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Der OB kümmert sich, versprochen!

Politik: Jann Jakobs verteilt bei Stadtwanderung Hilfszusagen

MAZ Potsdam, 29.5.2010

Der Oberbürgermeister sah sich verschiedene Wohn- und Sozialprojekte in Babelsberg und dem Zentrum-Ost an.

POTSDAM
Hannelore Döring hat ein Problem. Wenn die Leiterin der Awo-Begegnungsstätte im Zentrum-Ost mit ihren Rentnern in den Bus steigen will und zwei Rollatoren dabei hat, bekommt sie oft Ärger. Gerade am Sterncenter sei es ihr passiert, dass die Busfahrer zwei der Gehhilfen nicht mitnehmen wollten. „Sie sagen, es ist kein Platz mehr für einen Kinderwagen“, erzählt Hannelore Döring. „Das ist mir in dem Fall dann aber egal. Wenn wir nicht schnell genug sind, dann würden sie uns auch ebenfalls nicht mitnehmen“, sagt sie.
Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) hört ihr sehr genau zu. Jakobs ist nach langer Pause mal wieder auf Stadtwanderung, bald sind ja auch Wahlen. Den Freitagmittag nutzt er, um sich im Zentrum-Ost und in Babelsberg Einrichtungen anzusehen, die sich mit dem Thema des Zusammenlebens der Generationen befassen. Um das Busproblem will sich Jakobs kümmern. „Versprochen“, sagt der Oberbürgermeister.

Nächster Stopp: Mühlenstraße. Dort entsteht demnächst ein Familienwohnprojekt mit sechs Stadthäusern und einem Altbau für zwei Familien. „Wir suchen derzeit nach einem Investor, der baut und vermietet“, sagt Stadtkontor-Geschäftsführer Rainer Baatz. Um den Standort aufzuwerten, entsteht direkt nebenan eine Tagespflegeeinrichtung für 15 Kleinkinder. „Mögliche Interessenten sehen, dass wir für den Nachwuchs gleich eine Möglichkeit bieten, am Tage unterzukommen“, so Baatz. Das Haus an der Neuen Straße muss vorher saniert werden.
Die Blicke von Jakobs und den Beigeordneten, die ihn begleiten, richten sich nach rechts. Dort verläuft die Nuthe-Schnellstraße, und die ist laut. Eine Lärmschutzwand könnte Abhilfe verschaffen. Jann Jakobs will sich zu diesem Thema erkundigen, versprochen.

In der Alten-Wohngemeinschaft in der Stephensonstraße treffen die städtischen Politiker auf eine ambulant betreute Wohngruppe mit acht demenzerkrankten Rentnern. Sie wurde von den Angehörigen ins Leben gerufen. „Das ist eine gute Gemeinschaft“, sagt Birgitta Neumann, die Sprecherin der Angehörigen. „Die Bewohner können hier leben, selbst kochen und das Gefühl haben, noch etwas wert zu sein.“ Als Julia von Maydell für ihre Mutter nach einer Unterbringung suchte, schreckten sie die Zimmer mit Krankenbett in den Pflegeheimen ab. „Meine Mutter wollte auch nie ins Pflegeheim“, sagt sie. Jann Jakobs sitzt inmitten der Rentnergruppe und plaudert. „Ich bin beeindruckt“, sagt er.

Das Projekthaus Potsdam in Babelsberg vom Verein zur Förderung alternativer Wohn- und Lebensformen geriet kürzlich wegen Links von seiner Website auf Internetseiten mit Aufrufen zu autonomen Aktionen gegen den Weltklimagipfel ins Visier des Verfassungsschutzes. Das ist jedoch kein Thema, das Jakobs bei seinem Besuch dort anspricht. Koordinator Christian Theuerl erzählt vom Bürger- und Wohnprojekt. Alle Lebensbereiche sollen erfasst werden: Wohnen, Arbeiten, Bilden und Kultur. „Ein Projekt mit experimentellem Charakter“, so Theuerl. „Ein konfliktreicher Prozess.“ Jakobs ist angetan. Er will sich kümmern, zum Beispiel Kontakte für die wirtschaftliche Förderung herstellen. Versprochen! Sozialdezernentin Elona Müller regt an, eine
Sitzung des Jugendhilfeausschusses ins Projekthaus zu verlegen.

Weiter geht’s. Das Thusnelda-von-Saldern-Haus auf dem Gelände des Oberlinhauses ist eine Baustelle. Gerade wird das Linoleum verlegt, doch die lichtdurchfluteten Flure machen schon Eindruck. „Wir wollen keine Klinikatmosphäre“, sagt die künftige Heimleiterin Heike Judacz. Jakobs lobt das Haus als „bedeutsames Investitionsvorhaben“. Die aktuellen Missbrauchsvorwürfe im Oberlinhaus thematisiert Jakobs nicht.

Am Ende bleibt viel Lob und Erstaunen über das, was der Oberbürgermeister an diesem Freitag erlebt hat. Und schon in drei Wochen geht Jann Jakobs auf die nächste städtische Wanderschaft. Auch das ist versprochen!

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