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In der Zeitung erschienen

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Es ist immer noch laut

Freitag, den 27. November 2020
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Nach dem Ausbau der A 10 und der Errichtung der Lärmschutzwand hat sich am Gärtnereiweg in Neu-Vehlefanz erstaunlich wenig geändert

MAZ Oranienburg, 27.11.2020

Neu-Vehlefanz.
Es ist immer noch laut an der Autobahn. Sehr laut sogar. Und das, obwohl am Gärtnereiweg in Neu-Vehlefanz seit einiger Zeit eine Lärmschutzwand steht.

Die MAZ hat schon mehrfach über Familie Hoffmann berichtet. Seit 1971, mit dem Bau der Autobahn, leben die Hoffmanns in Sichtweite zur Schnellstraße. Bis zum Ausbau des nördlichen Berliner Rings gab es an der Stelle keinen Schutz vor Lärm, Autofahrern sind die beiden Häuser nahe der Fahrbahn aufgefallen – die Häuser sind von der Straße aus nun nicht mehr zu sehen. Aber wirklich was verändert hat sich für die Bewohner offenbar nicht.
„Es ist nicht besser geworden“, sagte Fred Hoffmann bei einem Vor-Ort-Termin am Gärtnereiweg am Donnerstagvormittag. Aus seiner Sicht liegt das nicht nur daran, dass die gesamte Autobahn jetzt gute zwei Meter höher liege. „Wenn wir jetzt aus dem Fenster sehen, dann sehen wir jetzt die Autos vorbeifahren, das war vorher nicht so. Es ist alles angehoben worden.“ Es gibt aber noch einen Grund, dass sich lärmmäßig eigentlich kaum was verändert hat. Weil sich direkt nebenan der Rastplatz Ziethener Luch befindet, endet die Lärmschutzwand vor der Ausfahrt des Platzes. Heißt: Hoffmanns können nicht nur weiter auf die Autobahn schauen, sie bekommen auch nach wie vor den kompletten Lärm ab. „Wenn der Wind aus Richtung Eichstädt kommt, ist es besonders schlimm“, sagt Fred Hoffmann. Besser wäre es aus seiner Sicht gewesen, wenn die Schutzwand an der Stelle abgeknickt wäre, so dass sie auch zwischen den Grundstücken und dem Rastplatz gestanden hätte.

Fred Hoffmann ist von der Wirkung der Wand enttäuscht. Im benachbarten Klein-Ziethen soll sich die Lärmsituation allerdings ein wenig verbessert haben. In einem MAZ-Gespräch mit Ortsvorsteher Peter Gerlach hatte der sich allerdings auch eher skeptisch geäußert. Es gebe dazu unterschiedliche Meldungen der Einwohner.
„Am ruhigsten war es, als hier auf der Autobahn die Baustelle war“, erinnert sich Fred Hoffmann. Allerdings sei diese Zeit auch durch die vielen Baufahrzeuge belastend gewesen, die den unbefestigten Gärtnereiweg genutzt haben. „Der Weg ist jetzt viel breiter als vorher“, sagte der Neu-Vehlefanzer. Der Weg ist löchrig und schwer befahrbar. „Das werde ich mir nicht gefallen lassen, da vermisse ich ein Zutun von unserer Gemeindeverwaltung.“ Einfach nur wieder die Löcher zu füllen, reiche nicht. Zudem sei die Straße im Sommer bei Trockenheit extrem staubig.

Die Hoffmanns denken darüber nach, noch einmal ein Lärmgutachten erstellen zu lassen. „Wir wollen aber erst mal noch den nächsten Sommer abwarten.“ Mit dem Rastplatz an sich gebe es aber bislang keine Lärmprobleme – eher aber ein Geruchsproblem, wenn nachts die Motoren für die Heizungen laufen.
Weniger Lärmprobleme gibt es übrigens jetzt am Wendemarker Weg in Bärenklau. Da hat die Lärmschutzwand – die allerdings dort nicht unterbrochen wird – eine höhere Wirkung. Der Lärmpegel ist dort deutlich zurückgegangen.

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Interview der Woche: Prince Charming ist nicht sein Typ

Dienstag, den 24. November 2020
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Adrian Sarac (25) aus Mühlenbeck ist zwar bei der Datingshow ausgeschieden, aber trotzdem glücklich

MAZ Oberhavel, 24.11.2020

Mühlenbeck.
Der 25-jährige Adrian Sarac war einer von 20 Männern, die in der Datingshow „Prince Charming“ auf TV Now und Vox um die große Liebe von Alexander Schäfer buhlten. In Folge 5, die am Montagabend bei Vox lief, ist der in Mühlenbeck aufgewachsene Adrian ausgeschieden. Er musste am Ende seine Krawatte abgeben.

