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Das war 2019!

Dienstag, den 31. Dezember 2019
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Das Medienwort des Jahres ist vermutlich 2019 ein Name: Greta. Greta Thunberg ist 16, Schwedin und die wohl bekannteste Umweltaktivistin unserer Zeit. Kommt Greta ins Spiel, dann werden alle nervös. Die Medien, weil sie mit Greta-Artikel wieder Klicks bekommen. Die Fans, weil sie Greta für alles feiern. Die Hasser, weil sie Greta für alles, nun ja, hassen.
2019 ist das Jahr – wie auch 2018 und 2017 und … – der Shitstorms, deren Wellen in immer kürzen Abständen durch das Web rollen. Immer wieder ist irgendwo die Empörung groß, weil irgendwer irgendwas gesagt hat, was irgendwer aus irgendwelchen Gründen ganz schlimm fand.

Schlimm findet die CDU im Jahr 2019 das Internet aber auch. Ein gewisser Rezo ist es, der auf Youtube vor der Europawahl von der “Zerstörung der CDU” spricht. Bis Jahresende hat das Video 16,49 Millionen Klicks, darin zählt Rezo die Versäumnisse der Politik auf, gerade in Sachen Umweltbelange. Man solle doch nicht die CDU wählen, und die SPD eigentlich auch nicht, die AfD ebenfalls nicht.
Das schlägt Wellen, nicht nur bei dem Wahlergebnis. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer spricht danach davon, dass es ja nicht sein könne, dass Youtuber auf diese Weise Wahlen beeinflussen wollen.
Die CDU will mit einem Antwortvideo kontern. Philipp Amthor soll es richten, und das Video wird so geil, dass es danach nicht veröffentlicht wird. PR-Desaster. Genau wie das Monate danach gestartete Youtube-Format “CSYou”.
Aber mit PR-Desaster kennt sich Annegret Kramp-Karrenbauer aus. Ende Februar tritt sie beim SWR im “Stockacher Narrengericht” als Klofrau auf – wie jedes Jahr. Mit Witzen über das dritte Geschlecht – “Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen.” – sorgt sie für Zoff. Darf sich eine so hohe Politikerin so über Randgruppen lustig machen? Das ist die Frage.

Und worüber dürfen sich eigentlich Komiker noch lustig machen? Über Frauen mit Doppelnamen jedenfalls nicht. Kramp-Karrenbauer. Bernd Stelter bekommt beim “Karneval in Köln” jedenfalls Besuch auf der Bühne. Eine Zuschauerin teilt ihm Auge in Auge mit, dass sie seine Doppelnamen-Gags irgendwie doof findet. Nur eine Woche später stürmt eine Frau die Bühne des “Moma-Cafés” des ZDF-Morgenmagazins. Sie wollte wissen, ob denn hier eigentlich alle einen anlügen, sie sprach von Lügenpresse, Lügenfresse und wollte fragen, ob bei ihr die Mainzelmännchen zu Hause seien. Alles ganz wichtige Fragen, die dringend geklärt werden müssen.

Oh, Moment: Greta hat wieder was gesagt. Sie fordert mehr Panik. Wichtige Sondermeldung. Es folgen Lob und Empörung.

Apropos Empörung: Rammstein hat sich was Dolles geleistet. In einer Vorschau für den Song und das Video zu “Deutschland” werde der Holocaust relativiert. Heißt es. War dann aber nicht so, der Shirtstorm rollte trotzdem durchs Twitterland.
Sat.1 löst seine Shitstorms lieber im Ausland aus: in Thailand. Ach was, ein Krieg steht im Raum! Im Frühstücksfernsehen reißen sie blöde Witzchen über den thailändischen König. Der und angeblich ganz Thailand finden das empörend, und bei Sat.1 schmeißt man sich in den Staub und entschuldigt sich untertänigst. Fast fließen Tränen. Ohje. Wird Sat.1 etwa zur Strafe zum thailändischen Regierungsfernsehen?
ARD und ZDF in Deutschland sind diesem Vorwurf auch 2019 immer wieder ausgesetzt. Dabei zeigen Formate wie “Die Anstalt”, “heute show” und “Extra 3” dass das nun wirklich nicht sein kann. Und auch Magazine wie “Report”, “Kontraste” oder “Frontal 21” decken Skandale auf, die der deutschen Politelite sicherlich nicht gefallen haben.

