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In der Zeitung erschienen

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Überflieger: Der Mann mit dem besonders guten Geschmack

Samstag, den 3. August 2019
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Der Sommerfelder Nicolas Kröger (28) kreiert und produziert Spirituosen und ist unter Kennern für seine gute Feinsensorik bekannt – in Berlin hat er eine Bar

MAZ Oberhavel, 3.8.2019

Sommerfeld.
Nicolas Kröger hat viel mit Alkohol zu tun. Was aber nicht heißt, dass er davon übermäßig viel trinkt. Das stellt er klar und lächelt dabei. Viel mehr geht es ihm um den Geschmack, um die Inhaltsstoffe. Er gilt in der Branche nicht umsonst als Feinsensoriker. Das „Foodist-Magazin“ nannte ihn einen aufstrebenden Stern am Destillerie-Himmel. Der 28-Jährige aus Sommerfeld ist Spirituosen-Produzent und hat mit „Fine Spirits“ seine eigene Firma. Bei ihm gibt es Gin, Rum oder Whisky. Er kreiert neue Sorten und füllt die Flaschen in seiner kleinen Sommerfelder Manufaktur ab und lässt sie etikettieren. Er sitzt zudem in Jurys und bewertet den Geschmack von Spirituosen und bietet sie selbst auch in seiner „Wagemut“-Bar in Berlin-Kreuzberg an.

Zu ihm kommen Firmen oder auch Leute, die eigene Spirituosen-Kreationen haben möchten. „Das Wertvollste, was ich habe, ist zu wissen, was Leute geschmacklich wollen“, erzählt er. Aber wie wird beispielsweise so ein neuer Whisky kreiert? „Ich frage dann zum Beispiel: Was ist dein Lieblingsschnaps? Dann sagen sie eine Marke oder Kategorie. Und ich frage: Was gefällt dir daran?“ Er hört zu und hat dann meist schon Ideen im Kopf. „Ein Kunde wollte einen Whiskylikör mit Zimtnote.“, erzählt er. Er brachte daraufhin Vanille ins Spiel. „Ich habe alles in konzentrierter und destillierter Form da.“ Meist gehe es bei der Umsetzung eines neuen Geschmacks um Emotionen. „Ich stelle mir etwas vor, beginne mit meiner Arbeit und versuche, es beim ersten Versuch umzusetzen.“ In der Regel sitze die Rezeptur schon beim ersten Mal. Da spricht der Feinsensoriker.

Ursprünglich stammt Nicolas Kröger aus Ellerau in Schleswig-Holstein. Schon mit 15 begann er, Schnaps zu brennen. „Ich hatte immer Interesse an Sensorik und Geschmack, schon mit elf konnte ich mehrere Gänge kochen.“ Sein Opa habe gern Wein getrunken, und er sei erstaunt gewesen, „wie gut ich den sensorisch auseinandernehmen konnte.“ Das hatte er schnell drauf: Geschmäcker und die Unterschiede erkennen.
Er begann eine Lehre zum Hotelfachmann im Steigenberger in Hamburg, machte dort auch eine Sommelier-Ausbildung. Später ging er nach York, um Englisch zu lernen. „Dort habe ich eine Mondschein-Destillerie aufgezogen“, erzählt er. „Auf jeder Party standen meine Flaschen.“ Später arbeitete er im Londoner Ritz-Hotel, kümmerte sich dort um den Bar-Bereich. Auf den Malediven war er im „One & Only“-Hotel für die Umgestaltung des Barkonzepts zuständig. In Südafrika absolvierte er schließlich noch eine Butler-Ausbildung. „Ich wollte nie Butler werden, aber das höchste Level im Service erreichen.“ Überall sei er immer mit Abstand der Jüngste gewesen.

„Mein Leben bestand nur aus Schnapsbrennen und arbeiten“, sagt er. Er sei immer mit Leidenschaft dabei gewesen, eines führte immer zum anderen in seinem Leben. 2013 kam er nach Berlin. „Ich wollte aus der Luxushotellerie raus in den Barbereich.“ Schließlich machte er sich selbstständig – mit eigener Firma und mit eigener Bar. „Ich wollte immer die Bar mit der besten Spirituosenauswahl haben.“ Inzwischen hat „Wagemut“ in der Kreuzbergstraße in Berlin nach seinen Angaben 2500 verschiedene Spirituosen zu bieten. „Davon 1800 Flaschen, die es nicht mehr gibt.“

