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Rügen 2018 (4): Zurück in den Winter

Freitag, den 30. März 2018
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-> 7.1.2018

Eigentlich dachten wir, dass ja der Frühling nun langsam mal wirklich begonnen hat. Ganz falsch.
Um so weiter wir nach Norden kamen, desto weißer wurde die Gegend. Schon vorher konnte man auf Facebook sehen: Auf Rügen ist wieder Winter. Mehrere Zentimeter Neuschnee waren gefallen.

Erstmals so richtig gesehen haben wir das in Miltzow bei Greifswald. Dort lag der Schnee zentimeterhoch auf den Wegen.
Immerhin, die Fähre von Stahlbrode nach Glewitz ist in Betrieb – aber auch das später als geplant. Vorher war noch zu viel Eis im Strelasund. Später Winter.

Putbus ist ein Wintersportort. Der Schlosspark ist ganz in Weiß gehüllt, am Zaun stehen Wildtiere und lassen sich füttern.
Die Landesstraße führt bergauf durch ein Waldstück, und schon überlegt man, ob man eigentlich Skier mit hat.

Am Strand in Binz steht natürlich noch die Glühweinbude, bei der wir schon zum Jahreswechsel “einkaufen” waren. Seit Ewigkeiten sehe ich die Ostsee mal wieder mit höherem und rauschendem Wellengang. Schön, auch im, ähm, Frühling.

RT liest

Katharina Peters: Leuchtturmmord

Freitag, den 28. April 2017
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(4) -> 18.5.2016

Schon wieder ein Mord auf Rügen: Am Leuchtturm in Maltzien auf der Halbinsel Zudar wird eine junge Frau gefunden. Es ist Merle Zober aus Putbus, sie war zweifache Mutter und gerade mal 28 Jahre alt.
Kommissarin Romy Beccare und ihr Team fischen im Dunkeln – zunächst. Sie finden heraus, dass die Frau ein Verhältnis mit einem Mann hatte, der Kontakte ins Rotlichtmilieu hat.
Es gibt aber weitere Merkwürdigkeiten: Merle gehörte zu einer Jugendclique, dessen Mitglieder nach und nach ums Leben kamen. Zwei junge Männer hatten einen tödlichen Unfall, eine junge Frau starb unerwartet in der Klinik.
Was haben brutale Boxkämpfe damit zu tun? Und wieso interessiert sich ein Staatsanwalt aus Greifswald besonders für diesen Fall?

“Leuchtturmmord” ist der fünf Roman aus der Rügen-Krimi-Reihe von Katharina Peters. Und er ist erneut sehr gelungen. Der Autorin gelingt es nicht nur, den Lokalkolorit in die Geschichte unterzubringen, sie erzählt von einem sehr spannenden Fall – der ja eigentlich aus mehreren Fällen besteht.
Sie erzählt sehr kurzweilig, denn in jedem der 26 Kapitel werden mehrere Handlungsstränge weitergeführt. Dass es dennoch nicht unübersichtlich wird, spricht für die Autorin. Der Effekt ist, dass man unbedingt wissen will, wie es weiter geht. Zudem ist der Blick in das Boxermilieu sehr interessant.
Schade, dass der Verlag ein wenig zu plakativ werben will: Auf dem Buchcover ist die Seebrücke von Sellin zu sehen. Sie kommt in der kompletten Geschichte nicht vor.

Katharina Peters: Leuchtturmmord
aufbau taschenbuch, 323 Seiten
9/10

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Die etwas andere Kneipentour – mit doofem Ende

Samstag, den 2. August 2014
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Meine Rückreise vom Thiessower Ostseestrand nach Hause wollte ich für eine kleine Rast nutzen – zum Mittagessen. Problem: Ich hatte nur knapp 11,50 Euro in bar dabei, aber auch eine EC-Karte. Denn ich wollte keinen imbiss, sondern richtig essen. Am besten: Fisch. Scholle oder so.

