RTZapper

Die Notrufzentrale

Freitag, den 9. Februar 2018
Tags:

MO 05.02.2018 | 22.15 Uhr | VOX

Polizeidokus gibt es vor allem im Nachmittagsprogramm der Privatsender inzwischen einige. Sie gehören nicht gerade zum Premium-TV.
Am Montagabend lief bei VOX erstmals “Die Notrufzentrale”, und allein der Titel erinnerte an die Mutter alle deutschen Reality-TV-Dokus bei RTL: “Notruf”. Da ging es um Rettungseinsätze, und wie alle Leute aus dieser Situation herauskamen.
Wer jedoch “Die Notrufzentrale” sieht, wird schnell feststellen: Da ist etwas anders, und am Anfang erscheint das ziemlich merkwürdig.

Denn diese Dokureihe dreht sich ausschließlich um die Menschen, die Notrufe aufnehmen. Die sich anhören, was die Anrufer erzählen. Die etwas unternehmen, damit diesen Menschen geholfen wird.
Die Doku verlässt diese Notrufzentrale nicht. Der Zuschauer hört, wie die Leute in der Zentrale, den Notfall nur aus der Telefonleitung. Das Filmteam verlässt die Räume nicht, es gibt keine Bilder von vor Ort.

Am Anfang denkt man: Was soll das? Was bringt das? Denn oft ist es auch so, dass man als Zuschauer nicht mitbekommt, wie der Notfall zu Ende geht.
Aber schnell ist klar: “Die Notrufzentrale” ist ein hochgradig spannendes und überraschend emotionales Format. Denn wir erleben hautnah, wie die Notrufe eingehen. Das ist mitunter erschütternd. Wenn eine jung Frau weinend erzählt, dass ihre betrunkene Mutter Auto fahren will und sie das verhindern müsse – und sie dann zugibt, dass sie ihre Mutter deshalb auch geschlagen habe. Die Mutter keift währenddessen im Hintergrund. Oder die Frau, die anruft, weil ein Baum auf der Straße liegt, und während sie das erzählt, hört man, wie ein anderes Auto in diesen Baum rast. Es sind Schockmomente.
Oder wenn Hektik ausbricht, weil eine Frau anruft: Ihr Mann hatte am Steuer des Autos einen Schlaganfall, und nun weiß die Frau aber nicht, wo genau sie eigentlich sind.

“Die Notrufzentrale” handelt weniger von den dort eintreffenden Fällen. Sondern von den Menschen, die am anderen Ende der Leitung sitzen. Die sich die Not anhören und für Hilfe sorgen. Die immer ruhig bleiben müssen, egal was passiert. Die es trotzdem manchmal mitnimmt, wenn sie Katastrophen live miterleben.
VOX leistet mit der Reihe – jeden Montagabend – einen wichtigen Dienst an den Menschen, die Hilfe leisten, aber auch für die, die (hoffentlich nie) diese Weise Hilfe brauchen, aber dann eventuell eine Ahnung davon haben, wo sie mit ihrem Anruf landen.

RTZapper

Beat the Box

Mittwoch, den 31. Januar 2018
Tags:

SO 28.01.2018 | 19.15 Uhr | VOX

Neue Sparmaßnahme bei VOX. Und diesmal ist es besonders bitter.
Wie muss man sich dort eine Ideensitzung vorstellen?
Einer sagt: Lasst uns doch ein neues Quiz machen!
Und der Chef sagt: Prima! Wir haben aber kein Studio.
Und der andere sagt: Kein Problem, drehen wir eben irgendwo anders.
Und der Chef sagt: Für Irgendwoanders ist auch kein Geld da.
Und der andere sagt: Dann drehen wir eben bei den Leuten zu Hause. Ich habe auch schon eine Idee, wer das moderiert.
Und der Chef sagt: Wir haben aber kein Geld für einen Moderator.

