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Gehandelt statt gewartet

Dienstag, den 14. Januar 2020
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Der Glienicker Marcel Hanisch räumt mit drei Mitstreitern Müll in Schönfließ weg

MAZ Oberhavel, 14.1.2020

Schönfließ.
Es hat ihm gereicht. Am Sonntagmorgen hat sich der Glienicker Marcel Hanisch eine Harke geschnappt, Müllsäcke und Handschuhe. Er und insgesamt drei weitere Mitstreiter begannen dann, aufzuräumen.

Schon längere Zeit hat er sich über Müll auf einem Hügel nahe des Waldes hinter der Glienicker Breitscheidstraße geärgert. „Das ist ein Hotspot, wo sich Jugendliche treffen“, erzählt der 40-Jährige. Es heißt, schon mehrere Male seien sie angesprochen worden, sich dort zu benehmen. Nun aber standen dort mehrere kaputte Stühle vom Sperrmüll, aufgerissene Kissen einer Couchgarnitur. „Alles aufgerissen und zerkloppt. Da lagen sogar Socken rum.“ Auch einige Reste von Silvesterknallern waren auf dem Areal noch zu finden.
Er meldete die Stelle in der Glienicker Gemeindeverwaltung. Allerdings stellte sich raus, dass sie dafür nicht zuständig sei, die Fläche, um die es da geht, gehört schon zu Schönfließ im Mühlenbecker Land. In der dortigen Verwaltung gab man an, es handele sich um ein Privatgrundstück, offenbar gehört es dem Landkreis. Es passierte jedenfalls: nichts.

„Aber das geht so nicht. Da ist Schaumstoff bei gewesen, und der gehört nicht in den Wald. Das ist für die Natur der letzte Dreck. Ich hasse so was“, sagt Marcel Hanisch. Auch findet er dort öfter Verpackungsreste, alte Flaschen und einiges mehr. „Das gehört einfach nicht dorthin.“ Nicht nur, weil es sehr unschön aussieht, auch gehen dort hin und wieder Leute mit ihrem Hund spazieren.
Am Sonntagfrüh begann dann also die Reinigungsaktion. „Erst habe ich alleine angefangen, nachher waren wir dann insgesamt vier Leute.“ Eine Frau, die er nicht kannte, habe auch spontan mitgemacht. Um die anderthalb Stunden dauerte die Arbeit – alles zusammenharken, den Müll in die Säcke. Gerade das Zusammenharken sei auf dem Waldboden gar nicht so einfach gewesen. „Wir haben dann alles zur Breitscheidstraße gebracht, an den dortigen Mülleimer gestellt.“

Er hofft, dass es dort nun sauber bleibe, die Jugendlichen stünden unter vermehrter Beobachtung. „So eine Aktion sollte jedenfalls nicht zur Regel werden“, so der Glienicker weiter.

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Die ganz große Samstagabend-Show

Montag, den 12. Oktober 2015
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700 Zuschauer verfolgten in Hohen Neuendorf die zweite Ausgabe von “Wer besiegt Paul”

MAZ Oberhavel, 12.10.2015

HOHEN NEUENDORF
Premiere für Paul Aurin: Erstmals ist er bei seiner großen Spielshow von einer Frau herausgefordert worden. Die 21-jährige Julia Zwolinski aus Schönfließ trat am Sonnabend in der Hohen Neuendorfer Stadthalle gegen ihn an. Bis 0.20 Uhr dauerte es, bis feststand, dass sie Paul nicht besiegen konnte und der Jackpot von 1000 auf nun 1500 Euro wächst.

700 Zuschauer waren im ausverkauften Haus dabei, als die zweite Ausgabe von „Wer besiegt Paul“ über die Bühne ging. Das Ganze war so aufwendig wie eine Fernsehshow – ohne dass sie im Fernsehen gezeigt wurde. Schon vor einigen Jahren konnte der angehende Lehrer Paul Aurin (25) Freunde um sich sammeln, mit dem er große Shows im Stil von „Schlag den Raab“ organisierte. 2014 wurde aus der Schulveranstaltung erstmals ein öffentliches Event.

