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Vor 20 Jahren (5): Vierter Schriftführer – ein Abstieg

(4) -> 6.10.2009

Montag, 9. Oktober 1989.
Bewegte Tage. Die DDR-Oberen tun so, als sei im Staat alles in Ordnung, lassen sich feiern. Und die Polizei prügelt die friedlichen Gegendemonstranten nieder. Dramatische Bilder in der “Tagesschau”.
In der Schule sagte man uns, es handele sich um eine Hetzkampagne der westlichen Medien. In der “Tagesschau” sah das anders aus. Die Demontranten waren friedlich, als Knüppel kamen. Und als 11-Jähriger steht man zwischen den Fronten, weil man nicht so richtig weiß, wem oder was man glauben soll. Tendenziell fand ich jedoch die ARD jedoch glaubhafter als unsere Lehrer in diesem Punkt…

Der 9. Oktober 1989 geht in die Geschichte ein. In Leipzig demonstrieren am Abend nach den Friedensgebeten 70000 Menschen. “Wir sind das Volk!” rufen sie. Es bleibt alles friedlich. Erstmals.
Und wir wählten in diesem Tag unseren neuen Gruppenrat. Letztmals.
Aber auch das war anders als sonst. Wir trafen uns am Nachmittag in unserem Klassenraum. Und zum allersten Mal war die Gruppenratswahl komplett offen. In den Vorjahren stand die Wahl nämlich schon fest. Schon am Vormittag legten wir im Unterricht fest, wer gewählt werden würde. Die Wahl selbst war nicht mehr als ein bürokratischer Akt. Also gar keine wirkliche Wahl.
1989 nicht mehr. Da war seltsamerweise alles echt.
Bis dahin war ich stellvertretender Gruppenratsvorsitzender. Im Jahr davor sogar Vorsitzender. Aber so richtig Bock darauf hatte ich nie. 1989 noch weniger. Also kniff ich und stellte mich nicht zur Wahl.
So war ich am Ende einer von vier Schriftführen. Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich mich dann um die Wandzeitung gekümmert.
Die Gruppenratsspitze in der 5b wurde 1989 komplett ausgetauscht. Ob die anderen auch keine Lust mehr hatten, weiß ich jedoch nicht mehr.

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Ein Kommentar zu “Vor 20 Jahren (5): Vierter Schriftführer – ein Abstieg”

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