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In der Zeitung erschienen

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1993: Hennigsdorfer Metaller streiken, Oranienburger hoffnungslos

Samstag, den 11. Mai 2013
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März/April 1993 -> 9.4.2013

Vor 20 Jahren: Riva-Belegschaft will mehr Lohn / Krupp verkündet Aus für Werk in der Kreisstadt / Bomben in Lehnitz und Eichstädt

MAZ Oranienburg, 11.5.2013

OBERHAVEL
Was passierte vor 20 Jahren im damaligen Kreis Oranienburg? Diesmal der April und Mai 1993.

Der Unternehmer Horst Eichholz erwarb am Germendorfer Ortsausgang ein 60 Hektar großes Areal. In den kommenden 30 Jahren, also bis 2023, will er Bausande gewinnen. Das Gelände rund um den Kiessee will er zum Naherholungsgebiet ausbauen.

Harald Juhnke dreht mal wieder im Hennigsdorfer Media-Park-Studio. Im April 1993 entstehen Szenen für den Film „Ein Kerl wie Samt und Seide“.

Fast 4000 Fans erleben das Osterspektakel auf der Speedwaybahn in Wolfslake. Bei den Solomaschinen gewinnt Christian Görs aus dem heimischen Team.

Otto Arndt ist neuer Bürgermeister von Freienhagen. Bislang war er nur Stellvertreter.

Das Rathaus von Kremmen ist viel maroder als angenommen. Amtsdirektor Klaus-Jürgen Sasse schätzt im April 1993, dass die Sanierung etwa zwei Millionen Mark kosten würde, das kann sich das Amt momentan nicht leisten. Deshalb könne erst mal nur der Seitenflügel bearbeitet werden.

Die Beschäftigten von Krupp-Stahl Oranienburg beginnen am 16. April 1993 eine Mahnwache vor dem Werkstor. Das Werk soll geschlossen werden, doch eine Entscheidung darüber wird immer wieder aufgeschoben. Erst im Mai ist klar: Am 30. Juni 1993 ist Schluss. Die Kaltwalzwerker wollen bis dahin nicht mehr streiken, sondern sehen, was für sie und ihre Familien noch möglich ist.

Ein neu erschienener Gästeführer für Oranienburg sorgt für Aufsehen. Erstellt worden ist die Broschüre von einer Agentur in Worms – und sie ist voller schlimmer Fehler. Im geschichtlichen Teil ist von „Luise-Henriette von Nassau-Oranienburg“ die Rede. Dazu gibt es eine Straßenkarte aus der Nazizeit. Darauf befindet sich das Heimatmuseum in der Horst-Wessel-Straße, der Adolf-Hitler-Damm ist mit Tipp-Ex nur leicht unleserlich gemacht worden. Die Stadtverwaltung lehnt es ab, dafür die Verantwortung zu übernehmen, das Heft wird nicht mehr ausgeliefert.

Am Veltener Autobahnsee (Bernsteinsee) soll eigentlich bald die Badesaison beginnen, doch am 22. April 1993 ist alles verbarrikadiert. Am Strand liegen riesige Rohre. Die Stadt Velten will die Anlage verkaufen, doch die Verträge sind noch nicht fertig.

In Hammer schrillen die Alarmglocken. Die Schule soll geschlossen werden und die neuen ABC-Schützen auf Liebenwalde und Neuholland aufgeteilt werden – der Hort jedoch würde in Hammer bleiben. Der Gemeinderat beschließt am 29. April 1993, die Schule offen zu lassen und stellt sich damit gegen das Amt Liebenwalde.

Unter der Regie der Orion-Agrar-GmbH entsteht im Kremmener Ortsteil Orion eine Erschließungsstraße für das neue Gewerbegebiet. Komplizierte Grundstücksangelegenheiten haben das Projekt verzögert, wie Geschäftsführer Christoph Brunner erklärt.

Es gibt Gedankenspiele der Flughafenplaner, den neuen Großflughafen für Berlin-Brandenburg zwischen Tietzow (Kreis Nauen) und Flatow zu bauen. Dagegen spricht nicht nur der Kranichrastplatz, auch die Landesregierung lehnt einen nördlichen Standort für den Flughafen ab.

Die Belegschaft des Hennigsdorfer Riva-Stahlwerkes beginnt am 3. Mai 1993 einen Streik. Die Belegschaft kämpft um höhere Tarife.

