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Das Wunschmenü der Stars – Alle unter einem Dach

Freitag, den 11. Juni 2021
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SO 06.06.2021 | 20.15 Uhr | VOX

Es war einst eines der beliebtesten Formate bei VOX: “Das perfekte Promi-Dinner”. Vier Prominente bekochten sich gegenseitig, jeder war mal einen Tag dran.
Irgendwann war aber die Luft raus, spätestens als Promis zusammenkamen, die sich eigentlich nichts zu sagen hatten was man auch merkte. Inzwischen ist das Format eingestellt, bis auf die jährlichen Dschungel-Specials, die aber mangels Dschungelcamp 2021 auch ausgefallen sind.

Um so merkwürdiger erscheint es auf den ersten Blick, dass es nun bei VOX auf demselben Sendeplatz am Sonntagabend “Das Wunschmenü der Stars” gibt. Da bekochen sich Promis. Eine neue Verpackung für dasselbe Konzept?
Nicht ganz.
Denn die neue Sendung funktioniert etwas anders. Jeden Tag darf ein Promi ein Wunschmenü zusammenstellen. Er oder sie hat an diesem Tag frei und darf etwas unternehmen. Die anderen drei müssen kochen, und sie müssen sich auch die Rezepte zusammensuchen.
Das ist sehr unterhaltsam, weil die drei übrigen Promis zusammenarbeiten müssen – mehr oder weniger. Ein Promi macht die Vorspeise, einer die Hauptsache, der dritte den Nachtisch. Rausschleichen kann sich keiner, schummeln geht auch nicht – es muss direkt zubereitet werden.
Und das vier Tage lang, jeder kommt mal mit dem Wunschmenü dran.
Zumal am Sonntag Bastian Bielendörfer, Frank Buschmann, Janine Kunze und Ekaterina Leonova gut harmonisierten – es herrschte viel Spaß.

Einziger Minuspunkt: Die Sendung geht inklusive Werbung fast dreieinhalb Stunden, bis 23.40 Uhr lief das ganze am Sonntag, selbst ohne Werbung dauert sie fast drei Stunden. Das ist einfach zu viel des Guten.

-> Die Sendung bei TV Now

Hits: 145

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Tonis Welt

Donnerstag, den 15. April 2021
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MI 14.04.2021 | 20.15 Uhr | VOX

Die traurigste Nachricht erzählt Toni ganz nebenbei gleich zu Beginn: Den “Club der roten Bänder” gibt es nicht mehr. Der Anführer und der Schöne leben nicht mehr, die anderen leben wieder ihr Leben.
Toni war der Schlaue, und nun hat er im Leben sehr viel Neues vor.
Er gibt seinen Job im Krankenhaus auf, um mit seiner Freundin Valerie in ein Haus zu ziehen.
Die beiden sind kein alltägliches Paar. Toni ist Asperger-Autist, Valerie lebt mit dem Tourette-Syndrom. Sie beide ist klar: Es ist Liebe, und die beiden sind nun lange genug zusammen, um zusammenzuziehen. Für Toni eine große Sache, denn für ihn sind genau geplante Abläufe sehr wichtig. Nun ist nichts mehr geplant, nun ist alles neu.
Toni will sich auf dem Dorf, wo nun beide leben, einen neuen Job suchen. Doch der Arzt braucht niemanden, denkt er zumindest. Aber Toni beschließt, ihm auf die Ketten zu gehen und ihm zu beweisen, dass er eben doch jemanden in seiner Praxis braucht.

Am Mittwochabend zeigte VOX die ersten beiden Folgen von “Tonis Welt”. Mit Humor aber vor allem mit viel Warmherzigkeit wird erzählt, wie Toni und Valerie – die auch schon in Staffel 3 vom “Club der roten Bänder” dabei war – durchs Leben kommen. Die Handschrift der Erfolgsserie ist erkennbar, aber es gibt auch Unterschiede. Der “Club” war immer lebensbejahend und positiv, aber gleichzeitig auch extrem traurig, weil der Tod eben doch stärker war. “Tonis Welt” ist meist sehr positiv, sehe liebenswert.
Die beiden Hauptdarsteller machen ihre Sache sehr gut. Ivo Kortlang spielt seine bekannte Rolle, Amber Bongard als Valerie ist eine Wucht.

