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1991: Bürgermeister Udo Semper tritt zurück

Oktober 1991 II -> 29.10.2011

Rückblick: November 1991 – Politgerangel in Oranienburg / Schwante will Amt mit Kremmen bilden / Liebenwalder Grundschule funkt SOS

MAZ Oranienburg, 14.11.2011

Was passierte vor 20 Jahren im Altkreis Oranienburg – und was stand damals in der Märkischen Allgemeinen? Diesmal: die erste Hälfte im November 1991.

OBERHAVEL
Die Liebenwalder Grundschule funkt SOS. 174 Kinder der Klassenstufen 1 bis 3 müssen im ehemaligen Lehrlingswohnheim am Bahnhof unterrichtet werden, nachdem die Marktschule aus Sicherheitsgründen dicht gemacht wurde. Allerdings ist auch das „neue“ Haus in extrem maroden Zustand.

An der Spitze des Oranienburger Kreisgerichts sitzt jetzt eine Direktorin. Marieluise Groh kommt aus Dortmund und soll die Umstrukturierung des Gerichts vorantreiben. Die Wartezeiten bei einigen Verfahren sind zu lang, findet sie.

Das neue Polizeipräsidium hat am 4. November 1991 in der früheren Oranienburger Mot.-Schützenkaserne in der Straße des Friedens (Bernauer Straße) die Arbeit aufgenommen. Von dort aus wird die Polizeiarbeit der Kreise Perleberg, Wittstock, Pritzwalk, Kyritz, Neuruppin, Gransee, Bernau und Oranienburg koordiniert.

Schulrat Rolf Tschammer ist neuer kommissarischer Leiter des Oranienburger Runge-Gymnasiums. Sein Vorgänger bat um Ablösung, weil er der nervenraubenden Aufgabe nicht mehr gewachsen gewesen sei.

In Oranienburg liegen konkrete Vorschläge zu Umbenennungen von verschiedenen Straßen vor. Die Ausfallstrecken sollen wieder nach ihren Zielorten benannt werden: die Leninallee in Berliner Allee, die Straße des Friedens in Bernauer Allee, die Otto-Nuschke-Straße in Lehnitzstraße und die Sachsenhasener Wilhelm-Pieck-Straße in Granseer oder Nassenheider Straße.

Die Gemeinde Schwante will sich Kremmen anschließen und nicht in einer Amtsgemeinde mit Bärenklau, Eichstädt, Vehlefanz, Neu-Vehlefanz, Staffelde und Groß-Ziethen aufgehen. Dafür hagelt es harsche Kritik aus den Nachbarorten. Helmut Jilg, Bürgermeister von Bärenklau, argumentiert mit der funktionierenden Finanzverwaltung. Auch Groß-Ziethens Ortschefin Ellen Haslinger spricht sich für die Dorfvariante aus. Aber Schwante bleibt hart und bekennt sich weiter zu einem Amt mit Kremmen.

Die Vehlefanzer wählen am 10. November 1991 eine neue Gemeindevertretung. Nicht mal die Hälfte der Wahlberechtigten stimmt mit ab. Die SPD-FDP-Liste „Pro Vehlefanz“ gewinnt mit 75,8 Prozent vor der CDU mit 24,2 Prozent.

Oranienburg dagegen steht ohne Bürgermeister da. Am 12. November 1991 verkündet Udo Semper seinen Rücktritt. Er zieht die Konsequenzen aus den monatelangen Querelen. Er spricht von einer gegen ihn laufenden Kampagne. Wie Semper sagt, liege der Ursprung bei Landrat Schröter, aber auch in „hinterhältigen Haltungen“ einzelner Abgeordneter des Stadtparlaments. Harte Kritik muss sich aber auch der erste Stellvertreter, Hans-Joachim Laesicke, von CDU, FDP und PDS anhören. Die Rede ist von krassen Verfehlungen und schwerwiegenden Verwaltungsmängeln. Ein Misstrauensantrag, der aber keine parlamentarische Wirkung hat, findet eine knappe Mehrheit. Laesicke will jedoch nicht zurücktreten. Am 18. November 1991 soll auf einer außerordentlichen Stadtparlamentsversammlung der neue Bürgermeister gewählt werden. Im Gespräch sind Rechtsanwalt Günter Knop, Wolfgang Arps, der Amtsleiter für Wirtschaftsförderung, sowie Michael Scharnewski, Berater aus Hamm.

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Ein Kommentar zu “1991: Bürgermeister Udo Semper tritt zurück”

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