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Mein Tag mit mir

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Warten und gucken – aber niemand kommt weiter

Montag, den 18. Februar 2019
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Da in Oranienburg ja vor allem auf Autofahrer Rücksicht genommen wird, müssen Fußgänger eben warten. An der Bernauer Straße zum Beispiel.

Früher war es ja mal so, dass man an der Fußgängerampel in Höhe der Liebigstraße auf das Knöpfchen gedrückt hat, und wenig später durfte man über die Straße laufen. Das ist nun anders. Wegen der Grünen Welle für die Autofahrer. Also, für die, die eh im Stau stehen und von der Grünen Welle träumen.
Wer also auf’s Knöpfchen drückt, muss warten. Ewig! Mehr und mehr Leute gesellen sich an der Ampel. Alle stehen blöd rum und gucken. Es bleibt beharrlich Rot. Autos fahren auch nicht, die stehen ja im Stau. Fußgänger gucken nun also die Autofahrer an, die auch nicht weiter kommen. Grotesk!
Und man kann ja nicht mal rebellisch bei Rot über die Ampel gehen, weil man dann ein mieses Vorbild für die Kinder ist, die dort ja ebenfalls warten.

Erst nach mehreren Minuten schaltet die Ampel gnädigerweise auf Grün. Einfach nur ätzend! In der Zeit hätte man längst zum Ortsausgang schlendern können.

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Überraschungsevent (27): Frühschoppen ohne Jazz

Montag, den 18. Februar 2019
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(26) -> 14.1.2019

Der Startschuss fiel im April 2016. Einmal im Monat wollen wir uns gegenseitig überraschen. Und immer darf der andere nicht wissen, wo genau wir hingehen werden – erst vor Ort wird das Geheimnis gelüftet. Der Termin muss beim anderen natürlich abgefragt werden, alles andere nicht. Die Preisgrenze liegt bei 30 Euro. In diesem Monat durfte sie das Event planen, im März bin ich dran.

Diesmal trafen wir uns am U-Bahnhof Naturkundemuseum in Berlin-Mitte – dort waren wir aber erst kürzlich, deshalb liefen wir ein paar hundert Meter die Invalidenstraße entlang zu den Edisonhöfen.
Dort befindet sich die Kunstfabrik Schlot. Normalerweise ist das eine Location, an dem jeden Abend Jazzkonzerte stattfinden. Jeden Sonntagmittag gibt es dort den “Frühschoppen”. Der allerdings hat mit Jazz nichts zu tun. Dahinter verbirgt sich eine Lesung.

Eine Gruppe Autoren trifft sich auf der Bühne an einem großen Tisch. Sie unterhalten sich über das Wochengeschehen. Hauptsächlich sind sie aber gekommen, um eigene Texte vorzulesen. Schade nur, dass Horst Evers nicht dabei war, obwohl er im Programmflyer angekündigt war. Er wurde dann nicht mal erwähnt.
Susanne Riedel las einen sehr lustigen Text darüber, dass viele Leute komisch reagieren würden, wenn man sagt, man wohne in Steglitz. Und über einen Besuch im Nobelrestaurant mit ihren Kindern, der für alle eine Qual war.
Außerdem ging es um Begegnungen am Brandenburger Gartenzaun oder um eine Ausstellung mit einem Schneemann.

Das alles war durchaus unterhaltsam. Zwar ist die Mischung aus aktueller Rückschau und dem Vorlesen der Texte etwas merkwürdig. Aber insbesondere Susanne Riedel schreibt sehr lustig und liest das auch sehr gut vor.

Das Ganze ist übrigens kostenlos. Aber natürlich wird am Ende um eine Spende gebeten. Etwas merkwürdig und schade ist, dass das Speisenangebot im Schlot sehr mau ist. Die (auch nicht sehr üppige) Speisekarte gelte nur am Abend, am Mittag gab es nur Schinken- oder Käsebrötchen. Hm. Für so einen Frühschoppen, der kostenlos ist und wo man eigentlich bereit ist, Geld dazulassen, wäre doch ein schönes Büfett was Feines. Oder wenigstens das Angebot auf der Karte sollte vorrätig sein.

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Die Skepsis war unnötig

Donnerstag, den 14. Februar 2019
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So allein unter Frauen? Kann das klappen? Die Skepsis vorher war vielleicht nicht sehr groß, aber sie war vorhanden. Also, bei den Frauen. Nicht bei mir.
Am Mittwochabend besuchte ich in Beetz eine Gruppe von Frauen, die sich einmal in der Woche in einem großen, schönen Raum treffen, um zu quatschen, zu essen, zu tanzen und zu singen.

