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In der Zeitung erschienen

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Mein Tipp: Die Pferdeinsel war schon immer ein Ort für Abenteuer

Mittwoch, den 11. April 2018
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Der Oranienburger Stadtpark direkt an der Havel wird von den Stadtleuten gut angenommen – Zeit zum Entspannen für alle Generationen

MAZ Oberhavel, 11.4.2018

Oranienburg.
Als wir Kinder waren, gingen wir am Nachmittag sehr oft auf die Pferdeinsel. Es war ein bisschen der Ort für Abenteuer. Ein Wald mitten in der Stadt, verschlungene Pfade, ideal zum Versteckspielen. Überall gab es etwas zum Entdecken – irgendwie auch ein bisschen unheimlich, aber das machte ja den Reiz aus. Ganz am Ende der Pferdeinsel, in Sichtweite zum kleinen Hafen und dem Speicher, gab es eine kleine Badestelle, an der wir ganz viele Nachmittage verbracht haben. Auch heute gibt es diese Pferdeinsel noch, auch wenn sie sich ziemlich verändert hat.

Ursprünglich hieß dieser Ort, der in Oranienburg zwischen dem Lindenring, der Lehnitzstraße und der Havel liegt, wohl noch Inselwiese. Damals gab es dort noch ein richtiges Freibad, und der Park war eben jene Liegewiese. Wie es heißt, war das Areal irgendwann wirklich mal fast eine Insel. Inzwischen endet der Havelarm am Speicher, an der anderen Seite ist nur noch eine Einbuchtung zu sehen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich scheinbar einiges geändert. Damals haben Pferdebesitzer ihre Tiere dort weiden lassen – woraufhin der Volksmund diesen Ort gleich mal einen neuen Namen gab – die Pferdeinsel.

Wer heute über das Areal schlendert, wird sehen, wie viel sich in den vergangenen Jahren dort getan hat. Es sind neue Wege angelegt worden, teilweise befestigt, teilweise provisorisch. Auch einige der alten Trampelpfade sind noch zu entdecken. Der Park wird von den Oranienburgern angenommen, an sonnigen Nachmittagen ist da viel los. Leute spazieren durch den Park oder sie setzen sich auf eine der vielen Parkbänke. Am schönsten sind natürlich die, auf denen man auf die Havel blicken kann.
Außerdem gibt es am Ufer des Wassers eine Grillstelle, die ebenfalls ganz gut genutzt wird – auch wenn der Qualm mitunter ein wenig heftig ausfällt.
Und noch immer sind Kinder zu beobachten, die die Pferdeinsel einfach zum Spielen und für Abenteuer benutzen. Das zu beobachten ist schön, erinnert es doch an die eigene Kindheit an dieser Stelle.

Während die Pferdeinsel zu DDR-Zeiten vor allem nur über den Lindenring erreichbar war, gelangt man inzwischen auch über einen Weg von der Lehnitzstraße dorthin. Das ist übrigens auch ideal für Radfahrer, denn so lässt sich der Weg von der City in Richtung Neubaugebiet einfach abkürzen – und das durch den herrlich schattigen Park. Nur eines sollten sich die Besucher dieser grünen Lunge in der Kreisstadt mal hinter die Ohren schreiben: Nehmt euren Müll mit! Überall liegen Papierchen und anderer Dreck rum. Das ist nicht so schön. Der eine oder andere Papierkorb mehr wäre da auch hilfreich.

