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In der Zeitung erschienen

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Selten ein Blatt vor dem Mund

Samstag, den 22. Juni 2019
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Merlin Struck ist neues Mitglied im Bötzower Ortsbeirat und mit seinen 20 Jahren der jüngste Kommunalpolitiker in Oberkrämer

MAZ Oberhavel, 22.6.2019

Bötzow.
Nicht immer nur über die junge Generation sprechen, sondern mit ihr. „Das fand ich wichtig“, sagt Merlin Struck. Der 20-Jährige gehört dem neuen Bötzower Ortsbeirat an und ist somit auch der jüngste Kommunalpolitiker in Oberkrämer. „Ich bin ein grundsätzlich interessierter Mensch, und ich stelle mich gern Herausforderungen“, erzählt er.

Er ist Mitglied der SPD, schon seit fünf Jahren. „Das kam recht spontan.“ Er saß gerade im Geschichtsunterricht und registrierte sich online. „Da ging es gerade um die SPD.“ Politik sei in der Familie immer ein Thema gewesen. „Mein Vater ist schon länger politisch aktiv, er hat hier die Freien Wähler mit aufgebaut.“ Wenn Landtagswahlen waren, saß Merlin Struck immer vor dem Fernseher, um die Ergebnisse zu verfolgen. „Damals konnte man sich für die SPD noch freuen.“
Unterm Strich könne er sich aber immer noch mit seiner Partei identifizieren. „Mit Abstrichen“, sagt er. „Ich nehme selten ein Blatt vor den Mund, ich stoße damit nicht immer auf Gegenliebe. Muss ich aber auch nicht.“ In der Kommunalpolitik laufe vieles sowieso anders. „Die Leute sind andere, die Themen sind andere, und die Auswirkungen sind direkt spürbar.“
Die aktuellen Personaldebatten in der Bundes-SPD hält er für falsch, Andrea Nahles sei „nicht unbedingt gut“ gewesen, aber eher Symptom statt Ursache für das aktuelle Problem. „Der Bürger weiß doch kaum noch, was die SPD eigentlich möchte.“ Gegen die Große Koalition hatte Merlin Struck klar Stellung bezogen. „Sicherlich gibt es eine Verantwortung, die man zu übernehmen hat, aber durch eine aufgezwungene Verantwortung kann man auch ins Messer laufen. Die SPD hat sich damit keinen Gefallen getan.“ Dennoch brauche Deutschland die Sozialdemokratie, sagt er.

Als Mitglied im Bötzower Ortsbeirat will er sich aber vor allem auf seinen Ort konzentrieren. Als am Dienstag die konstituierende Sitzung stattfand, betonte Ortsbeiratsmitglied Christian Rogge und später die neue Ortsvorsteherin Mandy Krenz, dass man überparteilich arbeiten wolle. „Dem kann ich nicht zustimmen“, so Merlin Struck. „Grundsätzlich halte ich eine Menge davon, so gut mit denjenigen zusammenzuarbeiten, mit denen es möglich ist – mit gesundem Abstand zur AfD.“ Er werde dort mitmachen, wie es seine Grenzen erlauben. Dass die Ortsvorsteherin ausschließlich mit Stimmen ihrer BfO und der AfD gewählt worden ist, hatte für Diskussionen gesorgt.

Seine Themen für Bötzow: „Der öffentliche Nahverkehr ist ein Dauerbrenner.“ Die Linienführung durch den Ort sei „suboptimal“, die Anbindung an den 824er-Bus schlecht. Es gebe keine wirkliche Verbindung nach Velten, Hennigsdorf oder Oranienburg. „Obwohl Bötzow der größte Ortsteil von Oberkrämer ist.“ Auch fehlende Mietwohnungen seien ein großes Thema. „Ich wohne noch bei meinen Eltern, mit 20 ist das auch nicht schlimm. Aber wenn ich in der Gemeinde verwurzelt bleiben will, dann fehlen einfach die Möglichkeiten, das zu realisieren.“ Zumal der Bedarf eher noch steigen werde.
Auf lange Sicht möchte er auch in die Gemeindevertreterversammlung. „Aber ich will es ruhig angehen, Erfahrungen sammeln.“ Landes- und bundespolitisch habe er wenig Ambitionen.

