RTelenovela

Guten Tag! Ist alles doof hier!

Sonntag, den 22. November 2020
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Die schlechte Laune oder Miesepetrigkeit mancher Leute lässt einen hin und wieder schon den Kopf schütteln. In einer Facebook-Gruppe aus Bötzow schrieb in dieser Woche eine Frau, dass sie neu zugezogen, und sie wollte wissen, ob es bei der Sparkasse auch einen Schalter gibt.
Normalerweise würde man ihr antworten und sie vielleicht noch herzlichen Willkommen heißen. Aber das wäre ja auch zu freundlich.

“Außer Netto und braune Gesinnung gibt’s hier gar nichts”, antwortete jemand. Und: “Testen sie mal die Busanbindung.” Das mit dem Discounter stimmt, mit der brauen Gesinnung in Einzelfällen auch, die Busverbindung ist seit Jahren ein Diskussionsthema. Aber muss man wirklich erst mal mäkeln, wenn sich jemand neu vorstellt? Man erwartet ein freundliches Lächeln und erntet runtergezogene Mundwinkel. Eine andere Frau merkte an, dass es so schön sei, dass sie auf der Straße sitze. Ein anderer meckert, dass immer wieder fremde Hunde auf sein Grundstück kommen – und stempelt das später als Satire ab.

Glücklicherweise gibt es im Gegenzug aber auch andere Leute, die die Neubürgerin freundlich begrüßen. Man muss ja nicht immer alles gleich niedermachen.

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KeineWochenShow

#189 – Gartenträume

Sonntag, den 16. August 2020
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Es wird mal wieder Zeit für einen Ausflug. Diesmal schauen wir uns in KeineWochenShow im Oranienburger Schlosspark um. Der hat ziemlich viel zu bieten. Gartenträume, Kinderspielplätze, Wald und Wiesen.

Natürlich sprechen wir auch über die aktuellen Themen der Woche. Die SPD hat einen Kanzlerkandidaten. Es gibt wieder mehr Covid-19-Infizierte, das Coronavirus lässt uns nicht los. Es geht um die Bundesliga, die weiter ohne Fans bleibt, um Jugendliche in Bötzow, die im Dorf anpacken und um die Besucher des Germendorfer Tierparks, die für unschöne Hinterlassenschaften sorgen.

Es ist übrigens die erste KeineWochenShow, die ich komplett selbst geschnitten und bearbeitet habe. Ich bin auf euer Urteil gespannt. KeineWochenShow #189 gibt es auf Youtube.

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aRTikel

Interview der Woche: Die Einsamkeit in der Coronakrise

Donnerstag, den 30. Juli 2020
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Kerstin Laatsch erzählt, wie ältere Menschen in Oberkrämer mit der Pandemie umgehen

MAZ Oberhavel, 30.7.2020

Oberkrämer.
Es ist insbesondere auch für die älteren Menschen eine schwierige Zeit. Die Sicherheitsmaßnahmen rund um das Coronavirus verlangen auch den Seniorinnen und Senioren einiges ab. Über die vergangenen Monate und die aktuelle Situation berichtet Kerstin Laatsch. Die Vehlefanzerin ist die Seniorenbeauftragte in Oberkrämer und Koordinatorin des „Hauses der Generationen“ in Vehlefanz.

Es gab kürzlich in Sommerfeld den Fall, dass der Seniorentreff wieder stattfinden sollte, dann aber kurzfristig doch wieder abgesagt worden ist. Die Senioren waren zu besorgt wegen der Sicherheit. Spüren Sie diese Ängste auch in Oberkrämer?
Kerstin Laatsch: Das geht auch ein bisschen von mir selbst aus. Ich habe die Verantwortung für die Senioren. Ich möchte nicht schuld sein, wenn etwas mit ihnen passiert. Allerdings wollen viele Senioren auch wieder zusammenkommen. Aber zum Beispiel in Schwante haben sie die Möglichkeit nicht, weil die Räume zu klein sind. Wir haben alle ein Schreiben mit den Auflagen bekommen, wenn wir die nicht einhalten, dann werden die Räume wieder geschlossen. Oder in Bärenklau: Da kann das Tanzen noch nicht stattfinden, auch die Chöre können noch nicht singen. Immerhin trifft sich aber die Handarbeitsgruppe in Bärenklau.