Der Aufwand, der da betrieben wurde, war atemberaubend. Die vier Kandidaten, die sich einem anfänglichen Auswahlverfahren stellen mussten, bekamen eigene Einspielfilme mit kurzen Porträts. Zwei Kameramänner hielten das Geschehen für die Videoleinwand fest. Dutzende Helfer trugen Requisiten rein und raus, dazu eine Regie, die alles steuerte, und eine Tonmannschaft. Lauter engagierte, junge Leute. Unterstützt worden sind sie von der Stadt Hohen Neuendorf, vom Kulturverein und von Sponsoren. Etwa 10 000 Euro habe das Event gekostet, sagte Moderator Fabian Lindemann. „Deshalb ziehe ich meinen Hut vor diesem unfassbaren Team.“

Schon Tage vorher hatte in der Hohen Neuendorfer Stadthalle der Aufbau begonnen, die Spiele entstanden nach monatelangen Überlegungen und Vorbereitungen. „Wir machen das alles nebenbei“, so Fabian Lindemann. „Wir gehen alle arbeiten, zur Uni oder zur Schule. Das war wirklich hart, aber wir haben es geschafft.“

Julia Zwolinski, die das anfängliche Auswahlspiel und das Zuschauervoting gegen drei männliche Kandidaten gewann, konnte sich in bis zu 15 Spielen gegen Paul Aurin messen. Die beiden mussten sägen, Orte auf einer Europakarte finden und Personen anhand von Fotos oder ihrer Stimme erkennen. Sie mussten Panzertape so schnell wie möglich abrollen, sich lange Texte merken und aufsagen und ihr Können im Curling und Minigolf beweisen. Ein Spannungshöhepunkt war die Spielrunde namens „Lift-it“. Julia und Paul mussten gewissermaßen Kran spielen, der Haken hing an ihren Stirnen, damit mussten sie freihändig Bausteine auf bestimmte Weise aufeinander setzen. Das Spiel, das alles entschied, hieß „Wer weiß mehr?“. Da ging es darum, Marken des Volkswagen-Konzerns oder alle Berliner staatlichen Hochschulen aufzuzählen.
Am Ende gewann Paul bereits nach Runde zwölf, weil er an diesem Punkt von Julia nicht mehr einzuholen war. Die war am Ende ein bisschen enttäuscht. „Aber ich freue mich total, dabei gewesen zu sein“, sagte sie danach. „Mir hat es super viel Spaß gemacht.”
Wie auch dem Publikum, das den ganzen Abend lang ordentlich mitging, mitfieberte, anfeuerte und applaudierte. „Danke, dass Sie diesen Weg mit uns gehen“, sagte Fabian Lindemann am Schluss zu den Zuschauern.

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53-mal Willi: Aufgelöst, aufgemischt, umbenannt

Freitag, den 27. Dezember 2013
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MAZ Oranienburg, 27.12.2013

OBERHAVEL
Was, schon wieder vorbei? 2013 ist fast Geschichte, und auf den 53 „Willi“-Seiten dieses Jahres ist so einiges passiert.

