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In der Zeitung erschienen

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Jugendzeit: Damals, als der Jugendclub in den Konsum zog

Dienstag, den 12. September 2017
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Dorothee Nebel erinnert sich an ihre Zeiten in der Bärenklauer Remonteschule

MAZ Oberhavel, 12.9.2017

Bärenklau.
Es war rund um das Jahr 2000 herum – da besuchte Dorothee Nebel zum ersten Mal den Jugendclub in Bärenklau. Er war damals schon in der Alten Remonteschule mitten im Dorfzentrum. Allerdings noch nicht saniert, und die Räume waren dort, wo heute der Ortsbeirat tagt oder der Seniorenclub Sport treibt. Durch Freunde fand sie damals den Weg in die Räume. „Wir waren jeden Tag dort“, erzählt die heute 29-Jährige. „Es sei denn, wir hatten so viele Hausaufgaben, dass wir keine Zeit hatten.“ Am Wochenende hatte der Club geschlossen, allerdings bekamen die über 18-Jährigen auch schon mal den Schlüssel für die Räume. „Dann konnten wir auch am Wochenende rein.“

Damals kamen zwei Altersgruppen in den Club – die Gruppe um Dorothee Nebel war zu dieser Zeit um die zwölf, 13 Jahre – und dann gab es noch die etwas Älteren. „Hier in der Gegend hatten wir ja auch nichts weiter“, erzählt die Bärenklauerin. Ein paar Leute kamen auch aus dem Nachbardorf Eichstädt oder aus Vehlefanz. Handys haben zu dieser Zeit noch nicht so die große Rolle gespielt. „Uns ging es vor allem darum, Zeit miteinander zu verbringen.“ An ernsthaften Zoff kann sie sich heute nicht mehr erinnern.
Dorothee Nebel berichtet: „Wir hatten in dem großen Komplex ein ganz kleines Zimmer, da standen zwei alte Sofas drin. Dort standen ein Fernseher und eine Playstation. Wir haben bis zum Umfallen Singstar gespielt.“ Im großen Raum stand ein Billardtisch, außerdem diverse Beschäftigungsspiele. „Wir hatten auch eine kleine Küchenzeile mit einem Ofen, da haben wir uns auch mal Pizza gemacht.“

Zwischenzeitlich musste der Club umziehen. Die Alte Remonteschule wurde saniert, zuvor kämpfte der Heimatverein erfolgreich darum, dass das Haus nicht abgerissen wird. Das Ausweichquartier befand sich im alten, inzwischen längst abgerissenen Konsum neben der Remonteschule. „Da gab es eine größere Umzugsaktion“, erinnert sich Dorothee Nebel. „Das Wichtigste war uns der Billardtisch – und die Playstation.“
Als der Club dann in die neuen Räume zog – dort, wo er auch heute noch beheimatet ist – war alles vom Feinsten ausgestattet. „Wir haben uns gefreut, als wir endlich wieder rein durften.“ In Sachen Wandgestaltung konnten sich die Jugendlichen damals einbringen. Dorothee Nebel war 20 oder 21, da wurden die Besuche im Club seltener und hörten irgendwann ganz auf – ein schleichender Prozess. „Immer mehr von uns hatten einen Führerschein, wir waren mobiler und flexibler. Der Bus fährt zwar, aber abends, wenn wir aktiv werden, nicht mehr.“ Aber sie hat auch heute noch enge Kontakte zu vielen Leuten, die damals mit ihr den Club besuchten. Und sie hat auch ihren Mann dort kennengelernt.

In der Alten Remonteschule ist auch heute noch der Jugendclub untergebracht. Er wird von der Gemeinde Oberkrämer betrieben. Montags, donnerstags und freitags ist er von 14 bis 18 Uhr geöffnet. „Das ist schon ein gutes Angebot“, sagt Ulrich Rack, der Vorsitzende des Bärenklauer Heimatvereins. Allerdings seien die Besucher in früheren Zeiten noch ein wenig stärker ins Dorfleben eingebunden gewesen. So gab es sogar immer auch einen eigenen Wagen beim Ernteumzug. In der heutigen Zeit sei es schwieriger, eine Zusammenarbeit aufzubauen, auch weil der Kreis der Besucher kleiner sei und häufiger wechsele.

