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Das war 2020!

Donnerstag, den 31. Dezember 2020
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Weißt du noch, damals? Als Shows in großen Hallen mit tausenden Menschen aufgezeichnet worden sind? Als in der “heute show” noch Menschen im Studio saßen und gelacht und geklatscht haben? Das war alles davor. Vor Corona.
Kein anderes Thema hat die Menschheit und somit auch das Mediengeschehen 2020 so beeinflusst wie das Coronavirus.

Okay, davor gab es noch die Umweltsau. Corona war noch weit weg. 2020 begann mit einem Skandal, der noch von 2019 ins neue Jahr rüberschwappte. Der WDR-Kinderchor und die Oma, die alte Umweltsau. Satire und so. Die führte jedoch zu einem heftigen Streit. Einerseits der Shitstorm, angeführt von rechten Kreisen. Andererseits beim WDR selbst. Dass sich Intendant Tom Buhrow für eine Satire entschuldigte, anstatt sich näher damit zu befassen oder sich vor seine Leute zu stellen, kam nicht gut an.
Apropos Shitstorm: Der rollt auch 2020 wieder zigfach durchs Land. Weil das RTL-Dschungelcamp in Australien live auf Sendung ging, obwohl es im Land riesige Waldbrände gab, sorgte bei denen, die sich schnell empören, für Empörung. Dass die Brände so weit weg waren, dass es für die Show nicht relevant war – egal. RTL rief stattdessen in den Sendungen zu Spenden auf. Ach, und wer hat eigentlich gewonnen? Kann das mal jemand googlen?
Empörung herrschte auch über den vom mdr übertragenen Semperopernball. Zuvor vergaben die Ausrichter des Balls den St.-Georg-Orden an Abd el Fatah al-Sisi, dem Präsidenten von Ägypten. Menschenrechtsverletzungen stehen bei ihm auf der Tagesordnung, und wie es zur Preisvergabe kam, ist unklar. Es heißt, man wollte einen Ball-Ableger in Ägypten etablieren. Die Wellen schlugen hoch, als Moderatorin Judith Rakers beschloss, die Moderation abzugeben. Mareile Höppner wollte einspringen, wurde aber vom Shitstorm weggefegt – am Ende moderierte Roland Kaiser allein, nicht ohne heftige Kritik zu üben.

Corona trat spätestens am 28. Januar in das Leben der Deutschen. Der erste Fall im Land. In einem “Tagesthemen extra” auf Youtube ist diese Meldung verbreitet worden. Und dann ging alles ganz schnell.
Die Fallzahlen stiegen, Mitte März gab es Einschränkungen und schließlich den ersten Lockdown. Fernsehshows mussten auf Publikum verzichten. Weil Kinos und Theater schließen mussten, zeigte der rbb diverse Aufführungen wie “Carmen”. Musiker gaben Online-Konzerte, viele Theater zeigten Stücke oder Ausschnitte davon live bei Facebook oder Youtube. Die Fußball-Bundesliga pausierte zwei Monate lang, stattdessen liefen am Sonnabend alte Länderspiele. Der Charité-Virologe Christian Drosten stieg zum Star auf, NDR Info bat ihn regelmäßig zum Coronavirus-Update, und Hunderttausende lauschten den Ausführungen. Mangels bewegter Bilder zeigte tagesschau24 den Podcast mit einem Standbild. Die Tagesschau selbst hatte plötzlich jeden Tag fast 20 Millionen Zuschauer. Alle wollten wissen, was los ist in diesem Land. Angela Merkel spricht zu den Deutschen: “Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.” Die Ansprache sehen auf verschiedenen Sendern gut 25 Millionen Menschen.