Er sagt, dass Spirituosen nicht teuer sein müssen. Er sei genervt von „Heuchelprodukten“, wo die Flasche extravagant aussehe und entsprechend teuer sei, der Inhalt aber weniger. „Ein guter Rum kann schon um die 20 Euro Freude machen.“ Er ist Mitglied im Freimeister-Kollektiv. Dabei handelt es sich um eine Plattform für neue Spirituosen-Produkte. „Wir wollen den Markt revolutionieren. Das sind echte Produkte, die nachhaltig produziert werden.“ Hochwertige Produkte in scheinbar schlichten Flaschen – damit sind sie schon recht erfolgreich und haben Preise gewonnen. Seine eigenen Kreationen sind gekennzeichnet als „N.Kröger“, künftig soll aber die Marke „Wagemut“ hervorstechen – nicht nur die Bar, sondern auch die von ihm kreierten Produkte.
Er selbst mag übrigens am liebsten Champagner. „Aber an sich trinke ich sehr wenig, der Alkohol beeinflusst den Geschmack.“ Auf den komme es ihm an. Da er viel unterwegs sei, könne er auch gar nicht so viel Alkohol trinken.

In Sommerfeld lebt er seit drei Jahren. „Ich mag Städte nicht besonders“, sagt er. Stattdessen fährt er mit dem Rad durch die Wälder. „Das brauche ich.“ Gerade füllt Mitarbeiterin Heike Preuße unten im Haus wieder Flaschen ab – für neue Produkte made in Sommerfeld.

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Andreas Dalibor verlässt die SPD

Samstag, den 3. August 2019
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Der Beetzer will weiter Ortspolitik machen – auch das Festival “Feuer und Flamme für Kremmen” wird es nicht mehr geben

MAZ Oberhavel, 3.8.2019

Kremmen.
Andreas Dalibor ist aus der SPD ausgetreten. Das bestätigte der 61-jährige Beetzer der MAZ am Freitag auf Nachfrage. Und auch das Umsonst-und-draußen-Festival „Feuer und Flamme für Kremmen“, das erst am vergangenen Wochenende stattgefunden hatte, wird es nicht mehr geben.

„Weil ich mit verschiedenen Sachen aufhöre“, begründete Andreas Dalibor seine Entscheidungen. Seinen Entschluss, die SPD zu verlassen, hatte er bereits vor einer Woche umgesetzt, wie er nun sagte. Dass er die Sozialdemokraten verlasse, habe mit der „Bundespolitik ein Stück weit mehr als mit der Kreispolitik zu tun“, sagte er. Allerdings sei der Streit um das Punkfestival „Resist to Exist“ in Kremmen – das nun in Berlin-Marzahn stattfindet – das Tröpfchen gewesen, dass das Fass zum Überlaufen gebracht habe. Er habe sich da von seiner Partei – auch Landrat Ludger Weskamp ist in der SPD – mehr Unterstützung gewünscht. „Aber die Bundespolitik momentan ist durchaus der größere Hammer.“ Eigentlich wollte er seinen Austritt gar nicht so publik machen, am Freitag wussten auch innerparteilich nur wenige davon, aber dennoch ist die Nachricht intern offenbar doch durchgesickert. „Ich wollte die Punkfestgeschichte erst mal sacken lassen und nicht so schmollig rüberkommen.“ Er sei nie der große SPD-tätige gewesen, sagte er. „Ich war ja auch im Kreistag immer eher einer der Stillen. Aber ich finde es gut, wenn ein paar Leute mal ins Nachdenken geraten.“ Er sei im Herzen immer noch bei Regine Hildebrandt und Willy Brandt, ergänzte er.

In der Kremmener Politik will er sich jedoch weiter engagieren. „Je nachdem, was die Kollegen im Ortsverein sagen“, so Andreas Dalibor weiter. „Kann ja sein, dass die das nicht gut finden.“ Dalibor ist in der Fraktion der SPD-UWG/LGU im Kremmener Stadtparlament der Vorsitzende.

Dass das Event „Feuer und Flamme für Kremmen“ am 27. Juli letztmals stattgefunden hat, darüber hatte er seine Mitstreiter bereits am Donnerstag informiert. „Die fanden es natürlich schade“, sagte Andreas Dalibor. Wenn sich aber jemand anderes den Hut aufsetzen würde, dann würde er das Equipment zur Verfügung stellen. „Es hat großen Spaß gemacht, aber es war auch eine große Belastung, gerade in den Wochen davor.“ Die Sicherheitsauflagen würden immer umfangreicher werden, „was sicher auch eine Folge der Punkgeschichte ist“, glaubt er. Und grundsätzlich: „Ich will jetzt einfach etwas kürzer treten.“
Dennoch habe das Festival „Feuer und Flamme“ am vergangenen Sonnabend einen schönen Nebeneffekt gehabt, so Dalibor. Auch wenn es wegen des Punkevents unterschiedliche Meinungen gegeben habe, dort hätten alle an einem Strang gezogen – vom Bürgermeister, bis zu den Leuten am Bierwagen und am Grill. Politik habe da keine Rolle gespielt.

