Monatsarchiv für Juli 2012

RTZapper

Hol mich nach Haus!

Dienstag, den 31. Juli 2012
Tags: ,

SO 29.07.2012 | 23.15 Uhr | einsfestival

Ein Novum nach 27 Jahren: Erstmals fiel die “Lindenstraße” im Ersten komplett aus. Es heißt, wegen der Olympischen Spiele sei kein Sendeplatz frei.
Der Grund dafür ist natürlich ein anderer: Die “Lindenstraße” hat keine Priorität mehr bei der ARD. Dafür sind die Quoten nicht mehr gut genug. Inzwischen schauen nur noch um die 3 Millionen Menschen zu, da ist es einfach kein Muss mehr, die Serie wöchentlich zu zeigen.
In früheren Jahren war das noch anders, da wich man auch schon mal auf den Sonnabend aus und zeigte die Serie einfach einen Tag früher.

Auf dem Wiederholungssendeplatz auf einsfestival lief stattdessen die Doku “Hol mich nach Haus!” Fans der “Lindenstraße” konnten ihre Stars zu sich nach Hause holen und mit ihnen Aktionen veranstalten.
Das war zwar todlangweilig, aber es füllte 30 Programmminuten auf einsfestival. Sybille Waury und Gunnar Solka (Tanja Schildknecht und “Lotti”) wateten in einem Dorfteich herum, um ihn zu säubern. Joachim Luger (Hans Beimer) fuhr Motorrad.
Selbst für Hardcorefans war das kaum zu ertragen.

Am 12. August das gleiche Spiel noch mal: Erneut wird dann die “Lindenstraße” ausfallen, und mit einer weiteren Langweilerdoku auf einsfestival ist dann diesmal auch nicht zu rechnen.

RTelenovela

Radtour (18): Auf der Stelle bergauf

Dienstag, den 31. Juli 2012
Tags: ,

(17) -> 29.5.2012

Die Strecke ist diesmal ein bisschen eintönig. Man tritt und tritt, und trotzdem kommt man nicht vom Fleck. Und dennoch: Es wird immer anstregender, immer schweißtreibender.

Das Fahrrad ist kein richtiges Fahrrad. Es ist stationär und steht bei meinem Kardiologen in Oranienburg. Ich trete für das Belastungs-EKG. Während ich schindere, werden bei mir verschiedene Messungen durchgeführt. Herzschlag. Blutdruck. Und so weiter.

Dabei klang alles so harmlos. Setzen Sie sich mal da rauf, sagte die Schwester. Ich solle mal treten. Ich solle immer weitertreten, bis es nicht mehr geht. Und auch, wenn es immer schwer wird.
Es gehe immer bergauf, sagte die Schwester noch. Und umso langsamer ich trete, desto schwerer werde es.

So ging’s also los. Ich trat voll in die Pedale. Am Arm wurde das erste Mal der Blutdruck gemessen.
Die Radtour war bis zu dem Zeitpunkt noch relativ simpel.
Die nächste Messung. Und später noch eine.
Und so langsam werden die Beine schwer, die Fahrt wird immer langsamer – und vor allem schwer.
Noch eine Messung.
Die Beine werden schwer. Der Schweiß fließt den Rücken runter.
Ich solle nach mal Gas geben, sagt die Schwester. Ich gebe tatsächlich noch mal Gas, aber ich bin am Limit.
Schon wieder eine Messung.
Und dann ist Schluss. Ich kann aufhören. Ich bin keinen Zentimeter vorangekommen.
Das nächste Mal geht’s dann doch lieber wieder auf eine richtige Radtour.

RTZapper

Olympia live: Tennis / Rad

Dienstag, den 31. Juli 2012
Tags: , , , , ,

SO 29.07.2012 | 14.30 Uhr | Das Erste

In London bahnte sich am Sonntagnachmittag eine Sensation an: Julia Görges traf beim olympischen Tennisturnier auf dem Centre Court in Wimbledon auf die Weltranglisten-Zweite Agnieszka Radwanska aus Polen – und sorgte für Spannung: Die Deutsche gewann überraschend den ersten Satz, die Polin den zweiten. Die ARD war live dabei – bis zum Ende des zweiten Satzes. Dann ging es weiter mit einem eher unspannenden Radrennen, das erst zwei Stunden später zu Ende sein würde.

