RTZapper

Zürich-West by Night

Samstag, den 15. Juni 2013
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FR 14.06.2013 | 22.45 Uhr | 3sat

Mehr als sieben Stunden live aus einem Züricher Stadtviertel. Einmal live durch die Nacht und das Szeneleben. Das Schweizer Fernsehen macht es mit “Zürich-West by Night” möglich, und 3sat bringt es uns nach Deutschland.

Es wird ja immer wieder beklagt: Es gibt immer seltener gutes, innovatives, überraschendes Fernsehen. Eine spannende Idee ist es, live und eine ganze Nacht aus einer Stadt zu senden und zu sehen, was da eigentlich so passiert. Solche Formate gab es vor 10 oder 15 Jahren öfter, in Deutschland wird so etwas viel zu selten probiert. Seit der Eventdoku “24h Berlin” hat sich da leider wenig getan.

Dass sich die Live-Reportage dann leider als doch nicht so spannend herausstellt, liegt an der recht biederen Umsetzung. Es wird in Clubs geschaltet, aber der Sender SRF hat nicht so wirklich oder viel zu selten den Mut, einfach mal so raus zu gehen, einfach nur spazieren zu gehen, sich treiben zu lassen. Das Unvorhersehbare kommt dann doch ein bisschen zu kurz. Auch fehlen echte Sympathieträger, die durch die Nacht führen.
Dass das Schweizer Fernseher solche Aktionen aber überhaupt macht, ist aller Ehren wert.

RTZapper

TV total Wok-WM 2012: Werbung Schweiz

Montag, den 12. März 2012
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SA 10.03.2012 | 20.15 Uhr | ProSieben Schweiz

Man könnte ja meinen, dass die Leute bei ProSieben halbwegs professionelles Fernsehen machen.
Für die schweizer Version bin ich mir da nicht so sicher.

Als am Sonnabend die Wok-WM 2012 ausgetragen wurde, lief das Event natürlich auch auf ProSieben Schweiz. In den Werbepausen gibt es dort spezielle Spots, teilweise auch in Switzerdütsch.
Nun scheinen jedoch die deutschen und schweizerischen Werbeblöcke unterschiedlich lang zu sein. In der Schweiz muss die Zeit also mit diversen Trailern aufgefüllt werden. Die enden dann mittendrin und abrupt mit der Fortsetzung der Live-Show.
Das kann man auch anders machen, das wirkt nicht sehr professionell.

Ähnlich sieht es scheinbar mit den Nur-ein-Spot-Pausen aus. Beim Wok-WM-Qualifying am Freitagabend kündigte Stefan Raab eine solche Pause an. Bei ProSieben Schweiz fiel die Pause dagegen aus, nach einer kurzen Schwarzblende ging’s schon weiter – womit auch bewiesen war, dass das Qualifying offenbar nicht live war.

RTZapper

Die schönsten Bahnstrecken Europas: Schweiz

Mittwoch, den 8. Februar 2012
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MO 06.02.2012 | 2.40 Uhr (Di.) | Das Erste

Ich war mal wieder verreist. Habt ihr nicht gemerkt? Es war auch eine recht kurze Reise – aber dafür sehr schön.
Ich bin mit dem Zug in der Schweiz gewesen, auf Tour mit dem Bernina-Express. Herrlich! Eine wahnsinnig spannende Fahrt! Erst waren die Berge nur von weitem zu sehen. Der Zug schlängelte sich durchs Tal, rollte ins nächste Dorf und verwandelte sich kurzzeitig in eine Straßenbahn. Nicht ungefährlich, denn der Zug rollte den Autos auf ihrer Fahrbahn entgegen. Und dann fuhren wir bei schönstem Sonnenschein in die Berge. Eine lange, ewig lange Rechtskurve, der Beginn von mehreren Schleifen, mit denen sich der Zug langsam ins Gebirge vorkämpfte. Die Vegetation begann schon, karger zu werden.

