KeineWochenShow

#127 – Ich weiß, was Philipp Amthor 2018 gesagt hat

Sonntag, den 9. Juni 2019
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Dies ist eine denkwürdige Sendung. Denn in KeineWochenShow #127 gibt es ein Bier, das gleich eine doppelte Ablehnung findet. Was da nicht stimmen könnte, erfahrt ihr in der aktuellen Ausgabe.

Aber natürlich kümmern wir uns auch um die politische Lage. Um die Grünen, die einen Höheflug erleben. Um die CDU in der Talfahrt und die SPD am Boden. Und es geht um eine Einladung zum Bier von Frank Bommert, unserem Gesprächspartner der vergangenen Woche.
Und Philipp Amthor kommt auch wieder vor – mit einem bei Twitter aufgewärmten Skandal von 2018. Aus der Reihe: Wenn man sonst nichts aufzudecken hat.

Außerdem geht es um den Streit um das Schloss in Schwante, um Sarah Connors beschnittenen Vincent und vieles mehr – in KeineWochenShow #127 auf Youtube.

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RTelenovela

B273 überklebt

Donnerstag, den 6. Juni 2019
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Bundesstraßen werden nicht mehr gebraucht. Sie werden an vielen Stellen zu Landesstraßen herabgestuft. Es heißt, weil diese Bundesstraßen als Parallelen zu Autobahnen nicht mehr gebraucht werden. Dazu gehört aber auch, dass sich nun das Land Brandenburg darum kümmern muss, wenn dort Schlaglöcher entstehen. Der Bund ist dann fein raus.

Seit Anfang 2015 ist die B273 im Bereich zwischen Oranienburg – der B96-Querung – und Staffelde – der A24-Querung – zur L170 abgestuft worden. Wer also durch Germendorf, Sommerswalde, Schwante, Kremmen und Staffelde fährt, ist auf einer Landesstraße unterwegs.
Viele sprechen allerdings immer noch von der B273, auch mitunter die Polizei in ihren Polizeiberichten.

Es hat jedoch auch vier Jahre gedauert, bis endlich mal die Ausschilderung der Strecke verändert worden ist. Bis 2019 hinein standen in Schwante immer noch Hinweise auf die B273. Ebenso in Kremmen an den Wegweisern.
Mehr als vier Jahre hat es offenbar gedauert, bis das mal jemandem aufgefallen ist. Denn seit kurzem sind sämtliche B273-Hinweise in diesem Bereich auf den Schildern abgeklebt.
Die B273 ist nun also auch im Straßenbild in diesem Bereich bloß nur noch eine Erinnerung.

Es ist aber eh nicht mehr viel übrig von der B273. Immerhin ist sie auch zwischen Nauen und Potsdam unterbrochen. Eigentlich macht so eine lückenhafte Bundesstraße nur wenig Sinn. Aber darauf kommt es vermutlich nicht mehr an – wie man auch an der immer wieder unterbrochenen B96-Straßenführung sieht.

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aRTikel

Damit sich Kinder gut bewegen

Donnerstag, den 16. Mai 2019
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Martin Büttner (37) arbeitet als Physiotherapeut vor allem mit jungen Patienten

MAZ Oberhavel, 16.5.2019

Schwante.
Eigentlich wollte Martin Büttner Sport-Physiotherapeut werden. Aber dann kam alles ein wenig anders. Inzwischen beschäftigt sich der Schwantener in seinem Job viel mit Kindern. Seit Anfang Mai arbeitet der 37-Jährige im Physiowerk von Phillip Blumberg in der Schwantener Dorfstraße 19a.
Zu ihm kommen Babys mit Schiefhals, Kinder mit Entwicklungsverzögerungen oder Asymmetrien, mit Hüft- oder Fußproblematiken oder Beschwerden am Rücken. Aber auch Schlaganfallspatienten kann er behandeln. Er könne mit seiner Erfahrung und seinem Blick auf die Patienten auch Kinderärzten helfen.

