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In der Zeitung erschienen

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Bärenklauer Erntekönigin fällt wegen Corona aus

Samstag, den 11. September 2021
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Jil May kann heute beim Umzug nicht mitfahren

MAZ Oranienburg, 11.9.2021

Bärenklau.
Das ist einfach Pech! Das heute stattfindende Bärenklauer Erntefest muss in diesem Jahr ohne die Erntekönigin auskommen. Jil May ist krank geworden.

Sie war schon 2019 die Erntekönigin in Bärenklau, und dort ist festgelegt worden, dass sie 2020 noch mal ran darf. In dem Jahr fiel das Erntefest allerdings wegen der Coronakrise aus. 2021 findet es wieder statt – nun hat allerdings die Erntekönigin das Coronavirus. „Ich habe es am Sonntag gemerkt“, sagt sie beim Telefongespräch mit der MAZ. „Ich hatte alles an Symptomen und 39 Grad Fieber.“ Seit Donnerstag habe sie zudem keinen Geschmack im Mund und keinen Geruchssinn. „Aber ich fühle mich von Tag zu Tag wieder stärker.“ Klar ist: Sie wird den heutigen Sonnabend zu Hause verbringen müssen – und nicht auf dem Wagen beim Ernteumzug sein können.

Die Enttäuschung ist groß. „Ich habe mich so gefreut, als es hieß, dass ich noch mal Erntekönigin sein darf“, erzählt die 21-Jährige. Sie wohnt in Vehlefanz und ist die erste Bärenklauer Erntekönigin, die nicht im Dorf wohnt. „Ich hatte 2019 beim Ernteumzug eine eigene Kutsche.“ Sie war für diverse Ansagen zuständig, war bei den Siegerehrungen dabei. Außerdem tanzt sie bei den Dancebears, weshalb sie am Abend auch noch einen Tanzauftritt hatte.

„Ich bin jemand, die keine Probleme hat, mal im Mittelpunkt zu stehen“, sagt Jil May. Sie macht eine Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau und möchte gern Hochzeitsplanerin werden. Auf dem Erntefest 2021 soll es eventuell am Abend eine Videobotschaft geben.

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Überflieger: Essen mit Emotionen

Samstag, den 24. Juli 2021
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Sebastian Theiss (39) ist Koch als Leidenschaft und auf höchstem Niveau unterwegs – von Eichstädt aus bietet er handgemachte Caterings an

MAZ Oberhavel, 24.7.2021

Eichstädt.
Zur Begrüßung gibt es einen Brownie. Der sieht an sich schon mal köstlich aus. Einmal kurz flambiert, eine sahnige Soße drauf – und ein rotes Pulver: Rote Beete. Was Sebastian Theiss schnell mal drüber gestreut, ist aber alles andere als schnell gemacht. „Das Rote-Beete-Pulver für Desserts ist mehr als nur die Tüte zu öffnen.“ Die Rote Beete müsse getrocknet und in der Kaffeemühle zu Pulver gemahlen werden. „Was oft dahinter steckt, sieht der Kunde nicht.“ Die Herstellung bezeichnet der 39-Jährige durchaus als anstrengend – sie ist ihm aber wichtig.
Auf einem Gewerbehof Am Eichenring in Eichstädt betreibt Sebastian Theiss „Farm to Fork“, übersetzt heißt das „Vom Bauernhof auf die Gabel“. „Ich mache Caterings auf sehr hohem Niveau“, sagt er. „Wer zu mir kommt, will was Besonderes haben.“ Einfach nur zu essen sei langweilig, es gehe um Wertschätzung, Emotionen, dass die Leute sagen, es habe Spaß gemacht.

