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Hitlisten des Westens: Die beliebtesten Museen in Nordrhein-Westfalen

Samstag, den 16. August 2014
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MI 13.08.2014 | 21.00 Uhr | WDR

Breaking News! Der WDR hat eine Rankingshow ausgestrahlt – und sie war nicht manipuliert. Man beachte: Nicht! Manipuliert!
In den vergangenen Wochen mussten ZDF, WDR, NDR, hr und rbb (jemanden vergessen?) eingestehen, dass sie in ihren Rankingsendungen die Umfrage-Ergebnisse so manipuliert haben, dass es ihnen in den Kram gepasst hat.

Da haben die Redaktionen die Reihenfolge geändert, weil sie lieber mit Pferdebildern in die Sendung einsteigen wollten. Obwohl die Pferde bei den Zuschauern gar nicht letzter waren. Aber ist doch wurscht. Da wurden Platzierte rausgeschmissen, weil der Sender leider keine passenden Bilder hatte (auch auch leider unfähig, da mal schnell ein Kamerateam hinzuschicken). Da sind die Ergebnisse verfälscht worden, weil den Promigästen im Studio geschmeichelt werden sollte. Oder weil es langweilig war. Oder weil es den Redakteuren sonst irgendwie nicht in den Kram gepasst hat.

Nun sind Rankingshows nicht der Nabel der Fernsehwelt. Aber wozu werden solche Onlineumfragen gestartet, wenn es am Ende trotzdem völlig egal ist, wie das dann gesendet wird?

An den Manipulationen ist nicht nur wunderbar zu sehen, wie wurscht den Sendern ihre Zuschauer in Wirklichkeit sind. Und dass diese Rankingshow nichts anderes sind als extrem billiges Programmfüllmaterial.
Dabei ist aber noch etwas anderes rausgekommen. Den Zuschauern sind diese Rankings auch wurscht. Am Mittwoch strahlte der WDR “Die beliebtesten Museen in Nordrhein-Westfalen” aus. Und weil jetzt alles so transparent ist, veröffentlichte der Sender auch die genauen Zahlen. Die zeigten: Die Museen waren ein Kracherthema, das beim WDR-Publikum so super ankam, dass der Sieger, das Haus der Geschichte in Bonn, unfassbare 126 Klicks hatte. Platz 15 verödete mit gerade mal 10 (!) Klicks. Andere Rankings hatten noch verheerendere Klickzahlen. Soll heißen: noch weniger.

Die Sender ziehen die Konsequenz daraus: Nein, die Rankings werden natürlich nicht abgeschafft. Aber das Onlinevoting. Wenn sowieso keiner mitmacht, dann entscheidet eben die Redaktion oder es muss eine repräsentative Umfrage her, wo man dann den Leuten am Telefon auf den Geist gehen will.

PS: Der rbb hat demnächst auch ein Ranking-Leckerbissen: Die beliebtesten Retro-Wohnschätze. Das ist ja echt… gähn.

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Zugriff! – Wenn das Netz zum Gegner wird

Donnerstag, den 7. August 2014
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MI 06.08.2014 | 21.45 Uhr | hr-Fernsehen

Am Ende stand Reporter Peter Onneken quasi nackig da. Er saß am Frankfurter Flughafen fest. Er hatte kein Bargeld mehr, seine Bankkarten waren gesperrt, seine Wohnung war okkupiert, irgendjemand hat seinen Job gekündigt, weil sein Mail-Postfach gehackt worden ist. Und so weiter.

Das hr-Fernsehen zeigte am Mittwochabend ein spannendes Experiment – und eines, das sehr nachdenklich machen sollte. Die beiden Reporter Diana Löbl und Peter Onneken lieferten sich ein Onlineduell. Sie wettete, dass es ihr gelingt alle seine Daten abzufischen. Alle. Wirklich alle.
Und es war schockierend einfach. Sie knackte die Postfächer, verschaffte sich Zugang zur Cloud, konnte in seinem Leben rumschnüffeln, ihn stalken und ihm fremde Lieferer auf den Hals hetzen – und brachte ihn am Ende zum Ruin.

