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Keiner wird gewinnen

Mittwoch, den 24. September 2014
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Das Comedyduo Emmi und Herr Willnowsky tritt viermal im ausverkauften Theater in Kremmen auf

MAZ Oranienburg, 24.9.2014

KREMMEN
Fast wären Emmi und Herr Willnowsky am Montag nicht pünktlich in Kremmen angekommen. Irgendwo bei Velten stoppte der Zug aus Berlin und fuhr plötzlich wieder zurück. Das Comedyduo musste in Hennigsdorf abgeholt werden.
Viermal präsentieren die beiden im Theater „Tiefste Provinz“ ihr neues Programm „Keiner wird gewinnen“, und viermal ist es ausverkauft. Heute und morgen Abend stehen sie erneut auf der Bühne, um sich gegenseitig mehr oder weniger liebgemeinte Unverschämtheiten um die Ohren zu hauen. „Das Liebesleben von Kuschelmäuschen und mir ist nicht zum Besten bestellt“, sagt sie, woraufhin er sagt: „Sie ist zu dick!“ Willnowsky über seine Frau: „Meine Frau hört nachts Stimmen aus dem Kühlschrank. Vom Käse, von der Wurst und vom Kuchen. Nur der Salat sagt nie etwas.“

Mehr als zwei Stunden werfen sich die beiden die verbalen Bälle zu, wobei Willnowsky die eher derben Späße von sich gibt, während Emmi versucht, die Contenance zu halten – was ihr nicht immer gelingt.
Zwischendurch suchen sie für den Theaterleiter eine „Tagesabschlussgefährtin“ und fragen Tina aus Schwante in dem Zusammenhang, ob sie Single ist und ein Eigenheim besitzt. Das Publikum wird die ganze Zeit über liebevoll ins Programm integriert – und wenn mal ein Zuschauer aufs Klo muss, dann warten Emmi und Herr Willnowsky schon mal auf der Bühne, bis sie weitermachen können und der Klogänger mit Szenenapplaus zurückgegrüßt wird.

„Das Schöne in Kremmen ist, dass hier eine besonders angenehme Atmosphäre herrscht“, sagte Christoph Dompke, alias Emmi, am Montagabend nach der Kremmener Premiere. „Die Brandenburger haben einen guten Humor“, ergänzte Christian Willner, alias Valentin Willnowsky. „Da gibt es kaum Berührungsängste, auch bei derben Pointen, das ist toll.“
Seit 18 Jahren sind die beiden als Emmi und Herr Willnowsky unterwegs. Etwa 20 Minuten vor dem Auftritt geschieht die Verwandlung von Herrn Dompke in Frau Emmi. „Das Make-up ist ja relativ einfach.“
Ihr Programm bietet mit Absicht viel Raum für Improvisation. „Die Reihenfolge der Lieder steht fest, die Gags dazwischen sind variabel“, so Dompke. Kein Abend gleicht also dem anderen.

aRTikel

Für Heimweh blieb gar keine Zeit

Donnerstag, den 4. September 2014
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Lasse Gawande (16) aus Velten reiste sechs Wochen auf einem Schiff

MAZ Oranienburg, 4.9.2014

VELTEN
Sechs Wochen auf hoher See. Da bekommt jeder erst mal Muffensausen: Was mache ich denn da so lange? Lasse Gawande (16) aus Velten ist in seinen Sommerferien ganz und gar nicht langweilig geworden – trotz oder eher gerade wegen der sechs Wochen auf hoher See. Lasse war mit dem Containerschiff „Düsseldorf-Express“ unterwegs nach Nordamerika.

Der Verband der deutschen Reeder bietet ein Ferienfahrerprogramm an. Schüler ab 16 Jahren bekommen die Möglichkeit, den Alltag an Bord kennenzulernen – und natürlich dort auch zu arbeiten. Für Lasse war und ist das ein echter Traum. „Wir sind oft in Travemünde an der Ostsee“, erzählt er. „Da habe ich schon oft die großen Fähren vorbeifahren sehen.“ Es ist sein Berufswunsch, auf einem Schiff zu arbeiten, am liebsten später mal als Kapitän. „Mein Opa ist auch zur See gefahren.“ Die sechs Wochen im Sommer waren für ihn gewissermaßen die Probezeit. Zum Beispiel der Wellengang: Wie übersteht er größere Stürme auf dem Meer? Zumindest diese Frage blieb unbeantwortet: Auf seiner Fahrt herrschte meistens Windstille.

