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Wir wandern mal zur Autobahn

Montag, den 22. Februar 2021
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Baustellen sind immer etwas Spannendes. Etwas wird abgerissen, etwas wird neu gebaut, etwas wird umgebaut. Am Freitag und Sonnabend war mal wieder die A10 gesperrt. Zwischen Birkenwerder und Mühlenbeck rollte kein Verkehr, weil wieder an einer der Brücken gebaut wurde.

Das zieht auch Passanten an. Entlang der Autobahn gibt es eine Böschung, an der am Sonnabendmittag diverse Menschen standen und schauten. Zu einem ist eine Autobahn, auf der nichts rollt, etwas Spannendes.
Eine der Straßen in Birkenwerder endet momentan an der Autobahn, sie ist eine Sackgasse. Eigentlich führt eine Fußgängerbrücke über die Trasse, aber die wird erst demnächst wieder aufgebaut. Weil die Autobahn von vier auf sechs Spuren ausgebaut wird, müssen in dem Bereich momentan zig Brücken erneuert werden.

Und nun stehen die Menschen da und gucken. Ich spreche ein Paar an, das gerade seine Räder anschließt. Als es hieß, dass die nächsten Brückenbauarbeiten auf der A10 anstehen, seien sie überrascht gewesen, erzählte mir die Frau: Welche Brücke sollte das sein? Mit ihrem Mann radelte sie also zur Autobahn, um zu schauen, was dort vor sich geht. „Die jetzige Brücke hatten wir gar nicht im Visier“, erzählte er, nachdem er erklärt bekommen hatte, um welches Brückenbauwerk es diesmal überhaupt geht. Nämlich um eine Brücke, die über ein Flüsschen führt. Es wird in der Regel insbesondere von den Autofahrern nicht wahrgenommen, weil es relativ ebenerdig über die kleine Briese führt.

Ein anderes Paar steht unweit der eigentlichen Baustelle. Auch sie gucken interessiert, was dort vor sich geht. „Wir wohnen in der Nähe und gehen öfter mal gucken“, erzählte mir der Mann. „Das ist wirklich spannend.“ Wegen des Lockdowns gebe es kaum Freizeitaktivitäten, also würden sie ab und zu zur Autobahn wandern. „Sobald wir neue Geräusche hören, die wir noch nicht kennen, gehen wir hierher und schauen.“

Ein spezielles Hobby, aber eines, was ich durchaus nachvollziehen kann, weil ich so etwas auch sehr spannend finde. Nur wenige Stunden später wurde der Verkehr wieder freigegeben.

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Impfzentrum in Zeiten des Coronavirus

Mittwoch, den 17. Februar 2021
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Ja, ich bin noch nicht dran. Dennoch konnte ich am Dienstag das Oranienburger Impfzentrum besuchen, aus beruflichen Gründen.
Bevor man dort rein will, muss man erst mal am Einlasser vorbei – und das geht nur, wenn der Einlasser sagt, dass er uns reinlassen darf.

Das Impfzentrum in Oranienburg befindet sich in einer Sporthalle, in der normalerweise Drittliga-Volleyball gespielt wird. Als wir dann drin stehen, schaue ich mich erst mal um.
Ein bisschen gespenstisch ist das ja schon. Es gibt diesen Ort nur, weil es diese Pandemie gibt. Ohne diesen Ort könnte langer Lockdown-Stillstand herrschen. Wenn wir hoffentlich irgendwann geimpft sind, dann könnte alles wieder besser werden.
Man läuft durch eine kleine Schleuse und wird dann zu einem der Empfangstische gebeten. Dort muss man vorlegen, was vorzulegen ist. An vielen der Tische sitzen Leute von der Bundeswehr. Die Leute, die zum impfen gekommen sind, sitzen da oft zu zweit. Senioren, viele schon recht alt.
Sie verschwinden dann irgendwann in den Impfkabinen.

Wir gehen in einen Nebenraum. Nach den Fällen der weggeworfenen Impfdosen wird uns erklärt, dass das passiert sei, weil am selben Tag eine ganze Einrichtung ihren Termin abgesagt habe. Und es sei nicht möglich, dass von dort aus bestimmt werde, wer stattdessen geimpft werde, zumal sie nicht einfach so jemanden impfen dürften, wer gerade keine Priorität habe. Stichwort: Du bist noch nicht dran.

Wir laufen in eine der Kabinen, später zum Bereich, wo die Geimpften eine gute Viertelstunde warten, um zu schauen, ob sie alles vertragen. Bis jetzt sei noch kein Fall eingetreten, bei denen Nachwirkungen aufgetreten sein. Gute 45 Minuten würde man sich im Impfzentrum aufhalten, dann sei alles erledigt.

