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Von der Arztserie zur Seebadvilla

Dienstag, den 28. April 2020
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Kathleen Freitag aus Schmachtenhagen macht 2002 am Runge-Gymnasium ihr Abitur, schreibt mehrere Jahre für „In aller Freundschaft“ und veröffentlicht nun ihren ersten eigenen Roman

MAZ Oberhavel, 28.4.2020

Schmachtenhagen.
Eines war ihr klar: Wenn sie einen Roman schreibt, dann soll es einer sein, der ein Stück DDR-Geschichte erzählt. In diesem Monat ist „Die Seebadvilla“ im Verlag Harper Collins erschienen, der Debütroman von Kathleen Freitag. In dem Buch erzählt sie die Geschichte einer Familie, die Anfang der 50er-Jahre in Ahlbeck auf Usedom eine Pension betreibt. Allerdings ist die Privatwirtschaft den DDR-Oberen ein Dorn im Auge, es kommt zu immer mehr Schwierigkeiten.

Kathleen Freitag lebt bei Hamburg, ihre Jugend verbrachte die 37-Jährige in Schmachtenhagen – die Eltern leben dort noch immer. Geboren worden ist sie im damaligen Ost-Berlin, 1995 zog die Familie nach Schmachtenhagen. 2002 machte Kathleen Stephan, so ihr Mädchenname, ihr Abitur am Oranienburger Runge-Gymnasium.
Die Arbeit an Texten mochte sie damals schon, wie sie erzählt. Sie war Mitglied in der Theater-AG des Gymnasiums, stand unter anderen bei „Sartre – Das Spiel ist aus“ auf der Bühne der Aula. „Schon beim Theater fand ich die Proben, die Arbeit am Text das Spannendere“, erzählt sie. „Ich war vor den Auftritten immer sehr nervös und habe mich gefragt, warum ich das mache.“ In Potsdam studierte sie danach Geschichte und Germanistik.
Nebenher war sie Werkstudentin in einer Filmproduktionsfirma und wurde später auch übernommen. „Als Juniordramaturgin habe ich den Produzenten über die Schultern geschaut und auch an Drehbüchern mitgearbeitet.“ Sie ging dann nach Leipzig. Für die MDR-Serie „In aller Freundschaft“ arbeitete sie als Dramaturgin und gehörte zum Team, das die verschiedenen Erzählstränge entwickelte. „Das war die gute Schule des Geschichtenerzählens.“ Dazu gehörten immer wieder neue Spannungsmomente und Wendepunkte. Später arbeitete sie dann drei Jahre als Autorin für die Ärzteserie.
Sie bekam ihr erstes Kind, und nach der Elternzeit war eine Rückkehr zur Serie nicht möglich. „Das ist das Los der Selbstständigkeit.“ Ihr Wunsch: Raus aus der Fernsehbranche. „Ich wollte gerne wieder zu den Ursprüngen und mehr mit Büchern zu tun haben.“ Sie begann als Lektorin beim Jumbo-Verlag, die sich auf Hörbücher für Kinder spezialisiert hat.

Durch ihre Tätigkeiten ist sie in der Branche somit nicht unbekannt, und so kam ein Verlag auf sie zu und fragte, „ob ich nicht Lust habe, einen Roman zu schreiben“, erzählt Kathleen Freitag. Als Geschichtsstudentin hatte sie viel mit der DDR zu tun. „Und ich wollte ein Thema, das an der Ostsee spielt.“ Sie stieß auf die „Aktion Rose“, bei der in den 50er-Jahren durch die DDR-Regierung Hotels, Pensionen, Erholungsheime und Gaststätten zwangsverstaatlicht worden sind. „Das ist ein Thema, das nicht groß aufarbeitet ist, im Gegensatz zur damaligen Bodenreform.“ Gerade im 30. Jahr der deutschen Einheit wolle sie daran erinnern. Sie war für ihre Recherchen vor Ort in Ahlbeck, sie hat Zeitzeugen befragt. Ihr Mann kommt aus Mecklenburg-Vorpommern, auf Usedom hat sie auch Verwandte. Deshalb war sie früher schon oft dort. Die im Roman beschriebe Seebadvilla ist jedoch rein fiktiv.

