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Berlin, Ortsteil Osinów Dolny

Dienstag, den 15. April 2014
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Wenn die Deutschen im östlichen Grenzgebiet billig einkaufen wollen, dann fahren sie einmal über die Oder nach Polen. Nur wenige hundert Meter hinter der Landesgrenze befindet sich der Polenmarkt. Und damit sich die Deutschen dort zu Hause fühlen, geben die Polen den Gästen das Gefühl, immer noch im eigenen Land zu sein.
Und nicht nur das: Ein großer Schriftzug hat mich sehr überrascht – und auch ein bisschen bestürzt. Denn der “Polenmarkt Hohenwutzen” ist “Berlins größter Polenmarkt”.

Fassen wir zusammen: Ich bin zwar in Polen, aber irgendwie auch in Berlin. Ich bin zwar in Osinów Dolny (Niederwutzen), aber irgendwie auch im deutschen Hohenwutzen. Man möchte es den Deutschen so heimisch wie möglich machen, deshalb bezahlt man hier natürlich in Euro. Zloty-Preise sind auf dem polenmarkt nicht mal angegeben. Vermutlich kommen polnische Leute auch gar nicht dorthin, weil es zwar für die Deutschen recht billig ist, für die Polen aber sicherlich ein teures Pflaster.

Es ist mein erstes Mal auf dem Polenmarkt, ich wollte mir das Treiben dort einfach mal ansehen. Und interessant ist es dort allemal.
Klamotten sind dort definitiv billiger. Allerdings ist es mir nicht gelungen, einzuschätzen, ob es sich um gefälschte Ware handelt. Experten können das aber ganz sicher auf einen Blick sehen. Interessanterweise verkaufen die Polen Klamotten wie die von “Thor Steinar” und anderen berüchtigten Kram massenweise.

Billig sind auch CDs und und DVDs. Die jedoch sind ganz sicher nur Kopien. Da kostet eine Doppel-CD mit einem Hitsampler schlappe 8 Euro. Ein Album gibt#s in der Regel für 5 Euro. Das Cover ist eine ausgedruckte Bilddatei, leicht unscharf. Die CD entpuppt sich sofort als selbstgepresst. Aber wenn der verkäufer sie anpreist und darauf hinweist, dass die Scheibe in Deutschland 18 Euro koste, dann werden die Käufer schon mal schwach. Kopie? Ach, wurscht. Die CDs kosten an allen Ständen gleich. Mir kann keiner erzählen, dass das verschiedene Händler sind. Handeln ist mit ihnen jedenfalls nciht wirklich möglich.
Duftwässerchen sind ebenfalls billig – und falsch. Die Produkte sehen aus wie Markenware, sie riechen wohl auch so ähnlich. Aber da wird aus “Joop” schon mal “Jurp”. Lustig. Und irre.
Lebensmittel sind, wenn überhaupt, nur geringfügig billiger. Benzin ist nur noch gut 20 Cent preiswerter als in Deutschland. Asperin und ähnliche Produkte gibt’s auch außerhalb der Apotheken und kosten nur gut die Hälfte von dem, was man hierzulande auf den Tisch legt. In den Lokalen spart man aber schon noch den einen oder anderen Euro.

Ein Besuch des Polenmarktes lohnt sich trotzdem – oder gerade deshalb. Das alles mal zu sehen – das Grundstück sieht aus wie eine Industrieruine – ist durchaus eine Erfahrung. Und wenn man sich vorher eine Liste macht, was man denn eventuell brauchen könnte – dann lohnt sich’s auch finanziell. Für Raucher sowieso.

RT liest

Adam Gusowski/Piotr Mordel: Der Club der polnischen Versager

Freitag, den 21. Juni 2013
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Was die Deutschen von den Polen halten, wissen wir. Polen klauen Autos. Polen saufen. Polen arbeiten schwarz. Das sind die Klischees.
Wie die Polen von uns Deutschen halten, wissen wir dagegen nicht so genau.
Adam Gusowski und Piotr Mordel kamen einst nach Berlin und gründeten 2001 den “Club der polnischen Versager”. In ihrem gleichnamigen Buch erzählen sie, wie es dazu kam und rollen gleich mal alle Klischees aus, die es im gegenseitigen Verständnis zwischen Deutschland und Polen gibt.

