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Das war 2020!

Donnerstag, den 31. Dezember 2020
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Weißt du noch, damals? Als Shows in großen Hallen mit tausenden Menschen aufgezeichnet worden sind? Als in der “heute show” noch Menschen im Studio saßen und gelacht und geklatscht haben? Das war alles davor. Vor Corona.
Kein anderes Thema hat die Menschheit und somit auch das Mediengeschehen 2020 so beeinflusst wie das Coronavirus.

Okay, davor gab es noch die Umweltsau. Corona war noch weit weg. 2020 begann mit einem Skandal, der noch von 2019 ins neue Jahr rüberschwappte. Der WDR-Kinderchor und die Oma, die alte Umweltsau. Satire und so. Die führte jedoch zu einem heftigen Streit. Einerseits der Shitstorm, angeführt von rechten Kreisen. Andererseits beim WDR selbst. Dass sich Intendant Tom Buhrow für eine Satire entschuldigte, anstatt sich näher damit zu befassen oder sich vor seine Leute zu stellen, kam nicht gut an.
Apropos Shitstorm: Der rollt auch 2020 wieder zigfach durchs Land. Weil das RTL-Dschungelcamp in Australien live auf Sendung ging, obwohl es im Land riesige Waldbrände gab, sorgte bei denen, die sich schnell empören, für Empörung. Dass die Brände so weit weg waren, dass es für die Show nicht relevant war – egal. RTL rief stattdessen in den Sendungen zu Spenden auf. Ach, und wer hat eigentlich gewonnen? Kann das mal jemand googlen?
Empörung herrschte auch über den vom mdr übertragenen Semperopernball. Zuvor vergaben die Ausrichter des Balls den St.-Georg-Orden an Abd el Fatah al-Sisi, dem Präsidenten von Ägypten. Menschenrechtsverletzungen stehen bei ihm auf der Tagesordnung, und wie es zur Preisvergabe kam, ist unklar. Es heißt, man wollte einen Ball-Ableger in Ägypten etablieren. Die Wellen schlugen hoch, als Moderatorin Judith Rakers beschloss, die Moderation abzugeben. Mareile Höppner wollte einspringen, wurde aber vom Shitstorm weggefegt – am Ende moderierte Roland Kaiser allein, nicht ohne heftige Kritik zu üben.

Corona trat spätestens am 28. Januar in das Leben der Deutschen. Der erste Fall im Land. In einem “Tagesthemen extra” auf Youtube ist diese Meldung verbreitet worden. Und dann ging alles ganz schnell.
Die Fallzahlen stiegen, Mitte März gab es Einschränkungen und schließlich den ersten Lockdown. Fernsehshows mussten auf Publikum verzichten. Weil Kinos und Theater schließen mussten, zeigte der rbb diverse Aufführungen wie “Carmen”. Musiker gaben Online-Konzerte, viele Theater zeigten Stücke oder Ausschnitte davon live bei Facebook oder Youtube. Die Fußball-Bundesliga pausierte zwei Monate lang, stattdessen liefen am Sonnabend alte Länderspiele. Der Charité-Virologe Christian Drosten stieg zum Star auf, NDR Info bat ihn regelmäßig zum Coronavirus-Update, und Hunderttausende lauschten den Ausführungen. Mangels bewegter Bilder zeigte tagesschau24 den Podcast mit einem Standbild. Die Tagesschau selbst hatte plötzlich jeden Tag fast 20 Millionen Zuschauer. Alle wollten wissen, was los ist in diesem Land. Angela Merkel spricht zu den Deutschen: “Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.” Die Ansprache sehen auf verschiedenen Sendern gut 25 Millionen Menschen.

Medien im Ausnahmezustand. Und Fernsehsender, die plötzlich spontan umplanen müssen oder in Windeseile neue Formate schaffen. Bei RTL gehen Pocher, Jauch und Gottschalk zur Primetime live per Schaltkonferenz mit der “Quarantäne-WG” auf Sendung. Leider irgendwie ohne Konzept, und nach drei Sendungen ist Schluss. Auf Sat.1 bekommt Luke Mockridge eine einstündige Show, bei VOX sendet Mark Forster aus seinem Studio und holt sich übers Netz Gäste zu sich. Matze Knop witzelt jeden Tag bei Sky Sport News. Alles sehr kurzlebig. Nur Sebastian Puffpaff ist mit seiner täglichen Coronasendung bei 3sat langlebig. Es gibt Comedy-Konferenzen mit langweiligen oder gelangweilten Komikern, die zu Hause in die Kamera starren. “NDR Talk Show” und Co. wandeln sich ebenfalls zu Konferenzschaltungen – und alle zeigen, wie mies das Internet in Deutschland ist.
Kreativ wird Sido. Er meldet sich freitags zwölf Stunden lang live aus einem Berliner Loft – “Zuhause mit Sido” läuft elfmal auf Youtube. Später meldet er sich mit Knossi und weiteren Freunden live auf Twitch aus dem mehrtägigen Angelcamp. Jan Böhmermann und Olli Schulz senden mit ihrem Spotify-Podcast “Fest & flauschig” im Frühjahr fünfmal pro Woche und sorgen für Zerstreuung im Homeoffice. Klaas Heufer-Umlauf sorgt in “Late Night Berlin” für rührende Augenblicke, als er Supermarkt-Angestellten was Gutes tut und im Innenhof eines Altersheims ein Konzert veranstaltet.
Unterdessen gibt es in den Nachrichten jeden Tag die neuen Coronazahlen – und es gibt die, die alles anzweifeln. Lügenpresse. Mainstreammedien. Und andere Kampfbegriffe.
Ein Verlierer sind die Kinos. Diverse Filme verlieren ihren Leinwandauftritt – “Berlin Berlin” läuft nur auf Netflix, “Mulan” für viel Geld nur auf Disney+, auch auf Amazon Prime Video gibt es Filme zu sehen, die 2020 eigentlich hätten im Kino laufen sollen.

Und sonst? Fußball-EM: ausgefallen. Olympia? Ausgefallen. Viele, viele Events sind: ausgefallen. Es ist ein tristes, trauriges, ruhiges Jahr. Als die Bundesliga wieder läuft, ist es immer noch ruhig – in die Stadien darf weiter kein Publikum. Geisterspiele werden zur Normalität.
Auch der Eurovision Song Contest in Rotterdam: ausgefallen. Aus Versicherungsgründen konnte es offenbar auch keinen Ersatz geben. Stattdessen machte jedes Land einirgendein eigenes Finale. Unser deutscher Teilnehmer Ben Dolic – im deutschen Finale in der Hamburger Elbphilharmonie im Ersten war zu erahnen: Wir wären nicht weit gekommen. Bitte nicht wiederwählen.
Der Junior Eurovision Song Contest 2020 in Warschau: zum Glück nicht ausgefallen. Und erstmals nahm Deutschland teil und wurde: Letzter. Glück auf!