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Überflieger: Beruf und Hobbys unter einen Hut bekommen

Samstag, den 7. April 2018
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Florian Büttner (32) aus Oranienburg ist Rezepte-Entwickler und Online-Chef beim Berliner Start-up-Unternehmen Kochhaus

MAZ Oberhavel, 7.4.2018

Oranienburg.
Das klingt lecker: Fusilloni mit Ricotta, frischem Babyspinat und getrockneten Tomaten. Aber was brauche ich dafür? Und wie kommt es auf den Teller? Der 32-jährige Oranienburger Florian Büttner weiß das. Er ist verantwortlich für den Produktbereich und die Rezepte-Entwicklung im Kochhaus. Wer in eine der drei Berliner Filialen geht oder online bestellt, bekommt alle Zutaten für die Gerichte genau so, wie sie benötigt werden. Dazu noch einen Flyer, wie zu Hause daraus eine fertige Mahlzeit wird. 18 Gerichte stehen zur Auswahl.
„Die Rezeptentwicklung ist ein fortlaufender Prozess“, sagt Florian Büttner. Jede Woche werden drei Gerichte ausgetauscht. „Wir versuchen immer, alle Bereiche abzudecken.“ Ein Pastagericht werde durch ein anderes Pastagericht ersetzt, ebenso im veganen Bereich oder bei den Curry-Gerichten.
Das Büroteam besteht aus 30 Leuten, sie sammeln Ideen, kalkulieren die Preise und machen dreimal ein Probekochen – auch für die Flyerfotos und die Rezeptanleitung.

Florian Büttner machte 2005 sein Abitur am Oranienburger Louise-Henriette-Gymnasium. Mehrere Jahre leitete er die Schülerzeitung „Iwahn“. In der Band Radiopilot spielte er Klavier. Mit seinen Musikerkollegen bekam er einen Plattenvertrag, eine Single schaffte es bis in die Charts. Von 2009 bis 2013 studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin. Zwischendurch drehte er gemeinsam mit einem Freund Videoclips für verschiedene Bands. Schon viele Jahre also drehte sich bei ihm alles um Kreativität.

2012 begann er ein Praktikum beim Kochhaus. „Das hat alle meine Hobbys abgedeckt“, sagt der 32-Jährige, der inzwischen in Berlin-Wannsee lebt. „Ich konnte meine Lust am Kochen ausleben, ich kann programmieren, fotografieren und gestalten. Ich hatte von dem Praktikum gelesen und fand, es war genau das Richtige für mich.“ In dieser Zeit baute er den Lieferservice mit auf, nach seinem Praktikum wurde er dann Verantwortlicher für die Rezepte-Entwicklung. Auch das Onlinemarketing fällt in seinen Bereich. „Es geht darum, wir kriegen wir die Rezepte zu den Kunden.“ Früher hat er die Seite mitgestaltet, inzwischen ist er der Chef der Leute, die das machen.

Elf Filialen gibt es deutschlandweit. Die Leute können vor Ort einkaufen oder im Internet. Die Kernzielgruppe sind Berufstätige zwischen 25 und 60 Jahren. „Sie bekommen alle Zutaten bei uns, dadurch können sie sich die Zeit zum Einkaufen sparen.“ Aber auch Rentner kommen ins Kochhaus, denn dort gibt es zum Beispiel auch einzelne Knoblauchzehen – und keine Vorratspackungen.
„Wir sehen einen starken Trend zur Online-Lebensmittel-Bestellung“, sagt Florian Büttner. „Die Zaghaftigkeit der Leute nimmt drastisch ab.“ Das Berliner Start-up-Unternehmen reagiert zum Beispiel mit Kochboxen darauf, in denen auch schon alle Zutaten für bestimmte Gerichte enthalten sind.

In den vergangenen Jahren hat Florian Büttner viel dazu gelernt. „Gerade auch ganz viele Tricks beim Kochen.“ Zu Hause kocht er aber auch gern aufwendiger – Schmorbraten zum Beispiel, oder er backt eigenes Brot. Nebenher betreibt er einen Foodblog mit kunstvollen Bildern von Speisen. Unter dem Stichwort „Paulsbreakfastclub“ sind sie auf Instagram zu finden – unter dem selben Namen aber auch auf eigener Webseite. Für den Garten, fürs Bauen, Malen oder die Musik ist auch noch hin und wieder Zeit.

