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1997 – ein Jahr der Weichenstellungen

Dienstag, den 31. Mai 2022
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Tanzen in der Marwitzer Beat-Fabrik: Der Abend in der Disco war auch ein Stück gedanklicher Nostalgie. Denn die Disco feierte nicht nur die Wiedereröffnung nach 27 Monaten Coronapause, sondern auch das 25. Jubiläum.
1997 war die Eröffnung der Disco.
Und während ich so leicht mittanzend auf den Floor schaute, kam ich ins Überlegen. 1997. Schnell kam ich zur Erkenntnis, dass dieses Jahr für mich ein besonderes war. Eines, in dem viele Weichen gestellt worden sind.
Anstoß gab ein kurzes Gespräch mit dem Discobetreiber. Wir erinnerten uns an 1997 und kamen zu dem Schluss, dass wir uns auch annähernd so lange beruflich begleiten. Und wie viel Zeit denn nun schon vergangen ist.

1997 war das Jahr, in dem sich mein Beruf entschieden hat. Das heißt, grundsätzlich wusste ich schon, in welche Richtung es gehen wird. Aber 1997 wurde ich eingeladen, an der neuen Jugendseite bei der MAZ in Oranienburg mitzuwirken. Vor 25 Jahren begann ich also meinen Job, in den ich mehr und mehr vordrang.
Auch auch sonst änderte sich einiges: 1997 war das Jahr, in dem ich erstmals selbst mit dem Auto auf die Insel Rügen gefahren bin. Mit einem Freund und einer Freundin ging es am Vormittag nach Baabe und am späten Nachmittag wieder zurück. Es war der Beginn meiner wirklichen Rügen-Liebe. Seitdem war ich jedes Jahr dort, wobei sich meine Rügen-Liebe später mehr nach Binz verlagerte.
1997 war aber auch das Jahr, in dem sich mein Freundeskreis noch mal erweiterte – und auch das hatte mit meinem Führerschein zu tun. Und interessant ist auch, dass diese Freundschaften größtenteils bis heute bestehen.
1997 war auch das Jahr, in dem ich das erste Mal in einer Disco war – nicht in Marwitz, sondern im Altwerk in Eberswalde. Ein Freund nahm mich dorthin mit, und von da an waren wir einige Jahre mehrmals im Monat tanzen.

An all das erinnerte ich mich an diesem Abend. 25 Jahre danach. Und man fragt sich mal wieder: Wo ist sie nur hin, die Zeit?

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Die Aufnahme startet jetzt!

Samstag, den 12. Februar 2022
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Was technische Dinge angeht, bin ich ja relativ konservativ. Neuerungen finde ich oft nicht so toll, wenn ich sie dann habe oder umgesetzt habe, dann aber bin ich begeistert oder merke zumindest, dass diese Neuerung vieles erleichtert.
So auch im Job. Wenn ich auf Terminen auftauche, habe ich immer noch meinen Stift und mein Schreibbuch dabei. Das funktioniert eigentlich ganz gut, aber gerade bei Interviews, die dann auch genau so im Wortlaut erscheinen sollen, ist das Mitschreiben auf Dauer anstrengend.

Deshalb war das Interview mit der Bundespräsidentinkandidatin Stefanie Gebauer in Kremmen nicht nur inhaltlich spannend, sondern auch besonders, weil ich es erstmals komplett mit dem Handy mitgeschnitten und dafür nicht mitgeschrieben habe.
Natürlich muss man vorher ankündigen, dass man ein Gespräch aufzeichnen will, und das Gegenüber muss dem auch zustimmen.

