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Grimme-Preis 2020

Dienstag, den 25. August 2020
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FR 21.08.2020 | 22.25 Uhr | 3sat

Normalerweise wird der Grimme-Preis immer im März vergeben. Doch in diesem Jahr ist nichts normal. Coronavirus. Auch der Ersatztermin im August ist gestrichen worden.
Deshalb gab es die Verleihung am Freitagabend bei 3sat als Doku. Moderator Jo Schück reiste zu den Preisträgern überreichte ihnen den Grimme-Preis und redeten ein wenig über die Werke, für die sie ausgezeichnet worden sind.

Klaas Heufer-Umlauf empfing Jo Schück auf einem Steg irgendwo in Brandenburg. Er (und sein Team) bekam den Preis für “Joko & Klaas live”, die 15-Minuten-Sendung bei ProSieben, die sie für Aktionen aller Art nutzen. Nicolas Puschmann, der Prince Charming, empfing Jo Schück in einer Hotelbar. Für die erste schwule Datingshow gab es auch den Grimme-Preis – völlig zurecht, denn in der Reihe ging es nicht nur ums Verkuppeln, sondern auch um Toleranz – und auch um Liebe. Bürger Lars Dietrich traf Jo Schück auf einer Art Lagerhalle, er bekam den Preis für die Kinder-Musiksendung “Leider laut” im KiKA.
Preise gingen auch an die Serien “Skyline”, “How to sell Drugs online (fast)”, “Der Pass”, den Film “Hanne”, an “Chez Krömer” und viele andere.

Dass die Verleihung diesmal nicht im Rahmen einer Gala geschah, ist natürlich schade. Das aber vor allem für die Ausgezeichneten. Denn natürlich ist es festlich, wenn man irgendwo zusammenkommt und feiert.
Für den Zuschauer war die Doku aber vielleicht sogar unterhaltsamer. Denn Jo Schück reiste dafür durch Deutschland, traf verschiedene Leute und führte spannende Gespräche in abwechslungsreichen Kulissen.

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extra 3: Ohne Zuschauer wegen Coronavirus

Donnerstag, den 12. März 2020
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MI 11.03.2020 | 22.50 Uhr | NDR

Keiner lacht. Keiner klatscht.
Ist nämlich keiner da.
Es war am Mittwochabend ungewöhnlich still im “extra 3”-Studio. Normalerweise ist das Studio der NDR-Satiresendung voller Leute. Aber wegen des Coronavirus und den Sicherheitsmaßnahmen müssen auch die Fernsehsender reagieren. So muss das Publikum erst mal draußen bleiben – und im Idealfall vor dem Fernseher sitzen.

Die Epidemie sorgt auch beim Fernsehen für einen Ausnahmezustand. Beim rbb wurde der Publikumsverkehr eingestellt. Auch beim NDR und beim ZDF. Sendungen wie “Das aktuelle Sportstudio” im ZDF bleiben ebenfalls frei von Zuschauern um Studio. Auch “Maybrit Illner” und “Anne Will” betrifft das.
Galas und Shows werden reihenweise abgesagt. die Verleihung des Grimme-Preises – 3sat wollte übertragen – fällt aus. Ob und wann sie nachgeholt wird: ungewiss. Die (letzte!) “Goldene Kamera” im ZDF – verschoben auf November. Die Liebes-Schlagershow mit Silbereisen im Ersten – verschoben. Der “ZDF-Fernsehgarten on Tour” – abgesagt. Der ORF1 hat sein “Let’s Dance”-Pendant “Dancing Stars” komplett gestoppt – wie es weiter geht: unklar. Nickelodeon wird seine “Kids Choice Awards” nur in kleinem Rahmen vergeben.

Aber es geht auch anders. Weil in Berlin die großen Theater dicht sind, springt der rbb ein und überträgt Opern und andere Ereignisse stattdessen im Livestream und später im normalen Programm – als Ersatz.
Es wird spannend, wie sich das alles noch weiterentwickelt.