-> Die Sendung bei TV Now

Hits: 148

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Die Rote Kugel

Samstag, den 20. Februar 2021
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MI 17.02.2021 | 20.15 Uhr | VOX

Die rote Kugel von VOX hat nun eine eigene Spielshow bekommen – zwei Stunden zur Primetime. Denn bei VOX hat man mal wieder das Quiz revolutioniert. Das ist so aufregend, dass man die nächste Werbepause herbeisehnt.

“Die Rote Kugel” lief am Mittwochabend zum ersten Mal, und es werden Quiz und Kegeln und Golf miteinander verbunden. Denn wer in dieser von Hundeprofi Martin Rütter moderierten Show – es kommt kein Hund darin vor – muss er Zweierteam Bilderrätsel lösen. Eigentlich sind es normale Quizfragen, weil das aber zu schwer ist, untermauert man die Fragen mit Bildchen. Dann kann darüber eine ewige gute Minute darüber gerätselt werden, was allein schon sehr ermüdend ist. Es wird geredet und geredet und geredet, und als Zuschauer denkt man: Mach hinne!
Ist die Frage richtig beantwortet worden, dann gibt es eine Rote Kugel. Wird sie falsch beantworten, muss die Rote Kugel gestoßen werden – und im Idealfall fällt sie in ein Loch. Dann fliegen die Kandidaten nicht aus dem Rennen.

Joa, kann man mal machen. Aber nachdem die ersten beiden Kandidatinnen ihr Spiel beendet haben, war eigentlich die Luft raus. Aber dann ging es schon weiter, und die nicht wirklich aufregende Raterei ging weiter.
Für eine Primetimeshow ist das zu wenig. “Die Rote Kugel” ist was zum Runterkommen – allerdings geht es weiter runter als gedacht. Im Laufe der Zeit verliert man die Lust, andererseits ist das eine gute Gelegenheit für ein kleines Nickerchen, bis man von der lauten Reklame geweckt wird.

“Die Rote Kugel” ist nicht nur kein Format für die Primetime, eher für den Vorabend oder den Vormittag – sondern mit zwei Stunden viel, viel, viel zu lang. Die Kugel rollt ohne mich weiter.

-> Die Show bei TV Now

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Showtime of my Life – Stars gegen Krebs

Donnerstag, den 4. Februar 2021
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DI 02.02.2021 | 20.15 Uhr | VOX

Stars machen sich nackig. Ein bisschen sensationsheischend ist es ja schon, damit zu werben, dass sich prominente Damen und Herren freimachen. Natürlich für einen guten Zweck.
Dieser Zweck ist in der Tat gut, richtig und wichtig: VOX widmete sich zwei Abende lang der Krebsvorsorge. In der 2-teiligen Doku “Showtime of my Life – Stars gegen Krebs” hatten die Promis einen sehr speziellen Auftritt zu absolvieren – nämlich eine Stripshow.

Am Montagabend waren die Frauen dran. Ulla Kock am Brink und weitere Promis sollten am Ende auf der Bühne tanzen und als Höhepunkt ihre Brüste zeigen.
Sensation! So macht man natürlich auf so eine Sendung aufmerksam.
Am Dienstagabend waren die Männer dran. Jochen Schropp, Bastian Bielendorfer und viele weitere Promis sollten am Ende ihrer Show ganz nackt auf der Bühne stehen.
Natürlich auch eine Sensation.

Das Thema war aber in der Tat ernst. Bei den Frauen ging es um die Brustkrebsvorsorge und darum, keine Scheu zu haben, sich nackt zu zeigen, um sich untersuchen zu lassen. Der Gedanke: Zeigen sich die Promifrauen nackt, dann sollte das ja beim Arzt kein Problem sein.
Bei den Männern ging es um Hodenkrebs und um die Prostata.
Aber letztlich ging es um noch mehr, und da war ein wenig ein Nebeneffekt der beiden Sendungen. Nämlich um Selbstliebe. Wenn der Comedian Bastian Bielendorfer große Probleme hat, seinen Körper zu zeigen, obwohl seine Figur nun wirklich noch ganz passabel ist, dann sind das durchaus rührende Momente – vor allem wenn ihm der stämmige Faisal Kawusi klar macht, dass sich Bielendorfer nicht verstecken müsse.

