RTZapper

Vorschau: Globus-Geschenkaktion

Samstag, den 28. November 2015
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FR 27.11.2015 | 19.50 Uhr | Ostseewelle

Tja, liebe Radiohörer, was könnte man denn Tolles am Sonnabend machen? Bei der Ostseewelle hatten sie da am Freitagabend eine schöne Idee: Weihnachtsshopping im Rostocker Globus-Baumarkt. Das mache schließlich totalen Spaß.
Heißa! Und ein Schelm, wer da an versteckte Reklame denkt. Denn versteckt da kaum noch etwas, obwohl es sich um einen Werbeblock, sondern um eine Moderation zwischen zwei Musiktiteln handelte.

Es stellte sich heraus, dass es sich um ein Gewinnspiel handelt. Die Ostseewelle-Hörer bekommen am Sonnabend nämlich Gutscheine von Globus geschenkt. Klar, das muss beworben werden – aber muss es so plump sein?

Es scheint jedoch eine Masche zu sein, denn einige Zeit vorher gab es bei der Ostseewelle schon eine ähnliche Moderation. Was denn das Highlight am Sonntag sei: Natürlich, der 13. Geburtstag von Media Markt in Greifswald. Auch da müsse man ja unbedingt hin, was Schönes gibt es doch nicht.
Wieder kein Werbeblock, klang aber trotzdem ganz schön werbig, und natürlich stand auch hier ein Gewinnspiel im Hintergrund.
Mit der Trennung von Reklame und Programm scheint es bei der Ostseewelle nicht so gut bestellt zu sein.

RT im Kino

Wir sind jung. Wir sind stark.

Montag, den 26. Januar 2015
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Ein Tag in Rostock-Lichtenhagen. Kein normaler Tag. Es ist der 24. August 1992. Die deutsche Einheit ist knapp zwei Jahre her, vom Wirtschaftsboom ist im Osten Deutschlands noch nicht allzu viel angekommen. Die Leute sind frustriert, die Jugendlichen haben nichts zu tun. Die Politik hat scheinbar eine vernünftige Asylpolitik verschlafen, das Heim in Lichtenhagen ist überfüllt, die Bewohner campieren draußen, und die Einheimischen fühlen sich provoziert.
Es gehört zu den dunkelsten Kapiteln der jüngsten deutschen Geschichte: die Krawalle von Lichtenhagen. Burhan Qurbani zeigt in seinem unbedingt sehenswerten, und in der jetzigen Zeit sehr aktuellen Film, was an diesem einen besagten Tag geschehen ist.

Die Stimmung im Hochhausviertel ist angeheizt, alle wissen: Heute Abend knallt es. Wieder. Die örtlichen Politiker spielen das Problem runter, sei es aus Naivität, aus Blöd- und Blindheit oder aus Gier nach höheren Posten.
Stefan (Jonas Nay), der Sohn des Bürgermeisters, und seine Gruppe stromern durchs Viertel. Freundschaft und Liebe haben keine größere Bedeutung, sie sind nur irgendein Status. Ihren Frust wollen sie aber loswerden – heute Abend am Heim.
Dort drin machen sich die Bewohner, u.a. die Vietnamesen im benachbarten Hochhaus, schon Sorgen. Was wird heute nacht geschehen? Auch dort gehen die Meinungen auseinander: Angst und Sorglosigkeit. Schließlich hätten es die Deutschen ja auf die Ausländer abgesehen und nicht auf sie.
Unterdessen wird die Stimmung draußen immer aufgeheizter.