Achtung, Greta hat wieder was gemacht. Mit einem Schiff reist sie über den Atlantik in die USA. Jubel von den Fans. Kritik von den anderen, und überhaupt, das ist ja aus Gründen gar nicht so umweltfreundlich, wie alle sagen.

Bloß keine Schwäche zeigen. Nicht immer gelingt das. Ein Bundestagsabgeordneter bricht am Rednerpult zusammen, live übertragen von phoenix und dem Parlamentsfernsehen. Vorher machen sich die AfD-Leute noch lustig über ihn, als er beginnt zu stocken. Bei einem Auftritt stolpert Peter Altmeier nach einer Rede und fällt von einer Treppe. Das sieht böse aus. Gleich mehrere Male bekommt Kanzlerin Angela Merkel Zitteranfälle. Es beginnt das große Rätseln über eine mögliche Krankheit. In allen drei Fällen verbreitet sich über das Netz auch eine Welle der Häme. Politiker haben keine Schwäche zu zeigen, immerhin bekommen die doch so viel Kohle und tun dafür nichts, so wird, nun ja, debattiert.
Vor einem Millionenpublikum kollabiert “Tagesschau”-Sprecher Jan Hofer. Er wirkt fahrig, seine letzte Ansage kann er nicht mehr machen, die Sendung wird abgebrochen. Tage zuvor war er noch von morgens um kurz vor 10 bis nachts nach 23 Uhr in jeder Nachrichtensendung on Air. Bei der ARD will man von Überarbeitung nicht sprechen.

Ein bisschen flottere Arbeit wünscht man sich dagegen von der “Tagesschau” an dem Abend, als in Paris Notre Dame brennt. Eine kurze Sondersendung im Ersten und später eine hektisch zusammengestellte Live-Übertragung bei tagesschau24 lösen die Debatte über die Schnelligkeit der Nachrichtenübermittlung aus. Ob die stundenlangen Mutmaßungen und Kameraschwenks über die brennende Kathedrale bei ntv besser sind, ist unklar.
Legendär sind dagegen die stundenlangen Übertragungen aus dem britischen Parlament. Stichwort 1: Brexit. Stichwort 2: Order!

Greta! Jetzt bekommt sie auch noch die Goldene Kamera! Das Mädchen haut wieder eine Rede für den Klimaschutz raus, und kurz danach bekommt die Schauspielnewcomerin einen SUV geschenkt. Glückwunsch!

Schalten wir besser mal nach Österreich. Dort heißt das Wort des Jahres nicht “Greta”, sondern “Ibiza”. FPÖ-Rechtspopulist Hans-Christian Strache lässt sich von einer versteckten Kamera reinlegen. Auf Ibiza trifft er sich mit einer angeblichen Oligarchin. Es geht um Investitionen in Österreich und um Gefälligkeiten, die die Pressefreiheit aushebeln. Aus für die FPÖ in der Regierung. Pressekonferenzen. Neuwahl. Mega-Quoten für den ORF2.
In Deutschland dagegen sorgen die Rechtspopulisten der AfD immer wieder für Schlagzeilen. Bjö…, äh, Bernd, äh, Björn Hocke bricht ein Interview mit dem ZDF ab, weil er emotional aufgewühlt sei. Und er werde nie wieder ein Interview mit dem Journalisten führen, was er bedauern könnte, wenn Höcke mal eine wichtige politische Persönlichkeit sei.
Der mdr dagegen setzt Uwe Steimle gleich ganz ab. Oder besser: beschäftigt ihn nicht weiter. Darüber ist Uwe Steimle empört. Er würde gern vom mdr, den er für einen Staatsfunk hält und der regierungsnah sei und rückständig, weiterarbeiten. Der mdr sieht das anders. Der Arbeit- und Geldgeber mag es nicht, beschimpft zu werden. Uwe Steimle, das Opfer. Findet Uwe Steimle. Er redet von einem Berufsverbot. Seine Auftritte sind ausverkauft. Dort erzählt er dann von seinem Berufs, … ähm. Merken Sie selbst, oder?
Dieter Nuhr soll übrigens auch neurechts sein. Er äußert sich kritisch zu “Fridays for Future” und zu Greta. Dass er sich auch kritisch zur AfD äußert, scheint egal zu sein. Meinungsfreiheit gegen die Forderung, Dieter Nuhr abzusetzen.

