aRTikel

In der Zeitung erschienen

aRTikel

Überflieger: Vom Drescherfest bis zum großen Lichtspektakel

Samstag, den 20. April 2019
Tags: , , , , , ,

Die aus Vehlefanz stammende Alice Paul-Lunow (38) plant in ihrer FirmaFine Emotion Events – alles beginnt am Hennigsdorfer Puschkin-Gymnasium

MAZ Oberhavel, 20.4.2019

Vehlefanz.
Events sind ihr Ding. Schon in der Schule war das so, als sie am Hennigsdorfer Puschkin-Gymnasium den Frühlingsball organisierte. Inzwischen ist Alice Paul-Lunow Geschäftsführerin ihrer eigenen Firma. Das in Potsdam ansässige Unternehmen Fine Emotion gibt es seit acht Jahren. Erst kürzlich fand in der Landeshauptstadt das Tulpenfest statt. Im Herbst heißt es „Berlin leuchtet“ unter ihrer Projektleitung, außerdem findet das Lichtspektakel in Potsdam statt. Bedeutend ist auch die Veranstaltung „M 100“, zu der viele Medienschaffende nach Potsdam kommen.

Alice Paul-Lunow ist in Vehlefanz groß geworden, ihre Familie lebt dort noch immer. Dietmar Sturzbecher, dem der Alte Dorfkrug in Staffelde gehört, ist ihr Vater. „Ich wusste immer, dass ich mit Menschen arbeiten möchte“, erzählt die 38-Jährige. Am Puschkin-Gymnasium war sie Schulsprecherin. Schon mit 17 Jahren bekam sie die Gelegenheit, für eine Agentur Veranstaltungen zu organisieren. „Ich habe dann mit 18 ein Kleingewerbe angemeldet. Damals gab es ja noch nicht so viel in Hennigsdorf.“ Sie war dann an verschiedenen Aktionen im Einkaufszentrum „Ziel“ und in der Storchengalerie beteiligt. „Es gab mal ein Beachvolleyball-Event auf dem Havelplatz.“ Nach dem Abi im Jahr 2000 begann sie eine Lehre als Marketingkauffrau. „Damals gab es noch kein Studium zum Veranstaltungsmanager.“
Im Laufe der Jahre seien die Events immer größer geworden. „Man sammelt ja mit der Zeit immer mehr Kontakte.“ 2010 war sie für eine Festveranstaltung zum 125. Kudamm-Jubiläum in Berlin zuständig. „Mit 10 000 geladenen Gästen und einem großen Feuerwerk an der Gedächtniskirche.“

Wichtig für solche Veranstaltungen sei eine gute Vorplanung. „Dann gibt es den Spannungsmoment, wo dann die Sachen auch alle gelingen müssen. Immerhin ist es für den Kunden der eine große Tag, da ist es egal, ob was schief geht.“ Klar, es funktioniere nicht immer alles, aber im Idealfall bekomme das keiner mit. „Ich mag den Prozess, Dinge zu gestalten. Und das Tolle ist: man bekommt sofort ein Feedback.“ Insgesamt 22 Leute arbeiten in zwei verschiedenen GmbH, eine davon betreibt Gastronomie-Objekte wie den Kutschstall und das Freundschaftsinsel-Café in Potsdam. Am vergangenen Wochenende waren 18 000 Menschen beim Potsdamer Tulpenfest, trotz schlechten Wetters. Allerdings gibt es momentan rund um das Fest Unruhe, weil der frühere Ausrichter rechtlich dagegen vorgehen will und es selbst wieder in die Hand nehmen möchte.

Für Alice Paul-Lunow spielt aber auch Oberhavel weiter eine Rolle. „Ich freue mich, wie sich die Region weiterentwickelt“, sagt sie. Sie lobt das Schloss Schwante, das Forsthaus in Sommerswalde und das Kremmener Scheunenviertel. Am Sonnabend, 27. April, ist sie beim Krämerwaldfest in Wolfslake, sie wird das Festprogramm moderieren. „Es ist total schön, dort wieder zu sein.“ Auch gehört sie zum Organisationsteam des Staffelder Drescherfestes, das am Alten Dorfkrug stattfindet.

