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In der Zeitung erschienen

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„Ich war fast weg gewesen“

Donnerstag, den 25. Februar 2021
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Ein 15-Jähriger aus Velten erzählt, wie er in die Drogensucht geriet – und von den Problemen danach

MAZ Oberhavel, 25.2.2021

Velten.
Es begann alles mit Frust. Viel Frust. Aber vor allem mit einem Verlust an Vertrauen. Gegenüber der Mutter, gegenüber allen. Jonas* war zwölf, als es losging. Als er mit Drogen in Kontakt kam.

Damals hatte er eine Freundin. Sie war vier Jahre älter als er. „Sie wollte, dass er mit zu ihr zieht“, sagt Michaela*, seine Mutter. „Ich habe gesagt: Das geht nicht, das funktioniert nicht.“ Er setzte sich durch. „Ich wollte, dass er nach Hause kommt.“ Jonas war dann eine Weile mit ihr zusammen, aber es kam dann zur Trennung. Der Schock: Das Mädchen war schwanger. Von Jonas, sagte das Mädchen. „Ich war mir sehr sicher, dass das nicht sein konnte“, sagt Jonas. Und er wusste auch von einem anderen Jungen. Geglaubt hat ihm das keiner. Auch nicht seine Mutter. Die war sich sicher, dass das Mädchen die Wahrheit sagte. „Wenn er der Vater ist, dann muss er zu seiner Verantwortung stehen“, sagte sie stattdessen. Erst als das Kind auf der Welt war und nachdem Michaela es schon als Enkelkind akzeptiert hatte, kam das Testergebnis. „An dem Punkt war dann leider klar, dass er nicht der Vater ist“, sagt Michaela. Sie überlegt kurz. „Jonas hat sich gefreut. Ich war hin- und hergerissen. Aber innerlich auch froh. Aber dann fing der Stress richtig an.“ Denn die Vertrauensbasis zwischen Mutter und Sohn war zerstört.

Jonas ist abgehauen. Immer wieder. Er begann, sich von Velten aus in der Gegend rumzutreiben. „Ich wollte einfach weg. Irgendwo hin“, sagt er. „Wo nicht Menschen oder Behörden auf mich einquatschen.“ Durch ältere Freunde kam er mit Drogen in Kontakt. „Ich habe alles probiert. Hauptsächlich Speed und Ecstasy.“ Speed hält lange wach, der Hunger vergeht einem. Am Hennigsdorfer Hafen habe er dann Leute kennengelernt, die ihm Crystal verkauft haben. „Ein paar Mal“ habe er das genommen. Durch das Zeug dauert der Rausch länger. Und er kam nicht mehr von den Drogen weg. Er hat dann begonnen, Speed günstig anzukaufen. Zehn Gramm für 30 bis 50 Euro. Er verkaufte es für 100 Euro weiter, „um mir meine Drogen kaufen zu können.“

Tatsächlich werde im Gesundheitsamt im Landkreis Oberhavel eine Zunahme des Konsums von Amphetaminen und Crystal Meth festgestellt. „In diesem Zusammenhang stellen wir insbesondere auch eine steigende Nachfrage von Eltern an unsere Kinder- und Jugendpsychiaterin im Gesundheitsamt fest“, sagt Kreis-Pressesprecherin Ivonne Pelz. „Die Entwicklung verfolgen wir sehr aufmerksam und sensibilisiert.“
„Die Jüngste, die ich kenne, war zwölf, als sie angefangen hat“, erzählt Jonas. „Viele chillen mit 16-Jährigen ab.“ Es gebe da bei vielen Probleme mit den Eltern, ähnlich wie bei ihm. Viele würden LSD nehmen, „um das Selbstbewusstsein zu erweitern. Dadurch wurde mir auch alles egal.“ Gras gebe es an jeder Ecke zu kaufen. Einmal hatte er gestrecktes Speed. „Ich war fast weg gewesen.“
Cathrin Pelz, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, erklärt: „Der Konsumbeginn für die genannten Drogen liegt inzwischen nicht selten schon bei zwölf Jahren. Der Konsum hat insbesondere bei früh beginnender psychischer und körperlicher Abhängigkeit gravierende Folgen auf die seelische und körperliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen: Je früher der Beginn des Konsums, desto gravierender sind die Auswirkungen auf die Entwicklung des Gehirns, das in dieser Lebensphase besonders empfindlich ist.“

