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„Ich war fast weg gewesen“

Donnerstag, den 25. Februar 2021
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Ein 15-Jähriger aus Velten erzählt, wie er in die Drogensucht geriet – und von den Problemen danach

MAZ Oberhavel, 25.2.2021

Velten.
Es begann alles mit Frust. Viel Frust. Aber vor allem mit einem Verlust an Vertrauen. Gegenüber der Mutter, gegenüber allen. Jonas* war zwölf, als es losging. Als er mit Drogen in Kontakt kam.

Damals hatte er eine Freundin. Sie war vier Jahre älter als er. „Sie wollte, dass er mit zu ihr zieht“, sagt Michaela*, seine Mutter. „Ich habe gesagt: Das geht nicht, das funktioniert nicht.“ Er setzte sich durch. „Ich wollte, dass er nach Hause kommt.“ Jonas war dann eine Weile mit ihr zusammen, aber es kam dann zur Trennung. Der Schock: Das Mädchen war schwanger. Von Jonas, sagte das Mädchen. „Ich war mir sehr sicher, dass das nicht sein konnte“, sagt Jonas. Und er wusste auch von einem anderen Jungen. Geglaubt hat ihm das keiner. Auch nicht seine Mutter. Die war sich sicher, dass das Mädchen die Wahrheit sagte. „Wenn er der Vater ist, dann muss er zu seiner Verantwortung stehen“, sagte sie stattdessen. Erst als das Kind auf der Welt war und nachdem Michaela es schon als Enkelkind akzeptiert hatte, kam das Testergebnis. „An dem Punkt war dann leider klar, dass er nicht der Vater ist“, sagt Michaela. Sie überlegt kurz. „Jonas hat sich gefreut. Ich war hin- und hergerissen. Aber innerlich auch froh. Aber dann fing der Stress richtig an.“ Denn die Vertrauensbasis zwischen Mutter und Sohn war zerstört.

Jonas ist abgehauen. Immer wieder. Er begann, sich von Velten aus in der Gegend rumzutreiben. „Ich wollte einfach weg. Irgendwo hin“, sagt er. „Wo nicht Menschen oder Behörden auf mich einquatschen.“ Durch ältere Freunde kam er mit Drogen in Kontakt. „Ich habe alles probiert. Hauptsächlich Speed und Ecstasy.“ Speed hält lange wach, der Hunger vergeht einem. Am Hennigsdorfer Hafen habe er dann Leute kennengelernt, die ihm Crystal verkauft haben. „Ein paar Mal“ habe er das genommen. Durch das Zeug dauert der Rausch länger. Und er kam nicht mehr von den Drogen weg. Er hat dann begonnen, Speed günstig anzukaufen. Zehn Gramm für 30 bis 50 Euro. Er verkaufte es für 100 Euro weiter, „um mir meine Drogen kaufen zu können.“

Tatsächlich werde im Gesundheitsamt im Landkreis Oberhavel eine Zunahme des Konsums von Amphetaminen und Crystal Meth festgestellt. „In diesem Zusammenhang stellen wir insbesondere auch eine steigende Nachfrage von Eltern an unsere Kinder- und Jugendpsychiaterin im Gesundheitsamt fest“, sagt Kreis-Pressesprecherin Ivonne Pelz. „Die Entwicklung verfolgen wir sehr aufmerksam und sensibilisiert.“
„Die Jüngste, die ich kenne, war zwölf, als sie angefangen hat“, erzählt Jonas. „Viele chillen mit 16-Jährigen ab.“ Es gebe da bei vielen Probleme mit den Eltern, ähnlich wie bei ihm. Viele würden LSD nehmen, „um das Selbstbewusstsein zu erweitern. Dadurch wurde mir auch alles egal.“ Gras gebe es an jeder Ecke zu kaufen. Einmal hatte er gestrecktes Speed. „Ich war fast weg gewesen.“
Cathrin Pelz, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, erklärt: „Der Konsumbeginn für die genannten Drogen liegt inzwischen nicht selten schon bei zwölf Jahren. Der Konsum hat insbesondere bei früh beginnender psychischer und körperlicher Abhängigkeit gravierende Folgen auf die seelische und körperliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen: Je früher der Beginn des Konsums, desto gravierender sind die Auswirkungen auf die Entwicklung des Gehirns, das in dieser Lebensphase besonders empfindlich ist.“