Bist du enttäuscht gewesen?
Adrian Sarac: Klar ist man ein bisschen desillusioniert, wenn man gehen muss. Ich muss aber sagen, dass meine Enttäuschung nicht darin liegt, dass ich meine große Liebe nicht gefunden habe, sondern dass ich mich von der Gruppe im Haus trennen musste.

Ich hatte den Eindruck, dass du kaum stattgefunden hast.
Wahrscheinlich war ich nicht ordinär genug. Vielleicht war ich auch den Redakteuren gegenüber zu diplomatisch und haben es ihnen zu schwer gemacht, mir Böses zu entlocken.

Was haben wir denn von dir durch den Schnitt verpasst?
Ich würde sagen, dass ich auch sehr schöne Messages und Botschaften an die Welt adressiert habe. Es ging mir ja um die Problematik, die viele türkische Homosexuelle haben.

Ist das heutzutage immer noch ein Problem?
Auf jeden Fall! Ich weiß ja, wie es bei den anderen läuft, ich stehe ja auch im Austausch mit türkischen Homosexuellen und mit vielen schwulen Muslimen. Ich bin nicht religiös, aber ich habe viele Berührungspunkte mit der Szene. Ich möchte, dass sie eine gewisse Sichtbarkeit bekommen. Viele wissen nicht, was es heißt, Türke und schwul zu sein.

Was heißt es denn?
Das heißt, dass man automatisch an den Pranger gestellt wird. Meine Eltern haben eine gute Intuition und merken, in welche Richtung sich ihr Kind entwickelt. Bei anderen wird es totgeschwiegen und nicht thematisiert. Außer, du bringst es selbst zur Sprache. In vielen Familien ist es so, dass du Drohungen bekommst und du musst in Kauf nehmen, deine Familie zu verlieren.

Wie ist es bei dir?
Bei mir war es entspannter, da ich ja auch nur Halbtürke bin, habe ich auch deutsche Einflüsse. Deshalb zog mein Vater ganz gut mit. Aber ich weiß, dass es bei anderen ganz anders aussieht.

Seit wann war klar, dass du bei der zweiten Staffel von „Prince Charming“ dabei bist?
Beworben habe ich mich im Januar, Mitte März kam die Zusage. Eigentlich sollte es Ende April losgehen, das hat dann aber wegen der Pandemie nicht geklappt. Gedreht wurde dann erst im August auf Kreta.

Und wie hast du dich vorbereitet?
Ab Ende Juli habe ich mir Gedanken gemacht. Man weiß ja, was man so alles gefragt wird. So Fragen wie: Wie war dein Outing? Obwohl ich ja der Meinung bin, dass ein Outing eigentlich nicht mehr vonstatten gehen müsste. Ich habe mich aber auch mit viel Sport vorbereitet. Ich wollte Vorreiter sein mit meinem Körper.

Was hast du gedacht, als du das erste Mal Alex, den „Prince Charming“, gesehen hast?
Ich dachte mir: ein lieber, netter Mann. Ich fand es schön, dass er auch so ein bisschen eingeschüchtert war. Das hat ihn nahbar gemacht. Er war allerdings nicht mein Typ. Was aber auch nichts zu heißen hat, mein Ex-Freund war anfangs auch nicht mein Typ. Aber ich war neugierig auf ihn.

Was war der schönste Moment beim Dreh auf Kreta?
Wo wir in Folge 3 alle zusammen Party gemacht haben. Wir standen ja deutlich unter Musikentzug. Aber es war ein toller Moment, wo wir alle tanzten, und auch, dass wir über Community-relevante Dinge gesprochen haben. Wir hatten Botschaften an die Menschen da draußen, das war ein intimer Moment. Leider hat man vieles davon nicht sehen können.

Es gibt Kritik am Schnitt.
Ich muss sagen, dass ich den Schnitt etwas gewöhnungsbedürftig finde, etwas überradikalisiert. Viele Zusammenhänge wurden nur oberflächlich angeschnitten, vieles wurde nicht zu Ende erzählt. Das macht es den Zuschauern schwer, in die Staffel reinzukommen. Viele schöne Szenen wurden komplett weggelassen. Botschaften und Messages wurden hintenan gestellt, das ist vielleicht ein bisschen missglückt.

Wie ist es für dich, plötzlich mehr Aufmerksamkeit zu bekommen?
Auf Instagram hatte ich vorher gut 8000 Follower, jetzt sind es knapp 11 000. Der eine oder andere hatte da durchaus mehr Resonanz. Aber ich muss auch sagen, dass ich da manchmal noch überfordert bin. Manchmal habe ich mehr als 100 Anfragen, zum Teil machen sich die Leute ganz viel Mühe, schreiben ganz lange Texte, erstellen Fanseiten. Das finde ich zwar schön, aber ich würde so was niemals machen, da bin ich nicht der Typ für. Also damit komme ich kaum hinterher. Ich bin ja immer noch Student, arbeite in Teilzeit, und in dieser Woche fange ich an, für ein paar Dinge Werbung zu machen.

