RTelenovela

Mit Tatütata vor der Bahnschranke

Mittwoch, den 9. April 2014
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Was passiert eigentlich, wenn ein Krankenwagen im Notfalleinsatz auf einen geschlossenen Bahnübergang trifft? Ganz einfach – er muss mit Tatütata: warten.
So ist das neulich in Velten geschehen. Dort standen eines Tages sogar zwei Krankenwagen an der geschlossenen Schranke.
Und es dauerte und dauerte und dauerte. Im einen Notarztwagen lag jemand mit Verdacht auf Schlaganfall, im anderen eine Patientin, die aus noch ungeklärter Ursache sehr stark aus der Nase blutete.

Letzter kam direkt aus der Oranienburger Klinik und sollte von dort nach Hennigsdorf. Allerdings frage ich mich, warum dieser Transport ausgerechnet über Velten und über den Bahnübergang führen muss. Auf direktem Weg durch Hennigsdorf gibt es keine solche Barriere. Die Strecke ist vermutlich einen Tick weiter, und deshalb führen die Wege wohl durch Velten über die Landesstraße 20 – aber das ist ja eigentlich egal, wenn man stattdessen vor dem Veltener Bahnübergang warten muss.

aRTikel

Gedacht: Bernsteinsee – Trauriges Ende für die Strandpartys

Donnerstag, den 27. Februar 2014
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MAZ Oranienburg, 27.2.2014

Das war es dann wohl mit den großen Partys am Bernsteinsee. Die Veltener Stranddiskos gehören der Vergangenheit an. Das ist inzwischen die traurige Gewissheit. Aber auch, wie sich der Streit darum abspielte, ist nicht weniger als ein Trauerspiel.

Ganze dreimal im Jahr haben die Feiern stattgefunden. Wetterbedingt im Jahr 2013 sogar nur zweimal, aber immer gab es danach Zoff. Zu laut, zu dreckig, aber vor allem viel zu laut fanden einige Veltener die Veranstaltung. Angeblich sind Schallschutzauflagen und Uhrzeiten nicht beachtet worden. Der Organisator der Strandpartys – die Right Now Showproduktions GbR – bestreitet all diese Vorwürfe, und vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen.
Es habe sich für die Stadt Velten finanziell nicht gelohnt, hieß es außerdem. Aber geht es bei diesen Partys tatsächlich nur darum, ob Velten daran verdient? Ist das einziger Sinn der Sache?
Verhandlungen haben offenbar nicht stattgefunden, stattdessen präsentierte Andreas Noack, der Aufsichtsratsvorsitzende der Veltener Stadtwerke, bereits ein neues Konzept: In Zukunft sollen Familienfeste am Bernsteinsee stattfinden.

Right Now startete unterdessen eine Onlinepetition. Leider sind allerdings nicht die Fans selbst draufgekommen. Der Stadtwerkechef sagte daraufhin ein geplantes Treffen zwischen ihm und dem Veranstalter ab. Ein zielführendes und ergebnisoffenes Gespräch sei nach der Petition nicht mehr möglich, so Noack in der Pressemitteilung. Was seltsam war, denn er hatte vorher sowieso klar gemacht, dass die Entscheidung durch dieses Gespräch nicht mehr geändert werde. Und ob ihn eine Onlinepetition umgestimmt hätte, sei mal dahingestellt.

Es macht den Eindruck, dass alle Seiten einfach nur ziemlich beleidigt sind. Verlierer dieses Streits und dieser Entscheidung sind ganz eindeutig die Fans der Strandpartys, und das sind die Jugendlichen aus der Region. Es ist ja nicht so, dass derartige Events hierzulande überall und ständig zu finden sind. Der Bedarf war da, um die 3000 Menschen kamen zu den Veltener Partys. Dass es angeblich nicht möglich sein soll, zwei- bis dreimal im Jahr auch mal ein wenig lauter zu werden, ist sehr schade. Die angedachten Familienfeste sind eine schöne Idee, aber sie ersetzen nicht diese Diskoabende und -nächte. Sie haben vermutlich eine ganz andere Zielgruppe.

aRTikel

Lara-Marie und Marc kommen groß raus

Donnerstag, den 23. Januar 2014
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Zwei Kremmener Schüler üben schon für ihre Auftritte beim Karneval