Die Reise startete in Bremerhaven und führte über Frankreich nach Veracruz in Mexiko, weiter nach Houston, New Orleans und Charleston. Dann über den Ozean zurück nach Southampton, Antwerpen und nach Bremerhaven.
„Der erste Tag war noch ein bisschen stressig“, erzählt Lasse. Da musste vor allem noch der Proviant einsortiert werden. Die Uhr, das hat er bald gemerkt, war an Bord sehr wichtig. „Ich trage sonst nie eine Armbanduhr“, so der Veltener. Für ihn gab es um 7.30 Uhr Frühstück, um 8 Uhr begann die Arbeit an Bord. „Ich musste zum Beispiel zweimal am Tag die Temperatur der Kühlcontainer ablesen.“ Auch hat er an der Maschine gearbeitet, den Verdampfer entrostet oder die Fahrstuhltüren geputzt. Außerdem musste der junge Seemann ein Rettungsmänover fotografieren. Zu seinen Aufgaben gehörte es auch, die Seekarten zu aktualisieren. „In der Nordsee gibt es immer wieder neue Windparks, die müssen eingezeichnet werden.“ Viele der Arbeiten waren mit Dreck verbunden. „Ich fand das aber nicht so schlimm.“ Der Großteil seiner Arbeiten haben ihm großen Spaß gemacht, wie er erzählt.
Um 10 Uhr stand die erste Pause auf dem Programm: Tee trinken. Zwischen 12 und 13 Uhr gab es das Mittagessen. „Wir hatten sehr strenge Essenszeiten“, so der 16-Jährige. „Aber ohne diese Ordnung geht es nicht.“ Sein Arbeitstag dauerte bis 15.30 Uhr, der Rest der 24-köpfigen Crew hatte zwei Stunden länger zu tun. „Abends war ich meist auf der Brücke, ich musste auch ein Logbuch führen.“ Ein Teil der Besatzung traf sich abends an der Bar, zu erzählen oder zu feiern gab es immer etwas.
Sonntags war Kirche. Allerdings hat das vormittägliche Zusammentreffen an der Bar mit der Kirche an sich nichts zu tun. „Das heißt nur so und ich weiß gar nicht, warum“, sagt Lasse und lächelt.

Heimweh? „Dafür hatte ich gar keine Zeit.“ Lasse Gawande grinst ein wenig. Denn Landgänge hatte er natürlich auch noch. „Unser Kapitän hat einen Besuch im Houston-Space-Center organisiert.“ Die mexikanische Stadt Veracruz fand er am besten. „Das Lebensgefühl dort ist ein ganz anderes.“
Inzwischen hat die Schule wieder begonnen, nächstes Jahr will er am Hedwig-Bollhagen-Gymnasium sein Abitur machen, dann möchte er eine Ausbildung zum nautischen Offiziersassistenten beginnen. In einigen Jahren ist er dann vielleicht schon „Kapitän Gawande“.

RTelenovela

Rumstehen statt Geld einnehmen

Sonntag, den 20. Juli 2014
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Die Sonne brennt, 32 Grad im Schatten. Klar, dass die Leute die Seen der Region bevölkern. Woanders hält man es bei der Hitze auch nicht aus. Auch am Bernsteinsee in Velten war am Sonnabend mal wieder die Hölle los – und der Parkplatz gesperrt, wegen Überfüllung. Ein freundlicher Herr winkte alle Autos weg.
Die Besucher hielt das aber nicht davon ab, trotzdem in die Fluten zu springen. Entlang der Chausee parkten viele Dutzend Wagen, und die Leute rieben sich die Augen, als sie danach über den Parkplatz zum Eingang liefen.

Nicht ein Platz war frei, nicht zwei und auch nicht drei. Ganze Flächen standen leer, gut und gerne 20 Autos hätzten noch auf den Platz fahren können.
Wer am Eingang, beim Bezahlen, dann mal nachfragte – immerhin standen dort ja drei Mitarbeiter der Betreiber -, bekam eine überraschende Antwort: Er wolle demnächst mal nachsehen, ob denn was frei sei. Das ist eine interessante Einstellung, wenn man bedebnkt, wie viele Einnahmen – pro Auto 2 Euro – verloren gehen, wenn irgendwann mal nachgesehen wird, wie es denn so aussieht auf dem Parkplatz. Aber vielleicht hatten die drei Aufpasser auch gerade etwas wichtiges zu besprechen und keine Zeit, ihren Job zu machen.