Das „Haus der Generationen“ war monatelang geschlossen. Was haben Sie in der Zeit gemacht?
Ich habe Aufräumarbeiten erledigt, Dinge, die liegengeblieben sind. Ich habe Fotoalben gestaltet. Ich war allein auf weiter Flur, im Jugendclub war ja auch nichts. Ich habe gerade mal die Gemeindearbeiter gesehen. Das war ein komisches Gefühl.

Wie haben Sie Kontakt zu den Senioren gehalten?
Telefonisch. Ich habe von der Frauenfrühstücksrunde alle Telefonnummern. Wir haben uns auch mal auf dem Parkplatz beim Einkaufen getroffen. Ich habe ja auch Masken genäht und verteilt.

Welche Probleme tauchten in der Höhepunkt-Phase der Coronakrise auf?
So ein bisschen die Einsamkeit. Dass sie die Leute nicht treffen konnten. Es gab auch gesundheitliche Probleme, wo ich vermitteln konnte. Es gab aber nichts Gravierendes, wo ich irgendwie eingreifen musste.

Keine Feiern, keine Treffen, keine Gruppen: Wie war oder ist die Stimmung unter den Senioren in Oberkrämer?
Die waren schon ziemlich geknickt. Wenn ich mal vom Frauenfrühstück ausgehe, das ich organisiere und das normalerweise einmal im Monat stattfindet: Da ging es die ersten beiden Monate noch. Irgendwann hieß es dann aber: Hoffentlich kommen wir bald wieder zusammen. Die waren ja alle zu Hause, die Kinder oder Enkel haben eingekauft.

Gab es private Initiativen?
Ich weiß, dass sich mal kleine Gruppen zum Kartenspielen getroffen haben. In Neu-Vehlefanz haben sie sich kürzlich privat getroffen, um zu besprechen, wie es denn ab September weitergehen könnte.

Seit 1. Juli sind das „Haus der Generationen“ und auch die anderen Gemeindehäuser in Oberkrämer wieder geöffnet. Waren Sie in die Entscheidung eingebunden?
Ich hatte im Vorfeld nachgefragt, weil es auch Nachfragen gab bezüglich eines Beerdigungskaffees. Da hieß es noch, nein, die Häuser bleiben geschlossen. Das war Mitte Juni. Der Bürgermeister gab dann später sein Okay. Ich habe dann das Schild abgenommen, auf dem auf die Schließung hingewiesen worden war. Wir haben uns im Seniorenbeirat getroffen und sind dann die Liste durchgegangen, welche Auflagen es gibt.

Wird es denn wieder Frauenfrühstücke geben?
Wir fangen im September wieder an. Wir werden aber kurzfristig entscheiden, wir wollen aber hoffen, dass die Coronasituation nicht wieder schlimmer wird. Am 15. September wollen wir ab 9.30 Uhr grillen. Wir machen das mit Abstand, und ich hoffe, dass alle einsichtig sind.

Gibt es noch andere Veranstaltungen?
So direkt nicht. Im Juni wäre die Seniorenwoche gewesen. Die sollte erst in den Herbst verschoben werden, aber wir können ja momentan überhaupt keine Verträge mit Künstlern abschließen, da ist es dann ganz abgesagt worden. Die Veranstaltungen an der Mühle in Vehlefanz sind auch alle weggefallen.

An welchem Punkt könnte es wieder normale Veranstaltungen geben?
Da kann ich nichts zu sagen. Noch haben wir die Auflagen der Gemeinde Oberkrämer. Ich kann auch nicht sagen, ob wir dieses Jahr eine Weihnachtsfeier machen können. Wir gehen aber im Seniorenbeirat davon aus, dass wir sie nicht durchführen können. In Eichstädt gibt es wieder Spielenachmittage, bei den Kaffeerunden werden draußen Tische und Bänke aufgestellt, denn der Raum wäre zu klein dafür.

Wären Veranstaltungen in der Turnhalle denkbar?
Mit Abstand wäre es vielleicht möglich. Aber Ideen gibt es da noch nicht.

Was haben Sie persönlich während der Coronakrise am meisten vermisst?
Na ja, auch meine Enkelkinder. Dass ich sie nicht wirklich sehen konnte, das war eigenartig. Ich habe ja Asthma, da muss ich auch aufpassen. Aber es ist klar, dass die Kontakte gelitten haben.

