Mittendrin in der Polizeischlacht

Kino: Christian Scholz (26) aus Oranienburg arbeitete als Statist für den Film „Der Baader Meinhof Komplex“

MAZ Oranienburg, 8.10.2008

Studentendemo gegen den Schah von Persien auf dem Berliner Kaiserdamm. Mittendrin Christian Scholz aus Oranienburg. Aber alles nur gespielt – fürs Kino.

ORANIENBURG
Gerade noch hat Christian Scholz dem Kinogänger im Oranienburger Filmpalast die Eintrittskarte für den „Baader Meinhof Komplex“ verkauft. Nur wenige Minuten später wird ihn der aufmerksame Kinogast wieder auf der Leinwand entdecken: Da, direkt hinter Jan-Josef Liefers, inmitten der Studentendemo auf dem Kaiserdamm in Berlin. Und dann, da, noch mal: Im Getümmel im Audimax der Technischen Universität (TU), als Rudi Dutschke seine Rede hält.
Der 26-jährige Oranienburger war Komparse im Film „Der Baader Meinhof Komplex“. Im vergangenen Sommer entstanden die Szenen. „An der Uni hing ein Zettel aus. Für ein großes Projekt suchte eine Produktion Komparsen“, erzählt Christian Scholz. „Bei dem Dreh waren dann mehr als 900 Leute.“ Schon morgens um 4 Uhr mussten sich die Komparsen einfinden. Dann hieß es: warten. „Vor dem Dreh wurde uns erklärt, was wir zu tun haben.“ Auch ein Video von den Originalereignissen bekamen die Komparsen zu sehen. Viele Szenen seien mehrmals aus verschiedenen Perspektiven gedreht worden, die große Prügelszene jedoch nur einmal: Im Film eskaliert an dieser Stelle die Demo. Polizisten prügeln wahllos auf die Studenten ein, die gegen den persischen Schah protestierten. „In den ersten Reihen standen Stuntmen, dahinter gleich wir.“ Ein anstrengender Drehtag, „wir waren fix und fertig. Aber es hat auch Spaß gemacht“, sagt Christian Scholz. „Nach dem Dreh dieser Szene hat das gesamte Filmteam applaudiert.“
Die Szene an der Uni entstand am Originalschauplatz, im Audimax der Technischen Universität (TU). Die Menge, diesmal rund 500 Komparsen, rief im Chor „Ho-Ho-HoTschi-Minh!“ Christian erinnert sich: „Das war schon krass, als sich alle so hochschaukelten.“ Durch den Film habe er erst mal mehr über Baader-Meinhof und die RAF erfahren.
55 Euro gibt es für zehneinhalb Stunden Drehzeit. „Das ist erst mal nicht so viel, aber es werden Zuschläge gezahlt, und Spaß macht es ja auch. Ich bin ja sowieso sehr interessiert, was Filme und Theater angeht.“ Mit der studentischen Gruppe „Mischobst“ tritt er in jedem Jahr mit einem neuen Stück auf.
Über eine Agentur trat Christian inzwischen schon mehrmals als Komparse auf: im Film „Der Vorleser“ oder bei den „Großen Dramatikern“ (arte) und in der ZDF-Serie „Wege zum Glück“.
Den „Baader Meinhof Komplex“ hat er sich in seiner ganzen Länge bisher noch nicht angesehen, dafür aber schon mehrmals „seine“ Szenen. Als Filmpalast-Mitarbeiter sitzt er ja quasi an der Quelle.


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