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Engel fragt: Sind SUVs asozial?

Samstag, den 14. September 2019
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MI 11.09.2019 | 21.45 Uhr | hr fernsehen

Da ist er, der ganz böse Blick. Und die Frage: Sind SUVs asozial? Da weht ein scharfer Wind durchs Wohnzimmer. Und man muss ein bisschen husten. Wegen der Abgase.
Der SUV hat momentan in die Schlagzeilen geraten. In Berlin gab es einen schweren Unfall mit mehreren Toten. Ein SUV. Und jetzt steht die Frage im Raum, ob die Finger noch in die Stadt fahren dürfen sollen. Dass es bei dem Unfall einen gesundheitlichen Hintergrund geben könnte – nun gut, deswegen wollen wir uns ja unsere empörte Diskussion nicht kaputtmachen.
Und der hr hat seine Ethik-Doku sowieso schon längst geplant.

Am Mittwochabend hieß es in der Reihe “Engel fragt” im hr fernsehen also: “Sind SUVs asozial?” Um das vorwegzunehmen: Moderator Philipp Engel sagt am Ende, dass die Frage ein bisschen überspitzt gewesen sei. Gnihihi. Aber gut, dass er das erst am Ende gesagt hat, denn nur wegen dieser ach so überspitzten Frage hatte ich ja den hr überhaupt nur eingeschaltet.
Dabei lautet die Antwort ja eigentlich: Öhm, irgendwie schon.
Der fragende Engel ist in der Sendung selbst mal den – überspitzt gesagt – asozialen SUV gefahren. Um festzustellen, dass der ja viel zu breit fürs Parkhaus ist. Und die fetten Dinger vor der Schule auch irgendwie stören. Und vom Verbrauch gar nicht zu reden. Und dass selbst die Elektro-Variante irgendwie nicht so überragend ist.
Als Engel schließlich meint, dass die Frage, ob denn SUVs asozial seien, überspitzt formuliert worden sei, fragte man sich als Zuschauer: wieso eigentlich? Lieber hr, wenn man schon eine Frage stellt, dann kann man sie auch beantworten. Zur Not halt überspitzt.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 11. September 2020)

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hessenschau: Mahnwache in Frankfurt/Main

Donnerstag, den 1. August 2019
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DI 30.07.2019 | 19.30 Uhr | hr fernsehen

Manchmal fragt man sich wirklich, ob eigentlich ein Taktgefühl zur Ausbildung von Journalisten gehört. Der Reporter der hessenschau vom hr hat da ganz offensichtlich Nachholbedarf.

Am Dienstagabend fand vor dem Hauptbahnhof in Frankfurt/Main eine Mahnwache statt. Die Menschen kamen zusammen, weil sie um den Jungen trauerten, vor von einem Mann auf den Bahnsteig vor einen ICE geschubst worden ist und daran starb. Und weil sie mit dessen Mutter trauerten.
Vorne sprach jemand tröstende Worte, und die Leute hörten schweigend zu.

Einer schwieg nicht: der Reporter vom hr. Der stand mitten in der Menge und redete halblaut in die Kamera. Dass das irgendwie unpassend ist, schien er zu merken, denn er sah sich immer wieder leicht verunsichert um. Dennoch sprach er eine Frau an, die zur Mahnwache gekommen war. Vermutlich war das vorher abgesprochen, denn auch noch die Trauernden live zu fragen, ob sie was sagen wollen, wäre vermutlich absolut taktlos gewesen.
Später sprach der Reporter noch mit einer Trauerbegleiterin, und das alles inmitten der Menschen, die der Mahnwache folgten.
Das Ganze wirkte deplatziert und war auch unnötig. Der hr-Mann hätte sich auch etwas weiter abseits hinstellen können.

Und apropos live: Das Ganze war nicht mal live. Weil die Andacht eine Stunde vor der hessenschau begann, hat man diese Schalte einfach aufgezeichnet. Das ist nicht verwerflich, aber dann hätte man den Beitrag ganz anders aufbauen können. Aufsager live und abseits der Trauernden und reingeschnitten die Bilder der Mahnwache.
Aber diese Sache mit dem Taktgefühl muss man den Fernsehleuten vielleicht noch beibringen.