Seit 2007 arbeitet er in seinem Beruf. In einem Praktikum hat er zuvor viel mit Kindern zu tun gehabt, und da merkte er, dass das sein Ding ist. Acht lange Jahre lang arbeitete er in der Berliner Praxis für Kinderphysiotherapie von Dagmar Siebold. Von ihr habe er sehr viel gelernt. Dort sei auch sein Grundstein gelegt worden für die Arbeit mit Kindern. Später wechselte er in das Zentrum für Kindesentwicklung in Berlin. „Da habe ich dann umfassend Kinder begleitet und viel von Kollegen gelernt“, sagt er. Auch für die Diagnostik war er dort zuständig.

Als er mit seiner Familie von Berlin nach Schwante gezogen ist und Philipp Blumberg seine Praxis Anfang des Jahres eröffnet hatte, da wurde er hellhörig. „Wir haben einen Termin ausgemacht, uns kennengelernt, und ich finde, wir passen gut zusammen.“ Nicht nur, weil die beiden Männer am selben Tag Geburtstag feiern.
Gemeinsam haben sie bereits überlegt, wie sie weiter arbeiten und was sie sich noch anschaffen wollen. Das Team im Physiowerk könnte sich in nächster Zeit weiter vergrößern. „Wir wollen ein Galileo-Gerät installieren.“ Damit lassen sich Bewegungsabläufe trainieren. Gerade bei neurologischen Patienten sei dies ein gutes Angebot. „Außerdem ist es mein Wunsch, mit Logopäden und Ergotherapeuten in Kontakt zu treten“, sagt Martin Büttner. Somit sei eine noch bessere Behandlung der Patienten möglich. „Es ist ja immer gut zu wissen, wo sie hingehen.“

Gerade kümmert er sich zudem um eine Osteopathie-Ausbildung. Das alles mache ihm großen Spaß, und das merkt man ihm auch an, wenn er davon erzählt. „Ich bin sehr euphorisch“, sagt er und lächelt. „Leidenschaft ist mir wichtig. Was ich mache, mache ich, weil ich das gern möchte.“ In seiner Freizeit kümmert sich Martin Büttner um seine Familie, er hat mit seiner Frau drei Kinder. „Ich bin Volleyballer und habe eine große Leidenschaft für Beachvolleyball“, erzählt er. Das sei ein guter Ausgleich. Dass sein Arbeitsort nun auch in seinem Wohnort liegt, sei hervorragend. „Es ist ein Traum, hier zu sein.“

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aRTikel

Kunst aus dem Wasserturm

Samstag, den 30. März 2019
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Helmuth Strothmann (75) ist Banker und Professor im Ruhestand – er betreibt in Schwante ein Atelier und malt dort abstrakte Kunst

MAZ Oranienburg, 30.3.2019

Schwante.
Wenn Helmuth Strothmann an seiner Staffelei steht und aus dem Fenster blickt, sieht er die Weiten von Schwante. Im Hintergrund den Mühlensee. Der 75-Jährige wohnt mit seiner Frau im Wasserturm am Mühlenweg. Durch die neuen Bewohner verwandelt sich das alte Bauwerk in ein Atelier. „Der Wasserturm ist attraktiv für Künstler“, sagt er. „Ich konnte mir anfangs aber gar nicht vorstellen, wie es innen aussieht.“ Zu seiner Frau hatte er, als sie erstmals davor standen, schon gesagt: „Das wird nie was.“ Aber sie fanden dann, dass er gut eingerichtet sei. Nach der ersten Begehung stand fest: „Ja, das will ich haben.“

