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hessenschau: Mahnwache in Frankfurt/Main

Donnerstag, den 1. August 2019
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DI 30.07.2019 | 19.30 Uhr | hr fernsehen

Manchmal fragt man sich wirklich, ob eigentlich ein Taktgefühl zur Ausbildung von Journalisten gehört. Der Reporter der hessenschau vom hr hat da ganz offensichtlich Nachholbedarf.

Am Dienstagabend fand vor dem Hauptbahnhof in Frankfurt/Main eine Mahnwache statt. Die Menschen kamen zusammen, weil sie um den Jungen trauerten, vor von einem Mann auf den Bahnsteig vor einen ICE geschubst worden ist und daran starb. Und weil sie mit dessen Mutter trauerten.
Vorne sprach jemand tröstende Worte, und die Leute hörten schweigend zu.

Einer schwieg nicht: der Reporter vom hr. Der stand mitten in der Menge und redete halblaut in die Kamera. Dass das irgendwie unpassend ist, schien er zu merken, denn er sah sich immer wieder leicht verunsichert um. Dennoch sprach er eine Frau an, die zur Mahnwache gekommen war. Vermutlich war das vorher abgesprochen, denn auch noch die Trauernden live zu fragen, ob sie was sagen wollen, wäre vermutlich absolut taktlos gewesen.
Später sprach der Reporter noch mit einer Trauerbegleiterin, und das alles inmitten der Menschen, die der Mahnwache folgten.
Das Ganze wirkte deplatziert und war auch unnötig. Der hr-Mann hätte sich auch etwas weiter abseits hinstellen können.

Und apropos live: Das Ganze war nicht mal live. Weil die Andacht eine Stunde vor der hessenschau begann, hat man diese Schalte einfach aufgezeichnet. Das ist nicht verwerflich, aber dann hätte man den Beitrag ganz anders aufbauen können. Aufsager live und abseits der Trauernden und reingeschnitten die Bilder der Mahnwache.
Aber diese Sache mit dem Taktgefühl muss man den Fernsehleuten vielleicht noch beibringen.

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Die Florian Schroeder Satire Show

Donnerstag, den 14. März 2019
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DI 12.03.2019 | 23.00 Uhr | hr fernsehen

Von der ARD ist man ja in Sachen Sendezeiten und -plätze einiges gewöhnt. Das Beste Beispiel ist die Satireshow “extra 3”, die mal mittwochs um 22.50 Uhr im NDR läuft und mal donnerstags um 22.45 Uhr im Ersten. So genau weiß man das da immer nicht, aber man lässt sich ja gerne überraschen.

Noch irrer ist es im Fall von Florian Schroeder. Der war 2018 mit einer Late-Night-Show im Spätprogramm des rbb vertreten. Mit Stand-up, Talkgast und Musik oder Comedyeinlage.
Aber auch hier war es eher verwirrend, wann sie denn mal zu sehen war. “Die Florian Schroeder radioeins Satireshow” kam an zwei Dienstagen hintereinander, dann wochenlang nicht, dann wieder an zwei Dienstagen.

Nun aber wird es wirklich verwirrend: Denn am Dienstagabend lief die Sendung plötzlich nicht mehr im rbb, sondern im hr fernsehen. Aufgezeichnet nicht in Berlin, sondern in Frankfurt/Main. Nicht mit radioeins als Partner, sondern mit hr1. Der Vorspann war fast derselbe, einige Frankfurt-Elemente hat man eingefügt. Das Logo ist auch gleich, nur eben ohne den radioeins-Zusatz.
Die Bühne ist eine andere, eine Band hat er zusätzlich. Ansonsten ist die hr-Version von der “Florian Schroeder Satire Show” deckungsgleich.

Das wirft Fragen auf. Wenn Florian Schroeder mit seiner Show zwischen Berlin und Frankfurt, warum arbeiten rbb und hr nicht zusammen? Warum läuft die Show nicht immer auf beiden Sendern? Denn mal ehrlich: Welcher normale Zuschauer sieht denn da durch, wenn die Sendung plötzlich den Sender wechselt?
Und warum kommt sie grundsätzlich nicht regelmäßiger? Und wieso ist sie überhaupt versteckt in wechselnden Dritten Programmen?
Man könnte sagen: Die ARD hat eine Late Night, versteckt sie aber in den Tiefen des Sender-Universums.
Muss man nicht verstehen.