Eigentlich waren in diesen Wochen auch Lesungen geplant. Mit der Oranienburger Stadtbibliothek gab es auch schon Gespräche, in der alten Heimat hätte das Buch auch vorgestellt werden sollen. Wegen der Coronakrise verschiebt sich das alles. „Ich hoffe, dass das im Herbst klappt“, sagt die Autorin. Ohne Corona würde sie auch jetzt noch alle paar Wochen zu den Eltern nach Schmachtenhagen kommen.
Für 2021 plant sie unterdessen die Veröffentlichung eines Kinderbuches.

-> Kritik zum Buch

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Die aktuelle Christvesperkritik 2019

Mittwoch, den 25. Dezember 2019
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2018 -> 24.12.2018

Fangen wir mit dem wichtigsten an. Die Predigt, die Pfarrer Friedemann Humburg Heiligabend in der Schmachtenhagener Kirche gehalten hat, war großartig.
Sie drehte sich darum, wie gut es uns doch im Großen und Ganzen doch gehe. Die Kirchengemeinde hat Kontakt nach Simbabwe, und dort herrscht die pure Armut. Es gibt kaum noch Wasser, die Menschen müssen tagelang warten oder suchen, um Wasser zu bekommen. Es herrschen Unruhen, da Land geht vor die Hunde.
Und dann erlebt er im Oranienburger Kaufland, wie sich Leute über irgendwas aufregen, weil es ein bestimmtes Getränk gerade nicht gibt, und darüber, dass gerade nur fünf Kassen geöffnet seien, und dass sie dort nie wieder einkaufen würden. Auch würden sich die Menschen auch bei ihm als Pfarrer ständig über was beschweren. Die Leute seien ungeduldig, und sie würden nicht wertschätzen, dass es Deutschland immer noch gut gehe. Und das kotze ihn an. Und er entschuldige sich schon davor für die Wortwahl, aber so sei es nun mal.
Zudem machte er anhand der Weihnachtsgeschichte, die ja immer so heimelig daherkomme, klar, welche Armut damals geherrscht habe, und dass es alles andere als romantisch gewesen sein muss, im Stall bei den Tieren ein Kind zu bekommen.
Es ging ihm darum, dass wir uns auf das besinnen, was wir haben, auf den Luxus. Und selbst wir nicht im Luxus leben, sei es immer noch einer – verglichen mit den Menschen in Simbabwe.
Das war eine Predigt, die alles andere als oberflächlich war und wirklich eine Botschaft hatte. Großen Dank dafür.

Auch gehört zu dieser Christvesper, dass der Männerchor diesmal ziemlich gut war. Ich bin zwar kein Fan des vielstimmigen Gesangs, der sich sehr schnell “falsch gesungen” anhört, diesmal war das alles aber ganz passabel.
Nur eines: Bei den Mitsingliedern sollte vielleicht “Fröhlich soll mein Herze springen” aus dem Programm genommen werden. Da habe ich den Eindruck, dass das fast niemand kennt und dementsprechend kaum mitgesungen wird. Ich kenne es beim besten Willen auch nicht…

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Radtour (37): Geradeaus abbiegen

Samstag, den 22. Juni 2019
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(36) -> 12.6.2019