Der Film “Zugriff! – Wenn das Netz zum Gegner wird” zeigte nicht nur, dass wir ganz offensichtlich zu sorglos mit unserem Kram umgehen. Viel schlimmer ist die Erkenntnis, dass selbst alle Hürden für echte Hacker völlig einfach zu umgehen sind. Virtuelle Datensammelorte sind zu schlecht geschützt, die Banken haben ihre Rechenzentren an andere Unternehmen ausgegliedert – aber alles soll sicher sein.
Nein, ist es nicht. Und das sollte uns zum Handeln bringen.

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Fußball-WM 1974: Frankfurter Wasserschlacht

Sonntag, den 8. Juni 2014
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FR 06.06.2014 | 2.35 Uhr (Sa.) | hr-Fernsehen

Regen. Ein regelrechter Wolkenbruch. Der Rasen im Frankfurter Waldstadion steht unter Wasser. Ein Spielbeginn ist unmöglich.
Wir schreiben das Jahr 1974, in Deutschland ist Fußball-WM, und nichts geht mehr. Die ARD überträgt ein Spiel, das nicht beginnen kann, und es ist auch noch ein Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

Das hr-Fernsehen zeigte in der Nacht zu Sonnabend die “Frankfurter Wasserschlacht”. Und bewies mal wieder, dass früher eben nicht alles besser war.
Die ARD zeigte also, wie die Helfer im Stadion verzweifelt versuchen, den Rasen vom Wasser zu befreien. Sogar die Feuerwehr ist gekommen.

Reporterlegende Ernst Huberty kommentierte das Ganze. Das heißt, er versuchte irgendwie, die Zeit zu überbrücken. Viel zu sagen hatte er nicht, er schien mit der Situation hoffnungslos überfordert. Als bekannt wurde, dass das Spiel 30 Minuten später angepfiffen wird, hatte er dann gar keine Lust mehr und sagte, die Regie solle mal weitermachen.
Später zeigte die ARD dann allen Ernstes die Live-Bilder aus dem Stadion und unterlegte sie mit Orchester-Pausenmusik. Würde es heute nicht mehr geben.
Ich habe keine Ahnung, was Huberty zu einer Kommentarenlegende machte. Wenn heute jemand so einschläfernd nüchtern ein Spiel kommentieren würde, wie er, käme er damit nicht gut an.

Und dann gab es noch einen unerhörten Vorfall. Das heißt, 1974 war er noch nicht unerhört, heute gäbe es einen Aufschrei der aufrechten Deutschen.
Als es dann doch losging, stand die deutsche mannschaft nebeneinander auf dem Rasen und hörte sich die Hymne an.
Hörte. Sich. Die. Hymne. An.
Und nicht: Sang mit.
Kein einziger Spieler sang die Hymne mit, einer kaute sogar Kaugummi. Heute wäre das undenkbar, man würde die Spieler rundmachen und macht das ja auch. Solche blöden Empörungswellen scheint es vor 40 Jahren noch nicht gegeben zu haben, und irgendwie war das dann früher wohl doch besser als heute.

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Fußball-WM – Die Eröffnungsfeier 1974

Samstag, den 7. Juni 2014
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FR 06.06.2014 | 0.45 Uhr (Sa.) | hr-Fernsehen

Frank Schöbel! Im West-Fernsehen! Einer der größten DDR-Stars durfte ab und zu auch im kapitalistischen Ausland auftreten. Bei der Eröffnungsfeier für die Fußball-WM 1974 zum Beispiel. Da sang er im Waldstadion in Frankfurt/Main: “Freunde gibt es überall auf der ganzen Welt, Menschen die sich gut verstehn und mit dir Tag für Tag eine Straße gehn.” Das waren ganz neue Töne aus der DDR, denn eigentlich waren die Leute hinter der Mauer doch die Bösen, da konnte doch von Freunden gar keine Rede sein – und schon gar nicht von einer Straße, auf der wir dann gemeinsam jeden Tag herumscharwenzeln.
Aber vermutlich wäre es in der BRD auch nicht gut angekommen, hätte der DDR-Mann von den jungen Pionieren gesungen, die den antifaschistischen Schutzwall bejubeln.