Am besten haben es im ersten Lockdown wohl die Bewohner des “Big Brother”-Hauses auf Sat.1 gehabt. Im Februar ziehen sie ein. Als sie später erfahren, was draußen los ist, ist das eine Live-Sondersendung. Experten erklären den Bewohnern, die Pandemie, die draußen herrscht. Die Show geht es – im Gegensatz zu Kanada, wo “Big Brother” abgebrochen werden muss. Am Ende gewinnt übrigens… kann das bitte auch mal jemand googeln? War übrigens ein Flop – leider. Das Publikum will mehr Zoff, mehr Trash – da war “Big Brother” fast erfreulich normal.

Trash, Zoff – da ragen zwei Formate 2020 heraus. In “Promis unter Palmen” auf Sat.1 und im “Sommerhaus der Stars” bei RTL kommt es zu heftigsten Mobbing-Attacken, die beim Zuschauen weh tun und wütend machen – aber eben auch für Quoten sorgen. Der Streamingdienst TV Now und RTL fluten das Land mit Promi-Trash-Formaten – sinnlos, die hier alle aufzuzählen, so schnell, wie sie vergessen werden. In “Kampf der Realitystars” auf RTL zwei regt sich Jürgen Milski über ein Spiel auf, das unter seinem Niveau sei. Lustig. Vor ein paar Jahren hat er bei 9Live noch ganz niveauvoll Zuschauer verarscht. Aber echt.
Und wenn ein Trash-Format plötzlich nicht mehr so richtig trashig ist, ist’s auch falsch: “Schwiegertochter gesucht” kommt 2020 mit ziemlichen Normalos daher – und schon weht auch deshalb wieder ein Shitstörmchen.

Pech hat RTL auch mit “Deutschland sucht den Superstar”. Wobei: Was heißt Pech? RTL rannte mit offenen Augen ins PR-Desaster. Jurymitglied Xavier Naidoo macht mit Corona-Leugner-Videos und wirren Aussagen von sich Reden. Vor den Live-Shows im Frühjahr wird er gefeuert. Dieter Bohlen macht sich lächerlich, weil er stundenlang rumeiert, anstatt um zu erklären, was Sache ist. Für Naidoo kommt Florian Silbereisen in die Jury, und am Ende gewinnt der Schlager: Ramon Roselly kann sich in der Schlagerbranche schnell etablieren. Im Herbst kommt Michael Wendler ins Spiel. Als Jurymitglied soll er für Quote sorgen, aber auch er gleitet in die irre Welt der sogenannten Querdenker ab. Die Medien seien gelenkt, sagt er, auch RTL – und weiteren Stuss. RTL reagiert. Wendler ist raus. Blöd nur: Die Castings sind im Kasten. Im Januar 2021 ist Wendlerzeit bei RTL – bis zum Recall.
Aber warum eigentlich der Wendler? Es war nämlich auch das Jahr von Oliver Pocher. Auch er hatte Corona, und zu Hause begann er, Instagram und Co. zu durchforsten, um den dortigen Irrsinn freizulegen. Seine Videos finden riesigen Anklang, und dabei stößt er auch auf Wendler-Aktionen. Das schaukelt sich hoch bis zu einer gemeinsamen Battle-Show bei RTL. Wendler bekommt Dokusoaps und weitere Angebote. Bis zum Aus.
Und Pocher ist bei RTL omnipräsent. Moderationen, Auftritte und eine eigene Late Night mit Ehefrau Amira.

Wer immer noch fehlt in der Medienlandschaft: Stefan Raab. Vor fünf Jahren stand er das letzte Mal vor der Kamera. Jetzt produziert er nur noch Shows, sitzt in der Regie und frisst Chips. So wird das dem Zuschauer vor jeder seiner Sendungen mitgeteilt, als ob es ein Qualitätsmerkmal sei, dass Raab irgendwie anwesend ist. Doch es herrscht Götterdämmerung. Sein “Free European Song Contest” ist nett, wirkt aber altbacken, wie seine Shows vor zehn Jahren. “Fame Maker”, wo man die Sänger nicht hören kann, ist eine nette Idee, trägt aber nicht ewig. Und die Möchtegern-Late-Night “Täglich frisch geröstet” bei TV Now ist wohl die Enttäuschung des Jahres: nicht täglich, nicht frisch, nicht geröstet, eigentlich nicht mal eine Late Night.

Der Sender Tele 5 steht vor einer ungewissen Zukunft. 2020 erfolgte die Übernahme durch Discovery, die eigentlich durch Dokuformate bekannt sind. Senderchef Kai Blasberg nimmt den Hut.
2020 mussten wir aber noch weitere Abschiede nehmen. Jan Hofer verlässt nach mehr als 35 Jahren die Tagesschau. Die Moderatorin Sabine Sauer geht nach ebenso vielen Jahren in den Ruhestand, ebenso wie ZDF-Wettermann Gunther Tiersch. Hans-Ulrich Jörges verabschiedet sich vom “stern”. Mit Zee.One hat sich ein ganzer Sender verabschiedet – wobei ihn wohl kaum jemand vermissen wird. Und nach fast 35 Jahren endete die “Lindenstraße”. Mit Helga Beimers 80. Geburtstag mussten die Fans sich von der Dauerserie trennen. Das Fernsehballett wird aufgelöst. Die Formel 1 läuft letztmals bei RTL, wandert zu Sky. Eine Ära endete Ende Dezember bei radioeins: Nach 33 Jahren und 1627 Sendungen lief letztmals die Musiksendung “Roots”. Moderator Wolfgang Doebeling geht mit 70 Jahren in Rente.