“extra 3” lebt natürlich von seinen satirischen Beiträgen, da fällt die andere Atmosphäre nicht auf. Aber die Stille im Studio, wenn Christian Ehring spricht, die war schon sehr gewöhnungsbedürftig.4
Aber besser so, als wenn man die Sendung ganz absagen würde. Das wäre der falsche Weg.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek

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Berlinale 2020 – Die Eröffnung

Sonntag, den 23. Februar 2020
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DO 20.02.2020 | 19.20 Uhr | 3sat

Neue Chefs. Neuer Moderator. Und eine Sondersituation.
Die Eröffnung der 70. Berlinale 2020 im Theater am Potsdamer Platz in Berlin war aus gleich mehreren Gründen spannend.
Die vergangenen Jahre waren geprägt vom Doppel Kosslick-Engelke. Auf der einen Seite die charmant-lockere Anke Engelke, die durch die Eröffnungs- und Preisvergabeshows der Berlinale geführt hat. Auf der anderen Seite der Festivalleiter Dieter Kosslick, der sympathisch-bodenständig und schlecht Englisch sprechend das Publikum erfreute.

2020 ist die erste Berlinale mit Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek als Festivalleiter. Und Samuel Finzi ist der neue Moderator.
Und natürlich stand die Eröffnung der Filmfestspiele – am Donnerstagabend live von 3sat übertragen – unter dem Eindruck der Terrortat von Hanau.

So war dann Samuel Finzi auch sichtlich nervös. Lange, etwas zu lange redete er über Filme, seine Erfahrungen und Empfindungen, und eine etwas theaterhafte Stelle wirkte dann auch etwas zu aufgesetzt und deplatziert.
Lange erzählte er auch davon, dass man als Filmemacher die Chance habe, Geschichten zu erzählen, die die Menschen erreichen. Man müsse gerade nach den Ereignissen in Hanau zusammenstehen und für die Demokratie einstehen. Es waren Gänsehautmomente, Augenblicke der Ernsthaftigkeit.
Da wirkte es etwas irritierend, dass eine Frau im Publikum – wohl auch eine Schauspielerin – lautstark eine Schweigeminute forderte. Irgendwie hatte das einen seltsamen Beigeschmack. Lautstark das Schweigen zu fordern hatte dort etwas Despektierliches, zumal auf der Bühne viel über Hanau gesprochen worden ist – und wie sich zeigte, war dann sowieso eine Schweigeminute geplant.

Dass Kulturschaffende sich glasklar gegen den Rechtsextremismus positionieren, ist richtig und gut. Aber sie sind eben auch “nur” eine Eliteblase. Viel wichtiger wäre, wenn sich verstärkt auch die Mitte äußert. Was sie zu selten tut.

-> Die Sendung in der 3sat-Mediathek (bis 21. März 2020)

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Grand Prix in Israel – Kein bisschen Frieden

Montag, den 6. Mai 2019
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SA 04.05.2019 | 19.20 Uhr | 3sat

Netta hat den Eurovision Song Contest 2019 nach Israel geholt. Es ist das dritte Mal, dass der “Grand Prix” in dem Land stattfindet, nach 1979 und 1999.
Das Mega-Event wird in Tel Aviv stattfinden, und eine Dokumentation auf 3sat hat am Sonnabendabend gezeigt, mit welchen Problemen die Show in diesem Jahr zu kämpfen hat. “Grand Prix in Israel – Kein bisschen Frieden” hieß der Film.

So sollte die Show eigentlich in Jerusalem stattfinden, die Regierung hätte das gern gesehen. Doch die Veranstalter zogen Tel Aviv vor, weil die Stadt mehr Möglichkeiten bietet. Sowohl in Sachen Veranstaltungsort als auch in der Infrastruktur.
Aber auch die palästinensisch organisierte und international vernetzte Boykottbewegung BDS (Boycott – Devestment – Sanction) protestiert. Sie will den ESC nicht, weil es Israel nur darum gehe, sich gut darzustellen.
Die israelische orthodox-religiöse Bevölkerung meint dagegen, dass die Show auf keinen Fall am Sonnabend stattfinden dürfe, weil an diesem Tag Schabbat ist. Da werde keine Musik gehört, es herrsche Stille, die Menschen würden sich nur bedächtig unterhalten. Auch herrsche ein Fahrverbot. Und man sei empört, dass der ESC sich darüber hinwegsetze und die Sitten des Landes missachte. Und die Show könne doch auch am Dienstag oder Mittwoch stattfinden. Wo doch immer von Toleranz gesprochen werde.

Das verwundert. Wie konnte eigentlich der ESC 1979 und 1999 stattfinden? Gab es da diese Regeln noch nicht?
Aus der Doku ging leider nicht so genau hervor, wie viele Menschen das eigentlich betrifft, wie groß der Anteil der Bevölkerung in Tel Aviv ist, der sich davon gestört fühle.