In den Räumen hängen viele Bilder. Helmuth Strothmann malt. „Abstrakte Kunst. Ich mache was, aber ich weiß nicht was“, sagt er und schmunzelt. Wenn er loslegt, ist noch unklar, was am Ende dabei rauskommt. meist fängt er mit einer Farbe als Hintergrund an. „Dann überlege ich, was mache ich weiter.“ Dann kommt die nächste Schicht, vielleicht blaue Streifen, ein paar Farbakzente oder Figuren. Grüne Tupfer, die wie Landschaften aussehen. Dazu Silikonkleber, den er auf die Leinwand aufträgt, so dass sich weitere Figuren ergeben.
Wer sich die Bilder ansieht, der wird garantiert Assoziationen haben – aber vermutlich werden sie bei jedem anders ausfallen. Da sieht man eine Wiese im Nebel oder ein Schiff. Alles wird im Ungefähren gehalten, aber genau das scheint der Sinn der Sache zu sein. Meist zeichnet er mit Acryl auf Leinwand. „Ich habe es auch mit Öl versucht, aber das ist mir zu tranig, und es trocknet nie.“ Erst seit zwei Jahren malt er. Die Inspiration dazu kam durch eine Ausstellung, die er besuchte. „Ich habe mir Equipment gekauft und angefangen.“

Helmuth Strothmann ist nicht permanent in Schwante. Seine Frau und er wohnen am Gendarmenmarkt in Berlin, ein Haus am Chiemsee gibt es auch noch. „Schwante erinnert mich an meine Heimat“, sagt er. Er stammt aus dem Münsterland. Nach dem Abitur studierte er Wirtschaftswissenschaften, legte die Diplomprüfung ab und promovierte als wissenschaftlicher Assistent der Universität Münster zum Doktor der Staatswissenschaften. Von 1976 bis 1998 arbeitete er für verschiedene Banken, war Bereichsleiter, Direktor, Vorstandsmitglied, Konzernvorstand. 1999 fing er an, als Professor an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin zu lehren – er leitete bis 2006 den dualen Studiengang „Bank“.
Inzwischen widmet er sich seinem Leben und seiner Kunst. „Es kann auch sein, dass ich hier nur sitze und ein Buch lese“, sagt er. „Ich kann gut nichts tun. Ich hatte nie das Bedürfnis, noch wichtig sein zu müssen“, meint er in Hinblick darauf, dass viele seiner ehemaligen Kollegen im Alter noch in Aufsichtsräten oder Beiräten mitmischen.

In Schwante fühlt er sich sehr wohl. Jetzt, im Frühjahr, will er den Ort noch richtig entdecken. „Außer das Schloss und die Bäckerei, die kenne ich schon“, sagt er und lächelt. Bevor er in Schwante lebte, kannte er die Gegend vom Golfspielen in Wall. „Abends ist es hier dunkel und einsam.“ Obwohl – ganz dunkel ist es nicht, denn nachts wird der Wasserturm mit Licht bestrahlt.
Zum 19. Mai hat er sich ein paar Gäste in den Wasserturm eingeladen, dann will er eine kleine Vernissage veranstalten. Aber es sei auch schon vorgekommen, dass Leute einfach so an seiner Tür klopften.

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aRTikel

Sind Sie eigentlich volksnah, Herr Leys?

Samstag, den 23. März 2019
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Oberkrämers Bürgermeister äußert sich über den Zuzug, die Schulsituation und den Autobahnbau

MAZ Oberhavel, 23.3.2019

Oberkrämer.
Der Gemeinde Oberkrämer geht es finanziell gut, Probleme gibt es dennoch einige. Der hohe Zuzug bedeutet, dass es enger wird in den Kitas und Schulen, die neuen Bewohner müssen integriert werden. Und wie geht es weiter mit dem Oberschulthema? Über diese und andere Themen spricht Bürgermeister Peter Leys im MAZ-Interview.

Oberkrämer wächst. Ist das ein Segen oder ein Fluch?
Peter Leys: Weder noch. Ein Segen schon deshalb nicht, weil nicht die Notwendigkeit besteht, mit Gewalt wachsen zu müssen. Ein Fluch würde sich sehr schlimm anhören. Es ist mit Belastungen verbunden, aber wir werden uns bemühen, die Probleme zu lösen.

