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In der Zeitung erschienen

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Der digitale Modellbahn-Steuermann

Freitag, den 21. April 2017
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Hans-Jürgen Passlack kümmert sich in Kremmen darum, dass auf den Vereinsanlagen alles rund läuft

MAZ Oberhavel, 21.4.2017

Kremmen.
Die neueste Errungenschaft auf der Kremmener Modelleisenbahnplatte: Ein Zug, bei dem auf einem offenen Waggon eine Kamera befestigt ist. Auf einem kleinen Monitor können die Fahrten nun live beobachtet werden.
Hans-Jürgen Passlack beobachtet genau, was auf dem Monitor zu sehen ist. Der 64-Jährige aus Schwante ist seit zwei Jahren im Modelleisenbahnverein in Kremmen aktiv, der seine Räume in der Ruppiner Straße 60 hat. Auch zu Hause hat Passlack eine Modelleisenbahn, und in Kremmen kam er einst zum „Tag der offenen Tür“. „Beruflich hatte ich nicht mehr so viel zu tun, ich hatte Freiräume, und ich dachte, hier kann ich mich mit den anderen austauschen und Erfahrungen einbringen.“ Er konnte und kann es immer noch.
In Kremmen kümmert sich Hans-Jürgen Passlack vor allem um den Bereich der digitalen Steuerung. „Die Anlage wurde noch händisch betrieben“, erzählt er. Nach und nach ist die Anlage umgestellt worden, inzwischen läuft alles automatisch mit entsprechenden Programmen.

Seit einiger Zeit hat der Verein eine zweite Anlage. „Aber vernünftige Zugfahrten waren dort nicht möglich“, erzählt der Schwantener Modellbahnfan. „Wir mussten daran arbeiten, einen guten Fahrbetrieb hinzubekommen. Wir haben Gleise entdeckt, die so nicht funktionierten, da waren Sackgassen eingebaut.“
Zu Hause arbeitete er an einer neuen Gleisplanung. „Das finde ich sehr spannend, das Hobby betreibe ich seit meiner Kindheit“, sagte der 64-Jährige. Ihn reizen die technischen Problemstellungen, aber auch das Kreative an den Anlagen, also der Landschaftsbau oder witzige Geschichten.

Momentan überlegen die Vereinsmitglieder, die Anlage im oberen Stockwerk komplett umzubauen. „Wir versuchen rauszukriegen, ob wir das wirklich wollen und was die Konsequenzen wären. Wir haben alle viele Erfahrungen mit solchen Anlagen, und die wollen wir in eine überarbeitete Anlage einbringen.“ Es sei auch nicht unüblich, dass Modellbahner ihre Anlagen komplett ab- und wieder aufbauen.
„Die große Aufgabe fehlt uns gerade ein bisschen“, gibt der Vereinschef Peter Kähler in dem Zusammenhang zu. „Und das wäre als Aufgabe ganz interessant.“

Momentan kommen sieben Jugendliche regelmäßig in den Verein, insgesamt hat er 24 Mitglieder, davon sind zwölf aktiv. Nachwuchs zu finden sei das größte Problem, sagt Hans-Jürgen Passlack.
Der Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik hat schon versucht, auch die eigenen Kinder für die Modellbahn zu begeistern. „Das ist mir bis jetzt noch nicht gelungen“, sagt er. „Aber vielleicht kommt das ja später noch.“

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Lindern, bewegen, stärken

Freitag, den 24. März 2017
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In den Sommerfelder Sana-Kliniken werden pro Jahr etwa 3000 künstliche Gelenke eingesetzt

MAZ, 24.3.2017

Das medizinische Gebiet der Endoprothetik war in der DDR eine Marktlücke. Die Menschen mussten sehr lange auf Operationen warten. Zwei bis drei Jahre vergingen bis zur Hüft-OP. Im März 1987 sollte sich das ändern. Ärzte aus der Berliner Charité kamen damals nach Sommerfeld, um zu operieren und diese Warteliste abzuarbeiten.
Das ist nun 30 Jahre her, so lange gibt es die Orthopädie nun in Sommerfeld. Kürzlich ist das runde Jubiläum gefeiert worden.
Inzwischen werden pro Jahr in der dortigen Sana-Klinik mehr als 3000 künstliche Gelenke eingesetzt – der höchste Wert in Brandenburg, der zweitgrößte in Deutschland. „Da kann man stolz drauf sein“, sagt Volker Liefring, der Chefarzt der Rehaklinik im Kremmener Ortsteil.

