RT liest

Katharina Peters: Dünenmord

Samstag, den 10. August 2013
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Am Strand von Göhren auf Rügen wird eine Frauenleiche gefunden. Monika Sänger scheint sich mit ihrem Mörder verabredet zu haben, denn Kommissarin Romy Beccare findet auf ihrem Handy eine entsprechende SMS.
Monika Sänger war eine Kindergärtnerin, sie galt eigentlich als beliebt. Ja, eigentlich. Aber die Mordkommission in Bergen stößt auf immer mehr Ungereimtheiten – und muss weit in die Vergangenheit zurückschauen: Was ist einst in Prora passiert? Und was mit dem Bausoldaten, der in den 80ern beim Hafenbau in Neu-Mukran ums Leben gekommen ist? Und wie war das vor 20 Jahren, als am Göhrener Strand ein Kind verschwunden ist?

Es ist ganz schön was los auf Rügen. Katharina Peters schafft in ihrem Roman “Dünenmord” einen interessanten Spagat aus Gegenwart und Vergangenheit. Als leser erfährt man einiges aus der Geschichte der Insel. So berichtet sie spannende Details über die NVA in Prora und beim Hafenbau.
Die Kriminalgeschichte bleibt bis zum Schluss spannend, auch wenn die Auflösung dann doch ein bisschen zu plötzlich kommt.
Sehr schön sind die ausführlichen und durchaus ins Detail gehenden Beschreibungen der Insel, die vielen verschiedenen Handlungsorte auf Rügen, die Schilderungen der Autofahrten von A nach B. Ein echter Heimatkrimi eben – für Rüganer und Rügen-Fans.

Katharina Peters: Dünenmord
Aufbau-Taschenbuch, 287 Seiten
8/10

RTelenovela

Schweden (4): Auf der Fähre

Samstag, den 18. Mai 2013
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(3) -> 17.5.2013

So eine riesige Autofähre, wie sie zum Beispiel zwischen Trelleborg in Südschweden und Neu-Mukran auf Rügen unterwegs ist, ist eine logistische Meisterleistung. Das fängt schon mit den vielen Autos, Wohnmobilen, Lastwagen und Eisenbahnen an, die alle verschifft werden sollen. Es bleiben nur gute 50 Minuten Zeit, dass das Schiff geleert wird und die neuen Passagiere an Bord kommen. Außerdem müssen alle Bestände aufgefüllt und sicherlich auch mal durchgewischt werden.

Als Autofahrer muss man ganz schön aufpassen, dass man nicht gegen irgendwas fährt oder ein anderes Auto rammt. Die Einfahrt ist wie in ein recht enges Parkhaus. Es wird so lange zugestellt, bis alle Spuren voll sind. Das führte sogar dazu, dass ein Schwerlaster abgewiesen werden musste, weil das Parkdeck offenbar voll war (später bei der Ausfahrt sahen wir: Es war rappelvoll). Der Laster musste rückwärts die komplette Rampe zurückfahren.

Die Trelleborg auf der Hinfahrt war noch in schwedischer Hand, alles war auf Schwedisch. Das Fährschiff “Sassnitz” scheint mehr “Deutsch” zu sein. Das Bordpersonal spricht deutsch, es gibt deutsche Zeitungen. Auf der “Trelleborg” war das anders, vielleicht wurde das irgendwann mal so aufgeteilt.

Die letzte logistische Meisterleistung: Trotz 20-minütiger Verspätung in Trelleborg kamen wir fast pünktlich im Fährhafen Sassnitz/Mukran an.

RTelenovela

Rügen 2013 (4): Auf Durchreise

Montag, den 13. Mai 2013
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(3) -> 2.1.2013

So kurz war ich wahrscheinlich noch nie auf Rügen. Nur auf der Durchreise. Mal abgesehen von einem Tankstopp bei Bergen, fuhren wir auf schnellstem Weg zum Fährhafen Sassnitz-Mukran. Rügen diente diesmal nur als Zwischenstation auf dem Weg nach Schweden.

Die Fahrt nach Trelleborg dauert vier Stunden, ich bin sie vor 20 Jahren schon mal gefahren, damals aber noch vom Stadthafen Sassnitz aus. Inzwischen muss man in Neu-Mukran einchecken. Zunächst relativ unspektakulär. Die Fahrt hatten wir vorher schon im Internet bestellt und bezahlt – etwa 36 Euro zahlen wir pro Person für die Hin- und Rückfahrt. Das ist nicht allzu teuer.
Fast wären wir jedoch nach Russland statt nach Schweden geschippert, weil wir uns im Hafen fast verfahren hätten und am falschen Terminal gelandet wären.

