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In der Zeitung erschienen

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Überflieger: Mit einem Gartenbuch auf die Bestseller-Listen

Samstag, den 2. Juli 2022
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Beate Balz (44) aus Bärenklau feiert Erfolge als Autorin und gewinnt als Debütantin den Speakers Slam

MAZ Oberhavel, 2.7.2022

Bärenklau.
Bestseller. Platz 19 am Freitag in den Amazon-Buchcharts. Erste Auflage schon bei Erscheinen ausverkauft. „Vor einem Jahr war an dieses Buch noch nicht mal zu denken“, sagt Beate Balz. Das Buch heißt „Mit Witz, Charme und Methode“ und ist „Das etwas andere Gartenbuch“. Die 44-jährige Bärenklauerin ist Co-Autorin von Katrin Iskam. Inzwischen bekommen die beiden viele Interviewanfragen.

Die beiden haben sich über Instagram kennengelernt. Katrin Iskam, die bei Uelzen in Niedersachsen lebt, betreibt den Kanal @katrinsgarten mit 108.000 Followern mit vielen Gartentipps. Um Haus und Garten dreht sich auch alles auf dem Instagram-Kanal von Beate Balz mit 9960 Followern. Sie folgten sich gegenseitig, kamen bald ins Gespräch. „Wir sind auf einer Wellenlänge“, so die Bärenklauerin. Beate Balz plant und verkauft skandinavische Holzhäuser, Katrin Iskam ist Krankenschwester. „Lass uns doch mal ein Buch schreiben“, war dann die Idee. Die Bilder und Texte stammen zu 80 Prozent von Katrin Iskam, der Rest aus dem Garten von Beate Balz. Sie sorgte auch für das komplette Layout.

„Wir haben dann ein Insta live gemacht und angekündigt, dass wir ein Buch schreiben“, erzählt Beate Balz. So war die Aufmerksamkeit schon mal gesichert, und so gab es schon 24 Stunden später 1000 Vorbestellungen. Beate Balz schrieb an mehrere Verlage, stellte dort das Konzept vor. Von sieben Verlagen haben drei geantwortet. „Aber der Kosmos-Verlag ist uns am meisten entgegengekommen. Das war im Dezember. Im Januar haben wir die Autorenverträge bekommen, Ende Januar war Abgabefrist.“ Ende März war das Buch dann online bestellbar, und schon einen Tag später kennzeichnete Amazon das Buch als Bestseller. „Bei Thalia dachten sie, dass ihr Server gehackt wurde.“

In dem Buch gibt es verschiedenste Gartentipps, aufgeteilt in jahreszeitliche Kapitel. Dazu wurden die schönsten Fotos des Instagram-Kanals verwendet. Eine wichtige Nebenrolle spielt der Hund Tyson, der im Buch immer wieder kleine „Kommentare“ abgibt.
Die Erstauflage mit 6000 Büchern war schnell ausverkauft, bevor das Buch überhaupt erschienen war. „Das war alles so verrückt“, sagt Beate Balz und schmunzelt.

Inzwischen gibt es viele Anfragen für Lesereisen, im Herbst ist eine Tour geplant, es wird durch Niedersachsen gehen, durch Nordrhein-Westfalen, auch die Buchmesse in Frankfurt/Main im Herbst steht auf dem Plan. „Für das nächste Jahr gibt es auch schon Anfragen. Momentan arbeite ich von früh bis zum späten Abend. Der Garten bekommt auch nicht mehr die Aufmerksamkeit, die er bräuchte.“

Seit 2016 lebt Beate Balz mit ihrer Familie in Bärenklau. Sie ist verheiratet und hat zwei Söhne. Die gebürtige Berlinerin lebte zuvor 15 Jahre lang in Hohen Neuendorf, auch dort schon in einem Schwedenhaus. „Ich bin eigentlich Bankkauffrau.“ Inzwischen hat sie sich selbstständig gemacht.

Sich wohlzufühlen – das ist ein Thema, das ihr sehr wichtig ist. Auf ihrem Instagram-Kanal @beate.balz teilt sie positive Lebensgedanken, gibt Tipps, wie man mit bestimmten Situationen klarkommt, aber es sind auch Deko- und Gartentipps, die sie mit ihren Fotos vermittelt. Ihr Spitzname: Miss Feelgood.
Den Namen hat sie von Hermann Scherer. Er veranstaltet den Speaker Slam, einen Rednerwettbewerb. „Er macht auch Coachings. Ich hatte einen Kurs mit ihm, wir kannten uns also, und er sagte zu mir: Du kannst doch quatschen, mache doch da mal mit!“ Sie ließ sich überreden. Zunächst fragte sie sich, was sie dort eigentlich erzählen soll. „Es sollte sich dann um meinen Garten drehen. Andere haben alles genau aufgeschrieben, ich habe mir vorher nur Gedanken gemacht.“
An diesem Tag standen insgesamt 96 Rednerinnen und Redner auf der Bühne – sie war eine davon. Sie sprach über ihren Einzug ins neue Haus in Bärenklau und wie sie es schaffte, dass bis zum Spätherbst auch der Garten in Schuss war – und über das Buch, das gerade entstanden war. „Ich bin auf die Bühne, und es hat mir Spaß gemacht.“ Man merkt es schnell, wenn man sich mit ihr unterhält – sie kann gut reden, und es ist immer unterhaltsam. Am Ende war ihr Fazit: „Traut euch, und ihr könnt alles schaffen.“
Das galt auch für ihre Teilnahme am Speakers Slam in Mastershausen in Rheinland-Pfalz. „Eine Jury hat über die Auftritte entschieden.“ Gleich bei ihrem Debüt bei diesem Wettbewerb hat sie den ersten Platz belegt. Sie bekam den Excellence Award. Es folgte ein Fernsehinterview und ein Auftritt in einem Podcast. Ob sie dort noch einmal mitmachen wird, stehe noch nicht fest.