“Wir sind jung. Wir sind stark.” ist ein sehr packender, aber auch extrem niederschmetternder Film. Er zeigt, was passiert, aber er gibt eigentlich keine Antworten auf irgendwelche Fragen. Warum die Jugendlichen so brutal sind – es scheint einfach so zu sein. Warum auch immer. Der pure Frust und Lust aufs Kaputtmachen. Und weil die anderen ja auch mitmachen. Schlechtes Gewissen? Fehlanzeige. Wir sehen aber auch, wie Politiker versagen, wie sie den Kopf einziehen, einfach versuchen, die Sache auszusitzen. Wie die Polizei einfach verschwindet – um dann später kopflos und überfordert wieder eingreift.
Wir sehen das komplette Scheitern – und das in Schwarz-Weiß. So lange, bis die Jugendgruppe dem Fernsehen ein Interview gibt, dann kommt plötzlich Farbe und Breite in den Film. Als ob uns Burhan Qurbani noch mal ganz deutlich vor Augen führen wollte: Das ist alles Realität.
Gerade demonstrieren Pegida und Co. gegen die Asylpolitik. Dieser Film zeigt, was passiert, wenn man sich um die Ängste der Leute nicht kümmert und wohin Frust und Hass führen kann.

Wir sind jung. Wir sind stark.
D 2014, Regie: Burhan Qurbani
Zorrofilm, 128 Minuten, ab 12
9/10

RT im Kino

Das System – Alles verstehen heißt alles verzeihen

Donnerstag, den 12. Januar 2012
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Am Ostseestrand von Warnemünde thront das Hotel Neptun und überstrahlt alles. Bis zur Wende stand für einen Ort in der DDR, in dem die Mauer scheinbar überwunden wird. Westgeld wechselte den Besitzer wahrscheinlich häufiger als Ostgeld. Es ist einst zur Devisenbeschaffung gebaut worden – vor allem für Geschäftsleute aus dem Westen. Willy Brandt war dort. Auch Uwe Barschel. Und Fidel Castro. Die Liste ist sehr lang. “Da wurde Globalisierung betrieben, bevor dieser begriff überhaupt erfunden wurde”, sagt Regisseur Marc Bauder.
Für seinen Film über “Das System” rollt er die Vergangenheit des Hauses wieder auf. Und nicht nur das: Er zeigt ein Stück Geschichte aus der Nachwendezeit, als reihenweise Akten aus den Archiven der Staatssicherheit verschwunden waren.

Mike Hiller (Jacob Matschenz) bekommt die Vergangenheit deutlich zu spüren. Der 20-jährige Rostocker schlägt sich als Kleinkrimineller durch, bis er Böhm (Bernhard Schütz) kennenlernt, einen alten Freund seines verstorbenen Vaters. Der Mann hat eine Baufirma und einen großen Fisch an der Angel. Böhms Firma soll mit an der Erdgas-Pipeline bauen, die mitten durch Mecklenburg-Vorpommern führt. Wie er an den Auftrag kommt, ist alles nicht ganz astrein.
Mike lernt, dass die alten Seilschaften von vor 1989 immer noch funktionieren. Läuft etwas nicht nach Böhms Geschmack, dann kennt er eben die richtigen Leute, die die richtigen Akten noch in ihren Unterlagen finden.

“Das System – Alles verstehen heißt alles verzeihen” basiert auf tatsachen und langjährigen recherchen über die Hintergründe des Baus der russischen Gas-Üipeline in Westeuropa. Bauder beruft sich auf die “Spiegel”-Geschichte von 2008 über Matthias Warnig, den Vorstandvorsitzenden der Pipelinebetreiber NordStream AG, der bis zum Mauerfall für die Stasi-Auslandsspionage gearbeitet hat. Auch die Machenschaften alter Stasi-Seilschaften haben sich Regisseur Marc Bauder und die Drehbuchautoren Dörte Franke und Khyana el Bitar nicht ausgedacht.
Der Film zeigt einen jungen Mann, der die DDR nie erlebt hat, der nun, 20 Jahre danach, aber feststellen muss, dass sie im Kleinen noch lebt. Dass es immer noch Menschen gibt, die ihre alten Selilschaften pflegen und auch ihr Wissen über die damalige Zeit. Jacob Matschenz macht das gut. In weiteren Rollen sind jenny Schilynund Heinz Hoenig zu sehen.
Bauders Film ist spannend, er macht stellenweise sprachlos und wütend. Schade, dass “Das System” weit mehr als ein Jahr auf einen kinostart warten musste.

