Tagesarchiv für 29. Dezember 2020

aRTikel

Wo kommt denn nun das Ortsschild hin?

Dienstag, den 29. Dezember 2020
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Nachfragen an den Landkreis Oberhavel – ausgehend von der Diskussion am Schäferweg in Vehlefanz

MAZ Oberhavel, 29.12.2020

Oberkrämer/Kremmen.
Wo beginnt eigentlich eine Ortschaft? Und an welcher Stelle muss ein Ortsschild aufgestellt werden – und wo kann es auf keinen Fall stehen? Die Antworten sind mitunter verwirrend, und am Beispiel Schäferweg in Vehlefanz ist zu sehen, dass sie auch für Kopfschütteln sorgen können.

Im ausgebauten Schäferweg steht nun am Sportplatz ein Ortsausgangsschild – dort endet laut Beschilderung Vehlefanz. Ein paar hundert Meter weiter stehen dann aber doch ein paar Häuser, und deshalb wurde dort eine grüne Ortstafel „Koppehof“ aufgestellt. Allerdings: Grüne Ortstafeln bringen kein Tempo-50-Limit mit sich. Das ärgert die Bewohner – denn sie verstehen nicht, warum das Areal nun keine „echte“ Ortschaft sein soll.
Irina Schmidt, Pressesprecherin der Oberhaveler Kreisverwaltung, schreibt dazu: „Wo sich ein Ortsein- oder -ausgang befindet, regelt insbesondere die VwV-StVO zu § 42.“ VwV-StVO bedeutet übrigens Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung. „Sie gibt als zusätzliche klare Maßgabe vor, dass das Zeichen ohne Rücksicht auf Gemeindegrenzen und Straßenbaulast nur dort anzuordnen ist, wo ungeachtet einzelner unbebauter Grundstücke die geschlossene Bebauung auf einer der beiden Seiten der Straße für den ortseinwärts Fahrenden erkennbar beginnt. Es kommt also nicht darauf an, dass eine durchgängige Bebauung vorliegt, sondern es muss sich vielmehr um eine geschlossene Bebauung handeln.“
Nun hat man aber offenbar festgestellt, dass es in Koppehof genau diese geschlossene Bebauung gibt und diese einen funktionalen Bezug zur Straße habe. „Nach uns erst jetzt von der Gemeinde vorliegenden Aussagen ist das bei der Siedlung Koppehof gegeben“, so Irina Schmidt. Eine Aussage die verwundert, da es vorher aus der Verwaltung in Oberkrämer hieß, es habe mit allen Entscheidern eine Begehung der Straße gegeben.

Nun soll das gelbe Vehlefanzer Ortsschild jedenfalls vom Sportplatz in Richtung des Bahnübergangs versetzt werden. Dirk Eger, der Chef des Bauamtes in Oberkrämer, ist skeptisch: „Die vom Landkreis nunmehr vorgeschlagene Lösung für den Schäferweg sehen wir nicht unkritisch.“ Hintergrund könnte sein, dass es auch dann immer noch Grundstücke gebe, die im Bereich ohne ausgeschildertem Tempolimit lägen. „Da aber eine verkehrsrechtliche Anordnung nicht für alle Zeit in Stein gemeißelt ist, kommen wir der Bitte des Landkreises nach und werden einen dementsprechend geänderten Beschilderungsplan dort zur Genehmigung einreichen.“ Bedeutet offenbar: Der Landkreis gibt vor, was geht, und dann muss die Gemeinde einen entsprechenden Antrag einreichen, damit der Landkreis sagen kann, dass das gehe. „Mit einigem Interesse sehe ich dann den Reaktionen der Vehlefanzer Bürgerinnen und Bürgern entgegen“, sagt Dirk Eger.

Warum nicht einfach die grüne Koppehof-Ortstafel durch ein Tempo-50-Schild ergänzt werden kann, begründet Irina Schmidt so: Das könnte nur aufgrund von Verkehrsbeobachtungen oder Unfalluntersuchungen dort angeordnet werden, „wo ein vernünftiger umsichtiger Verkehrsteilnehmer selbst bei entsprechender Aufmerksamkeit nicht erkennen kann, dass eine bestimmte Strecke oder Stelle nur mit einer verminderten, als die zulässige Geschwindigkeit befahren werden darf. Der Fahrzeugführer hat sein Fahrverhalten den örtlichen Gegebenheiten anzupassen“.