Schwieriges Thema. Denn natürlich sollte man religiöse Gefühle nicht verletzen. Allerdings ist Toleranz ja keine Einbahnstraße, und der Eurovision Song Contest ist kein lokales Event. Er folgt Regeln und Terminen, die schon lange festgelegt sind. Es hängen daran mehr als 40 Länder in der Eurovision.
Zumal ja angeblich der ESC in Israel jedes Jahr von vielen Menschen zelebriert werde, und die scheinen sich ja in den Vorjahren auch nicht um Regeln geschert zu haben. Im Gegenzug müsste das ja heißen, dass dieses Event ganz grundsätzlich im Land nicht verfolgt würde.

Es dauert nur noch acht Tage, bis die Halbfinals beginnen, die Proben laufen in Tel Aviv bereits. Hoffentlich wird der Eurovision Song Contest 2019 in Israel auch wieder ein fröhliches, kontinentales Fest, so wie wir es aus den Vorjahren kennen.

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Kulturpiloten

Freitag, den 29. März 2019
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MO 25.03.2019 | 1.50 Uhr (Di) | 3sat

Die Marke ZDFkultur ist zurück – allerdings nur als Teil der ZDF-Mediathek, in dem alle Kulturangebote gebündelt werden. Ohne dass sich der Sender traut, die Marke ZDFkultur wirklich zu benennen. Aber immerhin gibt es dort auch viele extra für diesen Zweck produzierte Sendungen.
Allerdings möchte man beim ZDF offenbar nicht, dass diese Inhalte auch von denen gesehen werden, die immer noch nur das herkömmliche Fernsehen verfolgen. Andererseits ist es nicht gern gesehen, dass Programm ausschließlich für das Netz hergestellt werden. Das darf nur das Jugendangebot Funk.

Deshalb gibt es offenbar bei 3sat die “Kulturpiloten”. Die Sendung gibt es einmal im Monat und dauert dann gleich viereinhalb Stunden. Dort werden genau diese Formate gezeigt.
Allerdings: nicht sehr liebevoll. Fast alibimäßig. Und als ob das ZDF gar nicht will, dass man auf diese Formate aufmerksam wird.

Warum sonst laufen die “Kulturpiloten” um kurz vor 2 am Morgen und dauern dann bis in den Morgengrauen? Warum lässt man die Zuschauer in den Inhaltsangaben vollkommen im Dunkeln darüber, was denn in dieser Sendung konkret zu sehen ist? Warum gibt es diese Sendung als solche nicht in der 3sat-Mediathek? Dort existiert sie schlicht nicht.
Ganz klar: Diese Sendung soll nicht gefunden werden, sie ist ein “Easter Egg”. So nennt man Specials in Programm, die man nur findet, wenn man danach sucht oder man stößt zufällig drauf.

Da wird dann auch die Frage erlaubt sein, warum diese vielen neuen Kulturformate eigentlich kein größeres Publikum bekommen sollen? Warum sind sie versteckt in der Mediathek und noch versteckter im 3sat-Nachtprogramm? Vermutlich weil sie der Einschaltquote von 3sat schaden würden. Aber muss 3sat auf Quoten achten?

Das ZDF und die Hochkultur. Passt scheinbar nicht zusammen.

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Berlinale 2019: Die Bärenverleihung

Sonntag, den 17. Februar 2019
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SA 16.02.2019 | 19.00 Uhr | 3sat

Für ein paar Minuten standen die Berlinale-Filme vollkommen im Hintergrund. Denn die Bärenverleihung bei der Berlinale 2019 – live übertragen von 3sat – begannen am Sonnabendabend mit einer ganz besonderen Ehrung: Der bisherige Festivaldirektor Dieter Kosslick verabschiedet sich. Es war seine letzte Berlinale.
Zum Abschied flogen ihm noch mal die Herzen zu, lang anhaltender Applaus und viele warme Worte im Berlinale-Palast. Immerhin 18 Jahre lang – fast eine ganze Generation lang – prägte er die Berliner Filmfestspiele.

Er machte aus der Berlinale ein echtes Fanevent. Die Fans können dabei sein, wenn die Stars über den Roten Teppich laufen. Auf dem Potsdamer Platz können die Tickets gekauft werden. Das Festival kommt aber auch in den Kiez. Denn auch kleine Kinos in den Stadtbezirken bekommen nun auch etwas vom Berlinale-Kuchen ab. Denn das war offenbar Kosslicks Maxime: Die Berlinale soll für die Menschen da sein, die den Film feiern möchten. Am Sonntag nach der Preisverleihung gibt es deshalb noch einen Publikumstag, an dem alle Filme noch mal in den vielen Kinos laufen, die an der Berlinale beteiligt waren.

