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In der Zeitung erschienen

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Mit eigenen Songs im Studio

Samstag, den 4. Juli 2020
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Die Band Maxi aus Schwante nimmt gerade in Berlin-Charlottenburg erstmals 13 selbst geschriebene Lieder für ein Album auf

MAZ Oberhavel, 4.7.2020

Schwante.
Rastlos. Sorgenfrei. Unendlich Zeit. Pack den Koffer. Bei diesen Stichworten handelt es sich um Lieder. Und gleichzeitig um echte Meilensteine.
Die Band Maxi aus Schwante gibt es bereits seit 2014, und bislang sind es vor allem Coversongs, mit denen Sängerin Maxi Ulrich (31), Schlagzeuger Robert Hörster (32) und Gitarrist Oliver Dolgener (30) auf sich aufmerksam machten. Jetzt aber wollen die Musiker auch mit eigenen Liedern überzeugen. Mit 13 selbst geschriebenen Songs sind sie momentan im „One Pro Music“-Studio in Berlin-Charlottenburg, um diese Lieder aufzunehmen.

Acht Tage lang dauern die Aufnahmen – gerade befindet sich die Band im zweiten Aufnahme-Wochenende. „Wir sind jetzt beim sechsten Song“, sagte Maxi Ulrich am Donnerstagnachmittag. Die Lieder schreiben die drei Bandmitglieder mehr oder weniger zusammen. „Aber das ist ziemlich unterschiedlich“, sagt Oliver Dolgener. „Manchmal habe ich eine Idee, die dann ausgearbeitet wird, dann schreibt Maxi auf diese Melodie einen Text, oder Maxi hat einen Text, und dann schreiben wir die dazu passende Musik.“
In allen ihren 13 Liedern, die sie momentan in Berlin aufnehmen, kommt ein Wort immer wieder vor. „Das ist uns letztens aufgefallen“, sagt der Gitarrist. Es ist das Wort „Zeit“. Deshalb überlegen Maxi, Robert und Oliver auch, dass das Wort auch irgendwie im Namen des Albums auftauchen sollte. „Im Lied ,Rastlos’ geht es darum, dass man nie zur Ruhe kommt, sich selber Druck macht, die Arbeit nicht zu schaffen und man in Richtung Burnout geht“, erzählt Oliver Dolgener. Und Maxi erzählt über das Lied „Briefe an mich“: „Da geht es darum, dass man alte Briefe findet und einen Flashback bekommt, die Briefe rekapituliert und die Gedanken niederschreibt.“

Bei den Liedern handelt es sich um deutschsprachige, handgemachte Musik. „Die Texte kommen wirklich aus dem eigenen Leben“, sagt Maxi Ulrich. „Jeder findet sich darin wieder.“ Die Musiker wollen sich treu bleiben. Wer mal einen Auftritt von Maxi erlebt hat, wird sich an die Lagerfeuer-Stimmung erinnern. Das wollen sie auch bei den jetzigen Aufnahmen rüberbringen. „Wir bleiben uns treu, wir bauen nichts ein, was wir live nicht spielen können“, sagt Oliver Dolgener. „Darauf legen wir großen Wert.“ Die Band verortet sich im Bereich der Singer-Song-Writer.

Die Aufnahmetage im Studio in Berlin-Charlottenburg beginnen immer gegen 10 Uhr. „Dann besprechen wir, welche Songs wir aufnehmen. Wir überlegen aber eigentlich schon am Vorabend, welche zwei Songs wir am nächsten Tag aufnehmen wollen“, erzählt Maxi Ulrich. Zwei- bis dreimal werde der Song in der eigentlichen Besetzung durchgespielt. Wirklich eingespielt für die Aufnahme werden die Elemente aber einzeln, zur Hilfe kommt am Anfang ein Metronom, das den Takt vorgibt. „Wir stehen nicht zusammen im Studio“, sagt Maxi Ulrich. „Wir sind ja eigentlich eine Live-Band, aber zum Beispiel der Gesang sollte schon so sauber wie möglich rüberkommen.“ Auch gebe es bei einer Live-Aufnahme immer mal Nebengeräusche. „Das ist schon komplett anders“, erzählt Oliver Dolgener. „Hier haben wir ja vor der Gitarre drei Mikros zu stehen, da hört man jedes Geräusch und auch jeden lauten Atmer.“ Das sei durchaus anstrengend, mache aber auch Spaß.
Die Aufnahmen laufen noch bis zum Sonntag. „Montag haben wir dann noch mal Zeit, alles durchzuhören“, sagt Maxi Ulrich. „Da haben wir keine Hektik.“ Danach beginnt Tonmeister Domenico Utpadel, die Musik abzumischen.
„Der Plan ist dann, unsere Songs bei allen gängigen Plattformen kostenfrei zur Verfügung zu stellen“, sagt Oliver Dolgener. Auch CDs würden produziert, vor allem, um bei Konzerten etwas verkaufen zu können. „Uns geht es ja nicht ums große Geld. Es ist auch für uns, dass Material da ist und überhaupt, um das mal festzuhalten, was wir so machen.“ Ob zu einzelnen Songs auch Musikvideos geplant sind, ist noch offen.