Lindern, bewegen, stärken. Das sind die Stichworte, wegen der die Patienten nach Sommerfeld kommen. Sie haben Schmerzen – im Rücken, im Nacken, an der Hüfte, in den Knien. Längst nicht immer sind Operationen notwendig. Dann werde konservativ behandelt, sagt Volker Liefring: „Mit Krankengymnastik, Bewegungsbädern oder auch gezielten Spritzen.“ Es sei wichtig, den richtigen Zeitpunkt für eine OP zu finden. „Nicht zu früh, aber auch nicht zu spät“ sollte sie stattfinden. Man müsse bedenken, dass neue Gelenke im Durchschnitt 15 bis 20 Jahre halten, danach sei bei manchen Patienten eine Wechsel-OP nötig. Bei Jüngeren müsse also genau untersucht werden, ob die OP schon unabwendbar sei. „Denn man muss sich klar darüber sein, dass irgendwann noch eine OP anstehen könnte.“ Andererseits gebe es „tapfere Haudegen, die Schmerzmittel nehmen und Folgeschäden an Rücken und Muskeln durch falsches Laufen bekommen“, erklärt der Chefarzt.
In Sommerfeld wird konservativ und operativ behandelt, die Reha erfolge ebenfalls dort. Aus Sicht von Volker Liefring sei das ein großer Vorteil für alle Beteiligten, weil alle Abteilungen Hand in Hand arbeiten würden. Die Ärzte beraten sich in schwierigen Fällen gegenseitig.

Auch in der Reha gibt es mehrere Varianten der Betreuung: stationär oder ambulant. Es gibt auch Patienten, die gar keine Reha brauchen. „Jüngere gehen erst mal ein bis zwei Wochen nach Hause, zur Wundheilung. Ältere Patienten gehen oft direkt rüber zur Reha. Viele sind sonst zu Hause unsicher.“ Sinn der Reha – zum Beispiel nach einer Hüftoperation – seien aus Sicht des Chefarztes nicht nur das allgemeine Wohlbefinden und der Muskelaufbau, „sondern auch Sicherheit und Teilhabe.“ Es gehe darum, dass der Mensch danach wieder in den Alltag abtauchen könne – ohne Ängste. Volker Liefring stellt klar: „Reha ist Arbeit.“

Bevor es losgeht, gibt es eine Aufnahmeuntersuchung durch einen der Ärzte. „Dort wird der Patient noch mal richtig befragt und untersucht. Außerdem werden die Rehaziele vereinbart.“ Geklärt werden müsse: Was will der Patient? Was ist ihm wichtig? „Der eine sagt, er will einfach nur wieder laufen können, ein anderer will wieder Ski fahren oder zur nächsten Radtour.“ Es liege also auch ganz individuell an jedem Patienten, worauf die Reha am Ende hinauslaufen solle.
Anhand der Untersuchungen vor dem Start der Reha wird der Therapieplan erstellt. Die Behandlung erfolgt in vielen Schritten: Dazu gehören Krankengymnastik, Ergotherapie, Massagen, Reizstrom oder auch Gruppenbehandlungen. Wichtig ist in Sommerfeld auch die Medizinische Trainingstherapie (MTT) mit diversen Trainingsgeräten für die Kraftausdauer und die Koordination.
Nach Arbeitsunfällen absolvieren die Patienten auch eine medizinisch-berufliche Orientierung. Dachdecker beispielsweise können schon in der Rehaklinik üben, wie sie wieder angstfrei aufs Dach steigen können.