Es war eine der Besonderheiten einer Show, die das hr-Fernsehen am sehr späten Freitagabend wiederholte: die Fußball-WM-Eröffnungsfeier von 1974. Unfassbare 40 Jahre her. Die zweite Besonderheit war übrigens der Beweis, dass früher doch nicht alles besser war. Quälende zwei Stunden dauerte das Schlager- und Folklorespektakel. Brasilianische Tänzerinnen, gewöhnungsbedürftige Gesänge aus Zaire (Kongo). Polnische Volksmusik, bulgarische Folklore. Und so weiter.
Das ist heute, 2014, sehr, sehr anstrengend anzusehen. Und 1974 vermutlich auch schon gewesen. Die Idee, die Leute mit Kultur aus jedem WM-Land zu, ähm, erfreuen, ist zwar nett, erwies sich aber als sehr … nun ja, langwierig.
Vermutlich sind die Eröffnungsfeiern bei heutigen Fußball-WMs deshalb auch sehr viel kürzer. Die Leute wollen doch sowieso nur den Ball rollen sehen und kein Kulturgedöns.

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heimspiel! extra: Ironman European Championship 2013

Dienstag, den 9. Juli 2013
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SO 07.07.2013 | 10.00 Uhr | hr-Fernsehen

Ich pumpe schon, wenn ich zwei oder drei Kilometer gelaufen bin. Okay, das spricht nicht gerade für mich. Das weiß ich auch. Triathleten aber, das sind ja ganz harte Hunde.
Der hr übertrug am Sonntag weit mehr als sieben Stunden lang den Frankfurter Triathlon. So viel Zeit muss irgendwie gefüllt werden, und deshalb gab es zwischendurch auch mal Interviews mit den Sportlern.

Das saß also ein Mann, der gerade schon 3,8 Kilometer geschwommen und 180 Kilometer Rad gefahren ist. Und, wie geht’s Ihnen? Wie läuft’s? Okay, der Mann war ein bisschen geschafft, das hinderte ihn aber nicht daran, Auskunft zu geben. Ganz normal. Um dann noch schnell 42 Kilometer zu laufen.
Macht man doch mit links.
Also, Respekt. Wirklich!

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Die 100 besten Hessenwitze

Freitag, den 10. Mai 2013
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DO 09.05.2013 | 0.40 Uhr (Fr.) | hr-Fernsehen

Bitte schnalle dich an, denn das Nachfolgende wird dich aus deinem Sitz reißen!
“Tingelt einer durch Alt-Sachsenhausen und kommt ins Öfsche reingelaufen. Und sagt: ,Ich hätt gern drei Biersche, gell.’ Da sagt der Reiner: ,Hier, bittschön.’ Da trinkt er seine drei Biersche, zahlt und geht wieder. So geht’s die ganze Woche, und am Samstag frägt der Reiner, der Wirt vom Öfsche: ,Hör ma, mein Lieber, was soll denn das ewig mit deinen drei Bier?’ ,Ja’, hat er gesagt, ,weißt, ich hab noch zwei Brüder. Der eine wohnt so weit weg in Australien, und der andere in Amerika. Hach, und für die beiden trinkt ich immer eine, und eine für mich.’ Der Wirt hat’s kapiert, und es geht weiter, und er kommt am andern Mittwoch rein und sagt: ,Ich hätt gern zwei Bierchen!’ Sagt der: ,Um Gottes Willen! Ist ein Bruder krank geworden? Was’n los?’ Sagt er: ,Nein, nein, ich hab aufgehört mit’m Saufen.”