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aRTikel

Chronik Oberkrämer 2019

Samstag, den 14. Dezember 2019
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MAZ Oberhavel, 14.12.2019

Januar: Neujahr gegen 1 Uhr brennt im Schlossweg in Schwante eine Hecke. +++ Feuer beim Autohandel in Eichstädt – Brandstiftung. Schaden: 13 000 Euro. +++ Krise beim Bärenklauer Kulturverein Arge Baer. Der Vorstand findet keine Nachfolger. Der Ortsbeirat kümmert sich nun um das Erntefest. +++ Andres Irmisch aus Schwante verlässt die CDU.

Die Brücke am Wendemarker Weg in Bärenklau war am Jahresanfang schon einmal gesperrt – aber Bauarbeiten fanden nicht statt. Während die Sperrung termingerecht erfolgte, verzögerte sich der Baustart oben auf der Autobahn. Das sorgte im Ort für Protest. Karsten Peter Schröder vom Ortsbeirat machte seinem Unmut Luft. Mit Erfolg – die Sperrung der Straße wurde für einige Wochen wieder aufgehoben.

Februar: Der Schwantener Bäcker Karl-Dietmar Plentz gibt das Buch „Der Brotmacher“ heraus. +++ Der Familiensportverein will in Bärenklau eine Hockeyanlage betreiben. Aber eine Bodenversiegelung wird nicht gestattet.

März: Carsten Schneider verlässt die SPD und wechselt zu den Linken. +++ Das Sommerlager der Freikirche findet nicht mehr in Vehlefanz, sondern in Oranienburg statt.

Die Feuerwehr in Oberkrämer hat im März für die Wachen in Bötzow, Marwitz und Vehlefanz neue Löschfahrzeuge bekommen. Die Übergabe fand an der Oberkrämerhalle in Eichstädt statt. Etwa 1,2 Millionen Euro hat die Gemeinde in diese Neuanschaffungen investiert. Mit großen Getöse sind die drei Autos auf den Platz gefahren – unter dem Applaus der Anwesenden und mit einer Feuershow am Wegesrand. Die alten Fahrzeuge haben den Anforderungen nicht mehr entsprochen.

April: Ingo Pahl von der Feuerwehr Marwitz stirbt mit 71 Jahren. +++ Die Freikirche will in Vehlefanz eine Kita eröffnen. +++ Joanna und Gregor Künzer eröffnen den Dorfkrug in Bärenklau neu.

Erika Kaatsch verabschiedete sich mit der Kommunalwahl im Mai von ihren Ämtern. Mit 84 Jahren trat sie mehr an. Lange war sie Ortsvorsteherin von Vehlefanz – hier mit ihrem Ortsbeirat. Abschied nahm sie auch von der Gemeindevertretung. Sie hat viel bewegt im Ort, nun genießt sie ihr Leben.

Mai: Die Büffel aus Schwante büxen aus und werden von der Polizei bei Klein-Ziethen gestellt. +++ Das Dach der Kirche in Marwitz ist fertig. +++ Die Bahn fällt ständig aus, das sorgt für Ärger bei den Pendlern. Offener Brief verhallt. +++ Neuer Hort in Bötzow wird eröffnet. +++ BfO gewinnt bei den Kommunalwahlen, AfD erstmals in der Gemeindevertretung.

Juni: Mandy Krenz wird neue Ortschefin in Bötzow, Hubert Gediga neuer Ortsvorsteher in Vehlefanz.

Loretta Würtenberger und Daniel Tümpel sind die neuen Besitzer von Schloss Schwante. Christian Schulz und das Monbijou-Theater mussten es aus finanziellen Gründen verkaufen. Der Wechsel hat im Ort für viel Wirbel gesorgt, denn die Familie will im Schloss auch wohnen. Die Sorge war groß, dass der Weg durch den Schlosspark und der Park selbst nicht mehr nutzbar seien. Die Kommunikation schien nicht immer einfach. Der Weg im Park wird nun verlegt.

Mehrere Feuer in der Nähe von Wolfslake sorgten im Juni für einen Großeinsatz der Feuerwehren aus der Region. Immer wieder flammten Glutnester auf. Zwischenzeitlich musste wegen des Qualms sogar die Autobahn zwischen dem Dreieck Havelland und Falkensee gesperrt werden.

