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Die Kleinsten auf dem Feld

Volleyball: Für “Bonsai” zählt nicht nur der Sieg allein

MAZ Oranienburg, 12.11.1999

SACHSENHAUSEN
Er wird gehegt und gepflegt, er ist klein, aber edel und wenn man ihn immer gut behandelt, kann aus ihm später mal ein ganz Wertvoller werden: der Bonsai. Mit Beginn der neuen Spielsaison in der Volleyball-Kreisklasse-Mixed hat sich die Mannschaft „Grundschule Sachsenhausen”‘ in „Bonsai Sachsenhausen” umbenannt. Die Gründe für den neuen Namen liegen für Trainer Ralf Tschammer auf der Hand: „Wir sind die kleinste Mannschaft.” Was nicht unproblematisch ist, denn beim Volleyball ist die Größe der Spieler oft entscheidend. Da fällt bei „Bonsai” der mit 1,89 Metern Größte Marcel Hempel schon auf, denn im Schnitt sind die anderen wesentlich kleiner.
Trotzdem oder gerade deshalb haben die 16 Mitglieder im Alter von 16 bis 60 Jahren große Freude an ihrem Sport. Die meisten von ihnen kommen übrigens gar nicht aus Sachsenhausen. Zum Training, das jeden Dienstag Abend in der Sporthalle neben der Sachsenhausener Grundschule stattfindet, kommen die Spieler aus Oranienburg, Friedrichsthal, Schmachtenhagen oder sogar aus Zühlsdorf.
Üben, üben, üben, heißt die Devise, so können im Laufe der Saison auch Siege, wie zum Beispiel im ersten Spiel gegen Velten, für das Team eingefahren werden. Gleiches soll beim Punktspiel gegen Hennigsdorf heute Abend erreicht werden. „Unser großes Ziel ist, dass wir am Schluss sagen können, wir haben gut gespielt, auch wenn wir vielleicht verloren haben”, so der Trainer. „Mit zwei, drei Siegen in der Vorrunde wären wir bereits glücklich.” In der Tabelle wird ein Platz im Mittelfeld angestrebt. Selbiges gilt auch für Platzierungen bei Turnieren, so auch beim Turnier des Oranienburger Bürgermeisters am Wochenende, an dem „Bonsai” auch teilnimmt.
Der Verein lebt vor allem von seiner Nachwuchsarbeit, hat immer jugendliche Probespieler. Das war nicht immer so. „Als ich 1995 zu dem Verein kam, war die Mannschaft völlig überaltert”, meint Tschammer schmunzelnd.
Wobei man als Neuling Durchhaltemögen haben muss. „Drei Jahre zum Heranziehen von neuen Spielern braucht man schon”, schätzt der Trainer. Die Mannschaft befinde sich in einem ständigen Umbruch, auch deshalb, weil die Männer im Laufe der Zeit vom Bund verpflichtet werden und die Spieler dann für längere Zeit ausfallen oder auch gar nicht mehr wieder kommen. So sucht „Bonsai” zurzeit vor allem junge Männer, vielleicht sogar mit höherklassiger Erfahrung, die im Spiel auch mal angreifen können.
Die Hege und Pflege des Bonsais geschieht in eigener Regie. Der Verein trägt sich selbst, „Bonsai” hat nicht, wie andere Vereine, einen „großen Bruder”, der ihn mitfinanziert. „Das klappt bisher auch ganz gut, darauf ist die Mannschaft besonders stolz”, fasst der zufriedene Trainer zusammen. Vom Oranienburger Computergeschäft Co-Ne-Co werde man schon gesponsert, „dennoch sind wir über jede finanzielle Unterstützung des Teams dankbar”. Damit der „Bonsai” auch weiterhin wächst und gedeiht.

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