Geboren in Wolmirstedt, kam er mit zwei Jahren mit seinen Eltern nach Eichstädt, in Beetz ging er zur Schule, und das Kochen hat ihn scheinbar schon früh interessiert, denn er begann dann eine Ausbildung bei Mövenpick im Berliner Europacenter. Doch die Lehre sei „so bitter“ gewesen, dass er sich fragte: „Was willst du mit diesem Beruf?“ Und fast wäre er Krankenpfleger geworden – denn im Zivildienst an der Sommerfelder Klinik hatte er gute Erfahrungen gemacht.
Aber ganz wollte er seinen Kochberuf noch nicht aufgeben. Er hatte von der Eröffnung eines Mövenpicks am Anhalter Bahnhof gehört. „Der Küchenchef war ein richtig großer Typ. Die Kochlehre fing da von vorne an.“ Mit Respekt und Angst, wie Sebastian Theiss erzählt. Er lernte das Filigrane am Essen kennen, Speisen zu analysieren, Komponenten zusammenzubringen. Kurzum: Er hatte die Liebe zu seinem Beruf wiederentdeckt. „Die Qualität war abartig hoch“, erzählt er mit einem Schmunzeln. Viereinhalb Jahre blieb er dort. Es folgten weitere Stationen, darunter als Küchenchef im Arcotel unweit des Auswärtigen Amtes. Nach zwei Jahren aber habe er gedacht: „Ich muss ins Ausland. Ich kündige einfach alles. Ich habe alles verkauft.“

Er ging nach Australien, arbeitete in einer Cateringfirma im Outback, in einem australisch-österreichischen Lokal in Melbourne, und er kümmerte sich um die Eröffnung eines Hotels von Jamie Oliver in Perth. Später reiste er nach Thailand, Neuseeland und auf die Philippinen. Überall hat er etwas Neues gelernt. „Ich habe gemerkt, wie verschwenderisch wir sind.“ Auf den Philippinen habe er gelernt, alles, was man sonst wegschmeißt, anders zu verwenden. „Das ist eine Nachhaltigkeit, die kennt hier keiner.“
Er kam zurück nach Deutschland, arbeitete bei einem Caterer, der unter anderem auch bei größeren politischen Veranstaltungen dabei war. „Das war mega hochwertig.“ Aber auch anstrengend. Es blieb keine Zeit für die Familie, die Freundin, für Hobbys. Er beschloss, sich selbstständig zu machen.

Er bekam die Ladenfläche in Eichstädt und konnte sie zu seinen Zwecken umbauen. Auf dem Kremmener Spargelhof setzte er seine ersten Caterings um, half dort auch in der Küche. „Ich helfe da auch noch aus. Das ist das Tolle hier. In der Stadt ist es schwieriger, Connections zu finden. Hier kennt man den Bauern, und er grüßt einen.“ Alle würden versuchen, sich gegenseitig zu unterstützen.

Bei „Farm to Fork – Mr. Th. Catering“ sagt Sebastian Theiss, der inzwischen in Hohen Neuendorf wohnt, sei Genuss jede Sünde wert. „Ich mache nur planbare Sachen.“ Dazu gehören Hochzeiten, Geburtstage, Seminar-Caterings. Einen kleinen, hochwertigen Laden, nennt er seine Firma. Sein Credo: „Ich möchte bei jeder Veranstaltung dabei sein, ich möchte selber sehen, dass das, was ich mir vorgestellt habe, umgesetzt wird.“ Auch Live-Kochen ist bei ihm möglich.
Die Coronazeit nutzte Sebastian Theis unter anderem für die Produktentwicklung. Unter dem Label gibt es verschiedene BBQ-Saucen, ein Parmesan-Dressing und eine Wild-Preiselbeer-Dessert-Sauce. Vom Flaschendesign, über die Etiketten bis zum Inhalt – alles selbst gemacht, in mühevoller Arbeit. „Das läuft gut, ist aber Beiwerk“, sagt Sebastian Theiss. Seine Produkte gibt es zum Beispiel in den Hofläden an der Milchtankstelle und am Schloss in Schwante und dem Spargelhof in Kremmen.

Wie es weiter geht – Sebastian Theiss lässt es auf sich zukommen. Die Branche ist durch Corona in großen Schwierigkeiten. Aber er sagt auch: „Bis jetzt finde ich das alles noch ganz toll.“ Und momentan sei richtig viel zu tun.
Mehr Infos gibt es im Internet: farmtofork-catering.de.