Die Coronakrise hat der Band eigentlich eher in die Karten gespielt. Zwar sind alle geplanten Auftritte abgesagt worden, so war aber immerhin schon früher Zeit, ins Studio zu gehen. Eigentlich war das erst für Oktober geplant. Ob, wie und wann eine Record-Release-Party stattfindet, steht auch noch nicht fest. „Es ist schon cool, mit Freunden zusammenzusitzen und zu spielen, aber erst mal müssen wir alles einspielen“, sagt Maxi Ulrich.

Hits: 154

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Heilen bei minus 110 Grad

Dienstag, den 30. Juni 2020
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Im Physiowerk in Schwante gibt es neuerdings eine Kältekammer – sie hilft bei verschiedenen Krankheiten – drei Minuten muss der Patient darin ausharren

MAZ Oberhavel, 30.6.2020

Schwante.
Schon in der Vorkammer herrscht eine Temperatur von minus 30 Grad. Das ist aber tatsächlich nur das Vorspiel für das, was dann kommt: Denn in der eigentlichen Kältekammer sind es dann minus 110 Grad – und das gute drei Minuten lang. So lange muss der Patient darin aushalten. Aber er wird belohnt.

Die Kältekammer ist die neueste Errungenschaft im „Physiowerk“ in Schwante. Sie soll am 13. Juli offiziell in Betrieb gehen. „2015 gab es bei uns in der Familie immer wieder das Gespräch über Kältekammern, weil das bei Leistungssportlern immer geholfen hat“, erzählt Physiotherapeut Phillip Blumberg. „Natürlich muss man dafür auch die räumlichen Voraussetzungen haben.“ Die sind im Gebäude an der Dorfstraße vorhanden.

Der mehrmalige Besuch der Kältekammer soll gegen Krankheiten wie Neurodermitis helfen, bei Morbus Bechterew oder Schuppenflechten. Auch bei Depressionen oder Migräne kann ein Gang in die Kältekammer helfen. „Weil die Kühlung die Nervenzellen beruhigt“, so Phillip Blumberg. Die Kammer hilft aber auch, wenn es um Leistungssteigerung geht. So will das Physiowerk-Team beispielsweise auch Sportler, insbesondere Fußballmannschaften, ansprechen. „Als Regeneration vor einem Wettkampf, man kann dadurch 20 Prozent Leistungssteigerung bei Amateursportlern erreichen“, sagt Oliver Dölling, fachlicher Leiter im Schwantener „Physiowerk“. Aber auch die Fettreduzierung könne eine Rolle spielen, 900 bis 1000 Kilokalorien könne man verlieren.

Wer in die Kältekammer will, muss einen Mund- und Nasenschutz und Handschuhe sowie unter Umständen auch einen Schutz für die Ohren tragen. Dazu Latschen, eine Bade- oder Unterhose und Frauen auch ein Bikini-Oberteil.
Insgesamt vier Minuten dauert der Vorgang. Bis zum offiziellen Start wird es noch einen kleinen Vorraum an der Kammer geben, wo sich jeder umziehen kann. Erst geht es für etwa 30 Sekunden in die Vorkammer, dann für drei Minuten in die echte Kältekammer, zum Abschluss noch mal für 30 Sekunden in die Vorkammer.
„Vier Minuten sind schon brutal, daran muss man sich erst mal gewöhnen“, sagt Oliver Dölling. „Aber es ist eine schöne Erfahrung.“ Man müsse sich in der Kammer bewegen, um die Körperwärme zu halten. „Man ist danach ziemlich euphorisiert.“ Phillip Blumberg stimmt ihm zu. „Das ist mega, ein richtiger Kick.“ Es sei auch etwas anderes, als wenn man nur kurz in eiskaltes Wasser steige. Die Kältekammer sei sehr viel nachhaltiger.
Nicht in die Kammer darf, wer beispielsweise einen Herzschrittmacher trägt. „Weil der einfriert“, sagt Philipp Blumberg. Grundsätzlich ist bei dem Vorgang immer medizinisches Personal dabei. „Das alles passiert unter Aufsicht.“