Medien im Ausnahmezustand. Und Fernsehsender, die plötzlich spontan umplanen müssen oder in Windeseile neue Formate schaffen. Bei RTL gehen Pocher, Jauch und Gottschalk zur Primetime live per Schaltkonferenz mit der “Quarantäne-WG” auf Sendung. Leider irgendwie ohne Konzept, und nach drei Sendungen ist Schluss. Auf Sat.1 bekommt Luke Mockridge eine einstündige Show, bei VOX sendet Mark Forster aus seinem Studio und holt sich übers Netz Gäste zu sich. Matze Knop witzelt jeden Tag bei Sky Sport News. Alles sehr kurzlebig. Nur Sebastian Puffpaff ist mit seiner täglichen Coronasendung bei 3sat langlebig. Es gibt Comedy-Konferenzen mit langweiligen oder gelangweilten Komikern, die zu Hause in die Kamera starren. “NDR Talk Show” und Co. wandeln sich ebenfalls zu Konferenzschaltungen – und alle zeigen, wie mies das Internet in Deutschland ist.
Kreativ wird Sido. Er meldet sich freitags zwölf Stunden lang live aus einem Berliner Loft – “Zuhause mit Sido” läuft elfmal auf Youtube. Später meldet er sich mit Knossi und weiteren Freunden live auf Twitch aus dem mehrtägigen Angelcamp. Jan Böhmermann und Olli Schulz senden mit ihrem Spotify-Podcast “Fest & flauschig” im Frühjahr fünfmal pro Woche und sorgen für Zerstreuung im Homeoffice. Klaas Heufer-Umlauf sorgt in “Late Night Berlin” für rührende Augenblicke, als er Supermarkt-Angestellten was Gutes tut und im Innenhof eines Altersheims ein Konzert veranstaltet.
Unterdessen gibt es in den Nachrichten jeden Tag die neuen Coronazahlen – und es gibt die, die alles anzweifeln. Lügenpresse. Mainstreammedien. Und andere Kampfbegriffe.
Ein Verlierer sind die Kinos. Diverse Filme verlieren ihren Leinwandauftritt – “Berlin Berlin” läuft nur auf Netflix, “Mulan” für viel Geld nur auf Disney+, auch auf Amazon Prime Video gibt es Filme zu sehen, die 2020 eigentlich hätten im Kino laufen sollen.

Und sonst? Fußball-EM: ausgefallen. Olympia? Ausgefallen. Viele, viele Events sind: ausgefallen. Es ist ein tristes, trauriges, ruhiges Jahr. Als die Bundesliga wieder läuft, ist es immer noch ruhig – in die Stadien darf weiter kein Publikum. Geisterspiele werden zur Normalität.
Auch der Eurovision Song Contest in Rotterdam: ausgefallen. Aus Versicherungsgründen konnte es offenbar auch keinen Ersatz geben. Stattdessen machte jedes Land einirgendein eigenes Finale. Unser deutscher Teilnehmer Ben Dolic – im deutschen Finale in der Hamburger Elbphilharmonie im Ersten war zu erahnen: Wir wären nicht weit gekommen. Bitte nicht wiederwählen.
Der Junior Eurovision Song Contest 2020 in Warschau: zum Glück nicht ausgefallen. Und erstmals nahm Deutschland teil und wurde: Letzter. Glück auf!

Am besten haben es im ersten Lockdown wohl die Bewohner des “Big Brother”-Hauses auf Sat.1 gehabt. Im Februar ziehen sie ein. Als sie später erfahren, was draußen los ist, ist das eine Live-Sondersendung. Experten erklären den Bewohnern, die Pandemie, die draußen herrscht. Die Show geht es – im Gegensatz zu Kanada, wo “Big Brother” abgebrochen werden muss. Am Ende gewinnt übrigens… kann das bitte auch mal jemand googeln? War übrigens ein Flop – leider. Das Publikum will mehr Zoff, mehr Trash – da war “Big Brother” fast erfreulich normal.

Trash, Zoff – da ragen zwei Formate 2020 heraus. In “Promis unter Palmen” auf Sat.1 und im “Sommerhaus der Stars” bei RTL kommt es zu heftigsten Mobbing-Attacken, die beim Zuschauen weh tun und wütend machen – aber eben auch für Quoten sorgen. Der Streamingdienst TV Now und RTL fluten das Land mit Promi-Trash-Formaten – sinnlos, die hier alle aufzuzählen, so schnell, wie sie vergessen werden. In “Kampf der Realitystars” auf RTL zwei regt sich Jürgen Milski über ein Spiel auf, das unter seinem Niveau sei. Lustig. Vor ein paar Jahren hat er bei 9Live noch ganz niveauvoll Zuschauer verarscht. Aber echt.
Und wenn ein Trash-Format plötzlich nicht mehr so richtig trashig ist, ist’s auch falsch: “Schwiegertochter gesucht” kommt 2020 mit ziemlichen Normalos daher – und schon weht auch deshalb wieder ein Shitstörmchen.

