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Polizeistaat in Zeiten des Coronavirus

Mittwoch, den 15. April 2020
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So billig habe ich schon lange nicht mehr getankt. Gerade mal 1,169 Euro kostete der Liter bei SB-Tank in Sachsenhausen am frühen Abend.

Gegenüber, bei McDonald’s war der offenbar übliche abendliche Stau am McDrive. Das Restaurant ist dicht, nur am Drive-in bekommt man was.
Es scheint tatsächlich Leute zu geben, die das immer noch nicht mitbekommen zu haben. Ein Lieferwagen fuhr an der Schlange vorbei, auf den Parkplatz. Ein Herr stieg aus und lief in Richtung Eingang, um dort festzustellen, dass der Laden dicht ist und die Autos nicht umsonst am McDrive anstehen und die Leute darin warten. Der Mann düste im Auto wieder ab – und stellte sich mit seinem Wagen auch nicht in die Schlange.
Ich war seit Februar das erste Mal bei McDonald’s. Der Verbot gehörte zu meiner Fastenzeit, und das habe ich auch durchgezogen. Sicherlich wäre es schöner gewesen, ins Restaurant zu gehen, sich am Automaten was zu bestellen und bei einem guten Buch gemütlich drinnen zu essen.

So nahm ich das Bestellte mit und fuhr auf den Parkplatz am Oranienburger Schlosshafen. Im Radio lief der “Fest und flauschig”-Podcast, und ich futterte, was ich vorher gekauft hatte.
In Sichtweite zu mir standen drei Männer und unterhielten. Einer hatte einen Hund dabei, und er warf den Ball, damit der Hund ihn holen konnte.
Aber in der heutigen Zeit ist es nicht gestattet, zu dritt irgendwo rumzustehen und zu plaudern. Es dauerte keine zehn Minuten, da standen plötzlich drei Polizisten vor der Gruppe – die drei Polizisten hielten übrigens auch nicht wirklich einen Sicherheitsabstand ein.
Sie schienen den Männern jedenfalls klarzumachen, dass es verboten sei, dort rumzustehen, denn die Gruppe trennte sich. Ob sie eine Strafe zahlen müssen, war nicht zu sehen – aber ich glaube nicht.

So richtig die Sicherheitsmaßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus auch sind – es ist auch erschreckend, wie schnell wir plötzlich in einem Polizeistaat leben. Da steht man so rum, und plötzlich ist die Polizei da. Und selbst ich in meinem Auto war mir nicht mehr sicher, ob sich eigentlich da in meinem Auto stehen darf und im Auto sitzend das Fastfood verdrücken darf. Ich hatte mich schon drauf vorbereitet, dass die Polizei auch mich gleich verhaftet. Aber sie sahen mich aus der Entfernung eventuell nicht.
Eine der Polizistinnen telefonierte aber länger, und ich sah schon einen Mannschaftswagen anrauschen, damit die Beamten mein Auto auseinander nehmen könnten.
Tatsächlich kam dann auch ein Mannschaftswagen und stoppte neben einem zweiten. Ob es einen größeren Polizeieinsatz gab, weil auf der anderen Seite der Havel drei Jugendliche auf terroristische Weise miteinander plauderten, habe ich nicht mehr mitbekommen. Ich hatte aufgegessen und fuhr los. In der Hoffnung, einer Festnahme zu entgehen.

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Fasten in Zeiten des Coronavirus

Dienstag, den 14. April 2020
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Aschermittwoch war die Welt hierzulande noch relativ in Ordnung. Es begann wieder die Fastenzeit, und diesmal hatte ich mir Folgendes überlegt:
Keine Cola oder Colamixe, und auch keine Fanta oder Ähnliches.
Kein McDonalds oder Burger King.
Keine Süßigkeiten, vor allem keine Schokolade.
Keine Puddings oder Ähnliches.
Eine richtige Mahlzeit am Tag. Trinken ganz normal erlaubt.
Bis zum Ostersonnabendabend sollte das so gehen.

