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In der Zeitung erschienen

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Verein muss nachträglichen Bauantrag für Konzertraum stellen

Freitag, den 8. Juni 2018
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Probleme nach Anzeige von offizieller Seite – Schwantener veranstalten Klassik-Events vorübergehend im Schloss – Umwidmung geht in die Finanzen

MAZ Oberhavel, 8.6.2018

Schwante.
Die Konzerte des Musik- und Theatervereins Oberhavel (MTO) in Schwante sind etabliert. Nun allerdings können sie nicht mehr auf dem Gelände Am Wasserturm 2 stattfinden, sondern sind ins benachbarte Schloss ausgelagert. Das nächste Mal am kommenden Sonnabend um 17 Uhr.

Das Problem: Das Gebäude ist nur als Wohnhaus gemeldet und nicht als Konzertspielstätte. „Man könnte sagen, wir haben unsere Konzerte dort illegal gegeben“, sagt Jochen Wermann. Von offizieller Seite sei eine Anzeige erstattet worden, das hatte Jochen Wermann nach Akteneinsicht herausgefunden. „Wir müssen nun einen Antrag auf Umnutzung der Gebäude stellen.“ Er sei davon ausgegangen, dass ein gemeinnütziger Verein auch so die Konzerte dort geben könne. Mehrere Jahre ist das auch gut gegangen – auch von offizieller Seite hat man die Füße still gehalten. Bis vor ein paar Wochen.

Ausschlaggebend war offenbar der Disput um die Zuwendungen der Gemeinde Oberkrämer an die dort ansässigen Vereine. Weil der MTO zwar seinen Sitz in Oberkrämer hat und auch vor allem in Sachen musikalische Bildung für Oberkrämer-Kinder agiert, ist in der Vereinssatzung von „Oberhavel“ die Rede. Für die Gruppe „Bürger für Oberkrämer“ (BfO) war das in der Gemeindevertretung der Anlass die finanzielle Unterstützung, die fast alle anderen Vereine bekommen, hier zu verwehren. Der MTO wird nun seine Satzung anpassen, das „O“ steht nicht mehr für Oberhavel, sondern für Oberkrämer.

Der Bauantrag, der wegen der nachträglichen Umnutzung eingereicht werden muss, wird allerdings teuer. „Wir haben überlegt, unsere Aktivitäten hier ganz einzustellen“, gibt Jochen Wermann zu. „Dann kamen aber sehr viele Leute auf uns zu, die uns gesagt haben, wir wollen hier weitermachen.“ Aber die 5000 bis 10 000 Euro, die so ein Antrag insgesamt kosten kann, die habe der Verein nicht. „Zur Rettung des MTO werden wir einen Förderkreis gründen, dem man beitreten kann“, sagt Jochen Wermann. Er hofft, dass das Problem bis Ende des Jahres gelöst werden könne. Ob dazu auch am Veranstaltungsraum bauliche Veränderungen getroffen werden müssten, sei unklar. „An sich könnte es vielleicht um zwei Feuerlöscher gehen.“ An sich sehe er da wenig Probleme.
In der Verwaltung in Oberkrämer hat Jochen Wermann gemeinsam mit Bürgermeister Peter Leys und Bauamtsleiter Dirk Eger die Pläne studiert. „Von Seiten der Gemeinde gibt es wohl keine Schwierigkeiten“, so der Neu-Schwantener. Auch mit der Unteren Baubehörde in Oranienburg habe es schon gute Gespräche gegeben. Klar sei aber auch, dass eine Ablehnung der Anträge dazu führen könne, den Verein „an die Wand zu fahren“, wie Jochen Wermann es ausdrückt.

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Einheimisch wird er wohl erst mit 100

Donnerstag, den 7. Juni 2018
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Der Beetzer Andreas Dalibor feiert heute seinen 60. Geburtstag – zum Jubiläum denkt er auch über seine Zukunft nach

MAZ Oberhavel, 7.6.2018

Beetz.
Er ist Liedermacher, Theaterchef, Sozialarbeiter und Lokalpolitiker. Andreas Dalibor ist ein besonders umtriebiger Mensch. Heute feiert er seinen 60. Geburtstag.
24 Jahre ist es her, dass er aus Berlin nach Beetz zog. Er fühlt sich dort sehr wohl als Beetzer, als Kremmener. Einheimischer ist er aus Sicht der Alteingesessenen aber nicht, denkt er. „Wenn ich 100 werde, dann werde ich Kremmener sein. Im Augenblick bin ich noch Zugereister“, sagt er.

