aRTikel

In der Zeitung erschienen

aRTikel

Suppen im Glas und Fingerfood sind der Renner

Dienstag, den 19. Februar 2019
Tags: , ,

Die Fleischerei Hohensee in der Kremmener Dammstraße hat sich auf den Partyservice spezialisiert – Bianka und Andreas Hendrichs leiten das Geschäft

MAZ Oberhavel, 19.2.2019

Kremmen.
Die Fliesen stammen original aus den 50ern. Die Einrichtung ist auch urig. „Wir hatten nicht das Gefühl, dass hier was Neues und Modernes reinpasst“, sagt Bianka Hendrichs. Wer in der Fleischerei Hohensee in der Kremmener Dammstraße steht, der wird rein äußerlich um Jahrzehnte zurückgeworfen. Ein Ort zum Umschauen und Wohlfühlen.

Auch wenn sie weiterhin so heißt – eine Fleischerei im bekannten Sinn ist der Laden in der Altstadt schon seit 2013 nicht mehr. Stattdessen führen Bianka Hendrichs, ihr Mann Andreas sowie ihre Eltern Barbara und Gunder Hohensee das Geschäft vor allem als Partyservice. „Die klassische Fleischerei hat sich nicht mehr gelohnt“, erzählt Bianka Hendrichs. „Wir sind ja relativ abgelegen, und eine Fleischerei braucht ein sehr großes Sortiment. Der Aufwand für eine Frischetheke ist sehr hoch“, so die 50-Jährige weiter.
Der Partyservice zog unterdessen immer mehr Kunden an. „Deshalb ist uns der Wechsel auch nicht schwergefallen. Er war ein Risiko, aber er war es wert. Wir konnten dann mehr Kundenwünsche realisieren.“ Auch wenn die Fleischerei offiziell am Sonntag und Montag ruht, „haben wir eigentlich sieben Tage pro Woche Arbeit.“ Sonntags muss schon mal Geschirr abgeholt werden, und auch am Montag sind mitunter regelmäßige Firmenkunden zu beliefern. „Wir hängen das aber nicht an die große Glocke. Wenn der Bedarf da ist, dann ist das eben so. Richtig frei haben wir nicht.“ Immerhin gönnen sie sich drei Wochen Urlaub im Jahr – im Herbst und nach Weihnachten.

Gegründet wurde die Fleischerei Hohensee 1985. Allerdings gab es auch davor schon in dem Laden eine Fleischerei. „Damals ist mein Papa hierher zum Schlachten gekommen“, erzählt Bianka Hendrichs. 2007 hat sie die Firma von den Eltern übernommen, 2009 ist auch ihr Mann Andreas miteingestiegen. Noch heute gehören Barbara und Gunder Hohensee zum Team. Vom 77-Jährigen stammen beispielsweise die hausgemachte Salami und Schinken oder die Leberwurst im Glas. „So lange Papa noch Lust und Kraft hat, macht er das“, sagt Bianka Hendrichs. „Das ist eine schöne Tradition, ich persönlich habe aber nicht die Zeit dazu, das wird es also irgendwann leider nicht mehr geben.“

Ansonsten sind die Büfetts die Spezialität der Fleischerei Hohensee. „Am beliebtesten ist das Fingerfood.“ Das gab es zum Beispiel Anfang Februar beim Kremmener Neujahrsempfang in der Stadtparkhalle. Mini-Schnitzel, Lachsspieße, Tomate-Mozarella-Spieße, kleine Bulettchen und vieles mehr. Es gibt aber auch belegte Brötchen oder Mittagessen. Sehr gefragt: Eintöpfe, Frikassee oder Rouladen im Glas. Die kann man immer noch ganz normal in der Fleischerei kaufen.