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Die Florian Schroeder Satire Show

Donnerstag, den 14. März 2019
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DI 12.03.2019 | 23.00 Uhr | hr fernsehen

Von der ARD ist man ja in Sachen Sendezeiten und -plätze einiges gewöhnt. Das Beste Beispiel ist die Satireshow “extra 3”, die mal mittwochs um 22.50 Uhr im NDR läuft und mal donnerstags um 22.45 Uhr im Ersten. So genau weiß man das da immer nicht, aber man lässt sich ja gerne überraschen.

Noch irrer ist es im Fall von Florian Schroeder. Der war 2018 mit einer Late-Night-Show im Spätprogramm des rbb vertreten. Mit Stand-up, Talkgast und Musik oder Comedyeinlage.
Aber auch hier war es eher verwirrend, wann sie denn mal zu sehen war. “Die Florian Schroeder radioeins Satireshow” kam an zwei Dienstagen hintereinander, dann wochenlang nicht, dann wieder an zwei Dienstagen.

Nun aber wird es wirklich verwirrend: Denn am Dienstagabend lief die Sendung plötzlich nicht mehr im rbb, sondern im hr fernsehen. Aufgezeichnet nicht in Berlin, sondern in Frankfurt/Main. Nicht mit radioeins als Partner, sondern mit hr1. Der Vorspann war fast derselbe, einige Frankfurt-Elemente hat man eingefügt. Das Logo ist auch gleich, nur eben ohne den radioeins-Zusatz.
Die Bühne ist eine andere, eine Band hat er zusätzlich. Ansonsten ist die hr-Version von der “Florian Schroeder Satire Show” deckungsgleich.

Das wirft Fragen auf. Wenn Florian Schroeder mit seiner Show zwischen Berlin und Frankfurt, warum arbeiten rbb und hr nicht zusammen? Warum läuft die Show nicht immer auf beiden Sendern? Denn mal ehrlich: Welcher normale Zuschauer sieht denn da durch, wenn die Sendung plötzlich den Sender wechselt?
Und warum kommt sie grundsätzlich nicht regelmäßiger? Und wieso ist sie überhaupt versteckt in wechselnden Dritten Programmen?
Man könnte sagen: Die ARD hat eine Late Night, versteckt sie aber in den Tiefen des Sender-Universums.
Muss man nicht verstehen.

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#hrWAHL – Hessen hat gewählt: Ergebnis-Slideshow

Dienstag, den 30. Oktober 2018
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SO 28.10.2018 | 23.30 Uhr | hr fernsehen

In Hessen ist entweder das Internet kaputt, oder das dortige Dritte Programm wird nur von Menschen über 80 gesehen, die vom Internet noch keine Ahnung haben.
Am Sonntagabend, als die Live-Sendungen rund um die hessische Landtagswahl gelaufen waren, gab es im hr fernsehen eine Zugabe. Von 23.30 Uhr bis nach 4 Uhr bestand das folgende Programm ausschließlich aus Schrifttafeln.

An sich ist es ja ein netter Service. In einer Slideshow liefen sämtliche Ergebnisse aus allen Wahlkreisen über den Bildschirm. Und bei den Erststimmen gab es außerdem noch ein Foto des Gewinners.
Das ist so wahnsinnig von gestern – und dennoch bleibt man zumindest ein paar Minuten hängen, weil man sieht, dass in irgendeiner hessischen Kleinstadt die CDU besonders stark war oder in Frankfurt/Main plötzlich die Grünen vorne liegen. Obwohl man als Nicht-Hesse damals ja gar nichts zu tun hat.
Insofern: Total out und trotzdem ein bisschen in.

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Sportschau live: Empfang des DFB-Pokalsiegers Eintracht Frankfurt

Montag, den 21. Mai 2018
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SO 20.05.2018 | 16.35 Uhr | Das Erste

Fußballer spielen Fußball – und dienen nicht als Vorbild für irgendwen. Sie machen ihr eigenes Ding, und da braucht man ihnen nicht mit irgendwelchen blöden Regeln kommen und mit dem Ziegefinger wedeln.
Die Spieler von Eintracht Frankfurt haben am Sonnabend den DFB-Pokal gegen den FC Bayern München gewonnen, und das musste natürlich gefeiert werden.
Das Erste und das hr fernsehen übertrugen am Sonntagnachmittag wie ein Corso von BMWs vom Frankfurter Flughafen zum Römer fuhr. In einer schönen Kolonne fuhr die BMW-Karawane über die Autobahn, und… Aber eigentlich ging es ja nicht um die BMWs, sondern um die Männer, die darin – oder eher: darauf saßen.