Pech hat RTL auch mit “Deutschland sucht den Superstar”. Wobei: Was heißt Pech? RTL rannte mit offenen Augen ins PR-Desaster. Jurymitglied Xavier Naidoo macht mit Corona-Leugner-Videos und wirren Aussagen von sich Reden. Vor den Live-Shows im Frühjahr wird er gefeuert. Dieter Bohlen macht sich lächerlich, weil er stundenlang rumeiert, anstatt um zu erklären, was Sache ist. Für Naidoo kommt Florian Silbereisen in die Jury, und am Ende gewinnt der Schlager: Ramon Roselly kann sich in der Schlagerbranche schnell etablieren. Im Herbst kommt Michael Wendler ins Spiel. Als Jurymitglied soll er für Quote sorgen, aber auch er gleitet in die irre Welt der sogenannten Querdenker ab. Die Medien seien gelenkt, sagt er, auch RTL – und weiteren Stuss. RTL reagiert. Wendler ist raus. Blöd nur: Die Castings sind im Kasten. Im Januar 2021 ist Wendlerzeit bei RTL – bis zum Recall.
Aber warum eigentlich der Wendler? Es war nämlich auch das Jahr von Oliver Pocher. Auch er hatte Corona, und zu Hause begann er, Instagram und Co. zu durchforsten, um den dortigen Irrsinn freizulegen. Seine Videos finden riesigen Anklang, und dabei stößt er auch auf Wendler-Aktionen. Das schaukelt sich hoch bis zu einer gemeinsamen Battle-Show bei RTL. Wendler bekommt Dokusoaps und weitere Angebote. Bis zum Aus.
Und Pocher ist bei RTL omnipräsent. Moderationen, Auftritte und eine eigene Late Night mit Ehefrau Amira.

Wer immer noch fehlt in der Medienlandschaft: Stefan Raab. Vor fünf Jahren stand er das letzte Mal vor der Kamera. Jetzt produziert er nur noch Shows, sitzt in der Regie und frisst Chips. So wird das dem Zuschauer vor jeder seiner Sendungen mitgeteilt, als ob es ein Qualitätsmerkmal sei, dass Raab irgendwie anwesend ist. Doch es herrscht Götterdämmerung. Sein “Free European Song Contest” ist nett, wirkt aber altbacken, wie seine Shows vor zehn Jahren. “Fame Maker”, wo man die Sänger nicht hören kann, ist eine nette Idee, trägt aber nicht ewig. Und die Möchtegern-Late-Night “Täglich frisch geröstet” bei TV Now ist wohl die Enttäuschung des Jahres: nicht täglich, nicht frisch, nicht geröstet, eigentlich nicht mal eine Late Night.

Der Sender Tele 5 steht vor einer ungewissen Zukunft. 2020 erfolgte die Übernahme durch Discovery, die eigentlich durch Dokuformate bekannt sind. Senderchef Kai Blasberg nimmt den Hut.
2020 mussten wir aber noch weitere Abschiede nehmen. Jan Hofer verlässt nach mehr als 35 Jahren die Tagesschau. Die Moderatorin Sabine Sauer geht nach ebenso vielen Jahren in den Ruhestand, ebenso wie ZDF-Wettermann Gunther Tiersch. Hans-Ulrich Jörges verabschiedet sich vom “stern”. Mit Zee.One hat sich ein ganzer Sender verabschiedet – wobei ihn wohl kaum jemand vermissen wird. Und nach fast 35 Jahren endete die “Lindenstraße”. Mit Helga Beimers 80. Geburtstag mussten die Fans sich von der Dauerserie trennen. Das Fernsehballett wird aufgelöst. Die Formel 1 läuft letztmals bei RTL, wandert zu Sky. Eine Ära endete Ende Dezember bei radioeins: Nach 33 Jahren und 1627 Sendungen lief letztmals die Musiksendung “Roots”. Moderator Wolfgang Doebeling geht mit 70 Jahren in Rente.