Momentan steht aber ihr Bestseller im Mittelpunkt. Termine müssen koordiniert werden, mit Katrin Iskam steht sie im ständigen Austausch. Gerade erscheint die dritte Auflage des Gartenbuches. Und ein zweites Buch ist auch schon in Planung.

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Wenn plötzlich ein ganz neuer Ort entsteht

Samstag, den 11. Juni 2022
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Auf der B273 steht hinter Wensickendorf neuerdings ein gelbes Schild mit der Aufschrift „Siedlung am Rahmer See“

MAZ Oberhavel, 11.6.2022

Siedlung am Rahmer See.
Die B 73 führt neuerdings durch einen Ort namens „Siedlung am Rahmer See“, ein Ortsname, der in Oberhavel bislang nirgendwo aufgetaucht ist. Stand kurz vor der Einmündung zum Birkengrund bislang eine grüne Ortstafel „Wensickendorf“, so steht dort nun ein gelbes Ortsschild mit dem neuen Namen und dem Hinweis „Stadt Oranienburg“. Sind die dort lebenden Menschen nun also keine Wensickendorfer mehr, sondern „Siedlung am Rahmer Seer“? Und hat das Folgen, zum Beispiel beim Rettungsdienst-Notruf?

„Nein, das ist kein neuer Ortsteil von Wensickendorf“, sagte Ortsvorsteher Heinz Ließke am Freitag. „Das ist die Bezeichnung des Wohngebietes.“ Hintergrund ist, dass die Siedlung sich über die Kreisgrenze zum Barnim hinwegzieht. Die Gemeinde Wandlitz hat schon vor einigen Jahren in ihrem Teil der Siedlung das gelbe Ortsschild „Rahmersee“ aufstellen lassen. Im Oberhavel-Teil der Siedlung galt aber Tempo 70, und es habe der Wunsch bestanden, auch dort ein Tempo-50-Limit einzuführen.

„Dies ist mit dem Status ,Innerorts’ möglich“, sagt Sebastian Welzel, der Pressesprecher der Stadt Oranienburg. „Die grünen Tafeln haben verkehrsrechtlich keine Auswirkungen. Durch die Ansiedlung läuft die Gemarkungsgrenze zwischen Oranienburg und Wandlitz. Die Initiative zur nun bestehenden neuen Benennung geht von der Wandlitzer Seite aus, hier hat Oranienburg reagiert.“

Warum stattdessen nicht einfach der Ort Wensickendorf bis zur Stadt- und Kreisgrenze ausgedehnt werden konnte, erklärt Constanze Gatzke, die Pressesprecherin des Landkreises: „Im Zuge des Radwegebaus wurde die gesamte Verkehrsbeschilderung entlang der B 273 im Bereich Wensickendorf überprüft“, teilte sie am Freitag mit. „In diesem Zusammenhang haben der Straßenbaulastträger – der Landesbetrieb Straßenwesen –, die Stadt Oranienburg und die Verkehrsbehörde des Landkreises sich auf diese Lösung verständigt, weil die Lücke zwischen der Siedlung am Rahmer See und dem Ortsteil Wensickendorf mit 550 Metern zu lang ist, um sie gänzlich als innerorts gelten zu lassen.“ Allerdings gilt innerhalb dieser 550 Meter auch nicht Tempo 100, sondern nur Tempo 70. Sebastian Welzel ergänzte für die Stadt Oranienburg: „Ein Ausdehnen Wensickendorfs hätte einen Übergang der Baulastträgerschaft für die dazwischen verlaufende Straße vom Landesbetrieb auf die Stadt Oranienburg bedeutet, dies hätte unter anderem hohe Kosten für die Stadt Oranienburg verursacht.“

Steffen Streu, der Sprecher des Landesbetriebes Straßenwesen, verweist darauf, dass der Landesbetrieb nur entsprechende Anordnungen umsetze und die Schilder dann aufstelle. Er sagt aber auch: „Im Straßennetzviewer / Brandenburg Viewer des LGB Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg steht im übrigen ,Siedlung am Rahmer See’. Ganz aus der Luft gegriffen scheint der neue Ortsname somit also nicht. Warum aber der kleine Ort, der unmittelbar hinter der Kreisgrenze liegt, „Rahmersee“ heißt und bei der „Siedlung am Rahmer See“ eine andere Schreibweise angewendet wird, konnte niemand der Befragten so genau beantworten.

