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Das war 2018!

Montag, den 31. Dezember 2018
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Ein sonniger Winternachmittag auf dem Kudamm in Berlin. Die Lichter an den Bäumen sehen zum Träumen aus. Johannes B. Kerner und Marcus Lanz plaudern ein wenig, sie wollen auf den Weihnachtsmarkt, und Marcus freut sich schon auf das Mettbrot, das er sich kaufen will. Träumerisch blickt Johannes den Marcus an und greift nach seiner Hand, als… ähm…
Nein, nein, diese ausgedachten Geschichten sollte ich wirklich lassen. Das konnte Claas Relotius vom “Spiegel” sehr viel besser. Allerdings ist er damit im Dezember 2018 dann doch aufgeflogen. Peinliche Sache, auch für den “Spiegel”, der ja angeblich alles nachrecherchiert, was die Reporter so abliefern.

Der Skandal ist Futter für alle, die sowieso sagen, dass die Medien allesamt lügen, wenn es um brisante Themen geht. Dabei sind 2018 einige heikle Dinge aufgedeckt worden. Da ging es um die Football-Leaks und die Frage, wie sehr sich Fußballvereine von den Fans entfernen. Um den Steuer-Raubzug großer Banken bei den CumEx-Enthüllungen. Um nur zwei dieser Storys zu nennen.
Auch wenn es um die Flüchtlingskrise geht, haken die Journalisten inzwischen knallhart nach. Dass dabei andere, vielleicht sogar wichtigere Themen, untergehen, bemerken offenbar nur die Zuschauer. Bei den Sommerinterviews von ARD und ZDF ging es oft 18 Minuten um die Flüchtlingskrise und zwei um den Rest. Nur bei Alexander Gauland von der AfD ging es fast nur um den Rest – und Gauland schien ratlos.

Die AfD sitzt seit 2017 im Bundestag, und immer meinen die Blauen, Unrecht in den Medien aufgedeckt zu haben. Im Brennpunkt steht dabei die Band “Feine Sahne Fischfilet”. Dass sie mal vom Verfassungsschutz beobachtet worden ist, hängt ihr noch ewig nach, und die linke Band ist der rechten AfD ein Dorn im Auge. Andererseits wird aber auch jede Kleinigkeit über “Feine Sahne Fischfilet” in den Medien durchgekaut. Als die Band für das ZDF in Dessau ein Konzert aufzeichnen wollte, sagte der Veranstalter, die Bauhaus-Stiftung, den Veranstaltungsort ab. Eine Diskussion, die für die AfD ein voller Erfolg war.
Ebenso die Diskussion um eine KiKA-Doku über ein junges Mädchen, das einen Moslem liebt, wo die AfD der Meinung war, so etwas könne man nicht unkommentiert lassen. Als Deniz Yücel in der Türkei freigelassen worden ist, wollte die AfD wissen, ob der nicht vielleicht selber schuld war, dass er in Haft war. In den sozialen Netzwerken versuchen viele Parteimitglieder weiterhin, die Gesellschaft zu spalten.

In Cottbus hat das schon gut funktioniert. Die Rechten sind dort der Meinung, dass die Stadt überfremdet sei, dass es zu viele Straftaten von Flüchtlingen gebe. Der Hass bei den Demos, an denen Normalos mit den Rechtsextremen gemeinsam marschieren, richtet sich auch gegen die Medien. Der rbb wird ebenso angefeindet wie die Reporter der Lausitzer Rundschau. Da helfen auch Diskussionssendungen, die der rbb live aus Cottbus sendet, nur wenig. Aber wenigstens bleibt man im Gespräch. Irgendwie.

Das scheint auch das Ziel von CSU-Innenminister Horst Seehofer zu sein. Als er seinen Rücktritt, nun ja, androht, berichten die Nachrichtensender in Dauerschleife. Tritt er zurück? Oder doch nicht? Oder doch? Seehofer weiß nicht so recht, und ganz Deutschland wartet auf einen eventuellen Bruch der Großen Koalition. Als die Meldung bekannt wird, dass sich gar CSU und CDU trennen, schickt ntv die Breaking News gleich auf Sendung – um dann die nächste Breaking News hinterher zu schicken, dass man einer Ente aufgesessen sei. Aber es musste eben schnell gehen. Keiner hatte 2018 so viele Comebacks wie Seehofer.

