RTZapper

Das war 2017!

Sonntag, den 31. Dezember 2017
Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

I bims, und hier kommt schon wieder der Jahresrückblick, vong Silvester her.
Nein, nein, das Jahr 2017 hat mir nicht das Hirn eingefroren. “I bims” ist aber das Jugendwort des Jahres, und die dazu passenden “vong … her”-Nachsätze gehören auch zur Jugendsprache. Soll wohl den verkürzenden und fehlerhaften Internet-Chat-Sprech darstellen, und es gibt Leute, die das lustig finden.
Ach, überhaupt das Internet. Was in den sozialen Netzwerken abgeht, das ist nicht mehr feierlich. Da kotzen sich die Wutbürger überall da aus, wo es auch nur entfernt um Politik geht. Man könnte meinen, Deutschland ist zur Wuthochburg verkommen, aber es ist wohl eher so, dass alle anderen sich immer mehr zurückziehen und sich gar nicht mehr äußern. Was auch nicht gut ist. Mehr und mehr wird Pöblern der Platz überlassen – immer mehr angefeuert durch die AfD, und die “Bild” macht auch immer gern und fleißig mit.

2017 war geprägt von einem Schwarz-Weiß-Denken. Entweder ist alles gut oder alles schlecht. Zwischentöne? Werden oft vermisst. Donald Trump ist US-Präsident, und alle, die nicht das berichten, was er für die Wahrheit hält, bezeichnet er als Fake-News. Er liefert sich einen Kampf mit den US-Medien, verbreitet seine Weisheiten lieber über Twitter.
Ein anderer Diktator tobt sich in der Türkei aus. Aus fadenscheinigen Gründen werden Journalisten, Menschenrechtler und andere Menschen festgenommen, die aus Sicht von Staatschef Erdogan schlecht für die Türkei seien. Der deutsch-türkische Journalist und Türkei-Korrespondent der WeltN24-Gruppe, Deniz Yücel, sitzt seit weit mehr als 300 Tagen in Haft – #freeDeniz.

Eine harte Debatte wird auch um die Öffentlich-Rechtlichen Sender geführt. Insbesondere zwischen den Zeitungsverlagen und ARD/ZDF gibt es Streit darüber, was die Sender im Internet machen dürfen und was nicht. Der Lobbyist Matthias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, schießt gegen ARD und ZDF, nennt sie Staatsfunk, obwohl er es besser wissen müsste. Er sieht die Presse in Gefahr, wenn auch die ARD Texte auf ihren Internetseiten verbreitet. Aber auch der Ton unter den Zuschauern ist rauer geworden. In den sozialen Netzwerken kübeln Pöbler Häme über die Öffentlich-Rechtlichen aus, schimpfen über die angeblichen Lügenmedien, Staatssender und über die angebliche Regierungslinie.
Allerdings geben ARD und ZDF den Kritikern auch immer wieder Futter. Gerade im Umgang mit der AfD tun sich viele Journalisten noch schwer. Statt mit Fakten bloßzustellen, geht es scheinbar oft immer noch um eigene Befindlichkeiten. Da werden Sätze aus dem Zusammenhang gerissen und zu Skandalen aufgeblasen.
Was aber die AfD auch sehr gut kann – und sich zum Opfer zu machen. In einer ZDF-Wahlsendung verließ AfD-Frau Alice Weidel die Arena, als sie kritische Fragen zu hören bekam. Als sie sagte, dass die Zeit der politischen Korrektheit vorbei sei, und sie in der NDR-Satiresendung “extra 3″ daraufhin als Nazi-Schlampe betitelt worden ist, da war die Zeit der politischen Unkorrektheit offenbar auch schon wieder vorbei. Weidel klagte. Und bekam kein Recht.
Dennoch und gerade wegen des Hypes und die vielen Skandalisierungen – die AfD schaffte es im September in den Bundestag, und die Medien müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, daran zumindest eine Mitschuld zu haben.

Es war ein politisches Medienjahr. Auch wegen der Bundestagswahl. Die hat SPD-Chef Martin Schulz in nicht ganz so guter Erinnerung. Was vielleicht auch daran lag, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel ständig mehr Redezeit bekommen hat als er. Für Inhalte hatte er da nicht immer so viel Zeit – weil er sich darüber ja erst mal mokieren musste.
Bei Sat.1 hat man sich ab eh lieber damit beschäftigt, ob FDP-Chef Christian Lindner scharf ist und ob die Linke Katja Kipping irgendwie auf ihn stehen könnte.