MAZ Oranienburg, 23.1.2014

KREMMEN
Die Hebefigur sitzt schon ganz gut. Wenn Lara-Marie auf Marcs Schultern sitzt, dann fühlt sie sich sicher. Ein bisschen Zeit zum Üben haben sie aber noch, denn ihren nächsten großen Auftritt als Tanzpaar haben die beiden erst am 8. Februar.
Die 13-jährige Lara-Marie Volgnandt aus dem Ortsteil Amalienfelde und der ein Jahr ältere Marc Meißner aus Kremmen sind bei den großen Shows des Karneval-Clubs Kremmen (KCK) dabei und zeigen dort, was sie tänzerisch drauf haben. Es wird wohl ein volkstümlich-bayerisches Musikmedley werden, zu dem sie sich bewegen. „Ich werde wohl eine kurze Bayern-Lederhose tragen“, erzählt Marc. „Aber ich habe sie bisher noch nicht anprobiert“, ergänzt er und lächelt ein bisschen. Sonst trägt er so was nicht. „Aber für den Abend ist das okay.“

Seit dem vergangenen Jahr tanzen sie zusammen. „Wir haben für das 50. Jubiläum unseres Vereins ein Tanzpaar gesucht“, erzählt der KCK-Vorsitzende Reiko Meißner. Die Wahl fiel auf seinen Sohn sowie auf Lara-Marie. „Die beiden passen gut zusammen.“ Die beiden nicken zustimmend.
Marc hat schon mit fünf Jahren getanzt. „Das war auch hier, beim Karneval“, erinnert er sich. „Der Biene-Maja-Tanz.“ Das Faschings-Gen liegt offenbar in der Familie. „Ich mag vor allem, dass man ausgelassenen Spaß haben kann“, sagt Marc auf die Frage, was ihm am Karneval gefällt. „Man kann mal die Sau rauslassen. In der Schule ist immer alles recht streng, da wollen wir dann mal Spaß haben. Außerdem finde ich das Gefühl, auf der Bühne zu stehen, toll.“ Allerdings tanzt er ausschließlich beim Karneval. Er besucht momentan die 9. Klasse des Veltener Hedwig-Bollhagen-Gymnasiums. „Ansonsten habe ich nicht die Zeit dazu.“ Jeden Sonnabend kommt er für zwei Stunden zum Training in die Schulsporthalle – vor allem, um mit Lara-Marie zu üben.
Die 13-Jährige, die in die 8. Klasse der Kremmener Goethe-Oberschule geht, tanzt schon seit fünf Jahren. „Meine Freundin hat mich damals dazu gebracht“, erzählt sie. „Sie meinte, das sei ganz cool.“ Und das war es dann tatsächlich, denn Lara-Marie blieb am Ball. „Paartanz mache ich am liebsten“, erklärt sie.

Vertrauen ist dabei besonders wichtig. „Man ist ja recht nah beieinander“, sagt Marc. „Man hat viel Körperkontakt.“ Das sei am Anfang noch eine Überwindungsfrage gewesen. „Ich muss ja auch ab und zu fest zupacken“, sagt er lächelnd. „Nach drei oder vier Proben war das aber kein Problem mehr.“ Das Vertrauen untereinander sei sehr stark. „Das muss einfach da sein“, so Marc. Ein paar Stürze bei den Hebefiguren gab es aber schon mal. „Ich saß bei ihm auf der Schulter, und wir haben uns irgendwie verhakelt, da bin ich runtergeflogen“, erinnert sich Lara-Marie. „Das tat mir sehr leid, denn das wollte ich nicht“, ergänzt ihr Tanzpartner. „Ich muss sie festhalten.“ Vor dem Auftritt am 8. Februar sind sie sehr aufgeregt. „Wir sind schon ein wenig nervös“, gesteht Marc. Bis Aschermittwoch sind sie tanzend unterwegs, dann ist erst mal Schluss. „Erst im Herbst geht es weiter“, sagt Marc.
Dann bleibt auch Zeit für andere Hobbys. Marc näht zu Hause gern Klamotten, möchte später gern Designer werden. Lara-Marie kümmert sich in Beetz um ihr Pflegepferd.

aRTikel

Ein paar kritische Fragen, und das Eis war gebrochen

Donnerstag, den 10. Oktober 2013
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Vivien Genzow (20) hat ein Berufsziel: Mit Jugendlichen arbeiten – in Bärenklau übt sie schon mal

MAZ Oranienburg, 10.10.2013

BÄRENKLAU
Vivien Genzow kümmert sich nicht um die Jugendlichen in Bärenklau, sondern die kümmern sich auch mal um ihre Betreuerin. Als die 20-Jährige vor kurzem sehr erkältet war, bekam sie von den Jungs Tee. „Das fand ich sehr nett“, sagt sie und lächelt. Seit Anfang August absolviert die Veltenerin ein Praktikum bei der Jugendarbeit Oberkrämer und ist für den Klub in der Alten Remonteschule in Bärenklau zuständig. Sie macht eine Ausbildung zur Erzieherin bei der Agus-Gadat-Bildungsgruppe in Neuruppin. Die Arbeit mit Kindern ist ihr wichtig. „Sie erfüllt mein Leben“, sagt Vivien Genzow. Besonders merkt sie das, seit sie vor drei Jahren noch eine kleine Schwester bekommen hat.
Geprägt hat sie auch die Zeit an der Regine-Hildebrandt-Gesamtschule in Birkenwerder. „Das soziale Miteinander, auch mit behinderten Mitschülern, hat auf mich eingewirkt.“ In Oranienburg machte sie später noch ein Wirtschaftsfachabitur.