Wer von Oranienburg nach Schmachtenhagen will, findet an der B273 einen schönen Radweg am Waldrand. Erstaunloch kurvenreich und bergig geht es entlang der Bundesstraße ins nächste Dorf.
Der Radweg endet allerdings am Ortseingang. Dann darf der blöde Radfahrer direkt auf die Bundesstraße. Auf keiner Seite gibt es einen vernünftigen Weg. Das ist besonders unangenehm an der Kreuzung, wo es gerade aus in Richtung Bauernmarkt und rechts (der Hauptstraße folgend) nach Wensickendorf. Denn als Radler muss man ja irgendwie den Autofahrern mitteilen, dass man dem Straßenverlauf der Hauptstraße nicht folgen will. Aber nach links zu zeigen, ist eigentlich falsch, denn es geht ja eigentlich geradeaus weiter.
Als fuhr ich vor der Kreuzung immer langsamer und wartete ab, bis von hinten keiner mehr kam. Das war am Abend nicht so ein Problem – am Tage sicherlich schwieriger.

In Schmachtenhagen selbst fahre ich an der Kirche vorbei, und ich denke darüber nach, dass wir neulich bereits geplant haben, Heiligabend dort wieder hinzugehen, obwohl es ja immer eher, nun ja, schwierig ist.
Ich fahre am alten Schlecker-Schuppen vorbei, in dem sich neuerdings ein Tierfutterhandel befindet.

Links geht es zum Grabowsee. Ich fahre über die alten Bahnschienen, aber die Strecke von Schmachtenhagen nach Sachsenhausen ist schon seit Ewigkeiten außer Betrieb, die Gleise enden an einem Grundstückstor. Irgendwie wäre es ja toll, wenn es da auch wieder mal eine vernünftige Bahnverbindung gäbe.
Der Weg zum Grabowsee ist beschwerlich. Er führt zwar durch den Wald, aber ewig lange über Kopfsteinpflaster. Aber auch später, als dem Asphalt gibt es viele große Bodenwellen. Nicht sehr angenehm.

Ich lege eine Pause am Grabowsee ein. Ein paar Leute sind noch da. Ein Typ reißt sich gerade die Badehose runter, und ich denke an den Vorfall, der unter anderem deshalb zu einem Polizeieinsatz geführt hatte. Soll ja Leute geben, die von solchen, ähm, Vorfällen angewidert sind…

Als ich über die Grabowseebrücke über den Oder-Havel-Kanal in Friedrichsthal rolle, donnert es leicht. Vorsichtshalber schaue ich auf dem Handy auf das Wetterradar – und erst mal passiert wohl nichts. Ich radele am Kanal bis Oranienburg.

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(N)DR 2

Sonntag, den 21. April 2019
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Wenn man in der Nacht mit dem Auto unterwegs ist, wenn der Himmel frei und die Luft klar ist, dann hat das Autoradio gern mal einige Überraschungen parat.
Spielt also das Wetter mit, dann kann man Ukw-Sender empfangen, die eigentlich sonst nicht bis in die Region strahlt. Das sind so genannte Überreichweiten.

Am späten Sonnabendabend empfing ich auf diese Weise diverse Sender aus Mecklenburg-Vorpommern wie NDR Kultur, die Ostseewelle, Antenne MV, aber auch polnische Sender waren vertreten.
Aber dann die wirkliche Überraschung. Ich düse gerade durch Schmachtenhagen, da zeigt das Radio-Display “DR 2” an. DR ist das dänische Radio. Radio aus Dänemark, das bis nach Oberhavel strahlt? Es läuft gerade Musik, ob wirklich Dänisch gesprochen wird, weiß ich nicht.
Ich habe mein Erstaunen gerade laut ausgerufen (“Dänisches Radio??!!”), da ploppt auf dem Radio-Display plötzlich noch ein N auf. Aus DR 2 wurde NDR 2.
Das war dann schon weniger spektakulär.

Mit der Ostseewelle rollt ich dann in Oranienburg ein. Der Empfang war glockenklar – bis ich die engen Häuserschluchten des Zentrums erreichte. Da begann es zu rauschen.

