Bahnbekanntschaften (94): Nach 25 Jahren wieder nach Kreuzbruch!

(93) -> 12.3.2021

Ich bin einmal in meinem Leben mit der Heidekrautbahn gefahren. Es war im Sommer 1996, ich bin mit einem Freund in Zehlendorf in die Ferkeltaxe gestiegen. Wir fuhren bis zur Endstation nach Liebenwalde, wo wir eine Freundin besuchten. Ein Jahr später ist die Strecke stillgelegt worden.
Die Regionalbahn fährt jetzt nur noch bis Wensickendorf, und am Wochenende nach Schmachtenhagen – das allerdings erstens gar nicht auf der eigentlichen Strecke liegt und zweitens fährt der Zug noch, obwohl der Anlass – der Oberhavel-Bauernmarkt – seit Ewigkeiten nicht mehr existiert.
Vor einigen Jahren gab es mal einen Testbetrieb, während dem die Bahn weiter bis Zehlendorf fuhr – allerdings war der Zuspruch zu gering.
Dennoch soll nun ein neuer Vorstoß gewagt werden, um die Bahn irgendwann mal wieder bis Liebenwalde fahren zu lassen.

Am Donnerstag fuhr ein Sonderzug von Basdorf nach Kreuzbruch. Vertreter der Politik, der Bahn und viele Interessierte fuhren mit diesem Zug, stiegen in Basdorf zu.

Besonders Wensickendorf erlebte an diesem Tag ein ungewöhnlich hohes Zugaufkommen. Ab diesem Bahnhof musste der Lotse, der den Lokführer begleitete, an jedem Bahnübergang aussteigen und die Straße absichern. Auf der Rückfahrt musste unser Zug sogar warten, weil im Bahnhof selbst noch ein Zug stand, der mal kurz aufs Nebengleis musste, um uns durchzulassen.

Gerade für die interessierten Bahnfahrer war das ein spannender Ausflug. Im Abteil vor mir saß eine Gruppe Frauen aus Berlin. Für sie muss das Landleben irgendwie ein exotisches Ding. Mal abgesehen, dass sie diverse Pflanzen und Farben auf den Feldern geradezu bejubelten.
Als der Zug Zehlendorf erreichte, fragten sie, ob es denn so was wie eine Dorfgemeinschaft gebe. Sie starrten auf die entfernten Häuser, als wären es Ufos.
In Zehlendorf fuhr der Zug auch ziemlich dicht an den dortigen Grundstücken vorbei – 25 Jahre lang blieben sie davon verschont. Jetzt regen sich einige von ihnen darüber auf, dass der Zug ständig gehupt habe. Das musste er auch an bestimmten Stellen – immer an Bahnübergängen, denn so ein Zug auf einer sonst stillgelegten Strecke kommt ja eher überraschend.

Die Strecke ist freigeschlagen worden, an einigen Stellen wurden wohl Schwellen ausgetauscht. Ansonsten ist die Strecke bis Kreuzbruch aber frei. Dahinter kommen allerdings zwei Brücken, die saniert werden müssten. Mindestens 25 Millionen Euro würde das kosten.
So endete die Fahrt also in Kreuzbruch. Momentan ist die Strecke nicht mal im Nahverkehrsplan, das wollen aber diverse Menschen erreichen – und selbst dann muss man wohl froh sein, wenn vor 2040 auf der Strecke ein regulärer Zug fährt.
Die Tour am Donnerstag war zunächst einmalig. Allerdings wäre ja nachdenkenswert, zu bestimmten Anlässen Sonderzüge rollen zu lassen – zum Beispiel bei der Landpartie, die ja auch in Kreuzbruch stattfindet.


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