Mal sind es an einem Tag fünf Leute, mal 15, die in den Bärenklauer Klub kommen. „Die Tendenz ist steigend“, sagt Vivien. Es spricht sich langsam rum, dass dort was los ist. Mundpropaganda ist in dem kleinen 1200-Seelen-Dorf das A und O.
Mittags gegen 13 Uhr öffnet sie die Tür. „Wir gucken dann immer, was wir denn zu Essen da haben.“ Entweder liegt noch was im Kühlschrank, oder die Jugendlichen bringen was von zu Hause mit. Gern unternehmen sie alle gemeinsam eine kulinarische Weltreise, und die funktioniert so: Blind zeigen sie auf dem Globus auf ein Land und überlegen dann, was dazu typisch gekocht werden könnte. Neulich stand die Türkei auf dem Plan. Es gab Börek, Hackfleisch im Teigmantel. „Das Schöne war, dass wir dann nicht nur türkisch gegessen, sondern uns auch mit dem Land befasst haben“, erzählt Vivien Genzow. „Das war für alle sehr lehrreich.“

Die Jugendklubgänger in Bärenklau haben ihre neue Betreuerin recht schnell angenommen. „Mir war klar, dass ich auf sie zugehen muss“, sagt Vivien. „Ich habe ihnen dann auch erst mal meinen Lebenslauf erzählt.“ Es kamen Fragen wie „Warum bis du hier? Und wie lange?“ Das Eis war bald gebrochen. „Das hat vielleicht drei bis vier Tage gedauert.“ Allerdings geht das auf dem Dorf auch schneller als in der Stadt, findet die Veltenerin. „Auf dem Dorf sind die Freundschaften viel enger, da kennt jeder jeden. Wir als Sozialarbeiter kennen eigentlich auch immer die Eltern der Jugendlichen.“ Das sei in der Stadt anders. Aber auf jeden Fall möchte sie später ein weiteres Praktikum in der städtischen Jugendarbeit absolvieren.
Für die Klubgänger ist der Treffpunkt im Dorf sehr wichtig. „Sie sind mal weg von den Eltern, sie wollen auch mal ihre Ruhe haben“, sagt Vivien Genzow. Im Klub bekommen sie die. Wobei Ruhe natürlich relativ ist: An den Spielkonsolen geht es schon mal hoch her. Inzwischen ist die Küche neu gemalert. „Wir haben uns für ein freundliches Grün entschieden.“ Und auch die gerade vergangenen Bundestagswahlen haben im Jugendklub eine große Rolle gespielt. „Bei uns fanden die U-18- Wahlen statt, und deshalb haben wir recht ausführlich darüber gesprochen.“ Es gab Momente, bei denen sich rund um den Computer kleine Grüppchen bildeten, um im Internet in Wahlprogrammen der Parteien zu stöbern.

Es läuft also alles gut in Bärenklau, und doch gibt es einen Wermutstropfen: Die Jugendlichen müssen Ende November schon wieder Abschied nehmen. Denn dann beginnt für Vivien die nächste Theoriezeit an der Neuruppiner Schule. „Ich weiß jetzt schon, dass ich die Zeit hier vermissen werde“, sagt sie. „Toll ist die Förderung, die ich hier bekomme.“ Sie darf an Seminaren und Veranstaltungen der Jugendarbeit teilnehmen. Genau das ist auch das Ziel von Marlies Arian, die für die Jugendkoordination in Oberkrämer zuständig ist. „Ein breites Spektrum ist wichtig.“ Deshalb gehört zum Praktikum auch mehr als die Betreuung im Klub. Beim Landeserntefest in Kremmen bauten Jugendliche aus Oberkrämer am Jugenddorf im Scheunenviertel mit. Das Mühlenfest in Vehlefanz ist ebenfalls von ihnen begleitet worden. Jetzt, in den Herbstferien, findet das zentrale Programm im Vehlefanzer Klub statt.