Im Oranienburger Lehnitzsee muss am 5. Mai eine amerikanische Fünf-Zentner-Bombe gesprengt werden. Die Wasserfontäne bei der Explosion ist gewaltig. Im Eichstädter Dorfteich kommt bei Baggerarbeiten am 13. Mai 1993 eine Bombe ans Licht, die jedoch nur noch eine leere Hülse ist. In Lehnitz aber steht der nächste Kracher bevor: Im Bachstelzenweg liegt eine 500-Kilo-Bombe. Die Entschärfung könnte schwierig werden.

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Wenn eine fröhliche Party zum Albtraum wird

Mittwoch, den 8. Mai 2013
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Die Geschichte einer Oranienburger Feier, die völlig anders ablief als erwartet

MAZ Oranienburg, 8.5.2013

ORANIENBURG
Fensterscheiben gingen zu Bruch. Gartenmöbel wurden verbrannt. Im Bad landete Shampoo auf dem Boden. Umgeworfene Tische und Stühle. Ein Chaos im ganzen Haus. Dazu zwei Fahrräder und zwei Musikboxen, die gestohlen worden sind. Das ist die Bilanz einer Oranienburger Party, die in der Nacht zum 1. Mai durchaus friedlich begann, zu der kurz nach Mitternacht jedoch die Polizei ausrücken musste.

Ein 17-Jähriger aus dem Stadtteil Süd nutzte die sturmfreie Bude – die Eltern waren auf Kreuzfahrt – für eine Party. 20 bis 30 Leute sind zu Gast gewesen. „Die Stimmung war sehr, sehr gut“, erzählt Jasmine (15), die dabei war. „Plötzlich kamen da immer mehr Leute“, erinnert sich Partygast Nils (17). „Wir haben das erst gar nicht realisiert, weil sich das ziemlich durchmischt hat.“

Es muss gegen 23 Uhr gewesen sein, als die Stimmung langsam umkippte. „Die Fremden wurden immer aggressiver“, erzählt Jasmine. Einige Mädchen seien beleidigt worden. Das Ganze muss sich weiter aufgeschaukelt haben, bis die Fremden begannen, Türen einzutreten. „Die haben auch Tische und Stühle geworfen“, sagt Nils. An einigen Stellen lag Erbrochenes auf dem Fußboden. Nils und Jasmine sagen, dass auch Rechtsradikale dabei gewesen sein sollen. Angeblich haben einige von ihnen gedroht, gleich das ganze Haus anzuzünden.

Um 23.56 Uhr ging bei der Polizei der Notruf ein. „Um 0.07 Uhr, also elf Minuten danach, waren die Kollegen vor Ort“, berichtet Toralf Reinhardt von der Pressestelle der Polizei in Neuruppin. Die Beamten waren stundenlang vor Ort. Bis um kurz vor 4 Uhr nahmen sie Personalien auf, bis 5.30 Uhr waren sie insgesamt mit dem Fall beschäftigt. „Ob wir von allen, die daran beteiligt waren, die Daten haben, kann ich nicht sagen“, so Reinhardt im Gespräch mit der MAZ. „Wir konnten ja das Haus nicht abriegeln.“ Zumal einige der Fremden das Weite gesucht haben, als die Polizei in Oranienburg-Süd eintraf.
Die Polizei nahm diverse Anzeigen auf: eine gegen Unbekannt. Im Haus ist ein Schlagring gefunden worden, wem er jedoch gehört, konnte bislang nicht ermittelt werden. Hinzu kommen Anzeigen wegen Sachbeschädigung und versuchter Körperverletzung. Dass unter den mutmaßlichen Tätern auch Rechtsradikale waren, konnte Toralf Reinhardt nicht bestätigen. Wie er jedoch sagte, musste ein Partygast vorübergehend ins Krankenhaus.

Woher die Fremden kamen, woher sie von der Party wussten, ist absolut nicht klar. „Auf Facebook haben wir sie nicht angekündigt“, sagt Nils. Der junge Partyveranstalter selbst wollte mit uns über die Ereignisse nicht sprechen, er schien zunächst sehr schockiert gewesen zu sein über die Geschehnisse in seinem Zuhause. „Er hat jedenfalls keine Feinde“, schiebt Nils hinterher und stellt noch einmal eindeutig klar: „Die Schäden hat keiner von den eigentlichen Partygästen verursacht.“ Die meisten der Freunde haben sich am nächsten Morgen im Haus versammelt, um die gröbsten Schäden zu beseitigen. Der Teppich ist wieder saubergemacht worden, auch im Bad war so weit wieder alles okay.