Comeback ist sowieso ein gutes Stichwort. Fernsehmacher glauben, dass die Zuschauer darauf abfahren, wenn alte Serien wiederbelebt werden. In Deutschland floppte allerdings die Neuauflage von “Akte X” oder “Will & Grace”. Selbst Shows wie “Dingsda” im Ersten und “Die Montagsmaler” im SWR-Fernsehen laufen eher mau.
Die “Lindenstraße” dagegen wird nicht fortgesetzt. Im März 2020 wird nach fast 35 Jahren die letzte Folge laufen. Begründung: schlechte Quoten und inhaltliche Unzufriedenheit. Von einer Absetzung aus inhaltlichen Gründen von “In aller Freundschaft”, “Rote Rosen”, “Sturm der Liebe” oder “Rentnercops” ist allerdings noch nichts bekannt.
Auch an der Vormittagssendung “live nach neun” hält man im Ersten fest, obwohl die Zuschauerzahlen ein Desaster sind. Ähnlich sieht es am Vorabend in Sat.1 aus. Mit “Endlich Feierabend” versucht man da zum x-ten Mal das Frühstücksfernsehen zu kopieren – und scheitert zum x-ten Mal. In diesem miesen Sog läuft auch die neue Dailysoap “Alles oder nichts” ziemlich mies. Sie hatte nie eine wirkliche Chance.
Auch ProSieben hat Sorgen. Die neuen Folgen der “Simpsons” laufen richtig schlecht. Bei Sat.1 wird die Unternehmershow “Start up” abgesetzt, obwohl doch Jurymitglied Carsten Maschmeyer so doll dafür geworben hat. Aber vermutlich wollten gerade wegen ihm so wenige einschalten.
Bei Sky dachte man sich, es sei eine gute Idee, die Castingshow “X-Factor” aus der Versenkung zurückzuholen. Die Quoten waren kaum messbar, und wer gewonnen hat… ähm… Wer hat da eigentlich gewonnen? Eine weitere Staffel ist ausgeschlossen.

Es wird für das herkömmliche Fernsehen immer schwieriger, Aufmerksamkeit zu erregen. Die Mehrzahl der jungen Zuschauer schaut schon überwiegend online. Und dann eher Netflix oder Amazon Prime, auch Youtube ist ein echter Konkurrent.
Ein Opfer ist der Musiksender VIVA. Nach 25 Jahren wird Silvester der Stecker gezogen, MTV aus dem gleichen Senderkonzern lebt weiter, aber in der Nische. Immerhin noch wacker hält sich Deluxe Music. Musikclips schaut man an sich aber eher bei Youtube.

Immerhin: Man bemüht sich aber noch. Im Ersten läuft im Herbst “Babylon Berlin”, die teure Co-Produktion mit Sky. Auf dem “Tatort”-Sendeplatz werden etwa acht Millionen Zuschauer erreicht. Das Interesse am Berlin der 20er-Jahre schwindet jedoch, am Ende schauen weniger als vier Millionen zu. Allerdings stehen in den diversen Kritiken zur Serie, in denen es hieß, man müsse als Zuschauer drei Folgen durchhalten, bis man es eventuell verdammt gut fände, auch für sich. Allerdings sorgt die Serie auch für einen der magischsten Momente des Fernsehjahres – nämlich mit einer Szene in einem Tanzclub, die für Gänsehaut sorgt.
Im ZDF wird “Bad Banks” von der Kritik gelobt, ist aber dennoch langweilig. Amazon Prime dagegen trumpft mit einer neuen Staffel “Deutschland 86” auf und mit “Pastewka” auf.

Das Fernsehen steht aber immerhin noch für Events. In diesem Land lief es glücklicherweise für Deutschland auch mal gut beim Eurovision Song Contest in Lissabon. Michael Schulte schaffte den 4. Platz. Die Diskussionen darum, dass niemand Deutschland mag und wählt, finden nicht statt.
Bei der Fußball-WM dagegen, ach, lassen wir das. Immerhin sorgte das WM-Spiel von Deutschland gegen Schweden mit 27,48 Millionen Zuschauer für den 2018er-Quotenrekord.
Und auch als in Großbritannien Harry und Meghan heirateten, waren ein paar Millionen dabei – auch Ross Antony, der für RTL vor Ort und ausrastete, nur weil das Prinzenpaar in der Kutsche an ihm vorbeirauschte.