Die Art der Veranstaltungen habe sich in den vergangenen Jahren durchaus geändert. „Früher gab es bei solchen Gelegenheiten immer, Champagner und Kaviar, aber das ist heute natürlich schwer erklärbar. Der Trend setzt auf Nachhaltigkeit und Regionalität. Es geht darum, Wärme zu vermitteln, die Leute abzuholen, sie sehnen sich danach, berührt zu werden.“

Sie hat zwei Kinder. „Das muss man gut organisieren, aber das haben wir sehr gut hinbekommen.“ Nachmittags nimmt sie sich Zeit für die Kinder, aber dafür wird abends noch mal gearbeitet. Momentan steckt sie schon in den Vorbereitungen für die Berliner und Potsdamer Lichterfeste. „Ansonsten lese ich sehr gerne“, sagt sie. Privat telefoniert sie ungern. „Ich versuche dann eher, Zeit mit lieben Menschen zu verbringen, da brauche ich auch keine laute Musik.“

Hits: 95

aRTikel

Die Hüterin des Geldes

Freitag, den 12. April 2019
Tags: , ,

Brigitte Oehler gibt den Job als Kassenwartin der Kremmener Kirche ab

MAZ Oberhavel, 12.4.2019

Kremmen.
Mit Kassen und mit Geld kennt sie sich aus. Viele Jahre hat sie sich damit beschäftigt. Brigitte Oehler (81) kümmerte sich 26 Jahre lang um die Kasse der evangelischen Kirchengemeinde in Kremmen. Schweren Herzens habe sie nun ihre Tätigkeit aufgegeben, wie sie sagt.

Als sie 1993 anfing, da war sie nur für Kremmen selbst zuständig. „Aber im Laufe der Jahre ist es mehr geworden“, erzählt sie. Sommerfeld und Beetz kamen zum Pfarrsprengel hinzu, später noch Staffelde und Groß-Ziethen. Wenn sie im Büro war, dann war einiges los. „Die Leute bringen Geld oder wollen Geld. ich habe einmal pro Woche eine Sprechstunde gehalten“, erzählt Brigitte Oehler. Die Kirchenmitglieder brachten beispielsweise die Einnahmen aus den Kollekten oder bezahlten ihre Beiträge. Andere holten Geld ab für Blumen auf den Altararen. „Ich habe dann alles verbucht.“

Ursprünglich stammt Brigitte Oehler aus Berlin. Mit ihrer Familie lebte sie in der Nähe vom Kaufhaus des Westens. „Wir haben in der Nähe der Gedächtniskirche die großen Bombenangriffe auf Berlin mitgemacht.“ Sie wurden dort verschüttet. Sie wurden nach Polen evakuiert, später ging es nach Schlesien. Als die Deutschen da rausmussten, waren auch sie Flüchtlinge. 1945 kam die Familie nach Amalienfelde, 1948 erfolgte der Umzug nach Kremmen. Sie wurde Telefonistin beim damaligen Rat des Kreises in Oranienburg, war später für die Buchführung verantwortlich. Als 1985 im Kremmener Rathaus eine Stelle frei war, bewarb sie sich. „Ich wollte nicht mehr jeden Tag fahren.“ Auch in Kremmen war sie dann für die Buchführung zuständig. 1990 ist sie in Rente gegangen.

Ein paar Jahre danach ist sie dann von der Kirchengemeinde und dem damaligen Pfarrer Walter gefragt worden, ob sie sich nicht um die Kasse der Kirche kümmern könnte. Sie sagte zu. „Aber dass das dann so viele Jahre gehen würde, das hätte ich damals nie gedacht“, erzählt sie und lächelt. Sie ist – auch heute noch – auch für die Eintragungen ins Kirchenbuch verantwortlich. Zumindest für alles Handschriftliche. „Trauungen, Sterbefälle, Geburten, Taufen.“ Die Arbeit habe ihr Spaß gemacht. „Ich hatte auch immer eine sehr gute Zusammenarbeit mit den Pastoren.“
#Seit ihrer Kindheit singt sie in verschiedenen Chören. Früher im Rias-Kinderchor, heute noch in der Kremmener Kantorei. Etwas, was ihr immer sehr viel Freude macht.
Dass sie ihre Aufgabe weitergeben hat, sei ihr schwergefallen, gibt sie zu. Aber die Augen machen ihr Probleme, „und man begreift auch langsamer“, sagt sie. Mit Dietlind Raabe habe sie aber eine gute Nachfolgerin.

Pfarrer Thomas Triebler sagte gestern: „Sie ist so eine ganz treue Seele, die ganz akkurat die Kasse geführt hat – bis auf den letzten Pfennig. Es ist total wichtig, dass es solche Leute gibt. Auf sie konnte ich mich voll verlassen.“ Sie sei ein wichtiger Anlaufpunkt für die Menschen im Büro gewesen.