Auch wenn er kürzer treten will, sein Theater „Tiefste Provinz“ in Kremmen ist davon nicht betroffen. Das will er auch weiterhin im Scheunenviertel betreiben.

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Weskamp bedauert Festival-Absage

Donnerstag, den 1. August 2019
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Landrat äußert sich zum Streit um „Resist to Exist“ in Kremmen und zum Vorwurf der Willkür

MAZ Oberhavel, 1.8.2019

Oberhavel.
Der Streit dauerte rund 16 Monate, und ob er zu Ende ist, ist noch nicht bekannt. Das Punkfestival „Resist to Exist“ findet in diesem Jahr nicht in Kremmen, sondern in Berlin-Marzahn statt. Das Thema hat für viel Unfrieden gesorgt, besonders in Kremmen scheint ein Riss durch die Gesellschaft zu gehen – die, die bedauern, dass das Event nicht dort stattfindet. Und die, die applaudieren.
Einer hat bislang geschwiegen, und das sorgte in den vergangenen Wochen mindestens für Verwunderung: Landrat Ludger Weskamp (SPD) hat sich zurückgehalten – bis jetzt. Die MAZ bat ihn um eine Stellungnahme, schließlich kam es nun zum Gespräch in seinem Büro.

Hat er sich vorstellen können, dass sich die Diskussion so hochschaukelt? Die Antwort ist kurz: „Nein.“ Dass er bislang schwieg, begründet er. „Wie oft habe ich mich in den vergangenen vier Jahren zu baurechtlichen Fragen geäußert? Nie.“ Es gebe in seinem Haus drei Bereiche, in denen er von seinem Weisungsrecht niemals Gebrauch mache, „weil sie eine besondere Funktion haben: die Bauaufsicht, die Kommunalaufsicht und die Vergabestelle.“ Das seien sensible Bereiche, von denen er klare Stellungnahmen zur Rechtslage erwarte. „Natürlich habe ich bei meinen Fachleuten im Haus mehrfach den Sachstand hinterfragt. Aber trotzdem ist und bleibt es immer eine fachliche Entscheidung – keine politische“, so Weskamp. Konkret zu den Vorgängen um das Punkfestival „Resist to Exist“ auf Flächen am Oranienburger Weg in Kremmen, erklärt er, was auch in den Pressemitteilungen der Kreisverwaltung schon stand. Im April 2018 sei den Veranstaltern mitgeteilt worden, dass sie eine Baugenehmigung für die Fläche bräuchten. Allerdings habe es im vergangenen Jahr noch eine Abwägung gegeben – das Festival konnte dennoch stattfinden, immer mit dem Hinweis der Bauaufsicht, dass das 2019 so nicht mehr möglich sei.
Es handele sich um eine Nutzungsänderung auf dieser Fläche, auch wenn es jedes Jahr nur drei Tage seien. Dass es dafür in Brandenburg für derartige Fälle keine klaren Regelungen gebe, sei „sehr unglücklich.“ Deshalb sei er, so Ludger Weskamp, der Landtagsabgeordneten Isabelle Vandré (Linke) dankbar, dass sie auf eine gesetzliche Änderung im Landtag dränge. Der neue Landtag nach der Wahl im September sei gefragt, an den entsprechenden Verordnungen zu arbeiten. „Wir haben eine Rechtslage, die nicht eindeutig ist.“
Der Landrat weist darauf hin: „Das Bauordnungsamt hat eine Genehmigung nie verweigert, es gab nie einen Antrag auf Genehmigung.“ Bis zu diesem Punkt sei man nie gekommen. Es habe dagegen Erstaunen darüber gegeben, dass es seitens der Veranstalter keine Bewegungen gegeben habe.