Jetzt bin ich nur noch gespannt, wann denn mein Impftermin dran ist. Angela Merkel sagt, ich habe noch vor dem Herbstanfang einen Termin. Oder irgendwann 2022.

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Kurze Auszeit in Zeiten des Coronavirus

Mittwoch, den 18. März 2020
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Home Office. So schön es ist, nicht das Haus verlassen zu können, so blöd ist es auch, nicht das Haus verlassen zu können. Das heißt: Ich könnte, und noch dürfen wir ja alle das Haus verlassen. Aber sicher ist sicher.
So sitzt man aber stundenlang am Schreibtisch, arbeitet vor sich hin, immer wieder kommen neue Mails und Informationen. Der WhatsApp-Chat mit den Kollegen läuft, zwischendurch Telefonate und längere Gespräche am Telefon, die man sonst vor Ort und Auge in Auge machen würde.
Aber in Zeiten des Coronavirus ist alles anders.

Deshalb ist dann eine tägliche Auszeit ganz gut. Mal rausgehen. Einmal um den Block laufen.
Bei Subway in Oranienburg haben sie die Tische auseinandergestellt – Sicherheitsabstand. Sieht allerdings nun etwas verloren aus. Aber was muss, das muss.
Ein wenig merkwürdig finde ich, dass man kein Tablett mehr kein Körbchen mehr bekommt. Stattdessen bekommt man die zwei Subs und den Keks jeweils eingepackt in die Hand gedrückt. Die Zapfmaschine war auch kaputt, also griff man zur Flasche.

Dann noch einmal um den Block. Es war nach 17 Uhr, es ging auf den Feierabend zu, aber rund um den Oranienburger Bahnhof war deutlich weniger los, als sonst. Am Gymnasium standen die Tore noch weit offen, vermutlich sind sie in den nächsten Wochen fest verschlossen. Der Drogeriemarkt war erstaunlich leer, auch in der Bäckerei war man schon am Aufräumen.
Ich spazierte einmal durchs Viertel, ein bisschen frische Luft, bevor es wieder rein ging.

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Händeschütteln in Zeiten von Corona

Sonntag, den 8. März 2020
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Ein Lächeln statt eines Händedrucks. Seit einiger Zeit gibt es diesen Hinweis in der Eichstädter Gemeindeverwaltung: „Wir sind nicht unhöflich, wir sind umsichtig. Wir verzichten auf das Händeschütteln und schenken Ihnen ein Lächeln.“ Auch beim Jahresempfang der Gemeinde Oberkrämer am Freitagabend in Marwitz war dieser Hinweis zu lesen.

Gute Sache, eigentlich. Stichwort: Coronavirus und mögliche Ansteckung. Das Problem ist nur: dieser Reflex! Es ist einfach so in uns drin: Wir begegnen einem Menschen, wir treffen ihn, und wir wollen uns die Hand geben. weil man das ja schließlich immer so macht.
Es ist eine regelrechte Überwindung nötig, dass man dran denkt: Ach ja, wir sollen und wollen ja nicht mehr die Hände schütteln. Also, vorerst.

Ich gebe zu: Ich habe es am Freitagabend in Marwitz trotzdem getan. Natürlich mit schlechtem Corona-Gewissen. Zum Glück war aber auch Desinfektionsmittel im Saal vorhanden.

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Klamotten aus!

Samstag, den 18. Januar 2020
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Normalerweise verlaufen berufliche Begegnungen relativ gleich. Man trifft sich, man redet miteinander, Fragen und Antworten, dann noch ein Foto und Auf Wiedersehen.
Neulich war das ein bisschen anders. Treffpunkt war nämlich die Sana-Klinik für operative Orthopädie. Es ging darum, dass dort ein Roboter für den OP-Raum angeschafft worden ist. Dieser Roboter wird bei Operationen eingesetzt, um Knochen zu bearbeiten. Mehr dazu gibt es hier.

Damit wir uns diesen Roboter ansehen konnten, mussten wir natürlich in den OP-Raum, aber das ist gar nicht so einfach. Denn vor dieser kompletten Abteilung steht die Schleuse, durch die wir wussten.
Wir wurden vor die Schleuse gebracht, und als ein Mitarbeiter gerade rein wollte, meinte unsere Begleiterin: “Sie können die beiden Herren ja gleich mal mitnehmen, oder?”
Da wussten wir aber immer noch nicht, was dort passiert.

Bis der Oberarzt uns begrüßte und meinte: So, jetzt müssen wir uns ausziehen.
Oh.
Ausziehen, bis auf die Unterhose, und die Socken konnten wir auch anlassen.
Gesagt, getan. Wir bekamen eine Überzieherhose und ein Oberteil. Dazu noch ein Mützchen für die Haare. Ein netter Anblick. Ein bisschen sahen wir aus wie echte Ärzte. Oder: Pfleger.

