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Radtour (35): Schotter und Kopfsteinpflaster

Freitag, den 31. Mai 2019
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(34) -> 24.5.2019

Zum Himmelfahrtstag passt eine Radtour, und diesmal ließ ich mich wieder von einem Kollegen inspirieren, der ein Teilstück der heutigen Strecke neulich auch erst befahren hat.
Start ist am Oranienburger Schlosshafen. Dort schippern gerade ein paar junge Männer auf einem Boot auf der Havel herum. Sie hören laute Musik und grölen mit. Auf dem August-Wilheim-Steg bleiben immer wieder Leute stehen und schauen zu. Einige singen sogar mit, als das Lied von “Cordula Grün” angestimmt wird.

Ich radelte los. Und im Parkweg gleich das erste Ärgernis, das in Oranienburg ja schon fast Routine ist. Eine Straße mit Schotter. Wer so was entscheidet, ist weder Fußgänger, noch Radfahrer. Auf Schotter mit losen kleinen, spitzen Steinen kann man weder fahren noch laufen. Mit dem Rad ist das unangenehm, aber auch für Leute mit Kinderwagen.
Die Gegend hinter dem Schlosspark ist eine merkwürdige Mischung aus kleinen und großen Wohnhäusern und Kleingärten. Eine spannende und willkürliche aussehende Mischung. Am Luisenweg ist zudem die DDR wieder auferstanden. Eine riesige DDR-Fahne weht über einer Garage.

Ich fahre über die Kanalbrücke zur Thaerstraße. Dort ist in den vergangenen Jahren ein vollkommen neues Wohngebiet entstanden – wie an vielen Stellen in Oranienburg. Auf der rechten Seite der Straße befindet sich so etwas wie ein Gehweg. Bestehend aus Schotter und Sand. Und wieder frage ich mich ernsthaft, was das soll. Der Weg sieht aus wie noch nicht fertig, wie gewollt, aber nicht gekonnt. Radfahren kann man dort nicht und laufen fällt dort sicher auch schwer. Dieser Weg zieht sich die ganze Thaerstraße entlang und weiter am Kühbrückenweg. Stellenweise besteht der in Bordsteinen eingefasste Weg aus Zuckersand. Der pure Wegeblödsinn.
Ich ziehe es vor, auf der Straße zu fahren. Im Kuhbrückenweg wird Oranienburg ländlich. Links sind Spargelfelder, rechts stehen Holzstapel, an einer Stelle befindet so so etwas wie ein verfallener Stall. Im Bereich der B96-Brücke, die erst etwas mehr als 15 Jahre alt ist, gibt es sogar einen richtigen Radweg.

Ich erreiche Tiergarten, eine recht abgelegener Oranienburger Stadtteil. Der eingefasste Sandschotterweg beginnt plötzlich wieder und sieht noch zerzauster aus. Ich fahre wieder auf der Straße, an der Tiergarten-Gaststätte vorbei, in der ein paar Leute sitzen.
Am Ende von Tiergarten endet auch die Asphaltstrecke. Und – hurra – wieder Schotter. Ein paar Radler mühen sich auf dem Weg ab.
Auf der Kuhbrücke im gleichnamigen Wohnplatz mache ich eine kurze Pause und schaue auf die idyllische Natur mit dem Rhin, auf untern durchführt.
In Kuhbrücke gibt es sogar noch ein paar Häuschen, aber schnell befinde ich mich im Wald. Der Weg ist schlecht, Schlaglöcher und Feldsteine. Vermutlich war der Weg früher mal im besseren Zustand.
Der Weg führt bis zur Landesstraße, die ich nahe Teerofen – schon auf Hohenbrucher Gemarkung – überquere.

Es sind durchaus ein paar Leute auf diesem Weg unterwegs. Er führt von Oranienburg-Tiergarten bis Nassenheide und könnte eine wunderbare Radweg-Alternative sein. Von Nassenheide aus ist diese Strecke sogar als Radwanderstrecke ausgewiesen. Aber der Weg ist in miesem Zustand. Er muss früher mit Asphalt überzogen gewesen sein. Davon ist kaum was übrig. Stattdessen: lauter altes, holpriges Kopfsteinpflaster, von dem aber auch kaum noch was übrig ist.
An solche Wege wird offenbar kaum gedacht. Ein zumindest schmales Asphaltband, das sich dort durch den Wald zöge, wäre großartig. Denn die Natur dort ist erholsam, man fährt durch den puren Wald.