Wenn schon nicht in den Prinzen, hast du dich ansonsten verliebt in der Show?
Verlieben, nein. Aber ich habe Leute kennengelernt, die ich sympathisch finde und mit denen ich teilweise noch im Austausch bin. Ich bin da vorsichtig, ich brauche lange, bis ich eine Freundschaft entwickele. Aber es gibt da Leute, die definitiv das Potenzial dazu haben. Ich suche auch nicht die große Liebe, das habe ich ja auch in der Show gesagt. Weil ich das doof finde, verkrampft nach der „großen Liebe“ zu suchen. Man sollte aber für die Liebe bereit sein. Sollte es der Fall sein, dass ich beim Einkaufen jemanden treffe und eine gewisse Chemie da ist, bin ich der letzte, der das verwehrt.

Wie ist es, sich selbst im Fernsehen zu beobachten?
Schrecklich! Ich kriege da immer eine Art Schamgefühl. Man sieht sich da gestikulieren. Es ist ungewohnt. Man muss sich da echt dran gewöhnen.

Und wirst du auf der Straße erkannt?
Ich arbeite ja Teilzeit beim Bäcker, da kommt das schon mal vor. Neulich war ich in einem Shop, da trug ich Maske und Basecap, es waren außer mir noch zwei Leute da, und genau die haben mich angesprochen.

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Morgens gibt’s Hackepeter-Brötchen

Donnerstag, den 12. November 2020
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Jörg Schönborn betreibt im Eichstädter Gewerbegebiet eine Kantine mit altdeutscher Küche

MAZ Oranienburg, 12.11.2020

Eichstädt.
Donnerstag ist Schnitzeltag. „Da ist hier am meisten los“, sagt Jörg Schönborn. In dieser Woche steht das Hamburger Schnitzel mit Spiegelei auf dem Plan, dazu Mischgemüse und Salzkartoffeln. Seit fast neun Jahren gibt es nun schon „Jörgs Kantine“ im Eichstädter Gewerbegebiet, und der 52-Jährige ist bekannt für seine altdeutsche Küche.
Jeden Tag stehen zwei Tagesgerichte auf der Karte. Montags gibt es Eintopf, dienstags Hähnchen, mittwochs Nudeln, donnerstags Schnitzel, freitags Fisch – allerdings jeden Tag auch zusätzlich ein weiteres Gericht. So gab es am Montag neben dem Linseneintopf auch eine Boulette mit Porreegemüse und Salzkartoffeln. „Die Idee war immer gewesen, dass man für einen schmalen Taler vernünftig essen kann – und keine Tiefkühlkost“, sagt der Veltener.

Jörg Schönborn ist gelernter Koch, seinen Beruf lernte er noch zu DDR-Zeiten bei der Handelsorganisation (HO). Nach der zweijährigen Lehre arbeitete er im Oranienburger Gesellschaftshaus, im Melniker Hof, im Hubertus und im Briesekrug. „Aber nach der Wende wollte keiner mehr Köche.“ Er sattelte um auf den Malerberuf. Als er dann aber vor zehn Jahren von einem Freund angesprochen wurde, dass in Eichstädt eine Kantine frei sei, „habe ich es probiert“, erzählt er. Ein gutes Jahr betrieb er eine kleine Kantine an anderer Stelle im Gewerbegebiet, bevor er an seinen heutigen Standort wechselte. „Ich habe meine Kunden mitgenommen“, sagt er und schmunzelt.

Sein Tag beginnt morgens um 4.45 Uhr. Bei Bäcker Hübsch in Velten holt er die Brötchen. Die werden geschmiert und Kaffee wird auch gekocht. „Die meisten nehmen das Frühstück mit“, sagt Jörg Schönborn. Die Klassiker: Bockwurst und Hackepeter-Brötchen. „Die Leute wollen was Handfestes.“ Frühstück gibt es bis halb elf. „Die Brötchen sind da aber meistens schon alle.“ Gekocht wird zwischendurch. „Ich koche jeden Tag frisch“, so der Kantinenchef. Wer keines der Tagesgerichte möchte, bekommt auch Currywurst, Pommes, Kartoffelsalat, einen „Strammen Max“, Leberkäse und mehr. „Alle 14 Tage mache ich Burger, der kommt auch immer gut an.“ Auch außerhalb der Pandemie: „Wir liefern auch aus“, sagt Jörg Schönborn. „Vor allem für unsere Rentner im Ort.“ Aber auch die Gemeindeverwaltung gehört zu seinen Kunden, ebenso wie viele der Betriebe im Eichstädter Gewerbegebiet.