Immer wieder ist dem Bauamt unter der Leitung von Oliver Grützmacher – der auch CDU-Chef in Kremmen ist – Willkür vorgeworfen worden. Die kulturpolitische Sprecherin der Grünen, Marie Luise von Halem, kritisierte die restriktive Haltung des Landratsamtes Oberhavel, wie sie sagte. „Gute Beispiele wie das jährliche Festival ,Nation of Gondwana’ in Grünefeld zeigen, dass die Kooperation zwischen Veranstaltern und Genehmigungsbehörden sowie zwischen Festivalbesuchern und Ortsbewohnern auf eine Art und Weise gelingen kann, die für alle von Vorteil ist. Davon gilt es zu lernen“, so Marie Luise von Halem.
Ludger Weskamp weist die Anschuldigung der Willkür zurück. „Einen härteren Vorwurf kann man einem Verwaltungsmitarbeiter nicht machen“, sagt er. Parteipolitik dürfe keine Rolle spielen, und sie spiele auch keine Rolle, so Weskamp weiter. Die Lage spitzte sich am Ende zu, zeitlich wurde es immer enger, da das Event ja schon am Freitag beginnen soll. „Ich glaube nicht, dass die Veranstalter das vorsätzlich gemacht haben. Sie waren sicher, dass sie vor Gericht Recht bekommen.“ Sie seien dann aber in eine zeitliche Drucksituation geraten. „Ich finde es positiv, wenn solche Veranstaltungen stattfinden“, sagt er. „Egal, welche Musikrichtung es ist, egal ob Punk, Schlager, Metal oder Klassik. Wir wollen solche Veranstaltungen in Oberhavel, aber die Spielregeln müssen eingehalten werden. Gesetze können nicht umgangen werden, auch wenn es um eine gute Sache geht.“

Die Veranstalter reichten schließlich bei der Stadt Kremmen einen Antrag ein – sie wollten nun ein Volksfest, beziehungsweise einen Spezialmarkt veranstalten. „Es ist sehr schwierig, von der Stadt Kremmen zu erwarten, so etwas kurzfristig zu genehmigen.“ Es habe sich weiterhin um die Unterlagen für ein Festival gehandelt. „Es hätte Veränderungen bedürft. Nur das Wort zu ändern, ist ein bisschen zu wenig.“
In Kremmen kochen die Emotionen recht hoch. Bürgermeister Sebastian Busse (CDU), der über den Volksfest-Antrag zu entscheiden hatte und ihn ablehnte, stand und steht unter Druck. Die Veranstalter von „Resist to Exist“ werfen ihm Parteipolitik vor. Busse spricht von Hassreden und bösen Mails. Landrat Ludger Weskamp hofft, dass sich die Emotionen bald wieder legen. „Die Kremmener müssen es schaffen, da wieder anders ins Gespräch zu kommen.“ Hassmails und Hassreden dürften dagegen niemals geduldet werden. „Ich bin dafür, da konsequent Haltung zu zeigen und die strafrechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen.“ In der Kreisverwaltung würden Beleidigungen und Angriffe gegen Mitarbeiter immer zur Anzeige gebracht.

Wie geht es jetzt weiter mit entsprechenden Veranstaltungen? „Wir werden uns Gedanken machen müssen, Örtlichkeiten zu schaffen, wo so was geht“, sagt der Landrat. Im Ziegeleipark in Mildenberg kommt demnächst zum zweiten Mal der Chaos-Computer-Club zu einer großen Veranstaltung zusammen. Auch in Mildenberg bedarf es aber zukünftig bei solchen regelmäßigen Veranstaltungen und Events entsprechende Genehmigungen – wie auch in Kremmen. Es müsse somit darum gehen, entsprechende Flächen weiterzuentwickeln, damit Events dieser Art dort eine Zukunft haben.
Dass es mit Veranstaltungen ganz allgemein in Oberhavel Probleme geben würde, sieht er nicht. Findet in Kremmen das Erntefest statt, dann ist es ein Volksfest, und das im Scheunenviertel, das dafür auch gedacht sei. Um nur ein Beispiel zu nennen.

Ob für 2020 seitens des Alternati-Vereins ein weiterer Versuch unternommen wird, das Festival in Kremmen durchzuführen, ist unklar. Aus den Kreisen heißt es, man werde nach einem Standort außerhalb Brandenburgs suchen, offiziell ist aber nichts. „Aber wenn ihr 2020 was in Kremmen vorhabt, dann meldet euch“, ist der Rat von Ludger Weskamp. Ein Bauantrag müsse noch 2019 gestellt werden. Aber, und das betonte der Verein, immer wieder, sei genau das Problem: Zu teuer, zu umständlich und unklar.

