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Heute ist der letzte Arbeitstag

Freitag, den 25. Februar 2022
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Peter Leys (BfO), Bürgermeister in Oberkrämer, geht in den Ruhestand – er äußert sich zum Wahlkampf, die Kitasatzung, die Eichstädter Sporthalle und über seine Pläne für die Zeit danach

MAZ Oberhavel, 25.2.2022

Oberkrämer.
Der letzte Tag, heute. Nun räumt er sein Büro. Peter Leys (BfO) ist auf der Zielgeraden seiner Amtszeit als Bürgermeister. Aus gesundheitlichen Gründen hatte er angekündigt, vorzeitig aus dem Amt zu scheiden. Der Nachfolger ist Wolfgang Geppert (Freie Wähler).

Dabei hatte er auch in den letzten Tagen einen vollen Terminkalender, wie er erzählte. Am Montagnachmittag war sein Nachfolger bei ihm im Büro, am Donnerstag fand die Übergabe der verschiedenen Unterlagen statt. Das ist nicht wenig, wie Peter Leys anmerkt. Denn es gebe auch Prozesse, die außerhalb der Gemeindeverwaltung laufen würden – Mitgliedschaften beim Zweckverband, in verschiedenen Arbeitsgemeinschaften und einiges mehr, wo sich Geppert nach und nach einarbeiten müsse. Auch abends ist diese Woche noch einiges los gewesen: zum Beispiel eine Vorstandssitzung bei der Flurneuordnung, und am Donnerstagabend noch die Sitzung der Gemeindevertreter.

Sein Nachfolger wird keine Person der BfO – das erste Mal wird Oberkrämer einen Bürgermeister einer anderen Gruppierung haben. „Momentan ist die Unzufriedenheit der Menschen recht groß“, sagt Peter Leys. Aus Sicht der Leute müsse irgendjemand schuld sein. „Die BfO hat an keiner Stelle irgendwelche Dinge versprochen, die der eine oder andere gern gehabt hätte, die nicht realistisch sind. Das haben andere anders gemacht.“ Aber er räumte auch ein, dass die BfO in der Coronazeit kaum aufgetreten sei. „Dann gab es auch im Internet eine Reihe von Dingen, die einfach mal behauptet wurden. Vielleicht hätte man da mehr drauf reagieren müssen.“ Andererseits sei es nicht sein Niveau, sich „mit irgendwelchen Leuten zu streiten.“

Der Wahlkampf sei „teilweise unterirdisch“ gewesen. Es seien, so Peter Leys, unsaubere Dinge gelaufen und unwahre Dinge in den Raum gestellt worden. Aber im Laufe der Jahre habe man vielen Leuten auch mal Wünsche nicht erfüllen können. „Man kann manchmal einfach nicht immer Ja sagen.“ Wesentlich seien die „Unwahrheiten, die über den Schäferweg verbreiten wurden“, so der Noch-Bürgermeister weiter. „Der große Aufwand, Leute eben nicht richtig zu informieren.“ Aber das sei in der großen Politik auch nicht anders, und vielleicht sei es auch nicht so schlecht, wenn auch andere mal ihren Versuch starten können. „Aus meiner Sicht ist es aber auch wichtig, dass man sich als Bürgermeister darüber im Klaren ist: Man wird hier nicht zum König gewählt.“ Damit ziele er aber nicht auf Wolfgang Geppert ab, von ihm habe er den Eindruck nicht gehabt. Letztlich habe der Bürgermeister eine Stimme in der Gemeindevertretung. „Man hat auch seine Grenzen.“ Man könne aber versuchen, bestimmte Dinge in bestimmte Richtungen zu bringen.

Auch äußert er sich zur Diskussion um die Kitabeiträge, die seien ein großes und wichtiges Thema gewesen. „Klar ist eins, wir haben die Kitasatzung geändert auf Initiative von Herrn Geppert als Vorsitzenden des Sozialausschusses, auch von Herrn Schneider. Wir haben das mehrfach diskutiert, das hat anfangs kaum jemanden interessiert. Wir haben die Satzung genau in die Richtung, die wir gehen sollten, als Entwurf geändert.“ Es sei darum gegangen, untere Gehaltsgruppen zu entlasten, höhere zu belasten. „Wir haben als Verwaltung davor gewarnt“, so Peter Leys. „Mir ist das schon klar, dass jemand, der viel verdient, aber sich jetzt hier in Oberkrämer ein Haus für eine halbe Million gekauft hat, dass der auch nicht mehr finanziellen Spielraum hat als andere.“ Aber es sollte in diese Richtung kommen. Da seien zum Schluss hin eine Menge Leute wach geworden. Die Satzung sei immer sehr sachlich diskutiert worden, „aber Herr Geppert hat zum Schluss, nachdem viele Leute da standen, dem nicht zugestimmt. Was soll man dazu sagen? Damit kann man natürlich auch Politik machen.“ Einige Leute hätten sich da ziemlich fangen lassen.

