RT im Kino

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The Commuter

Sonntag, den 21. Januar 2018

Man könnte sagen: Michael MacCauley (Liam Neeson) erlebt nicht gerade seinen besten Tag. Seit zehn Jahren pendelt er jeden Morgen aus einem Vorort mit dem Zug rein nach New York. Heute wohl zum letzten Mal: Ihm wird gekündigt.
Verwirrt, traurig und frustriert macht er sich auf den Weg nach Hause.
Wieder im Zug trifft er auf eine fremde Frau (Vera Farmiga). Sie kommen ins Gespräch, und sie teilt ihm Unglaubliches mit. Sie verspricht ihm 100.000 Dollar. Dafür muss er einen bestimmten Menschen im Zug finden. Jemanden, der nicht in diesen Zug passt, der nicht zu den täglichen Pendlern gehört. An einem bestimmten Bahnhof steigt der Mensch aus, und er hat etwas Wichtig-Wertvolles in einer Tasche dabei. Gelingt Michael die Suche nicht, dann geht es seiner Familie an den Kragen.

In “The Commuter” geht es um gleich mehrere Rätsel. Wen soll Michael im Zug finden? Und was hat es mit dieser zu findenden Person auf sich? Und wer erpresst Michael eigentlich wirklich? Das macht diesen Film von Jaume Collet-Serra geheimnisvoll und immerhin nicht langweilig. Der Auftakt ist flott gemacht, in dem gezeigt wird, wie Michael täglich als Pendler den Zug nimmt. Durch geschickte Schnitte werden mehrere Morgenabläufe ineinander verwoben.
Die Spannung macht sich der Film aber leider im letzten Drittel selbst kaputt. Denn da gibt es einige völlig übertriebene und irgendwie auch überflüssige Actionsequenzen. Nun geht es in solchen Filmen selten um völlige Wahrhaftigkeit – aber einige Wendungen sind einfach zu irre, als dass man sie dem Film abkaufen will. Und, nein, es gibt wirklich keine Zugscheiben, und keine Waggon-Verglasungen die dadurch komplett kaputt gehen, dass man mit dem Kopf dranstößt. Auch machen die Kampfszenen stellenweise den Eindruck, als seien sie durch (nicht ganz so gelungene) Tricktechnik aufgemöbelt worden.
Auch eine Szene, die ganz am Schluss noch angefügt ist, irritiert eher.
So bleibt schließlich die Erkenntnis, dass “The Commuter” zwar unterhaltsam, in einigen Phasen aber doch ziemlich blödsinnig ist.

The Commuter
USA 2017, Regie: Jaume Collet-Serra
Studiocanal, 105 Minuten, ab 12
6/10

RT im Kino

Greatest Showman

Samstag, den 6. Januar 2018

P.T. Barnum (Hugh Jackman) hat schon bessere Zeiten erlebt. Und schon wieder verliert er seinen Job, die Firma, in der er arbeitet, ist pleite. Seiner Frau Charity (Michelle Williams) verspricht er aber, dass er etwas Neues auf die Beine stellen würde. Tatsächlich hat er auch schon eine Idee: Er ruft “Barnum’s American Museum of Curiosity” ins Leben. Dabei handelt es sich um eine Schau mit Wachsfiguren und ausgestopften Tieren. Das Museum floppt, und seine Töchter wissen warum: Es ist ein totes Museum, da müsse Leben rein!
Sie treffen den Nagel auf den Kopf, und P.T. kümmert sich. Er sucht nach außergewöhnlichen, einzigartigen Menschen, die in seinem Museum auftreten könnten und so für eine außergewöhnliche Show sorgen. Er findet einen Kleinwüchsigen, eine Frau mit Bart, einen Mann mit Wolfsbehaarung und viele andere Menschen, die anders sind.
Es entsteht eine Revue-Show mit Akrobatik und Musik – mit Erfolg, aber nicht ohne Neider und Gegendemos. Als Barnums Assistent Phillip Carlyle (Zac Efron) verkündet, dass sie bei der Königin auftreten dürfen, scheint der Durchbruch gelungen.
Aber P.T. Barnum will mehr – ohne Rücksicht auf Verluste.