Scherzhafterweise könnte man über die dort lebenden Leute nun sagen: Sie wohnen in einem neuen Ort, ohne umgezogen zu sein. „Die Leute bleiben selbstverständlich Wensickendorfer“, sagt Ortsvorsteher Heinz Ließke. „Für sie ändert sich gar nichts.“ Das Schild mit dem Ortsnamen habe ein rein verkehrsrechtlichen Grund. „Sonst müssten wir überall Tempo-50-Schilder aufstellen.“ So äußert sich auch Constanze Gatzke vom Landkreis: „Auswirkungen hat dies auf, zum Beispiel die Erreichbarkeit des Notrufes, keine. Es bleibt unverändert ein Wohnplatz im Ortsteil Wensickendorf der Stadt Oranienburg.
Wensickendorfs Ortsvorsteher Hinz Ließke ist mit der getroffenen Lösung offenbar zufrieden. Der Ortsbeirat habe dafür zugearbeitet.

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Endlich wieder Party in der Beat-Fabrik

Montag, den 30. Mai 2022
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Nach 27 Monaten Pause eröffnet die Disco wieder – Feier zum 25. Jubiläum – lange Schlange schon eine Stunde vor Einlass

MAZ Oberhavel, 30.5.2022

Marwitz.
Die ersten Gäste kamen wohl schon gegen 19.30 Uhr. In den darauffolgenden zwei Stunden wurde es voll vor dem noch geschlossenen Tor der Beat-Fabrik in Marwitz. Die Schlange reichte bis in die Lindenstraße rein. Um 22 Uhr wurde dann draußen der Countdown gezählt: Drei, zwei eins …“ Es dauerte dann zwar noch eine gute Minute, aber dann öffneten sich tatsächlich die Tore zur Diskothek – und das zum ersten Mal seit 27 Monaten.

Ende Februar 2020 fand in Marwitz letztmals eine Disco statt – dann sorgte die Coronapandemie für eine Zwangspause. Während die Betreiber Susan Beastoch und Tom Wittenbecher anfangs noch davon ausgegangen waren, im Sommer 2020 wieder öffnen zu können – hat es dann doch noch zwei quälende Jahre gedauert.

Lucas Heidel aus Hennigsdorf war dann der erste, der die Beat-Fabrik am Sonnabendabend betrat. „Ich bin hier, um Leute wiederzutreffen. Sitzen, quatschen, feiern“, sagte er. Er wolle, dass das Regionale nicht verloren geht. Sonst sei er in der vergangenen Zeit in Berlin feiern gewesen. Schon vor der Pandemie war er öfter in Marwitz – auch Ende Februar 2020, erzählte der 21-Jährige. „Manchmal so lange, dass man mit dem ersten Bus nach Hennigsdorf zurückfährt, Manchmal fährt man aber auch um 2 oder 3 Uhr noch woanders hin.“
Auch Marie-Sophie Mattner aus Oranienburg gehört zu den ersten Leuten, die reingekommen sind. „Es ist cool, wieder hier zu sein“, so die 22-Jährige. „Auch weil es ja in der Nähe ist.“ Der 19-jährige Moritz Schröder aus Vehlefanz war dagegen zum ersten Mal in der Beat-Fabrik. „Man kennt viele Leute hier.“ Als in Marwitz nicht gefeiert werden konnte, war er in Berliner Clubs oder auf eigenen Feiern, wie er sagte. Ebenfalls auf der Party war Eric Liepe, der bei der TuS Sachsenhausen Fußball spielt und am Sonnabend auch ins Tor traf. „Jetzt sind wir hier, um zu feiern“, sagte er am Sonnabend.
„Es ist eine Rückkehr zur Normalität“, sagte der Hennigsdorfer Kai Tilgner. Er ist eines der „Urgesteine“ in der Marwitzer Beat-Fabrik. „Ich habe hier 1996 schon angefangen, da war da hier noch eine Schuldisco“, erinnerte er sich. Von Anfang an gehört er zur Beat-Fabrik, legte Musik auf, inzwischen ist er Techniker. In den vergangenen zwei Jahren „fehlte ja jedem das Zwischenmenschliche, das hat ganz schön gelitten“, so Kai Tilgner weiter. Bevor es um 22 Uhr los ging habe eine freudige Stimmung geherrscht.

Susan Beastoch rief ihr Team kurz vor der Wiedereröffnung noch mal im Hof zusammen. „Schön, dass ihr da seit“, sagte sie. Für einen Moment erlebten die Anwesenden die Chefin sprachlos. „Und dabei wollte ich euch doch nur die Sachen rund um Fanta und Tonic und Getränkemarken erzählen.“ Am Ende wünschte sie: „Viel Spaß, bis morgen früh!“
Zunächst füllte sich am Sonnabend der Hof, es dauerte etwas mehr als eine Stunde, bis dann auch auf der Tanzfläche so richtig die Post abging. Gegen 23.45 Uhr waren schon etwa 600 Menschen in die Beat-Fabrik gekommen, wie Tom Wittenbecher zu diesem Zeitpunkt an der Kasse nachrechnete. Der Abend sei das Ergebnis von einer zweimonatigen Vorbereitung. „Man glaubt ja nicht, was man alles machen muss“, sagte er. Dabei habe es keine größeren Schwierigkeiten gegeben, „aber es waren viele Kleinigkeiten zu tun. Hier und da war etwas kaputt.“ Was nach 27 Monaten normal ist. „Aber deshalb konnten wir auch noch nicht im vergangenen Monat anfangen, weil da auch die Rüstung noch stand.“

Es war übrigens nicht nur der Tag der Wiedereröffnung der Marwitzer Beat-Fabrik, sondern es war auch der Abend des großen Jubiläums. Die Diskothek ist seit 25 Jahren am Start. „Das hätte ich damals niemals gedacht“, sagte Tom Wittenbecher am späten Abend.
Dieses Jubiläum nahm Sebastian Morgner, der Leiter der MAZ-Redaktion in Oberhavel, um kurz vor Mitternacht zum Anlass, den beiden Beat-Fabrik-Machern zu danken. Am DJ-Pult bekamen Susan Beastoch und Tom Wittenbecher kleine Pokale als Dankeschön für 25 Jahre Beat-Fabrik, aber auch dafür, in der Pandemie durchgehalten zu haben. Die beiden stehen zwar ungern im Mittelpunkt, aber in diesem Moment waren sie durchaus gerührt.