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Gesucht: der Besitzer des alten Konsums

Samstag, den 27. Juli 2019
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Ralf Hewelcke will das verfallene Gebäude in Hohenbruch kaufen – für einen Jugendclub

MAZ Oranienburg, 27.7.2019

Hohenbruch.
Das ist offenbar schwieriger als gedacht. Seit vielen Jahren steht der alte Konsum an der Hohenbrucher Dorfstraße/Ecke Kirchring leer und verrottet langsam. Ralf Hewelcke will das nicht länger mitansehen. Sein Plan: Er will das alte Gebäude kaufen und es dann der Stadt Kremmen zur Verfügung stellen, damit dort ein Jugendclub eingerichtet werden kann. Das Problem: Niemand weiß, wie man an den Besitzer des Hauses rankommt.

Zwar bekam er im Katasteramt in Oranienburg den Namen und die Anschrift in Großbritannien. Aber ein entsprechender Brief, den er nach Eaton Bray – nordwestlich von London – schickte, kam wieder zurück – mit dem Hinweis, dass die Adresse unvollständig sei. „Man kriegt den Besitzer nicht“, so Ralf Hewelcke. Auch googeln sei schwierig, es handele sich um ein Firmengeflecht, das schwer zu durchschauen sei. „Aber alles gute Adressen in Berlin“, so Ralf Hewelcke. „Vielleicht ist das auch nur ein Abschreibungsprojekt.“

Warum aber will Ralf Hewelcke den Hohenbruchern einen Jugendclub schenken? Er lächelt auf diese Frage hin und sagt: „Warum betreibt man einen Tierpark ohne Kasse?“ Neben seiner Hundepension kümmert er sich um ein Gelände, auf dem sich diverse Tiere befinden. Besucher müssen dafür nicht zahlen. „Ich habe Lust, der Allgemeinheit was zu geben. Dafür gibt es andere Eltern, die sich ehrenamtlich in anderen Vereinen engagieren.“ Und mit dem sechsjährigen Sixten habe er selbst auch einen Jungen, „der dort mal spielen möchte.“
Ralf Hewelcke könne sich dort einen Jugendclub gut vorstellen. Angenommen ein Kauf sei möglich, dann hofft er, dass über Fördermittel ein Umbau gelingen kann – und mit Hilfe von Unternehmen und Eltern aus dem Ort. Der Standort sei gut, er liege am Rand des Wohngebietes, der Sportplatz sei nebenan, und eine Bushaltestelle befinde sich direkt vor der Tür.

Hohenbruchs Ortsvorsteher Arthur Förster gefällt die Idee. „Das ist echt gut“, sagte er am Freitag. „Wir helfen uns gegenseitig auf dem Dorf.“ Er hofft ebenfalls, dass der Besitzer des Gebäudes ausfindig gemacht werden kann. Schon weit mehr als zehn Jahre gebe es in Hohenbruch keinen Jugendclub mehr. „Geschlossen wurde er nicht mangels Besucher, sondern weil es Vorfälle gab.“
Der fehlende Jugendclub war auch schon Thema im Ortsbeirat. Falls der Kaufplan von Ralf Hewelcke scheitert, könne man noch mal das alte Feuerwehr-Gebäude ins Auge fassen. Auf jeden Fall müsse zunächst auch der Bedarf ermittelt werden, „ob die Jugendlichen überhaupt interessiert sind“, so Arthur Förster.

Kremmens Jugendclubleiter Danny See sagte am Freitag: „Der Gedanke, die Jugendarbeit auszubauen, ist immer großartig.“ Momentan würden die Hohenbrucher Jugendlichen den Club in Kremmen besuchen. Weil am Abend kein Bus mehr fahre, würde er sie dann immer mit dem Club-Kleinbus zurückfahren.

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In dieser Senioren-WG ist niemand allein

Donnerstag, den 25. Juli 2019
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Die Wohngemeinschaft Hohenbruch ist eine privat betriebene Einrichtungfür alle Pflegestufen – die Bewohner werden rund um die Uhr betreut

MAZ Oranienburg, 25.7.2019

Hohenbruch.
Silvia* lacht viel, sie ist überhaupt ein fröhlicher Mensch. Aber wo ihr Zimmer ist – daran erinnert sie sich nicht. Sie hat Demenz. Brigitte* ist bettlägerig, aber eben auch nie allein, und Berta* mag es, auf der Terrasse zu sitzen und ein Käffchen serviert zu bekommen.