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#hrWAHL – Hessen hat gewählt: Ergebnis-Slideshow

Dienstag, den 30. Oktober 2018
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SO 28.10.2018 | 23.30 Uhr | hr fernsehen

In Hessen ist entweder das Internet kaputt, oder das dortige Dritte Programm wird nur von Menschen über 80 gesehen, die vom Internet noch keine Ahnung haben.
Am Sonntagabend, als die Live-Sendungen rund um die hessische Landtagswahl gelaufen waren, gab es im hr fernsehen eine Zugabe. Von 23.30 Uhr bis nach 4 Uhr bestand das folgende Programm ausschließlich aus Schrifttafeln.

An sich ist es ja ein netter Service. In einer Slideshow liefen sämtliche Ergebnisse aus allen Wahlkreisen über den Bildschirm. Und bei den Erststimmen gab es außerdem noch ein Foto des Gewinners.
Das ist so wahnsinnig von gestern – und dennoch bleibt man zumindest ein paar Minuten hängen, weil man sieht, dass in irgendeiner hessischen Kleinstadt die CDU besonders stark war oder in Frankfurt/Main plötzlich die Grünen vorne liegen. Obwohl man als Nicht-Hesse damals ja gar nichts zu tun hat.
Insofern: Total out und trotzdem ein bisschen in.

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Sportschau live: Empfang des DFB-Pokalsiegers Eintracht Frankfurt

Montag, den 21. Mai 2018
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SO 20.05.2018 | 16.35 Uhr | Das Erste

Fußballer spielen Fußball – und dienen nicht als Vorbild für irgendwen. Sie machen ihr eigenes Ding, und da braucht man ihnen nicht mit irgendwelchen blöden Regeln kommen und mit dem Ziegefinger wedeln.
Die Spieler von Eintracht Frankfurt haben am Sonnabend den DFB-Pokal gegen den FC Bayern München gewonnen, und das musste natürlich gefeiert werden.
Das Erste und das hr fernsehen übertrugen am Sonntagnachmittag wie ein Corso von BMWs vom Frankfurter Flughafen zum Römer fuhr. In einer schönen Kolonne fuhr die BMW-Karawane über die Autobahn, und… Aber eigentlich ging es ja nicht um die BMWs, sondern um die Männer, die darin – oder eher: darauf saßen.

Und wie gesagt: Scheiß auf Regeln. Die Fußballer saßen zu dritt hinten im Cabrio auf dem Heck, die Füße auf dem Rücksitz. Der Fahrer reichte ihnen die Bierchen nach hinten, und dabei ist er glücklicherweise nicht aus Versehen zu sehr auf’s Gas getreten. Wäre sicher aufregend gewesen, wie live in der ARD die Frankfurt-Spieler aus den Autos gedonnert und von den folgenden BMWs überfahren worden wären. Oder von den ARD-Motorrädern, die das Ganze begleiteten und von denen aus der reporter auch mal Interviews mit den Autofahrenden machte.
Aber wie gesagt, über solche Kinkerlitzchen im Autobahn-Korso muss man nun wirklich nicht nachdenken, man will solche Top-Ereignisse ja nicht schlecht reden.

In Frankfurt selbst hat man offenbar nicht damit gerechnet, dass so viele Menschen kamen. So wurde das Spalier immer enger, Fans setzten sich hinten auf’s Auto und fuhren mit bis zum Römer – dabei haben die gar nicht den Pokal geholt, fühlten sich aber trotzdem eine halbe Stunde vermutlich als die geilsten überhaupt. Hände schütteln, Pokal anfassen – und vorne wurde alles immer enger, so dass es kaum noch voran ging. Da haben einige Sicherheitsexperten ganz sicher extrem unruhige Stunden erlebt. Aber wie gesagt: Ist ja noch mal gut gegangen.

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Tatort: Weil sie böse sind

Donnerstag, den 3. Mai 2018
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DI 01.05.2018 | 21.45 Uhr | hr fernsehen

Wieder mal große Aufregung um die ach so einfallslose öffentlich-rechtliche ARD: Am Maifeiertag liefen in den verschiedenen Dritten Programme gleich acht “Tatort”-Filme, davon fünf mehr oder weniger parallel – im hr fernsehen, im WDR, im NDR, im BR-Fernsehen und im rbb. Au weia.
In den Internetforen tönte es wieder: Und dafür zahlen wir Gebühren! Die Anti-Gebühren-Trolle hatten mal wieder Schnappatmung.

