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Die 100 besten Songs des Jahrzehnts

Montag, den 5. August 2019
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SO 04.08.2019 | 9.05 Uhr | radioeins

“Get Lucky” von Daft Punk feat. Pharrell Williams & Nile Rodgers ist der beste Song des Jahrzehnts.
Sagen sie zumindest bei radioeins.
Nun ja.

Mutig ist das ja schon. Das 10er-Jahrzehnt dauert noch knapp fünf Monate, und bei radioeins wollen sie schon “Die 100 besten Songs des Jahrzehnts” küren.
Das ist schon allein deshalb schwierig, weil man ja bei neueren Songs, gerade bei den sehr aktuellen aus dem Jahr 2019, noch nicht so richtig einordnen kann, wie gut sie im Vergleich zu Top-Songs von 2010 oder 2011 sind. Aktuelle Lieblingssongs sind schwer einzuordnen in eine Alltime-Liste. Das kann man erst mit einem gewissen Abstand.
Und deshalb ist es schwierig, jetzt schon sagen zu wollen, welcher Song aus den Jahren 2010 bis 2019 der beste sein könnte.

“Wir hoffen darauf, dass wir Ihr musikalisches Kurzzeitgedächtnis gewinnbringend auffrischen können”, hieß es auf der radioeins-Internetseite. Das Problem: Mein Kurzzeitgedächtnis hatte viele der Songs gar nicht parat. Die Top-100-Liste von radioeins war ein merkwürdiges Sammelsurium aus Nischen- und Expertenlieblingen.
Los ging es zwar auf Platz 100 mit dem wundervollen “Oft gefragt” von AnnenMayKantereit, aber viele der anderen Songs waren mir unbekannt oder sind nun nicht wirklich Lieder, die ich in eine solche Liste packen würde.
So war Kettcar auf Platz 38. Zwar ist “Sommer ’89 (Er schnitt Löcher in den Zaun)” ein Lied mit wichtiger Botschaft, rein musikalisch gesehen ist er aber recht einfallslos, der Sprechgesang – oder eher das Vorlesen des Textes ziemlich lieblos. Das Lied nervt eigentlich eher schon beim dritten Hören.
Bilderbuch aus Österreich macht gute Musik, dass die Band aber gleich zweimal die Top-10 entert, ist sehr übertrieben.

Vielleicht sollte man in zehn Jahren mal wieder so eine Liste zusammenstellen. Dann ist es spannend zu sehen, wie man aus der zeitlichen Ferne aus dieses Jahrzehnt betrachtet. Da sieht sicherlich einiges noch mal anders aus.

-> Die komplette Liste auf radioeins.de

Hits: 129

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30 Jahre Mauerfall – Die 100 besten Ost-Songs

Montag, den 15. Juli 2019
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SO 14.07.2019 | 9.05 Uhr | radioeins

Das war jetzt nicht sonderlich überraschend: “Am Fenster” von City ist von einer Expertenjury zum besten Ost-Song gewählt worden. Am Sonntag liefen auf radioeins “Die 100 besten Ost-Songs”, und am Ende gab es den Song mit der Geige, der interessanterweise auch schon immer im Jingle zur Sendung immer wieder zu hören war.

Man könnte man sagen: DDR-Hitparaden gab es schon oft, aber radioeins wäre ja nicht radioeins, wenn diese 100er-Liste nicht auch aus lauter Liedern bestehen würde, die vielleicht nicht zum Erinnerungsmainstream gehören.
So ist Gerhard Gundermann gleich mehrere Male vertreten, auf Platz 99 das Liedertheater Karls Enkel, das mir vollkommen unbekannt war. Auf Youtube findet man den Song “Oma Amler” nur unter dem Stichwort “FDJ-Lieder”.
Oder Jacek Kaczmarski – auch an mir vorbei gegangen und ziemlich sicher nicht unter meinen persönlichen Top 100. Aber das ist ja auch die Aufgabe des rbb, einem vielleicht doch noch etwas Neues beizubringen.
Feeling B ist ebenso dabei wie Reinhard Lakomy, Gerhard Schöne, Manfred Krug und Wolf Biermann. Nicht das, was man auf schon bekannten DDR-Hit-Samplern findet.
Dass zum Beispiel Gaby Rückerts fantastischer Liebessong “Berührung” nicht dabei ist, ist extrem schade. Dass dagegen Nina Hagens Gassenhauer “Du hast den Farbfilm vergessen” auf Platz 2 landete, ist erstaunlich.