Sie werden uns fehlen. Die Schauspieler Sean Connery, Michael Gwisdek, Claude Brasseur, Irm Hermann, Kirk Douglas, Renate Krößner, Otto Mellies, Burkhart Driest, Sonja Ziemann, Thilo Prückner, Michel Piccoli und Birol Ünel. Die Komiker Karl Dall, Herbert Feuerstein und Fips Asmussen. Die Comiczeichner Albert Uderzo und Uli Stein. Künstler Christo. Promifriseur Udo Walz. Die Musikschaffenden Gotthilf Fischer, Little Richard, Ennio Morricone, Werner Böhm (Gottlieb Wendehals), Kenny Rogers, Harry Jeske und Trini Lopez. Die Journalisten Gert Müller-Gerbes, Horst Schättle, Mathias Puddig, Hermann Schreiber, Ulrich Kienzle, Geri Nasarski, Sabine Zimmermann, Volker Panzer und Julitta Münch. “Bummi”-Gründerin Ursula Böhnke-Kuckhoff. Fußballer Diego Maradona. Die Politiker Norbert Blüm, Hans-Jochen Vogel, Thomas Oppermann, Wolfgang Clement, Ingrid Stahmer und Barbara Rütting. Die Unterhalter Roy Horn und Mike Shiva. Der Filmemacher Joseph Vilsmeier. Dramatiker Rolf Hochhuth. Der Autor Carlos Ruiz Zafón.

Immer noch da ist die AfD. Da wird von Ermächtigungsgesetzen gefaselt, es werden rechte Youtuber in den Reichstag eingeschleust, und die Querdenker-Bewegung findet man dort auch irgendwie sehr gut. Nicht gut findet die AfD den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Lieber setzt man auf sogenannte alternative Medien oder sorgt gleich selbst für den Content.
Dass die CDU in Sachsen-Anhalt vorsichtshalber nicht über die Erhöhung des Rundfunkbeitrages abstimmen lässt – im Fall dessen, dass die CDU selbst ablehnt, sitzt man in einem Boot mit der AfD und riskiert einen Koalitionsbruch -, und so die geplante Erhöhung vorerst kippt, gefällt der AfD.
Immerhin gibt es bei ARD und ZDF nicht Sendungen bei wie BILD, wo die Moderatoren aus Sponsoringgründen Milchflaschen ins Bild halten und schütteln müssen. “Reif ist Live” war mehr Milchreklame als Fußball-Analyse.

Überhaupt, die BILD. Nach dem Anschlag von Hanau geht “Bild live” auf Sendung, und es werden krude Theorien on Air geschickt. Fakten prüfen? Ach was. Wozu denn?
Nach einem Familiendrama in Solingen veröffentlicht die BILD einen Chat zwischen einem Jungen, dessen Mutter und Brüder tot sind, und dessen Freund. RTL zerrt den Freund vor die Kamera. Die Sensationsgeilheit kennt keine Grenzen. Die Öffentlich-Rechtlichen machen es nicht immer besser: Nach einem Anschlag im hessischen Volkmarsen wird auch in einer hr-Sondersendung rumorakelt.

Und sonst so? Die Ärzte rocken die Tagesthemen. Joko und Klaas müssen sich für Fake-Beiträge entschuldigen – sorgen aber auch für Begeisterung, als sie ihre 15-Minuten-Live-Sendung auf ProSieben für Hinweise auf Frauenrechte und Flüchtlinge nutzen. Die CSU kann ihren Parteitag nur virtuell abhalten. Mal was anderes live auf phoenix: Angelika Niebler hat echt wenige Bücher in ihrem Regal – hätte man sonst gar nicht erfahren. Rezo hat mal wieder zerstört: diesmal die Presse, vor allem die Lügen der Klatschpresse. Der rbb kuschelte im Sommerinterview mit dem Neonazi Andreas Kalbitz (Ex-AfD) an einem lauschigen See. Blöd: Die Recherchen aus dem eigenen Haus haben die Redaktion irgendwie nicht erreicht. Und dann war da noch der Bachelor bei RTL, der am Ende einfach gar keiner Frau eine Rose schenkte. Single zu sein ist doch auch was Schönes.

2021. Bleiben Sie gesund. Werden Sie gesund. Alles wird gut. Hoffentlich.

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Debatte um “Schroeder & Somuncu”-Podcast

Mittwoch, den 16. September 2020
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DI 15.09.2020 | 16.10 Uhr | radioeins

Es hat immerhin acht Tage gedauert, bis die Bombe geplatzt ist, und es ist mal wieder das passiert, was inzwischen zum guten Ton zu gehören scheint: Jemand wirft den Leuten einen Brocken hin, und die Menschen stürzen sich drauf.
Schon am Sonntag, 6. September, zelebrierten Florian Schroeder und Serdar Somuncu die 7. Ausgabe ihres gemeinsamen Podcasts – live auf Instagram. Sie sprachen weit mehr als drei Stunden über die Themen unserer Zeit.
Am Montag, 7. September, ging auf Youtube der Videomitschnitt online, ebenso der Audiomitschnitt in der ARD-Mediathek, bei Spotify und auf anderen Plattformen. Denn neu war, dass nach der Sommerpause erstmals radioeins vom rbb als Medienpartner und präsentierender Sender dabei war – auch wenn “Schroeder & Somuncu” nicht im Radio läuft, sondern nur im Netz gestreamt wird.

Am Montag, 14. September, erschien auf Twitter ein etwa zweiminütiger Ausschnitt. Er beinhaltete eine in der Tat problematische Passage. Darin schlüpft Serdar Somuncu scheinbar in eine seiner Pöbelrollen und lässt durchaus unangenehme Dinge vom Stapel. Frauenfeindlich, rassistisch, widerlich. Und Florian Schroeder beömmelt sich.
Acht Tage nach der Live-Sendung und sieben Tage nach der Veröffentlichung der Aufzeichnung sorgen diese zwei Minuten für eine Empörungswelle, für den gefühlt 2898. Shitstorm in diesem Jahr.
Dass sich in den restlichen 193 Minuten Schroeder und Somuncu auf recht spannende Weise über Rassismus, Politik und Gesellschaft. Und sie sprechen auch über die heutige Diskussionskultur, die viel zu oft darauf fußt, dass jemand ein Bröckchen hinwirft, einen kleinen Ausschnitt einer großen Sache – und die Diskussion hochkocht. Es ist, als ob die beiden hellsehen konnten.

