RT im Kino

Nymph()maniac – Teil 2

Montag, den 14. April 2014
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(1) -> 11.3.2014

Weiter geht’s. Joe (Charlotte Gainsbourg) erzählt Seligman (Stellan Skarsgård) immer noch ihre Geschichte. Über ihre Sexualität, über ihr zügelloses Leben als Nymphomanin.
Wie sie Mann und Kind verloren hat, weil sie lieber zu einem Typen gegangen ist, der auf SM-Spiele steht. Warum plötzlich in ihrem Hotelzimmer zwei notgeile schwarzhäutige Männer (”Neger”) stehen. Und warum sie am Ende gar nichts mehr gefühlt hat.

Die Ausgangslage ist bekannt, nur wenige Wochen nach Teil 1 von “Nymph()maniac” folgt nun Teil 2. Wer den Anfang nicht kennt, wird sich Teil 2 vermutlich sowieso nicht ansehen. Vermutlich hat Lars von Trier deshalb auch auf jegliche Rückblende oder Zusammenfassung verzichtet. Teil 2 beginnt ganz schlicht dort, wo Teil 1 aufhörte.
Wieder hängt man als Zuschauer an den Lippen der beiden und verfolgt fasziniert, irritiert und manchmal auch leicht angewidert Joes Geschichte.
Anders ist, dass sich diesmal die Handlung ein wenig hinzieht, gerade zum Ende hin hätte der Film etwas Dampf machen können. Ansonsten ist das Spiel der Darsteller erneut hervorragend, die filmische Umsetzung eher schlicht, aber wirkungsvoll.
Und das Ende – ja, darüber kann man sehr unterschiedlicher Meinung sein…

Nymph()maniac – Teil 2
D / Frankreich / GB / Belgien / Dänemark 2013, Regie: Lars von Trier
Concorde, 124 Minuten, ab 16
7/10

RTZapper

heute nacht: Das Swingerschiff vom Bodensee

Mittwoch, den 26. März 2014
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DI 25.03.2014 | 0.00 Uhr (Mi.) | ZDF

In Friedrichshafen am Bodensee spielt sich etwas Skandalöses ab. Ein städtischer Ausflugsdampfer wird einmal im Jahr als Swingerschiff MISSBRAUCHT. DAS IST SO EMPÖREND, DA KANN MAN NUR NOCH IN GROSSBUCHSTABEN SCHREIBEN!!
Das Motorschiff “Schwaben” (auusgerechnet die gemütlichen Schwaben!!!) wird für eine ganz spezielle Bodenseefahrt gechartert. Ein Swingerclub ist dann auf dem Wasser unterwegs.

Und das geht ja mal gar nicht. Einen Abend ist das Schiff die Bumshölle, am andern Tag fahren damit Omma und Oppa mit Hut und Sonnenbrille.
Nicht auszuhalten!!
Das finden wohl auch viele Leute in Friedrichshafen, weshalb Medien aus ganz Deutschland inzwischen darüber berichten, auch das ZDF in “heute nacht” am späten Dienstagabend.

Reporter zeigten älteren Ehepaare die schlüpfrigen Swingerfotos. Ein Mann war ganz entsetzt. Er könne sich nicht vorstellen mit einem Schiff zu fahren, auf dem gestern noch gebumst worden sei.
Das ist bedauerlich. Aber vielleicht sind die Zeiten ja schon lange vorbei, wo er auch dieser Mann noch bumsend aktiv war und danach tatsächlich das Haus verlassen hat, wo er dann auch noch mit anderen Menschen zu tun hatte. Wenn die gewusst hätten, dass er die Nacht bumsend verbracht hätte – alle hätten sich ANGEEKELT abgewendet.
Eine örtliche CDU-Frau sieht ihren schönen Bodensee BESCHMUTZT – und das, obwohl doch schon so viel Sex im Fernsehen läuft.

Was für eine blöde Doppelmoral. Die Swinger dürfen jedenfalls nur noch einmal dieses Schiff mieten (wenn überhaupt) und als Bumskutter missbrauchen. Danach hat die prüde Volksseele ihre Ruhe. Gott sei Dank.

RT im Kino

Nymph()maniac – Teil 1

Dienstag, den 11. März 2014
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Sex! Echter Sex! Huijuijuijui!!
Auf der Berlinale sorgte das zwar nicht wirklich für Aufruhr, aber immerhin doch für Aufmerksamkeit. In Lars von Triers Film wird gevögelt, dass die Schwarte kracht. So richtig. Und man sieht auch alles, heißt es immer.
Ganz ohne Double – dafür aber mit Penis- oder anderen Prothesen. Also doch nicht so richtig echt.
Aber egal: “Nymph()maniac” völlig unabhängig davon ein großartiger Film!

Alles beginnt in einer einsamen Straße. Es schneit. Sie liegt da wie tot. Als Seligman (Stellan Skarsgård) näher an die junge Frau herantritt, die da auf der Straße liegt, sieht er: Sie atmet noch.
Joe (Charlotte Roche Gainsbourg) will nicht, dass Seligman die Polizei holt. Sie sei selbst Schuld an ihrem Zustand, sagt sie.
Bei Seligman zu hause kann sie sich erholen, und sie erzählt ihre Geschichte.
Von ihrer Sexualität. Von ihrem zügellosen Leben. Vom wilden Sex mit fremden Männern. Und von einer Suche nach… Tja. Wonach? Liebe vielleicht?