Beim Kochhaus geht es unterdessen weiter mit der Expansion. Eventuell nach Österreich und in die Schweiz. Da wird Florian Büttner auch sicherlich wieder mit dabei sein

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Der Kremmener Auto-Mann feiert Meister-Jubiläum

Freitag, den 16. März 2018
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Ralf Wedemeyer betreibt an der Berliner Chaussee ein Ford-Autohaus – Vor 35 Jahren beendete er seine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker

MAZ Oberhavel, 16.3.2018

Kremmen.
Ralf Wedemeyer hat im März doppelten Grund zum Feiern. Der Chef des Ford-Autohauses an der Berliner Chaussee in Kremmen feierte am 6. März seinen 60. Geburtstag, und am 25. März hat er das 35. Jubläum als Kfz-Mechanikermeister. „Ich werde im Sommer eine Feier machen“, sagt der Sommerfelder. Jetzt, im März, sei nicht die Zeit dafür.

Eigentlich sei er Quereinstiger gewesen, wie er erzählt. Er lernte Baufacharbeiter, wollte Architekt werden. Sein Vater hatte eine Zweiradwerkstatt in Beetz, und überhaupt hat Ralf Wedemeyer schon als Kind immer gern an seinem Rad gebastelt. Er ließ sich nach seiner Zeit bei der NVA umqualifizieren, lernte Schlosser und machte 1983 seinen Meister. „Heute würde ich das gar nicht mehr schaffen“, sagt er. „Von 7 bis 17 Uhr war ich in der Werkstatt, danach haben wir an unserem Haus gebaut, und drei Tage pro Woche war ich in der Abendschule in Oranienburg.“ Sein Ziel war die Selbstständigkeit – was in der DDR aber nicht so einfach war. „Ich wollte unbedingt Autos reparieren.“ Dafür bekam er jedoch keine Genehmigung vom damaligen Rat des Kreises – stattdessen aber für eine Bootsreparaturwerkstatt. „Wir haben das Beste draus gemacht.“ Er reparierte Bootsmotoren. „Aber das größte Geschäft war die Simson.“ Die Leute ließen bei ihm Motorräder reparieren, teilweise gab es eine anderthalbjährige Wartezeit. Dass er sich nicht nur mit Booten beschäftigt hatte, sei glücklicherweise nicht kontrolliert worden.

„Nach der Wende haben wir uns komplett umorientiert“, erzählt Ralf Wedemeyer. Das Bootshaus in Beetz wurde zur Lkw-Halle, Kleintransporter wurden repariert, über die Innung knüpfte er Kontakte mit West-Berliner Firmen. Die Autokonzerne buhlten um die Werkstätten, um Verkaufsfilialen eröffnen zu können. Wedemeyer entschied sich letztlich für Ford – eine gute Entscheidung, wie er heute sagt. „Mit anderen Marken hätte ich hier heute keinen Vertrag mehr“, vermutet er. Die seien oft nur noch in den größeren Städten vertreten. „Ford ist da noch recht volksnah.“
Seit 1994 betreibt Ralf Wedemeyer das Autohaus an der Berliner Chaussee in Kremmen, direkt am Bahnhof. Er hat drei Mechaniker, einen Lehrling sowie seine Frau für das Büro. Er ist sehr zufrieden mit seinem Team, aber er sagt, weitere gute Leute zu finden, sei ein Problem. „Mechatroniker ist heutzutage ein sehr anspruchsvoller Job, das ist mehr, als nur den Computer anzuschließen, man muss die komplexen Zusammenhänge in einem Auto kennen.“

Er hat viele langjährige Stammkunden, die ihn seit Jahrzehnten begleiten. Zu ihnen gehört eine Familie mit Sohn. „Er nennt mich den Auto-Mann“, sagt der Unternehmer und lächelt. „Auch noch als Erwachsener nennt er mich so.“
Langsam möchte Ralf Wedemeyer ein wenig kürzer treten. „Wir wollen aber, dass Ford hier erhalten bleibt.“ Er sieht recht optimistisch in die Zukunft, er könne sich vorstellen, dass mal sein Meister den Betrieb übernehmen werde.