Für Jonas’ Mutter war klar: „Er war abhängig. Er brauchte Hilfe.“ Von einer Depressionsstation haute er nach einem Tag wieder ab. Es war schwer, an Jonas ranzukommen. Und auch schwer, Hilfe zu bekommen. Das Ziel war: „Er muss in eine Klinik, die ihm hilft.“ In Hamburg gab es eine. Acht Monate müsse er allerdings dort bleiben, hieß es. „Am Anfang wollte ich das nicht“, sagt Jonas. „Ich habe mich verarscht gefühlt.“ Er sah dort keine Perspektive. „Für mich war das aber Grundvoraussetzung, dass er dahin geht“, sagt Michaela. Ansonsten hätte sie nicht weiter gewusst. Sie hätte ihn ans Jugendamt übergeben müssen, sagt sie. „Damit er wieder zurecht kommt.“ Er bekam den Platz in Hamburg. Von September 2019 bis April 2020 war er in dieser Klinik. Weg von den Drogen.

„Ich kam zu einem blöden Zeitpunkt zurück“, sagt Jonas. Corona hatte die Welt im Griff. Michaela erzählt: „Wir haben Kontakt zur Schule aufgenommen. Da hieß es, wir unterstützen ihn.“ Er kam in die 8. Klasse. Doch da gibt es ein Problem, denn Jonas darf kein Internet benutzen. „Damit er keinen Kontakt zu seinen alten Freunden aufnehmen kann.“
Es gab Gespräche mit einem Einzelfallhelfer. „Da sollte es um seinen Förderstatus gehen. Den braucht er.“ Mit seinem Einzelfallhelfer ist Jonas immer wieder im Kontakt. Als Schule auch in Coronazeiten möglich war, gab es dennoch Sorgen. „Ich wollte nicht, dass jemand was von meiner Vergangenheit erfährt“, sagt Jonas. „Aber der Lehrer fragte dann vor der Klasse, warum ich kein Internet habe. Ich hatte einfach den Wunsch, dass wir das unter vier Augen klären.“ Mit dieser Bloßstellung kam er nicht klar. Vertrauensverlust.
Als dann wegen des Lockdowns die Schule wieder nur zu Hause weiter ging, war das ohne Internet schwierig. Nur Jonas’ Mutter hat Zugriff, wenn E-Mails kommen. Aber dann ging auch noch der Drucker kaputt, sagt Michaela. „Sie schicken immer Aufgaben und gehen davon aus, dass ich online einen neuen Drucker bestelle.“

Beatrix Scheeren, die Leiterin der Kremmener Goethe-Oberschule beurteilt die Lage anders. „Er wird unterstützt“, sagt sie. „Wenn er den Willen hätte. Aber er will sich nicht unterstützen lassen.“ Die Schulleiterin sagt, das Problem liege bei Jonas’ Mutter, sie spiele ein falsches Spiel, es werde nicht auf Angebote reagiert. Näher könne sie sich nicht äußern, erklärt sie.
Jeder habe seine eigene Wahrheit, sagt sein Einzelfallhelfer, der aber betont, allgemein zu sprechen, nicht über den speziellen Fall. Über spezielle Fälle könne er grundsätzlich nichts sagen. Allgemein könne er sagen, es sei immer wieder eine Herausforderung, die globale Wahrheit zu erfassen, es sei fast unmöglich. Es sei immer wichtig zu sehen, wie jeder Beteiligte etwas wahrnehme. Warum tut jemand was oder auch nicht? Das sei immer eine neue Herausforderung.

Jonas, inzwischen ist er 15, will tatsächlich nicht mehr. Er hat das Vertrauen verloren. Wieder mal. Aber wie soll es weiter gehen? Für ihn ist klar, dass er nach der 8. Klasse abgehen will. „Ich möchte mich um einen Ausbildungsplatz bewerben.“ Seine Mutter ergänzt: „Aber ich fände es besser, wenn er ein Berufsorientierungsjahr macht.“ Er kümmere sich, sagt er. Vielleicht was bei der Bundeswehr. Vielleicht Küchenhilfe. „Mein Traum wäre es, Notfallsanitäter zu werden“, sagt er. „Oder was mit Elektronik.“ Wie er das ohne Schulabschluss schaffen kann, ist unklar.

Ist Jonas clean? Endgültig? Er überlegt. Ein Rückfall sei möglich, sagt er. Der Frust ist groß, und auch weil das Vertrauensverhältnis zur Mutter gestört ist. Hört man den beiden zu, dann stehen oft gegenseitige Vorwürfe im Raum. Bekommt Jonas Geld zum Einkaufen, muss er den Kassenzettel mitbringen.
„Ich als Mutter kann sagen, dass ich alleine gekämpft habe“, sagt Michaela. „Selbst den Einzelfallhelfer zu finden, war schwierig. Aber er bemüht sich.“ Das sieht Jonas ähnlich. Es gebe kaum Einrichtungen für Minderjährige, sagt er. Oder Ansprechpartner. Er überlegt, später eine Selbsthilfegruppe zu gründen.