Unter diesen Bedingungen startete als am Sonntagabend VOX das neue Quiz “Beat the Box”.
Kein Studio, keine Kulisse, kein Moderator.
Die vier Kandidatengruppen sitzen jeweils zu Hause und fischen sich die Fragen und Aufgaben aus einer Box.
Das wirkt dann schon weniger wie ein Quiz, sondern mehr wie eine der üblich-drögen Dokusoaps.
Eine Interaktion mit den Gegnern fehlt, alle schmoren im eigenen Saft – und das Ganze ist schnittechnisch zusammengeklatscht worden. Vermutlich ist “Beat the Box” eine der preiswertesten Quizshows, die es bei VOX je gab.
Besonders aufregend ist das nicht.

RTZapper

Der Vertretungslehrer: Wladimir Klitschko

Freitag, den 12. Januar 2018
Tags:

DI 09.01.2018 | 22.15 Uhr | VOX

Wie kann man Herausforderungen meistern? Wie geht man damit um, wenn man eine große Aufgabe zu meistern hat? Wie schafft man es, sich mit neuen Aufgaben vernünftig auseinanderzusetzen?
Erstaunlich tiefgründig ging es zu, als VOX am Dienstagabend einen Vertretungslehrer in ein Gymnasium irgendwo in der deutschen Provinz schickt. Da sitzen Schüler und hören ihrem Vertretungslehrer zu – und machen sich Gedanken über Herausforderungen in ihrem Leben. Und es gibt keinen Krawall und keine plumpen Gags.

“Der Vertretungslehrer” heißt eine neue Reihe bei VOX. Die Vertretung ist natürlich nicht irgendwer, sondern in der Pilotfolge einer der erfolgreichsten Boxer aller Zeiten: Wladimir Klitschko.
Er stiefelte in die Klasse und sprach mit den Jugendlichen über das Thema, das er vorbereitet hatte. Ganz ohne Allüren, ohne Klamauk. Das war schon – und ich wage es kaum zu sagen – fast ein bisschen langweilig. Was vielleicht auch damit zu tun hat, dass Klitschko zwar vor einer Klasse stand, aber eigentlich nicht als Lehrer. Er brachte den jungen Leuten was bei, aber es ist nicht das, was Unterricht ausmacht. Spannender wäre es, wenn auch der Lehrer zusätzlich ein wenig herausgefordert würde.
Und warum so ein jugendliches Format spätabends um 22.15 Uhr läuft, ist auch unklar. Andererseits: Die Zielgruppe schaut’s ja sowieso irgendwann in der Mediathek.

RTZapper

Das war 2017!

Sonntag, den 31. Dezember 2017
Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

I bims, und hier kommt schon wieder der Jahresrückblick, vong Silvester her.
Nein, nein, das Jahr 2017 hat mir nicht das Hirn eingefroren. “I bims” ist aber das Jugendwort des Jahres, und die dazu passenden “vong … her”-Nachsätze gehören auch zur Jugendsprache. Soll wohl den verkürzenden und fehlerhaften Internet-Chat-Sprech darstellen, und es gibt Leute, die das lustig finden.
Ach, überhaupt das Internet. Was in den sozialen Netzwerken abgeht, das ist nicht mehr feierlich. Da kotzen sich die Wutbürger überall da aus, wo es auch nur entfernt um Politik geht. Man könnte meinen, Deutschland ist zur Wuthochburg verkommen, aber es ist wohl eher so, dass alle anderen sich immer mehr zurückziehen und sich gar nicht mehr äußern. Was auch nicht gut ist. Mehr und mehr wird Pöblern der Platz überlassen – immer mehr angefeuert durch die AfD, und die “Bild” macht auch immer gern und fleißig mit.