Aufgrund seines Alters und seiner gesundheitlichen Situation sei er nun aber froh, das Amt abzugeben. „Irgendwann stehen Sie das alles nicht mehr durch“, so Peter Leys. „Ich denke, ich kann jetzt ganz gut loslassen.“ Wenn er aber an seine größten Erfolge und Projekte zurückdenke, da falle ihm beispielsweise das altersgerechte Wohnen in Vehlefanz ein. Auch das Gewerbegebiet an der Autobahn in Vehlefanz. Auch habe es Dinge gegeben, die man vielleicht im Nachhinein hätte anders machen können. „Ich will nicht sagen, dass alles richtig gemacht wurde in meiner Zeit. Aber die meisten Sachen hätte ich auch aus heutiger Sicht nicht so viel anders gemacht. Ein anderer hätte vielleicht, in bestimmten Situationen anders gehandelt.“

Auch den Bau der Sporthalle in Eichstädt findet er auch heute noch richtig. „Es ging wirklich darum, zentral für Oberkrämer eine richtige Turnhalle zu bauen, wo man auch mal richtig Veranstaltungen durchführen kann. Sie ist, gerade in den Wintermonaten von den Bötzower Sportlern am meisten genutzt worden. Ich denke, es ist nach wie vor richtig.“ Hätte man sie in Bötzow gebaut, wären sicherlich auch wieder einige nicht erfreut gewesen. Die Halle werde von allen gleichmäßig genutzt. Die geplante Schulsporthalle in Bötzow sei nun aber wegen der wachsenden Einwohnerzahl wichtig.

Jetzt aber der Abschied. Am Dienstagabend kam die Feuerwehr zum Eichstädter Verwaltungsgebäude, mit viel Lärm bedankte sie sich bei Leys. Wird er sich nun komplett zurückziehen? „Wenn irgendjemand was wissen will, bin ich gerne bereit. Aber die Erfahrung zeigt, dass so was wenig in Anspruch genommen wird.“ Es sei auch nicht sein Ding, zu Hause zu warten, dass jemand um Hilfe bittet.
Er wolle nun viel reisen. „Wir waren schon immer Camper, wir haben ein Wohnmobil, wir wollten das alles nutzen.“ Er hofft, dass sein Gesundheitszustand – und auch der seiner Frau, die momentan auch krank ist, es in Zukunft zulasse.

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Er will weiterhin die Kooperation

Dienstag, den 15. Februar 2022
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Nach der Wahl in Oberkrämer: Wolfgang Geppert bereitet sich vor – BfO gesteht Fehler ein

MAZ Oranienburg, 15.2.2022

Oberkrämer.
Viele Nachrichten haben Wolfgang Geppert seit seinem Wahlsieg am Sonntagabend erreicht. Der Bötzower wird im März neuer Bürgermeister in Oberkrämer. Geppert erreichte 68 Prozent der abgegebenen Stimmen, Carolin Schmiel (BfO) 32 Prozent. Die Amtseinführung könnte am Donnerstag, 10. März, im Rahmen einer außerordentlichen Gemeindevertretersitzung stattfinden. Zumindest ist eine solche an diesem Tag im Sitzungskalender der Gemeinde Oberkrämer eingetragen.

„Ich bin heute ein bisschen matt“, sagte Wolfgang Geppert am Montagmittag. Am Sonntag wurde noch ein wenig gefeiert. Für ihn beginnt damit ein völlig neuer Lebensabschnitt. Ob das schon in seinem Bewusstsein angekommen ist, konnte er am Montag noch nicht so genau sagen. „Aber das war mir ja auch im Vorfeld klar, dass es mein Leben verändert, wenn ich gewinnen sollte.“ Am 24. Februar wird er letztmals als normaler Gemeindevertreter in der Versammlung sitzen. „Das wird dann ein Umgewöhnungsprozess für mich, davon gehe ich aus“, sagte er. Auch als Bürgermeister habe er ein Stimmrecht in der Gemeindevertretung, dann aber mit Beschlussvorlagen, an denen er oft selbst mit der Verwaltung gearbeitet habe. Trotzdem wolle er die Vernunft walten lassen, er wolle kein Gegeneinander. Er wolle weiterhin die Kooperation zwischen Verwaltung und Gemeindevertretern.

„Wir haben im Laufe der letzten Jahre gewisse Fehler gemacht“, räumte Matthias Schreiber, der Vorsitzende der Bürger für Oberkrämer (BfO) am Montag ein. „Daraus müssen wir lernen.“ An den Wahlsieger gerichtet sagte er: „Herzlichen Glückwunsch an Wolfgang Geppert, bei dem Ergebnis ist das absolut verdient. Er hat einen sehr guten Wahlkampf gemacht.“ Dass es künftig keinen BfO-Bürgermeister mehr gebe, dazu sagte Matthias Schreiber: „Egal ob BfO oder Wolfgang Geppert von den Freien Wählern – am Ende geht es immer um Oberkrämer.“ Die BfO wolle da in Zukunft keine Blockadehaltung einnehmen. „Wir werden Wolfgang Geppert genauso unterstützen wie wir jeden anderen Bürgermeister unterstützen würden.“

In den sozialen Medien gab es am Sonntag und Montag weitere Redaktionen. „Herzlichen Glückwunsch zur gewonnenen Stichwahl“, schrieb Sebastian Wolf (Linke). „Ich wünsche Ihnen viel Erfolg für Ihre neue Aufgabe.“ Ein weiterer Glückwunsch kam von Dino Preiskowski (SPD). Bärenklaus Ortsvorsteherin Gundula Klatt (BfO) schrieb bei „Wir in Oberkrämer“ auf Facebook: „Leider hat meine Kandidatin verloren. Dem neuen Mann an der Spitze viel Erfolg beim Verändern.“
„In Oberkrämer wurde nicht über die Leistung des alten Bürgermeisters entschieden, sondern die Frage beantwortet, wer die Fragen und Aufgaben der Zukunft besser lösen kann – und dieses Ergebnis ist doch recht deutlich ausgefallen“, erklärte Carsten Schneider (Volt) im „Oberkrämerreport“ auf Facebook. Jörg Ditt (Grüne), der mit Wolfgang Geppert in einer Fraktion sitzt, schrieb: „Eine glasklare Entscheidung und eine knallharte Klatsche für die BfO und CDU. Meinen herzlichen Glückwunsch an Wolfgang Geppert. Es geht voran in Oberkrämer, weg vom Klüngel, hin zu einer transparenten, vorwärtsgerichteten Politik.“