Am Dienstagnachmittag warf sich radioeins-Programmchef Robert Skuppin in den Staub. Er entschuldigte sich, er sagte, man habe das Ding bearbeiten müssen, das habe man nicht getan. Dabei war die Sendung bearbeitet worden und durch kurze Sendungsjingles ergänzt worden. Aber sonst hat bei radioeins keiner mal reingehört?
Nun gut. 195 Minuten. Die muss man auch erst mal schaffen, und ob es wirklich nötig ist, so einen Podcast auf 195 Minuten auszuwalzen, steht auf einem anderen Blatt.
Aber dass vorübergehend sogar die komplette Sendung aus dem Netz verschwunden war, ist peinlich und der Sache überhaupt nicht dienlich. Denn es ist wichtig, sich das ganze Bild zu machen. Auf Youtube gibt es jetzt eine leicht gekürzte Version, immer noch gut 189 Minuten lang.
Skuppin sagte, man habe nicht erkennen können, dass es sich bei der Passage um eine Rolle gehandelt habe, der Gag habe nicht funktioniert. Aber sind funktionierende Gags ein Kriterium?
Einmal mehr ist das Krisenmanagement bei der ARD ziemlich haarsträubend.
Skuppin entschuldigte sich übrigens auch im Namen von Schroeder und Somuncu. Letzterer aber hatte sich für nichts zu entschuldigen, so sagte er später.

Und zu Somuncu selbst: Ich mag seine Parodien nicht. Aber das liegt ja genau daran, weil er in diesen Parodien so ein Arsch ist. In diesen Parodien soll das aber so sein. Und natürlich zweifelt man auch manchmal, wie dieses und jenes nun gemeint ist. Ob er jetzt wirklich sexistischen Scheiß von sich gegeben hat, weil er das so denkt. Serdar Somuncu bietet keine leichte Unterhaltung. Man muss sich damit auseinandersetzen, und manchmal tut es weh, manchmal werden Grenzen überschritten.
Florian Schroeder hat diese Momente übrigens als das erkannt, was sie waren. Ganz böse Satire. Er sagte am Dienstagnachmittag bei radioeins, er habe nicht über den Inhalt der Parodien gelacht, sondern über die Performance an sich. So wirkte das auch im Podcast. Dass sich Schroeder inhaltlich damit nicht wohlfühlte, darum ging es im anschließenden Gespräch, und überhaupt drehten sich fast die ganzen drei Stunden ja genau über diese Gesellschaft, die immer wütender wird, immer widerlicher, immer böser. Das kann man nicht ausklammern, wenn man über die Sendung spricht.
Florian Schroder sagte bei radioeins auch, es sei nicht möglich, vor jeder Gesprächspassage mitzuteilen, ob es sich denn gerade um Satire, eine Parodie oder sonstwas handelt. Damit hat er recht.
Vielmehr müssen sich die Leute, die solche Ausschnitte in den Ring schmeißen, fragen lassen, was sie damit bezwecken wollen. Wobei die Antwort klar ist: Sie wollen für Aufwallungen sorgen, für Empörung. Dass man da auch mal absichtlich oder vorsätzlich oder wissentlich etwas missversteht, das wird hingenommen.
Diese Diskussionskultur kann nicht gut sein.

Florian Schroeder und Serdar Somuncu sollten allerdings auch drüber nachdenken, die Medienpartnerschaft mit radioeins sein zu lassen. Sechsmal ging es davor auch ohne Ausstrahlungspartner – warum nicht in Zukunft auch? Dann muss sich kein Programmchef mehr für irgendwas entschuldigen, dann müssen nur die beiden den Shitstorm aushalten. Zumal das Vertrauensverhältnis eh gestört sein dürfte. Und drei Stunden und 15 Minuten – ein bisschen kürzer darf es schon sein.

-> Die Stellungnahmen auf radioeins.de
-> Die (gekürzte) Sendung auf Youtube

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Fußball: Bundesliga – Samstags-Konferenz

Sonntag, den 17. Mai 2020
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SA 16.05.2020 | 15.15 Uhr | Sky Sport News

Stell dir vor, Borussia Dortmund schießt in der Bundesliga ein Tor, und keiner jubelt. Und wenn du dir das nicht vorstellen kannst, dann schalte doch einfach die Bundesliga-Konferenz auf Sky ein.
Am Sonnabend rollte nach zwei Monaten wieder der Ball. Die Coronakrise hat auch den Fußball wochenlang in Deutschland ausgebremst. Dass es jetzt wieder los geht, dass die Saison nicht einfach abgebrochen wird wie in anderen Sportarten, das stößt keineswegs auf ungeteilte Gegenliebe.

Die Sicherheitsvorkehrungen sind groß. Die Stadien bleiben leer. Die Bundesliga geht nur noch mit Geisterspielen. Bis zu 300 Leute dürfen überhaupt nur rein. Die Spieler kommen alle alleine, nicht im Mannschaftsbus. Sie werden immer wieder auf das Coronavirus getestet. In den Katakomben müssen sie Abstand halten, bedauerlicherweise sogar unter der Dusche. Torjubel ist erlaubt, umarmen und abklatschen nicht.
Da zuckt man als Zuschauer schon zusammen, wenn da plötzlich Zweikämpfe auf dem Platz zu sehen sind, wenn an den Trikots gezerrt wird – Körperkontakt ist nur während des Spiels auf dem Platz erlaubt.
Logisch ist es nicht wirklich.

Weil ja die Zuschauer vor Ort nicht dabei sein dürfen, werden die Fußball-Konferenzen der ersten beiden Spieltage live im Free-TV übertragen. Sie sind auf Sky Sport News zu sehen, der Sender wird vermutlich einen Quotenrekord erleben.

Aber es blieb am Sonnabendnachmittag bei der Sky-Konferenz sehr ruhig. Keine Gesänge, kein Jubel, kein Geschrei, keine Hassgesänge. Nur das Trampeln, das Keuchen, die Rufe der Spieler, man hörte leise die kleinen Diskussionen, die Schiedsrichter-Pfiffe. Eigentlich war man sogar näher dran, selbst wenn alles ein bisschen wie Trainingsspiele wirkte. Aber daran wird man sich als Zuschauer vermutlich gewöhnen.
Wer die Bundesliga-Schlusskonferenz im ARD-Radio, zum Beispiel bei radioeins, gehört hat, wird festgestellt haben, dass die Stadion-Atmosphäre dort seltsamerweise viel weniger gefehlt hat. Ein bisschen Hintergrundrauschen war dort auch zu hören, und man hat die Reporter gut gehört.

Viel spannender ist die Frage, ob die Bundesliga bis Ende Juni wirklich reibungslos verläuft. Mit Dynamo Dresden ist bereits eine Mannschaft der 2. Liga vorübergehend in einer Coronapause. Was ist, wenn es in den Team weitere Fälle gibt und ganze Mannschaften deshalb ausfallen?