Jede Fahrspur wird einzeln aufgerufen, dann geht es über eine Brücke rauf aufs Schiff, die “Trelleborg”. Wir parkten unten das Auto und genossen dann oben die Ausfahrt.
Die erste Stunde ist eine echte Sightseeing-Tour. Das Schiff fährt an Sassnitz vorbei und an den Kreidefelsen. Fast zwei Stunden lang – die Hälfte der ganzen Tour – ist die Rügen-Silouette noch in der Ferne zu sehen.

RTelenovela

Vor 20 Jahren (92): Nach Schweden

Montag, den 18. Februar 2013
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(91) -> 25.7.2012

Donnerstag, 18. Februar 1993.
Jahrelang machten wir auf Rügen Urlaub, und bis 1989 konnten wir den Fähren, die von Sassnitz aus starteten, nur zusehen. Schweden – das war, als die DDR noch existierte, so nah und doch so weit weg.
Im Februar 1993 machten wir einen Kurzurlaub in Binz, und ganz spontan überlegten wir uns: Morgen fahren wir mal nach Schweden.

Seltsamerweise habe ich extrem wenige Erinnerungen an diesen Trip. Ich vermute mal, dass wir die Abfahrtszeiten der Fähre von Sassnitz nach Trelleborg irgendwo in Erfahrung bringen konnten.
Damals gab es noch den Fährhafen in Sassnitz. Wir stellten unser Auto nahe des Hafens ab und gingen aufs Schiff, das uns innerhalb von vier Stunden rüberbringen sollte.
Die Fähre war alles andere als ein Luxusliner – wie es konkret darauf aussah, weiß ich leider nicht mehr. Es gibt von diesem Ausflug keine Fotos. Oder doch? Vielleicht sollte ich mal in der Fotoschublade kramen.

In Trelleborg selbst ist, nun ja, nichts los gewesen. Schnell gingen wir in ein Geschäft, kauften etwas Schwedisches und beschlossen – weil auch das Wetter mies war – gleich wieder zurück zu fahren. Unser Schweden-Aufenthalt dauerte keine Stunde. Aber wir waren dort.
Wenn alles klappt, dann werde ich im Mai das zweite Mal auf dieser Route unterwegs sein. Allerdings fahren die Fähren inzwischen nicht mehr vom Sassnitzer Stadthafen aus, sondern in Neu-Mukran.

aRTikel

Angemerkt: Immer wieder sonntags

Freitag, den 16. April 2010
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RT wundert sich, dass Binz auf Rügen plötzlich in einer Grenzregion liegt

MAZ, 16.4.2010

Das Ostseebad Binz liegt näher an Polen, als wir alle gedacht haben. Nämlich elf Kilometer. Das glauben Sie nicht? In Mecklenburg-Vorpommern sorgten die großen Kirchen und das Oberverwaltungsgericht vergangene Woche dafür, dass der Sonntagsverkauf in den Geschäften der Seebäder verboten wird. Doch die Binzer fanden eine Gesetzeslücke: In Orten, die näher als 15 Kilometer zur polnischen Grenze liegen, dürfen die Läden an vielen Sonntagen für fünf Stunden öffnen. Nun liegt Binz tatsächlich nicht so nah an Polen – dafür jedoch am Hafen von Mukran. Und wohin schippern die Dampfer von dort aus? Nach Danzig. Somit gilt Mukran als Grenzübergang zu Polen. Gut für Binz. Aber selbst in der Kirche gibt es Widerstand gegen die neue Regel. Thomas Vogel, Pastor der schleswig-holsteinischen Kirchengemeinde Timmendorfer Strand, sagte der Evangelischen Zeitung, er habe nur gute Erfahrungen mit der Bäderregelung gemacht. Was das wohl bedeutet? Geht etwa auch der Herr Pastor nach seinem Gottesdienst noch schnell in den Supermarkt um die Ecke?

aRTikel

Zug kaputt, Straßen okay

Donnerstag, den 11. September 2003
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Die 19-jährige Annegret Jahn aus Bötzow radelte neun Tage durch Polen nach Litauen