2017 war geprägt von einem Schwarz-Weiß-Denken. Entweder ist alles gut oder alles schlecht. Zwischentöne? Werden oft vermisst. Donald Trump ist US-Präsident, und alle, die nicht das berichten, was er für die Wahrheit hält, bezeichnet er als Fake-News. Er liefert sich einen Kampf mit den US-Medien, verbreitet seine Weisheiten lieber über Twitter.
Ein anderer Diktator tobt sich in der Türkei aus. Aus fadenscheinigen Gründen werden Journalisten, Menschenrechtler und andere Menschen festgenommen, die aus Sicht von Staatschef Erdogan schlecht für die Türkei seien. Der deutsch-türkische Journalist und Türkei-Korrespondent der WeltN24-Gruppe, Deniz Yücel, sitzt seit weit mehr als 300 Tagen in Haft – #freeDeniz.

Eine harte Debatte wird auch um die Öffentlich-Rechtlichen Sender geführt. Insbesondere zwischen den Zeitungsverlagen und ARD/ZDF gibt es Streit darüber, was die Sender im Internet machen dürfen und was nicht. Der Lobbyist Matthias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, schießt gegen ARD und ZDF, nennt sie Staatsfunk, obwohl er es besser wissen müsste. Er sieht die Presse in Gefahr, wenn auch die ARD Texte auf ihren Internetseiten verbreitet. Aber auch der Ton unter den Zuschauern ist rauer geworden. In den sozialen Netzwerken kübeln Pöbler Häme über die Öffentlich-Rechtlichen aus, schimpfen über die angeblichen Lügenmedien, Staatssender und über die angebliche Regierungslinie.
Allerdings geben ARD und ZDF den Kritikern auch immer wieder Futter. Gerade im Umgang mit der AfD tun sich viele Journalisten noch schwer. Statt mit Fakten bloßzustellen, geht es scheinbar oft immer noch um eigene Befindlichkeiten. Da werden Sätze aus dem Zusammenhang gerissen und zu Skandalen aufgeblasen.
Was aber die AfD auch sehr gut kann – und sich zum Opfer zu machen. In einer ZDF-Wahlsendung verließ AfD-Frau Alice Weidel die Arena, als sie kritische Fragen zu hören bekam. Als sie sagte, dass die Zeit der politischen Korrektheit vorbei sei, und sie in der NDR-Satiresendung “extra 3″ daraufhin als Nazi-Schlampe betitelt worden ist, da war die Zeit der politischen Unkorrektheit offenbar auch schon wieder vorbei. Weidel klagte. Und bekam kein Recht.
Dennoch und gerade wegen des Hypes und die vielen Skandalisierungen – die AfD schaffte es im September in den Bundestag, und die Medien müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, daran zumindest eine Mitschuld zu haben.

Es war ein politisches Medienjahr. Auch wegen der Bundestagswahl. Die hat SPD-Chef Martin Schulz in nicht ganz so guter Erinnerung. Was vielleicht auch daran lag, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel ständig mehr Redezeit bekommen hat als er. Für Inhalte hatte er da nicht immer so viel Zeit – weil er sich darüber ja erst mal mokieren musste.
Bei Sat.1 hat man sich ab eh lieber damit beschäftigt, ob FDP-Chef Christian Lindner scharf ist und ob die Linke Katja Kipping irgendwie auf ihn stehen könnte.

