aRTikel

In der Zeitung erschienen

aRTikel

2000 schnelle Stoßwellen

Freitag, den 14. Dezember 2018
Tags: , , ,

In der Kremmener Physiotherapie-Praxis behandelt Jonas Wolf seine Patienten mit einem speziellen Gerät – Heilung von chronischen Muskelstörungen möglich

MAZ Oberhavel, 14.12.2018

Kremmen.
2000 Stöße innerhalb von wenigen Minuten. Direkt auf die Haut, direkt in den Körper. Anfangs nicht zwingend angenehm – aber es soll helfen.

„Als Physiotherapeut will man ja immer das Bestmögliche rausholen bei einer Behandlung“, sagt Jonas Wolf. Er arbeitet in der Praxis von Beate Pleger in Kremmen. „Bei chronischen Sehnenreizungen kommt man aber an seine Grenzen.“ Allerdings kann Jonas Wolf seit einigen Wochen mit einem Gerät arbeiten, das es in der Region nur sehr selten in einer Physiotherapie-Praxis gibt. „Wir arbeiten mit der radialen Stoßwelle“, erzählt er.

Eine Stoßwelle sendet kurze Schallimpulse von sehr hoher Energie, sie wirkt immer von außen in den Körper ein“, erklärt er. Zum Beispiel beim so genannten Tennisarm. Jonas Wolf fühlt die erkrankten Muskel. Dann nimmt er das Gerät, schaltet es ein und setzt es direkt an die Stelle, die weh tut. Nach etwa 300 Stößen, die von dem Gerät ausgehen, setzt er kurz ab und legt es an einer danebenliegenden Stelle wieder auf. Bis am Ende 2000 solcher Stöße erreicht werden – auf dem Display wird der Countdown runter gezählt.
„Der Schall dringt ein“, erklärt Jonas Wolf. Dadurch soll der Stoffwechsel verbessert werden, es soll eine Mikrozirkulation auf Zellebene angeregt werden. Oder salopp gesagt: Der Körper bekomme gesagt, dass er das Problem in den Griff kriegen müsse, es werde ein Reiz auf die Struktur ausgeübt, der Körper fange dadurch an, verstärkt zu arbeiten. Die ganze Prozedur dauert nur wenige Minuten – muss aber im Abstand von ein paar Tagen mehrfach wiederholt werden, bis es zur Heilung kommt. Das Ganze hat allerdings einen Haken: Die Krankenkassen bezahlen die Behandlung nicht. „Da wollen sie nicht ran“, sagt Jonas Wolf. Die Patienten müssen selbst in die Tasche greifen.

Heidrun Kattner aus Flatow gehört zu seinen Kundinnen. Die Lehrerin lässt sich in der Praxis ihren Fersensporn mit der radialen Stoßwelle behandeln. „Es ist am Anfang ein sehr unangenehmes Gefühl gewesen, dass muss man schon sagen“, erzählt sie. Aber inzwischen hatte sie fünf Behandlungseinheiten, und sie spüre, dass es inzwischen nicht mehr so schlimm sei und ein Erfolg in Sichtweite sei. „Häufig sind das Patienten mit langen Leidensgeschichten“, sagt Jonas Wolf. „Der Leidensdruck ist da groß.“ Wichtig sei, dass der Patient ganz am Ende wieder schmerzfrei sei.
Heidrun Kattner hatte das Fersensporn-Problem bereits am anderen Fuß, und es war eine langwierige Angelegenheit. „Diesmal wollte ich nicht ewig warten, und dann ist es mir das Geld auch wert“, erzählte sie.