Alles ist entspannt, alle sind sie – auf ihre jeweilige Art – gut drauf. Die drei Frauen leben in einer privat geführten Senioren-Wohngemeinschaft im Kremmener Ortsteil Hohenbruch. „Sie gibt es seit September 2018“, erzählt Sonja Schröder, die die WG führt. Sie befindet sich im ehemaligen Wohnhaus ihres Bruders Thomas Rohrbeck. „Das Haus stand leer, und wir haben überlegt, was wir Sinnvolles tun können“, erzählt Sonja Schröder. Sie arbeitet seit mehr als 30 Jahren als Pflegefachkraft und hat sich inzwischen als Pflegerin und Betreuerin selbstständig gemach
Es gibt bislang nur wenige solcher privater Wohngemeinschaften für Senioren, was auch an den hohen Auflagen liegt. „Das muss man durchkämpfen“, sagt Sonja Schröder. Es habe auch längere Zeit gedauert, bis sie grünes Licht bekommen hat, mit der privat geführten WG in Hohenbruch an den Markt zu gehen.

Drei Bewohnerinnen leben im Erdgeschoss des Hauses, alle drei haben eigene Zimmer. Sie können gemeinsam die Küche, das Bad und den Hof nutzen. „Das ist ein Zuhause wie in einer Familie“, sagt Sonja Schröder. Außerdem gibt es Barbara im Haus, sie ist eine Pflegekraft, die 24 Stunden am Tag vor Ort ist. Nach vier Wochen kommt Anja, und so wechseln sich die beiden immer ab. Immer wieder im Haus ist aber auch Sonja Schröder selbst, die die Pflegekraft auch mal kurzzeitig vertreten kann. Auch Thomas Rohrbeck packt immer an, wenn es Probleme mit dem Haus selbst gibt und ist für die Bewohnerinnen da. Die können sich im Haus frei bewegen, wenn sie das möchten. „Inklusive des normalen Lebensrisikos“, so Sonja Schröder weiter. Alleine sind die Frauen aber definitiv nie. Unterstützende Wohnform nennt sich das.
Ganz klar zum Konzept gehört aber auch, dass sich die Familienangehörigen kümmern. „Die Angehörigen sind die, die hier federführend sind“, erklärt die Hohenbrucherin. Alle drei Monate würden alle zusammenkommen und, wenn nötig, Beschlüsse fassen. „Jetzt zum Beispiel haben wir uns alle gemeinsam überlegt, die Terrasse anzuheben“, erzählt Sonja Schröder. Sie findet es wichtig, dass sie sich die Angehörigen mitkümmern. Alle haben auch einen Schlüssel und können kommen, wann sie wollen.

Diese persönliche Rundum-Versorgung im privaten Rahmen mache es auch möglich, körperlich Behinderte oder auch Demenz-Kranke wie Silvia aufzunehmen. „Im Heim ist sie öfter weggelaufen“, sagt Sonja Schröder. In der Hohenbrucher WG sei das nicht der Fall. Einerseits sei immer jemand da, andererseits darf das Grundstück auch abgeschlossen werden, weil es sich ja um eine private Wohngemeinschaft handele. „Wir decken alle Pflegegrade ab“, sagt Sonja Schröder. Natürlich müssen die Bewohner Miete zahlen, die Pflegekräfte müssen auch finanziert werden. Zusätzliche Pflegedienste, die ebenfalls ins Haus kommen, müssen zusätzlich bezahlt werden. Aber da es sich bei der kleinen Einrichtung nicht um ein gewinnorientiertes Unternehmen handelt, müsse auch kein größerer Gewinn gemacht werden. Demnächst könnte im oberen Geschoss eine zweite, separate WG an den Start gehen.

Mehr Infos gibt es unter 0176/94 91 91 21.
* Aus datenschutzrechtlichen Gründen sind die Namen der Bewohnerinnen geändert.

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Jubiläum im Künstlerdorf

Mittwoch, den 24. Juli 2019
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Seit 25 Jahren gibt es in Kremmen den Scheunenviertelverein – das wird am Sonnabend gefeiert

MAZ Oranienburg, 24.7.2019

Kremmen.
Es ist längst noch nicht alles perfekt im Jahre 2019 im Kremmener Scheunenviertel. Aber wer sich mal Fotos ansieht, wie es vor gut 25 Jahren – in den 90ern – ausgesehen hat, der wird feststellen, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten doch sehr viel getan hat.
Der Kremmener Scheunenviertelverein blickt auf 25 Jahre zurück. Offizieller Gründungstag ist der 3. Dezember 1994, da sei der Verein berufen worden, so die heutige Vorsitzende Ellen Brunner. Die Eintragung erfolgte 1995. „Damals war uns klar: Wir müssen was tun. Der Zustand war schlecht, wir hatten viele Ruinen.“ Anlass für Zukunftspläne war der Plan, das historische Viertel mit den Scheunen unter Denkmalschutz zu stellen, das war 1994. Erster Schritt: bessere Straßen und Wege. Bis dahin führten nur unbefestigte Wege durch das Viertel. Zunächst ist der Kurze Damm befestigt und angebunden worden. „Dafür haben wir Fördermittel bekommen, und ohne den Verein wäre das nicht gegangen“, erinnert sich Christoph Brunner. 450 000 Euro Fördermittel seien damals geflossen.