Es lief auch alles ganz gut. Eisern hielt ich durch. Selbst im Büro widerstand ich allen Zwischendurch-Genüssen, die immer mal wieder rumgingen. Selbst bei Kuchenpausen war ich nur Beobachter. Ich war stolz auf mich, und das Fasten zeigte auch schon Wirkung.
Doch dann begann die Coronakrise.
Seit Mitte März bin ich im Homeoffice. Heißt: immer zu Hause. Nur noch selten kommt man raus, Vor-Ort-Termine gibt es kaum noch oder man erledigt die Dinge telefonisch.

Aber wenn man permanent zu Hause ist, nur noch einmal am Tag rauskommt, dann ist das Fasten besonders anstrengend. Die Zeit ist schon traurig und trostlos genug – und so beschloss ich während der ersten Homeoffice-Woche, einen Punkt beim Fasten 2020 zu streichen. Ich gab die Regel auf, nur einmal am Tag richtig essen zu dürfen. Diesen Frust wollte ich mir in der Frustzeit nicht auch noch geben.
Alle anderen Punkte blieben aber bestehen, und die hielt ich auch bis zum Ostersonnabendabend durch.

Am Abend des Ostersonnabends gönnte ich mir dann einen Pudding, Kinder Riegel und Cola. Seltsamerweise war die Cola-Euphorie beim Trinken gar nicht so groß. Kann es sein, dass Coca-Cola früher anders und besser geschmeckt hat? Ich werde auf Cola nicht verzichten, aber es wird sie seltener geben. Sag ich jetzt mal.

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Videos über guten Geschmack

Mittwoch, den 8. April 2020
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Coronavirus: Der Spirituosen-Verkauf in Sommerfeld geht weiter, die Bar in Berlin ist geschlossen – von Wien aus macht Nicolas Kröger Clips auf Youtube und Podcasts auf Spotify

MAZ Oberhavel, 8.4.2020

Sommerfeld.
Beruflich und privat pendelt Nicolas Kröger immer zwischen Sommerfeld und Wien. Jetzt sitzt er in der Hauptstadt Österreichs fest. Die Corona-Pandemie macht Reisen unmöglich. „Normalerweise bin ich drei Tage pro Woche hier in Wien“, sagt er. Dort lebt er bei seiner Freundin. Das heißt aber nicht, dass seine Firma „N. Kröger Fine Spirits“ in Sommerfeld brach liegt. Der 29-Jährige ist Spirituosen-Produzent. Bei ihm gibt es Gin, Rum oder Whisky. Er kreiert neue Sorten und füllt die Flaschen in seiner Sommerfelder Manufaktur ab und lässt sie etikettieren. „Die Produktion war vorbereitet, es kann dort weitergehen“, sagt er. Der Onlinehandel wird weiter abgewickelt. Seine „Wagemut“-Bar in Berlin allerdings ist geschlossen. „Ich hatte sie allerdings schon vorher auf Null gesetzt, das hatte mit Corona nichts zu tun“, sagt Nicolas Kröger. „Ich wollte eh einen Neustart machen und die Bar von Grund auf neu aufbauen.“ Die Neueröffnung war für den 1. April geplant – die muss nun warten. Wenn er wieder darf, will er mit neuem Team wieder loslegen – und er selbst will mehr mitmischen. Dafür sei vorher kaum Zeit gewesen.

In Wien hat er nun viel Zeit. Andererseits: Langweilig ist ihm nicht. Denn er hat sich neue Aufgaben gesucht. Nicolas Kröger macht nun Youtube-Videos und einen Podcast unter anderem beim Streamingdienst Spotify. Und natürlich dreht sich alles um das, was er besonders gut kann. Er gilt in der Branche als ein Feinsensoriker.„Das Wertvollste, was ich habe, ist zu wissen, was Leute geschmacklich wollen“, erzählte er in einem MAZ-Gespräch im Somer 2019. Er sitzt oft in Jurys und bewertet den Geschmack von Spirituosen. Auch hält er entsprechende Vorträge. „Aber die dauern dann eine halbe Stunde oder auch anderthalb Stunden. Das reicht nicht, da kann ich nicht alles rüberbringen, was mir wichtig ist.“