Dass die Bundesliga überhaupt weitergeht, ist umstritten. Hobbyfußballer haben schließlich auch Pause. Andererseits ist die Bundesliga auch Teil der deutschen Wirtschaft, die Spieler sind Profis, und es hängen zehntausende Arbeitsplätze dran, und überhaupt sind die 36 Vereine mehr als nur die Profis, es hängt ja viel mehr dran. Und wenn man sich darüber aufregt, dass die Wirtschaft den Bach runter geht, kann man sich eigentlich nicht darüber beschweren, dass beim Profifußball der Verfall verhindert werden soll. Das Argument, dass der Fußball sich von seinen Fans entfernt habe, weil diese Geisterspiele nicht für die Fans, sondern aus wirtschaftlichen Gründen stattfinden, kann man anbringen. Aber es ist auch ein bisschen unfair, denn kann man es diesen Vereinen verübeln, dass sie weiterleben wollen? Und dass das scheinbar nur dadurch geht, dass die Bundesliga weitergeht?

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Das war 2019!

Dienstag, den 31. Dezember 2019
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Das Medienwort des Jahres ist vermutlich 2019 ein Name: Greta. Greta Thunberg ist 16, Schwedin und die wohl bekannteste Umweltaktivistin unserer Zeit. Kommt Greta ins Spiel, dann werden alle nervös. Die Medien, weil sie mit Greta-Artikel wieder Klicks bekommen. Die Fans, weil sie Greta für alles feiern. Die Hasser, weil sie Greta für alles, nun ja, hassen.
2019 ist das Jahr – wie auch 2018 und 2017 und … – der Shitstorms, deren Wellen in immer kürzen Abständen durch das Web rollen. Immer wieder ist irgendwo die Empörung groß, weil irgendwer irgendwas gesagt hat, was irgendwer aus irgendwelchen Gründen ganz schlimm fand.

Schlimm findet die CDU im Jahr 2019 das Internet aber auch. Ein gewisser Rezo ist es, der auf Youtube vor der Europawahl von der “Zerstörung der CDU” spricht. Bis Jahresende hat das Video 16,49 Millionen Klicks, darin zählt Rezo die Versäumnisse der Politik auf, gerade in Sachen Umweltbelange. Man solle doch nicht die CDU wählen, und die SPD eigentlich auch nicht, die AfD ebenfalls nicht.
Das schlägt Wellen, nicht nur bei dem Wahlergebnis. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer spricht danach davon, dass es ja nicht sein könne, dass Youtuber auf diese Weise Wahlen beeinflussen wollen.
Die CDU will mit einem Antwortvideo kontern. Philipp Amthor soll es richten, und das Video wird so geil, dass es danach nicht veröffentlicht wird. PR-Desaster. Genau wie das Monate danach gestartete Youtube-Format “CSYou”.
Aber mit PR-Desaster kennt sich Annegret Kramp-Karrenbauer aus. Ende Februar tritt sie beim SWR im “Stockacher Narrengericht” als Klofrau auf – wie jedes Jahr. Mit Witzen über das dritte Geschlecht – “Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen.” – sorgt sie für Zoff. Darf sich eine so hohe Politikerin so über Randgruppen lustig machen? Das ist die Frage.

Und worüber dürfen sich eigentlich Komiker noch lustig machen? Über Frauen mit Doppelnamen jedenfalls nicht. Kramp-Karrenbauer. Bernd Stelter bekommt beim “Karneval in Köln” jedenfalls Besuch auf der Bühne. Eine Zuschauerin teilt ihm Auge in Auge mit, dass sie seine Doppelnamen-Gags irgendwie doof findet. Nur eine Woche später stürmt eine Frau die Bühne des “Moma-Cafés” des ZDF-Morgenmagazins. Sie wollte wissen, ob denn hier eigentlich alle einen anlügen, sie sprach von Lügenpresse, Lügenfresse und wollte fragen, ob bei ihr die Mainzelmännchen zu Hause seien. Alles ganz wichtige Fragen, die dringend geklärt werden müssen.

Oh, Moment: Greta hat wieder was gesagt. Sie fordert mehr Panik. Wichtige Sondermeldung. Es folgen Lob und Empörung.

Apropos Empörung: Rammstein hat sich was Dolles geleistet. In einer Vorschau für den Song und das Video zu “Deutschland” werde der Holocaust relativiert. Heißt es. War dann aber nicht so, der Shirtstorm rollte trotzdem durchs Twitterland.
Sat.1 löst seine Shitstorms lieber im Ausland aus: in Thailand. Ach was, ein Krieg steht im Raum! Im Frühstücksfernsehen reißen sie blöde Witzchen über den thailändischen König. Der und angeblich ganz Thailand finden das empörend, und bei Sat.1 schmeißt man sich in den Staub und entschuldigt sich untertänigst. Fast fließen Tränen. Ohje. Wird Sat.1 etwa zur Strafe zum thailändischen Regierungsfernsehen?
ARD und ZDF in Deutschland sind diesem Vorwurf auch 2019 immer wieder ausgesetzt. Dabei zeigen Formate wie “Die Anstalt”, “heute show” und “Extra 3” dass das nun wirklich nicht sein kann. Und auch Magazine wie “Report”, “Kontraste” oder “Frontal 21” decken Skandale auf, die der deutschen Politelite sicherlich nicht gefallen haben.

Achtung, Greta hat wieder was gemacht. Mit einem Schiff reist sie über den Atlantik in die USA. Jubel von den Fans. Kritik von den anderen, und überhaupt, das ist ja aus Gründen gar nicht so umweltfreundlich, wie alle sagen.

Bloß keine Schwäche zeigen. Nicht immer gelingt das. Ein Bundestagsabgeordneter bricht am Rednerpult zusammen, live übertragen von phoenix und dem Parlamentsfernsehen. Vorher machen sich die AfD-Leute noch lustig über ihn, als er beginnt zu stocken. Bei einem Auftritt stolpert Peter Altmeier nach einer Rede und fällt von einer Treppe. Das sieht böse aus. Gleich mehrere Male bekommt Kanzlerin Angela Merkel Zitteranfälle. Es beginnt das große Rätseln über eine mögliche Krankheit. In allen drei Fällen verbreitet sich über das Netz auch eine Welle der Häme. Politiker haben keine Schwäche zu zeigen, immerhin bekommen die doch so viel Kohle und tun dafür nichts, so wird, nun ja, debattiert.
Vor einem Millionenpublikum kollabiert “Tagesschau”-Sprecher Jan Hofer. Er wirkt fahrig, seine letzte Ansage kann er nicht mehr machen, die Sendung wird abgebrochen. Tage zuvor war er noch von morgens um kurz vor 10 bis nachts nach 23 Uhr in jeder Nachrichtensendung on Air. Bei der ARD will man von Überarbeitung nicht sprechen.