„Das Scheunenviertel war ein landwirtschaftliches Gelände“, erinnert sich der Kremmener. „Gut 70 Prozent der Gebäude war durch Bauern bewirtschaftet.“ Das heutige Scheunenwerk mit Friseur und Café sei eine Zementscheune gewesen. In vielen Scheunen lagerten Baumaterialien, die Kremmener brachten gern mal Dachziegelschutt dorthin, um sie in die Löcher zu stopfen. Als Mitte der 70er-Jahre die Milchviehanlage gebaut worden sei, stand sogar zur Debatte, das Scheunenviertel platt zu machen – zugunsten von Plattenbauten. Dazu kam es dann aber doch nicht.
„In den 90ern hatten wir die Vorstellung, das Worpswede von Kremmen zu sein“, so Christoph Brunner weiter. Ein Künstlerviertel sollte es werden mit Drechslern, Töpfern, Buchbindern, Grafikern, Bildhauern, Malern oder Druckern, so sagte Christoph Brunner es in einem Interview 1994. Sieht man sich eine damalige Zeichnung des Scheunenweges an, so ist das durchaus eine Vorschau auf das heutige Bild, das die Besucher dort vorfinden.
„Damals war das Interesse groß, Scheunen zu kaufen“, erinnert sich Ulli Hohmann. Aber es sei viel Idealismus nötig gewesen, ergänzt Christoph Brunner. Zumal anfangs die Begeisterung seitens der Entscheider in der Amtsverwaltung nicht sehr groß gewesen sei. Ende 1996 fand erstmals ein Kunstmarkt statt – Tausende Menschen kamen damals. „Der große Umschwung kam 1998“, erzählt Werner Usnerus, der ebenfalls von Anfang an dem Scheunenviertelverein angehört. „Da war die 700-Jahr-Feier, die war in der ganzen Stadt, aber die große Party hat hier im Viertel stattgefunden.“ So rückte das Gelände wieder mehr in den Blickpunkt der Kremmener. „Die Einheimischen sind gekommen, auch wenn sie erst mal nicht wussten, was wir wollen.“ Auch durch die Deklarierung des Viertels als Expo-Außenstelle im Jahr 2000 bekam es noch mal einen Bekanntheitsschub. Im selben Jahr wurde die Museumsscheune fertiggestellt und eröffnet. Nach und nach sind die Scheunen saniert worden.

Und heute? Es gibt Gaststätten, den Friseur, die Tourismusinfo und Gewerbe. Vor allem am Wochenende ist im Scheunenviertel etwas los. „Wir suchen immer mutige Leute, die unten arbeiten und oben wohnen“, sagt Werner Usnerus. Die Theaterscheune sei unterdessen „der Hammer vom ganzen Scheunenviertel. Das ist einzigartig, mit einem verrückten Intendanten“, so Werner Usnerus weiter. Es gibt, vom Verein organisiert, einen Weihnachtsmarkt und das Kürbisfest, außerdem die Bluesnacht und natürlich das Erntefest, das im Viertel gefeiert wird. Es tut sich was, auch wenn sich die Leute vom Verein wünschen würden, dass die Scheunenbetreiber wieder mehr an einem Strang ziehen. Als gemeinnütziger Verein könne man jedoch nicht alles beeinflussen.

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Schloss wird eine Lebensaufgabe

Dienstag, den 23. Juli 2019
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Loretta Würtenberger und Daniel Tempel ziehen am 1. September nach Schwante – Kompromissvorschlag für eine mögliche Wegführung durch den Park

MAZ Oranienburg, 23.7.2019

Schwante.
Wenn am 29. Juli in Schwante der Ortsbeirat zusammenkommt, dann werden auch Loretta Würtenberger und ihr Mann Daniel Tümpel dabei sein. Gemeinsam mit ihren vier Kindern wollen sie im nächsten Jahr ins Schloss Schwante ziehen.