Zeiten ändern sich. Auch im Sport. Als in Dortmund ein Anschlag auf den Bus der Fußballer von Borussia Dortmund verübt wird, wird aus Sky Sport News plötzlich ein Nachrichtensender im Breaking-News-Modus.
In der Pause des DFB-Pokal-Finales wollten die Fußballfunktionäre mal ein bisschen US-Entertainment-Luft schnuppern. Ganz im Sinne der Halbzeitshow beim SuperBowl gab es das beim Fußball erstmals auch. Mit Helene Fischer. Fanden die Fans eher so mittel.
Überhaupt, der Fußball: Die Bundesliga zerbröselt immer mehr. Nun sind nicht nur Sky und die ARD an Bord oder das ZDF und Sport 1. Auch Eurosport hat ein paar Rechte (wenn der Player mal funktioniert) und bei Nitro laufen montags auch noch ein paar (bislang weitgehend unbeachtete) Häppchen.
Niki Lauda hat sich vor laufenden RTL-Kamera und unerwartet als Formel-1-Co-Moderator verabschiedet. Und hinterließ einen verstörten Florian König. Nico Rosberg wird sein Nachfolger.
Ach ja, und da dann war ja noch Handball-WM. Hat aber kaum jemand sehen können, weil sich der Rechteinhaber belN sich mit keinem Sender einigen konnte – weder mit ARD und ZDF, noch mit Sky. So liefen die Spiele auf Youtube im Internet, aber der Seite einer Bank. Auch mal was Neues.

Apropos kleines Publikum: Es wird immer schwerer für die Sender, Serienhits zu landen. Selbst hochgelobte Serien wie “This is us” floppen, und es gibt noch viele mehr davon, die als Disaster abgebucht werden müssen. Der hochgelobte “Mr. Robot” hatte bei Nitro quasi keine Zuschauer. Es scheint, dass sich das Seriengeschehen mehr und mehr bei Amazon und Netflix abspielen. Auch deutsche Serien wie “Dark” oder Schweighöfers “You are wanted” laufen nicht im Fernsehen (oder ist im ORFeins in Österreich gefloppt), sondern bei den Streaminganbietern. Ob “Berlin Babylon” ein Hit ist, wissen wir auch erst im Herbst 2018. Die Co-Produktion zwischen Sky und ARD lief bislang nur im Pay-TV. Der Jubel ist groß – aber das muss ja nichts heißen.
Dennoch: Langsam kommt für das Fernsehen die Wende. Angebote wie Amazon Prime, Netflix und das altbekannte Sky haben immer mehr Nutzer.
Die jungen Zuschauer treiben sich eher auf YouTube rum und schauen sich dort ihre Stars an. Oder mobben sie gleich mal. Als rauskommt, dass der YouTube-Star Tanzverbot in Oranienburg wohnt, erlebt er die Aufdringlichkeit und Widerwärtigkeit seiner Fans und Hater. Er muss raus aus seiner Wohnung und zieht um.

Lineares Fernsehen ist unterdessen immer mehr out. Auch weil insbesondere das Privatfernsehen, immer mieser wird. Oder wer möchte wirklich sehen, wie irgendwelche Z-Stars ein Baby bekommen? “Janni & Peer … und ein Baby!” lief bei RTL II eher nicht so gut. Auf demselben Sender zieht man sich bei der Datingshow “Naked Attraction” gleich ganz nackt aus – weil das ja angeblich die ehrlichste Art des Datings ist. Aber auch das ZDF greift ins Klo: “Das Pubertier – Die Serie” ist einfach nur doof-albern, die Show “Flieg mit mir” im Ersten schrecklich betulich. “Das Sommerhaus der Stars” bei RTL ist nur noch Fremdschämen. VOX wollte die Echo-Verleihung aufpolieren und liefert eine Katastrophe ab. Die pure Ödnis.
Aber es gab natürlich auch gutes Fernsehen: der ZDF-Mehrteiler “Der gleiche Himmel” war ebenso ein Hit wie die letzte Staffel vom “Club der roten Bänder” bei VOX.

Schluss war auch für den “Circus Halligalli”. Dabei sorgte die Show noch fix für die deutsche Fernsehpeinlichkeit des Jahres: Bei der “Goldenen Kamera” schmuggelt das Team einen falschen Ryan Gosling ein. Er nimmt in der Live-Show im ZDF den Preis entgegen, und danach kam raus, dass selbst die Kategorie ein Fake war, weil die von der “Goldene Kamera”-Redaktion nur mit der Aussicht auf den Gosling-Besuch eingeführt wurde.
Aber die Amis können mithalten. Bei der Oscar-Verleihung kommt ausgerechnet beim besten Film ein falscher Umschlag in Umlauf. Die Leute von “La La Land” (schon wieder Gosling) stehen schon auf der Bühne, wollen sich bedanken – um dann zu erfahren, dass “Moonlight” der beste Film ist. Ups.