Ebenso zur Reha gehört, so Volker Liefring, die Edukation, die Patientenschulung. „Das sind Schulungsprogramme, teilweise richtige Unterrichtseinheiten.“ Da gehe es auch um den Umgang mit dem Schmerz, der auch nach OPs nicht immer komplett verschwunden sein kann. Stichwort: lindern. „Restschmerz wird schlimmer, wenn man sich nicht bewegt.“ Man müsse im Kopf begreifen, dass manchmal der Schmerz bleibe. Bei etwa fünf bis zehn Prozent der Hüftpatienten können nach der Behandlung noch Schmerzen auftreten, bei den Kniepatienten übrigens in etwa 20 Prozent der Fälle. „Da muss man dann ganz genau gucken, was die Ursache ist“, sagt der Sommerfelder Chefarzt.

Eine Altersgrenze für Gelenk-OPs will Volker Liefring in der Klinik in Sommerfeld nicht setzen. „Wir haben ein gutes Gesundheitssystem, wo keinem eine solche Behandlung verwehrt bleibt.“ Im Alter gehe es eher darum, ob der Körper eine Narkose gut überstehe. „Sonst operieren wir ohne Wenn und Aber.“

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Ein Leben ganz weit draußen

Donnerstag, den 23. März 2017
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Edith Ortmann und Brigitte Ney wohnen in Neu-Ludwigsaue und genießen dort Ruhe und Natur

MAZ Oranienburg, 23.3.2017

Neu-Ludwigsaue.
Bis zum nächsten Bäcker in Beetz sind es sechs Kilometer, zum Discounter nach Kremmen sogar elf. Ohne Auto geht das nicht, denn einen Bus gibt es in Neu-Ludwigsaue nicht. Das würde sich auch kaum rechnen, denn in dem Ort, der zu Beetz gehört, leben vielleicht gerade mal zehn Leute.

„Ich bin alle 14 Tage einkaufen“, erzählt Edith Ortmann. „Brot und Brötchen friere ich ein“, erzählt die 86-Jährige, die seit 1951 in Neu-Ludwigsaue lebt. „Früher bin ich ja auch nicht jeden Tag im Konsum gewesen.“ Früher aber gab es immerhin einen im zwei Kilometer entfernten Ludwigsaue. Vorratswirtschaft ist das Stichwort. „Wir haben immer einen Sack Mehl gekauft, Zucker, Salz in größeren Mengen“, erzählt Tochter Brigitte Ney. „Das mache ich heute noch“, und ihre Mutter weckt immer noch Obst ein. So wie früher.

„Ich fahre heute noch Auto, wenn es mir richtig gut geht“, sagt Edith Ortmann. Bis Kremmen, aber nicht weiter. „Nach Oranienburg schon nicht mehr.“ Neu-Ludwigsaue liegt irgendwo zwischen Beetz und Rüthnick, wer dort weg will, muss entweder den sandigen Waldweg zur Landesstraße nutzen oder den Umweg über Ludwigsaue nehmen – da immerhin ist die Straße asphaltiert. Wenn es ordentlich schneit, dann sitzen die Bewohner aber auch schon mal fest. „Es gab schon Tage, da konnten wir hier nicht weg“, erinnert sich Edith Ortmann.

Wer sich in Neu-Ludwigsaue auf die Straße stellt, erlebt: Stille. Es gibt kein Verkehrsrauschen, nur die pure Natur. Kreischende Kraniche, singende Vögel. Auf einem der Höfe stehen noch Rinder. Früher war dort mehr los. Als Edith Ortmann 1951 der Liebe wegen von Rüthnick nach Neu-Ludwigsaue zog – ihre Familie war 1945 von Ostpreußen nach Berlin geflüchtet – da gab es im Ort sehr viel mehr Landwirtschaft.
„Es war viel Betrieb hier. Jeder hat seinen Acker bewirtschaftet, und Vieh hatte auch jeder.“ Es war eine harte Zeit. „Wir hatten es alle im Kreuz.“ Die Kartoffeln wurden alle per Hand gelegt, bei der Ernte seien sie tagelang auf den Knien langgerutscht, „von hier bis zum Wald“, sagt Edith Ortmann und zeigt vom Grundstück weg. Bis zum Wald ist es ein ordentliches Stück.
Mit der Einführung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) in der DDR verloren die meisten Neu-Ludwigsauer ihre Äcker, fanden stattdessen neue Arbeitsplätze in Beetz oder Sommerfeld. Für das kleine Dorf selbst aber bedeutete das: Stillstand.