Sie werden uns fehlen. Die Schauspieler Sean Connery, Michael Gwisdek, Claude Brasseur, Irm Hermann, Kirk Douglas, Renate Krößner, Otto Mellies, Burkhart Driest, Sonja Ziemann, Thilo Prückner, Michel Piccoli und Birol Ünel. Die Komiker Karl Dall, Herbert Feuerstein und Fips Asmussen. Die Comiczeichner Albert Uderzo und Uli Stein. Künstler Christo. Promifriseur Udo Walz. Die Musikschaffenden Gotthilf Fischer, Little Richard, Ennio Morricone, Werner Böhm (Gottlieb Wendehals), Kenny Rogers, Harry Jeske und Trini Lopez. Die Journalisten Gert Müller-Gerbes, Horst Schättle, Mathias Puddig, Hermann Schreiber, Ulrich Kienzle, Geri Nasarski, Sabine Zimmermann, Volker Panzer und Julitta Münch. “Bummi”-Gründerin Ursula Böhnke-Kuckhoff. Fußballer Diego Maradona. Die Politiker Norbert Blüm, Hans-Jochen Vogel, Thomas Oppermann, Wolfgang Clement, Ingrid Stahmer und Barbara Rütting. Die Unterhalter Roy Horn und Mike Shiva. Der Filmemacher Joseph Vilsmeier. Dramatiker Rolf Hochhuth. Der Autor Carlos Ruiz Zafón.

Immer noch da ist die AfD. Da wird von Ermächtigungsgesetzen gefaselt, es werden rechte Youtuber in den Reichstag eingeschleust, und die Querdenker-Bewegung findet man dort auch irgendwie sehr gut. Nicht gut findet die AfD den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Lieber setzt man auf sogenannte alternative Medien oder sorgt gleich selbst für den Content.
Dass die CDU in Sachsen-Anhalt vorsichtshalber nicht über die Erhöhung des Rundfunkbeitrages abstimmen lässt – im Fall dessen, dass die CDU selbst ablehnt, sitzt man in einem Boot mit der AfD und riskiert einen Koalitionsbruch -, und so die geplante Erhöhung vorerst kippt, gefällt der AfD.
Immerhin gibt es bei ARD und ZDF nicht Sendungen bei wie BILD, wo die Moderatoren aus Sponsoringgründen Milchflaschen ins Bild halten und schütteln müssen. “Reif ist Live” war mehr Milchreklame als Fußball-Analyse.

Überhaupt, die BILD. Nach dem Anschlag von Hanau geht “Bild live” auf Sendung, und es werden krude Theorien on Air geschickt. Fakten prüfen? Ach was. Wozu denn?
Nach einem Familiendrama in Solingen veröffentlicht die BILD einen Chat zwischen einem Jungen, dessen Mutter und Brüder tot sind, und dessen Freund. RTL zerrt den Freund vor die Kamera. Die Sensationsgeilheit kennt keine Grenzen. Die Öffentlich-Rechtlichen machen es nicht immer besser: Nach einem Anschlag im hessischen Volkmarsen wird auch in einer hr-Sondersendung rumorakelt.

Und sonst so? Die Ärzte rocken die Tagesthemen. Joko und Klaas müssen sich für Fake-Beiträge entschuldigen – sorgen aber auch für Begeisterung, als sie ihre 15-Minuten-Live-Sendung auf ProSieben für Hinweise auf Frauenrechte und Flüchtlinge nutzen. Die CSU kann ihren Parteitag nur virtuell abhalten. Mal was anderes live auf phoenix: Angelika Niebler hat echt wenige Bücher in ihrem Regal – hätte man sonst gar nicht erfahren. Rezo hat mal wieder zerstört: diesmal die Presse, vor allem die Lügen der Klatschpresse. Der rbb kuschelte im Sommerinterview mit dem Neonazi Andreas Kalbitz (Ex-AfD) an einem lauschigen See. Blöd: Die Recherchen aus dem eigenen Haus haben die Redaktion irgendwie nicht erreicht. Und dann war da noch der Bachelor bei RTL, der am Ende einfach gar keiner Frau eine Rose schenkte. Single zu sein ist doch auch was Schönes.

2021. Bleiben Sie gesund. Werden Sie gesund. Alles wird gut. Hoffentlich.

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Grimme-Preis 2020

Dienstag, den 25. August 2020
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FR 21.08.2020 | 22.25 Uhr | 3sat

Normalerweise wird der Grimme-Preis immer im März vergeben. Doch in diesem Jahr ist nichts normal. Coronavirus. Auch der Ersatztermin im August ist gestrichen worden.
Deshalb gab es die Verleihung am Freitagabend bei 3sat als Doku. Moderator Jo Schück reiste zu den Preisträgern überreichte ihnen den Grimme-Preis und redeten ein wenig über die Werke, für die sie ausgezeichnet worden sind.