Sein Abi machte er am Falkenseer Lise-Meitner-Gymnasium. Inzwischen ist er Auszubildender im Rettungsdienst, er hofft bald sein Staatsexamen zu bekommen. „Ich finde Medizin als solches spannend“, sagt er. „Das ist ein Beruf, bei dem ich sagen kann, ich habe was geleistet.“ Und er bekomme auf die Art auch ein Abbild der Gesellschaft zu sehen. „Ich sehe, wer weniger stark vom deutschen Wohlstand profitiert.“ Und man sieht, dass Armut und Krankheit Hand in Hand gehen. Er merke, wo politisch gehandelt werden müsse. „Das ist eine sehr wertvolle Erfahrung.“
Außerdem gehört er zur Bötzower Feuerwehr und ist bei den Maltesern in Berlin, wo er unter anderem große Events absichert. Ansonsten genieße er in Bötzow die Vorzüge des ruhigen Lebens, wie er sagt. „Ich kann mir vorstellen, hier gut zu leben.“

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Schwante: Wahl des Ortsvorstehers von Schloss-Streit überschattet

Dienstag, den 18. Juni 2019
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Dirk Jöhling (BfO) bleibt Ortsvorsteher von Schwante. Doch die Sitzung war damit noch nicht zu Ende. Danach ist noch ausführlich über die derzeitige Lage rund um das Schloss Schwante diskutiert worden.

MAZ-online, 18.6.2019

Schwante.
Gut 20 Bürger waren am Montagabend ins Gemeindezentrum nach Schwante gekommen. Der Ortsbeirat traf sich eigentlich nur, um den Ortsvorsteher und den Stellvertreter zu wählen. Die Bürger waren aber vor allem gekommen, um vom Ortsbeirat etwas Neues zum Verkauf des Schlosses zu erfahren.

Dirk Jöhling (BfO) bleibt Ortsvorsteher von Schwante. Für ihn gab es drei Ja-Stimmen, eine Nein-Stimme und eine Enthaltung. Bernd Ostwald (CDU) hatte Jöhling vorgeschlagen.
Eigentlich ist auch Karl-Dietmar Plentz (BfO) vorgeschlagen worden – von Uta Hoffmann (SPD). „Das ist Demokratie, er hatte die meisten Stimmen bei der Wahl und sollte damit auch Ortsvorsteher sein“, sagte sie nach der Sitzung. Doch Plentz stellte sich der Wahl nicht, und er hatte eine Begründung. Er sei beruflich zu sehr eingespannt. Er arbeite aber an der Nachfolge in der Bäckerei, dann könne es schon anders aussehen, so Plentz später.
Stellvertreter ist Bernd Ostwald (CDU). Er setzte sich mit drei Stimmen gegen Hans-Joachim Gruhlich (AfD) und Uta Hoffmann (SPD) durch, die jeweils eine Stimme erhielten.

Eigentlich wäre danach die Sitzung zu Ende gewesen, aber unter den anwesenden Bürgern regte sich Unmut. Man wolle noch über das Schloss reden. Der wiedergewählte Ortsvorsteher Dirk Jöhling wies jedoch darauf hin, dass das Thema nicht auf der Tagesordnung stehe und deshalb nicht besprochen werden könne. Darüber begann dann – auch innerhalb des Gremiums – eine Diskussion.
Uta Hoffmann forderte eine Bürgersprechstunde. Karl-Dietmar Plentz regte an, dass der auch anwesende Bürgermeister Peter Leys (BfO) über die aktuelle Lage rund um den Schlossverkauf informiere. Dirk Jöhling machte den Vorschlag, eine Sitzung zum 1. Juli anzusetzen, auch weil man sich, wie er sagte, auf das Thema mangels Tagesordnungspunkt nicht vorbereiten konnte. Das sorgte für weitere Unruhe. „Das ist ja super transparent, was hier abgeht“, rief jemand aus den Zuschauerreihen. Und ein anderer: „Ich kann null nachvollziehen, dass gesagt wird, dass Sie nicht vorbereitet sind.“

