Neue S-Bahn-Linien für Oberhavel?

Berliner Fahrgastverband schlägt Tausch vor – S2 fährt nach Oranienburg und S85 nach Hennigsdorf – Für Hennigsdorf ginge die direkte Verbindung ins Berliner Zentrum verloren

MAZ Oberhavel, 30.5.2026

Oberhavel/Berlin.
Steht Berlin-Brandenburg vor einer Neusortierung der S-Bahn-Linien? Fährt von Oranienburg bald die S2 nach Blankenfelde, von Bernau die S1 nach Berlin-Wannsee und die S85 von Hennigsdorf zum Flughafen BER?
Das sind zumindest Ideen, die der Berliner Fahrgastverband (IGEB) in eine Diskussion eingebracht hat, die durch die großen Verzögerungen bei der Vergabe für die S-Bahn-Teilnetze „Stadtbahn“ und „Nordsüd“ entstanden seien.
Dadurch verzögere sich die Bestellung und Lieferung neuer Fahrzeuge für die Berliner S-Bahn, so heißt es seitens des IGEB. Damit müssten die Fahrzeuge der Baureihe 481 länger eingesetzt werden.
Das würde bedeuten, dass die alten Züge länger im Berliner Schienennetz unterwegs seien, und die Störanfälligkeit werde im Gegenzug zunehmen.

„Umso wichtiger ist es, dass die Züge für einen stabilen Betrieb ohne großen Aufwand eine Werkstatt erreichen können, um gestörte Züge auszutauschen“, erklärt der IGEB-Vorsitzende Christfried Tschepe.
Er erklärt weiter: „Während es bei der S1, Wannsee—Oranienburg, an beiden Endbahnhöfen Werkstattstandorte gibt, ist ein Zugtausch auf der S2, Blankenfelde—Bernau, nicht ohne Weiteres möglich.“
Oftmals würden hierfür die Züge der S1 und S2 im laufenden Linienbetrieb untereinander getauscht, was zu Verspätungen führe und Anschlüsse platzen lasse. Die Idee des Fahrgastverbandes: „Mit einem Tausch der beiden nördlichen Linienabschnitte nach Oranienburg und Bernau wären diese Probleme gelöst“, so Christfried Tschepe weiter.

In diesem Zusammenhang nahm der IGEB zwei weitere S-Bahn-Linien unter die Lupe: „Auch bei der S25, Teltow Stadt—Hennigsdorf, und der S85, Flughafen BER—Frohnau, sollten die nördlichen Linienabschnitte getauscht werden, um die desaströse Anschlusslage in Hennigsdorf zwischen S-Bahn und Regionalverkehr zu stabilisieren, bis infrastrukturelle Maßnahmen umgesetzt werden können.“
Dazu würden der Einbau von zwei Weichen im S-Bahnhof Schönholz und die Reaktivierung der zweiten Bahnsteigkante in Alt-Reinickendorf gehören.
„Beides sollte im Vorgriff auf den geplanten Streckenausbau in das Programm der kleinen und mittleren Maßnahmen der DB InfraGo aufgenommen werden“, sagt der IGEB-Chef weiter.

Doch bis es so weit sei, könnten die Umsteigezeiten in Hennigsdorf zwischen S25 und RE6 von derzeit vier bis fünf Minuten mit einem Tausch von S25 und S85 auf etwa 15 Minuten Übergangszeit verlängert werden. Dadurch würden die Fahrgäste nicht länger bei jeder kleinen Verspätung ihren Anschluss verpassen.
Fahrgäste aus Hennigsdorf und Berlin-Tegel, die dann nicht über den Ostring (Schönhauser Allee, Ostkreuz) zum BER wollen, sondern wie bisher ins Zentrum, müssten im Bahnhof Bornholmer Straße umsteigen.

