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1992: In Schwante stirbt der Konsum

Juli 1992 I -> 4.7.2012

Vor 20 Jahren: Heißer Sommer mit 35 Grad

MAZ Oranienburg, 24.7.2012

Was passierte vor 20 Jahren im Altkreis Oranienburg? Diesmal: die zweite Hälfte im Juli 1992.

OBERHAVEL
In Liebenwalde gibt es im Sommer 1992 Streit um ein geplantes Gewerbe am Thürenweg. Willi Fechner wollte in einem Teil der dortigen Stallungen Fenster, Türen und Rollläden herstellen. Die Stadtverordneten stimmten dem zu. Doch dann schrieb Bauamtsleiter Hartmut Bein ans Landratsamt, dass die Zustimmung doch nicht gegeben werden könne, die Fläche liege im Außenbereich, die Gebäude hätten deshalb Bestandsschutz. Nun entschieden sich auch die Stadtverordneten wieder um. Fechner will jedoch weiterkämpfen.

Die Treuhandanstalt irritiert die Oranienburger. Sie bietet in der Straße des Friedens 46 (Bernauer Straße) für 1,2 Millionen Mak ein ungenutztes Grundstück an. Blöd nur, dass es gar nicht ungenutzt ist – dort steht der RFT-Laden.

Der Zehlendorfer Bürgermeister Hubert Mroszweski ist empört. Eigentlich gilt es als beschlossene Sache, dass Zehlendorf zum neuen Amt Oranienburg-Land zählen soll, nun bekam er Post vom Innenministerium in Potsdam. Der Minister schreibt, dass Zehlendorf zur Stadt Liebenwalde zugeschlagen werden soll. Entsprächen die Gemeindevertreter der „Bitte“ nicht, dann greife das Ministerium ein.
Unterdessen steht fest: Liebenthal geht in der Stadt Liebenwalde auf – und das freiwillig.

Das Konsum-Sterben auf dem Land geht weiter. Obwohl der Umsatz gestiegen ist, schlägt für den Laden in Schwante das letzte Stündlein. In der Gemeinde wird bereits über eine Nachfolge diskutiert. Wahrscheinlich ist auch bald in Vehlefanz Schluss, in Flatow hat der Konsum bereits geschlossen.

35 Grad im Schatten am 21. Juli 1992 – der Sommer hat seinen Höhepunkt erreicht. Das hat Folgen. Zwischen Birkenwerder und Bergfelde brennen 0,8 Hektar Wald. Und nach der Hitze folgt das Unwetter. In der Nacht zum 22. Juli stürzen Bäume um, reißen Stromleitungen und laufen Keller voll.

In Ludwigsaue wohnen nur 80 Leute, dennoch will das Dorf unabhängig sein und fordert im Kremmener Amtsausschuss zwei Sitze. Die Beetzer Bürgermeisterin Ingeborg Füllert kann den Wunsch verstehen, weist aber darauf hin, dass die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben müsse. Schließlich wohnen allein in Beetz zehnmal mehr Leute als in Ludwigsaue.

In der Nähe der Lagermauern des ehemaligen KZ Sachsenhausen legen Bundeswehr und Polizei am 30. Juli 1992 ein Massengrab frei. Darin liegen 80 Schädel und Skelette. Es handelt sich wohl um Opfer des nach 1945 entstandenen Speziallagers.

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Ein Kommentar zu “1992: In Schwante stirbt der Konsum”

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