Letztlich entschieden sich die Ortsbeiratsmitglieder, dem offiziellen Teil der Sitzung eine spontane Sondersitzung anzufügen. Bürgermeister Peter Leys erklärte die aktuelle Sachlage. Er verwies auf das auf der Gemeindeseite verbreitete Statement. Außerdem erklärte er, dass das Wegerecht schon zu Zeiten des Schloss-Vorbesitzers bedeutet habe, dass es nur zu bestimmten Zeiten gelte und der Weg durch den Park in zwei Flurstücken verlegt werden könne. Bislang sei das aber nicht in Anspruch genommen worden.
Die Verwaltung habe die Information zum Schlossverkauf auch erst Ende Mai bekommen, so Leys. Ende Mai sei der Verkauf über die Bühne gegangen. Die Person, die gekauft hat, habe jedoch ein Rücktrittsrecht, weil die Frage des Grundbuches noch nicht geklärt sei. Sie habe um die Löschung des Grundbucheintrages gebeten, in dem es um den Weg geht. Leys habe das nicht entscheiden wollen, die Gemeindevertretung kam zusammen. Die Entscheidung der Grunddienstbarkeit könne nicht irgendjemand treffen, das müsse die Gemeindevertretung tun. Nach langer Diskussion habe aber auch die Gemeindevertretung nicht zugestimmt und die Entscheidung vertagt. Das sei der aktuelle Stand, so Peter Leys weiter.

Nun würden verschiedene Möglichkeiten und Kompromissvorschläge diskutiert. „Es liegen einige Vorschläge auf dem Tisch“, so der Bürgermeister weiter. „Jetzt sollen alle gemachten Vorschläge geprüft werden.“ Demnächst gebe es ein weiteres Treffen, wo man sich auf eine Variante verständigen könnte.
Ein Schwantener wollte wissen, ob eventuell ein Gewohnheitsrecht zum Tragen kommen könnte, da der Weg seit Jahrzehnten öffentlich begehbar gewesen sei – eben auch in den vergangenen zehn Jahren, trotz des anders lautenden Grundbucheintrag. Karl-Dietmar Plentz bat die Verwaltung darum, dies zu prüfen.

Plentz äußerte zudem den Wunsch, dass wenn die Familie nach Schwante ins Schloss ziehe, sie auch irgendwie im Ort ankommen. Er sagte, man sei im Gespräch und man habe auf zwischenmenschliche Weise erklärt, was den Menschen im Ort der Weg durch den Park bedeute. Jetzt gehe es um den Kompromiss, mit dem die Besitzerfamilie, aber auch die Schwantener leben könnten. Das sei zum jetzigen Zeitpunkt noch offen. Das neue Konzept mit Kunst und Kultur sowie mit diversen Feiern, sei schon ziemlich viel. Nun müsse man sehen, wie man weiter zusammenkomme. Er lobte die Bewohner aber auch für ihr Engagement. „Wir hatten lange nicht so ein Dorfgefühl“, so Plentz.

Uta Hoffmann (SPD) merkte an, dass ein Vertrag geschlossen worden sei, wo drei Parteien etwas zu sagen haben. Mit denen, die die Grunddienstbarkeit angeht, sei jedoch zunächst nicht gesprochen worden. „Wir haben den Pfund der Grunddienstbarkeit da, wir können nicht sagen: Augen zu und durch.“ Sie sagte aber auch, dass auf der anderen Seite durchaus zugehört werde. Man müsse aufeinander zugehen, und es müsse ein anderer Anfang gemacht werden, auch wenn es nicht der Wunschanfang sei.
Dirk Jöhling (BfO) sagte, dass die Grunddienstbarkeit nicht gelöscht werde, sondern der Inhalt der Vereinbarung werde verändert. „Wir reden über ein Privatgrundstück, und wir werden für Schwante eine tolle Lösung finden, die anders ist.“ Er sagte auch, dass die neue Familie hier leben wolle und sie es befremdlich finde, was im Ort geschehe. Während es Picknicks am Pfingstmontag machte sie diesen Eindruck jedoch nicht, und Jöhlings Aussage sorgte sowohl im Gremium als auch unter den Zuschauern für Unmut.

Bürgermeister Peter Leys warb unterdessen für Vertrauen. Bis jetzt sei nichts verloren und entschieden. Am 29. Juli findet die nächste Sitzung des Ortsbeirates in Schwante statt. Ziel ist es, dass dazu auch die Käuferin des Schlosses eingeladen wird.

