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Ein Prinz wird König – Thronwechsel in den Niederlanden

Donnerstag, den 2. Mai 2013
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DI 30.04.2013 | 9.05 Uhr | Das Erste

Fünf Stunden lang übertrug Das Erste am Dienstag den Thronwechsel in den Niederlanden, zwei Stunden am Vormittag, drei Stunden am Nachmittag.
Der erstaunlichste Bericht lief in der Nachmittagssendung – nämlich die Zusammenfassung vom Vormittag, sie dauerte gute fünf Minuten und enthielt alles wichtige, was passiert war: Königin Beatrix unterschrieb die Abdankung, und dann ging’s mit dem neuen König Willem Alexander auf den Balkon.
Aus 115 Minuten wurden so mal fix fünf Minuten, und niemand hat was verpasst.

Dazwischen zeigte die ARD nämlich erschreckend viel Nichts. Unendliche Schwenks über das Volk in Amsterdam. Mann winkt. Frau lacht. Familie fährt Boot. Richtig spannend. Das alles kommentiert von der Adelsschlaftablette Rolf Seelmann-Eggebert, der sich ständig bemüßigt sah, seinem Team Regieanweisungen zu geben: Liebe Simultandolmetscher, halten Sie sich bereit. Liebe Kollegen, jetzt hätten wir Zeit, einen Film einzuspielen, wir müssen aber nicht. Und so weiter. Okay, es ist schwierig, das Nichts zu kommentieren, aber auch die ARD könnte sich ja mal langsam jemanden engagieren, der auch das kann.

ORF2 in Österreich hat scheinbar alles richtig gemacht und dafür Hape Kerkeling engagiert. Nur leider durfte er nur lahme Statements abgeben, die weder spannend, noch lustig waren. So kann man seine große Humorchance auch verspielen.

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Das war 2012!

Montag, den 31. Dezember 2012
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Tom Hanks ist auch schon genervt vom deutschen Fernsehen. Drei Stunden lang musste er auf der „Wetten, dass“-Couch rumsitzen und sich doofe Masken überziehen. Danach zog er ordentlich vom Leder. Dabei kennt Mister Hanks doch gar nicht das restliche TV-Programm in Deutschland.
“Wetten, dass…?” sorgte 2012 für ordentliche Schlagzeilen. Zum Jahresanfang stand endlich fest, dass Markus Lanz Gottschalks Nachfolger wird.
Kann er das schaffen? Ist er der richtige Mann? Bis heute haben wir noch keine wirkliche Antwort darauf. Aber eigentlich hat er sich in den drei bisherigen Shows alles in allem gut geschlagen.

Gar nicht gut geschlagen hat sich Sat.1. Das wurde 2012 nämlich immer doofer. Grauenvolle Dokusoaps, Magazine mit bekloppten Namen wie „Push“ oder „Pin“, eine Castingshow, ein Quiz – alles Flops. Sat.1 wird das Rumpelimage und die miesen Quoten nicht mehr los. Mit gescripteten Talkshows, in denen nichts echt war, machte sich Sat.1 lächerlich. Mit angeblich nicht gescripteten Formaten wie “Schwer verliebt” zieht Sat.1 seine Protagonisten durch den Kakao. Höchst ärgerlich. Nein, zum kotzen ist das. Erstaunlich, wie schnell ein einst renommierter Sender in die Tonne gehauen werden kann.

Der ZDF-Reinfall des Jahres war eindeutig der Fußball-EM-Strand auf der Insel Usedom. Das ZDF wollte seine Berichterstattung diesmal nicht in den Stadien liefern, sondern aus Heringsdorf. Angeblich, weil das ja von Polen nicht so weit weg ist.
Während die Ostsee im Hintergrund wirkte wie ein öder Tümpel, ließ sich Olli Kahn zeigen, wie man twittert. Sehr spannend. Die Zuschauer vor Ort, oft wirkte das wie ein Rentnernachmittag, schwenkten müde mit ihren Deutschland-Fähnchen. Kam aber angeblich bei den Zuschauern supertoll an, hieß es beim ZDF. Erst zum Jahresende hin, gab man sich einsichtig.
Und dann gab es zur EM auch noch den unverschämt grinsenden Ingo Zamperoni. Er moderierte die „Tagesthemen“ in der Halbzeit des deutschen EM-Spiels gegen Italien. Die launige Moderation des Halbitalieners kam bei einigen Zuschauern irgendwie gar nicht gut an. Und dann schied Deutschland auch noch aus. Die bösen Briefe landeten haufenweise in der Redaktion von ARD-aktuell.
Immerhin sorgte die Fußball-EM für die Einschaltquote des Jahres: 28 Millionen Menschen sahen das EM-Aus der Deutschen.