Beim Landkreis will man an den Maßnahmen zur Drogenprävention schrauben. Angestrebt werde „noch 2021 die Einrichtung einer Fachstelle für Konsumkompetenz “, teilt Kreis-Pressesprecherin Ivonne Pelz mit. Die Fachstelle solle in erster Linie der Sensibilisierung sowie der Fort- und Weiterbildung von Fachkräften in der Kinder- und Jugendhilfe, in Schule und Elternschaft dienen.
Hilfe für Betroffene und Angehörige gebe es für Jugendliche insbesondere bei der Drogenberatungsstelle des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Möglich sei das in Gransee, Hennigsdorf und Oranienburg.

*Die Namen von Mutter und Sohn wurden geändert.

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Linus ist einer der Helden der Brandnacht

Mittwoch, den 24. Februar 2021
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Als nebenan ein Feuer ausbricht, ist es der Hund, der sein Frauchen Tanja Bienek aus dem Schlaf reißt

MAZ Oberhavel, 24.2.2021

Kremmen.
Als alles überstanden war, da wich Linus seinem Frauchen nicht mehr von der Seite. „Er war fix und fertig“, erzählt die Kremmenerin Tanja Bienek. „Der hat auch Angst gehabt.“ Aber Linus war vor allem einer der Helden der Nacht. Hund Linus ist achteinhalb Jahre alt. Der Parsson Russell Terrier war noch ein Welpe, als er zu Tanja Bienek kam. „Er ist ein friedlicher Geselle und sehr auf mich geprägt.“

Am frühen Montagmorgen brach auf dem Gelände eines Dachdeckerbetriebes ein Feuer aus. Und Linus erkannte offenbar den Ernst der Lage. Eigentlich schläft er beim Frauchen im Bett. Aber in dieser Nacht wurde er nervös. „Linus hat gebellt, ist durch die ganze Wohnung gerannt. Er ist aufs Bett gesprungen.“ Er stupste sie am Gesicht und am Körper an. „Ich habe den auch noch angeschnauzt“, erzählt Tanja Bienek. „Aus! Ist nachts!“, hatte sie gerufen. Aber Linus ließ nicht locker, er ließ sein Frauchen einfach nicht mehr weiter schlafen. „Ich bin dann aber doch aufgestanden.“ Sie kam am Fenster vorbei, und da sah sie die Katastrophe: das Feuer nebenan.

Sie meldete sich bei der Feuerwehr, zuvor hatte schon eine Nachbarin ebenfalls die Feuerwehr angerufen. In der Nachbarschaft setzte geschäftiges Treiben ein. „Alle Einwohner sind raus, haben die Autos aus dem Gefahrenbereich gebracht. Nicht, dass die auch noch Funken abbekommen. Wir haben die Explosionen gehört. Es hieß dann nur noch: raus, raus, raus!“
Es sei erschreckend gewesen, wie schnell alles gegangen sei. „Das alles hat sich ja innerhalb von drei bis vier Minuten abgespielt. Da bekommt man zwischenzeitlich wirklich Panik, weil man sich fragt: Wann hört das auf?“ Wie lange die Feuerwehr brauchte, kann Tanja Bienek nicht sagen. „Es kommt einem ja immer wie Stunden vor, aber auch das ging schnell.“ Als das Löschen begann, habe sie sich auch schon sicherer gefühlt.
Und für Linus gab es am Montag ein Extrastück Käse. „Den liebt er.“ Und es ging noch eine große Runde spazieren.

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Wenn ein Lkw auf der Seite liegt

Freitag, den 19. Februar 2021
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Erst nach mehr als einem Tag wird ein verunglückter Laster auf der L 17 bei Eichstädt geborgen – Technisches Hilfswerk muss bei Umlagerung der Fleischladung helfen

MAZ Oranienburg, 19.2.2021

Eichstädt.
Fast anderthalb Tage blockierte ein umgekippter Lkw die Landesstraße 17 zwischen Eichstädt und Vehlefanz. In Höhe der südlichen Anschlussstelle Oberkrämer war er am Dienstagabend bei Glätte umgekippt. Erst am Mittwochabend konnten die Arbeiten zur Bergung des Fahrzeuges beginnen. Sie dauerten bis Donnerstagfrüh, gegen 5 Uhr. Ein Problem: Der Lkw hatte 22 Tonnen Fleisch geladen.