Und wie gesagt: Scheiß auf Regeln. Die Fußballer saßen zu dritt hinten im Cabrio auf dem Heck, die Füße auf dem Rücksitz. Der Fahrer reichte ihnen die Bierchen nach hinten, und dabei ist er glücklicherweise nicht aus Versehen zu sehr auf’s Gas getreten. Wäre sicher aufregend gewesen, wie live in der ARD die Frankfurt-Spieler aus den Autos gedonnert und von den folgenden BMWs überfahren worden wären. Oder von den ARD-Motorrädern, die das Ganze begleiteten und von denen aus der reporter auch mal Interviews mit den Autofahrenden machte.
Aber wie gesagt, über solche Kinkerlitzchen im Autobahn-Korso muss man nun wirklich nicht nachdenken, man will solche Top-Ereignisse ja nicht schlecht reden.

In Frankfurt selbst hat man offenbar nicht damit gerechnet, dass so viele Menschen kamen. So wurde das Spalier immer enger, Fans setzten sich hinten auf’s Auto und fuhren mit bis zum Römer – dabei haben die gar nicht den Pokal geholt, fühlten sich aber trotzdem eine halbe Stunde vermutlich als die geilsten überhaupt. Hände schütteln, Pokal anfassen – und vorne wurde alles immer enger, so dass es kaum noch voran ging. Da haben einige Sicherheitsexperten ganz sicher extrem unruhige Stunden erlebt. Aber wie gesagt: Ist ja noch mal gut gegangen.

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Tatort: Weil sie böse sind

Donnerstag, den 3. Mai 2018
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DI 01.05.2018 | 21.45 Uhr | hr fernsehen

Wieder mal große Aufregung um die ach so einfallslose öffentlich-rechtliche ARD: Am Maifeiertag liefen in den verschiedenen Dritten Programme gleich acht “Tatort”-Filme, davon fünf mehr oder weniger parallel – im hr fernsehen, im WDR, im NDR, im BR-Fernsehen und im rbb. Au weia.
In den Internetforen tönte es wieder: Und dafür zahlen wir Gebühren! Die Anti-Gebühren-Trolle hatten mal wieder Schnappatmung.

Dabei sollte die Frage lauten: na und?
Im Grunde ist der “Tatort” doch bloß eine Marke, hinter der sich die verschiedensten Serien befinden. Der WDR zeigte einen Fall aus Köln, der hr mit “Weil sie böse sind” einen aus Frankfurt/Main, der rbb einen aus Berlin, der NDR einen aus Münster, der BR einen aus München (aus den 70ern!).
Was also ist so aufregend und dramatisch schlimm daran, wenn auf verschiedenen Sendern diese Krimis laufen, meistens sogar regional passend im regionalen Dritten?

Würden die Dritten stattdessen an einem Abend, wo im ZDF die quotenstarke Champions League mit dem FC Bayern München übertragen wird, aufwendige eigene und erstausgestrahlte Shows senden, wäre das auch nicht recht. Mal wird gemeckert, wenn die Sender klotzen, mal wird gemeckert, wenn die Sender sparen. Die Hater wissen irgendwie auch nicht, was sie denn eigentlich wollen.
Die Parallelausstrahlung von mehreren sehr unterschiedlichen “Tatort”-Reihen sollte nichts sein, was uns aufregt. Da gibt es bei ARD und Co. ganz andere Baustellen!

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Malvina, Diaa und die Liebe

Sonntag, den 14. Januar 2018
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SA 13.01.2018 | 16.55 Uhr | hr fernsehen

Malvina und Diaa brauchen Polizeischutz. Sie beiden sind nicht gefährlich. Die Gefahr kommt von einer anderen Seite.
Malvina ist Christin und Deutsche. Diaa ist aus Syrien, Moslem, lebt nun in Deutschland. Die beiden sind seit mehr als einem Jahr ein Paar.
Der KiKA, der Kinderkanal von ARD und ZDF, zeigte im November die Doku “Malvina, Diaa und die Liebe”. Er handelte davon, dass sich zwei Menschen aus verschiedenen Konfessionen lieben. Was gut läuft, was problematisch ist. Unkommentiert.
Im KiKA lief die Doku innerhalb eines Schwerpunktes über Kinderrechte.