Am Freitag, also zwei Tage nach der Party, kamen die Eltern nach Hause, die bis zu diesem Zeitpunkt nichts von den Verwüstungen in ihrem Haus mitbekommen hatten. Wie sie reagiert haben, wissen wir nur aus zweiter Hand – aber es soll für den 17-Jährigen einigermaßen glimpflich ausgegangen sein.

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„Wenn ich tot bin, brauche ich die Organe nicht mehr“

Donnerstag, den 2. Mai 2013
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Wir wollten von euch wissen, was ihr vom Spenderausweis haltet

MAZ Oranienburg, 2.5.2013

„Das ist doch saueinfach!“, sagt Elisabeth aus Schildow. Trotzdem geht die Spendenbereitschaft zurück.

OBERHAVEL
Philip Miran will bald seinen Motorradführerschein machen. Für den 19-Jährigen aus Glienicke ist es völlig klar, dass er dann auch einen Organspendeausweis haben wird. „Als Motorradfahrer ist es fast schon eine Pflicht“, sagt er. Was er im Todesfall spendet, ist ihm egal.

Im Laufe des Jahres verschicken die Krankenkassen an ihre Kunden Organspendeausweise. Ziel: das Thema in die Diskussion bringen, die Leute dazu zu bringen, darüber nachzudenken, ob sie Organspender sein wollen.
Nach Angaben der Krankenkasse Salus-BKK sterben pro Tag durchschnittlich 21 Menschen, weil kein passender Organspender für sie gefunden wurde. Etwa 12 000 Menschen warten auf so ein lebensrettendes Organ. Der Skandal um Manipulationen dieser Wartelisten lassen jedoch die Spendenbereitschaft in Deutschland zurückgehen. Im ersten Quartal 2013 sank laut der Stiftung Organtransplantation die Zahl der Organspender um 18 Prozent auf 230. Vergangenes Jahr stellten 1046 Leute Organe nach ihrem Tod zur Verfügung, 2007 waren es deutschlandweit noch 1313.

„Ich habe da noch nie drüber nachgedacht“, sagt Benjamin Grätsch (16) aus Vehlefanz. „In absehbarer Zeit kommt das auch nicht infrage, vielleicht mal, wenn ich älter bin.“
Die 18-jährige Jenny Möring aus Gransee hat über die Anschaffung eines Organspendeausweises hingegen schon mal nachgedacht. „Mit meiner Familie und meinem Freund habe ich schon mal drüber gesprochen.“ Momentan will sie sich aber noch nicht dazu entschließen. „Vielleicht später mal.“ Nur eines möchte sie auf keinen Fall spenden: „Das Herz. Das ist irgendwie so was Spezielles.“

Mit dem Ausweis kann jeder ab 16 Jahren, der es möchte, seine Erklärung zur Spende für den Fall des Todes schriftlich dokumentieren. Wer ihn ausfüllt, kann auch „Nein“ ankreuzen oder bestimmte Organe von der Spende ausschließen. Möglich ist es auch, die Entscheidung auf eine andere Person zu übertragen. Alles das kann darauf vermerkt werden.

„Das ist doch saueinfach“, sagt Elisabeth Baum (18) aus Schildow. „Die Ausweise gibt es zum Beispiel beim DRK.“ Auch in den Stadt- und Gemeindeverwaltungen gibt es sie, falls die Krankenkassen ihn nicht zuschicken. „Ich gehe da ganz rational ran. Wenn ich tot bin, brauche ich die Organe nicht mehr.“
Theo Martens aus Hohen Neuendorf hatte in den USA schon mal so einen Ausweis. „Dort gehört er zum Führerschein“, erzählt der 19-Jährige. Auch hierzulande möchte er sich demnächst wieder einen zulegen. „Gute Aktion“, sagt er noch.

