Tagesarchiv für 19. Juni 2009

RT im Kino

Rohtenburg

Freitag, den 19. Juni 2009

Das Spektakuläre an “Rohtenburg” ist nicht der Film selbst, sondern seine Umstände. “Rohtenburg” rollt einen der spektakulärsten, aber auch ekligsten Kriminalfälle der deutschen Geschichte wieder auf.
Im Jahr 2001 schlachtete ein Mann einen anderen Menschen, schnitt ihm den Penis ab, briet ihn in der Pfanne und aß ihn. Und das, nachdem das spätere Opfer der Tat zustimmte.

Eigentlich sollte “Rohtenburg” schon im Frühjahr 2006 in den Kinos laufen (in entsprechenden Pressevorführungen wurde der Stereifen damals auch gezeigt), doch der “Kannibale von Rotenburg”, dessen Geschichte dieser Film erzählt, konnte das gerichtlich verhindern. Nun, mehr als drei Jahre danach, schafft es der Ekelthriller doch noch in die Lichtspielhäuser. Und dabei hat darauf nun wirklich niemand gewartet.
Dabei spielt es weniger eine Rolle, ob denn nun so eine Tat nun auch noch im Kino zu sehen sein muss. Dieser Film ist auch handwerklich einfach übel.

Katie Armstrong (Keri Russell) ist Kriminalpsychologiestudentin. Sie hörte vom Fall eines Kannibalen, der sich seine Opfer im Internet suchte. Eines Tages fällt ihr ein Video in die Hände, das die Tat von Oliver Hartwin (Thomas Kretschmann) an seinem Opfer Simon Grombek (Thomas Huber) genauestens zeigt.

“Rohtenburg” ist nicht nur mies gespielt. Thomas Kretschmann muss einem fast leid tun: Holzschnittartige Dialoge nerven den Zuschauer ebenso wie billige Thesen über das Opfer. Grombek hat eine böse Mama und spielt Gewaltvideos. Aha, und deshalb lässt er sich fressen.
Das Ganze lässt einen seltsam kalt. Und wenn doch mal Emotionen aufkommen, sorgen dafür unfreiwillig komische Szenen und Gespräche, die so gekünstelt und gestelzt wirken, dass der Film seine komplette Daseinsberechtigung verliert.
Der ganze Schund wurde durch die PR, die er bekam, völlig zu unrecht aufgewertet. “Rohtenburg” ist sämtliche Diskussionen nicht wert.

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RTelenovela

Volojahre (26): Gerichtsshow ohne Kameras

Freitag, den 19. Juni 2009
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(25) -> 17.6.2009

Wären wir nur fünf Minuten früher am Justizgebäude an der Nymphenburger Straße in München gewesen, hätten wir einen spektakulären Seifenoper-tauglichen Prozess mitbekommen. So kam nur ein Teil unserer Gruppe in Genuss einer Verhandlung, in der ein Rechsanwalt eine Rolle spielte, der auch in einer TV-Gerichtsshow mitspielt. Es ging um angeblich veruntreutes Geld. Zoff, Getuschel, aufgetakelte Zeuginnen und sehr obskure Aussagen – es sollen nur noch die Kameras im Saal gefehlt haben.
So blieb uns nur “noch” ein Fall von Beleidigung. Ein junger Mann hat mit einem Freund randaliert, ein Securitymann hat sie verfolgt, den einen in den Schwitzkasten genommen, und der Festgehaltene benutzte schlimme, schlimme Worte. Auch bei uns zickten sich Anwalt, Zeuge und Richterin an, die Dame ganz vorne war durchaus ein bisschen genervt von dem Spektakel.
Daraus wird in den nächsten Tagen ein Artikel entstehen.

Auf vielfachen Wunsch einzelner Personen gibt es nun an dieser Stelle weitere korrekturwillige Sätze.
Aufgabe: Was stimmt nicht in diesen Sätzen? Wo sind die Schwachstellen und korrigiere sie.
Vor dem Sofa prangte ein Tigerfell, das sein Onkel selbst erlegt hatte.
Klaus mochte Birgit schon immer, aber dass sie ihn heiraten würde, hätte sie nie gedacht.
Der Tsunami hierließ schwere Verwüstungen.
Der Magistrat kündigte an, er werde nun unverzüglich für gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgungslage Sorge tragen.
Der urheber kann eine Verwendung seines Werkes im Film auf alle Fälle verbieten, wenn diese Verwendung so erfolgt, dass sie sein literarisches oder künstlerisches Ansehen zu schädigen vermag.
Die Tigerstaaten sind zu elektronischen Wirtschaftsriesen herangewachsen.
Alle Briefe von und an meine Schwester habe ich aufgehoben.