Angefangen haben sie vor zwei Jahren. Eine der Frauen hatte begonnen, sich im Ort umzuhören, ob Interesse an so einer Gruppe besteht. Seitdem funktioniert das sehr gut. Die Frauen sind eine Art Chor, die aber keinen Druck haben, wirklich jedes Mal zu singen. Sie machen das aus Spaß an der Freude, meistens nur privat. Einen Auftritt hatten sie zwar schon, aber darum geht es ihnen nicht. Sondern darum, zur Wochenmitte mal raus- und zusammenzukommen. Locker plaudern, abschalten. Vor allem nicht über Kinder und Schule reden. Weg vom Alltag.
Eine wundervolle Sache, und man kann die Frauen nur dazu beglückwünschen, dass das so gut funktioniert.

Ich durfte dabei sein, ich werde demnächst über diese Gruppe berichten dürfen. Ich war der erste fremde Mann, den sie in ihre Gruppe gelassen haben. Hätten sie vorher gewusst, dass ich demnächst sogar schon zum zweiten Mal beim Groß-Ziethener Weiberabend dabei sein darf, hätte sie vielleicht nicht mal skeptisch sein müssen. Mit Frauenabenden kenne ich mich aus…

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Arme Greta! Armseliger Paul!

Montag, den 11. Februar 2019
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Paul Ziemiak ist ein erwachsener Mann. So sieht er jedenfalls aus. Greta Thunberg eine 16-jährige Schülerin, die für den Umweltschutz kämpft. Und die sich zum geplanten deutschen Kohleausstieg in 19 (!) Jahren äußert. Dass das ja absurd sei.
Das kann man finden, wie man will.
Paul Ziemiak findet das: doof.
“Oh, man”, schreibt er auf Twitter genervt. “Kein Wort von Arbeitsplätzen, Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit. Nur pure Ideologie. Arme Greta.”
Dazu kann man nur sagen: armseliger Paul Ziemiak.

Wenn also eine Jugendliche sich zum Umweltschutz äußert, dann ist das Ideologie? Nichts anderes? Und dann ist das arm?
Ziemiak ziegt ziemlich eindrucksvoll, wie weit weg teilweise die Politik von der Jugend ist. Diese Greta ist ja kein doofes Kind, sie hat sich sehr mit der Thematik befasst und legt den Finger sehr tief in die Wunden.
Das kann man und muss man tun, und wir können doch froh sein, dass die Jugend langsam aufwacht und uns Älteren den Marsch bläst.
Das gefällt uns natürlich nicht, weil wir es ja auch bequem haben. Umweltschutz ist anstrengend, es ist ungemütlich, und ich betreibe viel, viel zu wenig Umweltschutz. Und natürlich hat es Folgen, wenn wir Dinge ändern.

Nicht umsonst gibt es ja Milliarden Euro für den geplanten Kohleausstieg. Wobei ich mich dann schon frage, warum wir dann damit bis 2038 warten. Das könnte dann doch genauso gut schneller gehen. Oder wollen wir in Brandenburg noch weitere Dörfer wegbuddeln?

Aber vor allem als Erwachsener, als Politiker so zu tun, als sei diese Greta einfach nur ein doofes Kind, weil sie eben noch jugendlich ist und eine Krankheit hat (die damit letztlich aber nichts zu tun hat), das erscheint mir ärmlich. Und deshalb widert mich so eine Aussage von Ziemiak auch ziemlich an. Weil da ein Profi so tut, als sei er über alles erhaben. Dieses “Arme Greta” ist an Arroganz nicht zu übertreffen.
Er könnte sagen: Lass uns treffen, dann können wir unsere Ansichten ausloten. Oder: Bedenke dies oder jenes. Aber sie so abzutun als doofe Göre, geht gar nicht.

Ich finde es gut, dass mehr und mehr Jugendliche aufbegehren. Bemerkenswert ist dabei nämlich nicht, dass es um eine Ideologie oder Partei geht, sondern schlicht um deren Zukunft, um deren Leben. Das kann man ruhig mal ernst nehmen und nicht abtun mit Schulschwänzerei, wie es inzwischen einige Politiker oder Facebook-Besserwisser bemängeln. Wenn sie bei 50 Grad im Jahr 2080 schwitzen, dann nutzt ihnen Bildung auch nichts mehr.
Egal, was bei dieser Greta gerade im Hintergrund passiert und völlug unabhängig davon, wer sich jetzt an sie dranhängt und von ihr profitieren will: Sie selbst, dieses Mädchen betreibt keine Ideologie. Sie will ihre Umwelt schützen. Sie will leben. Sie will gut leben, auch in 60 Jahren noch. Wenn das also Ideologie ist…

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Krankes Wiederhören mit Blocksbergs

Montag, den 11. Februar 2019
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Wenn man krank zu Hause ist, dann hat man plötzlich viel Zeit. Und natürlich leidet man auch ein wenig und schläft viel. Aber leider nicht durch.
Sehr viel früher als sonst wachte ich am Morgen auf. Es war aber klar, dass ich irgendwie noch weiterdösen möchte und im Idealfall auch schlafen will. Wie macht man das am besten? Mit Kinderhörspielen!