Edith Ortmann bekam ab 1983 Invalidenrente – der Rücken war kaputt. Sie kümmerte sich fortan um die Pflege der Familie und um die Gärten. Seit 1980 ist sie Mitglied der Volkssolidarität, noch heute nimmt sie in Beetz an den regelmäßigen Treffen und Festen teil. „Da freue ich mich immer drauf“, sagt sie. Sie hat viel durchgemacht in ihrem Leben, „aber ich bin trotz allem ein lebensfroher Mensch.“ Auch wenn die Knochen wehtaten, wurde immer gelacht und getanzt. „Und ich stricke gern.“
Sie liebt die Ruhe in Neu-Ludwigsaue. „Wenn ich morgens das Fenster aufmache, höre ich die Kraniche.“ Der Wiedehopf ist neuerdings auch im Dorf anzutreffen. „Wirklich imposant!“, schwärmt die Rentnerin.

Was aber wird mal aus dem Ort? Gibt es auch in Zukunft Menschen, die so weit draußen leben möchten? Brigitte Ney sagt, dass sie verstehen kann, wenn ihre Kinder mal nicht den Hof übernehmen wollen. Dabei geht es nicht nur um die Lage. „Es ist auch viel Arbeit, hier ist ja alles ein paar Nummern größer.“
Gäbe es denn Kaufinteressenten? „Es kommen immer mal wieder Stadtleute, die die Ruhe suchen“, sagt Brigitte Ney. Aber da gehe es dann sicherlich nur um Wochenend- oder Feriendomizile. Dauerhaft sei es für Familien schwierig – der Weg zur Schule sei weit. „Wir kämpfen schon lange um den Radweg nach Beetz“, sagt Brigitte Ney. „Für Schulkinder ist der sehr wichtig. Die Fahrt auf der Chaussee ist einfach zu gefährlich.“ Es wäre wieder ein Stück Lebensqualität mehr in Neu-Ludwigsaue.

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Im Klubhaus wurde er vom Staat geprüft

Freitag, den 17. März 2017
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Frank Liedke alias DJ Smily brachte ab den späten 80ern in Kremmen die Tanzbeine zum Schwingen

MAZ Oranienburg, 17.3.2017

Kremmen.
Schon in der 5. Klasse hat Frank Liedke gemeinsam mit Freunden den Discotheker gemacht. Das war 1978, mit Musik von der Kassette. Heute ist er in Kremmen als DJ Smily bekannt. Hin und wieder macht er auf Feiern noch Musik, bei Partys sorgt er auch mal im Hintergrund für die Technik.

Frank Liedke ist allerdings kein Ur-Kremmener, wie manche vielleicht meinen. Er stammt aus Berlin-Kaulsdorf, ging in Friedrichsfelde zur Schule und lernte später im Hennigsdorfer Stahlwerk und beim Reichsbahnamt in Elstal für den Facharbeiter in der Eisenbahntransporttechnik und speziell für den Stellwerkdienst. Während dieser Lehrzeit kam auch die Initialzündung für sein DJ-Dasein.
„In Glowe auf Rügen hatte die Reichsbahn damals ein Zeltlager“, erinnert sich Frank Liedke. „Und wir haben da Musik gemacht.“ Sie koppelten zwei Kassettenrecorder zusammen und legten los. „Das war das, was wir hatten, und alles von Kassetten.“ Um 1984 an die aktuelle Musik zu kommen, saß er vor dem Radio und nahm auf. „Oft habe ich das Band auf Verdacht gestartet“, erzählt er. „Entweder hatte ich das Lied schon oder nicht, und ich habe immer gebangt, dass der Moderator nicht draufspricht.“
„School’s out“ auf SFB 2 oder die Jugendsendungen auf Rias 2 waren damals angesagt. Aber auch DT 64 und die dortige Sendung „Duett – Musik für den Rekorder“ waren beliebt, denn dort sind ganze Alben gespielt worden. Ideal zum Mitschneiden.