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RTelenovela

München (9): Der 50-Euro-Deal

Freitag, den 19. Juni 2009
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(8) -> 17.6.2009

Ein gemütlicher Nachmittag in der Münchner Innenstadt. Wir sitzen an einem kleinen Tischchen am Rande des Gehweges. Ich esse Kirschen, die anderen Pizza (was übrigens meinerseits nichts mit Diätabsichten zu tun hat – leider).
Auf den Straßen am Max-Weber-Platz ist die Hölle los, die große Kreuzung ist hoffnungslos überlastet. Ich sehe noch wie ein Auto auf der Linksabbiegerspur losfährt. Von vorn kommt ein Lieferwagen. Dessen Bremsen quietschen. Kurz darauf knallt es mächtig. Der Pkw wird an der Seite getroffen, die beiden Airbags auf dessen rechter Seite gehen auf. Gut, dass dort niemand saß, das wäre böse ausgegangen.
So ist durch den Unfall niemand verletzt worden, der Schaden am Pkw jedoch ist beträchtlich. Um die Schuldfrage wird er wohl nicht herumkommen, denn er hätte den Lieferwagen durchlassen müssen.

Aber die Kreuzung hat es auch in sich, wie wir in den folgenden Minuten beobachteten. Die Linksabbieger können die Spur nicht rechtzeitig freimachen und verstopfen alles. Ständig wird blöd gehupft und geklingelt, und dann kommt auch noch die Straßenbahn. Schrecklich. Es knallt bestimmt öfter am Max-Weber-Platz.

Fast um die Ecke ist der Hofbräukeller. Jetzt, im Fastsommer, saßen wir natürlich nicht im Keller, sondern im Biergarten. Wenn auch auf einer provisorischen Sitzgelegenheit.
Der Biergarten war voll, rappelvoll. Nur neben dem Klohäuschen lagen ein Tisch und zwei kleine Bänke im Dreck. Wir hoben sie auf, säuberten sie und stellen die Möbel an den Rand des Gartens. Und so hatten wir dann auch einen Platz – auch wenn wir zu acht dort sehr gedrängt saßen.
Im Laufe des Abends gesellte sich eine Gruppe amerkianischer Studenten neben uns. Sie standen dort so rum und ließen sich von einem von uns fotografieren. Einer von ihnen fragte dann, wie man denn hier einen Tisch bekomme. Unsere Antwort: warten und dann zuschlagen. Darauf er: Und wenn er 50 Euro zahlen würde, wenn wir unseren Tisch räumen würden?
Wir räumten und waren 50 Euro reicher. Im Park nebenan ließen wir den Abend dann ausklingen. So hat unser provisorischer Rumpeltisch doch noch was gebracht…

Ein wirklich herrlicher Ort ist der Englische Garten. Am Eingang fand heute ein klassisches Konzert statt, die Leute spielten Boule bis zum Abwinken. Wir spazierten weiter – durch die grüne Lunge Münchens. Auf den Wiesen treffen sich die Menschen, spielen Ball, unzerhalten sich, musizieren, grillen, joggen.
Unser Ziel war der Chinesische Turm – auch ein riesiger Biergarten. Hunderte Tische mit tausenden Leuten amüsierten sich, speisten und tranken. Eine locker-gelöste Atmosphäre bis in die tiefe Nacht. Inclusive Läberkäs und Bratkartoffel’n (ja, mit Apostroph) meinerseits.
Das sind die Sommerabende in München. Wir lieben es. Servus!

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RTZapper

kabeleins Nightquiz / ProSieben Nightloft

Freitag, den 19. Juni 2009
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MI 17.06.2009 | 1.25/2.00 Uhr | kabeleins/ProSieben

Bei kabeleins ist der Quizmoderator mal wieder total aufgeregt. Er hat ein extrem einfaches Rätsel hinter sich zu stehen, und es ruft einfach keiner an. Oder besser: Keiner der Anrufer wird in sein Studio durchgestellt. Angestrengt starrt er in die Kamera, den rechten Zeigefinger auf den Mund gelegt.
Auch bei ProSieben ist der Quizmoderator mal wieder total aufgeregt. Er hat ein extrem einfaches Rätsel hinter sich zu stehen, und es ruft einfach keiner an. Oder besser: Keiner der Anrufer wird in sein Studio durchgestellt. Angestrengt starrt er in die Kamera, den rechten Zeigefinger auf den Mund gelegt.

Zwei Sender, zwei Moderatoren, das gleiche Bild, der gleiche Müll.
Genau gleichzeitig laufen die beiden Quizsendungen, und genau gleichzeitig machen die beiden Moderatoren genau die gleiche Geste.
Aber eigentlich kein Wunder: Denn beide Sendungen kommen aus dem Hause 9live. Da scheinen die Bewegungen schon dermaßen eingeübt zu sein, dass die Präsentatoren der Geldeinnahmeshows gar nichts mehr anderes können, als den Finger an den Mund zu halten und blöd in die Linse zu starren.
Es lebe die Fernsehvielfalt!

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