RTelenovela

Achtung! Würfel an der A2!

Montag, den 18. März 2013
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Wer auf der A2 zwischen Bad Oeynhausen und dem Kamener Kreuz unterwegs ist, dem werden sie ganz sicher auffallen: die bunten Würfel.
Es sind genau drei, die sich oben auf der Böschung neben dem Autobahn bei Oelde im Münsterland befinden. Es sieht so aus, als würden sie da rumliegen, wie vergessener Müll, wie eine Skultur, die beim jüngsten Sturm umgefallen sind.

Diese Würfel sind Kunst.
In der Gegenrichtung stehen noch drei davon, direkt neben der Fahrbahn, nicht zu übersehen.
Es sind Landmarkwürfel, aufgestellt zur Landesgartenschau 2001 und wohl auch das Logo von Oelde. Sollten sie einst für die Schau werben, hat man sie danach schlicht dort vergessen.

Diese Würfel haben jedoch einen interessanten Nebeneffekt. Der Autofahrer sieht hin und macht sich Gedanken – und wird wach! Es heißt, es habe wegen dieser Würfel noch nie einen Unfall gegeben.
In der Tat sagen Experten, dass es für Autofahrer besser ist, sie bekommen entlang der Straße Abwechslung, als wenn kilometerlang gar nichts passiert. Diese Art von kunst, über die man sich während der Fahrt kurz Gedanken macht, erhöht auch die allgemeine Aufmerkamkeit. Fährt man jedoch eine halbe Ewigkeit durch Ödnis, wird man müde und unaufmerksam.

Insofern sind diese Würfel nicht bloße Kunst, sondern sie dienen überraschenderweise auch der Verkehrssicherheit.

RTelenovela

Kunst im Bananenbunker

Montag, den 11. Februar 2013
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Bunker gibt es nicht nur unter der Erde. In der Reinhardtstraße in Berlin-Mitte steht ein Betonklotz aus dem Zweiten Weltkrieg, der ehemalige Reichsbahnbunker.
Ich habe mich natürlich gefragt, welchen Sinn ein überirdischer Bunker hat, aber die Betonplatte auf dem Dach war wohl so stark, dass da die eine oder andere Bombe raufdonnern konnte, ohne dass irgend etwas passiert.

Zu DDR-Zeiten diente der Klotz zur Lagerung der Bananen aus Kuba, nach der Wende war dort ein Klub mit Fetischpartys und Darkrooms.
In den 2000ern kaufte das Künstlerehepaar Boros den Bunker. Jetzt werden dort Kunstausstellungen gezeigt – Werke aus dem Privatbesitz des Paares.

Natürlich waren wir einerseits dort, um uns den Bunker mal von innen anzusehen. Wer an dem hässlichen Ding vorbeiläuft, ahnt gar nicht, was sich dort drinnen befindet. Es gibt keinen Hinweis draußen an der Tür. Selbst wenn man mal rein geht – kein Schild, kein Hinweis. Wer da reingeht und an den Tresen tritt, weiß allermeistens, warum er dort ist.
In einer Führung ließen wir uns die Kunstschätzte auf den vier Etagen zeigen.

Zwischen Unsinnigem, Beklopptem und Wunderlichem fanden wir auch viele spannende Dinge, ja, sogar einiges, was ich als irgendwie genial bezeichnen würde.
Schon im Wartebereich hörten wir ein Brummen, das Geräusch eines lauten, übersteuern Lautsprechers. Und ein Klopfen, ein Klicken, was irgendwie ein wenig wie die Mauerspechte 1989 an der Berliner Mauer klang.
Das Brummen kam von einer Installation mit einigen schwarzen Wänden, dazu das Brummen. Soll irgendwie heißen, dass die Zukunft ngewiss ist. Oder was auch immer. Nicht sehr spannend.
Auch das Klopfen erwies sich als Enttäuschung. Auch das kam nur aus Lautsprechern neben einem gekrümmten Spiegel. Hatte nichts mit Mauerspechten zu tun.
Auf großen Tafeln standen Ziffern, drumherum Goldstaub und Farbe. Kunst eben.

Aber es gab auch Dinge, die mich wirklich beeindruckt haben. In einem Raum standen sich zwei Stehlampen genau gegenüber. Dazwischen ein Spiegel. Es hätte durchaus sein können, dass man den Spiegel für ein Fenster halten konnte. Man war sich nicht sicher: Spiegelbild oder die andere Lampe.
In einem anderen Raum stand ein Popcornautomat, der während der kompletten Ausstellungszeit Popcorn produzieren soll, auf dem Boden daneben liegt schon ein großer Haufen. Irgendwie witzig.
Ein Autoreifen wurden mit einem Motor in Bewegung gebracht, wenn jemand den Raum betritt. Es klang erst so, als wenn eine Schallplatte ohne Musik abgespielt wird, ein knistern. Doch das Rad drehte sich schneller, es begann, nach Gummi zu riechen, der Abrieb sammelte sich auf der Erde.