Für Jonas’ Mutter war klar: „Er war abhängig. Er brauchte Hilfe.“ Von einer Depressionsstation haute er nach einem Tag wieder ab. Es war schwer, an Jonas ranzukommen. Und auch schwer, Hilfe zu bekommen. Das Ziel war: „Er muss in eine Klinik, die ihm hilft.“ In Hamburg gab es eine. Acht Monate müsse er allerdings dort bleiben, hieß es. „Am Anfang wollte ich das nicht“, sagt Jonas. „Ich habe mich verarscht gefühlt.“ Er sah dort keine Perspektive. „Für mich war das aber Grundvoraussetzung, dass er dahin geht“, sagt Michaela. Ansonsten hätte sie nicht weiter gewusst. Sie hätte ihn ans Jugendamt übergeben müssen, sagt sie. „Damit er wieder zurecht kommt.“ Er bekam den Platz in Hamburg. Von September 2019 bis April 2020 war er in dieser Klinik. Weg von den Drogen.

„Ich kam zu einem blöden Zeitpunkt zurück“, sagt Jonas. Corona hatte die Welt im Griff. Michaela erzählt: „Wir haben Kontakt zur Schule aufgenommen. Da hieß es, wir unterstützen ihn.“ Er kam in die 8. Klasse. Doch da gibt es ein Problem, denn Jonas darf kein Internet benutzen. „Damit er keinen Kontakt zu seinen alten Freunden aufnehmen kann.“
Es gab Gespräche mit einem Einzelfallhelfer. „Da sollte es um seinen Förderstatus gehen. Den braucht er.“ Mit seinem Einzelfallhelfer ist Jonas immer wieder im Kontakt. Als Schule auch in Coronazeiten möglich war, gab es dennoch Sorgen. „Ich wollte nicht, dass jemand was von meiner Vergangenheit erfährt“, sagt Jonas. „Aber der Lehrer fragte dann vor der Klasse, warum ich kein Internet habe. Ich hatte einfach den Wunsch, dass wir das unter vier Augen klären.“ Mit dieser Bloßstellung kam er nicht klar. Vertrauensverlust.
Als dann wegen des Lockdowns die Schule wieder nur zu Hause weiter ging, war das ohne Internet schwierig. Nur Jonas’ Mutter hat Zugriff, wenn E-Mails kommen. Aber dann ging auch noch der Drucker kaputt, sagt Michaela. „Sie schicken immer Aufgaben und gehen davon aus, dass ich online einen neuen Drucker bestelle.“

Beatrix Scheeren, die Leiterin der Kremmener Goethe-Oberschule beurteilt die Lage anders. „Er wird unterstützt“, sagt sie. „Wenn er den Willen hätte. Aber er will sich nicht unterstützen lassen.“ Die Schulleiterin sagt, das Problem liege bei Jonas’ Mutter, sie spiele ein falsches Spiel, es werde nicht auf Angebote reagiert. Näher könne sie sich nicht äußern, erklärt sie.
Jeder habe seine eigene Wahrheit, sagt sein Einzelfallhelfer, der aber betont, allgemein zu sprechen, nicht über den speziellen Fall. Über spezielle Fälle könne er grundsätzlich nichts sagen. Allgemein könne er sagen, es sei immer wieder eine Herausforderung, die globale Wahrheit zu erfassen, es sei fast unmöglich. Es sei immer wichtig zu sehen, wie jeder Beteiligte etwas wahrnehme. Warum tut jemand was oder auch nicht? Das sei immer eine neue Herausforderung.

Jonas, inzwischen ist er 15, will tatsächlich nicht mehr. Er hat das Vertrauen verloren. Wieder mal. Aber wie soll es weiter gehen? Für ihn ist klar, dass er nach der 8. Klasse abgehen will. „Ich möchte mich um einen Ausbildungsplatz bewerben.“ Seine Mutter ergänzt: „Aber ich fände es besser, wenn er ein Berufsorientierungsjahr macht.“ Er kümmere sich, sagt er. Vielleicht was bei der Bundeswehr. Vielleicht Küchenhilfe. „Mein Traum wäre es, Notfallsanitäter zu werden“, sagt er. „Oder was mit Elektronik.“ Wie er das ohne Schulabschluss schaffen kann, ist unklar.