Aber nicht alle haben Glück mit Großereignissen. In letzter Minute hatte Eurosport für die Olympischen Winterspiele in Korea Sublizenzen an ARD und ZDF vergeben. Die Folge: Die meisten Zuschauer waren bei ARD und ZDF dabei, für Eurosport 1 und den Frauensender TLC blieben kaum Zuschauer übrig. Selbst die Abendshow “Zwanzig18” hatte auf zwei Sendern parallel gerade mal 200.000 Zuschauer. Dass man in Korea eventuell einen koreanischen Dolmetscher braucht, konnte man im Ersten allerdings echt nicht ahnen.
Und dann der Echo. Der Musikpreis gerät 2018 zum Debakel. Farid Bang und Kollegah rappten davon, dass sein Körper definierter sei als von Auschwitz-Insassen. Kam nicht überall gut an, Preise gab es dafür trotzdem, und Proteste auch. Selbst in der Show herrschte Unruhe. Danach geben diverse Promis ihre Echos zurück. Ende vom Lied: Der Echo ist tot.

2018 war wieder ein Jahr der Abschiede. Wir mussten uns von vielen Promis verabschieden. Die große Aretha Franklin lebt nicht mehr. Monserrat Caballé ist verstummt. Ebenso die Musiker Holger Biege, Jürgen Marcus, DJ Avicii, Lys Assia, France Gall, Ingo Insterburg, Abi Ofarim, Dolores Edwards (Cranberries) und Charles Aznavour. Auch nicht mehr da: die Schauspieler Rolf Hoppe, Morten Grunwald, Burt Reynolds, Rolf Zacher, Siegfried Rauch, Wolfgang Völz, Jochen Senf und Ulrich Pleitgen. Die Sportler Markus Beyer und Graciano Rocchigiani. Die Fernsehleute Dieter-Thomas Heck, Egon Hoegen, Wilfried Scharnagl, Gunther Witte, Friedrich Moll, Stefanie Tücking, Martin Haas, Thomas Leif und Dagobert Lindlau. Die Entertainer Jens Büchner und Daniel Küblböck, der am Jahresende nach einem Sturz vom Schiff immer noch als vermisst gilt. Die Politiker George Bush, seine Frau Barbara Bush, Philipp Jenninger und Kofi Annan. Wissenschaftler Stephen Hawking, Sternekoch Paul Bocuse, Kirchenmann Karl Kardinal Lehmann, Unternehmerin Käthe Wohlfahrt. Die Autorin Philip Roth und Christine Nöstlinger. Sie werden fehlen.

Auch Nachrichten fehlen. RTL II findet, dass die News zu wenige Zuschauer haben. Deshalb laufen die nun am Nachmittag und sind fünf Minuten kürzer. Und auch der rbb hat seine Spätnachrichten um die Hälfte auf 15 Minuten gekürzt. Damit um 22 Uhr gut abgehangene und preiswerte ARD-Degeto-Schnulzen laufen können. Bei N24 hat sich dagegen wenig geändert – bis auf den Namen: Welt.

Und sonst so? Sascha Hehn will nicht mehr Kapitän vom Traumschiff sein. Ist ihm vielleicht zu doof geworden. Kein Wunder.
Spiegel TV ist 30 geworden. Geschenk von RTL: Sendeplatzverschiebung auf den späten Montagabend. Glückwunsch.
Auf Sat.1 durfte im “Promi Big Brother”-Haus eine gewisse Katja Krasavice minutenlang in der Wanne mit dem Duschkopf masturbieren.
Die Chefs vom FC Bayern München teilten den Journalisten mit, dass die ein bisschen genervt von der ewigen Kritik seien. Bitte mal aufhören. Danke.
Dunja Hayali moderiert nun auch das “Aktuelle Sportstudio” im ZDF. Ihren Hatern bleibt aber auch gar nichts erspart.
Das SWR-Mega-Live-Event “Jäger der versunkenen Lok” musste ausfallen. Mangels versunkener Lok. Ist aber erst nach 25 Jahren Suche aufgefallen.
Und dann noch die Helene und der Flori. Es ist so traurig.