Die meisten Menschen kennen ihn als Chef des Theaters „Tiefste Provinz“ im Scheunenviertel. „Eigentlich sollte der Raum bloß ein Übungsraum für meine Band sein“, erzählt er. Um Fördermittel zu bekommen, ist ihm dann aber geraten worden, etwas Öffentliches daraus zu machen. Er ließ eine Bühne reinbauen, und schon war das Theater 2006 geboren. Dass es „Tiefste Provinz“ heißt – das fanden anfangs nicht alle Kremmener lustig.

Andreas Dalibor ist eigentlich Diplom-Sozialarbeiter und -pädagoge. Studiert hat er an der Evangelischen Fachhochschule in Berlin. Probiert hatte er damals vieles: ein paar Semester Archäologie, Erziehungswissenschaften, Musik und Kunst auf Lehramt. Kurz vor der Prüfung hörte er auf. Er wollte nicht zum Establishment gehören. „Mittlerweile sage ich, hätte ich weiter machen sollen. Aber die Erkenntnis kommt ja immer später.“ Danach ging er auf die Sozialarbeiterschule – und legte die Prüfung dort ab.
Inzwischen leitet er eine Erziehungswohngruppe in Beetz. Er betreut Jugendliche zwischen zehn und 18 Jahren, die oftmals Pech mit der Familie hatten. „Viele Sachen können wir lösen, manche lösen die Zeit, andere lösen wir mit Therapien oder auch nur damit, ein anderes Leben vorzuführen.“ Mist bauen komme durch Langeweile – oft würden Dinge passieren, wenn die Jungs nichts mit sich anzufangen wüssten. Dem will er entgegen steuern. Es gehe darum, Verantwortung zu übertragen, den Kindern Aufgaben und ein Zuhause zu geben.

Er macht das nicht anders. Er will etwas bewegen, auch politisch. Für die SPD sitzt er im Kreistag. Früher – noch vor der Wende – waren es eher die Grünen, die ihn begeisterten. „Das war damals die Aufbruchstimmung. Die hatten mal andere Ziele.“ Aber Willy Brandt war ein Typ, der ihn faszinierte. „Der war ein Beweggrund, dass ich gesagt habe, ich schließe mich der SPD an. Dass die leider nicht mehr das ist, aber hoffentlich das wird, was sie mal war, das ist mir klar. Aber das ist immer noch eine Partei, die viel Soziales in sich trägt.“

Schon immer eine Rolle gespielt in seinem Leben hat die Musik. Gerade ist das zweite Album von „Dalibors Roadshow“ veröffentlicht worden. Davor war er als Liedermacher solo unterwegs und spielte in der eigenen Bertha-Panislowsky-Band. Er ist großer Fan von Ton Steine Scherben und Rio Reiser.
Der 60. Geburtstag ist nicht direkt eine Zäsur – aber schon die Gelegenheit, über die Zukunft nachzudenken. Irgendwann soll sein Engagement in der Wohngruppe enden, er will sich noch mal neu umsehen – und mehr Zeit haben für das Theater und die „Kombüse 11“ nebenan.

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Resist to Exist: Festival findet statt – stand aber auf der Kippe

Mittwoch, den 6. Juni 2018
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Vom 3. bis 5. August findet in Kremmen wieder das Punkfestival „Resist to Exist“ statt. Spätestens nach dieser Auflage müssen sich die Veranstalter aber über einen Bebauungsplan für die Festwiese Gedanken machen.

