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Sport im Osten extra: Die Party zum Aufstieg von RB Leipzig

Dienstag, den 17. Mai 2016
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MO 16.05.2016 | 16.00 Uhr | mdr-Fernsehen

“Wir sind eins!”, lautet der Spruch von RB Leipzig und seinen Fans. Red Bull Rasenballsport Leipzig hat den Sprung in die 1. Fußball-Bundesliga geschafft. Der mdr übertrug am Pfingstmontagnachmittag live die Aufstiegsfeier.
Beim Spruch “Wir sind eins!” scheint aber ein wichtiges Wort vergessen worden zu sein: “nur”. “Nur wir sind eins!” heißt wohl der wahre Spruch der RB-Leipzig-Fans.

Die Band Silly hatte einen Auftritt während der Show, und der sorgte für einen Eklat. Die Band hatte nämlich Trikots anderer ostdeutschen Fußballvereine übergezogen, von Berlin, Dresden, Rostock und Magdeburg. Dafür gab es laute Buh-Rufe von den 20.000 Leuten vor der Bühne.
In vielen Berichten hieß es, das Konzert sei abgebrochen worden. Das ist nicht so, Silly spielte einen Song (alle Bands spielten nur einen Song) und ging – unter dem Gebrüll der Leipziger.
Okay, das war keine Aktion, die großes Gespür bei den Musikern bewies. Frontfrau Anna Loos sagte später, der mdr habe ihnen gesagt, es handele sich um eine ostdeutsche Fußballparty und nicht speziell eine, die sich um den RB Leipzig drehe. Das ist natürlich eine ganz miese Ausrede und wenig glaubhaft. Denn vor Ort hätte man ganz fix feststellen können, auf welchem Event man sich denn befinde. War die Aktion nicht vielleicht eher ein Protest gegen den RB Leipzig, der deutschlandweit als recht unbeliebt gilt? Wenn das so ist, dann hätten die Sillys wenigstens den Arsch in der Hose haben können, das auch so zu sagen.

Andererseits: Warum können sich Fans von RB Leipzig nicht auch mit den anderen ostdeutschen Vereinen freuen, die auch Erfolge feiern? Immerhin sind das in der 1. Liga nicht mal Konkurrenten. Können Leipziger nicht gönnen? Sind eben auch nur engstirnige Egoisten. Höchst unsympathisch und alles andere als “Wir sind eins!”.

Red Bull hat von den vergangenen sieben Jahren viel Kohle in den Verein gesteckt, und das Ding ist geglückt und nun schon in Liga 1. Das sorgt für Unmut bei vielen Fans. Dabei regiert in der Liga doch eh nur das Geld. Was wären die Bayern ohne die Milliarden? Stadien heißen wie ihre Sponsoren, Spieler kommen kaum noch aus der Region des Vereins. das scheint kaum jemanden zu stören, bei RB Leipzig ist das anders. Dabei kann man noch so viel Kohle in eine Mannschaft stecken – die Spieler müssen dennoch erst mal gewinnen, um Erfolg zu haben. Das ist in Leipzig gelungen. Und man kann von RB Leipzig halten, was man will: Für den Osten ist der Bundesliga-Aufstieg eine gute Sache. Auch wenn mir die Hertha natürlich trotzdem näher steht. Auch rein geografisch…

aRTikel

Karl die Große! Am Anfang war das Wortspiel

Dienstag, den 15. September 2015
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Der Sachsenhausener Clemens Litschko (27) hat acht Bandprojekte, mit einem will er durchstarten

MAZ Oberhavel, 15.9.2015

SACHSENHAUSEN
Fragt man Clemens Litschko danach, in wie vielen Bandprojekten er gerade mitmischt, dann antwortet er: „Acht.“ Aber der 27-Jährige schiebt dann gleich hinterher: „Wobei man ja in Jazzkreisen recht schnell in irgendwelchen Bandprojekten steckt.“
Hierzulande am bekanntesten ist das Jazzkomplott, das viele Preise gewann, mehrere Alben aufnahm und oft in der Region unterwegs war. „Aber das ist schwieriger geworden“, sagt Clemens. Die Mitglieder haben Berufe, die sie in Beschlag nehmen.