Das Physiowerk ist seit seiner Eröffnung im Januar 2019 stetig weiter gewachsen. Inzwischen arbeiten dort sieben Leute – vier physiotherapeutische Kräfte, eine Mitarbeiterin an der Rezeption plus zwei weitere Arbeitskräfte im Hintergrund. „Und wir wollen weiter wachsen“, sagt Phillip Blumberg. „Wir brauchen noch zwei Physiotherapeuten und jemanden an der Rezeption.“ Es sei grundsätzlich aber wichtig, langsam, nach und nach zu wachsen. „Wird man zu schnell groß, dann leidet die Qualität.“
Auch in Schwante mache sich der Fachkräftemangel in der Gesundheitsbranche bemerkbar. Es sei schwierig, weitere Physiotherapeuten zu finden. „Weil die Berufe bislang nicht attraktiv gemacht wurden“, so Philipp Blumberg. Allerdings könnte sich das ändern, weil die Ausbildung inzwischen vergütet werde.
Der Standort an der Dorfstraße in Schwante habe sich bewährt. Der Terminkalender sei voll, bei kurzfristigen Absagen versuche man, den Termin neu zu vergeben. Auch durch die Coronakrise sei das Physiowerk bislang gut durchgekommen.

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Abiturfeier als großes Auto-Event

Montag, den 22. Juni 2020
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Die Oranienburger Louise-Henriette-Gymnasiasten bekommen ihre Zeugnisse auf dem Tüv-Gelände in Lehnitz

MAZ Oberhavel, 22.6.2020

Lehnitz.
„Mit Abstand die Besten“ – das war das Motto des 2020er-Abitur-Jahrgangs am Oranienburger Louise-Henriette-Gymnasium (LHG). Und das hatte im Jahr des Coronavirus nicht nur mit Leistung und Sympathie zu tun. Um auch physisch Abstand zu halten, fand die diesjährige Zeugnisübergabe nicht in der Schule, sondern auf dem Tüv-Gelände in Lehnitz statt – als Auto-Event.
„Wir haben unter den damaligen Bedingungen überlegt, was können wir machen, damit alles gemeinsam stattfindet – also mit Familie, Abiturienten, Lehrern“, erzählte Lehrerin Ines Jahn, die die Feier in Lehnitz mitorganisiert hat, am Sonnabendnachmittag. Vorbild seien die Konzerte in Autokinos gewesen. Auf diese Idee ist dann am LHG aufgebaut worden.

So kam der Abiturjahrgang mit den Autos nach Lehnitz – fast überall saß die Familie mit drin. Felix Wigger, der ein Studium für Agrarwissenschaften beginnen will, kam mit dem Traktor zur Feier. „Ich finde das gut, denn bei einer Feier in der Schule hätten die Eltern nicht dabei sein können“, sagte Julien Neukirch, der am Sonnabend ebenfalls sein Zeugnis bekam.
In strömendem Regen füllte sich am Sonnabendnachmittag langsam der große Parkplatz. Alles war vorbereitet. Jeder Wagen hatte seinen Platz, und die Stellplätze boten auch Freiraum zwischen den Autos. Auch, wenn es in diesem Jahr auf eine andere Art und Weise feierlich war als sonst, wenn auch der eigentliche Abiball nicht stattfinden konnte – die mehr als 70 Abiturientinnen und Abiturienten haben sich alle schick angezogen. Während der Zeremonie saßen alle in ihren Autos. Allerdings brauchten danach zwei Wagen Starthilfe, die Batterien hatten zu schnell aufgegeben.
„An Tagen wie diesen wünscht man sich die alten Zeiten zurück“, sagte Schulleiterin Gabriele Schiebe in ihrer Festrede. „Normalerweise stehe ich vor erwartungsvoll schauenden, festlich gekleideten Abiturienten in der liebevoll geschmückten Turnhalle.“ Wobei auch der Parkplatz zum LHG-Auto-Abi 2020 ein wenig geschmückt war, und auch an vielen Autos waren Luftballons oder Banner befestigt.