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Ein Jahr für Kremmen unterwegs

Freitag, den 14. Juni 2019
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Am Sonntag wird auf dem Spargelhof die Nachfolgerin von Lara Volgnandt vorgestellt –die 18-Jährige erzählt, was sie in den vergangenen zwölf Monaten erlebt hat

MAZ Oberhavel, 14.6.2019

Kremmen.
So schnell vergeht ein Jahr. Mitte Juni 2018 ist die Kremmener Erntekönigin Lara Volgnandt gekrönt worden. Nun steht schon ihre Nachfolgerin in den Startlöchern – am Sonntag soll sie auf dem Spargelhof vorgestellt werden. Aber bis Ende August ist die 18-Jährige noch in Amt und Würden.
„Ich empfehle eigentlich jedem, das mal zu machen“, sagte Lara Volgnandt am Donnerstag. „Das ist echt viel wert.“ Sie habe in den vergangenen zwölf Monaten viel gesehen und erlebt und viele Menschen kennengelernt. Angefangen hat auch bei ihr alles mit der Krönung. „Das war sehr aufregend.“ Alle hätten sie angesehen. „Aber damit habe ich mich sehr wohl gefühlt.“ Kein Wunder, denn sie steht auch so öfter mal auf der Bühne. Sie tanzt bei den Roten Funken im Kremmener Karneval-Club.
Sie hatte gerade ihr Fachabitur in der Tasche. Sie arbeitet momentan in der Gastronomie auf dem Spargelhof. Detlef Reckin, der auch dort arbeitet, hatte sie eines Tages gefragt, ob sie sich den Job vorstellen konnte. „Ich musste eigentlich nicht lange überlegen.“ Es kam ihr sogar ganz recht, denn sie hatte im Jahr nach dem Abi genügend Zeit, die vielen Termine wahrzunehmen.

Die größten Veranstaltungen, an denen sie teilgenommen hatte, waren die Internationale Grüne Woche in Berlin und die Brandenburgische Landwirtschaftsausstellung (BraLa) in Paaren im Glien. In Berlin stand sie mehrfach mit Landrat Ludger Weskamp auf der Bühne. „Und ich saß auch in der Kutsche in der Tierhalle“, erzählt sie. Es ging später von Stand zu Stand. Lächeln und winken – das sei auf solchen Ausstellungen immer wichtig. „Aber das fällt mir eigentlich leicht“, sagt die Erntekönigin. „Ich habe da keine Scheu.“
Bei der BraLa hatten Kremmen und Oberkrämer auch einen Stand, an dem sie präsent war. „Dort wurde ich auch interviewt“, erzählt sie. Auch mit einem Trecker war sie dort unterwegs. Ebenfalls ein Höhepunkt war ihre „Hauptveranstaltung“, das Erntefest in Kremmen. „Ich saß in der Kutsche mit dem Bürgermeister und dem Oranienburger Kurfürstenpaar.“
Eine der weitesten Reisen unternahm sie nach Thüringen. „In Lauscha waren wir beim Kugelmarkt. Dort wurde die Glasprinzessin gekrönt. Sie hat uns gezeigt, wie die Weihnachtskugeln hergestellt werden.“ Am lustigsten sei der Tag gewesen, wo in Oranienburg das Fotoshooting für den Gesundheitstag stattfand. „Wir hatten wirklich viel Spaß. Wir konnten rumalbern und alles für den Tag planen.“ Das besondere: Als Kremmener Erntekönigin war sie Pate für diese Veranstaltung. „Als ich mich da das erste Mal so groß auf einem Plakat gesehen habe, da habe ich mich kurz erschreckt“, erzählt sie. „Aber ich fand es schon auch cool.“

Ein paar Termine hat sie noch zu absolvieren. Am Sonnabend besucht sie zur Brandenburger Landpartie das Erdbeerfest in Schwante. Am Sonntag ist sie beim Tourismustag auf dem Kremmener Spargelhof, wo auch ihre Nachfolgerin vorgestellt wird. „Sie ist eine würdige Nachfolgerin“, sagt Lara Volgnandt. Wer es ist, darf sie noch nicht verraten.