Einer, der zu diesem Einsatz vor Ort war, ist Tobias Reinhold. Der 52-Jährige arbeitet beim Technischen Hilfswerk (THW), in der Ortsgruppe Neuruppin. Gemeinsam mit seinen Kollegen aus Gransee ist er nach Eichstädt ausgerückt. Nach Auskunft von THW-Pressesprecherin Ellen Krukenberg waren 24 Kräfte des Hilfswerks vor Ort. „Von der Polizei ist Amtshilfe angefordert worden“, erklärte sie am Donnerstag. Bevor der Truck- und Havariedienst Jänicke aus Schwante den umgekippten Lkw bergen konnte, musste das Fleisch umgeladen werden – 22 Tonnen, jedes einzelne Stück per Hand. „Zuvor haben wir eine Beleuchtung aufgebaut“, erklärt Tobias Reinhold. Das Unternehmen, dessen Lkw dort verunglückt war, hatte schon im Laufe des Tages einen zweiten Lkw organisiert. Der stand vorübergehend auf dem benachbarten Autohof Oberkrämer. In diesen sollten dann die Schweinehälften gebracht werden. Diese seien gekühlt gewesen. Bevor umgeladen worden ist, haben Gutachter die Ware geprüft.

Gegen 20.20 Uhr am Mittwochabend begann die große Fleisch-Aktion auf der Landesstraße. Die Leute vom THW bildeten eine Kette, wie beim Transport von Sandsäcken. „Wir haben alle Handschuhe getragen.“ Die Hygiene sei ein wichtiger Aspekt gewesen, so Tobias Reinhold. Konkret habe es sich übrigens um aus der Schweinehälfte geschnittene Schinken gehandelt. „Für den einen oder anderen war das schon ein ungewohnter Anblick, es war aber nicht unmöglich.“ Jedes Stück Fleisch musste angepackt werden, es wog jeweils zwischen fünf und zehn Kilogramm. Das ging in die Arme.
„Gegen 1.30 Uhr waren wir damit fertig“, sagt der Neuruppiner THW-Mann. Dann sei noch das Bergungsunternehmen bei der Arbeit unterstützt worden. „Wir haben weiterhin Licht gemacht.“ Auch musste an der beschädigten Leitplanke gearbeitet werden. Gegen 4 Uhr konnte das Team vom THW wieder abrücken. „Das war schon ein außergewöhnlicher Einsatz“, sagt Tobias Reinhold. „Sehr aufwendig.“ Auch zeitlich – denn die Mitglieder des THW sind ehrenamtlich helfende Leute, die am Tage normal arbeiten gehen.
Während der Arbeiten war die südliche Anschlussstelle Oberkrämer voll gesperrt. Während der Bergung des Lkw in der Nacht musste auch die L 17 für einige Zeit voll gesperrt werden.

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Mehr als 200 Zicklein tollen im Schnee herum

Samstag, den 13. Februar 2021
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Saisonstart auf dem Karolinenhof bei Flatow – Hofladen ist geöffnet – wegen Corona gibt es keine Führungen

MAZ Oberhavel, 13.2.2021

Karolinenhof.
Normalerweise dürfen zum Saisonstart auf dem Ziegenhof die Leute auch in den Stall, um die kleinen Zicklein zu beobachten und zu streicheln. Am Freitag öffnete der Hofladen das erste Mal in diesem Jahr – der Stall aber bleibt für die Öffentlichkeit geschlossen. Wegen der Pandemieregeln dürfen die Leute dort nicht rein. In den Hofladen dürfen nur einzelne Personen oder Familien rein. Alle Produkte aus dem Café gibt es zum Mitnehmen.

Die Beschränkungen haben am Freitagvormittag aber niemanden gestört, denn bei schönstem sonnigen Wetter konnten die Besucher die Tiere in ihrem Außengehege ansehen. „Auf dem Hof können sich die Leute frei bewegen“, sagte Sarah Spindler, eine der Geschäftsführerinnen auf dem Karolinenhof, der sich zwischen Kuhhorst und Flatow befindet. „Wir bekommen von Corona hier nur mittelmäßig viel mit“, sagt die Landwirtin und lächelt. „Wir haben hier viel Platz, sind oft draußen.“ Gerade jetzt bietet der Hof viel Entspannung, der Lärm der Stadt ist nicht zu hören, selbst von der Autobahn dringt nur sehr selten Lärm dorthin. Einsam fühlt sich Sarah Spindler aber trotzdem nie. „Wir sind in 45 Minuten in Berlin, haben hier aber unsere Ruhe. Das ist eine gute Kombi.“