Martin Steuer, der stellvertretende Schulleiter, verlas später alle Namen derer, die das Abitur bestanden haben, und im Anschluss sind die Zeugnisse übergeben worden. Dazu sind alle Autos nacheinander auf die Rampe am Rand des Tüv-Platzes gefahren, dort bekamen alle die Zeugnisse und Geschenke ins Fenster gereicht. Als es nicht mehr regnete, durften die Jugendlichen auch kurz aussteigen, um alles in Empfang zu nehmen. Schulleiterin Gabriele Schiebe sagte danach, sie sei erleichtert und glücklich, dass alles so gut über die Bühne gegangen sei.
Danach wäre eigentlich der Abiball dran gewesen – aber auch daran war offiziell nicht zu denken. „Wir trinken jetzt zu Hause einen schönen Kaffee mit der Familie“, erzählte Abiturient Benno Kaddatz.

Hits: 208

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Überflieger: Randberliner Musiker und ihre neue Sachlichkeit

Samstag, den 20. Juni 2020
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Florian Nikolai (31) aus Hennigsdorf bringt mit seiner Band Songs „Über das Coolsein“ heraus – Videoclip entsteht bei Nieder Neuendorf

MAZ Oberhavel, 20.6.2020

Hennigsdorf.
Auf einem Feld irgendwo bei Nieder Neuendorf stehen sie und machen Musik. Schlagzeug, Gitarre, Bass und ein Sänger. „Dann steh ich wieder da, wo ich schon einmal stand, mit Hose offen im Havelland“, singt Florian Nikolai. Der Song „Havelland“ ist seit dem 28. Mai auf Youtube zu sehen und auf diversen Plattformen wie Spotify vertreten.

Seit 2017 gibt es seine Band „Die neue Sachlichkeit“. „Wir haben lange über den Bandnamen philosophiert“, sagt der 31-Jährige, der aus Hennigsdorf stammt. Es sollte nicht irgendein Spaßname sein. „Wir haben uns irgendwie mit Architektur beschäftigt, und da sind wir über die neue Sachlichkeit gestolpert.“ Sie seien nicht die großen Soundkreateure, sagt er. „Der Name passt zur Musik.“ Die Musiker kennen sich aber schon länger. „Das ist ein großer Freundeskreis, der sich kannte und Bock hatte, Musik zu machen. Wir haben dann entschieden, mal einen Proberaum zu mieten und haben dann Mucke gemacht und uns später gefragt, warum wir erst jetzt auf die Idee kommen, eine Band zu gründen.“

Wobei Florian Nikolai schon immer viel mit Musik zu tun hatte. Die Band „Die anderen Kinder“ war in der Region bekannt, später machte er solo Musik unter den Namen Dimitri Kalaschnikow. 2008 hat er am Hennigsdorfer Puschkin-Gymnasium sein Abi gemacht. Inzwischen arbeitet er in einer Werkstatt mit Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen als Mediengestalter. Er lebt in Berlin-Wedding.

In seiner aktuellen Band sind sie zu viert. „Wir machen deutschsprachigen Indierock.“ Bassist Sebastian „Schere“ Schade ergänzt: „Wir machen deutschsprachige Musik nicht, weil wir uns bewusst dazu entschieden haben, sondern weil es für uns am natürlichsten ist.“ Es sei die Sprache, „mit der wir am besten handwerklich arbeiten können“, so Florian Nikolai weiter. „Ich fühle mich da wohler.“
„Über das Coolsein“, heißt die EP, dessen Songs nun nach und nach veröffentlicht werden. Dabei gehe es nicht darum, wie cool die Musiker selbst seien. „Es gibt kein Dogma, wie man cool ist“, so der Hennigsdorfer. Es gehe eher um eine innere Haltung, um Bewertungen von außen. „Was wir cool finden, finden andere vielleicht gar nicht cool.“ Nicht nur im Song „Havelland“, sondern in den meisten Songs, die sie jetzt veröffentlichen: „Sie beschreiben die Wurzeln, wo wir herkommen. Wir sind alle Randberliner.“ Im Freundes- und Bekanntenkreis machen sie in Berlin oft die Erfahrung, dass viele gar nicht wissen würden, was im „C-Bereich“, also vor den Grenzen Berlins, noch alles komme, sagt Sebastian Schade.
Im Lied „Flaschen und Papier“, am Donnerstag auf Youtube und den anderen Musikplattformen veröffentlicht, geht es um Stillstand und Aufbruch. „Aber wir wollen auch den Interpretationsspielraum den Hörern überlassen“, stellt Florian Nikolai klar.