Ein bisschen flottere Arbeit wünscht man sich dagegen von der “Tagesschau” an dem Abend, als in Paris Notre Dame brennt. Eine kurze Sondersendung im Ersten und später eine hektisch zusammengestellte Live-Übertragung bei tagesschau24 lösen die Debatte über die Schnelligkeit der Nachrichtenübermittlung aus. Ob die stundenlangen Mutmaßungen und Kameraschwenks über die brennende Kathedrale bei ntv besser sind, ist unklar.
Legendär sind dagegen die stundenlangen Übertragungen aus dem britischen Parlament. Stichwort 1: Brexit. Stichwort 2: Order!

Greta! Jetzt bekommt sie auch noch die Goldene Kamera! Das Mädchen haut wieder eine Rede für den Klimaschutz raus, und kurz danach bekommt die Schauspielnewcomerin einen SUV geschenkt. Glückwunsch!

Schalten wir besser mal nach Österreich. Dort heißt das Wort des Jahres nicht “Greta”, sondern “Ibiza”. FPÖ-Rechtspopulist Hans-Christian Strache lässt sich von einer versteckten Kamera reinlegen. Auf Ibiza trifft er sich mit einer angeblichen Oligarchin. Es geht um Investitionen in Österreich und um Gefälligkeiten, die die Pressefreiheit aushebeln. Aus für die FPÖ in der Regierung. Pressekonferenzen. Neuwahl. Mega-Quoten für den ORF2.
In Deutschland dagegen sorgen die Rechtspopulisten der AfD immer wieder für Schlagzeilen. Bjö…, äh, Bernd, äh, Björn Hocke bricht ein Interview mit dem ZDF ab, weil er emotional aufgewühlt sei. Und er werde nie wieder ein Interview mit dem Journalisten führen, was er bedauern könnte, wenn Höcke mal eine wichtige politische Persönlichkeit sei.
Der mdr dagegen setzt Uwe Steimle gleich ganz ab. Oder besser: beschäftigt ihn nicht weiter. Darüber ist Uwe Steimle empört. Er würde gern vom mdr, den er für einen Staatsfunk hält und der regierungsnah sei und rückständig, weiterarbeiten. Der mdr sieht das anders. Der Arbeit- und Geldgeber mag es nicht, beschimpft zu werden. Uwe Steimle, das Opfer. Findet Uwe Steimle. Er redet von einem Berufsverbot. Seine Auftritte sind ausverkauft. Dort erzählt er dann von seinem Berufs, … ähm. Merken Sie selbst, oder?
Dieter Nuhr soll übrigens auch neurechts sein. Er äußert sich kritisch zu “Fridays for Future” und zu Greta. Dass er sich auch kritisch zur AfD äußert, scheint egal zu sein. Meinungsfreiheit gegen die Forderung, Dieter Nuhr abzusetzen.

Und, ach ja. Greta. Dieter Nuhr hat wieder was Böses über Greta gesagt. Bringt Schlagzeilen. Bringt Klicks. Lob und Hass, na, Sie wissen schon.

2019 hat auch Comebacks parat. Jörg Kachelmann feiert seine Rückkehr in die ARD. Er darf wieder das “Riverboat” im mdr moderieren, wo auch gleich die Quoten steigen. Der Deutsche Fernsehpreis kommt mit einer Gala zurück, in den vergangenen Jahren wurde eher spartanisch gefeiert. Die Rettungsschwimmer aus Malibu sind wieder da – und das auch noch in HD. “Baywatch” auf Nitro jetzt noch schärfer. Die Youtube-Star-Zwillinge, die Lochis, verkünden das Ende ihrer gemeinsamen Karriere. Jahrelang haben sie klickstarke Videos und am Ende auch Songs produziert. Durch die Jugend geht ein Ruck. Zlatko kehrt ins “Big Brother”-Haus zurück. 2000 war er schon mal drin, 2019 als “Promi”. Sat.1 jazzt das zum Comeback des Jahres hoch. Es erweist sich als laues Lüftchen. Domian meldet sich mit einer Talkshow im WDR zurück – ganz ohne Telefon. Pittiplatsch ist wieder da – fast 30 Jahre nach dem Aus im DFF. Und auch Jürgen Kuttner macht wieder den “Sprechfunk” – allerdings erstmal nur im Internet auf radioeins.de.
Ein Comeback – also zumindest für 30 Minuten – hat auch ein gewisser Ernesto. Ihn kennt man als Ex-Mann von einer Ex-Anwältin in einer RTL-Trashshow. Nun tritt er in einer RTL-II-Trashshow auf. Nackt. Aber: Sensation! Nach einer Penis-Vergrößerungs-OP! Das schauen wir uns doch mal genau an. Und, ähm, ein bisschen, nun ja, haben wir uns da schon mehr…. ähm… also…

Das irritierendste Comeback 2019: tm3. Der Sender Family.TV nennt sich in tm3 um. Die Rechte am Markennamen waren frei, mit dem tm3 von damals hat das aber nichts zu tun. Doch das Glück hält nicht lange, Wochen später wird der Sender abgeschaltet. Immer wieder gibt es Lizenzprobleme, der Betreiber von Family.TV/tm3 zeigt Sendungen im Programm, an denen er gar keine Rechte hat. Zwangs-Aus.
Unfreiwillig und mit großem Knall endet auf radioeins die freitägliche Comedy “radiozwei”. Als sich Tommy Wosch und Martin “Gotti” Gottschild live on Air ernsthaft zoffen, ist es aus. Erst im Herbst kehrt Wosch allein mit einem neuen Format zurück.
Abschied nehmen heißt es auch vom “Neomagazin Royale”. Jan Böhmermann verlässt zdf neo, um im Herbst 2020 mit neuer Show beim ZDF weiterzumachen.
Nächtliche Spitzeneinschaltquoten erzielt Sky mit der letzten Staffel von “Games of Thrones”. Doch viele Fans sind enttäuscht darüber, wie die Serie endet.
Der langsame Abschied von der “Lindenstraße” geht dagegen weiter. Am 20. Dezember ist Drehschluss. Noch drei Monate. Ende März 2020 ist dann auch im Fernsehen Schluss.