Juli: Die Apfelernte in Eichstädt-Ausbau fällt aus – der Frost im Frühjahr ist schuld. +++ An der Nashorn-Grundschule in Vehlefanz wird die Fassade erneuert.

August: Jennifer Prahl wird die Leitung der Bibliothek übernehmen. +++ Spendenaktion für Johannes (3) aus Marwitz beginnt. Er hat einen Gehirntumor.

September: SPD, AfD und CDU bei der Landtagswahl in Oberkrämer vorn. +++ Bei Schwante muss ein Kleinflugzeug nach Propellerbruch notlanden. +++ Unbekannte hinterlassen bei Eichstädt riesigen Müllberg. +++ Der Förderverein der
Kirche in Eichstädt hat jetzt 100 Mitglieder.

Die alte schmale Brücke am Gewerbegebiet Vehlefanz, die über die A 10 führte, ist Geschichte. Inzwischen gibt es eine neue Brücke, die mehr Platz bietet, perspektivisch mit Radweg-Anschluss. Die A 10, die durch Oberkrämer führt, ist eine Großbaustelle. Sie wird auf sechs Fahrstreifen verbreitert. Bis zum Jahresende ist eine der neuen Fahrbahnen bereits fertig. Immer wieder ist es 2019 zu Verkehrsbehinderungen gekommen. Die Anschlussstelle war längere Zeit gesperrt, für die Autofahrer bedeutete es lange Umwege. 2020 geht es weiter.

Oktober: Die Verwaltung in Eichstädt soll ausgebaut werden. +++ Edeka in Vehlefanz will hinter dem jetzigen Gelände neu bauen. +++ Dino Preiskowski und Dana Bosse leiten die SPD in Oberkrämer. +++ In Sommerswalde wollen die Buddhisten einen Tempel bauen.

November: „Reckin’s Eiche“ in Klein-Ziethen soll im August 2020 geschlossen werden. +++ Der Bahnübergang am Lindenweg in Schwante soll wieder gesperrt werden – nach Protesten nur halbseitig. +++ Die Grünen gründen gemeinsamen Ortsverein mit Leegebruch. +++ Justiziar Peter Matschke verlässt die Gemeinde Anfang 2020. +++ Die Energieinsel in Vehlefanz bekommt den Zukunftspreis des Landes Brandenburg. +++ Die Brücke auf der L 20 in Bötzow ist wieder frei.

Dezember: Der Bau eines zweiten neuen Hortgebäudes beginnt in Bötzow. +++ Die gGmbH Kenntnisreich macht das Angebot, in Oberkrämer eine Kita zu bauen.

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aRTikel

Selten ein Blatt vor dem Mund

Samstag, den 22. Juni 2019
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Merlin Struck ist neues Mitglied im Bötzower Ortsbeirat und mit seinen 20 Jahren der jüngste Kommunalpolitiker in Oberkrämer

MAZ Oberhavel, 22.6.2019

Bötzow.
Nicht immer nur über die junge Generation sprechen, sondern mit ihr. „Das fand ich wichtig“, sagt Merlin Struck. Der 20-Jährige gehört dem neuen Bötzower Ortsbeirat an und ist somit auch der jüngste Kommunalpolitiker in Oberkrämer. „Ich bin ein grundsätzlich interessierter Mensch, und ich stelle mich gern Herausforderungen“, erzählt er.

Er ist Mitglied der SPD, schon seit fünf Jahren. „Das kam recht spontan.“ Er saß gerade im Geschichtsunterricht und registrierte sich online. „Da ging es gerade um die SPD.“ Politik sei in der Familie immer ein Thema gewesen. „Mein Vater ist schon länger politisch aktiv, er hat hier die Freien Wähler mit aufgebaut.“ Wenn Landtagswahlen waren, saß Merlin Struck immer vor dem Fernseher, um die Ergebnisse zu verfolgen. „Damals konnte man sich für die SPD noch freuen.“
Unterm Strich könne er sich aber immer noch mit seiner Partei identifizieren. „Mit Abstrichen“, sagt er. „Ich nehme selten ein Blatt vor den Mund, ich stoße damit nicht immer auf Gegenliebe. Muss ich aber auch nicht.“ In der Kommunalpolitik laufe vieles sowieso anders. „Die Leute sind andere, die Themen sind andere, und die Auswirkungen sind direkt spürbar.“
Die aktuellen Personaldebatten in der Bundes-SPD hält er für falsch, Andrea Nahles sei „nicht unbedingt gut“ gewesen, aber eher Symptom statt Ursache für das aktuelle Problem. „Der Bürger weiß doch kaum noch, was die SPD eigentlich möchte.“ Gegen die Große Koalition hatte Merlin Struck klar Stellung bezogen. „Sicherlich gibt es eine Verantwortung, die man zu übernehmen hat, aber durch eine aufgezwungene Verantwortung kann man auch ins Messer laufen. Die SPD hat sich damit keinen Gefallen getan.“ Dennoch brauche Deutschland die Sozialdemokratie, sagt er.