Es sei in der heutigen Zeit schwierig, mit Musik Geld zu verdienen. „Es ist eher eine Sache der Überzeugung.“ Aber sie sind überzeugt, „dass wir auch einen Kulturbeitrag leisten. Aber wir sind realistisch, dass wir damit nicht unseren Lebensunterhalt verdienen werden.“ Gerade jetzt in der Corona-Krise seien die Probleme in der Musik- und Clubszene sehr groß.
Eigentlich sollte es auch ein Release-Konzert zum Erscheinen der neuen Songs geben. Wegen Corona findet es nicht statt, könnte aber irgendwann noch nachgeholt werden. Den bisher größten Auftritt hatten sie beim „Jenseits von Millionen“-Festival in der Lausitz vor etwa 600 Leuten. Ihre Proben absolvieren sie in einem Kellerraum der Anna-Lindh-Grundschule in Berlin-Wedding. Und zum Coolsein gehört für sie auch, dass sie ihre Songs nicht nur digital veröffentlichen, sondern auch auf Schallplatten pressen lassen wollen.

-> www.facebook.com/dieneuesachlichkeit

Hits: 228

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Kultur-Neustart bei Friedrich Wolf

Montag, den 8. Juni 2020
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Erste Veranstaltung nach dem Coronastopp im Garten der Lehnitzer Gedenkstätte – Journalist und Autor Jens Bisky liest aus seiner 1000 Seiten dicken Berlin-Biographie

MAZ Oberhavel, 8.6.2020

Lehnitz.
Langsam läuft das Kulturleben in der Region wieder an. Auf dem Gelände der Friedrich-Wolf-Gedenkstätte in Lehnitz fand am Sonntagnachmittag die erste Veranstaltung nach dem Coronastopp Mitte März statt. „Das ist im Garten gut zu realisieren“, sagte Tatjana Trögel, die Leiterin der Gedenkstätte. Die Stühle standen weit auseinander, außer für Paare, die sowieso zusammen leben. „Bei Regen wäre es schwierig geworden.“ Da hätte die Veranstaltung eventuell abgesagt werden müssen. Auch die beiden Sommerlesungen sollen im Garten am Alten Kiefernweg stattfinden.

Noch immer ist unterdessen die weitere Finanzierung der Gedenkstätte offen. Oranienburgs Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos) ist damit beauftragt, ein Finanzierungskonzept zu erarbeiten. „Wir stehen immer noch auf der Kippe“, sagt Tatjana Trögel. Wegen der Coronakrise habe sich bislang noch keine Neuigkeit ergeben. Finanzmittel aus durch das Coronavius geschaffenen Fonds bekomme die Gesellschaft auch nicht. „Aber ich freue mich, dass wir wieder was machen können.“
So sieht das auch Besucherin Tekla Tesch. In den vergangenen Wochen hatte sie Kultur nur im Fernsehen und im Internet genossen. „Nachdem ich gelesen habe, dass es hier stattfindet, war klar, dass wir kommen.“ Vom Buch, um das es ging, habe sie schon viel gehört, deshalb sei sie neugierig.

Der Journalist und Autor Jens Bisky war am Sonntagnachmittag zu Gast, um sein Buch „Berlin – Biographie einer großen Stadt“ vorzustellen. Auf fast 1000 Seiten schreibt er über die Geschichte Berlins. „Man braucht Geduld und Zeit, wird dann aber belohnt“, sagte Paul Werner Wagner, der Leiter der Friedrich-Wolf-Gesellschaft und Moderator der Veranstaltung. Das Buch sei analytisch und lebendig zugleich.