Sie erzählen über ihre Kulturen – und über die Augenblicke, wo diese Kulturen aufeinanderstoßen. Er will, dass sie keine kurzen Kleider trägt. Er mag es nicht, wenn sie mit anderen Männern spricht. Sie widerum sagt, sie sei eine Emanze, und sie lasse sich nicht verbieten, auch mit anderen Freunden zusammen zu sein – platonisch eben. Sie wolle sich das nicht nehmen lassen, die Sache mit dem kurzen Kleid, die kann sie dagegen akzeptieren.

Sechs Wochen nach Ausstrahlung im KiKA gibt es einen riesigen Wirbel um den Film – angefeuert durch die AfD und durch die “Bild”. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Dirk Spaniel macht aus der Doku einen Skandal. Für ihn sei sie eine „rührselige Seifenoper“. Der Kinderkanal betreibe „Propaganda“ für Beziehungen mit moslemischen Flüchtlingen. Die “Bild” zieht nach, ist ebenfalls empört – auch weil auf der KiKA-Seite im Internet Diaa erst 17, dann 19 war. Was allerdings ein Fehler der Internetredaktion war – Diaa war immer 19. Das empört noch mehr, weil AfD und “Bild” nun erst recht eine Verschwörung und Propaganda sehen. Was AfD und “Bild” in Zweisamkeit erreichen ist: Hass. Blanker Hass, der im Netz ausgekübelt wird von tausenden wütenden Menschen. Eine unwürdige Diskussion entsteht. Malvina und Diaa brauchen schließlich Polizeischutz.

Im Rahmen einer Diskussionssendung zeigte das hr fernsehen – der hr produzierte den Film für den KiKA – am Sonnabendnachmittag die Doku nochmals.
Wer diesen Film sieht – und das einigermaßen ohne Vorurteile -, wird bemerken, dass er keinesfalls Propaganda betreibt. Denn allein durch das, was Malvina den Aussagen von Diaa entgegnet, merkt man sehr wohl, dass da Welten aufeinanderprallen, die nicht immer schwer vereinbar sind. Es kommen Freunde, andere Menschen zu Wort, die ihre Sorgen äußern.
Kritisiert wird, dass der Film ohne einordnenden Kommentar auskommt. Der ist jedoch nicht nötig. Denn erstens kommen die Kommentare sehr wohl – aber eben von den Freunden und Eltern, die durchaus deutlich äußern, was sie eventuell befürchten und was eventuell gar nicht ginge. Außerdem sollte man doch bitte die zuschauenden Kinder (und Jugendlichen) nicht unterschätzen. Denn die können durchaus mitdenken und einschätzen, wie Aussagen eventuell einzuordnen sind. Ein Off-Kommentar, der hier und da sagen würde, das sei ja total bedenklich, was da gerade gesagt wurde, war schlicht überflüssig.

Die Diskussion um “Malvina, Diaa und die Liebe” ist unwürdig und niveaulos. Wie übrigens auch der Stunk um eine “Lindenstraße”-Folge von 2006, die neulich bei one wiederholt worden ist. Dort erklärte Serienfigur Lisa ihrem Sohn Paul, wie toll doch der Islam sei.
Das tat sie damals tatsächlich, aber auch das war keine ARD-Propaganda, die auch in dem Fall von AfD und Co. herbeigeschrien wird. Der Ausschnitt kursierte im Netz, ist so für sich stehend durchaus irritierend. Aber im Gesamtkontext sieht das schon ganz anders aus. Denn die Serienfigur Lisa war schon immer eine, die sich völlig übertrieben in neue Merkwürdigkeiten stürzte. In diesem Fall wollte sie unbedingt Moslimin werden. Als Kind wurde sie von der Mutter verprügelt und verstoßen, sie lebte im Heim, schien immer allein zu sein. Dann lernte sie Murat kennen und wollte unbedingt seine Religion übernehmen, sie wollte ein Teil seiner Familie werden – inklusive Islam. Paul findet das beängstigend, und selbst Lisas Freund/Mann Murat wollte ihr das ausreden. Es gab also sehr wohl eine Kontroverse um das, was Lisa da tat.
Aber das ist rechten Hetzern egal. Sie sehen einen Ausschnitt und schmeißen die Empörungsmaschine an. Und leider funktioniert die Masche, weil leider die wenigsten sich das ganze Bild machen und sich stattdessen beeinflussen lassen.

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