Dorothee Nebel bilanziert ihre Zeit im Jugendclub heute so: „Es war eine richtig schöne Zeit, erlebnisreich und auch sehr lehrreich.”

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Kerstin Ott begeistert auf dem Herbstfest

Montag, den 11. September 2017
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Konzerrt gestern Nachmittag in Hohen Neuendorf war sehr gut besucht

MAZ Oberhavel, 11.9.2017

Hohen Neuendorf.
Spricht man im Fall von Kerstin Ott von einer Scheißmelodie, dann ist das keine Musikkritik. So heißt eines ihrer Lieder, das sie gestern Nachmittag auf der Herbstfestbühne am Hohen Neuendorfer Rathaus präsentiert hat.

Bekannt geworden ist die 35-Jährige Anfang 2016 durch ihren Song „Die immer lacht“, der vom Technoprojekt „Stereoact“ aufgepeppt und veröffentlicht worden ist. Eigentlich hatte Kerstin Ott ihn schon 2005 für eine Freundin geschrieben. Diesen Song sang Kerstin Ott am Sonntag zunächst nur mit Gitarre, in einer leisen und ruhigen Version – kurz vor Schluss nach noch in der bekannten Partyvariante. Sie animierte die Hohen Neuendorfer mitzusingen. „Oder kennt hier irgendjemand diesen Text nicht?“, fragte sie in die Runde. Natürlich sangen die Besucher laut mit.
Es folgten dann weitere Hits von ihrem Album „Herzbewohner“. Zweimal allerdings gab es technische Probleme mit dem Halbplayback. „Da muss man cool bleiben“, kommentierte Kerstin Ott dies. „Und sich heimlich in die Hosen pieschern.“ Viele Besucher kamen gesterng extra wegen der Sängerin: „Die hören wir sehr gern“, sagte Marina Hilscher aus Berlin-Reinickendorf. Auch Karin Parschen aus Hohen Neuendorf freute sich auf den Auftritt. „Es ist gut, dass hier was auf die Beine gestellt wird“, sagte sie allgemein über das Herbstfest.

Nach Angaben von Stadtsprecherin Ariane Fäscher kamen am Freitag und Sonnabend etwa 7500 Besucher auf das Herbstfest. Zum Konzert, das der Höhepunkt des Hohen Neuendorfer Partywochenendes war, kamen etwa 1000 Menschen – überhaupt war das Festgelände am Sonntagnachmittag sehr voll. Das Herbstfest fand zum 25. Mal statt – und zum letzten Mal am gewohnten Standort vor und neben dem Rathaus. Wie es 2018 weiter geht, ist noch unklar. „Das ist schade, denn das Fest zieht ja immer sehr viele Leute an“, sagte Besucherin Karin Parschen.

Für alle Altersklassen gab es am Wochenende viel zu erleben. Der Rummel am Rathaus hatte Kinderkarussells zu bieten, Autoscooter, ein 16 Meter hohes Riesenrad und vieles mehr. Wer auf dem Gelände unterwegs war, hörte permanent fröhliches Kindergeschrei.

Aber auch in der Stadthalle war am Sonnabend und Sonntag einiges los: Während der Messe „Schau HN“ konnten sich die Vereine und Unternehmen der Stadt und des Umlands vorstellen. „Als Verein sind wir nicht das erste Mal dabei“, sagte Sandra Chryselius vom Voltigierverein „Pegasus“ aus Schildow. „Nach der Messe haben wir bei uns vermehrt Anfragen“, ergänzte sie. Etwa 50 Kinder machen derzeit im Verein mit, und die Messe nutzen die Mitglieder für die Werbung neuer Mitstreiter.

Ebenfalls dabei war das Team vom Hyperion-Verein. Es verkaufte Tickets für die Show „Wer besiegt Paul“ am 14. Oktober in der Stadthalle. Am Sonnabendnachmittag war aber schon alles ausverkauft, erzählte Paul Aurin gestern Nachmittag.