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Die aktuelle Christvesperkritik 2018

Montag, den 24. Dezember 2018
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2017 -> 24.12.2017

Die wichtigste Nachricht zuerst: Die Kirche hatte Strom. Das ist ja schon mal sehr erfreulich.
Und erfreulich ist auch, dass es diesmal etwas Neues in der Schmachtenhagener Christvesper gab. Ein junger Mann, vermutlich auf dem Dorf, spielte auf der Geige das Ave Maria. Das klang sehr schön und war mal was ganz anderes. Vielleicht kann ja nächstes Mal dafür der Männerchor ein Lied weglassen.

An der Frequenz der Menschen, die die Lieder mitsingen, kann man auch erkennen, wie bekannt ein Lied ist. Während am Ende bei “O du Fröhliche” so ziemlich alle mitgesungen haben, musste selbst ich, der ja eigentlich immer tapfer mitsingt, bei “Fröhlich soll mein Herze springen” passen. Ich kannte das Lied nicht – nicht mal, als die Orgel die Melodie spielte. Vielleicht kann man für’s nächste Jahr mal was anderes aussuchen.

Ansonsten ist es immer wieder ein schöner Moment – man kommt aus der Kirche, es wird draußen langsam dunkel, und das Weihnachtsfest kann so richtig beginnen.

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Die aktuelle Christvesperkritik 2017 – unplugged

Sonntag, den 24. Dezember 2017
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2016 -> 25.12.2016

Ohne Strom kein Licht.
Ohne Strom keine Orgel.
Ohne Strom keine Glocken.
Irgendwer hat der Schmachtenhagener Kirche heute den Saft abgedreht. So ging die Christvesper ohne Strom und sehr individuell über die Bühne – als Impro-Version.

Der geplante Ablauf war hinfällig, weil offenbar auch der Männerchor, der ja immer da ist, nicht so spontan ein paar Lieder vom zettel singen kann. Deshalb fielen alle orgelbegleitete Lieder einfach weg. Bis auf “O du Fröhliche”, das die Besucher der Kirche aber so gut schmetterten, dass Pfarrer Humburg im Anschluss meinte, dass man ja gar keine Orgel brauchte.
Er musste sich ein bisschen beeilen, denn draußen wurde es langsam dunkel, und somit versank auch das Kircheninnere im Schummerlicht.

Passenderweise ging es in der Predigt um Veränderungen und eventuelle Enttäuschungen. Man solle nicht gleich alles infrage stellen, nur weil eine geplante Sache nicht so funktioniert wie geplant.
Die “Stille Nacht” sangen wir dann doch noch gemeinsam mit dem Chor, der Pfarrer verabschiedete uns, und genau in dem Augenblick, als seine letzten Worte verklungen waren, ging das Licht in der Kirche an.

Mit einem großen Lacher und Applaus endete die (mal wieder) sehr denkwürdige Christvesper am Heiligabend 2017 in Schmachtenhagen. Frohes Fest!

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Heul!

Donnerstag, den 31. August 2017
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Wer den Abend auf einer Terrasse in Schmachtenhagen verbringt, erlebt eine Idylle. Ja, okay, und Mücken, aber die lassen wir mal beiseite, an die haben wir uns ja fast schon gewöhnt.
Aber da war noch was anderes: eine Art Sirene. Immer und immer wieder. Aber so lange heult natürlich keine Sirene. Sie stellte sich dann als ein Hund heraus, der ein paar Grundstücke weiter für die herzzerreißenden Töne sorgte. Das Geheule war erbarmungswürdig, und es wurde erzählt, dass er das wohl öfter macht.
Sehr ausdauernd klagte der Hund der ganzen Wohngegend sein Leid.

An einer läufigen Hündin irgendwo in der Nähe kann es nicht liegen. Vielleicht wird das arme Tier ja ewig allein gelassen – aber normalerweise heulen die Hunde dann auch nicht permanent. Und angeblich sei ja auch jemand zu Hause, munkelte man. Wie das so ist in der Nachbarschaft. Man redet. Und vielleicht kümmert man sich ja auch mal.

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