Interessant ist Platz 29. Dort landete “Kling Klang” von Keimzeit. Der wurde erst 1993 veröffentlicht. Geschrieben worden ist er aber wohl schon Ende der 80er. Aber kann etwas ein Ost-Hit sein, wenn es zu “Ost-Zeiten” noch gar nicht veröffentlicht war? Dass es der Song in die Liste schaffte, ist fragwürdig. Auf anderen Samplern mit DDR-Hits fehlt dieser Song meistens, weil er eben erst nach der DDR öffentlich wurde.

-> Die ganze Liste der Top 100 auf radioeins.de.

Hits: 141

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Klappe zu! Die volle Packung Musik

Montag, den 1. Juli 2019
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FR 28.06.2019 | 12.05 Uhr | radioeins

Die Nachrichten waren gerade zu Ende, da kündigte der Moderator am Freitagmittag auf radioeins etwas ganz Tolles an: “Klappe zu! Die volle Packung Musik”. Man werde jetzt eine halbe Stunde nichts sagen. Stattdessen gebe es sechs Songs zu einem bestimmten Thema. Wegen der Hitze zum Sommer, nämlich.

Das ist ja wirklich mal eine tolle Idee. Also, nicht.
Sechs Hits am Stück – das ist eigentlich eine Spezialität von Privatsendern oder von weichgespülten und totformatierten Sendern wie NDR2 – aber das kann doch nicht ernsthaft eine Programmidee von radioeins sein. Vom rbb-Sender ist man da mehr gewöhnt. Dann lieber zur Mittagsstunde ein nettes Spiel oder irgendwas anderes, von dem man merkt, dass da Leute im Radio etwas zu sagen haben.
Eine “volle Packung Musik” ist jedenfalls nicht das, was ich von radioeins erwarte oder will.

Hits: 122

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Rammstein: Radio

Sonntag, den 28. April 2019
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DO 25.04.2019 | 20.55 Uhr | radioeins

Wieder mal ein echtes Event – und dazu noch eines, das Sinn macht. Am Donnerstagabend hatte der neueste Song von Rammstein Premiere. Und das wissen wir ja inzwischen: Wenn Rammstein was raushaut, dann muss es knallen. So auch diesmal.

Der neue Song heißt “Radio”, und er erinnert an eine Zeit, als man sich abends noch zum Radiohören zurückgezogen hat, weil da eine bestimmte Sendung auf einem bestimmten Sender lief.
Deshalb lief die Premiere des Songs auch im Radio – beim rbb auf radioeins.
Dazu gab es aber noch eine besondere Aktion: An einer Hauswand in Berlin-Mitte wurde das Musikvideo gebeamt – allerdings ohne den Ton. Wer live vor Ort war, bekam diesen Ton nämlich aus dem Radio – womit sich der Kreis schloss.

Und so standen am Donnerstagabend gut 1000 Leute in Mitte und sahen sich den Videoclips an – und der Ton dazu kam aus vielen mitgebrachten Radios.
Eine schöne und wirklich durchdachte Aktion, die noch mal die Qualitäten des Radios und die Liebe zum Radio hervorhebt.

Hits: 145

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Aus für “radioZWEI – Wosch denkt, Gotti lenkt”

Sonntag, den 7. April 2019
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FR 05.04.2019 | radioeins

Das Ende kommt plötzlich. Am Freitagnachmittag fiel bei radioeins die nachmittägliche Comedyshow “radioZWEI” aus. Wohl für immer.
Wie radioeins erst kurz vor dem eigentlichen Sendetermin bekannt gab, ist Martin “Gotti” Gottschild ausgestiegen. Man wolle nun für Tommy Wosch einen neuen Co-Moderator suchen und die Sendung mit modifiziertem Konzept wieder an den Start bringen. Für Gotti wolle man schauen, was man in Zukunft mit ihm machen könne. Auch hieß es, dass radioeins das Aus bedauere. Gottschild habe “aus wohlüberlegten Gründen” seine Mitarbeit an “radioZWEI” beendet.

Schon in der Vorwoche gab es nur ein altes Best of von 2017. Die letzte reguläre Sendung lief am 22. März – und da knallte es ordentlich.
Zwischen Wosch und einem Anrufer entbrannte die Frage, ob wir den Wandel der Sprache mitmachen müssen. Der Anrufer sagte, dass es doch kein Problem sein könne, weiter “Negerkuss” zu sagen. Wosch trat dem entschieden entgegen, sagte sinngemäß, dass sich die Menschen weiterentwickeln und sich damit auch die Sprache entwickele. “Negerkuss” gehe heute gar nicht mehr, und wer das nicht einsehen wolle, weil es irgendwie zu anstrengend sei oder wenn die Person nicht verstehe, was am “Neger” falsch sei, sei durchaus ein Rassist.
Gotti hielt dagegen, was aber vielleicht auch mit einem gewissen Harmoniebedürfnis zu tun hatte. Für Wosch war das unverständlich, und es begann ein durchaus ernster Streit. Wosch war sauer, Gotti mindestens irritiert.

