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Ostalgie ist Jugend

Sonntag, den 19. September 2021
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Viele Leute kamen am Sonnabend mit ihren alten Schwalben, Simsons, MZs, Trabis oder Wartburgs zum Ostalgietreffen nach Germendorf. Dort habe ich auch diverse Menschen angesprochen und sie gefragt, was denn für sie Ostalgie ist. Dabei ging es eigentlich gar nicht um den „Osten“, um die DDR. Immer war in diesen Gesprächen von der eigenen Jugend die Rede.

Und natürlich auch ich hatte beim Besuch dieses Treffens so manche Erinnerungen. Beim Anblick der Simson-Mopeds und einer MZ dachte ich an so manche Motorradausfahrten – Helm auf und ordentlich festhalten, und schon heizten wir durch den Wald nach Schmachtenhagen und weiter zum Stolzenhagener See. Nur wenn es darum ging, uns in die Kurve zu legen, war mir immer ein bisschen mulmig.

Etwas schade war, dass das Ostalgietreffen im Germendorf fast nur ein Motorradtreffen ist. Ein paar DDR-Autos gab es auch, die waren aber durch einen Zaun getrennt und nur über einen langen Umweg erreichbar. Dabei sind die Trabi, Wartburg und Co. auch wirkliche (N)Ostalgie.

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Unter Hühnern

Samstag, den 18. September 2021
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Als wir uns dem Gelände nähern, auf dem der mobile Hühnerstall steht, da setzt schon eine Völkerwanderung ein.
Etwa 1500 Hühner leben in diesem Stall am Rande von Schwante, und als sie ihr “Herrchen” erspähen, kommen sie alle in Richtung Eingang gerannt. Wie die Lemminge, wie in einem Computerspiel.

Mir wird ein bisschen mulmig, und mein Begleiter – das “Hühnerherrchen” fragt, ob ich Angst vor Hühnern hätte. Worauf ich entgegne, dass ich noch nie mit so vielen Hühnern zu tun hatte. “Die tun nichts”, sagt er.
Der Geräuschpegel ist schon relativ hoch. Das “Gack-ack-ack ackack-ack” hundertfach macht schon Eindruck, vor allem wenn es in Wellen an- und abschwillt.
Herrchen öffnet das Gatter, wir schlüpfen durch, allerdings ganz langsam. Denn das muss man schnell lernen, wenn man unter Hühnern ist: Langsam laufen. Und keine ruckartigen Bewegungen.
Als ich doch mal eine ruckartige Bewegung mache – nun ja, da war was los. Eine Aufschrei und eine Flatterei vom feinsten. Glücklicherweise haben sich die Damen schnell wieder beruhigt.

Dicht gedrängt stehen die Hühner um uns. Einige picken an den Schnürsenkeln des Herrchens. “Die halten sie für Würmer”, erzählt er. Meine Schnürsenkel sind blau, vielleicht achten sie deshalb nicht so drauf.
Ganz langsam laufen wir zum Stall, immer muss man hoffen, dass man nicht auf ein Füßchen latscht. Aber an sich sind die Tiere in der Tat friedlich.

Es sind Freilandhühner. Sie leben zwar im Stall, können aber am Tage jederzeit raus und haben ein recht großes Gehöft. Dazu gehören auch eine Wasserstelle und Unterstände, unter die die Tiere flüchten, wenn sie Gefahr wittern. Dann setzt wieder das Massengetappel ein, wenn alle in eine Richtung stürmen.
Wenn es dunkel wird, gehen die Hühner alleine in den Stall, später schließt sich die automatische Klappe.
Nach der Stallbesichtigung laufen wir wieder gaaanz laaangsam in Richtung Ausgang, immer begleitet vom Hühnervolk und ihrem “gack-ack-ack ackack-ack”. Es klingt ein bisschen enttäuscht, als wir wieder draußen sind. Aber nur kurz: Dann rennen sie wieder woanders hin, weil was anderes spannend war.

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Sechs Vormittage Heimatgeschichte – ein Nachruf

Dienstag, den 7. September 2021
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Sechsmal war ich bei ihr. Acht Jahre ist das inzwischen her.
Von 1970 bis 1987 war Irene Hoppe Bürgermeisterin der damaligen Gemeinde Neu-Vehlefanz. In den vielen Gesprächen erzählte sie, was sie in ihrem damals 82-jährigen Leben erlebt hat. Vom Zweiten Weltkrieg und wie die Bomber über Wolfslake hinweggeflogen sind. Von den ersten DDR-Jahren und der Zeit, als sie Ortschefin war. Anhand ihrer Erlebnisse ließ sich 2013 sich ein Stück Heimatgeschichte aus Klein-Ziethen, Wolfslake und Neu-Vehlefanz erzählen.