Die vielen Termine seien gut planbar gewesen, sagt die 18-Jährige. „Man bekommt ja rechtzeitig Bescheid, und ich hatte schon früh eine Liste mit den festen Terminen.“ Sie will bald eine Ausbildung bei Audi in Berlin beginnen und Automobilkauffrau werden. „Ein Freund hat das gelernt, und ich fand das interessant.“ Nach Berlin wird sie allerdings nicht ziehen, bekräftigt sie. „Nein, ich werde in Kremmen bleiben.“

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Jöhling beklagt schlechte Willkommenskultur

Freitag, den 14. Juni 2019
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Verhandlung um öffentlichen Schlossweg: Schwantes Ortsvorsteher im Disput mit Bürgerinitiative

MAZ Oberhavel, 14.6.2019

Schwante.
Zwar gab es am Mittwochabend in der Oberkrämer-Verwaltung ein Gespräch zum Schloss Schwante und zum Weg durch den Park. Über den Inhalt war am Donnerstag jedoch noch nichts bekannt. Stattdessen werde in der Verwaltung ein Statement erarbeitet, das jedoch erst am Freitag veröffentlicht werden soll, nachdem alle beteiligten Parteien noch mal drauf geguckt haben, hieß es. Darauf haben sich offenbar alle Beteiligten verständigt.
Anwesend waren bei dem Gespräch die Fraktionsvorsitzenden der noch amtierenden Gemeindevertretung, die mögliche neue Investorin sowie Vertreter der Verwaltung, inklusive Bürgermeister Peter Leys.

Solange dieses Statement nicht veröffentlicht worden ist, halten sich die Beteiligten noch bedeckt. Patrick Zechel (Linke) deutete an, dass es bislang noch keine Einigung gegeben habe. Die Verwaltung habe sich schwer getan, als es darum ging, das nun noch ausstehende Statement zu verfassen. Die Forderung eines Schreibens seitens der Verwaltung sei auch aus den Reihen der BfO gekommen, hieß es aus verschiedenen Kreisen. Vor dem Gespräch machte die Bürgerinitiative, die sich für die Offenhaltung des öffentlichen Weges durch den Schlosspark stark macht, noch mal deutlich, wie wichtig ihnen das Anliegen ist. „Wir konnten mit einigen Gemeindevertretern kurz ins Gespräch kommen“, sagte Martin Baum von der Initiative. Auf dem Boden vor der Verwaltung verteilt lagen am Mittwochabend mehrere Plakate.

Zu einem Disput sei es mit Schwantes Ortsvorsteher Dirk Jöhling (BfO) gekommen. Er sprach von einer schlechten Willkommenskultur gegenüber der möglichen Investorin. Dirk Jöhling sagte am Donnerstag, von der MAZ diesbezüglich befragt, dass der Umgang mit den möglichen neuen Bürgern nicht gut sei. Zum Disput in Eichstädt sagte er: „Sie wollten mich zwischen Tür und Angel befragen, das hätten sie ja schon längst machen können.“ Die Initiative hätte auch mal mit dem Ortsvorsteher reden können. Allerdings war es am Anfang der Debatte auch nicht der Ortsvorsteher, der zum aktuellen Geschehen informierte, entsprechende Anfragen abblockte. Im Gespräch mit der MAZ und den Bürgern beim Picknick am Pfingstmontag machte zudem die Investorin nicht den Eindruck, als fühle sie sich nicht willkommen.

Den CDU-Antrag den Schlossweg zu thematisieren, lehnte Jöhling im MAZ-Gespräch am Donnerstag ab. Da es sich am Montag um die konstituierende Sitzung des Ortsbeirates handele, sei das nicht möglich. Auch eine Bürgerfragestunde werde es nicht geben. Er befürchte den Vorwurf der „Mauschelei“, wenn das Thema besprochen werde, ohne dass es auf der Tagesordnung stand. Es könne bei der nächsten Sitzung besprochen werden. Wann die ist, ist noch offen.

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Treue Seele: Ohne ihn wäre das Dorffest Geschichte

Donnerstag, den 13. Juni 2019
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Ralf Hannusch (54) engagiert sich seit vielen Jahren für Bötzow – auch im Heimatverein

MAZ Oberhavel, 13.6.2019

Bötzow.
Irgendjemand muss die Zügel in der Hand haben, sonst nutzt jede gute Organisation nichts. Und Ralf Hannusch hatte große Lust darauf. Seit 2001 kümmert er sich um das Bötzower Dorffest, das am kommenden Sonnabend wieder stattfindet. „Damals ging es darum, dass jemand den Hut auf hat und die Vereine bei dem Fest zusammenhält.“
Er wollte sich engagieren, und das, obwohl er zu diesem Zeitpunkt noch relativ neu war in Bötzow. Erst 1997 ist er ins Dorf gezogen. „Wir kamen aus Berlin, ursprünglich bin ich aber aus Cottbus“, erzählt er. „Wir haben am Stadtrand ein grünes Domizil gesucht und uns gleich hier wohlgefühlt.“