In dieser Montur standen wir uns alle gegenüber, während wir uns unterhielten. Und das war dann mal was ganz anderes, so dass ich auch gleich noch ein Foto von mir machen ließ.
Am Ende zogen wir uns wieder in der Schleuse um, und wir verließen den Klinikalltag wieder.

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Ein Abend über den Mauerfall und die Folgen

Samstag, den 2. November 2019
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Im Vehlefanzer „Haus der Generationen“ drehte sich am Mittwochabend alles rund um 30 Jahre Mauerfall. Aus Anlass des Jubiläums ist in einer Gesprächsrunde erörtert worden, wie die Wende aus heutiger Sicht beurteilt wird. Ich durfte sie für den Heimatverein Vehlefanz moderieren.
Das war schon deshalb spannend, weil auch für mich der Mauerfall am 9. November 1989 das wichtigste Ereignis meines Lebens ist – denn keines hat mein Leben so beeinflusst wie das. Wäre es anders gekommen, wäre auch mein Leben ganz anders verlaufen.

Zum Thema sprachen Hubert Gediga, der heute Ortsvorsteher von Vehlefanz ist, und 1989 Schulleiter im Dorf war. Wolfgang Krüger lebt heute in Bärenklau, war 1989 Chefredakteur vom West-Berliner Fernsehsender Rias-TV. Er erlebte den Mauerfall journalistisch. Luisa Plentz ist 2000 geboren worden, die Schwantenerin hat die Wende nicht erlebt, hat sich aber in den vergangenen Monaten intensiv für eine Ausstellung damit befasst.

Hubert Gediga erzählte, dass 1989 vor dem Mauerfall die Kirche im Ort ein Treffpunkt für die Opposition gewesen sei, erst nach dem 9. November verlagerte sich die Diskussion über die Zukunft der DDR mehr nach draußen. Am Morgen des 10. November 1989 sei ihm erzählt worden, dass es in Kremmen am Rathaus einen großen Andrang gebe, weil dort die Stempel für den Grenzübertritt ausgegeben worden sind – woraufhin auch er vor Ort selbst nachsehen wollte.
Wolfgang Krüger moderierte am frühen Abend des 9. November 1989 auf Rias-TV. Als er schon zu Hause war, sah er die Schabowski-Pressekonferenz. Es habe eine Weile gedauert, dann sei ihm klar gewesen, dass an diesem Abend der Mauerfall verkündet worden ist. Er fuhr zurück zum Sender, es sei eine lange Nacht gewesen, am Morgen war er mit dem Rias-TV-Frühstücksfernsehen auf Sendung.
Als nach der Wende Geborene sagte Luisa Plentz, dass das Ost-West-Denken für sie heute keine Rolle spiele. Deutschland sei ein Land, aber sie merke durchaus, dass bei vielen Menschen der Unterschied durchaus noch in den Köpfen sei.

Alle waren sich darüber einig, dass der Mauerfall eine gute Sache ist und dass auch die deutsche Einheit etwas ist, was keiner missen möchte. Fehler sind gemacht worden, aber andererseits sei vorher so etwas noch nie gemacht worden, vieles von dem, was geschah, sei so nicht vorhersehbar gewesen, so hieß es.

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Staffelder Dorfstraße

Samstag, den 28. September 2019
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Ich laufe auf ein Haus zu, das wie eine Großbaustelle aussieht. Aber ich bin sicher, dass ich dort richtig bin. Ich habe eine Verabredung in Staffelde, um ein Interview mit einem jungen Azubi zu führen.
In der Grundstückseinfahrt steht ein Bauarbeiter und macht irgendwas vermutlich sehr wichtiges. Ich gehe auf ihn zu und sage, zu wem ich will. Er überlegt kurz und geht dann ins Haus.
Natürlich nehme ich an, dass er mich zur Person bringt, zu der ich will.
Aber im Haus – das völlig entfernt war und eine Baustelle ist – waren weitere Bauarbeiter. Ich fragte noch mal nach der Person, zu der ich wollte – aber es herrschte Ratlosigkeit. Die gebe es hier nicht, und überhaupt wohne ja hier gerade keiner.

Des Rätsels Lösung: Die Hausnummer war die Richtige. Die Straße bedauerlicherweise nicht. Ich war im falschen Haus, auf dem falschen Grundstück. Nauener Chaussee statt Staffelder Dorfstraße.
Ich schlich vom Grundstück, zurück zum Auto und fuhr in die andere, in die richtige Straße.

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