Ist Jonas clean? Endgültig? Er überlegt. Ein Rückfall sei möglich, sagt er. Der Frust ist groß, und auch weil das Vertrauensverhältnis zur Mutter gestört ist. Hört man den beiden zu, dann stehen oft gegenseitige Vorwürfe im Raum. Bekommt Jonas Geld zum Einkaufen, muss er den Kassenzettel mitbringen.
„Ich als Mutter kann sagen, dass ich alleine gekämpft habe“, sagt Michaela. „Selbst den Einzelfallhelfer zu finden, war schwierig. Aber er bemüht sich.“ Das sieht Jonas ähnlich. Es gebe kaum Einrichtungen für Minderjährige, sagt er. Oder Ansprechpartner. Er überlegt, später eine Selbsthilfegruppe zu gründen.

Beim Landkreis will man an den Maßnahmen zur Drogenprävention schrauben. Angestrebt werde „noch 2021 die Einrichtung einer Fachstelle für Konsumkompetenz “, teilt Kreis-Pressesprecherin Ivonne Pelz mit. Die Fachstelle solle in erster Linie der Sensibilisierung sowie der Fort- und Weiterbildung von Fachkräften in der Kinder- und Jugendhilfe, in Schule und Elternschaft dienen.
Hilfe für Betroffene und Angehörige gebe es für Jugendliche insbesondere bei der Drogenberatungsstelle des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Möglich sei das in Gransee, Hennigsdorf und Oranienburg.

*Die Namen von Mutter und Sohn wurden geändert.

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RTZapper

Stadtverordnetenversammlung in Velten live

Samstag, den 13. Februar 2021
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DO 11.02.2021 | 17.30 Uhr | Youtube

Ich hatte am Donnerstag einen interessanten Fernsehabend. Am späten Nachmittag begann auf Youtube die Live-Übertragung der Veltener Stadtverordnetenversammlung. Und ich muss mal ein echtes Kompliment aussprechen! Denn die technische Qualität der Übertragung war – mal abgesehen von kleinen Rucklern – hervorragend.

Youtube ist ein leicht zu bedienendes Medium, das jeder einfach erreichen und drauf zugreifen kann. Jeder hat es auf dem Handy oder sogar per App auf dem Fernseher. Man muss nicht erst irgendeine Webseite aufrufen, wie zum Beispiel in Oranienburg, und sich den Livestream aufwendig raussuchen.

Fast hätte man meinen können, dass es sich um eine Übertragung des Parlamentskanals phoenix handele. Es müssen mehrere Kameras in der Halle gewesen sein, es gab immer Umschnitte auf die Personen, die gerade sprachen, man hat fast alle immer beim Reden gesehen. Davon können sich andere Kommunen einiges abschauen!

In Spitzenzeiten waren mehr als 180 Menschen live dabei. Das ist ein Erfolg – so viele Menschen kommen sonst nicht zu den Sitzungen. Das ist ein wichtiges Zeichen für die Stadt Velten, aber eigentlich für alle Kommunen, dass diese Live-Übertragungen nach Ende der Pandemie fortgeführt werden sollten.

-> Die Übertragung auf Youtube (bis 25. Februar 2021)

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RTelenovela

Stinkefinger

Dienstag, den 2. Februar 2021
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Ich würde mal sagen: durchgefallen.
Erst klemmt sich der Kleinwagen auf der A111, als er von der Auffahrt Velten auf die Autobahn fuhr, hinter einen Lkw, dann zieht er links raus.
Ja, blöd, wahrscheinlich nicht in den Rückspiegel geschaut. Denn dann hätte der Fahrer des Kleinwagens eventuell mich auf der Überholspur gesehen. Auch, dass ich nicht allzu weit weg war und voll in die Eisen treten musste. Ich war dann ziemlich dicht hinter dem Kleinwagen – und ehrlich gesagt, war ich froh, nicht IM Kleinwagen gelandet zu sein. Ich erdreistete mich, eine hinweisende Lichthupe zu geben.
Wirklich Gas gab der Fahrer erst, als er wieder nach rechts einscherte. Als ich ihn überholte, hatte er in der Seitenscheibe seinen Stinkefinger gepflanzt.