Die Kantine in der Gewerbestraße 5 ist montags bis freitags ab 7.30 Uhr geöffnet – zumindest offiziell, denn auch um 6 Uhr können Kunden schon kommen, um belegte Brötchen und Kaffee zu holen. Mittagessen gibt es ab 11.30 Uhr, um 14.30 Uhr wird die Kantine geschlossen. „Ich arbeite zwölf bis 14 Stunden am Tag“, sagt Jörg Schönborn. „Man muss das schon wollen.“ Aber es macht ihm Spaß. „Sonst würde ich es ja nicht machen.“ Er freut sich, wenn die Kunden alles aufessen und rufen: „Jockel, hat gut geschmeckt!“

Die Pandemie macht aber auch „Jörgs Kantine“ zu schaffen. „Viele Firmen sind in Kurzarbeit.“ So kommen momentan zu ihm gut die Hälfte Kunden weniger. „Ich hoffe, das wird wieder besser“, sagt er.

Kontakt zu „Jörgs Kantine“ und Bestellungen sind möglich unter 0152/09 88 98 66.

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Zwei Schulanbauten sind nicht machbar

Samstag, den 24. Oktober 2020
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Kremmens Bürgermeister Sebastian Busse über neue Wohnungen und weitere aktuelle Themen

MAZ Oberhavel, 24.10.2020

Kremmen.
In der Reihe „MAZ zu Hause in Kremmen“ äußert sich Bürgermeister Sebastian Busse (CDU) zu den aktuellen Themen aus der Stadt.

Lässt sich das Rathaus auch aus dem Homeoffice leiten?
Sebastian Busse: Ja, ganz klar. Aber ich war nicht viel im Homeoffice. Gerade mal vor 14 Tagen nach dem Treffen mit dem Landrat und der folgenden Meldung, dass er positiv auf Corona getestet wurde. Bis mein Testergebnis da war, blieb ich, aus reiner Vorsicht, zu Hause. Ich bin gut vernetzt. Ich habe ein mobiles Gerät, mit dem ich Zugriff auf meinen Rechner im Rathaus habe.

Wie wird momentan, während der Pandemie, im Rathaus gearbeitet?
Unser Rathaus ist seit März nicht geöffnet wie normalerweise. Die Türen sind verschlossen. Aber jeder, der ins Amt muss, bekommt auch einen Termin. Für die Mitarbeiter ist es ein koordinierteres Arbeiten, und es muss keiner mehr warten, es ist für jeden besser planbar. Ich glaube, das werden wir so beibehalten, es gibt dazu wenig Negatives. Wir haben für die Mitarbeiter aber auch Homeoffice-Arbeitsplätze eingerichtet.

Viele Feste fallen aus. Was ist mit dem Kremmener Weihnachtsmarkt?
Das ist ja eine Veranstaltung des Scheunenviertelvereins. Meine Kenntnis ist, dass keine weiteren Schritte dafür eingeleitet werden. Es soll aber am 3. Advent einen Trödelmarkt im Scheunenviertel geben.

Könnte ein trauriger Advent werden.
Vielleicht wird es ja wenigstens ein weißer Advent. Und es kommt ja nicht alles ganz plötzlich, den Sommer haben wir genießen können. Jetzt müssen wir uns einfach noch mal gedulden. Und ich denke, dass man trotzdem Adventsspaziergänge machen und gemütlich in der Gaststätte den Gänsebraten genießen kann.

Das Kremmener Asylbewerberheim ist leergezogen. Kommt der Umbau zu Wohnungen voran?
Wir sind am ersten Haus zu 90 Prozent fertig, beim zweiten sind wir dabei. Diese Häuser wollen wir Anfang November für einen „Tag der offenen Tür“ zur Verfügung stellen. Wir werden dort 34 Wohnungen und eine Arztpraxis an den Start bringen. Die Baufirmen sind zum größten Teil beauftragt. Ich habe die Hoffnung, dass wir im Februar komplett fertig sind. Es wird drei Wohnungstypen geben, zwischen 55 und 63 Quadratmeter.

Könnte dann das Wohnungsproblem in Kremmen gelöst sein?
Oberhavel insgesamt hat ein Wohnungsproblem. Ich kenne keine Kommune, die sagt, wir haben Leerstand. Ich denke, die Wohnungen können innerhalb eines Vierteljahres vermietet werden, es stehen schon viele Leute auf der Warteliste. Ich denke auch, dass sich viele Neu-Kremmener ansiedeln werden.