Immerhin bekamen die Parker an der Chaussee keine Knöllchen. Das wäre dann ja auch noch schöner gewesen…

RTelenovela

Vor 20 Jahren (103): So was wie ein Karrierestart

Freitag, den 20. Juni 2014
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(102) -> 6.6.2014

Montag, 20. Juni 1994.
Dass ich “irgendwas mit Medien” machen will, war mir eigentlich schon lange klar. Schon 1988 begann ich, für den Privatgebrauch, an einer regelmäßigen Zeitung zu schreiben, und was in einer echten Redaktion so passiert, wollte ich schon immer mal wissen.

Am Ende der 9. Klasse stand dann das zweiwöchige Schülerpraktikum auf dem Plan, und ich durfte es bei der MAZ in Oranienburg machen. Die Redaktion war damals noch im Obergeschoss des damaligen Filmpalastes. Das Haus steht nicht mehr, es war aber dort, wo auch heute der neue Filmpalast steht.
Noch ziemlich schüchtern erschien ich an jenem 20. Juni 1994 in den Büroräumen. Die Technik war natürlich lange nicht so modern wie heute, an das Internet war nicht zu denken. Fotos, die in die Zeitung sollten, mussten im Original per Bote zur Hauptredaktion nach Potsdam geschickt werden. Das Seitenlayout entstand per Hand. 20 Jahre, und doch verschiedene Welten.

Noch nicht ganz 16-jährige Praktikanten in einer Redaktion sind oft keine leichte Sache. Was fängt man mit denen an? Man schickt sie mit Redakteuren auf Termine mit.
So war es bei mir auch. Mit Kollegin HB, die noch heute meine Kollegin ist, und dem inzwischen verstorbenen Fotografen FS ging es nach Velten zum Bernsteinsee. Um was genau es da ging, weiß ich nicht mehr. Aber es muss ein heißer Tag gewesen sein. Vermutlich eine der üblichen Sommerreportagen.

Mein (vermutlich) erster in der MAZ erschienener Text war ein Beitrag über einen Schachspieler, der irgendwas gewonnen hatte.
An meinem vierten Tag fuhr ich mit dem Fotografen zur Veltener Oberschule, wo “Tag der offenen Tür” war. Der Artikel erschien am Tag danach.

Ich bin übrigens bis heute wohl der einzige Praktikant der MAZ, der zwei Redaktionen erlebt hat. Während meiner zwei Wochen zog die Redaktion aus dem Filmpalast in die Mittelstraße. Der Eingang war dort, wo man heute zum China-Restaurant rein läuft.
Zwei Jahre danach zog die Redaktion nochmals um – in die heutigen Räume.

Ich gebe zu, damals war ich noch nicht so kommunaikativ. In den neuen Räumen saß ich lange alleine rum. Der Typ, einfach die anderen Redakteure anzuquatschen, war ich noch nicht. Nett waren sie aber alle. Ich war eher zurückhaltend, eigentlich ja nicht so gut, wenn man in diesen Job will.
Ich musste in der zweiten Woche beispielsweise einen Artikel über Hitzefrei an den Schulen schreiben.

Nach dem Praktikum passiere erst mal gar nichts. Erst 1997 stieg ich dann wieder ein, dann aber richtig, nach und nach.

RTelenovela

Wenn Wahlverlierer bockig sind

Mittwoch, den 28. Mai 2014
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Als Wahlverlierer durch die Stadt zu ziehen und die Plakate der Gegner zu klauen, ist schon zweifelhaft. Sich dabei von der Polizei erwischen zu lassen, ist bescheuert. Und dass die Presse davon Wind bekommt, das ist dann wohl Pech.

In Velten ist das so passiert. Dort hat bei der Wahl zum neuen Stadtparlament die Wählergruppe “Pro Velten” haushoch gewonnen. Das Besondere: Die Gruppe gibt es erst etwas mehr als ein Jahr – gegründet um gegen ein geplantes Einkaufszentrum zu protestieren.
Für die SPD, die bislang in Velten obenauf war, geriet die Wahl zum Debakel. Einer der SPD-Leute, der es dann doch nicht ins Stadtparlament geschafft hat, begann nach der Wahlparty in der Stadt, Plakate des “Pro Velten”-Gegners abzureißen, um sie mitzunehmen.