Dabei sollte die Frage lauten: na und?
Im Grunde ist der “Tatort” doch bloß eine Marke, hinter der sich die verschiedensten Serien befinden. Der WDR zeigte einen Fall aus Köln, der hr mit “Weil sie böse sind” einen aus Frankfurt/Main, der rbb einen aus Berlin, der NDR einen aus Münster, der BR einen aus München (aus den 70ern!).
Was also ist so aufregend und dramatisch schlimm daran, wenn auf verschiedenen Sendern diese Krimis laufen, meistens sogar regional passend im regionalen Dritten?

Würden die Dritten stattdessen an einem Abend, wo im ZDF die quotenstarke Champions League mit dem FC Bayern München übertragen wird, aufwendige eigene und erstausgestrahlte Shows senden, wäre das auch nicht recht. Mal wird gemeckert, wenn die Sender klotzen, mal wird gemeckert, wenn die Sender sparen. Die Hater wissen irgendwie auch nicht, was sie denn eigentlich wollen.
Die Parallelausstrahlung von mehreren sehr unterschiedlichen “Tatort”-Reihen sollte nichts sein, was uns aufregt. Da gibt es bei ARD und Co. ganz andere Baustellen!

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Malvina, Diaa und die Liebe

Sonntag, den 14. Januar 2018
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SA 13.01.2018 | 16.55 Uhr | hr fernsehen

Malvina und Diaa brauchen Polizeischutz. Sie beiden sind nicht gefährlich. Die Gefahr kommt von einer anderen Seite.
Malvina ist Christin und Deutsche. Diaa ist aus Syrien, Moslem, lebt nun in Deutschland. Die beiden sind seit mehr als einem Jahr ein Paar.
Der KiKA, der Kinderkanal von ARD und ZDF, zeigte im November die Doku “Malvina, Diaa und die Liebe”. Er handelte davon, dass sich zwei Menschen aus verschiedenen Konfessionen lieben. Was gut läuft, was problematisch ist. Unkommentiert.
Im KiKA lief die Doku innerhalb eines Schwerpunktes über Kinderrechte.

Sie erzählen über ihre Kulturen – und über die Augenblicke, wo diese Kulturen aufeinanderstoßen. Er will, dass sie keine kurzen Kleider trägt. Er mag es nicht, wenn sie mit anderen Männern spricht. Sie widerum sagt, sie sei eine Emanze, und sie lasse sich nicht verbieten, auch mit anderen Freunden zusammen zu sein – platonisch eben. Sie wolle sich das nicht nehmen lassen, die Sache mit dem kurzen Kleid, die kann sie dagegen akzeptieren.

Sechs Wochen nach Ausstrahlung im KiKA gibt es einen riesigen Wirbel um den Film – angefeuert durch die AfD und durch die “Bild”. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Dirk Spaniel macht aus der Doku einen Skandal. Für ihn sei sie eine „rührselige Seifenoper“. Der Kinderkanal betreibe „Propaganda“ für Beziehungen mit moslemischen Flüchtlingen. Die “Bild” zieht nach, ist ebenfalls empört – auch weil auf der KiKA-Seite im Internet Diaa erst 17, dann 19 war. Was allerdings ein Fehler der Internetredaktion war – Diaa war immer 19. Das empört noch mehr, weil AfD und “Bild” nun erst recht eine Verschwörung und Propaganda sehen. Was AfD und “Bild” in Zweisamkeit erreichen ist: Hass. Blanker Hass, der im Netz ausgekübelt wird von tausenden wütenden Menschen. Eine unwürdige Diskussion entsteht. Malvina und Diaa brauchen schließlich Polizeischutz.