Kremmen braucht ein neues Feuerwehr-Depot. Ein erster Entwurf sah Baukosten um die vier Millionen Euro vor. Da muss noch mal nachgesteuert werden, hieß es im jüngsten Bauausschuss. Wie weit sind da die Gespräche?
Wir haben mit der Planerin eine Veränderungsliste erstellt. Wir erwarten jetzt eine neue Planung mit einem abgespeckten Gebäude. Ich habe die große Hoffnung, dass wir unter die vier Millionen Euro kommen. Es steht auch eine neue Förderrichtlinie vor der Tür, die aber noch beschlossen werden muss. Die Förderung könnte sich auf eine Million Euro beziffern.

Im Bauausschuss wollte der Vorsitzende Ricky Schlichting eine neue Diskussion über den Standort an der Straße der Einheit. Hat Sie das gewundert?
Sehr. Es ist ganz klar, diese Diskussion führen wir nicht noch mal. Nicht nach der Arbeit, die wir jetzt geleistet haben, und nach dem Grundstückskauf am Schlossdamm. Das Thema ist vom Tisch.

Es gibt noch keinen Zeitplan für den Anbau an der Goetheschule. Jetzt soll noch mal der Bedarf ermittelt werden. War nicht schon klar, wie hoch der Bedarf sein wird?
Es gibt den Bedarf für zwei Räume im jetzigen Schuljahr an der Grundschule, 2021/22 brauchen wir zwei weitere Räume für die Oberschule. Aber wenn der Landkreis in der Oberschule statt zwei dann drei Züge haben will, dann muss uns der Landkreis auch bei der Bauphase unterstützen. Deshalb brauche ich auch mehr Daten. Wie weit werden wir uns entwickeln? Das ist auch ein Blick in die Glaskugel, ob das alles so kommt. Wir haben jetzt die Container für die nächsten drei Jahre. Sie sollen am 9. November in Betrieb gehen.

Eigentlich bräuchte auch die Grundschule in Beetz einen Anbau.
Es liegt eine Kostenschätzung dafür vor, sie liegt bei 1,2 Millionen Euro. Der Anbau in Kremmen liegt bei 3,5 Millionen Euro. Es ist klar, dass die Stadt Kremmen das nicht finanzieren kann. Und es ist auch nicht genug Kapazität in der Verwaltung für Planung und Umsetzung da. Kita, Feuerwehr, Brückenbau, Spielplätze, und das Klubhaus wollen wir auch nicht vergessen. Dazu Straßenreparaturen. Das alles schaffen wir mit unserer kleinen Verwaltung nicht. Deshalb gibt es Anfang November ein Treffen mit den Schulleiterinnen, da kommen die Zahlen auf den Tisch, und wir besprechen das weitere Vorgehen.

Sie hatten neulich Besuch von Kremmenerinnen, die für das Klubhaus kämpfen. Wie konnten Sie sich einigen?
Ich habe mich erst mal bei den Frauen bedankt, dass sie den Weg zu mir gesucht haben. Es war ein sehr angenehmes Gespräch. Aber es ist ein schwieriges Objekt. Klar, es wäre schön, den Saal wiederzubeleben. Aber als Festveranstaltungsstätte sehe ich den Saal nicht mehr. Schallschutztechnisch wären zu große Hürden zu nehmen. Vielleicht ein kleines Konzert, aber so was wie früher, wo die Discos stattgefunden haben, wird so nicht mehr möglich sein. Von daher muss man sehen, wie man das Haus nutzen könnte, ich hätte nichts dagegen, wenn ein Kulturverein es nutzt. Wir wollen ein Interessenbekundungsverfahren einleiten, und da können wir auch Wünsche äußern.

Die Situation am Kremmener See ist schwierig. Es gab im Sommer nur wenige Badezeiten. Wie können Sie da eingreifen?
Wir hoffen, dass wir nächstes Jahr eine bessere und vor allem gemeinsame Lösung finden werden. Wir wollen uns noch mal mit dem Eigentümer zusammensetzen, auch mit dem Ortsvorsteher und der Vorsitzenden der Stadtverordneten. Es gibt da auch einiges, was nicht so läuft, wie es vertraglich festgehalten ist. Wir als Stadt werden es uns aber nicht leisten können, sieben Tage einen Bademeister zu stellen.

Insbesondere im Ortsteil Kremmen war die Beteiligung am Bürgerhaushalt in diesem Jahr niedrig. Ist so ein Bürgerhaushalt noch nötig?
In Beetz hat man die Wahl am Sonnabend gemacht, dadurch hatte man einen großen Zulauf. Aber es liegt auch klar am Ortsbeirat und Ortsvorsteher, wie sie sich mit dem Bürgerhaushalt auseinandersetzen. Kremmen hatte die geringste Abstimmungsquote, vielleicht sollte man das gesamte Konstrukt Bürgerhaushalt nochmals überdenken. Aber politisch wird man dagegen sein, wegen der Beteiligung der Bürger. Vielleicht kann der Ortsbeirat auch selbst über die Finanzmittel verfügen. In Oberkrämer werden sie schon wissen, warum sie den Bürgerhaushalt nicht einführen.