Es war ein Abend, der die Rückkehr zur Normalität und die Tatsache, wieder Party machen zu können, feierte. Getrübt wurde die gute Stimmung am Rande jedoch durch einen Zwischenfall beim Türsteher

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Prignitz-Express: Oberkrämer hat vom Ausbau der Strecke gar nichts

Freitag, den 27. Mai 2022
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Auch künftig wird der RE 6 an Schwante, Vehlefanz und Bärenklau vorbeifahren – für die Gemeinde ergeben sich durch die Bahnpläne keine Vorteile – SPD-Landtagsabgeordneter Noack äußert sich

MAZ Oberhavel, 27.5.2022

Oberkrämer.
Was hat eigentlich die Gemeinde Oberkrämer mit den Bahnhöfen in Schwante, Vehlefanz und Bärenklau vom Ausbau des Prignitz-Express? Die Antwort lautet: eigentlich nichts.

Die Ankündigungen der Landespolitik am Montag klangen geradezu euphorisch: Künftig sollen zwei Züge pro Stunde zwischen Neuruppin und Hennigsdorf fahren, und die S-Bahn nach Hennigsdorf alle zehn Minuten – perspektivisch auch nach Velten. Allerdings: Die Durchbindung des RE 6 über Tegel nach Gesundbrunnen ist endgültig vom Tisch. Ob und wann die S-Bahn bis Velten fährt, bleibt weiter vollkommen unklar. Und der Prignitz-Express wird auch künftig an Oberkrämer vorbeirauschen, und nur die RB 55 wird weiterhin an den drei Stationen halten – und auch weiterhin nur stündlich. Denn in Wirklichkeit wird der Prignitz-Express auch künftig nicht zweimal pro Stunde fahren. Genau genommen wird nur die RB 55 von Kremmen bis Neuruppin verlängert, wird aber auch dann, anders als der RE 6, an jeder Station halten. Irgendeine Verbesserung für Oberkrämer ist somit gar nicht in Sicht.

Darum ging es auch am Dienstagabend im Bärenklauer Dorfkrug. Dort traf sich der SPD-Ortsverein aus Oberkrämer. Zu Gast war der SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Noack. Die Strecke sei dem aktuellen Bedarf nicht mehr gewachsen, sagte er. Problem: Die Strecke ist eingleisig. „Wenn ein Zug ausfällt, sich verspätet oder liegenbleibt, dann gibt es eine Kettenreaktion“, so Noack. „Das wird sich erst ändern, wenn der zweigleisige Ausbau nach Neuruppin erfolgt.“ Der ist nach jetzigen Plänen bis 2026 angekündigt. Nahe Beetz solle beispielsweise ein Ausweichgleis gebaut werden.

Schon jetzt sind die Pendler in Schwante, Vehlefanz und Bärenklau ziemlich genervt von der Regionalbahn 55. Ausfälle und Verspätungen sind an der Tagesordnung. Erst kürzlich ist die Linie am Wochenende wieder mal komplett ausgefallen, wegen Personalmangels. Uta Hoffmann, die für die SPD auch im Ortsbeirat in Schwante sitzt, bemängelte das bei dem Treffen mit Noack.
Wie der Landtagsabgeordnete sagte, bleibe für die Menschen in Oberkrämer weiterhin nur der Zustieg in Kremmen oder Velten zum Prignitz-Express – auch in Zukunft. Und für Nutzer der RB 55: „Ihr werdet weiterhin in Hennigsdorf umsteigen müssen.“ Dass der RE 6 nicht in Oberkrämer halte, sei zudem verständlich: „Das Ding heißt Regionalexpress. Er soll Berlin-ferne Orte anbinden.“ Er glaube nicht, dass es nach dem Streckenausbau mit hybrider Technik einen Halt für den RE 6 in Oberkrämer geben könne. „Eher nicht“, so Noack.

Dass der Prignitz-Express nicht durch den Berliner Norden fahren könne, sei für ihn klar gewesen. Man hätte neben der A 111 ein weiteres Gleis bauen müssen, durch den Forst, dazu viele Brücken und über die Gorkistraße in Tegel – dort wäre wegen der großen Schienenauslastung ein Tunnel nötig gewesen. „Wer ernsthaft daran geglaubt hat, dass wir das realisieren können, der ist ein Visionär, aber kein Realist.“ Deshalb sei es gut, dass sich Berlin und Brandenburg endlich verständigt hätten. Dafür bringt Noack eine zusätzliche Streckenführung über Hohen Neuendorf West und das Karower Kreuz ins Spiel.
Der größte Fehler, den die Deutsche Bahn in den 90er-Jahren gemacht habe, sei es gewesen, an vielen Stellen die vorhandene Infrastruktur aus rein wirtschaftlichen Gründen zurückgebaut zu haben. „Ganze Abschnitte wurden stillgelegt.“ Heute müsse das alles neu geplant und gebaut werden. Die heutige Bahn-Infrastruktur reiche nicht aus, um die Bedürfnisse zu stillen.