Klaas Heufer-Umlauf empfing Jo Schück auf einem Steg irgendwo in Brandenburg. Er (und sein Team) bekam den Preis für “Joko & Klaas live”, die 15-Minuten-Sendung bei ProSieben, die sie für Aktionen aller Art nutzen. Nicolas Puschmann, der Prince Charming, empfing Jo Schück in einer Hotelbar. Für die erste schwule Datingshow gab es auch den Grimme-Preis – völlig zurecht, denn in der Reihe ging es nicht nur ums Verkuppeln, sondern auch um Toleranz – und auch um Liebe. Bürger Lars Dietrich traf Jo Schück auf einer Art Lagerhalle, er bekam den Preis für die Kinder-Musiksendung “Leider laut” im KiKA.
Preise gingen auch an die Serien “Skyline”, “How to sell Drugs online (fast)”, “Der Pass”, den Film “Hanne”, an “Chez Krömer” und viele andere.

Dass die Verleihung diesmal nicht im Rahmen einer Gala geschah, ist natürlich schade. Das aber vor allem für die Ausgezeichneten. Denn natürlich ist es festlich, wenn man irgendwo zusammenkommt und feiert.
Für den Zuschauer war die Doku aber vielleicht sogar unterhaltsamer. Denn Jo Schück reiste dafür durch Deutschland, traf verschiedene Leute und führte spannende Gespräche in abwechslungsreichen Kulissen.

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extra 3: Ohne Zuschauer wegen Coronavirus

Donnerstag, den 12. März 2020
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MI 11.03.2020 | 22.50 Uhr | NDR

Keiner lacht. Keiner klatscht.
Ist nämlich keiner da.
Es war am Mittwochabend ungewöhnlich still im “extra 3”-Studio. Normalerweise ist das Studio der NDR-Satiresendung voller Leute. Aber wegen des Coronavirus und den Sicherheitsmaßnahmen müssen auch die Fernsehsender reagieren. So muss das Publikum erst mal draußen bleiben – und im Idealfall vor dem Fernseher sitzen.

Die Epidemie sorgt auch beim Fernsehen für einen Ausnahmezustand. Beim rbb wurde der Publikumsverkehr eingestellt. Auch beim NDR und beim ZDF. Sendungen wie “Das aktuelle Sportstudio” im ZDF bleiben ebenfalls frei von Zuschauern um Studio. Auch “Maybrit Illner” und “Anne Will” betrifft das.
Galas und Shows werden reihenweise abgesagt. die Verleihung des Grimme-Preises – 3sat wollte übertragen – fällt aus. Ob und wann sie nachgeholt wird: ungewiss. Die (letzte!) “Goldene Kamera” im ZDF – verschoben auf November. Die Liebes-Schlagershow mit Silbereisen im Ersten – verschoben. Der “ZDF-Fernsehgarten on Tour” – abgesagt. Der ORF1 hat sein “Let’s Dance”-Pendant “Dancing Stars” komplett gestoppt – wie es weiter geht: unklar. Nickelodeon wird seine “Kids Choice Awards” nur in kleinem Rahmen vergeben.

Aber es geht auch anders. Weil in Berlin die großen Theater dicht sind, springt der rbb ein und überträgt Opern und andere Ereignisse stattdessen im Livestream und später im normalen Programm – als Ersatz.
Es wird spannend, wie sich das alles noch weiterentwickelt.

“extra 3” lebt natürlich von seinen satirischen Beiträgen, da fällt die andere Atmosphäre nicht auf. Aber die Stille im Studio, wenn Christian Ehring spricht, die war schon sehr gewöhnungsbedürftig.4
Aber besser so, als wenn man die Sendung ganz absagen würde. Das wäre der falsche Weg.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek

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Berlinale 2020 – Die Eröffnung

Sonntag, den 23. Februar 2020
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DO 20.02.2020 | 19.20 Uhr | 3sat

Neue Chefs. Neuer Moderator. Und eine Sondersituation.
Die Eröffnung der 70. Berlinale 2020 im Theater am Potsdamer Platz in Berlin war aus gleich mehreren Gründen spannend.
Die vergangenen Jahre waren geprägt vom Doppel Kosslick-Engelke. Auf der einen Seite die charmant-lockere Anke Engelke, die durch die Eröffnungs- und Preisvergabeshows der Berlinale geführt hat. Auf der anderen Seite der Festivalleiter Dieter Kosslick, der sympathisch-bodenständig und schlecht Englisch sprechend das Publikum erfreute.