Und, ach ja. Greta. Dieter Nuhr hat wieder was Böses über Greta gesagt. Bringt Schlagzeilen. Bringt Klicks. Lob und Hass, na, Sie wissen schon.

2019 hat auch Comebacks parat. Jörg Kachelmann feiert seine Rückkehr in die ARD. Er darf wieder das “Riverboat” im mdr moderieren, wo auch gleich die Quoten steigen. Der Deutsche Fernsehpreis kommt mit einer Gala zurück, in den vergangenen Jahren wurde eher spartanisch gefeiert. Die Rettungsschwimmer aus Malibu sind wieder da – und das auch noch in HD. “Baywatch” auf Nitro jetzt noch schärfer. Die Youtube-Star-Zwillinge, die Lochis, verkünden das Ende ihrer gemeinsamen Karriere. Jahrelang haben sie klickstarke Videos und am Ende auch Songs produziert. Durch die Jugend geht ein Ruck. Zlatko kehrt ins “Big Brother”-Haus zurück. 2000 war er schon mal drin, 2019 als “Promi”. Sat.1 jazzt das zum Comeback des Jahres hoch. Es erweist sich als laues Lüftchen. Domian meldet sich mit einer Talkshow im WDR zurück – ganz ohne Telefon. Pittiplatsch ist wieder da – fast 30 Jahre nach dem Aus im DFF. Und auch Jürgen Kuttner macht wieder den “Sprechfunk” – allerdings erstmal nur im Internet auf radioeins.de.
Ein Comeback – also zumindest für 30 Minuten – hat auch ein gewisser Ernesto. Ihn kennt man als Ex-Mann von einer Ex-Anwältin in einer RTL-Trashshow. Nun tritt er in einer RTL-II-Trashshow auf. Nackt. Aber: Sensation! Nach einer Penis-Vergrößerungs-OP! Das schauen wir uns doch mal genau an. Und, ähm, ein bisschen, nun ja, haben wir uns da schon mehr…. ähm… also…

Das irritierendste Comeback 2019: tm3. Der Sender Family.TV nennt sich in tm3 um. Die Rechte am Markennamen waren frei, mit dem tm3 von damals hat das aber nichts zu tun. Doch das Glück hält nicht lange, Wochen später wird der Sender abgeschaltet. Immer wieder gibt es Lizenzprobleme, der Betreiber von Family.TV/tm3 zeigt Sendungen im Programm, an denen er gar keine Rechte hat. Zwangs-Aus.
Unfreiwillig und mit großem Knall endet auf radioeins die freitägliche Comedy “radiozwei”. Als sich Tommy Wosch und Martin “Gotti” Gottschild live on Air ernsthaft zoffen, ist es aus. Erst im Herbst kehrt Wosch allein mit einem neuen Format zurück.
Abschied nehmen heißt es auch vom “Neomagazin Royale”. Jan Böhmermann verlässt zdf neo, um im Herbst 2020 mit neuer Show beim ZDF weiterzumachen.
Nächtliche Spitzeneinschaltquoten erzielt Sky mit der letzten Staffel von “Games of Thrones”. Doch viele Fans sind enttäuscht darüber, wie die Serie endet.
Der langsame Abschied von der “Lindenstraße” geht dagegen weiter. Am 20. Dezember ist Drehschluss. Noch drei Monate. Ende März 2020 ist dann auch im Fernsehen Schluss.