Marwitz wächst derzeit rasant. Stichwort „Marwitzer Heide“. Wie kann man die neuen Bewohner integrieren?
Das ist sicherlich nicht so einfach. Aber zum Beispiel, indem wir die Vereine unterstützen, die die Möglichkeit bieten, Kontakte aufzunehmen. Dort finden zahlreiche Veranstaltungen statt. Auch die Feuerwehr hat ein sehr aktives Leben, da haben auch schon einige angeklopft.

Wird Oberkrämer weiterhin allen Kindern Kita- und Grundschulplätze anbieten können?
Ich denke ja, aber einen Garantieschein würde ich da auch nicht vergeben wollen. Es ist unwahrscheinlich schwer einzuschätzen, wie die weitere Entwicklung ist. Wir hatten vor zwei Jahren die Situation, dass wir den Kitabedarfsplan verabschiedet haben, und vier Monate später haben wir schon einen Nachtrag beschlossen. Aber wir wollen das nicht dem Zufall überlassen. Die Entwicklung geht nach oben, aber nicht unendlich nach oben. Wir werden Kitaplätze anbieten können, aber nicht immer entsprechend den Wünschen der neuen Bürger. Das ist ein Riesenproblem. Wir können nicht an jeder Kita anbauen.

In der Hinsicht werfen Ihnen Kritiker Planlosigkeit vor.
Die Planung hat ein Büro neutral von außen erstellt. Da ging man von den Geburtenzahlen aus, die sind nicht höher als woanders, man zog Prognosen des Landes und der Bertelsmann Stiftung zurate. Bis vor zwei Jahren waren sich alle Experten sicher, dass Oberkrämer schrumpfen wird. Wir haben damals unsere Zweifel angemeldet. Den Schuh würde ich mir deshalb nicht anziehen.

In Velten wird mehr Platz für die Oberschule geschaffen. Aber es gibt weiter Forderungen nach einer Ober- oder Gesamtschule direkt in Oberkrämer. Sind Sie dennoch zufrieden?
Ich wäre zufriedener mit einer Schule in Oberkrämer. Das wäre ja auch ein Standortvorteil. Es ist auch eine politische Geschichte, die Schule im Ort zu fordern. Klar ist eins, man muss vernünftig und sachlich sein. Der Landkreis meint, dass die Lösung in Velten liegt. Wenn es so kommt, dass dort die Oberschule gebaut wird und auch ausreichend Plätze vorhanden sind, dann ist das auch für Oberkrämer eine gute Sache.

Auch Velten wächst – nach Marwitz hinein. Wie soll es mit der Parkstadt Velten II weitergehen?
Die Gemeinde Oberkrämer war bisher offen gewesen zur Gebietsabtretung. Wenn man sich die Historie ansieht, ist das auch mal so geplant gewesen. Es gibt schon einen neuen Termin entsprechend des Beschlusses in Velten. Velten hat sich bemüht, mit uns in Kontakt zu treten, vorher war das immer andersrum. Ich gehe davon aus, dass sich Oberkrämer nicht dagegenstellen wird, obwohl der Beschluss von 2012 aufgehoben wurde.

Der Ausbau der Autobahn beeinträchtigt auch Oberkrämer. Fühlen Sie sich über den aktuellen Stand immer gut informiert?
Aus meiner Sicht ausreichend. Wir kriegen nicht täglich Infos, aber wir können bei Bedarf jeden Tag anrufen. So richtig zufrieden mit der ganzen Brückengeschichte in Bärenklau bin ich allerdings nicht. Auch liegt immer noch keine Genehmigung für die Brecheranlage vor. Die Gemeinde Oberkrämer hat keine positive Stellungnahme dazu abgegeben. Wir wollen, dass der Anlieferverkehr für diese Anlage nicht über unsere kommunalen Straßen erfolgt. Das ist mal so abgesprochen worden, aber das ist nicht hundertprozentig der Fall. Seit Wochen ist eine Brecheranlage an der Autobahnzufahrt bei Eichstädt, die haben unwahrscheinlich viel gebrochen. Viele Leute haben das gar nicht bemerkt. Ich sage das auch wegen der Befürchtung in Bärenklau. Das wird kaum zu hören sein, und die Menge, die gebrochen werden muss, ist inzwischen auch nicht mehr so groß.