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Amazon kommt nach Oberkrämer

Donnerstag, den 22. Juli 2021
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Verteilungslager wird im Gewerbepark Vehlefanz errichtet – fast alle Flächen des 100 Hektar großen Areals sind inzwischen belegt – viele Bautätigkeiten und eine neue Straße in Richtung Bärenklau

MAZ Oranienburg, 22.7.2021

Vehlefanz.
Der Versandhändler Amazon wird sich im Gewerbepark in Vehlefanz ansiedeln. Das teilte Oberkrämers Bürgermeister Peter Leys (BfO) am Mittwochvormittag bei einem Vor-Ort-Termin im Gewerbepark mit. Geplant ist ein Verteilungslager. Dafür habe es kürzlich eine Baugenehmigung gegeben. Die Halle entsteht im „VGP-Park Berlin-Oberkrämer“ auf dem Areal des Gewerbeparks Vehlefanz. Ende 2022 könnte das Verteilungslager ans Netz gehen. Die Transporter sollen nach Aussagen des Bürgermeisters allesamt elektrisch fahren. Allein dafür seien 440 Elektroladeplätze geplant. „Das ist eine große Geschichte“, so Peter Leys.

War der Gewerbepark Vehlefanz bis vor kurzem eine Brache, auf der hier und da eine Halle stand, sieht das inzwischen ganz anders aus. Laut Peter Leys sei nur noch eine dreiviertel Hektar große Fläche frei, der Rest sei voll. „Das ist eine der größten geschlossenen neu geschaffenen Flächen in Oberhavel“, sagte der SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Noack am Mittwoch bei einem Besuch des Gewerbeparks. Wie Peter Leys ergänzte hat es eine Größe von 100 Hektar, gemeinsam mit dem Gewerbegebiet Bärenklau, das sich nahtlos anschließt. Den vorderen Teil, etwa 28 Hektar habe die Gemeinde Oberkrämer selbst vermarktet, um den Rest kümmerte sich die BBF, die Berlin-Brandenburger Flächenentwicklungs GmbH unter der Leitung von Jesús Comesaña. „Die haben sich auch um die Erschließung des Gebietes gekümmert“, so Peter Leys weiter.

Lange hatte sich im Vehlefanzer Gewerbepark nur wenig getan. Das änderte sich, als klar war, dass die Autobahn auf dem nördlichen Berliner Ring ausgebaut wird – und damit auch die Brücke auf der Landesstraße 17, die über die Autobahn führt. Die alte Brücke war zu schmal, um den vielen Verkehr eines möglichen Gewerbegebietes aufzunehmen. „Das hatte viele abgeschreckt“, erzählte der Bürgermeister. Der Ausbau der Autobahn sei dann ein gutes Zeichen gewesen – auch dass sich die Havellandautobahn mit ihrer Zentrale im Gewerbepark in Vehlefanz angesiedelt hatte. „Damals war das das einzige markante Gebäude.“
Auch heimische Unternehmen haben sich dort angesiedelt. Als Beispiel nannte der SPD-Gemeindevertreter Karsten Peter Schröder den Autoservice Stange. „Das hat hier ein neues Heim gefunden.“ Vorher war der Betrieb mit der Auto- und Lkw-Werkstatt im Oranienburger Weg direkt im Dorf angesiedelt – eine Vergrößerung war dort nicht mehr möglich. Im Gewerbepark ist neu gebaut worden.

Insgesamt hat Oberkrämer 140 Hektar Gewerbeflächen, in Eichstädt gibt es ein Gewerbegebiet, Flächen sind auch an der Perwenitzer Chaussee in Vehlefanz und in Bötzow-West. Es gebe im Gemeindegebiet kaum noch Grundstücke. Das Ende der Fahnenstange sei erreicht, so Peter Leys. „Oberkrämer muss noch Oberkrämer bleiben.“ Es habe Anträge und Überlegungen gegeben, von Vehlefanz aus auf der anderen Seite der Autobahn ebenfalls zu bauen. „Aber das kann man nicht machen.“ Da es keine Industrie im Gewerbepark Vehlefanz gebe, solle sich der Lärm in Grenzen halten, dennoch sollen zwischen dem Areal und dem Dorf selbst noch Bäume gepflanzt werden – auch für einen langfristigen Sicht- und Lärmschutz.