Aber was soll man sich drüber aufregen: ein Typ in einer hässlichen kleinen Karre hat Rückspiegelerkennungsprobleme, da kann man aus Frust schon mal den Stinkefinger zeigen. Gar nicht schlimm. Er tut mir trotzdem voll leid.
Unsere Wege trennten sich im Kreuz Oranienburg…

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Aus Versehen auf alten Wegen

Mittwoch, den 18. November 2020
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Durch den Ausbau des nördlichen Berliner Rings, der A10, werden auch zig Brücken neu gebaut. Meistens entstehen sie neben den alten Bauwerken. So ist das auch nahe des Bernsteinsees in Velten. Seit Monaten konnte man beobachten, wie neben der alten Brücke die neue gebaut worden ist. Am Montag ist die neue Brücke freigegeben worden.

Am Dienstag kam ich von Velten, um das erste Mal die neue Brücke zu befahren. Davor gibt es noch eine Baustellenampel, denn die Fahrbahn und der Anschluss an die alte Straße ist erst halb fertig. Warnbaken versperren den Weg zur alten Brücke – könnte man meinen.
Denn während wir auf Grün warteten, waren gleich zwei Autos zu beobachten, deren Fahrer offenbar nicht geschnallt haben, dass sich die Verkehrsführung geändert hat. Sie fuhren also auf die Brücke zu und merkten erst direkt davor, dass plötzlich der Asphalt schon weggefräst war. Es fehlte ein Stück Straße zur alten Brücke hin. Also: umdrehen.
Wie peinlich muss das sein, wenn man dann wieder zurücksetzen muss und die anderen das alle beobachten können.

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RTelenovela

Basar mit Zigarettenduft

Freitag, den 7. Juni 2019
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Neulich hatte ich mich an dieser Stelle gewundert, wie schick doch Aldi in Oranienburg geworden ist. Die verschiedenen Supermärkte haben ja immer ihre Images. Kaufland ist der besonders große Einkaufsmarkt, und Edeka und Rewe die etwas besseren (und teueren?). Ich besuche alle drei dieser Märkte gern.
Am Donnerstag war ich im Veltener Rewe-Markt und habe ehrlich gesagt ein bisschen gezweifelt, ob der Markt noch auf der Höhe der Zeit ist.

Aufgefallen ist mir das, als ich in der Getränkeabteilung stand. Mal abgesehen davon, dass es relativ penetrant nach Zigarettenqualm stank – der große Raum sah aus wie Kraut und Rüben, wie auf einem Basar. Überall standen irgendwelche Wagen rum, auf denen Getränke gestapelt waren. Ob die immer da stehen oder nur aus Räumungsgründen (nach 20 Uhr wird ja oft geräumt, was auch in Ordnung ist), war unklar. Überall musste man sich vorbeischlängeln. Wo die Gänge sowieso schon eng sind. Ein System, wie die Getränke angeordnet sind, ist nur schwer erkennbar. Da stehen hier mal ein paar Eistee-Sorten und dahinten und noch weiter dahinten auch noch mal.

Aber auch wenn man durch den restlichen Markt geht, fällt auf: Er scheint zu klein zu sein. Und überaltert. Erstaunlich viele Regale sehen kaputt und alt aus, an vielen Stellen hängt was schief. Über der Kühltruhe stehen eng an eng Knabbersachen und anderer Kram. Eindeutig Ausweichstellen, weil kein Platz ist. Überall in den Gängen stehen zusätzliche Warenangebote rum, alles ist vollgestopft.

Dass sich Rewe vergrößern will, ist bekannt. Aber um nicht völlig ramschig zu wirken, muss eine Erneuerungskur her. Denn momentan macht sich Rewe in Velten mit dieser Markteinrichtung keine Ehre. Nebenan in Leegebruch und auch in Oranienburg sieht das alles viel moderner aus, und da gehe ich auch sehr gerne hin.