Vor allem aber berichteten alle diese Promis von ihren Erfahrungen mit dem Krebs – die haben sie nämlich fast alle. Jochen Schropp hat seinen Opa und seinen Vater an den Krebs verloren. Bastian Bielendorfer seine Mutter. So haben sie fast alle traurige Geschichten zu erzählen.
Die schöne Mischung aus Ernsthaftigkeit und Witz, aus Schamüberwindung und Mut, die hat am Dienstag besonders bei den Männer funktioniert.
Diese beiden Sendungen waren eine sehr gute Werbung für die Krebsvorsorge.

Nicht ganz so kleines Aber: Am Ende der Sendung am Montag war die große Überraschung, dass die Frauen ihre Brüste nur im Saal zeigen, die Kamera blieb hinter ihnen. Voyeure mögen da enttäuscht gewesen sein – allerdings ist das angesichts der Botschaft, dass es ja nicht schlimm sei, sich nackt zu zeigen, aber auch ein etwas merkwürdiges Signal, wenn man dann sieht: Doch, scheint ja ein Problem zu sein. Es ist einerseits absolut okay, dass man am Ende nicht alles gesehen hat – die Werbung besagte jedoch was ganz anderes.

-> Die Sendung bei TV Now

Hits: 196

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Das war 2020!

Donnerstag, den 31. Dezember 2020
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Weißt du noch, damals? Als Shows in großen Hallen mit tausenden Menschen aufgezeichnet worden sind? Als in der “heute show” noch Menschen im Studio saßen und gelacht und geklatscht haben? Das war alles davor. Vor Corona.
Kein anderes Thema hat die Menschheit und somit auch das Mediengeschehen 2020 so beeinflusst wie das Coronavirus.

Okay, davor gab es noch die Umweltsau. Corona war noch weit weg. 2020 begann mit einem Skandal, der noch von 2019 ins neue Jahr rüberschwappte. Der WDR-Kinderchor und die Oma, die alte Umweltsau. Satire und so. Die führte jedoch zu einem heftigen Streit. Einerseits der Shitstorm, angeführt von rechten Kreisen. Andererseits beim WDR selbst. Dass sich Intendant Tom Buhrow für eine Satire entschuldigte, anstatt sich näher damit zu befassen oder sich vor seine Leute zu stellen, kam nicht gut an.
Apropos Shitstorm: Der rollt auch 2020 wieder zigfach durchs Land. Weil das RTL-Dschungelcamp in Australien live auf Sendung ging, obwohl es im Land riesige Waldbrände gab, sorgte bei denen, die sich schnell empören, für Empörung. Dass die Brände so weit weg waren, dass es für die Show nicht relevant war – egal. RTL rief stattdessen in den Sendungen zu Spenden auf. Ach, und wer hat eigentlich gewonnen? Kann das mal jemand googlen?
Empörung herrschte auch über den vom mdr übertragenen Semperopernball. Zuvor vergaben die Ausrichter des Balls den St.-Georg-Orden an Abd el Fatah al-Sisi, dem Präsidenten von Ägypten. Menschenrechtsverletzungen stehen bei ihm auf der Tagesordnung, und wie es zur Preisvergabe kam, ist unklar. Es heißt, man wollte einen Ball-Ableger in Ägypten etablieren. Die Wellen schlugen hoch, als Moderatorin Judith Rakers beschloss, die Moderation abzugeben. Mareile Höppner wollte einspringen, wurde aber vom Shitstorm weggefegt – am Ende moderierte Roland Kaiser allein, nicht ohne heftige Kritik zu üben.

Corona trat spätestens am 28. Januar in das Leben der Deutschen. Der erste Fall im Land. In einem “Tagesthemen extra” auf Youtube ist diese Meldung verbreitet worden. Und dann ging alles ganz schnell.
Die Fallzahlen stiegen, Mitte März gab es Einschränkungen und schließlich den ersten Lockdown. Fernsehshows mussten auf Publikum verzichten. Weil Kinos und Theater schließen mussten, zeigte der rbb diverse Aufführungen wie “Carmen”. Musiker gaben Online-Konzerte, viele Theater zeigten Stücke oder Ausschnitte davon live bei Facebook oder Youtube. Die Fußball-Bundesliga pausierte zwei Monate lang, stattdessen liefen am Sonnabend alte Länderspiele. Der Charité-Virologe Christian Drosten stieg zum Star auf, NDR Info bat ihn regelmäßig zum Coronavirus-Update, und Hunderttausende lauschten den Ausführungen. Mangels bewegter Bilder zeigte tagesschau24 den Podcast mit einem Standbild. Die Tagesschau selbst hatte plötzlich jeden Tag fast 20 Millionen Zuschauer. Alle wollten wissen, was los ist in diesem Land. Angela Merkel spricht zu den Deutschen: “Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.” Die Ansprache sehen auf verschiedenen Sendern gut 25 Millionen Menschen.