Bezugnehmend auf die Regelung, wo denn Ortsschilder stehen können und wo nicht, gibt es in Oberkrämer und Kremmen weitere Beispiele, die zu Nachfragen führen. Im Gustav-Büchsenschütz-Weg in Eichstädt-Ausbau ist die gepflasterte Straße recht schmal, die Grundstückstore befinden sich sehr dicht an der Fahrbahn. Trotzdem steht dort nur eine grüne Ortstafel – allerdings zusätzlich mit einem Tempo-70-Schild. Schon vor einiger Zeit hatte Eichstädts Ortsvorsteher Dirk Ostendorf angemerkt, dass er das für viel zu viel halte – und in der Tat muss man sich das erst mal trauen, mit Tempo 70 durch Eichstädt-Ausbau zu donnern. Es handele sich um eine Einzelfallentscheidung, sagte Irina Schmidt. „Die Wahl der Geschwindigkeit hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel Lage der Örtlichkeit, Unfallgeschehen, Verkehrsaufkommen, Gefahrenlage. Die Straßenverkehrsbehörde wird Ihren Hinweis aufgreifen und sich die Örtlichkeit demnächst ansehen.“
Bauamtschef Dirk Eger erinnert sich, dass Tempo 70 dort der kleinste gemeinsame Nenner gewesen sei, er sei auch nicht glücklich über dieses Tempolimit.

Anderes Beispiel: Hohenbruch hat auf der Landesstraße 191 in Höhe Johannisthal ein gelbes Ortsschild, trotz sehr luftiger Bebauung, links sind nur Felder. „Es ist eine einseitige, geschlossene Bebauung vorhanden, die einen Funktionalitätsbezug zur Straße aufweist. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt dort 60 km/h“, erklärt Irina Schmidt. Die geschlossene Bebauung besteht aus Feldern und Pferdehöfen, rein optisch ist die Bebauung loser als in Koppehof.

In Sommerfeld steht das gelbe Schild von Hohenbruch kommend vor dem Wohnpark, an der Straße gibt es bis auf ein einzelnes Grundstück keine Bebauung, nur die Wohnpark-Ausfahrt. Irina Schmidt: „ Die Lage der Ortstafel resultiert aus einer Weisung des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung von vor rund zehn Jahren.“

Diese Beispiele zeigen, dass in Sachen Standorten von Schildern und Anweisungen von Tempolimits scheinbar durchaus Spielräume bestehen. Dirk Eger vom Bauamt in Oberkrämer geht auch davon aus, dass die Umsetzung des Schildes in Vehlefanz noch nicht das Ende der Geschichte sein könnte.

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RTZapper

SOKO München: Countdown

Dienstag, den 29. Dezember 2020
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DI 29.12.2020 | 20.15 Uhr | ZDF

Das muss man sich mal vorstellen: Sie erste Folge dieser Serie lief am 2. Januar 1978 im ZDF. Da habe ich noch gar nicht gelebt. Vor fast 43 Jahren. Seitdem liefen unglaubliche 46 Staffeln und 675 Folgen.
Am Dienstagabend hieß es Abschied nehmen von der “SOKO München”. “Countdown” war die allerletzte Folge, die ausgestrahlt worden ist.

1978 gestartet unter dem Titel “SOKO 5113” – 5113 war die Durchwahlnummer der Kripo – wurde die Reihe später das Vorbild für unzählige SOKO-Ableger im ZDF.
Die Quoten der Reihe waren gut, und so waren es offenbar auch keine Quotengründe, warum das ZDF die Reihe nicht fortsetzen wollte. Zumal sie durch SOKO-Serien aus Potsdam und Hamburg ersetzt wird – was ja auch nicht gerade originell ist und frischen Wind bedeuten könnte.

In “Countdown” ging es noch mal hoch her: Zwei Tage vor der Pensionierung von Arthur eskaliert eine Entführung. Sein Kollege Dominik muss den Geiselnehmer erschießen, um sein Leben zu retten. Als der suspendiert wird, entschließt sich Arthur, ihn zu schützen.
Zum Abschluss gab es also noch einmal einen Fall, der es in sich hatte, und der auch die Kommissare selbst bis an die Grenzen brachte.
Seltsam, dass das ZDF so einen Klassiker wegwirft, der ohne Weiteres gut zu modernisieren ist – und ihn durch andere SOKOs zu ersetzen, wirkt dann schon sehr beliebig.

-> Die Sendung in der ZDF-Mediathek (bis 28. Dezember 2021)

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RT im Kino

The King of Staten Island

Dienstag, den 29. Dezember 2020

Scott (Pete Davidson) ist 24, und irgendwie hat er in seinem Leben noch nicht so richtig was hinbekommen. Als er sieben Jahre alt war, ist sein Vater, ein Feuerwehrmann, gestorben. Nun leben er und seine Mutter (Marisa Tomei) in einer Wohnung. Scott überlegt, Tattoo-Künstler zu werden, in seinem Freundeskreis hat er schon so einige Tattoos gestochen. Ansonsten hängt er mit seinen Freunden rum. Und mit Kelsey (Bel Powley), sie kennen sich schon seit den Kindertagen, und irgendwie haben sie jetzt auch was miteinander – es soll aber keiner wissen.
Als dann seine Mutter einen neuen Freund hat, den Feuerwehrmann Ray (Bill Burr), muss sich auch Scott etwas einfallen lassen. So kann sein Leben nicht weitergehen.

