aRTikel

In der Zeitung erschienen

aRTikel

Luthers Reformation als Theater-Experiment

Dienstag, den 23. Mai 2017
Tags: , ,

Jugendliche von der Kremmener Goethe-Oberschule waren gestern in der Nikolaikirche – es gab viel Lob und Kritik, aber die Vorbereitung war mangelhaft

MAZ Oberhavel, 23.5.2017

Kremmen.
Für alle Beteiligten war es ein spannendes Experiment. Gut 180 Jungen und Mädchen von der Oberschule Kremmen sahen sich gestern Vormittag in der Nikolaikirche das musikalische Theaterstück „Play Luther“ an. Ein Experiment deshalb, weil das gut 90-minütige Stück keine immer so leicht verdaubare Kost ist.

In der Aufführung zeigen Lukas Ullrich und Till Florian Beyerbach wie Luther damals lebte, welche Diskussionen damals geführt worden sind, welche Zwänge und Regeln herrschten und welche Auswirkungen Martin Luthers Reformationsbestrebungen im Jahr 1517 hatten. Das alles aber in einer Mischung aus moderner und altertümlicher Sprache sowie mit Liedern von Luther in modernem Stil.

Nicht alle Oberschüler sind mit diesem Stoff klar gekommen, zwischendurch war es ziemlich laut in der Kirche – auch für die beiden Schauspieler ein echter Kraftakt. „Das war eine unserer härtesten Veranstaltungen“, gab Lukas Ullrich im Anschluss zu. „Klar dürfen sie auch mal quatschen, und wir fordern sie ja auch ganz schön, aber sie müssen auch zuhören, um vielleicht auch Brücken zu ihrem Geschichtsunterricht zu erkennen.“

Dennoch hat es den meisten Schülern gefallen. „Eigentlich war es voll gut“, sagte Charline (14) danach. Auch wenn sie, wie sie sagte, nicht alles verstanden hat. „Manchmal ging alles ein bisschen schnell“, sagte Elias (16). „Aber eigentlich fand ich es ganz gut.“
Maria-Viktoria (15) fand die Diskussionen im Luther-Stück ganz spannend. „Mir hat es gefallen.“ Wie auch Martin-Michael (18) ist sie katholisch und mit der Luther-Geschichte nicht ganz unvertraut. Was ihm ein bisschen sauer aufgestoßen ist, war die Fäkalsprache, die im Stück manchmal vorkam.
Oliver (15) und Amrullah (15), die das Stück mehr oder weniger freiwillig in Lehrerbegleitung vorzeitig verlassen haben, waren nicht ganz so begeistert. „Eigentlich haben sie es gut gemacht, aber sie haben es nicht ernst rübergebracht“, sagte Oliver. „Früher war es nicht so lustig“, sagt er über die damalige Zeit, um die es im Stück ging. Amrullah, der aus Afghanistan kommt und seit 15 Monaten hier lebt, sah so ein Stück das erste Mal. „Das war alles viel zu schnell.“
Wie überhaupt alle befragten Schüler anmerkten, dass sie auf das Stück selbst nicht vorbereitet, ein wenig ins kalte Wasser geschubst worden sind.
Schulleiterin Elke Schwabe aber war zufrieden. „Das war eine gute Veranstaltung.“ Das sei Geschichte, die für die Jugendlichen heute schon sehr weit weg sei.

aRTikel

Blick auf die Barrierefreiheit

Donnerstag, den 18. Mai 2017
Tags: ,

Bernd Ostwald aus Schwante ist der neue Behindertenbeauftragte der Gemeinde Oberkrämer

MAZ Oranienburg, 18.5.2017

Oberkrämer.
Genaue Zahlen darüber, wie viele Menschen in Oberkrämer eine Behinderung haben, gibt es nicht. Es gibt nur Schätzungen, und die liegen bei 25 Prozent. Das klingt viel. „Aber es kommt auch darauf an, wie stark die Behinderung ist“, sagt Bernd Ostwald. „Es gibt auch Leute mit kleinen Behinderungen, die eigentlich noch ganz gut damit klarkommen.“