Ein bemerkenswertes Statement gab Peter Matschke am Sonntagabend ab. Er war bis vor zwei Jahren Justiziar und stellvertretender Bürgermeister in Oberkrämer. Er gratulierte Geppert zum Wahlsieg. Er habe die Art und Weise und auch die Inhalte, „die insbesondere die Kandidatinnen im Wahlkampf an den Mann und/oder die Frau bringen wollten, mit Kopfschütteln und Unverständnis zur Kenntnis genommen. Oft habe ich mich gefragt, was bewegt Bewerberinnen um das Amt eines Bürgermeisters, sich als Engelchen auf einer Kutsche zu präsentieren oder als Zukunftsversion für die Gemeinde Oberkrämer ein Verwaltungsradio einführen zu wollen.“ Er spielt damit auf Carolin Schmiel (BfO) in der Weihnachtskutsche sowie auf die Visionen von Maren Gilzer-Kuhlmann (FDP) an. „Alle diese Aktionen fügen bereits im Vorfeld dem Amt und der Würde der Stellung einer Hauptverwaltungsbeamtin großen Schaden zu.“ Geppert habe auf diese „Effekthascherei“ verzichtet und habe sachliche Gespräche geführt. Er hoffe, die Geschicke der Gemeinde würden in eine Zukunft gelenkt werden, „die losgelöst von Interessen einzelner ,Alphatiere’ und selbstverliebter Funktionsträger in der Gemeindevertretung dem Wohl aller Einwohner und Einwohnerinnen der Gemeinde dienen wird.“ Über das Statement habe sich Wolfgang Geppert gefreut, sagte er am Montag.

Wenn er Bürgermeister wird, dann rückt wohl Janine Gad aus Bötzow von den Freien Wählern in die Gemeindevertretung nach. Rüdiger Pilz könnte Nachrücker im Bötzower Ortsbeirat sein – wenn beide dem jeweils zustimmen.

Peter Leys ist offiziell noch bis 28. Februar im Amt – seinen letzten Arbeitstag im Büro hat er voraussichtlich am 25. Februar.

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Chronik Oberkrämer 2021

Donnerstag, den 23. Dezember 2021
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MAZ Oberhavel, 23.12.2021

Januar:
Nach einem Unfall vor der Vehlefanzer Nashorn-Grundschule findet eine Verkehrszählung statt. Fahren wirklich genug Autos, damit die Stelle entschärft werden kann? +++ Auf der A10-Bahnbrücke über dem Wendemarker Weg in Bärenklau bildet sich eine gewaltige Delle. +++ Der Sozialausschuss spricht sich gegen Luftfilter in Kitas und Schulen aus. +++ Auszeichnung: Die RB 55 ist die schlechteste Bahnlinie.

Februar:
Die Grüne/FWO/Linke-Fraktion gibt 400 Masken in die Kitas. +++ Anwohner der Straße Zum Heidegarten in Eichstädt sind nicht amüsiert über den neuen Funkmast. +++ Am Rand von Schwante sollen 220 weitere Häuser entstehen.

März:
In Bötzow öffnet der zweite Hort-Neubau. +++ Protest in Vehlefanz: Ein 200 Jahre alter Baum ist für neue Häuser gefällt worden. +++ Matthias Schweighöfer soll für den Kurzfilmdreh eines Schwanteners zugesagt haben. Daraus wurde dann aber wohl nichts.

April:
Der neue Frosch in der Bahnhofstraße in Schwante ist weg. Geklaut? Nein, entfernt, weil verboten. +++ Erneut gibt es im Gemeinderat keine Mehrheit für die Hissung der Regenbogenfahne. +++ Vandalismus in Bötzow mit Bränden, Graffiti und Zerstörungen.

Mai:
Überfall auf die Tankstelle in Vehlefanz. Viel war nicht zu holen. +++ Das Gemeindezentrum in Bötzow soll nun eingezäunt werden – gegen den Vandalismus. +++ Der ADAC will im Gewerbegebiet Bärenklau bauen.

Juni:
In Oberkrämer findet die Landpartie statt – oder so was Ähnliches, was nicht Landpartie genannt werden darf, wegen der Coronaregeln. +++ Der Wald bei Bötzow brennt – tagelang.

Juli:
Der Marwitzer Kreisel wird wegen Bauarbeiten in den Sommerferien gesperrt. +++ Sechs Jungstörche sterben nach einem Starkregen. +++ Amazon wird sich im Gewerbegebiet Vehlefanz ansiedeln. +++ Klaus Rettschlag, Gründungsmitglied der SG Vehlefanz, stirbt mit 67.

August:
Der Anbau für die Vehlefanzer Nashorn-Grundschule wird eröffnet. +++ Die ehemalige Neu-Vehlefanzer Bürgermeisterin Irene Hoppe stirbt mit 91.

September:
Der Mühlenhof in Vehlefanz wird eröffnet – womit das Dorf eine zweite Mühle hat. +++ Die Bärenklauer feiern ihr Erntefest – an nur einem Tag und mit Hygieneregeln. +++ Es gibt Ärger um Kitagebühren, die in höheren Gehaltsklassen steigen sollen. +++ Bei der Bundestagswahl gewinnt in Oberkrämer die SPD vor der CDU.