Im Rahmen einer Diskussionssendung zeigte das hr fernsehen – der hr produzierte den Film für den KiKA – am Sonnabendnachmittag die Doku nochmals.
Wer diesen Film sieht – und das einigermaßen ohne Vorurteile -, wird bemerken, dass er keinesfalls Propaganda betreibt. Denn allein durch das, was Malvina den Aussagen von Diaa entgegnet, merkt man sehr wohl, dass da Welten aufeinanderprallen, die nicht immer schwer vereinbar sind. Es kommen Freunde, andere Menschen zu Wort, die ihre Sorgen äußern.
Kritisiert wird, dass der Film ohne einordnenden Kommentar auskommt. Der ist jedoch nicht nötig. Denn erstens kommen die Kommentare sehr wohl – aber eben von den Freunden und Eltern, die durchaus deutlich äußern, was sie eventuell befürchten und was eventuell gar nicht ginge. Außerdem sollte man doch bitte die zuschauenden Kinder (und Jugendlichen) nicht unterschätzen. Denn die können durchaus mitdenken und einschätzen, wie Aussagen eventuell einzuordnen sind. Ein Off-Kommentar, der hier und da sagen würde, das sei ja total bedenklich, was da gerade gesagt wurde, war schlicht überflüssig.

Die Diskussion um “Malvina, Diaa und die Liebe” ist unwürdig und niveaulos. Wie übrigens auch der Stunk um eine “Lindenstraße”-Folge von 2006, die neulich bei one wiederholt worden ist. Dort erklärte Serienfigur Lisa ihrem Sohn Paul, wie toll doch der Islam sei.
Das tat sie damals tatsächlich, aber auch das war keine ARD-Propaganda, die auch in dem Fall von AfD und Co. herbeigeschrien wird. Der Ausschnitt kursierte im Netz, ist so für sich stehend durchaus irritierend. Aber im Gesamtkontext sieht das schon ganz anders aus. Denn die Serienfigur Lisa war schon immer eine, die sich völlig übertrieben in neue Merkwürdigkeiten stürzte. In diesem Fall wollte sie unbedingt Moslimin werden. Als Kind wurde sie von der Mutter verprügelt und verstoßen, sie lebte im Heim, schien immer allein zu sein. Dann lernte sie Murat kennen und wollte unbedingt seine Religion übernehmen, sie wollte ein Teil seiner Familie werden – inklusive Islam. Paul findet das beängstigend, und selbst Lisas Freund/Mann Murat wollte ihr das ausreden. Es gab also sehr wohl eine Kontroverse um das, was Lisa da tat.
Aber das ist rechten Hetzern egal. Sie sehen einen Ausschnitt und schmeißen die Empörungsmaschine an. Und leider funktioniert die Masche, weil leider die wenigsten sich das ganze Bild machen und sich stattdessen beeinflussen lassen.

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Das war 2017!

Sonntag, den 31. Dezember 2017
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I bims, und hier kommt schon wieder der Jahresrückblick, vong Silvester her.
Nein, nein, das Jahr 2017 hat mir nicht das Hirn eingefroren. “I bims” ist aber das Jugendwort des Jahres, und die dazu passenden “vong … her”-Nachsätze gehören auch zur Jugendsprache. Soll wohl den verkürzenden und fehlerhaften Internet-Chat-Sprech darstellen, und es gibt Leute, die das lustig finden.
Ach, überhaupt das Internet. Was in den sozialen Netzwerken abgeht, das ist nicht mehr feierlich. Da kotzen sich die Wutbürger überall da aus, wo es auch nur entfernt um Politik geht. Man könnte meinen, Deutschland ist zur Wuthochburg verkommen, aber es ist wohl eher so, dass alle anderen sich immer mehr zurückziehen und sich gar nicht mehr äußern. Was auch nicht gut ist. Mehr und mehr wird Pöblern der Platz überlassen – immer mehr angefeuert durch die AfD, und die “Bild” macht auch immer gern und fleißig mit.

2017 war geprägt von einem Schwarz-Weiß-Denken. Entweder ist alles gut oder alles schlecht. Zwischentöne? Werden oft vermisst. Donald Trump ist US-Präsident, und alle, die nicht das berichten, was er für die Wahrheit hält, bezeichnet er als Fake-News. Er liefert sich einen Kampf mit den US-Medien, verbreitet seine Weisheiten lieber über Twitter.
Ein anderer Diktator tobt sich in der Türkei aus. Aus fadenscheinigen Gründen werden Journalisten, Menschenrechtler und andere Menschen festgenommen, die aus Sicht von Staatschef Erdogan schlecht für die Türkei seien. Der deutsch-türkische Journalist und Türkei-Korrespondent der WeltN24-Gruppe, Deniz Yücel, sitzt seit weit mehr als 300 Tagen in Haft – #freeDeniz.