Der 64-Jährige aus Schwante wird sich in Zukunft näher damit befassen, denn er ist der neue ehrenamtliche Behindertenbeauftragte für Oberkrämer. „Ich selbst habe nur eine leichte Diabetes und den üblichen Bluthochdruck, aber ich habe Erfahrungen durch meinen Vater, der hatte ein Kriegsleiden, er war zu 80 Prozent behindert.“ Es sei auch immer gut, Probleme aus der Sicht von nicht-behinderten Menschen betrachten zu können. „Allerdings muss ich auch noch einiges an Wissen aufbauen“, gibt er zu. Das will er in den nächsten Wochen und Monaten tun.
Bernd Ostwald, der auch stark für die CDU in der Kommunalpolitik in Oberkrämer sowie in der Kirchengemeinde in Schwante-Vehlefanz aktiv ist, möchte sich nun auch für diese Belange einsetzen. „Ich sehe mich da als Kümmerer. Für Menschen da zu sein gehört zu meinem christlichen Weltbild“, sagt er.

Geboren im thüringischen Artern, aufgewachsen in Oberhausen, zog es ihn später nach Berlin und 1996 nach Schwante. Er ist seit 32 Jahren verheiratet und arbeitete zuletzt als Handels- und Industrievertreter für Elektrotechnik und Consulting. Seit Anfang März ist er Rentner. „Aber ich kann jetzt nicht nur acht Stunden am Tag Gartenarbeit machen und Zeitung lesen, ich möchte weiter öffentlich sinnvoll tätig sein“, sagt Bernd Ostwald.

An ihn können sich nun behinderte Menschen wenden, die zum Beispiel Hilfe brauchen bei speziellen Problemen oder Anträgen. Ein wichtiges Thema ist in diesem Zusammenhang die Barrierefreiheit. „Die Gemeinde Oberkrämer besitzt etwa 110 Wohnungen, und wir hatten beschlossen, dass, wenn eine Wohnung frei wird, sie dann zumindest senioren- oder sogar behindertengerecht zu sanieren.“Auch beim Straßen- und Wegebau werde er verstärkt darauf achten, dass sich die Schwierigkeiten für Geh- oder Sehbehinderte in Grenzen halten.
„Es ist ja so, dass, wenn wir unsere Umwelt seniorengerecht gestalten, dann ist die weitgehend auch behindertengerecht.“ So möchte er auch von den Menschen in Oberkrämer wissen, ob die Flächen rund um das Schwantener Ärztehaus oder am dortigen Bahnhof so begehbar sind, dass alles reibungslos funktioniert. Auch möchte sich Bernd Ostwald mit den Seniorenbeauftragten aus den einzelnen Ortsteilen treffen, um mit ihnen eventuelle Probleme zu erörtern.

Wer Kontakt aufnehmen will, kann das über die Verwaltung tun. Martina Wellnitz ist unter 03304/393238 zu erreichen, sie stellt dann den Kontakt zu Bernd Ostwald her.

aRTikel

Nachbarinnen retteten ihm das Leben

Dienstag, den 16. Mai 2017
Tags:

Swen Bilka aus Ludwigsaue hatte Helferinnen im Notfall

MAZ Oranienburg, 16.5.2017

Ludwigsaue.
Inzwischen geht es Swen Bilka aus Ludwigsaue bei Kremmen schon wieder ganz gut, die vergangenen Wochen jedoch waren eher hart. Aber immerhin hat er im Dorf auch ein Stück lebensrettende Nachbarschaftshilfe erlebt, wofür er sehr dankbar ist.

Kürzlich wurde er an der Charité in Berlin in der Leistengegend operiert – nicht das erste Mal. Allerdings gab es diesmal im Nachhinein schwere Komplikationen. „Ich war schon vier Tage zu Hause“, erzählt Swen Bilka. „Ich setzte mich am Morgen auf die Gartenbank und wunderte mich, weshalb es am Bein so heiß wird.“ Es war aber kein verschütteter Kaffee, sondern Blut. Es kam aus der OP-Wunde, die sich wieder geöffnet hatte. „Ich versuchte, sie zu stillen, aber das ging nicht.“
Ein dramatischer Augenblick. Der Blutende wollte daraufhin seine Nachbarin holen, sie ist Krankenschwester. „Leider war sie gerade nicht da.“ Er rief eine andere Nachbarin, „und es trafen beide zur gleichen Zeit dann ein.“ Die Krankenschwester konnte aber so schnell nichts machen, „sie versuchte, die Blutung zu stoppen, die andere Nachbarin rief den Rettungswagen“, erinnert sich Swen Bilka. Aber auch die Sanitäter, die nach Ludwigsaue kamen, konnten erst mal nicht helfen, der Notarzt musste mit dem Helikopter eingeflogen werden. „Er entschied, als klar war, dass die Blutung nicht zu stoppen ist, dass ich in die Charité geflogen werden muss.“
So kam es dann auch. „Mein Leben hing in diesen Minuten wirklich am seidenen Faden“, sagt Swen Bilka. Er ist sehr dankbar, dass er zwei so hilfreiche Nachbarinnen in Ludwigsaue hat, die gleich wussten, was zu tun ist.