Die gebürtige Hennigsdorferin lebte lange in Velten. „Inzwischen wohnen wir aber hier in Kremmen alle zusammen.“ Eigentlich ist Bianka Hendrichs gelernte Schneiderin. Als die Eltern aber zu ihr sagten, dass sie sie brauchen, stieg sie in die Firma ein. „Man wächst da rein.“ Und sie hat Spaß an der Arbeit, sagt sie. Wenn größere Aufträge anstehen, „dann wissen wir, wen wir anrufen können. Solche Termine stehen ja oft lange vorher fest.“

Werbung macht die Familie kaum. Auch durch die Mundpropaganda haben sie sehr gut zu tun. Und gute zehn Jahre lang will Bianka Hendrichs das auch weiter machen.

Hits: 16

aRTikel

Dschungelstar begeistert in der Kirche

Montag, den 4. Februar 2019
Tags: , , ,

Peter Orloff gibt mit seinen Schwarzmeer Kosaken fast ausverkauftes Konzert in Oranienburg

MAZ Oberhavel, 4.2.2019

Oranienburg.
Einige Gäste in der Oranienburger Nicolaikirche waren sich am Sonnabendnachmittag gar nicht so sicher, ob sie Peter Orloff überhaupt zu Gesicht bekommen werden. Immerhin war der Sänger noch eine Woche zuvor im australischen Dschungel. In der RTL-Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ belegte er den dritten Platz. Erst vor ein paar Tagen landete er wieder in Deutschland. Der Schwarzmeer Kosaken-Chor trat in der Zeit in einigen Orten ohne Peter Orloff auf. Aber die Sorge war unbegründet. Als das Konzert begann und die Männer vom Chor durch die Kirche nach vorn liefen, da stand Peter Orloff schon an der Eingangstür und beobachtete den Beginn der Gesänge.

„Ich mag seine Stimme“, sagte eine Besucherin vor Konzertbeginn. „Ich habe ihn schon als Schlagersänger erlebt.“ Ursula Schwabach aus Oranienburg hat natürlich mitbekommen, dass er in den vergangenen Wochen im RTL-Dschungelcamp war. „Aber ich bin hauptsächlich wegen des Kosakenchores hierher gekommen“, ergänzte sie. Sie war erstaunt, dass die Oranienburger Nicolaikirche am Sonnabend so voll war. Es war kaum noch ein Platz frei, als das Konzert begann.

Am Ende des ersten Liedes der Schwarzmeer Kosaken lief Peter Orloff durch den Mittelgang nach vorn. „Herzlich willkommen zu unserem festlichen Konzert, auf das ich mich ganz besonders gefreut habe“, sagte er. Er wünsche sich, dass die Zuschauer sich schöne Erinnerungen in die Herzen aufnehmen. Ein unvergessliches Konzertereignis wolle er gemeinsam mit seinen Sangeskollegen bieten. Diese Warmherzigkeit war auch den Zuschauern im Fernseh-Dschungel nicht verborgen geblieben – dort war er auch immer derjenige, der ausgleichen und für eine friedliche Stimmung sorgen wollte.

„Hieran habe ich gedacht, als ich die vergangenen drei Wochen im Dschungel war“, sagte Peter Orloff. „Jetzt bin ich zurück, jetzt geht es weiter.“ Zu einem „Vater unser“-Lied erhoben sich in der Nicolaikirche alle Zuschauer. Er wolle mit allen „gemeinsam aus tiefstem Herzen beten“, so der Sänger weiter. Später hörten die Leute Werke, die ohne Zweifel zu den ganz großen Klassikern der Chormusik und der populären Klassik gehören. „Nessun Dorma“, das „Ave Maria“ und der Gefangenenchor aus Verdis „Nabucco“ gehörten für viele Menschen zu den Höhepunkten dieses Konzertes.

Die Männer sind stimmgewaltig. Tiefe Töne werden im Hintergrund von hellen Stimmen ergänzt, dazu der Klang des großen Kirchenraumes. Die Nicolaikirche erwies sich als ziemlich perfekter Ort für den Auftritt von Peter Orloff und den Schwarzmeer Kosaken.
Seit 1993 leitet Peter Orloff den Chor. Von 1958 bis 1967 gehörte er ihm schon mal an, bevor er seine Karriere eher in Richtung Schlager lenkte. 30-mal trat er allein in der „ZDF-Hitparade“ auf. Inzwischen ist er wieder hauptsächlich mit den Schwarzmeer Kosaken unterwegs.