Das sind nach Ansicht des Berliner Fahrgastverbandes die Vorschläge für die S-Bahn-Linien, wie sie „baldmöglichst“ jeweils im 20-Minuten-Takt verkehren sollten:
■ S1 Wannsee—Bernau
■ S2 Blankenfelde—Oranienburg
■ S25 Teltow Stadt—Frohnau
■ S26 Teltow Stadt—Blankenburg (im Berufsverkehr bis Karow)
■ S85 Flughafen BER—Hennigsdorf

Ein Bahnsprecher sagte auf Nachfrage der MAZ, „dass wir den Vorschlag gemeinsam mit dem VBB und den Ländern prüfen“. Seitens des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg gibt es jedoch schon den Hinweis, dass die meisten Fahrgäste aus Richtung Hennigsdorf und Tegel dann in der Bornholmer Straße umsteigen müssten, weil der Bedarf eher in Richtung Zentrum bestehe.

In der Hennigsdorfer Stadtverwaltung konnte man mit den Vorschlägen des Fahrgastverbandes scheinbar nichts anfangen.
„Da uns zu der angefragten Idee des Linientauschs bei der S-Bahn keine genauen Informationen vorliegen, können wir uns zu den Plänen nicht äußern“, schrieb Hennigsdorfs Pressesprecher Alexander Dieck. Allerdings lag der Verwaltung die entsprechende Erklärung der IGEB mit der MAZ-Anfrage vor.

Ben Hennig, der sich ausführlich mit dem Nahverkehr in der Region befasst und auch Mitglied im Fahrgastverband ist, hält die vorgeschlagenen Anpassungen für „insgesamt sehr nachvollziehbar.“
Gerade hinsichtlich eines stabileren Betriebs, kürzerer Reaktionswege bei Störungen sowie einer besseren Anschlusssicherung seien die Ideen schlüssig.
„Gerade vor dem Hintergrund der derzeitigen Fahrzeug- und Betriebsprobleme bei der S-Bahn halte ich es für sinnvoll, pragmatische Lösungen in Betracht zu ziehen, die ohne größere infrastrukturelle Eingriffe kurzfristig Verbesserungen für die Fahrgäste bringen können“, erklärt er.
„Auch der Ansatz, die Anschlusssituation in Hennigsdorf durch den Tausch der Linienäste von S25 und S85 zu verbessern, wirkt auf mich sehr sinnvoll, da dadurch deutlich mehr Puffer für Umstiege geschaffen würde und Anschlüsse nicht bereits bei kleineren Verspätungen verloren gingen.“

Wenn es aber darum geht, dass Hennigsdorf damit seinen direkten Bahnanschluss ins Berliner Zentrum verlöre, gibt es auch Kritik.
„Die S25 muss weiterhin direkt ins Stadtzentrum geführt werden und Gesundbrunnen, Friedrichstraße, Potsdamer Platz und Südkreuz direkt anbinden“, sagt dazu Sven Krein aus Velten, der jeden Tag als Pendler unterwegs ist.
„Die S25 darf keinesfalls über den Ostring abgeleitet werden“, erklärt er zudem. „Die Ringbahn ist extrem unzuverlässig und störanfällig, da gehört eine S25 einfach schon deshalb nicht hin.“
Außerdem seien die Pendler aus dem Berliner Norden, aus Hennigsdorf und Velten durch die lange Sperrung der U6 aus Tegel in Richtung Friedrichstraße eh schon stark gebeutelt, so Sven Krein. „Darum ein ganz klares Nein!“

Ben Hennig sieht das ein wenig anders. „Natürlich würde dadurch die direkte Verbindung aus Hennigsdorf in Richtung Nord-Süd-Tunnel entfallen.“
Er sehe das positiv, „da die Verbindung Richtung Ostkreuz, mit dem schwächsten Takt, dadurch über Bornholmer Straße eine direkte Anbindung nach Hennigsdorf erhalten würde – also genau die Relation, die ebenfalls nur im 20-Minuten-Takt bedient wird.“
So sei diese Verbindung dauerhaft und zuverlässig erreichbar. „Gleichzeitig bleibt in Richtung Nord-Süd-Tunnel weiterhin ein sehr dichter Takt von ungefähr drei bis vier Minuten bestehen, sodass der notwendige Umstieg in der Bornholmer Straße aus der S85 kommend in der Praxis kaum zusätzliche Reisezeit verursachen dürfte.“
Grundsätzlich gebe es bei solchen Ideen „natürlich immer Vor- und Nachteile“, erklärt Ben Hennig.