Nun kann man darüber streiten, wie sinnvoll es ist, den Kollegen on Air dermaßen abzuwatschen. Aber inhaltlich hatte Tommy Wosch definitiv recht. Deshalb war diese eigentlich oft so lustige Sendung in diesem Moment sehr spannend. Wosch bezog Haltung und rückte davon auch nicht ab.
Wosch hat Recht. Es bricht sich keiner ein Zacken aus der Krone, heute nicht mehr “Negerkuss”, sondern “Schokokuss” zu sagen. Oder was auch immer. Und wenn es eventuell einen vernünftigen neuen Namen für das “Zigeunerschnitzel” gibt, warum soll man ihn nicht verwenden? Es ist ignorant, nur deshalb auf alte und nicht mehr statthafte Begriffe zu bestehen, weil man zu faul ist, sich umzugewöhnen.

Ob dieser Zoff nun zum Aus geführt hat, ist offiziell nicht bekannt, denn weder Wosch noch Gottschild haben sich dazu geäußert. So oder so ist es extrem schade um diese kurzweilig-außergewöhnliche Radiosendung.

Hits: 2483

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Abendschau: Volker Wieprecht

Mittwoch, den 6. Februar 2019
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SA 02.02.2019 | 19.30 Uhr | rbb

Schaut man sich bei Wikipedia die Vita von Volker Wieprecht an, dann hatte er mit seinen 55 Jahren niemals eine eigene Fernsehsendung.
Dafpr ist er der ganz große Hörfunkmann in Berlin und Brandenburg. Mich begleitet Volker Wieprecht schon seit den Zeiten beim Jugendradio Fritz, damals noch von ORB und SFB. Wir wechselten später zu radioeins, dort ist er immer noch an den Vormittagen zu hören.
Volker Wieprecht ist Radio.

Seit Sonnabend ist er aber auch ein Fernsehmann. Im rbb in Berlin moderierte er erstmals die Abendschau, das tägliche Nachrichtenmagazin.
Nun wünscht man ja jedem Menschen, dass er sich beruflich irgendwie noch weiterentwickelt. Aber der Wechsel zur Abendschau ist dann doch irgendwie gewöhnungsbedürftig.
Wieprecht ist im besten Sinne ein Plauderer. Aber Plaudern ist in der Abendschau schwierig. Nicht nur wegen des engen Formates, sondern auch, weil er seine Moderationen vom Teleprompter ablesen muss. Zumindest am Sonnabend klang das alles noch sehr verkrampft.

Vermutlich will aber der rbb irgendwie vom Wiepecht-Kult profitieren. Sollen sie ihm doch lieber eine eigene Show geben – irgendeine Mischung aus Journalismus, Kultur und Musik -, wo er einfach er selbst sein kann. Vielleicht kann er die seltsame “Abendshow” aufs richtige Gleis stellen. Oder eine Art Late Night. Irgendwas, aber nicht wirklich ein Nachrichtenmagazin.

Hits: 136

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radioeins mit Volker Wieprecht: Claas Relotius ruft (nicht) an

Mittwoch, den 9. Januar 2019
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MO 07.01.2019 | 10.40 Uhr | radioeins

Ein Fälscher spielt einen Fälscher – und fliegt damit auf.
Der Fall Claas Relotius sorgte vor Weihnachten 2018 für großen Wirbel. Der Journalist hat diverse Artikel für den “Spiegel” gefälscht. Durch falsche Zitate, durch erfundene Leute oder ganz erfundene Storys.

Mit den Medien hat er darüber verständlicherweise bislang nicht gesprochen – und hat es wohl auch nicht vor. Um so verwunderlicher war es, als ein gewisser Claas Relotius sich an radioeins vom rbb wendete, um ein Interview im Radio zu geben. Man ließ sich darauf ein – in der Ahnung, es nicht mit dem richtigen Fälscher zu tun zu haben.

Am Montagvormittag berichtete Moderator Volker Wieprecht auf radioeins von seinem Telefonat mit “Claas Relotius”. Man holte sich ein Kamerateam des NDR-Medienmagazins “Zapp” dazu.
Im Telefonat bestätigte der Mann, dass er Claas Relotius sei, und dass es in der Branche öfter vorkomme, dass Beiträge gefälscht seien.
Dann aber schaltete Volker Wieprecht eine Kollegin des “Spiegel” dazu, die den echten Relotius kannte. Da legte der Mann auf. Und der Schwindel war bewiesen.

Journalisten decken auf. Und sie lassen sich nicht jede Lüge gefallen, die man ihnen auftischen will. Insofern hat radioeins am Montag eine wichtige und gute Arbeit geleistet.

Hits: 131