Tatsächlich gewann Julia Görges das Tennismtach und warf die Favoritin (und Fahnenträgerin) aus Polen raus. Live zu sehen war das im Ersten jedoch nicht. im Ersten lief weiterhin ein Radrennen, das zu diesem Zeitpunkt völlig unspektakulär war. Der noch ausstehende Satz wurde später als Aufzeichnung nachgereicht.

Die Kritik an der Olympia-Übertragung von ARD und ZDF wächst. Im Gegensatz zu den Jahren davor, verzichten die Sender auf zusätzliche Übertragungen auf den Digitalkanälen. Stattdessen schoben die Sender das Zusatzangebot ins Internet ab – was nichts anderes ist als mieser Service. Wer will sich Olympia schon auf einem PC-Bildschirm anstatt auf dem Fernsehmonitor ansehen? Glücklicherweise gibt es wenigstens Eurosport, wo öfter Alternativen zu sehen sind.
Auch wissen Zufallszapper nie, ob ARD und ZDF live berichten oder eine Konserve zeigen. Auf eine “live”-Einblendung verzichten beide Sender. Eurosport macht das besser.

Dass Belanglosigkeiten oft wichtiger sind als der Sport, passt auch einigen Zusehern nicht. Da wird über die Royals getratscht, anstatt Live-Sport zu zeigen. Da muss erst ein Moderator ansagen, dass jetzt zu Sportart X geschaltet wird, anstatt einfach fix rüberzugeben.
Ein bisschen mehr Flexibilität wäre schön.

RTelenovela

Feuer und Flammen im Scheunenkiez

Montag, den 30. Juli 2012
Tags: , ,

Das Festival “Feuer und Flamme” 2012 ist Geschichte. Und man kann sagen, dass es ein Erfolg war. Mal abgesehen davon, dass es der Wettergott extrem gut mit den Kremmenern gemeint hat – außer ein paar Tropfen gingen alle Unwetter an Kremmen vorbei – auch die Menschen kamen in Scharen ins Scheunenviertel zum Kiezfest. Am Abend war die Festwiese vor dem Theater “Tiefste Provinz” voll.

Ich habe das Event erstmals moderiert. Es hat Spaß gemacht, aber es ist auch anstrengender, als man so denkt. Viel anstrengender, als beispielweise die Talkshow in der Theaterscheune.
Am Freitag war ich etwa fünf Stunden vor Ort, am Sonnabend fast zehn. Das schlaucht. Als Moderator muss man ständig auf Empfang sein. Läuft das Programm? Ist der Programmpunkt zu Ende? Muss ich was sagen? Was muss ich sagen?
Vor den Moderationen war es meine Aufgabe, mit den Künstlern zu sprechen, damit ich weiß, was ich überhaupt ansagen muss. Hier und da waren auch Abläufe zu organisieren und zu besprechen. Zwischenzeitlich – und das hat am meisten Spaß gemacht – bin ich einfach mit dem Mikro über den Platz gelaufen und habe mit den Leuten gesprochen, die Kuchen verkauft haben, mit Trödelständen da waren oder an den Parteiständen auf Leute warteten.

Eigentlich merkt man erst ganz am Ende, wenn die letzte Moderation durch ist, wenn man im Auto sitzt und bald zu Hause ist, wie sehr das Ganze geschlaucht hat.
Dennoch: Das Fazit kann nur ein Gutes sein.
Deshalb hier mal auch der Dank an Andreas Dalibor, den Erfinder des Festivals, dass ich das dort einfach mal probieren konnte. Aber auch allen anderen sei gedankt, die mit ihrer Hilfe dieses Festival zu dem gemacht haben, was es war: eine tolle Sache!

RTZapper

Olympia live: Eröffnungsfeier

Samstag, den 28. Juli 2012
Tags: ,

FR 27.07.2012 | 21.30 Uhr | ZDF

Gigantisch, aber nicht pompös. Wahnsinnig, aber nicht gigantomanisch. Die Briten haben am Freitagabend der Welt gezeigt, wo der Hammer hängt.
Die 30. Olympischen Sommerspiele in London sind eröffnet, und das mit einer fantastischen, allerdings mit fast vier Stunden etwas überlangen Show.

Die meisten, man möchte fast sagen: alle, die etwas mit Kultur in Großbritannien zu tun haben, kamen nach London, um bei dieser Eröffnung ihren Teil beizutragen. Von Mike Oldfield bis Paul McCartney. Von Daniel Craig bis Rowan Atkinson. Von Sir Simon Rattle bis Underworld. Von den Arctic Monkeys bis zur Queen herself. Dazu Musik von Blur bis The Progidy.
Rowan Atkinson gibt eine Slapstickeinlage am Klavier, die Queen kommt per Fallschirm ins Olympiastation – der britische Humor darf keineswegs zu kurz kommen.