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Vor der Kita werden die Temposünder gestoppt

Donnerstag, den 15. März 2018
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Polizei lasert drei Stunden lang auf der Landesstraße 17 in Eichstädt – 16 Verkehrsteilnehmer sind zu schnell – die Ertappten haben meistens Verständnis

MAZ Oranienburg, 15.3.2018

Eichstädt.
Als das Auto aus dem Havelland mit der Polizeikelle rausgewunken wird, schallt von innen lauter deutscher Schlager heraus. Mit Tempo 56 durch die 30er-Zone in Eichstädt – das hat Folgen.

Vertreter der Polizeiwache Oberkrämer und des Ordnungsamtes standen gestern Vormittag an der Landesstraße 17 in Eichstädt. Seit einiger Zeit weisen im Bereich der Kita „Zwergenland“ Schilder auf eine Tempo-30-Begrenzung hin. Nicht alle Autofahrer beachten diese jedoch. „Der zieht voll durch“, ruft Revierpolizist Ralf Neumann, als er durch das Lasergerät schaut. „Ist der verrückt?“ Tempo 56 – drei werden meist abgezogen. Eine Polizistin läuft auf die Straße, hebt die Kelle. Das Auto muss auf den kleinen Parkplatz neben dem Gemeindehaus.
Polizeiobermeisterin Jana Skubatz tritt ans Fenster, stellt sich vor und bittet um die Papiere. Die Frau am Steuer ist sehr aufgeregt. Da habe ein Lkw die Straße versperrt, und dann sei sie fix wieder losgefahren. Aber: „Keine Diskussion, erledigt!“ Die Frau aus dem Havelland sieht ihr Fehlverhalten auch gleich ein. Aber sie ärgert sich: Seit 1976 habe sie noch nie einen Punkt bekommen. Da sie mehr als 21 Kilometer pro Stunde zu schnell war, wird sie in Flensburg nun mit einem Punkt registriert, hinzu kommen 80 Euro.

Eine Frau in einem Kleinwagen wird angehalten – nach Abzug der Toleranzwerte ist sie immer noch Tempo 48 gefahren, aber knapp am Punkt vorbeigeschrammt. „Im Fahrzeug saß auch ein Kind“, sagt danach Jana Skubatz. Sie baut auf mehr Verantwortung der Autofahrer. „Im Bereich der Kita wird oft zu schnell gefahren, das erleben wir immer wieder.“ Die Eltern würden ihre Kleinen absetzen und dann schnell wieder losbrausen.

Udo Neumann schaut wieder durch das Lasergerät. Ein roter Punkt visiert den Scheinwerfer oder das Nummernschild an, wie im Fernglas. Dann wird abgedrückt und gemessen, wie weite der Wagen entfernt ist, wie schnell er näher kommt. Der Tempowert wird dann angezeigt. Wenn Autofahrer das wollen, können sie sich das am Gerät zeigen lassen. „30. Alles gut“, sagt Udo Neumann.

Zwischen 8.45 und 11.45 Uhr werden in Eichstädt 16 Temposünder erwischt. Zuvor, am „Haus der Generationen” in der Vehlefanzer Lindenallee, ein weiterer. Allerdings sei es schwierig, dort zu lasern, wegen der geringen Entfernungen. „Wir wollen dort mal den Blitzer des Landkreises anfordern“, sagt Udo Neumann.
Vor den Kitas in Oberkrämer kontrolliert die Polizei immer wieder die Geschwindigkeiten. Bewohner und Ordnungsamt melden sich bei der Polizei, um verkehrliche Brennpunkte zu melden. Und wenn die Männer und Frauen dann erwischt werden? „Viele sind verständnisvoll“, sagt Jana Skubatz. „Gerade vor Kitas haben wir wenige Beschwerdeführer, die sehen das als wichtig und richtig an.“ Temposünder können die Strafe gleich vor Ort mit der Bankkarte zahlen oder sie bekommen einen Zahlschein mit nach Hause.