Zeiten ändern sich. Auch im Sport. Als in Dortmund ein Anschlag auf den Bus der Fußballer von Borussia Dortmund verübt wird, wird aus Sky Sport News plötzlich ein Nachrichtensender im Breaking-News-Modus.
In der Pause des DFB-Pokal-Finales wollten die Fußballfunktionäre mal ein bisschen US-Entertainment-Luft schnuppern. Ganz im Sinne der Halbzeitshow beim SuperBowl gab es das beim Fußball erstmals auch. Mit Helene Fischer. Fanden die Fans eher so mittel.
Überhaupt, der Fußball: Die Bundesliga zerbröselt immer mehr. Nun sind nicht nur Sky und die ARD an Bord oder das ZDF und Sport 1. Auch Eurosport hat ein paar Rechte (wenn der Player mal funktioniert) und bei Nitro laufen montags auch noch ein paar (bislang weitgehend unbeachtete) Häppchen.
Niki Lauda hat sich vor laufenden RTL-Kamera und unerwartet als Formel-1-Co-Moderator verabschiedet. Und hinterließ einen verstörten Florian König. Nico Rosberg wird sein Nachfolger.
Ach ja, und da dann war ja noch Handball-WM. Hat aber kaum jemand sehen können, weil sich der Rechteinhaber belN sich mit keinem Sender einigen konnte – weder mit ARD und ZDF, noch mit Sky. So liefen die Spiele auf Youtube im Internet, aber der Seite einer Bank. Auch mal was Neues.

Apropos kleines Publikum: Es wird immer schwerer für die Sender, Serienhits zu landen. Selbst hochgelobte Serien wie “This is us” floppen, und es gibt noch viele mehr davon, die als Disaster abgebucht werden müssen. Der hochgelobte “Mr. Robot” hatte bei Nitro quasi keine Zuschauer. Es scheint, dass sich das Seriengeschehen mehr und mehr bei Amazon und Netflix abspielen. Auch deutsche Serien wie “Dark” oder Schweighöfers “You are wanted” laufen nicht im Fernsehen (oder ist im ORFeins in Österreich gefloppt), sondern bei den Streaminganbietern. Ob “Berlin Babylon” ein Hit ist, wissen wir auch erst im Herbst 2018. Die Co-Produktion zwischen Sky und ARD lief bislang nur im Pay-TV. Der Jubel ist groß – aber das muss ja nichts heißen.
Dennoch: Langsam kommt für das Fernsehen die Wende. Angebote wie Amazon Prime, Netflix und das altbekannte Sky haben immer mehr Nutzer.
Die jungen Zuschauer treiben sich eher auf YouTube rum und schauen sich dort ihre Stars an. Oder mobben sie gleich mal. Als rauskommt, dass der YouTube-Star Tanzverbot in Oranienburg wohnt, erlebt er die Aufdringlichkeit und Widerwärtigkeit seiner Fans und Hater. Er muss raus aus seiner Wohnung und zieht um.

Lineares Fernsehen ist unterdessen immer mehr out. Auch weil insbesondere das Privatfernsehen, immer mieser wird. Oder wer möchte wirklich sehen, wie irgendwelche Z-Stars ein Baby bekommen? “Janni & Peer … und ein Baby!” lief bei RTL II eher nicht so gut. Auf demselben Sender zieht man sich bei der Datingshow “Naked Attraction” gleich ganz nackt aus – weil das ja angeblich die ehrlichste Art des Datings ist. Aber auch das ZDF greift ins Klo: “Das Pubertier – Die Serie” ist einfach nur doof-albern, die Show “Flieg mit mir” im Ersten schrecklich betulich. “Das Sommerhaus der Stars” bei RTL ist nur noch Fremdschämen. VOX wollte die Echo-Verleihung aufpolieren und liefert eine Katastrophe ab. Die pure Ödnis.
Aber es gab natürlich auch gutes Fernsehen: der ZDF-Mehrteiler “Der gleiche Himmel” war ebenso ein Hit wie die letzte Staffel vom “Club der roten Bänder” bei VOX.

