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Mein Tag mit mir

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Überraschungsevent (9): Wir haben den Blues

Montag, den 27. März 2017
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(8) -> 19.2.2017

Der Startschuss fiel im April 2016: Einmal im Monat wollen wir uns gegenseitig überraschen. Und immer darf der andere nicht wissen, wo genau wir hingehen werden – erst vor Ort wird das Geheimnis gelüftet. Der Termin muss beim anderen natürlich abgefragt werden, alles andere nicht. Die Preisgrenze liegt bei 30 Euro. In diesem Monat durfte ich das Event planen, im April ist sie dran.

Diesmal ging es nach Kremmen. Im Scheunenviertel fand das 11. Bluesnacht 2017 statt. Wie es heißt, ist es das größte derartige Musikevent in der Region. In neun Scheunen fanden Konzerte statt, vorher sind dafür insgesamt um die 1000 Tickets verkauft worden.
Das Schöne an der Bluesnacht ist: In der Regel weiß man nicht genau, was einen erwartet. Vor allem nicht, wenn man sich mit Blues nicht so auskennt.

Man kauft zwar Tickets für eine bestimmte Scheune, nach der ersten Pause darf man aber wechseln und überall mal reinschauen. Eine tolle Idee.
Wir starteten in der Theaterscheune “Tiefste Provinz”. Dort spielten Jürgen Kerth und seine Band. Die machten schon mal ganz gut Stimmung. In der Musikantenscheune ging bei “Blue Water” richtig die Post ab. Vorne, vor der Bühne, tanzten viele Leute. Machte Spaß, zuzusehen.
Anschließend ging es zur Bauernscheune – oder eher auf den Dachboden der Scheune. Das war sehr schade, denn die dortige sehr gute Band spielte unter öder Beleuchtung von der Neonröhre. Es herrschte null Flair, es waren nur wenige Plätze, die Leute standen eng am Eingang und auf der Treppe – was nicht ganz ungefährlich war. Die Bauernscheune hat ihr Potenzial leider komplette nicht genutzt – warum die Party auf den Dachboden abgeschoben wurde, weiß wohl nur der Scheunenchef. Leider macht das Ganze da oben keinen Sinn. Schade für die tolle Band!

Schön war es in der Spargelscheune, dort gab es leckeren Flammkuchen. Es spielten Marlena Uzeblo und ihre Blue Angel Band. Die gingen leider im Stimmgewirr ein wenig unter.
Gegenüber in der Galeriescheune “Einfach schön” konnten wir uns auf zwei Hocker setzen und das muntere Treiben beobachten.

Dreieinhalb Stunden vergingen wir im Flug, und am Ende konnten wir sagen, dass wir einen schönen und vor allem abwechslungsreichen Abend hatten.
Schon am 1. April geht es weiter – das Event beginnt erst am sehr späten Abend. Ich bin wirklich gespannt, was es sein könnte.

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Adieu, Funkmast! Zehlendorf hat ausgeblinkt

Sonntag, den 26. März 2017
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Das kleine Zehlendorf hat am Sonnabend vermutlich seine ersten Staus erlebt. Hunderte, vermutlich sogar tausende Menschen pilgerten am frühen Nachmittag an den Dorfrand, um ihn fallen zu sehen: den alten Funkmast.

360 Meter hoch war, er galt nach dem Berliner Fernsehturm als das zweithöchste Bauwerk Deutschlands. Bis 1991 wurde dort der Deutschlandsender, bzw. die Stimme der DDR ausgestrahlt. Danach bis 2014 strahlte er die Langwelle für das DeutschlandRadio Kultur aus, sie wurde zugunsten des Digitalradios abgeschaltet. Zu DDR-Zeiten schon strahlte er die DDR-Langwellensender nach Europa aus. Später kamen ein paar UKW-Sender hinzu.
Die UKW-Frequenzen waren sogar noch bis Freitagvormittag im Betrieb. Auf der 90,8 MHz sendete Antenne Brandenburg vom rbb – die Frequenz fällt weg. Auf der 91,8 MHz sendete Power-Radio, auf 95,4 und 107,9 MHz verschiedene Regionalversionen von BB Radio – sie sind nach Eberswalde umgezogen. Auf der 104,9 MHz sendete Radio B2 – die Frequenz zieht nach Gransee um.

Nur einen Tag nach der Abschaltung der Sender, ist der Funkmast in Zehlendorf gesprengt worden.
Auf den schmalen Sandpisten an den Feldern bildeten sich zuvor lange Autoschlangen, Felder verwandelten sich zu Parkplätzen, überall standen und liefen die Menschen und warten auf den Knall.
Der kam gegen 13.59 Uhr, zuvor sind zwei Signale ertönt.
Erst die Explosionen, dann fiel der Turm in sich zusammen. Nur wenige Sekunden dauerte das, dann war er weg.
Vereinzelter Applaus, aber im Großen und Ganz auch viel Wehmut war bei den Menschen dabei.

