RTelenovela

Mein Tag mit mir

RTelenovela

Konradshöhe

Freitag, den 5. Juni 2020
Tags:

An meinem freien Tag hatte ich endlich mal wieder Zeit, mich relativ ziellos treiben zu lassen. Ich war in Berlin unterwegs, hatte noch etwas Zeit bis zu meinem nächsten Termin und fuhr abseits der Stadtautobahn.
So fuhr ich von Tegel aus in Richtung Heiligensee. Da, wo Berlin dann schon besonders grün und waldig wird. Da, wo man gar nicht mehr davon ausgeht, dass man sich immer noch in einer Großstadt befindet.

Ich machte das gerne mal: Irgendwo hinfahren, an ein Ziel, das ich nicht kenne. So bog ich an einer Kreuzung einfach mal ab – nach links, in Richtung Konradshöhe.
Ich habe von diesem Ort schon mal gehört, aber ich war noch nie dort. Ich musste sogar im Nachhinein auf Google-Maps mal schauen, wo sich Konradshöhe eigentlich befindet. Nämlich westlich von Tegel und unterhalb von Heiligensee, direkt an der Havel.

Konradshöhe gehört zu Reinickendorf und wirkt eigentlich eher wie eine kleine Gemeinde in der westdeutschen Provinz. Eine breite Straße mit Häusern und Läden, und im Herzen des Ortes ein kleines Zentrum mit einem Park in der Mitte. Der Falkenplatz. Auch dort: Nix Großstadt, sondern alles ganz entspannt. An einer Seite ist ein großer Spielplatz.

Als ich wieder losfahre, führt mich mein Weg in Richtung Heiligensee immer am Wasser entlang. Auch eine Gegend, die mir vollkommen neu war. Sogar einen kleinen Strand gab es an der Grenze zwischen Konradshöhe und Heiligensee. Über eine Brücke ging es weiter in Richtung Stadtgrenze, und es wirkte wie ein paar Minuten Urlaub.

Hits: 35

RTelenovela

Moabit – das neue Berlin

Donnerstag, den 4. Juni 2020
Tags:

Berlin-Moabit boomt. Wenn man durch den Stadtteil der Hauptstadt fährt, staunt man, wie dort in den vergangenen Jahren ein neues Wohngebiet nach dem anderen aus dem Boden gestampft worden ist.

In der Lehrter Straße zum Beispiel. Eine ganze Reihe neuer Hochhäuser steht dort, und dahinter entstehen gerade weitere. Es nimmt kein Ende. Mit den Häusern sind ganze neue Plätze entstanden, quasi ein neuer Kiez mit Läden, einem Café und Sitzmöbeln. Dieser Kiez muss noch wachsen, alles sieht noch steril aus. Aber in 20 Jahren wird keiner mehr wissen, dass diese Gegend auf der Wiese entstanden war.

Noch krasser ist die Entwicklung entlang der B96 in der Heidestraße, ebenfalls in Moabit. Auch dort entsteht ein vollkommen neues Stadtviertel, das Quartier Heidestraße.
Auf der westlichen Seite der Straße standen vormals diverse flachere Gebäude. Werkstätten, kleine Läden, Kneipen, auch Wohnhäuser. Es war ein Stück altes Berlin. Runtergekommen. All das ist nach und nach abgerissen worden, einige wenige dieser Gebäude stehen noch.
Auf der anderen Seite sind schon viele Neubauten entstanden. Die Tankstelle, die mal auf einem freien Feld stand, ist nun Teil eines Wohngebietes, und schon jetzt hat sich der Charakter dieser Straße komplett geändert. Die Brache ist keine mehr.

Hits: 65

RTelenovela

Essen gehen in Zeiten des Coronavirus

Dienstag, den 2. Juni 2020
Tags: , ,

Man kann wieder essen gehen, sich in Restaurants setzen. Aber das Coronavirus sorgt immer noch für Sicherheitsmaßnahmen. Allerdings ist zu beobachten, dass sich die verschiedenen Lokale unterschiedlich darauf einrichten.

Bei McDonald’s in Sachsenhausen müssen neuerdings sogar Zettel ausgefüllt werden. Name, Adresse, Telefonnumer und Aufenthaltszeit. So, wie vorgeschrieben. Das Personal muss Mund- und Nasenmaske tragen, das Essen muss auf dem Tablett kommen, der Kunde muss sich alles runternehmen.
Aber man hört schon von diversen Leuten, die diverse Lokale besuchen, dass die Regeln, nun ja, unterschiedlich ausgelegt werden. Da gibt es das Lokal in Oranienburg, wo man diese Zettel nicht ausfüllen muss.