Bitter war das Jahr für Thomas Gottschalk. Seine neue ARD-Vorabendshow “Gottschalk live” floppt grandios. Die erste Ausgabe war ein Desaster. Zig Werbepausen, von denen Gottschalk nicht wusste, wann sie beginnen. Es fehlte an einem Konzept, es fehlte offenbar an guten Leuten im Hintergrund, ständig erfand sich die Show neu. Die Quoten waren im Keller. Das Aus im Juni.
Im Herbst musste er sich auch noch beim RTL-„Supertalent“ in der Jury quälen. War nicht sein Ding. Und zu besseren Quoten führte sein Engagement auch nicht.

Showstars haben es eben auch nicht immer leicht. Davon kann Jenny Elvers-Elbertzhagen ein – hicks – Lied von singen. Im NDR-Magazin „Das!“ wirkte sie, nun ja, betrunken. Danach verabschiedete sie sich in die Entzugsklinik.
Die Kastelruther Spatzen haben für ihre Alben Studiomusiker engagiert. Böse Sache, deshalb mussten sie auch im “Musikantenstadl” zur Strafe live spielen. Und durften sich danach über die unverschämte Presse auslassen. Selber unverschämt.
Als in der Live-Talkshow von Günther Jauch sich ein Zuschauer im Saal lautstark zu einem Berliner Hochschulthema, nun ja, äußerte, wird er von den Ordnern rüde rausgeschmissen. Günther Jauch lässt ihn zurückholen.

2012 mussten wir von beliebten Stars Abschied nehmen. Dirk Bach starb viel zu früh, ebenso wie Whitney Houston. Auch nicht mehr da: Kurt Felix, Larry Hagman und der Politiker Peter Struck. Außerdem Neil Armstrong, Susanne Lothar, Donna Summer, Robin Gibb, Ravi Shankar, Rodney King, der Politiker Friedrich Zimmermann, Silvia Seidel, Oscar Niemeyer, Ernest Borgnine, Wolfgang Menge, Harry Valérien, Dave Brubeck, Schiedsrichter Manfred Amarell, Vadim Glowna, Günther Kaufmann, Sylvia Kristel, Scott Mckenzie, John Lord, Eishockey-Trainer Xaver Unsinn und Margot Werner.

Ach ja: und die Financial Times Deutschland und der gedruckte “Prinz”. Das Zeitungssterben beginnt. Die Frankfurter Rundschau meldet 2012 Insolvenz an. Ende offen. Noch immer ist nicht das richtige Rezept gegen die Zeitungskrise gefunden. Stattdessen streitet man sich um die Tagesschau-App. Angeblich weil Fernseher keine Texte anbieten darf. Offenbar die Presse aber bewegte Bilder.
Die Mediengruppe Madsack aus Hannover übernimmt die Märkische Allgemeine in Potsdam und möbelt sie auf. Die “Bild” feiert den 60. Geburtstag und feuert das nackte Seite-1-Girl.

Das Leitungsschutzrecht sorgt für Wirbel. Verlage wie Springer wollen nicht mehr, dass die Internetsuchmaschine Google Texte und Links verbreitet. Dabei vergessen sie offenbar, wer ihnen so viele Klicks beschafft.

Und sonst? Im „Tatort“ quatscht ARD-Wahlexperte Jörg Schönenborn in den dramatischen Serientod von Kommissar Cenk Batu. Im „ZDF-Fernsehgarten“ sorgen Chaoten im Hintergrund für einen Polizeieinsatz. Die ARD beerdigt seine Zuschauer mit einer nicht enden wollenden Themenwoche “Tod”. n-tv erreicht Rekordquoten mit dem Stratossprung von Felix Baumgartner aus fast 40 Kilometern Höhe. Harald Schmidt muss Sat.1 verlassen und sendet nun bei Sky unter Ausschluss der breiten Masse. Beim Internetsender family.TV wird in der “Club Night” eine Moderatorin während der laufenden Sendung gefeuert. Beim SuperBowl auf Sat.1 verpassen die Zuschauer bedauerlicherweise einen Touchdown, weil gerade ein Gewinnspiel läuft. Bei “Stuckrad-Barre” auf Tele 5 nippt FDP-Mann Christian Lindner an einem Joint, und die “Bild” spult sich auf.