Es gibt Ärger um den Tennisplatz in Bärenklau. Will man den Familiensportverein nicht?
Die Sache, die da beantragt wurde, ob die tatsächlich für Bärenklau störend ist, da kann man Zweifel haben. Ich habe schon Hockeyspiele gesehen. Fußball ist lauter, das muss man so deutlich sagen. Ungeachtet dessen ist die Gemeinde nicht verpflichtet, diese Änderung des Bebauungsplanes vorzunehmen. Da spielt der Verein vielleicht eine Rolle, aber ich kann mich nicht erinnern, dass jemand im Bauausschuss so diskutiert hat.

Neulich gab es im Vehlefanzer Ortsbeirat den Vorschlag, das ehemalige Volksbank-Grundstück für die Feuerwehr zu kaufen. Sie wollten sich wegen der Kosten erkundigen.
Das habe ich noch nicht gemacht. Wir müssen auch prüfen: Wer will da wirklich was machen? Es ging ja weniger um die Feuerwehr, sondern der Feuerwehrverein suchte eine Räumlichkeit. Das alles ist nicht übers Knie zu brechen.

Hätten Sie eigentlich gern in Eichstädt die Regenbogenflagge gehisst?
Nein. Ich denke, das ist eine rein private Angelegenheit, wie jemand sexuell ausgerichtet ist. Das hat vor der Verwaltung nichts zu suchen.

Sind Sie eigentlich volksnah?
Na ja. Das ist schwierig. Wenn ich ehrlich bin, nicht so sehr. Ich bin insofern volksnah, dass ich versuche, das Optimale für unsere Gemeinde auf den Weg zu bringen und ich weiß, was in Oberkrämer passiert. Aber mich öffentlich zu präsentieren ist nicht so mein Ding. Da würde ich prahlen, wenn ich das sagen würde. Aber das weiß auch jeder.

Heute ist in Schwante und Vehlefanz Dorfputz. Sind Sie dabei?
Das hätte ich gemacht, aber ich bin am Wochenende privat unterwegs, das war schon länger geplant. Das ist schade, denn ich finde, das ist eine super Aktion.

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aRTikel

Pakete, Lotto und ein kleiner Plausch sind immer drin

Dienstag, den 19. März 2019
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Seit 25 Jahren betreibt Birgit Elling in der Dorfstraße in Schwante ihreBestellannahme – sie wollte schon immer Verkäuferin werden

MAZ Oberhavel, 19.3.2019

Schwante.
Sie nimmt sich gerade mal zweimal Urlaub im Jahr. Mehr ist nicht drin. Schließlich führt sie ihren Laden in der Schwantener Dorfstraße allein. Seit 25 Jahren gibt es die „Bestellannahme Elling“, direkt an der Ecke zum Schlossweg. Bei Birgit Elling können Kunden Pakete abgeben oder abholen. „Früher war das ein Quelle-Shop, aber dann sind die ja pleite gegangen“, erzählt die 57-Jährige. Inzwischen arbeitet sie mit verschiedenen Anbietern zusammen, für 14 Versandhäuser ist eine Bestellabnahme bei ihr möglich.
„Es wird aber weniger, weil die Leute immer öfter über Amazon oder Zalando bestellen“, sagt sie. „Die verdrängen die anderen Anbieter.“ Wenn die Kunden der jeweiligen Versandhäuser direkt bei ihr in Schwante bestellen ist es allerdings sogar oft preiswerter. „Bei mir fallen keine Versandgebühren an.“ Außerdem kümmert sie sich darum, wenn Reklamationen getätigt werden müssen. Im Laden ist es aber auch möglich, Lotto zu spielen, es gibt Zeitungen und Zeitschriften, Schulbedarf, Kurzwaren und sogar ein kleines Sortiment mit Anziehsachen.

