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Radtour (4): Herrentagstour mit überraschendem Ende

(3) -> 3.7.2009

Mein Fahrrad hat neue Reifen und Schläuche, eine Vorderlampe und einen Dynamo, ein neues Schloss habe ich auch gleich noch gekauft. Die Herrentagstour konnte also losgehen.
Die Bernauer Straße in Oranienburg ist momentan eine Großbaustelle. Es ist dort so still wie nie. Außer am Herrentag. In diversen Kneipen spielten Livebands.
Außerdem ist ein Vorbote für einen CSD in Oranienburg zu vermelden. Vor einem Bistro in der Bernauer Straße stand ein älterer Herr in Leckerjacke und Lederslip. Dazu noch eine Mütze – natürlich auch aus schwarzem Leder. Er deutete einen Tanz zur Musik aus den Lautsprechern an. Die zwei Herren, die unweit von ihm saßen, beachteten ihn nicht weiter.

Wahnsinn, was sich so auf den Radwegen abspielt. Von der Lehnitzschleuse aus führt ein Asphaltweg entlang des Oder-Havel-Kanals in Richtung Friedrichsthal. Sowohl auf dem Wasser als auch auf dem Weg war die Hölle los. Auf dem Kanal fuhren die Boote in Dreierreihen, als ob sie ein Rennen fahren. Der Radweg wirkte am Nachmittag wie früher die Fernverkehrsstraße nach Rügen. Radler in langen Schlangen – im Gegenverkehr. Überholen war praktisch unmöglich. Außer für die Radlerrowdys, die fahren wie die Henker und trotzdem nach links ausscheren.

In Friedichsthal gibt es seit einem Jahr eine neue Brücke über den Oder-Havel-Kanal. Eine praktische Überquerung, denn direkt daneben ist der Grabowsee. Gerade für Radler ist der Weg von Oranienburg zum See nun sehr viel kürzer. Warum allerdings nicht gleich eine richtige Brücke für den Verkehr zwischen Schmachtenhagen und Friedrichsthal gebaut wurde, weiß wohl auch niemand.

Leider gibt es am Grabowsee keinen Rundweg. Festgestellt habe ich das, als ich mitten im Wald stand. Und es nicht mehr weiterging. Meine einzige Orientierung: die alte Bahnstrecke zwischen Sachsenhausen und Schmachtenhagen – seit Jahrzehnten stillgelegt. Weil ich nach Wensickendorf wollte, entschied ich mich, das Rad auf den Bahndamm zu schieben und ein bisschen zu laufen. Und unter umgefallene Bäume durchzukriechen.

Die Zivilisation erreichte ich an der B273 zwischen Oranienburg und Schmachtenhagen. Dort an der Straße lag ein toter Fuchs. Gehässige Menschen haben an das tote Tier eine leere Schnapsflasche gelegt. So sah es wie ein toter Alkoholiker aus.

Als Neu-Radler lernt man Radwege zu schätzen. Es fährt sich sehr gut zwischen Oranienburg und Schmachtenhagen. im Dorf selbst muss man auf die Straße, aber nach Wensickendorf geht es auf einem gut ausgebauten Weg weiter.
In Wensickendorf selbst begegnete mir erstmals ein Zug, der aus Schmachtenhagen kommend, über die B273 rollte. Eine komplizierte Prozedur. Der Zug muss neben der Straße halten, ein helfer muss aussteigen und die Straße sperren. Ist wohl nötig, weil die Bundesstraße keine Lichtanlage und Schranke hat.

Zwischenstopp in Wensickendorf. Mit Apfelsaft.

Als Radler lernt man aber auch, dass man auf dem Weg von A nach B nicht dieselbe Strecke fahren muss wie als Autofahrer.
So bog ich auf dem Rückweg nach Oranienburg hinter der Schleuse ab und radelte am See entlang.

Vor dem Oranienburger Bahnhof kam es dann zu dramatischen Szenen. Eine Gruppe Männer stoppte mit ihrern Rädern. Sie berieten sich, wo sie denn jetzt noch hinkönnten. In eine Kneipe. Nach Borgsdorf? Och, neee. Offenbar stritten sie schon länger. Einer meinte, sie hätten ja bei der Kneipe am Wasser bleiben können. So ging das hin und her, bis der eine meinte: Ich fahre jetzt nach Hause. Er lief samt Rad zum Bahnhofseingang. Die anderen riefen: Fährst du jetzt wirklich? Ernsthaft? Er andere ging bockig weiter.
Das war wohl das Ende einer Männerfreundschaft.

Aber auch meine Tour fand ein überraschendes Ende. Eigentlich wollte ich nur kurz was aus meiner Wohnung holen und schloss mein Rad an ein Geländer.
Als ich es wieder aufschließen wollte, bockte das Schloss – und der Schlüssel brach ab. Beim ersten Gebrauch im Eimer. Ganz toll. Keine Ahnung, wie ich das Rad nun vom Geländer bekomme.

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3 Kommentare zu “Radtour (4): Herrentagstour mit überraschendem Ende”

  1. Boa

    Da würde ich bei deinem Händler (des Vertrauens) aufschlagen und ihm klar machen dass er in der Pflicht ist. Anderenfalls kannst du natürlich auch warten bis andere sich vorzugsweise in der Nacht deines Fahrrads annehmen – das Schloss scheint ja echte Markenqualität zu sein. Oder im Baumarkt in einen Bolzenschneider investieren und selber zur Tat schreiten und dir schon mal überlegen was du sagst wenn man dich dabei beobachtet – da könnte ja jeder kommen und behaupten dass es sein Rad sei…

  2. RT

    Wie auch immer es ausgeht – er bekommt das Teil zurück.

  3. RTiesler.de » Blog Archive » Radtour (5): Dunkle Gestalten

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