Später gab es am Sonnabend noch einen Auszug aus Tschaikowskis „Schwanensee“. Peter Orloff hatte vorher schon Entwarnung gegeben: „Keine Angst, wir tanzen nicht. Wir singen nur.“ Orloff – im März wird er 75 – hob hervor, dass in seinem Chor, in dem er musikalischer Gesamtleiter ist, die besten Künstler aus Russland und der Ukraine konzertieren würden. Das gab einen Extraapplaus.
„Wir singen meist in vollen, ausverkauften Hallen oder Kirchen“, sagte der Chorleiter. „Das ist ein Geschenk, dass Sie uns machen.“ Er versprach, das beste Konzert der gesamten Tournee für die Menschen in Oranienburg zu singen. Ob ihm und seinen Chormusikern das gelungen ist, weiß man natürlich (noch) nicht. Kulturell wertvoll war das Konzert aber definitiv.

Hits: 115

aRTikel

Abschied auf Raten

Donnerstag, den 31. Januar 2019
Tags: , , ,

Reinhard Augustin hat am Freitag nach 42 Jahren seinen offiziell letzten Tag als Lehrer in Kremmen – einmal in der Woche wird er trotzdem noch unterrichten

MAZ Oberhavel, 31.1.2019

Kremmen.
Wenn Reinhard Augustin im Schulhaus die Treppen hoch läuft, dann sieht das sehr dynamisch aus. „Die machen das extra, dass ich ganz oben unterrichten muss“, sagt er scherzhaft und lacht. Er ist 62, aber das merkt man ihm nicht an. Dass er am morgigen Freitag seinen letzten Tag an der Kremmener Goethe-Grundschule hat, ist da kaum zu glauben.

„Ich bin Lehrer seit 1977“, erzählt er. „Ich bin das geworden, weil ich gerne mit Kindern gearbeitet habe.“ Sein gesamtes Berufsleben verbrachte er in der Region. Nachdem er seinen Zehnte-Klasse-Abschluss hatte, studierte er vier Jahre lang am Institut für Lehrerbildung in Potsdam. „Deutsch und Mathematik waren Pflicht, außerdem noch Werken.“ Am Ende des Studiengangs ist er gefragt worden, wo er denn hin möchte. „Ich hatte keinen Wunsch.“ Als Vertreter des damaligen Kreises Oranienburg zum Auswahltermin kamen, war er dabei. Heimerzieher wollte er aber nicht werden. „Haben Sie keine Lehrerstelle?“, fragte er. Es gab eine – in Flatow und Staffelde. „Da bin ich bis 2000 geblieben.“
Er hat seine Lehrerstelle in dem Dorf geliebt, sagt er. „Wir waren ein kleines Kollegium, familiär, stressfrei, wir hatten keine Klingel.“ Wenn er Heimatkunde unterrichtete, „brauchten wir nur raus, um uns Getreidearten anzusehen.“ Kamen er und die Kinder am Maisfeld vorbei, „haben wir uns welche abgebrochen und gegessen. Ich bin überall mit den Kindern rein, und das war schön.“

2000 wechselte er nach Kremmen, die Schule in Flatow gab es nicht mehr. „Das war schon ungewohnt, der Ablauf hier war ein bisschen anders.“ Aber er hat sich eingewöhnt. „Ich gehe mit einem lachenden und weinenden Auge.“ Einerseits könne er jetzt alles aufarbeiten, was er bislang nicht geschafft hat. Es bleibt wieder mehr Zeit zum Lesen, für Musicals und zum Reisen. Kuba und Vietnam stehen noch auf seiner Liste. Und er muss nicht mehr jeden Tag die 55 Kilometer vom Prenzlauer Berg nach Kremmen.
Andererseits: „Es fällt mir schwer, nicht mehr als Lehrer tätig zu sein. Ich weiß nicht, wie viele Schüler ich unterrichtet habe, aber ich werde das vermissen. Und mein Kollegium, das wie eine zweite Familie für mich geworden ist.“