Judd Apatow hat in den vergangenen Jahren Komödien wie „Jungfrau (40), männlich, sucht …“ oder „Beim ersten Mal“ an den Start gebracht. Aber auch ernstere Filme wie „Wie das Leben so spielt“ oder „Immer Ärger mit 40“ stammen von ihm. Auch “The King of Staten Island” schlägt eher ernstere Töne an, wenn auch das Heitere nicht zu kurz kommt.
Es geht um einen jungen Mann, der vor sich hinzuleben scheint und an einen Punkt kommt, an dem er sich dann doch mal Gedanken machen muss.
Allerdings verläuft das in diesem mehr als zweistündigen Film relativ höhepunktfrei. Man kann sich davon gut berieseln lassen, mehr ist das aber leider nicht.

-> Trailer auf Youtube

The King of Staten Island
USA 2019, Regie: Judd Apatow
Universal, 137 Minuten, ab 12
5/10

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RTZapper

ZiB spezial: Die erste Covid-19-Impfung in Österreich

Dienstag, den 29. Dezember 2020
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SO 27.12.2020 | 8.55 Uhr | ORF2

Beim ORF in Österreich ist man offenbar auch am Sonntag nach Weihnachten in der Lage, längere Sondersendungen zu machen.
Sowohl in Deutschland als auch in Österreich war am Sonntag der offizielle Start für die Impfaktion gegen das Coronavirus. Während es in Deutschland offenbar kein großes Thema war, den Start irgendwie live medial zu begleiten – die großen Sender waren eh noch im Weihnachtsschlaf – lief das in Österreich ganz anders ab.

Im ORF2 begann am Sonntagvormittag ein mehr als zweistündiges “ZiB spezial: Die erste Covid-19-Impfung in Österreich”. Live wurde aus Wien übertragen, wie die 84-jährige Theresia Hofer als erste Person in Österreich gegen das Coronavirus geimpft wurde. Im Anschluss folgten Pflegekräfte und weitere Senioren.
Eigentlich war das unspektakulär. Frau Hofer – mit Maske – war erst im Interview, dann saß sie im Arztzimmer und ließ sich von einer Schwester die Spritze in den Arm rammen. Und Frau Hofer war dabei sehr tapfer. Alles gint ganz fix.
Aber natürlich war das Unspektakuläre total spektakulär. Nur ein gutes Jahr nach Aufkommen des Virus, etwa elf Monate, nachdem das Virus im deutschsprachigen Raum ankam, gibt es nun schon einen Impfstoff.
Die mediale Begleitung in Österreich war richtig und wichtig. Umrahmt wurde das mit vielen Erklärungen, Interviews und noch mehr Erklärungen.
Da können sich die Deutschen ruhig ein paar Scheiben von abschneiden.

-> Die Sendung in der ORF-TVthek (bis 2. Januar 2021)

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RTelenovela

To go oder so in Zeiten des Coronavirus

Dienstag, den 29. Dezember 2020
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Manche Imbisstanten haben die Sache mit dem Lockdown und “To go” noch nicht so richtig verstanden. Neulich stand ich an einem Oranienburger Imbiss und hatte einen Cheeseburger und eine Portion Pommes bestellt.
Als sie die Pommes direkt vor mir ablegte, meinte ich: Packen Sie die gar nicht ein? Und sie so: Das haben Sie aber nicht gesagt! Und ich so: Sie dürfen doch eh nur “to go” verkaufen. Und sie so: Aber das müsse ja nicht heißen, dass sie das einpacken müsse.

Das wirft Fragen auf. Stehen eigentlich öfter Leute draußen am Imbisstisch rum, um ihr Bierchen zu süffeln? Und verkauft die Dame hinterm Fenster nie irgendwas, was sie einpackt? Und wie sollte ich denn einen Cheeseburger und Pommes to go essen? Dampfend und stinkend in der Bahn? Während ich laufe?
Die Frau wurde jedenfalls etwas pampig, und das, weil sie die schmackhaften Speisen nun unangenehmerweise einpacken musste. Dass to go auch einpacken heißt, das war ihr vollkommen unklar, und eigentlich hielt sie mich auch für vollkommen bescheuert, dass ich das Zeug eingepackt haben wollte.
Als ich ihr beim Rausgehen jedenfalls einen schönen Tag wünschte, antwortete sie nicht.

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