Deshalb möchte er sich auf diesem Wege auch bei der Krankenschwester Steffi Gotthard und bei der Nachbarin Kerstin Borchert ganz herzlich bedanken.

aRTikel

Der Mann mit den Gläsern

Samstag, den 6. Mai 2017
Tags: , , ,

Axel Merkel macht seit 1989 Musik auf ganz besondere Weise, am Donnerstagabend gastierte er mit seinem Programm in Sommerfeld

MAZ Oranienburg, 6.5.2017

Sommerfeld.
Vor Axel Merkel steht ein Tisch mit lauter Gläsern drauf. Der 62-Jährige aus Halle an der Saale hat aber keinen übermäßigen Durst, sondern die Gläser sind seine Musikinstrumente.
Am Donnerstagabend gastierte Merkel (der natürlich nichts mit Angela zu tun hat, wie er am Anfang betonte) im Saal der Sommerfelder Rehaklinik. Eine gute Stunde lang unterhielt er Patienten und auswärtige Gäste. „Es sind Melodien, wo ich denke, dass der eine oder andere sie kennt“, so der Musiker.

Auf dem Tisch vor ihm stehen seine Gläser, alle sind sie unterschiedlich hoch mit einer Flüssigkeit gefüllt. Was genau es ist, will Axel Merkel nicht verraten. „Das ist mein Klangwasser“, sagte er nach dem Konzert. Es kommt danach auch nicht in den Ausguss, sondern Merkel saugt es mit einem Schlauch wieder auf, so dass er es beim nächsten Mal wieder verwenden kann.
Er hat weiße Gummihandschuhe an, die er während des Auftrittes immer wieder unauffällig befeuchtet. Die verschiedenen gefüllten Gläser stehen so, dass er genau weiß, welches Glas welchen Ton trifft – fast wie bei einer Klavier-Tastatur. So beginnt er mit dem Lied vom Chianti-Wein, später kommt noch der Schneewalzer, bei dem die Zuschauer mitsingen und mitschunkeln. Später folgen noch „I will always love you“, Elton Johns „Circle of Life“ und Michael Jacksons „You are not alone“. Zwischendurch hat er noch zwei Eigenkompositionen vorgestellt.
Merkel spielt auf den Gläsern meist die Gesangsstimme, die Musikbegleitung kommt aus der Konserve. „Spielt der wirklich live?“, wollten dann natürlich auch gleich einige der Gäste wissen. „Es ist eine angenehme Pflichtübung, dass ich auch zwei bis drei Lieder ohne Begleitmusik spiele“, so Axel Merkel. So war dann auch das A-capella-„Heidenröslein“ ein kleiner, besinnlicher Konzerthöhepunkt, und fast möchte man sich wünschen, dass der Musiker ein paar Lieder mehr ganz ohne akustisches Begleitorchester zum Besten gibt.

Seit 1989 ist der Hallenser mit den Gläsern unterwegs. Extra zusammenstellen muss er sie nicht. Sowohl die Gläser auch die neun kleinen Mikrofone sind darauf befestigt und werden genau so auch in seinem großen Koffer transportiert. Berufsmusiker ist Axel Merkel noch sehr viel länger. „1977 habe ich angefangen, beruflich Musik zu machen, ich habe in mehreren DDR-Bands gespielt“, erzählt er. In einer Kneipe mit seinen Bandkollegen entstand die Idee der Musik auf Gläsern – die ihn so fasziniert hat, dass er das Ende der 80er zu seinem Hauptjob erklärte.

aRTikel

Im Sommer geht es zur U-21-Fußball-EM nach Polen

Mittwoch, den 3. Mai 2017
Tags: , ,

Jan Seidel (32) aus Schwante ist Schiedsrichter-Assistent und wird in der Bundesliga und bei der Champions League eingesetzt

MAZ Oberhavel, 3.5.2017

Schwante.
Möchte sich Jan Seidel entspannen, joggt er am Vehlefanzer Mühlensee. Weg vom Trubel des Alltags. Am Sonnabend erst stand der 32-Jährige aus Schwante in Leipzig am Fußballfeld: Er ist Schiedsrichter-Assistent, und in diesem Fall überwachte er die Partie zwischen dem RB Leipzig und dem FC Ingolstadt mit.