Mit Peter Ott, der heute auch noch aktiv ist, zog Liedke damals zeitweise durch die Lande. Durch einen Freund, den er in der Lehre kennengelernt hatte, entdeckte er Mitte der 80er-Jahre Kremmen. „Damals gab es hier noch viele Veranstaltungen.“ Mittwochs war im Klubhaus Disco. Außerdem regelmäßig in zwei Beetzer Gaststätten, im großen Saal in Staffelde, in Wall und Groß-Ziethen. Um aber wirklich als DJ in der DDR arbeiten und Geld verdienen zu dürfen, musste eine professionelle Einstufung absolviert werden – inklusive Prüfung. „In Oranienburg haben wir Lehrgänge besucht. Politische Bildung und wie man am besten moderiert. Da musste man durch. Aber man bekam auch beigebracht, wie man bestimmte Dinge organisiert.“ Die Prüfung selbst fand im Kremmener Klubhaus statt. „Ich habe den Kumpels Bescheid gesagt: Feiert mit, wir müssen die Prüfung bestehen!“ Am Ende erhielten er und sein DJ-Freund die staatliche Spielerlaubnis.
„Dann waren wir unterwegs“, erinnert sich Frank Liedke. Ursprünglich waren sie zu zweit, er war er immer nur für die Technik zuständig. „Mit dem Trabbi und einem Anhänger ging es dann los.“

1990 gründete er seine eigene Discothek, und der Name „DJ Smily“ war geboren. Der CD-Player hielt Einzug. „Das alte Teil zieht heute noch alles durch, die ersten CDs von damals habe ich auch noch“, sagt er und lacht. AC/DC mag er sehr. „Ansonsten nehme ich, wie es kommt. Ich höre auch mal gerne alte Schlagerschinken, nur rechte Musik ist doof.“ Ab und zu fährt er zu Konzerten, reist auch zu Punkfestivals.

Er war viel unterwegs in seiner großen Zeit als DJ. Inzwischen musste er aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten. „Ein paar Geschichten mache ich aber noch“, sagt er. Der Fußballfan von Union Berlin fährt einmal im Jahr mit dem Partyzug – und sorgt dort auf der Reise für die Musik. Letztes Jahr ging es nach Freiburg, als Nächstes nach Stuttgart. „Das macht riesen Spaß.“

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Die Suche nach dem perfekten Styling

Dienstag, den 14. März 2017
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Alexander Schmolke (19) ist Friseur-Lehrling in Vehlefanz – seine Ausbildung dauert drei Jahre

MAZ Oberhavel, 14.3.2017

Vehlefanz.
Kreativ zu sein – das macht ihm Spaß. Haare zu frisieren, hat er schon als Kind gern gemacht. Seit anderthalb Jahren ist Alexander Schmolke Lehrling im Vehlefanzer „Salon Bartholome“. Drei Jahre dauert seine Lehre insgesamt, bis Juni 2018. „Ich mache hier alles“, sagt der 19-Jährige. Haare schneiden, waschen, Dauerwellen, Strähnen, aber auch Hilfsarbeiten oder ans Telefon gehen. Schon in der 8. Klasse absolvierte er ein Praktikum in einem Veltener Friseurladen. Zu dieser Zeit durfte er bereits der Familie an die Haare gehen.