Die Straße, die den Vehlefanzer Gewerbepark mit dem Bärenklauer Bahnweg verbindet, ist zudem bald fertig. Für die Mitarbeitenden, die nicht aus der Gegend kommen, könnte das wichtig werden. Andreas Noack fragte nach einem Bahnanschluss für das große Areal. Es gebe den Bahnhof in Bärenklau, so Peter Leys. Der sei am nächsten gelegen und dann gut zu erreichen. Es müssten dann nur noch häufiger Züge anhalten.

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Die ultimative Sommertour: Auf Longboards bis an die Ostsee

Donnerstag, den 8. Juli 2021
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Fünf Jungs aus Oberhavel starten von Schmachtenhagen aus und sind elf Tage lang nach Dierhagen unterwegs – auf dem Weg erwartet sie viel Hilfsbereitschaft

MAZ Oranienburg, 8.7.2020

Schmachtenhagen.
Urlaub mal anders. Fünf Jungs aus Oberhavel sind in elf Tagen auf ihren Longboards von Schmachtenhagen bis Dierhagen an die Ostsee gefahren: zehn Etappen, etwa 280 Kilometer.
Auf Instagram führen sie ein Tourtagebuch unter dem Namen „Longboardjunkies“. Tobias Schulz (15) aus Schildow, Felix Welker (16) aus Germendorf, Julius Warneke (16) aus Bergfelde, Aaron Franke (16) aus Schmachtenhagen und Thomas Koll Hibbert (15) aus Borgsdorf besuchten alle die 10. Klasse des Oranienburger Runge-Gymnasiums. Und weil Julius ab August auf eine andere Schule geht, wollten sie noch mal eine Art Abschlussreise unternehmen.

Die ersten Ideen zu dieser Tour gab es schon im Sommer 2020. Das sei dann aber zu kurzfristig gewesen, die Umsetzung wurde um ein Jahr verschoben. Nach Weihnachten begannen die ersten Planungen. „Wir haben überlegt: Wo wollen wir hinfahren? Was haben wir? Was brauchen wir? Wer kommt mit?“, erzählte Tobias Schulz am Mittwoch. „Anfangs waren wir zu zweit.“ Letztlich sind sie dann zu fünft hochgefahren. Am Mittwoch war Tag zwölf ihrer Tour.
Meistens waren sie auf dem Radfernweg Berlin-Kopenhagen unterwegs. Die Tour führte von Schmachtenhagen über Mildenberg, Fürstenberg, Wesenberg, Kratzeburg nach Waren an der Müritz. Dort blieben sie zwei Nächte. Weiter ging es nach Krakow am See, Güstrow, Schwaan, Warnemünde bis zum Ziel nach Dierhagen. Übernachtet wurde auf Zeltplätzen.
Unterwegs sind die Jungs mit ihren fünf Longboards und mit einem Fahrrad mit Anhänger. „Da sind zwei Zelte drin, Isomatten, Schlaf- und Rucksäcke und unsere Klamotten“, erzählt der Schildower. Jeden Tag waren sie zwischen 20 und 40 Kilometer unterwegs. In der Vorbereitung hatten sie sich Orte gesucht, an denen sie übernachten können. „Wir haben uns aber auch mal verfahren“, erzählt Tobias. Und laufen mussten sie teilweise auch. „Mit dem Rad kann man ja überall fahren, aber für die Longboards brauchen wir schon Asphalt. Waldwege können wir damit nicht befahren.“ An einem Tag musste sie zwei Stunden laufen.

Die Eltern mussten die Jungs zu dieser Tour durchaus erst überreden. Julius hat „ziemlich lange“ mit seinen Eltern verhandelt, wie er sagt. „Das zog sich dann immer weiter nach hinten.“ Ähnlich erzählt das Tobias. „Am Anfang kamen erst mal entsetzte Blicke. Was denkt ihr euch eigentlich?, haben sie gesagt. Aber wir haben ihnen Beispiele aus dem Internet gezeigt, wo die Leute wesentlich weiter weg gefahren sind.“