Als es 2001 darum ging, dass jemand für das Dorffest gesucht wird, da hatte der vorherige „Kümmerer“ wegen Auslandsverpflichtungen keine Zeit mehr dafür. „Ich wurde gefragt, obwohl ich ja wie die Jungfrau zum Kinde kam. Ich bin eigentlich gar nicht so ein guter Organisator, und ich kannte ja hier auch noch nicht so viele Leute. Aber wir haben das dann ganz gut hinbekommen.“ Sein Vorgänger hatte ihm viele Nummern und Ansprechpartner genannt. „Die habe ich dann alle angesprochen: Leute, wir machen Dorffest-Sitzung! Dann sind die auch alle da gewesen. Wir hatten Getränke dabei und haben durchgesprochen, woran alles zu denken ist.“

Wenn es um die Vereine im Ort geht, hat Ralf Hannusch ein gutes Wort: „Ohne die Vereine wäre es echt schwierig“, sagt der 54-Jährige. „Und ohne die Feuerwehr geht hier gar nichts, die ist der Dreh- und Angelpunkt. Ansonsten hat aber auch jeder Verein seinen Stand und kümmert sich auch darum.“ Große Hilfe gab es auch von den jeweiligen Ortsvorstehern, die beim Fest sehr viel mitorganisiert haben. Inzwischen hat Mandy Krenz da die Fäden hauptsächlich in der Hand. „Ich habe ihr meine Hefter übergeben.“ Sie ist glücklich, einen wie ihn im Dorf zu haben: „Ohne die Leute mit Erfahrung wie Ralf Hannusch wäre ich baden gegangen“, sagt Mandy Krenz.

In seiner Mappe hat Ralf Hannusch immer noch alle Dorffest-Programmzettel seit 2001. Da hängt er sich immer noch rein und hilft. Auch den diesjährigen Flyer hat er gestaltet. „Das Dorffest ist ein superwichtiger Termin. Es wäre unheimlich schade, wenn es kippen würde, weil es keiner mehr organisiert.“ Schon bei der Kirmes sei es für Bötzow bedauerlich, dass es sie nicht mehr gebe. „Es ist schön, dass sich bei diesen Gelegenheiten die Menschen treffen und sich unterhalten.“
Nur einmal sei es schwierig gewesen – als genau am Tag des Dorffestes die deutsche Nationalmannschaft bei der Fußball-WM spielte. „Wir haben ein Public Viewing vorbereitet, das war eigentlich eine ganz coole Veranstaltung.“ Dennoch habe das Dorffest darunter gelitten, weil wesentlich weniger Leute da waren als sonst. „Es gibt ja außerdem viele Stimmen, die mal wieder einen Umzug zum Dorffest haben möchten.“

Er macht das aus Spaß an der Sache, sagt er. Er engagiert sich zudem im Bötzower Heimatverein, ist da der stellvertretende Vorsitzende. „Wir sind auf Mitgliedersuche“, sagt er. Es werde überlegt, mit welchen Aktionen man dem Verein noch mehr Leben einhauchen könne. „Wir überlegen, ob wir Dorfführungen anbieten.“

Ansonsten arbeitet er als Systemverwalter bei einem IT-Dienstleister in Berlin-Adlershof. „Ein weiter Fahrweg“, sagt er. In der Freizeit widmet er sich der Fotografie. Ralf Hannusch kümmert sich zudem auch um die Internetseite www.boetzow.de. „Sie ist aktuell, aber es sind keine ganz aktuellen Nachrichten drauf“, sagt er. Um dort mehr zu machen, bräuchte es Mitstreiter.

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„Ich halte mich da jetzt raus“

Freitag, den 7. Juni 2019
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Bötzows Ortsvorsteher Günter Franke verabschiedet sich nach fast 30 Jahren aus der Kommunalpolitik – und teilt noch mal in alle Richtungen aus

MAZ Oberhavel, 7.6.2019

Bötzow.
Neulich hat er einen Zander gefangen, mehr als dreieinhalb Kilo schwer. „In Dollgow, da angele ich seit 50 Jahren“, erzählt Günter Franke. Er will sich dafür noch mehr Zeit nehmen – nach insgesamt 24 Jahren im Kreistag, nach zweimal zehn Jahren als Bürgermeister und Ortsvorsteher von Bötzow. Er ist jetzt 68, und er macht Schluss mit der Kommunalpolitik.

