RT im Kino

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The Circle

Dienstag, den 19. September 2017
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Mae Holland (Emma Watson) mag ihren Job nicht besonders. Deshalb ist die Freude auch groß, als sie die Chance bekommt, in einem Mega-Unternehmen zu arbeiten: als Online-Bearbeiterin bei “The Circle”. Dabei handelt es sich um einen Konzern, dessen Ziel es ist, alles öffentlich zu machen, was das Leben so hergibt. Die Menschen sollen auf der Internetplattform, in der App, alles preisgeben. Ihr Leben, ihre Jobs, Hobbys, Freunde – alles. Und auch der Konzern macht alles, um es den Mitarbeitern einfach zu machen: Partys auf dem Campus, Übernachtungsmöglichkeiten – dafür aber müssen sich alle dem Circle komplett hingeben. Es geht um die permanente Optimierung.
Eines Tages bringt Firmengründer Eamon Bailey (Tom Hanks) Mae dazu, ihr komplettes Leben online zu führen – man kann immer live dabei sein, bei allem, was sie tut. So soll auch die Politik beeinflusst werden – dem Circle geht es im Grunde um eine Art Weltmacht. Aber Mae beginnt bald zu zweifeln.

“The Circle” ist die Verfilmung des grandiosen Romans von Dave Eggers. Allerdings ist es dem Team um James Ponsoldt nur sehr begrenzt gelungen, die Geschichte auf die Leinwand zu bringen. Klar, der Grusel ist da: die mächtige Internetfirma, in dessen Strudel Mae gerät. Und die Komplettüberwachung, die bald ihre Tücken aufzeigt. Dennoch deutet der Film nur an, was die Geschichte eigentlich erzählt. Ihm fehlt die Atemlosigkeit, die der Social-Media-Stress bei Mae auslöst. Ihm fehlt der Psychoterror, den der Circle ausübt – alles wird nur angedeutet. Damit geht ihm aber eine nicht ganz unwichtige Botschaft verloren – wie wir alle in die Fänge des Internets geraten, wie das bei uns allen immer mehr Stress auslöst. Der Film reißt alles nur an, dadurch wirkt vieles leider sehr abstrakt – wie Science-Fiction. Dabei ist “The Circle” erschreckenderweise keine Science-Fiction. Die Wucht, die die Story hat, kann der Film leider kaum entfalten. Mae wirkt so schablonenhaft.
Hinzu kommt, dass insbesondere die Nachtszenen auf dem Wasser, bei denen Mae in Seenot gerät, unglaubwürdig wirken – im Studio aufgenommen.
Vielleicht sehen Leute, die das Buch kennen, den Film anders. Leser jedoch werden eher enttäuscht sein.

The Circle
USA 2017, Regie: James Ponsoldt
Universum, 110 Minuten, ab 12
6/10

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Magical Mystery

Samstag, den 9. September 2017
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Deutschland, Mitte der 90er. Die gute, alte Zeit des Technos. Als in den großen Hallen zum Rave getanzt worden ist, als sich Tausende zu den Beats bewegten.

Karl Schmidt (Charly Hübner) begleitet seine alten Freunde auf einer Deutschland-Tournee. Er war nach einem depressiven Zusammenbruch in der Nervenklinik, und in der Zwischenzeit sind seine Leute zu echten Technogrößen geworden. Ihr Plattenlabel bringt ordentlich Geld ein, nun sind sie auf “Magical Mystery”-Tour.
Karl fährt den Bus und muss sich um die ganze Truppe (u.a. Detlev Buck, Jacob Matschenz, Leon Ullrich, Sarah Bauerett) kümmern. Im ziemlich schlaflosen Alkohol- und Drogenrausch muss schließlich einer nüchtern sein. Dabei hat allerdings auch Karl so seine Schwierigkeiten, mit dem allem klarzukommen.