MAZ-online Oberhavel, 5.6.2018

Flatow.
Zum dritten Mal findet Anfang August in Kremmen das Punk-Festival „Resist to Exist“ statt. Das war in den vergangenen Wochen nicht sicher, zwischenzeitlich stand es auf der Kippe. „Aufgrund der Tatsache, dass das Festival nun offensichtlich regelmäßig, nämlich jährlich stattfinden soll, bedarf es einer Baugenehmigung“, sagte Irina Schmidt, die Pressesprecherin im Landratsamt, am Dienstag. Dafür wiederum müsse ein Bebauungsplan aufgestellt werden.

Warum dies erst jetzt ein Thema sei, beantwortet Irina Schmidt so: „Da bisher nicht klar war, ob das Festival eine regelmäßig wiederkehrende Veranstaltung ist, hat sich die Frage der Genehmigungsfähigkeit bislang nicht gestellt.“ Allerdings hatte der Veranstalter bereits im vergangenen Jahr verkündet, die Wiese auch in den nächsten Jahren mieten zu wollen. Dafür ist auch im Sommer 2017 ein entsprechender Vertrag mit dem Besitzer der Flächen abgeschlossen worden.

Am 30. Mai gab es ein Treffen mit Vertretern der Bauaufsichtsbehörde und den Festivalorganisatoren im Oranienburger Landratsamt. Ergebnis: In diesem Jahr kann „Resist to Exist“ stattfinden. Die untere Bauaufsichtsbehörde gehe in diesem Jahr „unter Zurückstellung erheblicher Bedenken von einer Baugenehmigungsfreiheit aus“, so Irina Schmidt. „Während des Gesprächs wurde aber unmissverständlich darauf hingewiesen, dass zur Durchführung des Festivals im nächsten Jahr eine Baugenehmigung erforderlich sein wird. Es müsste also unverzüglich mit der Aufstellung eines entsprechenden Bebauungsplans begonnen werden.“
Im Verlaufe des Gesprächs habe sich zudem herausgestellt, dass all diese Informationen für die Veranstalter nicht neu waren, so Irina Schmidt. Auch in Berlin, wo das Festival in den Jahren zuvor stattfand, bedurfte es – den Angaben der Veranstalter zufolge – zu seiner Durchführung stets einer Baugenehmigung. Auch sei den Veranstaltern bewusst gewesen, dass sich eine Baugenehmigungspflicht erst dann ergebe, wenn die Veranstaltung mit einer gewissen Regelmäßigkeit stattfinde.

Dass ein Bebauungsplan aufgestellt werde, müsse vom Veranstalter ausgehen, sagte Kremmens Bürgermeister Sebastian Busse (CDU) am Dienstag. Danach müssten die Stadtverordneten darüber sprechen. Er stellte klar, dass er sich nicht gegen das Festival in Kremmen gewehrt habe. Allerdings frage er sich, ob das Event für Kremmen einen wirtschaftlichen Nutzen habe. Er sehe den nicht. „Aber viele freut es“, sagte der Bürgermeister außerdem. Und wenn sich die Festivalbesucher vernünftig verhalten würden, dann sei das Event für Kremmen kein Problem.
Tatsächlich gab es im vergangenen Jahr kaum Schwierigkeiten. 2500 Besucher kamen zum Festival. Einige Anwohner beschwerten sich über vermehrten Müll oder Lärm. Probleme gab es zwischenzeitlich im örtlichen Supermarkt mit den Pfandautomaten.

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Feuerwehr-Zoff wird beigelegt

Freitag, den 1. Juni 2018
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Mehrere Austritte – Flatower arbeiten künftig noch enger mit den Staffeldern zusammen

MAZ Oberhavel, 1.6.2018

Flatow.
Es muss ordentlich geknallt haben bei der Flatower Feuerwehr. Gebrodelt hatte es offenbar schon ziemlich lange. Mehrere Mitglieder sind ausgetreten, darunter Löschzugführer Enrico Hamann. Bei Bürgermeister Sebastian Busse (CDU) hatte es zuvor mehrere Sitzungen gegeben, bei denen Streitigkeiten geschlichtet werden sollten. Beim Osterfeuer Ende März kam es dann zu einem Zwischenfall, bei dem ein Feuerwehrmann schließlich das Feuer plötzlich mit Wasser gelöscht und einige Besucher nass gespritzt hat. Von ordentlichem Zoff ist da die Rede, und im Schaukasten vor dem Gemeindezentrum hängt heute noch eine schriftliche Entschuldigung dafür an alle Flatower. Stadtbrandmeister Gerd Lerche sprach am Donnerstag von einem „ungeschickten Verhalten“.

