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Wendejahr 1989: Porree im Überfluss

Rückblick: Gemüseknappheit im Kreis / Der Mai 1989 in der Märkischen Volksstimme

MAZ Oranienburg, 30.5.2009

Was stand im Wendejahr 1989 in der Märkischen Volksstimme (MV)? Wir blättern zurück.

OBERHAVEL
Gemüse ist im Frühjahr 1989 im Kreis Oranienburg ein Reizwort. „Kohl und Möhren sind knapp geworden“, schreibt die MV am 3. Mai. „Porree allein ist fast immer im Angebot.“ Die Genossenschaftsbauern in Neuholland seien gefordert, heißt es weiter. In Freienhagen entsteht zu diesem Zeitpunkt bereits ein weiterer Gebäudekomplex für Gemüseanbau.

Die Malzer Jugendlichen freuen sich über einen neuen Jugendklub. Zweieinhalb Jahre war die Baustelle neben dem Rat der Gemeinde ein Dauerthema. Im Klub sollen 50 Kinder einen Platz haben. Einmal pro Woche ist eine Disko geplant.

Kommunalwahl im Kreis Oranienburg: „Unsere Stimme dieser guten Politik“, schrieb die MV im Vorfeld und bilanzierte: 4153 Neubauwohnungen entstanden zwischen 1984 und 1988 im Kreis, darunter 782 Eigenheime. Außerdem 1098 Kindergartenplätze in den zehn Städten und Gemeinden sowie 41 Verkaufseinrichtungen und Gaststätten. „Unter lebhafter Anteilnahme breitester Kreise der Bevölkerung erfolgte die Auszählung der Stimmen“, heißt es dann am 9. Mai in der MV. Das erste Fazit: 99,53 Prozent aller Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab. Diese Zahl ist heute anzuzweifeln, dass die Wahl gefälscht war, konnte bald nachgewiesen werden.

Die Obst- und Gemüseverkaufsstelle in der Bergfelder Straße in Birkenwerder hatte einen guten Ruf, aber es herrschten miese Zustände. Nach einer grundlegenen Rekonstruktion kann der Laden wieder öffnen – vorher halfen Heizungsbauer, Maler und andere Handwerker.

Zweimal Lottoglück: Ein Sachsenhausener gewinnt beim „Tele-Lotto“ einen Wartburg. 79 451 Mark gehen auf das Konto eines Oranienburgers – er hatte einen „Sonntagsfünfer“ richtig getippt.

Den Oranienburgern stinkt es gewaltig. Ein Bürger äußerte in der MV den Verdacht, dass die Pharmawerke „mit Vorliebe“ nachts oder an Wochenenden üble Gerüche abließen. Die Antwort kommt prompt: Der Geruch entstehe bei der Weiterverarbeitung von Trimethylamin zu Futtermittelzusätzen. Pharma kämpfe dagegen an, heißt es weiter.

Im Hennigsdorfer Kulturhaus wird die 32. „Kreis-MMM“ eröffnet – die „Messe der Meister von morgen“. 130 Exponate können besichtigt werden, unter anderem Kelleraußenwandelemente für die Baustelle am Bötzower Platz in Oranienburg.

Die HO-Augenoptik zieht Ende Mai 1989 in die Räume des Hauses in der Straße des Friedens 2, die heutige Bernauer Straße. In der MV loben die Optiker die besseren Arbeitsbedingungen. Noch heute befindet sich an dieser Stelle ein entsprechendes Geschäft.

Und nur noch ein gutes halbes Jahr bis zum Mauerfall: Im Filmtheater Hohen Neuendorf scheint der richtige Film zur richtigen Zeit zu laufen: „Schrei nach Freiheit“.

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Ein Kommentar zu “Wendejahr 1989: Porree im Überfluss”

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