Darüber hinaus müsse aber, so Andreas Noack weiter, für eine bessere Busanbindung von Schwante nach Oranienburg gesorgt werden, um dort den Regionalexpress nach Berlin zu erreichen. Die Linie 823 bedient diese Strecke – aber nur am Wochenende.

Kommentar
„i2030“: Zu kurz gedacht
In Sachen Ausbau der Prignitz-Express-Linie hört man viel PR-Geklingel. Dabei heißt das Ausbau-Programm „i2030 – Mehr Schiene für Berlin & Brandenburg“. Das gilt aber nicht für Oberkrämer. Das muss man sich mal vorstellen: Der Bahnhof Bärenklau liegt am Gewerbegebiet mit dem künftigen Amazon-Lager und weiteren Großunternehmen. Am Bahnhof in Vehlefanz soll ein neues Wohngebiet entstehen. Oberkrämer wächst. Und was macht die Bahn? Ignoriert Oberkrämer. Weiterhin hält dort – auch künftig – nur einmal pro Stunde eine Bimmelbahn. Das „i2030“-Konzept ist überholt und konzeptionell nicht zu Ende gedacht. Es ist richtig, Berlin-fernere Gebiete wie Neuruppin besser anzubinden. Aber wenn Berlin-nahe Orte gar nicht bedacht werden, ist das ein Fehler im System. Denn eigentlich sollten Bahntaktungen, je näher man zur Stadt kommt, dichter werden. In Oberkrämer ist das nicht der Fall. Eigentlich sollte man über eine S-Bahn bis Oberkrämer oder Kremmen nachdenken. Aber dazu müsste sie ja erst mal bis Velten fahren. Und ob wir das noch erleben werden?

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Leute, Leute: Er kennt jede große Berliner Malerei

Mittwoch, den 18. Mai 2022
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Norbert Martins aus Schildow beschäftigt sich seit fast 50 Jahren mit Wandkunst an Häusern

MAZ Oberhavel, 18.5.2022

Schildow.
Alles begann mit einem Wandbild von Ben Wagin. Norbert Martins hatte es am S-Bahnhof Berlin-Tiergarten entdeckt. Er machte davon ein Foto. Das war im Jahr 1975. Was er damals noch nicht wusste: Dass daraus ein Hobby werden würde, das ihn sein ganzes weiteres Leben beschäftigen würde und dass er ein großes Stück Berliner Kulturgeschichte festhalten würde.

Seit fast 50 Jahren beschäftigt sich der 74-Jährige aus Schildow mit Berliner Wandbildern. „Hauptsächlich mit Wandmalerei“, sagt er. Wenn er erfährt, dass es in der Stadt ein neues Bild gebe, dann fährt er hin und macht Fotos. Inzwischen ist sein drittes Buch erschienen, es heißt „Street Art Galerie“ ist überall bestellbar, wo es Bücher gibt.

Das zweite Wandbild, das Norbert Martins fand und fotografierte, ließ nicht lange auf sich warten. „Ich fand es toll, was die Menschen für Bilder malen können“, erzählt er. Er wandte sich an den damaligen Berliner Bausenator, ob er Adressen für ihn hätte. „Und ich bekam eine Liste mit 14 Adressen. Ich bin überall hingefahren und habe die Wandbilder fotografiert.“ Ihn haben aber nicht nur die Bilder an sich interessiert. „Mich interessiert: Wie machen die das?“ Bis 1989 entstanden schon so viele Fotos, dass er sein erstes Buch herausgab: „Giebelphantasien“ heiß es. „Als es rauskam, fiel die Mauer. Und die Arbeit begann wieder von vorne.“ Nun galt es, auch den Osten Berlins und seine Wandbilder an den Häusern zu entdecken und festzuhalten. Das erste Bild im damaligen Ost-Berlin fotografierte Norbert Martins in Pankow. „Nach 1989 wurde in West-Berlin dagegen kaum noch gemalt. Der damalige Senat hatte dafür kein Geld.“

Inzwischen seien es oft die Wohnungsbaugesellschaften, die Künstler anfordern, um Wandbilder zu malen. Das wohl größte Wandbild befindet sich an der Frankfurter Allee in Berlin-Lichtenberg. Es ist 1,5 Kilometer lang. „Drei Jahre wurde daran gemalt“, erzählt Norbert Martins.

