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Mein Tag mit mir

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Ein Hoch auf die Technik (40): Ohne Navi nach Karlshorst

Sonntag, den 19. November 2017
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(39) -> 8.5.2017

Man sollte sich nie blind auf die Technik verlassen. Denn wenn uns die Technik verlässt, dann sehen wir ziemlich alt aus.
Neulich musste ich mit dem Auto von Potsdam nach Berlin-Karlshorst fahren. Das ist eine ganz schöne Strecke, weil Karlshorst quasi von Potsdam aus am anderen Ende von Berlin liegt. Ich hatte eine sehr grobe Vorstellung davon, wie ich von A nach B komme, verließ mich aber ansonsten auf das Navi in meinem Handy.

Ich ich dann aber in Potsdam auf dem Parkplatz in meinem Auto saß und das Navi anschmeißen wollte – passierte nichts. Das Gerät spuckte keine Strecke aus, das Navi war nicht funktionstüchtig.
Eigentlich dachte ich, dass es ein Empfangsproblem ist und es in Potsdam gerade kein mobiles Netz gibt. Was unwahrscheinlich war, weil nur das Navi nicht funktionierte. Aber ich hatte Hoffnung, dass das Ding wieder funktionierte, bevor ich am Potsdamer Ortsausgang die A115 passierte.
Die Hoffnung erfüllte sich nicht.
Ich musste also spontan entscheiden: Durch Berlin oder über den Berliner Ring?
Ich entschied mich für Letzteres. A115, Berliner Ring, A113, A117, und dann über Altglienicke und die B96a nach Berlin rein.

Als ich noch kein Navi hatte, nahm ich mir vor jeder Fahrt mit unbekannter Reiseroute einen Atlas und merkte mir die Strecke ab da, wo ich von bekannten Straßen abwich. Oder machte mir Notizen.
Nun blieben mir nur die Hinweisschilder an der Straße. Das funktioniert natürlich auch nur, wenn man ein wenig Berlin-Kenntnis hat. Ich orientierte mich also zunächst in Richtung Köpenick, dann in Richtung Lichtenberg, und irgendwann war Karlshorst ausgeschildert und ich in der Treskowallee, die ich dann endlich auch kannte.
Ganz ohne Navi und ganz ohne Verfahren – nur mit Hilfe der Verkehrsschilder – erreichte ich mein Ziel. Ein bisschen stolz auf mich war ich da schon.

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Rügen 2017 (20): 11,20 Euro

Samstag, den 18. November 2017
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(19) -> 16.11.2017

Der Film, den ich gesehen habe, hieß nicht nur “Simpel”, er war es auch. Also nicht inhaltlich. Aber es war eine normale 2D-Vorstellung. Es war Sonntag am frühen Abend. Keine Überlänge. Aber als die Frau an der Kinokasse den Eintrittspreis genannt habe, dachte ich erstens, dass ich wohl nicht richtig gehört habe, und zweitens, dass man Zehner wohl nicht reichen wird: 11,20 Euro kostete das Vergnügen.

Es ist das Kino in Bergen auf Rügen. Und gerade in der Winterzeit haben die Bergener den Vorteil, dass sie auf Rügen (so weit ich weiß) das einzige echte Kino sind. Da kann man die Preise schon mal sehr ordentlich hochschrauben.
Immerhin sind selbst in Berlin die Preise um gut 2 Euro niedriger. Und 11,20 Euro sind für einen normalen Film ohne Schnickschnack extrem viel – da kann ich jeden verstehen, der sagt, dann lieber zu Hause im Heimkino vom Streamingdienst.

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Countdown: Zwei Lesungen

Freitag, den 17. November 2017
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Heute mal wieder Werbung in eigener Sache. Heute, am Freitag, 17. November 2017, lese ich mal wieder aus meinem vergangenes Jahr erschienenen “RT Zapper”-Buch mit den besten Kolumnen von 1996 bis 2016.
Ich bin zu Gast bei der 8. Lesung im “Museum im Depot” auf dem Remontehof in Bärenklau. Es lesen verschiedene Autoren aus der Region, und ich werde die Nummer drei an diesem Abend sein. Um 19 Uhr geht es los, der Eintritt kostet nichts.