Bevor Birgit Elling ihren Laden in Schwante eröffnet hat, arbeitete sie mehrere Jahre lang in der damaligen LPG, dann für anderthalb Jahre bei einer großen Supermarktkette. „Gelernt habe ich Facharbeiter für Lagerwirtschaft“, erzählt sie. „Im Osten gab es ja viele solcher Lager. Wir haben bei uns alles für den Konsum zusammengestellt.“ Aber schon immer hatte sie einen Wunsch: Sie wollte einen eigenen Laden eröffnen. „Ich wollte immer Verkäuferin werden.“
Wo sie heute jeden Tag Kunden bedient, war früher der Kälberstall von den Eltern. Dann sind Räume für einen Konsum gesucht worden. Birgit Elling erzählt, dass der Konsum dort eingerichtet und an den Staat verschenkt worden ist. „Ich musste den Laden dann wieder zurückkaufen.“ Als Quelle in den 90ern nach einem Laden gesucht hat, sah sie ihre große Chance gekommen, sich selbstständig zu machen.

Bereut hat sie das noch nie. „Manchmal kommt es vor, dass Leute einen bepöbeln, sie kommen zum Beispiel mit einem Zettel, aber das Paket ist nicht hier im Laden, und dann stellt sich raus, dass es beim Nachbarn ist. Andererseits habe ich auch ganz liebe Kunden.“ Viele Stammkunden seien darunter. „Laufkundschaft habe ich hier nicht viel, das sind größtenteils die Leute hier aus dem Ort.“ Die meisten kommen wegen der Pakete, spielen Lotto oder kaufen sich eine Zeitschrift. „Kinder holen hier auch schon mal ihre Schulsachen.“ Im Sommer verkauft sie auch Blumen. „Viele Leute sind hier auch froh, wenn sie mal ein paar Worte loswerden.“ Für ein bisschen Smalltalk ist immer Zeit bei Birgit Elling. „Es macht mir Spaß, mit den Leuten umzugehen.“
Das rechnet sich, weil ihr der Laden gehört, sie muss keine Miete zahlen – und sie betreibt den Laden allein. Früher hat ihre Mutter mitgeholfen, das geht heute kaum noch, aber sie ist öfter mit im Geschäft.

Als Ausgleich zum Beruf geht sie gern zum Line Dance nach Bärenklau. „Das mache ich schon 20 Jahre und ist eine tolle Abwechslung zum Alltag.“ Früher hat sie auch Volleyball gespielt, aber das hatte sie dann aufgegeben.

Wie lange wird es die Bestellannahme in Schwante noch geben? „Ich werde das machen, bis ich Rentnerin bin“, sagt Birgit Elling. Sie wohnt gleich nebenan, war schon immer Schwantenerin. „Was dann hier passiert, ist völlig offen.“ Sie würde sich aber so oder so wünschen, dass noch mehr Kunden kommen.

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RT liest

Karl-Dietmar Plentz / Andrea Specht: Der Brotmacher – Bäcker. Beter. Unternehmer.

Donnerstag, den 14. März 2019
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An Karl-Dietmar Plentz kommt man in Oberhavel kaum vorbei. Die Filialen seiner Bäckerei sind u.a. in Oranienburg, Kremmen und Velten. In Schwante steht die große Backstube, dort schlägt das Herz des Unternehmens.
Aber der Bäckermeister tritt nicht nur dort in Erscheinung. ER ist in der Lokalpolitik tätig, er engagiert sich in der Region und ist bekennender Christ.
Davon erzählt er nun auch in einem Buch.
Plentz ist immer wieder zu Vorträgen eingeladen, dort erzählt er über sein Unternehmen und wie sich das mit seinem Glauben vereinbaren lässt. Immer wieder ist er gefragt worden, ob man diese Vorträge irgendwo nachlesen könne. Schließlich ist er auch von einem Verlag angesprochen worden. Die Idee eines Buches war geboren.
Gemeinsam mit der Berliner Autorin und Lektorin Andrea Specht hat Plentz 2018 viele gemeinsame Stunden verbracht. Sie haben sich über sein Leben unterhalten, er hat Anekdoten und seine Geschichte dargelegt. Sie hat das in seinen Worten in Buchform gebracht. Nun ist “Der Brotmacher” im christlichen Brunnen-Verlag erschienen. Untertitel: “Bäcker. Beter. Unternehmer.”