Ich erreiche Nassenheide. Wer mit dem Rad durch Nassenheide fährt, lernt das Dorf ganz neu kennen. Auf der Hohenbrucher Chaussee entsteht derzeit ein ganz neues Wohngebiet mit zig Häusern. Wo die bald stehen, war vorher weites Feld. Es ist ein wahnsinnig ruhiges Fleckchen Erde. Zumindest noch.
Und auch der Nassenheider Dorfkern ist vor allem eins: ruhig. Durch das Dorf führt zwar am Rand die B96 durch. Aber abseits davon herrscht Ruhe. Nassenheide hat den Vorteil, kein Durchfahrtsdorf zu sein. Am Ortsausgang kommt nichts mehr – zumindest für Autofahrer. So kann man minutenlang am Dorfanger stehen, auf die Kirche und die anderen alten Gebäude blicken, ohne dass ein Auto kommt.
Durch einen Tunnel an einem Bach geht es unter der B96 hindurch. Auf der anderen Seite geht es auf die Liebenwalder Chaussee, über den Nassenheider Bahnübergang.
Eigentlich wollte ich bis Freienhagen fahren, dann weiter durch den Wald nach Malz. Aber am Dameswalder Weg bleibe ich stehen und schaue auf Google Maps, wohin der Weg führt – und entschließe mich, dort einzubiegen.

Wieder geht es durch den Wald, mit dem Unterschied, dass der Waldweg dort ganz gut befahrbar ist. Ich lande in Neu-Friedrichsthal. Ich wusste als Oranienburger nicht, dass genau genommen Neu-Friedrichsthal ein eigener Ort ist – immerhin gibt es ein eigenes grünes Ortsschild.
Neu-Friedrichsthal liegt auch janz weit draußen. Nahe am Wald gelegen, ist es dort auch sehr ruhig in der relativ kleinen Siedlung. In der Kreuzallee überquere ich die Havel und bleibe dort auf der Brücke auch noch mal kurz stehen. Der Anblick ist einfach schön.
Ich verlasse Neu-Friedrichsthal, einem Ort, den ich bislang nicht kannte, und erreiche den Friedrichsthaler Ortskern mit der Kirche.
Langsam bin ich an einem Punkt, wo ich eigentlich langsam mal wieder zu Hause sein will. Der Wind kommt von vorn, und ich radele durch den Ort, in dem die Gaststätte an Himmelfahrt erstaunlicherweise geschlossen ist.
Mit Mühe erreiche ich wieder Sachsenhausen, ich bin inzwischen auf der selben Strecke von neulich unterwegs, und ich merke, dass ich langsam mal was trinken muss. Aber McDonald’s ist ja nicht mehr weit…

Und dann war da noch der Fußgänger in der Sachsenhausener Straße in Oranienburg, der auf dem Rad- und Fußweg direkt vor mir links – ohne zu gucken – auf meinen Radweg ausscherte, weil vor ihm eine Frau mit Kinderwagen war. Ich war schon so dicht an ihm dran, dass ich mich entscheiden musste: Klingeln oder vollbremsen. Beides ging nicht mehr. Ich bremste scharf, und wir bekamen alle einen Schreck. Der Mann rief mir irgendwas nach, woraufhin ich meinte, das sei der Radweg. Der soll froh sein, dass ich ihn nicht umgekachelt habe, nachdem er unaufmerksam ausscherte.

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aRTikel

Frage geklärt: Arthur besiegt Paul

Montag, den 8. Oktober 2018
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18-Jähriger aus Nassenheide knackt den Jackpot bei der Hohen Neuendorfer Spielshow und nimmt 3000 Euro mit nach Hause

MAZ Oberhavel, 8.10.2018

Hohen Neuendorf.
Die Frage „Wer besiegt Paul?“ kann nun beantwortet werden. Am frühen Sonntagmorgen um kurz vor 2 Uhr stand fest: Arthur besiegt Paul.
Der 18-jährige Arthur Losensky aus Nassenheide hat in der Hohen Neuendorfer Stadthalle die große Spielshow gegen Paul Aurin gewonnen. Nach 14 Spielen stand es 92:64 und Arthur war uneinholbar. 3000 Euro waren im Jackpot. Die kann Arthur nun mit nach Hause nehmen.