Wir waren nun auch wieder mal essen – erstmals nach fast drei Monaten. Das Lokal im Oranienburger Ortsteil ist zumindest auf der Außenterrasse ziemlich voll. Die Abstände zwischen den Tischen werden aber eingehalten.
Irgendeine Datenaufnahme spielt keine Rolle, es interessiert keinen, wer wir sind. Die Kellner tragen eine Maske, wenn auch einige nur über den Mund. Die einen stellen das Getränketablett auf den Tisch, damit sich alles alles nehmen können, die anderen machen es wie vorher, stellen alles selbst hin. Eine Linie scheint es nicht mal im Lokal zu geben. Und auch der Salat vorab fällt weg – wobei wir uns nicht sicher sind, ob es an den Coronaregeln liegt, oder ob er vergessen worden ist. Auf der Karte ist er nicht durchgestrichen. Die Karten sind übrigens dieselben wie immer, ob sie nach Benutzung gesäubert werden, bezweifele ich. Die Tischdecke wird, wenn die Leute gegangen sind, einmal gewendet. Wie es nach den weiteren Besuchern ist – keine Ahnung.

Es gibt also irgendwie Regeln. Aber eigentlich nimmt das keiner so richtig ernst – mal abgesehen von der einen oder anderen Maske und den Abständen. Hoffentlich geht das gut.

Hits: 103

RTelenovela

Christo, der Mann, der den Reichstag verpackt hat

Montag, den 1. Juni 2020
Tags: , ,

Christo ist tot. Er starb mit 84 Jahren am Pfingstsonntag in New York.
Und sofort denke ich an den Sommer 1995. Damals, vor 25 Jahren, als er mit seiner Frau Jeanne-Claude den Reichstag verpackt hat.

Es war Montag, der 26. Juni 1995, als ich mit einem Freund und meiner Videokamera nach Berlin fuhr und am Reichstag ins Staunen kamen.
Der Reichstag führte zu dieser Zeit noch mehr oder weniger ein Schattendasein. Wir standen schon mal davor, am Abend des 2. Oktober 1990. Vor dem Reichstag erlebten wir die Minute der deutschen Einheit, wir waren dabei, und es war ein großer Augenblick, als um Mitternacht die deutsche Fahne gehisst worden ist. Es war der 3. Oktober 1990, als wir den Platz wieder verließen und wir nach Oranienburg zurückkehrten, die Heimatstadt, die nun nicht mehr in der DDR lag, sondern seitdem in der Bundesrepublik Deutschland.

1995 war klar, dass Berlin wieder Regierungssitz wird. Der Reichstag sollte wieder der Ort für den Bundestag werden, dafür musste er entkernt und innen neu aufgebaut werden.
Doch davor kamen Christo und Jeanne-Claude. Seit 1971 versuchte das Künstlerpaar, sich mit ihrer Idee, den Reichstag in Berlin zu verhüllen, durchzusetzen. Es gelang ihnen erst 1994. Damals stimmte der Bundestag ab. 1995 war es dann soweit.

Und dann standen wir davor. Und staunten. Und fassten den Stoff an. Ich war noch mal mit meiner Klasse dort, kurz vor Schuljahresende der 10. Klasse. Und selbst diese Truppe schien ziemlich fasziniert gewesen zu sein von dem, was sich ihnen – uns – da bot. Später war ich am Abend noch mal mit meinen Eltern da.
Es war nicht nur das verhüllte, eingepackte Gebäude. Auch wenn das schon ein großer Anblick war. Wie der Stoff sich sanft im Wind bewegte. Wie die Formen des Gebäudes zu sehen waren – und doch nicht zu sehen waren.
Es waren auch die Menschen. Es herrschte eine sehr besondere Stimmung auf dem Platz. Die Leute kamen, sie guckten, sie staunen. Sie saßen auf der Wiese, unterhielten sich, sie spielten, sie machen Musik. Viele Leute machten Musik, am Abend spielten oft kleine Bands, dazu das Licht, das den Reichstag anstrahlte.
Es war wohl das friedlichste, ungeplante Volksfest – ganz ohne Rundum-Attraktionen, nur das Kunstwerk selbst – das Berlin je erlebt hat.

Diese Kunst, diese Tage, diese Erlebnisse, diese Eindrücke, diese Erinnerungen haben uns Jeanne-Claude und Christo geschenkt. Sie starb 2009. Nun ist ihr Christo gefolgt. Zwei große Künstler sind nicht mehr da. Die Bilder von damals bleiben.

Hits: 155

RTelenovela

Konzerte in Zeiten des Coronavirus

Sonntag, den 31. Mai 2020
Tags: , ,

Dass ich den Besuch eines Autokino-Konzertes grundsätzlich etwas albern finde, erwähnte ich ja schon. Es macht mir, wahrscheinlich hat das auch was mit dem Alter zu tun, auch immer weniger Spaß, zu normalen Konzerten zu gehen. Vor allem, wenn man ewig rumstehen muss, eh überhaupt was passiert. Ich bin ja dann eher derjenige, der Sitzplatzkarten kauft und frühestens zum angegeben Beginn-Zeitpunkt erscheint. Wenn nicht gar später, weil mich Vorbands nicht interessieren. Aber ich kann auch mit Menschenmassen nicht mehr allzu viel anfangen, und eigentlich ist es ja auch ganz schön, wenn man seine Lieblingsmusik einfach zu Hause lauter aufdreht und dazu tanzt.