Musik:
Oranienburger Musiker haben es auf dem Stadtfest im Juni schwer. Es gibt keinen Platz für den Nachwuchs – ganz anders als in Hennigsdorf.
Das Jazzkomplott aus Oranienburg hat mit „Hypermut“ ein neues Album herausgebracht – erstmals mit selbstgeschriebenen Stücken.
Das Projekt Muetzen feierte seinen fünften Geburtstag.
Produzent Kristian Tilgner aus Hennigsdorf legt mit Darius und Finlay ein neues Album vor: „Summer is here“.
„Die anderen Kinder“ aus Hennigsdorf legten eine Zwangspause ein, weil zwei der vier Bandmitglieder länger im Ausland sind.
Radiopilot verkündete das Aus.
„No Voltage“ aus Hohen Neuendorf hat sich aufgelöst, dafür gibt es jetzt „Coast of Madness“.
Ali Rhabarber und die Pfirsichräuber aus Groß-Ziethen haben Pech: Die Band sucht einen Sänger und einen Drummer.
Adrian Sarac (18) aus Mühlenbeck veröffentlicht seine erste Single. Ein Album soll auch in Arbeit sein.
Die Musicalgruppe Glienicke führt ein „Blues Brothers“-Stück auf und darf damit sogar nach Polen.
Schock dagegen für „Gruppenzwang“. Bandmitglied T-Krizz stirbt im August bei einem Autounfall.

Schule:
An den Oranienburger Gymnasien feiern „Der Penner“ und der „Iwahn“ ihr Comeback. Die Schülerzeitungen erschienen wieder.
Probleme gibt es mit den Klassenfahrten. Lehrer müssen immer öfter dafür in die eigene Tasche greifen.
Nach dem schweren Hochwasser in Süd- und Mitteldeutschland veranstalten die Schüler des Granseer Strittmatter-Gymnasiums ein Benefizkonzert.

Internet:
Die Band Right Now steht bei den Oberhavel-Facebook-Charts mit 5736 Fans ganz oben. Auf Platz zwei: die Band Funhouse, dahinter die Hohen Neuendorfer Himmelspagode. Im Januar 2014 gibt’s das nächste Ranking.
Der Umgang mit Facebook ist bei vielen übrigens noch mit viel Halbwissen verbunden. Deshalb veranstalten immer mehr Jugendklubs, wie der in Schönfließ, entsprechende Seminare.

Und sonst?
In Oranienburg wird Anfang Mai eine fröhliche Party zum Albtraum. Plötzlich tauchen Fremde im Haus auf, die alles kurz und klein hauen.
Nils (23) erzählt bei „Willi“, wie er sich mit dem Aids-Virus angesteckt hat. Oft hatte er ungeschützten Sex.

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Zum Thema Facebook gibt es noch viel Halbwissen

Donnerstag, den 11. April 2013
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Seminar zum sozialen Netzwerk im Schönfließer Jugendhaus

MAZ Oranienburg, 11.4.2013

Das Internet und Facebook sind ein echtes Geschenk, aber wir müssen damit umgehen lernen, sagt ein Computerexperte.

SCHÖNFLIESS
Denise hat auf Facebook ungefähr 700 Freunde – gut 50 davon kennt sie real, sagt sie. „Viele kenne ich aus der Schule oder vom Fußball“, erzählt die 14-Jährige aus Schönfließ. Ihre Freundin Josephine (14) kann da nicht mithalten, sie hat im sozialen Netzwerk im Internet nur 300 Freunde. „Ich bin allerdings erst ein halbes Jahr dabei“, sagt sie. „Ich chatte viel und poste Fotos.“ Dass Facebook viele Daten speichert, interessiert sie nicht besonders.

Dem will der Computerfachmann Ilja Stühmeier aus Lehnitz entgegensteuern. In der vergangenen Woche bot er im Jugendhaus in der Schönfließer Bieselheide ein Seminar über den Umgang mit Facebook an. „Das Internet und Facebook sind ein echtes Geschenk“, sagt er. „Aber wir müssen uns klar darüber sein, dass es ein Unternehmen ist, das mit unseren Daten Geld verdienen will.“ Heutzutage sei es möglich, mit bestimmten Computerprogrammen die Facebook-Daten zu verknüpfen und so ein richtiges Profil über den jeweiligen Nutzer zu erstellen. Traurig sei es, dass Eltern mit diesem Thema oft überfordert seien.
Das bestätigt auch Sabine Vehlow, die Jugendkoordinatorin im Mühlenbecker Land, sie ist selbst Mutter. „Uns wird auch nicht geholfen“, sagt sie. Sie hat sich auch auf der Internetplattform angemeldet. „Ich nutze das, um mal ein Auge drauf zu haben, was da so los ist.“ Die Möglichkeit der Vernetzung findet sie an sich aber erst mal „super“. Bei Jappy, einem weiteren Netzwerk, musste sie schon mal eingreifen, nachdem bekannt geworden sei, dass ein anonymer Nutzer Nacktfotos an junge Mädchen verschickt hatte. Ilja Stühmeier bezeichnet Jappy als das qualitativ schlechteste soziale Netzwerk im Internet. „Sandro, 12, ist da in Wirklichkeit schon mal 56“, erklärt er. Allerdings seien die Nutzerzahlen bei Jappy jedoch rückläufig, immer mehr Jugendliche tummeln sich bei Facebook.

