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1991: Lokführer hat seinen Einsatz verschlafen

Juli 1991 II -> 30.7.2011

Rückblick: Pendler müssen länger warten

MAZ Oranienburg, 16.7.2011

Was passierte vor 20 Jahren im Altkreis Oranienburg – und was stand in der MAZ? Diesmal: die erste Hälfte im August 1991.

OBERHAVEL
Der Kiessee in Schildow wandelt sich zum Unglücksgewässer. Innerhalb von zwei Tagen sterben zwei Kinder aus Berlin. Am Nachmittag des 1. August 1991 läuft der kleine Marcus unbeaufsichtigt in den See. Die Feuerwehr sucht eine Stunde, bis sie das tote Kind findet – genau an der Stelle, an der zwei Tage zuvor ein Mädchen gestorben war. Eine Woche später ertrinken ein Junge im Veltener Autobahnsee (Bernsteinsee) und ein Mann im Beetzsee.

Der Verkauf eines weiteren Oranienburger Betriebes ist perfekt: Die Kraftanlagen AG Heidelberg erwirbt von der Treuhand das Infrarotwerk in der Sachsenhausener Straße. Die Zukunft sehe gut aus, sagt Vorstandvorsitzender Horst Linden. Oranienburg sei ein Zukunftsstandort zur Produktion von Lackieranlagen. Zehn Millionen Mark will der Konzern investieren.

Zwischen Berlin-Frohnau und Hohen Neuendorf entsteht die Trasse für die S-Bahn. Ein Dutzend Baubetriebe – alle aus Berlin – arbeiten daran, dass die Strecke am 1. Mai 1992 freigegeben werden kann. 73 Millionen Mark soll das Projekt kosten.

In Bergfelde ist die Brücke über die Bahnstrecke gesperrt. Das Bauwerk ist undicht. Im Winter bilden sich Eiszapfen. Über die Baustelle war jedoch vorher niemand informiert. Die Bergfelder sind sauer.

Im Kreis Oranienburg schnellt unterdessen die Arbeitslosenzahl in die Höhe. Im Vergleich zum Vormonat steigt sie um 1466 auf 8014 Betroffene. Ein Grund ist der Ablauf des Kündigungsschutzes in der Metallindustrie.

Über dem Landkreis kracht es. Am Morgen des 8. August 1991 blitzt und donnert es kräftig. Am selben Tag fällt in großen Teilen Oranienburgs für fast drei Stunden der Strom aus.

In der Hennigsdorfer Parkstraße startet das Modellprojekt „Konradsberge“. Es entsteht ein Jugendförderungs- und Freizeitzentrum, die Arbeiten sollen bis 1992 abgeschlossen sein. Von ehemals vier Jugendklubs ist in Hennigsdorf nur noch einer aktiv.

Kleiner Zwischenfall auf dem Oranienburger Bahnhof. Am 13. August 1991 um 6.04 Uhr sagt eine gelangweilte Stimme aus dem Lautsprecher, dass der Schichtzug nach Hennigsdorf mit „unbestimmter Verspätung“ abfahren würde. Die 300 Wartenden sind unruhig. Wenig später kommt ein Mann angerannt – der Lokführer. Er hat verpennt.

Die Liebenthaler wollen sich mit Groß Schönebeck wiedervereinen. Wann und wie die Fusion passieren soll, ist jedoch noch unklar.

Im Kreis Oranienburg sind Mitte August 1991 nur noch wenige hundert Meter Mauerreste zu sehen. Ursprünglich waren es 30 Kilometer. Größere Abschnitte stehen noch am Glienicker Entenschnabel sowie bei Hennigsdorf in Richtung Nieder Neuendorf. Das Abrisskommando mit Ex-Grenzsoldaten soll die Reste abtragen. In Hohen Neuendorf und Hennigsdorf ist geplant, dass je ein Wachturm stehen bleibt.

Ein Kommentar zu “1991: Lokführer hat seinen Einsatz verschlafen”

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