflösung eines großen Justizskandals. Und der Film als eine große Überraschung und vor allem als echter Kino-Höhepunkt.
Der Film von Marco Kreuzpaintner nach dem Roman von Ferdinand von Schirach ist über sehr weite Strecken extrem spannend und faszinierend. Für die Spannung sorgt hier keine Action. Sondern allein das Wort. Rededuelle. Die Fahndung nach Erkenntnissen.
Zuzusehen wie Caspar sich immer mehr in den Fall reinkniet und bald auch Helfer hat, ist kurzweilig. Der Fall geht an die Nieren und sorgt für Gänsehaut. Denn bald stößt Caspar auf ein fast vergessenes Kriegsverbrechen. Und darauf, wie es später in der Bundesrepublik vertuscht und verharmlost worden ist.
So gut war Elyas M’Barek vermutlich noch nie. In dieser sehr ernsten Rolle geht er voll auf. Und wirkt dabei nie aufgesetzt. Aber auch das restliche Schauspielerensemble – u.a. mit Jannis Niewöhner – kann überzeugen.
Mit einfachen Mitteln, aber eben spannend erzählt, gehört “Der Fall Collini” zu den Filmen des Jahres.

Der Fall Collini
D 2018, Regie: Marco Kreuzpaintner
Constantinfilm, 123 Minuten, ab 12
10/10

Hits: 62

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Shazam!

Dienstag, den 16. April 2019

1974: Thaddeus Sivana (Ethan Pugiotto) ist mit seinem Vater und seinen Bruder unterwegs. Doch die sind plötzlich verschwunden, und Thaddeus findet sich plötzlich in einer Höhle wieder. Ein Zauberer will ihn prüfen, ob er würdig ist, dessen Nachfolger zu werden. Doch der Junge versagt.
Heute: Billy Batson (Asher Angel) ist auf der Suche nach seiner Mutter – und das seit mehr als zehn Jahren. Immer wieder haut er aus seinen Pflegefamilien ab. Gerade erst kam er in eine neue Familie – eine, die schon sehr viele Pflegekinder hat. Aber auch in seiner neuen Schule wird er gemobbt. Als er gerade mal wieder auf der Flucht ist, landet er in einer U-Bahn – die ihn in eine seltsame Höhle bringt. Auch er trifft auf den Zauberer. Billy allerdings ist würdig, Nachfolger des Zauberers zu werden.
Billy muss nun erst mal mit seinen neuen Kräften klarkommen. Denn plötzlich ist er ein erwachsener Mann (Zachary Levi) mit Superhelden-Uniform. Was er noch noch weiß: Thaddeus (Mark Strong) will ihn jagen und ihm seine Kräfte abnehmen.

“Shazam!” ist der Ausruf, mit dem aus Billy besagter Shazam wird – und andersrum. “Shazam!” ist auch die neueste Comicverfilmung aus dem Hause DC Comics.
Die Rezeptur ist eigentlich die Übliche: Ein Junge ist ein Außenseiter. Er hat familiäre Probleme, in diesem Fall sucht er seine Mutter. Aber dann bekommt er eine Superhelden-Kraft und wird in seiner neuen Rolle zu einer anderen, starken Person. Diese stärkt auch den vormals schwachen Billy.
“Shazam!” setzt dieses Credo gut um. Die Geschichte ist kurzweilig, hat viele lustige Momente und lebt von seinen sympathischen Darstellern. Am Ende gibt es den – natürlich auch obligatorischen – großen Kampf.
Letztlich nicht wirklich neu und einfallsreich, aber dennoch unterhaltsam.

Shazam!
USA 2018, Regie: David F. Sandberg
Warner, 132 Minuten, ab 12
8/10

Hits: 141

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Alfons Zitterbacke

Montag, den 15. April 2019

Alfons Zitterbacke war in der DDR ein Star. Die meisten Kinder kannten den Jungen, der immer nur Pech hatte, aber Kosmonaut werden wollte. 1966 gab es einen Kinofilm der DEFA, 1986 eine sechsteilige Serie im Fernsehen der DDR. 2019 kommt eine Neuverfilmung, die hoffentlich den Alfons auch wieder in die Herzen der heutigen Kinder katapultiert.