Seit zwölf Jahren ist Jonas Wolf Physiotherapeut, seit zehn Jahren arbeitet er in der Kremmener Praxis, in der insgesamt 20 Leute beschäftigt sind. Die Größe der Firma habe die Anschaffung des Gerätes möglich gemacht, sagt er. Ob sich die Kosten amortisieren, sei nicht klar. Zumal ja längst nicht alle Patienten mit der Stoßwelle behandelt würden. Heidrun Kattner jedenfalls ist zufrieden. „Beim ersten Mal habe ich gesagt, da gehe ich nie wieder hin. Aber es ist definitiv so, dass es von Mal zu Mal besser wird“, erzählt sie.

aRTikel

Erstes Album am Horizont

Mittwoch, den 28. November 2018
Tags: , , , , , , ,

Die Band Altertune bringt Songs heraus – geprobt wird regelmäßig im Leegebrucher Jugendclub – dort nimmt sie auch ihre Musik auf

MAZ Oranienburg, 28.11.2018

Leegebruch.
Ihren bisher schönsten Auftritt hatten sie beim Veltener Hafenfest. „Das war ein gutes Feeling auf der großen Bühne“, sagt Christian Kunz. Der 30-jährige Oranienburger ist Teil des Bandprojektes Altertune. Seit September 2017 gibt es die Gruppe in der aktuellen Zusammensetzung. Gerade haben sie ein kleines Album mit sieben Songs herausgebracht. Der Titel: „Horizont“. So heißt auch einer der Songs auf dem Album, zu dem es auf Youtube auch ein Musikvideo gibt.

Altertune – das sind Laura Stubbe (23) aus Vehlefanz. Sie ist die Sängerin und arbeitet im Jugendamt. Christian Kunz, Gesang und Produktion, ist Koch bei der Berliner Polizei. Der Maschinenfahrer Sebastian „Zeus“ Beuster (25) rappt und ist ebenfalls für die Produktion zuständig. Außerdem ist noch Danny „Ride“ Engel (27) aus Hennigsdorf mit dabei.

„Christian und ich kennen uns seit fünf Jahren“, erzählt Sebastian Beuster. „Wir haben schon viel gemacht, hatten nun aber Bock auf eine Gruppe.“ Mit ihrer Musik wollen sie verschiedene Zielgruppen bedienen und vereinen. Laura und Kunz (als Spitzname gesprochen mit langem U) machen eher den softeren Pop. „Das sind größtenteils emotionalere Songs.“ Gesellschaftliche Themen, aber auch über Freundschaft und Liebe. Andererseits bedienen Zeus und Ride die HipHop- und Rap-Schiene. „Da können wir auf den Putz hauen, auch mal sagen, was uns gesellschaftlich auf den Sack geht und können manchmal laut werden“, erzählt Zeus. So solle bei Konzerten für jeden etwas dabei sein.

Und warum Altertune? Die Musiker lachen bei der Frage. Es handele sich dabei um eine Zusammensetzung. Sie kommt von zwei Technikprogrammen, vom Autotune und dem Programm „Little Alter Boy“, die beide auf ihre Art den Klang der Stimmen verändern können.

Die Songs von Altertune – egal, ob in der Pop- oder der Rapsparte – bestechen durch ihre mitunter sehr eingängigen Melodien. Ein Lied wie „Horizont“ bleibt sehr schnell im Ohr. Den ersten gemeinsamen Auftritt hatte Altertune im vergangenen Jahr beim Benefizkonzert nach dem Starkregen in Leegebruch. „Das Gefühl mit der eigenen Musik auf der Bühne zu stehen, ist unbeschreiblich“, erzählt Zeus und lächelt. „Wenn alle feiern, was du da machst. Das ist dann krass.“

Nun ist schon das erste Album fertig. Es entstand im Leegebrucher Jugendclub, da gibt es die entsprechende Technik. Dort treffen sich die vier Bandmitglieder auch immer wieder zum Proben. „Wenn einer unserer Songs mal im Radio laufen würde, das wäre ein Traum“, sagt Zeus. Das müsse man sich aber nach und nach erarbeiten, gibt Kunz danach zu bedenken. „Dafür sind wir auch noch zu jung als Gruppe“, schiebt Laura nach. Auf jeden Fall wollen sie auch 2019 wieder Auftritte absolvieren. Beim Veltener Hafenfest, auch aufs Hennigsdorfer Stadtfest wollen sie sehr gern.