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Treue Seele: Nur rumsitzen, das will sie nicht

Mittwoch, den 14. März 2018
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Helga Duchow kümmert sich seit gut 20 Jahren ehrenamtlich um die Senioren in Bötzow

MAZ Oberhavel, 14.3.2018

Bötzow.
Manchmal sitzt sie nachts um zwei zu Hause und brütet über den Abrechnungen. „Ich rechne so lange, bis alles stimmt“, sagt Helga Duchow. „Wenn auch nur zwei Cent fehlen – das gibt es bei mir nicht.“ Seit dem Jahr 2000 kümmert sich die 75-Jährige um die Seniorenarbeit in Bötzow – zunächst als bezahlte Kraft, seit 2005 ehrenamtlich.
Kommt im Gemeindezentrum die Skat-Runde zusammen – Helga Duchow ist schon vorher da und bereitet alles vor. Trifft sich nach dem Sport in der Turnhalle die Runde noch im Seniorenraum – Helga Duchow hat schon etwas vorbereitet. Findet der Spiele-Nachmittag statt – Helga Duchow hat schon Kaffee gekauft und gebrüht.

Ganz alleine ist sie nicht, wenn es darum geht, Veranstaltungen für Senioren in Bötzow zu organisieren. Aber sie gehört zu den treibenden Kräften. „Ich habe das immer gern gemacht“, sagt sie. „Bis auf wenige Momente, aber damit kann man leben. Ich will auch gerne, dass das, was ich mache, den anderen gefällt.“ Für sich selbst müsse sie nicht so viel schuften, fast jeden Tag ins Gemeindezentrum kommen, einkaufen, alles abrechnen und organisieren. Sie schreibt noch auf einer alten elektrischen Schreibmaschine, der Olympia, das Programm für das Quartal. Einmal verschrieben, fängt sie noch mal von vorn an. „Die gibt aber auch schon bald den Geist auf.“

Es ist einiges los in Bötzow. Einmal im Monat gehen die Senioren zum Kegeln, Sport steht jede Woche auf dem Plan, der Spiele-Nachmittag immer am letzten Mittwoch im Monat, Skat immer am zweiten und vierten Dienstag. Viermal im Jahr ist zudem Frauenfrühstück, organisiert von der Seniorenbeiratschefin Kerstin Laatsch.

Eigentlich wollte Helga Duchow längst aufhören mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit. „Eigentlich ist das körperlich kaum noch möglich“, sagt sie. „Aber ich kann nicht anders.“ Nur zu Hause rumsitzen – das kann und will sie auch nicht. Mit ihren Mitstreitern will sie bis 2019 erst mal weiter machen. „Ich hoffe, dass es dann jemand Jüngeres gibt, der das dann übernehmen kann.“

Eigentlich kommt Helga Duchow aus Leipzig. Das hört man auch. „Sachsenschnauze“, sagt sie und lächelt. „Ich bin in der Zweifelstraße geboren.“ Ganz in der Nähe des Völkerschlachtdenkmals. „Das passt doch.“ 1961 hat sie geheiratet. In Bötzow fanden sie dann ein Grundstück. Sie lernte im Braunkohlekombinat Espenhain den Beruf der Laborantin, arbeitete dann sehr lange in einem Veltener Unternehmen. „Ich habe Büroarbeit gemacht und bin da reingewachsen in die Organisationsmaterie“, erzählt sie. 1996 wurde sie arbeitslos und hat sich erst mal um ihren Garten gekümmert. Später kam dann der Job in Bötzow.