Auch viele bekannte Menschen sind nicht mehr da. Abschied für immer. Bruno Ganz, Hannelore Elsner, Doris Day, Billie Zöckler, Lisa Martinek, Ursula Karusseit, Luke Perry, Wolfgang Winkler, Jan Fedder, Rudger Hauer, Gerd Baltus, Helmut Krauss, Peter Fonda, Max Wright und Ken Kercheval werden als Schauspieler fehlen. Die Sportler Rudi Assauer, Matti Kykänen und Niki Lauda. Die Musiker Marie Fredriksson, Peter Schreier, Karel Gott, Costa Cordalis, Wiglaf Droste, Keith Flint, Gus Backus, Alphonso Williams und Mark Hollis. Die Moderatoren und Journalisten Wilhelm Wieben, Wiebke Bruhns, Manina Ferreira-Erlenbach, Franziska Pigulla, Michael Jürgs, Werner Doyé und Walter Freiwald. Die Politiker Manfred Stolpe, Jörg Schönbohm, Robert Mugabe, Klaus Kinkel, Jacques Chirac und Anke Fuchs. Weltraumfahrer Sigmund Jähn, Autorin Rosamunde Pilcher, Kabarettist Werner Schneyder, Produzent Artur Brauner, Comiczeichner Guillermo Mordillo, Unternehmer Ferdinand Piech, Weltenbummlerin Heidi Hetzer, Designer Luigi Colani und Modeschöpfer Karl Lagerfeld.

Vor dem Aus gerettet wird dagegen der Berliner Verlag. Dran hängen unter anderem die Berliner Zeitung und der Berliner Kurier. Das Berliner Unternehmerpaar Silke und Holger Friedrich kauft den Verlag von der DuMont-Mediengruppe. Freude und Misstrauen. Immerhin sind die beiden kaum medienerfahren. Und dann kommt auch noch raus, dass bei Holger irgendwas mit der Stasi ist. Was er zunächst verheimlicht. Die Euphorieblase platzt.

Bei den Sendern platzen 2019 diverse Hoffnungen. RTL landet mit der Daily-Soap “Herz über Kopf” einen Flop. VOX versucht es mal wieder mit der schon öfter gefloppten Actionshow “Survivor” – und scheitert. Das ZDF hat kein Glück mit “Mein Lied für dich” und “Sorry für alles”.
Richtig gut läuft es dagegen weiter für den “Tatort” aus Münster. Der Fall “Spieglein, Spieglein” erreicht 14,01 Millionen Menschen. Quotenrekord 2019.

Und Greta? Müsste die nicht bald mal auf dem Schiff wieder in Lissabon angekommen? Nachrichtensender zeigen live und eine halbe Ewigkeit, wie ein Schiff aus dem Atlantik in Portugal anlegt.

Wird über Greta vor allem im Netz geredet, spielt sich auch das Mediengeschehen selbst zunehmend im Netz ab. Das herkömmliche analoge Fernsehen ist weiter auf dem Rückmarsch. Netflix begeistert mit Serien wie “Wir sind die Welle”, “Die Patchwork-Familie”, “How to sell Drugs online (fast)” oder “Sex Education”. Amazon Prime mit “Pastewka”. Außerdem geht Joyn an den Start, TV Now der RTL-Gruppe bietet unter anderem mit “Prince Charming” exclusiven Content. Und natürlich Youtube mit unendlich vielen Videos sowie diversen Funk-Formaten wie “Druck”.
Das Fernsehen muss sich anstrengen, wenn es weiter Aufmerksamkeit will. Das gelingt zum Beispiel mit “24h Europe” (arte), “Chez Krömer” (rbb), “Die Geschichte eines Abends” (NDR), “Käthe und ich” (Das Erste), “Die Unsichtbaren” (Das Erste) oder “Der Club der singenden Metzger” (Das Erste).

Was gab es sonst so? Thomas Gottschalk moderiert beim BR eine Literatursendung. Ja, wirklich! Bei Lanz zoffen sich Hasselhoff und Lindner. Hasselhoff gewinnt. Ja, echt! Böhmermann sagt was im ORF, und die Moderatorin distanziert sich. Ja, mei! Luke Mockrige prankt den “ZDF-Fernsehgarten” und ist … ähm, irgendwer fand das sicher lustig. Bei Funk gibt es eine 72-stündige Talkshow. Live! Und danach drei Tage Tiefschlaf. Die EU hat ein neues Urheberrecht. Und Youtube stirbt. Oder so ähnlich.
Achso, und: “I’m sorry! Zero Points!”