Die Band im Internet: www.facebook.com/AlterTune. Youtube: AlterTune Musik. Das Album gibt es auf allen bekannten Streamingportalen wie Spotify.

aRTikel

Landwirtschaft mitten im Luch

Donnerstag, den 25. Oktober 2018
Tags: , , , ,

Familie Petri wohnt und arbeitet in Moorhof bei Kremmen – die Heuernte bringt Geld ein

MAZ Oberhavel, 25.10.2018

Moorhof.
Janz weit draußen. Wer auf dem Hof der Petris steht, der weiß, was damit gemeint ist. Sie wohnen in Moorhof. Das liegt mitten im Luch, nordwestlich von Kremmen, knappe zwei Kilometer von Linumhorst entfernt. Sebastian Petri ist jetzt 34, seit zwei Jahren lebt er dort mit seiner Frau Juliane (33). Er ist dort aufgewachsen, es ist sein Elternhaus. Inzwischen haben die beiden ein Kind. Jakob ist zehn Monate alt. Die Eltern haben eigene Räume.
War klar, dass Sebastian wieder zurück auf den Hof kommt? „Jein“, sagt er. „Es stand fest, dass meine Eltern irgendwann hier aufhören werden zu arbeiten. Und dass sie es schön finden würden, wenn es hier irgendwie weitergeht.“ Dass er die Landwirtschaft im Nebenerwerb betreiben werde, das sei ihm immer klar gewesen. Aber 2016 hatte das junge Paar entschieden, aus der Berliner Hektik komplett raus nach Moorhof zu ziehen. „Ich finde es angenehm“, sagt Juliane Petri. Sie arbeitet in Berlin-Neukölln als Ausbilderin im Rehabereich. Gerade ist sie aber in Elternzeit. „Das genieße ich.“ Für sie ist Moorhof ihr Zuhause – für ihren Mann und ihre Schwiegereltern auch der Arbeitsort.

Am Morgen geht es für Sebastian Petri aufs Feld raus. Sich um die Tiere kümmern – die Familie hat 140 Kühe und 22 Wasserbüffel, außerdem Pferde, Hühner und Gänse. „Ich schaue, ob es den Tieren gut geht“, erzählt der Landwirt. Im Winter müssen die Kühe zugefüttert werden, im Sommer kommen sie in der Regel selbst klar. Dazu kommen: mähen und pressen. Denn in der Hauptsache leben die jungen Petris vom Handel mit Heu, die Eltern von der Tierhaltung. 86 Hektar Land gehören Sebastian Petri, der Großteil befindet sich bei Hakenberg und nahe Wall.

Den trockenen Sommer erlebte er als durchwachsen. „Wir haben Flächen, wo wir normalerweise 250 bis 280 Rundballen Stroh haben, dieses Jahr sind es 27.“ Aber auf den naturnahen Flächen, in der Nähe der Moore, da habe er keine Ertragseinbrüche gehabt. „Deswegen haben wir letztlich keine Heuknappheit, aber die Qualität des Heus ist durchaus schlechter.“ 2017 stand dagegen auf den Flächen überall das Wasser. Da war es dann auch schon mal etwas schwieriger, überhaupt aus dem Luch wegzukommen.