Eine zweite Lesung gibt es am Donnerstag, 23. November 2017. Ich bin zu Gast beim Klönkaffee-Nachmittag des Heimatvereins Vehlefanz. Auch dort lese ich aus meinem Büchlein. Los geht es um 14.30 Uhr, ich lese nach 15 Uhr im evangelischen Gemeindehaus in der Lindenallee. Das Ganze ist für Mitglieder im Verein, aber wer dazu kommen will – der Eintritt kostet auch dort nichts. Eigentlich beginnt es schon am frühen Nachmittag mit einem Flohmarkt. Außerdem wird es diverse Aufführungen von historischen Kampftechniken geben.

Mehr Termine gibt es hier.

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Rügen 2017 (19): Dingsbums lässt schön grüßen

Donnerstag, den 16. November 2017
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(18) -> 15.11.2017

Zwei Damen betreten den Wellnessbereich des Hotels in Sellin. Am Tresen lehnt sich eine von ihnen – sie sind um die 60 – mit dem Oberkörper auf die Tischplatte. Sie fragt die junge Frau hinterm Tresen, ob denn der Hans da sei. Die Mitarbeiterin bejaht das. “und die Claudia, ist die auch noch da? Und die Judith?” Die Mitarbeiterin schaut irritiert, lächelt dann und sagt, dass nur der Hans noch hier arbeite, er sei derjenige, der auch am längsten da sei. “Ich soll nämlich den Hans schön grüßen!”

Und dann kommt er auch schon, der Hans. Hans kennt die Frau nicht, die da halb auf dem Tresen liegt. “Ich soll sie von Britta grüßen!” Hans reagiert nicht, er kann sich scheinbar an keine Britta erinnern. “Na, die Britta, die vor vier Jahren ihre Ausbildung hier gemacht hat.” Hans überlegt weiter, fragt nach dem Nachnamen, und die Frau nennt ihm ihn. So ganz kann sich Hans aber immer noch nicht erinnern, und die Grüßende erzählt ihm, Brittas weitere Geschichte und wo sie nun gelandet ist – in ihrem Geschäft nämlich.
Hans ist höflich, deshalb fällt ihm auch bald ein, wer diese Britta ist, und er hört sich sehr geduldsam an, was die Frau ihm noch alles über diese Britta zu sagen hat.

Ich stehe die ganze Zeit dahinter, weil ich eigentlich auch noch eine Frage habe, aber die Frau, die halb auf dem Tresen liegt, muss die Britta-Geschichte noch loswerden. Sie fühlt sich offenbar, als würde sie zur Selliner Wellness-Familie gehören. Vielleicht hatte sie auch einfach nur Redebedarf.

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Rügen 2017 (18): Inselparadies – das Comeback

Mittwoch, den 15. November 2017
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(17) -> 14.11.2017

Zu DDR-Zeiten, in den 80ern, war es gar nicht so einfach, ins “Inselparadies” am Strand in Baabe auf Rügen zu kommen. Es war immer voll, die Tische waren immer besetzt oder reserviert. Nach 1988 war ich definitiv nicht mehr dort drin gewesen.
Irgendwann nach der Wende fiel das markante Gebäude, entworfen vom bekannten Rügener Architekten Ulrich Müther, in den Dornröschenschlaf. Weit mehr als 20 Jahre stand das Haus verlassen da, wirkte mehr und mehr wie ein Gerippe. Lange ist versucht worden, einen Investor zu finden. 2013 wurde das Haus saniert, in der Hoffnung einen Betreiber zu finden. 2016 kam dann die gute Nachricht. 2017 ist dort ein italienisches Restaurant eröffnet worden.

Sonntagnachmittag im November. Es wird schon dunkel, am Strand in Baabe herrscht kaum Betrieb. Erst dachte ich, dass sich der Laden in der Winterpause befindet. Aber das Inselparadies war geöffnet. Er wolle es versuchen, auch im Winter den Betrieb offen zu halten, erzählte der italienische Wirt einer anderen Kundin. Im Sommer sei die Hölle los gewesen, da hätten in dem Lokal bis zu 13 Leute gearbeitet. Jetzt sei es ruhiger.

Vorn befindet sich eine kleine Bar, es wirkt wie ein Bistro, in der Mitte ist die große Wendeltruppe, die nach oben führt. In der ersten Etage hat man den eigentlichen Blick auf den Strand und die Ostsee. Jetzt, in der Winterzeit ist sie aber meistens geschlossen.
Die Karte ist nicht aufregend, aber in Ordnung. Pizza, Pasta, Fisch, Fleisch – vielleicht ist sie im Sommer ein bisschen einfallsreicher. Vor der eigentlichen Mahlzeit – Pasta mit Lachs – bekomme ich Weißbrot mit einem Teller Öl. Was für eins es ist, habe ich vergessen, aber es ist lecker und dann doch mal was anderes. Die Nudeln sind lecker. Dann entscheide ich mich noch für eine Zabaione – dem Eipamps hatte ich schon lange nicht mehr. Der sah dann allerdings sehr lieblos aus, in einer weißen Schüssel, ohne Drum und Dran.