Immer wieder sind sie auf ihrer Tour auch auf hilfsbereite Menschen gestoßen. „An einem Tag war auf der Hälfte der Strecke Regen und Gewitter“, erzählt Felix Welker. Da waren sie auf dem Weg nach Waren an der Müritz. „An dem Tag hatte ich auch einen kleinen Sturz. Es war dann Gewitter, und wir hatten einen Feldweg vor uns.“ Das sei zu gefährlich gewesen. Sie haben ein Haus gesehen und seien auf das Grundstück gelaufen. „Wir haben den Mann dort gefragt, ob wir kurz bleiben dürfen.“ Sie durften – und sie wurden auch noch bis nach Waren gefahren. „Vor allem in den Dörfern haben wir immer wieder Leute getroffen“, sagt Tobias Schulz. „Das sind wir gar nicht so gewöhnt, dass die Leute so hilfsbereit sind.“ Als sie mal komplett nass auf einem Campingplatz eingetroffen sind, seien viele Leute gekommen und hätten geholfen, die Sachen zu trocknen.
Ein Abbruch der Tour habe aber nie zur Debatte gestanden. „Wir haben uns gegenseitig motiviert, manchmal gab es da schon ein Motivationstief, wenn es den ganzen Tag geregnet hat“, sagt Tobias. In Dierhagen wollen sie nun entspannen, am Donnerstag geht es eventuell auf den Darß. Und im kommenden Jahr könnte dann die nächste Tour der „Longboardjunkies“ in den Süden Deutschlands führen.

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Interview der Woche: „Niemand will in einem leeren Laden tanzen“

Donnerstag, den 17. Juni 2021
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Marwitzer Beat-Fabrik könnte wieder Discos veranstalten – Susan Beastoch erklärt, warum das noch nicht sinnvoll ist und womit dennoch Geld verdient wird

MAZ Oberhavel, 17.6.2021

Marwitz.
Am Dienstag wurden von der Landesregierung in Potsdam wieder neue, lockerere Coronaregeln verkündet, die es auch den Clubs ermöglicht, wieder zu öffnen – zumindest theoretisch. Wie das in der Praxis aussieht, erzählt Susan Beastoch von der Marwitzer Beat-Fabrik.

Ist das ein guter Tag für die Beat-Fabrik?
Susan Beastoch: Es ist ein Schritt in die richtige Richtung.
Aber? Findet bald wieder eine Disco statt?

Noch nicht. Unser Job hat nicht nur mit Wirtschaftlichkeit und Effizienz zu tun, das ist auch ein großer Spaßfaktor. Niemand will in einem leeren Laden tanzen – auf Abstand, mit Maske und zertifiziert getestet. Die Vorstellung einer ausgelassenen Party passt auch nicht damit überein, den ganzen Abend mit erhobenem Zeigefinger die Einhaltung aller Regeln zu kontrollieren – vom personellen Aufwand ganz abgesehen.

Wieso leer?
Weil nach aktueller Verordnung bis dato für Clubs nur eine Person auf zehn Quadratmetern erlaubt sind. Auf unseren drei Floors wären das 40 bis 60 Leute.

Insgesamt?
Ja, insgesamt im ganzen Haus. Das sind so wenig, dass man entspannt miteinander verstecken spielen könnte. Partyfeeling kommt da nicht auf.

Ab wann würde es sich denn für die Beat-Fabrik lohnen?
Ich mag das Wort „lohnen“ in dem Zusammenhang nicht. Hier geht es nicht um Geld, es geht um Spaß. Das ist die Dienstleistung, die wir 24 Jahre lang angeboten haben. Der Club muss einigermaßen voll sein, damit die richtige Stimmung herrscht. Diese Atmosphäre ist im kahlen Raum einfach nicht herzustellen. Mit drei Leuten und je 1,50 Meter Abstand auf der Tanzfläche, das kannst du nicht schaffen, das macht auch der Crew keinen Spaß. Wir kennen diese leeren Abende mit 50 bis 100 Gästen aus der großen Discothekenkrisenzeit 2011 bis 2014, als wir schlussendlich auch die Reißleine zogen und seither nur noch den letzten Samstag des Monats, dafür aber mit guter Auslastung, anbieten.

Gibt es denn Nachfragen?
Wir haben ganz, ganz viele Anfragen. Gäste, die uns anschreiben und wissen wollen, wann es weiter geht und ob es weitergeht. Die Leute sind heiß, das ist ein ganz tolles Gefühl. Es gab ja jede Woche die Anfrage, ob wir schließen. Manche haben sich gar nicht getraut, anzurufen.