Als Mitglied im Bötzower Ortsbeirat will er sich aber vor allem auf seinen Ort konzentrieren. Als am Dienstag die konstituierende Sitzung stattfand, betonte Ortsbeiratsmitglied Christian Rogge und später die neue Ortsvorsteherin Mandy Krenz, dass man überparteilich arbeiten wolle. „Dem kann ich nicht zustimmen“, so Merlin Struck. „Grundsätzlich halte ich eine Menge davon, so gut mit denjenigen zusammenzuarbeiten, mit denen es möglich ist – mit gesundem Abstand zur AfD.“ Er werde dort mitmachen, wie es seine Grenzen erlauben. Dass die Ortsvorsteherin ausschließlich mit Stimmen ihrer BfO und der AfD gewählt worden ist, hatte für Diskussionen gesorgt.

Seine Themen für Bötzow: „Der öffentliche Nahverkehr ist ein Dauerbrenner.“ Die Linienführung durch den Ort sei „suboptimal“, die Anbindung an den 824er-Bus schlecht. Es gebe keine wirkliche Verbindung nach Velten, Hennigsdorf oder Oranienburg. „Obwohl Bötzow der größte Ortsteil von Oberkrämer ist.“ Auch fehlende Mietwohnungen seien ein großes Thema. „Ich wohne noch bei meinen Eltern, mit 20 ist das auch nicht schlimm. Aber wenn ich in der Gemeinde verwurzelt bleiben will, dann fehlen einfach die Möglichkeiten, das zu realisieren.“ Zumal der Bedarf eher noch steigen werde.
Auf lange Sicht möchte er auch in die Gemeindevertreterversammlung. „Aber ich will es ruhig angehen, Erfahrungen sammeln.“ Landes- und bundespolitisch habe er wenig Ambitionen.

Sein Abi machte er am Falkenseer Lise-Meitner-Gymnasium. Inzwischen ist er Auszubildender im Rettungsdienst, er hofft bald sein Staatsexamen zu bekommen. „Ich finde Medizin als solches spannend“, sagt er. „Das ist ein Beruf, bei dem ich sagen kann, ich habe was geleistet.“ Und er bekomme auf die Art auch ein Abbild der Gesellschaft zu sehen. „Ich sehe, wer weniger stark vom deutschen Wohlstand profitiert.“ Und man sieht, dass Armut und Krankheit Hand in Hand gehen. Er merke, wo politisch gehandelt werden müsse. „Das ist eine sehr wertvolle Erfahrung.“
Außerdem gehört er zur Bötzower Feuerwehr und ist bei den Maltesern in Berlin, wo er unter anderem große Events absichert. Ansonsten genieße er in Bötzow die Vorzüge des ruhigen Lebens, wie er sagt. „Ich kann mir vorstellen, hier gut zu leben.“

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aRTikel

Treue Seele: Ohne ihn wäre das Dorffest Geschichte

Donnerstag, den 13. Juni 2019
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Ralf Hannusch (54) engagiert sich seit vielen Jahren für Bötzow – auch im Heimatverein

MAZ Oberhavel, 13.6.2019

Bötzow.
Irgendjemand muss die Zügel in der Hand haben, sonst nutzt jede gute Organisation nichts. Und Ralf Hannusch hatte große Lust darauf. Seit 2001 kümmert er sich um das Bötzower Dorffest, das am kommenden Sonnabend wieder stattfindet. „Damals ging es darum, dass jemand den Hut auf hat und die Vereine bei dem Fest zusammenhält.“
Er wollte sich engagieren, und das, obwohl er zu diesem Zeitpunkt noch relativ neu war in Bötzow. Erst 1997 ist er ins Dorf gezogen. „Wir kamen aus Berlin, ursprünglich bin ich aber aus Cottbus“, erzählt er. „Wir haben am Stadtrand ein grünes Domizil gesucht und uns gleich hier wohlgefühlt.“