Anfangs gab es im Ort den Seniorenclub als richtigen Verein. „Aber es hatte sich dann keiner mehr für den Vorstand gemeldet.“ Den Verein gibt es nun nicht mehr, die Senioren sind Teil der regulären Seniorenarbeit in Oberkrämer. Kauft Helga Duchow für die Feiern ein, streckt sie ihr privates Geld vor. dann reicht sie die Belege in der Gemeindeverwaltung ein. „Das klappt sehr gut.“ Manchmal herrsche unter den Senioren Skepsis, ob sie denn alles richtig abrechnen würde. „Aber das kann man alles genau nachprüfen.“

Einfach ist die Planung nicht immer. Denn viele Senioren würden sich zu den Festen nicht vorher anmelden. Kauft Helga Duchow dann 60 Stück Kuchen, und es kommen dann nur 20 Leute, sei das ärgerlich, sagt sie. Rechnet sie dann beim nächsten Fest nur mit 20 Leuten, kommen plötzlich 35, und es ist zu wenig Kuchen da. „Viele kommen lieber spontan“, sagt die 75-Jährige, „für uns ist das manchmal problematisch.“ 670 Senioren gibt es insgesamt in Bötzow. „Und es ziehen viele zu, die zu ihren Kindern kommen“, sagt Helga Duchow.
Wenn der kleine Rentnertreff um 14 Uhr im Gemeindezentrum beginnt, dann ist sie meist schon gegen halb eins dort. „Ich decke den Tisch ein und lege die Liederbücher aus. Der Zeitaufwand ist manchmal groß.“ Die Blumen kommen oft aus ihrem eigenen Garten. Mit ihrem Elektrofahrrad düst sie dann durch Bötzow, um alles von A nach B zu bringen.
Als Vertreterin für Bötzow ist sie auch Teil des Seniorenbeirates in Oberkrämer. „Wir kommen regelmäßig zusammen und planen gemeinsame Veranstaltungen.“ Der Frauentag in Marwitz sei eine sehr gelungene gewesen.
Zeit für Hobbys bleibt ihr da nicht mehr. Wobei: „Eigentlich ist das ja mein Hobby“, sagt Helga Duchow und lächelt wieder.

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Goethe wird vermisst

Samstag, den 10. März 2018
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Büste an Kremmener Schule gestohlen

MAZ Oranienburg, 10.3.2018

Kremmen.
An der Goetheschule in Kremmen wird Goethe vermisst. Die Büste aus Beton steht seit vielen Jahren im Eingangsbereich des Hauses an der Straße der Einheit. Nun ist der Sockel leer. Wie die Polizei gestern meldete, ist die dort ausgestellte und eigentlich verschraubte Büste verschwunden.

Die Leiterin der Oberschule, Elke Schwabe, bestätigte gestern Mittag den Vermisstenfall. Allerdings ist der Goethe-Kopf schon seit dem vergangenen Mittwoch nicht mehr an seinem Platz. Dass die Anzeige nicht schon schneller erstattet worden sei, habe damit zu tun, dass die Kremmener Revierpolizei zunächst nicht erreichbar gewesen sei, so Elke Schwabe. Erst in dieser Woche habe ein Termin vereinbart werden können.
Sie hat eine Theorie, was mit dem Abbild von Johann Wolfgang von Goethe passiert sei. „Ich vermute, dass Kinder daran rumgespielt haben“, sagte sie gestern. Die Büste sei zwar befestigt gewesen, aber es hätten sich immer mal wieder Schrauben gelockert. Es könne sein, dass die sich gelöst hätten und die Büste dann vielleicht runtergefallen sei. Elke Schwabe glaubt, dass die Kinder die Büste dann in ihrer Hilflosigkeit mitgenommen haben und verschwinden ließen. „Den Sockel haben wir im Gebüsch gefunden.“ Von Goethe selbst fehle aber jede Spur.
Eine Anzeige bei der Polizei wäre aus ihrer Sicht nicht nötig gewesen, wenn die Kinder mit dem kaputten Dichterkopf zur Schulleitung gekommen wären. „Das hätten wir geregelt, so aber ist es Diebstahl.“ Es gibt allerdings noch einen schweren Marmor-Goethe in ihrem Büro. „Das müssen wir uns mal ansehen, ob der ins Foyer kann.“

An Stelle der Büste sind jetzt vorerst Grünpflanzen – damit der Platz nicht so leer aussieht.