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Heimspiel-Konzerte sind schon legendär

Samstag, den 9. September 2017
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J.O.E. & The Booze Machine aus Kremmen spielen Songs von Johnny Cash bis Jimi Hendrix

MAZ Oranienburg, 9.9.2017

Kremmen.
Wenn sie loslegen, dann stellt sich schnell ein Wow-Gefühl ein. Zuerst Jojo und Eric auf der Gitarre und dem Bass, dann setzt Olli mit seiner Stimme ein. Es erklingt „Personal Jesus“ in der Johnny-Cash-Version, und es macht Spaß, den Musikern zuzuhören und zuzusehen. Die Spielfreude scheint riesig zu sein, die Harmonie greifbar.

Es sind vor allem die Hits aus den 70ern, die die Band spielt: „J.O.E. & The Booze Machine“ nennt sie sich. Die Anfangsbuchstaben leiten sich ab aus Jojo, Olli und Eric – und dann gibt es noch Falk, „The Booze Machine“. Jeder hat seine Rolle in der Gruppe. Oliver Rosewald (27) aus Kremmen singt, Johannes Krüger (27) aus Hennigsdorf – kommt aber auch ursprünglich aus Kremmen – spielt Gitarre und Bass, ebenso wie Eric Brämer (27) aus Kremmen. Falk Thoms (29) aus Sommerfeld spielt Cachon, kümmert sich aber vor allem um die Technik und das ganze Drumherum.

„Seitdem wir uns kennen, machen wir Mucke“, sagt Oliver Rosewald. Und das ist schon eine lange Zeit, teilweise kennen sich die Jungs schon seit der Schule. Früher spielten sie eher Metal, also die härteren Sachen. Und jetzt? „Akustikrock bringt es schon auf den Punkt“, findet der Sänger. In ihrem Programm befinden sich Songs von Motörhead, Jimi Hendrix, Johnny Cash, AC/DC oder Neil Young. „Ein Großteil von uns ist mit diesen Songs aufgewachsen“, sagt Eric Brämer. Schon ihre Väter haben sie gehört, „und das sind noch wirklich echte Songs.“ Falk Thoms ergänzt: „Das ist auch das, was wir in der Freizeit hören.“ Besonders ist, dass die Band ohne Schlagzeug auskommt. Was andere eventuell für einen Makel halten, passt in dieser Konstellation sehr gut. „Wir brauchen es eigentlich nicht“, sagt Oliver Rosewald. Und in der Tat: Lauscht man den Songs, fehlt das Schlagzeug nicht – zumal Bass und Gitarre so auf den Punkt gespielt werden, dass sie den Rhythmus komplett angeben. „Ich finde es gut, wie es ist, und ich vermisse da auch nichts.“

23 Lieder umfasst das Repertoire von „J.O.E. & The Booze Machine“ momentan. „Damit haben wir schon öfter ganze Abende bestritten“, so Falk Thoms. Die Band trat schon im Berliner Lido auf, beim Hafenfest in Velten, auf der Fete de la Musique in Hennigsdorf und bei der 775-Jahr-Feier in Sommerfeld. Hin und wieder treten sie bei Privatfeiern auf. Fast schon legendär sind die Heimspiel-Konzerte im Kremmener Scheunenviertel. In der Bikerscheune und in der „Scheune 29″sorgten sie für volle Häuser. Und das, ohne Eintritt zu nehmen. „Wir freuen uns aber über Spenden“, sagt Falk Thoms. Geprobt wird in der Regel dienstags, oft auch ein zweites Mal in der Woche im Hennigsdorfer Bandhaus am „Conny Island“. Wegen der dortigen Umbauarbeiten weichen die Musiker nun wohl auf ihre privaten Räume in Flatow oder Kremmen aus.

Die Musik füllt einen großen Teil ihres Lebens aus, obwohl alle richtige Jobs haben. Falk ist Techniker bei der Bundeswehr, Oliver arbeitet im Telefonvertrieb, Johannes ist Medientechniker für Film und Fernsehen und Eric Erzieher im Hennigsdorfer Hort. Für die Band nehmen sie sich trotzdem sehr viel Zeit. Sie treffen sich auch, wenn sie gerade keine Musik machen. Auch der Rückhalt in den Familien ist groß. „Unsere besten Fans sind unsere Eltern, die trauen sich auch mal, was Negatives zu sagen. Wobei, unsere größten Kritiker sind wir selbst“, erzählt Falk Thoms und schmunzelt. Unterstützt werden die Musiker auch von ihren drei Frauen, wie sie erzählen. „Sie sind Bestandteil der Band und geben auch konstruktive Kritik.“ Gerade arbeiten „J.O.E. & The Booze Machine“ an neuen Songs. „Einer kommt und schlägt was vor, dann schauen wir, ob das funktioniert“, sagt Sänger Oliver. „Jeder bringt bei uns eigentlich etwas ein.“