7/10

RTelenovela

Warnemünde

Sonntag, den 4. September 2011
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Die Rechtsextremen. Sie versuchen mit aller Macht, wieder ins Landesparlament von Mecklenburg-Vorpommern zu kommen. Heute wird dort gewählt. Wer auf der B105 nach Rostock reinfährt, sieht die Plakate. Und man möchte kotzen. Die Straße ist gesäumt mit den Schildern, auf denen steht, man solle sich doch wehren, und sie seien die Nationalen. Unfreiwilligerweise empfängt Rostock seine Gäste mit den bedrückenden, rechten Botschaften und Parolen. Mitten im Zentrum von Warnemünde hängt ein ganz anderes Plakat: Wählt keine Nazis!
Merkt euch das!

Wir nutzten das wohl letzte richtige Sommerwochenende für einen Ausflug nach Warnemünde an der Ostsee. Wer dort hin will, kann durch Rostock gurken oder durch den Warnowtunnel fahren – eine Mautstrecke. Es ist das erste Mal, dass ich auf einer Mautstrecke unterwegs war. Die Fahrt durch den Tunnel unter der Warnow kostet 3,20 Euro. Nicht gerade billig. Nicht umsonst fahren sehr viel weniger Autos durch den Tunnel als bei der Planung gedacht. Die Mautstelle war nicht wirklich voll.

In Warnemünde zeigt sich mal wieder die Faszination der Menschen nach XXL-Fortbewegungsmitteln. Gleich zwei große Dampfer waren am Sonnabend im Hafen zu sehen. Eine, die schon angelegt hatte und eine, die am frühen Nachmittag in den Neuen Storm einfuhr. Die Schiffe überragen alles, was am Ufer steht. Man kann sitzen, wo man will – das Schiff ist zu sehen. Und wird bewundert.

Wo aber an der Ostsee ist es denn nun am schönsten? Warnemünde? Auf dem Darß? Auf Usedom? Auf Rügen? Der Mann an der Warnemünder Strandbar war sich sicher: Natürlich in Warnemünde. Hier gebe es einen breiten Strand. Der Alte Strom mit seinen vielen Kneipen und Geschäften um Ufer mache was her. Das Zentrum sei toll. Niemand hat ihm widersprochen.
Nur ich. Im Geiste. Ich kannte den Herrn ja nicht.
Warnemünde ist wirklich schön. Das Tolle ist, dass das Ostseebad in nur zwei Stunden von zu Hause erreichbar ist. Das lohnt sich für eine Tagestour. Und tatsächlich hat Warnemünde einen herrlichen Strand, schöne Bummelmeilen. Und doch – Binz. Na, ihr wisst schon.

-> Fotos

aRTikel

Klein, aber fein

Mittwoch, den 22. Juli 2009
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Porträt: Mira Haschke (23) und Jan Stange (19) leben seit einem Jahr als Studenten in Neuruppin

MAZ Neuruppin, 22.7.2009

Die Neuruppinerin kehrte fürs Studium in die Heimat zurück. Der Rostocker zog dafür extra von der Ostsee nach Brandenburg.

NEURUPPIN
Die reinste Idylle. Von ihrem Campus in der Neuruppiner Trenckmannstraße sind es nur wenige Schritte zum Ruppiner See. Mira Haschke und Jan Stange sitzen auf der Holztreppe am Ufer und blicken raus aufs Wasser. „Ich finde es sehr schön hier“, sagt Mira Haschke. „Der See, die Promenade und das Bollwerk sind immer die ersten Dinge, die ich zeige, wenn ich Besuch bekomme.“ Jan Stange lächelt und ergänzt: „Meine Eltern wollen mich am liebsten jedes Wochenende besuchen kommen.“