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112 Bücher in nur einem Jahr

Donnerstag, den 25. April 2013
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Thi Minh Chau Cao von der Kremmener Grundschule ist eine Vielleserin

MAZ Oranienburg, 25.4.2013

KREMMEN
Ihr größtes Hobby ist lesen, ganz klar. Unglaubliche 112 Bücher hat die zwölfjährige Thi Minh Chau Cao in den vergangenen zwölf Monaten verschlungen. Mit riesigem Abstand ist sie das Mädchen an der Kremmener Goethe-Grundschule, das sich die meisten Bücher ausgeliehen hat. Und sie hat sie wirklich alle gelesen!
Pro Woche holt sie sich schon mal zehn Bücher aus der Bibliothek. „Meistens Romane“, sagt sie. „Und meistens sind es Bücher, die eigentlich für Ältere gedacht sind.“ Kinderbücher mag die Schülerin nicht so. „Die sind mir meistens zu kindisch“, sagt sie.
Der dickste Wälzer, den sie jüngst gelesen hatte, war „House of Night: Verloren“ von P. C. und Kristin Cast: 736 Seiten. „Es geht um Vampire, um Gut und Böse.“ Pro Stunde schafft sie schon mal 100 Seiten, erzählt Thi Minh Chau Cao. Es gab aber auch Werke, die ihr nicht gefallen haben, „Das kleine Gespenst“ zum Beispiel. „Das sollte ich bei der Lesenacht vorlesen, und ich musste mich darauf vorbereiten. Aber das war nicht so mein Ding.“

Sie geht fast jeden Tag in die Schul- oder Stadtbibliothek, wie sie erzählt. Außerdem singt sie gern und spielt im Schülertheater mit.
„Unglaublich“, sagt Schulleiterin Annette Borchert. „Ich sehe sie immer nur mit dicken Büchern rumlaufen.“ Gestern Vormittag ist die Zwölfjährige beim Goethetag in der Kremmener Schule mit dem Vielleserpreis ausgezeichnet worden.

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Marode Bahnbrücke wird ersetzt

Dienstag, den 16. April 2013
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Landesstraße 20: In Bötzow beginnt das Planfeststellungsverfahren

MAZ Oranienburg, 16.4.2013

Die Pläne für den Brückenneubau südlich von Bötzow können in der Verwaltung in Eichstädt eingesehen werden. Geplant ist auch ein Radweg.

BÖTZOW
Einen konkreten Termin gibt es noch nicht, aber klar ist, dass die Brücke über die Bahnstrecke am südlichen Bötzower Ortseingang ausgetauscht werden soll. Dazu muss die Landesstraße 20 gesperrt werden, und das wohl monatelang.
Die Planunterlagen liegen noch bis Freitag im Zimmer 9 des Bauamtes der Gemeinde Oberkrämer in Eichstädt aus. Eingesehen werden können der Plan mit den Zeichnungen, Erläuterungen sowie die entscheidungsrechtlichen Unterlagen über die Umweltauswirkungen. Einwendungen sind bis zum 3. Mai bei der Gemeinde oder beim Landesamt für Bauen und Verkehr in Hoppegarten möglich.

Betroffen ist die Strecke zwischen Schönwalde-Dorf (Havelland) und Bötzow. Saniert wird sie auf einer Länge von 780 Metern, inklusive des Brückenneubaus. Die neue Asphaltstraße soll in dem Bereich acht Meter breit sein. Außerdem ist geplant, von der Landkreisgrenze Havelland-Oberhavel bis Bötzow einen begleitenden, 2,1 Kilometer langen Radweg anzulegen.
Ursprünglich gehörte die Brücke zur geplanten Ortsumgehungsstrecke für die Landesstraße 20, die südlich von Bötzow beginnen soll, südlich an Marwitz und Velten vorbei, über Hohenschöpping zum Berliner Ring führen sollte. Von einer den Veltenern lange versprochenen neuen A-10-Abfahrt kämen Autofahrer recht zügig in die Region Bötzow und weiter nach Schönwalde und Falkensee.
Nur die Strecke von Velten nach Hohenschöpping, zur Autobahn 111, jedoch ist fertig, an einen Weiterbau ist laut der aktuellen Unterlagen des Landesbetriebes Straßenwesen derzeit nicht zu denken. Deshalb wird der Brückenneubau in Bötzow nun als der erste Bauabschnitt dieser Strecke bezeichnet.