Was sich Sebastian Petri auf die Fahnen geschrieben hat, ist der Naturschutz. Gemeinsam mit Kremmener Landwirten wollte er sich darum kümmern, die Moore wieder feuchter zu bekommen. „Das wäre gut für die CO2-Reduzierung“, sagt Sebastian Petri. „Leider wurde die Info über das Förderprogramm von Landesebene nicht auf die Kreisebene weitergegeben.“ Dort hänge das Projekt in der Schwebe, bedauert er. Bekämen sie die Förderung, könnten sie Staumarken setzen, um den Moorkörper im Luch feucht zu halten. „Er muss feucht sein, um Wasser aufnehmen zu können. Damit kann auch ein Torfbrand unterbunden werden.“ Er verweist auf die Brände, die im Spätsommer nördlich von Kremmen immer wieder aufgeflammt waren. Allein in diesem Jahr betrage der Moorverlust etwa zwei Zentimeter. „Das ist wahnsinnig viel. Da verändern sich schon die Strukturen der Gräser.“ Auch die Errichtung eines Biomasseheizkraftwerkes ist ihm ein Anliegen. „Man könnte dort Wärme aus Heu erzeugen.“ Das Problem sei allerdings die daraus entstehende Asche. Die werde immer als schädlich angesehen, sei aber in diesem Fall ein „einwandfreier Dünger. Die könnte man wieder auf die Flächen auftragen“, sagt der Landwirt.
Gescheitert ist letzteres Projekt bislang an den Investitionskosten. Die Idee, dass sich die Stadt Kremmen beteiligt, ein Wärmenetz zwischen den Wohnblöcken an der Ruppiner Chaussee und dem Schulgelände aufzubauen, kam nicht zustande. „Alleine können wir das nicht stemmen“, so der 34-Jährige.

Die Petris betreiben einen kleinen Familienbetrieb – da muss am Ende jeder mit anpacken. Wenn seine Mutter irgendwann aufhört zu arbeiten, dann muss seine Frau Juliane Petri in den Landwirtschaftsbetrieb einsteigen. Der Plan steht schon fest. Sie gibt dann ihren Job in Berlin auf. „Nächstes Jahr mache ich erst mal den Traktorführerschein“, sagt sie. „Da habe ich ein bisschen Manschetten.“ Bis dahin kümmert sie sich aber erst mal um den kleinen Jakob.

aRTikel

Ein Stück Velten schwappt nach Marwitz über

Freitag, den 12. Oktober 2018
Tags: ,

Ortsgrenze verläuft Am Tonberg entlang – Wohnpark wird aufOberkrämer-Gebiet gebaut – das führt zu Problemen

Marwitz.
Am Tonberg entstehen derzeit neue Wohnhäuser: die so genannte „Parkstadt Velten II“. Allerdings: Sie befindet sich in Marwitz. An dieser Stelle vergrößert sich die Stadt Velten in die Gemeinde Oberkrämer hinein – über die Ortsgrenze hinweg. Klar ist auch, dass dieses Gebiet auf absehbare Zeit weiterhin zu Oberkrämer gehören wird.

Wer auf der Straße Am Tonberg unterwegs ist, befindet sich wechselweise in Marwitz oder in Velten, die Grundstücke östlich davon gehören zu Velten, die westlichen zu Marwitz. Eigentlich sollte sich dort schon längst etwas geändert haben. „Es gab da 2011 schon eine Beschlussfassung“, sagte Oberkrämers Bürgermeister Peter Leys (BfO) gestern. Von Seiten Oberkrämers habe der Gebietsabtretung für diesen Bereich nichts im Wege gestanden.
Denn dass das neue Wohngebiet optisch und vom Gefühl her zu Velten gehört, aber in Wirklichkeit in Marwitz steht, bringt Probleme mit sich. Kinder, die dort mit ihren Familien leben werden, müssten in die Kita nach Marwitz. „Das bekommt man vielleicht noch gelöst“, so Peter Leys. Schwieriger werde es, wenn die Kinder eingeschult werden. „Dann müssen die Kinder nicht nach Velten zur Schule, sondern sie werden in Bötzow oder sogar in Vehlefanz eingeschult“, so Oberkrämers Bürgermeister. Auch alle amtlichen Behördengänge werden die Bewohner nicht nach Velten, sondern nach Eichstädt führen.
„Es wäre sinnvoller, wenn man das Gebiet an Velten übergeben könnte. Die Leute sind sowieso der Meinung, sie ziehen nach Velten – was aber nicht so ist.“ Aus seiner Sicht sei das ein „richtiges Problem.“

