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1991: Ökologische Zeitbombe in Velten

August 1991 I -> 16.8.2011

Rückblick: Im August 1991 ist der ehemalige Sero-Hof verwüstet / Land will Oranienburger Schloss zurück

MAZ Oranienburg, 20.8.2011

Was passierte vor 20 Jahren im Altkreis Oranienburg – und was stand in der MAZ? Diesmal: die zweite Hälfte im August 1991.

OBERHAVEL
Den Oranienburgern stinkt’s mal wieder gewaltig – der typische Pharma-Duft wabert über der Stadt. Der Grundstoff für die Produktion Cholinchlorid ist Trimethylamin – und der riecht. Um die Anlage auf den neuesten Stand zu bringen, müssen Millionen investiert werden.

In Velten gibt es Ärger um das frühere Serogelände. Seit 1982 ist es eine ökologische Zeitbombe. Aus dem dortigen Tanklager der Sowjetarmee lief nach einer Havarie Kerosin aus. Nach der Sero-Abwicklung ist der Hof der Verwüstung freigegeben. Die Stadt will eine Erdwaschanlage errichten, aber die Treuhand blockiert das Vorhaben.

Die MAZ vom August 1991 ist gespickt mit Nachrichten von tödlichen Unfällen. Am 17. August stirbt ein Mann auf der Landesstraße zwischen Pinnow und Velten. An der Autobahnbrücke über der A 111 stoßen ein Motorrad, ein Kleintransporter und zwei Autos gegeneinander. An der Kanalbrücke in der Oranienburger Birkenallee überschlägt sich am selben Tag ein Auto. Eine Frau kommt ums Leben.

Im Kreis beginnt am 22. August die Schule – und alles ist anders. Nun gibt es Gymnasien, Real- und Gesamtschulen. In der Oranienburger Liebigstraße bildet sich drei Tage vorher eine lange Schlange am Schulbuchverkauf. Allerdings fehlt noch ein gutes Drittel aller Bücher, die Verlage liefern nicht rechtzeitig. Für das Runge-Gymnasium sind noch gar keine da.

Heinz Lahs, der Bürgermeister von Nassenheide, erklärt seinen Rücktritt. Der Arbeitsaufwand sei enorm, sagt er. Das Problem: Es gibt keinen hauptamtlichen Stellvertreter. Es gebe in der Verwaltung nur zwei Sacharbeiter, viele Anträge bleiben liegen. Lahs’ Stelle soll ausgeschreiben werden.

Der Kreis erlebt eine Premiere: Erstmals sitzt ein „Wessi“ auf einem Bürgermeisterstuhl in der Region. Peter Ihloff kommt aus Nordrhein-Westfalen und leitet nun die Geschicke von Stolpe-Süd.

Der Streit um das T-Gebäude der Gedenkstätte Sachsenhausen in Oranienburg eskaliert. Eigentlich sollte das Finanzamt dort einziehen, das Land legte ein Veto ein. Inzwischen will Landrat Karl-Heinz Schröter nicht mal mehr schriftlich mit Bürgermeister Udo Semper reden. Das Vertrauen sei durch einen offenen Brief Sempers an die Landesregierung „auf lange Zeit gestört“. Schröter geht noch weiter und droht, dass das öffentliche Gerangel gewiss kein Mittel wäre, die Rolle einer „Kreisstadt Oranienburg“ zu stärken.

Und auch um das Schloss in der Kreisstadt gibt es Zoff. Das Potsdamer Finanzministerium hat einen offiziellen Antrag zur Rückgabe des Schlosses in Landeseigentum gestellt. In das Gebäude sollen Landesbehörden einziehen. Zum Ärger des Ministeriums ist dort jedoch schon fast die komplette Stadtverwaltung eingezogen.

Unterdessen steht der geplante neue Landkreis mit Oranienburg, Gransee und Bernau auf der Kippe. Seine Unterschrift unter das entsprechende Dokument bezeichnet der Bernauer Landrat Dieter Friese am 20. August 1991 als „gravierenden Fehler“. Das Parlament sei übergangen worden. Die Bernauer Abgeordneten können sich zu einem eindeutigen „Ja“ nicht durchringen.

Ein Kommentar zu “1991: Ökologische Zeitbombe in Velten”

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