Hits: 95

aRTikel

Kunst aus dem Wasserturm

Samstag, den 30. März 2019
Tags: , ,

Helmuth Strothmann (75) ist Banker und Professor im Ruhestand – er betreibt in Schwante ein Atelier und malt dort abstrakte Kunst

MAZ Oranienburg, 30.3.2019

Schwante.
Wenn Helmuth Strothmann an seiner Staffelei steht und aus dem Fenster blickt, sieht er die Weiten von Schwante. Im Hintergrund den Mühlensee. Der 75-Jährige wohnt mit seiner Frau im Wasserturm am Mühlenweg. Durch die neuen Bewohner verwandelt sich das alte Bauwerk in ein Atelier. „Der Wasserturm ist attraktiv für Künstler“, sagt er. „Ich konnte mir anfangs aber gar nicht vorstellen, wie es innen aussieht.“ Zu seiner Frau hatte er, als sie erstmals davor standen, schon gesagt: „Das wird nie was.“ Aber sie fanden dann, dass er gut eingerichtet sei. Nach der ersten Begehung stand fest: „Ja, das will ich haben.“

In den Räumen hängen viele Bilder. Helmuth Strothmann malt. „Abstrakte Kunst. Ich mache was, aber ich weiß nicht was“, sagt er und schmunzelt. Wenn er loslegt, ist noch unklar, was am Ende dabei rauskommt. meist fängt er mit einer Farbe als Hintergrund an. „Dann überlege ich, was mache ich weiter.“ Dann kommt die nächste Schicht, vielleicht blaue Streifen, ein paar Farbakzente oder Figuren. Grüne Tupfer, die wie Landschaften aussehen. Dazu Silikonkleber, den er auf die Leinwand aufträgt, so dass sich weitere Figuren ergeben.
Wer sich die Bilder ansieht, der wird garantiert Assoziationen haben – aber vermutlich werden sie bei jedem anders ausfallen. Da sieht man eine Wiese im Nebel oder ein Schiff. Alles wird im Ungefähren gehalten, aber genau das scheint der Sinn der Sache zu sein. Meist zeichnet er mit Acryl auf Leinwand. „Ich habe es auch mit Öl versucht, aber das ist mir zu tranig, und es trocknet nie.“ Erst seit zwei Jahren malt er. Die Inspiration dazu kam durch eine Ausstellung, die er besuchte. „Ich habe mir Equipment gekauft und angefangen.“

Helmuth Strothmann ist nicht permanent in Schwante. Seine Frau und er wohnen am Gendarmenmarkt in Berlin, ein Haus am Chiemsee gibt es auch noch. „Schwante erinnert mich an meine Heimat“, sagt er. Er stammt aus dem Münsterland. Nach dem Abitur studierte er Wirtschaftswissenschaften, legte die Diplomprüfung ab und promovierte als wissenschaftlicher Assistent der Universität Münster zum Doktor der Staatswissenschaften. Von 1976 bis 1998 arbeitete er für verschiedene Banken, war Bereichsleiter, Direktor, Vorstandsmitglied, Konzernvorstand. 1999 fing er an, als Professor an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin zu lehren – er leitete bis 2006 den dualen Studiengang „Bank“.
Inzwischen widmet er sich seinem Leben und seiner Kunst. „Es kann auch sein, dass ich hier nur sitze und ein Buch lese“, sagt er. „Ich kann gut nichts tun. Ich hatte nie das Bedürfnis, noch wichtig sein zu müssen“, meint er in Hinblick darauf, dass viele seiner ehemaligen Kollegen im Alter noch in Aufsichtsräten oder Beiräten mitmischen.

In Schwante fühlt er sich sehr wohl. Jetzt, im Frühjahr, will er den Ort noch richtig entdecken. „Außer das Schloss und die Bäckerei, die kenne ich schon“, sagt er und lächelt. Bevor er in Schwante lebte, kannte er die Gegend vom Golfspielen in Wall. „Abends ist es hier dunkel und einsam.“ Obwohl – ganz dunkel ist es nicht, denn nachts wird der Wasserturm mit Licht bestrahlt.
Zum 19. Mai hat er sich ein paar Gäste in den Wasserturm eingeladen, dann will er eine kleine Vernissage veranstalten. Aber es sei auch schon vorgekommen, dass Leute einfach so an seiner Tür klopften.