So ging es jedenfalls nicht weiter – auch in Hinblick auf die Tagesbereitschaft der Feuerwehr. Am Mittwochabend war das ein heiß diskutiertes Thema im Ortsbeirat. Offenbar stand in dem Streit auch Ortsvorsteher Gert Dietrich unter Beschuss, der wohl in diesem Zuge vor einiger Zeit schon die Auflösung der Flatower Wehr ins Gespräch gebracht hatte – was ihm übel genommen worden ist. Am Mittwochabend sagte er: „Die Feuerwehr sollte bleiben, aber der Unruheherd sollte raus.“ So weit wird es auch nicht kommen, wie im Ortsbeirat beteuert worden ist. Allerdings wird die Leitung der Flatower Wehr demnächst von Staffelde aus erfolgen. Die Kremmener planen, Ortswehrführer John Wehden auch die Verantwortung für Flatow zu übertragen. Bislang war er einer der Stellvertreter. Heißt: Die Feuerwache an der Hauptstraße in Flatow bleibt bestehen – im Alarmfall werden aber sowohl Staffelde als auch Flatow informiert und gerufen. Was allerdings auch nicht ganz neu ist. Schon seit 2009 bilden Staffelde/Groß-Ziethen und Flatow den Kremmener Löschzug 3. „Wir klauen keinem was, aber wir wollen effektiv arbeiten“, so Stadtbrandmeister Gerd Lerche.
Schlösser wurden ausgetauscht

Die Einsatzbereitschaft sei gegeben, sagte Bürgermeister Busse. Allein in Flatow gebe es zehn aktive und ausgebildete Kameraden, der gesamte Löschzug 3 habe 40 Aktive. „Wenn dann am Tage 20 davon da sind, dann sind wir gut.“ Dennoch sehen Anwohner Probleme. So sei es schon vorgekommen, dass vier Kameraden am Depot gestanden hätten, aber nicht rein kamen. „Kein Schlüssel, kein Maschinist, Flatow ist ein Nichts, so kann das nicht weiter gehen“, so der Anwohner. Dem widersprach der Bürgermeister, aber er merkte auch an: „Wir haben die Schlösser ausgetauscht, nachdem dort Schindluder getrieben worden ist“, sagte Sebastian Busse.
Er gehe zudem davon aus, dass einige der Feuerwehrleute, die ausgetreten sind, irgendwann wieder dazu kommen. „Aber das braucht wahrscheinlich noch ein bisschen Zeit.“ Der Standort der Flatower Wehr sei in jedem Fall für die kommenden Jahre gesichert. Auch das kündigte der Bürgermeister im Ortsbeirat an. Der Pachtvertrag für die Nutzungsverlängerung des Hauses werde unterschrieben, außerdem solle gemalert werden. Und wenn es um Veranstaltungen im Dorf gehe, dann werde auch die Feuerwehr in Zukunft wieder mitmischen, so hieß es am Mittwochabend.

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Nach 73 Jahren wieder in Beetz

Donnerstag, den 31. Mai 2018
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1945 auf dem heutigen Schulgelände: Karl Dieter Euler kehrt an seinen Geburtsort zurück

MAZ Oranienburg, 31.5.2017

Beetz.
Die Treppe sieht aus wie auf dem Foto. Die Türen sind auch noch original. Karl Dieter Euler läuft durch die Räume der alten Grundschule in Beetz. Da, wo heute Kinder unterrichtet werden, da ist er geboren und getauft worden. Das war 1945. Nach 73 Jahren kehrt der Mann nun an seine Geburtsstätte zurück. „Schön, nach Hause zu kommen“, sagt er.

