RTelenovela

Nikolaus bei Nikolai

Sonntag, den 8. Dezember 2013
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Für mich ist die Wende 1989 in der DDR nach wie vor das einschneidendste, prägendste und lebensrichtungsweisenste Ereignis meines Lebens. Einer der Ausgangspunkte der friedlichen Revolution war die Nikolaikirche in Leipzig.
Dort fanden schon 1982 Friedensgebete statt, im Herbst 1989 dann verstärkt, die auch durch die Stasi nicht verhindert werden konnten. Von dort aus starteten auch die berühmten Monstagsdemos.

Der Nikolaustag 2013. Es ist ein kalter, windiger Nachmittag, wegen des Sturmtief Xaver öffnet der Weihnachtsmarkt erst am frühen Abend. Wir wollen uns die Kirche ansehen und werden gleich von einem Spalier empfangen. Gleich findet dort ein Nikolausgebet für Kinder statt.
Eine ganze Gruppe von Kitakindern wartet darauf, dass es losgeht. Wir Erwachsenen bekommen 1-Euro-Schokotaler, die sollen später noch eine Rolle spielen.
Schon ist klar: Das ist kein normaler Gottesdienst.

Ist es auch nicht gewesen. Wir singen ein Nikolauslied, das ich nicht kenne. Dann beginnt ein sogenanntes Anspiel. Gezeigt wird die Geschichte des heiligen Nikolaus, der gegen die Armut in seiner kleinen Stadt kämpft. Die Kinder machen mit und rufen “Wir haben Hunger!” Es tauchen Piraten auf, die ihnen Böses wollen, aber der mutige Nikolaus stellt sich ihnen entgegen. Die Erwachsenen kommen ins Spiel, als die Stadtbevölkerung ihr letztes Geld für Nahrung spendet (unsere 1-Euro-Schokotaler).
“Lasst uns froh und munter sein”, singen wir dann noch.

Die Kinder wuseln dabei die ganze Zeit für den Kirchengang, so richtig ruhig ist es nie, und das macht großen Spaß, dem munteren Treiben zuzusehen. Am Ende gibt es sogar Applaus, was in der Kirche ja besonders ungewöhnlich ist.
Als ich den Kindern so zusehe, erinnere ich mich daran, wie besonders und wie aufregend der Nikolaustag als Kind war. Abends Stiefel putzen, morgens die Geschenke raussuchen. Im Kindergarten roch es anders als sonst, es gab Schokoladen, kleine Tannenzweige, eine Orange (wenn es denn welche gab). Viel ist davon heute leider nicht mehr übrig. Schade eigentlich.

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MDR Top News: Völkerschlacht überrollt Sachsen

Mittwoch, den 16. Oktober 2013
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DI 15.10.2013 | 19.50 Uhr | MDR-Fernsehen

Ein unfassbare Katastrophe. 120.000 Tote. Eine viertägige Schlacht, in die 600.000 meist unerfahrene Soldaten geschickt wurden. Frankreich gegen Preußen. Kämpfe, Schießereien, Plünderungen, Angst und Schrecken. Und das alles in und um Leipzig.

Klar, das Fernsehen muss reagieren. Der MDR zeigt derzeit jeden Abend Sondersendungen, um von den Kämpfen rund um die Messestadt zu berichten. Reporter berichten von den Schlachtfeldern bei Möckern und aus der umzingelten Stadt Leipzig. Ein Newsticker bringt die aktuellsten Nachrichten. Korrespondenten in Paris, Berlin oder Moskau ordnen das Geschehen ein.

Allerdings handelt es sich um Ereignisse, die 200 Jahre zurückliegen: um die Völkerschlacht bei Leipzig im Jahre 1813.
Der MDR tut so, als würde das alles heute passieren. Und, um das vorweg zu nehmen: Das ist ein spannendes Projekt, die toll umgesetzt worden ist.

In einer Zeit, in der sich immer weniger Leute für Politik oder gar Geschichte interessieren, müssen Mittel und Wege gefunden werden, das Interesse eben doch zu wecken. Und da hat der MDR ein gutes Mittel gefunden: Eine Nachrichtensendung im heutigen Stil bringt Geschichte näher: “MDR Top News: Völkerschlacht überroll Sachsen”, noch bis Donnerstag täglich vor der Primetime.
Moderator Ingo Zamperoni wirkt wie im “Brennpunkt” 2013. Gezeigt werden Handyvideos, die Napoleon zeigen (in einem alten Filmausschnitt mit Winfried Glatzeder) oder Youtube-Ausschnitte – wie Medien eben heute arbeiten.
Das Gestern und das Heute so zu verbinden, bringt uns die Geschichte nah. Man kann diese Art der vermittlung der Historie als Sensationsmasche oder als modernen Quatsch kritisieren. Man kann sich aber auch einfach mal drauf einlassen.