Wenn Vivien Genzow ihre Ausbildung in Neuruppin abgeschlossen hat, dann möchte sie am liebsten für ein Jahr in die USA gehen und als Aupair arbeiten. Und wie sieht es in fünf Jahren aus, was macht sie daann? Sie muss nicht lange überlegen: „Da bin ich mittenmang unter Jugendlichen.“ Was genau sie dann beruflich mit jungen Leute machen möchte, das lässt sie aber noch offen.

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Der Jugendklub in Bärenklau befindet sich in der alten Remonteschule im Dorfzentrum. Geöffnet ist nach den Herbstferien wieder montags bis freitags von 13 bis 20 Uhr.

aRTikel

Die Königin mag Seeed und Helene Fischer

Dienstag, den 27. August 2013
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Constanze Fender (24) trägt beim Erntefest in Bärenklau die Krone

MAZ Oranienburg, 27.7.2013

BÄRENKLAU
2013 ist ihr Jahr, das hat Constanze Fender schon im vergangenen Herbst für sich beschlossen. Beim Erntefest im vorigen Herbst sprach die 24-Jährige Bärenklaus Ortsvorsteherin Gundula Klatt an: Sie wollte Erntekönigin werden, und nun ist sie es auch. „Ich hatte einfach Lust drauf“, sagt sie. Vom 6. bis 8. September wird sie beim Bärenklauer Erntefest gewissermaßen die Schirmherrin der großen Feier sein.

„Ich bin ein wirkliches Dorfkind“, sagt Constanze Fender. „Ich bin hier aufgewachsen und liebe mein Dorf.“ Sie lebt in Wendemark, ein wenig abseits vom eigentlichen Dorf. „Wir sind die hinter der Autobahn“, sagt sie und lächelt. Jedes Jahr fahren die Fenders beim Ernteumzug mit. Natürlich auch dieses Jahr. „Das Schmücken beginnt eine Woche vorher“, erzählt die Erntekönigin. Läuft der Trecker? Brauchen wir eine Regenplane? Am Freitag vor dem Umzug geht es dann wirklich los mit den Vorbereitungen, inklusive kochen und backen. „Wir könnten eine ganze Woche auf dem Wagen überleben.“ Am Sonnabend sind alle ab 7 Uhr auf den Beinen. „Meine Tante ist der kreative Kopf unserer Familie.“ Dieses Jahr könnte es bei den Blumen schwierig werden. „Wegen des Wetters war die Blumenernte nicht so gut.“ Als Erntekönigin ist Cons-tanze Fender während des Festes immer in Bärenklau präsent. Sie kommt zum Gottesdienst, fährt beim Umzug mit, ist bei der Siegerehrung dabei.

Im „wahren Leben“ ist sie Augenoptikergesellin in Velten. Nach dem Abitur am Hedwig-Bollhagen-Gymnasium wollte sie einen handwerklichen Beruf erlernen. Zahntechnikerin hätte sie sich auch ganz gut vorstellen können. Seit einem Jahr hat sie ausgelernt. „Ich erlebe jeden Tag etwas Neues, das macht meinen Beruf so spannend“, erzählt sie. Eines ihrer Hobbys ist die Fitnesssportart Tae Bo. Auch geht sie sehr gern auf Konzerte von Seeed, Bosse, Philipp Poisel oder Helene Fischer. „Ich bin ein großes Radiokind und höre sehr viel Musik.“ Einen Erntekönig gibt es übrigens nicht. Die 24-Jährige ist Single.

Wenn sie am Sonnabend, 7. September, als Erntekönigin auftritt, dann wird sie ein schönes Kleid, eine Schärpe und ein kleines Krönchen tragen. Sie freut sich sichtlich auf ihre Aufgabe.

RTelenovela

Schwalbenschwarm

Donnerstag, den 25. Juli 2013
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Wenn es dämmert über dem Bernsteinsee in Velten, dann kommen die Schwalben. Und es sind nicht nur drei oder vier. Es ist ein ganzer Schwarm.
Es beginnt ziemlich plötzlich. Die Sonne ist schon weg, es dämmert, es sind kaum noch Leute am Strand, die Beachvolleyballanlage dahinter ist auch schon verwaist. Da kommen sie: Erst nur ein paar Schwalben, die wild über dem See umherfliegen. Immer mal wieder bewegen sie sich in Richtung der Bäume am Ufer. Da scheinen sie überall zu sitzen, denn plötzlich werden es mehr Schwalben.
Es ist kein Schwarm, der parallel hinter- und nebeneinander fliegt. Die Vögel fliegen kreuz und quer.
Am Ende ist der Himmel über dem See voller dunkler Punkte, dazu das hohe Piepen. Faszinierend. Ich hätte dem Treiben ewig zugucken können, aber der Supermarkt hat ja auch nicht ewig geöffnet…

aRTikel

1993: In Oranienburg brennen neun Autos ab

Samstag, den 13. Juli 2013
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Mai/Juni 1993 -> 25.6.2013

Vor 20 Jahren: Feuer im Wohngebiet / Verfall des Groß-Ziethener Schloss setzt sich fort / Politisches Gezerre um Zühlsdorf

MAZ Oranienburg, 13.7.2013

Was passierte vor 20 Jahren im damaligen Kreis Oranienburg? Diesmal der Juni und Juli 1993.