„Es gibt nur zwei Leute in meiner Klasse, die nicht dabei sind“, sagt die 14-jährige Schönfließerin. Einer davon ist Deniz. Er darf sich erst anmelden, wenn er 14 sind, so habe es ihm seine Mutter zugesagt, erzählt er.
Das Seminar im Jugendhaus in Schönfließ fand das erste Mal statt. „Es gab bei uns einen Generationswechsel“, sagt Koordinatorin Sabine Vehlow. „Die ganz jungen Leute können den Kurs gebrauchen, da gibt es noch sehr viel Halbwissen. Teilweise wissen sie gar nicht, was sie machen.“

Denise verbringt etwa drei Stunden am Tag auf Facebook. „Ich poste dort, was ich so mache“, erzählt sie. Genau wie ihre Freundin Josephine hat sie ihr Profil auf der Seite aber so eingestellt, dass nur ihre Freunde lesen können, was sie schreibt.
Der 17-jährige Brian aus Schönfließ ist da schon vorsichtiger. „Ich chatte dort mit Freunden, habe aber keine Lust, was zu posten“, erzählt er. Eine Stunde pro Tag ist er auf der Seite des Netzwerks.

Ob es Ilja Stühmeier und Sabine Vehlow gelungen ist, die Schönfließer Jugendhausbesucher zu sensibilisieren, wird sich erst noch zeigen. Auf jeden Fall ist geplant, die Seminare in anderer Form weiterzuführen.

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1992: Vom Dorfkrug bleibt nicht viel übrig

Freitag, den 23. November 2012
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Oktober 1992 II -> 30.10.2012

Vor 20 Jahren: Ex-Kneipe in Schönfließ brennt ab / Schwarzarbeiter in Schwante / Orkan im Landkreis

MAZ Oranienburg, 23.11.2012

Was passierte vor 20 Jahren in der Region? Diesmal die Ereignisse im November 1992 .

OBERHAVEL
Vom alten „Dorfkrug“ in Schönfließ bleiben nur noch die Grundmauern übrig. Am 1. November 1992 brennt das Haus ab. Die sieben Bewohner können sich retten. Der Besitzer aus Berlin, der das Haus erst einen Monat zuvor gekauft hat, sagt, er wolle das Haus wieder aufbauen.

Dem Krupp-Kaltwalzwerk in Oranienburg droht das Aus. Von den 361 Mitarbeitern werden 1993 bereits 94 auf Kurzarbeit Null gesetzt. Der Betriebsrat kündigt Arbeitskampfmaßnahmen an.

Der Förderverein Kremmener Bahn protestiert. Die Landesentwicklungsgesellschaft Brandenburg will die Strecke Kremmen-Hennigsdorf-Tegel zur Regionalbahn erklären. Damit wäre die Wiedereinführung der S-Bahn dort blockiert. Hennigsdorfs Bürgermeister Andreas Schulz spricht sich erneut vehement für eine S-Bahn-Verbindung aus.

Die Oranienburger müssen einen Bogen um die Nikolaikirche machen. Ein Zaun schützt die Passanten vor herabstürzenden Dachziegeln. Pfarrer Reinhard Röhm hofft auf Fördergelder für die Reparatur.