Doch dummerweise kam alles raus. Erst die Polizei, dann die Presse. Der SPD-Mann gestand gegenüber dem “Hennigsdorfer Generalanzeiger” seine Tat.
Seine Begründung: Kurzschlussreaktion. Frust.
Die Häme sei dem, ähm, Politiker nun jedenfalls gewiss. Und das auch völlig zurecht. Bei der Kommunalwahl in Oberhavel ist diese Geschichte jedenfalls die Peinlichkeit des Jahres.

RTelenovela

Mit Tatütata vor der Bahnschranke

Mittwoch, den 9. April 2014
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Was passiert eigentlich, wenn ein Krankenwagen im Notfalleinsatz auf einen geschlossenen Bahnübergang trifft? Ganz einfach – er muss mit Tatütata: warten.
So ist das neulich in Velten geschehen. Dort standen eines Tages sogar zwei Krankenwagen an der geschlossenen Schranke.
Und es dauerte und dauerte und dauerte. Im einen Notarztwagen lag jemand mit Verdacht auf Schlaganfall, im anderen eine Patientin, die aus noch ungeklärter Ursache sehr stark aus der Nase blutete.

Letzter kam direkt aus der Oranienburger Klinik und sollte von dort nach Hennigsdorf. Allerdings frage ich mich, warum dieser Transport ausgerechnet über Velten und über den Bahnübergang führen muss. Auf direktem Weg durch Hennigsdorf gibt es keine solche Barriere. Die Strecke ist vermutlich einen Tick weiter, und deshalb führen die Wege wohl durch Velten über die Landesstraße 20 – aber das ist ja eigentlich egal, wenn man stattdessen vor dem Veltener Bahnübergang warten muss.

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Gedacht: Bernsteinsee – Trauriges Ende für die Strandpartys

Donnerstag, den 27. Februar 2014
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MAZ Oranienburg, 27.2.2014

Das war es dann wohl mit den großen Partys am Bernsteinsee. Die Veltener Stranddiskos gehören der Vergangenheit an. Das ist inzwischen die traurige Gewissheit. Aber auch, wie sich der Streit darum abspielte, ist nicht weniger als ein Trauerspiel.

Ganze dreimal im Jahr haben die Feiern stattgefunden. Wetterbedingt im Jahr 2013 sogar nur zweimal, aber immer gab es danach Zoff. Zu laut, zu dreckig, aber vor allem viel zu laut fanden einige Veltener die Veranstaltung. Angeblich sind Schallschutzauflagen und Uhrzeiten nicht beachtet worden. Der Organisator der Strandpartys – die Right Now Showproduktions GbR – bestreitet all diese Vorwürfe, und vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen.
Es habe sich für die Stadt Velten finanziell nicht gelohnt, hieß es außerdem. Aber geht es bei diesen Partys tatsächlich nur darum, ob Velten daran verdient? Ist das einziger Sinn der Sache?
Verhandlungen haben offenbar nicht stattgefunden, stattdessen präsentierte Andreas Noack, der Aufsichtsratsvorsitzende der Veltener Stadtwerke, bereits ein neues Konzept: In Zukunft sollen Familienfeste am Bernsteinsee stattfinden.

Right Now startete unterdessen eine Onlinepetition. Leider sind allerdings nicht die Fans selbst draufgekommen. Der Stadtwerkechef sagte daraufhin ein geplantes Treffen zwischen ihm und dem Veranstalter ab. Ein zielführendes und ergebnisoffenes Gespräch sei nach der Petition nicht mehr möglich, so Noack in der Pressemitteilung. Was seltsam war, denn er hatte vorher sowieso klar gemacht, dass die Entscheidung durch dieses Gespräch nicht mehr geändert werde. Und ob ihn eine Onlinepetition umgestimmt hätte, sei mal dahingestellt.

Es macht den Eindruck, dass alle Seiten einfach nur ziemlich beleidigt sind. Verlierer dieses Streits und dieser Entscheidung sind ganz eindeutig die Fans der Strandpartys, und das sind die Jugendlichen aus der Region. Es ist ja nicht so, dass derartige Events hierzulande überall und ständig zu finden sind. Der Bedarf war da, um die 3000 Menschen kamen zu den Veltener Partys. Dass es angeblich nicht möglich sein soll, zwei- bis dreimal im Jahr auch mal ein wenig lauter zu werden, ist sehr schade. Die angedachten Familienfeste sind eine schöne Idee, aber sie ersetzen nicht diese Diskoabende und -nächte. Sie haben vermutlich eine ganz andere Zielgruppe.