Hits: 147

aRTikel

Sind Sie eigentlich volksnah, Herr Leys?

Samstag, den 23. März 2019
Tags: , , , , ,

Oberkrämers Bürgermeister äußert sich über den Zuzug, die Schulsituation und den Autobahnbau

MAZ Oberhavel, 23.3.2019

Oberkrämer.
Der Gemeinde Oberkrämer geht es finanziell gut, Probleme gibt es dennoch einige. Der hohe Zuzug bedeutet, dass es enger wird in den Kitas und Schulen, die neuen Bewohner müssen integriert werden. Und wie geht es weiter mit dem Oberschulthema? Über diese und andere Themen spricht Bürgermeister Peter Leys im MAZ-Interview.

Oberkrämer wächst. Ist das ein Segen oder ein Fluch?
Peter Leys: Weder noch. Ein Segen schon deshalb nicht, weil nicht die Notwendigkeit besteht, mit Gewalt wachsen zu müssen. Ein Fluch würde sich sehr schlimm anhören. Es ist mit Belastungen verbunden, aber wir werden uns bemühen, die Probleme zu lösen.

Marwitz wächst derzeit rasant. Stichwort „Marwitzer Heide“. Wie kann man die neuen Bewohner integrieren?
Das ist sicherlich nicht so einfach. Aber zum Beispiel, indem wir die Vereine unterstützen, die die Möglichkeit bieten, Kontakte aufzunehmen. Dort finden zahlreiche Veranstaltungen statt. Auch die Feuerwehr hat ein sehr aktives Leben, da haben auch schon einige angeklopft.

Wird Oberkrämer weiterhin allen Kindern Kita- und Grundschulplätze anbieten können?
Ich denke ja, aber einen Garantieschein würde ich da auch nicht vergeben wollen. Es ist unwahrscheinlich schwer einzuschätzen, wie die weitere Entwicklung ist. Wir hatten vor zwei Jahren die Situation, dass wir den Kitabedarfsplan verabschiedet haben, und vier Monate später haben wir schon einen Nachtrag beschlossen. Aber wir wollen das nicht dem Zufall überlassen. Die Entwicklung geht nach oben, aber nicht unendlich nach oben. Wir werden Kitaplätze anbieten können, aber nicht immer entsprechend den Wünschen der neuen Bürger. Das ist ein Riesenproblem. Wir können nicht an jeder Kita anbauen.

In der Hinsicht werfen Ihnen Kritiker Planlosigkeit vor.
Die Planung hat ein Büro neutral von außen erstellt. Da ging man von den Geburtenzahlen aus, die sind nicht höher als woanders, man zog Prognosen des Landes und der Bertelsmann Stiftung zurate. Bis vor zwei Jahren waren sich alle Experten sicher, dass Oberkrämer schrumpfen wird. Wir haben damals unsere Zweifel angemeldet. Den Schuh würde ich mir deshalb nicht anziehen.

In Velten wird mehr Platz für die Oberschule geschaffen. Aber es gibt weiter Forderungen nach einer Ober- oder Gesamtschule direkt in Oberkrämer. Sind Sie dennoch zufrieden?
Ich wäre zufriedener mit einer Schule in Oberkrämer. Das wäre ja auch ein Standortvorteil. Es ist auch eine politische Geschichte, die Schule im Ort zu fordern. Klar ist eins, man muss vernünftig und sachlich sein. Der Landkreis meint, dass die Lösung in Velten liegt. Wenn es so kommt, dass dort die Oberschule gebaut wird und auch ausreichend Plätze vorhanden sind, dann ist das auch für Oberkrämer eine gute Sache.

Auch Velten wächst – nach Marwitz hinein. Wie soll es mit der Parkstadt Velten II weitergehen?
Die Gemeinde Oberkrämer war bisher offen gewesen zur Gebietsabtretung. Wenn man sich die Historie ansieht, ist das auch mal so geplant gewesen. Es gibt schon einen neuen Termin entsprechend des Beschlusses in Velten. Velten hat sich bemüht, mit uns in Kontakt zu treten, vorher war das immer andersrum. Ich gehe davon aus, dass sich Oberkrämer nicht dagegenstellen wird, obwohl der Beschluss von 2012 aufgehoben wurde.