Als es 2001 darum ging, dass jemand für das Dorffest gesucht wird, da hatte der vorherige „Kümmerer“ wegen Auslandsverpflichtungen keine Zeit mehr dafür. „Ich wurde gefragt, obwohl ich ja wie die Jungfrau zum Kinde kam. Ich bin eigentlich gar nicht so ein guter Organisator, und ich kannte ja hier auch noch nicht so viele Leute. Aber wir haben das dann ganz gut hinbekommen.“ Sein Vorgänger hatte ihm viele Nummern und Ansprechpartner genannt. „Die habe ich dann alle angesprochen: Leute, wir machen Dorffest-Sitzung! Dann sind die auch alle da gewesen. Wir hatten Getränke dabei und haben durchgesprochen, woran alles zu denken ist.“

Wenn es um die Vereine im Ort geht, hat Ralf Hannusch ein gutes Wort: „Ohne die Vereine wäre es echt schwierig“, sagt der 54-Jährige. „Und ohne die Feuerwehr geht hier gar nichts, die ist der Dreh- und Angelpunkt. Ansonsten hat aber auch jeder Verein seinen Stand und kümmert sich auch darum.“ Große Hilfe gab es auch von den jeweiligen Ortsvorstehern, die beim Fest sehr viel mitorganisiert haben. Inzwischen hat Mandy Krenz da die Fäden hauptsächlich in der Hand. „Ich habe ihr meine Hefter übergeben.“ Sie ist glücklich, einen wie ihn im Dorf zu haben: „Ohne die Leute mit Erfahrung wie Ralf Hannusch wäre ich baden gegangen“, sagt Mandy Krenz.

In seiner Mappe hat Ralf Hannusch immer noch alle Dorffest-Programmzettel seit 2001. Da hängt er sich immer noch rein und hilft. Auch den diesjährigen Flyer hat er gestaltet. „Das Dorffest ist ein superwichtiger Termin. Es wäre unheimlich schade, wenn es kippen würde, weil es keiner mehr organisiert.“ Schon bei der Kirmes sei es für Bötzow bedauerlich, dass es sie nicht mehr gebe. „Es ist schön, dass sich bei diesen Gelegenheiten die Menschen treffen und sich unterhalten.“
Nur einmal sei es schwierig gewesen – als genau am Tag des Dorffestes die deutsche Nationalmannschaft bei der Fußball-WM spielte. „Wir haben ein Public Viewing vorbereitet, das war eigentlich eine ganz coole Veranstaltung.“ Dennoch habe das Dorffest darunter gelitten, weil wesentlich weniger Leute da waren als sonst. „Es gibt ja außerdem viele Stimmen, die mal wieder einen Umzug zum Dorffest haben möchten.“

Er macht das aus Spaß an der Sache, sagt er. Er engagiert sich zudem im Bötzower Heimatverein, ist da der stellvertretende Vorsitzende. „Wir sind auf Mitgliedersuche“, sagt er. Es werde überlegt, mit welchen Aktionen man dem Verein noch mehr Leben einhauchen könne. „Wir überlegen, ob wir Dorfführungen anbieten.“

Ansonsten arbeitet er als Systemverwalter bei einem IT-Dienstleister in Berlin-Adlershof. „Ein weiter Fahrweg“, sagt er. In der Freizeit widmet er sich der Fotografie. Ralf Hannusch kümmert sich zudem auch um die Internetseite www.boetzow.de. „Sie ist aktuell, aber es sind keine ganz aktuellen Nachrichten drauf“, sagt er. Um dort mehr zu machen, bräuchte es Mitstreiter.

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aRTikel

„Ich halte mich da jetzt raus“

Freitag, den 7. Juni 2019
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Bötzows Ortsvorsteher Günter Franke verabschiedet sich nach fast 30 Jahren aus der Kommunalpolitik – und teilt noch mal in alle Richtungen aus

MAZ Oberhavel, 7.6.2019

Bötzow.
Neulich hat er einen Zander gefangen, mehr als dreieinhalb Kilo schwer. „In Dollgow, da angele ich seit 50 Jahren“, erzählt Günter Franke. Er will sich dafür noch mehr Zeit nehmen – nach insgesamt 24 Jahren im Kreistag, nach zweimal zehn Jahren als Bürgermeister und Ortsvorsteher von Bötzow. Er ist jetzt 68, und er macht Schluss mit der Kommunalpolitik.