Es gibt noch vieles mehr zu entdecken in dem Bunker. Manches ist beeindruckend, manches einfach nur … na ja, Kunst eben.
www.sammlung-boros.de

RTelenovela

Berlin und der Schrottweihnachtsbaum

Montag, den 28. November 2011
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Berlin und der Weihnachtsbaum auf dem Breitscheidplatz – das war immer eine Sache für sich. Mal war der Baum zu klein, mal zu hässlich, mal aus der falschen Region oder es gab gar keinen. Diesmal ist er schlicht Schrott.

Wahrscheinlich waren es die Verantwortlichen Leid, dass ständig gemäkelt wurde. Vielleicht geben sie dem Affen nun richtig Zucker und stellen eine reine Provokation auf den Platz neben der Gedächtniskirche.
Zu sehen ist ein Stahlgerippe, das mit allem möglichen Müll behangen ist: Schuhe, eine Ampel, ein Stop-Schild, Kerzenständer, eine Miss-Piggy-Puppe, eine CD, ein Kofferradio und so weiter und so weiter.
So oder so – der Baum (oder eher: das Ding) ist eine Attraktion. Wer auf den wirklich sehr schönen, stimmungsvollen Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche geht, will auch das Schrottding sehen.

Ich finde die Sache ganz witzig. Ja, warum soll man nicht mal was ganz Außergewöhnliches machen? Normalerweise kann ich ja mit dieser Art… ich sag mal: Kunst nichts anfangen. Aber das Ding finde ich interessant. Vor allem die Reaktionen der Menschen. Sie reichen von “Typisch Berlin” über “Ach du scheiße” bis zu “Die spinnen ja”. Richtig geschmückte Bäumchen stehen auf dem Gelände genug rum, da kann man sich ruhig mal auf so was einlassen.

-> Foto

aRTikel

Die Idee entsteht beim Arbeiten

Dienstag, den 18. Oktober 2011
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Kunst: Karin Richter aus Klein-Ziethen modelliert in ihrer Freizeit Figuren aus Pappmaché

MAZ Oranienburg, 18.10.2011

KLEIN-ZIETHEN
Papier, Wasser, Leim. Das sind die Zutaten, die Karin Richter für ihr Hobby braucht. Die 61-Jährige aus Klein-Ziethen modelliert Figuren aus Pappmaché. Es sind kleine Teufelchen. Oder eine Frau mit Hut. Eine Frau, die sich auf einem Bett rekelt. Aber immer menschliche Wesen oder Köpfe. „Das liegt mir einfach“, sagt sie und lächelt.

Es war im Jahr 2003, als sie das Hobby für sich entdeckt hat. „Meine Tochter ist auch Künstlerin und hatte schon Erfahrung mit Pappmaché“, erzählt Karin Richter. „Ich fand das Material sehr interessant.“ Anfangs waren es noch größere Figuren, meist Köpfe, die sie modellierte. Inzwischen sind es richtige Figuren. „Ich habe keine Vorlage“, so die Klein-Ziethenerin. „Ich arbeite völlig frei. Die Idee entsteht beim Arbeiten. Das fließt.“ Ihren Figuren könne man ansehen, wie gut oder schlecht sie drauf war an jedem Tag.
Eine kleine Figur braucht etwa drei Wochen, bis sie fertig ist. „Dafür braucht man Geduld“, so Karin Richter. „Und die hat nicht jeder.“ Denn zwischendurch muss das Pappmaché immer wieder trocknen, erst dann kann die 61-Jährige weiter daran arbeiten, weiter modellieren oder weitere Elemente anbringen. Wenn es gut läuft und sie mit großer Lust arbeitet, dann sind es fünf oder sechs Figuren, an denen sie modelliert.

Einige ihrer Stücke sind derzeit im Restaurant „Coldehörn“ im Kremmener Scheunenviertel zu sehen. Eine Lieblingsfigur hat Karin Fischer jedoch nicht. „Ich mag sie alle gleich“, sagt sie.
Zu Hause hat sie „richtig große Tonnen“ zu stehen, in der das Pappmaché angerührt wird. Um die Figuren zu befestigen nutzt sie Wurzeln oder andere Stücke vom Baum, Holzklötze, Stützgestelle aus Draht oder eine Papprolle.
Für Karin Richter bedeutet ihr Hobby vor allem Stressabbau. „Das ist wie meditieren“, erzählt sie. Einige ihrer Figuren hat sie bereits verkauft, aber das steht nicht im Vordergrund. „Was zählt, ist das Hobby.“