Die fünfte Ausgabe von „Wer besiegt Paul“ war eine der Superlative. Noch nie war die Halle so schnell ausverkauft – 800 Leute waren da. Noch nie hat eine Ausgabe so lange gedauert. Erst nach 2 Uhr und damit nach mehr als sechs Stunden verabschiedete sich Moderator Fabian Lindemann von seinen Zuschauern. Und noch nie hat die Show so viel gekostet – etwa 16 000 Euro, die durch Eintrittsgelder und Sponsoren wieder reinkamen. Ansonsten arbeiten alle 60 Beteiligten ehrenamtlich. Tagelang haben sie die Stadthalle in eine Art Fernsehstudio verwandelt – quasi rund um die Uhr.

„Wer besiegt Paul“ funktioniert ähnlich wie „Schlag den Star“. In bis zu 15 Spielen misst sich der Titelverteidiger Paul Aurin (28), Lehrer am Marie-Curie-Gymnasium, gegen seinen Herausforderer. Arthur Losensky hatte sich erst im Casting durchgesetzt, dann gegen drei weitere Kandidaten in der Halle. Der 18-Jährige hat im Sommer sein Abi am Oranienburger Runge-Gymnasium geschafft. Er spielt seit zehn Jahren Fußball, joggt, spielt Badminton, kommt aus einer Schwimmer-Familie und trainiert den Nachwuchs. Er beginnt in diesen Tagen ein Sport-Lehramtsstudium an der Universität in Jena. In der Show am Sonnabend erwies er sich als würdiger Gegner von Paul Aurin, der viele Spiele gewinnen konnte.

Das Team hat sich in langer Arbeit viele Spiele überlegt. Paul und Arthur mussten um die Wette tackern, Orte auf einem Kartenumriss finden, ein Auto so schwer wie möglich beladen, sie mussten Filme erkennen, die im Zeitraffer abgespielt wurden. Draußen auf dem Sportplatz stapelten sie Bierkisten, später gab es ein spezielles Basketball-Vier-gewinnt-Spiel. Die Entscheidung fiel beim Spiel namens Wurf-Reversi. Da war dann Arthur für Paul nicht mehr zu besiegen.

„Ich bin sehr glücklich“, sagte Paul Aurin später. „Es war eine sehr geile Show, vielleicht einen Tick zu lang.“ Da war es fast schon halb drei am Morgen, als er das erzählte. Dass es 2019 nun „nur“ noch um 1000 Euro geht, das findet Paul Aurin nicht schlimm. „Das ist doch an sich auch ein toller Betrag.“

Mit seinem 3000-Euro-Gewinn hat Arthur Losensky einiges vor. „Ich werde in Indexfonds investieren“, erzählte er. „Also sparen.“ Außerdem will er das Geld als Unterstützung für sein anstehendes Studium einsetzen – und für Reisen. Dass es klappen könnte, hat er während der zweiten Hälfte der Show gemerkt. „Beim letzten Spiel habe ich mich dann ziemlich sicher gefühlt“, sagte er. Er ist begeistert vom Team, das „Wer besiegt Paul“ in der Stadthalle stemmt. „Die sind absolut gut, sie arbeiten sehr professionell. Und es ist unglaublich viel, was sie hier reinstecken.“

Das findet auch Moderator Fabian Lindemann. „Das hier ist eine Herzensangelegenheit für uns“, sagte er am Ende der Show. Das Team investiere viel Zeit und Mühe. Allerdings gehen die Leute damit auch an ihre Grenzen. Das Publikum honoriert das. „Ohne Sie würden wir hier nicht stehen“, so Fabian Lindemann.

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aRTikel

Unbekannte laden Sondermüll in den Wäldern ab

Donnerstag, den 22. Februar 2018
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Revierleiter Ingo Jeschek ist sauer – Vermutlich handelt es sich um Reste eines abgerissenen Bungalows – Haufen bei Hohenbruch, Nassenheide und Wolfslake

MAZ Oberhavel, 22.2.2018

Hohenbruch.
Der Müll liegt mitten im Wald. Nicht irgendwo am Rand, die Unbekannten sind tief rein gefahren, damit sie vermeintlich unbemerkt ihren Dreck loswerden konnten. Es muss am Wochenende passiert sein, aber schon am Montag haben Mitarbeiter der Revierförstereien die Müllhaufen entdeckt.