Auf das Auto von Neuruppins Bürgermeister Golde ist ein Brandanschlag verübt worden. Kommt man da ins Grübeln?
Ich stehe gerade in der Mitte meiner Amtszeit, ich habe nicht das Gefühl, dass der Ton rauer wird, auch weil wir nicht in einer Wahlkampfsituation sind. Aber das ist schon beängstigend. Das ist kein Dummer-Jungen-Streich, das ist kriminell und lebensgefährlich. Ich wünsche ihm alles Gute.

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Staffeldes historisches Plumpsklo

Donnerstag, den 22. Oktober 2020
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Dorfgeschichte: An der Bergstraße steht ein altes Gebäudeensemble aus dem 19. Jahrhundert

MAZ Oberhavel, 22.10.2020

Staffelde.
Ein Blick durchs Herz in der Holztür. Drinnen ist es dunkel. Helmut Glanzer schüttelt den Kopf: Nichts zu erkennen. Es sind genau acht solcher Holztüren mit einem Herzchen drin, und hinter jeder müsste sich eine Trockentoilette befinden – im Volksmund: Plumpsklo.

Das kleine Gebäude mit den Herzchen in den Türen befindet sich mitten in Staffelde, zwischen der Flatower Straße und der Bergstraße. Es gehört zu einem kleinen Grundstücksensemble, das heute fast schon einen geschichtlichen Wert hat. Helmut Glanzer, der ehemalige Ortsvorsteher von Staffelde, und Ingrid Zache von der Landesgeschichtlichen Vereinigung für die Mark Brandenburg beschäftigen sich seit einiger Zeit intensiv mit der Historie des Dorfes.

Das Gebäudeensemble besteht aus einem Mehrfamilienhaus, dem kleinen Gebäude mit den acht Toiletten und einem größeren Gebäude mit acht Kellern und Abstellräumen im oberen Teil.
Das Mehrfamilienhaus müsste nach 1850 gebaut worden sein, schätzt Ingrid Zache. „Dafür spricht die massive Bauweise.“ Ende des 19. Jahrhunderts war Staffelde die größte Gutswirtschaft des damaligen Kreises Osthavelland. Dafür sind Arbeitskräfte benötigt worden. „Die lockte man mit diesen Maßnahmen an. In dem sie sagten: Ihr kriegt Wohnungen.“ In den Häusern gab es eine Stube, eine Kammer, eine Küche. Damals lebten acht Familien in dem Haus – demzufolge mussten auch acht Toiletten gebaut werden, dazu acht Schuppen. Für beides war im Haus selbst kein Platz, und so entstanden die Nebengebäude, die noch heute in Staffelde zu sehen sind. „Jeder hat seinen kleinen Keller gehabt“, sagt Helmut Glanzer. Dazu führte eine kleine Treppe runter. Hinter der Tür daneben ging es dagegen ein paar Stufen rauf. „Da wurde vermutlich Holz gelagert.“ Der grüne Holzschuppen am Wohnhaus sei erst später dazu gebaut worden.
Die Plumpsklos sind vermutlich seit gut 40 Jahren außer Betrieb, schätzt Helmut Glanzer. „der Anschluss wurde zu DDR-Zeiten gelegt.“

1881 gab es in Staffelde eine neue Gemeindeordnung, berichtet Ingrid Zache. „Darin hieß es, man solle sich um die Armen im Dorf kümmern.“ Das Mehrfamilienhaus an der Bergstraße könnte daraufhin zum „Dorfarmenhaus“ umfunktioniert worden sein. „Das Dorf hatte diese Leistung zu erbringen und musste Unterkünfte bereitstellen“, sagt Ingrid Zache. Dass das Haus dafür genutzt worden sei, sei jedoch nur eine Vermutung, betont sie weiter. Zu DDR-Zeiten gehörte das Gebäudeensemble der Gemeinde Staffelde. Das Dach des Schuppengebäudes ist damals neu gedeckt worden. „Sonst wäre es damals schon eingefallen“, sagt Helmut Glanzer. Das Mehrfamilienhaus ging mit der Eingemeindung Staffeldes nach Kremmen in deren Besitz über, jetzt gehört es zur Wohnungsbaugesellschaft, der Woba in Kremmen.