„Mit Herrn Augustin verlässt ein wahres Urgestein unsere Schule“, sagt Annette Borchert, die Leiterin der Goethe-Grundschule. „Er stand über 40 Jahre vor der Klasse und war während dieser Zeit Lehrer mit Leib und Seele. Er gilt als ein strenger Lehrer mit speziellem Witz und Humor, wofür ihn viele Schüler lieben, für andere stellte er auch eine Herausforderung dar.“ Im Kollegium sei er oft der einzige Mann gewesen, „und es war Ehrensache für ihn seine Damen zum Frauentag jährlich mit einer anderen Überraschung zu erfreuen.“ Sie erinnert sich, dass es am 11. 11. immer Pfannkuchen gab sowie immer liebevoll gestaltete Geburtstagstische. Er habe die Pausen im Lehrerzimmer mit Späßen aufgelockert. „Er ist ein zuverlässiger Kollege, der immer bereit war zu helfen.“

Ganz weg sein wird Reinhard Augustin nicht. Ursprünglich hat er ein Sabaticaljahr geplant. „Das ist ein Freistellungsjahr“, sagt er. Mehrere Jahre lang bekam er weniger Gehalt, um dieses freie Jahr anzusparen. Dass es nun am Ende seiner Laufbahn liegt, war so nicht zwingend geplant. „Viele gehen dann länger ins Ausland.“ Das wird er erst mal nicht. Denn einmal pro Woche wird er weiter nach Kremmen kommen. Donnerstags unterrichtet er Englisch als Begegnungssprache. „Wir mussten im Schulamt nachfragen, ob das überhaupt geht.“
Wahrscheinlich im Februar 2020 geht Reinhard Augustin dann endgültig in Pension. Allerdings habe er „bereits angekündigt, dass er jeder Zeit bereit ist, und wenn Not an Mann ist zu unterstützen“, weiß Schulleiterin Annette Borchert. „Ich glaube nicht, dass sie Nein sagt“, meint der 62-Jährige und lächelt. „Da habe ich ja auch wieder neue Kräfte.“ Bis er 65 werde, könne er auf jeden Fall noch ein bisschen was tun.

Hits: 96

aRTikel

Meine Feuerwehr: Die Familie hält zusammen

Donnerstag, den 31. Januar 2019
Tags:

Die Feuerwehr in Eichstädt besteht aus zehn Leuten – sie verlassen sich blind aufeinander

MAZ Oberhavel, 31.1.2019

Eichstädt.
Im Eichstädter Depot hinter dem Gemeindehaus stehen Feuerwehr und Rettungswagen immer direkt nebeneinander. Beide Einrichtungen teilen sich die kleine Wache. „Ja, es ist ein bisschen eng“, sagt Ortswehrführer Nico Hamel. „Aber wir haben uns ganz gut damit arrangiert.“ Die Retter haben immerhin einen eigenen Aufenthaltsraum.

Im vergangenen Jahr konnten die Eichstädter ein Jubiläum begehen. Den 90. Geburtstag feierte die Feuerwehr mit einem großen Fest auf dem Dorfanger zur Landpartie im Juni. Zehn Aktive, darunter drei Frauen, gehören der Wehr an. „Unsere Frauenquote ist schon nicht schlecht“, sagt Nico Hamel und lächelt.