Im Dezember soll es im Kremmener Scheunenviertel noch mal ein Konzert geben. „Wir sind wirklich stolz darauf, dass die Leute extra wegen uns dorthin kommen“, sagt Oliver Rosewald.

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Ehrlicher Finder: Gesucht wird Herr Krüger

Mittwoch, den 30. August 2017
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Unbekannter brachte Geldbörse zurück

MAZ Oberhavel, 30.8.2017

Vehlefanz.
Erika Kaatsch sucht nach dem Finder ihrer Geldbörse. Sie weiß nur, dass es sich um einen „Herrn Krüger“ handelt. Die Ortsvorsteherin von Vehlefanz möchte sich gern bei ihm bedanken.

Aber von vorn: Am 4. September 2016 wurde ihr am Supermarkt in Vehlefanz ihr Portemonnaie gestohlen. „Es wurde mir beim Abstellen des Einkaufswagens entwendet“, erzählt sie. „Da stand eine Dame neben mir, und ich habe sie gefragt, warum sie so guckt. Sie hat so getan, als ob sie auf meinen Wagen wartet.“ Sie wolle „nur gucken“, habe sie in einem ausländischen Dialekt gesagt.
Als sie den Verlust bemerkt hatte, ließ Erika Kaatsch sofort alle Karten sperren. Gemeinsam mit ihren Mitbewohnern der „Alten Schule“ suchte sie die Gegend ab, schließlich schaltete sie die Kripo ein – aber die Geldbörse blieb verschwunden. „Nachdem sich wochenlang nichts getan hatte, habe ich meine ganzen Unterlagen neu beantragt. Das war eine ganze Menge. Die Krankenkassenkarte, die EC-Karte, Ausweis, Führerschein. Das waren große Rennereien, und das hat auch Geld gekostet.“

Fast zehn Monate später, Ende Juni, dann die Überraschung. Das Portemonnaie liegt vor ihrer Wohnungstür. Zwar fehlt das Geld – etwa 30 Euro – aber die Papiere sind drin. Der Finder hatte, weil er Erika Kaatsch an ihrer Wohnung nicht antraf, ihren Sohn angerufen, um Bescheid zu sagen. Dessen Nummer stand auf einem Zettel in der Geldbörse. „Es war ein Herr Krüger“, sagt die Rentnerin. Mehr weiß sie nicht über den Mann. Er hatte das Portemonnaie auf einem Rastplatz an der Autobahn gefunden, gar nicht so weit weg von Oberkrämer. Erika Kaatsch hat schon einige Krügers in der Gegend angerufen, der Richtige war nicht dabei. „Es gibt ja sicher noch mehr, die nicht im Telefonbuch stehen.“ Sie hofft, dass er sich bei ihr meldet. „Ehrlichkeit muss man belohnen“, findet die Vehlefanzerin.

Erika Kaatsch ist erreichbar unter 0172/7707110.

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Oberschule für Oberkrämer: Eltern wollen kämpfen

Samstag, den 26. August 2017
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Bürgermeister Peter Leys bringt Vehlefanz als möglichen Standort ins Spiel – Landkreis sieht jedoch keinen Bedarf und verweist auf die vorhandenen Daten