Genau genommen kennt Karl Dieter Euler Beetz nur von Bildern und aus Erzählungen. Am 9. Februar 1945 ist er in „Beetz/Osthavelland“ geboren worden – im Nebengebäude der heutigen Grundschule. 1944 ist seine Familie in einer größeren Gruppe aus Bonn in die Gegend gezogen. „Da ist es ruhiger und sicherer“, hieß es damals. Viele von ihnen lebten auf Bauernhöfen im Ort – und auch auf dem Gutshof der Familie von Quast, auf dem sich nun die Schule befindet.
Als aber der Krieg zu Ende ging und die Russen in Richtung Berlin marschierten, wurde es auch in Beetz wieder unsicher. Der Tross entschied sich, wieder zurück in Richtung Westen zu laufen. Karl Dieter Euler verließ Beetz, da war er gerade mal zweieinhalb Monate alt. Seitdem kam er nie wieder zurück. Beetz/Osthavelland steht aber natürlich seitdem in allen seinen Ausweisen. Was in Zeiten des geteilten Deutschlands nicht immer einfach war. Er durfte beispielsweise von seinem Wohnort Bonn immer nur mit dem Flieger nach West-Berlin einreisen, nicht mit dem Transitzug durch die DDR. Auch in Momenten, in denen er seinen Dienstausweis zeigen musste, gab es immer wieder kritische Nachfragen wegen des im Osten liegenden Ortes. Man hielt ihn, den Beamten bei der Post, immer für einen ehemaligen Bewohner der Ostzone.

Der Drang, mal nach Beetz zurückzukehren, der war schon lange da. Nun hat sein Sohn Jan alles recherchiert und alles organisiert. Jetzt stehen sie also da – Karl Dieter Euler, seine Frau Gertrud und sein Sohn Jan – und für einen Moment schweigt der 73-Jährige, schmunzelt dann aber auch. „So ein bisschen bin ich schon emotional“, sagt er. „Meine Mutter sprach immer nur von einem Schloss. Da hat sie wohl übertrieben.“ Ansonsten erkennt er vieles von dem, was er auf Bildern gesehen hat, wieder.
Zu Hause warten sie schon auf erste Fotos, immer wieder gibt es Anrufe aus Bonn auf dem Handy, um erste Erfahrungsberichte einzuholen. Es werden Fotos gemacht. Schon vorhin, am Ortsschild, an der Straßenkarte im Ortskern, und jetzt im Gebäude auf dem ehemaligen Gutshof. Für die dort arbeitenden Lehrer ist das übrigens nichts Neues. Immer mal wieder schauen ehemalige Schüler vorbei, um sich in den Räumen umzusehen.
Der Besuch von Karl Dieter Euler war aber dennoch speziell. „Wir hatten einen sehr freundlichen Empfang in der Schule, wurden mit offenen Armen empfangen“, sagt der 73-Jährige. Gleich wollen sie noch einen Rundgang um den Beetzer See machen – allerdings sind sie sich gar nicht sicher, ob die Mutter überhaupt diesen See meinte. „Eigentlich war der eher immer in dieser Richtung“, sagt Karl Dieter Euler und zeigt in Richtung Kremmen. Ob sie vielleicht einen anderen See gemeint hatte, lässt sich nicht mehr rekonstruieren.

Die Eulers wollen sich nun noch Berlin anschauen – in Leipzig, Dresden und Potsdam waren sie schon. Nun auch in Beetz, und in Bonn warten die Freunde und Verwandten schon auf ausführliche Berichte. Bezugnehmend auf die Probleme, die er einst mit „Beetz/Osthavelland“ hatte, sagt er: „Ich bin froh, dass sich der Alptraum darum ein für allemal nun ins Positive überschlägt.“ Seinem Sohn ist er sehr dankbar: „Ohne ihn hätten wir das hier nicht hinbekommen.“

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Vom Anschieber zum ewigen Helden

Mittwoch, den 23. Mai 2018
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Der Bob-Olympiasieger Kevin Kuske stellt sich in der Bötzower Grundschule den Fragen der Kinder – Gespräch ist Teil einer sportlichen Projektwoche

MAZ Oberhavel, 23.5.2018

Bötzow.
Die Kinder der Bötzower Grundschule hatten gestern Vormittag viele Fragen. Vor ihnen saß in der Turnhalle nämlich ein echter Sportstar: Mit vier Gold- und zwei Silbermedaillen ist er Deutschlands erfolgreichster Bobfahrer. Inzwischen hat der 39-Jährige seinen Sport aber aufgegeben – aus Altersgründen. Als Teil der Bötzower Projektwoche „Olympia ruft – mach mit!“ kam er gestern an die Grundschule, um sich den Fragen der Kinder zu stellen.