So legten wir also los. Und das war ganz spannend. Denn in dem Moment, in der die Aufnahme startete, änderte sich sowohl mein als auch ihr Tonfall. Redeten wir bisher noch recht locker miteinander, wurde es nun plötzlich sehr offiziell – ähnlich, wie wenn man das Gespräch mit einer Kamera aufzeichnen will, dann spricht man ja in der Regel auch anders, als wenn man locker plaudert. Weil ich nicht mitschreiben musste, konnte ich mich noch mehr auf das Gesagte konzentrieren. Andererseits hatte ich das Gefühl, dass ich viel schneller meine Fragen abarbeiten konnte (wobei ich in dem Fall keine Fragen aufgeschrieben hatte). Nach gut zwölf Minuten waren wir durch, und ich hatte irgendwie das Gefühl: Das ging ja fix. Andererseits hätte das Mitschreiben ja das Gespräch verlangsamt.

Das Aufschreiben des Interviews ging dann auch erstaunlich fix und einfach. Am Ende ist für mich klar: Bei Interviews, die auch als Interview veröffentlicht werden sollen, ist das Mitschneiden besser als das Mitschreiben. Etwas anderes ist es, wenn aus dem Gespräch ein Bericht, eine Reportage, ein Porträt werden soll – weil man das nicht von vorne bis hinten runterschreibt, sondern sich von verschiedenen Gesprächsmomenten leiten lässt und die Inhalte ganz anders zusammenmontiert.

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Ostalgie ist Jugend

Sonntag, den 19. September 2021
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Viele Leute kamen am Sonnabend mit ihren alten Schwalben, Simsons, MZs, Trabis oder Wartburgs zum Ostalgietreffen nach Germendorf. Dort habe ich auch diverse Menschen angesprochen und sie gefragt, was denn für sie Ostalgie ist. Dabei ging es eigentlich gar nicht um den „Osten“, um die DDR. Immer war in diesen Gesprächen von der eigenen Jugend die Rede.

Und natürlich auch ich hatte beim Besuch dieses Treffens so manche Erinnerungen. Beim Anblick der Simson-Mopeds und einer MZ dachte ich an so manche Motorradausfahrten – Helm auf und ordentlich festhalten, und schon heizten wir durch den Wald nach Schmachtenhagen und weiter zum Stolzenhagener See. Nur wenn es darum ging, uns in die Kurve zu legen, war mir immer ein bisschen mulmig.

Etwas schade war, dass das Ostalgietreffen im Germendorf fast nur ein Motorradtreffen ist. Ein paar DDR-Autos gab es auch, die waren aber durch einen Zaun getrennt und nur über einen langen Umweg erreichbar. Dabei sind die Trabi, Wartburg und Co. auch wirkliche (N)Ostalgie.

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Unter Hühnern

Samstag, den 18. September 2021
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Als wir uns dem Gelände nähern, auf dem der mobile Hühnerstall steht, da setzt schon eine Völkerwanderung ein.
Etwa 1500 Hühner leben in diesem Stall am Rande von Schwante, und als sie ihr “Herrchen” erspähen, kommen sie alle in Richtung Eingang gerannt. Wie die Lemminge, wie in einem Computerspiel.

Mir wird ein bisschen mulmig, und mein Begleiter – das “Hühnerherrchen” fragt, ob ich Angst vor Hühnern hätte. Worauf ich entgegne, dass ich noch nie mit so vielen Hühnern zu tun hatte. “Die tun nichts”, sagt er.
Der Geräuschpegel ist schon relativ hoch. Das “Gack-ack-ack ackack-ack” hundertfach macht schon Eindruck, vor allem wenn es in Wellen an- und abschwillt.
Herrchen öffnet das Gatter, wir schlüpfen durch, allerdings ganz langsam. Denn das muss man schnell lernen, wenn man unter Hühnern ist: Langsam laufen. Und keine ruckartigen Bewegungen.
Als ich doch mal eine ruckartige Bewegung mache – nun ja, da war was los. Eine Aufschrei und eine Flatterei vom feinsten. Glücklicherweise haben sich die Damen schnell wieder beruhigt.