Auch wenn sie nur zu zehnt sind – bei großen Einsätzen gibt es schon mal Transportprobleme. „Unser Auto ist recht klein.“ Die Eichstädter haben neben dem Schlauchtransportanhänger ein Tragkraftspritzenfahrzeug aus dem Jahr 2004. „Da kommen aber nur sechs Leute mit.“ Der Rest müsse dann sehen, dass sie bei den anderen Feuerwehren mitkommen. „Zum Beispiel, wenn die Vehlefanzer auch Bötzow fahren, komme die ja bei uns durch, und irgendwo kriegen wir immer alle unter.“

Die Tagesbereitschaft in Eichstädt sei glücklicherweise kein Problem. Drei der Aktiven arbeiten im Ort, Wehrführer Nico Hamel ist auf dem Bauhof beschäftigt. Die Eichstädter sind vorrangig für den eigenen Ort zuständig, bei größeren Einsätzen in den Nachbardörfern oder auf der Autobahn müssen sie aber auch los.

Im Jahr 2018 hatten die Eichstädter 45 Einsätze. „Für unsere Verhältnisse ist das ordentlich. Aber 2017 waren es noch mehr, durch den Starkregen und die Stürme“, so Nico Hamel. Den Löwenanteil bilden technische Hilfeleistungen bei Unfällen oder Türnotöffnungen. Besonders war der erste Weihnachtstag 2018: Erst gab es einen Schuppenbrand in Sommerswalde, und am Abend stand am Schwantener Kreisverkehr ein Auto in Flammen. „Mit einer der emotionalsten Einsätze war Heiligabend 2017, da hatten wir einen Toten auf der Autobahn.“

Nico Hamel ist seit 1997 Mitglied der Feuerwehr, seit 2001 ist der 40-Jährige bereits Ortswehrführer. „Das war damals eine ganze Truppe, die neu eingestiegen war.“ Um die Jahrtausendwende gab es einen Umschwung – die Alten gingen, die Jungen kamen. Allerdings habe die Wache in Eichstädt um das Jahr 2000 auch vor dem Aus gestanden. Doch das konnte abgewendet werden. Anfangs befand sich die Feuerwehr in einem Haus nahe des Dorfteiches. Danach hatte sie verschiedene Standorte bei der damaligen LPG im Dorf. Ende der 90er-Jahre bezog sie eine ehemalige Scheune. „Die haben wir damals in Eigenregie umgebaut, und seitdem sind wir hier.“ Nico Hamel sagt, das sei ein guter Standort. „Der Vorteil ist: Die Wache liegt in Eichstädt recht zentral.“
Zu den besten Zeiten bestand die Ortswehr auch schon aus 16 Leuten. „Da ist ein Kommen und Gehen“, sagt der Eichstädter Feuerwehrchef. „Das Problem ist, dass es keine Wohnungen in der Gegend gibt. Die jungen Kameraden werden älter und wollen dann weg von den Eltern, finden hier aber nichts.“

Jeden Dienstag um 18 Uhr treffen sich die Mitglieder der Wehr im Depot. „Die Ausbildungen machen wir mit den Vehlefanzern zusammen“, sagt Nico Hamel. Für ihn und seine Leute sei es eine Überzeugung, zu helfen. „Wir können uns blind aufeinander verlassen, und das schweißt auch doll zusammen.“ Es sei wie eine zweite Familie. „Einfach auch mal nur hier zu sitzen und zu reden. Man kann Probleme ansprechen, und die Kameraden sind da, packen auch mal mit an.“

So geht es auch seiner Frau Jeannine Hamel. Die 36-Jährige ist Jugendwartin und seit 1999 Mitglied bei der Eichstädter Wehr. Mit den Neun- bis 15-Jährigen trifft sie sich in der Regel mittwochs um 18 Uhr. „Wir bereiten uns da auf den aktiven Dienst vor“, erzählt sie. Gerätekunde, Dienstvorschriften – aber auch Spaß und Spiel. „Wir wollen locker und spielerisch an die Sache rangehen.“

Manchmal kommt es aber auch vor, dass Einsätze an die Nieren gehen. Bei schweren Unfällen beispielsweise. „Es verlässt keiner die Wache, ohne dass wir darüber gesprochen haben“, sagt Nico Hamel. Auch ein Notfallseelsorger könne dann dazukommen. Eher junge Kameraden bleiben bei schweren Unfällen auch mal im Hintergrund. „Unser Leitspruch ist: Was der Feuerwehrmann nicht unbedingt sehen muss, muss er nicht verarbeiten.“ Keiner werde irgendwo hingeschubst. Auch das gehöre zur Kameradschaft.