Am 10. Januar begann die Zeit der Zicklein-Geburten. „Sie waren diesmal alle sehr pünktlich.“ Es habe Tage gegeben, da seien 20 Tiere geboren worden. „Da hat man manchmal schon ein bisschen den Überblick verloren. Wer gehört zu wem?“ Etwa 200 Jungtiere sind auf dem Hof in diesem Jahr bislang auf die Welt gekommen. Dabei muss den Besuchern immer klar sein, dass die meisten der süßen Tierchen keine Zukunft haben. Nur etwa 20 davon bleiben für die nachfolgende Zucht dort. Die anderen werden geschlachtet oder verkauft. Zwar kann es in diesem Jahr keine Führungen geben, aber Sarah Spindler thematisiert das dann immer. „Ich erzähle davon, bevor die Leute anfangen mit den Tieren zu schmusen.“ Es sei für alle wichtig zu wissen, dass der Hof vor allem von der Ziegenmilch lebe. Einerseits werde die Milch der Ziegen gebraucht, andererseits könnten nicht jedes Jahr 200 Tiere behalten werden. „Wir müssen schlachten. Anders geht es nicht. Aber bis dahin haben sie ein schönes Leben.“ Dieser Kreislauf müsse den Besuchern klar sein.

Mit den Geburten der Zicklein begann auch die Arbeit in der Käserei. In diese sei zudem investiert worden, sagt Sarah Spindler. „Wir haben komplett neu gefliest, neue Elektronik, und die Melkanlage ist umgebaut.“
Ob es 2021 Veranstaltungen geben wird, ist nicht klar und abhängig von der Pandemie-Lage. Eigentlich ist im Juni die Landpartie und im August das Hoffest geplant. Außerdem im April und Mai immer am Wochenende das Schaumelken.

Petra und Burkhard Dorn aus Hohen Neuendorf haben vom Saisonstart per E-Mail-Newsletter erfahren. „Wir sind schon von Anfang an immer wieder hier“, sagte Petra Dorn am Freitag. „Wir kaufen alles. Käse, den Lassi, die Milch. Der Käse ist erste Klasse.“ Jörg von Wittken aus Spandau feierte am Freitag auf dem Karolinenhof seinen 67. Geburtstag. Auch er bekam den Newsletter, und da war ganz schnell der Entschluss gefasst, zu seinem Geburtstag die Zicklein zu streicheln.

Die Kälte und der Schnee machen den Tieren nichts aus. Vielmehr tollten sie am Freitag im Schnee herum, einige hielten regelrecht andächtig ihre Nasen in Richtung Sonne. „Nässe und Wind mögen sie nicht“, sagt Sarah Spindler. Wenn der Wind kräftig wehe, „dann stopfen wir alle Ritzen im Stall zu.“ Problematisch sei bei der Kälte nur, wenn die Neugeborenen noch nass seien. „Da muss man aufpassen, dass ihnen nichts abfriert.“
Bis 14. November ist der Hofladen freitags von 11 bis 18 Uhr, am Wochenende von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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Viel öfter alleine als sonst

Freitag, den 12. Februar 2021
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Senioren müssen sich in der Coronakrise umstellen – Helmut Rätzke lässt sich den Einkauf bringen

MAZ Oranienburg, 12.2.2021

Oberkrämer.
Die Coronakrise ist für die meisten Menschen auch ein Akt der Geduld. Gerade das gesellschaftliche Leben steht still. Das bekommen auch die Senioren zu spüren. Normalerweise gibt es in Oberkrämer fast jeden Tag Veranstaltungen in den einzelnen Ortsteilen, wo sich Senioren treffen, gemeinsam Karten spielen oder einfach nur Kaffee trinken und reden. Das fehlt nun alles – und nicht nur das. Weil die Senioren altersmäßig zur Risikogruppe gehören, müssen sie besonders aufpassen.