Konnte Ihnen der Gaststättenverband Dehoga weitere Hoffnungen machen?
Nein, erst mal nicht. Der jetzige Schritt kam schon sehr überraschend und signalisiert, dass man unsere Branche zumindest nicht vergessen hat. Lockerungen haben auch mit Verantwortung zu tun, die wir gegenüber Personal und Gästen haben – wir möchten nicht der erstbeste Hotspot sein, weshalb wir wohlüberlegt agieren und schrittweise Öffnung nachvollziehen.

Und hören Sie ganz allgemein etwas aus der Clubszene?
Ich weiß, dass beispielsweise in Friesack und auch andernorts am Wochenende erste Outdoorveranstaltungen stattfinden. Die, die die Möglichkeit haben, machen das. Wir haben die Möglichkeit leider nicht.

Aber kann man irgendwas planen?
Ja, wir planen die Kneipennacht. Sie soll am 11. September stattfinden, sicherlich in abgespeckter Form je nach dann geltendem Regelwerk. Wir sind da mit der Planung noch ganz vorsichtig, aber Termin und Wille stehen beim Großteil der Gastronomen fest. Wir haben die gleiche Band wie immer und machen das bei Plan B notfalls auch draußen auf der Wiese.

Wie sieht es mit dem Personal der Beat-Fabrik aus?
Bei uns sind alle Angestellten noch da. Dafür sind wir sehr dankbar. Es gibt große Personalabgänge in der Gastro-Branche. Da ist aktuell eine ganz hohe Fluktuation, da gibt es jetzt große Schwierigkeiten, die Stellen wieder zu besetzen. Wir haben aber vor allem Minijobber. Die sind noch alle dabei.

Wie steht es um Ihr zweites Standbein als Event-Ausstatter?
Wir sind ganz weit weg vom Niveau von 2019, aber wir wollen nicht klagen. Wir haben, von der Hüpfburg bis zum Kaffeelöffel, alles, was man für Feiern braucht. Wir richten komplette Feierlichkeiten aus. Am vergangenen Wochenende durften wir nach 16 langen Monaten Pause die erste Hochzeit begleiten, und am Freitag feiert bei uns eine Schulklasse ihren Abschluss. Dafür haben wir im Rekordtempo den Biergarten einsatzbereit gemacht.

Haben Sie finanzielle Hilfen bekommen?
Wir hätten es nicht durch die Krise geschafft ohne die finanziellen Unterstützungen, die wir ohne Weiteres bekommen haben.

Wird es die traditionelle Party am Heiligabend geben?
Ja. Egal, wie.

Es geht also weiter…
Wir sind noch da, wir bleiben da. Wir wollen das.

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Zuhören, nach Lösungen suchen

Samstag, den 29. Mai 2021
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Birgit Neumann-Hannebauer leitet in Kremmen den Gemeindebeirat der evangelischen Kirche – sie möchte mit Menschen ins Gespräch kommen

MAZ Oranienburg, 29.5.2021

Kremmen.
An der Basis sein. Mit Leuten sprechen. Etwas bewegen. Das ist schon lange ihr Credo, schon als sie Leiterin des Bauamtes in Kremmen war. Inzwischen ist Birgit-Neumann-Hannebauer seit sieben Jahren im Ruhestand. Was man so Ruhestand nennt. Denn seit dem vergangenen Jahr ist sie die Vorsitzende des Gemeindebeirats der evangelischen Kirche in Kremmen.
Der Gemeindebeirat kümmert sich beispielsweise um den Besuchsdienst, darum, dass die Kirchen für den Gottesdienst vorbereitet und Texte rausgesucht werden, um Seelsorge und auch um Veranstaltungen, die von der Kirche angeboten werden. „Wenn ich etwas höre, ein Problem oder Ähnliches, dann will ich das in den Gemeindekirchenrat mitnehmen und nach einer Lösung suchen“, sagt die 66-Jährige.

