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maischberger: “Man wird ja wohl noch sagen dürfen!” – Wie diskriminierend ist Sprache?

Montag, den 7. Mai 2018
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SA 05.05.2018 | 23.50 Uhr | 3sat

Peter Hahne besteht auf sein Zigeunerschnitzel, und es macht ihn sehr, sehr glücklich, wenn er ein Zigeunerschnitzel verspachteln darf und es auch Zigeunerschnitzel nennen darf.
Ja, Deutschland hat offenbar keine Sorgen, wenn sich eine Talkshow in der ARD darum dreht, ob ein Journalist in Rente seinen mit Letscho zugedeckten Fleischlappen Zigeunerschnitzel nennen darf oder nicht.

“Man wird ja wohl noch sagen dürfen!” – Wie diskriminierend ist Sprache? Das war am Mittwochabend im Ersten – und in der Wiederholung am Sonnabend bei 3sat – das Thema bei Sandra Maischberger in “maischberger”.
Und so ganz einig ist man sich da nicht. Peter Hahne will zwar weiterhin ein Zigeunerschnitzel futtern, aber beim Negerkuss, da lässt er mit sich reden. Das Wort “Neger” ist schlimm, bei “Zigeuner” will man aber mal nicht so sein.

Gut, dass wir darüber mal gesprochen haben.

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Wiener Opernball 2018 – Die Eröffnung

Sonntag, den 11. Februar 2018
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DO 08.02.2018 | 21.40 Uhr | ORF2

Es gibt ja sehr viele Leute, die beim Fernsehen einschlafen. Das erklärt vielleicht auch die hohe Einschaltquote von bestimmten Sendungen. Zum Beispiel die Live-Übertragung des Wiener Opernballs am Donnerstagabend auf ORF2.
Allein bei der parallelen Übertragung auf 3sat in Deutschland schauten fast eine Million Leute zu – das ist dreimal so viel, wie sonst dort einschalten.

Zu sehen ist die Staatsoper in Wien. Auf dem Parkett sind lauter Tanzpaare zu sehen. Und sie, das wird jetzt nicht überraschend sein, tanzen. Einen Walzer.
Minutenlang sieht man also Menschen beim altertümlichen Tanzen zu. Rechts herum und links herum. Sehr spannend und ideal zum gemütlichen Wegdämmern.

Aber damit es ab und zu doch mal aufregend ist, schwenken die Kamera nach oben auf die Balkone, wo irgendwelche C-Promis mit D-Promis tuscheln. Oder wo der österreichische Bundeskanzler gerade ganz wichtig guckt. Vielleicht langweilen die sich ja so und fragen sich, was sie mit der Zeit vielleicht hätten Besseres anfangen könnten.
Ich werde diesen Hype um diesen seltsamen Opernball vermutlich nie verstehen.

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Der Preis der Anna-Lena Schnabel

Montag, den 23. Oktober 2017
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SA 21.10.2017 | 22.05 Uhr | 3sat

Als die 28-jährige Anna-Lena Schnabel den Newcomer-Preis beim Echo-Jazz bekommen hat, da wäre es fast zum Eklat gekommen, und die Musikerin hatte jeden Anlass dazu.
Die Doku “Der Preis der Anna-Lena Schnabel”, die am Sonnabendabend auf 3sat zu sehen war, zeigte, wie eine Preisverleihung auch funktionieren kann – nämlich als Musikevent, das wegen des Musikevents gefeiert wird, und bei dem die Musiker selbst scheinbar nur Beiwerk sind.

Anna-Lena Schnabel ist eine extrem begabte Jazzmusikerin. Wenn sie auf dem Saxofon loslegt, dann gibt sie alles. Und dann ist das relativ unkonventionell und wild. Aber so gut, dass sie in diesem Jahr einen Preis erhalten hat.
Bei einer Gala in Hamburg bekam sie den Preis überreicht und durfte dann etwas spielen. Allerdings keines ihrer Werke. Begründung: Die Zuschauer werden das nicht mögen und schalten dann ab. Denn der Echo-Jazz wurde vom NDR übertragen.
Heißt also: Eine Musikerin bekommt einen preis, aber ihre Werke sind dann doch nicht so toll, als dass man sie dem NDR-Publikum zumuten will. Heißt also auch: NDR-Redakteure entscheiden, was man NDR-Zuschauer zumutet. Und sie entscheiden, was NDR-Zuschauer nicht gut zu finden haben.