Medien im Ausnahmezustand. Und Fernsehsender, die plötzlich spontan umplanen müssen oder in Windeseile neue Formate schaffen. Bei RTL gehen Pocher, Jauch und Gottschalk zur Primetime live per Schaltkonferenz mit der “Quarantäne-WG” auf Sendung. Leider irgendwie ohne Konzept, und nach drei Sendungen ist Schluss. Auf Sat.1 bekommt Luke Mockridge eine einstündige Show, bei VOX sendet Mark Forster aus seinem Studio und holt sich übers Netz Gäste zu sich. Matze Knop witzelt jeden Tag bei Sky Sport News. Alles sehr kurzlebig. Nur Sebastian Puffpaff ist mit seiner täglichen Coronasendung bei 3sat langlebig. Es gibt Comedy-Konferenzen mit langweiligen oder gelangweilten Komikern, die zu Hause in die Kamera starren. “NDR Talk Show” und Co. wandeln sich ebenfalls zu Konferenzschaltungen – und alle zeigen, wie mies das Internet in Deutschland ist.
Kreativ wird Sido. Er meldet sich freitags zwölf Stunden lang live aus einem Berliner Loft – “Zuhause mit Sido” läuft elfmal auf Youtube. Später meldet er sich mit Knossi und weiteren Freunden live auf Twitch aus dem mehrtägigen Angelcamp. Jan Böhmermann und Olli Schulz senden mit ihrem Spotify-Podcast “Fest & flauschig” im Frühjahr fünfmal pro Woche und sorgen für Zerstreuung im Homeoffice. Klaas Heufer-Umlauf sorgt in “Late Night Berlin” für rührende Augenblicke, als er Supermarkt-Angestellten was Gutes tut und im Innenhof eines Altersheims ein Konzert veranstaltet.
Unterdessen gibt es in den Nachrichten jeden Tag die neuen Coronazahlen – und es gibt die, die alles anzweifeln. Lügenpresse. Mainstreammedien. Und andere Kampfbegriffe.
Ein Verlierer sind die Kinos. Diverse Filme verlieren ihren Leinwandauftritt – “Berlin Berlin” läuft nur auf Netflix, “Mulan” für viel Geld nur auf Disney+, auch auf Amazon Prime Video gibt es Filme zu sehen, die 2020 eigentlich hätten im Kino laufen sollen.

Und sonst? Fußball-EM: ausgefallen. Olympia? Ausgefallen. Viele, viele Events sind: ausgefallen. Es ist ein tristes, trauriges, ruhiges Jahr. Als die Bundesliga wieder läuft, ist es immer noch ruhig – in die Stadien darf weiter kein Publikum. Geisterspiele werden zur Normalität.
Auch der Eurovision Song Contest in Rotterdam: ausgefallen. Aus Versicherungsgründen konnte es offenbar auch keinen Ersatz geben. Stattdessen machte jedes Land einirgendein eigenes Finale. Unser deutscher Teilnehmer Ben Dolic – im deutschen Finale in der Hamburger Elbphilharmonie im Ersten war zu erahnen: Wir wären nicht weit gekommen. Bitte nicht wiederwählen.
Der Junior Eurovision Song Contest 2020 in Warschau: zum Glück nicht ausgefallen. Und erstmals nahm Deutschland teil und wurde: Letzter. Glück auf!

Am besten haben es im ersten Lockdown wohl die Bewohner des “Big Brother”-Hauses auf Sat.1 gehabt. Im Februar ziehen sie ein. Als sie später erfahren, was draußen los ist, ist das eine Live-Sondersendung. Experten erklären den Bewohnern, die Pandemie, die draußen herrscht. Die Show geht es – im Gegensatz zu Kanada, wo “Big Brother” abgebrochen werden muss. Am Ende gewinnt übrigens… kann das bitte auch mal jemand googeln? War übrigens ein Flop – leider. Das Publikum will mehr Zoff, mehr Trash – da war “Big Brother” fast erfreulich normal.