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UEFA EURO 2012: Waldis Club

Montag, den 11. Juni 2012
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FR 08.06.2012 | 23.15 Uhr | Das Erste

Ein Bayer schwadroniert über die Fußball-EM. Die Fußball-EM findet in Polen und der Ukraine statt. Da ist es doch völlig klar, wo Waldemar Hartmann seinen Club eröffnet hat. Natürlich – in Leipzig. Da muss man erst mal drauf kommen.

Wenn zu den EM-Spielen alles gesagt ist, dann kommt Waldi und sagt noch mehr. Dazu lud er sich am Freitagabend illustre Gäste ein: Harald Schmidt hat wie Jürgen von der Lippe den ARD-EM-Trostpreis gewonnen und musste nach Leipzig anreisen, um zu später Stunde müde Witze zu reißen. Na, was haben denn der Boateng und die Gina-Lisa im Hotel gemacht, und welche Auswirkungen hat denn das auf Boateng? Von der Lippe: „Für Boateng sehe ich schwarz!“ Muarharharhar! Das ist ja wirklich zum Totlachen!

Der frühere Charme von “Waldis Club” war die gesellige Bierrunde in der bayerischen Landeshauptstadt – im Englischen Garten oder in einem zünftigen Biergarten. Das passte zu Waldi. Was er nun in Leipzig zu suchen hat, das weiß er wahrscheinlich nicht mal selbst so genau. Und der einzige Grund für diese seltsame Entscheidung ist, dass nicht mehr der BR, sondern der MDR diese Haha-Witzig-Show produziert. Mit einem Club hat das Ganze – auf einer erhöhten Bühne vor einer Zuschauertribüne – nur noch sehr wenig zu tun.
Das ZDF verzichtet übrigens auf eine EM-Comedy-Auswertung, und wahrscheinlich ist das auch besser so.

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Johann Sebastian Bach: Matthäus-Passion BWV 244

Sonntag, den 8. April 2012
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FR 06.04.2012 | 0.00 Uhr (Sa.) | MDR-Fernsehen

Okay, es war Karfreitag. Und, okay, das Konzert fand in einer Kirche statt. Dennoch: Diese Szene war sehr seltsam.
Am Karfreitagabend gaben die Thomaner in der Leipziger Thomaskirche ein Konzert. Das MDR-Fernsehen übertrug die Aufführung von Johann Sebastian Bachs “Matthäus-Passion BWV 244″. Als nach fast drei Stunden der letzte Ton erklang, war einfach Schluss. Thomaskantor Georg Christoph Biller nickte seinen Akteuren noch einmal zu, das Publikum erhob sich von den Plätzen. Kein Applaus, nichts.
Das liegt ganz sicher daran, dass der Karfreitag in der Kirche ein Gedenktag ist, und man deshalb nicht applaudiert. Es mutete trotzdem beremdlich an, dass die Künstler keine Wertschätzung bekamen, für das, was sie in drei Stunden geleistet haben. Aber sie werden es aus den genannten Gründen nicht anders erwartet haben.

Schade ist, dass das MDR-Fernsehen dieses wunderbare Konzert erst nach Mitternacht ausstrahlte. Natürlich, Klassik ist nicht massenkompatibel, aber am Karfreitag, und dann noch Ehren des 800. Jubiläums des Thomanerchores (gerade lief die Doku über “Die Thomaner” im Kino), hätte der MDR ausnahmsweise mal einen Primetime-Sendeplatz springen lassen können – oder wenigstens einen nach 22 Uhr. Immerhin war es nach MDR-Angaben “ein Höhepunkt des MDR-Programms zu Ostern”. Aber, lieber MDR, sendet man Höhepunkte im Nachtprogramm?

RT im Kino

Die Thomaner – Herz und Mund und Tat und Leben

Samstag, den 18. Februar 2012
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Neun Jahre. Das ist eine verdammt lange Zeit. Vor allem, wenn man fern der Heimat ist, weg von den Eltern, weg aus dem eigenen Zimmer. Nun ist man nie mehr allein, hat immer andere Jungs um sich, hat einen straffen Zeitplan zu absolvieren.
Das klingt nach einem harten Los. Aber die Schüler im Leipziger Thomanerchor sehen das völlig anders.
In diesem Jahr feiert der berühmte Chor seinen 800. Geburtstag. Unvorstellbar, wie viele Jugendgenerationen diese Schule schon durchlaufen haben. Unvorstellbar, dass sich einige Dinge seit 1212 wohl kaum verändert haben sollen.

Die Dokumentation über “Die Thomaner” erlaubt einen Einblick in den Alltag der Jugendlichen. Wir sehen, wie die Neuen an die Schule kommen, ihre Trennung von den Eltern und wie sie von den älteren Schülern aufgenommen werden. Wir dürfen bei den Proben dabei sein, mit auf Reisen gehen und bekommen so einen Eindruck, wie sich das Leben in diesem Kosmos abspielt.
Unter der Regie von Paul Smaczny und Günter Atteln begleitete das Filmteam die Thomaner mehr als ein Jahr lang.

