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Klinik (3): Gegessen wird, was auf den Tisch kommt

(2) -> 27.10.2013

Im Krankenhaus bin ich einem Irrtum aufgesessen. Eigentlich dachte ich, dass das Pflegepersonal mir sagen kann und muss, was ich denn in meinem Krankheitsfall essen darf und was nicht. In der Oranienburger Klinik ist das anders.

Nachdem ich fast zwei Tage nur über den Tropf oder von Milchsuppe ernährt worden bin, gab es eine freudige Nachricht: Ich bekomme nun Schonkost! Also, zumindest war das die Ankündigung der Ärztin bei der morgendlichen Visite.
Beim Pflegepersonal muss das anders angekommen sein. Zum Mittag gabs Putenfleisch mit Soße, Kartoffeln, dazu irgendein Weißkrautsalat und eingeweckte Erdbeeren zum Nachtisch. Etwas irritiert blickte ich auf das Mahl und wusste: Pute, okay. Kartoffeln, ja, warum nicht. Weißkrautsalat? Auf gar keinen Fall! Erdbeeren, nicht unbedingt. Ich mümmelte ein wenig am Essen herum, viel Hunger hatte ich sowieso nicht, mein Magen war das viele Essen auch gar nicht mehr gewöhnt.
Am Ende blickte ich auf den Zettel, der auf dem Tablett lag: Vollkost.

Meine Nachfrage, was denn da schiefgelaufen sei, ergab nur ein Schulterzucken. Wie auch schon am Morgen, als ich anmerkte, dass ich die wässrige Milchsuppe am Abend davor nicht besonders vertragen habe. Ich bekam am Morgen trotzdem eine neue.
Zum Abendbrot gabs dann wieder Vollkost. Mit Salami – mit Fett, das ich erst mal meiden soll. Und mit Weizenmischbrot. Ich kaufe in der Regel lieber Roggenmischbrot, weil ich das besser vertrage. Haben sie in der Klinik aber nicht. Und das in einem Haus, das sich damit rühmt, auf Allergien reagieren zu können.

Auch am kompletten nächsten Tag bekam ich wieder und wieder Vollkost. Was einmal im System steht, wird auch nicht mehr geändert. Punkt. Am Tag zuvor kommt nämlich eine Pflegerin und gibt ein, was man denn Essen möchte. Was davon Voll- oder Schonkost ist, wusste ich allerdings nicht. Wenn man eine Obstschale bestellt, weiß man nicht, was denn für Obst kommt. Obst eben. Entscheidet man in der Küche kurzfristig.
Ich habe gehört, dass andere Kliniken, was das Essen angeht, fortschrittlicher, aber vor allem patientenorientierter ist. In Oranienburg wird das Essen am Bedarf (am gesundheitlichen Bedarf!) des Patienten vorbeiverteilt. In der Hinsicht gibt es dort großen Optimierungsbedarf.

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3 Kommentare zu “Klinik (3): Gegessen wird, was auf den Tisch kommt”

  1. Boa

    Na das allein motiviert ja zum gesund bleiben. Das liest sich wie eine sehr ungünstige Mischung aus robustem DDR-Charme und Sch***egal-Einstellung des Personals. Die Mahlzeiten die da vor meinem geistigen Auge entstehen hätte ich auch nicht aufgegessen und ein paar Kilo abnehmen kann ja auch nicht schaden 😉
    Am Ende gefällt es den Patienten noch so gut, dass sie garnicht mehr nach Hause wollen…

  2. RT

    Für den Dezember werde ich bei der Frage nach Allergien auf jeden Fall noch überlegter antworten.

  3. RTiesler.de » Blog Archive » Klinik (4): Begegnungen II

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