P.T. Barnum gab es wirklich, und von seinem Leben ist dieses Filmmusical von Michael Gracey inspiriert. “Greatest Showman” kann mit stimmigen, mitreißenden Songs begeistern. Der Text ist im Original belassen worden und auf Deutsch untertitelt. Dass die Songs irgendwie nicht zum Hintergrund des 19. Jahrhunderts passen wollen – nun ja, geschenkt, ist eben ein heutiger Film und in gewisser Hinsicht ja auch eine Art Märchen.
So ist es auch spannend zu beobachten, was vor mehr als 150 Jahren noch alles möglich war. Heute stehe eine solche Kuriositätenshow sicherlich unter einem anderen Stern. Andererseits erzählt die Geschichte aber auch davon, wie sich diese Menschen im Rampenlicht wohl fühlen, wie sie endlich zeigen können, was sie drauf haben und dass sie mehr sind als ihre außgergewöhnliche Hülle.
Schauspielerisch ist der Film auf hohem Niveau, die Musicaleinlagen machen Spaß. Wenn man die Hintergründe ein wenig außer Acht lässt, ist “Greatest Showman” gute Unterhaltung – wenn er auch an Musicals wie “La la Land” nicht heranreicht.

Greatest Showman
USA 2017, Regie: Michael Gracey
Fox, 105 Minuten, ab 6
8/10

RT im Kino

La Mélodie

Freitag, den 5. Januar 2018

Sie sind vorlaut, unverschämt und auch nicht gerade talentiert. Die Mädchen und Jungen einer Pariser Schulklasse sollen das Geigespielen lernen. Der Violinist Simon Daoud (Kad Merad) wird engagiert, um die Kinder zu unterrichten.
Natürlich hat er es schwer, denn sie sind kaum zu bändigen. Sie können sich schwer konzentrieren, immer wieder beleidigen sie sich gegenseitig und stacheln sich auf. Auch musikalisch kommen sie kaum zurecht.
Dabei gibt es echte Talente in der Gruppe. Arnold (Alfred Renely) zum Beispiel. Simon versucht, ihn und seine Mutter (Tatiana Rojo) besonders zu unterstützen.
Und ein Ziel hat die Klasse auch: Denn es ist ein großes Konzert geplant, mit dem Orchester der Schule vor sehr großem Publikum.

Ein bisschen erinnert “La Mélodie” natürlich an “Die Kinder des Monsieur Mathieu”. Denn auch dort ging es um Kinder, die von einem Lehrer musikalisch und menschlich erzogen werden. Während aber das “Vorbild” in vielerlei Hinsicht stark ist, hat “La Mélodie” leider viele Schwachpunkte. So ist die Geschichte zwar nie wirklich langweilig, aber eben auch seltsam simpel. Es fehlt ein wenig an wirklich Rundum-Geschichten – oder zumindest an Geschichten, die auch an ein Ziel gelangen.
An vielen Stellen ist der Film zudem nicht schlüssig. So gibt es am Ende das große Konzert mit einem Orchester, und der Dirigent scheinbar seine Geigenmusiker das erste mal zu sehen – das kann eigentlich nicht funktionieren. Auch gibt es Logikfehler. Schwach ist auch die Synchronisation, die scheinbar Probleme damit hatte, insbesondere die Kinderdialoge zu übersetzen. Die spontan wirkenden Einwürfe, wirken auf Deutsch manchmal ein wenig albern und stellenweise sogar überflüssig.
Auch gelingt es nicht, irgendwie eine musikalische Atmosphäre in den Film zu bekommen – was natürlich angesichts der eigentlich musikalischen Handlung echt mau ist.
Schade, aus diesem Stoff hätte man mehr machen können.

La Mélodie
Frankreich 2017, Regie: Rachid Hami
Prokino, 102 Minuten, ab 0
5/10

RT im Kino

Kino 2017

Sonntag, den 31. Dezember 2017

Die Kino-Hitliste des Jahres 2017 umfasst diesmal 71 Filme.
Bis Platz 41 haben die Filme mindestens eine 7/10-Bewertung, erstmals gibt es in diesem Jahr dreimal die 10/10-Wertung sowie sogar elfmal 9/10-Bewertungen. Bis Platz 14 sind es also absolute Top-Filme. Dafür ist aber auch die Flop-Liste so lang wie nie.