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ZAPPER VOR ORT: Kastelruther Spatzen

Montag, den 15. April 2019
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SA 13.04.2019 | Velten, Ofenstadthalle

Die Volksmusik hat im deutschen Fernsehen kaum noch eine Lobby. Sie findet kaum noch statt. Das kann man gut finden oder, nun ja, ein bisschen weniger gut.
Wer in den 90ern den Fernseher eingeschaltet hat, wird in diversen Volksmusiksendungen immer wieder auch auf die Kastelruther Spatzen getroffen sein. Ihre Heile-Welt-Songs kommt vor allem beim älteren Publikum gut an.

Am Sonnabend kamen die Spatzen in die Veltener Ofenstadthalle. Schon eine Stunde vor Konzertbeginn gab es eine lange Schlange vor dem Einlass.
Fragt man die Senioren, warum sie gekommen sind, sagen sagen sie: wegen der schönen Texte. Die Musik sei gut. Und so manche Besucherin kann sogar davon berichten, dass sie bereits in Kastelruth war, um den Norbert dort mal zu besuchen.

Googelt man nach Norbert Rier, dem Frontmann der Kastelruther Spatzen, springen einem dramatische Schlagzeilen in die Augen: „Schon viermal wäre er fast gestorben!“, heißt es da in einem Artikel vom vergangenen Jahr. Da ist von mehreren Unfällen und einer schweren Herz-OP die Rede. Aber der 59-Jährige hat sich davon erholt. Am Sonnabendnachmittag kamen 800 Menschen zur Show. Ausverkauft. Mehr wäre nicht gegangen.

Bevor die Spatzen kamen, trat noch Michael Heck im Vorprogramm auf. Mit einer Gitarre im Schlepptau brummte er seine Songs und erinnerte damit an Ronny, der vermutlich auch mit einer brummig-schmusigen Stimme schmusige Lieder sang. Muss man mögen. Praktisch war, dass Heck seine Band auf CD dabei hatte, da fiel es auch gar nicht auf, wenn er mitten im Song mal aufhörte, Gitarre zu spielen. Ob er überhaupt Gitarre spielen kann, wäre mal eine Nachfrage wert.

In der Zwischenzeit konnten sich Fans zum Meet and greet einfinden. Und so ändern sich die Zeiten: Ich kann mich erinnern, dass es früher bei Konzerten mit den Stars oft so ein „Meet and greet“ gab. Fans trafen ihre Stars – meist wurde sowas verlost. Heute müssen die Fans dafür extra zahlen, wenn sie ihre Lieblinge treffen möchten – einen guten Zwanziger kostet sie das zusätzlich. Was sie dafür bekommen? Bei den Kastelruther Spatzen in der Veltener Ofenstadthalle war das am Sonnabendnachmittag so: Die drei Gewin …, äh, Käufer des „Meet and greet“ (heißt so viel wie „Treffen und grüßen“) wurden in einen Versammlungsraum gebeten, in dem es stark nach Essen roch. Kurz zuvor hatten die Volksmusiker dort wohl noch gespachtelt. Die Fans waren aufgeregt – ein bisschen. Dann kamen Norbert Rier und seine Kastelruther Spatzenkollegen. Händeschütteln, Smalltalk, anstoßen mit Sekt, Gruppenfoto – und weg. Ziemlich routiniert abgespult. Manchmal drehte sich Norbert mitten im Gespräch weg. Fand er scheinbar nicht besonders interessant, das Ganze. Ein Pflichtprogramm, für das sich die Musiker gut bezahlen lassen. Kann man dafür mehr erwarten? Bestimmt.

Es dauerte nur wenige Minuten, die leicht enttäuschten Backstagefans waren noch gar nicht zurück in der Halle, da standen die Spatzen auch schon auf der Bühne. Gut zwei Dutzend Songs wurden gespielt. „Genieße den Augenblick und sei dankbar für alles, was du erleben kannst“, sagte Norbert Rier zum Publikum. Routiniert spielten die Musiker ihre Stücke. Worum es geht, erzählte der Sänger auch: „Um Probleme, mit denen sich die Leute beschäftigen.“ Ein Lied sei zwar nur drei Minuten lang, aber könne Anstöße geben.
Beim Lied “Das bist das Gold in meinen Herzen” sah man im Hintergrund den Norbert mit seinen Pferden. Ach, wie schön.