Schluss war auch für den “Circus Halligalli”. Dabei sorgte die Show noch fix für die deutsche Fernsehpeinlichkeit des Jahres: Bei der “Goldenen Kamera” schmuggelt das Team einen falschen Ryan Gosling ein. Er nimmt in der Live-Show im ZDF den Preis entgegen, und danach kam raus, dass selbst die Kategorie ein Fake war, weil die von der “Goldene Kamera”-Redaktion nur mit der Aussicht auf den Gosling-Besuch eingeführt wurde.
Aber die Amis können mithalten. Bei der Oscar-Verleihung kommt ausgerechnet beim besten Film ein falscher Umschlag in Umlauf. Die Leute von “La La Land” (schon wieder Gosling) stehen schon auf der Bühne, wollen sich bedanken – um dann zu erfahren, dass “Moonlight” der beste Film ist. Ups.

Da möchte man im Boden versinken. Das gilt auch für den Eurovision Song Contest. Vorletzter. Wobei es natürlich nicht an der Qualität des deutschen Songs (wie hieß der noch gleich?) oder an der Dings (wie hieß die noch gleich?) lag, sondern weil uns Deutsche einfach keiner mag. Na klar. Vielleicht gibt es ja 2018 ein Comeback, gerade wird mal wieder am Konzept für den deutschen Vorentscheid gefeilt.

Dabei ist das mit Comebacks so eine Sache: Als Thomas Gottschalk mit der neuen Sat.1-Show “Little Big Stars” um die Ecke kam, war das Interesse gering. Auch dass Christian Rach bei RTL wieder Restauranttester war, ließ viele kalt – was aber auch an den bekloppten Fällen lag, um die sich Rach kümmern musste. Die Wiederkehr von “Der Preis ist heiß” bei RTLplus war dagegen ein voller Erfolg – auch weil sich alle große Mühe gaben, den Klassiker nur behutsam zu modernisieren. Heraus kam netter, guter Trash. Ach, und dann ist ja auch MTV wieder da. Also, eigentlich war MTV nie weg, nur eben im Pay-TV versteckt. Nun gibt es angeblich wieder Interesse an dem Sender, die Rückkehr ins Free-TV war perfekt.

Aber auch Ankünfte sorgten für Wirbel. Der rbb übertrug mit großem Aufwand die Landung von Schätzchen und Träumchen in Schönefeld - zwei Pandabeeren. Sehr wichtig. Und noch eine Flugzeuglandung war dem rbb eine Live-Übertragung wert: die der letzten Air-Berlin-Maschine. Nie gab es vermutlich eine emotionalere Pleite eines Unternehmens. Es hieß Abschied nehmen.

Abschied. Auch 2017 wieder von vielen prominenten Menschen. Helmut Kohl ist gestorben, ebenso die Politiker Heiner Geißler und Roman Herzog. Die Schauspieler Roger Moore, Karin Dor, Christine Kaufmann, Jerry Lewis, Dieter Bellmann, Andreas Schmidt, Mikael Niqvist, Ingeborg Krabbe, Bill Paxton, Margot Hielscher, Martin Lüttge und Klaus Wildbolz. Die Musiker Fats Domino, Chris Roberts, Tom Petty, Chuck Berry, Malcolm Young, Joy Flemming, Chester Bennington, Chris Cornell, Gunter Gabriel, Daliah Lavi, Andrea Jürgens und Robert Miles. Die Comiczeichnerin Lona Rietschel, die Journalisten Ulrike von Möllendorff und Udo Ulfkotte, Playboy-Gründer Hugh Hefner, Joachim Kardinal Meisner, die Tennisspielerin Jana Novotna und die Synchronsprecher Oliver Grimm (”Kimba, der weiße Löwe”, “Hugo”) und Anderas von der Meden (Kermit, David Hasselhoff).

Man hätte außerdem den Eindruck gewinnen können, dass das Fernsehen stirbt – dabei wurde nur das alte DVB-T-Signal abgeschaltet – zugunsten des neuen DVB-T2. Die Kampagne machte den Eindruck, als seien sehr viel mehr Zuseher betroffen. Der Übergang verlief dennoch recht reibungslos. Eher reibungsvoll verläuft es beim Lokalsender Oberhavel TV. Die Qualität der Sendungen ließ immer mehr nach, es gab immer weniger, die Verbreitung via Satellit und im Vodafone-Kabel ist eingestellt – inzwischen gibt es wohl ein Insolvenzverfahren.

