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1991: Streit um Ortsumfahrung

Januar 1991 II -> 1.2.2011

Rückblick: Im Februar 1991 erstmals Variante außerhalb Oranienburgs

MAZ Oranienburg, 25.2.2011

Was passierte vor 20 Jahren im Altkreis Oranienburg – und was stand in der MAZ? Diesmal: die erste Hälfte im Februar 1991.

OBERHAVEL
Der Februar 1991 beginnt in Nassenheide mit schlechten Nachrichten. Das Trinkwasser hat eine zu hohe Nitratbelastung. Schuld ist die intensive Düngung mit Gülle und Jauche. Probleme gibt es aber auch in Neu-Vehlefanz, Liebenthal, Freienhagen, Wensickendorf, Schmachtenhagen, Bötzow und Hammer.

Viele Kaufhallen im Kreis Oranienburg bekommen ein neues Etikett. Die Häuser der ehemaligen DDR-Handelsorganisation (HO) gehören nun zu Spar. Hinzu kommen weitere 26 Verkaufsstellen im Landkreis. Der Vorwurf, dass ein großes Monopol entsteht, wird laut.

Die Polizei feiert am 1. Februar 1991 einen Erfolg. Beamte nehmen fünf Jugendliche aus Hennigsdorf und Velten fest. Sie sollen 24 Straftaten in zehn Tagen verübt haben. Dazu gehören vier Raubüberfälle, 17 Bungaloweinbrüche, eine Autobeschädigung und zwei weitere Einbrüche. Schockierend ist die besondere Brutalität, mit der die kurzgeschorenen Männer vorgegangen sind. So schlugen sie auch einen 15-Jährigen im Zug zusammen.

Doch es geht auch anders: In Oranienburg renovieren Jugendliche den ehemaligen Jugendklub 3 am „Gesellschaftshaus“ in der Straße des Friedens (Bernauer Straße). Das Christliche Jugendzentrum Oranienburg (CJO) plant, dort einzuziehen. Der Leiter des Vereins in Gründung, Herbert Weimer, will das Haus dreimal pro Woche öffnen.

Schließen muss dagegen der Jugendklub „Freundschaft“ in der Augustin-Sandtner-Straße. Der Kreis und die Stadt Oranienburg konnten ihn nicht mehr finanzieren.

In der Kreisstadt ist mal wieder die Diskussion um eine Ortsumgehung für die B 96 entbrannt. Bislang gilt eine Streckenführung von der Leninallee (Berliner Straße) über die Saarlandstraße und André-Pican-Straße als sicher. Nun wird eine außerörtliche Umgehung ins Auge gefasst. Sie beginnt an der Autobahn bei Hohenschöpping, führt zwischen Leegebruch und Oranienburg entlang, östlich von Germendorf zum Ortseingang von Sachsenhausen. Doch Oranienburgs Abgeordnete sind skeptisch.

Die Situation am Arbeitsmarkt verschärft sich im Winter 1991. Im Arbeitsamtsbezirk Neuruppin hat der Kreis Oranienburg die meisten Erwerbslosen. Jeder Zehnte hat keinen Job.

In der Region gibt es unterdessen Streit um eine Kreisgebietsreform. Oranienburgs Landrat Karl-Heinz Schröter plädiert für eine wohlüberlegte Form zum Ende der Legislaturperiode 1994. Er wünscht sich einen „organischen Kreis“ mit Nauen und Gransee. Ein Großkreis mit Neuruppin stehe dagegen nicht zur Debatte.

Borgsdorf nimmt am 11. Februar 1991 Abschied vom „Weißen Hirsch“. Nur zwei Tage vor dem Aus flatterte der Bescheid der Märkha-GmbH (dem HO-Nachfolger) ins Haus. Das Haus schreibt rote Zahlen, im Januar fuhr es einen Verlust in Höhe von 10.000 Mark ein. Gaststättenleiter Klaus Schwarze ist dennoch enttäuscht.

Der Winter hat die Region fest im Griff. Die Lage auf den Straßen ist angespannt. Allein am Wochenende 9./10. Februar 1991 passierten 43 Unfälle. Im Vergleich zum Vorjahr passierten bis zum 11. Februar 600 Prozent mehr Unfälle. In den ersten 42 Tagen des Jahres 1991 starben sechs Menschen auf den Straßen.

Ein Kommentar zu “1991: Streit um Ortsumfahrung”

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