Fans finden das Konzert mit den Kastelruther Spatzen vermutlich völlig in Ordnung, vielleicht sogar gut. Aber eigentlich spulen die Musiker ihr Konzert eher uninspiriert runter. Wie viel Musik tatsächlich live kommt und wie viel aus der Konserve, ist ebenfalls fraglich.
Fans der Volksmusik zahlen relativ viel Geld für so ein Konzert. So richtig viel Liebe und Herzblut bekommen sie dafür nicht wirklich zurück.

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Sind Sie eigentlich volksnah, Herr Leys?

Samstag, den 23. März 2019
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Oberkrämers Bürgermeister äußert sich über den Zuzug, die Schulsituation und den Autobahnbau

MAZ Oberhavel, 23.3.2019

Oberkrämer.
Der Gemeinde Oberkrämer geht es finanziell gut, Probleme gibt es dennoch einige. Der hohe Zuzug bedeutet, dass es enger wird in den Kitas und Schulen, die neuen Bewohner müssen integriert werden. Und wie geht es weiter mit dem Oberschulthema? Über diese und andere Themen spricht Bürgermeister Peter Leys im MAZ-Interview.

Oberkrämer wächst. Ist das ein Segen oder ein Fluch?
Peter Leys: Weder noch. Ein Segen schon deshalb nicht, weil nicht die Notwendigkeit besteht, mit Gewalt wachsen zu müssen. Ein Fluch würde sich sehr schlimm anhören. Es ist mit Belastungen verbunden, aber wir werden uns bemühen, die Probleme zu lösen.

Marwitz wächst derzeit rasant. Stichwort „Marwitzer Heide“. Wie kann man die neuen Bewohner integrieren?
Das ist sicherlich nicht so einfach. Aber zum Beispiel, indem wir die Vereine unterstützen, die die Möglichkeit bieten, Kontakte aufzunehmen. Dort finden zahlreiche Veranstaltungen statt. Auch die Feuerwehr hat ein sehr aktives Leben, da haben auch schon einige angeklopft.

Wird Oberkrämer weiterhin allen Kindern Kita- und Grundschulplätze anbieten können?
Ich denke ja, aber einen Garantieschein würde ich da auch nicht vergeben wollen. Es ist unwahrscheinlich schwer einzuschätzen, wie die weitere Entwicklung ist. Wir hatten vor zwei Jahren die Situation, dass wir den Kitabedarfsplan verabschiedet haben, und vier Monate später haben wir schon einen Nachtrag beschlossen. Aber wir wollen das nicht dem Zufall überlassen. Die Entwicklung geht nach oben, aber nicht unendlich nach oben. Wir werden Kitaplätze anbieten können, aber nicht immer entsprechend den Wünschen der neuen Bürger. Das ist ein Riesenproblem. Wir können nicht an jeder Kita anbauen.

In der Hinsicht werfen Ihnen Kritiker Planlosigkeit vor.
Die Planung hat ein Büro neutral von außen erstellt. Da ging man von den Geburtenzahlen aus, die sind nicht höher als woanders, man zog Prognosen des Landes und der Bertelsmann Stiftung zurate. Bis vor zwei Jahren waren sich alle Experten sicher, dass Oberkrämer schrumpfen wird. Wir haben damals unsere Zweifel angemeldet. Den Schuh würde ich mir deshalb nicht anziehen.

In Velten wird mehr Platz für die Oberschule geschaffen. Aber es gibt weiter Forderungen nach einer Ober- oder Gesamtschule direkt in Oberkrämer. Sind Sie dennoch zufrieden?
Ich wäre zufriedener mit einer Schule in Oberkrämer. Das wäre ja auch ein Standortvorteil. Es ist auch eine politische Geschichte, die Schule im Ort zu fordern. Klar ist eins, man muss vernünftig und sachlich sein. Der Landkreis meint, dass die Lösung in Velten liegt. Wenn es so kommt, dass dort die Oberschule gebaut wird und auch ausreichend Plätze vorhanden sind, dann ist das auch für Oberkrämer eine gute Sache.