Aber was ist denn im Fernsehen 2017 wirklich Wichtiges passiert? Natürlich! Marc Terenzi ist Dschungelkönig geworden, obwohl sich Kader Loth so angestrengt hat, ein neues Image zu bekommen. Als Anne Will über den G20-Ausschreitungen diskutiert, fällt für zehn Minütchen das Bild aus, während im Studio weitergesprochen wird. Als beim selben Thema bei Maischberger sich die Gemüter erhitzen, verlässt Wolfgang Bosbach wütend die Arena, weil er sich von Jutta Ditfurth beleidigt gefühlt hat – nicht ohne auch selbst auszuteilen. Als in Frankfurt/Main eine Bombe entschärft werden muss, überträgt das hr fernsehen 13 Stunden (!) live – weil der Sender selbst evakuiert ist. Aus “Schlag den Raab” und “Schlag den Star” ist “Schlag den Henssler” geworden. Na ja. Birgit Schrowange ist erst ungeschminkt bei RTL aufgetreten (einmalig) und dann mit grauen Haaren (für immer).

Wird 2018 alles besser? Werden wir alle immer irrer? Oder ist uns einfach alles wurscht, so lange man sich auf YouTube weiter Schminktipps reinziehen kann? Oder alternativ den Livestream von der Demorandale wie bei G20 in Hamburg?
I bims, vong Spannung her.

PS: Ach, Mensch, Herr Eumann, habe ich Sie doch glatt wieder vergessen! Herzlichen Glückwunsch zur Wahl zum neuen Direktor der rheinland-pfälzischen Landesmedienanstalt. Nicht dass Sie wieder angepisst sind!

RTZapper

Oberhavel TV: Mal wieder Zirkus

Dienstag, den 23. Mai 2017
Tags: , ,

MO 22.05.2017 | 22.35 Uhr | Oberhavel TV

Unsere Welt ist im Wandel. Aus Analog wird Digital. Papier wird ebenfalls digital. Erfindungen kommen und gehen, Trends enden und neue kommen. Das gilt auch für den Zirkus.
Der Zirkus, wie wir ihn früher irgendwie gut fanden, wird aussterben. Tiere, die in der Manege lustige Sachen machen, wollen immer mehr Menschen nicht mehr sehen, und das vollkommen zurecht.

In der aktuellen Sendung von Oberhavel TV gibt es einen Beitrag von einem in Hennigsdorf gastierenden Zirkus. Es sind Bilder des Jammers, und das, obwohl sich da alle Mühe geben.
In dem spärlich besetzten Zirkuszelt, in dem aber sowieso nur drei Stuhlreihen stehen, klatschen die paar Leute ab und zu mal, Stimmung kommt da nicht auf. Die Zirkusleute machen harmlose Clownsnummern, es soll ein bisschen lustig sein. dazwischen ein bisschen Akrobatik und auch ein Messerwerfer. Um den Kindern was zu bieten, aber ohne sich selbst was einfallen lassen zu müssen, gibt es dann noch eine Disney-Eisprinzessin-Nummer – und man kann nur hoffen, dass dafür auch Lizenzgebühren gezahlt werden.

Und dann sind da eben auch Tiere. Pferde, die im Kreis laufen. Die tun, was man ihnen beigebracht hat.
Joa, süß. Aber auch irgendwie doof.
Ich finde, Tiere haben im Zirkus nichts verloren. Zootiere sind ja an sich oft schon grenzwertig. Aber Tiere, die dann auch noch dämliche Spiele machen müssen, um Leute zu belustigen, braucht man heute nicht mehr.
In anderen Zirkussen gibt es Elefanten, die traurig gucken, während sie ihr Programm abspulen. Und gibt es noch Zirkusse mit Löwen?
Klar, anderswo geht es Tieren noch schlechter. So sagen Leute, wenn es über das Thema Diskussionen gibt. Aber ein Argument ist das ja nun wirklich nicht.