Früher standen in Zehlendorf mehrere Funkmasten, am Ende blieb nur einer übrig. Aber dieser Funkmast war ein Wahrzeichen Zehlendorfs, der ganzen Region. Denn man sah ihn nachts schon von weitem blinken. Er war ein Stück Heimat. Aber jetzt hat sich’s ausgeblinkt.

Die Sprengung auf Youtube.

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Da, wo London (angeblich) am sichersten ist

Donnerstag, den 23. März 2017
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Es ist wohl wieder ein Terrorangriff, diesmal in London. Vier Menschen sterben, plus der Attentäter.
Passiert ist das alles am Mittwoch nahe des Londoner Parlaments, unweit der Westminster-Brücke.
In mehreren Kommentaren, zum Beispiel von der ARD-London-Korrespondentin Hanni Hüsch, war die Verwunderung zu hören, wie denn so ein Anschlag ausgerechnet dort passieren könnte, wo London am sichersten sei.

Solche Kommentare wundern mich. Wieso sollte London dort besonders sicher sein? Werden dort sämtliche Autos überprüft, die über die Westminster-Brücke und am Parlament vorbei rollen? Gibt es dort spezielle Personenkontrollen?
Ja, vermutlich ist die Gegend kameraüberwacht. Vermutlich wird man überall dort permanent beobachtet. Aber das schützt doch nicht vor irgendwelchen Anschlägen! Damit verhindert doch niemand, dass ein Irrer in eine Menschenmenge rast. Leider.

In Berlin zum Beispiel. Neulich war ich im Tipi am Kanzleramt, ein bisschen Live-Kultur genießen. Dazu rollte ich mit meinem Auto am Hauptbahnhof vorbei ins Regierungsviertel. Am Kanzleramt vorbei, unweit des Reichstages. Mitten durch die Schaltzentrale der Macht.
Man wird dort nicht kontrolliert, niemand wird dort kontrolliert. Heißt: Niemand kann sich sicher sein, dass da jemand mit einer Autobombe langfährt. Auch in diesem Fall: leider.

Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir nirgendwo richtig sicher sind. Wir müssen damit umgehen, dass uns niemand, wirklich niemand, die absolute Sicherheit garantieren kann. Ansonsten würden wir in einem Überwachungs- und Überprüfungschaos landen, wir könnten uns nicht mehr frei bewegen.
Wir müssen uns also entscheiden, was wir wollen. Und ich bin für die Freiheit. Auch wenn es deshalb keine Komplettsicherheit gibt. Das sollte uns aber keine Angst machen, ein gesundes Maß an Aufmerksamkeit reicht aus.

Aber genau deshalb ist die Verwunderung über den ach so sicheren Ort des Londoner Anschlages absoluter Nonsens. Journalisten sollten es wirklich besser wissen.

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Fastenzeit, Tag 22

Mittwoch, den 22. März 2017
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(1) -> 10.3.2017

Tag 22.
Ungefähr die Hälfte müsste jetzt geschafft sein. Seit Aschermittwoch mache ich Colafasten. Bis Ostern gibt es keine Cola, keine Spezi, keinen Mix und nichts, was auch nur entfernt mit Cola zu tun hat.

Und es gibt wirklich Momente, in denen mir der Zahn tropft. Und vor allem stoße ich immer wieder auf Situationen, in denen es in den vergangenen Jahren – ach was, mein ganzes Leben lang – ganz normal war, Cola zu trinken.
Zum Beispiel neulich beim Stadtempfang in Kremmen. Da steht man, hört sich ein paar Reden an, unterhält sich mit Leuten – und trinkt Cola. Bisher zumindest. Diesmal musste ich auf Orangensaft ausweichen, und es war einfach nicht dasselbe.
Oder bei KFC in Berlin. Ich liebe das Hühnerfutter. Und dazu ein Getränk. Sonst immer Cola. Jetzt muss ich auf Zitronen- oder Orangenbrause ausweichen – beides schmeckt mir lang nicht so gut, und Apfelschorle geht irgendwie gar nicht. So ähnlich ging es mir in der Klinik-Cafeteria in Sommerfeld.

Ich bin gespannt, wie es ab Ostern läuft, wenn ich wieder Cola trinken darf. Vielleicht werde ich in Cola baden.

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Blaulicht macht hilflos

Dienstag, den 21. März 2017
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Manchmal habe ich den Eindruck, dass bei einigen Autofahrern der Verstand aussetzt, wenn sie hinter sich einen Krankenwagen mit Blaulicht sehen. Auf der Autobahn ist das ja mit der Rettungsgasse immer schon so eine Sache. Da wird am Stauende eben nicht an den Fahrbahnrand gefahren, sondern schön bräsig in der Mitte der Fahrspur gefahren.