Die Berliner Polizei will den alten Übungsplatz der DDR-Volkspolizei bei Neu-Vehlefanz zu einem Sprengplatz für Fundmunition umwandeln. Das Gelände ist seit 1990 ungenutzt und gehört dem Berliner Senat.

Bei einer Razzia auf der Baustelle für die neue Wohnsiedlung in Schwante stellen am 19. November 1992 Ermittler von Arbeitsamt und Polizei 47 Arbeiter aus Polen fest, die „schwarz“ beschäftigt sind. Das ist der bis dahin größte Fall von illegaler Beschäftigung in Nordbrandenburg. Die Arbeiter bekommen nur einen Dumpinglohn.

25 000 Menschen beteiligen sich an einer Unterschriftenaktion, die sich gegen einen Großkreis mit Oranienburg, Gransee und Templin wendet. Und: Oranienburg soll Kreisstadt werden.

40-mal muss die Feuerwehr am 26. November 1992 ausrücken – Orkan! In Schildow fällt ein schwerer Baum auf einen Wohnblock. Das Oranienburger Runge-Gymnasium hat einen Dachschaden. Viele Stromleitungen sind zerfetzt.

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RT im Kino

Oh Boy

Samstag, den 3. November 2012
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Ist noch Kaffee da?
Gerade alle geworden.

Dieser Niko (Tom Schilling) – was macht der eigentlich den ganzen Tag?
Er denkt nach. Über sich. Über die anderen. Über seinen Vater. Über … joa … dies und das. Letztlich macht er: nichts.
Niko ist Ende zwanzig, sein Studium hat er schon vor zwei Jahren geschmissen, er denkt, sein Vater weiß davon nichts. 1000 Euro bekommt er von ihm im Monat. Noch. Als die Bankkarte vom Automaten geschluckt wird, ist klar: Irgendwas ist anders.
Aber Niko hat sowieso andere Dinge im Kopf. Da ist seine neue Wohnung, die noch nicht eingerichtet ist. Womit auch? Der Nachbar, der ihm seine Probleme erzählt. Die Freundin, die jetzt seine Ex-Freundin ist. Der Kumpel, der ihm zu einem Filmdreh mitschleppt. Die ehemalige fette Klassenkameradin, die jetzt gar nicht mehr fett ist – aber trotzdem seltsam. Der alte Mann (toll: Michael Gwisdek), der in der Kneipe Niko seine Geschichte erzählt. Und – ja, verdammt noch, dass es nirgendwo mehr vernünften Kaffee gibt!

Oh Boy!, möchte man ihm gern zurufen.
“Oh Boy” heißt auch das Langfilmdebüt von Jan Ole Gerster, gedreht in schwarz-weiß in einer pulsierenden Metropole – Berlin (mit dem Bahnhof Schönfließ in einer Nebenrolle).
Wir begleiten Niko einen Tag lang durch sein Leben. Und das tut bisweilen ganz schön weh. Wenn Niko beim Idiotentest sitzt, tut das weh. Denn der Psychologe ist ein Arsch. Wenn sich Niko das Leid des Nachbarn anhören muss, tut das weh. Denn der Nachbar ist ein armes Würstchen. Wenn sich Niko im Café zwischen zig Kaffeesorten entscheiden muss und dafür 3,40 Euro hinlegen muss, dann tut das weh. Denn 3,40 Euro hat Niko gar nicht dabei. Wenn sich Niko ein beklopptes, aber angeblich kulturell total wertvolles Tanztheaterstück ansieht, dann tut das weh. Denn kulturell total wertvolles Tanztheater ist nahezu unerträglich und unfreiwillig komisch. Wenn sich Niko das Gezeter seines Vaters (und Geldgebers) anhören muss, dann tut das auch weh. Denn Papa hat leider recht.
Der Film hat Züge einer Komödie, dabei ist er eigentlich todtraurig und melancholisch. Er hat durchaus witzige Momente – die aber gleichzeitig ebenfalls traurig sind -, extrem rührende und erhellende.
In schönen Nebenrollen sind Michael Gwisdek, Justus von Dohnányi, Frederick Lau zu sehen.
Tom Schilling – der immer noch aussieht wie ein Teenie – spielt den verunsicherten jungen Mann, der sich nach etwas sehnt, wovon er selbst noch keine Ahnung hat, einfach wunderbar. Schwach, zerbrechlich, in den Tag hinein lebend, scheinbar ohne Ziel. Man sympathisiert mit Niko, gleichzeitig wünscht man ihm so sehr, doch endlich zuzupacken und aus dem seltsamen Vakuum herauszukommen.

