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1992: Wirbel um Gasalarm in Birkenwerder

August 1992 II -> 1.9.2012

Vor 20 Jahren: Rundfunk vermeldet versehentlich Explosion / Weiter Streit um Asylanten im Landkreis

MAZ Oranienburg, 17.9.2012

Was passierte vor 20 Jahren im Altkreis Oranienburg? Und was berichtete die MAZ? Diesmal: die erste Hälfte im September 1992.

OBERHAVEL
Die alten Fachschließanlagen der Post haben ausgedient. Am 1. September 1992 kommen die Briefe und Karten direkt ans Haus. Das Problem: Viele Leute haben noch gar keinen eigenen Briefkasten am Haus.

Der ehemalige Bürgermeister von Lehnitz, Richard Wienecke, hat einen neuen Job: Er wird Amtsdirektor des neu gebildeten Amtes Oranienburg-Land.

Am Asylbewerberheim in Neuholland kommt es am 2. September 1992 zu einem massiven Polizeieinsatz. Mitarbeiter des Sozialamtes versuchten zuvor vergeblich, das Taschengeld und die Verpflegung auszugeben. Die Asylanten wehren sich gegen die Ausgabe der Mittel in dieser Form. Sie werfen Einrichtungsgegenstände und Kleider durch die Fenster. Das Gebäude wird teilweise stark beschädigt. Eine große Zahl der Asylbewerber distanziert sich allerdings von der Aktion.
Unterdessen legt die Bundeswehr ein Veto ein. Auf einem Areal im Wald bei Beetz sollte ein weiteres Asylbewerberheim entstehen. Die Bundeswehr will bis 1994 dort weiter ein Tanklager betreiben. Das bringt die Kreisverwaltung in Schwierigkeiten. Es gibt keine Plätze mehr in den Heimen.

An der Schule in Staffelde gibt es Zoff. Auf einer Versammlung regen sich die Eltern über miese hygienische Zustände auf. Kinder und Lehrer müssen aufs Plumpsklo gehen, auch die Waschgelegenheiten lassen zu Wünschen übrig. Ein entsprechender Anbau lässt auf sich warten.

Die Oranienburger Kreis- und Stadtbibliothek soll geschlossen werden. Das Landratsamt will die Bücherei bis zum 31. Dezember 1992 abwickeln. Immerhin bekennt sich Oranienburgs Bürgermeister Wolfgang Arps dazu, eine Stadtbibliothek weiterführen zu wollen. Die entlassenen Mitarbeiter könnten sich dafür bewerben. Der Bücherbestand werde aufgeteilt, so heißt es.

Polizei und Ordnungsamt räumen am 11. September 1992 eine Wohnung in Hennigsdorf. Seit Wochen stank es daraus bestialisch. Gefunden werden von den Mitarbeitern vergammelte Speisereste, Wasser in der Spüle und Schaben in der Wohnung. Die Wohnung muss desinfiziert werden.

Der Rundfunk vermeldet am 12. September 1992 eine Gasexplosion in Birkenwerder. So schlimm ist es nicht, aber der Gasalarm wegen einer defekten Leitung an einem Hausanschluss stoppt den S-Bahn-Verkehr, viele Autos und das Radrennen „Rund um Berlin“.

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Ein Kommentar zu “1992: Wirbel um Gasalarm in Birkenwerder”

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