Hits: 99

aRTikel

Krise beim Kulturverein: Dem Erntefest droht das Aus

Mittwoch, den 30. Januar 2019
Tags: ,

Volker Röthig will nicht mehr für den Vorsitz der Bärenklauer Arge Baer kandidieren – und die Nachfolge ist vollkommen offen

MAZ Oranienburg, 30.1.2019

Bärenklau.
Der Bärenklauer Kulturverein Arge Baer steht vor dem Aus. Am Donnerstag, 7. Februar, findet in der Alten Remonteschule eine außerordentliche Mitgliederversammlung statt. Dort soll eigentlich ein neuer Vorstand gewählt werden. Doch ob es dazu kommt, ist derzeit sehr fraglich.
Der Vereinsvorsitzende Volker Röthig sagte gestern: „Mal sehen, ob sich da jemand meldet.“ Denn es scheint klar zu sein, dass er selbst für den Vorsitz nicht mehr kandidieren möchte. Und wenn das so sein sollte, könnte es sein, dass weitere Vorstandsmitglieder ebenfalls zurücktreten. Gewählt werden soll eigentlich der Vorsitzende, der Stellvertreter, Kassenwart, Schriftführer und Beisitzer.

Von einem Aus des Kulturvereins könnte auch das Erntefest betroffen sein, das immer im September in Bärenklau stattfindet und von den Leuten der Arge Baer hauptsächlich organisiert wird. „Das größte Manko ist, dass ein harter Kern beim Auf- und Abbau des Festes hilft.“ Aber die wenigen Helfer aus dem Verein stünden „allein auf weiter Flur“ da. „Und das kriegen wir nicht mehr hin“, so Volker Röthig gestern. „Ich mache das jetzt 20 Jahre, ich habe nun andere Prioritäten.“ Es habe ihm immer Spaß gemacht. „Wir hatten schöne Zeiten, anfangs haben viele mitgeholfen.“ Das sei nun kaum noch der Fall, stattdessen werde viel gemeckert. „Man warf uns vor, dass wir immer dasselbe beim Erntefest machen. Aber für uns ist das in der Organisation natürlich einfacher“, erzählt der Bärenklauer. „Aber ich sage auch jedem: Kommt zu uns. Jeder kann sich doch einbringen.“ Viele Leute hätten mit sich selbst zu tun, kritisiert der Vereinschef. Erschwerend hinzu käme bei der Organisation, dass der „Dorfkrug” dann neue Pächter habe, die Zusammenarbeit müsste komplett neu aufgebaut werden – falls sie seitens der neuen Restaurantbetreiber gewünscht sei.

Bislang sind für das Erntefest seitens des Vereins noch keine Verträge mit Künstlern unterschrieben worden. Alles hängt von der Sitzung am 7. Februar ab. Betroffen von der Krise wäre auch die Landpartie im Juni an der Villa Kork. Die Arge Baer sorgt dort bislang immer für das Catering. Das Osterfeuer und den damaligen Weihnachtsmarkt hatte der Kulturverein wegen Überlastung der Organisatoren schon vor einigen Jahren abgesagt.

Volker Röthig will den Verein nicht komplett verlassen, er will aber zum eher passiven Mitglied werden. Falls sich aber für den Vorstand und den Vorsitz niemand findet, dann ist die Zukunft der Arge Baer vollkommen unklar. Und vor allem die Zukunft des Erntefestes im September.