Zirkusleute sagen, die Leute kämen doch wegen der Tiere. Aber ist das wirklich so? Ist es nicht so, dass Zirkusse immer mehr Probleme haben, Zuschauer zu bekommen? Ist es nicht eher so, dass immer weniger Leute Tiere im Zirkus sehen wollen?
Kleine Zirkusse werden es immer schwerer haben. Weniger Leute, weniger Geld, weniger Attraktionen. Aber wer tolle Artisten hat, gute Entertainer, eine aufregende Show bietet, der sollte auch auch Tiere auskommen können.
Der Beitrag bei Oberhavel TV hat jedenfalls gezeigt, dass der dort gezeigte Zirkus seinen Zenit längst überschritten hat.

RTZapper

Oberhavel TV: Anfänge 1996

Freitag, den 7. Oktober 2016
Tags:

MI 05.10.2016 | 20.20 Uhr | Oberhavel TV

Geburtstage muss man feiern, wie sie fallen. Oder eben fünf Wochen später. Oberhavel TV feiert momentan den 20. Geburtstag.
Im September 1996 ging in Birkenwerder alles los, seitdem gab es Höhen und Tiefen, von denen ja viele auch auf dieser Seite dokumentiert sind.

In der Sendung, die am Mittwochabend erstmals zu sehen war, gibt es auch einen Rückblick auf den Sendestart 1996. Und man staunt. Zwar sehen die Nachrichten mit einem auf den Tisch gestellten Schild etwas, nun ja, preiswert aus. Aber die Berichte hätten auch in der “Abendschau” laufen können. Reporter mit OHV-TV-Mikrofon, Reporter vor der Kamera – sah aus wie “großes” Fernsehen.
Allerdings hatte der Sender damals vier Gesellschafter, es war Geld da. Aber schon ein Jahr danach stiegen drei der Geldgeber aus, und es mussten kleinere Brötchen gebacken werden.

Aber der Sender hielt sich. Und das ist ja auch schon mal eine Leistung, auch wenn es manchmal nicht so viel wirklich Lokales zu sehen gab. Aber wie es heißt, soll ja bald alles besser werden.
Daumen drücken!

RTZapper

Das war 2014!

Mittwoch, den 31. Dezember 2014
Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Das Vertrauen der Menschen in die Medien schwindet. Viele glauben im Jahr 2014 nicht mehr dem, was im Fernsehen berichtet wird oder in der Zeitung oder im Internet geschrieben steht. In Foren schreiben sie ihren Ärger nieder, attackieren die Verantwortlichen, die sich immer und immer wieder erklären müssen. Sei es die Krise zwischen Russland und der Ukraine. Sei es die Berichterstattung um die neuen Flüchtlingsheime in Deutschland oder um die Pediga-Demonstranten. Oft scheint es, dass sich die Welt in Gut und Böse teilt. Für Falschinformationen in Bezug auf die Ukraine-Krise muss sich die ARD in den “Tagesthemen gar entschuldigen.

ARD und ZDF haben das Misstrauen aber auch selbst befeuert, und das nicht nur innerhalb der Politberichterstattung. In diversen Rankingshows ist geschummelt worden. Das ZDF, der rbb, WDR, hr und der NDR mussten eingestehen, dass sie an ihren Rankings ein bisschen rumgeschraubt haben. In Johannes B. Kerners Show mit Deutschlands Besten waren die Studiogäste ins bessere Licht gerückt, ZDF-Stars vor RTL-Stars geschoben worden. In den ARD-Rankings gab es auch immer seltsame Gründe, warum die Nummer 10 nicht die Nummer 10 sein durfte. Und nebenbei kam auch noch heraus, dass die Votingzahlen bei den Rankings oftmals verschwindend gering waren.

Verschwindend gering war auch das Interesse an der “Millionärswahl” auf ProSieben. Die Castingshow sollte zu Jahresbeginn das ganz große Ding sein, wurde aber ein Megaflop. Ein solcher Flop sogar, dass das Finale nur im Internet lief. Auch mit “Rising Star” hatte RTL kein Glück – so kam das Finale schneller als gedacht. Die Leute scheinen genug von Castings zu haben, auch bei “Das Supertalent” und “Deutschland sucht den Superstar” waren die Quoten schon mal besser.
Für “Wetten, dass…?” sind die Quoten nicht mehr interessant. Die Show, seit fast 34 Jahren auf Sendung, ist Geschichte. Nur noch 5,5 Millionen Menschen schauten zu, das ZDF zog den Stecker. Das Team der Show hat es nicht geschafft, den Klassiker zu modernisieren. Das letzte große Lagerfeuer ist erlischt. Heißt es.