Abfahrt in Thiessow auf Rügen. Eigentlich wollte ich nach Moritzdorf auf die Moritzburg, aber ich hatte dann spontan doch keine Lust, mich in Baabe mit der Fähre rüberschippern zu lassen und dann auf die Burg zu kraxeln.
Sellin. Direkt am Bahnhof vom “Rasenden Roland” ist eine ganz schöne Gaststätte. Ich fand auch gleich einen Parkplatz, aber gleich am Eingang wies mich ein Schild darauf hin: Keine Annahme von EC-Karten. Ich machte auf dem Absatz kehrt. Doller Service.
In einem Dorf bei Putbus: Ich biege auf den Parkplatz eines Lokals und sehe die rumpelige Betonterrasse. Die Sonne knallt drauf, und ich spüre große Lust, weiterzufahren.
Putbus. Am Ortsende soll irgendwo ein Lokal im Wald liegen. Ist mir dann aber irgendwie unheimlich – und ich biege zurück auf die Landesstraße.

Garz. Direkt im Ort gibt es ein Lokal mit gutbürgerlicher Küche. Ähm, nein, offenbar gab es dort mal so ein Lokal. Es sieht geschlossen aus. Für länger.
Immer noch Garz. Am Rande eines Plattenbaugebietes liegt ein lauschiges Lokal. Ich habe sogar schon eine Scholle auf der Karte entdeckt. Lange lässt sich an der Theke in der Kneipe keiner blicken, dann aber frage ich die Kellnerin: Kann ich hier mit Karte zahlen? Sie verneint und scheint fast verwundert, dass man sie so etwas Irres fragt. Ja, ist schon irre, diese neumodische Technik.
Losentitz. Ein Gartenlokal lädt zum gefühlten 14. Zwischenstopp ein. Der eigentliche Raum ist aber abgeschlossen. Besucher zeigen zum Imbissfenster. Hm, und einen Imbiss wollte ich ja eigentlich nicht…

Stahlbrode. Inzwischen bin ich mit der Rügen-Fähre wieder aufs Festland geschippert.
Direkt am Hafen befindet sich ein kleines Lokal. Ich setze mich an einen der Tische, werde aber erst mal ignoriert. Ich blättere durch die Karte. Zur Scholle gibt es irgendein Gedöns, das ich nicht mag. Und teuer ist sie auch. Ich frage erst gar nicht, ob ich hier mit Karte bezahlen kann. Ich ahne die Antwort.
Immer noch Stahlbrode. Außerdem gibt es dort noch zwei Imbiss mit Fischbrötchen. Inzwischen bin ich ein bisschen bockig. Fischbrötchen. Öhm, nö.
Mesekenhagen. Ich bin unterwegs auf der Parallelstraße der B105. Ganz, ganz früher war das noch die B96, was man sich auf der Kopfsteinpflasterstrecke kaum noch vorstellen kann. In Mesekenhagen jedenfalls gibt es einen Gasthof, aber schon der Parkplatz sah nicht so aus, dass… also… ich fuhr weiter.
Greifswald. Der Hafen, da muss es doch was Nettes geben. Und tatsächlich: ein nettes Lokal am und auf einem Schiff. Dort gab es auch fangfrischen Fisch. Also war auch hier meine erste Frage… und die Antwort: Nein. Natürlich nicht. Kartenzahlung nicht möglich. Dieses nette System der EC-Karten scheint im Nordosten von Mecklenburg-Vorpommern irgendwie noch nicht angekommen zu sein.
Ein Bankautomat ist mir in der Stadt allerdings auch nicht begegnet.

Kommen wir nun zum doofen Ende. Immer noch Greifswald. Burger King.

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Rügen 2012 (5): Leitwolf

Montag, den 21. Mai 2012
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(4) -> 20.5.2012

Ich, der Leitwolf. Weil unser eigentlicher Rallyeboss sein Auto schon auf seinen Trailer geladen hat, bin ich heute derjenige, der den Oldtimertross anführt. Und das, obwohl ich selbst gar nicht mit einem Oldtimer unterwegs bin. Aber glücklicherweise ist die Anzahl der Autos an unserem dritten und letzten Rallyetag nicht mehr so groß, dass die Fahrt kompliziert werden könnte.