Mira und Jan studieren am Campus Neuruppin. Sie kam dafür in ihre Heimatstadt zurück, er zog extra aus Rostock nach Brandenburg. Der 19-Jährige aus der Ostseestadt beschäftigt sich mit Mittelstandsmanagement. Dazu gehören das Rechnungswesen und die Betriebswirtschaftslehre. Eigentlich wollte der blonde Mecklenburger nach Potsdam. „Erst später habe ich dann erfahren, dass mein Studiengang nach Neuruppin ausgesiedelt wurde“, erzählt Jan Stange. „Aber ich wollte das unbedingt machen, also war klar, dass ich herkomme.“ Nicht jeder in seinem Freundeskreis konnte diese Entscheidung verstehen. Jan grinst und sagt: „Viele fassten sich an den Kopf, hatten Vorurteile. Dabei ist Neuruppin ein kleines, niedliches Städtchen. Ich liebe es, so viel Wasser vor der Haustür zu haben.“ Jan wohnt im Neubaugebiet, sein zweites Zuhause ist jedoch der Sportclub Kempo Neuruppin, ein Kampfsportverein. „Ich bin fünfmal pro Woche dort, mache Kickboxen und Ju Jutsu“, erzählt der ehemalige Rettungsschwimmer. Dennoch wird er nach dem dreijährigen Studium wohl nicht in Neuruppin bleiben. „Das steht so gut wie fest“, sagt Jan. Ganz festlegen will er sich aber doch nicht – vielleicht bekommt er ja auch ein gutes Jobangebot in seiner jetzigen Studienheimat. „Ich möchte auf jeden Fall was mit Wirtschaft machen“, sagt er.

Für Mira Haschke ist Neuruppin schon immer ihr Zuhause gewesen. 2005 verließ die heute 23-Jährige mit dem Abi das Schinkelgymnasium und begann in Potsdam eine Lehre als Kosmetikerin. „Das erfüllte mich aber nicht“, sagt sie. „Ich wollte ins Gesundheitsmanagement.“ Mira bewarb sich erfolgreich am Neuruppiner Campus. Sie fühlt sich wohl in ihrer Heimatstadt. „Ich war noch nie ein richtiges Stadtkind“, sagt sie. „Und ich war froh, wieder näher bei meiner Familie zu sein.“ Viel Freizeit bleibt ihr neben dem Studium kaum. „Von neun bis 14 Uhr sitzen wir in den Seminaren“, erzählt Mira. „Und zu Hause sitzen wir dann auch noch mal ein paar Stunden über den Büchern.“ Wenn sie dann aber doch mal Zeit hat, spaziert Mira mit ihrem Hund die Seepromenade entlang oder geht abends in die „Unikum“-Kneipe in der Altstadt. „Manchmal ins Kino, öfter mal nach Potsdam oder Berlin.“

Abhängig ist das auch vom Geldbeutel, denn das Studium von Mira und Jan an der Privatuni kostet bis zu 500 Euro im Monat. Das Geld müssen die beiden aufbringen: Mira hat ein Teilstipendium und bekommt Geld von den Eltern. Bei Jan ist das anders: „Ich habe einen Studienkredit aufgenommen. Mir war von Anfang an klar, dass es nicht billig wird. Aber für mich lohnt es sich ganz sicher.“

RTZapper

Grönemeyers Rockgipfel: Deine Stimme gegen Armut

Donnerstag, den 7. Juni 2007
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DO 07.06.2007, 14.00 Uhr, EinsFestival

Ob es wirklich etwas bringt, wenn sich 70000 Leute vor eine Bühne stellen, um sich ein Musikkonzert anzuhören und um damit der Politik zu zeigen, dass sie sich für die armen Länder Afrikas einsetzen sollen, ist fraglich. Wie viele der 70000 sind wirklich in Rostock gewesen, um damit eine Aussage zu treffen? Wie viele der 70000 waren dann doch bloß da, um Grönemeyer, die Sportfreunde Stiller, Bono und Co. zu sehen?
Wie auch immer – eine durchaus beeindruckende Veranstaltung. Fast sechs Stunden lang gaben sich die Stars die Klinke in die Hand. Zwischendurch machten kleine Filme auf die Armut in Afrika aufmerksam. Stimmen gegen Armut aus Bangladesch, dem Sudan und weiteren Ländern Afrikas.
Auch wenn ich die Fingerschnips-Spots ein wenig seltsam fand: Grönemeyers Rockgipfel wird zwar nicht unmittelbar etwas bewirken können. Wen aber nur ein Viertel der Konzertbesucher über das Thema nachdenkt und diese Gedanken mit nach Hause nehmen, dann hat das alles schon was gebracht.