Nun könnten man sagen, das wäre alles nicht so schlimm, wenn man sich denn ansonsten gut um seine Preisträger kümmert. Macht man aber nicht. Stattdessen ist unklar, ob eventuelle Übernachtungskosten gezahlt werden. Die Echo-Leute zahlen sie jedenfalls nicht, und die Plattenfirmen irgendwie auch nicht. Der Echo-Chef sagt, man könne doch froh sein, dass man so ein Event überhaupt hat.
Der Bruder von Anna-Lena Schnabel war übrigens nicht eingeladen zu dem Event. Er durfte 70 Euro Eintritt zahlen – und weitere 40 Euro dafür, dass er neben seiner Schwester sitzen durfte.

In der Doku geht es darum, wie Anna-Lena Schnabel zu dem wurde, was sie jetzt ist. Und darum, dass es eigentlich kaum Jazzmusiker gibt, die von der Musik leben können. Und eben um den Echo-Jazz. Wo die Musiker froh sein sollen, dass es das Event gibt. Um Anna-Lena, die überlegt, ob sie den Preis ablehnen soll. Oder in ihrer Dankesrede auf den Missstand hinweisen will. Preisträger einer Sparte, die kaum finanziellen Ruhm erlebt, bekommen nicht-dotierte Preise und müssen drauf zahlen, um überhaupt dabei zu sein. Und die Echo-Verantwortlichen reden sich raus, man solle den Event doch bitte nicht zerreden.
Beide Seiten haben wohl Recht – denn Jazz ist eine Sparte, wo die Musiker vermutlich wirklich froh sein können, wenn sie mit dem Echo-Jazz einer breiteren Öffentlichkeit bekannt werden.

Dass aber der NDR bestimmt, dass eine Preisträger nicht das präsentieren darf, wofür sie ausgezeichnet worden ist, nur weil jemand umschalten könnte, das ist ziemlich armselig. Umso besser, wenn dann 3sat daher kommt und da mal einen Finger in die Wunde legt.
Anna-Lena Schnabel hat sich entschlossen, den Preis anzunehmen und die bittere Pille zu schlucken, in dem sie ihren Ärger runterschluckt. Sie spielte den Fremdsong. Einerseits schade, andererseits hat das auch Größe, und vielleicht ist es für die Musikerin ja der Anfang für mehr.

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Blackout

Samstag, den 22. Juli 2017
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FR 21.07.2017 | 18.30 Uhr | 3sat

Kein Strom mehr.
Alles aus.
Kein Licht. Kein Handy. Kein Fernsehen. Keine Heizung. Kein Wasser. Kein Benzin. Und so weiter.
Ein Blackout. Vier Tage lang.

Was passiert eigentlich, wenn in einem ganzen Land über so lange Zeit der Strom ausfällt? Momentan zeigt 3sat montags bis freitags im Vorabendprogramm die 8-teilige Doku-Fiction “Blackout” des Schweizer Fernsehens SRF.
Privatleute, Journalisten, Mitarbeiter vom Katastrophenschutz, Stromexperten, Rettungsleute berichten, wie sie diese katastrophalen Tage erlebt haben – natürlich als Fiktion. Aber was sie erzählen, sieht man auch entsprechend nachgespielt.

Das ist spannend anzusehen, und fast möchte man meinen, das ist alles noch recht soft erzählt. Zu sehen ist, wie der Katastrophenschutz anläuft. Wie die Leute umherirren. Was in den Klinken abgeht. Wie der Fernseh- zum Radiomann wird. Wie fieberhaft versucht wird, den Stromkreislauf wieder aufzubauen. Wie ermittelt wird, was überhaupt passiert ist. Wie die Leute die Supermärkte plündern. Unfälle. Brände.
Aber würden die Menschen über Tage wirklich so besonnen reagieren? Würden Plünderungen nicht viel früher beginnen? Panik?

“Blackout” ist sehr interessant und auch gut gemacht. Das Gefühl aber, das bleibt – dass in so einem Fall die Leute nicht so lange die Füße still halten.

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SRF Dok: Happy Porno?

Donnerstag, den 18. Mai 2017
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DI 16.05.2017 | 23.15 Uhr | 3sat

Wenn Ingrid Steeger auf ihre Erotikfilm-Vergangenheit angesprochen wird, dann redet sie sehr ungern drüber. Es ist ihr hochgradig unangenehm, und wenn jemand sagt, es seien Pornos gewesen, die sie damals gemacht habe, dann weist sie das in aller Deutlichkeit zurück.
Einer dieser Filme war 1970 “Ich – Ein Groupie”, ein überaus merkwürdiger Film mit einer seltsamen Art der Erotik. Erst vor einigen Monaten lief er in der Reihe “Die schlechtesten Filme aller Zeiten” bei Tele 5, durch den Kakao gezogen von Oliver Kalkofe und Peter Rütten.