Kein Wunder, dass am Sonnabend bei der Schlussfeier viel Rührung herrschte, als sich der fröhliche Dieter Kosslick von den Leuten verabschiedete.

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Das war 2018!

Montag, den 31. Dezember 2018
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Ein sonniger Winternachmittag auf dem Kudamm in Berlin. Die Lichter an den Bäumen sehen zum Träumen aus. Johannes B. Kerner und Marcus Lanz plaudern ein wenig, sie wollen auf den Weihnachtsmarkt, und Marcus freut sich schon auf das Mettbrot, das er sich kaufen will. Träumerisch blickt Johannes den Marcus an und greift nach seiner Hand, als… ähm…
Nein, nein, diese ausgedachten Geschichten sollte ich wirklich lassen. Das konnte Claas Relotius vom “Spiegel” sehr viel besser. Allerdings ist er damit im Dezember 2018 dann doch aufgeflogen. Peinliche Sache, auch für den “Spiegel”, der ja angeblich alles nachrecherchiert, was die Reporter so abliefern.

Der Skandal ist Futter für alle, die sowieso sagen, dass die Medien allesamt lügen, wenn es um brisante Themen geht. Dabei sind 2018 einige heikle Dinge aufgedeckt worden. Da ging es um die Football-Leaks und die Frage, wie sehr sich Fußballvereine von den Fans entfernen. Um den Steuer-Raubzug großer Banken bei den CumEx-Enthüllungen. Um nur zwei dieser Storys zu nennen.
Auch wenn es um die Flüchtlingskrise geht, haken die Journalisten inzwischen knallhart nach. Dass dabei andere, vielleicht sogar wichtigere Themen, untergehen, bemerken offenbar nur die Zuschauer. Bei den Sommerinterviews von ARD und ZDF ging es oft 18 Minuten um die Flüchtlingskrise und zwei um den Rest. Nur bei Alexander Gauland von der AfD ging es fast nur um den Rest – und Gauland schien ratlos.

Die AfD sitzt seit 2017 im Bundestag, und immer meinen die Blauen, Unrecht in den Medien aufgedeckt zu haben. Im Brennpunkt steht dabei die Band “Feine Sahne Fischfilet”. Dass sie mal vom Verfassungsschutz beobachtet worden ist, hängt ihr noch ewig nach, und die linke Band ist der rechten AfD ein Dorn im Auge. Andererseits wird aber auch jede Kleinigkeit über “Feine Sahne Fischfilet” in den Medien durchgekaut. Als die Band für das ZDF in Dessau ein Konzert aufzeichnen wollte, sagte der Veranstalter, die Bauhaus-Stiftung, den Veranstaltungsort ab. Eine Diskussion, die für die AfD ein voller Erfolg war.
Ebenso die Diskussion um eine KiKA-Doku über ein junges Mädchen, das einen Moslem liebt, wo die AfD der Meinung war, so etwas könne man nicht unkommentiert lassen. Als Deniz Yücel in der Türkei freigelassen worden ist, wollte die AfD wissen, ob der nicht vielleicht selber schuld war, dass er in Haft war. In den sozialen Netzwerken versuchen viele Parteimitglieder weiterhin, die Gesellschaft zu spalten.

In Cottbus hat das schon gut funktioniert. Die Rechten sind dort der Meinung, dass die Stadt überfremdet sei, dass es zu viele Straftaten von Flüchtlingen gebe. Der Hass bei den Demos, an denen Normalos mit den Rechtsextremen gemeinsam marschieren, richtet sich auch gegen die Medien. Der rbb wird ebenso angefeindet wie die Reporter der Lausitzer Rundschau. Da helfen auch Diskussionssendungen, die der rbb live aus Cottbus sendet, nur wenig. Aber wenigstens bleibt man im Gespräch. Irgendwie.

Das scheint auch das Ziel von CSU-Innenminister Horst Seehofer zu sein. Als er seinen Rücktritt, nun ja, androht, berichten die Nachrichtensender in Dauerschleife. Tritt er zurück? Oder doch nicht? Oder doch? Seehofer weiß nicht so recht, und ganz Deutschland wartet auf einen eventuellen Bruch der Großen Koalition. Als die Meldung bekannt wird, dass sich gar CSU und CDU trennen, schickt ntv die Breaking News gleich auf Sendung – um dann die nächste Breaking News hinterher zu schicken, dass man einer Ente aufgesessen sei. Aber es musste eben schnell gehen. Keiner hatte 2018 so viele Comebacks wie Seehofer.