Der Ausbau der Autobahn beeinträchtigt auch Oberkrämer. Fühlen Sie sich über den aktuellen Stand immer gut informiert?
Aus meiner Sicht ausreichend. Wir kriegen nicht täglich Infos, aber wir können bei Bedarf jeden Tag anrufen. So richtig zufrieden mit der ganzen Brückengeschichte in Bärenklau bin ich allerdings nicht. Auch liegt immer noch keine Genehmigung für die Brecheranlage vor. Die Gemeinde Oberkrämer hat keine positive Stellungnahme dazu abgegeben. Wir wollen, dass der Anlieferverkehr für diese Anlage nicht über unsere kommunalen Straßen erfolgt. Das ist mal so abgesprochen worden, aber das ist nicht hundertprozentig der Fall. Seit Wochen ist eine Brecheranlage an der Autobahnzufahrt bei Eichstädt, die haben unwahrscheinlich viel gebrochen. Viele Leute haben das gar nicht bemerkt. Ich sage das auch wegen der Befürchtung in Bärenklau. Das wird kaum zu hören sein, und die Menge, die gebrochen werden muss, ist inzwischen auch nicht mehr so groß.

Es gibt Ärger um den Tennisplatz in Bärenklau. Will man den Familiensportverein nicht?
Die Sache, die da beantragt wurde, ob die tatsächlich für Bärenklau störend ist, da kann man Zweifel haben. Ich habe schon Hockeyspiele gesehen. Fußball ist lauter, das muss man so deutlich sagen. Ungeachtet dessen ist die Gemeinde nicht verpflichtet, diese Änderung des Bebauungsplanes vorzunehmen. Da spielt der Verein vielleicht eine Rolle, aber ich kann mich nicht erinnern, dass jemand im Bauausschuss so diskutiert hat.

Neulich gab es im Vehlefanzer Ortsbeirat den Vorschlag, das ehemalige Volksbank-Grundstück für die Feuerwehr zu kaufen. Sie wollten sich wegen der Kosten erkundigen.
Das habe ich noch nicht gemacht. Wir müssen auch prüfen: Wer will da wirklich was machen? Es ging ja weniger um die Feuerwehr, sondern der Feuerwehrverein suchte eine Räumlichkeit. Das alles ist nicht übers Knie zu brechen.

Hätten Sie eigentlich gern in Eichstädt die Regenbogenflagge gehisst?
Nein. Ich denke, das ist eine rein private Angelegenheit, wie jemand sexuell ausgerichtet ist. Das hat vor der Verwaltung nichts zu suchen.

Sind Sie eigentlich volksnah?
Na ja. Das ist schwierig. Wenn ich ehrlich bin, nicht so sehr. Ich bin insofern volksnah, dass ich versuche, das Optimale für unsere Gemeinde auf den Weg zu bringen und ich weiß, was in Oberkrämer passiert. Aber mich öffentlich zu präsentieren ist nicht so mein Ding. Da würde ich prahlen, wenn ich das sagen würde. Aber das weiß auch jeder.

Heute ist in Schwante und Vehlefanz Dorfputz. Sind Sie dabei?
Das hätte ich gemacht, aber ich bin am Wochenende privat unterwegs, das war schon länger geplant. Das ist schade, denn ich finde, das ist eine super Aktion.

Hits: 151

aRTikel

Die Wende war seine aufregendste Zeit

Donnerstag, den 21. März 2019
Tags: , , , ,

Wolfgang Krüger lebt seit 1993 in Bärenklau – Journalist, Staatssekretär, Wirtschaftler, Politiker

MAZ Oberhavel, 21.3.2019

Bärenklau.
Es war Anfang der 90er, da fuhr Wolfgang Krüger auf der Autobahn. Auf dem Weg von Berlin nach Schwerin sah er ein Schild, auf dem Grundstücke in Bärenklau angeboten worden sind. „Ich fand den Namen witzig“, erzählt er. Sowieso wollte er mit seiner Frau raus aus Berlin. Im April 1993 sind sie in ihr Haus gezogen. Immerhin kommt er aus der Gegend. 1950 ist er in Hennigsdorf geboren worden – allerdings zog er mit seiner Familie schon ein Jahr später nach Düsseldorf.