Nach der 10. Klasse an der Oranienburger Torhorst-Gesamtschule begann er seine Ausbildung. „Das mit der Bewerbung in Vehlefanz ging relativ leicht“, erinnert er sich. Er wohnt im Dorf und erkundigte sich bei Bartholomäus Raschke, ob es dort eine Lehrstelle gibt. „Am gleichen Tag noch habe ich mich beworben“, erzählt er.
Seinen Chef hat er im Vorstellungsgespräch sofort überzeugt. „Er hat mir erzählt, dass er schon mit Frisierpuppen gearbeitet hat, da blieb mir der Mund offen stehen“, sagt Bartholomäus Raschke und lächelt. „Das zeigte mir, dass er motiviert war.“

Und das ist er immer noch. Wer ihn beobachtet, wird sehen, dass er Spaß an der Sache hat. „Als ich mit 17 herkam, hieß es ab und zu mal: Traust du dir das zu?“, erinnert sich Alexander. Da durfte er dann auch schon mal Kunden schneiden, wenn keiner der Mitarbeiter dabei war. „Ich will nicht sagen, dass ich schon alles kann“, gibt er zu. Er lernt noch dazu, aber er kann schon viel, wie auch sein Chef bestätigt.
Es gefällt ihm, kreativ zu sein. „Wenn eine Kundin sagt, sie will was Neues, was zu ihrem Typ passt, dann berate ich sie.“ Mittlerweile falle ihm das leicht. „Am Anfang habe ich dann einfach gemacht, worauf ich Lust hatte, aber um mich geht es ja nicht. Aber wenn ich denke, das passt nicht, was die Kundin da möchte, dann sage ich das auch und schlage eine Alternative vor. Letztlich hat aber jeder das Recht, auszusehen, wie er möchte.“

Regelmäßig muss er für die Theorie ins Oranienburger Georg-Mendheim-Oberstufenzentrum. Dort sind sie nur neun Leute im Kurs. „Ich bin da der einzige Mann, aber ich sehe das entspannt.“ Demnächst wird diese Ausbildung nur noch in Potsdam angeboten. Stichwort: Lehrlingsmangel. „Da gibt es Vorurteile gegenüber Friseure. Außerdem finde ich, dass der Job nicht gut bezahlt ist, dafür dass wir einen umfangreichen Beruf haben, für den nicht jeder geeignet ist.“ Immerhin hat er eine volle 40-Stunden-Woche.

Wie es später weitergehen soll, weiß Alexander Schmolke noch nicht. „Ich möchte mir auf jeden Fall eine schöne Zukunft leisten können“, sagt er. „Erfolgreich werden.“ Es muss nicht mal zwingend ein eigener Laden sein. Aber in die stylistische Ecke könnte es mal gehen. „Er sagt immer, er will berühmt werden“, sagt sein Chef Bartholomäus Raschke, und es klingt, als ob er seinem Azubi gute Chancen ausrechnet, dass ihm das mal gelingen könnte.

Viel Zeit für andere Hobbys bleiben dem 19-Jährigen kaum. „Ich bin nicht so der Partygänger“, sagt er. „Und nach achteinhalb Stunden auf der Arbeit, brauche ich auch mal die Ruhe.“

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Ab 21. März ist er der neue Chef in Kremmen

Samstag, den 11. März 2017
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Sebastian Busse ist bald Bürgermeister. Nervös ist er nicht, aber er hat Respekt vor der neuen Aufgabe

MAZ Oranienburg, 11.3.2017

Kremmen.
Und? Nervös? Sebastian Busse lächelt ein wenig und überlegt kurz. „Ich sage immer Nein, weil ich ja eigentlich schon mittendrin stecke“, meint er dann. „Aber ich habe eben auch Respekt vor der neuen Arbeit, von der ich noch nicht in jedem Punkt genau weiß, was da auf mich zukommt.“ Er freue sich aber riesig auf seinen neuen Job, sagt er ebenfalls. „Wegen mir hätte es auch schon am 1. Januar losgehen können.“
Am 21. März aber ist es erst so weit. Dann ist Sebastian Busse (37) der neue Bürgermeister von Kremmen. Der CDU-Mann ging Ende November 2016 als Sieger der Stichwahl hervor, bei der er gegen Eckhard Koop angetreten war. Busse wird Klaus-Jürgen Sasse ablösen, der nach fast einem Vierteljahrhundert den Chefsessel im Rathaus räumen muss. Zu diesem Zeitpunkt ist Busse dann auch nicht mehr Ortsvorsteher in Staffelde. Dort muss der dann zweiköpfige Ortsbeirat neu wählen.