Wir starten wieder in Göhren und fahren am Bahnhof vom Rasenden Roland vorbei. Wie wir am Abend zuvor schockiert festgestellt haben, war einigen unserer Mitreisenden (oder eher -innen) nicht klar, dass Göhren einen Bahnhof hat – und wo der sein soll. Dass wir dort schon oft vorbei gefahren sind, ist ihnen irgendwie entfallen. Aber irgendwohin muss Roland ja fahren…

Als Leitwolf muss man einige Rücksichten nehmen. Am Ortsausgang gebe ich erst später Gas, damit die Truppe beisammen bleibt. Am Abzweig zwischen Lancken-Granitz und Serams müssen wir nach links in Richtung Putbus abbiegen. Da ist es wichtig, eine besonders große Lücke im Gegen verkehr zu finden, damit so viele wie möglich hinter mir noch abbiegen können. Und glücklicherweise gibt es auch immer wieder Autofahrer, die erkennen, dass Gruppen unterwegs sind und dann auch mal anhalten, um alle durchzuwinken.

Ein echtes Erlebnis ist die Straße in Vilmnitz. Obwohl es sich um eine Landesstraße handelt, macht sie eher einen musealen Eindruck. Ein extrem holpriges, uraltes Pflaster, enge Kurven, ausgefahrene Ränder. Mit raffinierten Kameraeinstellungen lassen sich in dem Dorf sicherlich Filme drehen, die im frühen 20. Jahrhundert spielen. Oder noch früher.

In Lauterbach legen wir am Hafen einen Zwischenstopp ein. Pflichtbewusst kaufe ich mir ein Parkticket, schließlich haben fast alle anderen Autos auf dem Parkplatz schon ein Knöllchen. Merke: In Lauterbach geht das Ordnungsamt auch am Sonntag um. Allerdings hätten die Oldtimerfreunde sicherlich eine gute Verhandlungsbasis gehabt, warum sie kein Parkticket kaufen müssen.
In einem Miniauto fährt ein Mann umher, hört italienische Musik und macht Faxen. Immerhin bekommt er unsere Aufmerksamkeit. Er wirbt für ein italienisches Lokal am Putbuser Bahnhof, und wir würden einen Kaffee kostenlos bekommen. Wir kündigen uns an und bitten darum, dass er uns Parkplätze freihalte.

Am Bahnhof von Putbus fährt an diesem Nachmittag eine Lok des Rasenden Roland hin und her. Immer wieder. Mal tutet sie, mal schnauft sie. Es ist Bahnhofsfest, und deshalb dürfen Interessierte mit der Lok fahren.
Wir beobachten das vom Italiener aus, wo wir zwar keinen kostenlosen Kaffee bekommen, dafür aber Pizzen, Fisch und Wasauchimmer.
Mit einer Ehrenrunde rund um den Putbuser Circus (nein, keine Artistik und Tiere, sondern weiße Häuser im Rondell), verlassen wir die Stadt.

Unser letztes Ziel auf Rügen ist Glewitz. Dort, wo mein Mai-Rügen-Aufenthalt begann, endet er auch wieder. Wir sind pünktlich, die Fähre aus Stahlbrode ist gerade angekommen, wir können gleich rauffahren.
Diesmal gibt es kaum Wellen, dafür viel Sonne und einen Surfer, der spannende Kunststücke auf dem Strelasund macht.

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Rügen 2011 (8): Andersrum

Sonntag, den 11. Dezember 2011
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(7) -> 10.12.2011

Frühstück im Binzer Kurhaus. Das Restaurant befindet sich im Erdgeschoss des alten Kurhaus-Gebäudes. Sitzt man mapfend am Tisch, hat man den Blick auf den Kurplatz und die Ostsee. Und das Frühstück kann sich sehen lassen – wobei bei einem Fünf-Sterne-Haus alles andere überraschend gewesen wäre.
Es gibt diverse Wurst-, Käse, und Fischsorten, Fleisch, Eier, Obst, Salate, Marmelade (unter anderem eine spezielle Haus-Marmelade) und Säfte.
Zwischendurch schaut jemand vorbei, der vermutlich der Chef des Hauses ist, um an jedem Tisch mal schnell “Guten Morgen!” zu sagen und dem Paar am Nachbartisch mitzuteilen, dass sie am wohl beliebtesten Tisch des gesamten Restaurants sitzen würden.

An der Zimmertür hängt übrigens jeden Morgen ein kleines Tütchen mit einer Tageszeitung. Allerdings setzt man beim Kurhaus leider nicht auf die lokale “Ostsee-Zeitung”, sondern auf “Die Welt”. Eigentlich schade, denn wenn man schon in Binz ist, will man doch auch wissen, was da so los ist. In der “Welt” steht das nicht – zumal es ein wirklich lahmes Blatt ist.