Ich war als Kind Fan von Bibi Blocksberg. Die Kassetten ließ ich mir immer von West-Verwandten mitbringen – oder wenn Familienteile mal drüben waren.
Heute ist das alles anders. Kassetten sind out. CDs inzwischen auch. Jetzt wird gestreamt. Auch auf Youtube gibt es immer ganze Folgen zu hören. Sogar ganz offiziell auf einer Bibi-Blocksberg-Seite.
Ich suchte mir also eine Folge aus, startete sie und legte mich wieder hin. Es dauerte nicht allzu lange, und ich war weg. Zwischendurch wurde ich wieder wach, hörte weiter zu – inzwischen begann eine weitere Folge – und ich war wieder weg.
So ging das drei Stunden.

Am nächsten Tag ging es weiter mit Benjamin Blümchen. Allerdings fand ich den als Kind schon ein bisschen doof, und so wählte ich auch hier eine der Crossover-Folgen mit Bibi Blocksberg.
Und am dritten Tag ging es mit DDR-Hörspielen weiter. Das Feenmärchen “Riquet und Mirabelle” kann ich auch heute noch auswendig, und “Burattino” habe ich vermutlich vor 30 Jahren das letzte Mal gehört.

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Das große Schweigen

Samstag, den 9. Februar 2019
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Wenn man so einen ganzen Tag mit den Kollegen verbringt, dann ist wahrscheinlich irgendwann mal die Luft raus. Also, wenn wir mal davon ausgehen, dass auch mal Luft drin ist.
Neulich war ich in einer Oranienburger Kantine. Der Raum ist nicht sehr groß, und war es erstaunlich still, als ich rein kam. An einem der Tische saß eine Gruppe Handwerker. Sie waren schon fertig mit dem Essen.

Ich holte mir meine Mahlzeit und setzte mich an einen der anderen Tische. Und nebenan: schweigen. Einer las eine großformatige Zeitung. Ein anderer las auch irgendwas. Die anderen drei starrten auf ihr Handy.
Ich aß weiter, nach guten zehn Minuten war ich fertig. Und nebenan herrschte weiterhin und immer noch: schweigen. Inzwischen starrte der vorherige Zeitungsleser nur noch ins Leere. Der andere las nun die Zeitung. Und die anderen drei starrten noch immer auf ihr Handy.

Es war das typische Bild, das man sonst in Comedy-Sketchen zu sehen bekommt, wenn es darum geht, wie sich Leute verändern. Am anderen Nebentisch war auch ein Herr fertig mit dem Essen. Wir verabschiedeten uns. Ich brauchte mein Geschirr weg und schlich nach draußen. Ich wollte die gute Mittagslaune der Handwerker nicht unterbrechen.

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Internethass: 98 Prozent schweigen?

Mittwoch, den 6. Februar 2019
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Eine Studie besagt, dass 98 Prozent aller Internetnutzer Beschimpfungen und Fake News ablehnen. Heißt im Umkehrschluss, dass zwei Prozent nichts dagegen haben oder es tolerieren.
Warum aber habe ich den Eindruck, dass das Internet ganz anders wirkt? Von den 98 Prozent, die sich abgestoßen fühlen von Hass und Falschmeldungen – wie viel von denen melden sich zu Wort? Warum wird das Internet – Facebook, Twitter und Co. – stattdessen mit Hass vollgekubelt? Und warum lassen wir sie gewähren?

Füttere nicht den Troll – so lautet eine Warnung. Sie bezieht sich darauf, dass man Leute, die immer nur Hass und Zwietracht sähen, ignorieren soll. Man soll einfach nicht auf sie eingehen. Aber fühlen sie sich dann nicht immer weiter bestätigt?

Ist es nicht längst so, dass viele – die meisten – Menschen die sozialen Netzwerke längst den Trollen überlassen haben? Die sich gleich auf jeden Beitrag stürzen, der sie – warum auch immer – zum Kotzen bringt?
Die Gutmenschen – und das kann nichts anderes als ein positiver Begriff sein – wollen oft einfach nicht mehr. Sie sind es Leid, sich mit den Trollen rumärgern zu müssen. Oder wollen schlicht erst gar nichts mit ihnen zu tun haben. Und wer will es ihnen eigentlich übelnehmen, dass sie sich nicht die Laune verderben wollen? Aber andererseits: Wo soll das bloß hinführen?

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