Jens Bisky erzählte, dass 1740 Berlin statistisch zur Großstadt geworden sei, damals lebten dort erstmals mehr als 100 000 Menschen. „Berlin ist immer Zentrum des gestigen Lebens gewesen. Berlin war relativ früh eine Zuwandererstadt.“ Heute sei jeder Zweite, der in Berlin lebt, zugezogen. „Das klingt erst mal viel“, so Jens Bisky weiter. Aber das sei um 1840 beispielsweise auch schon so gewesen. Ab 1870 sei die Bevölkerungszahl explodiert. 1919 lebten auf dem heutigen Berliner Gebiet 3,6 Millionen Menschen – so viel wie heute auch. In seinem Buch beschrieb Bisky zudem Berlin im Kaiserreich, im Krieg, während der Teilung und danach.

Die Lesung und das Thema kamen bei den Besuchern sehr gut an, alle bereitgelegten Bücher waren am Ende ausverkauft. Die nächste Veranstaltung ist am 21. Juni um 15 Uhr: Zu Gast ist dann die Journalistin und Autorin Marion Brasch.

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Erinnerung ans Autokino Flatow: Filme aus dem Lkw

Samstag, den 6. Juni 2020
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Von 2000 bis 2008 stand die zwölf Meter große Leinwand auf dem Gelände des stillgelegten Güterbahnhofs – Betreiberin Rita Marcinkowski erzählt

MAZ Oranienburg, 6.6.2020

Flatow.
Heute erinnert hinter dem ehemaligen Güterbahnhof in Flatow nichts mehr daran, dass dort mehrere Jahre lang immer im Sommer Kinofilme zu sehen waren. Rechts und links der alten Kopfsteinpflasterstraße ist das Gras hochgewachsen. In den Jahren 2000 bis 2008 befand sich auf dem Gelände das Autokino Flatow.

Rita Marcinkowski war damals die Betreiberin. „Das erste Jahr verlief sehr gut“, erzählt die Nauenerin. In der Stadt im Havelland hatte sie Ende der 90er-Jahre vergeblich nach einer Fläche für ein Autokino gesucht. Fündig wurde sie am alten Güterbahnhof in Flatow – an der stillgelegten Strecke zwischen Nauen und Kremmen. „Das war eine wunderschöne Fläche, die haben wir uns ausgesucht, die Bahn hat sie uns vermietet.“

Das Autokino Flatow war allerdings kein festes Gebäude, weshalb davon heute auch nichts mehr übrig ist. „Wir haben aus einem Lkw heraus gespielt.“ Die Leinwand hatte eine Größe von 144 Quadratmeter, war zwölf Meter hoch. Dazu gab es einen Imbisswagen, Popcorn konnten die Besucher natürlich auch kaufen. „Die Flächen sind geschoben worden“, erinnert sich Rita Marcinkowski. Die Flächen seien so gestaltet worden, dass kleine Anhöhen entstanden waren, so standen die Autos vorn höher, die Sicht für die Zuschauer wurde besser. Es gab 130 Stellplätze.
Die Autokino-Saison dauerte von April bis Oktober. „Die Jugend wollte Action sehen“, sagt die damalige Kinochefin. Es sei jedoch nicht einfach gewesen, immer die aktuellen Filme zu bekommen. „Da haben wir schon mal vier bis acht Wochen gewartet.“

Die ersten Jahre waren sehr erfolgreich. Aber dann sei es immer schwieriger geworden. „Die Zahlen gingen zurück.“ Schon 2007 war vom Aus die Rede, nach der Saison 2008 war wirklich Schluss. Einerseits weil Rita Marcinkowski in den Ruhestand ging, aber auch, weil bei einem Weiterbetrieb in neue Technik hätte investiert werden müssen.

Einer, der sich an diese Zeit erinnert, ist Enrico Gennrich. Er lebte in der Anfangszeit des Autokinos in Flatow. „Ich habe damals um die Ecke gewohnt“, sagt er. „Das war die Sturm- und Drangzeit. Wir sind vom Jugendclub aus öfter hingegangen.“ Sie seien nie mit dem Auto dagewesen, konnten sich stattdessen auf eine Bank setzen. „Sie haben für uns dort eine Box hingestellt, sie haben das für die Dorfjugend immer möglich gemacht.“ An die Betreiber erinnert er sich mit guten Gefühlen.
Heute ist Enrico Gennrich selbst Mitbetreiber eines Autokinos – nämlich in Nauen. „Wir sind eigentlich Veranstalter und DJs“, sagt er. „Wir machen das in Nauen aufgrund der Coronasituation.“ Weil momentan immer noch keine Kinos geöffnet haben, bieten sie das Autokino in Nauen an. Weil sie eine moderne LED-Wand haben, können sie auch tagsüber beispielsweise Kinderfilme zeigen. Tickets gibt es nur online. Über die Pfingstfeiertage seien die Vorverkäufe sehr gut gewesen, so Enrico Gennrich.