Aber dann – das plötzliche Ende. Frank Plasberg winkte mir zu, die Bahnfahrt fand ein abruptes Ende.
Okay, es war natürlich keine echte Fahrt mit dem Berninaexpress – die habe ich bereits 2010 hinter mich gebracht. Diesmal verreiste ich eine gute halbe Stunden lang mit der ARD. Im Ersten liefen in der Nacht zu Dienstag “Die schönsten Bahnstrecken Europas” – und die Fahrt mit dem Berninaexpress ist definitiv eine der schönsten in Europa.

aRTikel

Schneewüsten abseits der Gleise

Samstag, den 13. November 2010
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Schweiz: Die Strecke des Bernina-Expresses verbindet seit 100 Jahren den Norden mit dem Süden Europas

MAZ, 13.11.2010

Die Fahrt auf der 122 Kilometer langen Strecke beginnt in Chur in Graubünden und führt bis zu 2200 Meter hoch ins Gebirge.

Eine typische Floskel im Wetterbericht: Die Schneefallgrenze liegt bei 800 Metern. Wer in Chur im schweizer Kanton Graubünden in den Bernina-Express einsteigt, bekommt ein Gefühl für diese Schneefallgrenze. Die leichten Regentropfen verwandeln sich im Laufe der Fahrt in dicke Flocken.

Seit genau 100 Jahren führt die Berninalinie hoch hinauf in die Berge der Alpen. Die Strecke ist ein Meisterwerk der Ingenieurskunst: Während der 122 Kilometer langen Fahrt passiert der Zug 55 Tunnels und 196 Brücken, unzählige Viadukte und schmale Kurven. In den Panoramawaggons ist der Blick auf die Berge besonders beeindruckend.

Die Reise beginnt in Chur, der wohl ältesten Stadt in der Schweiz. Wie Ausgrabungsfunde belegen, ist der Ort etwa 5000 Jahre alt. Und die Einwohner haben wirklich Glück dort zu leben, denn Chur genießt ein echtes Privileg: wärmere Temperaturen als anderswo. Stichwort Kessellage. Die verkehrsberuhigte Altstadt ist geprägt von engen Gassen, schmalen, mehrstöckigen Häusern in diversen Baustilen. Immer im Hintergrund: die Berge.
In Chur startet dann auch der Trip in den Winter. Bei frühlingshaften 15 Grad und leichtem Regen beginnt die Fahrt mit dem Bernina-Express. Erstaunlich rasant legt sich der Zug in die weitläufigen Kurven. Aus dem Regen wird Schneeregen. Aus dem Schneeregen Schneefall. In Preda ist kaum noch das Ortsschild des Bahnhofes zu erkennen, so sehr flockt und wirbelt es. Die Touristen ziehen bereits ihre Schlitten zu den Rodelbahnen.

Zwischenstopp in Pontresina, einer 2000-Seelen-Gemeinde in der Nähe von St. Moritz. Hoch oben in den Bergen auf etwa 1800 Metern Höhe prallen in dem Engadinerdorf Tradition und Moderne aufeinander. Fachwerkhäuser stehen neben neuartgen Hotelbauten. Wer sich einen Pferdeschlitten mietet, kann die klare Luft besonders genießen. Meistens jedenfalls: begleitet vom rhythmischen Klingeln der Pferdeglöckchen – was fast etwas Spirituelles hat – und dem hin und wieder ebenso rhythmischen Furzen der Tiere.