Der Glaube spielt im Leben von Birgit Neumann-Hannebauer schon immer eine große Rolle. „Ich fand es immer wunderbar, dass mir meine Großmutter aus ihrer Bibel vorgelesen hat“, erinnert sie sich. 1969 hatte sie ihre Konfirmation. „Da habe ich auch schon in der Jungen Gemeinde in Kremmen mitgearbeitet.“ Schon ihr ganzes Leben bedeute ihr der Glauben viel. Aus dem Gebet schöpfe sie neue Kraft.
Später traten ihre Aufgaben bei der Kirche ein wenig in den Hintergrund. „Mit der Familie habe ich das nicht mehr so geschafft.“ Es sei aber klar gewesen, dass sie mit ihrem Ruhestand ihr Engagement wieder aufnehmen werde. Aber warum ist ihr das wichtig? „Gerade weil ich denke, dass Gott für uns da ist. Wir können im Gebet mit ihm reden und unsere Sorgen und Freuden ihm anvertrauen.“ Wo sie betet, sei egal. „Es gibt da jetzt kein Ritual, das kommt einfach so.“

Als sie im Sommer 2020 gefragt worden ist, ob sie Vorsitzende des Gemeinderates werden wolle, stellte sie sich zur Wahl. „Weil ich gern organisiere, zuhöre und erzähle“, sagt sie und lächelt. „Meine nächste Aufgabe wird es sein, an einem Konfirmandenunterricht teilzunehmen.“ Sie wolle mit den Jugendlichen ins Gespräch kommen. Es sei wichtig, sich um die nächste Generation zu kümmern.

Die Coronakrise hat auch in Kremmen und den anderen Orten der evangelischen Gemeinde – also Staffelde, Groß-Ziethen, Sommerfeld, Beetz und Wall – dafür gesorgt, dass nur wenige Veranstaltungen stattfinden konnten. Immerhin konnte das Kirchturmfest ein wenig gefeiert werden. „Jetzt ist es erst mal wichtig, dass wir die Mitglieder zur nächsten Sitzung des Gemeindebeirates einladen können“, sagt sie. Denn klar ist: Sie will wieder was tun. „Ich bin nicht der Mensch, der gewählt wird und dann nichts macht. Entweder ich übernehme eine Aufgabe und tue etwas oder ich lasse es sein.“
Eines der Lieblingsfeste der Kirche ist für sie übrigens das Johannisfest im Juni. „Das ist ein richtiges Familienfest.“ Ein weiterer Höhepunkt sei die Predigtreihe im Januar und Februar. So könnte es auch wieder Feste auf dem Kirchplatz geben. „Der Ort hat Charme. Da haben die Leute eine wunderbare Stimmung“, sagt Birgit Neumann-Hannebauer. „Wenn wir können, stehen wir in den Startlöchern.“ Auch will sie daran arbeiten, dass der Frauenhilfe-Kreis in Beetz weiter bestehen kann. Leider gebe es dort keinen „Nachwuchs“.

Es ist nicht das einzige Engagement von Birgit Neumann-Hannebauer. Sie ist auch Übungsleiterin beim Prellball in Kremmen. „Auch die Flüchtlinge sind mir ganz doll wichtig.“ Sie hat für die Kremmener Geflüchteten verschiedene Kurse angeboten, mit ihnen Deutsch gelernt. Bis heute gebe es viele Kontakte. Und ab und zu schaut sie auch noch im Rathaus vorbei.

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Heldin der Woche: Nicht krank, trotzdem ein Virus-Opfer

Dienstag, den 25. Mai 2021
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Mit einem Youtube-Video macht Stefanie Dietrich auf die schwierige Lage von Kulturschaffenden aufmerksam – in Falkenthal betreibt die Sängerin als zweites Standbein den Hof Landlust

MAZ Oberhavel, 25.5.2021

Falkenthal.
​Von der großen Bühne zur Beschaulichkeit des ländlichen Raums. Wenn die Showtreppe nur noch neben dem Traktor aufgebaut wird. Davon handelt ein Youtube-Video, das Stefanie Dietrich vor gut drei Wochen hochgeladen hat. Es ist humoristisch, satirisch gemeint, es trägt den Hashtag #allepflichtlachen. Doch der Kern des Films ist ernst gemeint. Denn die Betreiberin des Hofes „Landlust“ in Falkenthal im Löwenberger Land möchte damit auf ein echtes kulturell-wirtschaftliches Problem aufmerksam machen. Es geht um die Folgen des Coronavirus.
„Ich habe dieses Virus nicht bekommen. Das empfinde ich als großes Geschenk“, sagt die 44-Jährige. „Aber obwohl wir den nicht bekommen haben, sind wir in voller Linie Opfer dieses Virus.