Er war 14, als seine Karriere als Schiedsrichter begann. „Ich war selbst Spieler bei den Potsdamer Kickers“, erzählt Jan Seidel. In Berlin geboren, wuchs er in Groß-Glienicke auf, zog später nach Hennigsdorf, seit dreieinhalb Jahren lebt er mit seiner Familie in Schwante.
Sein Vater war es, der ihn einst ansprach, ob er nicht Schiedsrichter werden möchte. „Ich habe mich dann dafür entschieden.“ 2001 stand er das letzte Mal als Spieler auf dem Fußballfeld.

Er begann in den unteren Ligen und stieg Jahr für Jahr auf. „Wichtig dafür sind Persönlichkeitsmerkmale, das Alter, absolvierte Lehrgänge oder Lauftests.“ Es wird ein Ranking erstellt, und wer ganz oben ist, steigt auf. Jetzt gerade ist der Schwantener Schiedsrichter-Assistent in der 1. Bundesliga. Aber das ist noch nicht alles: In dieser Saison war er auch bei zwei Champions-League-Spielen als vierter Offizieller dabei, eines in London, eins in Paris.
Ist man da ehrfürchtig? „Man hat eher Respekt“, sagt Jan Seidel. „Man kennt ja die Stadien aus dem Fernsehen.“ Wenn man aber schon in Dortmund, München oder auf Schalke war, habe man ja bereits große Stadien erlebt. Im historischen Stadion von Arsenal London sei das aber doch noch mal ein anderes Gefühl gewesen, erzählt er.

Geht es noch weiter nach oben? „Einiges geht schon noch“, sagt der Schwantener. Im Sommer ist er für die U-21-EM in Polen nominiert. „Bei einem Turnier dabei zu sein war immer mein Ziel, das klappt jetzt.“ 13 Jahre lang kann er auf der internationalen Ebene noch dabei sein. Mit 45 ist Schluss, in Deutschland mit 47 Jahren. „Da ist natürlich noch das Ziel, bei einem großen Turnier dabei zu sein.“

Natürlich treffe er auch schon mal Fehlentscheidungen. „Es gibt immer etwas, was man besser machen kann.“ Jedes Spiel werde aber genau analysiert. Wichtige Situationen sehe er sich im Nachhinein noch mal an, sagt er.

In Kilometern lässt es sich schwer ausdrücken, aber Jan Seidel ist viel unterwegs. „Bei nationalen Spielen bin ich anderthalb Tage weg, bei internationalen Spielen drei Tage.“ Um die 100 Nächte im Jahr verbringt er in Hotels. „Aber wenn mich das nerven würde, dann würde ich aufhören“, sagt er. Immerhin ist es ja sein Hobby, das er damit auch betreibt. „Man muss viel Zeit opfern, aber ich sehe das positiv. Nach Rom würde ich sonst kaum kommen.“

Eigentlich arbeitet Jan Seidel im Controlling bei der Investitionsbank in Berlin. „Das ist ein Sitzjob und der Kontrast dazu.“ Seinen Job dort hat er auf 20 Stunden in der Woche reduziert. „Da geht das ganz gut, mehr ist nicht machbar.“

„Die Familie managt sich in der Zeit, in der ich unterwegs bin, ganz gut“, erzählt er. „Meine Frau macht sehr viel, sie ist die Säule in unserem Haus, sie hält alles zusammen.“ Die ganze Familie helfe aber mit, Oma, Opa, die Tante.
Schwante, das Dorf in dem Jan Seidel nun seit einigen Jahren lebt, bezeichnet er als seinen Rückzugsort. „Ich bin ja in Berlin aufgewachsen, wir haben direkt am Alex gewohnt, lauter geht es nicht.“ Irgendwann habe er gesagt: Es reicht mit der Großstadt, er wollte dem Stress entgehen. Er genießt nun die Ruhe beim Joggen am Mühlensee. Fit hält er sich aber auch bei der Betriebssportgruppe seines Arbeitgebers.