Bitte beruhige dich!
Dass du dich gerade ausgeschüttet hast vor Lachen, ist kein Wunder, denn es handelt sich hierbei um den besten der 100 besten Hessen-Witze. Gesendet zum wiederholten Male in der Nacht zum Freitag im hr-Fernsehen.
Unglaubliche 90 Minuten lang passiert nichts anderes, als dass 100 Leute 100 Witze erzählen. Weil niemand lacht, werden die Lacher vom Band eingespielt. Mit dieser unwitzigen Rankingshow hat der hr seinen Zuschauern schon das Silverfest 2012 versaut. Wer “Die 100 besten Hessenwitze” an dem Abend gesehen hat, glaubt vermutlich immer noch, dass wir uns im Jahr 2012 befinden – nach und nach sollen die Zuschauer wieder aus dem Koma erwachen…

Ach ja, einen hab ich noch: “Treffen sich zwei Jäger im Taunus. Beide tot.” Hat nur für Platz 93 gereicht. Da wäre doch mehr drin gewesen, oder?

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Tagesschau extra / Der Papst ist gewählt

Donnerstag, den 14. März 2013
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MI 13.03.2013 | 19.05 Uhr | Das Erste

Weißer Rauch. Dann ging ja doch alles ganz schnell. Als um 19.06 Uhr der helle Dampf über der sixtinischen Kapelle in Rom aufstieg, stieg auch der Puls vieler Mitarbeiter in den Fernsehsendern.

phoenix war sowieso stundenlang auf Sendung. Das ZDF brach die laufende “heute”-Sendung ab und begann ein “ZDF spezial”, Das Erste blendete sich aus seiner laufenden Serie aus, begann ein “Tagesschau extra” und wechselte dann zur BR-Sondersendung “Der Papst ist gewählt”.

Es ist seltsam. Das Amt des Papstes tangiert mich eigentlich nicht. Aber solche Weltereignisse finde ich dann doch immer spannend – Geschichte live.
Eine gute Stunde lang passierte dann erst mal gar nichts – Schwenks über den Petersplatz, Expertengespräche, kurze Filme.
Eines musste man dem neuen Papst Franzikus lassen: Er wartete die 20-Uhr-Tagesschau ab, er hat echte Manieren.

Diese 20-Uhr-Tagesschau war die ungewöhnlichste seit langem – nicht nur, weil sie 47 Minuten dauerte, sondern weil es live zwei verschiedene Versionen gab.
Das Nachrichtenteam in Hamburg stand vor der Situation, dass das Weltereignis genau zur Tagesschau-Zeit stattfand. Die Live-Schaltung konnte also nicht nur zwei Minuten dauern, es wäre unsinnig gewesen, einfach erstmal die anderen Meldungen abzuarbeiten. So erschien gegen 20.05 Uhr Sprecher Jan Hofer wieder, um sofort zurück nach Rom zu schalten. Genau genommen wurde die “Tagesschau” damit unterbrochen – denn Das Erste zeigte wieder die BR-Sendung “Der Papst ist gewählt”, die auch parallel im Bayerischen Fernsehen lief. Beim NDR selbst muss man spontan entschieden haben, dort, im eigenen Dritten, die eigentliche “Tagesschau” fortzusetzen. Sie endete dort pünktlich um 20.15 Uhr. Alle anderen Dritten übernahmen jedoch das Tagesschau-Signal vom Ersten. Der hr blendete sich 20.15 Uhr aus, der rbb gegen 20.32 Uhr, WDR und SWR blieben bis zum Ende dabei. Denn ab etwa 20.35 Uhr lief dann auch im Ersten der Rest der Tagesschau. In Hamburg muss es drunter und drüber gegangen sein…

Sogar RTL unterbrach sein Hauptabendprogramm. “Teenies auf Partyurlaub” ist dort von der Antrittsrede des neuen Papstes unterbrochen worden. Was für ein Gegensatz. Ob sich Papst Franziskus über so ein müllig-sexy Rahmenprogramm freut? Nach den Teenies ging’s nämlich flott weiter mit unpäpstlichen “7 Tage Sex”. Kein Wunder, dass sich RTL-Nachrichtenmann am Ende der “RTL News” nicht getraut hat, zu sagen, mit welcher Sendung es denn nun weitergeht.