Lange sei zu diesem Thema nichts passiert. Erst im vergangenen Jahr, als das Bauvorhaben in der „Parkstadt Velten II“ konkret geworden war, kam das Thema wieder auf den Tisch. Die Stadt Velten hat allerdings für eine Übernahme des Areals eine Bedingung gestellt. „Alle öffentlichen Grundstücke müssen an die Stadt übergeben werden“, so Peter Leys. Also auch alle Straßen – und das ist die Schwierigkeit.
Veltens Pressesprecherin Ivonne Pelz sagte gestern, dass die Stadt noch immer an einer Übernahme des Gebietes interessiert sei. „Allerdings hat Oberkrämer die Eigentumsverhältnisse nicht abschließend klären können.“ Das bestätigte Peter Leys. Konkret geht es um die Straße Tonberg Ausbau, die zwar öffentlich gewidmet ist, offenbar aber teilweise über ein privates Gelände führt. Es sei schwierig, die verschiedenen Besitzer ausfindig zu machen, „und wir können sie auch nicht dazu zwingen“, so Oberkrämers Verwaltungschef zu einer möglichen Übertragung an die Gemeinde.
Daran scheitert offenbar die Übertragung des Areals an Velten. Veltens Stadtsprecherin Ivonne Pelz versicherte, dass, falls das Problem doch noch gelöst werden könnte, die Gespräche wieder aufgenommen würden.

Insgesamt sind im neuen Wohnpark, teilweise in Velten, teilweise also in Marwitz zwölf Wohneinheiten in Doppelhäusern und 18 Einfamilienhäuser auf Grundstücken zwischen 293 und 672 Quadratmetern geplant. Einige Häuser sind dort bereits zu sehen.

aRTikel

Treue Seele: Am Anfang steht die Dorfchronik

Mittwoch, den 10. Oktober 2018
Tags: , ,

Dagmar Martin (81) kümmert sich in Bärenklau um Ortsgeschichte, Chor, Tänzer und Kinder

MAZ Oberhavel, 10.10.2018

Bärenklau.
Als Dagmar Martin 1994 nach Bärenklau zu ihren Kindern auf den Remontehof gezogen ist, da musste sie sich vor allem erst mal um ihren kranken Mann kümmern. „Ich konnte ihn alleine nicht mehr betreuen“, erzählt sie. „Ich habe hier ganz große Hilfe bekommen.“ Ihr Mann starb 1999. „Da war für mich klar: Irgendwas muss ich machen.“
Die zündende Idee hatte ihre Tochter, die heutige Ortsvorsteherin Gundula Klatt: die Dorfchronik. „Ich begann 2000, mich um sie zu kümmern“, erinnert sich Dagmar Martin. „Es gab schon eine, die musste aber überarbeitet werden.“ Damit war sie gut beschäftigt. Sie fuhr ins Archiv nach Potsdam, sprach mit vielen Leuten, und zur 650-Jahr-Feier von Bärenklau konnte die überarbeitete Dorfchronik vorgelegt werden. „Und dabei habe ich in der Schule nie gern den Geschichtsunterricht gehabt, aber hier ging es ja um einen Ort und die Leute. Da war das was anderes.“

Aber sie kümmert sich nicht nur um die Ortsgeschichte. 1996 ist der Chor „Die Bären“ gegründet worden. Dagmar Martin und ihr Mann traten ihm gleich bei. 2002 übernahm sie den Vorsitz des Vereins. „Ich bin dafür zuständig, die Verbindung zum Chorleiter zu schaffen. Im Vorstand besprechen wir die Terminpläne.“ Wenn der neue Dirigent André Ezserski verhindert ist, dann steht Dagmar Martin vorn und dirigiert. „Aber durch ihn kommt neuer Schwung in den Chor“, freut sich die 81-Jährige. „Das erste Konzert mit ihm in Eichstädt war sehr erfolgreich.“ Jeden Montagabend trifft sich der Chor in der Alten Remonteschule.