Was wir zu sehen bekommen, ist hochgradig beeindruckend. Die Jugendlichen haben zwar Dauerstress, aber sie empfinden ihn nicht so. Im Gegenteil, sie fragen sich, wie “normale” Jugendliche die freie Zeit gestalten. Wir begleiten sie, wie sie Heiligabend durchs verschneite Leipzig ziehen und Lieder singen. Auftritte, Prüfungen, Hausaufgaben, Fußballspiele und und und.
Manchmal hat man allerdings den Eindruck, als ob alles zu gut läuft. Die Missbrauchsfälle der vergangenen Zeit spielen in dieser Doku über das Jungeninternat keine Rolle. Sexualität wird sowieso völlig ausgeblendet, was bei einer Doku über Pubertierende schon erstaunlich ist. In dieser Hinsicht hätten wenigstens drei, vier Sätze mal fallen können.
Dennoch ist dieser “Streifzug” durch die Welt der Thomaner so spannend, dass man es selbst fast bedauert, so was nicht gemacht zu haben.

9/10

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Das fliegende Klassenzimmer

Montag, den 24. Mai 2010
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MO 24.05.2010 | 9.30 Uhr | ZDF

Erich Kästner im 21. Jahrhundert: Jonathan kommt aufs Internat des Leipziger Thomanerchors. Dort verfällt er der Macht der Kreativität.

Dieser Film ist von vorne bis hinten einfach klasse! Ich muss dazu sagen, dass ich die Geschichte gar nicht kannte, ich habe vorher noch keine der Verfilmungen gesehen oder das Buch gelesen.
Die Story ist wunderbar. Es ist sehr gut gelungen, das Ganze in die heutige Zeit zu übertragen. Nie zwängt sich der Eindruck auf, dass alles aufgesetzt wirkt. Das tut es wirklich nicht. Der Film ist sehr modern – aber echt passend. Nichts wurde übertrieben. Es ist auch wirklich beeindruckend, wie die Stadt Leipzig ins Bild gerückt wurde.
Die Schauspieler – auch hier eine einzige Lobhudelei ausholen. Nicht mal Piet Klocke wirkt albern. Er kann sogar ganze Sätze sprechen und ist (trotzdem) wirklich witzig. Auch die Kinder sind durchweg top!
Der Film verbreitet eine tolle Stimmung. Natürlich hat er auch eine Botschaft. Diese wird sehr geschickt verpackt und wirkt ebenfalls nicht aufgesetzt.
Dies ist ein Kinderfilm. Aber auch Erwachsene können, sollten ihn sich unbedingt ansehen.

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Peter Voß fragt … Wolf Biermann

Dienstag, den 13. Oktober 2009
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MO 12.10.2009 | 22.30 Uhr | 3sat

Ein Gespräch. Zwei Männer, ein Journalist und ein Liedermacher, unterhalten sich über deutsche Geschichte. Kulturgeschichte. Politikgeschichte. Gesellschaftsgeschichte. und das machen sie drei Stunden lang.
Manchmal ist ja doch noch das Besondere zu finden im Programm der Öffentlich-Rechtlichen-Fernsehprogramme. Und die Extraausgabe der Talkreihe “Peter Voß fragt…” am Montagabend auf 3sat war so etwas Besonderes.

Das Auftrittsverbot. Die Ausweisung. Die Wende. Das erste Konzert danach in Leipzig. Und das Leben heute. Drei Stunden lang dauerte das Gespräch mit Wolf Biermann, der ein bewegtes Leben hinter sich hat.
Schön, dass so was noch möglich ist: dass ein sender so viel Zeit freiräumt. Denn diese drei Stunden waren keineswegs langweilig. Zwischendurch klingelte Biermanns Telefon, seine Frau war dran, morgen kommt Besuch. Und Voß sitzt daneben und bestellt schöne Grüße.

So spannend diese Sendung war, sie hätte noch lebendiger werden können. Peter Voß schien streckenweise nicht mehr zu sein als der Fragensteller, der seine Liste abhakt. Wenn es mal richtig interessant wurde, wechselte Voß einfach das Thema.
So merkte Biermann an, dass bei der wichtigen Leipziger Montagsdemo am 9. Oktober 1989 keine alten leute zu sehen waren, auch keine Kinder. Und das sei in den Vorwochen noch anders gewesen, so Biermann. An der Stelle hätte ich gern gewusst, welchen Schluss Biermann daraus zieht, was das zu bedeuten hatte. Aber Voß wechselte das Thema. Schade. Auch als der Liedermacher mitten in der Sendung privat telefonierte, saß Voß da wie ein Stock.
Ein nicht ganz so steifer Fragesteller hätte die drei Stunden noch interessanter gestalten können.