Norbert Martins Hobby nimmt viel Zeit in Anspruch. „Ich habe schon immer sehr gerne fotografiert“, sagt er. „Und so hat es sich dann für mich zum Thema entwickelt.“ Er arbeitete bei der Bewag, hat dort eine Abteilung geleitet. Und immer, wenn er von einem neuen Kunstwerk oder von einem Projekt in Entstehung erfährt, geht es los – bis heute. „Ich fahre hin, treffe mich auch mal mit dem Künstler.“ Er schaut, stehen Bäume davor, die sein Foto stören könnten, „auch das Wetter muss gut sein, es darf kein Gegenlicht herrschen.“ Früher, als die Fototechnik noch nicht so weit fortgeschritten war, mussten zwei Bilder pro Kunstwerk reichen. „Dias waren teuer.“ Inzwischen ist alles digital, jetzt mache er viel mehr Fotos, fahre auch schon mal mehrfach zum Kunstwerk. „Das ist ein bisschen, wie wenn andere Briefmarken sammeln“, erzählt Norbert Martins. „Es kommt das erste Foto, dann das zweite, dann der erste Steckkasten, dann sind plötzlich schon ganz viele.“ Es sei eine richtige Sucht. „Wenn ich weiß, dass da irgendwo ein neues Bild ist, nehme ich meinen Motorroller und fahre da hin.“

Giebelbilder an Häusern interessieren ihn am meisten. „Graffiti nicht so, die sind nicht mein Thema.“ Jedes der Bilder, die er verewigt, bekommt eine Nummer in seiner Datenbank. Er notiert, wer es gemalt, wer es in Auftrag gegeben hat und die Geschichte dahinter.
Relevant für ihn seien die wirklich großen Malereien: „Das sind dann große Bilder, mindestens 20 Meter hoch.“ Bislang habe er 1000 Bilder von Berliner Wandmalereien. Nicht dabei seien Sockelmalereien oder Stromhäuschen. „Sonst wären es wohl um die 3000 Bilder.“ So ein Wandbild halte in der Regel zehn bis 18 Jahre, schätzt der Schildower. Er geht davon aus, dass von den gut 1000 Kunstwerken, die er festgehalten hat, noch gut 500 bis 600 existieren würden. „Ich mache auch eine Notiz, wenn sie entfernt wurden und auch warum.“ Wichtig sei, dass er eine entsprechende Info bekomme.

Norbert Martins kann sich inzwischen sicher sein, dass er entsprechende Informationen zugespielt bekomme. Denn er gilt zu den wenigen Kennern der Berliner Wandbildszene. Es komme auch vor, dass sich die Presse bei ihm melde, ob er zu bestimmten Wandbildern Informationen habe – und meist kann er tatsächlich damit dienen.

Sein Lieblingswandbild befindet sich in der Obentrautstraße in Berlin-Kreuzberg. Es zeigt eine „Gebrochene Fassade“, und wer davor steht, hat tatsächlich eine entsprechende Illusion, obwohl alles nur aufgemalt ist. „Das Bild ist von 1985/86 und wurde 2018 restauriert.“

Inzwischen ist Norbert Martins 74 Jahre alt, und ihn beschäftigt, was aus seiner Sammlung – die man insbesondere für die Berliner Kunstszene als sehr wertvoll bezeichnen kann – einmal werden soll. Immerhin zeigen seine Bilder, was ist und vor allem auch was mal an bestimmten Orten war. „Ich hoffe, dass die Sammlung irgendwann jemand übernehmen kann, dass sie vielleicht in einem Berliner Museum archiviert wird.“

*

50 Jahre Berliner Wandkunst

„Street Art Galerie – Berliner Wandbilder“ heißt das neueste Buch, das Norbert Martins gemeinsam mit seiner Tochter Melanie Martins herausgegeben hat – und das ohne Verlag. Es ist dennoch überall bestellbar, wo es Bücher gibt – in Buchläden und auch auf den gängigen Internetseiten.
Davor erschienen sind die Bücher „Giebelphantasien“ (1989) und „Hauswände statt Leinwände“ (2012). Im aktuellen Buch ist die Entwicklung der Street-Art-Malerei ab 2012 zu sehen.

Die Sammlung ist ein Schatz für Berlin. Die Dokumentation von Wandbildern umfasst inzwischen gut 2000 Seiten. Der Fundus an digitalen Fotos ist inzwischen auf etwa 17 500 angewachsen, gut 1000 Wandbilder hat Norbert Martins seit 1975 fotografiert.

Das erste Berliner Wandbild war „Weltbaum 1 – Grün ist Leben“, initiiert von Ben Wagin. Es entstand im Juni 1975. Im Mai 2018 wurde es in die Lehrter Straße in Berlin-Tiergarten „umgepflanzt“.

Stadtführungen zu den schönsten Wandbildern in Berlin sind auch möglich – Norbert Martins bietet sie für Interessierte an. Auch Vorträge seien möglich. Wer sich dafür interessiert, kann sich an ihn wenden: 033056/76161 oder per E-Mail an: norbert.martins@freenet.de

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Überflieger: Hinter den Kulissen von „Sing meinen Song“

Samstag, den 23. April 2022
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Fabian Lindemann (29) ist Junior Producer bei der Vox-Musikshow, die in der kommenden Woche in die nächste Staffel geht

MAZ Oberhavel, 23.4.2022

Schildow.
Es klingt nach Urlaub in einer fantastischen Gegend mit tollen Menschen. Johannes Oerding war dabei, Clueso, die Band SDP und weitere Musiker. Sie trafen sich im Grootbos Private Nature Reserve in Südafrika, um gemeinsam Musik zu machen. Klingt nach viel Spaß, für Fabian Lindemann ist es das auch – aber auch sein Job. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt er.