Und apropos: Dass es dieses Gebäude in der Bärenklauer Dorfmitte so noch gibt, auch dafür hat Dagmar Martin mit vielen Mitstreitern in den 2000ern gekämpft. „Da sind wir sehr stolz drauf“, sagt sie. Ursprünglich sollte die Alte Remonteschule abgerissen werden. Dazu kam es nicht, stattdessen wurde das Gebäude saniert. Heute wird es von vielen Gruppen genutzt – zum Beispiel vom Heimatverein, in dem Dagmar Martin auch aktiv ist. Oder von der Seniorentanzgruppe, die sie ebenfalls leitet. In ihrem Notizbuch sind akkurat 109 Auftritte vermerkt. Nicht zu vergessen die Kinder, die einmal im Jahr auf dem Bärenklauer Erntefest auf dem Remontehof den Bändertanz aufführen – geübt haben sie den davor mit Dagmar Martin. Sie hat gut zu tun, aber sie genießt auch das Familienleben. Vier Generationen leben auf dem Gehöft. „Das ist herrlich“, sagt sie.

Ursprünglich stammt sie aus Potsdam, später lebte sie in Berlin-Friedrichshain und Mitte. Eigentlich wollte sie Hebamme werden, arbeitete dann aber als Lehrerin, zwischendurch als Hortleiterin und in einem Kinderheim. Nun kann sie sich um ihre zwei Kinder, zwei Enkel und vier Urenkel kümmern – dafür ist auch noch Zeit. „Und ich liebe Musik“, sagt Dagmar Martin. Sie besucht Konzerte in der Oranienburger Orangerie und hat neulich den Auftritt von Peter Orloff und den Schwarzmeer-Kosaken in Bötzow sehr genossen. Auf dem Wohnzimmertisch liegen außerdem immer Rätselzeitschriften. „Das könnte ich den ganzen Tag machen.“

aRTikel

Frage geklärt: Arthur besiegt Paul

Montag, den 8. Oktober 2018
Tags: , ,

18-Jähriger aus Nassenheide knackt den Jackpot bei der Hohen Neuendorfer Spielshow und nimmt 3000 Euro mit nach Hause

MAZ Oberhavel, 8.10.2018

Hohen Neuendorf.
Die Frage „Wer besiegt Paul?“ kann nun beantwortet werden. Am frühen Sonntagmorgen um kurz vor 2 Uhr stand fest: Arthur besiegt Paul.
Der 18-jährige Arthur Losensky aus Nassenheide hat in der Hohen Neuendorfer Stadthalle die große Spielshow gegen Paul Aurin gewonnen. Nach 14 Spielen stand es 92:64 und Arthur war uneinholbar. 3000 Euro waren im Jackpot. Die kann Arthur nun mit nach Hause nehmen.

Die fünfte Ausgabe von „Wer besiegt Paul“ war eine der Superlative. Noch nie war die Halle so schnell ausverkauft – 800 Leute waren da. Noch nie hat eine Ausgabe so lange gedauert. Erst nach 2 Uhr und damit nach mehr als sechs Stunden verabschiedete sich Moderator Fabian Lindemann von seinen Zuschauern. Und noch nie hat die Show so viel gekostet – etwa 16 000 Euro, die durch Eintrittsgelder und Sponsoren wieder reinkamen. Ansonsten arbeiten alle 60 Beteiligten ehrenamtlich. Tagelang haben sie die Stadthalle in eine Art Fernsehstudio verwandelt – quasi rund um die Uhr.