Auschecken. Leider (oder zum Glück?) wollte niemand wissen, wie es mir gefallen hat.
Also: Eigentlich ist es ganz schön. Das Zimmer war nett, vor allem natürlich der fantastische Seeblick. Wäre ich allerdings länger als eine Nacht dort geblieben, hätte ich das Zimmer beanstandet. Vor allem im behindertengerechten Bad habe ich mich eher unwohl geführt. Es war in der Klinik. Nicht so schön.
Ich neige ja dazu, ein Gewohnheitsmensch zu sein. Schon mehrmals war ich im “Vier Jahreszeiten” zu Gast. Das ist zwar “nur” in zweiter Reihe hinter der Strandpromenade, hat einen Stern weniger, ist entsprechend billiger – aber deswegen nicht schlechter. Dass das Kurhaus als Übernachtungsort für mich ein Muss ist, konnte es mir nicht beweisen.
Aber das wird anders, wenn ich den Schuppen erst mal gekauft habe.

Vor der Rückreise machte ich noch einen Abstecher nach Putbus. Dort gibt es ein Haus, das andersrum gebaut ist – auf dem Kopf, also auf dem Dach stehend. Das Haus “Kopfüber” steht an der Lauterbacher Chaussee.
Auch drinnen ist alles um 180 Grad gedreht, steht also auf dem Kopf. Das Klo im Bad klebt an der Decke. Auch das Waschbecken und die Dusche. Im Wohnzimmer ist der Tisch gedeckt, auch an der Decke klebend. Ebenso das Kinderzimmer, das Schlafzimmer.
Der Fußboden ist leicht schräg, irgendwann torkelt man durch das Haus, sowieso schon verwirrt und fasziniert von der ungewöhnlichen Optik.
Eine spannende Sache! Deutschlandweit gibt’s wohl nur drei solcher Häuser, das in Putbus ist das Größte.

Zu guter Letzt noch ein Zwischenstopp in Neuendorf, einem Ortsteil von Putbus. Die schmale Straße führt durch direkt am Ufer des Boddens entlang. Das erste Haus steht erstaunlich dicht am Ufer.
Es war recht windig, als ich dort am Ufer stand, die Wellen waren die Boddenverhätnisse recht hoch, und ich fragte mich, was denn passiert, wenn mal Hochwasser ist. Zumindest die Straße wäre dann weg…
Ob man dort vielleicht mal in eine der Ferienwohnungen ziehen sollte? Ist sicherlich mal was anderes, aber auch ganz schön weit ab vom Schuss.

-> Fotos

aRTikel

Rügen, ein Winterparadies

Samstag, den 20. Februar 2010
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Auf der Ostseeinsel ist der Winter unerbittlich. Der Schnee liegt hüfthoch, doch die Einheimischen nehmen es gelassen.

MAZ – Die Märkische, 20.2.2010

Diese Ruhe. Diese fast erdrückende Stille. Dort, wo sonst das Meer rauscht und die Möwen kreischen, ist plötzlich nichts mehr zu hören. Die Ostsee in der Binzer Bucht ist zugefroren. Das erste Mal seit 1996. Der Strand vor dem Kurplatz des Ostseebades auf der Insel Rügen zeigt sich als Wüste aus Schnee und Eis. Kleine Gletscher, tiefe Schluchten und weites Schneeland. Mit der Düne und der Strandpromenade bildet die grelle Fläche eine Einheit.