Stefanie Dietrich hat in München Musical, Gesang, Tanz und Schauspiel studiert. Seit 21 Jahren gastiert sie als freie Musicalsängerin an Stadt- und Staatstheatern im deutschsprachigen Raum. Sie wird als Gast geholt, wenn Rollen nicht aus dem eigenen Ensemble besetzt werden können. In dieser Zeit ist sie auf Lohnsteuerkarte beschäftigt. In den restlichen Zeiten arbeitet sie freiberuflich. Als die Pandemie im März 2020 begann, war auch für sie erst mal Schluss. „Wir haben alle Maßnahmen mitgemacht“, sagt sie. „Ich habe das sehr ernst genommen.“ Im Sommer konnte sie immerhin in Weimar an einem Stück proben. Aber seit November geht wieder gar nichts mehr.

Ihr zweites Standbein ist der Hof Landlust in Falkenthal. Aber auch dort ging sehr lange nichts. Keine Übernachtungen, keine Hochzeiten, keine Klassenfahrten. Doppelter Stillstand, auf beiden Standbeinen. Was die finanziellen Hilfen angeht, fällt sie durch alle Raster, wie sie erzählt.
„Irgendwann kommt eine unglaubliche Trauer“, sagt Stefanie Dietrich. „Es ist nicht nur die Sorge um die Existenz. Wir sind Kreativschaffende. Ich weiß nie, was ich in zwei Jahren machen werde. Mich schreckt es nicht, keine Sicherheit zu haben, ich bin breit aufgestellt.“ Es ist eher die Trauer um die Theater. „Das Wissen, dass es nie wieder so sein wird wie vorher.“ Sie geht davon aus, dass die Theaterlandschaft sich verändern werde. „Es fängt an. Diese Selbstverständlichkeit, dass man in vielen Mittelstädten für 12 Euro Shakespeare angucken kann. So breit kulturell aufgestellt zu sein, wird es nicht mehr geben. Die Etats bröckeln.“ Es werde ein Prozess, der langsam einsetze, wenn sich zeige, dass die Kommunen, die für die Theater zahlen, immer weniger Geld dafür zur Verfügung hätten.

Dabei hatte sie selbst bislang noch Glück. „Ich habe noch zwei Verträge bekommen“, sagt Stefanie Dietrich. „Aber klar ist auch, dass der Hof hier in Falkenthal als Sicherheit nicht reicht.“ Was sie aber wirklich traurig findet: „Es gibt gegenüber meiner Branche wenig Barmherzigkeit und viel Häme.“ Wenn es darum gehe, dass Bühnenmenschen wegen der aktuellen Bestimmungen derzeit nicht oder kaum arbeiten können, dann heiße es oft, man solle sich doch einen „richtigen Job“ suchen. „Aber das ist auch ein Job!“, sagt sie. „Aber ich verstehe, dass einige Menschen hämisch sind, weil ich 20 Jahre jeden Tag gerne zur Arbeit gegangen bin. Die denken vielleicht: Warum sollt ihr immer glücklich sein?“

Zwei Tage hat sie für das Youtube-Video gebraucht. „Ich habe es geschrieben, Freunde haben mir beim Drehen geholfen“, sagt Stefanie Dietrich. Die Reaktionen darauf seien positiv gewesen. „Ich wollte es mit Humor machen.“ So ist der Titel „#allepflichtlachen“ auch eine Reaktion auf die „#allesdichtmachen“-Videos, die  für viel Wirbel gesorgt haben. 
Seit Freitag sind touristische Übernachtungen in Brandenburg wieder erlaubt, auch auf dem Hof Landlust in Falkenthal geht es wieder weiter. „Wir beten, dass wir doch noch einige Hochzeiten machen können“, so Stefanie Dietrich. 

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