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Kommentare

29 Kommentare zu „Neue S-Bahn-Linien für Oberhavel?“

  1. Krass, bedrückend und toll!
    Kaum zu glauben, dass das 1976 ist. Mir war nicht klar, dass da noch solche s/w-Filme gedreht wurden. Oder ist es vielleicht älter, und mit der dt. Teilung ist das Kriegsende gemeint? Dann wäre das vielleicht 1960 oder 1964…
    (Grad mal den Eintrag in der Mediathek gesucht – der Film ist tatsächlich von 1960!)
    Und irgendwie auch ein bisschen ärgerlich. Die Rede ist von Trostlosigkeit, aber klar dass im frühen Frühling alles noch grau ist, die ganzen Bäume in der Innenstadt waren nicht nicht grün.
    Und dass man gleich 2x betonen muss, wie leidend die Stadt nach der dt. Teilung ist, wirkt auch ein bisschen aufgesetzt.

  2. Daggi

    Pure Abendschau-Propaganda, das war halt damals so üblich. Die Teilung fand übrigens bereits 1949 statt, 61 kam die Mauer dazu… 🙄
    Ich finde, die Stadt sieht teilweise sogar besser aus als heute, so viele kleine urige Geschäfte gibt es zB ja gar nicht mehr und auch der Bereich am Schloss ist heute trostloser. Die gezeigten Häuserzeilen sind zwar teilweise in schlechtem Zustand, aber haben mehr Charme als alles, was hier in den letzten Jahrzehnten so entstanden ist.

  3. RT

    Das stimmt, so schlecht sieht sie da nicht aus, auch die Innenstadt war noch grüner. In den 70ern hat man ja noch mal ziemlich viel weggerissen, und um 1985 einiges an der Bernauer weggerissen.

  4. Regina

    Wer Lesen kann ist im Vorteil.
    Habe mir die Beiträge der Abendschau noch mal angeschaut.
    Unter dem Film steht :
    06.04.1960 Beitrag der Berliner Abendschau.

  5. Ja, da hatte ich es auch gefunden. 🙂

  6. Regina

    Egal, trotzdem interessant.
    Kenne noch die kleinen Geschäfte wie Fischgeschäft und Sportladen.
    Jetzt steht unser Wohnblock dort.
    Es gibt noch ein Filmchen von kurz nach der Wende, den die russischen Streitkräfte privat gedreht haben. Von der Kaserne „Weiße Stadt“ Berliner Straße zur Bernauer. Aber diese Straßen hießen Früher ja auch anders.
    Grüße

  7. Ja, die Berliner hieß Leninallee, die Bernauer war die Straße des Friedens.
    An die „SpoWa“ kann ich mich auch dunkel erinnern. Das waren so seltsame Flachbauten, die auch nicht wirklich schön waren.
    In den Block, der da jetzt am Boulevard steht, ist damals meine Oma eingezogen, die dann bis zu ihrem Tod dort gelebt hat.