So erzählte er, dass es untypisch für einen Wintersportler gewesen sei, dass er in Potsdam trainiert habe. „Ich bin leidenschaftlicher Potsdamer und Brandenburger, ich bin nie in eine Wintersportregion gegangen“, erzählte er. Angefangen habe er als Kind in der Leichtathletik, schon mit vier Jahren trieb er regelmäßig Sport. Erst 1999/2000 sei er in den Bobsport gewechselt.
Wie schwer sei es, Bob zu fahren?, wollte ein Schüler wissen. „Schwer!“, antwortete Kevin Kuske. 200 Kilogramm wiege das Gerät. „Da braucht es ganz viele Monate Training.“ Mit mehr als Tempo 100 sei der Bob unterwegs, er war immer der Anschieber.
Wie es sei, Gold zu gewinnen?, so die Frage eines Mädchens. „Das ist das absolute Highlight“, antwortete der Ex-Bobfahrer. „Das ist das Allerschönste.“ Es sei sein Kindheitstraum gewesen, zu den Olympischen Spielen zu fahren. „Der olympische Gedanke war schon als Kind da, der ist zum Glück fünfmal eingetreten.“ Zur finanziellen Förderung des Bobsportes sagte er, dass diese ganz gut sei. „Uns könnte es besser gehen“, aber es sei schwierig, jede Sportart gleich zu fördern.

Auch berichtete Kevin Kuske von seinem neuestem Projekt, das im Herbst ansteht. Er nimmt teil an der vierten Staffel der Reihe „Ewige Helden“ bei Vox, die im Frühjahr 2019 ausgestrahlt werden soll. Darin müssen sich ehemalige Spitzensportler in verschiedenen Sportarten ausprobieren und sich gegenseitig messen lassen. „Dafür bin ich schon jeden Tag im Training“, erzählte er gestern den Kindern in Bötzow.

Wenn Kevin Kuske nicht Bobfahrer geworden wäre – was dann? Das war eine weitere Frage eines Schülers: „Lehrer!“, sagte er scherzhaft. Dann aber ernsthafter: „Vielleicht hätte ich mehr Basketball gespielt.“ Jetzt wolle er aber in den Trainerberuf, das mache ihm Spaß.

„Sehr informativ“, fand Jolina (11) die Fragestunde. „Seine Tattoos habe ich besonders bewundert“, sagte Sophie (12) danach. „Ich finde gut, dass er hergekommen ist.“ Tobias (10) strahlte: „Ich habe ein Autogramm, das ist cool!“ Ein Junge ließ sich sogar ein Autogramm auf seinen Arm geben.

„Ich bin momentan relativ viel in Schulen“, sagte Kevin Kuske später im kurzen MAZ-Gespräch. „Ich finde das immer schön, und die Kinder sind immer ziemlich aufgeregt. Ich gebe auch mal eine Frage zurück.“ Auch Schulleiterin Dorit Steinke war zufrieden. „Die Kinder haben sich die Fragen in Gruppen und auch zu Hause ausgedacht“, erzählte sie. Heute geht die Projektwoche in Bötzow weiter.

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Überflieger: Forschung an Pflanzenzellen wird zum großen Erfolg

Samstag, den 5. Mai 2018
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Michael Wudick aus Grüneberg arbeitet an der University of Maryland – jetzt erscheint ein Artikel von ihm in den USA im renommierten “Science”-Magazin

MAZ Oberhavel, 5.5.2018

Grüneberg.
Das kommt nicht alle Tage vor. Nicht mal alle Jahre, wie Michael Wudick sagt. Der 36-jährige Grüneberger hat geschafft, was nicht sehr vielen Wissenschaftlern vergönnt ist: Am Freitag erschien ein Artikel von ihm im US-Wissenschaftsmagazin „Science“.