Das Buch spielt auf mehreren Ebenen. Plentz berichtet von seiner Jugendzeit, als er mit Freunden am Mühlensee in Vehlefanz so etwas wie Bomben gebaut hat, die dann auch tatsächlich detonierten. Das hat für ordentlich Ärger gesorgt. Das Muttersöhnchen – er ist zu Hause nie ausgezogen, die Familie blieb in Schwante bis zum Tod der Eltern immer beisammen – erzählt davon, wie er als Christ in der DDR zurecht kam. So weigerte er sich während des Kriegsdienstes zu schießen – und kam irgendwie damit durch. Viel erzählt er von seiner Familie, wie er seine Frau kennengelernt hat, wie sich das Leben mit seinen Kindern gestaltet. Plentz legt aber auch dar, wie sein Bäckerunternehmen das wurde, was es jetzt ist. Welche Kämpfe zu gewinnen waren und welche Konzepte dahinterstehen.

Wer Plentz nur als Bäcker und örtlichen Wohltäter kennt, wird in seinem Buch viel Neues über ihn erfahren. Erstaunlich offen erzählt er aus seinem Leben. Der Leser bekommt mit, welchen unglaublichen Zusammenhalt es in dieser Familie gibt. Aber auch, dass in jeglicher Hinsicht sehr viel Arbeit dahintersteckt. Arbeit, um diese Familie zusammenzuhalten, um das Unternehmen zu führen. Ein bisschen schade ist, dass gegen Ende eher nur noch eine Aufzählung verschiedener PR-Konzepte erfolgt.
Dass Karl-Dietmar Plentz tiefgläubig ist, ist keine Neuigkeit. Erstaunlich ist mitunter, wie weit dieser Glauben geht. In fast jedem der Kapitel spielt Gott eine Rolle. Es ist immer Gott, der, so sagt es Plentz, in sein Leben eingreift, es beeinflusst, es steuert und der ihm Hinweise gibt. Das kann man nicht kritisieren, es ist ein nicht veränderbarer Lebensstil. Als Außenstehender ist die Umfänglichkeit des Glaubens aber mitunter befremdlich. So wird im Buch erzählt, dass es Probleme beim Umbau der Veltener Filiale gab, die fast zum Projekt-Aus führten. Mitglieder des christlichen Unternehmerkreises trafen sich daraufhin dort zum beten, es wurde Gott geweiht. Kurz danach sei plötzlich der Brief gekommen, der das Projekt-Aus abwendete. Gottes Tat. Es ist einer der Uijuijui-Momente.
Auch erscheinen einige der familiären Erzählungen hin und wieder ein wenig zu intim. Andererseits drückt sich Plentz sehr blumig aus als vom einem Fehler die Rede ist, die fast zur Scheidung mit seiner Frau geführt habe. Aber auch da sei Gott zur Stelle gewesen.
Darauf muss und kann man sich jedoch einlassen. Auch wenn diese Erzählung einer sehr christlichen Lebensweise mitunter befremdlich erscheint – es macht das Buch nicht zu einem schlechten Buch. Nur weil man einiges merkwürdig findet und für sich selbst ablehnt, ist es dennoch interessant zu lesen. Letztlich ist es genau das, was es im Titel verspricht.

Karl-Dietmar Plentz / Andrea Specht: Der Brotmacher – Bäcker. Beter. Unternehmer.
Brunnen, 208 Seiten
7/10

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