Alfons (Tilman Döbler) ist 11, und er weiß schon genau, was er werden will: Astronaut. Sein großer Held ist Alexander Gerst, der Mann auf der ISS. Aber Alfons hat ein Problem: Er muss noch zur Schule, und er hasst die Schule. Und: Ständig geht was schief. Macht sein Papa (Devid Striesow) einen Aprilscherz, fällt er darauf rein. Macht er einen, muss er Strafe ins Bett. Sein Lehrer mag ihn nicht, von den meisten Mitschülern wird er gehänselt. Nur sein bester Freund Benni (Leopold Ferdinand Schill) hält zu ihm. Gemeinsam wollen sie an einem Flugmaschinen-Wettbewerb teilnehmen. Blöd nur, dass ihnen die Idee geklaut wird…

Mark Schlichter hat Alfons Zitterbacke sehr erfolgreich in die Neuzeit übertragen. Wer die alten Geschichten noch kennt, wird sie an einigen Stellen im Film wiedererkennen. Da gibt es zum Beispiel die Szene auf dem Sprungturm, bei der Papa seinem Sohn zeigen will, wie man einen Köpper macht.
Hin und wieder ist es zwar ein wenig zu klamaukig, gerade in den ersten Minuten nach dem Vorspann, aber später zeigt der Film sehr viel Herz. Denn er zeigt, dass man im Leben immer dann noch besser voran kommt, wenn man Freunde hat und auf sie vertraut. Wenn man nicht bescheißt und aufrichtig ist. Das ist eine sehr schöne Botschaft.
In “Alfons Zitterbacke” ist es viele nette Nebenrollen. Wolfgang Stumph ist als schmieriger Opa dabei, Bürger Lars Dietrich als Astronaut, Alexandra Maria Lara als Alfons’ Mutter, Katharina Thalbach als Schuldirektorin und eben der echte Alexander Gerst. Zu sehen ist auch Helmut Rossmann, der 1966 den Alfons spielte.
“Alfons Zitterbacke” ist ein humoriger, sehenswerter Kinderfilm – vielleicht vor allem für Jungs.

Alfons Zitterbacke
D 2018, Regie: Mark Schlichter
X-Verleih,

Hits: 134

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Beautiful Boy

Dienstag, den 9. April 2019

Warum?
Warum, um Gottes Willen, macht er das? Es gibt doch gar keinen Grund!
Aber das ist genau das Schlimme: Dass es keinen Grund gibt. Dass er die Frage nach dem Warum eigentlich gar nicht beantworten kann. Niemand kann die beantworten.

Familie Sheff führt ein gutes Leben. Sie gehören zur Mittelschicht Amerikas, alles verläuft recht harmonisch.
Aber dann beginnt Sohn Nic (Timothée Chalamet), Drogen zu nehmen. Erst sind es die weichen Drogen, aber sie werden immer härter. Bis hin zu Crystal Meth. Immer wieder verspricht er, aufzuhören. Immer wieder schafft er es, clean zu werden und zu bleiben. Aber immer wieder stürzt er ab.
Vater David (Steve Carell) versucht alles Menschenmögliche, ihn von den Drogen wegzubekommen. Aber er muss einsehen, dass er seinem Sohn offenbar nicht helfen kann. Ihn macht das fassungslos – denn sie waren doch mal ein so gutes Team.

“Beautiful Boy” von Regisseur Felix van Groeningen entstand nach den autobiografischen Werken von David Sheff und seinem Sohn Nic Sheff, die ihre Erlebnisse jeweils aus ihrer Sicht geschildert haben.
Der Film rüttelt deswegen so auf, weil er zeigt, dass der Drogenkonsum nicht nur ein Problem in schmuddeligen Gegenden ist, wie es gern mal in solchen Filmen dargestellt wird. Es trifft eine Familie, von der man es nicht erwartet. Und tatsächlich lässt sich nicht so richtig sagen, wieso Nic eigentlich in den Drogensumpf abgleitet. Denn genau darum geht’s: Es kann jeden treffen, und in den USA sind Drogen ein derartiges Problem, dass sie die Todesursache Nummer 1 bei jungen Leuten ist.
Die Geschichte ist interessant erzählt – es gibt nämlich immer wieder Rückblenden, in denen dargestellt wird, was die Familie ausmacht. Steve Carell spielt den verzweifelten, aber unglaublich liebevollen Vater auf herzzerreißende Art. Und Timothée Chalamet dabei zu beobachten, wie er seine dargestellte Figur zugrunde richtet, sorgt für körperliche Schmerzen. Wie überhaupt dieser Film Momente hat, die kaum auszuhalten sind.