1. Aus dem Nichts
2. Sieben Minuten nach Mitternacht
3. La La Land

4. Dunkirk
5. Borg / McEnroe
6. Lion – Der lange Weg nach Hause
7. Manchester by the Sea
8. God’s own Country
9. Einsamkeit und Sex und Mitleid
10. Simpel
11. Begabt – Die Gleichung eines Lebens
12. Bob, der Streuner
13. Es
14. Berlin Syndrome

15. Boston
16. Miss Sloane
17. Get out
18. Mit siebzehn
19. Baby Driver
20. Jugend ohne Gott
21. Handsome Rebel
22. Moonlight
23. Berlin Rebel High School
24. Magical Mystery
25. Victoria & Abdul
26. Tim Thaler oder Das verkaufte Lachen
27. Den Sternen so nah
28. Zu guter Letzt
29. King Cobra
30. Expedition Hapiness
31. Daddy’s Home 2
32. Fack ju Göthe 3
33. Vorwärts immer!
34. Ich – Einfach unverbesserlich 3
35. Alien: Covenant
36. Dream Boat
37. The Founder
38. Life
39. Tigermilch
40. Hidden Figures – Unbekannte Heldinnen
41. Vier gegen die Bank

42. Spider Man: Homecoming
43. Star Trek – Episode VIII: Der letzte Jedi
44. Mein Blind Date mit dem Leben
45. High Society – Gegensätze ziehen sich an
46. Zwischen zwei Leben – The Mountain between us
47. Kundschafter des Friedens
48. Why him?
49. Whatever Happens
50. Baywatch
51. The Circle
52. Bailey – Ein Freund fürs Leben
53. Bullyparade – Der Film
54. Nichts zu verschenken
55. A United Kingdom
56. Einfach das Ende der Welt
57. Unter fremden Betten
58. Die Schöne und das Biest
59. Monsieur Pierre geht online
60. In Zeiten des abnehmenden Lichts
61. Split
62. Sommerhäuser

FLOPS:
71. Axolotl Overkill
70. A Ghost Story
69. Planet der Affen: Survival
68. Bibi & Tina: Tohuwabohu total
67. The Dinner
66. Killer’s Bodyguard
65. Die Blumen von gestern
64. Mord im Orient-Express
63. Fifty Shades of Grey: Gefährliche Liebe

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Axolotl Overkill

Donnerstag, den 28. Dezember 2017

Mifti (Jasna Fritzi Bauer) lebt mit ihren Halbgeschwistern in einer WG in Berlin. Ihre Mutter ist gestorben. Das Interesse ihres Vaters (Bernhard Schütz) ist nicht allzu groß, und sie muss nun irgendwie erwachsen werden. Oder irgendwie und überhaupt klarkommen. Sie geht auf Partys, verliebt sich, sie ist wild und traurig und legt sich mit den Erwachsenen an.

Das klingt erstaunlicherweise genauso langweilig wie es auch tatsächlich ist. “Axolotl Overkill” ist der Film nach dem Buch von Helene Hegemann, das einst von der Kritik gefeiert worden ist. Für den Film schrieb sie ebenfalls das Buch und führte gleich auch Regie.
Dass der Film hier und da relativ edel wirkt und von der Kamera gut aufgefangen worden ist, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass eigentlich nicht wirklich was passiert. Und das, was passiert, kann man sich genauso auch jeden Tag auf RTL II ansehen.
Leider der Filmflop des Jahres.

Axolotl Overkill
D 2016, Regie: Helene Hegemann
Constantinfilm, 90 Minuten, ab 12
1/10

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Dieses bescheuerte Herz

Freitag, den 22. Dezember 2017

Eine neue Lederjacke. Einen Song aufnehmen. Einen Sportwagen fahren. Einem Mädchen Rosen schenken. Sich in ein Mädchen verlieben. In einer Limousine fahren. Die Mutter glücklich machen.
Das sind einige der Wünsche, die der 15-jährige David (Philipp Schwarz) noch hat. Viel Zeit, alle diese Wünsche umzusetzen hat er nicht. Er ist herzkrank. Und es sieht nicht gut aus.
Aber dann tritt Lenny (Elyas M’Barek) in sein Leben. Was David nicht weiß: Für Lenny ist es eine Strafe. Sein Vater (Uwe Preuss) ist Chefarzt, und weil Lenny nichts auf die Reihe kriegt, verdonnert er ihn, sich um David zu kümmern. Dazu, eine Aufgabe zu haben.
Tatsächlich freunden sich David und Lenny an. Sie stellen einiges an – wohlwissend, dass es für David auch gefährlich werden kann.