Da möchte man im Boden versinken. Das gilt auch für den Eurovision Song Contest. Vorletzter. Wobei es natürlich nicht an der Qualität des deutschen Songs (wie hieß der noch gleich?) oder an der Dings (wie hieß die noch gleich?) lag, sondern weil uns Deutsche einfach keiner mag. Na klar. Vielleicht gibt es ja 2018 ein Comeback, gerade wird mal wieder am Konzept für den deutschen Vorentscheid gefeilt.

Dabei ist das mit Comebacks so eine Sache: Als Thomas Gottschalk mit der neuen Sat.1-Show “Little Big Stars” um die Ecke kam, war das Interesse gering. Auch dass Christian Rach bei RTL wieder Restauranttester war, ließ viele kalt – was aber auch an den bekloppten Fällen lag, um die sich Rach kümmern musste. Die Wiederkehr von “Der Preis ist heiß” bei RTLplus war dagegen ein voller Erfolg – auch weil sich alle große Mühe gaben, den Klassiker nur behutsam zu modernisieren. Heraus kam netter, guter Trash. Ach, und dann ist ja auch MTV wieder da. Also, eigentlich war MTV nie weg, nur eben im Pay-TV versteckt. Nun gibt es angeblich wieder Interesse an dem Sender, die Rückkehr ins Free-TV war perfekt.

Aber auch Ankünfte sorgten für Wirbel. Der rbb übertrug mit großem Aufwand die Landung von Schätzchen und Träumchen in Schönefeld - zwei Pandabeeren. Sehr wichtig. Und noch eine Flugzeuglandung war dem rbb eine Live-Übertragung wert: die der letzten Air-Berlin-Maschine. Nie gab es vermutlich eine emotionalere Pleite eines Unternehmens. Es hieß Abschied nehmen.

Abschied. Auch 2017 wieder von vielen prominenten Menschen. Helmut Kohl ist gestorben, ebenso die Politiker Heiner Geißler und Roman Herzog. Die Schauspieler Roger Moore, Karin Dor, Christine Kaufmann, Jerry Lewis, Dieter Bellmann, Andreas Schmidt, Mikael Niqvist, Ingeborg Krabbe, Bill Paxton, Margot Hielscher, Martin Lüttge und Klaus Wildbolz. Die Musiker Fats Domino, Chris Roberts, Tom Petty, Chuck Berry, Malcolm Young, Joy Flemming, Chester Bennington, Chris Cornell, Gunter Gabriel, Daliah Lavi, Andrea Jürgens und Robert Miles. Die Comiczeichnerin Lona Rietschel, die Journalisten Ulrike von Möllendorff und Udo Ulfkotte, Playboy-Gründer Hugh Hefner, Joachim Kardinal Meisner, die Tennisspielerin Jana Novotna und die Synchronsprecher Oliver Grimm (”Kimba, der weiße Löwe”, “Hugo”) und Anderas von der Meden (Kermit, David Hasselhoff).

Man hätte außerdem den Eindruck gewinnen können, dass das Fernsehen stirbt – dabei wurde nur das alte DVB-T-Signal abgeschaltet – zugunsten des neuen DVB-T2. Die Kampagne machte den Eindruck, als seien sehr viel mehr Zuseher betroffen. Der Übergang verlief dennoch recht reibungslos. Eher reibungsvoll verläuft es beim Lokalsender Oberhavel TV. Die Qualität der Sendungen ließ immer mehr nach, es gab immer weniger, die Verbreitung via Satellit und im Vodafone-Kabel ist eingestellt – inzwischen gibt es wohl ein Insolvenzverfahren.