Helmut Rätzke aus Schwante ist 91 und momentan viel öfter alleine als sonst. „Ich gehe auch allein zum Spazierengehen“, erzählt er. „Aber auch nur da, wo man eher alleine ist.“ Er möchte ungern Menschen begegnen, größeren Menschenmassen ausweichen. Deshalb geht er auch nicht zum Einkaufen. „Das macht mein Sohn für mich.“ Der darf auch zu ihm rein, aber auch nur mit Maske. Eigentlich aber geht Helmut Rätzke jeden Mittwoch zum Kartenspielen, sonntags trifft er sich mit einer Frauenrunde, auch dort stehen dann Kartenspiele auf dem Programm. „Jetzt habe ich keinen Kontakt. Ich sehe zu, dass ich so wenige Kontakte wie möglich habe, ich bin ja schon 91.“ Das fällt ihm alles nicht immer leicht. „Na ja, das ist alles ein bisschen traurig. Aber was soll man machen?“ Seinen Haushalt macht er selbst, das Essen bekommt er geliefert. „Im Alltag komme ich noch ganz gut zurecht.“ Aber er vermisst die Normalität. „Ich bin ein Mensch, der Kontakte haben muss. Jetzt ist das natürlich schlecht.“ Immerhin telefoniert er jetzt ab und zu mit den anderen.
Seine erste Impfung hat der Schwantener auch schon bekommen. „Das war in Oranienburg“, erzählt er. Eigentlich sollte er dafür nach Potsdam fahren, aber dieser Termin sei abgesagt worden. Im Oranienburger Impfzentrum bekam er dann seinen Piks. „Das war alles sehr gut, ich habe nichts gemerkt.“ Bald bekommt er auch seine zweite Impfung, dann will er noch eine Woche weiter zu Hause bleiben. Wenn er wieder unter die Leute darf, dann freut er sich auf einen Besuch beim Bäcker und auf seine Kartenrunden.

Auch Inge Meier aus Eichstädt muss sich derzeit einschränken. Sie leitet normalerweise die Seniorenaktivitäten in ihrem Dorf und lädt einmal im Monat zu den Kaffeenachmittagen im Gemeindehaus. „Ein bisschen eingeschränkt ist das alles schon“, sagt sie. „Man ist doch schon mehr alleine, weil man auch Angst hat, dass doch irgendwas passiert und das Virus übertragen wird.“ Ab und an telefoniere sie noch mit den anderen Senioren in Eichstädt. „Die bedauern das natürlich alle sehr, dass nichts stattfinden kann und warten darauf, dass es wieder los geht.“ Ganz alleine ist Inge Meier aber nicht, die Familie kümmert sich um sie. „Wir gehen verhältnismäßig gut mit der ganzen Sache um“, sagt sie. „Wir sind alle sehr vorsichtig.“ Aber sie sagt auch: „Wir haben alle unser Alter und lassen es auf uns zukommen.“ Geimpft worden ist die Eichstädterin noch nicht. „Wir haben einige Male versucht, durchzukommen. Aber da war nichts zu machen, wir hatten noch kein Glück. Das geht den anderen ähnlich.“ Wenn sie doch mal rausgeht, dann trägt sie überwiegend eine Maske, erzählt sie.

Kerstin Laatsch ist die Seniorenbeauftragte in Oberkrämer. „Es melden sich bei mir auch hin und wieder Senioren“, erzählt die Vehlefanzerin. „Viele von den Frauen vermissen das monatliche Frauenfrühstück.“ So lange aufgrund der aktuellen Pandemiebestimmungen eine Person eine andere besuchen darf, würden das einige der älteren Leute auch in Anspruch nehmen, weiß sie. „Da geht es ja auch darum, sich gegenseitig ein wenig zu helfen.“
Kurz vor Weihnachten gab es in Oberkrämer eine besondere Aktion. „Wir haben zu Weihnachten viele Päckchen verteilt“, erzählt Kerstin Laatsch. „Wir haben wesentlich mehr Päckchen gepackt, weil es ja im vergangenen Jahr sonst keine weiteren Aktionen gab.“ Allein in Vehlefanz seien 80 solcher Päckchen zum Fest verteilt worden. Darin waren beispielsweise ein großer Stollen, Honig, eine Packung Tee und was zum Naschen. „Außerdem etwas von mir Gebasteltes“, sagt Kerstin Laatsch. Dazu noch eine Grußkarte. „Da kam eine sehr große Resonanz zurück.“ In der vergangenen Woche habe sich noch ein Ehepaar bei ihr gemeldet. „Es war ihnen ein großes Bedürfnis,. sich zu bedanken“, erzählt Kerstin Laatsch.
Sie ist weiterhin öfter in ihrem Büro im „Haus der Generationen“. Sie telefoniere viel. Auch sie hofft, dass die Senioren im Ort bald wieder zusammenkommen können.

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Der kleine Bruder des Ku’damms

Dienstag, den 9. Februar 2021
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Wie der Kuh-Damm in Groß-Ziethen vor gut 20 Jahren zu seinem Namen kam – warum es dort auch fast die Straße Unter den Linden gegeben hätte – und die Frage: Mit oder ohne Bindestrich?

