CSD 2022: Aus Versehen den perfekten Ort gefunden

Mein letzter CSD in Berlin ist schon recht lange her (6 Jahre? 7 Jahre?), die beiden vergangenen Jahre musste er aus bekannten Gründen ausfallen.
Und wie das immer so ist: Wenn etwas aus der Routine fällt, dann nervt es.
Bislang haben wir uns immer auf die Straße zwischen dem Wittenberg- und dem Nollendorfplatz gestellt. Man hatte viel Platz und konnte dort die Wagen an sich vorbeiziehen lassen. Und es war zur Tradition geworden, die Toiletten im KaDeWe aufzusuchen – also, um die Toilette zu benutzen. Nicht was du jetzt vielleicht denkst.
Doch die Route war diesmal anders, der Zug startete am Spittelmarkt, führte über die Leipziger Straße, den Potsdamer Platz, die Potsdamer Straße, zum Nollendorfplatz und weiter zur Siegessäule und dem Brandenburger Tor. Wie mussten uns einen neuen Stellplatz suchen.

Eigentlich war der Plan, dass wir uns zwischen Nollendorfplatz und Siegessäule ein Plätzchen suchen, vielleicht nahe des Landwehrkanals. Aber wie kommt man mit den Öffis hin?
Nach längerem Hin und Her entschieden wir, mit der U-Bahn von der Uhlandstraße zum Nollendorfplatz zu fahren und von dort zu laufen.
Blöd nur: Der Nollendorfplatz ist gesperrt, die U-Bahn fährt durch – und hält erst an der Kurfürstenstraße, wo wir dann auch ausstiegen.
Und wie sich rausstellte: Nur wenige Schritte vom Bahnhofsausgang verlief die Zugstrecke, und der ersten Wagen war in der Ferne schon in Sicht. Richtige Zeit, richtiger Ort – denn mit der Kurfürstenstraße im Hintergrund hatten wir auch immer mal wieder einen Rückzugsort, wenn es zu voll oder zu laut war.

Es sind 89 Wagen gewesen. Die müssen alle erst mal auf die Strecke geschickt und durchgeschleust werden. Nach fast drei Stunden war gerade mal die Hälfte durch – und so entschlossen wir uns, entgegengesetzt des Zuges in Richtung Potsdamer Platz zu laufen. So konnten wir auf diese Weise noch alle weiteren Wagen sehen. Der letzte Wagen begegnete uns dann an der Philharmonie.

Es ist wieder mal ein schönes Fest gewesen. Divers, alle waren sie da. Schwule, Lesben, Bisexuelle, Transfrauen und -männer, Nonbinäre, die Petplayer, die ganz Nackten, die Bären, die Männer in Leder, die Frauen oben ohne oder in Lack – und überall Regenbogenfarben. Dazu Schlager, Techno, 80er-Hits und noch mehr Schlager. Und Botschaften: Gegen Hass, gegen Hetze, gegen Gewalt, für mehr Rechte (und auch wenn in Deutschland vieles schon durchgesetzt ist, gilt es doch, weiter für die Beibehaltung zu kämpfen und darauf hinzuweisen, dass es in anderen Ländern nicht so gut läuft), gegen Homophobie – und natürlich gegen Krieg. Es liefen auch Gruppen aus der Ukraine mit.
Es flogen Bonbons, Julian F.M. Stöckel verteilte vom Wagen aus McDonalds-Hamburger, viel Konfetti.
Nach vier Stunden ging es am Potsdamer Platz wieder in die U-Bahn…


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