Ach ja, und dann natürlich die Affäre um Christian Wulff. Im Interview mit ARD und ZDF verteidigt er Anfang Januar noch sein Tun, und sagt, er wolle in keinem Land leben, in dem man keine Geschenke von Freunden annehmen könne. Hilft nichts, er tritt doch noch zurück.

Gab es 2012 eigentlich auch gutes Fernsehen? Die Talkshow „Roche und Böhmermann“ auf zdf.kultur mischt die Promis auf. „Walulis sieht fern“, erst auf Tele 5, dann bei einsplus, zeigt, wie Fernsehen wirklich funktioniert. Das ZDF erfreut uns weiterhin mit der großartigen Nachrichtensatire, der “heute show”. Oliver Kalkofe darf wieder lästern. Die “Mattscheibe” läuft jetzt freitags auf Tele 5. Großartig waren wieder die neuen “Pastewka”-Folgen auf Sat.1.
Hoffentlich gibt’s 2013 mehr solcher Perlen. Auf ein Neues!

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Musikantenstadl: Kastelruther Spatzen

Sonntag, den 11. November 2012
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SA 10.11.2012 | 20.15 Uhr | ORF2

Die bösen Medien! Alle ganz widerlich! Da regen sich doch tatsächlich ein paar Leute darüber auf, dass die Kastelruther Spatzen auf ihrer CD gar nicht selbst gespielt haben. Unerhört, sich darüber aufzuregen und mal kritisch nachzufragen!

Am Sonnabend waren die Kastelruther Spatzen bei Andy Borg zu Gast im “Musikantenstadl”, live übertragen im ORF2 und im Ersten. Sie hatten zu beweisen, dass sie tatsächlich live spielen können und nicht nur zum Playback den Schlagzeugstock bewegen.
Und, oh Wunder, sie konnten live spielen.
Anschließend hat der Andy mal ganz kritisch nachgefragt. Also, so richtig kritisch! Oder verwechsele ich das jetzt mit: schleimig? Borg schmiss sich an die Musiker ran, sie seien ja schon so lange im Geschäft und so erfolgreich.
Sänger Norbert Rier – der immerhin auf den CDs tatsächlich sang – zeigte sich tief betroffen. Nicht darüber, dass sie jahrelang ihre Fans dreist beschissen haben. Nein, tief betroffen hat sie, dass das jetzt raus kam und ein neidischer, böser Mann das alles verraten hat. Und dass die Fans ja trotzdem hinter der Band stünden, und ganz herzlichen Dank dafür, und unterkriegen lassen sie sich dadurch nicht.

Kein Wort der Entschuldigung, kein Wort der Erklärung, was da wirklich los war. Stattdessen möchte man doch in Ruhe gelassen werden, man habe doch nichts Schlechtes getan.
Ähm, doch?
Doch, die Kastelruther Spatzen haben etwas Schlechtes getan. Und da geht es nicht nur um die Musik an sich. Wer eine CD rausgibt, hat die gefälligst auch selbst einzuspielen. Schließlich handelt es sich um ein Produkt der Kastelruther Spatzen und nicht um ein Soloprojekt von Herrn Ries. Da wär’s wurscht, wer im Hintergrund mitspielt.
Wenn die Spatzen nicht in der Lage sind, das Ding einzuspielen, dann müssen sie sich auch Kritik gefallen lassen. Angeblich sei es kostengünstiger gewesen, die Studiomusiker stattdessen ranzulassen. Ganz schön armselig. Genau wie der Auftritt im Stadl.
Aber die Fans können den Spatzen offenbar verzeihen. Seltsam, dass sie mit diesem Beschiss so durchkommen.

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Tschernobyl – Der GAU und die Ohnmacht der Politik

Sonntag, den 13. März 2011
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SA 12.03.2011 | 20.45 Uhr | Das Erste

Dieser 12. März 2011 stand ganz im Zeichen des drohenden Super-GAU in den japanischen Atomkraftwerken. Wäre es da angesichts der Erdbeben- und Flutkatastrophe pietätslos gewesen, den “Musikantenstadl” zu zeigen? Das Erste verzichtete auf die Ausstrahlung der Liveshow – genauso wie der federführende ORF2 und das Schweizer Fernsehen. Sie wurde aufgezeichnet und soll später gesendet werden.

Dass die ARD am Sonnabend keinen “Musikantenstadl” zeigte, war richtig – auch wenn das mit Pietät wenig zu tun hatte. Die Show wäre mit fast drei Stunden einfach zu lange gewesen. Drei Stunden ohne Informationen aus Japan, das wäre angesichts der brisanten Lage in Japan einfach eine zu lange Zeit gewesen. Und unterbrechen kann man so eine Show auch schlecht – zumal das wegen der zeitgleichen Ausstrahlung in Österreich und der Schweiz auch gar nicht funktioniert hätte.