Oktober:
Die Feuerwehr spricht sich dagegen aus, nachts die Sirenen abzuschalten. +++ Die ehemalige Vehlefanzer Ortsvorsteherin Erika Kaatsch stirbt mit 87. +++ Peter Leys gibt bekannt, dass er im März 2022 als Bürgermeister zurücktreten wird.

November:
In der Oberkrämerhalle in Eichstädt findet eine Impfaktion statt – 200 Leute kommen. +++ Die Vehlefanzer Kirche bekommt eine zweite, neue Glocke.

Dezember:
Bei der Landratswahl gewinnt in Oberkrämer Alexander Tönnies (SPD) vor Sebastian Busse (CDU). +++ Bötzow bekommt in der Veltener Straße einen Blitzer.

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Oberschule in Oberkrämer? „Man soll realistisch sein“

Freitag, den 19. November 2021
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Bürgermeister Peter Leys spricht im Interview mit der MAZ über die Gründe seines bevorstehenden Rücktritts, andauernde Straßenbauarbeiten, die Bildungslandschaft und den Bahnverkehr

MAZ Oberhavel, 19.11.2021

Oberkrämer.
Zum 1. März 2022 hat Peter Leys (BfO), der Bürgermeister in Oberkrämer seinen Rücktritt eingereicht. Er geht vorzeitig in den Ruhestand, aus gesundheitlichen Gründen.

Wie geht es Ihnen?
Peter Leys: Schwierige Frage. Eigentlich fühle ich mich momentan relativ gut. Aber das ändert sich oft sehr schnell. Die Hälfte meiner Dienstzeit habe ich Kopfschmerzen, es fällt mir zunehmend schwer, mich länger zu konzentrieren.

Ist Ihnen die Entscheidung aufzuhören, dennoch schwergefallen?
Das ist eine zwiespältige Sache. Einerseits habe ich mich wählen lassen und den Wählern damit ein Versprechen gegeben. Damit habe ich schon ein Problem. Andererseits, bekomme ich zunehmend Probleme in der Richtung, dass Stress bei mir mit starken Kopfschmerzen verbunden ist, so dass ich meine Arbeit nicht mehr ordentlich erledigen kann. Lange Sitzungen haben mich in den letzten Monaten so belastet, dass ich jedes Mal froh war, sie schadlos überstanden zu haben. Ich habe es viele Jahre geschafft, Probleme nicht an mich persönlich heran kommen zu lassen.

Was werden Sie vermissen?
Auf jeden Fall meine Kollegen und den Kontakt zu vielen Leuten. Das Gefühl, in Oberkrämer einiges bewegen zu können und Einfluss auf viele Dinge zu haben. Es ist auch immer ein gutes Gefühl, viele Ideen gemeinsam mit anderen Leuten umzusetzen. Auch die Diskussionen in der Verwaltung über die Lösung vielfältigster Probleme unserer Gemeinde wird mir fehlen.

Was haben Sie im Ruhestand vor?
Ausruhen, womit ich bisher leider so meine Probleme hatte. Ich werde versuchen, kürzer zu treten. Anfang März kann man ja noch nicht so viel machen. Wir waren schon immer Camper. Immer wenn ich unterwegs war, fühlte ich mich spätestens nach einer Woche deutlich besser. Bisher waren wir meistens nur zwei Wochen unterwegs, länger war das oft nicht möglich. Meine Frau und ich wollen zukünftig versuchen, unser Hobby mehr zu unserem Lebensinhalt zu machen.

Dann kommen wir jetzt zum Geschehen in Oberkrämer. Die Bauarbeiten am Marwitzer Kreisel und der Chausseestraße ziehen sich hin.
Beim Kreisverkehr, an dem sich zwei Landesstraßen kreuzen, war ich immer der Meinung, dass das nicht unsere Aufgabe als Gemeinde ist, sich darum zu kümmern. Aber wir hatten den ganz dringenden Wunsch aus Bötzow, die Anbindung des Radweges nach Velten so zu gestalten, dass man gefahrlos über den Kreisel kommt. Unsere Chance, das durchzuziehen, war, dass wir mit dem Land reden und die Baumaßnahmen übernehmen. Der Landesbetrieb Straßenwesen hat offensichtlich ein noch größeres personelles Problem als wir. Ich war trotzdem kein ein Freund davon, dass wir als kleine Gemeinde Oberkrämer uns diese Maßnahme auf den Tisch ziehen. Und leider ist es dann auch so eingetreten, dass die Baumaßnahme nicht so gelaufen ist, wie wir uns das gewünscht hatten. Was nicht nur an fehlenden Materialien lag. Im wesentlichen ist der Kreisel fertig. In der Chausseestraße baut die Owa eine Trinkwasserleitung, der Landesbetrieb erneuert die Straße. Ich gehe davon aus, dass die Chausseestraße erst im nächsten Jahr fertig wird.