Schauen wir ein letztes Mal zu Greta: Die war auf dem Klimagipfel. Der war enttäuschend. Aber, bitte: Was war das denn?! Greta im ICE! Auf dem Boden sitzend! Wo sie doch 1.-Klasse-Tickets hatte!!! War dann zwar alles ein bisschen anders, aber da rollte der Shitstorm schon. Ist ja eh alles wurscht. Hauptsache Greta.

Nicht vergessen dürfen wir zu guter Letzt aber noch diese Feststellung. Enissa Amani ist eine Komikerin.
Echt!
Alles Gute für die 20er-Jahre.

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Synchrontest

Sonntag, den 29. Dezember 2019
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DO 26.12.2019 | 4.50 Uhr (Fr.) | ORF2

Die merkwürdigste Sendung läuft einmal im Jahr zwischen Weihnachten und Silvester im ORF2 in Österreich. Und eigentlich ist nicht mal klar, ob es sich überhaupt um eine Sendung handelt. Sie heißt schlicht “Synchrontest” und lief am frühen Freitagmorgen.

30 Minuten lang ist Folgendes zu sehen: ein Schwarzbild und ein Countdown – im Sekundentakt drei rote Lichter, zwei, ein rotes Licht, und dann ein Piepton und eine Art Licht. Nach einer Sekunde geht das wieder von vorne los. Eine halbe Stunde lang, ohne weiteren Kommentar, ohne Erklärung. Auch auf den Programmseiten des ORF findet sich nur die bloße Info, dass es dieses Programm gibt.

Ist es eine Art Meditation? Geht es um Hypnose? Oder ist es zum Jahresende die Maßnahme des ORF, all das schlechte Fernsehprogramm aus den Hirnen zu löschen?

Die Lösung soll eine andere sein, wie mir jemand auf Youtube schrieb: Der Synchrontest dient angeblich der Übertragung des Neujahrskonzertes am 1. Januar, das parallel im Fernsehen und Radio läuft.
Warum dieser Test aber nötig ist, warum das nicht ohne geht – tja, das bleibt ein Rätsel.
Weiß jemand von euch Genaueres?

-> Die Sendung von 2018 auf Youtube

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Wahl19

Montag, den 30. September 2019
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SO 29.09.2019 | 16.00 Uhr | ORF2

Der Jubel bei der ÖVP kennt keine Grenzen. Einerseits weil die Österreichische Volkspartei mit Sebastian Kurz bei der Nationalratswahl stärkste Kraft geworden ist und einen kräftigen Zuwachs hatte. Und andererseits, weil während der Schalte von ORF2 zur Wahlparty ein Anheizer auf der Bühne stand und zeigte, wie lange geklatscht und gejubelt werden sollte – nebst “Se – bas – tian – Kurz”-Rufen.

Am Sonntagnachmittag kamen bei der “Wahl19”-Sondersetzung auf ORF2 die ersten Hochrechnungen, gefolgt von den Schalten zu den Parteien. Und da hatte es der Reporter Tobias Pötzelsberger alles andere als einfach. Es war so laut bei der ÖVP, dass er kaum zu verstehen war, und auch dem ÖVP-Generalsekretär Karl Nehammer musste er ins Ohr rufen.
Da die ÖVP bedauerlicherweise ja keine absolute Mehrheit errungen habe, müsse sie ja nach einem Koalitionspartner suchen. Nehammer lächelte, bedankte sich bei den Wählern, sagte, man wolle heute erst mal den Sebastian Kurz feiern, dann entscheide der Bundespräsident, und dann wolle man mal sehen.
Tobias Pötzelsberger wollte dann aber noch wissen, wie das denn nun mit der FPÖ ist. Mit der rechtspopulistischen FPÖ hatte die ÖVP zuvor eine Regierung gebildet – wegen der bsoffenen Geschicht’ auf Ibiza hatte sich das aber erledigt. Die FPÖ hatte nun bei der Wahl fast 10 Prozentpunkte verloren. Wolle man denn noch eine Koalition mit der FPÖ? Nehammer lächelte, bedankte sich bei den Wählern, Nehammer lächelte, bedankte sich bei den Wählern, sagte, man wolle heute erst mal den Sebastian Kurz feiern, dann entscheide der Bundespräsident, und dann wolle man mal sehen.
Da wollte Tobias Pötzelsberger aber trotzdem noch mal nachhaken. Wie das denn mit den Grünen sei, die seien doch so stark. Nehammer schien da schon etwas genervt. Er sagte, man wolle heute erst mal den Sebastian Kurz feiern, dann entscheide der Bundespräsident, und dann wolle man mal sehen.
Da hat dann auch Tobias Pötzelsberger gemerkt, dass dieses Interview an dieser Stelle nicht viel Sinn hatte. Zurück ins Studio.