Wolfgang Krüger ist heute Gemeindevertreter für die CDU in Oberkrämer, aber wenn man in seinen Lebenslauf schaut, dann hat er schon viel erlebt und getan. Er stammt aus einer Arbeiterfamilie, sein Vater war Autoschlosser. Nach der Volksschule besuchte er das Aufbaugymnasium. „Das war damals eine schwierige Entscheidung, das Geld war knapp.“ Er sei seiner Mutter sehr dankbar, dass sie es möglich gemacht habe. 1970 machte er sein Abitur.
Er selbst spricht von einem „meandernden Lebenslauf“. Nach dem Abi begann er ein Praktikum bei der Rheinischen Post in Ratingen und stellte fest: „Journalismus – das isses.“ Später bekam er ein Volontariat bei der Westfälischen Rundschau. Die stellte damals auch eine Wohnung. „Ich wollte endlich weg von zu Hause und landete bei einer über 80-jährigen Dame mit Hausaltar im Flur, immer beobachtend.“ Bis er versetzt wurde.
Nach seiner Ausbildung wechselte er zur „Bild“, wo er aber nach zwei Jahren eine Sinnkrise bekam. „Will ich immer nur Fotos von Verstorbenen beschaffen?“, fragte er sich. Er sagt aber auch: „Ich habe da wahnsinnig viel gelernt.“ Er begann stattdessen ein Geschichte- und Germanistik-Studium in Düsseldorf. Er schrieb an einer Doktorarbeit zum Thema Entnazifizierung in Nordrhein-Westfalen. Um Geld zu verdienen, arbeitete er nebenher beim WDR und bekam dort später eine Festanstellung, war später Chef vom Dienst der Magazin-Sendung „Aktuelle Stunde“ und bekam dann das Angebot, persönlicher Referent von Intendant Friedrich Nowottny zu werden.
Inzwischen hatte er seine Frau kennengelernt. Sie sagte zu ihm: „Ich folge dir überall hin, nur nicht nach Berlin.“ Genau aber dorthin führte der Weg 1987. Er bekam das Angebot, Chefredakteur des damals in Gründung befindlichen Rias-TV zu werden. Er hat den Vertrag unterschrieben – und seiner Frau erst danach davon erzählt. Im August 1988 ging Rias-TV in Berlin und Umgebung auf Sendung. Am Abend des Mauerfalls am 9. November 1989 war Wolfgang Krüger auf Sendung. „Das war journalistisch die aufregendste Zeit.“ Als Rias-TV 1992 in das neue Auslandsfernsehen der Deutschen Welle aufging, blieb Wolfgang Krüger dort weiter Chefredakteur. Unterdessen zog es ihn aber auch in die Politik. Er war in die CDU eingetreten. Helmut Kohl habe ihn beeindruckt. 1993 schaffte er den Sprung ins Gemeindeparlament von Bärenklau, er begleitete auch den Übergang zu Oberkrämer.
2004 wurde er Staatssekretär im Brandenburgischen Wirtschaftsministerium und 2008 folgte für gute zehn Jahre der Hauptgeschäftsführerposten bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Cottbus. Seit fünf Jahren sitzt er zudem nach einer Pause wieder im Gemeindeparlament von Oberkrämer.

Inzwischen ist er 69, und wenn man ihn in seinem Haus in Bärenklau sprechen hört, schwingt sehr viel Zufriedenheit mit. Ist er jetzt Rentner? Er lächelt: „Ich gebe zu, ich tue mich schwer damit. Es ist eher ein Unruhestand.“ So sitzt er weiter im Aufsichtsrat für den BER, den Flughafen Berlin-Brandenburg in Schönefeld. Viele Akten liegen in seinem Büro. Außerdem ist er im Beirat eines Energieversorgers. Für fünf Jahre will er auch noch mal im Gemeindeparlament mitmischen. „Wichtig ist für mich die Frage: Wie organisiert man im Alter Lebensqualität? Ich beschließe mein Leben nicht auf Kreuzfahrten“, sagt er. Er bleibe ein politischer Mensch. „Ich mische mich weiter in Debatten ein.“ Und er sagt auch: „Radikaler Egoismus bringt uns nicht weiter.“ Er bedauert, dass Diskussionen kaum noch möglich seien. „Zu allem nur Nein zu sagen, ist einfach. Aber man muss dann schon sagen, wo man hin will.“
Oberkrämer beispielsweise sei in „bemerkenswert guter Verfassung. Wir sind eine schuldenfreie Kommune.“ Was nicht heiße, dass es keine Probleme gebe. „Durch den Zuwachs wird sich Oberkrämer verändern, und wir müssen fragen: Was bedeutet das für uns?“ Man müsse über Schulen und den Nahverkehr sprechen. Was er nicht gut findet: Dass die Politik sich oft nur punktuell an Themen abarbeite, die großen Zusammenhänge aber oft Außerachtgelassen würden.