Am kommenden Dienstag startet bei Vox die neunte Staffel von „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“, und der aus Schildow stammende Fabian Lindemann ist Junior Producer für diese Sendung. „Grundsätzlich bereite ich gemeinsam mit meinem Executive Producer die gesamte Produktion inhaltlich vor“, erzählt er. „Wir treffen im Vorfeld die Künstlerinnen und Künstler und ihre Managements, schreiben Dossiers über sie, besprechen in den Songkonferenzen die Songwünsche, schneiden Einspielfilme, die vor Ort dann noch mal kontrolliert werden, und schreiben Show- und Kameraabläufe.“ Vor Ort werden die Themenblöcke der jeweiligen Shows mit Gastgeber Johannes Oerding besprochen, alle Personen werden inhaltlich gebrieft. „Nach Ende der Dreharbeiten sichten wir dann das gesamte Material und schneiden aus all dem Inhalt acht Folgen einer neuen Staffel ,Sing meinen Song’.“ Die Zusammenarbeit mit dem Sender sei eng und vertrauensvoll.
Entscheidend bei einer Tauschkonzert-Staffel sei, dass verschiedene Musikgenres bedient werden, dass gleichermaßen Frauen und Männer dabei seien, „und wir legen Wert auf eine gute Mischung aus Durchstartern, Überraschungen, Newcomern und alten Hasen.“ Nightwish-Frontfrau Floor Jansen ist dabei, außerdem Lotte, Kelvin Jones und Elif. Viele der Leute, die mitmachen, würde man aus Radio und Fernsehen kennen. „Bei ,Sing meinen Song’ lernt man jedes Jahr dann den Menschen dahinter kennen, und das liebe ich an dieser Zeit ganz besonders“, sagt Fabian Lindemann. „Denn auch der größte Star auf der Bühne, der vor 100 000 Fans spielt, kocht eben auch nur mit Wasser.“

Die Medien – das war schon immer sein Ding. 2012 machte der heute 29-Jährige sein Abitur am Hohen Neuendorfer Marie-Curie-Gymnasium. Danach war er Redaktionspraktikant unter anderem bei 104.6 RTL, bei „Inka“ (ZDF) und „Kuttner plus zwei“ (ZDFneo). Er arbeitete im Team vom „Supertalent“ (RTL), von „Newtopia“ (Sat.1), „Die Puppenstars“ (RTL) und jedes Jahr bei „Ein Herz für Kinder“ (ZDF). Seit 2015 arbeitet er für die Produktionsfirma Bildergarten Entertainment. „Eine Kollegin, mit der ich vorher bei der Ufa zusammengearbeitet hatte, rief mich eines Tages an und holte mich zu ,Newtopia’ (Sat.1) und somit zu Bildergarten Entertainment, ehemals Talpa Germany“, erzählt er.

Durch seine Festanstellung arbeite er nicht immer projektbezogen. „Das bedeutet, dass ich an den unterschiedlichsten Formaten, in den unterschiedlichsten Phasen mitwirke. Dennoch ist ,Sing meinen Song’ aktuell das Projekt, das mich die meiste Zeit im Jahr beschäftigt“, sagt er. „Daneben gibt es aber immer wieder diverse Entwicklungsprojekte, Drehs, Konzeptionierungen, Pitchs oder Workshops, in denen meine Expertise, Kreativität und mein Einsatz gefragt sind.“

Eine Lieblingssendung oder ein Lieblingsprojekt gebe es allerdings nicht. „Natürlich liegen mir die Formate, an denen ich von Anfang bis Ende mitwirke oder die ich teilweise seit der ersten Staffel betreue und somit auch die meiste Arbeit investiere, besonders am Herzen.“ Auch Live-Shows hätten ihre besondere Anziehungskraft. „Aber durch die Vielseitigkeit der Projekte, die verschiedenen Genres, den unterschiedlichen Protagonisten und den unterschiedlichen Aufgaben hat jedes Format auf seine Art einen ganz eigenen Reiz.“ Bildergarten habe es sich auf die Fahne geschrieben, hochwertiges und wertschätzendes Fernsehen zu produzieren. Somit bestehe nie die Gefahr, „dass man in einem Projekt landet, für das man sich schämt oder in dem man komplett unglücklich ist“, so Fabian Lindemann weiter.

Auch in der Freizeit beschäftigt er sich viel mit dem Fernsehen- und Streaming-Angebot oder den Neuigkeiten rund um das Geschäft und neue Formate. „Ich liebe Filmabende und Serien-Marathons. Ich nehme gern Produktionen von anderen Produktionsfirmen unter die Lupe und analysiere sie.“ Das Schöne sei, dass er seinen engsten Freundeskreis mittlerweile sehr gut angesteckt habe. „Sie analysieren mit mir und können mittlerweile auch nicht mehr normal Fernsehen gucken.“ Als Ausgleich zum Job ist er gern auf Reisen in unterschiedliche Städten und Länder, geht mit seinem besten Kumpel zum Fitness oder ins Fußballstadion.
Und auch als Moderator der Spielshow „Wer besiegt Paul?“ wird er wohl wieder mit am Start sein – allerdings wegen der Schäden an der Hohen Neuendorfer Stadthalle erst wieder 2023.

„Sing meinen Song“, dienstags um 20.15 Uhr bei Vox.