2020 ist die erste Berlinale mit Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek als Festivalleiter. Und Samuel Finzi ist der neue Moderator.
Und natürlich stand die Eröffnung der Filmfestspiele – am Donnerstagabend live von 3sat übertragen – unter dem Eindruck der Terrortat von Hanau.

So war dann Samuel Finzi auch sichtlich nervös. Lange, etwas zu lange redete er über Filme, seine Erfahrungen und Empfindungen, und eine etwas theaterhafte Stelle wirkte dann auch etwas zu aufgesetzt und deplatziert.
Lange erzählte er auch davon, dass man als Filmemacher die Chance habe, Geschichten zu erzählen, die die Menschen erreichen. Man müsse gerade nach den Ereignissen in Hanau zusammenstehen und für die Demokratie einstehen. Es waren Gänsehautmomente, Augenblicke der Ernsthaftigkeit.
Da wirkte es etwas irritierend, dass eine Frau im Publikum – wohl auch eine Schauspielerin – lautstark eine Schweigeminute forderte. Irgendwie hatte das einen seltsamen Beigeschmack. Lautstark das Schweigen zu fordern hatte dort etwas Despektierliches, zumal auf der Bühne viel über Hanau gesprochen worden ist – und wie sich zeigte, war dann sowieso eine Schweigeminute geplant.

Dass Kulturschaffende sich glasklar gegen den Rechtsextremismus positionieren, ist richtig und gut. Aber sie sind eben auch “nur” eine Eliteblase. Viel wichtiger wäre, wenn sich verstärkt auch die Mitte äußert. Was sie zu selten tut.

-> Die Sendung in der 3sat-Mediathek (bis 21. März 2020)

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Grand Prix in Israel – Kein bisschen Frieden

Montag, den 6. Mai 2019
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SA 04.05.2019 | 19.20 Uhr | 3sat

Netta hat den Eurovision Song Contest 2019 nach Israel geholt. Es ist das dritte Mal, dass der “Grand Prix” in dem Land stattfindet, nach 1979 und 1999.
Das Mega-Event wird in Tel Aviv stattfinden, und eine Dokumentation auf 3sat hat am Sonnabendabend gezeigt, mit welchen Problemen die Show in diesem Jahr zu kämpfen hat. “Grand Prix in Israel – Kein bisschen Frieden” hieß der Film.

So sollte die Show eigentlich in Jerusalem stattfinden, die Regierung hätte das gern gesehen. Doch die Veranstalter zogen Tel Aviv vor, weil die Stadt mehr Möglichkeiten bietet. Sowohl in Sachen Veranstaltungsort als auch in der Infrastruktur.
Aber auch die palästinensisch organisierte und international vernetzte Boykottbewegung BDS (Boycott – Devestment – Sanction) protestiert. Sie will den ESC nicht, weil es Israel nur darum gehe, sich gut darzustellen.
Die israelische orthodox-religiöse Bevölkerung meint dagegen, dass die Show auf keinen Fall am Sonnabend stattfinden dürfe, weil an diesem Tag Schabbat ist. Da werde keine Musik gehört, es herrsche Stille, die Menschen würden sich nur bedächtig unterhalten. Auch herrsche ein Fahrverbot. Und man sei empört, dass der ESC sich darüber hinwegsetze und die Sitten des Landes missachte. Und die Show könne doch auch am Dienstag oder Mittwoch stattfinden. Wo doch immer von Toleranz gesprochen werde.

Das verwundert. Wie konnte eigentlich der ESC 1979 und 1999 stattfinden? Gab es da diese Regeln noch nicht?
Aus der Doku ging leider nicht so genau hervor, wie viele Menschen das eigentlich betrifft, wie groß der Anteil der Bevölkerung in Tel Aviv ist, der sich davon gestört fühle.

Schwieriges Thema. Denn natürlich sollte man religiöse Gefühle nicht verletzen. Allerdings ist Toleranz ja keine Einbahnstraße, und der Eurovision Song Contest ist kein lokales Event. Er folgt Regeln und Terminen, die schon lange festgelegt sind. Es hängen daran mehr als 40 Länder in der Eurovision.
Zumal ja angeblich der ESC in Israel jedes Jahr von vielen Menschen zelebriert werde, und die scheinen sich ja in den Vorjahren auch nicht um Regeln geschert zu haben. Im Gegenzug müsste das ja heißen, dass dieses Event ganz grundsätzlich im Land nicht verfolgt würde.