Auch der Mühlenweg in Schwante dauert viel länger als geplant.
Bevor man eine Straßenbaumaßnahme beginnt, muss man alle betroffenen Träger beteiligen. Im Rahmen dieser Beteiligung hat sich aber niemand gemeldet, weder Edis noch Telekom oder sonst wer. Erst als wir angefangen haben kamen die Medienträger. Die Edis wollte neue Kabel verlegen. Und die eine Firma darf dann nur die Kabel verlegen, die andere darf sie anschließen. Die Koordinierung war katastrophal, das hat uns sehr zurückgeworfen. Beim Bau der Straße hat man dann festgesellt, dass die Schmutzwasserleitung in Teilen schon sehr marode war und in mehreren Abschnitten ausgewechselt werden musste. Das war alles nicht vorhersehbar. Komplett fertig wird die Straße voraussichtlich erst im Frühjahr des kommenden Jahres. Aber ich hoffe, dass die Befahrbarkeit der Straße noch 2021 wieder möglich sein wird. Aktuell beabsichtigt die Telekom, die uns schon während der Maßnahme behindert hat, Glasfaserkabel zu verlegen. Dem Öffnen der bereits neu hergestellten Fahrbahn werden wir nicht mehr zustimmen..

Der Anbau der Vehlefanzer Grundschule ist fertig, bald wird in Bötzow eine neue Turnhalle gebaut, was auch mehr Platz schafft. Ist dann in Sachen Platzbedarf für die Schulen erst mal alles geschafft?
Die Turnhalle in Bötzow ist noch eines meiner wichtigen Ziele, die ich auf den Weg bringen wollte. Wir hatten große Probleme mit der Baugenehmigung. Jetzt liegt sie vor, so dass wir nächste Woche die Ausschreibung vorbereiten können. Auch wenn ich das Gefühl habe dass die Schulleitung in Bötzow sich nicht so darauf freut wie ich. Wir können glücklich sein, dass wir in der Lage sind, solche Vorhaben noch umzusetzen. Wir verfügen dann über drei große Sporthallen. Aus der alten Halle in Bötzow werden danach wieder Klassenräume. Mittelfristig sollte die Gemeinde Oberkrämer dann in Sachen Grundschulplätze gut aufgestellt sein..

In Schwante entsteht noch ein großes Wohngebiet. Reichen die Plätze in der Kita in Schwante und der Grundschule in Vehlefanz?
Im Rahmen der Kitabedarfsplanung sind Sommerswalder Dreieck und Schäferweg mitbetrachtet worden. Wir haben aufgrund dessen schon Maßnahmen umgesetzt. Die Kapazität der Schule und des Hortes in Vehlefanz wurde deutlich erhöht. Wenn die Bonava in Schwante mit den Baumaßnahmen beginnt, rechnen die mit sechs Jahren bis zur vollständigen Umsetzung, das ist deutlich länger als in unserer Bedarfsplanung angenommen wurde. Das Sommerswalder Dreieck wird sich nicht so schnell entwickeln wie die Marwitzer Heide. Wir werden das hinkriegen.

Werden wir je erleben, dass es in Oberkrämer eine Oberschule gibt?
Wenn ich ehrlich bin, glaube ich das nicht. Man soll realistisch sein, auch wenn man niemals nie sagen soll. Auch wenn das identitätsstiftend wäre. Man muss auch sehen, wir haben Oberschulen in Kremmen, Velten und Hennigsdorf. Sicherlich wird die Bevölkerung hier weiter wachsen. Für Bötzower und Marwitzer Kinder, ist es eher besser, nach Velten zur Oberschule zu gehen. Und auch wenn wir bald überall unsere Orte mit Radwegen verbunden haben, wäre Vehlefanz für diese Schüler trotzdem weiter als Velten. Der Landkreis plant in Velten den Neubau der Zürner-Schule. Ich denke mal, die Marwitzer und Bötzower haben mehr Interesse daran, eher nach Velten zu gehen, wenn die Kinder der anderen Ortsteile dann in Kremmen unterrichtet werden, ist das eine akzeptable Lösung, wenn man über die Grenzen unserer Gemeinde hinausdenkt. Die Gemeindevertreter haben sich ja mehrheitlich dafür ausgesprochen, dass in Oberkrämer eine Oberschule entstehen soll, aber ich halte das für unrealistisch. Es wäre eine Schule, die der Landkreis bauen müsste, der wird das nicht tun.

Die Regionalbahn 55 fällt sehr oft aus. Haben Sie als Gemeinde mal Protest eingelegt?
Versuchen Sie mal, an die Bahn ranzukommen. Natürlich haben wir das versucht, bewegt hat sich nichts. Das ist ein schlechter Zustand. Ich hoffe, dass in Zukunft nicht nur mit Bekenntnissen gearbeitet wird. Ich hoffe, dass man es hinbekommt, das Angebot zu verbessern. Es heißt immer, wir wollen mit Bus und Bahn fahren, aber es fahren oft gar keine Bahnen und Busse.

Mit dem Gewerbegebiet Vehlefanz-Bärenklau bekommt auch der Bahnhof Bärenklau eine neue Bedeutung.
Klar ist eins: In den nächsten Jahren werden dort sehr viele Arbeitskräfte gebraucht, von denen hoffentlich viele mit der Bahn kommen. Das setzt aber voraus, dass man eine vernünftige Taktung und Anbindung hat. Der Radweg im Gewerbegebiet geht schon bis zur Autobahnbrücke, den Rest zum Bahnhof Bärenklau bauen wir auch noch, so dass man mit dem Rad oder E-Roller dorthin fahren kann.

Was wünschen Sie der Gemeinde Oberkrämer nach der Ära Leys?
Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass man es weiterhin schafft, finanziell auf soliden Beinen zu stehen, dafür sind die Gewerbegebiete wichtig. Und dass sich die Gemeindevertreter wieder aufeinander zubewegen, dass man die Gemeinde im Fokus hat und nicht die eigene politische Richtung. Dass sich Leute engagieren für die Gemeinde und in den Vereinen.