Stattdessen lief zur besten Sendezeit die hochinteressante Doku “Tschernobyl – Der GAU und die Ohnmacht der Politik”. Sie zeigte, wie die Politik und die Menschen in Deutschland 1986 auf den GAU in der Ukraine reagierte. Die Sowjets haben damals erst sehr spät und spärlich über die Katastrophe informiert. Da fragt man sich natürlich, warum die Japaner das 2011 eigentlich anders machen sollten. Angesichts der vielen widersprüchlichen Meldungen liegt die Vermutung nahe, dass die offiziellen Stellen mehr wissen, als sie sagen.

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Ulrich Mühe ist tot

Mittwoch, den 25. Juli 2007
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Erst am Wochenende gab Schauspieler Ulrich Mühe an, er wolle sich wegen einer Magenkrebserkrankung aus dem öffentlichen Leben zurückziehen. Heute wurde bekannt, dass er bereits am Sonntag verstorben ist und am heutigen Tag beerdigt wurde.
Ulrich Mühe wurde nur 54 Jahre alt.
Seinen größten und letzten Triumph feierte er im März bei der Oscar-Verleihung in Los Angeles: “Das Leben der anderen” wurde als bester ausländischer Film prämiert.
Ein großer Schauspieler ist damit von uns gegangen. Die Ironie des Schicksals: Im vergangenen Jahr sorgte Mühe für Wirbel, als er seiner Ex-Frau Jenny Gröllmann Stasikontakte vorwarf. Auch sie starb an Krebs, erst vor wenigen Monaten.
Einem großen Publikum war Ulrich Mühe auch als Dr. Kolmaar in “Der Letzte Zeuge” bekannt. Das Fernsehen wird an ihn erinnern: Das ZDF und Premiere Krimi zeigen am Donnerstag ab 20.15 Uhr zwei Folgen von “Der letzte Zeuge”. Tele 5 bringt in der Nacht zum Freitag den österreichischen Psychothriller “Funny Games”. ORF 2 zeigt den Film bereits heute um Mitternacht.

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Wiener Opernball 2007 – Das Fest

Freitag, den 16. Februar 2007
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DO 15.02.2007, 23.10 Uhr, ORF2

Was macht eigentlich Edelbarbie Paris Hilton beim Wiener Opernball? Die Antwort ist einfach: Geld verdienen. Oder macht es Frollein Hilton wirklich Spaß Leuten, beim Walzertanzen zuzusehen? Nein, sowas würde sie in Los Angeles nie zu sehen bekommen, meinte sie im Gespräch mit ORF2. Klar, und wenn sie zurück ist, wird sie den Amis erstmal von den seltsamen Bräuchen der Ösis erzählen.
Es muss doch total langweilig sein für sie: die Musik ist doof und alles ist total spießig. Aber egal: Hilton wurde eingeladen und bekommt sicher eine ordentliche Stange Geld. Da sagt man dann auch schon mal, dass es total interessant ist.
Und morgen wird dann wieder ordentlich gefeiert. Nicht wahr, Paris?

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Café Puls

Freitag, den 4. August 2006
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FR 04.08.2006, 6.00 Uhr, ProSieben Austria

In Österreich ticken die Uhren noch ein wenig anders. Da gibt es seit ein paar Monaten “Österreichs erstes Frühstücksfernsehen”. Wahnsinn! Was für eine Innovation. Gibt es in Deutschland schon 21 Jahre lang und der öffentlich-rechtliche ORF hat das bis heute nicht hinbekommen.
“Café Puls” läuft in Österreich auf diversen Kanälen gleichzeitig: Bei Puls TV, Sat.1 Österreich, ProSieben Austria und Kabel eins Austria.
Das Konzept ist simpel. Es wird viel geredet. Und geredet. Über Musik, Filme, Politik. Man will die Leute am frühen Morgen ja auch ungern mit schnellen Bildern belasten. In dem kleinen Studio, das auch kaum eine Kamerafahrt zulässt, geht es beschaulich-behäbig zu.
Das Richtige, um morgens auf einen anderen Sender zu wechseln. Man könnte sich zum Beispiel vom Alpenpaorama einlullen lassen, dass in Österreich sicherheitshalber ebenfalls auf mehreren Kanälen, u.a. bei ORF2, läuft. Was für eine schöne, heile Welt in unserem Nachbarland…