Aber was ist denn im Fernsehen 2017 wirklich Wichtiges passiert? Natürlich! Marc Terenzi ist Dschungelkönig geworden, obwohl sich Kader Loth so angestrengt hat, ein neues Image zu bekommen. Als Anne Will über den G20-Ausschreitungen diskutiert, fällt für zehn Minütchen das Bild aus, während im Studio weitergesprochen wird. Als beim selben Thema bei Maischberger sich die Gemüter erhitzen, verlässt Wolfgang Bosbach wütend die Arena, weil er sich von Jutta Ditfurth beleidigt gefühlt hat – nicht ohne auch selbst auszuteilen. Als in Frankfurt/Main eine Bombe entschärft werden muss, überträgt das hr fernsehen 13 Stunden (!) live – weil der Sender selbst evakuiert ist. Aus “Schlag den Raab” und “Schlag den Star” ist “Schlag den Henssler” geworden. Na ja. Birgit Schrowange ist erst ungeschminkt bei RTL aufgetreten (einmalig) und dann mit grauen Haaren (für immer).

Wird 2018 alles besser? Werden wir alle immer irrer? Oder ist uns einfach alles wurscht, so lange man sich auf YouTube weiter Schminktipps reinziehen kann? Oder alternativ den Livestream von der Demorandale wie bei G20 in Hamburg?
I bims, vong Spannung her.

PS: Ach, Mensch, Herr Eumann, habe ich Sie doch glatt wieder vergessen! Herzlichen Glückwunsch zur Wahl zum neuen Direktor der rheinland-pfälzischen Landesmedienanstalt. Nicht dass Sie wieder angepisst sind!

RTZapper

6 Mütter: Verona Pooth

Donnerstag, den 14. Dezember 2017
Tags:

DI 12.12.2017 | 20.15 Uhr | VOX

Bei VOX erzählen jeden Dienstag sechs Promimütter aus ihrem Privatleben. Das ist erstaunlich, denn viele Promis lassen eigentlich keine Fernsehkamera in ihre Wohnung. Nicht so in diesem Fall. Wobei wahrscheinlich die spannendste Episode von “6 Mütter” bereits gelaufen ist. Als nämlich Verona Pooth einen tiefen Einblick in ihr Familienleben zuließ.

Als Verona Feldbusch in den 90ern bekannt wurde, da stellte sie das Dummchen dar. Inzwischen wissen wir schon lange: Verona ist alles, aber nicht dumm. Es war eine Masche, wie sie in “6 Mütter” erzählte. Ihre Moderation von “peep!” ab September 1999 sei schlecht gewesen, aber das sei durchaus gewollt gewesen – sagt sie heute.
Die Kamera war dabei beim Wecken der Kinder, am Frühstückstisch, beim Praktikum des Sohnes. Es ist das Bild einer taffen Frau, die durchaus einen Plan davon hat, wie man Kinder erziehen muss. Ein Plan, der offenbar aufgeht. Denn auch, wenn Diego (14) ein Kind eines Promis ist, er nimmt es locker – noch.
Verona erzählte von den letzten Monaten mit ihrer Mutter, auch Ehemann Franjo kam zu Wort – wenn auch seine Finanzschwierigkeiten nicht zur Sprache kamen. Aber vielleicht spricht auch das für Verona, dass sie diese persönliche Krise überstanden haben.

So waren die bei VOX gezeigten Filme über Verona Pooth und ihre kleine Familie erstaunlich und erhellend und zeigte das Bild von einer doch klugen und sympathischen Frau.
Zu positiv? Gestellt? Das mag sein – aber kann man sich so verstellen, dass ein komplett falsches Bild gezeigt wird?