Neulich aber aber ich wirklich an der Fahrtauglichkeit meiner Mitmenschen gezweifelt. In der Oranienburger André-Pican-Straße. Von hinten näherte sich ein Rettungswagen im Einsatz.
Ich bin so stehen geblieben, dass der Wagen fix an mir vorbeidüsen konnte. Aber beide Fahrspuren an der Ampel waren voll, allerdings war die Geradeaus-Ampel grün. Jedoch muss der Fahrer angesichts des Blaulichts in Schockstarre verfallen sein. Denn anstatt die Spur freizumachen – es war GRÜN! – blieb er einfach stehen. Unfassbar!
Der Rettungswagen musste auf die Gegenspur ausweichen, was ungleich gefährlicher war. Aber manche Leute denken einfach nicht im geringsten mit und meinen, sie müssten einfach nur abwarten, bis es vorbei ist.

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Neu-Ludwigsaue

Donnerstag, den 16. März 2017
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Manche Orte sind so abgelegen und so winzig, dass man sich fragt, wer da so lebt. Und wie die da so leben.
In Neu-Ludwigsaue zum Beispiel.

Neu-Ludwigsaue gehört zu Ludwigsaue, was wiederum zu Beetz gehört, und Beetz ist ein Ortsteil von Kremmen im Landkreis Oberhavel.
Ludwigsaue liegt schon janz weit draußen, gute 7 Kilometer von “Hauptort” Beetz entfernt, irgendwo mitten im Wald.
Wer nach Neu-Ludwigsaue will, muss noch mal 3 Kilometer weiter fahren.
Aber auch von der Landesstraße aus führt ein unbefestigter Waldweg dorthin. Der Ort liegt genau zwischen Ludwigsaue und Rüthnick.

Wahrscheinlich nicht mal 10 Leute leben dort. Auf einem Hof stehen immerhin noch ein paar Rinder.
Ich besuche eine Familie, die mir erzählt, wie es sich dort lebt. Ruhig ist’s, man braucht die Natur zu spüren, und das sei sehr schön. Aber man muss für Einkäufe weit fahren. Der nächste Bäcker ist in Beetz, der nächste Einkaufsmarkt in Kremmen oder Alt-Ruppin – beides gut 15 Kilometer entfernt. In die Kreisstadt Oranienburg fährt man gut 35 Minuten.
Im Winter kommt es schon mal vor, dass man einschneit. Früher, als die Straße nach Ludwigsaue noch nicht asphaltiert war, sorgte schon mal der Regen für Schlamm und Durchfahrtstopps.

Früher, da war mehr los in Neu-Ludwigsaue. Bauern hatten ihre Felder, ihre Tiere. Nach dem Krieg lebten dort auch viele Flüchtlinge. Mit der DDR-Politik kamen die LPGs und damit das Aus für die kleinen Bauern. Das Leben in Neu-Ludwigsaue erstarb, und auch in Ludwigsaue gab es irgendwann keinen Konsum mehr, keine Kita. Das leben, gerade für Familien mit Kindern, wurde beschwerlicher.

Was passiert mal mit so einem Ort. Eine der Frauen aus Neu-Ludwigsaue meinte, dass vielleicht mal ein paar Städter kommen und ihren Landsitz daraus machen – für die Wochenenden und Ferien. Ihren Kindern oder Enkeln möchte sie das JWD-Leben nicht unbedingt zumuten.

Ich verlasse das Haus wieder. Lausche. Kraniche kreischen am Himmel. Der Wind weht ein bisschen. Die pure Natur.
Ich setze mich ins Auto und fahre los – zurück in die Stadt.

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Gutes Essen – nur für Patienten

Mittwoch, den 15. März 2017
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Interviewtermin in Sommerfeld. In der Klinik ließ ich mir erklären, wie dort die Reha zum Beispiel nach Hüft-OPs ablaufen. Während des Gespräches erzählte der Chefarzt, dass es ja auch eine Küche gebe. Es werde vor Ort gekocht. Und die Patienten müssen zum Essen in den Speisesaal, dort können sie sich vom Büfett nehmen.
Vermutlich lecker.

Danach hatte ich bis zum nächsten Termin noch Zeit, und die Klinik hat eine Cafeteria für Besucher. Also setzte ich mich dort hin und kaufte mir ein Schnitzel mit Kartoffelsalat.
Was ich bekam, war jedoch ziemlich jämmerlich. Keine Ahnung, was die mit dem Schnitzel gemacht haben, vermutlich kam es aus der Mikrowelle. Das Ding schmeckte wie ein Lappen, der Geruch war so lala.
Ich möchte an dieser Stelle zwar nicht das Wort Fraß verwenden, aber das Ganze war recht nah dran.

Ich hoffe nicht, dass dieses Schnitzel aus der Vor-Ort-Küche kam.
Aber ich frage mich schon, warum es eine Küche gibt, und dann in der Cafeteria für Besucher nur so ein Kram für nicht wenig Geld verkauft wird. Ich hoffe, dass die Patienten besseres Essen bekommen.