MAZ Oranienburg, 26.8.2017

Oberkrämer.
In der Gemeinde Oberkrämer gibt es immer mehr Kinder. Eltern an den beiden Grundschulen im Ort machen sich nun große Sorgen, dass für den Nachwuchs in einigen Jahren nicht mehr genügend Plätze an den Oberschulen in Hennigsdorf und Velten zur Verfügung stehen. Sie fordern eine eigene Oberschule für Oberkrämer. Eine erste Infoveranstaltung dazu fand am Donnerstagabend im Gemeindezentrum in Bötzow statt. „Ob in Bötzow oder Marwitz, der Zuwachs ist groß“, sagte Mandy Krenz, Mitglied des Elternrates an der Grundschule Bötzow. Sie hatte zu der offenen Runde eingeladen. Sie wies auf die neuen Wohngebiete hin, die derzeit und demnächst in Marwitz, Bötzow und Schwante entstehen. Es sei nicht hinnehmbar, dass Kinder vor allem aus Bötzow und Marwitz bis nach Mühlenbeck, Löwenberg oder Kremmen fahren müssten, um eine Oberschule besuchen zu können. In der vergangenen Woche wandten sich die Eltern in der Angelegenheit an das staatliche Schulamt in Neuruppin.

„Der Brief war keine schlechte Aktion, um die Leute wachzurütteln“, sagte Oberkrämers Bürgermeister Peter Leys (BfO). Nach seinen Angaben könne die Gemeinde ein Grundstück nahe der Nashorn-Grundschule im Ortsteil Vehlefanz zur Verfügung stellen – allerdings entscheide nicht die Gemeinde über eine Eröffnung einer neuen Oberschule, sondern der Landkreis. „Wir müssen aber deutlich auf die Situation aufmerksam machen“, so Leys weiter. Das Problem sei, dass der Landkreis von Entwicklungszahlen ausgehe, die nicht realistisch seien. „Das Berliner Umland entwickelt sich anders als vorhergesagt.“ Das sei auch am Kitabedarfsplan in Oberkrämer zu sehen – auch dort hätten sich die realen Zahlen ganz anders entwickelt als prognostiziert. „Es wird Gespräche mit dem Landkreis geben müssen.“

Nicht nur der Elternrat in Bötzow setzt sich für eine neue Oberschule ein. Unterstützung gibt es von der Vehlefanzer Nashorn-Grundschule. „Wir haben die Notwendigkeit auch erkannt“, sagte Sven Geitmann bei dem Treffen am Donnerstagabend. Er ist Mitglied im dortigen Elternbeirat und Sprecher des Schulfördervereins. „Wir müssen Druck aufbauen und uns lautstark zu Wort melden.“ Danilo Fischbach aus Schwante, Sprecher der Bundeselternvertretung, regte an, die Kreistagsabgeordneten aus Oberkrämer mit ins Boot zu holen. Auch der Hennigsdorfer SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Günther, der im dortigen Bildungsausschuss sitzt, müsse angesprochen werden.

Ronny Wappler, der Sprecher der Kreisverwaltung, verweist auf den Schulentwicklungsplan vom Dezember 2016. „Dem lässt sich entnehmen, dass die teilweise steigenden Bedarfe an weiterführenden allgemein bildenden Schulen in den nächsten Jahren im Rahmen von Kapazitätserweiterung an bestehenden Schulen gedeckt werden können“, teilte er gestern mit. Kinder aus den Grundschulen in Bötzow und Vehlefanz würden „ab der Jahrgangsstufe 7 die weiterführenden Schulen in Hennigsdorf, Velten, Kremmen, Oranienburg, Birkenwerder und Mühlenbeck“ besuchen. Die dem Schulentwicklungsplan zugrunde liegenden Zahlen lassen aus Sicht der Kreisverwaltung nicht die Schlussfolgerung zu, die eine Eröffnung einer Oberschule begründen würde. „Denn bei der Errichtung von Schulen muss die Mindestzügigkeit für wenigstens fünf Jahre ab der Eröffnung gesichert sein.“ Oberschulen müssten mindestens zweizügig sein, der Richtwert liege bei 25 Schülerinnen und Schüler je Klasse.

Die Elternräte in Bötzow und Vehlefanz wollen nun gemeinsam beraten, wie es weitergehen soll. Sven Geitmann schlug vor, in drei Monaten wieder eine offene Gesprächsrunde für alle zu veranstalten. „Dann sollten wir überlegen, eine Bürgerinitiative zu gründen.“ Rückhalt in der Gemeindevertretung scheint es auch zu geben. „Wir ziehen an einem Strang“, sagte Dietmar Schünemann (SPD).