Dicht gedrängt stehen die Hühner um uns. Einige picken an den Schnürsenkeln des Herrchens. “Die halten sie für Würmer”, erzählt er. Meine Schnürsenkel sind blau, vielleicht achten sie deshalb nicht so drauf.
Ganz langsam laufen wir zum Stall, immer muss man hoffen, dass man nicht auf ein Füßchen latscht. Aber an sich sind die Tiere in der Tat friedlich.

Es sind Freilandhühner. Sie leben zwar im Stall, können aber am Tage jederzeit raus und haben ein recht großes Gehöft. Dazu gehören auch eine Wasserstelle und Unterstände, unter die die Tiere flüchten, wenn sie Gefahr wittern. Dann setzt wieder das Massengetappel ein, wenn alle in eine Richtung stürmen.
Wenn es dunkel wird, gehen die Hühner alleine in den Stall, später schließt sich die automatische Klappe.
Nach der Stallbesichtigung laufen wir wieder gaaanz laaangsam in Richtung Ausgang, immer begleitet vom Hühnervolk und ihrem “gack-ack-ack ackack-ack”. Es klingt ein bisschen enttäuscht, als wir wieder draußen sind. Aber nur kurz: Dann rennen sie wieder woanders hin, weil was anderes spannend war.

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Sechs Vormittage Heimatgeschichte – ein Nachruf

Dienstag, den 7. September 2021
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Sechsmal war ich bei ihr. Acht Jahre ist das inzwischen her.
Von 1970 bis 1987 war Irene Hoppe Bürgermeisterin der damaligen Gemeinde Neu-Vehlefanz. In den vielen Gesprächen erzählte sie, was sie in ihrem damals 82-jährigen Leben erlebt hat. Vom Zweiten Weltkrieg und wie die Bomber über Wolfslake hinweggeflogen sind. Von den ersten DDR-Jahren und der Zeit, als sie Ortschefin war. Anhand ihrer Erlebnisse ließ sich 2013 sich ein Stück Heimatgeschichte aus Klein-Ziethen, Wolfslake und Neu-Vehlefanz erzählen.

Irene Hoppe konnte viel und lange erzählen. Stellte man ihr eine Frage, begann sie zu reden. Sie hatte viel zu erzählen, und wusste sie mal nicht weiter, dann war klar, wo sie es aufgeschrieben hatte.
Wir haben zusammen in Unterlagen geblättert und Fotos studiert. Es gab immer belegte Brötchen und Kaffee. Als einmal der Mittagessenservice kam, konnte sie mich fast dazu überreden, doch mitzuessen. Es reiche doch für mehrere Leute.

Es war toll, die alten Geschichten zu hören. Wenn es auch manchmal anstrengend war, denn sie fand selten ein Ende. Aber dennoch: sympathisch.
Am Ende erschienen nach den langen Gesprächen sieben Teile mit ihren Lebenserinnerungen. Es war Lokaljournalismus, der mal ganz anders war und besonders viel Spaß gemacht hat.

Am 14. August ist Irene Hoppe im Alter von 91 Jahren gestorben. Ich werde mich immer an die vielen Vormittage in ihrem alten Haus in Wolfslake erinnern.

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Wir wandern mal zur Autobahn

Montag, den 22. Februar 2021
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Baustellen sind immer etwas Spannendes. Etwas wird abgerissen, etwas wird neu gebaut, etwas wird umgebaut. Am Freitag und Sonnabend war mal wieder die A10 gesperrt. Zwischen Birkenwerder und Mühlenbeck rollte kein Verkehr, weil wieder an einer der Brücken gebaut wurde.

Das zieht auch Passanten an. Entlang der Autobahn gibt es eine Böschung, an der am Sonnabendmittag diverse Menschen standen und schauten. Zu einem ist eine Autobahn, auf der nichts rollt, etwas Spannendes.
Eine der Straßen in Birkenwerder endet momentan an der Autobahn, sie ist eine Sackgasse. Eigentlich führt eine Fußgängerbrücke über die Trasse, aber die wird erst demnächst wieder aufgebaut. Weil die Autobahn von vier auf sechs Spuren ausgebaut wird, müssen in dem Bereich momentan zig Brücken erneuert werden.