Trash, Zoff – da ragen zwei Formate 2020 heraus. In “Promis unter Palmen” auf Sat.1 und im “Sommerhaus der Stars” bei RTL kommt es zu heftigsten Mobbing-Attacken, die beim Zuschauen weh tun und wütend machen – aber eben auch für Quoten sorgen. Der Streamingdienst TV Now und RTL fluten das Land mit Promi-Trash-Formaten – sinnlos, die hier alle aufzuzählen, so schnell, wie sie vergessen werden. In “Kampf der Realitystars” auf RTL zwei regt sich Jürgen Milski über ein Spiel auf, das unter seinem Niveau sei. Lustig. Vor ein paar Jahren hat er bei 9Live noch ganz niveauvoll Zuschauer verarscht. Aber echt.
Und wenn ein Trash-Format plötzlich nicht mehr so richtig trashig ist, ist’s auch falsch: “Schwiegertochter gesucht” kommt 2020 mit ziemlichen Normalos daher – und schon weht auch deshalb wieder ein Shitstörmchen.

Pech hat RTL auch mit “Deutschland sucht den Superstar”. Wobei: Was heißt Pech? RTL rannte mit offenen Augen ins PR-Desaster. Jurymitglied Xavier Naidoo macht mit Corona-Leugner-Videos und wirren Aussagen von sich Reden. Vor den Live-Shows im Frühjahr wird er gefeuert. Dieter Bohlen macht sich lächerlich, weil er stundenlang rumeiert, anstatt um zu erklären, was Sache ist. Für Naidoo kommt Florian Silbereisen in die Jury, und am Ende gewinnt der Schlager: Ramon Roselly kann sich in der Schlagerbranche schnell etablieren. Im Herbst kommt Michael Wendler ins Spiel. Als Jurymitglied soll er für Quote sorgen, aber auch er gleitet in die irre Welt der sogenannten Querdenker ab. Die Medien seien gelenkt, sagt er, auch RTL – und weiteren Stuss. RTL reagiert. Wendler ist raus. Blöd nur: Die Castings sind im Kasten. Im Januar 2021 ist Wendlerzeit bei RTL – bis zum Recall.
Aber warum eigentlich der Wendler? Es war nämlich auch das Jahr von Oliver Pocher. Auch er hatte Corona, und zu Hause begann er, Instagram und Co. zu durchforsten, um den dortigen Irrsinn freizulegen. Seine Videos finden riesigen Anklang, und dabei stößt er auch auf Wendler-Aktionen. Das schaukelt sich hoch bis zu einer gemeinsamen Battle-Show bei RTL. Wendler bekommt Dokusoaps und weitere Angebote. Bis zum Aus.
Und Pocher ist bei RTL omnipräsent. Moderationen, Auftritte und eine eigene Late Night mit Ehefrau Amira.

Wer immer noch fehlt in der Medienlandschaft: Stefan Raab. Vor fünf Jahren stand er das letzte Mal vor der Kamera. Jetzt produziert er nur noch Shows, sitzt in der Regie und frisst Chips. So wird das dem Zuschauer vor jeder seiner Sendungen mitgeteilt, als ob es ein Qualitätsmerkmal sei, dass Raab irgendwie anwesend ist. Doch es herrscht Götterdämmerung. Sein “Free European Song Contest” ist nett, wirkt aber altbacken, wie seine Shows vor zehn Jahren. “Fame Maker”, wo man die Sänger nicht hören kann, ist eine nette Idee, trägt aber nicht ewig. Und die Möchtegern-Late-Night “Täglich frisch geröstet” bei TV Now ist wohl die Enttäuschung des Jahres: nicht täglich, nicht frisch, nicht geröstet, eigentlich nicht mal eine Late Night.