Im Ortsbeirat wird dann auch ein Kompromissvorschlag präsentiert, wie die Wegführung durch den Schlosspark künftig aussehen könnte. „Es ist unser Ziel, alle miteinzubinden“, sagte Loretta Würtenberger am Montag. Vom hinteren Mühlenweg kommend soll der Weg künftig hinter der kleinen Hörstegraben-Brücke rechts abbiegen und dann in einem etwas weiteren Bogen rechts am Schloss vorbeiführen. Eine kleine Allee entlang geht es dann bis zu den Bauten nahe des Schwantener Sees, wo er dann wieder auf den Schlossweg einmündet. Dieser Weg soll dann auch immer geöffnet sein – 24 Stunden am Tag.
Man laufe dort vermutlich drei bis vier Minuten länger, aber aus Sicht von Ortsvorsteher Dirk Jöhling sei das ein guter Kompromiss. Aber letztlich haben Ortsbeirat und Gemeindevertretung das letzte Wort. Aber er wolle für diese Variante werben. Auch der neue Weg sei privat, die Familie werde ihn auch bezahlen. Um ihn anzulegen, ist noch viel Arbeit nötig.

„Uns geht es darum, hier einen guten Start zu finden“, sagte Loretta Würtenberger. Sie betonte, dass die Leute von der Bürgerinitiative nett auf sie zugekommen seien. „Wir haben die Diskussion nie als bedrohlich empfunden. Die Leute haben uns das Gefühl gegeben, dass es nie um uns persönlich ging.“ Es sei immer um die Sache gegangen. Das Protestpicknick im Schlosspark sei ein Wendepunkt gewesen. „Da kamen wir ins Gespräch.“
Dirk Jöhling sagte am Montag, dass es immer klar gewesen sei, dass die Gemeindevertretung einbezogen werden müsse bei der Entscheidung um die Grunddienstbarkeit. Der Zeitpunkt sei unglücklich gewesen – nach der Kommunalwahl. „Aber wir haben uns auch erst am Tag nach der Wahl erstmals gesehen“, so Jöhling über das erste Zusammentreffen mit der neuen Besitzerfamilie des Schlosses.
„Wir wollen einen Ort schaffen, der nach außen hin strahlt“, sagte Loretta Würtenberger. Aber es sei ihnen auch wichtig, zu sagen, dass sie mit der ganzen Familie nach Schwante ziehen würden, so ihr Mann Daniel Tümpel. „Das soll unser Wohnhaus werden.“ Die Kinder sollen dort aufwachsen und sich wohlfühlen.

Voraussichtlich zum 1. September will die Familie von Sacrow bei Potsdam nach Schwante ziehen – zunächst in eine der Ferienwohnungen am Schlossparkrand. Dann soll auch der Umbau des Schlosses beginnen. „In ganz enger Absprache mit dem Denkmalschutz“, so Loretta Würtenberger weiter. Durch den vorherigen Restaurantbetrieb gebe es viele Toiletten, die die Familie nun aber nicht benötigt, ebenso wenig die Industrieküche. „Aber wir haben Erfahrungen mit denkmalgeschützten Wohnungen.“ Eines sei völlig klar: „Wir haben uns für eine gewisse Lebensaufgabe entschieden.“ Man wolle sich mit Haut und Haar Schwante verpflichten. „Das ist eine Riesenaufgabe.“ Die Grundsubstanz des Schlosses sei in Ordnung. „Der Park ist eigentlich in einem schlechteren Zustand als das Schloss.“ Aber das wollen sie anpacken.

Loretta Würtenberger und Daniel Tümpel arbeiten im Kunstbereich, sind in der Szene auch sehr bekannt. Sie vermitteln in ihrer gemeinsamen Firma Kunst und kümmern sich um Kunstnachlässe. „Wir machen das seit 13 Jahren.“ Ursprünglich studierte sie Rechtswissenschaften, Philosophie und Kunstgeschichte, sie hat mit Schwerpunkt Urheberrecht am Max-Planck-Institut promoviert und war anschließend als jüngste Richterin Deutschlands am Landgericht Berlin tätig. 1998 gründete und führte sie die Firma Webmiles, ein Jahr danach wurde sie als Unternehmerin des Jahres ausgezeichnet. Seit 2009 gibt es Fine Art Partners, die Firma, die dann auch nach Schwante mitzieht. „Wir arbeiten mit Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts“, sagte sie.

Den Schlosspark wollen Loretta Würtenberger und Daniel Tümpel für Skulpturenausstellungen nutzen, aber auch für diverse Feste – vom Dorffest bis zum Weihnachtsmarkt, aber auch von einem Apfelfest war die Rede. Auch wenn der direkte Weg dicht am Schloss vorbei nicht mehr öffentlich sei – eines will die Familie offenbar nicht: sich im Schloss verschanzen. Sie freuen sich auf das neue Zuhause. „Wir würden am liebsten morgen einziehen“, sagte sie am Montag.

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