“Magical Mystery” ist eine musikalische Zeitreise in die 90er. Der Film gibt einen kleinen Einblick in die damalige Technoszene, er zeigt die kaputten und kreativen Typen, die in den Tag hinein gelebt haben, auch mal besoffen und bedröhnt am Pult gestanden haben und mit billig-bekloppten Songs riesigen Erfolg hatten.
Arne Feldhusen, Spezialist für leisen und hintergründigen Humor, sorgt auch bei diesem Film für eine sehr gute Mischung aus Humor und Satire, Emotionen, Gefühlen und einfach schönen Momenten, die man auf der Leinwand einfach gerne verfolgt.
Es ist einfach schön, diese mitunter kaputten Typen auf dieser Reise zu begleiten, auch wenn sie zwischendurch Mist bauen, blöd sind oder Unsinn treiben.
Charly Hübner spielt den unfreiwilligen Gruppenführer mit viel Witz, Jacob Matschenz wirkt zwar manchmal ein wenig überdreht, ist aber einmal mehr der sympathische Chaot. Dazu Detlev Buck als leicht irrer Labelchef.
Insgesamt ein Film, der für Erinnerungen sorgt, mit der einen oder anderen guten 90er-Musik – zwei Stunden weg vom heutigen Alltag.

Magical Mystery
D 2017, Regie: Arne Feldhusen
DCM, 111 Minuten, ab 12
8/10

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Begabt – Die Gleichung eines Lebens

Freitag, den 8. September 2017

Schule? Darauf hat Mary (Mckenna Grace) ja überhaupt keine Lust. Aber der Siebenjährigen lässt Frank (Chris Evans) keine Wahl. Er könne ihr nichts mehr beibringen, sagt er. Frank nicht nicht Marys Vater, sondern ihr Onkel. Marys Mutter hat sich das Leben genommen, als das Mädchen ein halbes Jahr alt war. Frank hat das Kind damals zu sich genommen.
In der Schule stellt die Lehrerin sehr schnell fest, dass Mary kein normales Kind ist. Mary ist hochbegabt, und sie braucht anderen Unterricht an einer anderen Schule. Das Kind würde sogar ein Stipendium bekommen – aber Frank lehnt ab. Er möchte, dass Mary als normales Kind aufwächst. Aber ist das wirklich das Richtige für sie? Braucht Mary nicht doch eine spezielle Förderung. Als sich Franks Mutter (Lindsay Duncan) nach langer Zeit wieder meldet, entwickelt sich um diese Frage ein Streit. Aber auch Frank ist sich nicht sicher, was das Beste für Mary ist.

“Begabt – Die Gleichung eines Lebens” ist ein berührender und spannender Film. Er erzählt von einem Familienschicksal, aber von Chancen, die das Leben bietet. Denn die Frage, die sich Frank stellt, ist, was er aus dem Leben seiner Ziehtochter machen soll. Soll er sie ausschließlich vor den Anstrengungen behüten? Soll er ihr ein mögliches Leben, das ihr eine Karriere bietet, vorenthalten? Wie Frank diese Frage beantwortet, das ist fast durchweg packend.
Das liegt aber auch an den tollen Darstellern – allen voran die kleine Mckenna Grace, die das begabte Mädchen hinreißend darstellt. Sie spielt eine begabte Mathematikerin, und Grace ist definitiv eine begabte Schauspielerin. Aber auch Chris Evans kann als zweifelnder Erwachsener überzeugen.
“Begabt” ist Erzählkino vom Feinsten!

Begabt – Die Gleichung eines Lebens
USA 2016, Regie: Marc Webb
Fox, 101 Minuten, ab 6
9/10

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Killer’s Bodyguard

Donnerstag, den 7. September 2017

Eigentlich sind sie die totalen Feinde, und sie haben sich jahrelang sehr hart bekämpft. Jetzt müssen Michael (Ryan Reynolds) und Darius (Samuel L. Jackson) an einem Strang ziehen. Michael ist Bodyguard, Darius ein Auftragsmörder. Nun aber wird der von einer weißrussischen Killertruppe gejagt. Die beiden müssen sich nun von England nach Den Haag durchschlagen, und es ist ein großes Abenteuer.

Leider weniger für den Zuschauer. “Killer’s Bodyguard” braucht leider recht lange, um überhaupt zu dem Punkt zu kommen, an dem die so genannte Bodygeschichte erzählt wird. Und so richtige Spannung kommt auch im Laufe der Zeit nicht so richtig auf. Da können auch Ryan Reynolds und Samuel L. Jackson wenig retten. Das Actionschema in diesem Film ist bekannt, die Mischung aus Komödie und Drama funktioniert in diesem Fall aber nur selten. So mühen sich die beiden Hauptdarsteller in diesem Müden Plot ab, der alles in allem viel zu viel Langeweile erzeugt.