Revierleiter Ingo Jeschek ist sauer. An einer Waldweg-Kreuzung ganz in der Nähe von Döhringsbrück, einem Gemeindeteil von Hohenbruch, liegt einer der Haufen. Es sind ganz offenbar Reste eines abgerissenen Bungalows. Trennwände, wo sogar noch die Tapete zu erkennen ist. Fensterteile, Dämmwolle – und auf jeden Fall umweltschädlicher Asbest. „Wir sind an vier Stellen fündig geworden“, sagt Ingo Jeschek. Ein weiterer Müllhaufen liegt an einer Stelle im Wald zwischen Hohenbruch und Teerofen. Außerdem in der Nähe von Wolfslake und bei Nassenheide. Am Wochenende entdeckten Passanten am Rand von Groß-Ziethen abgeladene Asbestplatten und Bauschutt. Der Revierleiter kann nur für seine vier Fälle sprechen, aber er sagt: „Das alles müsste von einer Aktion stammen.“ Eines oder mehrere Gebäude müssten abgerissen worden sein. Er vermutet, es müsste im Oranienburger Bereich geschehen sein. „Wir haben Anzeige bei der Polizei erstattet.“ Müll im Wald abzuladen, ist eine Ordnungswidrigkeit. „Das hier aber ist eine Umweltstraftat“, sagt Ingo Jeschek.
Zwar sind die Wälder für den Straßenverkehr gesperrt, aber die Schranken an den Eingängen nicht verschlossen. „Das dürfen wir nicht, weil es ein Betretungsrecht gibt, zum Beispiel für Kremserwagen.“ Die unbekannten Täter haben das offenbar für sich ausgenutzt.

Er kann den Müll auch nicht einfach wegräumen. „Da müssen Spezialisten kommen, die das entsorgen. Wir selbst dürfen das auf keinen Fall beräumen, dazu braucht man eine Schutzausrüstung, und das ist eine teure Sache.“ Landkreis und die Försterei müssten sich das wohl teilen. Aber bis alles in die Wege geleitet werde, könne es noch zwei Wochen dauern. Der Revierleiter befürchtet, dass nun noch mehr Leute ihren Müll an diesen Stellen ablagern.

540 Kubikmeter Müll sammelten die Mitarbeiter des Forstreviers Neuendorf 2017 aus den Wäldern, davon waren 100 Kubikmeter Sondermüll. Etwa 2100 Arbeitsstunden gingen dafür drauf – das entspricht Lohnkosten in Höhe von ungefähr 34 000 Euro. Die Kosten für die Sondermüllentsorgung betrug im vergangenen Jahr 4400 Euro, so Ingo Jeschek.

Der Revierleiter hofft, dass durch Zeugen die Täter gefunden werden. „Vielleicht hat ja jemand gesehen, wo ein Bungalow abgerissen worden ist“, hofft er.

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Frag Google (12): Sex – lieber in Nassenheide oder auf der A11?

Dienstag, den 22. September 2015
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(11) -> 9.5.2015

Und wieder sind zehn neue interessante Suchanfragen zusammengekommen, mit denen Nutzer dieser Seite über Google hierher gefunden haben. Hier werden sie wieder kommentiert oder beantwortet.

1. “hat Hitler die rügenbrücken lassen?”
Der Bau begann 1931, da war Hitler noch gar nicht der Macht. Allerdings fällt die Fertigstellung schon in die Zeit, in der er regierte. Und natürlich waren die Nazis an solchen Prestigeprojekten interessiert.

2. “Hören überwiegend schwule Männer den Pop Musiker Prince?”
Hört überhaupt noch jemand Prince?

3. emalige bahnstrecke berlin -rostock mit halt in friedrichstal bei oranienburg
Ich kaufe für riedrichsthal ein h.

4. wo stammt der name von genewikow er
Ich kaufe ein weiteres h für “her”. Und: Gnewikow. Bitte nennt das Dorf um, kann sich doch keiner merken!

5. wo kann man heute noch ficken in nassenheide
Muss es denn zwingend Nassenheide sein?

6. glückskeks hilfeschrei
Ohoh.

7. “ficken auf der a11”
Ist nicht zu empfehlen. Gefährlich viel Verkehr.

8. “MASSENKARMbolage 1991”
Hat “Massenkarm” eine nähere Bedeutung?

9. “11 jährige Nachthemd geil”
Pervers? Ganz sicher.

10. “himmelspagode hohen neuendorf katzenfleisch”
Naheeein, verdammt!