Peter Leys, der Bürgermeister von Oberkrämer, steht einer Straßensperrung kritisch gegenüber. „Man könnte auf der alten Trasse bauen, der Landesbetrieb sollte ja noch über die entsprechenden Flächen verfügen“, sagt er bei einem Pressetermin. So werde auch beim Brückenneubau an der Autobahnabfahrt Kremmen bei Staffelde verfahren. Die Umleitung führe an der Bötzower Grundschule vorbei. Leys: „Das ist problematisch.“

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Zum Thema Facebook gibt es noch viel Halbwissen

Donnerstag, den 11. April 2013
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Seminar zum sozialen Netzwerk im Schönfließer Jugendhaus

MAZ Oranienburg, 11.4.2013

Das Internet und Facebook sind ein echtes Geschenk, aber wir müssen damit umgehen lernen, sagt ein Computerexperte.

SCHÖNFLIESS
Denise hat auf Facebook ungefähr 700 Freunde – gut 50 davon kennt sie real, sagt sie. „Viele kenne ich aus der Schule oder vom Fußball“, erzählt die 14-Jährige aus Schönfließ. Ihre Freundin Josephine (14) kann da nicht mithalten, sie hat im sozialen Netzwerk im Internet nur 300 Freunde. „Ich bin allerdings erst ein halbes Jahr dabei“, sagt sie. „Ich chatte viel und poste Fotos.“ Dass Facebook viele Daten speichert, interessiert sie nicht besonders.

Dem will der Computerfachmann Ilja Stühmeier aus Lehnitz entgegensteuern. In der vergangenen Woche bot er im Jugendhaus in der Schönfließer Bieselheide ein Seminar über den Umgang mit Facebook an. „Das Internet und Facebook sind ein echtes Geschenk“, sagt er. „Aber wir müssen uns klar darüber sein, dass es ein Unternehmen ist, das mit unseren Daten Geld verdienen will.“ Heutzutage sei es möglich, mit bestimmten Computerprogrammen die Facebook-Daten zu verknüpfen und so ein richtiges Profil über den jeweiligen Nutzer zu erstellen. Traurig sei es, dass Eltern mit diesem Thema oft überfordert seien.
Das bestätigt auch Sabine Vehlow, die Jugendkoordinatorin im Mühlenbecker Land, sie ist selbst Mutter. „Uns wird auch nicht geholfen“, sagt sie. Sie hat sich auch auf der Internetplattform angemeldet. „Ich nutze das, um mal ein Auge drauf zu haben, was da so los ist.“ Die Möglichkeit der Vernetzung findet sie an sich aber erst mal „super“. Bei Jappy, einem weiteren Netzwerk, musste sie schon mal eingreifen, nachdem bekannt geworden sei, dass ein anonymer Nutzer Nacktfotos an junge Mädchen verschickt hatte. Ilja Stühmeier bezeichnet Jappy als das qualitativ schlechteste soziale Netzwerk im Internet. „Sandro, 12, ist da in Wirklichkeit schon mal 56“, erklärt er. Allerdings seien die Nutzerzahlen bei Jappy jedoch rückläufig, immer mehr Jugendliche tummeln sich bei Facebook.

„Es gibt nur zwei Leute in meiner Klasse, die nicht dabei sind“, sagt die 14-jährige Schönfließerin. Einer davon ist Deniz. Er darf sich erst anmelden, wenn er 14 sind, so habe es ihm seine Mutter zugesagt, erzählt er.
Das Seminar im Jugendhaus in Schönfließ fand das erste Mal statt. „Es gab bei uns einen Generationswechsel“, sagt Koordinatorin Sabine Vehlow. „Die ganz jungen Leute können den Kurs gebrauchen, da gibt es noch sehr viel Halbwissen. Teilweise wissen sie gar nicht, was sie machen.“

Denise verbringt etwa drei Stunden am Tag auf Facebook. „Ich poste dort, was ich so mache“, erzählt sie. Genau wie ihre Freundin Josephine hat sie ihr Profil auf der Seite aber so eingestellt, dass nur ihre Freunde lesen können, was sie schreibt.
Der 17-jährige Brian aus Schönfließ ist da schon vorsichtiger. „Ich chatte dort mit Freunden, habe aber keine Lust, was zu posten“, erzählt er. Eine Stunde pro Tag ist er auf der Seite des Netzwerks.

Ob es Ilja Stühmeier und Sabine Vehlow gelungen ist, die Schönfließer Jugendhausbesucher zu sensibilisieren, wird sich erst noch zeigen. Auf jeden Fall ist geplant, die Seminare in anderer Form weiterzuführen.