„Wer besiegt Paul“ funktioniert ähnlich wie „Schlag den Star“. In bis zu 15 Spielen misst sich der Titelverteidiger Paul Aurin (28), Lehrer am Marie-Curie-Gymnasium, gegen seinen Herausforderer. Arthur Losensky hatte sich erst im Casting durchgesetzt, dann gegen drei weitere Kandidaten in der Halle. Der 18-Jährige hat im Sommer sein Abi am Oranienburger Runge-Gymnasium geschafft. Er spielt seit zehn Jahren Fußball, joggt, spielt Badminton, kommt aus einer Schwimmer-Familie und trainiert den Nachwuchs. Er beginnt in diesen Tagen ein Sport-Lehramtsstudium an der Universität in Jena. In der Show am Sonnabend erwies er sich als würdiger Gegner von Paul Aurin, der viele Spiele gewinnen konnte.

Das Team hat sich in langer Arbeit viele Spiele überlegt. Paul und Arthur mussten um die Wette tackern, Orte auf einem Kartenumriss finden, ein Auto so schwer wie möglich beladen, sie mussten Filme erkennen, die im Zeitraffer abgespielt wurden. Draußen auf dem Sportplatz stapelten sie Bierkisten, später gab es ein spezielles Basketball-Vier-gewinnt-Spiel. Die Entscheidung fiel beim Spiel namens Wurf-Reversi. Da war dann Arthur für Paul nicht mehr zu besiegen.

„Ich bin sehr glücklich“, sagte Paul Aurin später. „Es war eine sehr geile Show, vielleicht einen Tick zu lang.“ Da war es fast schon halb drei am Morgen, als er das erzählte. Dass es 2019 nun „nur“ noch um 1000 Euro geht, das findet Paul Aurin nicht schlimm. „Das ist doch an sich auch ein toller Betrag.“

Mit seinem 3000-Euro-Gewinn hat Arthur Losensky einiges vor. „Ich werde in Indexfonds investieren“, erzählte er. „Also sparen.“ Außerdem will er das Geld als Unterstützung für sein anstehendes Studium einsetzen – und für Reisen. Dass es klappen könnte, hat er während der zweiten Hälfte der Show gemerkt. „Beim letzten Spiel habe ich mich dann ziemlich sicher gefühlt“, sagte er. Er ist begeistert vom Team, das „Wer besiegt Paul“ in der Stadthalle stemmt. „Die sind absolut gut, sie arbeiten sehr professionell. Und es ist unglaublich viel, was sie hier reinstecken.“

Das findet auch Moderator Fabian Lindemann. „Das hier ist eine Herzensangelegenheit für uns“, sagte er am Ende der Show. Das Team investiere viel Zeit und Mühe. Allerdings gehen die Leute damit auch an ihre Grenzen. Das Publikum honoriert das. „Ohne Sie würden wir hier nicht stehen“, so Fabian Lindemann.

aRTikel

Sie ist nicht nur zur Sprechzeit für die Kremmener da

Donnerstag, den 4. Oktober 2018
Tags:

Diana Bethke ist seit 1997 Revierpolizistin – mindestens einmal pro Woche lässt sie sich in allen Ortsteilen blicken – Ermittlungen, Gespräche, Schulwegsicherung

MAZ Oberhavel, 4.10.2018

Kremmen.
Sprechstunde ist immer dienstags von 16 bis 18 Uhr. Was aber nicht bedeutet, dass das Büro der Kremmener Revierpolizistin Diana Bethke sonst leer steht. „In diesen Sprechstunden bin ich auf jeden Fall hier“, sagt die 50-Jährige. Ansonsten nutze sie das Büro, das sich derzeit noch im Rathaus befindet, jeden Tag.