Die Weiterfahrt auf der Berninalinie von Pontresina nach Poschiavo ist dann einfach nur noch atemberaubend. Kurve um Kurve, Meter um Meter rauscht der Zug immer weiter nach oben. Der Schnee wird höher und höher, irgendwann ist die Baumgrenze erreicht und man sieht nur noch: weiß. Meterhohen, unberührten Schnee. Rechts und links der Bahnstrecke türmen sich die grellen Massen. Diverse Schranken versperren Straßen, die momentan gar nicht existieren, tief verschneit sind. Hier und da fräst sich eine Schneemaschine durchs dicke Pulver. Von einigen der Hänge rasen die Skifahrer herab und wedeln elegant ins Tal.
Eine ganze Fahrt voller Fotomotive. Die Passagiere des Zuges laufen dementsprechend während der Fahrt im Waggon immer hin und her. Rechte Seite, Fenster auf, Foto. Linke Seite, Fenster auf, noch zwei Fotos. Vorbei geht es an der Wasserscheide zwischen Adria und Schwarzem Meer, an großen zugefrorenen, zugeschneiten Seen. Nur noch eine weiße Fläche. So weit das Auge reicht. Beim Zwischenstopp in Alp Grüm bleiben genau drei Minuten Zeit zum Aussteigen. Den Reisenden zeigt sich ein fantastisches Alpenpanorama. Über Brücken, Viadukte, durch enge Kurven und lange Tunnels geht es weiter. Bis zu 2200 Meter hoch fährt der Zug – bis zum Berninapass, wo sich nur noch weite Schneewüsten rund um die Gleise erstrecken. Dann beginnt auch schon die Abfahrt zurück ins Tal – in den südlichen Teil Europas. Der Zug schlägt Brücken zwischen Sprachregionen und Kulturen. Seit mehr als zwei Jahren gehört die Strecke von Thusis bis Tirano zum Unesco-Welterbe.

Schon eine gute halbe Stunde, bevor der Zug Poschiavo erreicht, präsentiert sich der kleine Ort den Bahnreisenden. Der Zug fräst Meter um Meter nach unten und bewältigt einen Höhenunterschied von 1200 Metern. Poschiavo liegt bereits in der italienischsprachigen Schweiz. Ein kleines, ruhiges Dorf in etwa 1000 Metern Höhe mit 5000 Einwohnern. Poschiavo ist bekannt für die Druckerei Landolfi. Dort wurde die erste reformatorische Bibel für Italien gedruckt. Das musste damals so geheim bleiben, dass „gedruckt in London“ auf den Büchern stand. Interessant ist die Via di Palaz. Als einst die dortigen Häuser gebaut wurden, wollten die Besitzer unbedingt mit ihren Kutschen bis vor die Haustür fahren. So führt die Straße direkt am Haus vorbei. Wer in den Garten will, muss diese Straße überqueren. So führt die Via di Palaz also mitten über die Grundstücke.
In der Ferne aus den Bergen kündigt sich der nächste Berninazug an. Die laut quietschende Bahn bildet den Soundtrack des Dorfes.


Informationen:
Anreise: Diverse Airlines bieten Flüge von Berlin nach Zürich an, darunter Swiss und Air Berlin. Nach Chur fahren verschiedene Euro- oder Intercity-Züge. Der Bernina-Express fährt von Chur, Davos oder St. Moritz nach Tirano (Italien).
Unterkunft: Beispielsweise im „Hotel Chur“ am Obertor in Chur, Doppelzimmer ab 82,50 Euro (www.hotelchur.ch). „Sporthotel Pontresina“, Doppelzimmer etwa 160 Euro pro Nacht (www.sporthotel.ch).
Ausflüge: Rund um Chur gibt es 937 Berge mit mehr als 500 Bergbahnanlagen. Viele Hotels haben sich auf Wintersport spezialisiert. In Chur befinden sich das Rätische Museum und ein Naturmuseum. Noch bis 31. Dezember ist im Bahnhof von St. Moritz eine Austellung über das Unesco-Welterbe Rhätische Bahn zu sehen. Bis 19. Dezember gibt es den Bernina-Jubiläumspass mit einigen Zusatzleistungen neben der Fahrt an sich. Eine Sammlung von Gemälden des 19. Jahrhunderts zeigt das Kunstmuseum in Poschiavo.
Auskünfte: www.graubuenden.ch; www.bernina-express.ch.