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Leute, Leute: Zurück auf seiner Theaterbühne

Mittwoch, den 6. April 2022
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Christian Scholz aus Oranienburg lehrt Darstellendes Spiel am Louise-Henriette-Gymnasium

MAZ Oberhavel, 6.4.2022

Oranienburg.
Als der Jubel in der Aula groß ist, holen die Jugendlichen auch ihren Lehrer mit auf die Bühne. Auch Christian Scholz lässt sich feiern – denn es war auch seine Premiere. Zum ersten Mal ging am Oranienburger Louise-Henriette-Gymnasium (LHG) ein Theaterstück über die Bühne, das der 39-Jährige als Theaterlehrer an der Schule verantwortete. An seiner Schule.
Seit Anfang des Schuljahres im August 2021 unterrichtet der Oranienburger am LHG Deutsch, LER und Darstellendes Spiel. „Theater macht mir am meisten Spaß“, sagt er. Theater hat er nämlich schon vor 20 Jahren an der Schule gespielt – als er dort selbst als Teil eines Ensembles auf der Bühne stand. Das Stück hieß „Der grüne Kakadu“, es war in dem Jahr, in dem Christian Scholz am LHG sein Abi gemacht hat, im Jahre 2002. „Da habe ich meine Theaterleidenschaft entwickelt. Wir haben damals eine tolle Truppe gehabt.“ Und einen guten Lehrer – Achim Dawid. „Er ist auch ein bisschen der Grund, warum ich Lehrer werden wollte.“ Und nicht nur das – fast 20 Jahre später wurde Scholz Dawids Nachfolger als Theaterlehrer am LHG.

Nach dem Abi studierte er in Potsdam Deutsch und LER auf Lehramt, später machte er ein Referendariat in Hennigsdorf. Zwischendurch spielte er aber auch weiter Theater oder stand als Komparse vor der Kamera, zum Beispiel beim „Baader Meinhof Prozess“ oder in „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. Aber irgendwann stand er vor der Entscheidung: Schauspieler oder Lehrer? Er hält kurz inne, dann sagt er: „Ich habe mich dann für das Sicherere entschieden.“
Christian Scholz war dann Lehrer am Hennigsdorfer Eduard-Maurer-Oberstufenzentrum. „Achim Dawid wollte mich schon immer als seinen Nachfolger, aber anfangs habe ich gezögert. Als ich dann aber letztes Jahr hörte, dass er wirklich in den Ruhestand geht, habe ich nicht mehr gezögert.“ Er hat sich dann für die Umsetzung – so heißt das offiziell – beworben. Sein Lehrer-Start am LHG: „Das fühlt sich als Lehrer auch sehr gut an. Vor allem, weil ich hier vom gesamten Kollegium sehr nett empfangen wurde.“ Von den Lehrern, die er noch von früher als Schüler kennt, höre er zwar ab und zu mal einen Spruch, „aber das ist immer wohlwollend.“

Und er hat auch gleich eine große Aufgabe übernommen. Denn mit seinem Start ist aus zwei Theaterkursen am LG einer geworden. „Jeder Kurs hatte schon an seinem Stück gearbeitet.“ Aus „Lysistrata“ und „Viel Lärm um nichts“ musste eine Aufführung werden. „Wir haben besprochen, wie wir weitermachen.“ „Lysistrata“ sei dann die größere Vorlage gewesen, plus einige Szenen aus „Viel Lärm um Nichts.“ Drei Schulstunden Darstellendes Spiel pro Woche bleiben für die Proben, kurz vor der Premiere wurde auch an zwei Wochenendtagen am Stück gearbeitet.

Es war wegen Corona seit 2019 das erste Mal, dass auf der Aulabühne des LHG wieder von künftigen Abiturienten Theater gespielt worden ist. War er auch als Lehrer vor der Premiere „Viel Lärm wegen Lysistrata“ aufgeregt? „Kurz bevor es losging, ging der Puls noch mal richtig hoch. Aber ich kann das ganz gut verstecken. Die Schüler sind natürlich aufgeregt, aber 21 Leute zusammen gehen anders mit der Aufregung um.“ Lampenfieber sei wichtig, findet er, „um sich zu konzentrieren.“ Er selbst verfolgte das Stück in dreifacher Hinsicht. Er hat mit ein Auge auf die Technik, „und ich gucke als Theaterlehrer dieser Gruppe zu, ob alles funktioniert. Aber ich habe auch Momente, da sehe ich einfach nur als Zuschauer zu.“ Was er nicht hat, ist ein Textbuch, um während des Stückes mitzuverfolgen, was gesprochen wird.
So eine Aufführung trage sowohl seine eigene Handschrift als auch die der Gruppe. „Aber das ist auch teilweise die Stückvorlage.“ Im Laufe des Probenprozess werden Ideen von allen Seiten ausprobiert. Im kommenden Jahr wird es wohl ein Brecht-Stück werden, das dann am LHG aufgeführt wird.

Macht er etwas anders als sein Vorgänger oder Vorbild? „Ich möchte mehr experimentieren, was die Theaterformate angeht.“ Achim Dawid sei da etwas konservativer gewesen. Er wolle sich vom Leben und vom Zeitgeist inspirieren lassen. „Vielleicht machen wir auch mal eine Eigenproduktion, wo wir eine Romanvorlage haben.“ Klar sei, dass er das Theaterprofil seiner Schule stärken will – und überhaupt liege ihm viel daran, dass Oranienburg und Oberhavel mit den Schulen ein Theaterstützpunkt werde.

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