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Uhr wird per Hand aufgezogen

Donnerstag, den 18. November 2021
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Ortsspaziergang durch Bötzow: In der Kirche hat Pfarrer Albroscheit jeden Tag eine spezielle Aufgabe – an der Dorfaue gibt es einen Viertelmeilenstein

MAZ Oberhavel, 18.11.2021

Bötzow.
Wohin mit dem Weihnachtsbaum? Ortsvorsteherin Mandy Krenz steht mit Martin Schröder und Ralf Hannusch vom Heimatverein vor dem Bötzower Gemeindezentrum. Ein fester Weihnachtsbaum soll gepflanzt werden, und deshalb ist die Stelle mit Bedacht zu wählen. Schließlich soll jeder den Baum von der Veltener Straße aus sehen können, er darf aber auch nicht zu dicht am Parkplatz stehen.

Der Ortsrundgang beginnt dort, wo die Vereine zusammenkommen und der Ortsbeirat tagt. Gerade wird das Gemeindezentrum eingezäunt – wegen der verschiedenen Vandalismusschäden in den vergangenen Monaten. Mitten auf dem Weg stehen zwar schon Pfeiler, aber die Zaunfelder und das Tor fehlen noch. „Die kommen bestimmt bald“, sagt Martin Schröder und lächelt. Er ist der Vorsitzende des Bötzower Heimatvereins. Am Dorf mag er die Landschaft, „auch rund um Bötzow“, wie er erzählt.
Im Gemeindezentrum werden gerade Karten gekloppt. Unter den Spielern ist der ehemalige Ortsvorsteher Günter Franke. Der Saal gegenüber kann auch für Feiern gemietet werden – was noch reizvoller ist, seitdem es dort auch eine Art Balkon-Terrasse gibt.

Weiter geht es in Richtung Dorfaue. An der dortigen Kreuzung sollte eigentlich längst eine Ampelanlage stehen, doch die lässt auf sich warten. Wenn sie errichtet wird, muss die Ecke Veltener Straße/Dorfaue etwas verändert werden – doch wann es so weit ist: unklar.
Die Ampel sollte in Betrieb gehen, wenn der Hort fertig ist – und zumindest das ist längst geschehen. Wer an dieser Kreuzung geradeaus schaut, wird sogar gleich zwei neue Hortgebäude erblicken. Der Anbau ist erst im Frühjahr dieses Jahres eröffnet worden. Er wurde nötig, weil die Kinderzahlen in Bötzow und Marwitz stark gestiegen waren. Läuft man weiter auf der Dorfaue entlang, kommt man nicht nur an Pferdehöfen vorbei, sondern links auch an einem älteren, gerade leerstehenden Gebäude. Dort war der Hort früher drin – nun soll es umgebaut werden, so dass dort in Zukunft weitere Kitaplätze zur Verfügung stehen. Große Pläne gibt es auch für die alte Turnhalle. Wenn die neue Halle hinter der Grundschule gebaut wird, dann wird die alte Halle so umgebaut, dass es dort neuen Klassenräume gibt.

Wir stoppen aber erst mal am Viertelmeilenstein. Denn Bötzow liegt an der alten Poststraße, die weiter in Richtung Krämerwald und Flatow führt. Angezeigt werden Dreieinviertel Meilen bis Berlin. Klingt dichter dran, als es ist. Denn eine preußische Meile sind 7,53 Kilometer.

Ein Hingucker ist die Bötzower Nikolaikirche. Wir treffen Pfarrer Immanuel Albroscheit. Er muss in die Kirche, denn die Uhr muss aufgezogen werden. „Das ist die einzige mechanische Uhr hier in der Gegend, die noch in Betrieb ist“, erzählt er. „Alle anderen sind elektrisch.“ Heißt aber auch: Er muss jeden Tag ran. Martin Schröder nimmt den großen Schlüssel, schiebt ihn ins Schloss – aber es klemmt. Pfarrer Albroscheit übernimmt. Vorsichtig bewegt er den Schlüssel im Schloss, und wir können rein. Wir laufen zwei Treppen hoch und gelangen zur Glocke. „Sie ist von 1418“, sagt Immanuel Albroscheit. „Das muss man sich mal vor Augen halten.“ Aber wir sind ja hier oben, weil die Uhr aufgezogen werden muss. Zwei Gewichte sorgen dafür, dass das Uhrwerk in Gang ist. Die Uhr aufziehen heißt: Kurbeln, damit die Gewichte wieder hochgezogen werden. „Das hält dann maximal 28 Stunden.“ Irgendwann stehen die Gewichte so tief, dass die Uhr stehen bleibt. „Ich freue mich, wenn die Uhr pünktlich ist, und die Leute denken, das ist alles elektronisch“, sagt der Pfarrer. „Nee, das ist mein Händchen!“ Seit sieben Jahren macht er den täglichen Gang.
Wir klettern hoch auf den Turm. Je weiter oben wir sind, desto enger wird die Leiter. Der Specht sorgt dafür, dass oben im Turm lauter Löcher zu sehen sind. „Da haben wir echt Angst, dass das kaputt geht“, so der Pfarrer. Von oben hat man aber einen schönen Blick auf Bötzow. Wieder unten schauen wir uns noch den Altar an. „Das ist der Schönste in Oberhavel“, sagt Martin Schröder vom Heimatverein.