Killer’s Bodyguard
USA 2017, Regie: Patrick Hughes
Fox, 119 Minuten, ab 16
3/10

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Jugend ohne Gott

Dienstag, den 5. September 2017

Irgendwann in der Zukunft. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft weit auseinander, inzwischen haben sich auch in deutschen Städten Slums gebildet. Die Eliten bleiben unter sich – in privaten Schulen, in denen Leistung, Unterwürfigkeit und Geld zählt.
In einem Assessment-Camp wird eine Gruppe Jugendlicher gedrillt, die müssen Punkte sammeln, um die Prüfungen so gut wie möglich abzuschließen.
Zach (Jannis Niewöhner) gilt als schwierig, und das nicht nur, weil sein Vater kürzlich Selbstmord begangen hat. Er ist aufmüpfig, steht für sich und andere ein, akzeptiert keine Ungerechtigkeiten. Als Nadesh (Alicia von Rittberg) angeblich sein Tagebuch stiehlt, gerät die Lage außer Kontrolle. Nadesh wird ermordet. Wer aber war es? Zach, wegen des Tagebuches? Oder das Mädchen Ewa (Emilia
Schüle), eine so genannte Illegale, die etwas mit Zach hatte? Und was hat der Lehrer (Fahri Yardim) mit allem zu tun?

Schon einmal, 1991, gab es eine Verfilmung von “Jugend ohne Gott”, einem Buch von Ödön von Horvath. Aus heutiger Sicht ist die recht dröge. Das kann man von der 2017er-Version nicht sagen, auch wenn vermutlich nur die Motive des Horvath-Buches übrig geblieben sind.
Der Film zeigt einerseits, wie das Leben aussehen könnte, wenn sich Arm und Reich immer weiter voneinander entfernen. Es geht aber vor allem darum, wie sehr man sich für andere Menschen einsetzt. Oder ob man, der eigenen Sicherheit wegen, den vermeintlich einfachen Weg geht und für den Obrigkeiten kuscht.
Leider beginnt der Film seltsam spröde. Was nämlich am Anfang noch nicht klar ist: Die Geschichte wird aus drei Blickwinkeln erzählt. Aus der von Nadesh, von Zach und aus der des Lehrers. Der Auftakt mit Nadesh ist dabei schauspielerisch recht hölzern. Mit dem Wechsel der Perspektive zu Zach wird “Jugend ohne Gott” aber extrem packend und spannend. Denn nach und nach wird erst
klar, wie man diverse Aspekte der Geschichte bewerten soll – und das macht diesen Film dann doch sehr reizvoll.

Jugend ohne Gott
D 2017, Regie: Alain Gsponer
Constantinfilm, 114 Minuten, ab 12
8/10

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Bailey – Ein Freund fürs Leben

Dienstag, den 22. August 2017
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Hunde haben eine Seele, und die überdauert ein Hundeleben – sondern wandert nach dem Tod auf den nächsten Welpen weiter. Und lebt und lebt und lebt.
Ja, ein Märchen. “Bailey – Ein Freund fürs Leben” ist ein Märchen.

Bailey (Stimme: Florian David Fitz) ist ein Golden Retriever. Als Welpe kommt er in die Familie des achtjährigen Ethan (K. J. Apa/Bryce Gheisar). Die beiden sind unzertrennlich, und als Ethan ein Jugendlicher ist, ist der Hund auch noch mit ihm und seiner freundin unterwegs. Ein schönes Hundeleben – bis Bailey stirbt.
Aber die Seele lebt weiter. Und lernt viel. Er ist Polizeihund, und er kommt zu Leuten, die ihn gar nicht wollen. Und eines Tages kommt er in eine Gegend, die ihm bekannt vorkommt. Hat er sein allererstes Zuhause gefunden, seinen Seelenmenschen?