Clemens Litschko ist aus seinem Elternhaus in Sachsenhausen zum Studieren nach Leipzig gezogen. Dort widmet er sich nicht nur seinem Masterstudium mit dem Hauptfach Jazzschlagzeug, sondern auch der Band „Karl die Große“. Die Gruppe gibt es seit März 2013 und ist eigentlich das „Baby“ von Wencke Wollny aus Neuruppin. Sie trat in einem Leipziger Club mit ihren selbst geschriebenen Songs auf und machte damit auf sich aufmerksam. „Wir wollen dann wissen, ob sie noch mehr Songs hat“, erinnert sich Clemens. So ergaben sich mehrere Treffen und ein Konzert auf einem Geburtstag. Die Band „Karl die Große“ war geboren.

„Der Name war eine flaxe Idee“, sagt Clemens. Wie er ist auch Wencke katholisch, und die beiden unterhielten sich darüber, warum es in der Karwoche vor Ostern zwar einen Karfreitag, aber keinen Karmittwoch gibt. So entstanden Wortspiele wie „Karwencke“, daraus wurde Karl, und weil Wencke ziemlich groß ist, entstand so der Bandname: „Karl die Große“.
In den vergangenen zwei Jahren gab die sechsköpfige Gruppe mehr als 70 Konzerte. Bei einem Onlinevoting für einen Leipziger Publikumspreis gewann die Band. Auch auf Radioeins und bei Fritz vom RBB waren die Musiker schon zu Gast. Nach und nach will sich die Band professionalisieren. „Wir wollen sehen, wie weit wir damit kommen“, sagt Clemens. „Wir möchten viele Menschen erreichen, aber nicht der deutsche Superstar werden.“ In Sachen Massentauglichkeit soll ihre Musik möglichst ungefiltert und unbearbeitet bleiben.

Es ist Pop mit Jazz, was die sechs Musiker spielen, die Ideen und kompletten Texte liefert Frontfrau Wencke Wollny. Darin geht es um ihre Gefühlswelt, um Konflikte und Probleme. „Es sind Themen, die sie und uns beschäftigen, und es dreht sich nicht immer nur um die Liebe“, so Clemens.
Im Oktober erscheint eine EP mit sechs Songs. Dafür läuft noch eine Crowdfounding-Kampagne, im Oktober geht es auch auf Tournee.

Hin und wieder ist er aber auch noch in der Heimat unterwegs, in Oranienburg hat er noch einen Schlagzeugschüler. Auch an einem Musical für die Lebenshilfe hat er mitgearbeitet. Es hat bald Premiere. „Musik ist mein Lebensinhalt“, sagt er. Er wird mal davon leben können, da ist er sich sehr sicher.

RTelenovela

Nikolaus bei Nikolai

Sonntag, den 8. Dezember 2013
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Für mich ist die Wende 1989 in der DDR nach wie vor das einschneidendste, prägendste und lebensrichtungsweisenste Ereignis meines Lebens. Einer der Ausgangspunkte der friedlichen Revolution war die Nikolaikirche in Leipzig.
Dort fanden schon 1982 Friedensgebete statt, im Herbst 1989 dann verstärkt, die auch durch die Stasi nicht verhindert werden konnten. Von dort aus starteten auch die berühmten Monstagsdemos.

Der Nikolaustag 2013. Es ist ein kalter, windiger Nachmittag, wegen des Sturmtief Xaver öffnet der Weihnachtsmarkt erst am frühen Abend. Wir wollen uns die Kirche ansehen und werden gleich von einem Spalier empfangen. Gleich findet dort ein Nikolausgebet für Kinder statt.
Eine ganze Gruppe von Kitakindern wartet darauf, dass es losgeht. Wir Erwachsenen bekommen 1-Euro-Schokotaler, die sollen später noch eine Rolle spielen.
Schon ist klar: Das ist kein normaler Gottesdienst.

Ist es auch nicht gewesen. Wir singen ein Nikolauslied, das ich nicht kenne. Dann beginnt ein sogenanntes Anspiel. Gezeigt wird die Geschichte des heiligen Nikolaus, der gegen die Armut in seiner kleinen Stadt kämpft. Die Kinder machen mit und rufen “Wir haben Hunger!” Es tauchen Piraten auf, die ihnen Böses wollen, aber der mutige Nikolaus stellt sich ihnen entgegen. Die Erwachsenen kommen ins Spiel, als die Stadtbevölkerung ihr letztes Geld für Nahrung spendet (unsere 1-Euro-Schokotaler).
“Lasst uns froh und munter sein”, singen wir dann noch.