Wieder draußen sehen wir, dass in der Bibliothek an der Grundschule noch Licht brennt. „Wir haben seit zwei Wochen wieder unsere normalen Öffnungszeiten“, erzählt die Bibliothekarin Claudia Adler. „Darüber bin ich echt froh.“ Gerade kommt ein Mädchen mit ihrer Mutter, um Bücher abzugeben. „Für die Kinder ist das hier megawichtig“, sagt Ortsvorsteherin Mandy Krenz.

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In Bötzow wird fleißig gebaut – Familie Lexow darf es nicht

Mittwoch, den 6. Oktober 2021
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An der Veltener Straße im Oberkrämer-Ortsteil sollten eigentlich acht Häuser entstehen – doch seit kurzem gibt es einen neuen Flächennutzungsplan – mit einer Grünfläche auf dem Grundstück

MAZ Oberhavel, 6.10.2021

Bötzow.
Überall wird in Oberkrämer gebaut. Auch in Bötzow entstehen immer neue Häuser oder ganze Wohngebiete. Familie Lexow hingegen darf nicht bauen. Ihr Grundstück an der Veltener Straße in Bötzow, auf dem eigentlich acht Häuser entstehen sollten, ist kein Bauland – neuerdings erst. Bei der Gemeindevertretersitzung am 23. September ist der Bauantrag der Lexows abgelehnt worden. „Damit sind wir nicht einverstanden“, hatte Sigrid Lexow vor dem Gremium gesagt.

Lexows betreiben in Bötzow eine Firma für Gartentechnik, 2003 wurde das Firmengebäude an der Veltener Straße gebaut. „Im Sommer wohnen wir hinten in einer kleinen Hütte, im Winter in Berlin“, erzählt Sigrid Lexow. Die letzte Rate für das Firmengebäude haben sie erst vor kurzem bezahlt. Nun war eigentlich geplant, dass sie fest nach Bötzow ziehen. Dazu wollten sie hinten auf dem großen Grundstück ein Haus bauen, plus eines für den Nachbarn und sechs weitere, die das Ganze für die Familie finanzieren sollten.

„Wir waren im August 2019 bei der Gemeinde“, so Sigrid Lexow im Gespräch mit der MAZ. „Da hat man uns gesagt, dass es einen geänderten Flächennutzungsplan gibt.“ Zu diesem Zeitpunkt war das komplette Grundstück noch als Bauland ausgewiesen – allerdings gab es bereits einen positiv abgestimmten Entwurf für den neuen Flächennutzungsplan – auf dem ist das Bauland nur noch als Grünfläche ausgewiesen. „Wir haben uns das angeguckt, und tatsächlich, es wurde in eine Grünfläche umgewandelt“, erzählt Sigrid Lexow.
Dirk Eger, der Chef des Bauamtes in Oberkrämer, kennt den Vorgang. Zu dem Zeitpunkt des Gesprächs sei der Entwurf für den neuen Flächennutzungsplan schon gebilligt gewesen, sagt er. Das Verfahren sei schon zu weit fortgeschritten gewesen. „Die Dramatik ist ja, sie hatten seit 2008 Zeit, dort was zu machen, es war ja mal die Planungsabsicht da, dort was zu entwickeln“, so Dirk Eger. Sigrid Lexow sagt dazu, dass vorher einfach kein Geld dazu da gewesen sei.
Hintergrund für die Änderung war der Landesentwicklungsplan. Für Bötzow gibt es darin nur die Option, pro 1000 Einwohner nur einen Hektar weiteres Bauland zuzulassen. „Aber wir hatten viele Wohnbauflächen.“ Es seien zu viele gewesen, die dem Landesentwicklungsplan zuwider standen. Es sei geschaut worden, wo es rechtsgültige Bebauungspläne gebe und wo nichts passiere. Man wollte grüne Lungen in den Innenbereichen schaffen – so traf es auch den hinteren Teil des Grundstücks an der Veltener Straße.

Dennoch hielten Lexows 2019 an ihren Plänen fest, ein Planungsbüro erstellte die konkreten Ausführungen dazu. Doch der Bauantrag wurde im Oktober 2020 zum ersten Mal von den Gemeindevertretern abgelehnt – mit der Begründung, es handele sich nicht (mehr) um Bauland. Der zweite Antrag im September 2021 wurde aus den selben Gründen abgelehnt.
Was Sigrid Lexow und ihr Mann Horst nicht verstehen können, ist, warum ihr privates Grundstück plötzlich von einem Bauland in eine Grünfläche umgewandelt werden konnte. „Haben wir was Schlechtes getan?“, fragt Sigrid Lexow. Immerhin wird die Fläche, der private Grund, auf diese Weise abgewertet. „Ich weiß nicht, ob der Staat einfach darin rumfummeln kann, willkürlich so eine Fläche zu ändern. Wir sind der Meinung, dass hier gegen Grundrechte verstoßen worden ist.“ Lexows haben sich an den Petitionsausschuss des Landtages gewandt. Außerdem überlegen sie, sich einen Anwalt zu nehmen.

„Der Flächennutzungsplan ist nicht in Stein gemeißelt“, sagt Dirk Eger. Es dauere aber, da eine Veränderung vorzunehmen. Zudem warnte er davor einen Präzidenzfall zu schaffen. Familie Lexow sei auch nicht die einzige, die von Ablehnungen eines Bebauungsplanes betroffen sei. Erst kürzlich traf es Bauwillige in Bärenklau, die auf dem hinteren Teil des Grundstücks auch nicht bauen dürfen. Auch in der Bötzower Bahnstraße sei ein Plan abgelehnt worden, ebenso „vor Jahren in der Fennstraße“, wie Dirk Eger erklärt.