“Bailey” ist ein freundlicher Familienfilm für alle, die Hunde lieben. Der Hund tollt herum. Der Hund baut Mist. der Hund wundert sich über die Menschen. Der Hund ist lustig. Der Hund ist nachdenklich. Und dann stirbt er. Und alles wieder vorn vorn.
Der Film von Lasse Hallström ist eine einzige Emotion. Alles ist süß und putzig.
Das ist erst mal nicht negativ. Aber letztlich dann doch ein bisschen wenig. Zumal der Hund an einigen Stellen als dämlicher dargestellt, als er normalerweise ist. Hunde können Stimmungen sehr viel besser erfassen, als es hier den Eindruck macht.
Dass die Seele immer weiter übertragen wird, ist eine nette Idee, wirkt aber doch irgendwie beliebig und ist nicht erklärbar. Ein Märchen eben, ein sehr harmloses.

Bailey – Ein Freund fürs Leben
USA 2016, Regie: Lasse Hallström
Constantin, 96 Minuten, ab 0
6/10

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Bullyparade – Der Film

Montag, den 21. August 2017

Lissi -> 25.10.2007

20 Jahre nach dem Start der “Bullyparade” auf ProSieben und zehn Jahre nach dem letzten Kinofilm aus der Reihe – “Lissi und der wilde Kaiser” – kommt nun das Gesamtwerk: “Bullyparade – Der Film”.
Eigentlich handelt es sich dabei um eine Anreihung von Kurzfilmen, die nichts miteinander zu tun haben.

Jens und Jörg Kasirske reisen mit ihrem Trabi in die Vergangenheit. Sie wollen den Auftritt von David Hasselhoff Silvester 1989 am Brandenburger Tor in Berlin verhindern. Deshalb besuchen sie am 9. November 1989 die Pressekonferenz von Schabowski.
Nach 15 Jahren treffen sich Winnetou und Old Shatterhand wieder. Letzterer betreibt einen Bootsverleih in der Wüste. Winnetou will Anette heiraten. Aber ihr Vater will nur Winnetous Ländereien, und auch Old Shatterhand ist in Schwierigkeiten.
Auf Reisen kommen Sissi, Franz und der Feldmarschall auf ein Schloss. Das passt ihnen gut, denn Franz will ein Schloss für seine Frau kaufen. Dieses Schloss aber ist unheimlich.
Lutz und Löffler wollen in New York dem Knast entgehen, ihnen fehlen 60 Dollar wegen Schwarzfahrens. Sie berichten, wie es dazu kam.
Kork, Spuck und Schrotty vom (T)Raumschiff Surprise müssen den Planeten der Frauen vor einem fiesen Typen schützen. Keine leichte Aufgabe.

Es gibt Kritiker, die dieses Sammelsurium in Grund und Boden schreiben. Dabei ist “Bullyparade – Der Film” relativ unterhaltsam. Dabei kann allerdings nicht jede der fünf Geschichten überzeugen. Relativ schwach zum Beispiel ist das Sissi-Kapitel. Da spielen Michael “Bully Herbig”, Christian Tramitz und Rick Kavanian ihre Rollen zwar auch ganz lustig, aber inhaltlich passiert nur wenig. Da hätte man mit Sissi mehr machen können.
Es ist andererseits aber auch das Plus des Films, dass keine durchgehende Handlung erzählt wird, sondern fünf Kurzgeschichten. Was bedeutet, dass nach einer guten Viertelstunde die Chance besteht, dass wieder mehr Interessantes geschieht. Andererseits hat man sich aber scheinbar auch keine Mühe gegeben, ob man die Geschichten hätte nicht doch irgendwie verbinden oder vermischen können. Am Ende muss zudem der Film noch so kurz gewesen sein, dass man die Outtakes noch rangeschnitten hat – und die noch nicht mal Teil des Abspanns sind.
Zumindest ist es Bully und seinem Team gelungen, den Film nicht wie eine Retro-Parade wirken zu lassen. Die Figuren sind teilweise weiterentwickelt worden, es herrscht kein Stillstand.
Dennoch können längst nicht alle Gags zünden, richtige große Lacher gibt es kaum, aber immerhin viele Schmunzler. In Nebenrollen sind wieder viele Promis zu sehen: Sky DuMont, Alexander Schubert, Matthias Schweighöfer, Lena Meyer-Landrut, Stefan Mross, Til Schweiger, Elyas M’Barek und viele mehr.
Gebraucht hat es dieses Revival vermutlich nicht, weh tut es aber auch nicht.

Bullyparade – Der Film
D 2017, Regie: Michael Herbig
Warner, 100 Minuten, ab 6
6/10