Langweilig wird es Wolfgang Krüger auch in Zukunft nicht werden. „Ich möchte mir bis ins hohe Alter meine Neugier bewahren.“

Hits: 204

aRTikel

Pakete, Lotto und ein kleiner Plausch sind immer drin

Dienstag, den 19. März 2019
Tags: ,

Seit 25 Jahren betreibt Birgit Elling in der Dorfstraße in Schwante ihreBestellannahme – sie wollte schon immer Verkäuferin werden

MAZ Oberhavel, 19.3.2019

Schwante.
Sie nimmt sich gerade mal zweimal Urlaub im Jahr. Mehr ist nicht drin. Schließlich führt sie ihren Laden in der Schwantener Dorfstraße allein. Seit 25 Jahren gibt es die „Bestellannahme Elling“, direkt an der Ecke zum Schlossweg. Bei Birgit Elling können Kunden Pakete abgeben oder abholen. „Früher war das ein Quelle-Shop, aber dann sind die ja pleite gegangen“, erzählt die 57-Jährige. Inzwischen arbeitet sie mit verschiedenen Anbietern zusammen, für 14 Versandhäuser ist eine Bestellabnahme bei ihr möglich.
„Es wird aber weniger, weil die Leute immer öfter über Amazon oder Zalando bestellen“, sagt sie. „Die verdrängen die anderen Anbieter.“ Wenn die Kunden der jeweiligen Versandhäuser direkt bei ihr in Schwante bestellen ist es allerdings sogar oft preiswerter. „Bei mir fallen keine Versandgebühren an.“ Außerdem kümmert sie sich darum, wenn Reklamationen getätigt werden müssen. Im Laden ist es aber auch möglich, Lotto zu spielen, es gibt Zeitungen und Zeitschriften, Schulbedarf, Kurzwaren und sogar ein kleines Sortiment mit Anziehsachen.

Bevor Birgit Elling ihren Laden in Schwante eröffnet hat, arbeitete sie mehrere Jahre lang in der damaligen LPG, dann für anderthalb Jahre bei einer großen Supermarktkette. „Gelernt habe ich Facharbeiter für Lagerwirtschaft“, erzählt sie. „Im Osten gab es ja viele solcher Lager. Wir haben bei uns alles für den Konsum zusammengestellt.“ Aber schon immer hatte sie einen Wunsch: Sie wollte einen eigenen Laden eröffnen. „Ich wollte immer Verkäuferin werden.“
Wo sie heute jeden Tag Kunden bedient, war früher der Kälberstall von den Eltern. Dann sind Räume für einen Konsum gesucht worden. Birgit Elling erzählt, dass der Konsum dort eingerichtet und an den Staat verschenkt worden ist. „Ich musste den Laden dann wieder zurückkaufen.“ Als Quelle in den 90ern nach einem Laden gesucht hat, sah sie ihre große Chance gekommen, sich selbstständig zu machen.

Bereut hat sie das noch nie. „Manchmal kommt es vor, dass Leute einen bepöbeln, sie kommen zum Beispiel mit einem Zettel, aber das Paket ist nicht hier im Laden, und dann stellt sich raus, dass es beim Nachbarn ist. Andererseits habe ich auch ganz liebe Kunden.“ Viele Stammkunden seien darunter. „Laufkundschaft habe ich hier nicht viel, das sind größtenteils die Leute hier aus dem Ort.“ Die meisten kommen wegen der Pakete, spielen Lotto oder kaufen sich eine Zeitschrift. „Kinder holen hier auch schon mal ihre Schulsachen.“ Im Sommer verkauft sie auch Blumen. „Viele Leute sind hier auch froh, wenn sie mal ein paar Worte loswerden.“ Für ein bisschen Smalltalk ist immer Zeit bei Birgit Elling. „Es macht mir Spaß, mit den Leuten umzugehen.“
Das rechnet sich, weil ihr der Laden gehört, sie muss keine Miete zahlen – und sie betreibt den Laden allein. Früher hat ihre Mutter mitgeholfen, das geht heute kaum noch, aber sie ist öfter mit im Geschäft.

Als Ausgleich zum Beruf geht sie gern zum Line Dance nach Bärenklau. „Das mache ich schon 20 Jahre und ist eine tolle Abwechslung zum Alltag.“ Früher hat sie auch Volleyball gespielt, aber das hatte sie dann aufgegeben.

