Eine Million Minuten

Er: Stress. Dauerstress. Immer unterwegs. Immer lauter wichtige Treffen.
Sie: Ebenfalls Stress. Ihr Job. Die beiden Kinder. Der Haushalt. Und immer ist er unterwegs.
Vera (Karoline Herfurth) kann nicht mehr. Sie ist ausgebrannt, und ausgerechnet jetzt kommt ihr Mann Wolf (Tom Schilling) mit der Nachricht, dass er in den nächsten zwei Jahren viel unterwegs sei – also noch mehr. Sie ist fassungslos, und er hat das Gefühl, es ihr nicht recht machen zu können.
Hinzu kommt: Die fünfjährige Tochter Nina (Pola Friedrichs) hat Entwicklungsstörungen, die spätestens zum Schulstart Probleme machen könnten.
Was also tun?
Nina wirft es plötzlich in den Raum: Wie wäre es, wenn man eine Million Minuten hätte, nur für die schönen Dinge?
Wolf kommt ins Grübeln. Und beschließt, seinen Job bei der UN vom Homeoffice aus zu erledigen.
Die Familie will sich die eine Million Minuten nehmen – das sind 394 Tage, fast zwei Jahre. Erst Thailand, dann Island. Der kleine Sohn Simon (Piet Levi Busch) kommt auch mit.
Wolf und Vera wollen von dort aus arbeiten.
Aber insbesondere Wolf muss feststellen, dass die Arbeit ihn weiter auslaugt. Wir aber soll er aus dieser Spirale rauskommen?

Die Geschichte hat so auch stattgefunden. Familie Küper gibt es wirklich. Sie nahm sich „Eine Million Minuten“ – und so heißt auch der Film von Christopher Doll.
Er trifft auf so vielen Ebenen den Ton der heutigen Zeit.
Denn immer mehr Menschen fühlen sich vom Job aufgefressen. Sie sind unzufrieden mit sich und ihrem Leben, und sie fragen sich, wann sie eigentlich mal zur Ruhe kommen sollen. Auch der Mann-Frau-Konflikt spielt eine Rolle, denn Vera fühlt sich von ihrem Mann nicht gesehen.
Die Familie gibt also in Berlin alles auf und zieht zunächst nach Thailand. Kurz denkt man, dass das ja natürlich auch Luxus ist, einfach mal die Sachen packen zu können, aber letztlich wird auch dieses Privileg im Film thematisiert.
Es ist also von der Thematik her ein sehr aktueller, moderner Film. Dazu die tollen Bilder aus Thailand und Island – die aber nicht nur ein Beiwerk sind.
Denn auch in Thailand muss Wolf schuften – und irgendwann verzweifelt er daran und muss eine Entscheidung treffen.
Der Film ist auch hervorragend gespielt. Tom Schilling war vermutlich noch nie so gut. Der Familienvater, der zu wenig Zeit für die Familie hat. Dessen Sorgen, Stress, Verzweiflung und auch Angst sich in seinem Gesicht widerspiegeln. Karoline Herfurth, die noch nie so fertig aussah. Und auch Pola Friedrichs spielt herzzerreißend.
„Eine Million Minuten“ ist ein wahnsinnig lebensbejahender Film, ohne aber Illusionen zu machen. Er schon sehr deutlich, welche Grenzen und Probleme es gibt – aber auch mögliche Auswege.
Feelgood – aber eben nicht nur.

-> Trailer auf Youtube

Eine Million Minuten
D 2023, Regie: Christopher Doll
Warner, 125 Minuten, ab 0
10/10


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