MAZ Oranienburg, 9.2.2021

Groß-Ziethen.
Wenn Ortsfremde durch Groß-Ziethen fahren, dann kommt es schon mal vor, dass sie an einer bestimmten Stelle der Alten Dorfstraße anhalten und Fotos machen. Es ist das Straßenschild „Kuh-Damm“, das immer wieder Aufmerksamkeit erregt. Denn nicht nur Berlin hat seinen weltberühmten Ku’damm – die liebevolle Abkürzung für den Kurfürstendamm –, sondern auch Groß-Ziethen – nur dass er etwas anders geschrieben wird.

Aber wie ist der Kuh-Damm eigentlich zu seinem Namen gekommen? Der ehemalige Ortsvorsteher Gerhard Mittelstädt erinnert sich noch gut daran, wie es dazu gekommen ist. Denn der Kuh-Damm hieß nicht immer so. Alles hat damit zu tun, dass Groß-Ziethen im Zuge der Gemeindegebietsreform am 31. Dezember 2001 nach Kremmen eingemeindet worden ist. Die kleine Straße hieß damals noch Triftweg. Das Problem: In Kremmen gab es mit den Eingemeindungen der umliegenden Dörfer mehrere Triftwege – und in Groß-Ziethen waren weniger Leute von einer Umbenennung betroffen.
Der Triftweg hatte bis dahin unter den Bewohnern den inoffiziellen Namen „B-Damm“. Es gab auch einen H-Damm, neben dem Schloss. Das H stand für Herren, das B für Bauern, erklärt Gerhard Mittelstädt. So oder so musste ein neuer Name her. Auch für den Lindenweg und für die Dorfstraße. „Wir hatten kurzzeitig den Gedanken, den Lindenweg in Unter den Linden umzubenennen“, erzählt der Groß-Ziethener. Ein bisschen Berlin-Flair ins Dorf holen, und in diesem Zuge kam auch der Gedanke vom Kuh-Damm. „Eigentlich war das erst nur ein Spaß“, erinnert sich Gerhard Mittelstädt. „Daraus ist dann aber Ernst geworden.“ Zumindest für den Kuh-Damm. Der Ortsbeirat hatte dann tatsächlich diesen Vorschlag eingebracht. Die Straße „Unter den Linden“ setzte sich dagegen nicht durch. Stattdessen wurde damals aus dem Lindenweg der Lindenbaum. Die Dorfstraße wurde zur Alten Dorfstraße.

Seitdem der Triftweg nun Kuh-Damm heißt, ist er zu einem beliebten Foto-Objekt geworden. Der Groß-Ziethener Axel Ebel wohnt am Kuh-Damm, an der Ecke zur Dorfstraße, und bekommt mit, wenn Leuten anhalten und Fotos machen. „Wenn ich hier Geld dafür nehmen würde, wäre ich schon Millionär“, sagt er und lacht. „Es sind vor allem die Berliner, die dann hier anhalten und Fotos machen.“ Früher war der Kuh-Damm übrigens ganz weit weg davon, wie der Ku’damm in Berlin eine Prachtmeile zu sein. Als er noch unbefestigt war, gehörte der Damm zu den schlimmsten Wegen im Dorf. Wie Axel Ebel erzählt, seien Bewohnerinnen schon mal mit Stiefeln zur Dorfstraße gelaufen, um sich erst dort die eigentlichen Schuhe anzuziehen.

Als Ende 2001 die Gemeindegebietsreform vollzogen wurde, gab es aber noch eine Festlegung, die das ganze Dorf betroffen hat. Zu diesem Zeitpunkt ist nämlich festgelegt worden, ob Groß-Ziethen mit oder ohne Bindestrich geschrieben wird. Bis dahin war das offenbar nicht genau festgelegt. „Viele haben den Ort mit Bindestrich geschrieben, viele aber auch ohne“, sagt Gerhard Mittelstädt. Das hatte dann ein Ende. „Bei der Gelegenheit ist dann festgelegt worden. Groß-Ziethen mit Bindestrich zu schreiben.“
Innerhalb der neuen Kremmener Stadtgrenzen sei das dann auch gleich umgesetzt worden. Alle offiziellen Straßenhinweisschilder mussten angepasst werden. „Das galt aber nur für Kremmen selbst“, so der damalige Ortsvorsteher. Außerhalb Kremmens musste das nicht geschehen, weshalb es beispielsweise in Schwante noch ein Schild gibt, auf dem der Bindestrich fehlt.