Welches Spiel Jan Seidel als nächstes als Schiedsrichter-Assistent begleiten wird, weiß er übrigens noch nicht hundertprozentig. Die Ansetzungen werden zwar zehn Tage vorher festgelegt, er weiß zunächst jedoch nur, dass er am besagten Spieltag in der Bundesliga eingesetzt wird. Bei welchem Spiel ganz genau, das erfährt er dann erst drei Tage davor.

aRTikel

Alte Kremmener Turnhalle für den Schulsport gesperrt

Samstag, den 29. April 2017
Tags:

Zwar kein Schimmel, aber Bakterien in der Luft – Momentan ist unklar, welche Gesundheitsrisiken bestehen – Rektorin will Gewissheit und Entscheidungen

MAZ Oranienburg, 29.4.2017

Kremmen.
Der Schulsport in der alten Turnhalle an der Kremmener Goethe-Grundschule ist vorerst ausgesetzt. Das teilte Schulleiterin Annette Borchert gestern mit. Bis mindestens Ende nächster Woche entfällt der Sportunterricht in diesem Gebäude.
„Aufgrund der unklaren gesundheitlichen Risiken“, so steht es auf dem Zettel, der am Eingang zur Halle klebt. Annette Borchert zieht die Konsequenzen aus der aktuell ziemlich unklaren Situation.

Schon sehr lange ist die alte Turnhalle ein Sorgenkind. Immer wieder regnet es an einigen Stellen durch, die entsprechenden Stellen sind an den Hallenwänden zu sehen. Einige Wände sind feucht. Zeitweise – nicht gestern Vormittag – soll es modrig im Gebäude riechen.

Weil es die Befürchtung gab, dass auch der Schimmel angesetzt hat und für eine entsprechende Luftverschmutzung sorgt, ist durch die Verwaltung ein Gutachten in Auftrag gegeben worden. Das Ergebnis lag offenbar Mitte März vor, denn vom 16. März, da war Bürgermeister Klaus-Jürgen Sasse noch im Amt, ist der Aushang der Verwaltung an der Turnhalle. Das sorgt – mit etwas Verspätung – für Ärger.
In dem Schreiben heißt es, dass es keinen Schimmelbefall in der Turnhalle gebe. „Jedoch wurden in der mikrobiologischen Untersuchung zahlreiche Bakterien nachgewiesen“, heißt es da. Diese könnten durch die oft hohe Luftfeuchtigkeit entstehen. Unklar sei, welche Gesundheitsrelevanz daraus entstehe, es gebe keine Grenzwerte.
Der Grad der Gesundheitsgefährdung hänge vom Schadensausmaß, von der Konzentration in der Raumluft, von der gesundheitlichen Vorbelastung und von der Aufenthaltsdauer ab. Im schlimmsten Fall könne es bei einigen Menschen zu Allergie-Symptomen kommen. Die Entscheidung die Halle zu nutzen, liege bei jedem selbst.

Schulleiterin Annette Borchert ist auch darüber irritiert, dass ihr zu diesem Zeitpunkt das Schreiben nicht übermittelt worden ist. Erst eine gute Woche später ist ihr der Zettel an der Halle aufgefallen. Sie forderte von der Verwaltung – die Stadt Kremmen ist der Schulträger –, dass dieses Schreiben den Eltern zugeschickt werde.
„Allerdings ist das alles so nicht zu händeln“, sagte sie gestern. „Deshalb habe ich die Halle nun für den Schulsport mindestens für die nächste Woche gesperrt. Ich sehe mich nicht in der Verantwortung, zu entscheiden, ob die Kinder in die Halle können oder nicht.“ Nach ihren Informationen gebe es drei Kinder, die vom Schulsport auf die Zettelinfo hin abgemeldet worden seien. „Aber es gibt ja auch die Schulpflicht im Sport“, so die Rektorin. Der Sport-Unterricht werde kommende Woche größtenteils draußen stattfinden. In einem Klassenraum oder in den Toiletten können sich die Kinder umziehen. Annette Borchert hofft auf Entscheidungen in der nächsten Woche: „Wir erwarten, dass sich die jetzige Kann-Situation ändert.“ Entweder könne die Halle genutzt werden oder nicht. Sie fordert ein klares Statement seitens der Verwaltung.