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Sie mag das Leben auf dem Dorf

Samstag, den 19. August 2017
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Lisa Andreß (22) ist diesjährige Erntekönigin in Bärenklau – schon als Kind saß die künftige Lehrerin auf einem Wagen beim Umzug

MAZ Oberhavel, 19.8.2017

Bärenklau.
Irgendwann ist jede mal dran. Das ist keineswegs negativ gemeint. Denn Erntekönigin zu sein, das ist in Bärenklau eine wirkliche Ehre. In diesem Jahr heißt die Hoheit Lisa Andreß. Die 22-Jährige lebt im Dorf, seit sie vier Jahre alt war. „Ich bin damals mit meinen Eltern hier rausgezogen, ich bin in Berlin geboren worden“, erzählt sie.

Sie wird am Freitagabend, 8. September das Erntefest auf dem Remontehof eröffnen. „Ich bin mit diesem Fest groß geworden“, erzählt sie. Als sie in die Bärenklauer Kita ging, da nahm sie das erste Mal am Ernteumzug teil. Damals hatte „das lustige Bärenvölkchen“ nämlich noch einen eigenen Wagen. „Das war total cool“, erinnert sich Lisa Andreß. Inzwischen ist sie lange nicht mehr beim Umzug mitgefahren, was für sie natürlich noch ein Grund mehr ist, sich auf das Fest in drei Wochen zu freuen.

Sie ging auf die Vehlefanzer Nashorn-Grundschule. ihr Abi machte sie am Runge-Gymnasium in Oranienburg. „Ich will Lehrerin werden“, sagt sie. Sie studiert in Berlin Chemie und Geschichte auf Lehramt. „Chemie war in der Schule mein Lieblingsfach. Ich hatte da eine tolle Lehrerin.“ Schon lange hatte sie als Schülerin mit dem Gedanken gespielt, Lehrerin zu werden. Als Zweitfach im Studium hat sie sich dann für Geschichte entschieden. „Das ist der perfekte Ausgleich zur Chemie, und es ist eine Kombination, die nicht so häufig vorkommt.“ Insbesondere Chemielehrer werden händeringend gesucht, weiß sie. Am liebsten würde sie später in der Oberhavel-Region in der Oberstufe unterrichten.

Nun aber hat sie erst einmal andere Aufgaben zu erledigen. Sie repräsentiert Bärenklau. Als sie ihren Freunden erzählte, was ihr im September bevorsteht, war erst mal die große Frage: Bist du überhaupt der Typ dafür? „Vom Prinzip her ist das mein Ding“, sagt Lisa Andreß. Weniger wegen des Kleidchens und der Krone. Aber sie war selbst schon mal Erntehelferin in Südtirol, auf dem Hof von Bekannten. Sie sei sehr naturverbunden, sagt sie auch. Auf ihrem Hof in Bärenklau sind eigenes Obst und Gemüse angebaut, auch Kräuter. „Wir haben da in diesem Jahr erstaunlich viel geerntet“, sagt die 22-Jährige. „Für uns war der viele Regen zum Glück nicht so schlimm.“

Bärenklau sei unbestritten ihr Zuhause. „Es ist hier unglaublich ruhig.“ Nicht, wenn man direkt an der Autobahn wohnt, die den Ort durchkreuzt, aber schon am Remontehof sei es sehr still. „Das familiäre Zusammenleben mag ich hier sehr.“ Der Freundeskreis habe sich über viele Jahre nicht groß geändert. „Es herrscht ein großer Zusammenhalt im Dorf. Vielleicht auch, weil man ja hier viel weniger machen kann. Ich bin ziemlich oft mit dem Rad unterwegs gewesen.“ Sie haben als Kinder Höhlen gebaut und mussten sich keine Sorgen machen. „Hier ist eben nie was passiert. Man kann mit dem Rad überall hin fahren.“ Mit 15 bekam sie ein Mofa und konnte dann schon mal weiter weg fahren. Sie habe es aber bislang nie bereut, Bärenklau nicht verlassen zu haben.
Nebenher spielt sie Handball beim SV Eichstädt und fährt Schlauchbootslalom beim Wassersportclub Möwe in Oranienburg.