Wie lange wird es die Bestellannahme in Schwante noch geben? „Ich werde das machen, bis ich Rentnerin bin“, sagt Birgit Elling. Sie wohnt gleich nebenan, war schon immer Schwantenerin. „Was dann hier passiert, ist völlig offen.“ Sie würde sich aber so oder so wünschen, dass noch mehr Kunden kommen.

Hits: 145

aRTikel

Entspannte Mädelstruppe trifft sich zum Singen und Quatschen

Freitag, den 15. März 2019
Tags: , ,

In der Scheune von Familie Trümper in Beetz geht es immer am Mittwochgemütlich zu – einmal ist „Weibration“ aber auch schon aufgetreten

MAZ Oberhavel, 15.3.2019

Beetz.
Das ist Frauensache! Jeden Mittwochabend in der Scheune der Familie Trümper in Beetz: Nach und nach treffen sie ein, und alle haben etwas dabei: ein paar Getränke, Brot, Butter, Eier, Gemüse, Knabbereien. Alle versammeln sich um den großen Tisch, der am Rand des Raumes steht. Gemütlich ist es. Ein Kamin sorgt für Wärme und Gemütlichkeit. Alle setzen sich, dann wird geredet, gegessen und getrunken. Die Atmosphäre ist fröhlich und entspannt. Und dann, wenn ihnen danach ist, singen sie gemeinsam.

„Das ist für uns einfach ein Ausgleich zum Alltag“, erzählt Dana Wölfer aus Sommerfeld. Seit zwei Jahren kommen die Frauen wöchentlich zusammen, in der Regel sind sie zu neunt. Der feste Kern besteht aus fünf Frauen. „Ursprünglich ist das entstanden aus einer Volleyballgruppe, da habe ich meine Idee verbreitet. Wer hat Lust zu singen, habe ich damals gefragt.“ Das erste Treffen fand im November 2017 statt. „Das war hier richtig schön eingedeckt.“ Gleich beim ersten Treffen haben sie auch gesungen, ganz spontan: „Guten Abend, gute Nacht.“ Das klang sehr gut: „Wir waren total überwältigt. Sie nennen sich Weibration. Das setzt sich zusammen aus „Weiber“ und „Vibration“.

Die Frauen kommen aus Beetz, Sommerfeld und Hohenbruch. Gemeinsam haben sie, dass ihre Kinder in Beetz zur Schule gehen. Wobei es für die Abende in der Scheune eine Regel gibt: Es geht nicht um Schule und Kinder. Motto: Alltag haben wir alle genug. „Wir haben gleich von Anfang an gesagt, dass wir uns keinen Stress oder Druck machen, sondern das nur aus Spaß an der Freude machen.“ Auf die richtigen Töne kommt es nicht an, wobei die Frauen da ein bisschen tiefstapeln. Wenn sie sich im Raum aufstellen und beginnen zu singen, dann klingt das toll. Meist sind es englische Stücke wie „Abide with me“ oder „A Childs Prayer“. Auch Kanons sind dabei. Aufgetreten sind die Frauen aber auch schon mal – bei einem Weihnachtskonzert in der Sommerfelder Kirche. „Das kam gut an und war toll, schon wegen der Akustik in der Kirche.“ Ansonsten aber „sind wir einfach eine Mädelstruppe und kein professioneller Chor“, sagt Dana Wölfer. Es geht den Frauen ums Entspannen, Quatschen, Essen, Trinken. Manchmal tanzen sie auch. Oder sie singen auch mal gar nicht, dann wird nur gequatscht. Aber das ist eigentlich egal – es kommt ihnen vor allem auf den gemeinsamen Abend an.

„Wenn es das nicht mehr gäbe, würde mir wirklich was fehlen“, sagt Claudia Schulenburg aus Hohenbruch. „Das ist ein perfekter Ausgleich, passend zur Wochenmitte, und die Lieder, die wir singen, finde ich teilweise richtig gut.“ Das findet auch Kathrin Trümper. Die Beetzerin ist auf dem Grundstück, auf dem die Scheune steht, zu Hause. „Es ist toll, dass hier so viele Frauen auf einem Haufen sind, das organisieren und klarkommen, ganz ohne Chorleitung“, sagte sie und lächelt. Hin und wieder kommt ihr Mann Matthias Trümper. Er ist dann aber auch der einzige Mann, der zugelassen ist zur Beetzer Weibration.

Hits: 102