Michael Wudick arbeitet seit 2014 als Postdoktorand am Institut für Zellbiologie und Molekulargenetik an der University of Maryland in College Park nahe Washington. Er gehört dort zum Team von Professor José Feijó. Gute sechs Jahre lang haben sie erforscht, wie Pflanzenzellen Glutamat Rezeptor-ähnliche Proteine (GLRs) verwenden, um zelluläre Kommunikationsnetze aufzubauen. Schon als er vorher in Lissabon war, forschte er an diesem Projekt.
Das Team vermutet, dass Pflanzenzellen einen spezifischen Mechanismus nutzen, um die Position von GLRs in der Zelle zu kontrollieren. Michael Wudick untersuchte Cornichon-Proteine, die in früheren Studien mit der Aktivität von Glutamatrezeptoren in Tieren in Verbindung gebracht worden sind. Vermutet wird, dass jede Pflanze zudem ein eigenes Immunsystem habe.

Keine leichte Materie. Sechs Jahre also dauerte das. „Ich sage deshalb immer scherzhaft, dass ich dafür eigentlich einen zweiten Doktortitel bekommen müsste, weil das so in etwa der Zeit einer Doktorarbeit entspricht“, erzählt Michael Wudick. „Ich arbeite aber nicht immer nur an dem einem Projekt, weil ich immer mehrere Projekte parallel laufen habe. Und wenn es bei einem stockt oder man warten muss, dass die Pflanzen wachsen, arbeite ich an dem anderem weiter.
Alle seine Projekte seien recht riskant, weil sie Grundlagenforschung darstellen, „und man da schnell oft Resultate bekommt, die man auf den ersten Blick nicht interpretieren kann.“ Man müsse eine ganze Reihe von weiterführenden Experimenten durchführen, um die ursprüngliche Hypothese zu bestätigen oder zu widerlegen.
„Grundlagenforscher, die dazu noch an Pflanzen forschen, haben es zudem oft doppelt schwer, weil sie gegen das ,Was hat die Menschheit denn davon?’-Stigma ankämpfen müssen“, so der Grüneberger, der inzwischen in Washington lebt, weiter. „Dabei wird oft vergessen, dass der Entwicklung von Medikamenten oder resistenteren Pflanzen jahrelange Grundlagenforschung voraus geht.“
Am Freitag ist das „Science“-Magazin mit seinem Beitrag erschienen. das macht ihn sehr stolz. „Obwohl mir das Prestige, das mit so einem Artikel kommt, gar nicht so bewusst ist“, sagt Michael Wudick. „Ich merke das immer nur, wenn Kollegen unglaubwürdig noch mal nachhaken, ob ich in DEM Science Magazin veröffentlicht habe.“

Er hofft, dass ihm die Veröffentlichung bei seinen weiteren Karriereschritten hilft. „Vor ein paar Jahren wäre eine Veröffentlichung in Journalen wie Science, Nature oder Cell quasi eine Jobgarantie gewesen. Heute ist die Konkurrenz viel größer.“
Michael Wudick machte im Jahr 2000 sein Abitur am Oranienburger Louise-Henriette-Gymnasium. Er studierte danach in Potsdam, promovierte in Montpellier in Frankreich und arbeitete als Naturwissenschaftler in Lissabon in Portugal. Dort begann er mit der Forschung, die nun in „Science“ veröffentlicht worden ist. „Mein Chef ist derselbe. Er hat in Maryland eine Professur bekommen und mich mitgenommen“, erzählt der Grüneberger.

Hierzulande ist Michael Wudick auch bekannt für seine Musicals wie „Zwiebelchen“ oder „Lost and Found“, die in Berlin und Rheinsberg mit Kindern aus der Region aufgeführt werden – dazu kehrt er regelmäßig in seine alte Heimat zurück. Das nächste Mal voraussichtlich Ende Mai.