Hits: 114

aRTikel

Oberkrämer und Velten: Briefe landen in falscher Straße

Dienstag, den 29. Januar 2019
Tags: ,

Die beiden Orte haben mit 16727 dieselbe Postleitzahl – eigentlich dürfte deshalb dort kein Weg zweimal gleich benannt sein – aber 28 Doppelungen

MAZ Oberhavel, 29.1.2019

Oberkrämer/Velten.
Immer mal wieder bekommt Gabriele Scharm Post, die gar nicht für sie bestimmt ist. Die Briefe sollen eigentlich in den Veltener Buchenweg, landen aber in Schwante, wo es diese Straße auch gibt. Das Problem: Oberkrämer und Velten haben mit 16727 dieselbe Postleitzahl. Deshalb komme es zu Verwechslungen. „Wir haben jetzt schon einige Male verkehrte Post gehabt. Das zieht sich schon mehrere Jahre hin“, sagt Gabriele Scharm. Allein im Dezember zweimal, und sie sei nicht allein mit dem Problem der verirrten Post. „Wir geben die Briefe dann dem Postmann am nächsten Tag wieder mit.“

Aber warum haben eigentlich Velten und Oberkrämer dieselbe Postleitzahl? „Bei der Vergabe der Postleitzahlen ist zu berücksichtigen, dass der zur Verfügung stehende Zahlenvorrat begrenzt ist“, sagt Post-Pressesprecher Matthias Persson. „Aus diesem Grund kann nicht jeder Gemeinde eine individuelle Postleitzahl zugewiesen sein. Leider führt dies hin und wieder zu mehrfach vorkommenden Straßennamen.“ Die Post rate dazu, dies zu vermeiden. „Eindeutige Adressen sind nicht nur für eine pünktliche und korrekte Zustellung erforderlich, sondern auch für die Aufgabenerfüllung von Polizei und Rettungsdiensten oft sogar (lebens-) wichtig. Auch für Navigationsgeräte sind eindeutige Adresszuordnungen entscheidend.“

Wie Ivonne Pelz, die Pressesprecherin in der Veltener Stadtverwaltung, gestern sagte, gebe es in den beiden Orten 28 Doppelungen bei den Straßennamen. „Die letzte stammt aus dem Jahr 2008.“ Da habe man das Problem noch nicht im Blick gehabt. Die Straßenfindungskommission – der Vertreter von Stadtverwaltung und Fraktion des Stadtparlamentes angehören – tage bei Bedarf, also wenn Straßennamen zu finden seien. In solchen Fällen lasse sich die Kommission auch aus Oberkrämer eine Liste schicken mit dem aktuellen Stand der dort vergebenen Straßennamen. Das bedeutet, dass zumindest in Zukunft bei Neubenennungen keine Doppelungen mehr auftreten sollten.

Gabriele Scharm sagte, dass sie wegen dieses Problems auch schon vor einiger Zeit die Verwaltung in Oberkrämer angesprochen habe. Silvia Draeger, in Oberkrämer für die Bauleitplanung zuständig, war gestern dazu nichts bekannt. Von Seiten der Gemeinde gebe es keine Abstimmung mit Velten.

Dass die 28 Doppellungen in den beiden Orten nach und nach bearbeitet werden, das sei momentan allerdings nicht geplant, sagt Veltens Stadtsprecherin Ivonne Pelz. „Von unserer Seite haben wir da nichts geplant.“

Hits: 93

aRTikel

Ab jetzt bestimmt der Sohn

Freitag, den 25. Januar 2019
Tags: , , ,

Generationswechsel in Wolfslake – René Hoffmann hat zum neuen Jahrdie Autowerkstatt von seinem Vater Fred übernommen

MAZ Oberhavel, 25.1.2019

Wolfslake.
In echten Familienbetrieben kommt es irgendwann zum Generationswechsel. Hoffmanns in Wolfslake haben ihn zum neuen Jahr über die Bühne gebracht. Neuer Chef beim „Auto Service Wolfslake“ ist René Hoffmann. Der 24-Jährige hat die Firma von seinem Vater Fred übernommen.
„Ich weiß ja, wie es hier gelaufen ist, ich bin ja kein Fremder. Deshalb bin ich da nicht mit Angst rangegangen“, sagt René Hoffmann. „Ich lasse jetzt alles auf mich zukommen.“ Die Kunden wurden informiert, die Resonanz war groß. „Das hat uns sehr gefreut“, erzählt Fred Hoffmann und lächelt. „Wir waren erstaunt, wie viele uns geschrieben haben, das war richtig überwältigend, da kann man nur Dankeschön sagen.“