Auch viele bekannte Menschen sind nicht mehr da. Abschied für immer. Bruno Ganz, Hannelore Elsner, Doris Day, Billie Zöckler, Lisa Martinek, Ursula Karusseit, Luke Perry, Wolfgang Winkler, Jan Fedder, Rudger Hauer, Gerd Baltus, Helmut Krauss, Peter Fonda, Max Wright und Ken Kercheval werden als Schauspieler fehlen. Die Sportler Rudi Assauer, Matti Kykänen und Niki Lauda. Die Musiker Marie Fredriksson, Peter Schreier, Karel Gott, Costa Cordalis, Wiglaf Droste, Keith Flint, Gus Backus, Alphonso Williams und Mark Hollis. Die Moderatoren und Journalisten Wilhelm Wieben, Wiebke Bruhns, Manina Ferreira-Erlenbach, Franziska Pigulla, Michael Jürgs, Werner Doyé und Walter Freiwald. Die Politiker Manfred Stolpe, Jörg Schönbohm, Robert Mugabe, Klaus Kinkel, Jacques Chirac und Anke Fuchs. Weltraumfahrer Sigmund Jähn, Autorin Rosamunde Pilcher, Kabarettist Werner Schneyder, Produzent Artur Brauner, Comiczeichner Guillermo Mordillo, Unternehmer Ferdinand Piech, Weltenbummlerin Heidi Hetzer, Designer Luigi Colani und Modeschöpfer Karl Lagerfeld.

Vor dem Aus gerettet wird dagegen der Berliner Verlag. Dran hängen unter anderem die Berliner Zeitung und der Berliner Kurier. Das Berliner Unternehmerpaar Silke und Holger Friedrich kauft den Verlag von der DuMont-Mediengruppe. Freude und Misstrauen. Immerhin sind die beiden kaum medienerfahren. Und dann kommt auch noch raus, dass bei Holger irgendwas mit der Stasi ist. Was er zunächst verheimlicht. Die Euphorieblase platzt.

Bei den Sendern platzen 2019 diverse Hoffnungen. RTL landet mit der Daily-Soap “Herz über Kopf” einen Flop. VOX versucht es mal wieder mit der schon öfter gefloppten Actionshow “Survivor” – und scheitert. Das ZDF hat kein Glück mit “Mein Lied für dich” und “Sorry für alles”.
Richtig gut läuft es dagegen weiter für den “Tatort” aus Münster. Der Fall “Spieglein, Spieglein” erreicht 14,01 Millionen Menschen. Quotenrekord 2019.

Und Greta? Müsste die nicht bald mal auf dem Schiff wieder in Lissabon angekommen? Nachrichtensender zeigen live und eine halbe Ewigkeit, wie ein Schiff aus dem Atlantik in Portugal anlegt.

Wird über Greta vor allem im Netz geredet, spielt sich auch das Mediengeschehen selbst zunehmend im Netz ab. Das herkömmliche analoge Fernsehen ist weiter auf dem Rückmarsch. Netflix begeistert mit Serien wie “Wir sind die Welle”, “Die Patchwork-Familie”, “How to sell Drugs online (fast)” oder “Sex Education”. Amazon Prime mit “Pastewka”. Außerdem geht Joyn an den Start, TV Now der RTL-Gruppe bietet unter anderem mit “Prince Charming” exclusiven Content. Und natürlich Youtube mit unendlich vielen Videos sowie diversen Funk-Formaten wie “Druck”.
Das Fernsehen muss sich anstrengen, wenn es weiter Aufmerksamkeit will. Das gelingt zum Beispiel mit “24h Europe” (arte), “Chez Krömer” (rbb), “Die Geschichte eines Abends” (NDR), “Käthe und ich” (Das Erste), “Die Unsichtbaren” (Das Erste) oder “Der Club der singenden Metzger” (Das Erste).

Was gab es sonst so? Thomas Gottschalk moderiert beim BR eine Literatursendung. Ja, wirklich! Bei Lanz zoffen sich Hasselhoff und Lindner. Hasselhoff gewinnt. Ja, echt! Böhmermann sagt was im ORF, und die Moderatorin distanziert sich. Ja, mei! Luke Mockrige prankt den “ZDF-Fernsehgarten” und ist … ähm, irgendwer fand das sicher lustig. Bei Funk gibt es eine 72-stündige Talkshow. Live! Und danach drei Tage Tiefschlaf. Die EU hat ein neues Urheberrecht. Und Youtube stirbt. Oder so ähnlich.
Achso, und: “I’m sorry! Zero Points!”

Schauen wir ein letztes Mal zu Greta: Die war auf dem Klimagipfel. Der war enttäuschend. Aber, bitte: Was war das denn?! Greta im ICE! Auf dem Boden sitzend! Wo sie doch 1.-Klasse-Tickets hatte!!! War dann zwar alles ein bisschen anders, aber da rollte der Shitstorm schon. Ist ja eh alles wurscht. Hauptsache Greta.

Nicht vergessen dürfen wir zu guter Letzt aber noch diese Feststellung. Enissa Amani ist eine Komikerin.
Echt!
Alles Gute für die 20er-Jahre.

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radioeins Medienmagazin

Dienstag, den 24. September 2019
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SA 21.09.2019 | 18.05 Uhr | radioeins

Gerade gibt es Wirbel um die Sparankündidungen des rbb beim Radioprogramm rbbKultur. Es soll mehr klassische Musik gesendet werden, vermutlich zu Lasten der Wortsendungen.
Hintergrund ist natürlich auch, dass die Hörerzahlen von rbbKultur schwinden. Um die Zukunft der Kulturwelle in der Hauptstadtregion wird nun gerungen.
Klar ist aber auch: Kultur darf nicht nur in die Nische abgeschoben werden. Kultur muss auch in den Massenprogrammen stattfinden. Und vor allem: Kulturjournalismus.
Ein echter Leuchtturm ist da einmal mehr radioeins – auch vom rbb.