Immer wieder fragen Leute den Wirt, ob sie mal nach oben dürfen. Gucken! Als er wieder eine private Führung macht, laufe ich mit hoch. Die obere Etage ist wie ein großer Saal. Der Wirt sagt, er kann die Tische so stehen lassen – man hat einen tollen Blick nach draußen – oder er kann alles wegräumen und dort eine Party veranstalten. Silvester, zum Beispiel.

Das Inselparadies lebt wieder – wenn auch wirklich immer eher von Ostern bis Oktober. Aber dass nach so langer Zeit, dort endlich wieder Leben herrscht – das ist ein Gewinn für Baabe und das Mönchgut.

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Rügen 2017 (17): Der Sänger und sein ignorantes Publikum

Dienstag, den 14. November 2017
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(16) -> 23.7.2017

Sonnabend, zur Primetime. Im Hotel in Sellin hat ein junger Sänger seinen Auftritt. Erstaunliche drei Stunden – mit zwei Pausen – wird er Songs spielen. Eigene und gecoverte.
Ich vermute mal, dass das ganz gut bezahlt wird, und eventuell wird ihm ja auch das Hotelzimmer gezahlt. Aber vor einem Hotelpublikum zu spielen, ist sehr hartes Brot.

Es ist 22.45 Uhr, als ich dazu stoße. Ich setze mich ein wenig an den Rand. Der junge Mann spielt, und es klingt gut. Aber längst nicht alle hören zu. Am Nachbartisch sitzt eine Gruppe Frauen. Sie hören nicht im Ansatz zu, sie sind ins Gespräch vertieft. Flüstern scheint auch irgendwie aus der Mode gekommen sein. Die Frauen stören, und es interessiert sie nicht. Als zwei der Frauen aufstehen und gehen wollen, verabschieden sie sich lauthals und verabreden sich für morgen. Ist das Ignoranz? Verachtung? Auf jeden Fall unverschämt.
Andere Leute gehen mitten im Lied. An anderen Tisch branden immer wieder lautere Gespräche auf.

Viele der Leute sehen den jungen Mann nur als Hintergrundgeräusch, und das ist repektlos. Aber so läuft das wohl, wenn man sich in den Hotelsessel fläzt, nicht für den Künstler zahlen muss und dann einfach mal losquatscht – und sich vielleicht noch von der Live-Musik gestört fühlt.

Als das Konzert kurz nach Mitternacht zu Ende ist, sitzen noch ein gutes Dutzend Menschen da. Der Musiker hat es tapfer zu Ende gebracht, und ich vermute mal, er wird an seine hoffentlich gute Gage gedacht und den Rest ausgeblendet haben.

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Patientin A20

Montag, den 13. November 2017
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Was da gerade auf der A20 passiert, lässt sich eigentlich nicht schönreden. Was die Landespolitiker aus Mecklenburg-Vorpommern natürlich nicht davon abhält, es trotzdem zu tun.
Die Autobahn ist gerade mal gute 15 Jahre alt, und was haben wir uns damals gefreut, als endlich alles fertig war und wir auf dem Weg nach Rügen nicht mehr stundenlang auf der B96 umhertuckern mussten.

Aber die A20 ist ein Pflegefall, und das nach so kurzer Zeit. Da ist von der Fahrbahn, die bei Tribsees eingestürzt ist, weil irgendwer das Moor unter der Trasse irgendwie falsch eingeschätzt hat.
Rund um Jarmen ist seit Wochen eine komplette Richtungsfahrbahn gesperrt. Kilometerlang verläuft die Autobahn je Richtung nur einspurig.
Auf vielen Abschnitten ist die Fahrbahn ein Flickenteppich, weil an verschiedenen Stellen schon saniert werden musste.

Musste man sparen? Sollte es schnell gehen? Waren da keine Spezialisten am Werk? Denn es ist ja nicht so, dass die A20 die stark befahrenste Autobahn Deutschlands ist. Aber selbst wenn: Ein bisschen länger als zehn Jahre darf doch so eine blöde Autobahn doch halten…