Am Dienstagabend sprach Ingrid Steeger in der von 3sat gezeigten schweizer Doku “Happy Porno?” über den Filmdreh, und das war dann durchaus alles andere als lustig.
Waren Nacktdrehs der Steeger sowieso unangenehm, musste sie in einer Szene in einen See steigen, in den ihr Leute von den Hells Angels folgen, die sie dort vergewaltigen.
Diese Szene dauert im Film ewig, und sie ist schon beim Zuschauen unangenehm, aber für die Steeger – die selbst mal vergewaltigt wurde – muss das die Hölle gewesen sein. Die Typen waren wohl echte Rocker, und sie sollen nicht zimperlich gewesen sein.
Im Anschluss musste sie nackt zu einem der Typen aufs Motorrad steigen, angeblich wollte er nur ein paar Meter fahren, aber sie düsten mit ihr auf die Autobahn. Und die Kamera mit. Auch diese Sequenz dauert im Film ewig – und wenn man diese Story dahinter hört, kommt einem das Grausen.

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Busreise – Chinesen auf Europa-Tour

Freitag, den 3. Februar 2017
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MI 01.02.2017 | 20.15 Uhr | 3sat

Sechs Länder in zehn Tagen. Da bleibt eben keine Zeit, um in Paris aus dem Bus zu steigen, um den Eiffelturm anzusehen. Da muss man die Fotos eben aus dem fahrenden Bus machen. Schließlich geht es ja bald weiter ins nächste europäische Land, wo man dann auch die Highlights im schnellen Schnelldurchlauf sieht.

Wir machen uns ja immer mal gern lustig über die Chinesen, die in riesigen Gruppen plötzlich irgendwo auftauchen und Fotos knipsend durch die Gegend rennen.
Der ORF begleitete so eine Reisegruppe durch Europa. Die Doku “Busreise – Chinesen auf Europatour” lief am Mittwochabend bei 3sat. Berlin, Bayern, Österreich, Frankreich und so weiter. Im Eiltempo. So schnell kann man das alles gar nicht aufnehmen, da muss man eben Fotos machen.

Ganz freiwillig machen die Leute diese Mammut-Turbo-Touren nicht. Sie haben gerade mal zehn Tage Urlaub im Jahr, und diese zwei Wochen müssen genutzt werden. Dafür sparen die Geld und Zeit, da muss ins Programm eben so viel wie möglich reingestopft werden.
Im Gegenzug wundern sich die Asiaten darüber, wie viel Urlaub zum Beispiel die Franzosen haben. Und der reiseleiter erzählt davon, dass die Franzosen nur am Streiken seien oder Ferien haben. Ob das lustig sein soll oder einfach nur ein Stück weit rassistisch ist, sei mal dahingestellt.
An anderer Stelle kommen die Touristen nicht damit klar, dass Gurken im Supermarkt pro Stück bezahlt werden, dass wenn man zwei Gurken kauft, die zweite aber billiger ist. Ja, wer soll da durchsehen?

Irgendwie erinnerte ich mich an meinen China-Trip zurück. Da sind wir mit Flugzeug, Bus, Schiff und Bahn auch von einem Ort zum anderen gedüst, und überall, wo wir ankamen, sind wir in Großgruppen durchgelaufen und haben fotografiert. kam mir damals schon bekannt vor, diese Situation…

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Der Meisterfälscher: Wolfgang Beltracchi porträtiert Harald Schmidt

Dienstag, den 16. August 2016
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MO 15.08.2016 | 19.25 Uhr | 3sat

Als Harald Schmidt so in seinem leeren Studio 449 saß, sich vom Kunstmaler (und -fälscher) Wolfgang Beltracchi malen ließ und sich angeregt mit ihm unterhielt – das verspürte ich einen ganz leichten Stich im Herz.
Am Montagabend zeigte 3sat eine zwei Jahre alte Folge der Reihe “Die Meisterfälscher”. Eigentlich ging es darin um Beltracchi, aber weil er eben in diesem leeren Studio 449 in Köln-Mülheim Harald Schmidt malte, da tat sich diese Lücke auf.

Von Stefan Raab haben wir inzwischen neun Monate fast nichts mehr gehört. Von Harald Schmidt bis auf wenige Ausnahmen mehr als zwei Jahre nicht. Und, ja, er fehlt. Auch wenn seine Show am Ende bei Sky bedeutungslos war, auch wenn seine Quoten bei Sat.1 vorher ein Desaster – ich vermisse “Die Harald Schmidt Show”, die tägliche satirische Einordnung der aktuellen Ereignisse, das Alltags- und Kulturgelaber. Und es gibt immer noch niemanden in Deutschland, der ihn beerben konnte.

Stattdessen muss man sich schon freuen, wenn er kurz in einer 3sat-Doku auftaucht. Das sind dann wohl Entzugserscheinungen, oder?