Man hängt quasi an den Lippen der beiden. Wenn Joe und Seligman sich ganz ruhig über das Leben und die Liebe unterhalten, dann ist das sehr spannend. Seligman erzählt vom Angeln, und das Angeln ist gewissermaßen ein Gleichnis zum Sex. Auch joe fuhr ihre Angel raus, wenn sie Sex suchte.
Joe erzählt, Seligman deutet und erzählt von sich. Es liegt die ganze Zeit eine große Spannung in der Luft, eine sehr dichte Atmosphäre, die Lars von Trier da geschaffen hat.
Die vielen Sexszenen – längst nicht alle sind so explizit, wie es immer hieß – sind selten erotisch, oft es ist nur dreckiger Sex, manchmal irgendwie rührend oder gar lustig.
Charlotte Gainsbourg spielt die erzählende Joe, aber die Hauptrolle spielt eigentlich Stacey Martin, die junge Joe, der Männerfang.
Einen grandiosen Auftritt hat Uma Thurman, die in Joes Küche die Sexbeziehung zwischen ihrem Mann und Joe bloßstellt – vor den Augen ihrer Kinder. Bedrückend, kaum fassbar – ein großer Augenblick.
Shia LaBeouf spielt den zunächst verprellten Liebhaber, Christian Slater (ohne Sexszene) auf sehr zu Herzen gehende Weise Joes Vater.
Teil 1 endet mitten in der Handlung – ganz ohne Vorwarnung. Weiter geht’s im April.

Nymph()maniac – Teil 1
D / Frankreich / GB / Belgien / Dänemark 2013, Regie: Lars von Trier
Concorde, 117 Minuten, ab 16
9/10

RTZapper

Werbung: Treffpunkt 18

Mittwoch, den 5. März 2014
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SO 02.03.2014 | 2.11 Uhr (Mo.) | ProSieben

Die Blonde im Bett ist noch ganz berauscht. Es muss eine heiße Nacht gewesen sein mit dem dunklen, kurzhaarigen Stecher. Aber nun muss er los. Die Shorts liegen vor dem Bett.
Dann fix rüber in die Nachbarwohnung. Da liegt vor dem Bett der Dunkelhaarigen, die vermutlich auch nicht mehr ungefickt ist, die Jeans. T-Shirt und Jacke holt er sich dann noch von der Ische einen Stockwerk tiefer. Auch die beiden schienen Spaß gehabt zu haben. Aber jetzt ist die (zweite) Blonde ganz enttäuscht: “Musst du schon los, Mark?”, fragt sie ihren heißen Stecher. “Ich heiße Jeff”, antwortet der.

Nun ja, vielleicht hat er ja, was seine Namen angeht, bei seinen drei Dates ein bisschen durcheinander gekommen. Aber sich so durch die Nacht zu poppen, scheint offenbar erstrebenswert zu sein, denn immerhin lief der Werbespot des Datingportals “Treffpunkt 18″ in der ProSieben-Oscarnacht ein gutes halbes Dutzend mal.
Die Frage ist allerdings: An wen richtet sich der Spot? An Schlampen, die es sich mal wieder besorgen lassen wollen, ohne mitzubekommen, dass sie gerade nur Nummer zwei oder drei in dieser Nacht sind? Oder geht es um Machoärsche, um sexgeile Stecher, die es pro Nacht mehr als einmal brauchen?
Irgendwie unappetitlich ist das alles so oder so.

RTZapper

Make Love – Liebe machen kann man lernen

Montag, den 11. November 2013
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SO 10.11.2013 | 22.20 Uhr | MDR-Fernsehen

Meine Güte, was für ein Wirbel! Echter Sex beim MDR! Unglaublich! Da verfielen die Herrschaften bei der “Bild”, die ja mit Sex bekanntermaßen so gar nichts am Hut haben, kollektiv in Hysterie und empörten sich schon im Vorfeld darüber.
In Teil 1 von “Make Love” ging es dann schon mal recht schlüpfrig zu, natürlich nur im Dienste der Wissenschaft. Teil 2 am Sonntagabend hätte dann aber schon locker im KiKA laufen können.

Es ging darum, wie denn Eltern ihren Kindern den Sex erklären können. Und wie Kinder sich informieren, sich trauen, Fragen zu stellen.
Und das machten sie dann auch: Fragen stellen. Sexual- und Paartherapeutin Ann-Marlene Henning beantwortete sie. Ja, nicht jeder Penis sieht gleich aus. Nein, es ist nicht unnormal, sich selbst zu befriedigen. Ja, beim ersten Sex könnte es eventuell weh tun. Und so weiter.
Und die Eltern, die hatten auch Fragen. Und sie stellten diese Fragen. Und Frau Henning beantwortete die Fragen.