-> Die Sendung in der ORF-TVthek (ÖVP-Schalte ab 1:13:56) (bis 6. Oktober 2019)

Hits: 151

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ZiB spezial: Zur Causa Ibiza

Samstag, den 18. Mai 2019
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SA 18.05.2019 | 10.30 Uhr | ORF2

Die Bombe platzte am Freitag um 18 Uhr. Die Süddeutsche Zeitung und Der Spiegel veröffentlichten ein Video, das Österreichs Vizekanzler Hans-Christian Strache (FPÖ) zeigt. Es ist im Sommer 2017 heimlich auf Ibiza gefilmt worden. Darin unterhält sich Strache mit der angeblichen Tochter eines russischen Oligarchen. Sie wolle nach Österreich ziehen und dort investieren. Es ging um: den Kauf der Kronen Zeitung. Um dann freundliche Berichterstattung über die FPÖ. Um Gelder für die Parteien. Um die Auftragsvergabe an bestimmte Leute und darüber, anderen bestimmte Aufträge nicht mehr zu geben.
Da kommt alles zusammen: Korruption, Pressefreiheit, die Aushöhlung des Staates.

Der ORF berichtete in seinen Programm schon Freitagabend ausführlich. Am Sonnabendvormittag begann im ORF2 ein “ZiB spezial”. Darin live übertragen: Straches Rücktrittsrede.
Darin beschwerte er sich zunächst, dass es dieses Video überhaupt gibt. Er sprach von Geheimdiensten, die in den Wahlkampf eingreifen, von den Linken – und von Jan Böhmermann. Er entschuldigte sich bei seiner Frau – und irgendwann später gab er auch zu, dass seine Aussagen falsch gewesen seien.
Aber eigentlich ging es ihm nur um die Opferrolle. Um das Mimimi, was man ihm denn angetan habe.

Man stelle sich mal vor: Olaf Scholz trifft sich heimlich auf Mallorca mit einer Verwandten eines russischen reichen Mannes, und man spreche darüber, dass der Russe die “Bild” kauft, um dann gute Berichte über die SPD abzudrucken.
Es ist ja völlig klar: Dass Strache sich überhaupt auf so ein Gespräch eingelassen hat, ist vielsagend. Nichts anderes als sein Rücktritt ist die richtige Konsequenz gewesen.

Spannend ist nun trotzdem, wer eigentlich dieses Video gemacht. Strache sprach Böhmermann an. Er hatte am Donnerstag am Ende vom “Neo Magazin Royale” in zdf neo gesagt, dass morgen Österreich brennen werde. Und schon vor Wochen hatte er bei der “Romy”-Preisverleihung im ORF2 verlauten lassen, dass er nicht kommen könne, und schon dort erwähnte er ein Haus auf Ibiza und weitere Dinge, die heute nun im klaren Licht stehen.
Böhmermanns Rolle ist unklar. Dass ihm das Video angeboten sei, dementierte sein Management. Aber er habe es gekannt. Bei der Süddeutschen beruft man sich auf den Quellenschutz.
Ob wir des Rätsels Lösung erfahren werden?

