60 Cent pro Liter mehr – für Andrea Rothhardt und ihren Granseer Fahrdienst ist das Tanken sehr teuer geworden – OVG in Oberhavel profitiert noch von Preisen des Großhandels
MAZ Oberhavel, 21.3.2026
Oberhavel.
2,20 Euro kostete der Liter Diesel am Donnerstagmittag an der Sachsenhausener Straße in Oranienburg. Am Vormittag waren es sogar noch ein bis drei Cent mehr.
„Das ist definitiv zu merken“, sagt Andrea Rothhardt. Die 38-Jährige betreibt seit einem guten Jahr einen Fahrdienst mit ihrem Namen. Zweimal pro Woche muss sie ihre Autos in der Regel tanken. Das geht ins Geld.
Geht man davon aus, dass der Liter Diesel vor vier Wochen noch um die 1,60 Euro gekostet hat, kosten 50 Liter Diesel nun 36 Euro mehr als noch vor einigen Wochen. „Ich bin dem Ganzen hilflos ausgeliefert“, sagte die Fuhrunternehmerin in einem Gespräch mit der MAZ am Donnerstag. Für sie sei es auch deshalb besonders schwierig, weil sie noch relativ neu am Markt sei. Sie habe noch nicht so viele Kunden wie alteingesessene Unternehmen, erklärte sie.
Auch der größte Teil der Busflotte der Oberhavel Verkehrsgesellschaft (OVG) fährt mit Diesel – dort ist die Situation aber etwas anders. Die Busse müssen nicht zu den Tankstellen, die es überall gibt. „Zwei eigene Tankstellen befinden sich auf den Betriebshöfen in Germendorf und Gransee“, teilte Sabine Fussan, die Sprecherin der OVG, auf Nachfrage der MAZ mit.
„Unsere Tankstellen auf den Betriebshöfen werden von einem Großhändler beliefert“, sagte sie außerdem. „Die Preise entsprechen den Großhandelspreisen für Dieselkraftstoff.“ Eine genaue Preisauskunft könne sie nicht geben, sagte sie. Aber auch diese Preise seien in den vergangenen Wochen gestiegen. Laut Sabine Fussan fährt die OVG derzeit mit Dieselbussen. Sie verbrauchen – im Vergleich zu normalen Pkw – ordentlich Sprit. Der Verbrauch liegt zwischen 25 und 40 Litern pro 100 Kilometer. Wie hoch der Verbrauch genau sei, sei vom Fahrzeugtyp abhängig – also davon, ob es ein Standardbus oder ein Gelenkbus sei. Lohnt sich für ein so großes Unternehmen die Anschaffung von elektrobetriebenen Fahrzeugen? Hat die OVG womöglich schon welche? „Nein, es gibt – noch – keine E-Fahrzeuge“, antwortete OVG-Sprecherin Sabine Fussan. Dafür aber Hybridfahrzeuge.
„Außerdem sind wir gerade in die Erprobung von HVO100 eingestiegen“, erklärte sie. Die Abkürzung steht für „Hydrotreated Vegetable Oil“. „Das ist ein neuer Dieselkraftstoff, der durch die Umwandlung von Pflanzenölen, pflanzlichen und tierischen Fetten oder wiederverwertbaren Abfallstoffen entsteht und im Gegensatz zu herkömmlichem Diesel eine um bis zu 90 Prozent reduzierte CO₂-Bilanz aufweist.“
Die Preise steigen – bei den Fuhrunternehmen kommen sie jedoch bisher nicht bei den Kunden an. So kann die Busgesellschaft in Oberhavel nicht kurzfristig eigenständig die Preise erhöhen. „Nein, die OVG kann keine individuellen Ticketpreise festlegen“, so die Sprecherin. „Der VBB hat ein gemeinsames Tarifsystem, sodass Fahrgäste überall in der Region zum gleichen Preis den ÖPNV nutzen können.“ Dabei sei Transparenz ein Stichwort. Bei der Tarifanpassung im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) werde ein Indexverfahren angewendet, bei dem aber die allgemeine Preisentwicklung berücksichtigt würde.
„Und auf die allgemeine Preisentwicklung haben dann wiederum unter anderem die Kraftstoffpreise Einfluss“, erklärte Sabine Fussan. Zuletzt sind die Preise im VBB zum 1. Januar 2026 angehoben worden – und vermutlich kommt die nächste Erhöhung wieder zum Jahreswechsel, wie in den vergangenen Jahren.
Auch Andrea Rothhardt kann bei ihrem Fahrdienst in Gransee ihre Preise, zum Beispiel bei den Krankenfahrten, nicht so einfach erhöhen. „Ich bin an die Verträge mit den Krankenkassen gebunden“, sagte sie. Wie lange sie die derzeitige Situation durchhalten könne, „kann ich noch gar nicht sagen, einen so enormen Anstieg hatte ich ja noch nicht“, so die Unternehmerin weiter. „Sonst waren es immer nur ein paar Cent. Ich möchte aber so lange wie möglich durchhalten.“
Es herrsche derzeit eine gewisse Ratlosigkeit. Um es aber den Kleinunternehmen leichter zu machen, erwartet sie Maßnahmen von der Politik: „Sie könnten die Mehrwertsteuer senken oder die CO₂-Steuer aussetzen. Solche Sachen halt.“
Der Blick auf die Preissäulen an den Tankstellen in Oberhavel wird in den nächsten Wochen jedenfalls voller Sorge bleiben. Experten rechnen mit eher weiter steigenden Preisen.
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