„Der Entschluss kam vorigen Sommer“, sagt er. Damals habe sein Ortsbeirat gegen einen Bebauungsplan auf dem Gelände einer in Bötzow ansässigen Baustofffirma gestimmt. „Heute zeigt sich: das war ein Fehler. Die Firma macht genauso weiter wie bisher, aber sie dürfen keine Gebäude abreißen. Das Dorf wird dadurch nicht schöner.“
Überhaupt: Vieles, was heute in der Politik geschieht, gefällt ihm nicht mehr. Er spricht vom Niedergang „meiner Volkspartei im Osten“, den Linken. „Es stört mich, wie die Genossen mit ihren Ministern umgehen.“ Er meint Diana Golze und Hellmuth Markov. Christian Görke, linker Finanzminister in Brandenburg, sei ihm dagegen unsympathisch. „Das ist einer von der Sorte Politiker, wie sie überall rumhüpfen.“ Gregor Gysi (Franke: „Der hat uns gerettet“) sei einer der letzten mit Grips und Intellekt.

„Mein Glaube an die parlamentarische Demokratie hält sich in Grenzen“, sagt er. Er befürchtet gar einen Ruin der Demokratie. „Die ist eine schöne Sache, aber wir sind weit entfernt von der Demokratie der Griechen. In Wirklichkeit hat das Volk gar nichts zu sagen.“ Er nennt Stichworte: Dieselskandal, Klimaschutz. Zu letzterem Thema sagt er: „Man kann diese Spirale nicht mehr aufhalten.“ Die Schwelle, bevor man die Entwicklung noch stoppen könne, sei überschritten.

Nach der Kommunalwahl könne er den BfO zwar gratulieren, „aber das ist ein Pyrrhussieg.“ Die Gemeindevertretung, die nun zusammenkomme, sei sich sicherlich nicht mehr so einig wie die vorherige. „Die anderen mucken auf.“ Wer ihm zuhört, weiß: Ihn würde das freuen. Aber auch die eigene Partei in Oberkrämer beobachtet er kritisch: „Sie denken, durch Aktionismus und durch viele Anträge, die da gestellt werden, kann man die Bevölkerung erreichen. Das glaube ich nicht.“ Es komme in der Kommunalpolitik auch weniger auf die Parteien an, „sondern auf die Menschen, die was tun und was bewegen. Das ist auch mein Vorwurf an die BfO. Ihr Wahlspruch war: Wir sind für die Bürger da“, so Franke. Das sei aus seiner Sicht längst nicht immer so. Bei der Pferdesteuer sei man eingeknickt, der Umbau der Turnhalle in Marwitz sei sehr viel teurer geworden. „Es kann keiner sagen, dass keiner wusste, was da los ist.“

Für Bötzow habe er einiges erreichen können, sagt er. „Als ich 1993 angefangen habe, gab es die L 20, die war mit Teer überzogen, und die Dorfaue hatte 100 Jahre altes Pflaster. Wenn Lkw fuhren, zitterten die Häuser.“ Seitdem seien 13,8 Kilometer Straßen in Bötzow befestigt worden. 1994 fand zudem das erste Dorffest statt. „Das ist auch ein Erfolg. Ohne die Unterstützung der Vereine, Feuerwehr, Senioren, Kita, oder Schule kann man das aber gar nicht machen. Auf die alle konnte ich immer vertrauen.“

Er sei eigentlich ganz zufrieden. Wer meint, er wirke verbittert, der irrt. Auch wenn Günter Franke ein bisschen herum poltert und den Politikbetrieb verbal aufmischt – immer wieder lächelt er dabei. „In meinem Alter muss ich mich dem Zirkus nicht mehr unterordnen“, sagt er. Er will mehr angeln. „Das Angeln hat mich gerettet“, sagt er. Da könne er abschalten. Für die Familie sei mehr Zeit. Und er will sich weiter über den Politikverlauf informieren. „Aber ich halte mich jetzt da raus.“

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Überflieger: Er bringt uns die Dolomiten stimmungsvoll nach Hause

Samstag, den 1. Juni 2019
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Felix Hoffmann (21) aus Bergfelde produziert mit “FH-Edits” Filme – er dreht im Urlaub, außerdem Musikclips und gehört zum Team von “Wer besiegt Paul”

MAZ Oberhavel, 1.6.2019

Bergfelde.
Ein Flug über einen schneebedeckten Berg. Hinten strahlt die Sonne genau über der Bergkuppe. Im nächsten Schnitt ist ein Bergdorf von oben zu sehen. Dann ein junger Mann, der im Schnee an einem Spielgerät eine Drehung macht. Später verfolgt die Kamera von oben einen Snowboardfahrer. Das alles mit geschmeidigen Schnitten und mit stimmungsvoller Klaviermusik. Ein Video, das fasziniert.