RTelenovela

Schweiz (4): Die Sache mit dem W-Lan

Montag, den 1. März 2010
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(3) -> 28.2.2010

Die Sache mit dem Internet funktioniert in der Schweiz schon ganz gut. Wenn man mal von Savognin absieht. Da funktioniert es nur so lange jemand in der Rezeption des Hotels rumsteht.
Mitternacht. Ich hatte die irrwitzige Idee, das Internet auf meinem Laptop anzuschmeißen. Die Dame an der Rezeption meinte schon, sie könne nicht garantieren, dass das W-Lan bis zum Zimmer funktioniert.
Funktioniert es nicht.
Und um Mitternacht auch nicht an der Rezeption. Da ist die nämlich für den Hotelgast unerreichbar. Und wahrscheinlich ist das W-Lan-Teil sowieso ganz außer Betrieb.
Nun gut, ich hätte natürlich in die verqualmte Bar gehen können, die im Erdgeschoss des Hotels liegt. Aber auf Zigarettenqualm hatte ich nun überhaupt gar keine Lust.
Ich hatte danach irgendwie schlechte Laune.

Halten wir fest: Savognin hätten wir uns sparen können, und das nicht wegen der Internetnummer. Der Ort hatte für uns wenig bis nichts zu bieten, was wir später für unsere Artikel weiterverarbeiten könnten. Wenn mein Text zur Reise (wohl erst vor der Wintersaison 2010/11) erscheint, werden wohl eher die Orte entlang des Berninaexpresses eine Rolle spielen.

Wir hatten auf unserer Rückreise vier Stunden Zeit, bis in Chur unser Zug nach Zürich fuhr. Wir hätten die Zeit auch in Zürich verbringen können, aber da war laut Verhersage das Wetter schlechter.
Aber der Abstecher nach Chur hat sich gelohnt. Der Ort wirkt zwar am Sonntagmittag so tot wie es nur geht, aber dafür besuchten wir einen Gottesdienst in der Katherale von Chur. Erstaunlicherweise wurde der in Hocheutsch abgehalten. Also in richtigem Hochdeutsch, komplett dialektfrei.

Auf dem Rückflug von Zürich nach Berlin genossen wir einen besonderen Service: die Businessclass. Herrlich. Ich wusste ja bisher gar nicht, was es eigentlich bedeutet in der Businessclass zu fliegen. Es bedeutet: schneller durch die Sicherheitskontrollen. Es bedeutet, bessere Plätz mit mehr Freiraum. Besseres Essen, Getränke bis zum Abwinken. Ein Kissen und Personal, das sich kümmert. Ein Traum. Wenn ich mal viel Geld habe…

Aber, liebe Züricher: Es ist ja schön, wenn der Flughafen W-Lan anbietet. Wenn es aber dermaßen lahm ist, dass nicht eine Seite abrufbar ist, dann kann man es gleich bleiben lassen. Nur E-Mails ließen sich abrufen – und die Google-Startseite…
Mit dem Mond im Fenster flogen wir dann zurück nach Berlin – am Orkan vorbei, der über Südwestdeutschland wütete und noch bevor der Sturm in der Hauptstadt ankam.

Schweiz – vielleicht komme ich wieder. Der Berninaexpress im Frühjahr oder Sommer: Das würde mich noch mal reizen! Und dann noch mal die malerischen Dörfer am Rande der Strecke. Ganz sicher ein Traum.