Okay, es ist nicht so, dass ich gar nichts gelernt habe in dieser ach so aufregenden MDR-Sexdoku. Aber der Wirbel darum ist nicht berechtigt.
Natürlich ist es interessant zu sehen, dass sich die Kinder in der freien Internetsexwelt immer noch die gleichen Fragen stellen wie die Kinder in den 80ern. Dass die Eltern gerade wegen der Internet-Freizügigkeit oft ratlos sind. Aber richtig viel Neues kam nicht rum. Die Erkenntnis ist nicht neu: Darüber reden ist das Wichtigste. Das war nie anders – ist zugegebenermaßen für viele Menschen allerdings auch der schwierigste Punkt.
Gut ist, dass sich das Fernsehen endlich mal wieder auf ruhige Weise und nicht boulevardesk mit dem Thema Sex und Aufklärung beschäftigt.

Leider ist die Doku jeedoch handwerklich stellenweise schlecht gemacht. Zeichnungen sind kaum zu erkennen, weil die Eltern mit zu dünnen Stiften malen. Schaubilder sind nicht entzifferbar, weil die Kamera sie von der Tafel abfilmt, sie aber nur schwach zu sehen sind. Ein bisschen mehr Mühe und Sorgfalt hätten da durchaus drin sein können.

RTelenovela

Frag Google (8): Überall nur noch Ossis, auch in Kremmen

Freitag, den 18. Oktober 2013
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-> 2.8.2013

Und wieder sind zehn neue interessante Suchanfragen zusammengekommen, mit denen Nutzer dieser Seite über Google hierher gefunden haben. Hier werden sie wieder kommentiert oder beantwortet.

1. “überall nur noch ossis”
Ja, schlimm, ne?

2. “18-jährige tochter so hot sex geil mit nach hause nehmen”
Ähm, nein, man muss nicht alles kommentieren.

3. “man spricht in kremmen”
Was? Ernsthaft? Und worüber?

4. “gibt es in binz sonntags noch irgendwo wurst und käse”
Was die Leute den Herrn Google nicht alles fragen. Aber die Frage – oder eher die Antwort – ist einfach: Ja.

5. “bester waffelbaecker ruegen”
Binz. Wo sonst?

6. “Überzeugt uns / Politiker-Check im DFF”
DFF? Das ist aber schon sehr lange her. Es sei denn, man plant bei der ARD ein neues ostdeutsches Drittes Programm mit dem Namen des DDR-Fernsehens.

7. ” register” (interne Suche)
Was die Leute nur immer mit ihrem “Register” haben? Immer wieder wird direkt auf der Seite intern nach diesem Wort gefragt. Keine Ahnung, warum.

8. “will schlafen aber körper sagt nein”
Da muss ich glatt mal drauf achten, was meiner so sagt.

9. “penisvergrosserung was Hilfe wirklich mit Abbildung”
Ich hoffe, er hat gefunden, was er suchte. Gibt’s davon vielleicht auch Videos?

10. “was bedeutet nicht reparierter schaden”
Öhm. Ich würde sagen: Ein Schade, der nicht repariert ist. Hä?

RT im Kino

Der Fremde am See

Sonntag, den 22. September 2013
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Franck (Pierre de Ladonchamps) sitzt versteckt im Busch. Er sieht es in der Dämmerung ganz genau. Ein Mann ertränkt im See einen anderen Mann. Dann geht er seelenruhig an den Strand, zieht sich an und geht weg.
Franck ist schockiert. Und fasziniert. Der Mann, der gerade einen Mord gegangen hat, ist Michel (Christophe Paou), und Franck steht auf ihn. Und tatsächlich: Spätestens zwei Tage später läuft was. Franck will mehr, aber Michel will nur Sex. Aber die Polizei ist auch schon vor Ort, die Ermittlungen laufen.

“Der Fremde am See” ist ein sehr leiser Thriller, aber die Ruhe macht ihn so stark. Regisseur und Drehbuchautor Alain Guiraudie konzentriert seinen Film auf einen einzigen Ort: Ein glasklarer See mit einem Kieselsteinstrand und einem Wäldchen dahinter. Ein Cruisinggebiet, es sind nur Männer dort. Männer, die auf den schnellen Sex und auf mehr hoffen. Eine Tatsache, mit der im Film mitunter sehr offen und explizit umgangen wird.
Franck scheint blind vor Verliebtheit zu sein, er blendet die Gewalttat völlig aus, und das droht ihm zum Verhängnis zu werden. Da völlig unklar ist, wie diese Geschichte sich entwickelt, ist sie stellenweise sehr spannend, auch wenn man sich manchmal an den Kopf fasst, weil Franck so naiv zu sein scheint. Er verliert völlig das Wesentliche aus dem Blick, er lügt den Ermittler an, nur um den Typen zu schützen, der zwar ein Monster ist, auf den er aber nun mal steht.
Der Film kommt völlig ohne Musik aus, stattdessen hört man oft die Windgeräusche der Bäume und Sträucher übermäßig laut. Nur das blöde Ende hätte nicht sein müssen.

Der Fremde am See
Frankreich 2012, Regie: Alain Guiraudie
Alamode Film, 97 Minuten, ab 16
8/10