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B96: Wenn’s mal wieder länger dauert

Sonntag, den 16. August 2015
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Die Bewohner von Fürstenberg verfluchen die B96. Die führt mitten durch das Zentrum und kann verdammt laut werden. Die Vorbereitungen für eine Ortsumgehung laufen nun nach langem Kampf. Wobei es ja für einen Ort für Fürstenberg auch immer Fluch und Segen zugleich ist, so eine belebte Straße zu haben. Kein Durchgangsverkehr führt schließlich dazu, dass auch weniger Leute in den Ort kommen.
Es heißt, nachts um 1 Uhr könne man langsam dran denken, mal ein Fenster aufzumachen, dann kämen weniger Lkw durch. Weniger. Nicht: keine.

Am Sonnabendvormittag war die B96 eher ein Fluch. Eine halbe Ewigkeit stand ich in einer der Seitenseiten, um links auf die Bundesstraße abzubiegen. Lange Kolonnen auf beiden Seiten, der sich durch die kleine Stadt quält. Ferienverkehr. Bestimmt fünf Minuten ging das so, bis sich endlich mal ein Schlupfloch auftat.
Immerhin war der Weg Richtung Oranienburg relativ frei. Aber nach Norden: Stau an der Brückenbaustelle bei Dannenwalde. Stau in Löwenberg. Stau vor Nassenheide. Wer dorthin unterwegs war, brauchte viel Geduld. Andererseits blieb viel Zeit zum Träumen von wunderschönen Umgehungsstraßen.

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aRTikel

Das zweite Berlin im Krämer Wald

Donnerstag, den 6. Februar 2014
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Die Nazis bauten zwischen Pausin, Staffelde und Bötzow Anlagen auf, die die Bomber von der Großstadt ablenken sollten

MAZ Oranienburg, 6.2.2014

OBERKRÄMER/KREMMEN
Alles sollte aus der Luft betrachtet so aussehen wie das Original: Straßenzüge, Kreuzungen, Häuser und viel Licht. So, wie es 1940 rund um die Friedrichstraße in Berlin-Mitte eben aussah. In Wirklichkeit befand sich das Areal auf einem Feld zwischen Eichstädt und Vehlefanz. Die Straßenschluchten waren beleuchtete Waldschneisen. Neu-Berlin sagten die Leute damals zu dieser sogenannten Scheinanlage. Rund um die Reichshauptstadt bauten die Nazis im Zweiten Weltkrieg diese Anlagen auf, um die englischen und amerikanischen Bomber von ihren eigentlichen Zielen abzulenken. An anderen Stellen wollten sie angriffswürdige Ziele vertuschen.

Über dieses Kapitel deutscher Geschichte ist bislang nur wenig bekannt. Der Berliner Hobbyforscher Peter Reinhardt befasst sich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema. Am Dienstagabend hielt er einen Vortrag in Grünefeld (Havelland). „Es gibt kaum Infos und Dokumente“, erzählte er.

Rund um den Krämer Wald, in einem Gebiet zwischen Pausin, Staffelde und Bötzow befand sich die größte Anlage in der Region. Sie trug die Bezeichnung „V-500“, die Engländer gaben ihr den Namen „Decoy-City“ oder auch „Berlin-Nauen 1“. Sie sollte an zwölf Stellen eine Gesamtdarstellung von Berlin simulieren. Dazu gehörte die Friedrichstraße nahe Eichstädt, Bahngleise und Güterbahnhöfe bei Eichstädt, Grünefeld und Perwenitz oder ein Flughafen bei Pausin. „Die Leute in diesen Gebieten fragten sich immer wieder, warum dort ab und zu Bomben gefallen sind“, erzählte Peter Reinhardt. Oftmals sei erst nach dem Krieg die Existenz einer solchen Anlage klar gewesen.
Mehrere dieser Bauten standen nahe Pausin. Nördlich des Dorfes installierten die Nazis Metallwannen mit einem Altöl-Benzingemisch. Die Flammen sollten aus der Ferne einen Großbrand simulieren. Ebenfalls bei Pausin ist ein ganzer Flughafen zum Schein simuliert worden. Dazu gehörten große Modellflugzeuge aus Holz, die immer hin und hergeschoben worden seien, um Verkehrsbewegungen darzustellen. Auf einem Acker bei Perwenitz gab es ganze Schienenanlagen, die den Bahnverkehr aber ebenfalls nur simulierten. Ebenso nahe Eichstädt und Grünefeld. Die heutige Autobahn 10, der Berliner Ring, war damals noch nicht fertig, aber der Brückenkopf bei Paaren im Glien stand bereits, die Fundamente dienten ebenfalls als Scheinanlage. Nahe der alten Grünefelder Mühle standen Scheinwerfer, auf einem Feld am Vehlefanzer Weg bei Börnicke sind ähnliche Entdeckungen gemacht worden. Auf den Feldern zwischen Staffelde, Groß-Ziethen und Klein-Ziethen befanden sich, ähnlich wie bei Eichstädt, beleuchtete Schneisen im Wald – auch sie sollten teilweise die Großstadt darstellen. Wer zwischen Paaren im Glien und Perwenitz unterwegs ist, wird nahe der Tankstelle am Berliner Ring auf alte Fundamente solcher Bauten treffen. „Man muss aber ganz genau hinsehen“, sagte Peter Reinhardt. „Es steht beispielsweise eine Holzhütte darauf.“ In einem Waldstück bei Schönwalde-Glien entdeckte er lauter Erdhügel, auf denen in den 1940er-Jahren Scheinwerfer standen, die ebenfalls einen Teil der Stadt Berlin simulieren sollten.