„Wir haben jetzt das Problem, das wir erwartet haben“, sagte der Bötzower Gemeindevertreter Wolfgang Geppert (FWO) am Dienstag. Im Ortsbeirat in Bötzow sei der Bauantrag knapp befürwortet worden. „Der Flächennutzungsplan wurde uns aufoktroiert.“ Der Gestaltungsspielraum sei klein. Die Entscheidung, Bau- in Grünflächen zu verwandeln, habe ihm „damals schon nicht geschmeckt“, man sei aber dem Vorschlag der Gemeinde gefolgt. „Es kann böses Blut geben“, habe er schon bei der Entscheidung vermutet. Er habe das Gefühl gehabt, dass das Problem der Lexows „vom Tisch gefegt worden“ sei. Aus seiner Sicht könnten aber nur Argumente überzeugen, man könne nun nur noch wenig machen. Er sei am Ende mit seinem Latein.
Lexows werden nun erst mal abwarten, was die Beschwerde beim Petitionsausschuss bringt.

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Feuerwehr ist gegen Sirenen-Abschaltung

Mittwoch, den 6. Oktober 2021
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In Oberkrämer gibt es derzeit zwischen 22 und 6 Uhr keine lauten Alarmierungen mehr – das sorgt für Diskussionen

MAZ Oranienburg, 6.10.2021

Oberkrämer.
Als in der vergangenen Woche in Bötzow ein Müllcontainer gebrannt hat, da heulten im Ort die Sirenen – Einsatzbeginn war 21.57 Uhr. Nur ein paar Minuten später, und die Sirenen wären still geblieben. In der Gemeinde Oberkrämer läuft derzeit ein Test, wonach die Sirenen in den Dörfern zwischen 22 und 6 Uhr ausgeschaltet bleiben.
Ausgeschaltete Sirenen bedeuten natürlich nicht, dass die Feuerwehrleute nicht zu den Einsätzen gerufen werden können. Das passiere über den Pieper und über das Handy, sagte Oberkrämers Bürgermeister Peter Leys (BfO). Auch wies er darauf hin, dass andere Kommunen in Oberhavel gar nicht mehr die Sirenen nutzen oder keine mehr haben.
„Die neue Technik ist hervorragend“, sagt Karsten Peter Schröder (SPD). Der Bärenklauer ist Mitglied der Feuerwehr. Es gebe neben dem Pieper die Blaulicht-SMS. Jeder könne gleich mitteilen, ob er zum Einsatz kommen könne oder nicht.

Die Abschaltung sei diskutiert worden, sagte Dirk Eger, der Leiter des Ordnungsamtes, der auch für die Feuerwehr zuständig ist. Es habe Beschwerden von Anwohnern gegeben. Es sei nicht zu erklären, warum die Sirenen noch benötigt werden, wenn es doch die neue Technik gebe, die auch in Oberkrämer genutzt werde. „Wir haben genügend Alarmierungswege, wir wollten es mal ausprobieren“, so Dirk Eher weiter. Hintergrund sei, dass zum Beispiel Einsätze durch Unfälle oder Wetterschäden inflationär seien. „Und dann werden alle davon geweckt.“

Das sehen längst nicht alle so. „Es ist ja nicht der Fall, dass die Sirenen dreimal pro Nacht heulen“, sagt der Vehlefanzer Gemeindevertreter Carsten Schneider (Linke). Er wohne auch nahe einer Sirene, und ihn störe sie nicht. „Ich frage mich, wo solche Beschwerden herkommen.“
Karsten Peter Schröder sagt: „Wir sollten froh sein, dass wir noch funktionstüchtige Sirenen haben.“ Nicht nur das, sie wurden kürzlich erst gewartet, wie Dirk Eger anmerkt. Die Sirenen seien für den Katastrophenschutz präpariert worden. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“

Es habe keinen Aufschrei wegen der nachts abgeschalteten Sirenen gegeben, so Feuerwehrmann Karsten Peter Schröder. Es sei von Seiten der Kameraden durchaus okay, nachts die Sirenen abzuschalten. Doch das scheint eine auch bei der Feuerwehr umstrittene Ansicht zu sein. Grundsätzlich haben sich die Ortswehrführungen in Oberkrämer gegen die Abschaltung ausgesprochen, erklärte der Gemeindebrandmeister David Ostwald am Montag. „Die Sirene hat ja auch die Aufgabe, dass sie die Bevölkerung warnen soll.“ So könne es ja sein, dass ein Auto vor einem Haus brennt. Auf diesen Aspekt hat auch der Schwantener Gemeindevertreter Bernd Ostwald (CDU) hingewiesen. Der Aspekt des Warnens sei nicht zu vernachlässigen.

„Ich sehe das auch als Anerkennung der Kameraden an“, sagt Thomas Nocke (BfO), der Marwitzer Ortsvorsteher. „Die Sirene ertönt, und man weiß, die tun was, sie retten Leute.“ In Marwitz habe man es nicht fassen können, dass die Sirenen nachts ausbleiben. „Es ist für jeden, der in Not ist, ein großes Gefühl, wenn dann die Sirene ertönt und man weiß: Sie sind unterwegs.“
Demnächst soll das Thema in den Ausschüssen in Oberkrämer beraten und entschieden werden. Gemeindebrandmeister David Ostwald sagt zur Abschaltung: „Wir empfehlen das nicht.“

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