Nach dem heftigen Sturm am vergangenen Wochenende mussten sich die Binzer erstmal wieder frei-schaufeln. Das Tiefdruckgebiet „Queen“ sorgte für das dritte größere Unwetter dieses Jahres an der Küste auf Rügen. Wieder waren viele Straßen unpassierbar, die Rügenbrücke in Stralsund kurzzeitig gesperrt. Mit dem Sonnenaufgang beginnen die Binzer, akribisch die weißen Berge beiseite zu schippen und das Eis von den Wegen zu klopfen. An den Wegesrändern liegt der Schnee schon hüfthoch. Viel Platz ist nicht mehr. Aber die Rüganer nehmen’s gelassen. „Wir haben auch schon Schnee abgefahren“, erzählt Norbert Diener, stellvertretender Kurdirektor von Binz. „Es wird trotzdem eng.“ Die Hauptstraße, die zur Seebrücke führt, ist nur noch ein schmales Gässchen, die Berge dazwischen so hoch, dass die Geschäfte dahinter kaum noch zu sehen sind. Gestreut ist kaum einer der Wege, allerdings sind die Leute schon froh, dass sie überhaupt irgendwo hinkommen.
Immer wieder bleiben Autos auf ihren Parkplätzen stecken, ohne einen Spaten geht auf Rügen momentan gar nichts. Ohne die Hilfe der Einheimischen auch nicht. „Ich bin in diesem Winter schon geübt darin, Autos freizubekommen“, erzählt ein Binzer, der gerade den BMW eines Touristen befreit hat. Mit seinem Schneeschieber macht er sich wieder auf den Weg. In der Ferne heult bereits ein weiterer Motor auf. Der nächste Hilfseinsatz.
Die Passanten in Binz lassen es unterdessen ruhiger angehen. „Wir hatten bislang gerade mal eine Beschwerde, dass die Strandpromenade noch nicht geräumt ist“, so Norbert Diener. „Aber die Schneewehen sind so hoch, das bekommen wir so schnell nicht hin.“ Strenger Winter? „Ich würde sagen, wir haben endlich mal wieder einen richtigen Winter“, sagt er und erinnert sich an das Jahr 1996: „Da lag auch Ostern noch das Eis am Strand. Vielleicht stellen wir ja dieses Jahr den ersten Strandkorb auf eine Schneewehe.“

Ein paar Urlauber weniger als sonst werden es schon sein, ausgestorben wirkt Binz jedoch ganz und gar nicht. Im Gegensatz zu den Ostseebädern Göhren und Baabe. Der Verkehrsfunk warnte immer wieder vor Autofahrten nach und auf Rügen. Alternativen gab es jedoch nur wenige. Selbst die Schmalspurbahn, der Rasende Roland, musste kapitulieren. Für einen Tag ruhte der Betrieb zwischen Putbus und Göhren. „Zweimal haben wir versucht durchzukommen“, erzählt Kay Kreisel, Geschäftsführer der Rügenschen Bäderbahn. „Dass wir es nicht schaffen, passiert nicht oft. Unser Ehrgeiz ist es eigentlich, kontinuierlich durchzufahren, wenn es irgendwie geht.“ Diesmal ging es nicht. Die Schneeverwehungen zwischen Putbus und Binz waren so hoch, dass die Lok zurück musste. Nur eine Schneefräse war noch in der Lage, die Gleise freizulegen. „Seit dem 9. Januar mussten wir an viereinhalb Tagen den Betrieb einstellen“, sagt Kreisel. Mit einer einzelnen Lok wird die Strecke in der Regel nach einem Schneefall abgefahren und das erste Mal notdürftig geräumt. Vorn befestigen die Bahner einen Schneepflug, der eine Schneise freischlägt.
Dutzende Schaulustige beobachten, wie der erste Zug nach dem Unwetter in den Bahnhof von Göhren rollt. Er hinterlässt eine tiefe Schneise im Gleisbett. „Ich denke, die Fahrt ist unproblematisch“, beruhigt die Fahrkartenverkäuferin einige Touristen am Schalter. Minuten später setzt sich der Rasende Roland schnaufend in Bewegung. Eine Stunde braucht er bis Binz.

Ein paar Kilometer weiter, ganz im Südosten von Rügen, liegt Klein Zicker. Hinter Klein Zicker kommt nur noch der Bodden. Die schmale Straße durch den Ort ist wegen der Schneeberge noch schmaler als sonst, nur wenige Appartements sind belegt. Neben einem sanft qualmenden Schornstein hat es sich eine Möwe bequem gemacht. Die Straße endet an der Steilküste zum Greifswalder Bodden im Biosphärenreservat Südost-Rügen. Wo sonst Wasser ist, ist nur Eis zu sehen. Und da ist sie wieder: die drückende Stille. Bloß ein paar Krähen unterbrechen die scheinbar tonlosen Momente. Winterchaos? Nein, Winterparadies.

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Rügen 2009 (7): Rendezvous mit Roland

Donnerstag, den 20. August 2009
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(6) -> 17.8.2009

Dienstag. Der letzte Tag. Am Abend steht schon wieder die Rückfahrt von Rügen auf dem Programm. Die Zeit verging wie immer viel zu schnell.