Comeback ist sowieso ein gutes Stichwort. Fernsehmacher glauben, dass die Zuschauer darauf abfahren, wenn alte Serien wiederbelebt werden. In Deutschland floppte allerdings die Neuauflage von “Akte X” oder “Will & Grace”. Selbst Shows wie “Dingsda” im Ersten und “Die Montagsmaler” im SWR-Fernsehen laufen eher mau.
Die “Lindenstraße” dagegen wird nicht fortgesetzt. Im März 2020 wird nach fast 35 Jahren die letzte Folge laufen. Begründung: schlechte Quoten und inhaltliche Unzufriedenheit. Von einer Absetzung aus inhaltlichen Gründen von “In aller Freundschaft”, “Rote Rosen”, “Sturm der Liebe” oder “Rentnercops” ist allerdings noch nichts bekannt.
Auch an der Vormittagssendung “live nach neun” hält man im Ersten fest, obwohl die Zuschauerzahlen ein Desaster sind. Ähnlich sieht es am Vorabend in Sat.1 aus. Mit “Endlich Feierabend” versucht man da zum x-ten Mal das Frühstücksfernsehen zu kopieren – und scheitert zum x-ten Mal. In diesem miesen Sog läuft auch die neue Dailysoap “Alles oder nichts” ziemlich mies. Sie hatte nie eine wirkliche Chance.
Auch ProSieben hat Sorgen. Die neuen Folgen der “Simpsons” laufen richtig schlecht. Bei Sat.1 wird die Unternehmershow “Start up” abgesetzt, obwohl doch Jurymitglied Carsten Maschmeyer so doll dafür geworben hat. Aber vermutlich wollten gerade wegen ihm so wenige einschalten.
Bei Sky dachte man sich, es sei eine gute Idee, die Castingshow “X-Factor” aus der Versenkung zurückzuholen. Die Quoten waren kaum messbar, und wer gewonnen hat… ähm… Wer hat da eigentlich gewonnen? Eine weitere Staffel ist ausgeschlossen.

Es wird für das herkömmliche Fernsehen immer schwieriger, Aufmerksamkeit zu erregen. Die Mehrzahl der jungen Zuschauer schaut schon überwiegend online. Und dann eher Netflix oder Amazon Prime, auch Youtube ist ein echter Konkurrent.
Ein Opfer ist der Musiksender VIVA. Nach 25 Jahren wird Silvester der Stecker gezogen, MTV aus dem gleichen Senderkonzern lebt weiter, aber in der Nische. Immerhin noch wacker hält sich Deluxe Music. Musikclips schaut man an sich aber eher bei Youtube.

Immerhin: Man bemüht sich aber noch. Im Ersten läuft im Herbst “Babylon Berlin”, die teure Co-Produktion mit Sky. Auf dem “Tatort”-Sendeplatz werden etwa acht Millionen Zuschauer erreicht. Das Interesse am Berlin der 20er-Jahre schwindet jedoch, am Ende schauen weniger als vier Millionen zu. Allerdings stehen in den diversen Kritiken zur Serie, in denen es hieß, man müsse als Zuschauer drei Folgen durchhalten, bis man es eventuell verdammt gut fände, auch für sich. Allerdings sorgt die Serie auch für einen der magischsten Momente des Fernsehjahres – nämlich mit einer Szene in einem Tanzclub, die für Gänsehaut sorgt.
Im ZDF wird “Bad Banks” von der Kritik gelobt, ist aber dennoch langweilig. Amazon Prime dagegen trumpft mit einer neuen Staffel “Deutschland 86” auf und mit “Pastewka” auf.

Das Fernsehen steht aber immerhin noch für Events. In diesem Land lief es glücklicherweise für Deutschland auch mal gut beim Eurovision Song Contest in Lissabon. Michael Schulte schaffte den 4. Platz. Die Diskussionen darum, dass niemand Deutschland mag und wählt, finden nicht statt.
Bei der Fußball-WM dagegen, ach, lassen wir das. Immerhin sorgte das WM-Spiel von Deutschland gegen Schweden mit 27,48 Millionen Zuschauer für den 2018er-Quotenrekord.
Und auch als in Großbritannien Harry und Meghan heirateten, waren ein paar Millionen dabei – auch Ross Antony, der für RTL vor Ort und ausrastete, nur weil das Prinzenpaar in der Kutsche an ihm vorbeirauschte.