Auch Velten wächst – nach Marwitz hinein. Wie soll es mit der Parkstadt Velten II weitergehen?
Die Gemeinde Oberkrämer war bisher offen gewesen zur Gebietsabtretung. Wenn man sich die Historie ansieht, ist das auch mal so geplant gewesen. Es gibt schon einen neuen Termin entsprechend des Beschlusses in Velten. Velten hat sich bemüht, mit uns in Kontakt zu treten, vorher war das immer andersrum. Ich gehe davon aus, dass sich Oberkrämer nicht dagegenstellen wird, obwohl der Beschluss von 2012 aufgehoben wurde.

Der Ausbau der Autobahn beeinträchtigt auch Oberkrämer. Fühlen Sie sich über den aktuellen Stand immer gut informiert?
Aus meiner Sicht ausreichend. Wir kriegen nicht täglich Infos, aber wir können bei Bedarf jeden Tag anrufen. So richtig zufrieden mit der ganzen Brückengeschichte in Bärenklau bin ich allerdings nicht. Auch liegt immer noch keine Genehmigung für die Brecheranlage vor. Die Gemeinde Oberkrämer hat keine positive Stellungnahme dazu abgegeben. Wir wollen, dass der Anlieferverkehr für diese Anlage nicht über unsere kommunalen Straßen erfolgt. Das ist mal so abgesprochen worden, aber das ist nicht hundertprozentig der Fall. Seit Wochen ist eine Brecheranlage an der Autobahnzufahrt bei Eichstädt, die haben unwahrscheinlich viel gebrochen. Viele Leute haben das gar nicht bemerkt. Ich sage das auch wegen der Befürchtung in Bärenklau. Das wird kaum zu hören sein, und die Menge, die gebrochen werden muss, ist inzwischen auch nicht mehr so groß.

Es gibt Ärger um den Tennisplatz in Bärenklau. Will man den Familiensportverein nicht?
Die Sache, die da beantragt wurde, ob die tatsächlich für Bärenklau störend ist, da kann man Zweifel haben. Ich habe schon Hockeyspiele gesehen. Fußball ist lauter, das muss man so deutlich sagen. Ungeachtet dessen ist die Gemeinde nicht verpflichtet, diese Änderung des Bebauungsplanes vorzunehmen. Da spielt der Verein vielleicht eine Rolle, aber ich kann mich nicht erinnern, dass jemand im Bauausschuss so diskutiert hat.

Neulich gab es im Vehlefanzer Ortsbeirat den Vorschlag, das ehemalige Volksbank-Grundstück für die Feuerwehr zu kaufen. Sie wollten sich wegen der Kosten erkundigen.
Das habe ich noch nicht gemacht. Wir müssen auch prüfen: Wer will da wirklich was machen? Es ging ja weniger um die Feuerwehr, sondern der Feuerwehrverein suchte eine Räumlichkeit. Das alles ist nicht übers Knie zu brechen.

Hätten Sie eigentlich gern in Eichstädt die Regenbogenflagge gehisst?
Nein. Ich denke, das ist eine rein private Angelegenheit, wie jemand sexuell ausgerichtet ist. Das hat vor der Verwaltung nichts zu suchen.

Sind Sie eigentlich volksnah?
Na ja. Das ist schwierig. Wenn ich ehrlich bin, nicht so sehr. Ich bin insofern volksnah, dass ich versuche, das Optimale für unsere Gemeinde auf den Weg zu bringen und ich weiß, was in Oberkrämer passiert. Aber mich öffentlich zu präsentieren ist nicht so mein Ding. Da würde ich prahlen, wenn ich das sagen würde. Aber das weiß auch jeder.

Heute ist in Schwante und Vehlefanz Dorfputz. Sind Sie dabei?
Das hätte ich gemacht, aber ich bin am Wochenende privat unterwegs, das war schon länger geplant. Das ist schade, denn ich finde, das ist eine super Aktion.

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