Kann man da eigentlich noch das Jahresende feiern? Darf man sich da noch auf 2019 freuen? Mit neuen Diskussionen und Hasskommentaren und den aktuellen Wasserstandsmeldungen von “Feine Sahne Fischfilet?” Und den neuen Schluckaufs der AfD? Wir bleiben dran und freuen uns auf 2019. Und Michelle ist auch dabei.

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zdf@bauhaus: Feine Sahne Fischfilet

Donnerstag, den 6. Dezember 2018
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SA 01.12.2018 | 23.30 Uhr | 3sat

Feine Sahne Fischfilet.
Mich nervt diese Band inzwischen. Die Sache ist nur: Die Band selbst kann gar nichts dafür.

Die Diskussionen um den Auftritt der Band im Dessauer Bauhaus war groß. Weil man beim Bauhaus Schiss hatte, dass die Rechten ihnen die Bude einrennen, wenn Feine Sahne Fischfilet bei ihnen auftritt, sagte man den Gig ab. Die Rechten bezeichnen die Band als linksradikal, weil sie mal vom Verfassungsschutz beobachtet werden ist. Da sich die Beobachtung aber längst erledigt hat, kann ja wenig dran gewesen sein, dass da irgendwas Linksradikales ist.
Aber die rechten Meinungsmacher haben es geschafft, dass die Diskussion um die Band den Mainstream erreicht hat.
So wird inzwischen jeder Pups zu Feine Sahne Fischfilet in den Medien geteilt. Überall Feine Sahne Fischfilet. Muss nicht sein, bringt aber offenbar Klicks im Internet. Auch Hass bringt Klicks.

Die rechte Diskussion hat in Dessau Eindruck hinterlassen. Das ZDF ließ dort, im Bauhaus, bereits viele Folgen der Musikreihe “zdf@bauhaus” drehen – nun musste sich das Team eine neue Location suchen, weil die Bauhaus-Leute tatsächlich kalte Füße bekommen haben – und am Ende kam nur noch ein R dazu. Das Konzert fand im Brauhaus in Dessau statt.
Am Sonnabend ist das Konzert auf 3sat gezeigt worden, und erstaunlicherweise ist es sehr ruhig geblieben, obwohl die Ausstrahlung im Grunde ja ein wenig der Showdown nach der Konzertaufzeichnung war.

Das Erstaunlichliche an der Diskussion um Feine Sahne Fischfilet ist letztlich vor allem, wie sehr es den Rechten gelungen ist, den Diskurs zu bestimmen. Wie sieht es eigentlich mit Diskussionen um Rechtsrockbands aus? Werden die eigentlich noch geführt?

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New York von oben

Freitag, den 6. Juli 2018
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DO 05.07.2018 | 16.00 Uhr | 3sat

Der Trend im Fernsehen, irgendwelche Regionen und Städte von oben zu zeigen und dazu rumzuseiern – ist der eigentlich immer noch nicht vorbei?
Am Donnerstagnachmittag zeigte 3sat die Doku “New York von oben”. Sie bestand aus nichts anderes als einer 45 Minuten langen Kamerafahrt über Häuser, Brücken und Wasser. Ein Sprecher erzählte dazu die ganze Zeit relativ systemlos irgendwelchen mehr oder weniger belanglosen Kram über die Stadt.

Nicht falsch verstehen: Ich mag New York, und genau deshalb habe ich mir die Doku auch angesehen. Aber gibt es Leute, die es wirklich spannend finden, ewig nur irgendwelche Luftbildaufnahmen zu sehen? Ist es nicht auch mal interessant, in bestimmte Gegenden direkt einzutauchen, Leute zu Wort kommen zu lassen?

Luftbilder sind heutzutage ja sowieso nichts Besonderes mehr. Einmal Google Earth aufrufen, und man kann sich seine eigene “xy von oben”-Doku gestalten. Und da quatscht nicht mal jemand permanent dazwischen.

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maischberger: “Man wird ja wohl noch sagen dürfen!” – Wie diskriminierend ist Sprache?