Zum Jahresende kündigte Busse seinen Job als Werkstoffprüfer und ist seitdem in Kremmen und in den Ortsteilen unterwegs, um sich vorzustellen – allerdings: ein unbekannter ist er ja nicht – und um überall schon mal reinzuschnuppern. Er war in den Kitas, in den Schulen, in der Schulküche, beim Wirtschaftshof. „In den Kitas läuft es besser, als ich dachte“, sagt Sebastian Busse. „Aber jede Einrichtung ist anders, nicht jede Kita arbeitet wie die andere. Daran werden wir arbeiten, das Grundprinzip muss überall gleich sein.“

In der Beetzer Grundschule erlebte er eine interessante Unterrichtsstunde, denn die Kinder hatten ihn dorthin eingeladen. „Wir haben 90 Minuten Politische Bildung gemacht“, erzählt der Staffelder. „Ich könnte mir vorstellen, einmal im Jahr in die 6. Klassen zu gehen und dort etwas zu erzählen.“

Die Menschen seien ihm in den vergangenen Wochen positiv entgegengetreten, auch im Rathaus, seinem künftigen Hauptarbeitsort. „Es werden nach jetzigem Stand auch alle Mitarbeiter in der Verwaltung bleiben.“ Er müsse sich Vertrauen erarbeiten, aber auch andersrum müsse das so funktionieren.

Im Rathaus wäre er auch schon vor dem 21. März gern öfter gewesen. „Aber ich hatte das Gefühl, dass es von oberster Stelle nicht gewollt war“, sagt Sebastian Busse. Bei gewissen Terminen sei er zwar im Rathaus dabei, er erhalte aber noch nicht alle Infos.
Was am 21. März genau passieren wird, weiß er – bis auf den Fakt, dass es sein erster Arbeitstag ist – noch nicht. „Ich lasse es auf mich zukommen.“ Zum Jahresempfang am 16. März wird es sicherlich dazu ein paar Worte geben, die nächste Stadtverordnetenversammlung ist auf den 6. April vorgezogen. „Da werde ich sicherlich auch eine Art Grußwort sprechen.“

Es liegt einiges an in Kremmen. Die Kitasatzung soll nun endlich überarbeitet werden. Im Jugendclub gibt es Probleme, die Lösungen erfordern. Die Ortsdurchfahrt in Groß-Ziethen: „Da muss was passieren.“ Die weitere Planung für ein neues Feuerwehrdepot stehen an. Die Klubhaus-Sanierung und ein entsprechendes Konzept. Außerdem der Komplex Wohnungen und Wohngebiete.

Er wird viel zu tun haben, mehr noch als jetzt schon. Wie also wird sich das auf die Person Sebastian Busse auswirken? „Da denke ich wirklich drüber nach“, sagt er. „So eine Position wird einen wohl verändern, aber ich möchte auf jeden Fall meine Ehrlichkeit behalten, ich will weiter offen sein und nicht in eine Politikverdrossenheit geraten.“ Zwei neue Anzüge hat er sich schon gekauft. „Das gehört dazu.“ Aber er müsse sich auch drüber klar werden, dass er nun noch mehr unter Beobachtung stehe.
Die Spaziergänge mit dem Hund, das Fußballtraining mit den Kindern – wenn es die Zeit erlaube, wolle er das weiter machen. „Ein bisschen Ablenkung muss einfach sein.“

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Damals packte die Gemeinschaft mit an