Eine harte Debatte wird auch um die Öffentlich-Rechtlichen Sender geführt. Insbesondere zwischen den Zeitungsverlagen und ARD/ZDF gibt es Streit darüber, was die Sender im Internet machen dürfen und was nicht. Der Lobbyist Matthias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, schießt gegen ARD und ZDF, nennt sie Staatsfunk, obwohl er es besser wissen müsste. Er sieht die Presse in Gefahr, wenn auch die ARD Texte auf ihren Internetseiten verbreitet. Aber auch der Ton unter den Zuschauern ist rauer geworden. In den sozialen Netzwerken kübeln Pöbler Häme über die Öffentlich-Rechtlichen aus, schimpfen über die angeblichen Lügenmedien, Staatssender und über die angebliche Regierungslinie.
Allerdings geben ARD und ZDF den Kritikern auch immer wieder Futter. Gerade im Umgang mit der AfD tun sich viele Journalisten noch schwer. Statt mit Fakten bloßzustellen, geht es scheinbar oft immer noch um eigene Befindlichkeiten. Da werden Sätze aus dem Zusammenhang gerissen und zu Skandalen aufgeblasen.
Was aber die AfD auch sehr gut kann – und sich zum Opfer zu machen. In einer ZDF-Wahlsendung verließ AfD-Frau Alice Weidel die Arena, als sie kritische Fragen zu hören bekam. Als sie sagte, dass die Zeit der politischen Korrektheit vorbei sei, und sie in der NDR-Satiresendung “extra 3” daraufhin als Nazi-Schlampe betitelt worden ist, da war die Zeit der politischen Unkorrektheit offenbar auch schon wieder vorbei. Weidel klagte. Und bekam kein Recht.
Dennoch und gerade wegen des Hypes und die vielen Skandalisierungen – die AfD schaffte es im September in den Bundestag, und die Medien müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, daran zumindest eine Mitschuld zu haben.

Es war ein politisches Medienjahr. Auch wegen der Bundestagswahl. Die hat SPD-Chef Martin Schulz in nicht ganz so guter Erinnerung. Was vielleicht auch daran lag, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel ständig mehr Redezeit bekommen hat als er. Für Inhalte hatte er da nicht immer so viel Zeit – weil er sich darüber ja erst mal mokieren musste.
Bei Sat.1 hat man sich ab eh lieber damit beschäftigt, ob FDP-Chef Christian Lindner scharf ist und ob die Linke Katja Kipping irgendwie auf ihn stehen könnte.

Zeiten ändern sich. Auch im Sport. Als in Dortmund ein Anschlag auf den Bus der Fußballer von Borussia Dortmund verübt wird, wird aus Sky Sport News plötzlich ein Nachrichtensender im Breaking-News-Modus.
In der Pause des DFB-Pokal-Finales wollten die Fußballfunktionäre mal ein bisschen US-Entertainment-Luft schnuppern. Ganz im Sinne der Halbzeitshow beim SuperBowl gab es das beim Fußball erstmals auch. Mit Helene Fischer. Fanden die Fans eher so mittel.
Überhaupt, der Fußball: Die Bundesliga zerbröselt immer mehr. Nun sind nicht nur Sky und die ARD an Bord oder das ZDF und Sport 1. Auch Eurosport hat ein paar Rechte (wenn der Player mal funktioniert) und bei Nitro laufen montags auch noch ein paar (bislang weitgehend unbeachtete) Häppchen.
Niki Lauda hat sich vor laufenden RTL-Kamera und unerwartet als Formel-1-Co-Moderator verabschiedet. Und hinterließ einen verstörten Florian König. Nico Rosberg wird sein Nachfolger.
Ach ja, und da dann war ja noch Handball-WM. Hat aber kaum jemand sehen können, weil sich der Rechteinhaber belN sich mit keinem Sender einigen konnte – weder mit ARD und ZDF, noch mit Sky. So liefen die Spiele auf Youtube im Internet, aber der Seite einer Bank. Auch mal was Neues.