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kulturMontag: Jan Böhmermann

Donnerstag, den 9. Mai 2019
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MO 06.05.2019 | 22.30 Uhr | ORF2

„Der ORF distanziert sich von den provokanten und politischen Aussagen Böhmermanns. Aber wie Sie wissen, darf Satire alles und der öffentlich-rechtliche Sender künstlerische Meinung wiedergeben.”
Clarissa Stadler, Moderatorin im “kulturMontag” im ORF2

Da muss etwas ganz Ungeheures passiert sein, dass sich die Moderatorin eines Kulturmagazins von Äußerungen eines Satirikers distanziert.
Vermutlich passiert im ORF genau das: Die Senderleute haben Schiss. Vor den Rechten.
In unserem Nachbarland Österreich sieht man momentan sehr gut, was passiert, wenn Rechtspopulisten an die Macht kommen. Da wird ein Journalist auf’s Schärfste angegriffen, wenn er seine Arbeit macht und Dinge kritisch hinterfragt. Da fordert Harald Vilimsky von der FPÖ – Mitglied im Aufsichtsgremium des ORF -, den Nachrichtenmoderator Armin Wolf abzusetzen, weil er ihm extrem unangenehme Fragen gestellt hat.
Beim ORF scheint blanke Angst zu herrschen. Deshalb macht es nun den Eindruck, dass die Leute dort sogar einen Kniefall machen, wo es nicht mal jemand verlangt hat.

In der Sendung “kulturMontag” auf ORF2 ging es um die Eröffnung der Böhmermann-Ausstellung “Deuscthland#ASNCHLUSS#Östereich” im Künstlerhaus in Graz. Filmen durfte der ORF dort nicht, aber Jan Böhmermann gab dem Kulturmagazin ein Interview.
Böhmermann ist ein Satiker. Aber was er im Interview sagte, war durchaus ernst. Mitunter lustig-munter rübergebracht, im Kern aber sehr ernst. Kanzler Sebastian Kurz sei ein 32-jähriger Versicherungsvertreter. Der österreichische Vizekanzler würde “volksverhetzende Scheiße” auf Facebook posten. Die acht Millionen Österreicher seien debil und der Ruf nach autoritärer Führung sei sehr laut.
Böhmermanns Gesprächspartner fühlte sich sichtbar gut unterhalten. Dazu Böhmermann: “Sie lachen, aber warum eigentlich? Sie sind doch beim ORF beschäftigt, gibt’s da noch was zu lachen?” Hintergrund ist das Wolf-Interview und die Folgen und das geplante neue ORF-Gesetz, das momentan von der Regierungskoalition verhandelt wird. Böhmermann sagte auch, man müsse sich nicht fragen, warum Wolf sich da hinstelle, sondern, warum man sich als Journalist nicht dazustelle. Und als ob er es geahnt hat: „Dürfen Sie das eigentlich senden, wenn ich das sage?”

Der ORF darf. Aber ein bisschen unwohl fühlte man sich in der Kulturredaktion dann doch. Aber dass der ORF ein Interview ausstrahlt, damit sich die Moderatorin danach davon distanzieren muss, das ist mindestens erstaunlich. Denn während des Interviews hat sich der ORF-Frager ja noch köstlich amüsiert – aber vielleicht wird man ihn deshalb ja auch bald feuern.
Wovon wird sich der ORF bald noch distanzieren? Wird der ORF demnächst gar keine Satire mehr ausstrahlen, weil sich irgendjemand beleidigt fühlen könnte? Wird der ORF überhaupt noch Interviews führen, weil Angst herrscht, jemand könnte was Schlimmes sagen?
Schon am Dienstag griffen das Stermann und Grissemann in ihrer ORF1-Late-Night-Show “Willkommen Österreich” auf. Während ihres Stand-Ups mit politischen Gags, lief diese Schrift durchs Bild: “Achtung! Der ORF distanziert sich laufend von den müden Witzen und schalen Gags von Stermann und Grissemann. Aber wie Sie wissen darf Satire alles und der öffentlich-rechtliche Rundfunk künstlerische Meinung wiedergeben.” Na hoffentlich wird “Willkommen Österreich” nicht abgesetzt. Weil sich Rechtspopulisten gestört fühlen könnten.

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Silvestershow mit Jörg Pilawa

Mittwoch, den 2. Januar 2019
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MO 31.12.2018 | 20.15 Uhr | ORF2

In Eurovisionsshows scheinen Frauen auch 2018/19 nur Platzhalter zu sein. Sie haben schön im Bild rumzustehen, sie haben zu lächeln, und sie sollen möglichst wenig sagen.
Zu Silvester übertrug ORF2 (plus Das Erste und SRF) live aus Linz in Österreich die “Silvestershow mit Jörg Pilawa”. Und wie im vergangenen Jahr auch mit Francine Jordi. Doch für die Moderatorin war im Sendungstitel keinen Platz.