Dienstag, den 7. März 2017
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MAZ-Serie “Jugendzeit”: Der Kremmener Club hinter dem Sportplatz erlebte seine Blütezeit Mitte der 90er-Jahre

MAZ Oranienburg, 7.3.2017

Kremmen.
Ganz viele Erinnerungen! Das ist das Gefühl, das Marlies Wendland hat, wenn sie heutzutage durch die Räume des Kremmener Jugendclubs läuft. „In acht Jahren hat sich nicht so viel getan“, sagt sie, und man weiß nicht genau, ob das ein Lob oder eher negativ gemeint ist. Acht Jahre, so lange ist sie schon raus aus dem Klubbetrieb, von 1996 bis 2009 hat sie dort gearbeitet. Einige Freundschaften mit den damaligen Jugendlichen halten sich bis heute.

„Mit zwölf habe ich angefangen, in den Klub zu gehen“, erzählt Alexandra Luge. Noch als sie schwanger war, besuchte sie die Räume, und mit dem Kind gab es dann sogar einen Jungmüttertreff. „Jeder wusste, dass wir hier gut aufgehoben sind. Die Freunde waren hier, es entwickelten sich neue Freundschaften, und es fanden sich Pärchen.“

Viele Feste sind im Klub gefeiert worden. „Einmal hatten wir eine Live-Band hier“, erinnert sich Marlies Wendland. Ansonsten stand damals Scooter hoch im Kurs. „Ich durfte die Technozeit mitmachen“, sagt die damalige Klubchefin und schmunzelt. Wenn es nach den Teenies gegangen wäre, wäre die laute Musik acht Stunden gelaufen, „aber wir haben uns geeinigt, dass eine Stunde Technomusik gespielt wird – und dann eine Stunde Marlies-Musik, die leichtere Woge.“
Mehr als Lautstärke vier am Radio sei nicht drin gewesen. Als mal jemand kam und es lauter gedreht werden sollte, sei gleich Protest gekommen: „Das wird nur auf Vier gestellt“, hieß es dann. „Später ist mir aufgefallen, dass es an der Anlage gar keine solche Zahlen gab“, erzählt Marlies Wendland und lacht wieder. Der Club sei ihr zweites Zuhause gewesen.

Die Klubgemeinschaft war Mitte und Ende der 90er-Jahre eine besondere – denn sie packte mit an. Sei es beim Kochen, beim Malern oder beim Verlegen von Gehwegplatten. Wer sich die Fotoalben ansieht, wird feststellen: Die damalige Jugend gestaltete sich ihren Club an vielen Punkten selbst, und das machte diese Gemeinschaft aus, betonen alle. Auch neue Leute sind gern aufgenommen worden: „Mir wurde das damals sehr leicht gemacht“, erzählt Annekatrin Busse. „Damals haben ja auch viele Jungs eine Freundin gefunden, und die haben sie auch mitgebracht“, erzählt Alexandra Luge. „Klar kamen wir ihnen auch schnell ins Gespräch.“

Aber nicht alle mochten sich. Die Leute aus dem Kremmener und dem Flatower Klub seien sehr gegensätzlich gewesen, sagt Marlies Wendland. „Die Jugendlichen waren sich spinnefeind, und ich wollte das ändern. Ich habe es dann gewagt, eine gemeinsame Veranstaltung zu organisieren.“ Und hat es geklappt? „Es entwickelte sich.“
Den Jugendlichen kamen die langen Öffnungszeiten entgegen. Unter der Woche war immer bis 21 Uhr, freitags und sonnabends sogar bis 23 Uhr geöffnet. „Damit jede Altersgruppe was davon hatte“, erinnert sich die damalige Chefin. „Der Club war für uns immer zugänglich“, Michaela Barthe. „Er war immer da, wenn man ihn brauchte.“

Heute sei es schwer, die Jugendlichen für den Club zu begeistern: „Es müsste eine kleine Gruppe geben, die anfängt, was aufzubauen, neue Ideen hat, neue Programme“, sagt Alexandra Luge. Inspiration müsse aber auch von der Clubleitung kommen.