Montag, den 7. Mai 2018
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SA 05.05.2018 | 23.50 Uhr | 3sat

Peter Hahne besteht auf sein Zigeunerschnitzel, und es macht ihn sehr, sehr glücklich, wenn er ein Zigeunerschnitzel verspachteln darf und es auch Zigeunerschnitzel nennen darf.
Ja, Deutschland hat offenbar keine Sorgen, wenn sich eine Talkshow in der ARD darum dreht, ob ein Journalist in Rente seinen mit Letscho zugedeckten Fleischlappen Zigeunerschnitzel nennen darf oder nicht.

“Man wird ja wohl noch sagen dürfen!” – Wie diskriminierend ist Sprache? Das war am Mittwochabend im Ersten – und in der Wiederholung am Sonnabend bei 3sat – das Thema bei Sandra Maischberger in “maischberger”.
Und so ganz einig ist man sich da nicht. Peter Hahne will zwar weiterhin ein Zigeunerschnitzel futtern, aber beim Negerkuss, da lässt er mit sich reden. Das Wort “Neger” ist schlimm, bei “Zigeuner” will man aber mal nicht so sein.

Gut, dass wir darüber mal gesprochen haben.

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Wiener Opernball 2018 – Die Eröffnung

Sonntag, den 11. Februar 2018
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DO 08.02.2018 | 21.40 Uhr | ORF2

Es gibt ja sehr viele Leute, die beim Fernsehen einschlafen. Das erklärt vielleicht auch die hohe Einschaltquote von bestimmten Sendungen. Zum Beispiel die Live-Übertragung des Wiener Opernballs am Donnerstagabend auf ORF2.
Allein bei der parallelen Übertragung auf 3sat in Deutschland schauten fast eine Million Leute zu – das ist dreimal so viel, wie sonst dort einschalten.

Zu sehen ist die Staatsoper in Wien. Auf dem Parkett sind lauter Tanzpaare zu sehen. Und sie, das wird jetzt nicht überraschend sein, tanzen. Einen Walzer.
Minutenlang sieht man also Menschen beim altertümlichen Tanzen zu. Rechts herum und links herum. Sehr spannend und ideal zum gemütlichen Wegdämmern.

Aber damit es ab und zu doch mal aufregend ist, schwenken die Kamera nach oben auf die Balkone, wo irgendwelche C-Promis mit D-Promis tuscheln. Oder wo der österreichische Bundeskanzler gerade ganz wichtig guckt. Vielleicht langweilen die sich ja so und fragen sich, was sie mit der Zeit vielleicht hätten Besseres anfangen könnten.
Ich werde diesen Hype um diesen seltsamen Opernball vermutlich nie verstehen.

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Der Preis der Anna-Lena Schnabel

Montag, den 23. Oktober 2017
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SA 21.10.2017 | 22.05 Uhr | 3sat

Als die 28-jährige Anna-Lena Schnabel den Newcomer-Preis beim Echo-Jazz bekommen hat, da wäre es fast zum Eklat gekommen, und die Musikerin hatte jeden Anlass dazu.
Die Doku “Der Preis der Anna-Lena Schnabel”, die am Sonnabendabend auf 3sat zu sehen war, zeigte, wie eine Preisverleihung auch funktionieren kann – nämlich als Musikevent, das wegen des Musikevents gefeiert wird, und bei dem die Musiker selbst scheinbar nur Beiwerk sind.

Anna-Lena Schnabel ist eine extrem begabte Jazzmusikerin. Wenn sie auf dem Saxofon loslegt, dann gibt sie alles. Und dann ist das relativ unkonventionell und wild. Aber so gut, dass sie in diesem Jahr einen Preis erhalten hat.
Bei einer Gala in Hamburg bekam sie den Preis überreicht und durfte dann etwas spielen. Allerdings keines ihrer Werke. Begründung: Die Zuschauer werden das nicht mögen und schalten dann ab. Denn der Echo-Jazz wurde vom NDR übertragen.
Heißt also: Eine Musikerin bekommt einen preis, aber ihre Werke sind dann doch nicht so toll, als dass man sie dem NDR-Publikum zumuten will. Heißt also auch: NDR-Redakteure entscheiden, was man NDR-Zuschauer zumutet. Und sie entscheiden, was NDR-Zuschauer nicht gut zu finden haben.