Schon im August 2018 startete er seinen Youtube-Kanal „Bar Wagemut“. „Aber dafür fehlte mir immer die Zeit.“ Die hat er nun. In seinen Videos zeigte er bereits, was seine Kunden aus den Produkten, die es bei ihm in Sommerfeld gibt, alles zaubern können. In der „Wagemut Taste Academy“ mixte er beispielsweise „Manhattan“-Variationen oder einen Espresso Martini. Auch startete er eine Reihe über die „Faszination Spirituosen“. In dem Video geht es um die vielfältige Welt des flüssigen Geschmacks. Er berichtet über guten und schlechten Geschmack, sensorische Manipulation oder wie Zucker die geschmackliche Wahrnehmung beeinflusse. Alles, was er dort erzählt, gibt es bei Spotify auch als Podcast in der Hörfassung – kostenlos unter dem Titel „Wagemut Taste Academy“.
Auch auf der Social-Media-Plattform „TikTok“ ist er vertreten. Dort erreichte eines seiner kurzen Videos bislang fast 100 000 Aufrufe. „Das ist mega.“

Fünf bis sechs Stunden am Tag arbeitet er an den Videos und Podcasts, außerdem beantwortet er Fragen und Kommentare der Menschen, die sich seine Clips ansehen oder anhören. „Die Interaktion mit den Leuten ist enorm wichtig“, sagt er. „Langeweile habe ich in meinem Leben noch nie gehabt. Und auch jetzt bin ich absolut gut beschäftigt“, sagt Nicolas Kröger. Er komme nicht mal dazu, in Ruhe einen Film zu sehen. Ihm bleibe jetzt nichts anderes übrig, als die Krise abzuwarten. Für seine Bar hofft er auf eine Mietvereinbarung, und in Sommerfeld läuft die Produktion weiter.

-> www.NKroeger.de; Auf Youtube: Bar Wagemut.

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Coronavirus: Oranienburger Fußballer machen virtuellen Mannschaftsabend

Dienstag, den 7. April 2020
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Der Fußballplatz an der Oranienburger André-Pican-Straße ist wegen der Sicherheitsmaßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus verwaist. Das sorgt auch in der Vereinsgaststätte für einen Umsatzausfall.
Nun trafen sich die Fußballer des Oranienburger FC Eintracht zu einem virtuellen Mannschaftsabend. Das berichtet die Märkische Allgemeine. Für jedes Getränk und jede Speise – die sie gekauft hätten – zahlten sie auf ein Konto ein.

Inzwischen spendeten auch Nachwuchsteams und Freunde durch WhatsApp-Gruppen. 1100 Euro sind dadurch schon zusammengekommen.

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Spargel essen in Zeiten des Coronavirus

Freitag, den 3. April 2020
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Auch der Spargelhof in Kremmen darf in der Zeit des Coronavirus sein Restaurant nicht eröffnen. Und die Spargelsaison hat bereits begonnen. Normalerweise hätte ich um diese Zeit jetzt das erste Mal im Restaurant gesessen, und ich hätte Spargel mit Kartoffeln, Rührei und Sauce Hollandaise bestellt.
Entfällt erst mal. Zumindest vor Ort. In Kremmen aber hatte sie eine Idee. Seit Mittwoch gibt es auf dem Spargelhof einen Drive-In. Dazu fährt man auf das Gelände, und gleich auf dem vorderen Parkplatz ist eine kleine Einbahnstraße eingerichtet. Folgt man ihr, gelangt man zu einem Zelt mit dem Spargelverkauf.
Dort bekommt man die Spargelgerichte, die es sonst im Restaurant gegeben hätte. Meine Rührei-Variante gibt es zwar leider nicht, aber ich bestellte Spargel mit Schnitzel und Kartoffeln, dazu die Sauce Hollandaise.
Ich bezahlte und fuhr dann zum zweiten Fenster, dort bekam ich dann, was ich bestellt hatte.
In einer Art Papp-Behälter war das Essen, die Soße war in einem separaten Becher.