Da geht es um die deutschen Autobahnen, die als ordentlich gelten (na ja, stellenweise) und um die polnischen, die… bis kurzem gar nicht wirklich existierten. An anderer Stelle schildern die Autoten, wie es war, als bei der Fußball-EM Deutschland gegen Polen antrat und die Polen in der Zwickmühle waren, als Podolski ein Tor schoss. Es geht um die mitunter schwierige deutsche Sprache und um die Ordentlichkeit.

Es gibt in dem Buch durchaus schmunzelige Momente, auch viele erhellende. Gusowski und Mordel liefern einen Einblick in die polnische Seele, die man ansonsten eher selten mitbekommt.
Nett, aber nicht mehr.

Adam Gusowski/Piotr Mordel: Der Club der polnischen Versager
ro ro ro, 221 Seiten
5/10

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Mieses Essen in Polen – und Havelhausen

Dienstag, den 6. Juli 2010
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Neulich an einem Imbiss in Havelhausen: Ein Mann erzählt der Verkäuferin, dass er gerade aus Polen komme. Unterwegs habe er eine Roulade gegessen. Furchtbar sei die gewesen. Ganz dünnes Fleisch, und die Füllung bestand aus merkwürdigem Zeugs, total strähnig.
Das nächste Mal wolle er dann auf jeden Fall in Deutschland was essen gehen, denn in Polen hätte das ja überhaupt keinen Sinn, die können ja überhaupt gar nicht kochen.

Ich sitze daneben und sehe auf den Cheeseburger, den ich gerade gekauft habe. Essen kann ich ihn noch nicht, der ist kochend heiß, er kommt gerade aus der Mikrowelle. Irgendwann nehme ich ihn doch, das Brötchen ist matschig, der Burgerinhalt quillt heraus.
Offenbar gibt es das Problem des schlechten Essens nicht nur in Polen, sondern auch in Havelhausen. Aber darüber hat der Mann am Imbiss nicht gesprochen. Er hatte ja auch nur einen Eiskaffee.

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Gestern, heute, morgen: Von Wahrzeichen und Klimazielen

Sonntag, den 20. Dezember 2009
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Die Welt ist schon seltam.

Da klauen irgendwelche bekloppten Menschen im ehemaligen KZ in Auschwitz das Schild mit der Inschrift “Arbeit macht frei”. Weltbekannt, vielleicht sogar das Wahrzeiten der Gedenkstätte. Aber auf jeden Fall ein Original aus der damaligen Zeit.
Wer klaut so was? Aber auch: Wer lässt sich so was klauen? Entweder war die Aktion lange geplant und die Diebe wussten ganz genau, wann sie wo unbeobachtet sind. Oder die Polizei in Oswiecim ist unfähig.
Das Schild ist wohl unwiederbringlich, und das ist in mehrerlei Hinsicht eine Schande.

Und dann gab es da noch diesen Klimagipfel in Kopenhagen. Den, wo sich die Politiker stritten und eigentlich nur ihre wirtschaftlichen Interessen durchsetzen wollten. Klima? Katastrophe? Geht mich das was an?
Um 2 Grad soll sich die Temperatur der Erde nicht erwärmen. Das ist das Ziel. Oder eher ein Vorhaben. Oder eher irgend so eine Luftblase, an die sich sowieso niemand halten muss. Mal abgesehen davon, dass auch 2 Grad für viele Inselstaaten das Ende bedeuten und dass die jetzigen Beschlüsse eher eine Erwärmung von 3,5 Grad nicht verhindern können. Da schmeißt man lieber den armen Ländern Geld nach – damit sie es ausgeben können, wenn die Katastrophe passiert ist.
Zynisch, egoitisch, peinlich, traurig. Und wenn mal wieder eine Flut kommt, eine Dürre oder sonstige Katastrophen, dann hat es niemand kommen sehen – und Beileid und so.
Echt beschämend.

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Polnische Schneckenpost

Mittwoch, den 16. Dezember 2009
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Von Kolobrzeg an der polnischen Ostsee bis nach Oranienburg sind es 259 Kilometer. Das sind nur wenige Kilometer mehr als nach Dresden und etwas weniger als nach Binz auf Rügen.
Und doch brauchst die Post ein bisschen länger. Unglaubliche 15 Tage nämlich.

Die Postkarte, die heute in meinem Briefkasten lag, trägt den Poststempel vom 30. November 2009.
Aber ist bloß passiert in den mehr als zwei Wochen? War vielleicht unklar, was eigentlich dieses “Germany” im Adressfeld bedeutet? Oder musste der Geheimdienst erst mal in Inhalt der Karte übersetzen, um sie dann nach einer weiteren Prüpfung endlich freizugeben?