OBERHAVEL
Die Vehlefanzer sind empört. Der Harley-Davidson-Klub veranstaltete am 12. Juni 1993 eine Party in den Weinbergen und rollte durch das dort entstandene Biotop. Nun steht der Schlamm in dem Gebiet knietief, das satte Grün ist verschwunden. Ein Skandal, finden die Anwohner.

In Flatow, Sommerfeld und Kremmen fallen die Sitzungen der Gemeinde- und Stadtparlamente aus. Grund: Die Ratsmitglieder fehlen. Kremmens Stadtverordnetenvorsteher Harald Kretzschmar sagt, dass inzwischen eine ganze Reihe Stadtverordneter nicht nur einmal durch Abwesenheit glänzt. Er schlägt eine Liste vor, auf der die Fehlenden vermerkt werden.

Bei der Osthaveländischen Eisenbahn (OHE) wird laut über eine Straßenbahnlinie von Berlin-Spandau nach Hennigsdorf nachgedacht. Eine Verlängerung bis Velten sei nicht auszuschließen. Doch zuvor muss der Berliner Senat grünes Licht geben, dass die OHE überhaupt wieder in den Personennahverkehr einsteigen darf.

Der Verfall des Schlosses in Groß-Ziethen setzt sich fort. Es gebe jetzt ausreichend fließendes Wasser, sagt Mieter Peter Schupik. Damit meint er allerdings, dass es durchregnet. Wenn nicht bald etwas geschehe, sei das Haus reif zum Abriss. Der Schornsteinfeger weigert sich bereits, das Dach zu betreten.

Oranienburger Einzelhändler protestieren Mitte Juni 1993 gegen das geplante Einkaufszentrum auf dem alten Krupp-Gelände nahe der Breiten Straße. Mit verhängten Schaufenstern demonstrieren sie, was passieren könnte, wenn sich in Sachen Einkauf der Schwerpunkt aus der Innenstadt rausverlagere. Die Kunden sind weniger begeistert. „Das ist doch Zirkus“, sagt ein Rentner. Jeder Händler sei selbst für seinen Erfolg verantwortlich.

Das Gezerre um Zühlsdorf geht weiter. Die Kommunalaufsichtsbehörde in Oranienburg klagt gegen die von Innenminister Alwin Ziel abgesegnete Entscheidung der Zugehörigkeit Zühlsdorf zum Amt Schildow und damit zum Kreis Oranienburg. Durch diese Klage gehört Zühlsdorf nun plötzlich wieder zu Wandlitz und damit zum Barnim. Der Wandlitzer Amtsdirektor Dellmann spricht von einem „operettenhaften Gezerre“, für Zühlsdorfs Bürgermeister Thomas Henning ist das ein Skandal.

Eine englisch-israelische Investorengruppe will an der Friedhofstraße in Bötzow ein Wohngebiet mit 40 Häusern errichten. Das gibt Bürgermeister Gerd Eickenhorst am 17. Juni 1993 bekannt.

Aus dem PSV wird der OHC. In Oranienburg gründet sich ein neuer Handballverein: Die Polizeisportverein ist Geschichte, nun gibt es den Oranienburger Handballclub. Erster Präsident ist Norbert Rohde.

Bürger aus Schwante und Vehlefanz haben den Regionalentwicklungsverein Mühlensee ins Leben gerufen. Der Vorsitzende Dietmar Sturzbecher sieht Nachholbedarf bei der Dorferneuerung.

In der Innsbrucker Straße in Oranienburg gehen in der Nacht zum 28. Juni 1993 neun Autos in Flammen auf. An einem der Pkw fand die Polizei später Einbruchsspuren. Weil sie wohl nicht erfolgreich waren, zündeten die Täter ein Auto an, der Brand griff über.

Am 1. Juli 1993 bekommt Ostdeutschland neue Postleitzahlen. Oranienburg wechselt von 1400 zu 16515. In der Kreisstadt liefen die Vorbereitungen seit vier Wochen, alles soll problemlos laufen.