Die Kinder wuseln dabei die ganze Zeit für den Kirchengang, so richtig ruhig ist es nie, und das macht großen Spaß, dem munteren Treiben zuzusehen. Am Ende gibt es sogar Applaus, was in der Kirche ja besonders ungewöhnlich ist.
Als ich den Kindern so zusehe, erinnere ich mich daran, wie besonders und wie aufregend der Nikolaustag als Kind war. Abends Stiefel putzen, morgens die Geschenke raussuchen. Im Kindergarten roch es anders als sonst, es gab Schokoladen, kleine Tannenzweige, eine Orange (wenn es denn welche gab). Viel ist davon heute leider nicht mehr übrig. Schade eigentlich.

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MDR Top News: Völkerschlacht überrollt Sachsen

Mittwoch, den 16. Oktober 2013
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DI 15.10.2013 | 19.50 Uhr | MDR-Fernsehen

Ein unfassbare Katastrophe. 120.000 Tote. Eine viertägige Schlacht, in die 600.000 meist unerfahrene Soldaten geschickt wurden. Frankreich gegen Preußen. Kämpfe, Schießereien, Plünderungen, Angst und Schrecken. Und das alles in und um Leipzig.

Klar, das Fernsehen muss reagieren. Der MDR zeigt derzeit jeden Abend Sondersendungen, um von den Kämpfen rund um die Messestadt zu berichten. Reporter berichten von den Schlachtfeldern bei Möckern und aus der umzingelten Stadt Leipzig. Ein Newsticker bringt die aktuellsten Nachrichten. Korrespondenten in Paris, Berlin oder Moskau ordnen das Geschehen ein.

Allerdings handelt es sich um Ereignisse, die 200 Jahre zurückliegen: um die Völkerschlacht bei Leipzig im Jahre 1813.
Der MDR tut so, als würde das alles heute passieren. Und, um das vorweg zu nehmen: Das ist ein spannendes Projekt, die toll umgesetzt worden ist.

In einer Zeit, in der sich immer weniger Leute für Politik oder gar Geschichte interessieren, müssen Mittel und Wege gefunden werden, das Interesse eben doch zu wecken. Und da hat der MDR ein gutes Mittel gefunden: Eine Nachrichtensendung im heutigen Stil bringt Geschichte näher: “MDR Top News: Völkerschlacht überroll Sachsen”, noch bis Donnerstag täglich vor der Primetime.
Moderator Ingo Zamperoni wirkt wie im “Brennpunkt” 2013. Gezeigt werden Handyvideos, die Napoleon zeigen (in einem alten Filmausschnitt mit Winfried Glatzeder) oder Youtube-Ausschnitte – wie Medien eben heute arbeiten.
Das Gestern und das Heute so zu verbinden, bringt uns die Geschichte nah. Man kann diese Art der vermittlung der Historie als Sensationsmasche oder als modernen Quatsch kritisieren. Man kann sich aber auch einfach mal drauf einlassen.

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UEFA EURO 2012: Waldis Club

Montag, den 11. Juni 2012
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FR 08.06.2012 | 23.15 Uhr | Das Erste

Ein Bayer schwadroniert über die Fußball-EM. Die Fußball-EM findet in Polen und der Ukraine statt. Da ist es doch völlig klar, wo Waldemar Hartmann seinen Club eröffnet hat. Natürlich – in Leipzig. Da muss man erst mal drauf kommen.

Wenn zu den EM-Spielen alles gesagt ist, dann kommt Waldi und sagt noch mehr. Dazu lud er sich am Freitagabend illustre Gäste ein: Harald Schmidt hat wie Jürgen von der Lippe den ARD-EM-Trostpreis gewonnen und musste nach Leipzig anreisen, um zu später Stunde müde Witze zu reißen. Na, was haben denn der Boateng und die Gina-Lisa im Hotel gemacht, und welche Auswirkungen hat denn das auf Boateng? Von der Lippe: „Für Boateng sehe ich schwarz!“ Muarharharhar! Das ist ja wirklich zum Totlachen!

Der frühere Charme von “Waldis Club” war die gesellige Bierrunde in der bayerischen Landeshauptstadt – im Englischen Garten oder in einem zünftigen Biergarten. Das passte zu Waldi. Was er nun in Leipzig zu suchen hat, das weiß er wahrscheinlich nicht mal selbst so genau. Und der einzige Grund für diese seltsame Entscheidung ist, dass nicht mehr der BR, sondern der MDR diese Haha-Witzig-Show produziert. Mit einem Club hat das Ganze – auf einer erhöhten Bühne vor einer Zuschauertribüne – nur noch sehr wenig zu tun.
Das ZDF verzichtet übrigens auf eine EM-Comedy-Auswertung, und wahrscheinlich ist das auch besser so.