„Der Entschluss kam vorigen Sommer“, sagt er. Damals habe sein Ortsbeirat gegen einen Bebauungsplan auf dem Gelände einer in Bötzow ansässigen Baustofffirma gestimmt. „Heute zeigt sich: das war ein Fehler. Die Firma macht genauso weiter wie bisher, aber sie dürfen keine Gebäude abreißen. Das Dorf wird dadurch nicht schöner.“
Überhaupt: Vieles, was heute in der Politik geschieht, gefällt ihm nicht mehr. Er spricht vom Niedergang „meiner Volkspartei im Osten“, den Linken. „Es stört mich, wie die Genossen mit ihren Ministern umgehen.“ Er meint Diana Golze und Hellmuth Markov. Christian Görke, linker Finanzminister in Brandenburg, sei ihm dagegen unsympathisch. „Das ist einer von der Sorte Politiker, wie sie überall rumhüpfen.“ Gregor Gysi (Franke: „Der hat uns gerettet“) sei einer der letzten mit Grips und Intellekt.

„Mein Glaube an die parlamentarische Demokratie hält sich in Grenzen“, sagt er. Er befürchtet gar einen Ruin der Demokratie. „Die ist eine schöne Sache, aber wir sind weit entfernt von der Demokratie der Griechen. In Wirklichkeit hat das Volk gar nichts zu sagen.“ Er nennt Stichworte: Dieselskandal, Klimaschutz. Zu letzterem Thema sagt er: „Man kann diese Spirale nicht mehr aufhalten.“ Die Schwelle, bevor man die Entwicklung noch stoppen könne, sei überschritten.

Nach der Kommunalwahl könne er den BfO zwar gratulieren, „aber das ist ein Pyrrhussieg.“ Die Gemeindevertretung, die nun zusammenkomme, sei sich sicherlich nicht mehr so einig wie die vorherige. „Die anderen mucken auf.“ Wer ihm zuhört, weiß: Ihn würde das freuen. Aber auch die eigene Partei in Oberkrämer beobachtet er kritisch: „Sie denken, durch Aktionismus und durch viele Anträge, die da gestellt werden, kann man die Bevölkerung erreichen. Das glaube ich nicht.“ Es komme in der Kommunalpolitik auch weniger auf die Parteien an, „sondern auf die Menschen, die was tun und was bewegen. Das ist auch mein Vorwurf an die BfO. Ihr Wahlspruch war: Wir sind für die Bürger da“, so Franke. Das sei aus seiner Sicht längst nicht immer so. Bei der Pferdesteuer sei man eingeknickt, der Umbau der Turnhalle in Marwitz sei sehr viel teurer geworden. „Es kann keiner sagen, dass keiner wusste, was da los ist.“

Für Bötzow habe er einiges erreichen können, sagt er. „Als ich 1993 angefangen habe, gab es die L 20, die war mit Teer überzogen, und die Dorfaue hatte 100 Jahre altes Pflaster. Wenn Lkw fuhren, zitterten die Häuser.“ Seitdem seien 13,8 Kilometer Straßen in Bötzow befestigt worden. 1994 fand zudem das erste Dorffest statt. „Das ist auch ein Erfolg. Ohne die Unterstützung der Vereine, Feuerwehr, Senioren, Kita, oder Schule kann man das aber gar nicht machen. Auf die alle konnte ich immer vertrauen.“

Er sei eigentlich ganz zufrieden. Wer meint, er wirke verbittert, der irrt. Auch wenn Günter Franke ein bisschen herum poltert und den Politikbetrieb verbal aufmischt – immer wieder lächelt er dabei. „In meinem Alter muss ich mich dem Zirkus nicht mehr unterordnen“, sagt er. Er will mehr angeln. „Das Angeln hat mich gerettet“, sagt er. Da könne er abschalten. Für die Familie sei mehr Zeit. Und er will sich weiter über den Politikverlauf informieren. „Aber ich halte mich jetzt da raus.“

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