PS: Ganz versteckt lief die sechsstündige Liveübertragung des Konzerts bei EinsFestival. Das Erste schaltete sich erst 18.20 Uhr dazu. Auf die Livesendung wurde nirgends hingewiesen. Irgendwie funktioniert in der Hinsicht der ARD-Verbund nicht wirklich.

RTelenovela

Ein schönes Wochenende mit dem Schönes-Wochenende-Ticket

Samstag, den 31. August 2002
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„Schluss mit lustig!“ Diese Worte bekam die fünf Monate alte Jenny nach gut zweistündiger Bahnfahrt zu hören. Jenny ist ein Hundebaby. Und Jenny war wahrscheinlich die Tapferste an diesem Sonnabendmorgen im Regionalexpress nach Rostock. Denn wenn man es genau nimmt, gab es eigentlich gerade nichts Lustiges.
Das Wetter ist toll, die Sonne scheint. Warum also nicht mal mit dem Wochenend-Ticket der Bahn nach Rostock? Preiswert, einfach, schnell. Im klimatisierten Großraumwagen noch ein bisschen schlummern. So weit die Vorstellung. Die Realität sah ein wenig anders aus.
Sonnabend, 7.35 Uhr, am Gleis 20 des Oranienburger Bahnhofs. Dicht gedrängt warten die Leute auf den Zug, der eigentlich schon längst da sein müsste. Das mit dem Platz dürfte schwierig werden, das war jetzt schon klar. Wie schwierig, zeigte sich, als der Zug dann endlich einfuhr. Schon jetzt proppenvoll! Ohne Großraumwagen. Das kann ja heiter werden! Schlaf ade! Wie auch, ohne Sitzplatz? Die waren bereits alle besetzt, genau wie auch Gänge und Treppen. Himmel und Menschen, Koffer, Taschen, Fahrräder – der Regionalexpress platzte aus allen Nähten.
Als er den Bahnhof Oranienburg verließ, gab es nur die Möglichkeit, sich irgendwo festzuhalten. Andererseits fuhr der Zug nur im Schneckentempo. Wie lange bis Rostock? Mehr als zwei Stunden. Ohne Sitzplatz, im Stehen. Ich liebe Bahn fahren!
Not macht aber erfinderisch. So musste mein Rucksack als Sitzgelegenheit herhalten. Mitten im Gang saß ich also da und bemitleidete mich. Aber immer nur so lange, bis jemand kam, den ich vorbeilassen musste. Und so schlich unser Zug durch die Gegend: durch Felder und Wälder, an der Großbaustelle des Granseer Bahnhofs vorbei, weiter gen Norden.
Jenny war die Einzige, die uns Freude machte. Obwohl Frauchen der Meinung war, dass sie viel zu unruhig sei. Oder muss sie vielleicht mal? Abhilfe wurde geschaffen: Einfach eine „B.Z.“ auf den Boden gelegt, da könne sie Pipi machen. Aber dafür, ganz tapfer, war selbst Jenny mit ihren fünf Monaten zu stolz. Statt Pipi zerfledderte sie lieber die „B.Z.“ und war damit eine Weile beschäftigt.
Glücklicherweise war die Anteilnahme unter den Sitzenden so groß, dass sie, als sie mal auf den Topf mussten, den Stehenden ihren Platz überließen.
Mit gut 20 Minuten Verspätung rollte der Zug in Rostock ein. Und raus! Endlich!