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Überflieger: Jetzt beginnt das neue Kapitel seines musikalischen Schaffens

Samstag, den 6. Februar 2021
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Paul Schmidt (23) aus Leegebruch singt schon seit vielen Jahren – nun veröffentlicht er mit “Ravens” seinen ersten eigenen Song

MAZ Oberhavel, 6.2.2021

Leegebruch.
Lehrer werden oder professionell Musik machen. Es sind zwei mögliche Lebenswege, die sich Paul Schmidt aufbaut. Der 23-jährige Leegebrucher lebt inzwischen in Berlin, 2015 hat er sein Abitur am Veltener Hedwig-Bollhagen-Gymnasium gemacht. Schon zu dieser Zeit sorgte er mit vielen Auftritten als Sänger für Aufmerksamkeit. Seine Stimme kam an, und seine Michael-Bublé- und Frank-Sinatra-Interpretationen sorgten für viel Applaus. „Seit ich acht war, hatte ich Gesangsunterricht“, erzählt er. Er habe zu Hause schon viel gesungen. Zwei Jahre vor dem Abi begann er, Klavier zu lernen. „Damals hatte ich aber keine Vorstellungen davon, wie es weiter geht, ob das vielleicht nur ein Hobby bleiben soll.“

Nach dem Abitur begann er an der Uni Potsdam zu studieren. „Als ich angefangen habe, habe ich voll für das Lehramtsstudium gebrannt.“ Zwischenzeitlich hatte er daran gezweifelt. „Ich habe mich ein bisschen vom theoretischen Input überfordert gefühlt.“ Für die Musik blieb nicht mehr viel Zeit. Das änderte sich aber bald wieder. Mit Kommilitonen hatte er Jazzgigs, danach spielte er im Bundesjazzorchester. „Das war eine prägende Zeit.“ Zweimal im Jahr gab es Probephasen, in denen komplette Programme einstudiert worden sind. „Das war anfangs sehr anstrengend. Man muss sich dort beweisen. Aber musikalisch hat es viel gebracht.“ Die Touren mit dem Orchester führten ihn nach Tel Aviv, New York, Chicago und auf den Balkan. Nicht umsonst war er an dieser Stelle schon einmal unser “Überflieger”.

Jetzt beginnt Paul Schmidt ein neues Kapitel seines musikalischen Schaffens. „Was ich jetzt mache ist das, was ich immer machen wollte“, sagt er. Er ist dabei, neue Songs aufzunehmen, den ersten – „Ravens“ – hat er bereits auf den bekannten Streamingplattformen veröffentlicht. „In meiner Musik kommt zum Vorschein, was ich mag, die Einflüsse, die ich gesammelt habe.“ Es sei kein Jazz, aber auch kein Radiopop. „Es passt nicht so richtig in ein Genre. Manche sagen, es ist Indiepop. Eine bunte Mischung.“ Seine Vorbilder: Jamie Cullum, Sara Bareilles und Joni Mitchell. Vor einem guten Jahr begann er, Songs zu schreiben. In der Schublade liegen bis jetzt „fünf bis sechs Songs und ein paar halbfertige.“ In „Ravens“, dem ersten Lied, was schon draußen ist, geht es um die mentale Gesundheit, um die Alzheimer-Krankheit seiner Oma. „In dem Song verarbeite ich den Umgang damit.“ Er singt von den Erinnerungen, von der die Oma besorgt ist, dass sie nicht mehr wiederkommen. „Alles sehr düster“, gibt Paul Schmidt zu. Er singt auf Englisch. „Mit englischer Musik kann ich mich besser identifizieren“, sagt er. Er habe es auch versucht, deutsche Texte zu schreiben – es dann aber wieder sein lassen.

Egal wie es mit der Musik weitergeht: Er wird auf jeden Fall Lehrer. Schon jetzt arbeitet er neben dem Studium als Lehrassistent am Gymnasium in Stahnsdorf bei Potsdam. Die Lust zu unterrichten, sei schon groß. „Das macht mir sehr viel Spaß. Das ist ein Job, den ich mir durchaus vorstellen kann.“ Wichtig sei ihm dabei, nicht von oben herab zu handeln. „Ich habe Lehrer als Machtpersonen erlebt“, sagt er. So wolle er nicht werden.
Seine Ideen und Wünsche fürs Leben: „Mein Traum ist, einen Partner zu haben, den ich liebe, einen Job zu haben, der mich ausfüllt, aber musikalisch vor allem, etwas zu kreieren, was mich widerspiegelt.“ Ersteres hat er schon geschafft, und der Rest kommt auch.

Hier findet man seine Songs: Auf Spotify, Amazon und Deezer: PaulSchmidt; facebook.com/Music.PaulSchmidt; Youtube: PaulSchmidtMusic; Instagram: Paul.R.Schmidt.

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