Es dauert nur noch acht Tage, bis die Halbfinals beginnen, die Proben laufen in Tel Aviv bereits. Hoffentlich wird der Eurovision Song Contest 2019 in Israel auch wieder ein fröhliches, kontinentales Fest, so wie wir es aus den Vorjahren kennen.

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Kulturpiloten

Freitag, den 29. März 2019
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MO 25.03.2019 | 1.50 Uhr (Di) | 3sat

Die Marke ZDFkultur ist zurück – allerdings nur als Teil der ZDF-Mediathek, in dem alle Kulturangebote gebündelt werden. Ohne dass sich der Sender traut, die Marke ZDFkultur wirklich zu benennen. Aber immerhin gibt es dort auch viele extra für diesen Zweck produzierte Sendungen.
Allerdings möchte man beim ZDF offenbar nicht, dass diese Inhalte auch von denen gesehen werden, die immer noch nur das herkömmliche Fernsehen verfolgen. Andererseits ist es nicht gern gesehen, dass Programm ausschließlich für das Netz hergestellt werden. Das darf nur das Jugendangebot Funk.

Deshalb gibt es offenbar bei 3sat die “Kulturpiloten”. Die Sendung gibt es einmal im Monat und dauert dann gleich viereinhalb Stunden. Dort werden genau diese Formate gezeigt.
Allerdings: nicht sehr liebevoll. Fast alibimäßig. Und als ob das ZDF gar nicht will, dass man auf diese Formate aufmerksam wird.

Warum sonst laufen die “Kulturpiloten” um kurz vor 2 am Morgen und dauern dann bis in den Morgengrauen? Warum lässt man die Zuschauer in den Inhaltsangaben vollkommen im Dunkeln darüber, was denn in dieser Sendung konkret zu sehen ist? Warum gibt es diese Sendung als solche nicht in der 3sat-Mediathek? Dort existiert sie schlicht nicht.
Ganz klar: Diese Sendung soll nicht gefunden werden, sie ist ein “Easter Egg”. So nennt man Specials in Programm, die man nur findet, wenn man danach sucht oder man stößt zufällig drauf.

Da wird dann auch die Frage erlaubt sein, warum diese vielen neuen Kulturformate eigentlich kein größeres Publikum bekommen sollen? Warum sind sie versteckt in der Mediathek und noch versteckter im 3sat-Nachtprogramm? Vermutlich weil sie der Einschaltquote von 3sat schaden würden. Aber muss 3sat auf Quoten achten?

Das ZDF und die Hochkultur. Passt scheinbar nicht zusammen.

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Berlinale 2019: Die Bärenverleihung

Sonntag, den 17. Februar 2019
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SA 16.02.2019 | 19.00 Uhr | 3sat

Für ein paar Minuten standen die Berlinale-Filme vollkommen im Hintergrund. Denn die Bärenverleihung bei der Berlinale 2019 – live übertragen von 3sat – begannen am Sonnabendabend mit einer ganz besonderen Ehrung: Der bisherige Festivaldirektor Dieter Kosslick verabschiedet sich. Es war seine letzte Berlinale.
Zum Abschied flogen ihm noch mal die Herzen zu, lang anhaltender Applaus und viele warme Worte im Berlinale-Palast. Immerhin 18 Jahre lang – fast eine ganze Generation lang – prägte er die Berliner Filmfestspiele.

Er machte aus der Berlinale ein echtes Fanevent. Die Fans können dabei sein, wenn die Stars über den Roten Teppich laufen. Auf dem Potsdamer Platz können die Tickets gekauft werden. Das Festival kommt aber auch in den Kiez. Denn auch kleine Kinos in den Stadtbezirken bekommen nun auch etwas vom Berlinale-Kuchen ab. Denn das war offenbar Kosslicks Maxime: Die Berlinale soll für die Menschen da sein, die den Film feiern möchten. Am Sonntag nach der Preisverleihung gibt es deshalb noch einen Publikumstag, an dem alle Filme noch mal in den vielen Kinos laufen, die an der Berlinale beteiligt waren.

Kein Wunder, dass am Sonnabend bei der Schlussfeier viel Rührung herrschte, als sich der fröhliche Dieter Kosslick von den Leuten verabschiedete.

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