Irene Hoppe konnte viel und lange erzählen. Stellte man ihr eine Frage, begann sie zu reden. Sie hatte viel zu erzählen, und wusste sie mal nicht weiter, dann war klar, wo sie es aufgeschrieben hatte.
Wir haben zusammen in Unterlagen geblättert und Fotos studiert. Es gab immer belegte Brötchen und Kaffee. Als einmal der Mittagessenservice kam, konnte sie mich fast dazu überreden, doch mitzuessen. Es reiche doch für mehrere Leute.

Es war toll, die alten Geschichten zu hören. Wenn es auch manchmal anstrengend war, denn sie fand selten ein Ende. Aber dennoch: sympathisch.
Am Ende erschienen nach den langen Gesprächen sieben Teile mit ihren Lebenserinnerungen. Es war Lokaljournalismus, der mal ganz anders war und besonders viel Spaß gemacht hat.

Am 14. August ist Irene Hoppe im Alter von 91 Jahren gestorben. Ich werde mich immer an die vielen Vormittage in ihrem alten Haus in Wolfslake erinnern.

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Wir wandern mal zur Autobahn

Montag, den 22. Februar 2021
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Baustellen sind immer etwas Spannendes. Etwas wird abgerissen, etwas wird neu gebaut, etwas wird umgebaut. Am Freitag und Sonnabend war mal wieder die A10 gesperrt. Zwischen Birkenwerder und Mühlenbeck rollte kein Verkehr, weil wieder an einer der Brücken gebaut wurde.

Das zieht auch Passanten an. Entlang der Autobahn gibt es eine Böschung, an der am Sonnabendmittag diverse Menschen standen und schauten. Zu einem ist eine Autobahn, auf der nichts rollt, etwas Spannendes.
Eine der Straßen in Birkenwerder endet momentan an der Autobahn, sie ist eine Sackgasse. Eigentlich führt eine Fußgängerbrücke über die Trasse, aber die wird erst demnächst wieder aufgebaut. Weil die Autobahn von vier auf sechs Spuren ausgebaut wird, müssen in dem Bereich momentan zig Brücken erneuert werden.

Und nun stehen die Menschen da und gucken. Ich spreche ein Paar an, das gerade seine Räder anschließt. Als es hieß, dass die nächsten Brückenbauarbeiten auf der A10 anstehen, seien sie überrascht gewesen, erzählte mir die Frau: Welche Brücke sollte das sein? Mit ihrem Mann radelte sie also zur Autobahn, um zu schauen, was dort vor sich geht. „Die jetzige Brücke hatten wir gar nicht im Visier“, erzählte er, nachdem er erklärt bekommen hatte, um welches Brückenbauwerk es diesmal überhaupt geht. Nämlich um eine Brücke, die über ein Flüsschen führt. Es wird in der Regel insbesondere von den Autofahrern nicht wahrgenommen, weil es relativ ebenerdig über die kleine Briese führt.

Ein anderes Paar steht unweit der eigentlichen Baustelle. Auch sie gucken interessiert, was dort vor sich geht. „Wir wohnen in der Nähe und gehen öfter mal gucken“, erzählte mir der Mann. „Das ist wirklich spannend.“ Wegen des Lockdowns gebe es kaum Freizeitaktivitäten, also würden sie ab und zu zur Autobahn wandern. „Sobald wir neue Geräusche hören, die wir noch nicht kennen, gehen wir hierher und schauen.“

Ein spezielles Hobby, aber eines, was ich durchaus nachvollziehen kann, weil ich so etwas auch sehr spannend finde. Nur wenige Stunden später wurde der Verkehr wieder freigegeben.

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Impfzentrum in Zeiten des Coronavirus

Mittwoch, den 17. Februar 2021
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Ja, ich bin noch nicht dran. Dennoch konnte ich am Dienstag das Oranienburger Impfzentrum besuchen, aus beruflichen Gründen.
Bevor man dort rein will, muss man erst mal am Einlasser vorbei – und das geht nur, wenn der Einlasser sagt, dass er uns reinlassen darf.