Weg ist Fred Hoffmann ja auch nicht. Ein paar Stunden hilft er noch in der Werkstatt neben der Speedwaybahn aus. Mit ihm hat auch alles anfangen, in den späten 80er-Jahren. Warum er an Autos schrauben wolle, habe ihn sein Lehrmeister in Velten damals gefragt: „Ich habe gesagt: Weil mein Vater das so will.“ Fred Hoffmann muss grinsen, wenn er das erzählt. „Der Beginn lief nicht so gut.“ Er habe anfangs überhaupt keine Ahnung gehabt, aber er habe sich reingekämpft. Er schloss seine Lehre ab, machte später seinen Meister, arbeitete in der Werkstatt des Volkseigenen Betriebes Stadt-Gemeinde-Wirtschaft in Velten und dann für den Fuhrpark der Kremmener Milchproduktion.
Die Firma – Vorläufer der Milchviehanlage – war es dann auch, die in Wolfslake 1988 die Werkstatt errichten ließ. Dort sollte Fred Hoffmann die Autos reparieren. Ein Jahr später fiel die Mauer, ein weiteres Jahr danach wurde die Firma in Kremmen liquidiert. Die Zukunft der Wolfslaker Werkstatt war unsicher. „Mach du dich doch selbstständig, hieß es dann“, erinnert sich Fred Hoffmann. „Ich wollte das erst gar nicht.“ Er entschied sich dann doch dafür. Am 1. April 1991 wurde er Chef seiner eigenen Firma.
Der Anfang war schwierig. „Wir waren ein Jahr ohne Telefon. Und wir hatten Glück, dass wir am Anfang noch viele Trabis und Wartburgs reparieren konnten.“ Alles andere hatte er sich nach und nach draufgeschafft. Er kaufte die Werkstatt, um keine Pacht mehr zahlen zu müssen, später auch das Grundstück. Die Firma lief.

René Hoffmann hat sich anfangs gar nicht so sehr für die Autoschrauberei interessiert – eine kleine Parallele zwischen Vater und Sohn. Erst mit dem Führerschein stieg auch das Interesse daran. 2013 machte er sein Abi am Hennigsdorfer Puschkin-Gymnasium und begann gleich danach seine Lehre in der eigenen Familienwerkstatt. „Viele haben uns davon abgeraten, dass er in der eigenen Firma lernt“, erinnert sich Vater Fred. „Aber es hat gut funktioniert.“ Im März 2016 war René sogar Azubi des Monats, ausgezeichnet von der Handwerkskammer.
Zu diesem Zeitpunkt war schon klar, dass er mal die Firma vom Vater übernehmen wird – und zwar schon recht bald. „Sonst wären wir nicht mehr hier“, sagt Fred Hoffmann. „Wenn René nicht gesagt hätte, dass er übernimmt, hätten wir 2018 zugemacht.“ Stattdessen ist noch mal investiert worden.
Am 30. November 2018 hatte der junge Mann seinen Meister geschafft, und nur einen Monat später erfolgte die Geschäftsübernahme. „Er ist intensiv und konzentriert dabei“, sagt Fred Hoffmann. „Seine Ruhe hat er von seiner Mutter geerbt“, sagt er und lächelt. Er selbst sei durchaus aufbrausender, schiebt er nach.

„Vater ist jederzeit für mich da“, sagt der neue Chef. „Das Wissen des Altmeister ist total wertvoll.“ In Notlagen könne er sich auf seinen Vater verlassen. Dennoch will er über kurz oder lang noch jemanden einstellen. Allerdings gilt: „Wenn du eine Arbeitskraft brauchst, musst du sie dir ranziehen.“ Deshalb will er sich bald nach einem Azubi umsehen.

Hits: 101