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1992: Landrat sperrt Gemeinderäume mit DDR-Siegel

Januar 1992 I -> 28.1.2012

Vor 20 Jahren: Zoff um Bürgermeister in Stolpe-Süd / Otto Schily verteidigt Schröter in Rufmord-Prozess

MAZ Oranienburg, 31.1.2012

Was passierte vor 20 Jahren im Altkreis Oranienburg? Diesmal: die zweite Hälfte im Januar 1992.

OBERHAVEL
Die Mitarbeiter des Oranienburger Arbeitsamtes haben etwas zu feiern. In der André-Pican-Straße wird nach nur drei Monaten Bauzeit das neue Amtsgebäude fertiggestellt. Es ist das erste dieser Art in Ostdeutschland. Auf einer Fläche von 2000 Quadratmetern arbeiten 58 Leute.

Mehr Platz bräuchte dagegen die Kremmener Gesamtschule. Nun sollen Container die drastische Raumnot lösen. In die geplanten Container könnten Teile der Grundschule ziehen. Kosten: 600 000 Mark. Noch nicht vom Tisch sind außerdem Ideen für eine gymnasiale Oberstufe in Kremmen.

Über Lehnitz liegt am 18. Januar 1992 Dieselgeruch. Auf dem Lehnitzsee ist ein Schubschiff gesunken, das an einem Wohnschiff festgemacht war. 5000 Liter Diesel gelangen in den See, der nun eine Ölpest erlebt.

In Schwante feiert Bäcker Karl-Dietmar Plentz am 21. Januar 1992 die Eröffnung seines erweiterten Geschäftes. Es hat einen Pavillon sowie zwei neue Backöfen.

Der bekannte Anwalt Otto Schily verteidigt Landrat Karl-Heinz Schröter und seinen Stellvertreter Michael Ney gegen den Vorwurf des Rufmordes. Schröter soll Georg Johne, dem Geschäftsführer des Krupp-Kaltwalzwerkes, vorgeworfen haben, sich „stalinistischer Führungsmethoden“ zu bedienen und sich persönlich bereichert zu haben. Der Prozess beginnt am 21. Januar 1992.

Zwei Bürgermeister räumen ihren Stuhl. Günter Siebert geht freiwillig. Der 65-jährige Stadtchef von Hohen Neuendorf sagt, die Anspannungen forderten ihren Tribut.
Peter Ihloff aus Stolpe-Süd wird dagegen regelrecht gefeuert. Am 28. Januar 1992 bekommt er ein Schreiben von Landrat Schröter. Darin wird er über seine Kündigung in Kenntnis gesetzt. Die Bürgermeisterwahl von 1991 sei ungültig, so Schröter – es gebe Unstimmigkeiten in den Protokollen. Ihloff fühlt sich in die kriminelle Ecke gestellt. Tatsächlich spielt sich in Stolpe-Süd ein kleiner Krimi ab. Am Morgen steht ein Streifenwagen der Polizei vor dem Gemeindehaus. Die Räume werden versiegelt – pikanterweise mit der Siegelaufschrift „Deutsche Demokratische Republik“. Die Gemeinde will vor Gericht ziehen – und die DDR-Sache gesondert prüfen lassen.

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