Seit Oktober 1997 ist Diana Bethke für Kremmen und die Ortsteile zuständig. „Ich wurde damals angesprochen, ob ich in den Revierbereich wechseln möchte“, erinnert sie sich. Da sie auch in Kremmen wohnt, passte das gut. „Ich lebe sehr gerne hier, und da hat es sich angeboten.“ Sie findet es wichtig, dass die Menschen auch vor Ort einen Ansprechpartner haben. „Manchmal haben sie nur einfache Fragen, dafür wollen sie nicht extra nach Oranienburg ins Präsidium fahren.“

So etwas wie einen normalen Tagesablauf kennt Diana Bethke nicht. „Oftmals fange ich den Tag aber mit der Schulwegsicherung an“, erzählt sie. Die dunkle Jahreszeit naht, da richte sich das Augenmerk wieder verstärkt auf die Beleuchtung am Fahrrad. Sie ermittelt zu Straftaten oder Unfallfluchten, fährt Streife. „Dann gibt es auch die Tage, an denen wir Geschwindigkeitskontrollen durchführen.“ Im Büro stehen danach meist Schreibarbeiten an. „Deshalb ist nicht jeder Tag gleich.“ Sie sei relativ frei in der Einteilung ihres Arbeitstages. Hin und wieder wird sie zu Sondereinsätzen gerufen – zum Beispiel bei Staatsbesuchen auf Schloss Meseberg bei Gransee.
„Wir haben relativ wenig Kriminalität bei uns“, sagt Diana Bethke. „Wir haben Kriminalität, aber im Vergleich zu anderen Orten ist es wenig.“ Es gebe auch keine entsprechenden Schwerpunkte in Kremmen oder in den Ortsteilen.

Seit 1990 ist sie Polizistin. „Ich möchte auch nichts anderes mehr machen“, sagt sie. Mit 21 hatte sie sich für den Polizeidienst entschieden. „Ich mag den Kontakt zu den Bürgern. Wenn man geholfen hat, dann kommt ein Dank, und dann hat man wohl nicht alles falsch gemacht.“ Auch die Arbeit mit Kindern sei immer sehr abwechslungsreich. Allerdings fällt ihr auf, dass sich die Leute in den vergangenen Jahren durchaus verändert haben. „Sie sind oft nicht mehr so geduldig, alles muss immer gleich passieren.“

Sie versucht, mindestens einmal pro Woche sich in allen Ortsteilen blicken zu lassen. „Oft habe ich einen Anlass, da lang zu fahren, aber dann ergibt sich auch viel Neues im Gespräch mit den Leuten.“ Bei gravierenden Problemen schreitet sie ein – oder gibt im Ordnungsamt Bescheid, wenn zum Beispiel ein Schild schief hängt.
Es gebe durchaus einen Unterschied zwischen Stadt und Land, sagt die 50-Jährige. „Die Mentalität ist eine andere, hier ist es familiärer und freundschaftlicher. Aber es gibt auch weitere Wege.“

Das Rathaus in Kremmen als Standort ihres Büros findet sie komfortabel. „Ordnungsamt, Bürgermeister – der Kontakt ist auf kurzem Weg möglich“, sagt sie. Aber auch wenn der geplante Umzug in die Berliner Straße tatsächlich stattfinde, sei das kein großes Problem. „Wichtig ist, dass wir in Kremmen bleiben.“ Auch dass das neue Büro nur über Treppen erreichbar sei, sieht Diana Bethke nicht als großes Hindernis. „Da gibt es immer Lösungen. Wir können auch zu den Leuten hinfahren. Es soll an den drei Stufen nicht scheitern“, findet sie.

Auch privat engagiert sie sich für Kremmen. Beruflich muss sie beispielsweise den Erntezug absichern. Privat ist sie Mitglied im Erntefestkomitee und kümmert sich um das Sponsoring. Im Sportverein macht sie in der Frauensportgruppe beim Fitness mit.
Geht es nach ihr, dann macht Diana Bethke den Job bis zum Pensionseintritt. „Ich mache das hier mit Herzblut“, sagt sie, und nach 21 Jahren ist sie in Kremmen ein durchaus bekanntes Gesicht.