Das Impfzentrum in Oranienburg befindet sich in einer Sporthalle, in der normalerweise Drittliga-Volleyball gespielt wird. Als wir dann drin stehen, schaue ich mich erst mal um.
Ein bisschen gespenstisch ist das ja schon. Es gibt diesen Ort nur, weil es diese Pandemie gibt. Ohne diesen Ort könnte langer Lockdown-Stillstand herrschen. Wenn wir hoffentlich irgendwann geimpft sind, dann könnte alles wieder besser werden.
Man läuft durch eine kleine Schleuse und wird dann zu einem der Empfangstische gebeten. Dort muss man vorlegen, was vorzulegen ist. An vielen der Tische sitzen Leute von der Bundeswehr. Die Leute, die zum impfen gekommen sind, sitzen da oft zu zweit. Senioren, viele schon recht alt.
Sie verschwinden dann irgendwann in den Impfkabinen.

Wir gehen in einen Nebenraum. Nach den Fällen der weggeworfenen Impfdosen wird uns erklärt, dass das passiert sei, weil am selben Tag eine ganze Einrichtung ihren Termin abgesagt habe. Und es sei nicht möglich, dass von dort aus bestimmt werde, wer stattdessen geimpft werde, zumal sie nicht einfach so jemanden impfen dürften, wer gerade keine Priorität habe. Stichwort: Du bist noch nicht dran.

Wir laufen in eine der Kabinen, später zum Bereich, wo die Geimpften eine gute Viertelstunde warten, um zu schauen, ob sie alles vertragen. Bis jetzt sei noch kein Fall eingetreten, bei denen Nachwirkungen aufgetreten sein. Gute 45 Minuten würde man sich im Impfzentrum aufhalten, dann sei alles erledigt.

Jetzt bin ich nur noch gespannt, wann denn mein Impftermin dran ist. Angela Merkel sagt, ich habe noch vor dem Herbstanfang einen Termin. Oder irgendwann 2022.

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Kurze Auszeit in Zeiten des Coronavirus

Mittwoch, den 18. März 2020
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Home Office. So schön es ist, nicht das Haus verlassen zu können, so blöd ist es auch, nicht das Haus verlassen zu können. Das heißt: Ich könnte, und noch dürfen wir ja alle das Haus verlassen. Aber sicher ist sicher.
So sitzt man aber stundenlang am Schreibtisch, arbeitet vor sich hin, immer wieder kommen neue Mails und Informationen. Der WhatsApp-Chat mit den Kollegen läuft, zwischendurch Telefonate und längere Gespräche am Telefon, die man sonst vor Ort und Auge in Auge machen würde.
Aber in Zeiten des Coronavirus ist alles anders.

Deshalb ist dann eine tägliche Auszeit ganz gut. Mal rausgehen. Einmal um den Block laufen.
Bei Subway in Oranienburg haben sie die Tische auseinandergestellt – Sicherheitsabstand. Sieht allerdings nun etwas verloren aus. Aber was muss, das muss.
Ein wenig merkwürdig finde ich, dass man kein Tablett mehr kein Körbchen mehr bekommt. Stattdessen bekommt man die zwei Subs und den Keks jeweils eingepackt in die Hand gedrückt. Die Zapfmaschine war auch kaputt, also griff man zur Flasche.

Dann noch einmal um den Block. Es war nach 17 Uhr, es ging auf den Feierabend zu, aber rund um den Oranienburger Bahnhof war deutlich weniger los, als sonst. Am Gymnasium standen die Tore noch weit offen, vermutlich sind sie in den nächsten Wochen fest verschlossen. Der Drogeriemarkt war erstaunlich leer, auch in der Bäckerei war man schon am Aufräumen.
Ich spazierte einmal durchs Viertel, ein bisschen frische Luft, bevor es wieder rein ging.

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Händeschütteln in Zeiten von Corona

Sonntag, den 8. März 2020
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Ein Lächeln statt eines Händedrucks. Seit einiger Zeit gibt es diesen Hinweis in der Eichstädter Gemeindeverwaltung: „Wir sind nicht unhöflich, wir sind umsichtig. Wir verzichten auf das Händeschütteln und schenken Ihnen ein Lächeln.“ Auch beim Jahresempfang der Gemeinde Oberkrämer am Freitagabend in Marwitz war dieser Hinweis zu lesen.

Gute Sache, eigentlich. Stichwort: Coronavirus und mögliche Ansteckung. Das Problem ist nur: dieser Reflex! Es ist einfach so in uns drin: Wir begegnen einem Menschen, wir treffen ihn, und wir wollen uns die Hand geben. weil man das ja schließlich immer so macht.
Es ist eine regelrechte Überwindung nötig, dass man dran denkt: Ach ja, wir sollen und wollen ja nicht mehr die Hände schütteln. Also, vorerst.

Ich gebe zu: Ich habe es am Freitagabend in Marwitz trotzdem getan. Natürlich mit schlechtem Corona-Gewissen. Zum Glück war aber auch Desinfektionsmittel im Saal vorhanden.

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