Beautiful Boy
USA 2018, Regie: Felix von Groeningen
NFP, 121 Minuten, ab 12
8/10

Hits: 102

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Friedhof der Kuscheltiere

Montag, den 8. April 2019

Louis Creed (Jason Clarke) und seine Frau Rachel (Amy Seimetz) wagen den Neuanfang. Mit ihren beiden Kindern Gage (Hugo/Lucas Lavoie) und Ellie (Jeté Laurence) ziehen sie in ein Haus in einer Kleinstadt.
Das Grundstück ist riesig, es reicht bis in einen Wald. Nachbar Jud Crandall (John Lithgow) zeigt Louis zudem noch eine Besonderheit. Ebenfalls auf ihrem Grundstück befindet sich der Friedhof der Haustiere. Viele Tiere sind dort schon begraben.
Sie werden ihn bald brauchen: Der Kater der Creeds wird überfahren, auf dem Friedhof soll er beerdigt werden. Jud allerdings zeigt Louis eine ganz spezielle Stelle für die Beerdigung. Dort ist ein Zauber versteckt. Und plötzlich ist der Kater wieder im Haus – allerdings verhält er sich angsteinflößend.

Schon 1989 ist Stephen Kings Roman “Friedhof der Kuscheltiere” verfilmt worden. 2002 gab es einen zweiten Teil. Nun kommt das Remake. Unter der Regie von Kevin Kölsch und Dennis Widmyer ist das Grauen neu verfilmt worden. Und das ist überhaus gelungen.
Denn schnell wird klar: Da stimmt was nicht. Der Film verbreitet einen Grusel, der mehr und mehr zu einer Daueranspannung führt. Einige Schockmomente haben es durchaus in sich.
Als es später zu einem schweren Unfall kommt und Louis eine folgenschwere Entscheidung trifft, ist das Grauen perfekt.
Dieser Film ist über lange Phasen regelrecht angsteinflößend. Das liegt auch daran, dass man an einem bestimmten Punkt als Zuschauer weiß oder ahnt, was in den nächsten Minuten passieren wird. Dieses Vorwissen führt aber nicht zu Langeweile, sondern sorgt dafür, dass sich der Thrill noch verstärkt.
Ganz klar: Dieser Film macht einen fertig, und er wirkt nach. Wenn man aus dem Kino kommt, und da sitzt plötzlich eine ach so liebe Mietzekatze…

Friedhof der Kuscheltiere
USA 2018, Regie: Kevin Kölsch, Dennis Widmyer
Paramount, 101 Minuten, ab 16
9/10

Hits: 110

RT im Kino

Wir

Montag, den 1. April 2019

1986 in einem Vergnügungspark in Santa Cruz. In einem Spiegelkabinett macht die junge Adelaide Thomas (Madison Curry) eine schockierende Entdeckung: ein Mädchen, das genauso aussieht wie sie.
30 Jahre später. Adelaine (Lupita Nyong’o) ist inzwischen verheiratet, und mit ihrem Mann Gabe (Winston Duke) und ihren Kindern Zora (Shahadi Wright Joseph) und Jason (Evan Alex) beziehen sie ein Ferienhaus. Es befindet sich ganz in der Nähe von Santa Cruz. Für Adelaine ist das problematisch, denn in ihr kommen Erinnerungen hoch – und schlimme Vorahnungen.
Eines Abends passiert etwas Angsteinflößendes: Auf der Grundstückseinfahrt stehen vier Leute, sie halten sich an den Händen. Sie stehen einfach nur da. Erst als Gabe ihnen schließlich Prügel androht, machen sich die vier auf den Weg – in das Haus der Familie. Es beginnt ein schockierender Alptraum. Denn diese vier Leute in ihren roten Klamotten sehen aus wie sie selbst. Jason bringt es auf den Punkt: Das sind wir. Allerdings wollen die Fremden nichts Gutes.

Nach seinem vielgelobten Film “Get out” wurde das neue Werk von Jordan Peele lange erwartet. Es trägt den schlichten Titel “Wir”, und er passt. Denn die Familie steht gewissermaßen sich selbst gegenüber, und “sie selbst” sind ihr Feind.
Die Geschichte hält sich zunächst nicht mit langen Erklärungen auf, was es mit diesen Leuten auf sich hat. Das kommt später. Bis dahin ist es jedoch sehr spannend, weil sich die Familie versucht, gegen die Angreifer zu wehren. Und sie muss feststellen, dass sie nicht die einzigen Betroffenen sind.
Der Film spielt mit großer Spannung und kommt selten nur mit plumpen Schockmomenten aus. Zudem wird der Zuschauer auch immer mal auf falsche Fährten geschickt.
Der Schluss ist noch mal ein Thrill, der allerdings auch ein wenig hinterfragt werden muss – weil er so eigentlich nicht funktioniert. Aber was soll’s.

Wir
USA 2018, Regie: Jordan Peele
Universal, 116 Minuten, ab 16
7/10

Hits: 139