Das Olympische Feuer entsteht aus sieben brennenden Fackeln, und es sieht wunderbar aus, wie sie zu einer Flamme verschmelzen. Es ist Theater, es ist Disco, es ist Geschichte – es sind große Momente.

Erstmals war übrigens auch der Ton nahezu perfekt. Offenbar hat das ZDF den Ton diesmal anders abgemischt, als es bislang üblich war. Der Stadionklang war diesmal nicht hallig, und die Reporter waren trotzdem zu verstehen. Auch wenn Wolf-Dieter Poschmann viel zu viel gelabert und einige schöne Augenblicke dadurch zerredet hat. Nun ja, er ist halt Sportkommentator.

RTelenovela

22 Uhr. Ruhe gefälligst!!

Samstag, den 28. Juli 2012
Tags:

Martina S. lebt idyllisch am Rande des Oranienburger Schlossparks. Das ist bestimmt sehr schön, auch recht ruhig.
Aber, und das findet Martina S. blöd, dummerweise finden in eben jenem Schlosspark im Sommer ab und zu Konzerte statt, und die enden unverschämterweise nicht um 22 Uhr.
Das führt dazu, dass Martina S. am Sonnabend um 22 Uhr nicht schlafen gehen kann, weil es dann noch so furchtbar laut ist. Mit ihr haben 38 Anwohner des idyllischen Schlossparkes unterschrieben.

Martina S. hat es wirklich nicht leicht. Sie wurde offenbar gezwungen in eine Stadt zu ziehen, ein Leben auf dem pupsig-ruhigen Dorf ist ihr nicht möglich. Und, verdammt noch mal, warum müssen nach 22 Uhr noch Konzerte stattfinden, wenn Martina S. schlafen gehen will?

Aus der Stadtverwaltung und vom Bürgermeister selbst kommt die Antwort, dass die Zahl der Events im Schlosspark seit der Landesgartenschau stark zurückgegangen sei.
Und ich finde auch, dass es zumutbar ist, wenn man an einer solchen Stätte in einer mittelgroßen Stadt lebt, ab und zu Lärm zu ertragen ist.
Ich renne auch nicht raus auf die Straße und verscheuche nach 22 Uhr die Leute, die am Imbiss, der in meiner Nähe ist, laut rumgrölen, und die machen das öfter als zehnmal im Jahr.

Sicherlich ist es nicht immer schön, den Lärm erragen zu müssen. Aber andererseits kann man die Stadt auch gleich abschließen, wenn um 22 Uhr mit aller Musik Schluss gemacht werden muss.

RTZapper

Markus Lanz: Jutta Ditfurth

Freitag, den 27. Juli 2012
Tags: ,

DO 26.07.2012 | 23.15 Uhr | ZDF

Das roch nach einem Skandal. Das Publikum buht. Mehrere Talkgäste reden auf einen einzelnen ein. Es schien, als ob gleich jemand rausgehen oder rausgeschmissen wird. Aber es kam dann doch ganz anders.

Die Publizistin und Politikerin Jutta Ditfurth war am Donnerstag zu Gast in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz, um über 100 Tage Joachim Gauck als Bundespräsident zu sprechen. Ihre Bilanz ist vernichtend. Im Groben hält sie Gauck weiterhin für arrogant und von oben herab regierend. Für arme Leute habe er nichts übrig, so Ditfurth.
Markus Lanz sah das ganz anders und begann eine spannende Diskussion an – ja, fast möchte man von einem Streit sprechen. Gäste wie Detlef D! Soost und Jumbo Schreiner mischten sich ein, das Publikum reagierte ungehalten.

Nach guten zehn Minuten war der Spuk vorbei, das Thema fiel komplett unter den Tisch. Markus lanz musste sich dringend mit Karl Dall über sein Alter unterhalten. Dall witzelte sich mit Anzüglichkeiten durch die Show, Jumbo Schreiner sprach für eine Fresstests und Soost über seine Diät.
Haha, alles total lustig.
Und die Ditfurth? Die war abgeschrieben, für die interessierte sich dann eine ganze Stunde lang niemand mehr.

Begann der Talk mit einer fast schon brisanten politischen, auf jeden Fall spannenden Diskussion, wechselte sie quasi von einer Minute zur nächsten zu einer erschreckend belanglosen Säuselei.
Da ist schockierend viel Potenzial in den Wind geschossen worden.