RTelenovela

Schweiz (3): Lauter Fotomotive

Sonntag, den 28. Februar 2010
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(2) -> 26.2.2010

Alles wird gut, lautet ein Spruch. Und heute war alles gut. Das Wetterdebakel vom Freitag ist vergessen. Unsere Weiterfahrt auf der Berninalinie von Pontresina nach Poschiavo war begleitet von strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel.
Die Fahrt über den Berninapass ist wirklich atemberaubend. Kurve um Kurve , Meter um Meter rauscht der Zug immer weiter nach oben. Der Schnee wird immer höher, irgendwann ist die Baumgrenze erreicht und man sieht nur noch: Schnee. Meterhohen, unberührten Schnee. Rechts und links der Bahnstrecke türmen sich die weißen Massen. Diverse Schranken sind runtergefahren worden, obwohl der dazugehörige Weg momentan nicht existiert, tief eingeschneit ist. Hier und da fräst sich eine Schneemaschine durchs dicke Pulver. Von einigen der Hänge rasen die Skifahrer herab. Die ganze Fahrt voller Fotomotive. Wir liefen im Waggon immer hin und her. Rechte Seite, Fenster auf. Linke Seite, Fenster auf. Vorbei geht es an der Wasserscheide zwischen Adria und Schwarzem Meer, große zugefrorene, zugeschneite Seen. Nur noch eine weiße Fläche. So weit das Auge reicht.
Zwischenstopp in Alp Grüm. Wir haben drei Minuten Zeit zum Aussteigen. Uns bietet sich ein fantastisches Alpenpanorama. Und über Brücken, Viadukte , durch enge Kurven und lange Tunnel geht es weiter. Mehr als 2200 Meter hoch fährt der Zug, bevor es wieder nach unten geht.

Schon lange bevor wir in Poschiavo angekommen sind, konnten wir den Ort von oben sehen. Poschiavo liegt bereits in der italienischsprachigen Schweiz. Ein kleines, ruhiges Dorf in etwa 1000 Metern Höhe mit 5000 Einwohnern. Der quietschende Berninaexpress bildet den Soundtrack des Dorfes, wie unser Reiseführer erzählte.
Poschiavo ist bekannt für die Druckerei Landolfi. Dort wurde die erste reformatorische Bibel für Italien gedruckt. Und das musste so geheim bleiben, dass „gedruckt in London“ draufstand.
Interessant ist die Via di Palaz. Als einst die dortigen Häuser gebaut wurden, wollten die Besitzer unbedingt mit ihren Kutschen vor die Haustür fahren. So führt die Straße direkt am Haus vorbei. Wer in den Garten will, muss diese Straße überqueren. So führt die Via di Palaz also mitten über die Grundstücke.

Rücktour auf der Berninastrecke. Nochmal die atemberaubende Landschaft – bis St. Moritz, wo wir in einen Postbus umstiegen. Die Post sorgt in der Schweiz nämlich auch für den Busverkehr, und ich habe mir sagen lassen, dass das in Deutschland auch mal so war.
Ziel der Fahrt war der Ort Savognin. Und wieder ging’s über die Berge, über den Julierpass, wieder mehr als 2000 Meter, wieder über die Baumgrenze, wieder weiße Wüste, Schnee bis zum Abwinken. Und enge Straßen, Kurven und Serpentinen. War eine Kurve besonders eng, hupte der Busfahrer. Wir hörten einen lustigen Dreiklang, der aus einer Wilhelm-Tell-Oper stammen soll.

Nun ja, nun sind wir also in Savognin, ein kleiner Ort mit ein paar Geschäften und einer Ski-Abfahrt sowie einer Schlittelbahn, einer Rodelbahn. Letztere konnten wir leider nicht benutzen, weil sie wohl am Abend vereist war.
Schade, denn wir hätten sehr viel lieber noch eine weitere Nacht in Pontresina verbracht. In Savognin gibt es für uns wenig zu entdecken.

Morgen ist Rückreisetag. Je nach Wetterlage (angesagt sind Regen in Zürich, föhnige 18 Grad in Chur)
machen wir uns noch ein paar nette Stunden, gegen Abend geht der Flieger nach Berlin.
Die letzte Nacht in der Schweiz, und draußen weht ein kräftiger Wind.