Die gerade musealen Schuppen- und Toilettengebäude stehen seit Jahrzehnten ungenutzt auf dem Gelände. „Ich denke mal, wir müssen uns damit mal befassen, um das hier erhalten zu können“, sagt Helmut Glanzer, der auch Mitglied des Ortsbeirates ist. „Aber die jüngere Generation sieht das vielleicht anders als wir Alten. Abreißen und etwas Neues bauen, sagen die Jungen.“ Er ergänzt: „So lange, wie ich lebe, bleibt das stehen.“ Helmut Glanzer wünscht sich, dass die Gebäude wenigstens grundinstandgesetzt werden. „Es zeigt ein Stück Geschichte in Staffelde.“ Es gehe auch darum, die steinernden Zeugen der verschiedenen Geschichtsepochen im Dorf zu erhalten, ergänzt Ingrid Zache.

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Verwunschener Ort: Die alte NVA-Kaserne mitten im Wald

Dienstag, den 20. Oktober 2020
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Die Bundeswehr räumte das Armeegelände 1991 – heute wirkt es wie ein Freiluftmuseum, das mehr und mehr verfällt

MAZ Oberhavel, 20.10.2020

Beetz.
Nur das Rauschen des Windes. Und das Kreischen der Kraniche, die über das Gelände ziehen. Ansonsten ist es ganz still auf dem ehemaligen Kasernengelände. Mitten im Beetzer Wald gibt es einen verlorenen Ort. Leerstehende Gebäude ohne Fenster, besprühte Wände, Ruinen, Bunker. In einem der Bunker fand erst neulich eine illegale Party statt.

Bis kurz nach der Wende war das alles Sperrgebiet. Dort befand sich die Kaserne der Raketenstellung der Flugabwehr-Raketenabteilung 4124 der damaligen NVA. Im Dezember 1990 gab die Raketenbrigade der Bundeswehr bekannt, bis März 1991 den Standort in Beetz aufzugeben. Was mit dem Gelände passieren sollte, war damals völlig unklar. Die damalige Beetzer Bürgermeisterin Ingeborg Füllert bekundete ihr Interesse am Standort: Sie dachte darüber nach, dort ein Kurhaus oder einen Gewerbepark zu etablieren. Im August 1992 gab es dann plötzlich die Meldung, dass die Kreisverwaltung über ein Asylbewerberheim auf dem dortigen Gelände nachdenkt. Die Bundeswehr legte da jedoch ein Veto ein, da sie dort noch ein Tanklager betrieb.

Und 30 Jahre später? Nichts. Der pure Verfall. Einige Gebäude sind komplett zusammengefallen, andere sind innen vermüllt und besprüht. An vielen Stellen des Geländes, das frei zugänglich ist, liegen bergen von Sperrmüll. Hier und da sind Schilder angebracht: „Lebensgefährliches Bauwerk“.

Ingeborg Füllert betrieb einst mit ihrem Mann die Kantine auf dem Kasernengelände, gleich hinter dem Eingang. „Ich war zuerst bei der HO angestellt, dann wurden wir von der MHO übernommen“, erinnert sie sich. Die HO war die Handelsorganisation der DDR, die MHO die Militärhandelsorganisation. Von 1962 bis zum Ende der Kaserne arbeitete Ingeborg Füllert dort. „Abends kamen meistens die Offiziere. Bevor sie nach Hause gefahren sind, haben sie bei uns meistens noch ein Bierchen getrunken.“ In der Kantine gab es Schnitzel, Bouletten, später auch Kammscheiben mit Zwiebeln und Kartoffelsalat. „Feiern fanden auch statt.“ Ob da jetzt Gefreite, Unteroffiziere oder hochrangige Offiziere vor ihr standen, wusste sie nie so genau. „Ich habe mich damit nie so richtig ausgekannt“, erzählt sie. Sie habe alle gleich behandeln wollen. Später übernahm sie auch die Verkaufsstelle auf dem Gelände.
„Für Beetz war die Kaserne ein wichtiger Faktor“, sagt Peter Winkler, der heutige Ortsvorsteher. Viele Offiziere wohnten im Ort. „Die Bundeswehr hat das dann aber nicht mehr genutzt.“ Als auch der Wachschutz abgezogen worden ist, kamen die Plünderer. Metall verschwand, alles was noch zu gebrauchen war, wurde mitgenommen. „Aber die Unterkünfte sind noch ganz gut erhalten“, so Peter Winkler.