Und nun stehen die Menschen da und gucken. Ich spreche ein Paar an, das gerade seine Räder anschließt. Als es hieß, dass die nächsten Brückenbauarbeiten auf der A10 anstehen, seien sie überrascht gewesen, erzählte mir die Frau: Welche Brücke sollte das sein? Mit ihrem Mann radelte sie also zur Autobahn, um zu schauen, was dort vor sich geht. „Die jetzige Brücke hatten wir gar nicht im Visier“, erzählte er, nachdem er erklärt bekommen hatte, um welches Brückenbauwerk es diesmal überhaupt geht. Nämlich um eine Brücke, die über ein Flüsschen führt. Es wird in der Regel insbesondere von den Autofahrern nicht wahrgenommen, weil es relativ ebenerdig über die kleine Briese führt.

Ein anderes Paar steht unweit der eigentlichen Baustelle. Auch sie gucken interessiert, was dort vor sich geht. „Wir wohnen in der Nähe und gehen öfter mal gucken“, erzählte mir der Mann. „Das ist wirklich spannend.“ Wegen des Lockdowns gebe es kaum Freizeitaktivitäten, also würden sie ab und zu zur Autobahn wandern. „Sobald wir neue Geräusche hören, die wir noch nicht kennen, gehen wir hierher und schauen.“

Ein spezielles Hobby, aber eines, was ich durchaus nachvollziehen kann, weil ich so etwas auch sehr spannend finde. Nur wenige Stunden später wurde der Verkehr wieder freigegeben.

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Impfzentrum in Zeiten des Coronavirus

Mittwoch, den 17. Februar 2021
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Ja, ich bin noch nicht dran. Dennoch konnte ich am Dienstag das Oranienburger Impfzentrum besuchen, aus beruflichen Gründen.
Bevor man dort rein will, muss man erst mal am Einlasser vorbei – und das geht nur, wenn der Einlasser sagt, dass er uns reinlassen darf.

Das Impfzentrum in Oranienburg befindet sich in einer Sporthalle, in der normalerweise Drittliga-Volleyball gespielt wird. Als wir dann drin stehen, schaue ich mich erst mal um.
Ein bisschen gespenstisch ist das ja schon. Es gibt diesen Ort nur, weil es diese Pandemie gibt. Ohne diesen Ort könnte langer Lockdown-Stillstand herrschen. Wenn wir hoffentlich irgendwann geimpft sind, dann könnte alles wieder besser werden.
Man läuft durch eine kleine Schleuse und wird dann zu einem der Empfangstische gebeten. Dort muss man vorlegen, was vorzulegen ist. An vielen der Tische sitzen Leute von der Bundeswehr. Die Leute, die zum impfen gekommen sind, sitzen da oft zu zweit. Senioren, viele schon recht alt.
Sie verschwinden dann irgendwann in den Impfkabinen.

Wir gehen in einen Nebenraum. Nach den Fällen der weggeworfenen Impfdosen wird uns erklärt, dass das passiert sei, weil am selben Tag eine ganze Einrichtung ihren Termin abgesagt habe. Und es sei nicht möglich, dass von dort aus bestimmt werde, wer stattdessen geimpft werde, zumal sie nicht einfach so jemanden impfen dürften, wer gerade keine Priorität habe. Stichwort: Du bist noch nicht dran.

Wir laufen in eine der Kabinen, später zum Bereich, wo die Geimpften eine gute Viertelstunde warten, um zu schauen, ob sie alles vertragen. Bis jetzt sei noch kein Fall eingetreten, bei denen Nachwirkungen aufgetreten sein. Gute 45 Minuten würde man sich im Impfzentrum aufhalten, dann sei alles erledigt.

Jetzt bin ich nur noch gespannt, wann denn mein Impftermin dran ist. Angela Merkel sagt, ich habe noch vor dem Herbstanfang einen Termin. Oder irgendwann 2022.

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