Aber Konzerte sind ja momentan nicht möglich. Coronavirus und so. Aber die Musiker wollen ja trotzdem auftreten, und deshalb ist man auf die Idee gekommen, Auto-Konzerte zu geben. In Autokinos oder auf größeren Parkplätzen werden Bühne und Leinwand aufgebaut. Der Musiker oder die Band stehen vorne, die Zuschauer sitzen in ihren Autos. Den Konzertton bekommen sie aus dem Autoradio. Und Hupen ist Applaus.
Nun ja. Das muss man mögen. Man sitzt also im Auto, und irgendwo da vorne ist die Bühne, wo jetzt singt und spielt, auf einer Leinwand sitzt man vielleicht noch mehr, und der Ton kommt aus dem Radio.
Da kann man sich eigentlich auch eine CD einlegen.

Aber einmal kann man das ja trotzdem mal miterleben. Dachte ich. Also schaute ich mal, wer so in nächster Zeit im Autokino Berlin in Schönefeld auftritt. Nico Santos tritt da demnächst auf.
Was kann so was kosten? Nico Santos aus dem Autoradio singen hören, während er selbst irgendwo dahinten steht, wir ihn aber nicht so richtig live hören?
Das Ergebnis fand ich, nun ja, atemberaubend. Das Ticket für ein Auto mit zwei Personen kostet 102,77 Euro. Für drei Personen 119,25 Euro. Wobei die dritte Person dann ja hinten sitzt und noch weniger sieht.
Also über 50 Euro pro Person, wenn man zu zweit hinfährt. Für ein Konzert… nun ja, siehe oben.
Nein. Ganz sicher nicht. Für das Geld habe ich eine bessere Verwendung.

Hits: 154

RTelenovela

Viele Menschen in Zeiten des Coronavirus

Freitag, den 29. Mai 2020
Tags: ,

Es ist schon seltsam. Normalerweise ist der Anblick von Menschenansammlungen ja vollkommen unspektakulär. Aber wir leben seit drei Monaten in einer Sondersituation, und dazu gehört: Abstand halten. Dazu gehörte auch wochenlang, dass man quasi niemand anderen treffen durfte. Und daran hat man sich irgendwie gewöhnt.
Dazu führt schon dazu, dass man sich Serien und Filmen aus der Zeit vor dem Coronavirus anschaut, und immer wieder zuckt man innerlich zusammen, enn man sieht, wie sich zwei Leute umarmen oder sich die Hand geben. Sofort denkt man: Dürfen die das?

Am Donnerstag bin ich mit dem Auto durch Oranienburg gefahren. An der kleinen Kneipe in der Innenstadt saßen draußen an den Tischen ziemlich viele Leute. Die Tische hatten sicherlich genug Abstand, aber viele der Tische waren mit vier Leuten und mehr besetzt. Früher wäre das normal gewesen, heute sieht man das mit gemischten Gefühlen – vermutlich grundlos.
Ein paar Hundert Meter weiter, beim Italiener, saßen draußen ebenfalls viele Leute an den Tischen. Und wieder dieser Gedanke. Wir werden uns daran auch wieder gewöhnen. Aber es ist doch bemerkenswert, dass wir uns daran erst wieder gewöhnen müssen.

Hits: 177

RTelenovela

Autokult in Zeiten des Coronavirus

Dienstag, den 26. Mai 2020
Tags: , , ,

Wisst ihr noch, damals, als wir in Oranienburg ständig im Stau gestanden haben? Als wir den Bereich zwischen Eisenbahnbrücke und Breite Straße im Schneckentempo befahren haben?
In der Hinsicht hatte die Coronakrise ja auch was Gutes – wenn man doch mal irgendwo hin musste, da war die Oranienburger Innenstadt immer frei. Und dir wird sicherlich die Vergangenheitsform im letzten Satz aufgefallen sein. Denn am Montag fühlte ich mich an alte Zeiten erinnert, als ich plötzlich in der Breiten Straße stand und es nicht mehr weiter ging. Im Schritttempo bis zum Schloss und über die Schlossbrücke. Stau auf beiden Seiten.
Eine der wenigen Tatsachen, die ich in den vergangenen Monaten nicht wirklich vermisst habe.

Aber das Auto erlebt eine neue Relevanz: Plötzlich gibt es wieder Autokinos, die plötzlich hier und da eröffnen, weil man ja ins richtige Kino (noch) nicht kann. Demnächst öffnet eins in Nauen, allerdings überwiegend mit Uralt-Filmen. Und es gibt Konzerte, bei denen die Musiker auf einem Parkplatz vor Hunderten Autos spielen. Gerade Letzteres wirkt aber schon ein bisschen bekloppt. Da spielen die Leute vor einer Blechlawine, und es wird nicht geklatscht, sondern gehupt. Und dass man dafür dann wahnsinnig viel Geld ausgibt – muss man ja nicht zwingend verstehen…

Hits: 178