„Wir hätten die Halle sofort gesperrt, wäre dort Schimmel gewesen“, sagte Bürgermeister Sebastian Busse (CDU) gestern. In der Hinsicht sei das Gutachten klar. Eigentlich sollte nur informiert werden, dass sensible Menschen Probleme kriegen könnten, so Busse. Doch dies hat sich nun als nicht ausreichend erwiesen – die Eltern und die Schulleitung wollen Klarheit.
Sebastian Busse geht davon aus, dass der Schulsport demnächst in die Stadtparkhalle umzieht – gemeinsam mit der Oberschule. Zeitlich sei das machbar, er habe das schon durchgerechnet, so Busse. Er wolle nächste Woche mit den Schulleiterinnen darüber sprechen.

Allerdings müssen auch langfristige Lösungen her, und die werden teuer. Die Dachabdeckung und die Fassade würden schon etwa 230.000 Euro kosten, die Komplettsanierung 450.000 Euro, ein Neubau könnte geschätzt 1,8 Millionen Euro kosten. „Das ist eine ganz klare Altlast, der in den vergangenen Jahren nie große Beachtung geschenkt worden ist“, so der Bürgermeister, der seit dem 21. März im Amt ist, gestern. Die Stadtverordneten müssten sich nun auch Gedanken machen, so Busse. Im nächsten Bauausschuss werde das ein Thema sein – der aber tagt nach jetzigem Stand aber erst wieder am 20. Juni.

aRTikel

Der digitale Modellbahn-Steuermann

Freitag, den 21. April 2017
Tags: ,

Hans-Jürgen Passlack kümmert sich in Kremmen darum, dass auf den Vereinsanlagen alles rund läuft

MAZ Oberhavel, 21.4.2017

Kremmen.
Die neueste Errungenschaft auf der Kremmener Modelleisenbahnplatte: Ein Zug, bei dem auf einem offenen Waggon eine Kamera befestigt ist. Auf einem kleinen Monitor können die Fahrten nun live beobachtet werden.
Hans-Jürgen Passlack beobachtet genau, was auf dem Monitor zu sehen ist. Der 64-Jährige aus Schwante ist seit zwei Jahren im Modelleisenbahnverein in Kremmen aktiv, der seine Räume in der Ruppiner Straße 60 hat. Auch zu Hause hat Passlack eine Modelleisenbahn, und in Kremmen kam er einst zum „Tag der offenen Tür“. „Beruflich hatte ich nicht mehr so viel zu tun, ich hatte Freiräume, und ich dachte, hier kann ich mich mit den anderen austauschen und Erfahrungen einbringen.“ Er konnte und kann es immer noch.
In Kremmen kümmert sich Hans-Jürgen Passlack vor allem um den Bereich der digitalen Steuerung. „Die Anlage wurde noch händisch betrieben“, erzählt er. Nach und nach ist die Anlage umgestellt worden, inzwischen läuft alles automatisch mit entsprechenden Programmen.

Seit einiger Zeit hat der Verein eine zweite Anlage. „Aber vernünftige Zugfahrten waren dort nicht möglich“, erzählt der Schwantener Modellbahnfan. „Wir mussten daran arbeiten, einen guten Fahrbetrieb hinzubekommen. Wir haben Gleise entdeckt, die so nicht funktionierten, da waren Sackgassen eingebaut.“
Zu Hause arbeitete er an einer neuen Gleisplanung. „Das finde ich sehr spannend, das Hobby betreibe ich seit meiner Kindheit“, sagte der 64-Jährige. Ihn reizen die technischen Problemstellungen, aber auch das Kreative an den Anlagen, also der Landschaftsbau oder witzige Geschichten.

Momentan überlegen die Vereinsmitglieder, die Anlage im oberen Stockwerk komplett umzubauen. „Wir versuchen rauszukriegen, ob wir das wirklich wollen und was die Konsequenzen wären. Wir haben alle viele Erfahrungen mit solchen Anlagen, und die wollen wir in eine überarbeitete Anlage einbringen.“ Es sei auch nicht unüblich, dass Modellbahner ihre Anlagen komplett ab- und wieder aufbauen.
„Die große Aufgabe fehlt uns gerade ein bisschen“, gibt der Vereinschef Peter Kähler in dem Zusammenhang zu. „Und das wäre als Aufgabe ganz interessant.“

Momentan kommen sieben Jugendliche regelmäßig in den Verein, insgesamt hat er 24 Mitglieder, davon sind zwölf aktiv. Nachwuchs zu finden sei das größte Problem, sagt Hans-Jürgen Passlack.
Der Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik hat schon versucht, auch die eigenen Kinder für die Modellbahn zu begeistern. „Das ist mir bis jetzt noch nicht gelungen“, sagt er. „Aber vielleicht kommt das ja später noch.“