Nun könnten man sagen, das wäre alles nicht so schlimm, wenn man sich denn ansonsten gut um seine Preisträger kümmert. Macht man aber nicht. Stattdessen ist unklar, ob eventuelle Übernachtungskosten gezahlt werden. Die Echo-Leute zahlen sie jedenfalls nicht, und die Plattenfirmen irgendwie auch nicht. Der Echo-Chef sagt, man könne doch froh sein, dass man so ein Event überhaupt hat.
Der Bruder von Anna-Lena Schnabel war übrigens nicht eingeladen zu dem Event. Er durfte 70 Euro Eintritt zahlen – und weitere 40 Euro dafür, dass er neben seiner Schwester sitzen durfte.

In der Doku geht es darum, wie Anna-Lena Schnabel zu dem wurde, was sie jetzt ist. Und darum, dass es eigentlich kaum Jazzmusiker gibt, die von der Musik leben können. Und eben um den Echo-Jazz. Wo die Musiker froh sein sollen, dass es das Event gibt. Um Anna-Lena, die überlegt, ob sie den Preis ablehnen soll. Oder in ihrer Dankesrede auf den Missstand hinweisen will. Preisträger einer Sparte, die kaum finanziellen Ruhm erlebt, bekommen nicht-dotierte Preise und müssen drauf zahlen, um überhaupt dabei zu sein. Und die Echo-Verantwortlichen reden sich raus, man solle den Event doch bitte nicht zerreden.
Beide Seiten haben wohl Recht – denn Jazz ist eine Sparte, wo die Musiker vermutlich wirklich froh sein können, wenn sie mit dem Echo-Jazz einer breiteren Öffentlichkeit bekannt werden.

Dass aber der NDR bestimmt, dass eine Preisträger nicht das präsentieren darf, wofür sie ausgezeichnet worden ist, nur weil jemand umschalten könnte, das ist ziemlich armselig. Umso besser, wenn dann 3sat daher kommt und da mal einen Finger in die Wunde legt.
Anna-Lena Schnabel hat sich entschlossen, den Preis anzunehmen und die bittere Pille zu schlucken, in dem sie ihren Ärger runterschluckt. Sie spielte den Fremdsong. Einerseits schade, andererseits hat das auch Größe, und vielleicht ist es für die Musikerin ja der Anfang für mehr.

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Blackout

Samstag, den 22. Juli 2017
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FR 21.07.2017 | 18.30 Uhr | 3sat

Kein Strom mehr.
Alles aus.
Kein Licht. Kein Handy. Kein Fernsehen. Keine Heizung. Kein Wasser. Kein Benzin. Und so weiter.
Ein Blackout. Vier Tage lang.

Was passiert eigentlich, wenn in einem ganzen Land über so lange Zeit der Strom ausfällt? Momentan zeigt 3sat montags bis freitags im Vorabendprogramm die 8-teilige Doku-Fiction “Blackout” des Schweizer Fernsehens SRF.
Privatleute, Journalisten, Mitarbeiter vom Katastrophenschutz, Stromexperten, Rettungsleute berichten, wie sie diese katastrophalen Tage erlebt haben – natürlich als Fiktion. Aber was sie erzählen, sieht man auch entsprechend nachgespielt.

Das ist spannend anzusehen, und fast möchte man meinen, das ist alles noch recht soft erzählt. Zu sehen ist, wie der Katastrophenschutz anläuft. Wie die Leute umherirren. Was in den Klinken abgeht. Wie der Fernseh- zum Radiomann wird. Wie fieberhaft versucht wird, den Stromkreislauf wieder aufzubauen. Wie ermittelt wird, was überhaupt passiert ist. Wie die Leute die Supermärkte plündern. Unfälle. Brände.
Aber würden die Menschen über Tage wirklich so besonnen reagieren? Würden Plünderungen nicht viel früher beginnen? Panik?

“Blackout” ist sehr interessant und auch gut gemacht. Das Gefühl aber, das bleibt – dass in so einem Fall die Leute nicht so lange die Füße still halten.

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