Auf dem Berliner Medienmarkt tut sich etwas Erstaunliches: Der Berliner Verlag ist verkauft. Das Berliner Unternehmerpaar Silke und Holger Friedrich hat ihn von der DuMont-Mediengruppe gekauft. Es ist also spannend, die Zukunft von Berliner Zeitung, Berliner Kurier und Berliner Wochenblatt zu beobachten.
Am Sonnabend gab es deshalb ein Special des radioeins-Medienmagazins. Zu Gast waren die neuen Eigentümer des Berliner Verlags, Silke und Holger Friedrich. Im Gespräch mit Jörg Wagner und Daniel Bouhs erklärten sie, was ihre Beweggründe für den Kauf waren.

Das war nicht nur spannend, sondern auch bemerkenswert. Denn die beiden waren eine gute dreiviertel Stunde zu Gast, um ausführlich zu reden. Selten unterbrochen von Musik oder Verkehrshinweisen. Auf anderen Radiowellen ist das eventuell ein Vier-Minuten-Gespräch. Auch auf radioeins läuft das Medienmagazin nicht zu einer Randzeit, sondern an einem Sonnabend um 18.05 Uhr. Das ist keine Radio-Primetime, aber immer noch eine attraktive Radio-Hörzeit.
Dass der rbb dieses Magazin überhaupt auf dem reichweitenstarken radioeins und nicht auf der Kulturwelle sendet, ist sowieso lobenswert. Denn das sollte man bei der Diskussion um rbbKultur bedenken: Kultur bieten auch die anderen rbb-Wellen. Andererseits könnte man bei der Spardiskussion um rbbKultur auch überlegen, solche Magazine wie die von radioeins dort noch mal zu senden.

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Die 100 besten Songs des Jahrzehnts

Montag, den 5. August 2019
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SO 04.08.2019 | 9.05 Uhr | radioeins

“Get Lucky” von Daft Punk feat. Pharrell Williams & Nile Rodgers ist der beste Song des Jahrzehnts.
Sagen sie zumindest bei radioeins.
Nun ja.

Mutig ist das ja schon. Das 10er-Jahrzehnt dauert noch knapp fünf Monate, und bei radioeins wollen sie schon “Die 100 besten Songs des Jahrzehnts” küren.
Das ist schon allein deshalb schwierig, weil man ja bei neueren Songs, gerade bei den sehr aktuellen aus dem Jahr 2019, noch nicht so richtig einordnen kann, wie gut sie im Vergleich zu Top-Songs von 2010 oder 2011 sind. Aktuelle Lieblingssongs sind schwer einzuordnen in eine Alltime-Liste. Das kann man erst mit einem gewissen Abstand.
Und deshalb ist es schwierig, jetzt schon sagen zu wollen, welcher Song aus den Jahren 2010 bis 2019 der beste sein könnte.

“Wir hoffen darauf, dass wir Ihr musikalisches Kurzzeitgedächtnis gewinnbringend auffrischen können”, hieß es auf der radioeins-Internetseite. Das Problem: Mein Kurzzeitgedächtnis hatte viele der Songs gar nicht parat. Die Top-100-Liste von radioeins war ein merkwürdiges Sammelsurium aus Nischen- und Expertenlieblingen.
Los ging es zwar auf Platz 100 mit dem wundervollen “Oft gefragt” von AnnenMayKantereit, aber viele der anderen Songs waren mir unbekannt oder sind nun nicht wirklich Lieder, die ich in eine solche Liste packen würde.
So war Kettcar auf Platz 38. Zwar ist “Sommer ’89 (Er schnitt Löcher in den Zaun)” ein Lied mit wichtiger Botschaft, rein musikalisch gesehen ist er aber recht einfallslos, der Sprechgesang – oder eher das Vorlesen des Textes ziemlich lieblos. Das Lied nervt eigentlich eher schon beim dritten Hören.
Bilderbuch aus Österreich macht gute Musik, dass die Band aber gleich zweimal die Top-10 entert, ist sehr übertrieben.

Vielleicht sollte man in zehn Jahren mal wieder so eine Liste zusammenstellen. Dann ist es spannend zu sehen, wie man aus der zeitlichen Ferne aus dieses Jahrzehnt betrachtet. Da sieht sicherlich einiges noch mal anders aus.

-> Die komplette Liste auf radioeins.de

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30 Jahre Mauerfall – Die 100 besten Ost-Songs

Montag, den 15. Juli 2019
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SO 14.07.2019 | 9.05 Uhr | radioeins

Das war jetzt nicht sonderlich überraschend: “Am Fenster” von City ist von einer Expertenjury zum besten Ost-Song gewählt worden. Am Sonntag liefen auf radioeins “Die 100 besten Ost-Songs”, und am Ende gab es den Song mit der Geige, der interessanterweise auch schon immer im Jingle zur Sendung immer wieder zu hören war.

Man könnte man sagen: DDR-Hitparaden gab es schon oft, aber radioeins wäre ja nicht radioeins, wenn diese 100er-Liste nicht auch aus lauter Liedern bestehen würde, die vielleicht nicht zum Erinnerungsmainstream gehören.
So ist Gerhard Gundermann gleich mehrere Male vertreten, auf Platz 99 das Liedertheater Karls Enkel, das mir vollkommen unbekannt war. Auf Youtube findet man den Song “Oma Amler” nur unter dem Stichwort “FDJ-Lieder”.
Oder Jacek Kaczmarski – auch an mir vorbei gegangen und ziemlich sicher nicht unter meinen persönlichen Top 100. Aber das ist ja auch die Aufgabe des rbb, einem vielleicht doch noch etwas Neues beizubringen.
Feeling B ist ebenso dabei wie Reinhard Lakomy, Gerhard Schöne, Manfred Krug und Wolf Biermann. Nicht das, was man auf schon bekannten DDR-Hit-Samplern findet.
Dass zum Beispiel Gaby Rückerts fantastischer Liebessong “Berührung” nicht dabei ist, ist extrem schade. Dass dagegen Nina Hagens Gassenhauer “Du hast den Farbfilm vergessen” auf Platz 2 landete, ist erstaunlich.

Interessant ist Platz 29. Dort landete “Kling Klang” von Keimzeit. Der wurde erst 1993 veröffentlicht. Geschrieben worden ist er aber wohl schon Ende der 80er. Aber kann etwas ein Ost-Hit sein, wenn es zu “Ost-Zeiten” noch gar nicht veröffentlicht war? Dass es der Song in die Liste schaffte, ist fragwürdig. Auf anderen Samplern mit DDR-Hits fehlt dieser Song meistens, weil er eben erst nach der DDR öffentlich wurde.

-> Die ganze Liste der Top 100 auf radioeins.de.

Hits: 225