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Villa Kunterbunt kommt gut durch die Coronakrise

Donnerstag, den 4. Juni 2020
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Elke Schilling und Diana Franke erzählen vom momentanen Sommerfelder Kita-Alltag – ältere Kinder verstehen die Abstandsregeln schon sehr gut

MAZ Oranienburg, 4.6.2020

Sommerfeld.
Es waren aufregende Wochen in der Sommerfelder Kita „Villa Kunterbunt“. Die Sicherheitsmaßnahmen rund um das Coronavirus haben seit Mitte März alle Pläne durcheinandergewirbelt. „Am anstrengendsten waren aber die vielen Vorgaben, die ständig kamen und immer wieder wechselten und nicht immer praxisnah sind“, erzählt Kitaleiterin Elke Schilling. „Es war manchmal sehr schwierig umzusetzen.“
Dazu gehöre auch beispielsweise die Regel, dass die Kinder nur noch in der eigenen Gruppe bleiben müssen, dass keine Vermischung entstehe. „Wir können aber nicht gewährleisten, dass die Kinder immer nur in ihren Stammgruppen bleiben“, sagte die künftige stellvertretende Kitaleiterin Diana Franke. Das funktioniere nur in der Hauptkernzeit der Betreuung. „Da sind die Kinder in ihren Stammgruppen.“ Gerade am Anfang der Coronakrise seien sie fast schon überinformiert worden. „Vieles war auch widersprüchlich. Vieles ist wohl am Tisch entschieden worden, da war nicht die Praxis gefragt“, erzählt Elke Schilling.

Momentan sind im Kitabereich 51 von 97 Kindern regelmäßig im Haus. Hinzu kommt der Hort in Beetz mit 42 Kindern, die dort betreut werden. Jetzt zum Beispiel muss jeden Tag ein Zettel neu unterschrieben werden, dass das Kind keine Covid-19-Symptome habe und auch keinen Kontakt mit einer infizierten Personen gehabt habe. „Das ist sehr aufwendig. Besser wäre es, wenn man Eltern einmal verpflichtet, zu melden, wenn etwas ist.“

Die Abstandsregeln seien gut vorbereitet worden, erzählt Elke Schilling. „Die Älteren verstehen sie auf jeden Fall.“ So habe ein Junge neulich seinem Vater erklärt, warum im Flur Desinfektionsmittel angeboten werden: „Papa, das ist wegen Corona.“ Elke Schilling schätzt, dass Kinder ab etwa viereinhalb Jahren die Regeln rund um das Coronavirus gut verstehen würden. „Die passen schon untereinander auf. Gestern gab es ein Kreisspiel, alle wollten sich an die Hände nehmen, und ein Junge rief in großer Sorge: Aber das dürft ihr doch nicht, wegen Corona.“

Die Betten seien auseinander gestellt worden, auch beim Essen werde Abstand gehalten. „Das Händewaschen, das machen sie ganz gern.“ Da werde dann bis 20 gezählt. „Man muss sich pädagogische Lösungen einfallen lassen, um sie dafür zu begeistern“, sagt Elke Schilling. Anfangs sei nicht klar gewesen, wie ernst die Lage sei, „und wir dachten, das geht acht Wochen, und dann ist wieder Normalbetrieb.“ Elke Schilling hofft, dass nach den Sommerferien der Normalbetrieb wieder aufgenommen werden könnte. „Wenn sich die Pandemie nicht wieder ausbreitet.“ In diesem Fall würde das Diana Franke auch befürworten, Elke Schilling ist dann schon in den Ruhestand gegangen. „Wir hatten Glück, dass alle Kollegen durchgehalten haben, auch die Risikogruppen.“

Einen Vorteil hatte die Situation. „Man hat mehr Zeit für die Kinder“, sagt Diana Franke. „Man kann sich besser um die Einzelnen kümmern.“ Andererseits sei die Elternarbeit zu kurz gekommen.

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