Apropos kleines Publikum: Es wird immer schwerer für die Sender, Serienhits zu landen. Selbst hochgelobte Serien wie “This is us” floppen, und es gibt noch viele mehr davon, die als Disaster abgebucht werden müssen. Der hochgelobte “Mr. Robot” hatte bei Nitro quasi keine Zuschauer. Es scheint, dass sich das Seriengeschehen mehr und mehr bei Amazon und Netflix abspielen. Auch deutsche Serien wie “Dark” oder Schweighöfers “You are wanted” laufen nicht im Fernsehen (oder ist im ORFeins in Österreich gefloppt), sondern bei den Streaminganbietern. Ob “Berlin Babylon” ein Hit ist, wissen wir auch erst im Herbst 2018. Die Co-Produktion zwischen Sky und ARD lief bislang nur im Pay-TV. Der Jubel ist groß – aber das muss ja nichts heißen.
Dennoch: Langsam kommt für das Fernsehen die Wende. Angebote wie Amazon Prime, Netflix und das altbekannte Sky haben immer mehr Nutzer.
Die jungen Zuschauer treiben sich eher auf YouTube rum und schauen sich dort ihre Stars an. Oder mobben sie gleich mal. Als rauskommt, dass der YouTube-Star Tanzverbot in Oranienburg wohnt, erlebt er die Aufdringlichkeit und Widerwärtigkeit seiner Fans und Hater. Er muss raus aus seiner Wohnung und zieht um.

Lineares Fernsehen ist unterdessen immer mehr out. Auch weil insbesondere das Privatfernsehen, immer mieser wird. Oder wer möchte wirklich sehen, wie irgendwelche Z-Stars ein Baby bekommen? “Janni & Peer … und ein Baby!” lief bei RTL II eher nicht so gut. Auf demselben Sender zieht man sich bei der Datingshow “Naked Attraction” gleich ganz nackt aus – weil das ja angeblich die ehrlichste Art des Datings ist. Aber auch das ZDF greift ins Klo: “Das Pubertier – Die Serie” ist einfach nur doof-albern, die Show “Flieg mit mir” im Ersten schrecklich betulich. “Das Sommerhaus der Stars” bei RTL ist nur noch Fremdschämen. VOX wollte die Echo-Verleihung aufpolieren und liefert eine Katastrophe ab. Die pure Ödnis.
Aber es gab natürlich auch gutes Fernsehen: der ZDF-Mehrteiler “Der gleiche Himmel” war ebenso ein Hit wie die letzte Staffel vom “Club der roten Bänder” bei VOX.

Schluss war auch für den “Circus Halligalli”. Dabei sorgte die Show noch fix für die deutsche Fernsehpeinlichkeit des Jahres: Bei der “Goldenen Kamera” schmuggelt das Team einen falschen Ryan Gosling ein. Er nimmt in der Live-Show im ZDF den Preis entgegen, und danach kam raus, dass selbst die Kategorie ein Fake war, weil die von der “Goldene Kamera”-Redaktion nur mit der Aussicht auf den Gosling-Besuch eingeführt wurde.
Aber die Amis können mithalten. Bei der Oscar-Verleihung kommt ausgerechnet beim besten Film ein falscher Umschlag in Umlauf. Die Leute von “La La Land” (schon wieder Gosling) stehen schon auf der Bühne, wollen sich bedanken – um dann zu erfahren, dass “Moonlight” der beste Film ist. Ups.

Da möchte man im Boden versinken. Das gilt auch für den Eurovision Song Contest. Vorletzter. Wobei es natürlich nicht an der Qualität des deutschen Songs (wie hieß der noch gleich?) oder an der Dings (wie hieß die noch gleich?) lag, sondern weil uns Deutsche einfach keiner mag. Na klar. Vielleicht gibt es ja 2018 ein Comeback, gerade wird mal wieder am Konzept für den deutschen Vorentscheid gefeilt.

Dabei ist das mit Comebacks so eine Sache: Als Thomas Gottschalk mit der neuen Sat.1-Show “Little Big Stars” um die Ecke kam, war das Interesse gering. Auch dass Christian Rach bei RTL wieder Restauranttester war, ließ viele kalt – was aber auch an den bekloppten Fällen lag, um die sich Rach kümmern musste. Die Wiederkehr von “Der Preis ist heiß” bei RTLplus war dagegen ein voller Erfolg – auch weil sich alle große Mühe gaben, den Klassiker nur behutsam zu modernisieren. Heraus kam netter, guter Trash. Ach, und dann ist ja auch MTV wieder da. Also, eigentlich war MTV nie weg, nur eben im Pay-TV versteckt. Nun gibt es angeblich wieder Interesse an dem Sender, die Rückkehr ins Free-TV war perfekt.