  8. Regina

    Nun wohnen wir auch schon 23 Jahre dort, das Umfeld hat sich massiv verändert.
    Motoradfahrer ( fast immer der Gleiche)
    Der gefühlte 100 mal die Bernauer hin und her fährt mit manipulierten Auspuff, so daß man die Fenster schließen muss.
    Und seit dem der Späti
    dort ist,
    macht das Leben dort auch nicht einfacher am Abend.
    Wenn man dann noch um ein herum tolle Nachbarn wohnen, die sich über Blumen am Balkon aufregen…..achja.
    Alles egal, ich kann jedenfalls schön über die Stadt sehen und bei klarer Nacht sogar die iss beobachten.
    Aber die kleinen Läden waren wirklich schön. Auch vor dem Boulevard war es etwas schöner und gemütlicher als jetzt.
    Hauptsache hat deine Oma nicht so hoch gewohnt damals, so wie ich im 5.Stock
    Bin Jahrgang 60 und Fahrstuhl ist nicht in Sicht 🙈

    Das einzig Gute sind noch die Mieten.

  9. Ich muss ja zugeben, dass ich auch ab und zu in dem Späti bin.
    Eventuell gibts ja bald auf dem Boulevard wieder ein Café.
    Meine Oma wohnte im 2.OG, wenn ich mich richtig erinnere, bis 1996. Ja, der Blick nach unten war immer sehr schön, und ganz oben ists natürlich noch mal besser. Aber die Treppen, ja, das ist irgendwann nicht mehr so schön.

  10. Regina

    Ich habe ja Nichts gegen den Späti, um Gottes Willen.
    Aber drüber vor dem Eingang soll nicht laut sein, also Gebrüll und wirklich laut, dann werden die Kunden zum Boulevard rübergeschickt.
    Dort ist es dann bis spät in die Nacht laut
    Und Uriniert wird irgendwo hin, in den Wohnblockdurchgänge,
    Hecke ( die inzwischen Braun ist)
    Auch wenn ich ausversehen aus meinem eigenem Balkon schaue, muss ich das mit anschauen. Was heisst muss, sehe nicht ein das ich mich verstecke soll in meiner Wohnung.
    Es werden Lieder gesungen gegen Ausländer, der bestimmte verbotene Gruß gezeigt. Auch mit Elektroschocker wird rumgespielt.
    Nicht der Späti ist das Problem, das sind die Menschen ohne Respekt

  11. Regina

    Ach, vergessen
    Die mit dem bestimmten verbotenen Gruß,
    Laufen manchmal Abends bei der Montagsdemo in der ersten Reihe mit!
    👎

  12. RT

    Hm, also das würde ich an deiner Stelle mal dokumentieren. Das finde ich sehr interessant, wenn es da einen Zusammenhang geben sollte.
    Und bei nicht aufhören wollenden Lärm tatsächlich auch mal die Polizei verständigen.

  13. Regina

    Polizei schon einige Male angerufen, sie fragen dann Was genau für ein Lied, wielange, und wirklich laut ? Kommen nach 20 Minuten und machen : du du,
    Und fahren weg, hat kein Sinn.
    Dafür haben diese Personen, die Weiblichen, auch die Polizei gerufen. Ihre Männer haben sich unter den Plantanen versteckt und sich eins gefeigst.
    Die Damen fühlten sich belästig, weil sich eine dunkelhäutige Frau sich neben Ihnen setzte, also auf die Bank daneben.
    Da kam gleich ein größeres Auto mit mehr Polizisten und verwiesen Sie des Platzes. Seit dem verstehe ich die Welt garnicht mehr.
    Ich könnte Balkongechichten schreiben.
    Noch kurz zum Schluss, möchte nicht Ihre Webseite mit diesen Sachen blockieren, passt ja auch hier nicht hin.
    Nicht das man denkt ich sitze 7/ 24 auf dem Balkon und suche nur Negatives, aber mein Hobby sind Sukkulenten und Kakteen, mein Balkon ist mit fast 150 Töpfchen, groß und klein, zugestellt.
    Ich habe also immer etwas zu tuen, mit den stachligen Pflanzen 😉
    Grüße Regina

  14. Also ehrlich gesagt, finde ich das total interessant, wenn jemand solche Beobachtungen macht. Insofern blockierst du da nix.

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