Den Vormittag in Binz beginne ich meistens mit einem Kakao und der Lektüre der Ostsee-Zeitung auf dem Kurplatz – mit Blick zur Ostsee. Das nennt man dann wohl: die Seele baumeln lassen.
Allerdings fallen mir zur Ostsee-Zeitung zwei Dinge ein: Das Blatt wirbt u.a. mit dem Spruch “Täglich mit neuem Inhalt”. Das ist für eine Tageszeitung eine ziemlich überraschende Aussage. Auch kundzutun, dass sie die Nummer 1 auf Rügen sei, wundert mich – wo doch die Ostsee-Zeitung auf Rügen gar keine Konkurrenz hat.

Mit dem “Rasenden Roland”, der historischen Schmalspurbahn bin ich schon seit 2003 nicht mehr gefahren. Es wurde mal wieder Zeit.
Von Binz nach Putbus. Wie sieht es eigentlich mit der Umwelt aus, wenn der Zug durch die Gegend dampft? Roland pustet jedenfalls ganz schön was in die Luft. Es muss kein Vergnügen sein, an der Strecke zu wohnen. Bei Seelvitz qualmt Roland zweimal pro Stunden die Garten und die hängende Wäsche voll. Auch müssen die Leute dort sicherlich ihre Fenster öfter putzen als anderswo.
In Putbus war dann ein wenig Zeit. Das Mittagessen kam glücklicherweise auch pünktlich, auch wenn das Fischfilet noch nicht ganz durch war. Na ja, man kann nicht alles haben.
Tourikinder sind schon eine ganz besondere Spezies. Wenn sie es mal eilig haben, pullern sie schon mal überall hin. Oder schlicht da, wo sie gerade stehen. Am Bahnsteigrand ließ ein Junge sein kleines Stück raushängen und strullte. Als der Zug losfahren sollte, packte er es, noch während es weiterstullte, wieder ein. Musste ja schnell gehen.
Von Putbus nach Göhren. Ab Binz wird es richtig kuschlig in den alten Waggons. Zwei Frauen mit vier kleinen Kindern stiegen zu und machten es sich auf dem Boden bequem. Eines der Mädchen wollte sich hinlegen, was die Mama aber rüde vereitelte. Mit Schrippenverbot und Strafstehen. Wenn’s hilft.
Zwischen Sellin und Baabe ist das Gleis offenbar in schlimmen Zustand. Es rumpelt gewaltig. Ebenso zwischen Baabe und der Waldbiegung in Richtung Göhren.
Von Göhren nach Binz. Es war so voll im Zug, dass sich die Menschen auch draußen auf den Plattformen drängelten. Obwohl es sicherer wäre, ist das Sitzen verboten. Aber wenn man die vielen Kinder an den wackeligen Geländern sieht, wird einem schwummerig. Aber so lange es die in den Abteilen sitzenden dazugehörigen Eltern nicht interessiert…
Der schönste Streckenabschnitt der ganzen Tour liegt übrigens zwischen Sellin-West und Binz. Da rollt Roland durch ein Waldgebiet, die Granitz. Berge, Bäume, eine Idylle. Und der Rauch der Lok wird in die Baumkronen gepustet. Scheint die Sonne drauf, sind im Rauch die Strahlen zu sehen, was ein surreales Bild abgibt.
In Binz treffen sich die Züge, Hunderte Touris stehen auf den Bahnsteigen. Kein Wunder, bei einem “So-lala-Wetter” ist eine Tour mit dem Rasenden Rolland tatsächlich eine feine Sache.

Und dann hieß es Abschied nehmen von Binz. Für das richtige Inselgefühl ging die Rückfahrt über Glewitz, wo die Fähre über den Bodden fährt.
Auf dem Weg dorthin fährt man eine der schönsten Alleen entlang, die ich je gesehen habe. Kurz vor Garz stehen die Bäume rechts und links der Straße. Die Baumkronen sind über der Straße zusammengewachsen. Es ist, als ob man durch einen Heckentunnel fährt. Beeindruckend!

Die Sonne ging unter, es dämmerte über dem Bodden. Mit der Fähre ging es aufs Festland, und als ich beim Losfahren wieder das Radio einschaltete, lief ein Song namens “Bye bye”. Das passte.