Am meisten freut sie sich auf den Ernteumzug. Ihre kurze Rede muss sie noch schreiben, in der Hinsicht ist sie ziemlich nervös. Aber auch das Dackelrennen am Sonntag ist für sie ein echter Höhepunkt. „So etwas gibt es ja nicht so oft“, sagt die Erntekönigin. „Ich mag dieses Spektakel.“ Auch viele Freunde von ihr haben schon angekündigt, zum Fest zu kommen – schließlich wollen sie Lisa Andreß auch mal als Königin erleben.

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Ungewisse Zukunft fürs Altstadtstübchen

Freitag, den 11. August 2017
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Brigitte Krause und Elfi Schwanke suchen für die Gäststätte schon längere Zeit einen neuen Mieter

MAZ Oberhavel, 11.8.2017

Kremmen.
Die Schwestern Brigitte Krause und Elfi Schwanke haben sich in Kremmen einen Namen gemacht. Sehr viele kennen das Altstadtstübchen unweit des Marktplatzes. Und sehr viele sind besorgt: Wie lange wird es die Gaststätte noch geben?

Erst seit 2003 gibt es das Altstadtstadtstübchen. Davor befanden sich an der Stelle Wohnungen und ein Textilgeschäft. Aber in diesen 14 Jahren ist das Wirtshaus zu einem echten Treffpunkt geworden. Das liegt daran, dass die Schwestern schon seit vielen Jahren ein echtes Team sind. 37 sind es, um genau zu sein.

Elfi Schwanke arbeitete in den 80ern schon in der Kremmener Seegaststätte als Köchin, später auch in anderen Wirtshäusern. Bis heute sind ihr Frikassee, ihr Würzfleisch oder ihre Schnitzel sehr beliebt. Ursprünglich war das alles gar nicht so geplant. Eigentlich sollte es an dieser Stelle nur ein kleines Café geben, aber dann entwickelte sich alles doch zu einer richtigen Gaststätte hin. Aber inzwischen ist Elfi Schwanke 66 und Brigitte Krause, die am Tresen steht, ist 65. Sie wollen gern in ihren Ruhestand gehen.

Eigentlich hatten sie ihren Plan im vergangenen Jahr schon mal wahr gemacht. Sie hatten an einen jungen Mann vermietet, der das Altstadtstübchen weiterführen wollte. Aber das hat nicht funktioniert, das war relativ schnell klar. Die Gäste seien auch nicht zufrieden gewesen. Schon im Februar übernahmen die Schwestern den Betrieb wieder. „Da brauchte ich keine Bedenkzeit“, sagt Brigitte Krause.

Aber auch das soll keine Dauerlösung sein, sie suchen weiterhin nach einem Mieter. „Aber wir wollen jemanden finden, wo wir sagen, dass wir ein gutes Gefühl dabei haben.“ Der- oder diejenige, die übernimmt, müsse von seinem Beruf überzeugt sein. Er oder sie muss gut kochen können, im Idealfall meldet sich ein Ehepaar. Es gab auch schon Bewerber, die haben die Schwestern aber bislang nicht überzeugen können.
Deutsche Hausmannskost gibt es im Altstadtstübchen immer donnerstags bis sonntags. Das solle im Idealfall auch so bleiben, sei aber kein Muss, wie die Wirtin dann doch einschränkt. Früher war sechs Tage pro Woche geöffnet, aber das schaffen die beiden nicht mehr. Auch die Auslieferung von Büfetts wollen die beiden erst mal sein lassen.

Das Altstadtstübchen habe ein treues Stammpublikum, erzählt Brigitte Krause. Immer wieder kämen Kremmener, um Geburtstagsfeiern im Lokal vorzubestellen – verbunden mit der Bitte, doch so lange noch weiterzumachen. Aber: „Wir haben uns eine Grenze gesetzt. Bis Ende Oktober machen wir noch. Irgendwann muss Schluss sein. Und wenn sich dahin kein Mieter für die Gaststätte findet? „Dann wird das hier irgendwann als Wohnung zurückgebaut. Ich will ja nicht hinterm Tresen umfallen“, sagt Brigitte Krause und lächelt. Es könne auch ein anderes Gewerbe sein, dass dort angesiedelt werden könnte. Dennoch dachten die Schwestern, dass es leichter sei, einen Mieter zu finden.