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Johann Sebastian Bach: Matthäus-Passion BWV 244

Sonntag, den 8. April 2012
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FR 06.04.2012 | 0.00 Uhr (Sa.) | MDR-Fernsehen

Okay, es war Karfreitag. Und, okay, das Konzert fand in einer Kirche statt. Dennoch: Diese Szene war sehr seltsam.
Am Karfreitagabend gaben die Thomaner in der Leipziger Thomaskirche ein Konzert. Das MDR-Fernsehen übertrug die Aufführung von Johann Sebastian Bachs “Matthäus-Passion BWV 244″. Als nach fast drei Stunden der letzte Ton erklang, war einfach Schluss. Thomaskantor Georg Christoph Biller nickte seinen Akteuren noch einmal zu, das Publikum erhob sich von den Plätzen. Kein Applaus, nichts.
Das liegt ganz sicher daran, dass der Karfreitag in der Kirche ein Gedenktag ist, und man deshalb nicht applaudiert. Es mutete trotzdem beremdlich an, dass die Künstler keine Wertschätzung bekamen, für das, was sie in drei Stunden geleistet haben. Aber sie werden es aus den genannten Gründen nicht anders erwartet haben.

Schade ist, dass das MDR-Fernsehen dieses wunderbare Konzert erst nach Mitternacht ausstrahlte. Natürlich, Klassik ist nicht massenkompatibel, aber am Karfreitag, und dann noch Ehren des 800. Jubiläums des Thomanerchores (gerade lief die Doku über “Die Thomaner” im Kino), hätte der MDR ausnahmsweise mal einen Primetime-Sendeplatz springen lassen können – oder wenigstens einen nach 22 Uhr. Immerhin war es nach MDR-Angaben “ein Höhepunkt des MDR-Programms zu Ostern”. Aber, lieber MDR, sendet man Höhepunkte im Nachtprogramm?

RT im Kino

Die Thomaner – Herz und Mund und Tat und Leben

Samstag, den 18. Februar 2012
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Neun Jahre. Das ist eine verdammt lange Zeit. Vor allem, wenn man fern der Heimat ist, weg von den Eltern, weg aus dem eigenen Zimmer. Nun ist man nie mehr allein, hat immer andere Jungs um sich, hat einen straffen Zeitplan zu absolvieren.
Das klingt nach einem harten Los. Aber die Schüler im Leipziger Thomanerchor sehen das völlig anders.
In diesem Jahr feiert der berühmte Chor seinen 800. Geburtstag. Unvorstellbar, wie viele Jugendgenerationen diese Schule schon durchlaufen haben. Unvorstellbar, dass sich einige Dinge seit 1212 wohl kaum verändert haben sollen.

Die Dokumentation über “Die Thomaner” erlaubt einen Einblick in den Alltag der Jugendlichen. Wir sehen, wie die Neuen an die Schule kommen, ihre Trennung von den Eltern und wie sie von den älteren Schülern aufgenommen werden. Wir dürfen bei den Proben dabei sein, mit auf Reisen gehen und bekommen so einen Eindruck, wie sich das Leben in diesem Kosmos abspielt.
Unter der Regie von Paul Smaczny und Günter Atteln begleitete das Filmteam die Thomaner mehr als ein Jahr lang.

Was wir zu sehen bekommen, ist hochgradig beeindruckend. Die Jugendlichen haben zwar Dauerstress, aber sie empfinden ihn nicht so. Im Gegenteil, sie fragen sich, wie “normale” Jugendliche die freie Zeit gestalten. Wir begleiten sie, wie sie Heiligabend durchs verschneite Leipzig ziehen und Lieder singen. Auftritte, Prüfungen, Hausaufgaben, Fußballspiele und und und.
Manchmal hat man allerdings den Eindruck, als ob alles zu gut läuft. Die Missbrauchsfälle der vergangenen Zeit spielen in dieser Doku über das Jungeninternat keine Rolle. Sexualität wird sowieso völlig ausgeblendet, was bei einer Doku über Pubertierende schon erstaunlich ist. In dieser Hinsicht hätten wenigstens drei, vier Sätze mal fallen können.
Dennoch ist dieser “Streifzug” durch die Welt der Thomaner so spannend, dass man es selbst fast bedauert, so was nicht gemacht zu haben.

9/10