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„Bitte schütze meine Kinder“

Donnerstag, den 8. März 2018
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Besucher verewigen sich im Gästebuch der Kremmener Nikolaikirche – nun sind alle Seiten voll

MAZ Oranienburg, 8.3.2018

Kremmen.
Kommen Gäste, dann gibt es viele, die sich auch in irgendeiner Art und Weise verewigen wollen. Die Nikolaikirche in Kremmen steht jeden Tag offen. Im kleinen Foyer liegt seit einigen Jahren ein Gästebuch aus. „Wenn schönes Wetter ist, dann kommen auch Leute, und dann stehen jeden Tag Bemerkungen darin“, erzählt Gemeindesekretär Matthias Dill. Auch wenn es auf der Autobahn einen Stau gibt, dann sei das in Kremmen zu merken, wenn Touristen einfach mal abfahren und sich mit ihren Autos in die Stadt treiben lassen. An sich werde jedoch mehr darin gelesen als geschrieben. „Ich sehe Leute oft drin rumschmökern.“

Gut vier Jahre dauerte es, bis das erste Buch voll war. Die Einträge stammten von Gästen aus der Gegend, aus Berlin, Hamburg, Cochem, aber auch aus den Niederlanden. „Mist steht eigentlich nur selten drin“, sagt Matthias Dill und lächelt. „Ich glaube, ich habe mal eine Seite rausgerissen, da stand Schweinkram drauf.“ Hin und wieder schreibt er eine kleine Bemerkung dazu – zum Beispiel bei pubertären Sprüchen wie „Cedric ist gay!“
Viele schreiben ihre sehr persönlichen Gedanken rein. „Bitte schütze meine Kinder“, so notierte jemand ein Anliegen an Gott. Oder: „Ein Moment der Stille, danke sagen, dass ich lebe und Menschen um mich habe, die mir wichtig sind.“ Ein anderer Gästebucheintrag strahlt eine Wehmütigkeit aus: „Auf den Spuren meiner Kindheit. Leider ohne meine Eltern.“

Aber auch die Kirche selbst bekommt viel Lob. „Kirchen und Backsteinhäuser sind ein romantischer Traum“, schrieb jemand aus Regensburg. „Eine offene Kirche! Das gibt’s nur in Kremmen!“ Vier Wanderer aus Westfalen schreiben: „Schön ist es in der Kirche! Augen, Ohren und Herz sind zufrieden, danke!“ Jemand anderes erinnerte sich an ein wichtiges familiäres Ereignis: „In dieser schönen Kirche sind meine Großeltern am 10. Juli 1919 getraut worden. Ich vertraue darauf, dass der Frieden und die Liebe wachsen.“ Manches andere ist natürlich eher wenig tiefgründig. „Marten & Enrice waren hier nicht“, schrieb jemand, und daneben der Kommentar: „Seid ihr doof!“ Oder auch ganz schlicht: „Cooler Konfi-Unterricht!“ Manchmal sind es Krakel, die im Buch verewigt sind, aber oft geben sich die Besucher der Nikolaikirche große Mühe beim Eintragen ihrer Gedanken.

Inzwischen tragen sich die Gäste in das zweite Buch ein. Das vollgeschriebene will Matthias Dill aber wahrscheinlich auch wieder ausstellen. „Vielleicht dann irgendwo festgeschraubt zum Lesen“, sagt er.
Über einen Eintrag hat er sich besonders gefreut. Er lautet: „Kremmen ist doch viel mehr als Spargel, Scheunen und Motorräder!“ Matthias Dill nickt: „Stimmt.“