Der Sender Tele 5 steht vor einer ungewissen Zukunft. 2020 erfolgte die Übernahme durch Discovery, die eigentlich durch Dokuformate bekannt sind. Senderchef Kai Blasberg nimmt den Hut.
2020 mussten wir aber noch weitere Abschiede nehmen. Jan Hofer verlässt nach mehr als 35 Jahren die Tagesschau. Die Moderatorin Sabine Sauer geht nach ebenso vielen Jahren in den Ruhestand, ebenso wie ZDF-Wettermann Gunther Tiersch. Hans-Ulrich Jörges verabschiedet sich vom “stern”. Mit Zee.One hat sich ein ganzer Sender verabschiedet – wobei ihn wohl kaum jemand vermissen wird. Und nach fast 35 Jahren endete die “Lindenstraße”. Mit Helga Beimers 80. Geburtstag mussten die Fans sich von der Dauerserie trennen. Das Fernsehballett wird aufgelöst. Die Formel 1 läuft letztmals bei RTL, wandert zu Sky. Eine Ära endete Ende Dezember bei radioeins: Nach 33 Jahren und 1627 Sendungen lief letztmals die Musiksendung “Roots”. Moderator Wolfgang Doebeling geht mit 70 Jahren in Rente.

Sie werden uns fehlen. Die Schauspieler Sean Connery, Michael Gwisdek, Claude Brasseur, Irm Hermann, Kirk Douglas, Renate Krößner, Otto Mellies, Burkhart Driest, Sonja Ziemann, Thilo Prückner, Michel Piccoli und Birol Ünel. Die Komiker Karl Dall, Herbert Feuerstein und Fips Asmussen. Die Comiczeichner Albert Uderzo und Uli Stein. Künstler Christo. Promifriseur Udo Walz. Die Musikschaffenden Gotthilf Fischer, Little Richard, Ennio Morricone, Werner Böhm (Gottlieb Wendehals), Kenny Rogers, Harry Jeske und Trini Lopez. Die Journalisten Gert Müller-Gerbes, Horst Schättle, Mathias Puddig, Hermann Schreiber, Ulrich Kienzle, Geri Nasarski, Sabine Zimmermann, Volker Panzer und Julitta Münch. “Bummi”-Gründerin Ursula Böhnke-Kuckhoff. Fußballer Diego Maradona. Die Politiker Norbert Blüm, Hans-Jochen Vogel, Thomas Oppermann, Wolfgang Clement, Ingrid Stahmer und Barbara Rütting. Die Unterhalter Roy Horn und Mike Shiva. Der Filmemacher Joseph Vilsmeier. Dramatiker Rolf Hochhuth. Der Autor Carlos Ruiz Zafón.

Immer noch da ist die AfD. Da wird von Ermächtigungsgesetzen gefaselt, es werden rechte Youtuber in den Reichstag eingeschleust, und die Querdenker-Bewegung findet man dort auch irgendwie sehr gut. Nicht gut findet die AfD den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Lieber setzt man auf sogenannte alternative Medien oder sorgt gleich selbst für den Content.
Dass die CDU in Sachsen-Anhalt vorsichtshalber nicht über die Erhöhung des Rundfunkbeitrages abstimmen lässt – im Fall dessen, dass die CDU selbst ablehnt, sitzt man in einem Boot mit der AfD und riskiert einen Koalitionsbruch -, und so die geplante Erhöhung vorerst kippt, gefällt der AfD.
Immerhin gibt es bei ARD und ZDF nicht Sendungen bei wie BILD, wo die Moderatoren aus Sponsoringgründen Milchflaschen ins Bild halten und schütteln müssen. “Reif ist Live” war mehr Milchreklame als Fußball-Analyse.

Überhaupt, die BILD. Nach dem Anschlag von Hanau geht “Bild live” auf Sendung, und es werden krude Theorien on Air geschickt. Fakten prüfen? Ach was. Wozu denn?
Nach einem Familiendrama in Solingen veröffentlicht die BILD einen Chat zwischen einem Jungen, dessen Mutter und Brüder tot sind, und dessen Freund. RTL zerrt den Freund vor die Kamera. Die Sensationsgeilheit kennt keine Grenzen. Die Öffentlich-Rechtlichen machen es nicht immer besser: Nach einem Anschlag im hessischen Volkmarsen wird auch in einer hr-Sondersendung rumorakelt.

Und sonst so? Die Ärzte rocken die Tagesthemen. Joko und Klaas müssen sich für Fake-Beiträge entschuldigen – sorgen aber auch für Begeisterung, als sie ihre 15-Minuten-Live-Sendung auf ProSieben für Hinweise auf Frauenrechte und Flüchtlinge nutzen. Die CSU kann ihren Parteitag nur virtuell abhalten. Mal was anderes live auf phoenix: Angelika Niebler hat echt wenige Bücher in ihrem Regal – hätte man sonst gar nicht erfahren. Rezo hat mal wieder zerstört: diesmal die Presse, vor allem die Lügen der Klatschpresse. Der rbb kuschelte im Sommerinterview mit dem Neonazi Andreas Kalbitz (Ex-AfD) an einem lauschigen See. Blöd: Die Recherchen aus dem eigenen Haus haben die Redaktion irgendwie nicht erreicht. Und dann war da noch der Bachelor bei RTL, der am Ende einfach gar keiner Frau eine Rose schenkte. Single zu sein ist doch auch was Schönes.