In Zeiten der #metoo- und Gleichberechtigungsdebatte ist das mehr als erstaunlich. Denn Francine Jordi scheint in der Show nicht nur nicht namentlich vertreten zu sein, sondern sie scheint auch nicht wirklich was zu sagen zu haben. Sie hat offenbar die Rolle als Beiwerk zu besetzen. Wenn Jörg Pilawa redet, hat Frau Jordi ruhig zu sein.
Als es um 23.59 Uhr darum ging, den Countdown anzusagen, konnte sie anfangs einen bedeutungslosen Satz sagen, bevor er dann zu einer langen Rede abhob und nicht mehr aufhörte. Als er dann den Countdown zählte, stimmte sie immerhin mit ein.

Auch in anderen Moderationen war Frau Jordi entweder nicht dabei, oder sie hatte die Aufgabe zu lächeln und den großen Jörg Pilawa anzusehen. Und ein bisschen anzuhimmeln. Immerhin hat ja Pilawa eine Show, in der sein Name auch vorkommt.

Wenn es auch 2019 wieder eine Silvershow geben sollte, sollte Francine Jordi dringend ihren Vertrag neu verhandeln. Entweder wird im Sendungstitel der Name Pilawa schlicht gestrichen, denn die Nennung nur eines Moderators ist schlicht unverschämt, oder sie sollte auf diese Show-Männerdomäne einfach mal verzichten. Das Problem: Der Pilawa würde Jordis Fehlen vielleicht nicht mal merken.

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ZiB spezial: Wladimir Putin – Das Interview

Donnerstag, den 7. Juni 2018
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MO 04.06.2018 | 20.15 Uhr | ORF2

“Wenn Sie die Geduld aufbringen, mir bis zum Ende zuzuhören, dann werden Sie meinen Standpunkt erfahren. Gut?”
“Sie haben mich übrigens schon wieder unterbrochen. Hätten Sie mich ausreden lassen, würden Sie verstehen, worum es geht. Ich werde also trotzdem zu Ende sprechen.”

Nein, dass der russische Präsident Wladimir Putin ein einfacher Gesprächspartner ist, das kann man nicht gerade sagen. Das musste am Montagabend der bekannte ORF-Nachrichtenmann Armin Wolf erfahren. Andererseits: Mit schwierigen Interviews kennt sich Wolf aus, dafür ist er in Österreich bekannt und angesehen.
In einem “ZiB spezial” führte Wolf nun ein Interview mit Putin, vor dessen Österreich-Besuch.

Putins Taktik scheint es zu sein, sein Gegenüber zermürben zu wollen. Immer wenn der russische Politiker eine Frage ausweichend oder ausschweifend beantwortete, grätschte Wolf rein. Das ließ sich Putin jedoch nicht gefallen, in dem er seinen Interviewer zurecht wies. Das ist äußerst geschickt: Denn für viele Zuschauer scheint Wladimir Putin so in einer Opferrolle zu sein. Der Mann, der nie aussprechen darf. Der Mann, der von einem aus seiner Sicht unverschämten Journalisten ausgefragt wird. Das ist eine Taktik, die bei Putin-Anhängern offenbar auch sehr gut funktioniert.
Dazu gehören dann gern auch mal Gegenfragen. Putin würde was zur Besetzung der Krim erklären und dann frage er Wolf: Ja oder Nein? Als Wolf meint, er sei kein ukrainischer Verfassungsexperte, entgegnet Putin, dass Wolf der frage ausweiche.
Und dazu immer das süffisante Lächeln.

So zieht sich das durch das ganze Gespräch. Dass es am Ende – je nach Standpunkt – sehr unterschiedlich gewertet wird, ist klar. Putin-Fans werden sich über den “ORF-Flegel” aufregen. Beobachter des freien Journalismus werden jedoch gesehen haben, wie schwierig es ist, wenn im freien Journalismus auch mal härter nachgefragt werden kann.

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