RTelenovela

Schweiz (2): Pferdefurz und Alpenschnee

Freitag, den 26. Februar 2010
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(1) -> 26.2.2010

Dies ist nun der zweite Brief, den ich euch schreibe, ihr Lieben, in welchem ich euch wiederum erinnere und erwecke einen lauteren Sinn.
Das passt, ist aber nicht von mir. Das ist aus dem Neuen Testament, aus dem zweiten Brief des Petus. Das Buch liegt in einer der Schubladen meines Hotelzimmers in Pontresina. Der Ort ist in der Nähe von St. Moritz und liegt in gut 1800 Meter Höhe. Ganz schön hoch. Und im Gegensatz zu Chor in nur etwa 600 Metern Höhe liegt hier auch Schnee. Schnee. Und Schnee.

Der Morgen begann in Chur mit Regen. Sauwetter. Als ich durch das Fenster sehe, rollt gerade ein Zug mitten durch die Stadt. Aber keine Straßenbahn, sondern ein richtiger Regionalexpress mit Lok und einem Güterwaggon. In Chur ist das normal, und es scheint auch völlig ohne Schrabken und Ampeln zu funktionieren. Einmal tuten reicht.

Es sollte mein Höhepunkt dieser Tour werden: die Fahrt mit dem Berninaexpress von Chur nach Pontresina. Aber das Wetter spielte nicht mit. Immer noch Sauwetter. Regen. Nebel, Dunst. Es war so gut wie nichts zu sehen von der herrlichen Landschaft. Nur, dass aus dem Regen irgendwann Schnee wurde. Und je höher wir kamen, desto mehr Schnee war auch zu sehen. Hoher Schnee in Oranienburg? Auf Rügen? Nichts gegen den Schnee in den Alpen. Kurve um Kurve und mit erstaunlich hoher Geschwindigkeit rauschte unser Zug den Berg hoch.
Die Strecke gehört zum Unesco-Weltkulturerbe. Mit seinen atemberaubenden Viadukten und Brücken, den Blicken in die Täler und auf den Rhein – ja, das hätte gigantisch werden können. So war es leider nur verregnet, verschneit und vernebelt.
Aber nach jedem Tief kommt ein Hoch.

Bevor wir in Pontresina ausstiegen, kramte ich erst mal meine dicke Jacke wieder raus, meinen Ohrenwärmer und meine Handschuhe. Wir hatten nämlich eine Pferdeschlittenfahrt vor uns.
Wir setzten uns in die Kutschen, wir bekamen dicke Decken für Füße und Beine, und los ging’s.
Herrlich. Das Wetter spielte nach anfänglichem Schneefall auch mit, so dass wir nun durch die winterliche Berglandschaft glitten. Begleitet vom rhythmischen Klingeln der Pferdeglöckchen – was fast etwas Spirituelles hatte – und dem hin und wieder ebenso rhythmischen Furzen der Pferde. Wenn deren Lüftchen verflogen war, hatten wir herrliche Luft. So klar, so rein. Die entsprechende Sicht war ebenso gigantisch. Direkt neben uns die Schneeberge und um uns herum die Alpen.

Zwischenstopp in Val Roseg. Mittagessen. Zum Nachtisch stand uns ein Büfett zur Verfügung, das seines Gleichen sucht. Hier nur ein Auszug: Zabalione, helle und dunkle Mousse au Chocolat, Panacotta, Cremé Brulee, Tiramisu, Sachertorte, Obstkompott, diverse weitere Kuchen.
Und die Zabalione war die Beste, die ich je gegessen habe. Also, wenn ihr mal in der Gegend sein solltet…

Und morgen: zwei Zugfahrten, ein Spaziergang durch Poschiavo, ein Raclette-Essen und ein Schlittelplausch. Was das ist, verrrate ich beim nächsten Mal. Und erste Fotos gibts bei meinVZ.