Ist aber nicht so. Denn Sonntag für Sonntag schafft der “Tatort”, mehr als 10 Millionen Leute an sich zu binden. Die Ermittler aus Münster schafften den Rekord mit weit mehr als 13 Millionen Zuschauern. Nur König Fußball ist nicht zu schlagen. Als Deutschland bei der WM gegen Argentinien Weltmeister wurde, saßen mehr als 35 Millionen vor dem Fernseher – Rekord. Kneipen und Festmeilen nicht mal eingerechnet.

Der Fußball beherrschte im Sommer die Schlagzeilen, aber irgendeine Sau ist immer durchs Dorf getrieben. Stichworte gefällig? Ex-Fußballer Hitzelsperger ist schwul! Kreisch! Uli Hoeneß muss in den Knast, und die Medienmeute belagerte das Gemäuer. Michael Schumacher ist im Koma – und auch vor der Klinik harrte die Medienmeute aus. Als die Lokführer streikten, schickte ein Team des RTL-Boulevardmagazins “Explosiv” ein Kamerateam zur Ex-Frau des Gewerkschaftsbosses – um sie sagen zu sagen, wie schlimm er denn war.
Auf dem Boulevard hat sich das ZDF ausgeruht, als es den Sternekoch Nelson Müller McDonald’s und Burger King testen ließ. Es war irgendwie alles dufte, und den Skandal, dass es bei Burger King ganz mies zugeht (okay, überraschend ist das nicht), den hat ausgerechnet RTL aufgedeckt. Günter Wallraff sei Dank.

Alles ist eben im Wandel. Das ZDF-Kulturmagazin “aspekte” macht jetzt auf jung. Die “Tagesschau” gönnte sich ein nigelnagelneues Studio, der Bildungskanal BR-alpha heißt jetzt ARD-alpha, um irgendwie wichtiger zu wirken. Klassiker wie der “Wochenspiegel” im Ersten oder die “ARD-Ratgeber” sind abgesetzt. Wochenrückblicke sind aus der Mode gekommen und Ratgeber heißen heute Checks. “Beckmann” talkt nicht mehr.
Auch “Die Harald Schmidt Show” ist Geschichte, und kaum jemand hat es mitbekommen. Am Ende sendete die Late Night auf Sky, fast ohne Zuschauer. Das selbe Problem hatte “log in” auf zdf info. Die interaktive Talkshow lief ein paarmal auch im ZDF-Hauptprogramm – ohne Erfolg. Es ist aber auch nicht einfach mit der jungen Zielgruppe. Während zdf info nun wieder mehr Hitlerdokus senden kann, sollten sich die jungen Zuschauer bei joiz sammeln. Aber auch der interaktive Sender ist insolvent und will nun nur im Internet weitermachen.
Ins Internet wird auch der künftige Jugendkanal von ARD und ZDF wandern. Irgendwann, bald. Die Politik hat es so beschlossen, dafür werden einsplus und zdf.kultur geopfert.

Auch im Lokalfernsehen läuft es mehr schlecht als recht. Die center.tv-Sender sind alle, bis auf den in Köln, Geschichte. Aus havelland TV, prignitz TV und ruppin TV wurde NBF3 – aber nur kurzzeitig, und irgendwie hat am Ende gar keiner mehr verstanden, welchen Sender man denn nun eingeschaltet hat. Die Kommunikation auf Facebook wurde vorsichtshalber auch eingestellt, nun ist der Sender zumindest aus dem Kabelnetz ganz verschwunden. Oberhavel TV hat unterdessen einen neuen Besitzer – mal sehen, ob es da noch mal bergauf geht.

Auch die gedruckte Presse hat weiter ihre Probleme. Die Panik ist groß. Beim stern haben sie von heute auf morgen ihren Chefredakteur gefeuert, beim “Spiegel” kämpfte der Chef gegen seine Mitarbeiter und umgekehrt. Die Münchner “Abendzeitung” kämpfte ums Überleben – vorerst gerettet. Wer weiß, wie lange es noch gedruckte Zeitungen und Magazine gibt.