2021. Bleiben Sie gesund. Werden Sie gesund. Alles wird gut. Hoffentlich.

Hits: 513

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Prince Charming – Das große Wiedersehen

Freitag, den 25. Dezember 2020
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MO 21.12.2020 | 23.40 Uhr | VOX

Tja, das war dann wohl nichts. Zwar hat sich Prince Charming II am Ende seinen Prinzen ausgesucht, aber ein Paar sind sie nicht geworden.
Am Montagabend ging bei VOX die zweite Staffel von “Prince Charming” zu Ende, und leider hatte sie lange nicht den Glanz von Staffel 1 – verwunderlicherweise.

Nach der 1. Staffel 2019 gab es für die Kuppelshow mehrere Preise, darunter den renommierten Adolf-Grimme-Preis. Weil es nicht nur um Liebe und Sex ging. Sondern auch um Toleranz, um die Akzeptanz verschiedener Lebensweisen, eben um das Leben in seinen verschiedenen Ausprägungen.
In Staffel 2 war davon erstaunlich wenig übrig geblieben – und das lag offenbar nicht an den Kandidaten. Prince Alex und die 20 anderen Männer blieben meist sehr oberflächlich. Es schien, als ob nur gestritten wurde und dass es immer nur um Sex ging. Tiefschürfende Gespräche gab es – so erzählte es auch Kandidat Adrian in KeineWochenShow -, aber man wollte sie scheinbar in diesem Jahr nicht auf dem Bildschirm haben.
Obwohl es eine Folge mehr gab als 2019, schien viel mehr nur an der Oberfläche gekratzt worden zu sein.

Selbst in der Finalfolge am Montag war Finalist Vincent nur der Typ mit der Ukulele und Lauritz der Fetischmann. Am Ende entschied sich Alex für Lauritz, aber das Ganze hielt nicht mal bis zum zweiten privaten Treffen, wie dann beim “Großen Wiedersehen” gesagt worden ist.
Anders als in Staffel 1, Nicolas und Lars wurden ein Paar – zumindest ein Jahr lang waren sie das dann auch gewesen.

Es wird eine 3. Staffel geben. Ob sie nur noch bei TV Now laufen wird – dort war sie wohl wieder ein Erfolg – und nicht im Free-TV bei VOX – wo sie kein Erfolg war -, ist noch offen. Die Macher müssen sich allerdings überlegen, wohin sie mit “Prince Charming” wollen: Soll die Show Sex-Trash werden oder soll sie menschlicher sein, ein wenig tiefschürfender? Hoffentlich gibt es da eine Besinnung.

-> Die Sendung bei TV Now

Hits: 178

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Die Hitwisser

Freitag, den 4. Dezember 2020
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DI 01.12.2020 | 20.15 Uhr | VOX

Ein Wettkampf rund um die musikalische Ehre. Ein Abend rund um das Wissen über die Musik. So ein bisschen kulturelle Bildung kann schließlich nicht schaden.
Am Dienstagabend lief bei VOX erstmals (und wohl vorerst einmalig) “Die Hitwisser”. Vier prominente Rateteams bekamen 25 Fragen rund um das Thema Musik gestellt, sie konnten ein bisschen rätseln, ein bisschen witzeln, sie konnten sich ärgern oder freuen – je nachdem.

Mal abgesehen davon, dass auch diese Sendung fast dreieinhalb Stunden dauern musste – also erneut einen kompletten Fernsehabend -, war noch etwas bemerkenswert: Diese Sendung muss extrem billig gewesen sein. Es gab kein Studio, die vier Rateteams spielten getrennt voneinander, haben sich nie gesehen. Ohne Studio wird auch kein Moderator gebraucht. Der Aufwand hielt sich also in Grenzen.
“Die Hitwisser” waren somit ein sehr preiswerter Abendfüller.

-> Die Sendung bei TV Now

Hits: 176