Ist schon ein bisschen peinlich für unser Nachbarland. Post aus dem sehr viel weiter entfernten Finnland liegt gut und gerne nach drei Tagen im Kasten. Oder früher.

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Bergen-Belsen: Am Grab von Anne Frank

Montag, den 19. Oktober 2009
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Lauter Massengräber. Unter den Erdhügeln liegen 1000 Menschen begraben. Und da hinten noch einmal 2500. Und gleich daneben sind es nochmal 500. Und da weitere 1000.
Und so weiter.
Mehr als 70000 Menschen starben bis 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen.

Die Gedenkstätte liegt in Niedersachsen nordöstlich von Hannover zwischen den Ortschaften Walle und Belsen. Ein Ort des Gedenkens. Und des Grauens – immer noch.
Der Weg vom dokumentazionszentrum zum ehemaligen Appellplatz verläuft zwischen hohen, grauen Mauern. Ein bedrückendes Gefühl, auch wenn ein paar Meter weiter das Grün der Bäume und Büsche schon zu sehen ist.
Eigentlich macht das Gelände fast einen idyllischen Eindruck. Es liegt in der Lüneburger Heide. Doch wenn rechts und links überall auf der Wiese Grabsteine stehen, und wenn einem dann noch klar wird, dass allein auf dieser Wiese, an der man gerade vorbeiläuft, Tausende Menschen starben, hat sich das mit der Idylle wieder erledigt.
Auf einem der Grabsteine stehen die Namen Margot und Anne Frank. Die beiden starben im März 1945 in Bergen-Belsen während einer Thyphus-Epidemie. Kurz zuvor wurden sie aus dem KZ Auschwitz-Birkenau dorthin deportiert. Vor dem Grabstein in der Gedenkstätte liegen heute Blumen, Teddybären und kleine Steine.

Eine spannende Ausstellung zeigt die größenwahnsinnigen Pläne der Nationalsozialisten, Osteuropa zu germanisieren. Unter anderem die baltischen Staaten, Teile der Ukraine sollten Deutsch werden. Der “Generalplan Ost” sollte dazu führen, die Deutschen dort anzusiedeln. Bedeutet: Vertreibung, Versklavung, Völkermord.

Ich habe einiges gelernt in Bergen-Belsen. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass die Nazis schon früh wussten, dass das KZ Auschwitz nicht mehr lange zu halten sei und die Gefangenen abtransportieren, nach Bergen-Belsen zum Beispiel. Als Auschwitz dann im Januar 1945 tatsächlich befreit wurde, ist die Zahl der Gefangenen gar nicht mehr so hoch gewesen wie in den Jahren zuvor.
Auch, dass Bergen-Belsen erst 1943 zum KZ wurde, habe ich dazugelernt. Vorher war dort ein Kriegsgefangenenlager.

Ein Besuch von Bergen-Belsen lohnt sich auf jeden Fall.
Auch wenn manche Busgesellschaften das alles irgendwelche falsch verstanden haben: Auf dem Parkplatz stand ein Bus mit dem Schriftzug “Happy Days Coaches”. Ah ja.

(Bilder gibts im meinVZ.)

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Was der Name Tiesler bedeutet

Montag, den 12. Oktober 2009
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Der Landesgartenschau 2009 in Oranienburg sei Dank: Eines der Projekte der Laga ist die Namenforschung von Jürgen Udolph, einem Leipziger Professor für Onomastik.
Alle Oranienburger konnten sich und ihren Nachnamen anmelden, um ihn von Udolph und seinem Team erforschen zu lassen.
Inzwischen liegt auch das Ergenbis des Namens Tiesler vor:

Dieser häufige Familienname lässt sich 316-mal relativ gestreut, aber mit kleineren Konzentrationen in Ostmittel-, Nordost- und Südwestdeutschland nachweisen. Insgesamt 224 historische Belege seit frühestens 1662 vor allem in Berlin und um den polnischen Ort Lissa/Leszno in der Woiwodschaft Großpolen/Wielkopolskie. Bei dem Familiennamen Tiesler handelt es sich um einen patronymischen Namen, der entweder auf den männlichen Taufnamen Matthias (hebräisch ‘Gabe Jahwes’) oder auf einen deutschen Namen zurückgeht, der mit dem althochdeutschen Namenelement thiot/thiet in der Bedeutung Volk gebildet wurde (Bsp. Thietmar/Dietmar).
(Quelle: Namenforschung auf www.laga-oranienburg2009.de)

Und hier noch die Verbreitungskarte des Namens.