RTZapper

Club der roten Bänder: Das Vermächtnis

Mittwoch, den 13. Dezember 2017
Tags:

MO 11.12.2017 | 21.10 Uhr | VOX

Als im Herbst 2015 die 1. Folge vom “Club der roten Bänder” bei VOX lief, da zog mich diese Serie sofort in den Bann.
Am Montag lief nun die 30. und letzte Folge, und es war vermutlich eines der emotionalsten Serienfinale der deutschen Fernsehgeschichte. Was aber auch daran liegt, dass diese ganze Serie voller Gefühle, voller Emotionen war.

Der Club der roten Bänder ist eine Gruppe Jugendlicher, die sich im Krankenhaus kennenlernen. Die sind krebskrank, Komapatienten, einer ist herzkrank, die andere leidet an Bulimie, einer hat sich beide Beine gebrochen. Sie finden sich, sie leiden, sie lieben, sie sind füreinander da. Eine Serie, um die Freundschaft, um Krankheiten, um die Stärke der Menschen, um die Schwäche und auch um den Tod.

Sicherlich ist oft dick aufgetragen worden, aber die Geschichte driftete nie ins Kitschige ab. Im Gegenteil: Knallhart wurde gezeigt, welche Realitäten es in Kliniken geben kann. Wie hart es ist, zu leiden. Wie hart der Kampf um das Leben ist. Und wie schnell es gehen kann, diesen Kampf eventuell zu verlieren.

Man kann VOX und das Team nur dazu beglückwünschen, dass sie entschieden, nach der 3. Staffel Schluss zu machen. Gerne werden Serien ausgelutscht, bis sie irgendwann aus Quotengründen eingestellt werden. Nicht der Club.
Am Ende stirbt der Anführer des Clubs, und auch das wird ergreifend zelebriert, in dem er allen seinen Freunden noch ein Vermächtnis mitgibt. Ohne Tränen läuft da gar nichts. Dass der Krebs zum Finale doch noch gewinnt – das ist konsequent und passt zu dieser Serie. Dass Krebspatient Leo bis zum Schluss gar nicht so krank aussieht, wie er eigentlich ist, das sei den Machern verziehen.
Am Ende bleibt, dass eine großartige Serie zu Ende gegangen ist – und dass man an sie noch lange gern zurückdenken wird.

RTZapper

Sing meinen Song – Das Tauschkonzert: Staffel 4

Mittwoch, den 24. Mai 2017
Tags: ,

DI 23.05.2017 | 20.15 Uhr | VOX

Xavier Naidoo. Wer war das noch gleich…? War das nicht der Typ, der drei Staffeln lang die VOX-Musikreihe “Sing meinen Song” moderiert hat? Und wo manche Leute traurig waren, weil er die Moderation abgab? Und wo es zuweilen hieß, dass das ohne ihn gar nicht funktioniere?
Tja. Wer also war noch mal dieser Xavier Dings?

Am Dienstagabend hat man ihn jedenfalls ganz und gar nicht vermisst. Zum Start von Staffel 4 übernahmen die Jungs von The BossHoss das Ruder – und machten das gut. Locker führten sie die Musikgruppe durch den Abend.
In Folge 1 sangen die Promis Hits von Mark Forster – und BossHoss gewannen gleich mal mit ihrer “Flash mich”-Version. Enttäuschend war in der Runde nur Lena Meyer-Landrut, die seltsamerweise kaum Stimme hatte, ziemlich dünn klang ihre Version von “Natalie”, die dazu noch recht unpassend wirkte, da Forster mit dem Lied eigentlich seine Schwester besingt.

Dass andere Musiker die Hits eines Künstlers performen, ist eine spannende Sache. Im Fall von Mark Forster zeigte sich aber auch, wie toll die Originale sind, denn nur selten können die Neuversionen wirklich überzeugen, wenn aus einem ruhigen Song plötzlich was Countryhaftes wird, oder Melodien verändert werden.

Nächste Woche geht es um Stefanie Kloß und die Silbermond-Hits. Das könnte auch noch mal interessant werden.