Sie werden es nicht mehr miterleben – viele echte Größen haben uns 2014 verlassen, und manchmal war es schon ein bisschen unheimlich.
Der große Udo Jürgens ist ganz plötzlich gestorben. Joe Cocker hat den Kampf gegen den Krebs verloren. Die Showmaster Joachim Fuchsberger, Dietmar Schönherr und Heinz Schenk sind nicht mehr da. Auch die Schauspieler Karlheinz Böhm, Robin Williams, Peer Augustinski, Gottfried John, James Garner und Philip Seymour Hoffman, Puppenspieler Heinz Schroeder, der Vater von Herrn Fuchs und Frau Elster, die Journalisten Peter Radszuhn, Peter Scholl-Latour, Andreas Ernst, Frank Schirrmacher, Manfred Bleskin, Dirk Sager, Klaus Bölling und Udo Reiter, Boxtrainer Fritz Sdunek, Sängerin Laureen Bacall, die Politiker Ariel Sharon und Eduard Schewardnadse, Schriftsteller Siegfried Lenz, die Unternehmer Ernst und Karl Albrecht, Stefan Lübbe und Heinz-Horst Deichmann sowie Tierfilmer Richard Attenborough.

Und sonst so? Das Erste hat sich am “Quizduell” verhoben. Ganz Deutschland sollte per App live mitspielen können. Hat leider nicht ganz geklappt. War aber trotzdem lustig.
VIVA ist geschrumpft. Der Musiksender teilt sich nun einen Kanal mit Comedy Central, ist nur noch 11 Stunden am Tag auf Sendung. Musiksender scheinen out zu sein. Auch IM1 ist pleite.
Bei den “RTL II News” wäre eine Absetzung dagegen eine gute Nachricht. Nach einem der Fußball-WM-Spiele waren die, ähm, Journalisten so scheiße geil drauf, dass sie in den Nachrichten sowohl den Sieg als auch die Niederlage der deutschen Fußballer vermeldet haben. Warum auch nicht?
Das dachte sich auch die Redaktion von “Immer wieder sonntags”, als sie Moderator Stefan Mross scharfe Currysoßen kosten ließen. Das ging schief, Mross musste in die Klinik und Guido Cantz musste die Live-Show zu Ende moderieren.
Das mit dem Ende ist bei “Schlag den Raab” dagegen immer so eine Sache. Als im November eines der Spiele gar nicht klappen wollte, ist es nach einer Stunde ergebnislos abgebrochen und durch ein neues Spiel ersetzt worden. Die Show endete nach mehr als sechs Stunden, um 2.23 Uhr. Oder so. Um die Zeit kommt’s auf die Minute eh nicht mehr an. und wie heißt es doch so schön, und Helene Fischer ist ja sowieso gerade total in Mode: “Atemlos durch die Nacht”!

Und das bis ins nächste Jahr! Guten Rutsch!

RTZapper

Oberhavel TV: Ein Hängerchen

Dienstag, den 30. Dezember 2014
Tags:

MO 29.12.2014 | 19.40 Uhr | Oberhavel TV

Oberhavel TV hat mal wieder ein Hängerchen, und das regelmäßig alle halbe Stunde. Es trifft immer wieder den Oranienburger Judo-Club Samura, bei dem der Bericht leider hängen bleibt.
Und diesmal ist auch nicht der Kabelnetzbetreiber schuld. Als Oberhavel TV gefühlte zwei Wochen nicht zu sehen war und “Kabel Deutschland” nur eine Tafel anzeigte, dass der Programmbetreiber kein Signal zur Verfügung stelle, sei in Wirklichkeit Kabel Deutschland selbst schuld gewesen, so die Oberhavel-TV-Moderatorin. Man solle doch bitte beim Kabelnetzbetreiber anrufen und nicht bei Oberhavel TV.

Für das aktuelle Hängerchen kann aber auch Kabel Deutschland nichts. Kurz hatte ich einen anderen schlimmen Verdacht.
Erst blieb nämlich das Bild beim Judobericht stehen (bzw. immer noch alle halbe Stunde), der Ton knackte rhythmisch, der Reporter wiederholte einen Satzfetzen immer und immer wieder.
Plötzlich wurde das Bild orange, der Schriftzug RT erschien.
RT? Hab ich was damit zu tun? RT Zapper? Nein, definitiv nicht.
RT? RT Deutsch? Der russische Nachrichtensender? Die Propagandamaschine? Hat die etwa bei Oberhavel TV eingegriffen? Hat Putin den Aus-Knopf gedrückt?
Nein, nein! Aus “RT” wurde dann aber doch noch “SPORT”, und ich habe aufgeatmet.