Es ist auf Youtube zu finden, es heißt schlicht „Dolomites“. Produziert hat es Felix Hoffmann. Der 21-Jährige aus Bergfelde ist seit zwei Jahren nebenberuflich Videofilmer, sein kleines Unternehmen nennt sich FH-Edits. „Aber an sich beschäftige ich mich schon länger damit“, erzählt er. 2012 bekam er seine erste Gopro, eine kleine Actionkamera. Im Urlaub mit den Eltern entstanden erste Filme, auch mit Unterwasserbildern. „Ich wollte immer besser werden.“ In Thailand drehte er damit das erste Video. „Ein Freund meinte dann, ich kann das doch mal auf Youtube hochladen.“ Sieht er sich das Video heute an, findet er es aber schon langweilig. „Gerade alles Technische. Die Belichtung ist anders.“ Auch achtet er inzwischen mehr darauf, dass die Schnitte zur Musik passen. Er legte sich bis heute zwei Drohnen zu, einen Kamerastabilisator, Mikros, Beleuchtung, ein Schnittprogramm. Bald sollen noch ein Greenscreen und ein Funkmikrofon hinzukommen.

Inzwischen gibt es auf Youtube und auch auf der eigenen Webseite kurze Reisefilme mit stimmungsvollen Impressionen. Aber Felix Hoffmann arbeitete auch schon für eine Immobilienfirma und begleitete für sie einen Hausbau. Für den Musiker „Kulturerbe Achim“ aus Berlin war der Bergfelder auch schon für Videoclips verantwortlich. Auch gehört er zum Team von „Wer besiegt Paul“, der jährlichen Spielshow in der Hohen Neuendorfer Stadthalle.

„Ich liebe es, hinter der Kamera zu stehen“, sagt er. „Aber auch das Schneiden und Nachbearbeiten danach macht Spaß.“ Das Gesamtpaket. Steht eine neue Videoproduktion an, dann sitzt er mit seinem Notizbuch da: „Was brauche ich für Bilder? Welche Musik? Wie mache ich bestimme Kamerabewegungen, damit alles passt?“ Wenn es schnell gehen muss, macht er sich Notizen auf seinem Smartphone. „Ich höre mir Lieder an, da kommen meist schon die Gedanken. Ich stelle mir dann alles bildlich vor.“ Dann gehe es natürlich darum, diese vielen gedanklichen Bilder auch so umzusetzen.

Ob daraus später mal ein richtiger Beruf werden soll, steht für Felix Hoffmann aber noch nicht fest. 2015 machte er sein Abitur am Hohen Neuendorfer Marie-Curie-Gymnasium, jetzt studiert er in Berlin Psychologie. „Ich mache auch viel für die Uni“, versichert er. Auf jeden Fall will er seinen Master schaffen. „Mich interessiert das sehr.“ Nebenher versuche er aber schon, ein Netzwerk aufzubauen. „Bisher musste ich mich ja auch noch nicht entscheiden. Es ist auch noch alles viel zu unsicher, es gibt viel Konkurrenz in diesem Job“, sagt der 21-Jährige. Es gebe extrem viele gute Leute, die ebenfalls gute Filme drehen. Gerade hat er gemeinsam mit einem Kumpel einen Imagefilm über Birkenwerder hergestellt, er soll zusammen mit anderen Filmen bei einem Wettbewerb beim Birkenfest präsentiert werden. „Ich bin ja auch in Birkenwerder aufgewachsen“, erzählt er. Deshalb sei die Bindung in den Ort sehr eng. Natürlich hofft er auf einen Preis.

Ansonsten spielt Felix Hoffmann „leidenschaftlich gern Volleyball“ beim SV Electronic Hohen Neuendorf. „Und ich spiele Klavier seit 16 Jahren.“ Sein Wunsch: „Ein Video schneiden, das am Ende noch mehr Leute sehen.“

Felix Hoffmann auf Youtube: FH-Edits.
Die Webseite von FH-Edits.

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