Und, gibt’s noch Kaffee?
Na, mal sehen.

8/10

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RTelenovela

Bahnbekanntschaften (69): Die S1 auf Abwegen

Samstag, den 13. Oktober 2012
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(68) -> 28.9.2012

Die S-Bahn fährt gerade in den Bahnhof Bergfelde ein, als die Leute hinter mir nervös auf ihren Fahrplan sehen. Bergfelde? Wieso denn Bergfelde? Die S1 fährt doch gar nicht nach Bergfelde.
Doch, momentan schon. Aber das ist ein Geheimnis.

Wegen Bauarbeiten verlässt die S1 zwischen Hohen Neuendorf und der Bornholmer Straße in Berlin ihre eigentliche Strecke.
In Oranienburg erfährt man das nur am Rande. Schon fünf Tage nach Einrichtung der Umleitung ließ die Bahn ein paar Zettel in den Schaukasten hängen. Über die neuen Abfahrtszeiten lässt man die Oranienburger auf dem bahnsteig aber weiter im Unklaren. Wobei die Zeiten sowieso wurscht wären, denn die Uhren funktionieren seit Wochen nicht – wie übrigens auch die Fahrtzielanzeiger seit Jahren nicht funktionieren und schon seit Ewigkeiten ein falsches Fahrtziel angeben. Das ist nichts anderes als beschämend.

Kurz bevor die S-Bahn Hohen Neuendorf erreicht, informiert der Fahrer über die Umleitung. Oder besser: Er nuschelt irgendwas ins Mikro. Die Leute im Anteil hinter mir hören dementsprechend auch nicht richtig hin.

Für die Umleitung der S1 blieb der Bahn nur wenig Vorbereitungszeit. Dementsprechend hatte in den sieben Wochen auch niemand Zeit, sich um die Anzeigetafeln in den Waggons zu kümmern. Im Zeitalter der Technik ist es offenbar nicht möglich, die veränderte Strecke anzuzeigen und anzusagen. Zwischen Hohen Neuendorf und Bornholmer Straße bleibt das Display aus, die Computerstimme schweigt. Der Fahrer muss die Stationen selber ansagen.
Nicht wirklich professionell. Aber das sind wir ja von der Berliner S-Bahn gewöhnt.

Inzwischen – wir haben Schönfließ erreicht – haben die Leute hinter mir die Strecke gefunden, auf der wir unterwegs sind. Glücklicherweise wollen sie zum Brandenburger Tor und sitzen somit im richtigen Zug.

Auf der Rückfahrt nach Oranienburg hat der Fahrer immerhin noch den Bahnhof Berlin-Pankow angekündigt. Danach hatte er auf die Laberei wohl keine Lust mehr – oder er hat’s schlicht vergessen. So rollte die Bahn minutenlang durch die Dunkelheit, um dann irgendwo plötzlich stehenzubleiben. Und als sich plötzlich der Fahrer meldete – “Oranienburgeinsteigenoranienburgzurückbleiben!” – war klar: Huch, das war dann wohl Mühlenbeck-Mönchmühle. Konnten wir auf dem dusteren bahnhof leider nicht so richtig erkennen.

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