Aber würde das Essen warm bleiben, die ich zu Hause bin? Ich brauche 20 bis 25 Minuten, erst dann konnte ich losessen. Es heißt, die Leute vom Spargelhof haben das getestet, haben das Essen 30 Minuten eingepackt in der Schale gelassen und dann probiert – es soll immer noch geschmeckt haben.

Zu Hause packte ich dann auch alles aus. Es sah alles noch gut aus. Das kann man ja zum Beispiel von den eingepackten Pommes aus dem Imbiss nicht sagen – die sind schon nach drei Minuten labbrig.
Aber der Spargel war immer noch warm, er war nicht zu fest und auch nicht zu weich. Dazu immer noch annehmbar warme Kartoffeln, ebenso das Schnitzel. Die Sauce Hollandaise war oberflächlich war bisschen fest geworden, aber letztlich war auch die qualitativ noch gut.

Das Experiment funktioniert also. Zumindest dann, wenn man den Spargel und den Rest nicht selbst kochen will. Denn natürlich gibt es ja auch noch die Stände, an denen der Spargel normal verkauft wird – da natürlich ungekocht.

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Mittagessen in Zeiten des Coronavirus

Mittwoch, den 1. April 2020
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Heute gab es Stampfkartoffeln, Rührei und Gemüse. Letzte Woche gab es Hackbraten mit Kartoffeln, Gemüse und Soße. Und am Tag davor Stampfkartoffeln mit zwei Eiern und Senfsoße.
Im Auto.
Ich schiebe dann den Sitz ein wenig zurück, mache das Radio an oder einen Podcast, wenn ich dran gedacht habe, habe ich meine Gabel dabei. Oder ich bekomme eine Plastikgabel.
Und dann mache ich es mit essend gemütlich.

Das ist die neue Art des Mittagessens.
Wegen der Sicherheitsmaßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus dürfen Gaststätten, Bistros und Imbisse nur noch Essen-to-go verkaufen. Sich dort hinzusetzen, um zu essen geht nicht mehr.

Wenn ich jetzt also ins “Bistro 23” in Oranienburg gehe, bekomme ich das Essen in eine Verpackung, ich kaufe noch was zu trinken, und dann laufe ich zum Auto, um dort essen.
Ich hoffe, das Bistro hält durch!

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Kurze Auszeit in Zeiten des Coronavirus

Mittwoch, den 18. März 2020
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Home Office. So schön es ist, nicht das Haus verlassen zu können, so blöd ist es auch, nicht das Haus verlassen zu können. Das heißt: Ich könnte, und noch dürfen wir ja alle das Haus verlassen. Aber sicher ist sicher.
So sitzt man aber stundenlang am Schreibtisch, arbeitet vor sich hin, immer wieder kommen neue Mails und Informationen. Der WhatsApp-Chat mit den Kollegen läuft, zwischendurch Telefonate und längere Gespräche am Telefon, die man sonst vor Ort und Auge in Auge machen würde.
Aber in Zeiten des Coronavirus ist alles anders.

Deshalb ist dann eine tägliche Auszeit ganz gut. Mal rausgehen. Einmal um den Block laufen.
Bei Subway in Oranienburg haben sie die Tische auseinandergestellt – Sicherheitsabstand. Sieht allerdings nun etwas verloren aus. Aber was muss, das muss.
Ein wenig merkwürdig finde ich, dass man kein Tablett mehr kein Körbchen mehr bekommt. Stattdessen bekommt man die zwei Subs und den Keks jeweils eingepackt in die Hand gedrückt. Die Zapfmaschine war auch kaputt, also griff man zur Flasche.

Dann noch einmal um den Block. Es war nach 17 Uhr, es ging auf den Feierabend zu, aber rund um den Oranienburger Bahnhof war deutlich weniger los, als sonst. Am Gymnasium standen die Tore noch weit offen, vermutlich sind sie in den nächsten Wochen fest verschlossen. Der Drogeriemarkt war erstaunlich leer, auch in der Bäckerei war man schon am Aufräumen.
Ich spazierte einmal durchs Viertel, ein bisschen frische Luft, bevor es wieder rein ging.

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