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1993: Metaller blockieren Oranienburgs Verkehrsschlagader

Dienstag, den 9. April 2013
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Feb/März 1993 -> 12.3.2013

Vor 20 Jahren: Arbeiter protestieren gegen Treuhand / Polizei stoppt russische Wagenkolonne aus Fürstenberg / Eklat im Parlament Hohen Neuendorf

MAZ Oranienburg, 9.4.2013

Was passierte vor 20 Jahren im damaligen Kreis Oranienburg? Diesmal der März und April 1993.

OBERHAVEL
Die ehemalige MC „Eichenring“ Wolfslake benennt sich im März 1993 in „Speedway-Team Berlin-Wolfslake“ um. Ursprünglich hatten die Vereinsmitglieder dagegen gestimmt, doch der neue Name sei notwendig, um neue Sponsoren zu bekommen, so der Vorsitzende Gerd Sievers.

Die Polizei stoppt am 15. März 1993 bei Nassenheide eine Kolonne mit 40 Autos, die von Löwenberg nach Oranienburg unterwegs ist. Es handelt sich um Angehörige der russischen Garnison in Fürstenberg. Es kommt heraus: 19 der Autos, überwiegend vom Typ Lada Samara, sind als gestohlen gemeldet. Diebe sind es dennoch nicht, vermutlich bekamen sie die Autos von Zwischenhändlern, so die Polizei. Solche Fahrzeugkarawanen sollen schon öfter in der Region gesichtet worden sein.

Auf einem Grundstück in der Berliner Straße in Kremmen muss am 18. März 1993 eine russische Fliegerbombe entschärft werden. Tischlermeister Heiko Höft stieß vorher bei Fundamentarbeiten auf einen harten Gegenstand. Die 125 Kilogramm schwere Bombe ist noch scharf und kann schnell unschädlich gemacht werden.

Die Hennigsdorfer wollen eine Zersplitterung ihres Gymnasiums verhindern und den Beschluss, das Haus in kreisliche Hand zu geben, kippen. Der Landkreis sieht vor, dass die Schüler in Hennigsdorf und Velten nur von den Klassen 7 bis 10 in die jeweiligen Schulen gehen, ab Klasse 11 auf das Oberstufenzentrum. Die Stadtverordneten wollen die Pläne nicht hinnehmen.

Über der zukünftigen Grundschule in Vehlefanz hängt die Richtkrone. Nach einer unsicheren Finanzierung findet die Feier am 19. März 1993 doch noch statt.

Eklat im Hohen Neuendorfer Parlament. Nachdem Dieter Kuhnke (SPD) aufgefordert wird, seinen Platz im Plenum zu räumen, weil er bereits 1991 nach Berlin gezogen und sein Mandat damit erloschen sei, verlässt die SPD-Fraktion den Saal. Die Sitzung muss abgebrochen werden.

Gerade hat Oranienburg des 60. Jahrestages der Errichtung des Konzentrationslagers an der Berliner Straße gedacht, gibt es Streit um dieses Gelände. Die Lebensmittelkette Reichelt soll das Areal von der Treuhand erworben haben. Nun gibt es heftige Diskussionen, ob ein Supermarkt an dieser Stelle statthaft sei.

In Marwitz, Eichstädt und Bärenklau geht am 25. März 1993 das erste neue Kanalisationsnetz der Region in Betrieb.

Thomas Henning wird zum neuen Gemeinde-Oberhaupt in Zühlsdorf gewählt. Er lebt seit 1990 im Ort.

Unbekannte treiben ein böses Spiel mit der Kremmener Feuerwehr. Von Januar bis Ende März 1993 gibt es elf Alarme, die sich als Fehlmeldungen herausstellen. „Das ist eine ganz böswillige Angelegenheit“, sagt der Feuerwehr-Technikwart Günter Heisler.

Der 53-jährige Erhard Heide aus Neuruppin wird am 29. März 1993 zum neuen Amtsdirektor von Liebenwalde gekürt. Er will gegen die wachsende Arbeitslosigkeit kämpfen, sagt er.

Am 31. März 1993 steht es fest: Oranienburg wird Kreisstadt von Oberhavel. Nur zwei Abgeordnete stimmen dagegen.

600 Beschäftige aus der Metallindustrie blockieren am 7. April 1993 Oranienburgs Verkehrsschlagader, die Kreuzung Berliner/Sachsenhausener Straße. Die Arbeiter protestieren gegen die Politik der Treuhand, gegen die drohende Zerschlagung der Gewerkschaften.