Im Windschatten von “Fack ju Göhte 3″ kommt M’Bareks nächster Film ins Kino. In Marc Rothemunds “Dieses bescheuerte Herz” muss sich Lenny gehörig zusammenreißen. Dem 34-Jährigen scheint alles egal zu sein, und dann trifft er aber auf den 15-Jährigen, der unbewusst seine erstaunliche leere Welt mit neuen Weisheiten füllt.
Allerdings braucht der Film ein bisschen, denn gerade in den ersten Minuten besticht er durch erstaunlich hölzerne Dialoge. Gerade Uwe Preuss wirkt seltsam steif, und überhaupt hat man an vielen Stellen im Film den Eindruck, dass das Drehbuch eins zu eins wiedergegeben ist, dort aber Sätze drin seien, die sich merkwürdig anhören. An einigen Dialogen hätte noch dringend gefeilt werden müssen.
Aber dennoch ist der Film fesselnd. Das liegt natürlich an der Geschichte selbst, aber auch an den Hauptdarstellern plus Nadine Wrietz, die Davids Mutter spielt. Es ist toll zu sehen, wie Lenny mit dem todkranken Jungen umgeht, nämlich unbekümmert. Was einerseits an Lennys Lebensstil liegt, aber später auch daran, dass er merkt, dass das dem Jungen gut tut.
Ein rührender, im wahrsten Sinne herzensguter Sinn – perfekt zu Weihnachten!

Dieses bescheuerte Herz
D 2017, Regie: Marc Rothemund
Constantinfilm, 106 Minuten, ab 0
7/10

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Pitch Perfect 3

Donnerstag, den 21. Dezember 2017

(2) -> 17.9.2015

Auf in die letzte Runde! Noch einmal wollen es die Bellas wissen. Der A-cappella-Chor hat zwar im Grunde alles gewonnen, was möglich ist, aber das ist nun inzwischen ein bisschen her. Sie haben das College verlassen, und nun müssen sie sich in der Arbeitswelt beweisen. Das funktioniert bislang eher nicht so gut. Hinzu kommt: Sie vermissen sich, die Mädels. Beca (Anna Kendrick), Fat Amy (Rebel Wilson) und die anderen wollen wieder gemeinsam singen.
Da kommt ihnen ein neuer Wettbewerb gerade recht. Die US-Army gestaltet Unterhaltungsshow für Soldaten im Ausland. Die Bellas sollen mitmachen – und dann sucht DJ Khaled auch noch eine Vorband für seine Tour. Problem für die Bellas: Sie müssen sich gegen andere Künstler durchsetzen, die nicht a-cappella singen und musizieren.

Im dritten Teil der “Pitch Perfect”-Reihe verlassen die Macher ihr ursprünglich Metier. Ging es doch vor allem immer um die Wettkämpfe von Chören, die ohne Instrumente singen, aber trotzdem klingen, als hätten sie welche. Insbesondere in Teil 1 war das noch etwas Besonderes, und der Film lebte gerade von dieser Musik.
Deshalb wirkt es in Teil 3 auch extrem albern, als sich die Bellas anfangs darüber aufregen, dass die anderen Strom und Instrumente verwenden. Wie überhaupt leider viele Gags einfach nur dämlich sind.
Am schlimmsten in diesem Film sind der Reporter und die Reporterin, die die Chor-Wettbewerbe schon kommentiert haben. Sie reisen überallhin mit, um einen Film zu drehen, tun aber immer so, als seien sie live auf Sendung. Rundum dusslig und unlustig. Selten waren Filmfiguren so überflüssig.
Erstaunlich ist es auch, dass die Bellas quasi von heute auf morgen ihre Auftritte absolvieren und dafür nicht mal üben müssen.
Aber nach dem ziemlich nervigen ersten Teil nimmt der Film spätestens im letzten Drittel doch noch Fahrt auf und wird doch noch ganz unterhaltsam – aber da hat er gerade noch so die Kurve gekriegt.

Pitch Perfect 3
USA 2017, Regie: Trish Sie
Universal, 93 Minuten, ab 6
6/10