Und vielleicht wird ja der Judobericht irgendwann nachgeholt. Wenn nicht wieder irgendjemand anders schuld war und das Ding auf keinen Fall wiederholbar ist.

RTZapper

Oberhavel TV: Lichter und Mundtpropaganda

Samstag, den 15. November 2014
Tags: , ,

DO 13.11.2014 | 22.15 Uhr | Oberhavel TV

Eigentlich dachte ich, dass Oberhavel TV einfach mal so über die Oranienburger Lichternacht berichtet. Aber das scheint den Machern entweder zu langweilig oder zu kostenspielig gewesen sein. Denn mitten im Beitrag, der seit Tagen in Dauerschleife zu sehen ist, gab es plötzlich Werbung – ohne dass Werbung angekündigt war.

Im Beitrag durfte Werner Mundt die Vorzüge seines Fernseh- und Radio-Fachgeschäftes aufführen. Welche Fernseher er denn so hat. Und wie toll die sind. Gefolgt von einem Optiker und einer Fotografin.
Ob Werner Mundt und seine Kollegen den Auftritt in einem redaktionellen Beitrag bezahlt haben? Und hätte Oberhavel TV den Beitrag dann nicht als Werbung kennzeichnen müssen? Zufälligerweise schaltet Mundt auch in den Werbeblöcken (echte) Reklame.
Aber es wird ja noch besser: Werner Mundt sitzt für die CDU im Oranienburger Stadtparlament. Und wer ist – ganz zufällig natürlich – im Hintergrund auf einem der Fernseher zu sehen, während Mundt erzählt? Angela Merkel, Mundts Kanzlerin.
Meinen allertiefsten Respekt für so viel Reklameeifer! Da läuft also Reklame außerhalb des Werbeblocks, und der Mann im Beitrag nutzt die Reklame seinerseits für Parteireklame.
Da muss ich echt mal applaudieren!

RTZapper

Hallo Nordwestbrandenburg!

Dienstag, den 2. September 2014
Tags: , , , ,

MO 01.09.2014 | 22.55 Uhr | havelland TV

Keine guten Zeiten für das Lokalfernsehen in Brandenburg. Oberhavel TV besteht derzeit nur noch aus einer Hinweistafel (inzwischen gibt’s wieder ein Programm).
havelland TV, ruppin TV und prignitz TV sollten zu NBF3 verschmelzen. Auf dem neuen Sender liefen kurzzeitig neben der Lokalsendung “Hallo Nordwestbrandenburg!” auch viele weitere Sendungen aus dem bundesweiten Lokal-TV-Verbund. Dann aber stellte man das Programm sang- und klanglos wieder ein, inzwischen läuft nur noch die Lokalsendung – aber auch die stark eingedampft. Und zwar nicht je eine Ausgabe für jeden Landkreis, sondern nur noch eine Sendung für drei Landkreise.

Wenn das nur alles wäre. Fast alle Lokalberichte jedoch sind gekauft. Der Bericht über die Wohnungsbaugenossenschaft: gekauft, eine Werbesendung. Der Bericht über das Erntefest in Buskow: gekauft, eine Werbesendung. Der Bericht über Amazon in Brieselang: gekauft, eine Werbesendung. Letzterer ist übrigens blanker Hohn. Überall wird über die Arbeits- und Lohnbedingungen bei Amazon berichtet, und im Lokalfernsehen wird der tolle Arbeitgeber bejubelt, der gutes Geld zahlt und wo alles ganz durfte ist. Ekelhaft. Hat natürlich Amazon selbst produziert.
Damit die Reklamesause abgerundet wird, gibt’s zum Ende noch ein ganzes AOK-Gesundheitsmagazin.

Zwar gibt es entsprechende “Werbesendung”-Einblendungen, der unaufmerksame Zuschauer bekommt das aber kaum mit. Aber wozu soll man sich ein Lokalmagazin ansehen, dessen Beiträge die pure Reklame sind? Einfach nur noch ätzend und leider überflüssig.