Aber auch Ankünfte sorgten für Wirbel. Der rbb übertrug mit großem Aufwand die Landung von Schätzchen und Träumchen in Schönefeld – zwei Pandabeeren. Sehr wichtig. Und noch eine Flugzeuglandung war dem rbb eine Live-Übertragung wert: die der letzten Air-Berlin-Maschine. Nie gab es vermutlich eine emotionalere Pleite eines Unternehmens. Es hieß Abschied nehmen.

Abschied. Auch 2017 wieder von vielen prominenten Menschen. Helmut Kohl ist gestorben, ebenso die Politiker Heiner Geißler und Roman Herzog. Die Schauspieler Roger Moore, Karin Dor, Christine Kaufmann, Jerry Lewis, Dieter Bellmann, Andreas Schmidt, Mikael Niqvist, Ingeborg Krabbe, Bill Paxton, Margot Hielscher, Martin Lüttge und Klaus Wildbolz. Die Musiker Fats Domino, Chris Roberts, Tom Petty, Chuck Berry, Malcolm Young, Joy Flemming, Chester Bennington, Chris Cornell, Gunter Gabriel, Daliah Lavi, Andrea Jürgens und Robert Miles. Die Comiczeichnerin Lona Rietschel, die Journalisten Ulrike von Möllendorff und Udo Ulfkotte, Playboy-Gründer Hugh Hefner, Joachim Kardinal Meisner, die Tennisspielerin Jana Novotna und die Synchronsprecher Oliver Grimm (“Kimba, der weiße Löwe”, “Hugo”) und Anderas von der Meden (Kermit, David Hasselhoff).

Man hätte außerdem den Eindruck gewinnen können, dass das Fernsehen stirbt – dabei wurde nur das alte DVB-T-Signal abgeschaltet – zugunsten des neuen DVB-T2. Die Kampagne machte den Eindruck, als seien sehr viel mehr Zuseher betroffen. Der Übergang verlief dennoch recht reibungslos. Eher reibungsvoll verläuft es beim Lokalsender Oberhavel TV. Die Qualität der Sendungen ließ immer mehr nach, es gab immer weniger, die Verbreitung via Satellit und im Vodafone-Kabel ist eingestellt – inzwischen gibt es wohl ein Insolvenzverfahren.

Aber was ist denn im Fernsehen 2017 wirklich Wichtiges passiert? Natürlich! Marc Terenzi ist Dschungelkönig geworden, obwohl sich Kader Loth so angestrengt hat, ein neues Image zu bekommen. Als Anne Will über den G20-Ausschreitungen diskutiert, fällt für zehn Minütchen das Bild aus, während im Studio weitergesprochen wird. Als beim selben Thema bei Maischberger sich die Gemüter erhitzen, verlässt Wolfgang Bosbach wütend die Arena, weil er sich von Jutta Ditfurth beleidigt gefühlt hat – nicht ohne auch selbst auszuteilen. Als in Frankfurt/Main eine Bombe entschärft werden muss, überträgt das hr fernsehen 13 Stunden (!) live – weil der Sender selbst evakuiert ist. Aus “Schlag den Raab” und “Schlag den Star” ist “Schlag den Henssler” geworden. Na ja. Birgit Schrowange ist erst ungeschminkt bei RTL aufgetreten (einmalig) und dann mit grauen Haaren (für immer).

Wird 2018 alles besser? Werden wir alle immer irrer? Oder ist uns einfach alles wurscht, so lange man sich auf YouTube weiter Schminktipps reinziehen kann? Oder alternativ den Livestream von der Demorandale wie bei G20 in Hamburg?
I bims, vong Spannung her.

PS: Ach, Mensch, Herr Eumann, habe ich Sie doch glatt wieder vergessen! Herzlichen Glückwunsch zur Wahl zum neuen Direktor der rheinland-pfälzischen Landesmedienanstalt. Nicht dass Sie wieder angepisst sind!

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