Aber nicht alle haben Glück mit Großereignissen. In letzter Minute hatte Eurosport für die Olympischen Winterspiele in Korea Sublizenzen an ARD und ZDF vergeben. Die Folge: Die meisten Zuschauer waren bei ARD und ZDF dabei, für Eurosport 1 und den Frauensender TLC blieben kaum Zuschauer übrig. Selbst die Abendshow “Zwanzig18” hatte auf zwei Sendern parallel gerade mal 200.000 Zuschauer. Dass man in Korea eventuell einen koreanischen Dolmetscher braucht, konnte man im Ersten allerdings echt nicht ahnen.
Und dann der Echo. Der Musikpreis gerät 2018 zum Debakel. Farid Bang und Kollegah rappten davon, dass sein Körper definierter sei als von Auschwitz-Insassen. Kam nicht überall gut an, Preise gab es dafür trotzdem, und Proteste auch. Selbst in der Show herrschte Unruhe. Danach geben diverse Promis ihre Echos zurück. Ende vom Lied: Der Echo ist tot.

2018 war wieder ein Jahr der Abschiede. Wir mussten uns von vielen Promis verabschieden. Die große Aretha Franklin lebt nicht mehr. Monserrat Caballé ist verstummt. Ebenso die Musiker Holger Biege, Jürgen Marcus, DJ Avicii, Lys Assia, France Gall, Ingo Insterburg, Abi Ofarim, Dolores Edwards (Cranberries) und Charles Aznavour. Auch nicht mehr da: die Schauspieler Rolf Hoppe, Morten Grunwald, Burt Reynolds, Rolf Zacher, Siegfried Rauch, Wolfgang Völz, Jochen Senf und Ulrich Pleitgen. Die Sportler Markus Beyer und Graciano Rocchigiani. Die Fernsehleute Dieter-Thomas Heck, Egon Hoegen, Wilfried Scharnagl, Gunther Witte, Friedrich Moll, Stefanie Tücking, Martin Haas, Thomas Leif und Dagobert Lindlau. Die Entertainer Jens Büchner und Daniel Küblböck, der am Jahresende nach einem Sturz vom Schiff immer noch als vermisst gilt. Die Politiker George Bush, seine Frau Barbara Bush, Philipp Jenninger und Kofi Annan. Wissenschaftler Stephen Hawking, Sternekoch Paul Bocuse, Kirchenmann Karl Kardinal Lehmann, Unternehmerin Käthe Wohlfahrt. Die Autorin Philip Roth und Christine Nöstlinger. Sie werden fehlen.

Auch Nachrichten fehlen. RTL II findet, dass die News zu wenige Zuschauer haben. Deshalb laufen die nun am Nachmittag und sind fünf Minuten kürzer. Und auch der rbb hat seine Spätnachrichten um die Hälfte auf 15 Minuten gekürzt. Damit um 22 Uhr gut abgehangene und preiswerte ARD-Degeto-Schnulzen laufen können. Bei N24 hat sich dagegen wenig geändert – bis auf den Namen: Welt.

Und sonst so? Sascha Hehn will nicht mehr Kapitän vom Traumschiff sein. Ist ihm vielleicht zu doof geworden. Kein Wunder.
Spiegel TV ist 30 geworden. Geschenk von RTL: Sendeplatzverschiebung auf den späten Montagabend. Glückwunsch.
Auf Sat.1 durfte im “Promi Big Brother”-Haus eine gewisse Katja Krasavice minutenlang in der Wanne mit dem Duschkopf masturbieren.
Die Chefs vom FC Bayern München teilten den Journalisten mit, dass die ein bisschen genervt von der ewigen Kritik seien. Bitte mal aufhören. Danke.
Dunja Hayali moderiert nun auch das “Aktuelle Sportstudio” im ZDF. Ihren Hatern bleibt aber auch gar nichts erspart.
Das SWR-Mega-Live-Event “Jäger der versunkenen Lok” musste ausfallen. Mangels versunkener Lok. Ist aber erst nach 25 Jahren Suche aufgefallen.
Und dann noch die Helene und der Flori. Es ist so traurig.

Kann man da eigentlich noch das Jahresende feiern? Darf man sich da noch auf 2019 freuen? Mit neuen Diskussionen und Hasskommentaren und den aktuellen Wasserstandsmeldungen von “Feine Sahne Fischfilet?” Und den neuen Schluckaufs der AfD? Wir bleiben dran und freuen uns auf 2019. Und Michelle ist auch dabei.

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