MAZ Oranienburg, 11.9.2003

BÖTZOW
Fast 1100 Kilometer in neun Tagen. Nicht etwa mit dem Auto, das wäre ja nun wirklich nichts Herausragendes. Gemeinsam mit ihrem Vater Karl-Ernst (50) und ihrem Bruder Michael (17) fuhr die 19-jährige Bötzowerin Annegret Jahn mit dem Fahrrad nach Litauen.
„Die Idee dazu kommt von meinem Vater“, erzählt sie. „Er hat früher schon Touren gemacht, war schon in Bulgarien, Schweden und Dänemark.“ In den letzten Jahren ging es dann nach Prag, Amsterdam und nun nach Klaipeda in Litauen.
Das ist keine Luxusangelegenheit. „Auf so eine Reise kann man natürlich nur das Allernötigste mitnehmen“, berichtet Anne. Auf den Gepäckträgern der Fahrräder ist eben nur begrenzt Platz. „Für ein Kissen zum Schlafen oder gar ein Kuscheltier reicht es nicht.“
Die Reise beginnt in der Nähe von Küstrin an der deutsch-polnischen Grenze, bis dahin fahren die drei noch mit dem Auto. Der Zeitplan ist eng, die Fähre von Klaipeda nach Neu-Mukran auf Rügen muss acht Tage später erreicht werden. Eigentlich sollte die Reise dorthin auch durch Russland führen, dafür bekamen die drei aber kein Visum. „Das ist eine komplizierte und teure Angelegenheit“, kürzt Anne die ganze Geschichte ab.
Von Zeltplatz zu Zeltplatz sollte die Reise gehen. So landen die Radler am ersten Abend in Gorzow auf einem Anglerzeltplatz.
163 Kilometer: der zweite Tag. „Die Straßen in Polen sind aber ganz gut, was man ja eigentlich gar nicht so denkt“, meint Anne. „Wir sind eher kleinere Straßen gefahren, wo nicht so viele Lkws sind.“ Die Hügel sind nicht sehr schwer zu überwinden. „Danach geht’s ja wieder bergab und mit Schwung auf den nächsten Hügel.“
Abends, auf dem Zeltplatz, „da packt man sich einfach nur hin“. Sicher sein, ob der Zeltplatz wirklich auch einer ist, kann man sich aber nicht. „In Lojewo wurde uns gesagt, dort sei einer, aber es war nur eine große Wiese an einem See.“
Von Nidzica bis Szczytno fährt das Trio ausnahmsweise mit dem Zug. Szczytno liegt in den Masuren. „Da war es wirklich wunderschön. Wald, Hügel und viele Seen.“ Die Gegend ist unter Touristen als beliebte Paddel-Landschaft bekannt. Dementsprechend war der Zeltplatz von Babieta auch bevölkert von Urlaubern, oftmals aus Deutschland.
Nach Suwalki sollte es wieder mit dem Zug weitergehen, doch es fährt leider keiner. „Zug kaputt“, ist die Auskunft, die sie erhalten. So wird die Fahrt an diesem Tag 30 Kilometer länger als geplant. Es werden genau 165. Tour-Rekord.
An der Grenze zu Litauen sind die Kontrollen relativ scharf. „Die Grenzer sahen sich unsere Pässe sehr genau an“, erinnert sich Anne. „Anscheinend wird dort sehr viel geschmuggelt.“ Dieser Teil der Fahrt ist wohl auch von der Strecke her der anstrengendste. Es geht 20 Kilometer fast durchweg leicht bergauf. „Außerdem ist die Gegend ziemlich langweilig, nur Felder an den Straßen.“ Sie erreichen die Stadt Sakiai. „Dort war alles ganz gut in Schuss. Man erkennt gleich den westlichen Einfluss. Auf dem Land sind aber ziemlich arme Verhältnisse. Aber die Leute dort sind glücklich“, schiebt Anne hinterher. Sie übernachten auf einem Bauernhof. Am Morgen bekommt sie von den Leuten dort Frühstück.
Als sie am nächsten Tag von Silute aus erneut mit der Bahn fahren wollen, fällt ihnen erstmals auf, dass in Litauen die Uhren anders gehen: eine Stunde Zeitverschiebung. Das zu wissen ist nicht unwichtig, wenn man die Fähre in Klaipeda pünktlich erreichen will.
Während der 19-stündigen Fahrt nach Neu-Mukran bekommen sie Geschichten von Leuten zu hören, die stolz erzählen, dass sie 600 Kilometer in zwei Wochen geradelt sind. Die gleichen Leute sind, wenn sie erfahren, wie viele Kilometer die drei unterwegs waren, nicht mehr ganz so stolz.
Der heimische Alltag holt die Radler im Regionalexpress in Löwenberg wieder ein. „Wir haben voraussichtlich eine Stunde Verspätung“, ertönt es aus dem Lautsprecher. „Bestimmt wieder eine Bombenentschärfung in Oranienburg“, witzeln Annegret und ihr Bruder. Was sie nicht wissen: Als ihr Zug doch noch pünktlich in Oranienburg einrollt, ist er der Erste, der nach der tatsächlichen Bombenentschärfung überhaupt wieder den Bahnhof ansteuern darf.
Grundsätzlich macht so eine größere Radtour natürlich Spaß, doch eine Fahrt nach Litauen wird Anne sicherlich nicht noch einmal machen. „Ich würde gern noch einmal nach Amsterdam. Das fährt sich gut. Die Bedingungen für Radfahrer sind dort optimal.“ Auch für das nächste Jahr ist eventuell eine weitere Fahrt geplant. „Mal sehen, wo es dann hingeht…“