Kräfte der Luftwaffe stellten den Betrieb der Anlagen sicher. Um sie vor Bombenangriffen zu schützen, sind jeweils unweit davon leichte Bunker gebaut worden. In Grünefeld ist einer heute noch zu sehen.
Dass Berlin etwa 30 Kilometer weiter südöstlich vom Krämer Wald liegt, bekamen die Engländer aber schnell mit. Auf Karten vermerkten sie die Scheinanlagen von „Decoy-City“. 30 englische und amerikanische Flieger sind bis zum Ende des Krieges in der Region abgestürzt.

Peter Reinhardt hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Kapitel der Scheinanlagen bekannter zu machen. Er sucht weiter nach Zeitzeugen, Fotos und Dokumenten

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Simulierte Heinkel-Werke bei Nassenheide
Eine Auswahl von Scheinanlagen während des Zweiten Weltkrieges:
Bei Mühlenbeck befand sich in den Rieselfeldern eine Anlage, die mit Scheinwerfern und Rauch einen Großbrand simulieren sollte. In der Nähe von Nassenheide sind Teile der Anlage des Germendorfer Heinkel-Werkes nachgestellt worden.
In einem Gebiet zwischen Pausin, Staffelde und Bötzow befand sich die Scheinanlage „V-500“. Innerhalb dieses Kreises sind diverse Maßnahmen ergriffen worden, um die Bomber von Berlin abzulenken. Zwischen Staffelde und Groß-Ziethen befanden sich beleuchtete Waldschneisen, die Berliner Straßenzüge darstellen sollten.
In der Region Eichstädt/Vehlefanz befanden sich Signalraketen, Schein-Bahn- und Verkehrsanlagen sowie ein Scheinfeuer. Auch ist dort ein Teil von Berlin-Mitte durch Schneisen und Lichter simuliert worden. Eine weitere Anlage bestand, laut einer Karte, zwischen Velten und Schönwalde.
Südlich von Pausin ist ein Testfeld angelegt worden, auf dem alle Scheinanlagen erprobt worden sind. Auch gab es dort eine komplette Flugplatzanlage – ebenfalls nur zum Schein. Noch vor dem Bau des Berliner Rings diente der schon fertige Brückenkopf nahe Paaren im Glien ebenfalls als Scheinanlage.

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ORA aktuell

Lehnitz: Bombe muss gesprengt werden

Donnerstag, den 21. November 2013
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Am Alten Hafen in Lehnitz muss am Donnerstag eine 500-Kilogramm-Bombe gesprengt werden. Um den Fundort ist ein 1000-Meter-Sperrkreis gezogen worden. Betroffen sind große Teile von Lehnitz sowie Oranienburg. Gesperrt sind unter anderem die Saarlandstraße und die Lehnitzstraße. Der Bahnverkehr ist zwischen Oranienburg und Borgsdorf schon seit Mittwoch gesperrt. Während der Sprengungsaktion ist die Bahnstrecke bis Nassenheide dicht.
Es ist die 175. Bombe seit der Wende, die entschärft oder gesprengt werden muss. Gegen Mittag soll der Sperrkreis aufgehoben werden.

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