Das Gelände gehört – wie auch der Wald der Beetzer Heide – der DBU Naturerbe. Die Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt hat sich zum Ziel gemacht, das Gelände zu renaturieren. „Das Gelände ist zugänglich, aber verschiedene Gebäude sind gesichert“, sagt Rainer Entrup vom Bundesforstbetrieb Westbrandenburg. Bunker sollen zugemauert werden – eine Sofortmaßnahme nach der Party vom 3./4. Oktober. Die Rückbaumaßnahmen sind allerdings noch Zukunftsmusik, sie sind auch schon seit Jahren im Gespräch. „Das ist ein komplizierter Akt“, sagt Rainer Entrup. Nicht nur wegen der hohen Kosten der vielen Abrissarbeiten, sondern auch wegen der Tiere, die sich inzwischen dort eingelebt haben.

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Beetzer Bunker wird zugemauert

Donnerstag, den 15. Oktober 2020
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Nach einer illegalen Party auf dem ehemaligen NVA-Gelände im Wald will die Deutsche Bundesstiftung Umwelt Maßnahmen zur Sicherung des Areals ergreifen

MAZ Oberhavel, 15.10.2020

Beetz.
Der Besen steht noch am Eingang zum Bunker an der Wand. Ganz besenrein ist die leerstehende Halle nicht, wirklich vermüllt aber auch nicht. Das Gebäude auf dem alten NVA-Gelände mitten im Beetzer Wald ist in den vergangenen Tagen wieder in den Blickpunkt geraten. In der Nacht zum 4. Oktober fand dort eine illegale Party mit etwa 100 Menschen statt. Die Polizei hatte das Gelände nach einem Zeugenhinweis räumen lassen und Platzverweise ausgesprochen, sogar ein Hubschrauber war zum Einsatz gekommen.

Klar, dass das am Dienstagabend auch im Beetzer Ortsbeirat ein Thema war. „Jeder hat was gewusst, jeder hat was gesehen“, sagte Ortsvorsteher Peter Winkler (SPD) am Mittwoch. Gemeinsam mit der MAZ sah er sich am Mittag am Bunker um. „Es gibt ja das Gerücht, dass hier nicht zum ersten Mal Partys stattgefunden haben, allerdings noch nicht zu Coronazeiten“, erzählte er. „Die bauen dann alles wieder ab und nehmen alles mit“, so Winkler weiter. Heißt: Beendet die Polizei nicht die Party, werde meist danach so aufgeräumt, dass danach wenig von den Ereignissen zu sehen sei.

Neben dem Bunker befindet sich ein weiteres Gebäude. Dort waren am Mittwoch noch ein paar Sessel zu sehen. Davon sollen während der Party noch mehr in dem Gebäude gestanden haben. „Und die vielen Graffiti sind neu, die waren, als ich das letzte Mal hier war, noch nicht an den Wänden“, sagte Peter Winkler.

Errichtet wurde das NVA-Gelände mit seinen Gebäuden Anfang der 60er-Jahre. Betrieben worden ist bis Anfang der 90er. „Früher waren hier Raketen drin“, sagte Peter Winkler mit einem Blick durch den heute leerstehenden Bunker. Die Kaserne gehörte zur Flugabwehr-Raketenabteilung 4124 der NVA, ein großer Teil des Waldes war deshalb zu DDR-Zeiten Sperrgebiet.

Inzwischen gehören das Gelände und der Wald der Beetzer Heide der DBU-Naturerbe GmbH. DBU steht für die Deutsche Bundesstiftung Umwelt. Deren Ziel ist es, langfristig das Gelände innerhalb des Waldes wieder zu renaturieren. Zunächst sind aber unmittelbare Sicherungsmaßnahmen geplant. Für die Umsetzung ist Rainer Entrup zuständig, er ist Betriebsbereichsleiter Nord beim Bundesforstbetrieb Westbrandenburg.
„Wir wollen den Bunker zumauern“, erklärte er auf Anfrage der MAZ. Wann dies jedoch geschehen werde, ist noch unklar. Sobald wie möglich, sagte Rainer Entrup. „Der Bunker ist wie eine übergroße Garage.“ Er sei, wie der Wald selbst auch, frei zugänglich, „Man hat nur nicht das Recht, dort eine Party zu veranstalten, ohne den Eigentümer zu fragen.“
Bevor der Bunker zugemauert wird, solle jedoch vorher geprüft werden, ob er für Fledermäuse ertüchtigt werden könne. „Dafür gibt es Experten, die werden von uns hinzugezogen.“ Beim Zumauern müssten dann an einer Stelle 20 bis 30 Zentimeter freigelassen werden. Auch werde wohl darüber nachgedacht, die Zufahrt zum Bunker zu verwehren, indem beispielsweise die direkte Zufahrt vom Plattenweg aus zugeschoben werde. „Oder indem Bäume über den Weg gelegt werden“, mutmaßt Ortsvorsteher Peter Winkler.
Sind diese Maßnahmen umgesetzt, dann wird die Beetzer Corona-Bunkerparty wohl eine einmalige Sache bleiben.

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